TV-Tipp für den 17. Februar: Columbo: Der Tote in der Heizdecke

Februar 17, 2013

Super RTL, 22.10

Columbo: Der Tote in der Heizdecke (USA 1993, R.: Vincent McEveety)

Drehbuch: Peter Falk

Erfinder: Richard Levinson, William Link

Lauren (Faye Dunaway) bringt ihren fremdgehenden Liebhaber um und verschafft sich ein perfektes Alibi. Aber sie hat nicht mit Lieutenant Columbo gerechnet.

Eine ungewöhnliche Episode: Peter Falk schrieb das Drehbuch (sein einziges) und Faye Dunaway erweist sich als echte femme fatale, die Columbo so heftig umgarnt, dass der dabei anscheinend seine detektivischen Fähigkeiten verliert. Der Lohn waren drei Golden-Globe-Nominierungen und ein Emmy für Faye Dunaway.

„Der Tote in der Heizdecke“ gehört zu den besseren der späten Columbo-Fälle, die ab 1989, nach einer elfjährigen Pause, entstanden.

mit Peter Falk, Faye Dunaway, Claudia Christian, Armando Pucci, Bill Macy, John Finnegan

Hinweise

Wikipedia über „Columbo“ (deutsch, englisch)

The Museum of Broadcast Communications über “Columbo”

Fernsehlexikon über “Columbo”

“Columbo”-Fanseite

Deutsche “Columbo”-Fanseite

Noch eine deutsche “Columbo”-Fanseite

TV Time Machine: Audiointerview mit Peter Falk und Mark Dawidziak

Mein Nachruf auf Peter Falk


TV-Tipp für den 16. Februar: Berlinale 2013 – Die Bärenverleihung

Februar 16, 2013

3sat, 18.55

Berlinale 2013 – Die Bärenverleihung

Wer ist der glückliche Gewinner der diesjährigen Berlinale?

Nach der Preisverleihung gibt es Interviews und einen Rückblick auf das Filmfestival.

Und ab 21.00 Uhr „Sounds of Cinema“, ein Filmmusikkonzert im Münchner Zirkus Krone vom Juni 2012 mit dem Münchner Rundfunkorchester.

Mehr Infos zur Berlinale gibt es auf der Berlinale-Homepage und der 3sat-Homepage.


Kurzkritik: James Ellroy: Der Hilliker-Fluch

Februar 15, 2013

Ellroy - Der Hilliker-Fluch - 292

Dass „Der Hilliker-Fluch – Meine Suche nach der Frau“ eine normale Biographie ist, kann man dem Buch nicht vorwerfen. Immerhin ist es von James Ellroy und er kann sich inszenieren. Außerdem lebte er in seinen düsteren Kriminalromanen voller Sex und Gewalt seine Obsessionen schon breit aus. In Interviews verhehlte er nie, wie wichtig für ihn der Tod seiner Mutter Jean Hilliker war. Sie wurde 1958 ermordet. Der Mord wurde nie aufgeklärt und auch als James Ellroy sich Jahrzehnte später auf die Suche nach dem Täter machte, fand er ihn nicht. Er schrieb darüber „Die Rothaarige – Die Suche nach dem Mörder meiner Mutter“ (My dark places, 1996).

In „Der Hilliker-Fluch – Meine Suche nach der Frau“ erzählt er von seiner Jugend, seinem dysfunktionalem Elternhaus, wie er als kleiner Spanner durch die Vorgärten schlich und wie er später in jeder Frau seine Mutter, die Wahre und Eine, suchte.

„Ich habe fünf Jahrzehnte mit der Suche nach einer bestimmten Frau zugebracht, um einen Mythos zu zerstören. Der Mythos war selbstgeschaffen und willkürlich definiert. Ich habe ihm eine Geschichte aufgezwungen, um mein eigenes Überleben zu sicher. Sie erforderte Schuld, um den Kummer zu unterdrücken und meine verrückte Leidenschaft zu rechtfertigen. Der Fluch war ein halber Segen. Ich habe ganz gut damit gelebt.

Damit mich die Frauen lieben.“

Dabei entsteht, anhand seiner teilweise langjährigen Beziehungen zu verschiedenen Frauen, so etwas wie ein Biographie, die, gerade weil James Ellroy dabei am allerschlechtesten wegkommt, durchaus ungeschönt und nah an der Wahrheit sein dürfte.

„Der Hilliker-Fluch“ ist natürlich in erster Linie ein Buch für den James-Ellroy-Fan und nachdem er in seinen letzten Büchern immer knapper und unlesbarer schrieb, kehrt er jetzt wieder zu einem normalen Satzbau zurück und demontiert sich zuerst gründlich, nur um sich als „der größte Krimiautor, der je gelebt hat“ (Ellroy in seiner üblichen Bescheidenheit) doch wieder aufzubauen. Denn natürlich ist Ellroy auch als von Selbstzweifeln geplagter Spanner und Schürzenjäger der Größte.

Gerade dieser Zwiespalt, verbunden mit einem wohldosiertem Blick hinter die Kulissen, macht den „Hilliker-Fluch“ allerdings auch so lesenswert.

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James Ellroy: Der Hilliker-Fluch – Meine Suche nach der Frau

(übersetzt von Stephen Tree)

Ullstein, 2012

256 Seiten

19,99 Euro

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Originalausgabe

The Hilliker Curse – My Pursuit of Women

Alfred A. Knopf Inc., New York 2010

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Hinweise

James Ellroy stellt „Der Hilliker-Fluch“ vor (Teil 1, Teil 2, Teil 3 – die normale Verlinkung klappt im Moment nicht)

Wikipedia über James Ellroy (deutsch, englisch)

Meine Besprechung der James-Ellroy-Verfilmung „Rampart – Cop außer Kontrolle“ (Rampart, USA 2011)

Meine Besprechung von James Ellroys Unterwelt-Trilogie

James Ellroy in der Kriminalakte

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Dieses Cover ist noch retroer und gefällt mir daher entsprechend gut

Ellroy - The Hilliker Curse


TV-Tipp für den 15. Februar: Morning Glory

Februar 15, 2013

Sat.1, 20.15

Morning Glory (USA 2010, R.: : Roger Michell)

Drehbuch: Aline Brosh MeKenna

Die junge, übereifrige und vollkommen überdrehte Becky Fuller (Rachel McAdams) will ein erfolgloses, abgewirtschaftetes TV-Morgenmagazin zum Quotenbringer machen. Dafür will sie den legendären, entsprechend überheblichen Politjournalisten Mike Pomeroy (Harrison Ford grandios griesgrämig), der den Job unter keinen Umständen annehmen will, gewinnen.

Die fluffige Feelgood-Komödie „Morning Glory“ ist wie ein Buffet: fast jeder Happen schmeckt, auch wenn die einzelnen Beilagen nicht unbedingt zueinander passen und am Ende ist man nicht satt.

Und damit ist „Morning Glory“ dann doch wie das Frühstücksfernsehen: bunt, unterhaltsam, belanglos.

mit Rachel McAdams, Harrison Ford, Diane Keaton, Patrick Wilson, Jeff Goldblum, John Pankow, Matt Malloy, Patti D’Arbanville

Wiederholung: Sonntag, 17. Februar, 11.55 Uhr

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Morning Glory“

Rotten Tomatoes über „Morning Glory“

Wikipedia über „Morning Glory“ (deutsch, englisch)

The Telegraph: Interview mit Harrison Ford zu “Morning Glory”

Meine Besprechung von Roger Michells „Morning Glory“ (Morning Glory, USA 2010)

Harrison Ford in der Kriminalakte 


Neu im Kino/Filmkritik: „Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben“ in der Michael-Bay-Schule des Filmemachens

Februar 14, 2013

Nachdem der New Yorker Polizist John McClane in der Vergangenheit mehrmals zur falschen Zeit am falschen Ort war und er dann innerhalb weniger Stunden seine Frau (in „Stirb langsam“ und „Stirb langsam 2“) oder seine Tochter (in „Stirb langsam 4.0“) retten musste und dabei die Pläne von Terroristen und Gangstern gründlich vermasselte, ist er jetzt, im fünften „Stirb langsam“-Film, der fast schon banal „Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben“ (A good day to die hard) heißt, der Mann, der wirklich den Ärger sucht und dafür um die halbe Welt von New York nach Moskau reist. Dort ist sein Sohn Jack (Jai Courtney) gerade als Verbrecher angeklagt und John McClane (Bruce Willis fast im Autopilot-Modus) will ihm, nachdem er ihn seit Ewigkeiten nicht gesehen hat, helfen.

Kaum ist McClane in Moskau angekommen, mischt er sich unter die Masse, die vor dem Gericht auf die Verhandlung gegen Komarov (Sebastian Koch) wartet. Komarov soll in einem Schauprozess verurteilt werden und er hat ein superwichtiges Dossier (aka der MacGuffin) irgendwo versteckt. Bevor die Gerichtsverhandlung beginnt, überfallen Verbrecher das Gericht und in dem Kuddelmuddel können Jack McClane und Komarov entkommen. Auf ihrer Flucht treffen sie auf John McClane. Die folgende atemberaubende Autoverfolgungsjagd quer durch Moskau, gedreht an 82 Tagen mit einem 190-köpfigem Stuntteam und, unter anderem, einer großzügigen Fahrzeugspende von Mercedes Benz im Wert von mehreren Millionen Dollar, hat sich schon jetzt einen Platz in den Analen der großen Autoverfolgungsjagden gesichert.

Danach erfahren wir, dass Jack McClane ein CIA-Agent ist und er Komarov befreien sollte. Das sichert dem „007 aus Plainfield, New Jersey“ (Daddy McClane über seinen Sohn) immerhin einen Platz bei den Guten. Aber in der atemlosen Abfolge von einem Action-Set-Piece zum nächsten wurde dann sowieso auf jegliches Drehbuch und eine auch nur irgendwie nachvollziehbare Geschichte (das ist der Teil eines Films, der die Action-Szenen in eine sinnvolle Reihenfolge bringt und für Spannung sorgt) verzichtet. Auf einen Bösewicht mit einem nachvollziehbarem Motiv und einem auch nur irgendwie logischem Plan, wie er sein Ziel erreicht, ebenso.

Stattdessen gibt es eine Schießerei in einem CIA-Versteck mit Flucht, eine Schießerei in einem verlassenen Ballsaal mit Flucht und in Tschernobyl einen epischen Kampf, bei dem sozialistische Betonbauten ihre Widerstandsfähigkeit gegen alle möglichen Waffen beweisen können. Außerdem erfahren wir dann, dass Komarov doch ein Bösewicht ist. Aber so überraschend kommt das nicht. Denn in „Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben“ sind alle Russen schrecklich böse und schießwütig.

Es wurde auch auf alles verzichtet, was zur „Stirb langsam“-Formel gehört. Außer natürlich der Action. Aber alles andere fehlt in diesem spannungs- und ironiefreiem Murks. John McClane ist nicht mehr der Mann, der zufällig in ein Verbrechen hineinstolpert. Jetzt sucht er den Ärger. Er ist nicht mehr der Normalo, der über sich hinauswächst. Jetzt ist er eine unkaputtbare Kampfmaschine, die Charme durch dicke Wummen und Blei ersetzt. Er ist nicht mehr der Mann, der den Menschen, die er liebt, helfen muss. Jetzt hat er einen Sohn, der ganz gut allein zurecht kommt und die Beziehung zu ihm ist mehr behauptet als nachvollziehbar. Vor allem in den ersten beiden „Stirb langsam“-Filmen gab es eine spannungsfördernde Einheit von Ort (einmal ein Hochhaus, einmal ein Flugplatz) und Zeit. Schon im dritten, deutlich schwächeren Teil „Stirb langsam: Jetzt erst recht“, der auch im Sommer spielte, spielte die Action im gesamten Staat New York. Das war ein guter Action-Film. Aber ein „Stirb langsam“-Film? In „Stirb langsam 4.0“ spielte die Geschichte an der halben Ostküste und der Gegner schien aus einem James-Bond-Film gefallen zu sein. Jetzt spielt die „Geschichte“ in Moskau und im gut tausend Kilometer entferntem Tschernobyl. Aber die McClanes legen die Entfernung in wenigen Stunden im Auto zurück. Und Drehbuchautor Skip Woods (Passwort: Swordfisch; Hitman – Jeder stirbt alleine; Das A-Team – Der Film) und Regisseur John Moore, im gruseligen „Max Payne“-Modus, versuchen sich an einer Spionagegeschichte, die etwas bei James Bond und Jason Bourne abschauen möchte, aber noch nicht einmal ein auch nur halbwegs ordentliches B-Picture-Niveau erreicht.

Da ist es fast schon erfreulich, dass „Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben“ mit 97 Minuten über eine gute halbe Stunde kürzer als die anderen „Stirb langsam“-Filme ist.

Und genau wie „Ein Quantum Trost“ der kürzeste und schlechteste James-Bond-Film aller Zeiten war, ist „Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben“ definitiv der schlechteste „Stirb langsam“-Film und auch als Action-Film eine riesige Enttäuschung. Jedenfalls wenn man von einem Action-Film mehr als eine sinnlos-ohrenbetäubende Abfolge von Action-Set-Pieces erwartet, in denen mit Autos und großkalibrigen Waffen möglichst viel zerstört wird.

Stirb langsam 5 - Plakat

Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben (A good day to die hard, USA 2012)

Regie: John Moore

Drehbuch: Skip Woods

mit Bruce Willis, Jai Courtney, Sebastian Koch, Yulia Snigier, Rasha Bukvic, Cole Hauser, Amaury Nolasco, Sergey Kolesnikov, Mary Elizabeth Winstead

Länge: 97 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

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Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Facebook-Seite zum Film

Film-Zeit über „Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben“

Metacritic über „Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben“

Rotten Tomatoes über „Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben“

Wikipedia über „Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Howard Chaykin (Autor)/Stephen Thompson/Gabriel Andrade jr. (Zeichner): Die Hard – Das erste Jahr (Die Hard: Year One 1 – 8 2009)

Meine Besprechung von “Set Up” (Setup, USA 2011, mit Bruce Willis)

Meine Besprechung von “The cold Light of the Day” (The cold Light of the Day, USA 2011, mit Bruce Willis)

Meine Besprechung von “Lady Vegas” (Lay the Favorite, USA/GB 2012, mit Bruce Willis)

Meine Besprechung von “The Expendables 2” (The Expendables 2, USA 2012, mit Bruce Willis)

Meine Besprechung von “Looper” (Looper, USA 2012, mit Bruce Willis)

Bruce Willis in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 14. Februar: Psycho

Februar 14, 2013

Als Vorbereitung für „Hitchcock“

ARD, 02.55

Psycho (USA 1960, R.: Alfred Hitchcock)

Drehbuch: Joseph Stefano

LV: Robert Bloch: Psycho, 1959 (Psycho)

Ein immer wieder gern gesehener Schocker von Alfred Hitchcock und das beste Argument gegen Duschen.

Mit Anthony Perkins, Janet Leigh, Vera Miles, John Gavin

Hinweise

Wikipedia über „Psycho“ (deutsch, englisch)

Wikipedia über Alfred Hitchcock (deutsch, englisch)

Senses of Cinema (Ken Mogg) über Alfred Hitchcock

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 2“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 2

Meine Besprechung von Alfred Hitchcocks “Mr. und Mrs. Smith” (Mr. and Mrs. Smith, USA 1941)

Meine Besprechung von Thily Wydras “Alfred Hitchcock”

Alfred Hitchcock in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Robert Blochs “Psycho” (Psycho, 1959)

Meine Besprechung von Robert V. Galluzzos “Psycho Legacy” (The Psycho Legacy, USA 2010 – eine sehenswerte Doku über die “Psycho”-Filme mit Anthony Perkins, mit vielen Stunden informativem Bonusmaterial)

Meine Besprechung von Stephen Rebellos „Hitchcock und die Geschichte von ‚Psycho'“ (Alfred Hitchcock and the Making of ‚Psycho‘, 1990)


DVD-Kritik: Raserei auf dem „Motorway“

Februar 13, 2013

Lo (Anthony Wong Chau-Sang) und sein jüngerer, entsprechend heißblütiger und autovernarrter Partner Cheung (Shawn Yue) jagen in Hongkong Verkehrssünder. Das klingt jetzt nicht sonderlich aufregend. Immerhin ist Hongkong eine Metropole und die Orte, an denen man das Gaspedal so richtig durchtreten kann, dürften überschaubar sein. Auch auf den Autobahnen.

Aber weil sie die Helden in „Motorway“, einem von Gangsterfilm-Guru Johnnie To produziertem Film, sind, gibt es etliche Verfolgungsjagden in einer arg überschaubaren Geschichte, die auch gut in einem der „The Fast and the Furious“-Filme aufgehoben wäre. Denn die beiden Verkehrspolizisten verfolgen einen Fluchtwagenfahrer, der vor Jahren schon einmal von Lo gejagt wurde (seitdem lässt er das Autofahren sein) und der jetzt einen Freund aus dem Gefängnis befreite und mit ihm einen neuen Coup, den Diebstahl eines riesigen Diamanten, plant.

Die dünne, meistens nachts spielende, eher chaotisch erzählte Geschichte erinnert von seiner Konstellation an Walter Hills Klassiker „Driver“. In dem Film verfolgte ein Polizist einen Fluchtwagenfahrer. Aber während Hill Archetypen in einer ebenso archetypischen Geschichte, die er mythisch überhöht, aufeinanderprallen lässt, bleibt bei Pou-Soi Cheangs „Motorway“ nur der schale Nachgeschmack einer Geschichte von Freundschaft, Feindschaft, dem Kampf von Gut gegen Böse, in dem die Raser sich als gleichberechtigte Gegner respektieren und die Verbrechen, angefangen bei einer profanen Geschwindigkeitsübertretung bis hin zu einem Diebstahl, nur die Auslöser für epische Autoverfolgungsjagden sind.

Daher führt „Motorway“ nicht die Ideen von „Driver“ oder den von Johnnie To inszenierten Hongkong-Actionfilmklassikern fort, sondern begibt sich, allerdings mit deutlich weniger Frauen, auf das Niveau von „The Fast and the Furious: Tokyo Drift“. Sogar die Hügel, in denen es in „Motorway“ eine ziemlich spektakuläre Verfolgungsjagd gibt, erinnern an die Hügel in Tokio, in denen die Geschwindigkeitsfanatiker mit quietschenden Reifen durch die Serpentinen jagten.

Das hätten die Jungs von „Alarm für Cobra 11“ auch nicht schlechter hingekriegt.

Als Bonusmaterial gibt es ein aus mehreren Teilen bestehendes, zwölfminütiges „Making of“, das vor allem den Film über den grünen Klee lobt und einen kleinen Einblick in die Actionszenen gibt.

Motorway - DVD-Cover

Motorway (Che sau, Hongkong 2012)

Regie: Pou-Soi Cheang

Drehbuch: Joey O’Bryan (auch Originalstory), Kam-Yuen Szeto

mit Anthony Wong Chau-Sang, Shawn Yue, Xiaodong Guo, Barbie Hsu, Josie Ho

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DVD

Senator Home Entertainment/Universum Film

Bild: 16:9 (1.77:1)

Ton: Deutsch, Chinesisich (Kantonesisch) (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Making of, Filmtrailer

Länge: 85 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

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Hinweise

Rotten Tomatoes über „Motorway“

Wikipedia über „Motorway“


Sekundärliteratur zu „The Wire“

Februar 13, 2013

„The Wire“ ist eine Polizeiserie, die gleichzeitig ein Bild von Baltimore und den dortigen sozialen und politischen Konflikten liefert. Es ist auch die Polizeiserie, die damit die amerikanische Wirklichkeit ungeschönt reflektiert und so zum Liebling der Kritiker wurde. Im US-TV lief die HBO-Serie von 2002 bis 2008. In Deutschland verzichtete man auf eine Free-TV-Ausstrahlung und veröffentlichte die fünf Staffeln zwischen November 2010 und November 2012 gleich auf DVD.

Fast parallel dazu wurde die Serie und ihr Erfinder, der Journalist David Simon, in Zeitungen und Zeitschriften breit abgefeiert und es erschienen wissenschaftliche Aufsätze. Mal kürzer (beispielsweise Kathi Gormászss „»All in the game yo, all in the game« – Die Polizeiserie „The Wire“ als Anti-Cop-Show und TV-Roman“ in dem Sammelband „Die Lust am Genre“), mal länger.

Schröter - Verdrahtet - 2

Zu den Längeren gehört Jens Schröters kurze Studie „Verdrahtet – ‚The Wire‘ und der Kampf um die Medien“. Im wesentlichen analysiert der Professor für Theorie und Praxis multimedialer Systeme an der Universität Siegen den Vorspann in einer Bildanalyse und erzählt die Staffeln 1, 3 und 5 aus der Sicht des Kampfes um die Telefone nach. Die Polizisten versuchen die Kommunikationswege der Verbrecher abzuhören und deren Geheimcodes zu knacken, während die Verbrecher genau das verhindern wollen.

Denn, so Schröter: „Figuren und ihre Psychologie sind nicht zentral in ‚The Wire‘. Entscheidend ist nur, wie die Serie den Kampf um die Medien zwischen Polizei und Dealern und das Telefon in immer neuen Anläufen darstellt.“

Das liest sich dann doch wie eine akademisch getünchte Nacherzählung aus einem bestimmten Blickwinkel.

Simon - Homicide - 2Simon - Burns - The Corner - 2

Inzwischen sind auch die beiden als True-Crime-Klassiker anerkannten Bücher „Homicide – Ein Jahr auf mörderischen Straßen“ und „The Corner – Bericht aus dem dunklen Herzen der amerikanischen Stadt“ von David Simon auf deutsch erschienen. Beide Bücher sind inzwischen auch schon historische Bücher. Denn als David Simon für „Homicide“ 1988 ein Jahr in Baltimore Polizisten der Mordkommission begleitete, gab es auf den Polizeistationen noch keine Computer, DNA war ein Fremdwort, der CSI-Effekt noch nicht bekannt und alltagstaugliche Handys gab es höchstens in Science-Fiction-Filmen. Für „Homicide“ erhielt David Simon den Edgar Award als bestes Sachbuch und es war die Vorlage für die Polizeiserie „Homicide“.

1993 beobachtete David Simon mit seinem Kollegen Ed Burns, der zwanzig Jahre Detective bei der Mordkommission war, in „The Corner“ die andere Seite des Verbrechens: die Drogenhändler und wie sie an einer Straßenecke ihre Geschäfte tätigen. Dabei zeigt er den Drogenhandel als letzten funktionierenden ökonomischen Kreislauf und Halt für die daran beteiligten Menschen, die durch die sozialen Raster gefallen sind.

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Jens Schröter: Verdrahtet – „The Wire“ und der Kampf um die Medien (Kultur & Kritik 6)

Bertz + Fischer, 2012

112 Seiten

9,90 Euro

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David Simon: Homicide – Ein Jahr auf mörderischen Straßen

(übersetzt von Gabriele Gockel, Barbara Steckhan und Thomas Wollermann)

Verlag Antje Kunstmann, 2011

832 Seiten

24,90 Euro

11,99 Euro (Taschenbuchausgabe, Heyne Verlag)

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Originalausgabe

Homicide – A year on the killing streets

Houghton Mifflin Company, Boston 1991/2006

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David Simon/Ed Burns: The Corner – Bericht aus dem dunklen Herzen der amerikanischen Stadt

(übersetzt von Gabriele Gockel, Barbara Steckhan und Thomas Wollermann, Kollektiv Druck-Reif)

Verlag Antje Kunstmann, 2012

800 Seiten

24,95 Euro

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Originalausgabe

The Corner – A year in the life of an inner-city neighbourhood

Broadway Books 1997

Hinweise

Wikipedia über David Simon (deutsch, englisch) und „The Wire“ (deutsch, englisch)

The Audacity of Despair – Homepage/Blog von David Simon

Homepage von Jens Schröter


TV-Tipp für den 13. Februar: Männer, die auf Ziegen starren

Februar 13, 2013

HR, 23.15

Männer, die auf Ziegen starren (USA 2009, R.: Grant Heslov)

Drehbuch: Peter Straughan

LV: The men who stare at goats, 2004 (Durch die Wand; Männer, die auf Ziegen starren)

Ein Journalist hört von einer Armeeeinheit, die ihre Gegner mit gewaltfreien, teils übersinnlichen Methoden bekämpft. Er macht sich auf die Suche nach ihr.

Die Story von „Männer, die auf Ziegen starren“ klingt erfunden, ist aber wahr und der Film folgt dem Sachbuch erstaunlich genau.

Köstlich durchgeknallte Militärsatire (alles weitere in meiner ausführlichen Besprechung von Buch und Film).

mit George Clooney, Ewan McGregor, Jeff Bridges, Kevin Spacey, Stephen Lang, Robert Patrick, Waleed Zuaiter, Stephen Root, Glenn Morshower

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Männer, die auf Ziegen starren“

Metacritic über “Männer, die auf Ziegen starren”

Rotten Tomatoes über “Männer, die auf Ziegen starren”

Wikipedia über “Männer, die auf Ziegen starren” (deutsch, englisch)

Homepage von Jon Ronson

Den of Geek: Interview mit Jon Ronson (5. November 2009)

UGO: Interview mit Jon Jonson (6. November 2009)

Homepage des 1st Earth Battalion

Meine Besprechung von Jon Ronsons “Männer, die auf Ziegen starren” (The men who stare at Goats, 2004)

Meine Besprechung von Jon Ronsons “Die Psychopathen sind unter uns – Eine Reise zu den Schaltstellen der Macht” (The Psychopath Test – A Journey through the Madness Industry, 2011)


Cover der Woche

Februar 12, 2013

Japrisot - A trip for Cinderella


TV-Tipp für den 12. Februar: Im Schatten

Februar 12, 2013

3sat, 20.15

Im Schatten (D 2010, R.: Thomas Arslan)

Drehbuch: Thomas Arslan

Profigangster Trojan, gerade aus dem Knast entlassen, plant gleich seinen nächsten Coup: einen Überfall auf einen Geldtransporter.

Ein guter Hardboiled-Gangsterfilm, der eindeutig vom französischen Kriminalfilm (Melville!) und den harten amerikanischen Krimis beeinflusst ist. So ist der Einfluss von Richard Starks Parker und seinen Epigonen Nolan (von Max Allan Collins) und Wyatt (von Garry Disher) unübersehbar.

Ein erfrischend undeutscher Kriminalfilm, den sich auch Genrejunkies ohne Fremdschäm-Anfälle ansehen können.

mit Mišel Matičević, Karoline Eichhorn, Uwe Bohm, Rainer Bock, Hanns Zischler, Petr Kurth, David Scheller

Hinweise

Homepage zum Film

Film-Zeit über „Im Schatten“

taz: Interview mit Thomas Arslan über “Im Schatten” (6. Oktober 2010)

Film-Dienst: Interview mit Thomas Arslan über “Im Schatten”

Meine Besprechung von Thomas Arslans “Im Schatten”


Prämierte Drehbücher online verfügbar

Februar 11, 2013

Kurz bevor wichtige Filmpreise, wie die Golden Globes und die Oscars, vergeben werden, machen die Produktionsfirmen etliche  der prämierten Drehbücher online verfügbar und Filmfans around the Globe können sich bedienen:

Chris Terrio: Argo (meine Besprechung)

Rian Johnson: Looper (meine Besprechung – und demnächst auch einige Worte zur DVD)

John McLaughlin: Hitchcock (meine Besprechung der Vorlage; der Film startet demnächst)

Bridget O’Connor/Peter Straughan: Tinker, Tailer, Soldier, Spy (meine Besprechung der John-le-Carré-Verfilmung „Dame, König, As, Spion“)

Michael Haneke: Liebe (Amour – englische Fassung; meine Besprechung)

Quentin Tarantino: Django Unchained (meine Besprechung)

John August: Frankenweenie (meine Besprechung des tollen Tim-Burton-Films)

Ronald Harwood: Quartet (meine Besprechung von Dustin Hoffmans Regiedebüt)

John Gatins: Flight (meine Besprechung)

Tony Kushner: Lincoln (meine Besprechung)

Mark Boal: Zero Dark Thirty (meine Besprechung)

Evan Daugherty, John Lee Hancock, Hossein Amini: Snow White and the Huntsman (meine Besprechung dieser Variante von Schneewittchen)

John Krasinski/Matt Damon: Promised Land

David Magee: Life of Pi

Richard Nelson: Hyde Park on Hudson (deutscher Titel: Hyde Park am Hudson, Kinostart: 28. Februar)

Nicholas Jarecki: Arbitrage (Drama mit Richard Gere und Susan Sarandon, deutscher Kinostart unklar)

Cinco Paul/Ken Daurio: Dr. Seuss‘ The Lorax

Rashida Jones/Will McCormack: Celeste and Jesse Forever (deutscher Titel: „Celeste & Jesse – Beziehungsstatus: Es ist kompliziert“, Kinostart: 14. Februar)

Ol Parker: The Best Exotic Marigold Hotel

Lucy Alibar/Benh Zeitlin: Beasts of the Southern Wild

Tom Stoppard: Anne Karenina

James Ponsoldt/Susan Burke: Smashed

David O. Russell: Silver Linings Playbook (deutscher Titel: Silver Linings)

Jacques Audiard/Thomas Bidegain: Rust and Bone (na, das müsste „De Rouille et D’Os“ bzw. „Der Geschmack von Rost und Knochen“ sein)

David Lindsey-Abaire: Rise of the Guardians

Stephen Chbosky: The Perks of being a Wallflower

Christopher Butler: ParaNorman

Phil Johnson/Jennifer Lee: Wreck it Ralph

Wes Anderson/Roman Coppola: Moonrise Kingdom

Ava DuVernay: Middle of Nowhere

Paul Thomas Anderson: The Master

William Nicholson, Alain Boublil, Claude-Michel Schönberg, Herbert Kretzmer: Les Misérables (ein Musical, Kinostart: 21. Februar)

Judd Apatow: This is 40

Seth MacFarlane/Alec Sulkin/Wellesly Wild: Ted

Ben Lewin: The Sessions

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Und hier, bei den 2012 nominierten Drehbüchern, gibt es auch noch einige Treffer.


TV-Tipp für den 11. Februar: Kein Sterbenswort

Februar 11, 2013

ZDF, 22.15

Kein Sterbenswort (F 2006, R.: Guillaume Canet)

Drehbuch: Guillaume Canet, Philippe Lefebvre

LV: Harlan Coben: Tell no one, 2001 (Kein Sterbenswort)

Acht Jahre nach dem Tod seiner Frau erhält der Arzt Alexandre Beck eine Nachricht von ihr. Er will herausfinden, ob sie noch lebt. Dabei gerät er in eine Intrige und unter Mordverdacht.

Spannender, wendungsreicher Thriller, der überall abgefeiert wurde und die deutsche Premiere auf DVD erlebte.

Das Drehbuch war für den Edgar nominiert. Der Film war für neun Césars nominiert und erhielt vier. Unter anderem für die beste Regie und beste Hauptrolle.

mit Francois Cluzet, Kristin Scott Thomas, André Dussolier, Nathalie Baye, Jean Rochefort, Harlan Coben (Cameo als Mann auf dem Bahnhof)

Wiederholung: Mittwoch, 13. Februar, 01.10 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Homepage von Harlan Coben

Mein Gespräch mit Harlan Coben über Myron Bolitar und seine Arbeit

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Kein böser Traum“ (Just one look, 2004)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Kein Friede den Toten“ (The Innocent, 2005)

Meine Besprechung von Harlan Coben „Der Insider“ (Fade away, 1996)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Das Grab im Wald“ (The Woods, 2007)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Sie sehen dich“ (Hold tight, 2008)

Meine Kurzbesprechung der Harlan-Coben-Verfilmung „Kein Sterbenswort“ (F 2006)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Von meinem Blut“ (Long Lost, 2009)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „In seinen Händen“ (Caught, 2010)

Meine Besprechung von Harlan Cobens “Sein letzter Wille” (Live Wire, 2011)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Nur zu deinem Schutz“ (Shelter, 2011)

Harlan Coben in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 10. Februar: A Serious Man

Februar 10, 2013

ARD, 23.35

A Serious Man (USA 2009, R.: Joel Coen, Ethan Coen)

Drehbuch: Joel Coen, Ethan Coen

USA, Mittlerer Westen, 1967: Über einen biederen, jüdischen Physikprofessor bricht das Unheil herein und er fragt sich „Warum ich?“.

Zu einer ziemlich unmöglichen Zeit gibt es die TV-Premiere eines von der Kritik hochgelobten Films der Coen-Brüder, den ich etwas zäh fand. Aber bibelfeste Zuschauer können einiges entdecken.

mit Michael Stuhlbarg, Richard Kind, Fred Melamed, Sari Lennick, Aaron Wolf, Jessica McManus

Wiederholung: WDR, Dienstag, 19. Februar, 23.15 Uhr

Hinweise

Film-Zeit über „A Serious Man“

Metacritic über „A Serious Man“

Rotten Tomatoes über „A Serious Man“

Wikipedia über die Coen-Brüder (deutsch, englisch)

Drehbuch “Blood Simple” von Joel und Ethan Coen

„You know, for kids!“  – The Movies of the Coen Brothers (eine sehr umfangreiche Seite über die Coen-Brüder)

Meine Besprechung von Bill Green/Ben Peskoe/Will Russell/Scott Shuffitts „Ich bin ein Lebowski, du bist ein Lebowski – Die ganze Welt des Big Lebowski“ (I’m a Lebowski, you’re a Lebowski, 2007)

Die Coen-Brüder in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 9. Februar: Berlin – Die Sinfonie der Großstadt

Februar 9, 2013

3sat, 20.15

Berlin – Die Sinfonie der Großstadt (D 1927, R.: Walter Ruttmann)

Drehbuch: Walter Ruttmann, Karl Freund

Dokufilmklassiker, der einen Tag in Berlin und den Rhythmus der pulsierenden Großstadt dokumentiert.

„Ein ungemein eindringlicher und informativer Stummfilm von großem zeitdokumentarischem Wert.“ (Lexikon des internationalen Films)

3sat zeigt eine restaurierte Fassung, für die auch die Originalmusik von Edmund Meisel neu orchestriert wurde.

Im YouTube-Clip ist die Musik von The Somnambulist (laut.de), live eingespielt 10. Mai 2011 in Bordeaux.

Hinweise

Wikipedia über „Berlin – Die Sinfonie der Großstadt“(deutsch, englisch)

Filmportal über “Berlin – Die Sinfonie der Großstadt” (umfangreich)

Arte über „Berlin – Die Sinfonie der Großstadt“

3sat über „Berlin – Die Sinfonie der Großstadt“

Archive.org: 61-minütige Version des 65-minütigen Films „Berlin – Die Sinfonie der Großstadt“ (derzeit, bei mir, ohne Musik. Also ein echter Stummfilm.)

Veoh: 75-minütige Version des Films (hmhm; außerdem muss ein Player installiert werden)


Verfilmte Bücher: „Hitchcock und die Geschichte von ‚Psycho’“ ist „Hitchcock“

Februar 8, 2013

Rebello - Hitchcock und die Geschichte von Psycho2

„Psycho“ war, vom Budget, vom Team und von der Drehzeit her, ein kleiner, billiger Film. Alfred Hitchcock wollte nach dem Megaerfolg „Der unsichtbare Dritte“ das komplette Gegenteil machen: einen kleinen, billigen SW-Horrorfilm. Er spekulierte damals, immerhin hatten es vorher bereits einige Horrorfilme gezeigt, auf einen satten Gewinn.

Die Rechnung ging auf. „Psycho“ spielte mehr als seine Produktionskosten ein. Viel mehr. Der Thriller wurde auch ein kulturelles Phänomen, beeinflusste etliche Regisseure, das Horror- und Thrillergenre und Hauptdarsteller Anthony Perkins, der während der Dreharbeiten vor allem als jugendlicher Liebhaber bekannt war, war danach nur noch Norman Bates, ein durchgeknallter Mörder, der sich, immer wenn er Frauen umbrachte, als Mutter verkleidete.

In seinem im Original bereits 1990 erschienenem Sachbuch „Hitchcock und die Geschichte von Psycho“ zeichnet Stephen Rebello, basierend auf ausführlichen Interviews (er hatte sogar die Chance Alfred Hitchcock kurz vor seinem Tod zu interviewen) und Aktenstudium, die gesamte Geschichte des Films nach: von den realen Ursprüngen über Robert Blochs Roman „Psycho“, die Vorbereitungen, die Dreharbeiten, den Schnitt, die Premiere bis hin zu den Nachwirkungen. Rebello erzählt das informativ und mit vielen Zitaten, die wirklich einen Blick hinter die Kulissen erlauben.

Für Hitchcock-Fans und „Psycho“-Fans ist Rebellos Buch sowieso eine Pflichtlektüre. Und auch Filmfans sollten einen Blick hineinwerfen. Denn Rebello liefert einen guten Einblick in alle Aspekte des Filmemachens. Eine kleine Sittengeschichte der damaligen Zeit gibt es auch. Denn Alfred Hitchcock hatte Probleme mit der Zensur.

Seit der Erstauflage erschien „Hitchcock und die Geschichte von Psycho“ in den USA in mehreren Ausgaben bei verschiedenen Verlagen und wurde 2012 von Sacha Gervasi verfilmt. Die hochkarätig besetzte Verfilmung ist allerdings mehr eine Fantasie über Alfred Hitchcock, angereichert mit seinen Sprüchen, Leidenschaften und Obsessionen, als ein auch nur halbwegs akkurates Biopic.

Immerhin wurde dank der Verfilmung Stephen Rebellos Buch ins Deutsche übersetzt.

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Stephen Rebello: Hitchcock und die Geschichte von „Psycho“

(mit einem neuen Vorwort von Stephen Rebello)

(übersetzt von Lisa Kögeböhn, Bernhatt Matt und Uli Meyer)

Heyne, 2013

416 Seiten

9,99 Euro

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Erstausgabe

Alfred Hitchcock and The Making of Psycho

Dembner Books, 1990

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Verfilmung

Hitchcock (Hitchcock, USA 2012)

Regie: Sacha Gervasi

Drehbuch: John J. McLaughlin

mit Anthony Hopkins, Helen Mirren, Scarlett Johansson, Danny Huston, Toni Collette, Michael Stuhlbarg, Michael Wincott, Jessica Biel, James D’Arcy, Kurtwood Smith, Ralph Macchio, Tara Summers

Kinostart: 14. März 2013 (angekündigt)

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Hinweise

Wikipedia über Stephen Rebello und „Hitchcock und die Geschichte von ‚Psycho'“

Wikipedia über Alfred Hitchcock (deutsch, englisch)

Senses of Cinema (Ken Mogg) über Alfred Hitchcock

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 2“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 2

Meine Besprechung von Alfred Hitchcocks „Mr. und Mrs. Smith“ (Mr. and Mrs. Smith, USA 1941)

Meine Besprechung von Thily Wydras “Alfred Hitchcock”

Alfred Hitchcock in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Robert Blochs „Psycho“ (Psycho, 1959)

Meine Besprechung von Robert V. Galluzzos „Psycho Legacy“ (The Psycho Legacy, USA 2010 – eine sehenswerte Doku über die „Psycho“-Filme mit Anthony Perkins, mit vielen Stunden informativem Bonusmaterial)

und so bewarb Alfred Hitchcok „Psycho“


TV-Tipp für den 8. Februar: Miami Blues

Februar 8, 2013

ARD, 01.50

Miami Blues (USA 1990, R.: George Armitage)

Drehbuch: George Armitage

LV: Charles Willeford: Miami Blues, 1984 (Miami Blues)

Als erstes bringt Junior in Miami einen bettelnden Krishna um. Dann beginnt er mit seinem Brotjob: Überfälle. Als ihm Sgt. Hoke Moseley zu nahe kommt, raubt er ihn aus (Dienstpistole, Ausweis, Gebiss). Und das nimmt Moseley wirklich persönlich.

Willefords Hoke-Moseley-Krimis sind eine bitterböse, urkomische Abrechnung mit dem amerikanischen Traum. Armitages Adaption bebildert in weiten Teilen nur Willefords Buch. Trotzdem: „Hervorragend gespielte Kriminalgroteske, die sich nach und nach als böse Abrechnung mit dem amerikanischen Traum entpuppt.“ (Lexikon des internationalen Films)

Mit Fred Ward, Alec Baldwin, Jennifer Jason Leigh

Hinweise

Wikipedia über Charles Willeford (deutsch, englisch)

Charles Willeford Paperback Covers

Meine Besprechung von Charles Willefords „Die schwarze Messe“ (Honey Gal, 1958; The Black Mass of Brother Springer)

Meine Besprechung von Charles Willefords „Ketzerei in Orange“ (The burnt-orange heresy, 1971)


Neu im Kino/Filmkritik: Richard Starks Parker heißt jetzt auch im Kino „Parker“

Februar 7, 2013

Parker war Lee Marvin, Anna Karina, Michel Constantine, Jim Brown, Robert Duvall, Peter Coyote und, zuletzt, Mel Gibson, aber er hieß, obwohl die Filme auf den grandiosen Hardboiled-Gangsterthrillern von Richard Stark basierten, niemals Parker. Richard Stark (also eigentlich Donald E. Westlake) meinte, dass Parker erst dann in einem Film Parker heißen dürfe, wenn die Produzenten mehrere Parker-Filme machen wollten.

Keine Ahnung ob Dortmunder-Erfinder Donald E. Westlake das wirklich so meinte oder er nur witzelte. Jedenfalls darf in einem Film Parker jetzt zum ersten Mal Parker heißen und die Macher freuten sich so sehr darüber, dass sie den Film gleich „Parker“ nannten. Naja, warum auch nicht.

Und mit Jason Statham als Parker wurde eine gute Wahl getroffen. Denn er kann einen so rücksichtslosen Charakter glaubhaft verkörpern.

Dafür wurden dann einige, hm, Details an der Vorlage, dem Roman „Irgendwann gibt jeder auf“ (Flashfire) geändert. Aber die große Story bleibt erhalten: nach einem Diebeszug wird Parker von Melanders Gang um seinen Anteil betrogen. Melander und sein Team benötigen das Geld als Startkapital für einen größeren Coup in Palm Beach. Parker lässt diesen Betrug nicht auf sich sitzen. Er macht sich auf den Weg nach Palm Beach.

Außerdem nahmen die früheren Parker-Verfilmungen sich auch, mit unterschiedlichen Ergebnissen, Freiheiten bei der Geschichte.

Insofern ist „Parker“ eine mit Action aufgepumpte Variante der Vorlage, bei der es sogar einen Fenstersturz aus einem Hotelzimmer gibt (Erinnert ihr euch an „Sie nannten ihn Stick“?). Parker ist, was vor allem am Ende des Films auffällt, etwas weicher als in den Büchern gezeichnet. Und, das wird langjährige Parker-Fans am meisten nerven: Parker betont und rezitiert immer wieder seine Regeln. Das hatte der Buch-Parker nicht nötig. Er tat einfach, was getan werden musste.

Im Film sind Parkers Betonungen seiner Regeln und dass Regeln ein Abgleiten in das Chaos verhindern ein Gegenentwurf zum derzeitigen US-Kapitalismus, den Zockereien von Bankern die zu einer Wirtschaftskrise führten, und, wenn wir den Blick etwas weiten, dem „War on Terror“. Auch dass die US-Flagge öfter im Bild ist und der Film auf der Ohio State Fair, dem größten Jahrmarkt der USA, beginnt, tragen zu dieser kritischen Lesart bei, in der traditionelle amerikanische Werte konträr zur aktuellen Realität positioniert werden. Taylor Hackford, der ja in den Achtzigern mit Filmen wie „Ein Offizier und Gentleman“, „Gegen jede Chance“ und „White Nights“, immer inszeniert in einer gelackten Werbeästhetik, bekannt wurde, drehte seinen neuesten Film vor Ort und er zeigt durchgehend ein ungeschöntes Bild der USA und ihrer Verwerfungen.

Eine solche Allegorie im Gewand des Gangsterfilms wollte vor kurzem auch Andrew Dominik in seiner gründlich missglückten George-V.-Higgins-Verfilmung „Killing them Softly“ zeichnen. Weil Dominik während des gesamten Films einem seine Botschaft aber so penetrant und entsprechend einfältig um die Ohren schlug, langweilt sein Gangsterthriller schnell.

Hackford geht, unterstützt von einem klugen Drehbuch von „Black Swan„- und „Hitchcock“-Autor John McLaughlin, bei seiner Systemkritik viel subtiler vor und bei ihnen treiben die Dialoge die Handlung voran. Denn der gnadenlos effektive, auf sein Ziel fokussierte Profi Parker ist kein Mensch für Small-Talk.

Abgesehen von diesem politischen Hintergrund ist „Parker“ ein angenehm altmodischer, schnörkelloser, hochkarätig besetzter Gangsterthriller mit einer ordentlichen Portion bodenständiger Action. Im Zentrum stehen allerdings die Charaktere, wie sie versuchen, sich gegenseitig übers Ohr zu hauen und die Atmosphäre des amerikanischen Hinterlandes und von Palm Beach.

Taylor Hackfords „Parker“ gehört defintiv zu den gelungenen Parker-Verfilmungen. Er muss sich wahrlich nicht vor „Point Blank“ (mit Lee Marvin) und „Revolte in der Unterwelt“ (The Outfit, mit Robert Duvall) verstecken.

Parker - Plakat

Parker (Parker, USA 2013)

Regie: Taylor Hackford

Drehbuch: John J. McLaughlin

LV: Richard Stark: Flashfire, 2000 (Irgendwann gibt jeder auf)

mit Jason Statham, Jennifer Lopez, Michael Chiklis, Wendell Pierce, Clifton Collins Jr., Bobby Cannavale, Emma Booth, Nick Nolte, Patti LuPone

Länge: 118 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

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Die Vorlage

Stark - Irgendwann gibt jeder auf2

Richard Stark: Irgendwann gibt jeder auf

(übersetzt von Rudolf Hermstein)

dtv, 2013

272 Seiten

9,95 Euro

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Deutsche Erstausgabe

Paul Zsolnay Verlag, 2010

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Originalausgabe

Flashfire

Mysterious Press, 2000

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Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Parker“

Metacritic über „Parker“

Rotten Tomatoes über „Parker“

Wikipedia über „Parker“

Meine Besprechung des Jason-Statham-Films „The Mechanic“ (The Mechanic, USA 2011)

Meine Besprechung des Jason-Statham-Films „Safe“ (Safe, USA 2012) (Kino, DVD)

Meine Besprechung des Jason-Statham-Films „The Expendables 2″ (The Expendables 2, USA 2012)

Homepage von Donald E. Westlake

Kriminalakte: Nachruf auf Donald E. Westlake

Kriminalakte: Covergalerie Donald E. Westlake

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Roman „Get Real“

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Roman „What’s so funny?“

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Roman „Watch your back!“

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Kurzroman „Die Geldmacher“ (Walking around money; erschienen in „Die hohe Kunst des Mordens“ [Transgressions])

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes „Mafiatod“ (361, 1962)

Meine Vorstellung von Westlakes als Richard Stark geschriebener Parker-Serie (mit „Nobody runs forever“)

Meine Besprechung von Richard Starks Parker-Romans „Ask the Parrot“

Meine Doppelbesprechung von Richard Starks Parker-Romanen „Fragen Sie den Papagei“ (Ask the Parrot) und „Dirty Money“

Meine Besprechung von Richard Starks Parker-Roman „Irgendwann gibt jeder auf“ (Flashfire, 2000)

Meine Besprechung des Films “The Stepfather”, nach einem Drehbuch von Donald E. Westlake

Meine Besprechung von Lax/Donald Westlakes „Hot Rock“ (Pierre qui roule, 2008, Comic)

Richard Stark in der Kriminalakte

 Thrilling Detective über Parker

The Violent World of Parker (1-A-Fanseite!)

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Und noch ein Interview mit Taylor Hackford


Die KrimiZeit-Bestenliste Februar 2013

Februar 7, 2013

Die Bestenliste der KrimiZeit für den närrischen Februar:

1 (8) Reginald Hill: Rache verjährt nicht

2 (1) Friedrich Ani: Süden und das heimliche Leben

3 (2) Mike Nicol: Killer Country

4 (7) Åsa Larsson: Denn die Gier wird euch verderben

5 (-) Nick Stone: Todesritual

6 (6) Roger Smith: Stiller Tod

7 (4) Merle Kröger: Grenzfall

8 (-) Håkan Nesser: Am Abend des Mordes

9 (-) Rick de Marinis: Götterdämmerung in El Paso

10 (-) Nicci French: Eisiger Dienstag

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In ( ) ist die Platzierung vom Vormonat.

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Endlich hat die „Götterdämmerung in El Paso“ es in die Liste geschafft.


TV-Tipp für den 7. Februar: Berlinale 2013 – Die Eröffnung

Februar 7, 2013

3sat, 19.20

Berlinale 2013 – Die Eröffnung

Anke Engelke eröffnet die diesjährige Berlinale, die Stars schlendern über den Teppich und täglich, so ab Mitternacht präsentiert 3sat das „Berlinale-Studio“ und ab so um 02.10 Uhr zeigt RBB die Berlinale-Pressekonferenzen. Die gibt es auch hier.