Columbo: Der Tote in der Heizdecke (USA 1993, R.: Vincent McEveety)
Drehbuch: Peter Falk
Erfinder: Richard Levinson, William Link
Lauren (Faye Dunaway) bringt ihren fremdgehenden Liebhaber um und verschafft sich ein perfektes Alibi. Aber sie hat nicht mit Lieutenant Columbo gerechnet.
Eine ungewöhnliche Episode: Peter Falk schrieb das Drehbuch (sein einziges) und Faye Dunaway erweist sich als echte femme fatale, die Columbo so heftig umgarnt, dass der dabei anscheinend seine detektivischen Fähigkeiten verliert. Der Lohn waren drei Golden-Globe-Nominierungen und ein Emmy für Faye Dunaway.
„Der Tote in der Heizdecke“ gehört zu den besseren der späten Columbo-Fälle, die ab 1989, nach einer elfjährigen Pause, entstanden.
mit Peter Falk, Faye Dunaway, Claudia Christian, Armando Pucci, Bill Macy, John Finnegan
Dass „Der Hilliker-Fluch – Meine Suche nach der Frau“ eine normale Biographie ist, kann man dem Buch nicht vorwerfen. Immerhin ist es von James Ellroy und er kann sich inszenieren. Außerdem lebte er in seinen düsteren Kriminalromanen voller Sex und Gewalt seine Obsessionen schon breit aus. In Interviews verhehlte er nie, wie wichtig für ihn der Tod seiner Mutter Jean Hilliker war. Sie wurde 1958 ermordet. Der Mord wurde nie aufgeklärt und auch als James Ellroy sich Jahrzehnte später auf die Suche nach dem Täter machte, fand er ihn nicht. Er schrieb darüber „Die Rothaarige – Die Suche nach dem Mörder meiner Mutter“ (My dark places, 1996).
In „Der Hilliker-Fluch – Meine Suche nach der Frau“ erzählt er von seiner Jugend, seinem dysfunktionalem Elternhaus, wie er als kleiner Spanner durch die Vorgärten schlich und wie er später in jeder Frau seine Mutter, die Wahre und Eine, suchte.
„Ich habe fünf Jahrzehnte mit der Suche nach einer bestimmten Frau zugebracht, um einen Mythos zu zerstören. Der Mythos war selbstgeschaffen und willkürlich definiert. Ich habe ihm eine Geschichte aufgezwungen, um mein eigenes Überleben zu sicher. Sie erforderte Schuld, um den Kummer zu unterdrücken und meine verrückte Leidenschaft zu rechtfertigen. Der Fluch war ein halber Segen. Ich habe ganz gut damit gelebt.
Damit mich die Frauen lieben.“
Dabei entsteht, anhand seiner teilweise langjährigen Beziehungen zu verschiedenen Frauen, so etwas wie ein Biographie, die, gerade weil James Ellroy dabei am allerschlechtesten wegkommt, durchaus ungeschönt und nah an der Wahrheit sein dürfte.
„Der Hilliker-Fluch“ ist natürlich in erster Linie ein Buch für den James-Ellroy-Fan und nachdem er in seinen letzten Büchern immer knapper und unlesbarer schrieb, kehrt er jetzt wieder zu einem normalen Satzbau zurück und demontiert sich zuerst gründlich, nur um sich als „der größte Krimiautor, der je gelebt hat“ (Ellroy in seiner üblichen Bescheidenheit) doch wieder aufzubauen. Denn natürlich ist Ellroy auch als von Selbstzweifeln geplagter Spanner und Schürzenjäger der Größte.
Gerade dieser Zwiespalt, verbunden mit einem wohldosiertem Blick hinter die Kulissen, macht den „Hilliker-Fluch“ allerdings auch so lesenswert.
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James Ellroy: Der Hilliker-Fluch – Meine Suche nach der Frau
(übersetzt von Stephen Tree)
Ullstein, 2012
256 Seiten
19,99 Euro
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Originalausgabe
The Hilliker Curse – My Pursuit of Women
Alfred A. Knopf Inc., New York 2010
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Hinweise
James Ellroy stellt „Der Hilliker-Fluch“ vor (Teil 1, Teil 2, Teil 3 – die normale Verlinkung klappt im Moment nicht)
Die junge, übereifrige und vollkommen überdrehte Becky Fuller (Rachel McAdams) will ein erfolgloses, abgewirtschaftetes TV-Morgenmagazin zum Quotenbringer machen. Dafür will sie den legendären, entsprechend überheblichen Politjournalisten Mike Pomeroy (Harrison Ford grandios griesgrämig), der den Job unter keinen Umständen annehmen will, gewinnen.
Nachdem der New Yorker Polizist John McClane in der Vergangenheit mehrmals zur falschen Zeit am falschen Ort war und er dann innerhalb weniger Stunden seine Frau (in „Stirb langsam“ und „Stirb langsam 2“) oder seine Tochter (in „Stirb langsam 4.0“) retten musste und dabei die Pläne von Terroristen und Gangstern gründlich vermasselte, ist er jetzt, im fünften „Stirb langsam“-Film, der fast schon banal „Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben“ (A good day to die hard) heißt, der Mann, der wirklich den Ärger sucht und dafür um die halbe Welt von New York nach Moskau reist. Dort ist sein Sohn Jack (Jai Courtney) gerade als Verbrecher angeklagt und John McClane (Bruce Willis fast im Autopilot-Modus) will ihm, nachdem er ihn seit Ewigkeiten nicht gesehen hat, helfen.
Kaum ist McClane in Moskau angekommen, mischt er sich unter die Masse, die vor dem Gericht auf die Verhandlung gegen Komarov (Sebastian Koch) wartet. Komarov soll in einem Schauprozess verurteilt werden und er hat ein superwichtiges Dossier (aka der MacGuffin) irgendwo versteckt. Bevor die Gerichtsverhandlung beginnt, überfallen Verbrecher das Gericht und in dem Kuddelmuddel können Jack McClane und Komarov entkommen. Auf ihrer Flucht treffen sie auf John McClane. Die folgende atemberaubende Autoverfolgungsjagd quer durch Moskau, gedreht an 82 Tagen mit einem 190-köpfigem Stuntteam und, unter anderem, einer großzügigen Fahrzeugspende von Mercedes Benz im Wert von mehreren Millionen Dollar, hat sich schon jetzt einen Platz in den Analen der großen Autoverfolgungsjagden gesichert.
Danach erfahren wir, dass Jack McClane ein CIA-Agent ist und er Komarov befreien sollte. Das sichert dem „007 aus Plainfield, New Jersey“ (Daddy McClane über seinen Sohn) immerhin einen Platz bei den Guten. Aber in der atemlosen Abfolge von einem Action-Set-Piece zum nächsten wurde dann sowieso auf jegliches Drehbuch und eine auch nur irgendwie nachvollziehbare Geschichte (das ist der Teil eines Films, der die Action-Szenen in eine sinnvolle Reihenfolge bringt und für Spannung sorgt) verzichtet. Auf einen Bösewicht mit einem nachvollziehbarem Motiv und einem auch nur irgendwie logischem Plan, wie er sein Ziel erreicht, ebenso.
Stattdessen gibt es eine Schießerei in einem CIA-Versteck mit Flucht, eine Schießerei in einem verlassenen Ballsaal mit Flucht und in Tschernobyl einen epischen Kampf, bei dem sozialistische Betonbauten ihre Widerstandsfähigkeit gegen alle möglichen Waffen beweisen können. Außerdem erfahren wir dann, dass Komarov doch ein Bösewicht ist. Aber so überraschend kommt das nicht. Denn in „Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben“ sind alle Russen schrecklich böse und schießwütig.
Es wurde auch auf alles verzichtet, was zur „Stirb langsam“-Formel gehört. Außer natürlich der Action. Aber alles andere fehlt in diesem spannungs- und ironiefreiem Murks. John McClane ist nicht mehr der Mann, der zufällig in ein Verbrechen hineinstolpert. Jetzt sucht er den Ärger. Er ist nicht mehr der Normalo, der über sich hinauswächst. Jetzt ist er eine unkaputtbare Kampfmaschine, die Charme durch dicke Wummen und Blei ersetzt. Er ist nicht mehr der Mann, der den Menschen, die er liebt, helfen muss. Jetzt hat er einen Sohn, der ganz gut allein zurecht kommt und die Beziehung zu ihm ist mehr behauptet als nachvollziehbar. Vor allem in den ersten beiden „Stirb langsam“-Filmen gab es eine spannungsfördernde Einheit von Ort (einmal ein Hochhaus, einmal ein Flugplatz) und Zeit. Schon im dritten, deutlich schwächeren Teil „Stirb langsam: Jetzt erst recht“, der auch im Sommer spielte, spielte die Action im gesamten Staat New York. Das war ein guter Action-Film. Aber ein „Stirb langsam“-Film? In „Stirb langsam 4.0“ spielte die Geschichte an der halben Ostküste und der Gegner schien aus einem James-Bond-Film gefallen zu sein. Jetzt spielt die „Geschichte“ in Moskau und im gut tausend Kilometer entferntem Tschernobyl. Aber die McClanes legen die Entfernung in wenigen Stunden im Auto zurück. Und Drehbuchautor Skip Woods (Passwort: Swordfisch; Hitman – Jeder stirbt alleine; Das A-Team – Der Film) und Regisseur John Moore, im gruseligen „Max Payne“-Modus, versuchen sich an einer Spionagegeschichte, die etwas bei James Bond und Jason Bourne abschauen möchte, aber noch nicht einmal ein auch nur halbwegs ordentliches B-Picture-Niveau erreicht.
Da ist es fast schon erfreulich, dass „Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben“ mit 97 Minuten über eine gute halbe Stunde kürzer als die anderen „Stirb langsam“-Filme ist.
Und genau wie „Ein Quantum Trost“ der kürzeste und schlechteste James-Bond-Film aller Zeiten war, ist „Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben“ definitiv der schlechteste „Stirb langsam“-Film und auch als Action-Film eine riesige Enttäuschung. Jedenfalls wenn man von einem Action-Film mehr als eine sinnlos-ohrenbetäubende Abfolge von Action-Set-Pieces erwartet, in denen mit Autos und großkalibrigen Waffen möglichst viel zerstört wird.
Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben (A good day to die hard, USA 2012)
Regie: John Moore
Drehbuch: Skip Woods
mit Bruce Willis, Jai Courtney, Sebastian Koch, Yulia Snigier, Rasha Bukvic, Cole Hauser, Amaury Nolasco, Sergey Kolesnikov, Mary Elizabeth Winstead
Lo (Anthony Wong Chau-Sang) und sein jüngerer, entsprechend heißblütiger und autovernarrter Partner Cheung (Shawn Yue) jagen in Hongkong Verkehrssünder. Das klingt jetzt nicht sonderlich aufregend. Immerhin ist Hongkong eine Metropole und die Orte, an denen man das Gaspedal so richtig durchtreten kann, dürften überschaubar sein. Auch auf den Autobahnen.
Aber weil sie die Helden in „Motorway“, einem von Gangsterfilm-Guru Johnnie To produziertem Film, sind, gibt es etliche Verfolgungsjagden in einer arg überschaubaren Geschichte, die auch gut in einem der „The Fast and the Furious“-Filme aufgehoben wäre. Denn die beiden Verkehrspolizisten verfolgen einen Fluchtwagenfahrer, der vor Jahren schon einmal von Lo gejagt wurde (seitdem lässt er das Autofahren sein) und der jetzt einen Freund aus dem Gefängnis befreite und mit ihm einen neuen Coup, den Diebstahl eines riesigen Diamanten, plant.
Die dünne, meistens nachts spielende, eher chaotisch erzählte Geschichte erinnert von seiner Konstellation an Walter Hills Klassiker „Driver“. In dem Film verfolgte ein Polizist einen Fluchtwagenfahrer. Aber während Hill Archetypen in einer ebenso archetypischen Geschichte, die er mythisch überhöht, aufeinanderprallen lässt, bleibt bei Pou-Soi Cheangs „Motorway“ nur der schale Nachgeschmack einer Geschichte von Freundschaft, Feindschaft, dem Kampf von Gut gegen Böse, in dem die Raser sich als gleichberechtigte Gegner respektieren und die Verbrechen, angefangen bei einer profanen Geschwindigkeitsübertretung bis hin zu einem Diebstahl, nur die Auslöser für epische Autoverfolgungsjagden sind.
Daher führt „Motorway“ nicht die Ideen von „Driver“ oder den von Johnnie To inszenierten Hongkong-Actionfilmklassikern fort, sondern begibt sich, allerdings mit deutlich weniger Frauen, auf das Niveau von „The Fast and the Furious: Tokyo Drift“. Sogar die Hügel, in denen es in „Motorway“ eine ziemlich spektakuläre Verfolgungsjagd gibt, erinnern an die Hügel in Tokio, in denen die Geschwindigkeitsfanatiker mit quietschenden Reifen durch die Serpentinen jagten.
Das hätten die Jungs von „Alarm für Cobra 11“ auch nicht schlechter hingekriegt.
Als Bonusmaterial gibt es ein aus mehreren Teilen bestehendes, zwölfminütiges „Making of“, das vor allem den Film über den grünen Klee lobt und einen kleinen Einblick in die Actionszenen gibt.
„The Wire“ ist eine Polizeiserie, die gleichzeitig ein Bild von Baltimore und den dortigen sozialen und politischen Konflikten liefert. Es ist auch die Polizeiserie, die damit die amerikanische Wirklichkeit ungeschönt reflektiert und so zum Liebling der Kritiker wurde. Im US-TV lief die HBO-Serie von 2002 bis 2008. In Deutschland verzichtete man auf eine Free-TV-Ausstrahlung und veröffentlichte die fünf Staffeln zwischen November 2010 und November 2012 gleich auf DVD.
Fast parallel dazu wurde die Serie und ihr Erfinder, der Journalist David Simon, in Zeitungen und Zeitschriften breit abgefeiert und es erschienen wissenschaftliche Aufsätze. Mal kürzer (beispielsweise Kathi Gormászss „»All in the game yo, all in the game« – Die Polizeiserie „The Wire“ als Anti-Cop-Show und TV-Roman“ in dem Sammelband „Die Lust am Genre“), mal länger.
Zu den Längeren gehört Jens Schröters kurze Studie „Verdrahtet – ‚The Wire‘ und der Kampf um die Medien“. Im wesentlichen analysiert der Professor für Theorie und Praxis multimedialer Systeme an der Universität Siegen den Vorspann in einer Bildanalyse und erzählt die Staffeln 1, 3 und 5 aus der Sicht des Kampfes um die Telefone nach. Die Polizisten versuchen die Kommunikationswege der Verbrecher abzuhören und deren Geheimcodes zu knacken, während die Verbrecher genau das verhindern wollen.
Denn, so Schröter: „Figuren und ihre Psychologie sind nicht zentral in ‚The Wire‘. Entscheidend ist nur, wie die Serie den Kampf um die Medien zwischen Polizei und Dealern und das Telefon in immer neuen Anläufen darstellt.“
Das liest sich dann doch wie eine akademisch getünchte Nacherzählung aus einem bestimmten Blickwinkel.
Inzwischen sind auch die beiden als True-Crime-Klassiker anerkannten Bücher „Homicide – Ein Jahr auf mörderischen Straßen“ und „The Corner – Bericht aus dem dunklen Herzen der amerikanischen Stadt“ von David Simon auf deutsch erschienen. Beide Bücher sind inzwischen auch schon historische Bücher. Denn als David Simon für „Homicide“ 1988 ein Jahr in Baltimore Polizisten der Mordkommission begleitete, gab es auf den Polizeistationen noch keine Computer, DNA war ein Fremdwort, der CSI-Effekt noch nicht bekannt und alltagstaugliche Handys gab es höchstens in Science-Fiction-Filmen. Für „Homicide“ erhielt David Simon den Edgar Award als bestes Sachbuch und es war die Vorlage für die Polizeiserie „Homicide“.
1993 beobachtete David Simon mit seinem Kollegen Ed Burns, der zwanzig Jahre Detective bei der Mordkommission war, in „The Corner“ die andere Seite des Verbrechens: die Drogenhändler und wie sie an einer Straßenecke ihre Geschäfte tätigen. Dabei zeigt er den Drogenhandel als letzten funktionierenden ökonomischen Kreislauf und Halt für die daran beteiligten Menschen, die durch die sozialen Raster gefallen sind.
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Jens Schröter: Verdrahtet – „The Wire“ und der Kampf um die Medien (Kultur & Kritik 6)
Bertz + Fischer, 2012
112 Seiten
9,90 Euro
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David Simon: Homicide – Ein Jahr auf mörderischen Straßen
(übersetzt von Gabriele Gockel, Barbara Steckhan und Thomas Wollermann)
Verlag Antje Kunstmann, 2011
832 Seiten
24,90 Euro
11,99 Euro (Taschenbuchausgabe, Heyne Verlag)
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Originalausgabe
Homicide – A year on the killing streets
Houghton Mifflin Company, Boston 1991/2006
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David Simon/Ed Burns: The Corner – Bericht aus dem dunklen Herzen der amerikanischen Stadt
(übersetzt von Gabriele Gockel, Barbara Steckhan und Thomas Wollermann, Kollektiv Druck-Reif)
Verlag Antje Kunstmann, 2012
800 Seiten
24,95 Euro
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Originalausgabe
The Corner – A year in the life of an inner-city neighbourhood
Männer, die auf Ziegen starren (USA 2009, R.: Grant Heslov)
Drehbuch: Peter Straughan
LV: The men who stare at goats, 2004 (Durch die Wand; Männer, die auf Ziegen starren)
Ein Journalist hört von einer Armeeeinheit, die ihre Gegner mit gewaltfreien, teils übersinnlichen Methoden bekämpft. Er macht sich auf die Suche nach ihr.
Die Story von „Männer, die auf Ziegen starren“ klingt erfunden, ist aber wahr und der Film folgt dem Sachbuch erstaunlich genau.
Profigangster Trojan, gerade aus dem Knast entlassen, plant gleich seinen nächsten Coup: einen Überfall auf einen Geldtransporter.
Ein guter Hardboiled-Gangsterfilm, der eindeutig vom französischen Kriminalfilm (Melville!) und den harten amerikanischen Krimis beeinflusst ist. So ist der Einfluss von Richard Starks Parker und seinen Epigonen Nolan (von Max Allan Collins) und Wyatt (von Garry Disher) unübersehbar.
Ein erfrischend undeutscher Kriminalfilm, den sich auch Genrejunkies ohne Fremdschäm-Anfälle ansehen können.
mit Mišel Matičević, Karoline Eichhorn, Uwe Bohm, Rainer Bock, Hanns Zischler, Petr Kurth, David Scheller
Kurz bevor wichtige Filmpreise, wie die Golden Globes und die Oscars, vergeben werden, machen die Produktionsfirmen etliche der prämierten Drehbücher online verfügbar und Filmfans around the Globe können sich bedienen:
LV: Harlan Coben: Tell no one, 2001 (Kein Sterbenswort)
Acht Jahre nach dem Tod seiner Frau erhält der Arzt Alexandre Beck eine Nachricht von ihr. Er will herausfinden, ob sie noch lebt. Dabei gerät er in eine Intrige und unter Mordverdacht.
Spannender, wendungsreicher Thriller, der überall abgefeiert wurde und die deutsche Premiere auf DVD erlebte.
Das Drehbuch war für den Edgar nominiert. Der Film war für neun Césars nominiert und erhielt vier. Unter anderem für die beste Regie und beste Hauptrolle.
mit Francois Cluzet, Kristin Scott Thomas, André Dussolier, Nathalie Baye, Jean Rochefort, Harlan Coben (Cameo als Mann auf dem Bahnhof)
A Serious Man (USA 2009, R.: Joel Coen, Ethan Coen)
Drehbuch: Joel Coen, Ethan Coen
USA, Mittlerer Westen, 1967: Über einen biederen, jüdischen Physikprofessor bricht das Unheil herein und er fragt sich „Warum ich?“.
Zu einer ziemlich unmöglichen Zeit gibt es die TV-Premiere eines von der Kritik hochgelobten Films der Coen-Brüder, den ich etwas zäh fand. Aber bibelfeste Zuschauer können einiges entdecken.
mit Michael Stuhlbarg, Richard Kind, Fred Melamed, Sari Lennick, Aaron Wolf, Jessica McManus
„Psycho“ war, vom Budget, vom Team und von der Drehzeit her, ein kleiner, billiger Film. Alfred Hitchcock wollte nach dem Megaerfolg „Der unsichtbare Dritte“ das komplette Gegenteil machen: einen kleinen, billigen SW-Horrorfilm. Er spekulierte damals, immerhin hatten es vorher bereits einige Horrorfilme gezeigt, auf einen satten Gewinn.
Die Rechnung ging auf. „Psycho“ spielte mehr als seine Produktionskosten ein. Viel mehr. Der Thriller wurde auch ein kulturelles Phänomen, beeinflusste etliche Regisseure, das Horror- und Thrillergenre und Hauptdarsteller Anthony Perkins, der während der Dreharbeiten vor allem als jugendlicher Liebhaber bekannt war, war danach nur noch Norman Bates, ein durchgeknallter Mörder, der sich, immer wenn er Frauen umbrachte, als Mutter verkleidete.
In seinem im Original bereits 1990 erschienenem Sachbuch „Hitchcock und die Geschichte von Psycho“ zeichnet Stephen Rebello, basierend auf ausführlichen Interviews (er hatte sogar die Chance Alfred Hitchcock kurz vor seinem Tod zu interviewen) und Aktenstudium, die gesamte Geschichte des Films nach: von den realen Ursprüngen über Robert Blochs Roman „Psycho“, die Vorbereitungen, die Dreharbeiten, den Schnitt, die Premiere bis hin zu den Nachwirkungen. Rebello erzählt das informativ und mit vielen Zitaten, die wirklich einen Blick hinter die Kulissen erlauben.
Für Hitchcock-Fans und „Psycho“-Fans ist Rebellos Buch sowieso eine Pflichtlektüre. Und auch Filmfans sollten einen Blick hineinwerfen. Denn Rebello liefert einen guten Einblick in alle Aspekte des Filmemachens. Eine kleine Sittengeschichte der damaligen Zeit gibt es auch. Denn Alfred Hitchcock hatte Probleme mit der Zensur.
Seit der Erstauflage erschien „Hitchcock und die Geschichte von Psycho“ in den USA in mehreren Ausgaben bei verschiedenen Verlagen und wurde 2012 von Sacha Gervasi verfilmt. Die hochkarätig besetzte Verfilmung ist allerdings mehr eine Fantasie über Alfred Hitchcock, angereichert mit seinen Sprüchen, Leidenschaften und Obsessionen, als ein auch nur halbwegs akkurates Biopic.
Immerhin wurde dank der Verfilmung Stephen Rebellos Buch ins Deutsche übersetzt.
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Stephen Rebello: Hitchcock und die Geschichte von „Psycho“
(mit einem neuen Vorwort von Stephen Rebello)
(übersetzt von Lisa Kögeböhn, Bernhatt Matt und Uli Meyer)
Heyne, 2013
416 Seiten
9,99 Euro
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Erstausgabe
Alfred Hitchcock and The Making of Psycho
Dembner Books, 1990
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Verfilmung
Hitchcock (Hitchcock, USA 2012)
Regie: Sacha Gervasi
Drehbuch: John J. McLaughlin
mit Anthony Hopkins, Helen Mirren, Scarlett Johansson, Danny Huston, Toni Collette, Michael Stuhlbarg, Michael Wincott, Jessica Biel, James D’Arcy, Kurtwood Smith, Ralph Macchio, Tara Summers
LV: Charles Willeford: Miami Blues, 1984 (Miami Blues)
Als erstes bringt Junior in Miami einen bettelnden Krishna um. Dann beginnt er mit seinem Brotjob: Überfälle. Als ihm Sgt. Hoke Moseley zu nahe kommt, raubt er ihn aus (Dienstpistole, Ausweis, Gebiss). Und das nimmt Moseley wirklich persönlich.
Willefords Hoke-Moseley-Krimis sind eine bitterböse, urkomische Abrechnung mit dem amerikanischen Traum. Armitages Adaption bebildert in weiten Teilen nur Willefords Buch. Trotzdem: „Hervorragend gespielte Kriminalgroteske, die sich nach und nach als böse Abrechnung mit dem amerikanischen Traum entpuppt.“ (Lexikon des internationalen Films)
Parker war Lee Marvin, Anna Karina, Michel Constantine, Jim Brown, Robert Duvall, Peter Coyote und, zuletzt, Mel Gibson, aber er hieß, obwohl die Filme auf den grandiosen Hardboiled-Gangsterthrillern von Richard Stark basierten, niemals Parker. Richard Stark (also eigentlich Donald E. Westlake) meinte, dass Parker erst dann in einem Film Parker heißen dürfe, wenn die Produzenten mehrere Parker-Filme machen wollten.
Keine Ahnung ob Dortmunder-Erfinder Donald E. Westlake das wirklich so meinte oder er nur witzelte. Jedenfalls darf in einem Film Parker jetzt zum ersten Mal Parker heißen und die Macher freuten sich so sehr darüber, dass sie den Film gleich „Parker“ nannten. Naja, warum auch nicht.
Und mit Jason Statham als Parker wurde eine gute Wahl getroffen. Denn er kann einen so rücksichtslosen Charakter glaubhaft verkörpern.
Dafür wurden dann einige, hm, Details an der Vorlage, dem Roman „Irgendwann gibt jeder auf“ (Flashfire) geändert. Aber die große Story bleibt erhalten: nach einem Diebeszug wird Parker von Melanders Gang um seinen Anteil betrogen. Melander und sein Team benötigen das Geld als Startkapital für einen größeren Coup in Palm Beach. Parker lässt diesen Betrug nicht auf sich sitzen. Er macht sich auf den Weg nach Palm Beach.
Außerdem nahmen die früheren Parker-Verfilmungen sich auch, mit unterschiedlichen Ergebnissen, Freiheiten bei der Geschichte.
Insofern ist „Parker“ eine mit Action aufgepumpte Variante der Vorlage, bei der es sogar einen Fenstersturz aus einem Hotelzimmer gibt (Erinnert ihr euch an „Sie nannten ihn Stick“?). Parker ist, was vor allem am Ende des Films auffällt, etwas weicher als in den Büchern gezeichnet. Und, das wird langjährige Parker-Fans am meisten nerven: Parker betont und rezitiert immer wieder seine Regeln. Das hatte der Buch-Parker nicht nötig. Er tat einfach, was getan werden musste.
Im Film sind Parkers Betonungen seiner Regeln und dass Regeln ein Abgleiten in das Chaos verhindern ein Gegenentwurf zum derzeitigen US-Kapitalismus, den Zockereien von Bankern die zu einer Wirtschaftskrise führten, und, wenn wir den Blick etwas weiten, dem „War on Terror“. Auch dass die US-Flagge öfter im Bild ist und der Film auf der Ohio State Fair, dem größten Jahrmarkt der USA, beginnt, tragen zu dieser kritischen Lesart bei, in der traditionelle amerikanische Werte konträr zur aktuellen Realität positioniert werden. Taylor Hackford, der ja in den Achtzigern mit Filmen wie „Ein Offizier und Gentleman“, „Gegen jede Chance“ und „White Nights“, immer inszeniert in einer gelackten Werbeästhetik, bekannt wurde, drehte seinen neuesten Film vor Ort und er zeigt durchgehend ein ungeschöntes Bild der USA und ihrer Verwerfungen.
Eine solche Allegorie im Gewand des Gangsterfilms wollte vor kurzem auch Andrew Dominik in seiner gründlich missglückten George-V.-Higgins-Verfilmung „Killing them Softly“ zeichnen. Weil Dominik während des gesamten Films einem seine Botschaft aber so penetrant und entsprechend einfältig um die Ohren schlug, langweilt sein Gangsterthriller schnell.
Hackford geht, unterstützt von einem klugen Drehbuch von „Black Swan„- und „Hitchcock“-Autor John McLaughlin, bei seiner Systemkritik viel subtiler vor und bei ihnen treiben die Dialoge die Handlung voran. Denn der gnadenlos effektive, auf sein Ziel fokussierte Profi Parker ist kein Mensch für Small-Talk.
Abgesehen von diesem politischen Hintergrund ist „Parker“ ein angenehm altmodischer, schnörkelloser, hochkarätig besetzter Gangsterthriller mit einer ordentlichen Portion bodenständiger Action. Im Zentrum stehen allerdings die Charaktere, wie sie versuchen, sich gegenseitig übers Ohr zu hauen und die Atmosphäre des amerikanischen Hinterlandes und von Palm Beach.
Taylor Hackfords „Parker“ gehört defintiv zu den gelungenen Parker-Verfilmungen. Er muss sich wahrlich nicht vor „Point Blank“ (mit Lee Marvin) und „Revolte in der Unterwelt“ (The Outfit, mit Robert Duvall) verstecken.
Anke Engelke eröffnet die diesjährige Berlinale, die Stars schlendern über den Teppich und täglich, so ab Mitternacht präsentiert 3sat das „Berlinale-Studio“ und ab so um 02.10 Uhr zeigt RBB die Berlinale-Pressekonferenzen. Die gibt es auch hier.