DVD-Kritik: Mord und Totschlag, überall und jederzeit

März 13, 2013

Nach der fantastischen Welt von Oz, vor „Hitchcock“ und zwischen „Vega$“ (muss sein, für mich als PI-Junkie) und Peter Weir (muss sein, für alle Filmfans) stapeln sich Bücher und Filme, die ich teilweise schon vor Weihnachten gelesen habe und ausführlich besprechen wollte. Aber bis jetzt kam ich nicht dazu und in den nächsten Tagen sieht es auch nicht viel besser aus. Bevor meine Notizen auch für mich vollkommen unlesbar werden, gibt es jetzt einen Schwund kurzer Kritiken. Ich würde ja sagen Drei-Satz-Kritiken, aber dann werden es doch vier, fünf oder noch mehr Sätze.

Beginnen wir mit einigen Gangsterfilmen:

„Black’s Game“ führt uns in die Unterwelt von Island. Student Stebbi hat Angst vor einer drohenden Gefängnisstrafe. Doch dann trifft er seinen Jugendfreund Toti, der inzwischen als Gangster sein Geld verdient und ihm bei diesem Problemchen helfen will. Er gibt Stebbi eine kleine Aufgabe, die er mit Bravour erledigt und fortan verfolgen wir gespannt seinen Aufstieg in der isländischen Gangsterhierarchie, in der die Protagonisten jünger und brutaler als bei Martin Scorsese sind.

Das ist mitreisend hartes Kino mit überzeugenden Schauspielern, die teilweise hier ihr Leinwanddebüt gaben. Óskar Thór Axelssons Film basiert auf einem Roman von Stefán Máni, der in einem Featurette von den Recherchen für den Roman erzählt. Wobei allerdings unklar bleibt, wie sehr der, bis auf den Epilog, 1999/2000 spielende Film „Black’s Game“ auf Tatsachen beruht oder verschiedene Vorfälle und Personen aus der isländischen Unter- und Halbwelt zu einer spannenden Geschichte verdichtet.

Black's Game - DVD-Cover

Black’s Game – Kaltes Land (Svartur á leik, Island 2012)

Regie: Óskar Thór Axelsson

Drehbuch: Óskar Thór Axelsson

LV: Stefán Máni: Svartur á leik, 2004

mit Þorvaldur Davið Kristjánsson, Jóhannes Haukur Jóhannesson, Damon Younger, Maria Birta Bjarnadóttir, Vignir Rafn Valþórsson, Egill Einarsson, Björn Jörundur Friðbjörnsson

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DVD

Koch Media

Bild: 2.35:1 (16:9)

Ton: Deutsch (Dolby Digital 5.1, DTS), Isländisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Diverse Featurettes und Interviews (19 Minuten), Originaltrailer, Wendecover

Länge: 104 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

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Hinweise

Rotten Tomatoes über „Black’s Game“

Wikipedia über „Black’s Game“

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Bei „Mr. Nice“ stellt sich die Frage nicht. Denn Bernard Roses Film erzählt, basierend auf der Biographie von Howard Marks, dessen Lebensgeschichte und wie er vom begabten, aus ärmlichen Verhältnissen kommendem Kleinstadtjungen während der Swinging Sixties an der Universität Oxford mit Drogen und freier Liebe in Berührung kam und ratzfatz zum größten Dope-Dealer Englands aufstieg, mit dem Gesetz Probleme hatte und heute, das ist die dramaturgische Klammer, auf der Bühne locker-flockig von seinem Leben erzählt.

„Mr. Nice“ ist eine mäßig unterhaltsame Selbstinszenierung von Howard Marks. Aber die Einzel-DVD ist mit einem Audiokommentar von Bernard Rose und einem von Howard Marks gut ausgestattet. Wer mehr Infos will, muss die Doppel-DVD kaufen.

Mr. Nice

Mr. Nice (Mr. Nice, GB 210)

Regie: Bernard Rose

Drehbuch: Bernard Rose

LV: Howard Marks: Mr. Nice, 1996 (Mr. Nice)

mit Rhys Ifans, Chloe Sevigny, David Thewlis, Omid Djalili, Crispin Glover

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DVD

Koch Media

Bild: 1.85:1 (16:9)

Ton: Deutsch (DTS, Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Zwei Audiokommentare, Deutscher Trailer, Originaltrailer

Länge: 118 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

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Hinweise

Film-Zeit über „Mr. Nice“

Metarcritic über „Mr. Nice“

Rotten Tomatoes über „Mr. Nice“

Wikipedia über „Mr. Nice“ (deutsch, englisch)

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Wesentlich gelungener ist Bernard Roses 1944 in London spielendes, heute fast vergessenes Frühwerk „Chicago Joe und das Showgirl“, nach einem Drehbuch von David Yallop, mit Kiefer Sutherland und Emily Lloyd in den Hauptrollen.

Emily Lloyd spielt das titelgebende Showgirl Georgina Grayson, die sich ein Leben auf der großen Bühne und als Gangsterbraut erträumt und als sie Rick ‚Chicago Joe‘ Allen (Kiefer Sutherland) kennenlernt, ist sie sofort in ihn verliebt. Denn er ist ein waschechter Gangster aus Chicago! Das Liebespaar beginnt schnell ihre Version von Bonnie und Clyde zu spielen. Dummerweise ist Chicago Joe kein Gangster, sondern ein kleiner, fahnenflüchtiger Soldat und notorischer Aufschneider.

Rose spielt in diesem Film sehr interessant und für einen über zwanzig Jahre alten Mainstream-Film sehr avantgardistisch mit den verschiedenen Wahrnehmungsebenen. Denn er wechselt ständig zwischen der Realität und Georginas Träumen von der großen Hollywood-Karriere (so beginnt und endet der Film mit einer Fantasie von ihr bei der Premiere ihres großen Films [Remember „Sunset Boulevard“?]) und ihrem, aus den Hollywood-Gangsterfilmen entlehntem Bild der Wirklichkeit. Die Kulissen sind überdeutlich als Kulissen erkennbar, das Filmformat erinnern an einem Dreißiger-Jahre-Gangsterfilm, die Farben an das damals gebräuchliche Technicolor. Und auch Chicago Joe hat seine Probleme mit der schnöden Realität. Denn er steht zwischen zwei Frauen, die er beide belügt.

Ach ja: „Chicago Joe und das Showgirl“ basiert auf einem wahren Fall: dem „Cleft Chin Murder“. Am 3. Oktober 1944 lernten sich die am 5. Juli 1926 in South-Wales geborene Elizabeth ‚Betty‘ Maud Jones (die als Georgina Grayson als Striptease-Tänzerin arbeitete) und der 1922 in Schweden geborene, in Massachusetts aufgewachsene Karl Hulten, der sich Ricky nannte und damals seit einem halben Jahr fahnenflüchtig war, kennen. Der Film folgt den damaligen Ereignissen anscheinend ziemlich genau.

Beide wurden zum Tode verurteilt. Hulten wurde als einziger G. I. der je in Großbritannien hingerichtet wurde, am 8. März 1945 erhängt. Jones wurde 1954 begnadigt.

Chicago Joe und das Showgirl - DVD-Cover

Chicago Joe und das Showgirl (Chicago Joe and the Showgirl, GB 1989)

Regie: Bernard Rose

Drehbuch: David Yallop

mit Emily Lloyd, Kiefer Sutherland, Patsy Kensit, Keith Allen, Liz Fraser, Alexandra Pigg

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DVD

Koch Media (Film Noir Collection 11)

Bild: 1.37:1 (4:3)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: –

Bonusmaterial: 12-seitiges Booklet, Bildergalerie, Trailer

Länge: 99 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

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Hinweise

Rotten Tomatoes über „Chicago Joe und das Showgirl“

Wikipedia über „Chicago Joe und das Showgirl“

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Dass „The Take – Zwei Jahrzehnte in der Mafia“ nicht das Budget von „Der Pate“ oder „Goodfellas“ hatte, sieht man und dass „The Take“ ursprünglich eine vierteilige TV-Serie war, sieht man ebenfalls. Denn der Film teilt sich in vier Blöcke, die 1984, 1988 und 1994 (der dritte und vierte Teil) spielen und die Länge einer TV-Episode haben. Und dass die Geschichte weitgehend den bekannten Genrepfaden folgt, merkt man schnell.

„The Take“ erzählt die Geschichte von Freddy Jackson (Tom Hardy) und seinem Freund und Cousin Jimmy Jackson (Shaun Evans), zwei Londoner Verbrecher, die sich seit Ewigkeiten kennen. Freddie verbrachte einige Jahre im Gefängnis und kaum ist er draußen, beginnt er mit einer fiebrigen Energie, die Scarface vor Neid erblassen lassen würde, sein Imperium aufzubauen. Gleichzeitig wird er zunehmend psychopathisch und man fragt sich spätestens ab der Filmmitte, wie ein so durchgeknallter Verbrecher die letzten zehn Jahre (und die Jahre vor dem Filmbeginn) überleben konnte. Währenddessen festigt Jimmy seinen Ruf als Geschäftsmann, der zwar illegale Geschäfte betreibt, aber zunehmend verbürgerlicht.

Das folgt alles bis zum Ende, durchaus kraftvoll und für eine TV-Serie sehr brutal, den bekannten Genrekonventionen. Aber schon von Anfang spielen die Frauen an der Seite von Freddy und Jimmy, teils als Schwester, teils als Ehefrau, eine wichtige Rolle, die zwar zunächst irritiert, weil sie mit dem verbrecherischen Leben der Gangster nichts zu tun haben, aber sie sorgt auch für ein überraschendes und ungewöhnliches Ende, das auch eine Verschiebung innerhalb des Genres anzeigt. Denn im Spiel zwischen Gangstern und Gangstern und Gangstern und Polizisten ist ein weiterer Mitspieler hinzugekommen.

Und dann ist da noch Tom Hardy in Bad-Ass-Bad-Ass-Mode. Für sein Spiel war er für den 2009er Crime Thriller Award als bester Darsteller nominiert. Danach spielte er, um nur seine bekannteste Rolle zu nennen, in „The Dark Knight Rises“ den Bösewicht.

The Take - DVD-Cover

The Take – Zwei Jahrzehnte in der Mafia (The Take, GB 2009)

Regie: David Drury

Drehbuch: Neil Biswas

LV: Martina Cole: The Take, 2005 (Die Schwester)

mit Tom Hardy, Shaun Evans, Charlotte Riley, Kierston Wareing, Margot Leicester, Brian Cox, Jane Wood

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DVD

Koch Media

Bild: 1.78:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digitial 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: –

Länge: 178 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

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Hinweise

Sky1 über „The Take“

Wikipedia über „The Take“ 

Homepage von Martina Cole

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Dank „Drive“ ist Nicolas Winding Refn inzwischen wohl bekannt genug, dass mit seinem Namen geworben werden kann. Bei „Black’s Game – Kaltes Land“ war er Executive Producer, aber auf dem DVD-Cover wird er groß erwähnt. Der englische Gangsterfilm „Pusher“ basiert auf Nicholas Winding Refns gleichnamigem, rauhen Debütfilm von 1996 über einen kleinen Drogendealer, der gerade eine Pechsträhne hat und innerhalb weniger Tage viel Geld besorgen muss, das er nicht hat. Er lässt sich auf zunehmend riskante Geschäfte ein und bei einem Noir können wir uns denken, wie die Geschichte ausgeht.

Diese nicht sonderlich spektakuläre Geschichte (sie wurde durch Nicholas Winding Refns Regie, die Kamera und die Schauspieler zu etwas Besonderem) hat jetzt Drehbuchautor Matthew Read (Produzent bei „Miss Marple“, „Aurelio Zen“ und „Kommissar Wallander“) mit kleinen Änderungen ins heutige London übertragen, der Spanier Luis Prieto gab sein UK-Debüt und Richard Coyle übernahm die Hauptrolle in dieser Version von „Pusher“, die die altbekannte Geschichte in einer anderen Stadt erzählt. Das ist als eigenständiger Film gelungen, interessant im Vergleich zwischen Original und Remake und ähnelt dem US-Remake von Stieg Larssons „Verblendung“, das auch gut, aber für die Kenner des Originals auch ziemlich überflüssig ist.

Pusher - DVD-Cover

Pusher (Pusher, GB 2012)

Regie: Luis Prieto

Drehbuch: Matthew Read

mit Richard Coyle, Agyness Deyn, Bronson Webb

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DVD

Sunfilm

Bild: 16:9 (1:1,85)

Ton: Deutsch (DTS, DD 5.1), Englisch (DD 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Trailer

Länge: 88 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

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Hinweise

Metacritic über „Pusher“

Rotten Tomatoes über „Pusher“

Wikipedia über „Pusher“

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Die „Briefe aus dem Jenseits“ haben mächtig Patina angesetzt. Die Geschichte ist auch mehr ein Gruselfilm als ein Noir. Allerdings einer, der zwar einige gelungene, also unheimliche Szenen hat, aber insgesamt eher den Eindruck von verwirrend zusammengesetztem, sich als Liebesdrama viel zu ernst nehmendem Stückwerk hinterlässt.

Denn als Literaturagent Lewis Venable (Robert Cummings) in Venedig in der Villa der über hundertjährigen Juliana Bordereau (Agnes Moorehead) unter einem Vorwand die anscheinend unglaublich beeindruckenden Liebesbriefe des verschollenen Poeten Jeffrey Ashton an sie sucht, wird er in ein Spiel um Identitäten, Schein und Sein hineingezogen und er verliebt sich in die Nichte der Hausherrin (Susan Hayward), die nach Sonnenuntergang zu einer anderen Frau wird.

Briefe aus dem Jenseits - DVD-Cover

Briefe aus dem Jenseits (The Lost Moment, USA 1947)

Regie: Martin Gabel

Drehbuch: Leonardo Bercovici

LV: Henry James: The Aspern Papers, 1888 (Asperns Nachlass)

mit Robert Cummings, Susan Hayward, Agnes Moorehead, Joan Lorring, John Archer

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DVD

Koch Media (Film Noir Collection 10)

Bild: 1.37:1 (4:3)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: –

Bonusmaterial: 12-seitiges Booklet, Bildergalerie

Länge: 85 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

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Hinweise

Rotten Tomatoes über „Briefe aus dem Jenseits“

Turner Classic Movies über „Briefe aus dem Jenseits

Wikipedia über „Briefe aus dem Jenseits“ 

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P. S.: Der Trailer ist ein Fan-Made-Trailer.

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Zurück in die Fast-Gegenwart.

„Der Mann mit der Stahlkralle“. Das klingt doch nach zünftiger, gehirnbefreiter Action mit vielen schlagenden und tretenden Asiaten. Vor allem weil der Film erst 1980, drei Jahre nach dem US-Kinostart, in die deutschen Kinos kam und in den Bahnhofkinos gerade gefühlt jeder zweite Film einen „Bruce Lee“ im Titel hatte. Da konnte „Der Mann mit der Stahlkralle“ nur ein weiterer billiger Action-Film sein, der auch bei der Kritik schlecht ankam: „übles Kinostück“ (Fischer Film Almanach 1981), „blutrünstiger Film“ (Lexikon des internationalen Films).

Nun, blutrünstig ist der Film in einigen Momenten und natürlich im Showdown. Und ein Mann mit einer Stahlkralle kommt auch vor. Aber der Originaltitel „Rolling Thunder“ trifft es schon eher. Denn wie ein Donnergrollen bewegt sich die Noir-Geschichte langsam und sehr fatalistisch voran. Paul Schrader, der Autor von „Taxi Driver“, hatte die Idee für die Geschichte von einem Kriegsheimkehrer, der sich in seiner alten Heimat nicht mehr zurechtfindet. Eine Geschichte, die in vielen Momenten in einem interessanten Verhältnis zu „Taxi Driver“ steht und damals, – wir sind in der Prä-“Rambo“-Zeit und auch auch vor den kritischen Vietnam-Filmen „Sie kehren heim“ (Coming Home) und „Die durch die Hölle gehen“ (The Deer Hunter) -, im Kino noch Terra Incognita war. Heywood Gould (The Bronx, Cocktail) wurde dann als zweiter Drehbuchautor genommen und John Flynn, der davor die unterschätzte Richard-Stark-Verfilmung „Revolte in der Unterwelt“ (The Outfit) drehte, übernahm die Regie. Flynn drehte später unter anderem „Bestseller“ und „Lock Up – Überleben ist alles“.

Erzählt wird die Geschichte von Major Charles Raine (William Devane) der 1973 nach einer siebenjährigen Gefangenschaft in einem Vietcong-Gefangenenlager wieder in seine alte Heimat San Antonio, Texas zurückkehrt. Aber der introvertierte Mann, der überall als Kriegsheld gefeiert wird, hat Probleme, in sein altes Leben, das es auch nicht mehr gibt, zurückzukehren. Für seinen Sohn ist er ein fremder Mann. Seine Frau hat sich in einen anderen Mann verliebt. Er hat keinen Job.

Erst als einige Verbrecher ihm einige Münzen, die er als Anerkennung für seine Gefangenschaft erhielt, klauen, seine Familie umbringen und ihm in einem Küchenabfallzerkleinerer (in Texas ein übliches Haushaltsgerät) seine Hand zerhäckseln, hat er wieder eine Mission und die titelgebende Stahlkralle als Ersatz für die fehlende Hand.

Raine will die Mörder seiner Frau und seines Sohnes finden.

Dabei hilft ihm Johnny Vohden (Tommy Lee Jones), der mit ihm in Gefangenschaft war und daran ebenfalls zerbrochen ist.

Tommy Lee Jones hat zwar nur wenige Szenen in dem Film, aber wie er in ihnen die Verlorenheit seines Charakters zeigt, ist großes Schauspiel.

Denn Raine und Vohden sind zutiefst gebrochene Charaktere, die in der Gesellschaft ihren Platz nicht mehr finden. Genau wie Travis Bickle (Robert De Niro) in „Taxi Driver“ oder William James (Jeremy Renner) in „The Hurt Locker“.

Das gesagt, muss allerdings auch gesagt werden, dass „Der Mann mit der Stahlkralle“ sogar nach damaligem Standard sehr langsam erzählt ist, die wenigen Schnitte, die dunklen Bilder und die introvertierten Charaktere dieses Gefühl der Langsamkeit noch verstärken und so „Der Mann mit der Stahlkralle“ sich zäher als nötig ansieht. Jedenfalls wenn man auf die Action gespannt ist. Die gibt es erst in der zweiten Hälfte und sie ist immer noch ziemlich graphisch. Wobei die schlimmste Szene, gerade weil wir sie uns so gut vorstellen können, wohl das Zerkleinern von Raines‘ Hand ist.

Das Bonusmaterial ist sehr gelungen. Es gibt eine Bildergalerie, ein elfminütiges Interview mit Linda Haynes über die Dreharbeiten und ihr Leben nach dem Film abseits der Filmindustrie und einen sehr interessanten und sehr informativen Audiokommentar, bei dem Drehbuchautor Heywood Gould im lockeren Gespräch mit Roy Frumkes aus seinem Leben und über den Film erzählt. Wer also einen Blick hinter die Kulissen werfen will, ist hier ziemlich gut bedient. Und wer wissen will, warum „Der Mann mit der Stahlkralle“ einer der Lieblingsfilme von Quentin Tarantino und Eli Roth ist, sollte sich Eli Roths „Trailer from Hell“-Audiokommentar zum Trailer anhören.

Ach ja: „Der Mann mit der Stahlkralle“ war bis 2001 auf dem Index und diese DVD/Blu-ray ist die erste ungekürzte Veröffentlichung des Films in Deutschland.

Der Mann mit der Stahlkralle - DVD-Cover

Der Mann mit der Stahlkralle (Rolling Thunder, USA 1977)

Regie: John Flynn

Drehbuch: Paul Schrader, Heywood Gould

mit William Devane, Tommy Lee Jones, Linda Haynes, James Best, Lisa Richards

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DVD

Koch Media

Bild: 1.85:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: –

Bonusmaterial: Audiokommentar mit Drehbuchautor Heywood Gould, Interview mit Darstellerin Linda Haynes (11 Minuten), Trailer mit Kommentar von Eli Roth, Trailer, TV-Spot, Bildergalerie

Länge: 96 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

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Hinweise

Noir of the Week: Krimiautor Wallace Stroby über „Der Mann mit der Stahlkralle“

Rotten Tomatoes über „Der Mann mit der Stahlkralle“

Turner Classic Movies über „Der Mann mit der Stahlkralle“

Wikipedia über „Der Mann mit der Stahlkralle“ 

Homepage von Heywood Gould


TV-Tipp für den 13. März: Amateur

März 13, 2013

Der Recorder freut sich

ARD, 01.55

Amateur (Frankreich/USA 1993, R.: Hal Hartley)

Drehbuch: Hal Hartley

Auf dem Papier klingt das ziemlich Gaga (eine Nonne, die in New York Pornoschriftstellerin ist, hilft einem international gesuchtem Gangster mit Gedächtnisverlust; während sie von den Killern eines Syndikats verfolgt werden, treffen sie unter anderem einen frustrierten Pornostar und einen linkisch-psychopathischen Steuerberater), aber auf der Leinwand ist „Amateur“ ein wunderschöner Independent-Film von dem damals sehr populärem Hal Hartley, der in den letzten zehn Jahren ziemlich von der Bildfläche verschwand.

„‚Amateur‘ ist kein eindeutiges Genrekino, sondern ein übergreifendes, in dem die Charaktere scheinbar willkürlich modelliert, demontiert oder deformiert werden. Viele Zitate verweisen auf filmgeschichtliche Zusammenhänge, aber Hartleys Versuchsanordnung ist mehr als nur eine Anspielung, da er ein Handlungskaleidoskop anbietet, in dem bewusst nicht die Logik, sondern der Zufall bestimmt.“ (Fischer Film Almanach 1995)

mit Isabelle Huppert, Martin Donovan, Elina Lowensohn, Damian Young, Chuck Montgomery

Wiederholung: RBB: Mittwoch, 20. März, 22.45 Uhr

Hinweise

Homepage von Hal Hartley

Rotten Tomatoes über „Amateur“

Wikipedia über „Amateur“ (deutsch, englisch)

Filmmaker Magazine: Peter Bowen über „Amateur“ (Frühling 1995)


Cover der Woche

März 12, 2013

Leigh - Psycho


TV-Tipp für den 12. März: Tatort: Tempelräuber

März 12, 2013

SWR, 20.15

Tatort: Tempelräuber (D 2009, R.: Matthias Tiefenbacher)

Drehbuch: Magnus Vattrodt

Buch zum Film: Martin Schüller: Tempelräuber, 2010

In Münster wird ein Priester ermordet. Während Kommissar Thiel versucht, den Mörder des Leiters des Sankt-Vincenz-Seminars zu finden, mischt sich Gerichtsmediziner Boerne mal wieder, auch mit zwei gebrochenen Armen, ungefragt in die Ermittlung ein.

Gewohnt witziger „Tatort“ des Teams Thiel/Boerne, in dem die Witze Hauptsache und die Mördersuche Nebensache sind.

mit Axel Prahl, Jan Josef Liefers, Friederike Kempter, Christine Urspruch, Mechthild Grossmann, Claus Dieter Clausnitzer, Ulrich Noethen , Rosalie Thomass, Johanna Gastdorf, Wolf-Niklas Schykowski, Marita Breuer

Hinweise

Tatort-Fundus über Kommissar Thiel

Meine Besprechung von Martin Schüllers „Tempelräuber“


R. i. P. Damiano Damiani

März 11, 2013

R. i. P. Damiano Damiani (geb. 23. Juli 1922, Pasiano di Pordenone, Friaul-Julisch Venetien, Italien – gest. 7. März 2013, Rom, Italien)

Er war einer der Großen des italienischen Politthriller, der in den sechziger und siebziger Jahren seine Hochphase hatte und sich mit der Korruption in Italien, den schmutzigen Geschäften der Politik und dem Einfluss der Mafia auf die Gesellschaft und die Politik auseinandersetzte. „Der Tag der Eule/Don Mariano weiß von nichts“ (Il giorno della civetta, 1968, nach einem Roman von Leonardo Sciascia), „Der Clan, der seine Feinde lebendig einmauert“ (Confessione di un Commissario di Polizia al Procuratore Della Republica, 1970), „Das Verfahren ist eingestellt: Vergessen Sie’s!/Die Untersuchung ist abgeschlossen: Vergessen Sie alles“ (L’istruttoria è chiusa: dimentichi, 1971), „Warum musste Staatsanwalt Traini sterben?/Der Terror führt Regie“ (Perche si Uccide un Magistrato?“, 1974), „Ich habe Angst“ (Io ho Paura, 1977), „Goodbye & Amen“ (Goodbye e Amen, 1978), „Ein Mann auf den Knien“ (Un uomo in ginocchio, 1979), „Die tödliche Warnung“ (L’Avvertimento, 1980; deutsche Erstaufführung 1987 im ZDF) und „New York Connection“ (Pizza Connection, 1984; von den Berliner Filmfestspielen direkt auf Video) hießen die Filme, die heute zu großen Teilen Klassikerstatus genießen.

Auch sein viel zu unbekannter Bibelfilm „Die Untersuchung“ (L’inchiesta, 1986; bei uns ebenfalls direct to video) könnte man locker in diese Reihe stellen, wenn die titelgebende Untersuchung nicht der Tod und die Wiederauferstehung von Jesus Christus wäre und der Film wenige Tage nach seinem Tod spielt.

Damiano drehte auch Italo-Western, wie „Töte Amigo“ (Quien sabe?, 1966) und „Nobody ist der Größte“ (Un genio, due compari, un pollo, 1975).

Sein Werk krönte er 1984 mit der TV-Serie „Allein gegen die Mafia“ (La Piovra), in der der Kampf eines Polizisten auf Sizilien gegen die Mafia erzählt wird. Die Serie war ein weltweiter Erfolg. In Italien erreichte die Serie fünfzehn bis siebzehn Millionen Zuschauer.

„Racheengel“ (L’Angelo con la Pistola, 1991), eine durchwachsene Rachegeschichte, in der eine junge Frau und ein Polizist Mafia-Mitglieder umbringen, bei uns wieder direct to video, war sein letzter Spielfilm, der auch in Deutschland gezeigt wurde. Dennoch drehte er in Italien noch einige weitere Filme.

 

Nachrufe gibt es im Tagesspiegel, Der Welt (Gerhard Midding), Standard, Examiner und vielen italienischen Zeitungen.


TV-Tipp für den 11. März: Delta Force

März 11, 2013

Ein leicht verspätetes Geburtstagsgeschenk

Kabel 1, 22.40

Delta Force (USA 1986, R.: Menahem Golan)

Drehbuch: James Bruner, Menahem Golan

Musik: Alan Silvestri

Terroristen entführen ein US-Passagierflugzeug. Die Delta Force rückt aus, um den Entführern Manieren beizubringen.

Obwohl „Delta Force“ auf der Entführung des TWA Flug 847 am 14. Juni 1985 basiert, ist Menahem Golans Werk „ein weiteres Monument der Ramb-Ideologie“ (Fischer Film Almanach 1987) und wäre nicht besonders bemerkenswert, wenn die Produzenten Menahem Golan und Yoram Globus, die Cannon-Chefs, die damals als B-Actionfilmschmiede das Bild das Actionkinos bestimmte („Missing in Action“, „Invasion U. S. A.“, „Die City-Cobra“ und viele mehr), nicht so viele Stars für ihren Film verpflichtet hätten. Der Film selbst zerfällt in zwei Hälften: in der ersten wird ziemlich realistisch die Entführung und die Reaktionen der Passagiere gezeigt; in der zweiten entwickelt sich eine abstruse Befreiungsorgie, die komplett auf jegliche Logik verzichtet. Immerhin lernen wir die Chuck-Norris-Methode des effizienten Umbringen des Bösewichts kennen.

Der Rest sind Hurra-Patriotismus für die USA (typisch für Golan/Globus-Filme) und Israel (sehr untypisch), arabische Klischee-Bösewichter und viel Action.

Der Film war bis Juli 2011 indiziert. Nachdem er vom Index genommen und neu geprüft wurde, erhielt er eine „FSK ab 16 Jahre“-Freigabe.

„Delta Force“ ist auch der letzte Film von Lee Marvin.

mit Chuck Norris, Lee Marvin, Martin Balsam, Joey Bishop, Hanna Schygulla, Robert Foster, Lainie Kazan, George Kennedy, Susan Strasberg, Bo Svenson, Robert Vaughn, Shelley Winters, Kim Delaney, Liam Neeson (ungenannt, als Delta-Force-Mitglied)

Wiederholung: Dienstag, 12. März, 23.55 Uhr

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Delta Force“

Wikipedia über „Delta Force“ (deutsch, englisch)

Film Monthly über “Delta Force” (28. Juni 2012)


Die Femme „Fatale“ hat „Den Tod im Nacken“ und das Dreamteam Ed Brubaker/Sean Phillips an ihrer Seite

März 10, 2013

Brubaker - Fatale 1

Bei dem Cover, eine dunkelhaarige Schönheit mit einer Pistole, und dem Wort „Fatale“ denken wir selbstverständlich sofort an Femme Fatale und bei einem Blick auf die Macher, Autor Ed Brubaker und Zeichner Sean Phillips, denken wir an die grandiosen Noir-Serien „Sleeper“, „Criminal“ und „Incognito“ und wissen, dass „Fatale“ nicht schlecht sein kann.

Allerdings hat es mich auch nicht so begeistert wie die eben genannten Werke. Das kann daran liegen, dass das Noir-Horror-Crossover „Fatale“ sich etwas unglücklich zwischen den in sich abgeschlossenen „Criminal“-Geschichten und einer längeren Geschichte, wie „Sleeper“, positioniert. Denn „Fatale“ war zuerst als abgeschlossene Serie konzipiert und wurde dann, wegen des Erfolgs, zu einer On-Going-Serie, also einer Serie, bei der unklar ist, wann sie endet.

Doch der Reihe nach. „Fatale“ beginnt in der Gegenwart bei einer Beerdigung. Nicolas Lash trifft noch am Grab von Dominic Raines, einem erfolgreichen Pulp-Autor, Jo. Die dunkelhaarige Schönheit behauptet, ihre Großmutter habe Raines gekannt. In einer Rückblende, die 1956 in San Francisco spielt und sich an einem unveröffentlichtem Manuskript von Raines orientiert und den größten Teil des ersten „Fatale“-Bandes „Den Tod im Nacken“ ausmacht, wird erzählt, wie Raines, der damals noch als Reporter arbeitete, an einer großen Story dran war. Der verheiratete Familienvater will den korrupten Polizisten Walt Booker und dessen Partner, von denen einer einen Zeugen getötet hat, in einer großen Reportage überführen. Seine Quelle ist die dunkelhaarige Josephine, die Jo wie aus dem Gesicht geschnitten ähnelt, und die Bookers Freundin ist. Auch Raines ist von ihr verhext.

Gleichzeitig versuchen Booker und sein Partner einen bestialischen Mehrfachmord mit okkultem Hintergrund zu klären.

Die immer gleich jung aussehende Josephine verbirgt etwas, das im ersten „Fatale“-Sammelband „Den Tod im Nacken“, der die ersten fünf „Fatale“-Hefte umfasst, noch nicht enthüllt wird, obwohl wir es uns denken können. Vor allem wenn einige übernatürliche Kreaturen auftauchen.

Für meinen Geschmack springt Ed Brubaker etwas zu sehr zwischen den verschiedenen Zeitebenen und, in der Vergangenheit zu sehr zwischen den verschiedenen Erzählperspektiven. Denn zuerst glauben wir, dass wir die 1956 in San Francisco spielenden Ereignisse aus der Sicht von Raines‘ unveröffentlichtem Manuskript erfahren. Aber dann wechselt Brubaker die Perspektive und wir erfahren immer mehr Dinge, die Raines nicht wissen kann. Außerdem bleibt der übernatürliche Hintergrund in Richtung H. P. Lovecraft noch zu unscharf, um wirklich zu überzeugen. Daran ändern auch die gewohnt atmosphärischen Panels von Sean Phillips nichts.

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Ed Brubaker/Sean Phillips: Fatale: Den Tod im Nacken (Band 1)

(übersetzt von Claudia Fliege)

Panini, 2013

140 Seiten

16,95 Euro

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Originalausgabe

Fatale # 1 – 5

Image, Januar – Mai 2012

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Hinweise

“A Criminal Blog” (über “Criminal”)

Homepage von Ed Brubaker

Blog von Sean Phillips

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips” “Criminal 1 – Feigling” (Criminal 1: Coward, 2007)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips’ “Criminal 2 – Blutsbande” (Criminal 2: Lawless, 2007)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips’ „Criminal 3 – Grabgesang“ (Criminal 3: The Dead and the Dying, 2008)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips’ „Criminal 4 – Obsession“ (Criminal Vol. 4: Bad Night, 2009)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips’ „Criminal 5 – Sünder“ (Criminal: The Sinners, 2010)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips‘ „Criminal 6 – Unschuld“ (Criminal: The Last of the Innocent, Vol. 1 – 4, 2011)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Colin Wilsons “Point Blank” (Point Blank, 2003)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips’ “Sleeper 1 – Das Schaf im Wolfspelz” (Sleeper: Out in the cold, 2003)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips’ “Sleeper 2 – Die Schlinge zieht sich zu” (Sleeper: All false moves, 2004)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips’ „Sleeper 3 – Die Gretchenfrage“ (Sleeper 3: A crooked line, 2005)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips’ „Sleeper 4 – Das lange Erwachen“ (Sleeper 4: The long walk home, 2005)

Meine Besprechung von Ed BrubakerSean Phillips’ „Incognito 1 – Stunde der Wahrheit“ (Incognito, 2008/2009)

Meine Besprechung von Ed Brubaker (Autor)/Sean Phillips (Zeichner) „Incognito 2: Schlechter Einfluss“ (Incognito: Bad Influences, Vol. 1 – 5, 2010/2011)

Ed Brubaker in der Kriminalakte

Comic Book Resources: Interview mit Ed Brubaker über „Fatale“ (8. Mai 2012)

 


TV-Tipp für den 10. März: Cannonball

März 10, 2013

RBB, 23.00

Cannonball (USA 1976, R.: Paul Bartel)

Drehbuch: Paul Bartel, Don Simpson

Ein perfekter Mitternachtsfilm: Bei einem jährlichen illegalen Autorennen quer durch die USA werden die Fahrer von der Polizei verfolgt und gleichzeitig kämpfen sie selbst mit harten Bandagen gegeneinander.

„Primitiver, menschenverachtender Nervenkitzel, schlampig und spannungslos inszeniert.“ (Lexikon des internationalen Films; wahrscheinlich die zeitgenössische Meinung)

Die Story ist natürlich nur der Aufhänger für Autostunts und Kloppereien. Etliche Gaststars, die damals noch am Anfang ihrer Karriere standen, verzieren die Actionkomödie.

Der 1996 verstorbene Drehbuchautor Don Simpson wurde später zusammen mit Jerry Bruckheimer der Blockbuster-Produzent der achtziger und neunziger Jahre. „Flashdance“, Top Gun“, „Beverly Hills Cop“, „Bad Boys“ und „The Rock“ waren einige ihrer Hits.

Kameramann Tak Fujimoto drehte später unter anderem fast alle Filme von Jonathan Demme (“Das Schweigen der Lämmer”) und „The sixth sense“.

Mit David Carradine, Bill McKinney, Veronica Hamel, Robert Carradine, Carl Gottlieb (Drehbuch „Der weiße Hai“), James Keach, John Herzfeld (Regisseur „Kill Bobby Z“, „15 Minuten“), Allan Arkush (Regisseur, Produzent „Crossing Jordan“ und „Heroes“), Paul Bartel, Roger Corman, Joe Dante (Regisseur „Gremlins“), Jonathan Kaplan (Regisseur „Angeklagt“, Produzent „ER“ und „Without a trace“), Martin Scorsese, Don Simpson, Sylvester Stallone

Hinweise

DVD Drive in: Besprechung von „Cannonball“

Wikipedia über den Cannonball Run und den Spielfilm

Turner Classic Movies über „Cannonball“


Akademisches Fanbuch

März 9, 2013

Wahl HRSG - Im Angesicht des Fernsehens

Auf dieses Buch habe ich lange gewartet.

Naja, fast. Denn „Im Angesicht des Fernsehens“, herausgegeben von Chris Wahl, Jesko Jockenhövel, Marco Abel und Michael Wedel beschäftigt sich zwar mit dem Regisseur Dominik Graf und analysiert auch, wie ein Blick in das Inhaltsverzeichnis zeigt, seine Filme:

„Ich bedauere viele Dinge“ – Interview mit Dominik Graf

Chris Wahl: Dominik Grafs Karriere als Filmemacher zwischen Kino und Fernsehen – Eine Einführung

Judith Früh: „Lächerlicher kleiner Sensibilist“ – Dominik Graf an der HFF München

Marco Abel: Sehnsucht nach dem Genre – „Die Sieger“ von Dominik Graf

Sarah Kordecki: „Das unsichtbare Mädchen“ als „ultimativer Heimatfilm“? – Von Landschaftsthrillern, Heimatkomödien und Provinzdramen

Jesko Jockenhövel: Von Morlocks und Kakadus – Deutsch-deutsche Gesellschaftspolitik in den Filmen von Dominik Graf

Michaela Krützen: „Der Fahnder“, 2011 gesehen

Felix Lenz: Urelemente und Milieu – Die Coming-of-Age-Filme von Dominik Graf

Julian Hanich: Des Knaben wunder Zorn – Über das Motiv des Vater-Sohn-Konflikts in Dominik Grafs „Der Skorpion“

Daniel Eschköter: Außer Fassung – Drei Firmen-Familien-Melodramen: „Bittere Unschuld“, „Deine besten Jahre“, „Kalter Frühling“

Brad Prager: Gegenspieler und innere Dämonen – Dominik Grafs „Im Angesicht des Verbrechens“

Chris Wahl: Stilistische Muster in den Filmen von Dominik Graf – Off-Kommentar, Zwischenbild, Freeze Frame und transparente Reflexion

Tobias Ebbrecht: Geschichte im Transit – „Bei Thea“ oder: Orte, die in die Vergangenheit hineinziehen

Laura Frahm: Urbane Archäologie – Kartografie und Geschichte in „Das Wispern im Berg der Dinge“ und „München – Geheimnisse einer Stadt“

Jaimey Fisher: „Die Ehrlichkeit der Stadt“ – Skalierungen in Dominik Grafs und Martin Gressmans „Der Weg, den wir nicht zusammen gehen“

Chris Wahl: Kommentierte Filmografie

Das sieht doch ganz gut aus. Aber die Aufsätze sind von Wissenschaftlern geschrieben, die sich um eine entsprechend dröge wissenschaftliche, aber lesbare Sprache bemühen, die Bezüge und Vergleiche in einigen Aufsätzen sind weit hergeholt und der wissenschaftlichen Praxis des Vergleichens geschuldet. Die „Kommentierte Filmographie“ ist nur eine ziemlich knapp gehaltene Filmographie. Dafür ist die Bibliographie der von Dominik Graf geschriebenen Texte angenehm umfangreich geraten. Es werden nicht nur die im Buch zitierten Texte genannt und sie dürfte alle seine publizierten Texte umfassen.

„Im Angesicht des Fernsehens“ ist insgesamt ein informatives und auch sehr lesenswertes Buch, aber mein Traumbuch über Dominik Graf würde sich an den bewährten Filmbüchern, die wir aus dem Carl Hanser Verlag, Bertz + Fischer und Heyne (vor allem die Bücher, die sich an der Hanser Reihe Film orientierten) kennen, orientieren: ein Interview mit Dominik Graf, eine Zusammenstellung von Zitaten von Dominik Graf, einige Einzelanalysen zu ausgewählten Filmen und Aspekten seines Werkes (gut, das ist „Im Angesicht des Fernsehens“ enthalten) und, das fehlt, eine kritische Vorstellung von jedem seiner Filme.

Denn im „Im Angesicht des Fernsehens“ ist ein akademisches Fanbuch, bei dem die Autoren gar nicht ernsthaft auf den Gedanken kommen, dass Graf auch einen schlechten Film inszenieren könnte. Hier reiht sich quasi ein Meisterwerk an das nächste.

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Chris Wahl/Jesko Jockenhövel/Marco Abel/Michael Wedel (Hrsg.): Im Angesicht des Fernsehens – Der Filmemacher Dominik Graf

edition text + kritik, 2012

356 Seiten

26 Euro

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Hinweise

Meine Besprechung von Dominik Grafs „Schläft ein Lied in allen Dingen“

Meine Besprechung der von Dominik Graf inszenierten TV-Serie  „Im Angesicht des Verbrechens“

Meine Besprechung von Johannes F. Sieverts Interviewbuch „Dominik Graf – Im Angesicht des Verbrechens: Fernseharbeit am Beispiel einer Serie“

Dominik Graf in der Kriminalakte

 


TV-Tipp für den 9. März: Kill Bill Vol. 1

März 9, 2013

Pro7, 23.05

Kill Bill Vol. 1 (USA 2003, R.: Quentin Tarantino)

Drehbuch: Quentin Tarantino

Die Braut will sich an ihrem Ex-Boss Bill und ihren alten Arbeitskolleginnen, einer Bande Auftragskiller, die sie umbringen wollten, rächen. Leichter gesagt, als getan – und Quentin Tarantino durfte in seinem vierten Spielfilm, der als Zweiteiler in die Kinos kam, kräftig im Blut baden. Im ersten Teil eher in Richtung Eastern, im zweiten Teil in Richtung Italowestern; weshalb die Teilung des Films auch Sinn macht.

Pro7 zeigt „Kill Bill Vol. 2“ am Sonntag um 22.30 Uhr und 02.10 Uhr.

mit Uma Thurman, Lucy Liu, Vivica A. Fox, Daryl Hannah, David Carradine, Michael Madsen, Sonny Chiba, Michael Parks

Wiederholung: Sonntag, 10. März,

Hinweise

Metacritic über „Kill Bill Vol. 1“

Rotten Tomatoes über „Kill Bill Vol. 1“

Wikipedia über „Kill Bill Vol. 1“ (deutsch, englisch)

The Quentin Tarantino Archives (Fanseite)

Everthing Tarantino (dito)

Q-Tarantino.de (noch eine Fanseite)

Meine Besprechung von Georg Seeßlens „Quentin Tarantino gegen die Nazis – Alles über ‘Inglourious Basterds’“ (Kleine Schriften zum Film: 1, 2009)

Meine Besprechung von Quentin Tarantinos „Django Unchained“ (Django Unchained, USA 2012)

Kriminalakte über Quentin Tarantino


Lauschen wir Sara Gran und Joe R. Lansdale

März 8, 2013

Berlins schönste Buchhandlung „Hammett“ (Support your local dealer!; dort gibt es auch Karten für die Lesungen) organisiert nächste Woche zwei Krimilesungen. Einmal mit Shooting-Star Sara Gran, einmal mit Legende Joe R. Lansdale und bevor ich jetzt eine stundenlange Eloge halte, liefere ich einfach die Fakten:

Gran - Das Ende der Welt

Sara Gran liest am Montag, den 11. März 2013, um 20:00 Uhr (Einlass ab 19:30 Uhr) im Ballsaal der Wirtschaft Max und Moritz (Oranienstraße 162, Nähe U8 Moritzplatz, U1/U8 Kottbusser Tor) aus ihrem neuen Kriminalroman „Das Ende der Welt“ (Claire DeWitt and the Bohemian Highway).

Den deutschen Lesungspart übernimmt die Schauspielerin Nicolette Krebitz.Thomas Wörtche moderiert.

Sara Grans erster Claire-DeWitt-Kriminalroman „Die Stadt der Toten“ wurde von der Presse ja breit abgefeiert (Ich fand ihn nicht so toll.) und erhielt den Deutschen Krimipreis. In „Das Ende der Welt“ will die Privatdetektivin Claire DeWitt herausfinden, wer in San Francisco ihren Ex-Freund Paul ermordete und die wertvollen Gitarren des Musikers stahl.

Vor Berlin besucht Sara Gran am 9. März Köln (lit.Cologne; Polizeipräsidium, Walter-Pauli-Ring 2 – 4, Beginn: 20.00 Uhr) und am 10. März München (BMW-Welt, Doppelkegel, Am Olympiapar, Beginn: 18.00).

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Sara Gran: Das Ende der Welt

(übersetzt von Eva Bonné)

Droemer, 2013

368 Seiten

14,99 Euro

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Lansdale - Dunkle Gewässer - 2

Joe R. Lansdale liest am Freitag, den 15. März, um 20:00 Uhr (Einlass ab 19:30 Uhr) im English Theatre Berlin (Fidicinstraße 40, Nähe U6 Platz der Luftbrücke) aus seinem neuen Roman „Dunkle Gewässer“ (Edge of Dark Water) und seine Tochter Kasey Lansdale sorgt für die musikalische Untermalung.

Daniel Haas moderiert, Adam Nümm übernimmt den deutschen Lesungspart.

Im Nachlass von May Lynn finden ihre Freundin Sue Ellen, Terry und Jinx einen Hinweis, der sie zur Beute von einem Banküberfall führt. Dummerweise wollen auch einige andere Personen, inclusive dem korrupten Constable, das Geld haben und auch der sagenumwobene Killer Skunk ist bei der Menschenjagd quer durch Osttexas während der Großen Depression dabei.

„ein perfekter Noir-Roman“, sagt das Library Journal. Ich sage: Lesebefehl!

Nach Berlin fährt Joe R. Lansdale weiter nach Leipzig zur Buchmesse und danach zu einigen weiteren Städten. Alle Tourdaten gibt es hier.

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Joe R. Lansdale: Dunkle Gewässer

(übersetzt von Hannes Riffel)

Tropen, 2013

320 Seiten

19,95 Euro


Die KrimiZeit-Bestenliste März 2013

März 8, 2013

Nach einigen Tagen Sonnenschein soll es am Wochenende ja wieder so richtig kalt werden und weil man dann seine warme Wohnung nicht verlassen will, kann man ja die März-Bestenliste der KrimiZeit als Inspiration nehmen:

1 (1) Reginald Hill: Rache verjährt nicht

2 (-) Joe R. Lansdale: Dunkle Gewässer

3 (-) Elmore Leonard: Raylan

4 (8) Håkan Nesser: Am Abend des Mordes

5 (-) Madison Smartt Bell: Die Farbe der Nacht

6 (-) Steve Hamilton: Der Mann aus dem Safe

7 (4) Åsa Larsson: Denn die Gier wird euch verderben

8 (10) Nicci French: Eisiger Dienstag

9 (-) Paolo Roversi: Milano Criminale

10 (3) Mike Nicol: Killer Country

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In ( ) ist die Platzierung vom Vormonat.

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Gegen Joe R. Lansdale (demnächst in Deutschland), Elmore Leonard und Madison Smartt Bell (seine älteren Werke sind im Antiquariat ihres Vertrauens) kann nichts gesagt werde.

Oh, und: keine deutschen Autoren auf der Liste.


Neu im Kino/Filmkritik: Walter Hill meldet sich mit „Shootout – Keine Gnade“ zurück

März 8, 2013

Schon die ersten Minuten, mit den nächtlichen Bildern von New Orleans, den satten, nach Ry Cooder klingenden Gitarren (und dabei ist die Musik von Steve Mazzaro) und dem eingeblendeten Schriftzug „Regie: Walter Hill“, zeigen, wohin die Reise geht: in die Vergangenheit, als Walter Hill – soviel Geschichte muss sein – mit Genrefilmen wie „Driver“ (The Driver, USA 1978), „Die Warriors“ (The Warriors, USA 1979), „Die letzten Amerikaner“ (Southern Comfort, USA 1981), „Nur 48 Stunden“ (48 Hrs., USA 1982), „Straßen in Flammen“ (Streets of Fire, USA 1984), „Ausgelöscht“ (Extreme Prejudice, USA 1987), „Red Heat“ (Red Heat, USA 1988), dem ebenfalls in New Orleans spielenden Noir „Johnny Handsome“ (Johnny Handsome, USA 1989) und „Last Man Standing“ (Last Man Standing, USA 1996) das Action-Genre bestimmte. Sein letzter Spielfilm „Undisputed – Sieg ohne Ruhm“ (Undisputed, USA 2002) liegt schon über zehn Jahre zurück und erlebte hier nur eine DVD-Premiere.

Mit „Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt“ (Alien, GB/USA 1979), den er mitproduzierte, und, auch wenn sein Anteil am Film teilweise kleiner als der Credit waren, den Drehbüchern für Sam Peckinpahs Jim-Thompson-Verfilmung „Getaway“ (The Getaway, USA 1972), John Hustons Desmond-Bagley-Verfilmung „Der Mackintosh-Mann“ (The Mackintosh Man, USA 1973) und Stuart Rosenbergs Ross-Macdonald-Verfilmung „Unter Wasser stirbt man nicht“ (The drowning Pool, USA 1975) hinterließ er weitere Spuren im Genrekino.

In den letzten Jahren war er, im TV, in die Western-Serie „Deadwood“ involviert und drehte den dreistündigen, unter anderem für 16 Emmys nominierten TV-Western „Broken Trail“.

Jetzt kehrt der 71-jährige wieder ins Kino zurück mit einem Action-Thriller, der nahtlos an seine Buddy-Filme aus den Achtzigern anknüpft: In New Orleans verschont der Profikiller Jimmy Bobo (Sylvester Stallone) bei einem Auftrag eine zufällig anwesende Zeugin. Kurz darauf wird sein Partner ermordet und aus Washington fliegt der junge Detective Taylor Kwong (Sung Kang) nach New Orleans. Denn Bobos Opfer war ein Ex-Polizist und Partner von Kwong. Der alte Killer und der junge, sehr gesetzestreue Polizist schließen eine Zweckallianz, weil sie herausfinden wollen, wer den Mord beauftragte. Dabei stoßen sie auf den skrupellosen Immobilienhai Nkomo Morel (Adewale Akinnuoye-Agbaje), dessen schmierigen Adlatus Marcus Baptiste (Christian Slater) und den von ihm beauftragten rücksichtslosen Auftragkiller Keegan (Jason Momoa), der Bobo und Kwong umbringen soll.

Diese überschaubare Geschichte erzählt Walter Hill in seinem gewohnt ökonomischen Stil, in dem die einzelnen Szenen die Geschichte bis zum finalen Aufeinandertreffen der Gegner vorantreiben, die Charaktere sich aus ihren aktuellen Taten und nicht aus episch langen Erzählungen über ihr bisheriges Leben erschließen und er noch einmal seine bekannten Themen und Obsessionen präsentiert.

Das ist nichts neues, sondern eine Wiederbelebung der von ihm vor allem in den Achtzigern gedrehten Action-Filme. In den Neunzigern wandte er sich, auch wenn er alle seine Filme letztendlich als Quasi-Western sieht, dem Western zu. Natürlich knüpft Walter Hill auch in seinem neuesten Film an das klassische Hollywoodgenrekino und alte Erzähltugenden an, die vor ihm schon Regisseure wie John Ford, Howard Hawks, Raoul Walsh, Anthony Mann, Don Siegel und Sam Peckinpah hoch hielten.

Mit dem aktuellen Action-Kino hat das nichts zu tun. Wie Don Siegel in dem Spätwestern „Der letzte Scharfschütze“ (The Shootist, USA 1976), dem letzten Spielfilm von John Wayne, fasst er einfach noch einmal die Genretopoi zusammen, untersucht sie und bestätigt sie. Und wie Don Siegel in seinem Film alte Aufnahmen von John Wayne verwandte, verwendet Walter Hill in „Shootout – Keine Gnade“ bei den Polizeifotos alte Bilder von Sylvester Stallone.

„Shootout – Keine Gnade“ ist in jedem Fall ein gelungenes Alterswerk, das den Bogen zu seinem Debütfilm schlägt. Denn der Schlusskampf des komplett in und um New Orleans gefilmten Films ist in dem leerstehenden Kraftwerk an der Market Street, in dem Hill auch Szenen für „Ein stahlharter Mann“ (Hard Times, USA 1975), einem während der Wirtschaftskrise spielendem Boxerdrama mit Charles Bronson, drehte.

Shootout - Plakat

Shootout – Keine Gnade (Bullet to the Head, USA 2013)

Regie: Walter Hill

Drehbuch: Alessandro Camon

LV: Alexis Nolent: Du plomb dans la tête (Graphic Novel)

mit Sylvester Stallone, Sung Kang, Sarah Shahi, Adewale Akinnouye-Agabje, Christian Slater, Jon Seda, Jason Momoa

Länge: 91 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

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Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Deutsche Facebook-Seite zum Film

Film-Zeit über „Shootout – Keine Gnade“

Metacritic über „Shootout – Keine Gnade“

Rotten Tomatoes über „Shootout – Keine Gnade“

Wikipedia über „Shootout – Keine Gnade“ (deutsch, englisch)

Walter Hill in der Kriminalakte

–

Buchtipp

Ritzer - Walter Hill

„Ein amerikanischer Filmemacher, ein amerikanischer Künstler. Walter Hill zählt zu den zentralen Protagonisten im US-Genre-, aber auch Autoren-Kino, seit nunmehr über dreißig Jahren. Heute finden seine Filme zwar noch immer regelmäßig Eingang in Kinos, Videotheken oder TV, gelten oft aber als anachronistisch. Dabei gehörte Hill noch in den 1980er Jahren nicht nur zu den kommerziell erfolgreichsten, sondern auch zu den von der intellektuellen Filmkritik am enthusiastischsten gewürdigten Regisseuren: als ‚einzigartiger Stilist und großer Erzähler‘. Umso erstaunlicher mutet es an, dass über die Jahre hinweg weder im englischen respektive amerikanischen Sprachraum eine umfassende Werkanalyse seiner Filme entstanden ist“, schreibt Ivo Ritzer am Anfang von „Walter Hill – Welt in Flammen“, seiner umfassenden Studie über Walter Hill, die diese Lücke schließt. Auf knapp dreihundert Seiten (wobei die kleine Schrift über die Länge der Arbeit täuscht) analysiert er jeden von Hills Filmen, seinen Stil und verortet sein Werk zwischen Autoren- und Genre-Kino.

Ein feines Buch und eine gute Ergänzung zu seinem neuesten Film „Shootout – Keine Gnade“.

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Ivo Ritzer: Walter Hill – Welt in Flammen (Deep Focus 2)

Bertz + Fischer, 2009

288 Seiten

25 Euro

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Hinweise

Seite von Ivo Ritzer

Meine Besprechung von Ivo Ritzers „Fernsehen wider die Tabus“ (2011)


Neu im Kino/Filmkritik: „Safe Haven – Wie ein Licht in der Nacht“ oder Nicholas Sparks mit einer kleinen Krimibeigabe

März 8, 2013

Nach seinem verunglückten Krimi „Der Hypnotiseur“ ist Lasse Hallström mit seiner zweiten Nicholas-Sparks-Verfilmung „Safe Haven – Wie ein Licht in der Nacht“ wieder auf vertrautem Territorium. Gefühlskino für Frauen, die eine Liebesgeschichte sehen wollen. Daran ändert auch die in den Film hineingezogene Kriminalgeschichte nichts. Denn sie ist so vorhersehbar, dass ich schon vor dem Filmstart wusste, warum Katie (Julianne Hough) panisch aus Boston flüchtet und wie die Geschichte endet.

Auf ihrer Flucht taucht sie unter falschem Namen in dem Küstenort Southport, North Carolina (den Ort gibt es wirklich und es wurde vor Ort gedreht), unter. Sofort verliebt sich der verwitwete Tante-Emma-Ladenbesitzer Alex (Josh Duhamel), der immer noch seiner vor drei Jahren verstorbenen Frau hinterhertrauert und ihre beiden Kinder liebevoll großzieht, in sie. Und Katie zieht in ein abgelegenes Haus ein, arbeitet als Kellnerin in einem Seelokal, freundet sich mit ihrer Nachbarin (Cobie Smulders) an und – Überraschung! – verliebt sich, nach einem kurzen Anstandszögern, in Alex.

Währenddessen setzt in Boston ein Polizist alle Hebel in Bewegung, um sie zu finden.

„Safe Haven“ ist, abgesehen von dem läppischen Krimisubplot, der für etwas Feuer in den letzten Filmminuten sorgt, eine Schnulze, bei der die gut aussehenden Schauspieler in einer ebenso gut aussehenden Kleinstadt vor allem gut aussehen müssen, was ihnen angesichts ihres Aussehens, leicht fällt und Alex und Katie sich, nachdem einige kleinere Problemchen beseitigt wurden, ineinander verlieben dürfen, während sie noch von den Geistern ihrer Vergangenheit belästigt werden.

Lasse Hallström inszenierte das kompetent und es macht durchaus Spaß, den schönen Menschen in der schönen Landschaft beim Posieren zuzusehen. „Safe Haven“ ist halt ein typischer Nicholas-Sparks-Film – und wenn man, gerüstet mit mehreren Packungen Taschentücher, in einen solchen Film geht, weiß man auch, was man bekommt.

In den USA ist der Very-Romantic-Thriller mit einem kleinen Touch Geistergeschichte jedenfalls ein voller Erfolg, der im Moment etwas weniger als das zeitgleich gestartete Big-Budget-Actionfilm-Desaster „Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben“ eingespielt hat. In den nächsten Tagen müsste „Safe Haven“ vor dem neuen „Stirb langsam“-Film liegen. Naja, der sichere Hafen ist auch der bessere Film.

Safe Haven - Plakat

Safe Haven – Wie ein Licht in der Nacht (Safe Haven, USA 2012)

Regie: Lasse Hallström

Drehbuch: Leslie Bohem, Dana Stevens

LV: Nicholas Sparks: Safe Haven, 2010 (Wie ein Licht in der Nacht; Safe Haven – Wie ein Licht in der Nacht)

mit Josh Duhamel, Julianne Hough, Cobie Smulders, David Lyons, Mimi Kirkland, Noah Lomax

Länge: 115 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

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Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Safe Haven“

Metacritic über „Safe Haven“

Rotten Tomatoes über „Safe Haven“

Wikipedia über „Safe Haven“ (deutsch, englisch)

Homepage von Nicholas Sparks

Meine Besprechung von Lasse Hallströms „Lachsfischen im Jemen“ (Salmon Fishing in the Yemen, Großbritannien 2011)

Meine Besprechung von Lasse Hallströms Lars-Kepler-Verfilmung „Der Hypnotiseur“ (Hypnotisören, Schweden 2012)

 

 


TV-Tipp für den 8. März: Gegen die Wand

März 8, 2013

3sat, 22.35

Gegen die Wand (D 2004, R.: Fatih Akin)

Drehbuch: Fatih Akin

Sibel will endlich leben. Als einziger Ausweg aus ihrer strenggläubigen türkischen Familie bleibt ihr die Scheinehe mit Cahit. Er ist wahrlich kein Traummann, aber Türke. Die Scheinehe funktioniert prächtig, bis Cahit sich in Sibel verliebt und das labile Gleichgewicht zwischen ihnen außer Kontrolle gerät.

Das mit zahlreichen Preisen ausgezeichnete Drama wurde auch vom Kinopublikum angenommen. „Gegen die Wand“ landete mit über 760.000 Zuschauern, deutlich vor „Unterwegs nach Cold Mountain“, „Hidalgo“ und „Paycheck“, auf dem 48. Platz der Kinojahrescharts 2004. Der Grund dafür ist ziemlich einfach: „In ‚Gegen die Wand’ steckt eine ungeheure Kraft, die sich zugleich aus der Liebe und der selbstzerstörerischen Energie der Liebenden speist. (…) So klaffen der Rhythmus der Montage und der Herzschlag der Geschichte mitunter ein wenig auseinander. Doch was zählt das schon, wenn man die melodramatische Wucht mit der eher lauwarmen Betriebstemperatur der meisten Wettbewerbsbeiträge vergleicht?“ (Peter Körte, FAZ, 12. Februar 2004 zur Berlinale-Premiere und vor dem Erhalt des Goldenen Bärens)

Mit Birol Ünel, Sibel Kekilli, Catrin Striebeck

Hinweise

Homepage zum Film

Film-Zeit über „Gegen die Wand“

Wikipedia über „Gegen die Wand“

Meine Besprechung von Fatih Akins „Müll im Garten Eden“ (D 2012)


Neu im Kino/Filmstart: Sam Raimis Kinderfilm „Die fantastische Welt von Oz“

März 7, 2013

Sodele. Jetzt hat auch Sam Raimi seinen Kinderfilm gedreht. Genau, der Sam Raimi, der mit dem bei uns bis heute indizierten Horrorfilm „Tanz der Teufel“ die Filmwelt betrat und mit „Spider-Man“ zu Everybody’s Darling wurde. Denn das war eine Comicverfilmung, die auch als Film überzeugte. Im Gegensatz zu älteren Superheldencomicverfilmungen, die oft sehr kindisch und schlecht waren, überzeugte „Spider-Man“ als Big-Budget-Film mit tollen Effekten, Action, Witz und einer guten Geschichte, die wichtige Themen und Fragen ernsthaft verhandelte. Das konnte man sich als Über-Zwanzigjähriger Nicht-Comicfan ohne schlechtes Gewissen ansehen.

In seinem neuesten Film „Die fantastische Welt von “ erzählt Raimi in 3D die Vorgeschichte zu L. Frank Baums in Oz spielenden Geschichten und damit auch von „Der Zauberer von Oz/Das zauberhafte Land“ (The Wizard of Oz, USA 1939, Regie: Victor Fleming), dem Filmklassiker mit Judy Garland, in dem sie am Ende dem sagenhaften Zauberer von Oz gegenübertritt und sein Geheimnis enthüllt.

Bevor er zum Zauberer von Oz wurde, tourte Oscar Diggs (James Franco) als selbstsüchtiger, ständig in Finanznöten steckender, auf eine billige Art charmanter Magier mit arg begrenztem Talent um die Jahrhundertwende durch Kansas und versucht das Publikum zu verzaubern. Als er mal wieder Ärger hat, kann er in einem Ballon entkommen. Er gerät in einen Wirbelsturm und landet in dem Fantasieland Oz. Von dort will er, nachdem er den sagenhaften Goldschatz (auf den sogar der im Gold badende Dagobert Duck neidisch wäre) geklaut hat, möglichst schnell verschwinden. Aber dann wird er in den Kampf zwischen den drei wunderschönen Hexen Theodora (Mila Kunis), Evanora (Rachel Weisz) und Glinda (Michelle Williams) hineingezogen. Die böse Hexe hält ihn für einen Schwindler. Die gute Hexe sieht in ihm den lange angekündigten Zauberer von Oz, der sie von der bösen Hexe befreit. Und Diggs muss sich entscheiden, ob er den Menschen von Oz hilft oder seine Gier nach Gold befriedigt.

Die überdeutliche Inspiration für „Die fantastische Welt von Oz“ ist natürlich das Musical „Der Zauberer von Oz“, das inzwischen ein Klassiker ist, immer noch regelmäßig im Fernsehen läuft (obwohl die letzte Wiederholung einige Zeit zurück liegt) und kaum gealtert ist. Denn in dem Film war schon immer alles eine Spur übertrieben, die Schauspieler agierten, als hätten sie einen akuten Zuckerschock, die Tricks und Matte Paintings haben heute einen liebevoll altmodischen Charme und die Songs sind Evergreens.

Raimi folgt dem Musical, ohne die Songs, in großen Teilen. So sind die ersten, in Kansas spielenden Minuten in SW und der in Oz spielende Rest in Farbe (und in einem anderen Bildformat) erzählt. Raimis Oz sieht, abgesehen von der besseren Tricktechnik (Dem Computer sei Dank!), wie Flemings Oz aus. Die Charaktere sind recht eindimensional geraten. Aber in Flemings Film wurde das durch die Songs und das Spiel der Schauspieler aufgefangen. In einem Musical mit einer sprechenden Vogelscheuche, einem ständig einrostendem Zinnmann und einem ängstlichen Löwen erwartet auch niemand tiefgründige Charakterstudien.

In Raimis Film wird mit zunehmender Laufzeit allerdings auch deutlich, dass „Die fantastische Welt von Oz“ nicht für ein erwachsenes Publikum gedacht ist. Es ist ein mit über zwei Stunden zu lang geratener Kinderfilm, dem genau das fehlt, was Tim Burtons „Frankenweenie“ oder Martin Socrseses „Hugo Cabret“ hatten: eine zweite Ebene, in die Erwachsene und Filmfans sich vertiefen konnten.

Bei „Die fantastische Welt von Oz“ ist einfach alles platt offensichtlich und der gesamte Film bleibt im musealen stecken. Denn anstatt ein neues Land zu erkunden, wird der Gang durch „Die fantastische Welt von Oz“, obwohl in echten Sets gedreht wurde, wie ein Gang durch ein Museum. Alles ist sauber. Alles ist gut ausgeleuchtet und man bestaunt die Ausstellungsstücke. Aber lebendig ist das nicht, sondern unangenehm historisierend. Anstatt in neue Welten vorzustoßen, wird ein Prequel gedreht. Ein Film, in dem wir erzählt bekommen, wie einige Charaktere zu den Charakteren wurden, die wir schon seit langer Zeit kennen. Nur: wollen wir das wirklich wissen? Und wie zukunftsweisend können Charaktere und Welten sein, die in diesem Fall bereits vor über hundert Jahre erfunden wurden und natürlich Kinder ihrer Zeit sind?

In Raimis Film ist höchstens die Tricktechnik zukunftsweisend.

Davon abgesehen: Als Sechsjähriger wäre ich wahrscheinlich begeistert gewesen von der fantastischen Welt von Oz.

P1.43 (OZTGP_004C_G - Triptych (Center) Cast)

Die fantastische Welt von Oz (Oz, the Great and Powerful, USA 2013)

Regie: Sam Raimi

Drehbuch: Mitchell Kapner , David Lindsay-Abaire

LV/Inspiration: L. Frank Baum: The Wonderful Wizard of Oz, 1900 (Der Zauberer von Oz)

mit James Franco, Mila Kunis, Rachel Weisz, Michelle Williams, Zach Braff, Bill Cobbs, Joey King, Tony Cox, Stephen R. Hart, Abigail Spencer, Bruce Campbell

Länge: 130 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

–

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Die fantastische Welt von Oz“

Metacritic über „Die fantastische Welt von Oz“

Rotten Tomatoes über „Die fantastische Welt von Oz“

Wikipedia über „Die fantastische Welt von Oz“ (deutsch, englisch)

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Und noch einige Teaser-, Film- und Charakterplakate, die mir wegen ihrer, hm, altmodischen Gestaltung gut gefallen

Oz - Teaserplakat

Oz - Plakat L

Oz - Plakat R

P1.43 (OZTGP_019R_G - Banner (Wizard - Darkened))

P1.43 (OZTGP_018Q_G - Banner (Glinda - Darkened))

P1.43 (OZTGP_016O_G - Banner (Theodora - Darkened))

P1.43 (OZTGP_017P_G - Banner (Evanora - Darkened))


TV-Tipp für den 7. März: The Hour

März 7, 2013

Arte, 20.15

The Hour (GB 2011, R.: Coky Giedroyc)

Drehbuch/Erfinder: Abi Morgan

BBC-Serie über eine neue BBC-Nachrichtensendung, deren Reporter 1956 über die Suezkrise berichten und die Probleme hinter den Kulissen.

Die Serie wurde nach zwei Staffeln (und insgesamt 12 einstündigen Folgen) eingestellt. Arte zeigt die erste Staffel in Doppelfolgen.

Abi Morgan schrieb auch das Drehbuch für das Margaret-Thatcher-Biopic „Die Eiserne Lady“ (GB 2011), mit Meryl Streep in der Hauptrolle.

mit Ben Whishaw, Dominic West, Romola Garai, Anton Lesser, Julian Rhind-Tutt, Joshua McGuire, Lisa Greenwood

Hinweise

Arte über „The Hour“

Wikipedia über „The Hour“ (deutsch, englisch)


DVD-Kritik: „Alex Cross“ jagt einen wirklich bösen Killer

März 6, 2013

Krimileser kennen den von Bestsellerautor James Patterson erfundenen Polizeipsychologen Alex Cross schon seit zwanzig Jahren. Filmfans dürften sich an die beiden Alex-Cross-Filme „Denn zum Küssen sind sie da“ (Kiss the Girls, USA 1997) und „Im Netz der Spinne“ (Along came a Spider, USA 2001) mit Morgan Freeman in der Hauptrolle erinnern. Aber das ist schon über zehn Jahre her.

Jetzt gibt es mit „Alex Cross“ den Versuch, eine neue Serie von Alex-Cross-Filmen zu etablieren. Und auf dem Papier sah es auch gut aus. Rob Cohen übernahm die Regie. Kein Kritikerliebling, aber mit „Daylight“, „The Fast and the Furious“, „XXX“ und „Die Mumie: Das Grabmal des Drachenkaisers“ (The Mummy: Tomb of the Dragon Emperor) reüssierte er an der Kinokasse.

Das Drehbuch ist von Kerry Williamson und Marc Moss, der bereits das Buch für die Alex-Cross-Verfilmung „Im Netz der Spinne“ schrieb.

Die Schauspieler sind vielleicht nicht die wirklich großen Stars und bei uns in Deutschland eher unbekannt, aber in den USA kennt man Tyler Perry, Matthew Fox, Edward Burns und Jean Reno. Gut, Reno kennen wir hier auch, aber man muss sich nicht wirklich jeden Film mit ihm ansehen.

Kleinere Rollen übernahmen bekannte Gesichter wie John C. McGinley („Scrubbs“) und Giancarlo Esposito (zuletzt unter anderem „Breaking Bad“).

Das hört sich vielversprechend an, aber irgendwann ging irgendetwas vollkommen schief bei „Alex Cross“, das zwar auf dem Roman „Cross“ von James Patterson basieren soll, mit dem Buch aber eigentlich nichts mehr gemein hat. Im Film ist Alex Cross ein Polizist des Detroit Police Department und glücklich verheiratet mit zwei Kindern. Er ist psychologisch geschult und kann beim Betreten eines Tatortes sofort, Sherlock-Holmes-würdig, den Tathergang rekonstruieren und ein Täterprofil erstellen. An seinem neuesten Tatort hat ein Killer in einer Villa eine Konzern-Managerin und ihre Leibwächter ermordet. Die Managerin hat er vorher noch gefoltert. Cross schließt messerscharf, dass der Killer die Konzernspitze (Jean Reno) töten will und sich dafür die Hierarchieebenen nach oben mordet. Den zweiten Mord des Killers, dessen Motiv bis zum Schluss im Dunkeln bleibt, können die tapferen Polizisten verhindern. Dabei geht etwas Mobiliar zu Bruch und einige deutsche Leibwächter (die in der Originalfassung auch Deutsch reden) sterben.

Doch dann ändert der Killer seine Pläne und – Gähn! – er nimmt auch Alex Cross und dessen glückliche Familie ins Fadenkreuz.

Aber viel schlimmer als die ausgelutschte 08/15-Geschichte des Films ist die inkompetente Regie, die niemals auch nur einen Hauch von Atmosphäre oder Spannung aufkommen lässt, und die Neuorientierung im Charakter von Alex Cross, die ihn zu einem x-beliebigem Cop, der im Zweifelsfall erst zuschlägt und dann fragt, werden lässt. Alex Cross setzt im Kampf gegen den Killer nicht mehr auf sein Gehirn, sondern auf seine Fäuste und großkalibrige Schusswaffen. Das ganze kulminiert in einem erschreckend schlecht inszeniertem Schlusskampf.

Insgesamt sieht und wirkt „Alex Cross“, abgesehen vom Breitwandbild, immer wie ein schlecht inszenierter TV-Film, der in den USA zu recht von den Kritikern verrissen wurde und bei uns, ebenfalls zu recht, keinen Kinostart erlebte. Es ist einfach ein langweilig-schlechter, klischeebeladener und -triefender Cop-Thriller ohne Thrill.

Das Bonusmaterial bewegt sich so gerade an der Wahrnehmbarkeitsschwelle. Es gibt den Trailer und dieses Gespräch zwischen James Patterson und Tyler Perry (der für seine Interpretation der Rolle eine Razzie-Nomierung erhielt):

Alex Cross - DVD-Cover

Alex Cross (Alex Cross, USA 2012)

Regie: Rob Cohen

Drehbuch: Marc Moss, Kerry Williamson

LV: James Patterson: Cross, 2006 (Blood [jaja, das ist der deutsche Titel])

mit Tyler Perry, Matthew Fox, Edward Burns, Jean Reno, Carmen Ejogo, Cicely Tyson, Rachel Nichols, John C. McGinley, Werner Daehn, Yara Shahidi, Sayeed Shahidi, Bonnie Bentley, Stephanie Jacobsen, Giancarlo Esposito

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DVD

Ascot-Elite

Bild:1,78:1 (16:9)

Ton: Deutsch (DTS 5.1, Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Im Gespräch mit Tyler Perry und James Patterson, Deutscher Trailer, Originaltrailer, Wendecover

Länge: 97 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

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Hinweise

Homepage zum Film

Metacritic über „Alex Cross“

Rotten Tomatoes über „Alex Cross“

Wikipedia über „Alex Cross“

Homepage von James Patterson

The Rap Sheet über James Patterson

Fantastic Fiction über James Patterson 

James Patterson auf der Krimi-Couch

Meine Besprechung von James Patterson/Michael Ledwidges „Im Affekt“ (The Quickie, 2007)

James Patterson in der Kriminalakte

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Und noch zwei Gespräche mit James Patterson zum Filmstart. Im ersten Clip spricht er auch darüber, wie wichtig es ist, dass wir unsere Kinder zum Lesen bringen:

 

 


TV-Tipp für den 6. März: Lucky Luciano

März 6, 2013

HR, 23.15

Lucky Luciano (I/F 1973, R.: Francesco Rosi)

Drehbuch: Francesco Rosi, Lino Jannuzi, Tonino Guerra

Material/Buch zum Film: Lino Jannuzzi, Francesco Rosi: Lucky Luciano, 1973

Überzeugendes Biopic über den Mafiosi Salvatore “Lucky” Luciano.

Mit Gian Maria Volonté, Rod Steiger, Charles Siragusa, Edmond O’Brien

Hinweise

Wikipedia über Lucky Luciano (deutsch, englisch)

Wikipedia über Francesco Rosi (deutsch, englisch)

Senses of Cinema über Francesco Rosi

Cinémathèque über Francesco Rosi

The Hollywood Reporter interviewt Francesco Rosi (14. Februar 2008)

Movie-College interviewt Francesco Rosi (2001)


Kleinkram

März 5, 2013

Leistungsschutzrecht: Während in den Qualitätszeitungen noch überlegt wird, was am im Bundestag beschlossen wurde und das schlechte Gesetz bejammert wird, hat Netzwertig sich mal umgehört:

Genau die Unsicherheit, die sich nun über das digitale Deutschland ausbreitet, gehört zu den entscheidenden Kritikpunkten am Leistungsschutzrecht. Eine Gruppe, die ganz besonders unter der neuen Rechtslage leiden wird, sind junge Internetdienste, die sich direkt oder indirekt mit der automatisierten Aufbereitung von Onlineinhalten befassen und dabei zumindest gelegentlich auch Verlagscontent berücksichtigen. Die ersten Reaktionen diverser Startups und Webdienste illustrieren die Probleme, die nun auf die hiesige Onlinebranche zukommen.

Freischreiber, die Vereinigung der freien Journalisten, die das Gesetz von Anfang an ablehnte, weist auf ein spezielles, aber gar nicht so unwichtiges Problem hin:

Weil wir nicht glaubten und bis heute nicht glauben, dass sich dadurch das Problem der Finanzierung von Qualitätsjournalismus im Internet lösen lässt. Und weil wir befürchteten, dass so ein neues Recht für Verlage das strukturelle Ungleichgewicht zwischen freien Journalisten und Verlegern weiter vergrößern würde. (…)

Wirklich innovative Ideen, wie sich Online-Qualitätsjournalismus künftig rechnen kann, stehen dagegen weiter aus.

Viel schlimmer für freie Journalisten aber ist, dass das neue Gesetz die Zweitverwertung von Texten unmöglich machen könnte.

Denn der erstveröffentlichende Verlag hat in Zukunft durch das Leistungsschutzrecht für ein Jahr das ausschließliche Recht, das Presseerzeugnis – also den Text – zu gewerblichen Zwecken öffentlich zugänglich zu machen. Potenzielle Zweitkunden eines solchen Textes könnten deshalb aus Angst, das Leistungsschutzrecht des Verlags zu verletzen, vor einer Zweitnutzung zurückschrecken.

Oh, und einzelne Redakteure und Zeitungen, sagen jetzt, dass sie keine Anwendung des Leistungsschutzrechtes auf ihre Zeitungen und Artikel wünschen. Wobei sich natürlich die Frage stellt, ob ein Journalist das sagen darf, oder man nicht doch auf die Zeitung, bei der die Rechte für den Artikel liegen, hören soll.

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Bei Criminal Element hat Brian Greene einen Lost Classic of Noir gefunden: David Goodis: The Blonde on the Street Corner (Ach, allein schon das Cover!).

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Die März-Ausgabe von „The Big Thrill“ ist online. Unter anderem mit einem Interview mit Harlan Coben, einem mit Thomas Perry und vielem mehr.

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Und der Wortvogel hat mir mit seiner ausführlichen Kommentierung eines „Zeit“-Artikels von Kerstin Kohlenberg über den Kampf gegen Raubkopierer anhand von „Cloud Atlas“ viel Arbeit abgenommen. Denn eine so lange und so einseitige Reportage, die sich nur den Nöten des Filmproduzenten widmet und keine anderen Sicht zulässt (Hey, vielleicht wollte das Publikum den Film einfach nicht sehen. Vielleicht war die Werbung schlecht. Vielleicht ist auch einfach der Film schlecht.) habe ich schon lange nicht mehr gelesen.

Und, bei aller Sympathie für „Cloud Atlas“ (ein gut dreistündiger, milde philosphischer Science-Fiction-Film), dürfte das Zielpublikum für diesen Film nicht das Teenager-Multiplex-Publikum, sondern fünfzigjährige Bildungsbürger sein und ob die wirklich die Kundschaft für verwackelte Bilder sind, bezweifele ich stark.

Ach ja, hier geht’s zum „Zeit“-Artikel.