TV-Tipp für den 23. April: Sabotage – Deutschland in Putins Visier

April 22, 2025

ARD, 22.50

Sabotage – Deutschland in Putins Visier (Deutschland 2025)

Regie: Diana Löbl, Peter Onneken

Brandneue 45-minütige Doku über aktuelle und mögliche russische Anschläge auf Deutschland mit explodierenden DHL-Paketen, Anschlägen auf Frachtflugzeuge und, zuletzt öfter in den Nachrichten zerstörten Unterseekabeln in der Ostsee. Löbl und Onneken porträtieren diesen hybriden Krieg.

Hinweis

ARD über die Doku


Cover der Woche

April 22, 2025

Kein Nachruf, aber eine dicke Lektüreempfehlung für alle Menschen, die wissen wollen, wie ein neuer Papst gewählt wird:

Spannend-informativer Thriller, kongenial verfilmt.

–

Robert Harris: Konklave

(übersetzt von Wolfgang Müller)

Heyne, 2024 (Filmausgabe)

352 Seiten

12 Euro

–

Deutsche Erstausgabe

Heyne, 2016

–

Originalausgabe

Conclave

Hutchinson, London, 2016

 


TV-Tipp für den 22. April: Eagle Eye – Außer Kontrolle

April 21, 2025

Tele 5, 20.15

Eagle Eye – Außer Kontrolle (Eagle Eye, USA 2008)

Regie: D. J. Caruso

Drehbuch: Dan McDermott, John Glenn, Travis Adam Wright, Hillary Seitz

Actionfilm über einen slackerhaften Copyshop-Angestellten und eine alleinerziehende Mutter, die plötzlich in das Fadenkreuz von Polizei und Geheimdiensten geraten. Die Regierung hält sie für gemeingefährliche Terroristen. Eine geheimnisvolle Frau hilft ihnen via Telefon immer wieder aus der größten Gefahr. Und die beiden Gejagten wollen herausfinden, warum sie öfters in Lebensgefahr geraten als James Bond in einem halben Dutzend Abenteuer.

Der Paranoiathriller soll nach Meinung der Macher vor der totalen Überwachung warnen. Das dürften einige ältere Filme („Staatsfeind Nr. 1“?; um nicht in die siebziger Jahre zurückzugehen) schon besser erledigt haben. Dafür gibt es Action satt, eine damals aufsehenerrengenden Cast mit aufstrebenden Stars (wie „Transformers“ Shia LaBeouf, der danach karrieretechnisch in die falsche Richtung abbog) und vielen Anspielungen auf andere Filme. Den Kritikern gefiel’s nicht. Dem zahlenden Publikum schon mehr.

mit Shia LaBeouf, Michelle Monaghan, Rosario Dawson, Michael Chiklis, Billy Bob Thornton, Anthony Mackie, Julianne Moore (Stimme, im Original)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Eagle Eye“

Wikipedia über „Eagle Eye“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von D. J. Carusos „xXx: Die Rückkehr des Xander Cage“ (xXx: Return of Xander Cage, USA 2017)


TV-Tipp für den 21. April: Die Körperfresser kommen

April 20, 2025

Arte, 21.55

Die Körperfresser kommen (Invasion of the Body Snatchers, USA 1978)

Regie: Philip Kaufman

Drehbuch: W. D. Richter

LV: Jack Finney: The Body Snatchers, 1955 (Unsichtbare Parasiten, Die Körperfresser kommen )

Außerirdische Sporen landen auf der Erde und entwickeln sich zu Doppelgängern von Menschen. Sie beginnen die Macht auf der Erde zu übernehmen. Dr. Matthew Benell versucht die Menschheit zu warnen.

Die damalige Kritik war ziemlich ungnädig gegenüber dem aus heutiger Sicht gelungenem und, wie die regelmäßigen Wiederholungen zeigen, beständigem Remake mit einem legendären Ende. Auch die Grundidee, „dass es die urbane Entfremdung praktisch unmöglich macht, zwischen Zombies und Menschen zu unterscheiden“ (Phil Hardy, Hrsg.: Die Science Fiction Filmenzyklopädie, 1998) ist heute, wo alle mit dem Blick auf das Smartphone und dem Kopfhörer über den Ohren, aktueller denn je.

Entsprechend positiv sind heutige Einschätzung des SF-Films.

Hier einige zeitgenössische Kritiken:

„Nur in wenigen Sequenzen erreicht er die albtraumhafte Qualität des Originals“ (Hans C. Blumenberg, Die Zeit)

„Durch die auf äußere Effekte ausgerichtete Inszenierung wird die tiefere Dimension der Horrorgeschichte nicht erfasst.“ (Lexikon des internationalen Films)

„Philip Kaufmans Remake ist zwar nicht weniger spannend, hat die Geschichte jedoch stark verflacht und die nach innen gelagerte Dramatik dieses Stoffes den äußerlichen Effekten geopfert.“ (Fischer Film Almanach 1980)

Das Remake kommt „bei weitem nicht an das Original heran“ (Ronald M. Hahn/Volker Jansen: Lexikon des Science Fiction Films, 1983)

Später wurde es, wie gesagt, positiver:

„Dies ist eines der interessantesten Remakes innerhalb der Neuverfilmungen, die Hollywood in den siebziger Jahren hervorbrachte.“ (Phil Hardy, Hrsg.: Die Science Fiction Filmenzyklopädie, 1998)

„effektvolle Gruselthriller“ (Manfred Hobsch: Mach’s noch einmal!, 2002)

Das 1956 von Don Siegel inszenierte Original „Die Dämonischen“ (Invasion of the Body Snatchers) könnte auch mal wieder gezeigt werden.

Ebenso Abel Ferraras ebenfalls sehenswerte 1992er Version der Geschichte „Body Snatchers – Angriff der Körperfresser“.

Mit Donald Sutherland, Brooke Adams, Leonard Nimoy, Veronica Cartwright, Jeff Goldblum, Art Hindle, Kevin McCarthy, Don Siegel, Robert Duvall

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Die Körperfresser kommen“

Wikipedia über „Die Körperfresser kommen“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Philip Kaufmans „Der große Minnesota-Überfall“ (The great Northfield Minnesota Raid, USA 1972)


Frohe Ostern!

April 20, 2025


TV-Tipp für den 20. April: Das Leben des Brian

April 19, 2025

Es gab Jesus und…

RTL II, 20.15

Das Leben des Brian (Monty Pythons Life of Brian, Großbritannien 1979)

Regie: Terry Jones

Drehbuch: Graham Chapman, John Cleese, Terry Gilliam, Eric Idle, Terry Jones, Michael Palin

Das Leben von Brian, das erstaunliche Parallelen zu dem von Jesus Christus hat, und hier von Monty Python kräftig durch den Kakao gezogen wird.

Kult. Und wahrscheinlich schon tausendmal gesehen.

Der deutsche Kinostart war am 15. August 1980

Anschließend, um 22.05 Uhr, reiten „Die Ritter der Kokosnuss“ durch…ein schönes Königreich.

mit Graham Chapman, John Cleese, Terry Gilliam, Eric Idle, Terry Jones, Michael Palin, Terence Bayler, Carol Cleveland, Kenneth Colley, Neil Innes, Charles McKeown

Wiederholung: Montag, 21. April, 02.o5 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Das Leben des Brian“

Wikipedia über „Das Leben des Brian“ (deutsch, englisch) und über Monty Python (deutsch, englisch)

YouTube-Kanal von Monty Python (und wer mit dem Englischen Probleme hat, muss einfach seine Wunschsprache eingeben)

Monty Python’s Completely Useless Web Site (und auch nicht autorisiert)


TV-Tipp für den 19. April: Der Hauptmann von Köpenick

April 18, 2025

Stadtgeschichte

RBB, 20.15

Der Hauptmann von Köpenick (Deutschland 1956)

Regie: Helmut Käutner

Drehbuch: Carl Zuckmayer, Helmut Käutner

LV: Carl Zuckmayer: Der Hauptmann von Köpenick, 1931 (Theaterstück)

Schuster Wilhelm Voigt will nach dem Verbüßen seiner Zuchthausstrafe wieder arbeiten. Eine Arbeit gibt es aber nur mit einem Pass und einen Pass erhält nur, wer eine Arbeit hat. Also entschließt der Schuster sich, sich als falscher Hauptmann einen Pass zu besorgen.

Klassiker des deutschen Tonfilms, der damals ein Publikumserfolg war (über zehn Millionen Besucher in fünf Monaten), auch für den Auslands-Oscar nominiert war, die deutschen Filmpreise abräumte und zu den bekanntesten und beliebtesten Heinz-Rühmann-Filmen gehört.

Zuckmayers Stück gehört zur Schullektüre und ist heute immer noch aktuell.

mit Heinz Rühmann, Hannelore Schroth, Martin Held, Erich Schellow, Walter Giller, Wolfgang Neuss

Hinweise

Filmportal über „Der Hauptmann von Köpenick“

Wikipedia über „Der Hauptmann von Köpenick“


Neu im Kino/Filmkritik: Über Dag Johan Haugeruds erste von drei „Oslo Stories: Liebe“

April 18, 2025

Das ist der Vorteil von Kinostartterminen. Im Gegensatz zu zeitlich und örtlich auseinanderliegenden Festivals können sie dicht beieinander liegen. Dag Johan Haugeruds drei „Oslo Stories“ liefen 2024 auf der Berlinale im Panorama („Sehnsucht“), einige Monate später in Venedig im Wettbewerb („Liebe“), und, zuletzt, im Februar 2025, auf der diesjährigen Berlinale im Wettbewerb. „Träume“ erhielt sogar den Goldenen Bären, den Hauptpreis des Festivals. Der Bären-Gewinner läuft am 8. Mai und „Sehnsucht“ am 22. Mai an.

Den Auftakt macht diese Woche „Liebe“, der für mich gelungenste Film der Trilogie, die ich jetzt zusammen besprechen werde und bei den Kinostarts von „Träume“ und „Sehnsucht“ in, so plane ich es im Moment, leicht veränderter Form reposten werde.

„Liebe“ ist der erzählerisch offenste Film der Trilogie und der Film mit dem größten Ensemble und den meisten Handlungssträngen, die locker miteinander verflochten sind. Es geht um den in einem Krankenhaus arbeitenden sanften und verständnisvollen Pfleger Tor, der Nachts auf der Suche nach flüchtigem Sex mit Männern mit der Fähre von einem Ufer zum anderen und zurück fährt. Es geht um die im gleichen Krankenhaus arbeitende Ärztin Marianne. Sie lebt ebenfalls allein und würde gerne ihre sexuellen Bedürfnisse ausleben. Eines Nachts trifft sie Tor auf der Fähre und redet mit ihm über ihre Gefühle und Sehnsüchte. Es geht um Mariannes beste Freundin Heidi, die für eine Stadtfeier gerne die überall in der Stadt sichtbaren Skulpturen und Fresken in einem feministischen und sexuellem Zusammenhang interpretieren würde. Wie das aussehen könnte, erklärt sie am Filmanfang im Rahmen einer ziemlich schrägen Stadtführung.

Sie alle sind Großstädter auf der Suche nach Liebe. Und, soviel kann verraten werden, sie finden sie auf überraschende Weise.

In „Träume“ geht es um die minderjährige Schülerin Johanne, die sich in ihre Lehrerin verliebt. Sie schreibt darüber und gibt ihrer Großmutter ihre Texte zum Lesen. Die früher erfolgreiche Schriftstellerin ist begeistert von der Qualität von Johannes tabulosen Texten. Sie regt eine Veröffentlichung an. Johannes Mutter ist von den literarischen Geständnissen ihrer Tochter weniger begeistert.

„Sehnsucht“ kreist um zwei heterosexuelle, glücklich verheiratete Schornsteinfeger. Aber dann träumt der eine davon, in seinen Träumen David Bowie zu begegnen und der Musiker ihn ansieht, als ob er eine Frau sei. Er ist von diesem Traum und Bowies Reaktion auf ihn verunsichert. Sein im Film ebenfalls namenloser Kollege erzählt ihm von einer kürzlich erfolgten Begegnung. Nachdem er bei einem schwulen Mann den Schornstein kontrolliert hatte, hatte er Sex mit ihm. Es gefiel ihm. Aber er besteht darauf, dass er nicht homosexuell sei oder seine Frau betrogen habe.

Nach diesen gegenseitigen Geständnissen könnten die Sachen erledigt sein. Aber beide Männer denken weiter darüber nach, reden darüber und erzählen es ihren Frauen, was zu weiteren Gesprächen führt.

Regisseur und Autor Dag Johan Haugerud fasste die drei Filme, die voneinander unabhängige Geschichten mit verschiedenen Schauspielern erzählen, unter dem Titel „Oslo Stories“ zusammen.

Diese Vorgehensweise erinnert an Eric Rohmer, der seine Filme in Zyklen wie „Moralische Erzählungen“ und „Komödien und Sprichwörter“ zusammenfasste und so ein schönes Gleichgewicht zwischen Offenheit und Geschlossenheit schuf. Jeder Film stand gleichzeitig für sich und war Teil von etwas Größerem.

Der Zusammenhang zwischen den „Oslo Stories“ ergibt aus dem Handlungsort, der von Haugerud verwendeten Sprache, der Inszenierung und dem Thema. Alle drei Filme beschäftigen sich, wie die Filme von Eric Rohmer, mit unterschiedlichen Formen von Liebe, Begehren und dem Verhältnis der Geschlechter zueinander. Alle drei Filme spielen in der Gegenwart.

Die Inszenierung ist spartanisch. Haugerud inszenierte die Gespräche und Gedanken seiner Figuren in langen, oft statischen Szenen, in denen die Schauspieler unglaubliche Textmengen ohne erkennbare äußere Regungen und mit wenigen Bewegungen vortragen. Im Mittelpunkt der drei Filme steht eindeutig das gesprochene Wort, das immer wie ein sorgfältig aufgeschriebenes Wort klingt.

Insofern sind alle „Oslo Stories“ verfilmte Literatur. „Träume“ und „Sehnsucht“ mehr, „ Liebe“ weniger.

„Liebe“ ist, so Haugerud, der Abschluss der Trilogie. „Sehnsucht“ ist der erste und „Träume“ der zweite Teil. Die internationalen Premieren auf Filmfestivals folgten einer anderen Reihenfolge. Die deutschen Kinostart drehen die Chronologie einfach um, indem der Abschluss der Trilogie zuerst und der Beginn der Trilogie zuletzt startet. Aber letztendlich ist die Reihenfolge egal.

„Liebe“ ist der am meisten an Rohmer und redselige, sexuell offene französische Beziehungsfilme erinnernde Film der „Oslo Stories“. Es geht um mehrere eher jüngere Menschen, die auf der Suche nach Liebe und Sex sind.

Der Berlinale-Gewinner „Träume“ ist der anspruchsvollste und literarischste Film der Trilogie. Eigentlich handelt es sich um ein auf mehreren Zeit- und damit verbundenen Interpretationsebenen spielendes Gedankenspiel über Begehren, Tabubrüche, ihre literarische Verarbeitung und wie diese Verarbeitung von anderen Menschen aufgenommen wird. Intellektuell ist das interessant, aber keine dieser nur auf dem Papier existierenden Figuren interessierte mich.

„Sehnsucht“ ist letztendlich ein Zwei-Personenstück über zwei in ihrer Sexualität verunsicherte Männer, die stundenlang darüber reden. Auch diesem Film fehlt die französische Leichtigkeit von „Liebe“. Dafür ist es der queerste Film der Trilogie, in dem die beiden Protagonisten ständig betonen, dass sie das nicht sind.

Haugerud schuf drei sehenswerte Filme, die eher bebilderte Hörspiele sind. Falls man die „Oslo Stories“ im Original mit Untertiteln sieht, muss man jeweils zwei Stunden ununterbrochen Untertitel lesen und sich dabei möglichst wenig von den Bildern und Geräuschen stören lassen. Insofern rate ich in diesem Fall zur mir unbekannten synchronisierten Fassung.

Oslo Stories: Liebe (Kjærlighet, Norwegen 2024)

Regie: Dag Johan Haugerud

Drehbuch: Dag Johan Haugerud

mit Andrea Bræin Hovig, Tayo Cittadella Jacobsen, Thomas Gullestad, Lars Jacob Holm, Marte Engebrigtsen

Länge: 119 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Kinostart: 17. April 2025

–

Oslo Stories: Träume (Drømmer, Norwegen 2024)

Regie: Dag Johan Haugerud

Drehbuch: Dag Johan Haugerud

mit Ella Øverbye, Selome Emnetu, Ane Dahl Torp, Anne Marit Jacobsen

Länge: 110 Minuten

FSK: ?

Kinostart: 8. Mai 2025

–

Oslo Stories: Sehnsucht (Sex, Norwegen, 2024)

Regie: Dag Johan Haugerud

Drehbuch: Dag Johan Haugerud

mit Jan Gunnar Røise, Thorbjørn Harr, Siri Forberg, Birgitte Larsen, Theo Dahl

Länge: 118 Minuten

FSK: ?

Kinostart: 22. Mai 2025

–

Hinweise

Deutsche Homepage zur Trilogie

Moviepilot über „Liebe“, „Träume“ und „Sehnsucht“

Metacritic über „Liebe“ und „Sehnsucht“

Rotten Tomatoes über „Liebe“, „Träume“ und „Sehnsucht“

Wikipedia über „Liebe“ (deutsch, englisch, norwegisch), „Träume“ (deutsch, englisch, norwegisch) und „Sehnsucht“ (deutsch, englisch, norwegisch)


TV-Tipp für den 18. April: Die fabelhafte Welt der Amélie

April 17, 2025

One, 20.15

Die fabelhafte Welt der Amélie (Le fabuleux destin d’Amélie Poulain, Frankreich/Deutschland 2001)

Regie: Jean-Pierre Jeunet

Drehbuch: Guillaume Laurant, Jean-Pierre Jeunet

In einem Paris, das nicht von dieser Welt ist (und das es so nie gab), verzaubert die Kellnerin Amélie ihre Mitmenschen und macht sie glücklich. Da trifft sie ihren Märchenprinzen…

Ein märchenhafter, schnell verzaubernder, vor Einfällen überbordender, wundervoll warmherziger Film voller Humor und skurriller Typen.

mit Audrey Tautou, Mathieu Kassovitz, Rufus, Yolande Moreau, Artus de Penguern

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Die fabelhafte Welt der Amélie“

Wikipedia über „Die fabelhafte Welt der Amélie“ (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von Jean-Pierre Jeunets „Die Karte meiner Träume“ (The young and prodigious T. S. Spivet, Frankreich/Kanada 2013)


Neu im Kino/Filmkritik: Über Alex Garland und Ray Mendozas Kriegsfilm „Warfare“

April 17, 2025

Für das Navy-SEAL-Team war der Einsatz am 19. November 2006 im Irak in Ramadi nur ein Routineeinsatz. Sie sollten in der Nacht in der Stadt ein Haus finden und von dort das Gelände beobachten.

Alex Garland und Ray Mendoza, einer der Soldaten, der bei dem Einsatz dabei war, schildern diesen Einsatz von den Sekunden bevor die Einheit das von ahnungslosen Irakern bewohnte Wohnhaus, das ihr Stützpunkt werden soll, besetzen und dem Moment, in dem die Soldaten das zerstörte Haus verlassen.

Der schief laufende Einsatz – die Einheit wird von Einheimischen entdeckt, angegriffen und belagert und muss Hilfe anfordern – wird von Garland und Mendoza chronologisch und minutiös geschildert. Dabei bleiben sie, bis auf einige Drohnen-Aufnahmen von dem Gebiet, immer in dem Wohnhaus und den wenigen Metern zwischen Haus und Straße.

Der aus dieser Begrenzung auf ein Ereignis, einen kurzen Zeitraum und einen Ort entstandene Kriegsfilm „Warfare“ überzeugt vor allem als formale und technische Übung. Und als Actionfilm.

Garland führt in „Warfare“ die Entkernung einer durchaus politischen Geschichte von ihren politischen Implikationen und Einrahmungen, die schon bei seinem vorherigen Film „Civil War“ hochproblematisch war, weiter fort. In „Civil War“ erzählte er von einem Krieg, in dem US-Amerikaner gegen US-Amerikaner kämpfen. Warum sie gegeneinander kämpfen, was die einzelnen Gruppen erreichen wollen und wie es zu dem Bürgerkrieg kam, ist egal. Es geht nur um eine Gruppe A die gegen eine Gruppe B kämpft. In „Warfare“ geht es nur noch um einen kleinen Einsatz. Über das Ziel des Einsatzes werden wir am Filmanfang in wenigen Worten informiert: die Navy SEALs sollen einen Spähposten errichten. Welche Bedeutung er innerhalb des Krieges hat, erfahren wir nicht. Über den Irak-Krieg erfahren wir in dem Film noch weniger. Ohne den Ortshinweis am Filmanfang wüssten wir noch nicht einmal, wo der Film spielt. Und wenn Alex Garland Ray Mendoza nicht am Set von „Civil War“ kennen gelernt und dieser nicht von diesem Einsatz erzählt hätte, hätte der Film genausogut an irgendeinem anderen Ort in irgendeinem anderen Krieg spielen können. Denn „Warfare“ interessiert sich nicht für den Kontext, in dem das Gefecht stattfand. Es ist auch kein Gefecht, das für den damaligen Krieg und die Planung künftiger Einsätze eine Bedeutung hatte.

Über die Soldaten, die um ihr Überleben kämpfen und sterben, erfahren wir nichts. Entsprechend egal ist uns ihr Leid und ihr Tod. Schließlich haben sie sich freiwillig verpflichtet. Anders ist das bei den Hausbewohnern und den beiden irakischen Übersetzern, die zum SEAL-Team gehören. Sie bleiben allerdings Randfiguren. Kanonenfutter, an das die US-Soldaten und der Film keine Gedanken verschwenden.

„Warfare“ ist genau der Actionfilm, den Garland und Mendoza machen wollten. Und damit eine gerade wegen seiner Beschränkung auf einen in jeder Beziehung unwichtigen Einsatz todlangweilige technische Übung im luftleeren Raum ohne irgendeinen Erkenntnisgewinn.

Am Ende dieses verfilmten Einsatzberichts bleibt nur die Bestätigung der schon vorher vorhandenen Meinung. Kriegsgegner sehen sich in ihrer Meinung bestätigt, dass Krieg schlimm und sinnlos ist. Soldaten sehen die Dokumentation eines Einsatzes, der ihre Tapferkeit im Kampf gegen einen unsichtbaren, überlegenen, sie aus dem Hinterhalt angreifenden Feind feiert. Andere Romane und Filme über den Krieg, wie Erich Maria Remarques „Im Westen nichts Neues“ (1929) oder Stanley Kubricks „Full Metal Jacket“ (1987), um nur zwei Klassiker zu nennen, waren da vor Jahrzehnten schon weiter.

Warfare (Warfare, USA/Großbritannien 2025)

Regie: Alex Garland, Ray Mendoza

Drehbuch: Alex Garland, Ray Mendoza

mit D’Pharaoh Woon-A-Tai, Charles Melton, Joseph Quinn, Cosmo Jarvis, Will Poulter, Evan Holtzman, Finn Bennett, Noah Centineo, Henrique Zaga, Taylor John Smith, Kit Connor, Michael Gandolfini, Adain Bradley

Länge: 95 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

–

Hinweise

Moviepilot über „Warfare“

Metacritic über „Warfare“

Rotten Tomatoes über „Warfare“

Wikipedia über „Warfare“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Alex Garlands „Ex Machina“ (Ex Machina, USA/Großbritannien 2014)

Meine Besprechung von Alex Garlands Jeff-VanderMeer-Verfilmung „Auslöschung“ (Annihilation, USA 2018)

Meine Besprechung von Alex Garlands „Men – Was dich sucht, wird dich finden“ (Men, Großbritannien 2022)

Meine Besprechung von Alex Garlands „Civil War“ (Civil War, USA 2024)


Neu im Kino/Filmkritik: „Blood & Sinners“ – Schwarzes Leben und Sterben in Mississippi 1932

April 17, 2025

Uh, das wird jetzt etwas schwierig. Plakat, Trailer und Synopse verraten wenig, die Gerüchteküche schon mehr und ich frage mich, was ich verraten möchte. Denn ein großer Teil des Vergnügens ist dieses Nichtwissen. Die einfachste Möglichkeit mit dem Problem umzugehen, ist eine geteilte Kritik: vor dem Trailer im Text allgemein über den Film, nach dem Trailer mit Spoilern.

Also: „Blood & Sinners“ ist der neue Film von Ryan Coogler. Wie bei seinen vorherigen Filmen „Nächster Halt: Fruitvale Station“, „Creed“ und den beiden „Black Panther“-Filmen spielt Michael B. Jordan. Wieder die Hauptrolle. Er spielt überzeugend und ohne es jemals wie einen Gimmick wirken zu lassen (wie Robert De Niro in „The Alto Knights“) in einer Doppelrolle die Zwillinge Smoke und Stack. Die vergangenen sieben Jahre lebten sie in Chicago. Was sie genau taten, bleibt wie bei dem Großen Gatsby, unklar. Jetzt, 1932, kehren sie in in ihre alte Heimat Clarksdale, Mississippi, zurück. Es ist eine dieser Gegenden, in der Bluesmusiker an einsam gelegenen Kreuzungen den Teufel treffen und mit ihm Geschäfte machen. Die Zwillinge wollen einen Juke Joint eröffnen. Die Eröffnungsnacht soll eine Nacht werden, die sie und die hoffentlich zahlreich erscheinenden Gäste nicht vergessen. Wenige Stunden später ist die Hütte voll und sie kämpfen um ihr Leben.

„Blood & Sinners“ badet im Blues, vor allem dem damals dort gespielten Country Blues, und der afromarikanischen Kultur. Coogler schöpft aus dem Vollen und legt dann, wie ein guter Prediger, noch eine Schippe drauf.

Die Story selbst, – nun, sie hat wenige Wendungen und Überraschungen, aber sie malt jedes Detail detailfreudig aus.

Das Ergebnis ist unbedingt sehenswert. „Blood & Sinners“ ist in jedem Fall einer von Ryan Cooglers besten, möglicherweise sogar sein bester Film. Es ist ein Film mit einer klaren künstlerischen Handschrift und einer Vision, die kompromisslos durchgezogen wurde.

Außerdem sollte man, wie bei einem Marvel-Film, unbedingt sitzen bleiben bis das Saallicht angeht und der Film wirklich vorbei ist. Im Gegensatz zu den zunehmend beliebig und vollkommen uninteressant werdenden Mid- und Post-Credit-Szenen der Superheldenfilme ist hier jede Szene wichtig.

So, und jetzt kommen wir zu dem Teil meiner Kritik, in dem es Spoiler gibt.

Coogler erzählt nach seinem Drehbuch eine Südstaatenhorrorgeschichte.

In der ersten Filmminute stolpert ‚Preacher Boy‘ Sammie, krampfhaft den Hals einer zerstörten Gitarre festhaltend, in den Gottesdienst einer dieser kleinen ländlichen Kirchen. Sein Vater, der Prediger, fordert ihn zum Beten auf. Preacher Boy hat Flashbacks. In diesen Flashbacks deutet Coogler schlimme, in dem Moment nicht identifizierbare Ereignisse an. Dann springt die Filmgeschichte einen Tag zurück. Die aus Chicago kommenden Zwillinge Smoke und Stack kaufen von einem Weißen eine geräumige Scheune, die sie innerhalb weniger Stunden zu einem Lokal herrichten wollen. Den Schnaps haben sie schon. Die anderen Dinge, wie Musiker, Bedienungen, Türsteher und Schilder, besorgen sie innerhalb weniger Stunden. Coogler zeigt dies ausführlich. Es sind Minuten, in denen wir die Figuren kennen lernen und erfahren, wie das Leben im ländlichen Mississippi funktioniert.

Auch die anschließende Eröffnungsnacht in dem Juke Joint der Zwillinge zeigt Coogler ausführlich. Anfangs ist es eine normale Feier mit Alkohol, Blues, Sex, schwitzenden Körpern und überbordenden Emotionen. Personal und Gäste sind Schwarze und einige wenige Asiaten. Die Trennung der Rassen bestimmte damals in den Südstaaten das Leben noch mehr als heute.

Als ziemlich spät in der Filmgeschichte eine Gruppe Weißer anklopft und gerne in das Lokal hineingebeten würde, ist Ärger vorprogrammiert. In dem Moment wissen wir schon aufgrund einer vorherigen Szene, dass diese Weißen Vampire sind. Weiße Vampire, die Folk Music, also Weiße Musik, spielen, und die die Schwarzen aussaugen wollen. Das ist ein ebenso einfaches wie aussagekräftiges Bild für die Situation in den USA.

Sicher, später verwischt Coogler etwas die Grenzen. Dann wird der Juke Joint auch von zu Vampiren gewordenen Schwarzen angegriffen. Und die in der Hütte eingeschlossenen wehren sich mit brachialer Gewalt. Blut spritzt. Gedärme liegen auf dem Boden neben zerfetzten Leichen. Da werden Erinnerungen an „John Carpenters Vampire“ wach. Wobei hier die Vampire und andere Bösewichter in der Black-Power-Variante (bevor es Black Power gab) bekämpft werden.

„Blood & Sinners“ ist, mit etwas Quentin Tarantino, ein überaus gelungener Beitrag zur afroamerikanischen Mythenbildung.

Schade ist, dass die Mitglieder des Mississippi-Choctaw-Indianerstammes nur einen, rein expositorischen Auftritt haben. Von ihnen hätte ich gerne mehr gesehen. Vielleicht in einem zweiten Film.

–

P. S.: Wer nach „Blood & Sinners“ die früheren Werke von Ryan Coogler sehen möchte, kann dies während der Ostertage tun:

Pro7 zeigt am Samstag, den 19. April, um 20.15 Uhr „Black Panther“; Wiederholung am Montag, den 21. April, um 9.10 Uhr.

Sat 1 zeigt am Montag, den 21. April, um 00.40 Uhr (Taggenau!) „Creed – Rocky’s Legacy“; Wiederholung am Dienstag, den 22. April, um 03.20 Uhr (Taggenau!)

Pro7 zeigt am Montag, den 21. April, um 20.15 Uhr, als TV-Premiere, „Black Panther: Wakanda forever“; Wiederholung am Freitag, den 25. April, um 22.25 Uhr.

Blood & Sinners (Sinners, USA 2025)

Regie: Ryan Coogler

Drehbuch: Ryan Coogler

mit Michael B. Jordan, Hailee Steinfeld, Miles Caton, Jack O’Connell, Wunmi Mosaku, Jayme Lawson, Omar Miller, Li Jun Li, Delroy Lindo, Buddy Guy (erst im Abspann – und das ist ein Grund, sich den Abspann anzusehen)

Länge: 138 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

–

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Blood & Sinners“

Metacritic über „Blood & Sinners“

Rotten Tomatoes über „Blood & Sinners“

Wikipedia über „Blood & Sinners“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Ryan Cooglers „Creed“ (Creed, USA 2015)

Meine Besprechung von Ryan Cooglers „Black Panther“ (Black Panther, USA 2018)

Meine Besprechung von Ryan Cooglers „Black Panther: Wakanda forever“ (Black Panther: Wakanda forever, USA 2022)


TV-Tipp für den 17. April: Überdosis

April 16, 2025

Tele 5, 22.00

Überdosis (Overdose, Frankreich 2022)

Regie: Olivier Marchal

Drehbuch: Christophe Gavat, Olivier Marchal

LV: Pierre Pouchairet: Mortels trafics, 2016

TV-Premiere eines harten französischen Polizeikrimis über Drogenhandel und den Kampf dagegen.

Das Lexikon des internationalen Films urteilt: „Story und Charaktere [bleiben] im Ganzen wenig originell, doch der Film vermag seine weit verzweigten Handlungsstränge stringent zu entwickeln und spannungsfördernd zu verweben.“

mit Sofia Essaïdi, Assaad Bouab, Alberto Ammann, Simon Abkarian, Carlos Bardem

auch bekannt als „Overdose“ (Amazon-Prime-Titel)

Wiederholung: Samstag, 19. April, 00.05 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

AlloCiné über „Überdosis“

Rotten Tomatoes über „Überdosis“

Wikipedia über „Überdosis“


Neues und Altes von Garth Ennis: „Punisher: Mission Fury“ und „The Boys“

April 16, 2025

„Punisher killt das Marvel-Universum“ hieß 1995 der Einstand von Garth Ennis in die Welt von Frank ‚Punisher‘ Castle und angesichts des aktuellen Zustands des Marvel Cinematic Universe wäre eine Fortsetzung sicher eine tolle Sache.

Bis Garth Ennis das vielleicht (Gut, realistisch betrachtet, wahrscheinlich eher nicht.) erzählen darf, schickt er Castle auf die „Mission Fury“. Garth Ennis veröffentlichte diese von Jacen Burrows gezeichnete Geschichte im Original in sechs Einzelheften von Juli bis Dezember 2024. Jetzt sind sie bei uns als Buch erschienen.

1971 wird Frank Castle, damals noch Soldat in Vietnam, beauftragt den vom Vietcong entführten und im Dschungel versteckten Colonel Nick Fury zu finden – und zu töten.

Dass die Mission nicht wie von Castles Vorgesetzten geplant verläuft, dürfte niemand überraschen. Und auch nicht, dass Garth Ennis einige überraschende Wendungen präsentiert, Gegenwart und Vergangenheit interessant miteinander verschränkt, die dunkle Seite der Geschichte des Vietnamkriegs anspricht und es in punkto Gewalt drastisch zugeht. Panini Comics empfiehlt die in sich abgeschlossene Geschichte „Mission Fury“ ab 18 Jahre.

Die Geschichte selbst, die ohne weiteres Vorwissen gelesen werden kann, ist Ennis und Burrows at their best. Eine unbedingte Leseempfehlung.

Bei „The Boys“ tue ich mich damit schwerer.

Aktuell veröffentlicht Panini alle „The Boys“-Comics für Menschen mit großen Taschen in einer günstigen Pocket Edition. Denn die seitenstarken Bände sind nur unwesentlich kleiner als die normalen Panini Comics. Die ersten fünf von sechs Bänden sind bereits erschienen. Der sechste Band ist für den 22. April angekündigt.

„The Boys“ ist eine etwas andere Superheldenserie. Das erste Heft erschien im Oktober 2006 in dem DC-Sublabel WildStorm. Nachdem, so die Legende, ein DC-Redakteur entsetzt von der Geschichte, der drastischen Darstellung von Sex und Gewalt und wohl der allumfassenden Respektlosigkeit gegenüber Superhelden war, wurde die Serie bei WildStorm eingestellt. Fünf Monate später wurde sie bei Dynamite fortgesetzt. 2012 endete sie nach 72 Heften und drei Spin-Offs. 2020 folgte mit „Dear Becky“ ein aus acht Heften bestehender Serienepilog.

Noch heute verkauft sich „The Boys“ prächtig. Ein Grund ist sicher die 2019 bei Amazon Prime Video gestartete erfolgreiche, nicht jugendreie Streamingserie. Sie endet voraussichtlich nächstes Jahr mit der fünften Staffel.

Das Team Garth Ennis (Story) und Darick Robertson (Zeichnungen) bemühte sich in „The Boys“, möglichst schnell möglichst viele Superheldenfans zu provozieren, indem sie überbordend viel Sex und Gewalt zeigten und die Superhelden als eine Combo von Idioten ohne jegliches Verantwortungsbewusstsein zeigten. Ihre Aktionen, bei denen sie sich regelmäßig überschätzen, verursachen meist mehr Schäden und Chaos als der ursprüngliche Täter plante. Manchmal sind die von ihnen bekämpften Böswichter auch einfach eine Erfindung für die Öffentlichkeit. Sie benehmen sich wie verwöhnte Teenager, die Narrenfreiheit haben. Ihr „Herogasm“ ist eine Party, gegen die Spring-Break-Exzesse ein harmloser Kindergeburtstag sind.

Und hier kommen Billy Butcher und seine Boys ins Spiel. Im Auftrag der CIA sollen sie aufpassen, dass die Superhelden nicht über die Stränge schlagen. Wie sie es tun, ist egal, solange sie es tun.

Als ein Superheld im Vorbeiflug Wee Hughies Frau zerfetzt, ist er am Boden zerstört. Da macht ihm Billy Butcher ein Angebot, das er vielleicht besser abgelehnt hätte. Aber Hughie nimmt an und er wird ein Mitglied von Butchers geheimer Einheit zur Bekämpfung von Superheldenuntaten.

Nach dieser Rekrutierung, mit der „The Boys“ beginnt, erzählen Ennis und Robertson in den folgenden Hefte von einigen dieser Aktionen, wie Hughie sich unwissentlich in eine Superheldin verliebt, wie sich die Superhelden abseits der Öffentlichkeit verhalten, wie sehr das Superheldentum ein blühendes Geschäft ist und wie sehr Konzerne in das Superheldengeschäft involviert sind. In sich weitgehend abgeschlossene Miniserien, in denen es um die Anfänge der Superhelden, Hughies Besuch in seiner alten Heimat bei seiner Familie und Butchers Erinnerungen am Sarg seines Vaters, ergänzen im Lauf der Zeit das Bild.

Diese Geschichten sind auch nicht das Problem von „The Boys“. Es ist der Konflikt zwischen den Boys und den Superhelden, der sich weitgehend in episodischen Scharmützeln verliert. Das in Teilen ausgemalte Bild einer Verbindung von Wirtschaft und Militär und ökonomischer Interessen und des Einflusses mächtiger Firmen auf die Politik, bleibt eher im Hintergrund.

Einzelne geschichtenübergreifende Erzählstränge oder interessante Ideen werden nicht konsequent weitergeführt. So stellt sich zunehmend das Gefühl eines mit Gewalt, Sex und Obszonitäten garnierten Stillstands ein.

Dazu kommt, dass das Feld von problematischen Superhelden und Superheldenfamilien inzwischen in verschiedenen mehr oder weniger kurzlebigen Serien und Miniserien besser von Mark Millar beackert wird.

So wird „The Boys“ nach einem sehr guten Anfang zunehmend zu einer Serie, die ihr Potential nie ausschöpft und oft erstaunlich altmodisch wirkt. Aber vielleicht ändert sich das noch im sechsten „The Boys“-Sammelband.

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Garth Ennis/Jacen Burrows: Punisher: Mission Fury

(übersetzt von Bernd Kronsbein)

Panini Comics, 2025

136 Seiten

18 Euro

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Originalausgabe

Get Fury (2024) # 1- 6

Marvel, Juli 2024 – Dezember 2024

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Garth Ennis/Darick Robertson: The Boys 1: Das wird sehr weh tun

(übersetzt von Bernd Kronsbein)

Panini Comics, 2024

336 Seiten

15 Euro

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Originalausgabe/enthält

The Boys (2006) # 1 – 14

Wildstorm, Oktober 2006 – Februar 2007

Dynamite Entertainment, Juni 2007 – Januar 2008

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Garth Ennis/Darick Robertson: The Boys 2: Es wird blutig

(übersetzt von Bernd Kronsbein)

Panini Comics, 2024

376 Seiten

17 Euro

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Originalausgabe/enthält

The Boys (2006) # 15 – 30

Dynamite Entertainment, Februar 2008 – Mai 2009

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Garth Ennis/Darick Robertson: The Boys 3: Sagen wir mal so

(übersetzt von Bernd Kronsbein)

Panini Comics, 2024

336 Seiten

17 Euro

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Originalausgabe/enthält

The Boys: Herogasm (2009) # 1 – 6

The Boys (2006) # 31 – 38

Dynamite Entertainment, Mai 2009 – Januar 2010

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Garth Ennis/Darick Robertson: The Boys 4: Nimm’s nicht so schwer

(übersetzt von Bernd Kronsbein)

Panini Comics, 2024

360 Seiten

17 Euro

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Originalausgabe/enthält

The Boys (2006) # 39 – 47

Highland Laddie (2010) # 1 – 6

Dynamite Entertainment, Februar 2010 – Januar 2011

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Gareth Ennis/Darick Robertson: The Boys 5: Der Sohn des Bäckers

(übersetzt von Bernd Kronsbein)

Panini Comics, 2025

424 Seiten

17 Euro

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Originalausgabe/enthält

The Boys (2006) # 48 – 59

The Boys: Butcher, Baker, Candlestickmaker (2011) # 1 – 6

Dynamite Entertainment, November 2010 – Dezember 2011

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Hinweise

Wikipedia über „The Boys“ (deutsch, englisch) und über Garth Ennis (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Garth Ennis/Will Simpson/Steve Dillons “Hellblazer – Gefährliche Laster” (Dangerous Habits, 1991)

Meine Besprechung von Garth Ennis (Autor)/Leandro Fernandez (Zeichner) „The Punisher – Garth Ennis Collection 7“ (Up is Down and Black is White, The Slavers, 2005/2006)

Meine Besprechung von Garth Ennis/Goran Parlov/Leandro Fernandezs “The Punisher – Garth-Ennis-Collection 8″ (Barracuda, Part 1 – 6 (Punisher [MAX] 31 – 36), Man of Stone, Part 1 – 6 (Punisher [MAX] 37 – 42), 2006/2007)

Meine Besprechung von Garth Ennis‘ „The Punisher – Garth-Ennis-Collection 9“ (Widowmaker, Part 1 – 7 [Punisher (MAX) Vol. 43 – 49], Long Cold Dark, Part 1 – 5 [Punisher (MAX) Vol 50 – 54], 2007/2008)

Meine Besprechung von Garth Ennis‘ „The Punisher – Garth-Ennis-Collection 10“ (Valley Forge, Valley Forge, Part 1 – 6 [Punisher (MAX) Vol. 55 – 60], 2008)

Meine Besprechung von Garth Ennis (Autor)/Adriano Batista/Marcos Marz/Kewber Baal (Zeichner) „Jennifer Blood – Selbst ist die Frau (Band 1)“ (Garth Ennis’ Jennifer Blood: A Woman’s Work is Never Done, 2012)

Meine Besprechung von Garth Ennis und Mike Wolfers „Stitched: Die lebenden Toten“ (Band 1) (Stitched # 1 – 7, 2011/2012)

Meine Besprechung von Garth Ennis/John McCreas „Dicks – Band 1“ (Dicks # 1 – 4, 2013)

Meine Besprechung von Garth Ennis‘ „Crossed – Monster Edition“ (enthält „Crossed“ und „Crossed Band 2: Familienbande“)

Meine Besprechung von Garth Ennis/Steve Dillons „The Punisher: Frank ist zurück“ (The Punisher # 1 – 12, 2000/2001)

Meine Besprechung von Garth Ennis/Goran Sudzukas „A Walk through Hell: Das verlassene Lagerhaus (Band 1)“ (A Walk through Hell # 1 – 5, 2018)

Meine Besprechung von Garth Ennis/Goran Sudzukas „A Walk through Hell: Die Kathedrale (Band 2)“ (A Walk through Hell # 6 -12, 2019)

Meine Besprechung von Garth Ennis/Russ Brauns „Jimmys Bastarde: Getriggert (Band 1)“ (Jimmy’s Bastards Volume 1: Trigger Warning, 2018)

Meine Besprechung von Garth Ennis//Russ Brauns „Jimmys Bastarde: Wie war das?! (Band 2)“ (Jimmy’s Bastards Volume 2: What did you just say?, 2018)


TV-Tipp für den 16. April: Sorry we missed you

April 15, 2025

Arte, 20.15

Sorry we missed you (Sorry we missed you, Großbritannien/Frankreich/Belgien 2019)

Regie: Ken Loach

Drehbuch: Paul Laverty

Seltsamerweise war dieser gewohnt überzeugende Film von Ken Loach noch nie mein Tagestipp.

Im Mittelpunkt des Dramas steht Ricky, der versucht als selbstständiger Paketbote zu überleben. Ein ziemlich unmögliches Unterfangen.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Kris Hitchen, Debbie Honeywood, Rhys Stone, Katie Proctor, Ross Brewster, Charlie Richmond, Julian Ions

Hinweise

Moviepilot über „Sorry we missed you“

Metacritic über „Sorry we missed you“

Rotten Tomatoes über „Sorry we missed you“

Wikipedia über „Sorry we missed you“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Ken Loachs „Jimmy’s Hall“ (Jimmy’s Hall, Großbritannien/Irland/Frankreich 2014)

Meine Besprechung von Ken Loachs „Ich, Daniel Blake“ (I, Daniel Blake, Großbritannien/Frankreich/Belgien 2016)

Meine Besprechung von Ken Loachs „Sorry, we missed you“ (Sorry we missed you, Großbritannien/Frankreich/Belgien 2019)

Meine Besprechung von Ken Loachs „The Old Oak“ (The Old Oak, Großbritannien 2023)


Cover der Woche

April 15, 2025

Guter Roman.

Gute Verfilmung von Truffaut.


TV-Tipp für den 15. April: Im Rausch der Tiefe

April 14, 2025

HR, 22.40

Im Rausch der Tiefe – The Big Blue (La grand bleu, Frankreich/USA/Italien 1988)

Regie: Luc Besson

Drehbuch: Luc Besson, Roger Garland

Bildgewaltiges Drama über zwei Kinderfreunde, die begeisterte Taucher sind und jetzt gegeneinander antreten. Es geht um den Weltrekord im Tauchen ohne Sauerstoffgerät.

Ein frühes Werk von Luc Besson, das in Frankreich ein Kassenhit war.

mit Jean-Marc Barr, Jean Reno, Rosanna Arquette, Paul Shenar, Sergio Castellitto, Jean Bouise, Griffin Dunne

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Im Rausch der Tiefe“

Wikipedia über „Im Rausch der Tiefe“ (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von Luc Bessons „Léon – Der Profi“ (Léon, Frankreich 1994)

Meine Besprechung von Luc Bessons „The Lady – Ein geteiltes Herz“ (The Lady, Frankreich/Großbritannien 2011)

Meine Besprechung von Luc Bessons „Lucy“ (Lucy, Frankreich 2014)

Meine Besprechung von Luc Bessons „Valerian – Die Stadt der tausend Planeten“ (Valerian and the City of a thousand Planets, Frankreich 2017)

Meine Besprechung von Luc Bessons „Anna“ (Anna, Frankreich 2019)

Meine Besprechung von Luc Bessons „Dogman“ (Dogman, Frankreich/USA 2023)

Luc Besson in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 14. April: Projekt: Peacemaker

April 13, 2025

Agentengedöns nach dem Kalten Krieg

Kabel 1, 20.15

Projekt: Peacemaker (The Peacemaker, USA 1997)

Regie: Mimi Leder

Drehbuch: Michael Schiffer

LV: Leslie Cockburn, Andrew Cockburn: One Point Safe (Artikel)

US-Colonel Thomas Devoe und Nuklearspezialistin Dr. Julia Kelly suchen mehrere verschwundene russische Atomsprengköpfe. Einer davon gelangt in die Hände eines serbischen Terroristen, der die Bombe in New York zünden will.

Interessant ist an „Projekt: Peacemaker“ nicht die Geschichte, sondern die kleinen Verschiebungen und Brüche innerhalb eines Genrefilms. Denn nach dem Ende des Kalten Krieges existieren die alten Fronten und Regeln nicht mehr. Neue Regeln gibt es noch nicht. Das ausführlich geschilderte Motiv des Terroristen ist sehr nachvollziehbar. Er möchte seine Familie rächen.

„Projekt: Peacemaker“ versucht innerhalb einer Genregeschichte die neue Realität nach dem Ende des Kalten Krieges für die Geheimdienste und die internationale Politik zu fassen. Dabei ist der Film genauso unsicher wie die Geheimdienste. Der alte Gegner Kommunismus ist verschwunden. Ein neuer ist noch nicht gefunden. An dieser Schnittstelle erzählt “Projekt: Peacemaker” seine Geschichte.

Mit George Clooney, Nicole Kidman, Armin Müller-Stahl, Alexander Baluyev

Wiederholung: Dienstag, 15. April, 01.15 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über “Projekt: Peacemaker”

Wikipedia über “Projekt: Peacemaker” (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Mimi Leders „Die Berufung“ (On the Basis of Sex, USA 2018)


Der Friedrich-Glauser-Preis 2025: Die Gewinner

April 13, 2025

Auf der Criminale in Schwetzingen verlieh das Syndikat, der Verein für deutschsprachige Kriminalliteratur, am Samstag, den 12. April 2025, die diesjährigen Friedrich-Glauser-Preise an folgende Werke voller Mord & Totschlag:

Bester Roman

Till Raether: Danowski: Sturmkehre (Rowohlt Polaris)

nominiert

Nicole Eick: Wenn der Engel kommt (Edition Tingeltangel)

Henri Faber: Gestehe (dtv)

Thomas Knüwer: Das Haus, in dem Gudelia stirbt (Pendragon)

Jakob Nolte: Die Frau mit den vier Armen (Suhrkamp Nova)

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Bester Debütroman

Ana Wetherall-Grujić: Blutsschwestern (Kremayr & Scheriau)

nominiert

Stefan Grebe: Die Übermacht (Bastei Lübbe)

Roland Muller: Eisrausch (Aufbau Taschenbuch)

Turid Müller: Im Schatten der Insel (Piper)

Susanne Tägder: Das Schweigen des Wassers (Klett-Cotta)

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Bester Kurzkrimi

Isabella Archan: Fröndenberger Fäden. In: Verbrechen nebenan. Mord am Hellweg XI (Grafit)

nominiert

Elsa Dix: Eiswellen. In: Du stirbst nicht nur zur Sommerzeit (HarperCollins)

Rita Janaczek: 7 Minuten vor Mitternacht (Machandel)

Christiane Nitsche-Costa alias C. N. Costa: Endlich vegan. In: Strandkorb, Mord & Sonnenbrand: Krimis von der Küste (Kellner)

Su Turhan: Rot wie Blut. In: Myrrhe, Mord und Marzipan. (Droemer-Knaur)

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Bester Jugendkrimi

Andreas Brettschneider: Die Falle (Ueberreuter)

nominiert

Maja Nielsen: Der Tunnelbauer (Gerstenberg)

Ursula Poznanski: Scandor (Loewe)

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Ehren-Glauser

Frank Schätzing

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Herzlichen Glückwunsch an die Gewinner!

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Ich hatte in den Kategorien „Bester Roman“ und „Bester Debütroman“ auf zwei andere Krimis getippt. „Blutsschwestern“ gefiel mir auch ziemlich gut. Till Raether war bereits für zwei frühere Danowski-Krimis nominiert. „Sturmkehre“ ist sein letzter Danowski-Krimi. Sagt er jedenfalls im Moment.

 

 


TV-Tipp für den 13. April: The Ipcress File

April 12, 2025

Arte, 20.15

Ipcress – Streng geheim (The Ipcress File, Großbritannien 1965)

Regie: Sidney J. Furie

Drehbuch: Bill Canaway, James Doran

LV: Len Deighton: The IPCRESS File, 1962 (Ipress – Streng geheim)

Der britische Geheimagent Harry Palmer soll herausfinden, warum Top-Forscher plötzlich Gedächtnislücken haben. Stecken die Russen dahinter?

Mit dem ersten von drei Harry Palmer-Filmen legte Bond-Produzent Harry Saltzman einen erfolgreichen Gegenentwurf zu James Bond vor. Denn Harry Palmer – in Deightons Romanen hat er noch nicht einmal einen Namen – ist ein ganz gewöhnlicher Beamter mit einem Kassengestell und billigen Anzügen. Er ist eher ein Privatdetektiv, der hartnäckig eine Spur verfolgt und sich nicht auf die schützende Hand seiner Regierung verlassen kann.

Das Drehbuch des spannenden Agententhrillers erhielt den Edgar-Allan-Poe-Preis.

Für Michel Caine ist Harry Palmer eine seiner klassischen Rollen. Insgesamt spielte er dreimal den Geheimagenten. Nach „Ipcress – Streng geheim“ gab es das „Finale in Berlin“ (Funeral in Berlin, 1966, Regie: Guy Hamilton) und „Das Milliarden-Dollar-Gehirn (Billion Dollar Brain, 1967, Regie: Ken Russell). 1995 und 1996 spielte Caine wieder Harry Palmer in den zu Recht vergessenen TV-Filmen „Peking Express“ (Bullet to Beijing) und in „Herren der Apocalypse“ (Midnight in Saint Petersburg), die nicht auf Romanen von Len Deighton basieren und auch sonst nichts mit Deighton zu tun haben.

Mit Michael Caine, Nigel Green, Guy Doleman, Sue Lloyd, Gordon Jackson

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Ipcress – Streng geheim“

Wikipedia über „Ipcress – Streng geheim“ (deutsch, englisch) und Len Deighton (deutsch, englisch)

The Deighton Dossier

Krimi-Couch über Len Deighton

Meine Besprechung von Sidney J. Furies „Boomer – Überfall auf Hollywood“ (The Taking of Beverly Hills, USA 1991)


Friedrich-Glauser-Preis 2025: Einige Gedanken zu den nominierten Romanen – und wer gewinnen sollte

April 12, 2025

In wenigen Stunden verleiht das Syndikat, der Verein für deutschsprachige Kriminalliteratur, in Schwetzingen auf der Criminale die diesjährigen Friedrich-Glauser-Preise. Dieses Jahr habe ich die nominierten Romane vor der Preisverleihung gelesen und besprochen. Aber die Frage, welcher Krimi den Roman- und den Debütglauser erhalten sollte, habe ich noch nicht beantwortet. Bis jetzt. 

In der Kategorie „Roman“ sind für den Glauser-Preis 2025 nominiert:

Nicole Eick: Wenn der Engel kommt (Edition Tingeltangel)

Henri Faber: Gestehe (dtv)

Thomas Knüwer: Das Haus, in dem Gudelia stirbt (Pendragon)

Jakob Nolte: Die Frau mit den vier Armen ((Suhrkamp Nova)

Till Raether: Danowski: Sturmkehre (Rowohlt Polaris)

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In der Kategorie „Debütroman“ sind für den Glauser-Preis 2025 nominiert:

Stefan Grebe: Die Übermacht ( Bastei Lübbe)

Roland Muller: Eisrausch (Aufbau Taschenbuch)

Turid Müller: Im Schatten der Insel (Piper)

Susanne Tägder: Das Schweigen des Wassers (Klett-Cotta)

Ana Wetherall-Grujić: Blutsschwestern (Kremayr & Scheriau)

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Beginnen wir mit einigen möglicherweise interessanten Beobachtungen:

zum Geschlechterverhältnis der nominierten Autoren:

Roman: Frauen 1, Männer: 4

Debüt: Frauen 3, Männer: 2

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zur Länge der nominierten Romane:

– bis 200 Seiten:

Ana Wetherall-Grujić: Blutsschwestern (Kremayr & Scheriau)

– 200 bis 300 Seiten:

Thomas Knüwer: Das Haus, in dem Gudelia stirbt (Pendragon)

Jakob Nolte: Die Frau mit den vier Armen ((Suhrkamp Nova)

– 300 bis 400 Seiten:

Nicole Eick: Wenn der Engel kommt (Edition Tingeltangel)

Till Raether: Danowski: Sturmkehre (Rowohlt Polaris)

Roland Muller: Eisrausch (Aufbau Taschenbuch)

Turid Müller: Im Schatten der Insel (Piper)

Susanne Tägder: Das Schweigen des Wassers (Klett-Cotta)

– über 400 Seiten:

Henri Faber: Gestehe (dtv)

Stefan Grebe: Die Übermacht ( Bastei Lübbe)

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zur Hauptperson der nominierten Romane:

bei Eick, Faber, Nolte, Raether, Muller, Tägder und Faber ermitteln Polizisten

bei Grebe ermittelt ein Ex-Geheimagent (also noch ein Staatsbeamter)

bei Müller ermittelt eine Privatperson

bei Wetherall-Grujić und Knüwer agieren die Täter, während die Polizei Kaffee trinkt

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zum Handlungsort der nominierten Romane:

Wenig überraschend spielen sie fast alle in Deutschland.

Die Ausnahmen bilden Roland Mullers in Grönland spielender „Eisrausch“, Ana Wetherall-Grujić‘ hauptsächlich in Serbien, teils in Wien spielende „Blutsschwestern“, Henri Fabers in Wien spielender Serienkillernthriller „Gestehe“ und Stefan Grebes teilweise in China, hauptsächlich in Berlin spielender Thriller „Die Übermacht“.

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Ebenfalls wenig überraschend ist, dass fast alle Romane, teils mit Ausflügen in die Vergangenheit, in der Gegenwart spielen.

Die Ausnahmen sind Thomas Knüwers ungefähr zu gleichen Teilen 1984, 1998 und 2024 spielender „Das Haus in dem Gudelia stirbt“ und Susanne Tägders atmosphärischer Nachwendekrimi „Das Schweigen des Wassers“.

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Einen richtigen Rätselkrimi in der Agatha-Christie-Tradition mit vielen Verdächtigen, falschen Spuren und einer überraschenden Auflösung am Ende gibt es nicht.

Oft wird sich rudimentär der Rätselkrimi-Struktur bedient indem es am Anfang einen Mord und am Ende eine Enttarnung des bis dahin mehr oder weniger unbekannten Täters gibt. Dazwischen gibt es allerdings keine relevanten Spuren und Verdächtigen.

Bei einem konventionellem Thriller, wie Roland Mullers „Eisrausch“, ist das kein Problem. Ebenso bei Till Raethers „Danowski: Sturmkehre“, weil es um die Suche nach einer vermissten Person geht und der Ermittler mit seinen persönlichen Problemen im Mittelpunkt steht.

In zwei Krimis ist die Täterin die Hauptperson. Und das waren nicht die schlechtesten Krimis.

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Ein richtig grandioser Roman, also ein Roman, der mich sprachlos vor Begeisterung zurücklässt und den ich anschließend jedem empfehle, war nicht dabei. Wobei ich in den vergangenen Tagen, bedingt durch die zeitliche Nähe von Lektüre und „Welchen guten Krimi hast du zuletzt gelesen?“-Gesprächen, öfters Roland Mullers „Eisrausch“ empfahl.

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Und jetzt kommen wir endlich zu meinen Gewinner-Tipps.

Den Glauser als bester Kriminalroman sollte

Thomas Knüwer: Das Haus in dem Gudelia stirbt

erhalten, weil er souverän auf drei Zeitebenen die Geschichte eines Verbrechens und seiner Nachwirkungen entwirft. Das ist, auch wenn der Klappentext und der Titel vieles verraten, spannend bis zur letzten Seite.

Den Glauser für den besten Debütroman sollte

Roland Muller: Eisrausch

erhalten, weil er eine spannende Thrillergeschichte erzählt, die Tradition achtet und kurzweilig Informationen über Grönland, die dort lebenden Menschen und die geopolitischen Interessen vermittelt. Es handelt sich also um die passende Lektüre zu den aktuellen Schlagzeilen.

Lobende Erwähnungen gibt es für

Susanne Tägder: Das Schweigen des Wassers

und

Ana Wetherall-Grujić: Blutsschwestern

Beide Debütromane gefielen mir, aber sie schwächelten im dritten Akt. In jedem Fall bin ich auf ihre nächsten Werke gespannt.