James Bond 007: Der MORGEN stirbt nie (Tomorrow never dies, Großbritannien/USA 1997)
Regie: Roger Spottiswoode
Drehbuch: Bruce Feirstein
LV: Charakter von Ian Fleming
Buch zum Film: Raymond Benson: Tomorrow never dies, 1997 (Der MORGEN stirbt nie)
Die Zeiten ändern sich: Nach dem Ende des Kalten Krieges ist Bonds Gegner kein böser Kommunist, sondern ein Pressezar, der für eine Schlagzeile einen Weltkrieg riskiert.
Brosnans zweiter Einsatz war an der Kinokasse selbstverständlich ein Erfolg. Der Rest war auch wie gewohnt; – auch die zahlreichen Drehbuchentwürfe und Veränderungen während der Dreharbeiten. Da arbeitete ein Team von vier Autoren in einem Londoner Hotel an neuen Ideen und den Wünschen von Spottiswoode. Entsprechend zerfällt der Film immer wieder in Einzelteile. Es gibt dazu einen bissigen Artikel von Feirstein.
Anschließend, um 22.50 Uhr, zeigt Pro 7 „GoldenEye“, den ersten Einsatz von Pierce Brosnan als James Bond.
Mit Pierce Brosnan, Michelle Yeoh, Jonathan Pryce, Götz Otto, Teri Hatcher, Judi Dench, Samantha Bond (nicht verwandt mit James Bond), Desmond Llewelyn
Wiederholung: Freitag, 22. September, 23.00 Uhr (nach „James Bond oo7: Die Welt ist nicht genug“)
In seinen ersten beiden Hercule-Poirot-Verfilmungen „Mord im Orient-Express“ und „Tod auf dem Nil“ erzählte Kenneth Branagh bekannte und bereits sehr erfolgreich verfilmte Poirot-Romane noch einmal. Dabei hielt er sich weitgehend an die von Agatha Christie geschriebenen Romane. In seinem dritten Hercule-Poirot-Film ist alles anders. Die von Agatha Christie geschriebene Vorlage ist unbekannter. „Hallowe’en Party“ wurde einmal, 2010 im Rahmen der langlebigen ITV-Poirot-TV-Serie mit David Suchet als Ermittler, verfilmt. Auch diese Verfilmung ist unbekannter. Dieses Mal hielten die Macher sich kaum bis überhaupt nicht an die Vorlage. Bei Agatha Christie spielt die jetzt als „A Haunting in Venice“ verfilmte Geschichte 1969 in einem englischen Dorf.
Der Film spielt, wie der Titel andeutet, in Venedig. Er spielt auch nicht in den späten sechziger Jahren, sondern 1947. Nach dem Zweiten Weltkrieg zog der weltberühmte Detektiv Hercule Poirot sich zurück. In Venedig genießt er seinen Ruhestand. Da bittet ihn die erfolgreiche und mit ihm befreundete Krimi-Autorin Ariadne Oliver um einen Gefallen. Er soll sie zu einer Séance begleiten.
In dem Palazzo der früheren Opernsängerin Rowena Drake soll die bekannte Hellseherin Joyce Reynolds an Halloween auftreten und den Kontakt zu Drakes vor einem Jahr verstorbener Tochter Alicia herstellen.
Poirots Freundin Oliver hat eine ihrer Shows besucht. Seitdem fragt sie sich nun, ob Reynolds eine Schwindlerin ist oder ob sie wirklich Kontakt zu den Toten hat. Denn ihr gelang es nicht, die Tricks von Reynolds zu durchschauen. Das soll jetzt ihrem Freund Hercule Poirot gelingen. Poirot, der auch nicht an Hellseherei, Wahrsagerei und Gesprächen mit den Toten glaubt, begleitet seine Freundin zu der Abendgesellschaft.
Die Séance nimmt einen ungeahnten dramatischen Verlauf. Und kurz darauf ist Reynolds tot. Spätestens in dem Moment sind im Palazzo und im Kinosaal die letzten Zweifler überzeugt, dass Reynolds eine Betrügerin ist. Eine echte Hellseherin hätte ihren Tod doch vorhersehen können.
In den nächsten Stunden versucht Poirot in dem düsteren Palazzo den Mord und viele weitere große und kleine Verbrechen und Lügen aufzuklären. Dabei zweifelt er mehr als einmal an seiner Beobachtungsgabe und seinen legendären kleinen grauen Zellen.
Das klingt doch ganz spannend. Aber Michael Green, der auch für Branaghs vorherige Poirot-Filme die Drehbücher schrieb, gelingt es nie, Poirots Ermittlungen und Überlegungen nachvollziehbar zu erzählen. Allerdings, das muss gesagt werden, haben Green und Branagh dieses Mal kein Interesse an einem konventionellem Rätselkrimi. Sicher, Poirot sucht den Täter, er verhört die Anwesenden, dröselt die Hinweise auf und enttarnt am Ende den Täter. Aber dieses Mal versammelt er dafür nicht, wie wir es bei einem Rätselkrimi erwarten, alle Tatverdächtigen und Anwesenden in einem Raum und präsentiert ihnen ein halbes Dutzend verschiedener Täter, ehe er, zu unserer Verblüffung, den wahren Täter enthüllt. In „A Haunting in Venice“ geschieht die Enttarnung des Mörders quasi nebenbei.
Branagh erzählt die Tätersuche und Enttarnung des Mörders so lustlos und chaotisch, dass wahrscheinlich niemand diesen Teil des Films nacherzählen kann. Es kann auch nicht mitgerätselt werden.
Als Rätselkrimi ist „A Haunting in Venice“ ein ziemlicher Totalausfall.
Aber schon in den ersten, sehr atmosphärischen Minuten entwirft Branagh ein Bild von Venedig als Geisterstadt, in der Maskierte und Tote in Gondeln durch die Stadt gleiten. Nach dem Mord ermittelt Poirot in einem sehr dunklem Palazzo. Fast jedes von Branaghs Stammkameramann Haris Zambarloukos aufgenommene Bild ist schräg und arbeitet mit teils extrem verschobenen Perspektiven. Unterbrochen von wenigen exzessiven Kamerafahrten und vielen desorientierenden Schnitten. Das bedient durchgehend die Klaviatur des Gothic-Horrorfilms.
Als sich wenig um erzählerische Konventionen kümmernder Horrorfilm voller echter und falscher Gespenster ist „A Haunting in Venice“ ziemlich gelungen.
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Und jetzt zur Vorlage: Agatha Christies „Die Halloween-Party“. In seinem Vorwort zur Neuausgabe schreibt Michael Green, er habe einen Mord begangen und das Opfer sei Agatha Christies drittletzter Hercule-Poirot-Roman „Die Halloween-Party“. Denn die Verfilmung hat mit dem Roman, bis auf einige zufällige und vermeidbare Ähnlichkeiten und Namen, nichts zu tun.
Während einer von Rowena Drake in ihrem Haus für die Kindes des Dorfes Woodleigh Common veranstalteten Halloween-Party, behauptet die dreizehnjährige Joyce Reynolds, sie habe vor längerer Zeit einen Mord beobachtet. Das sei ihr damals nicht bewusst gewesen. Kurz darauf ist sie tot. Sie wurde in der Bibliothek des Hauses in einem für ein Spiel mit Wasser gefülltem Metalleimer ertränkt.
Die Krimiautorin Ariadne Oliver (ja, sie könnte Agatha Christie sein), die während der Tatzeit in Drakes Haus war, bittet ihren Freund Hercule Poirot um Hilfe. Er soll den Täter finden.
Poirot beginnt in dem Dorf mit der Mördersuche. Dabei will er auch herausbekommen, ob Joyce einen Mord beobachtet hat und, wenn ja, wer das Opfer und wer der Täter ist.
„Die Halloween-Party“ (bzw. früher „Die Schneewittchen-Party“ oder, im Original, „Hallowe’en Party“) ist einer von Agatha Christies letzten Romanen. Und er hat nicht die Qualität ihrer früheren Geschichten. Die Figuren sind blass. Der Rätselplot ist bestenfalls solala. Und am Ende wird der Täter, wie in der Verfilmung, nicht in einer großen Versammlung aller Tatverdächtigen enttarnt. Er wird auf frischer Tat ertappt.
A Haunting in Venice(A Haunting in Venice, USA 2023)
Regie: Kenneth Branagh
Drehbuch: Michael Green
LV: Agatha Christie: Hallowe’en Party, 1969 (Die Schneewittchen-Party; Die Halloween-Party, und neuerdings A Haunting in Venice)
mit Kenneth Branagh, Kyle Allen, Michelle Yeoh, Camille Cottin, Jamie Dornan, Tina Fey, Jude Hill, Ali Khan, Emma Laird, Kelly Reilly, Riccardo Scamarcio
Länge: 104 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
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Die Vorlage in der Filmausgabe
Agatha Christie: A Haunting in Venice
(übersetzt von Hiltgunt Grabler) (mit einem Vorwort von Michael Green)
Atlantik, 2023
256 Seiten
14 Euro
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Ältere deutsche Titel
Die Schneewittchen-Party (ursprünglicher Titel)
Die Halloween-Party (Titel der Neuausgabe von 2018)
Die Adamant ist ein Schiff. Es liegt in Paris in der Nähe des Bahnhof Gare de Lyon am rechten Seine-Ufer am Quai de la Rapée und bewegt sich nicht. Denn die Adamant ist seit 2010 eine Tagesklinik für Menschen mit psychischen Störungen. Sie verbringen dort ihre Tage mit verschiedenen Aktivitäten. Sie werden in ihrem Alltag unterstützt. Ihr Leben erhält eine Struktur und sie sollen wieder am normalen Leben teilnehmen können. Bis dahin ist die Adamant für sie ein geschützer, Sicherheit bietender Raum.
Nicolas Philibert beobachtet sie in seinem neuen Film „Auf der Adamant“. Die Dreharbeiten fanden, bis auf wenige Tage Anfang 2022, in mehreren Etappen von Mai bis November 2021 statt. Seine Premiere hatte der Dokumentarfilm im Wettbewerb der diesjährigen Berlinale. Er wurde von der Jury mit dem Hauptpreis, dem Goldenen Bären, ausgezeichnet.
Die Kritiker erklärten sich diese Entscheidung mit der Qualität der anderen Wettbewerbsfilme. Trotzdem war es eine schon damals umstrittene Entscheidung. Denn, kurz gesagt, ist ein Dokumentarfilm kein Spielfilm. Und dann ist „Auf der Adamant“ eine beobachtende Dokumentation. Es wird also auf einen Sprecher verzichtet. Es gibt keine Experten die Hintergrundinformationen über das Projekt vermitteln. Es gibt in diesem Film auch keine Gespräche mit dem großen Betreuungsteam der Adamant. Sie hätten etwas über ihre Arbeit als Therapeut oder Pfleger und ihren Umgang mit den Patienten erzählen können. Diese Perspektive interessiert Philibert nicht. Er konzentriert sich ausschließlich auf die Patienten und was sie ihm während seiner Besuche auf der Adamant über sich erzählen. Aber viel erfahren wir nicht über sie.
„Auf der Adamant“ zeigt über gut zwei Stunden nur einige Menschen, die an einem bestimmten Ort etwas tun und die dabei von der Kamera beobachtet werden. Dieses stumme Beobachten kann zu Erkenntnissen führen. Aber alle Erkenntnisse beschränken sich auf das, was sichtbar ist und worüber die Beobachteten sprechen. Oder, anders gesagt, es ist, als ob man ein Spiel beobachtet und versucht die Regeln des Spiels allein durch Zuschauen zu begreifen. Das funktioniert schon bei Fussball nicht.
Hier beschränkt sich die Erkenntnis darauf, dass die „Verrückten“ gar nicht so verrückt sind. Das liegt teils an den Medikamenten, die sie nehmen. Teils liegt es am Umfeld. Denn die Adamant ist, wie gesagt, ein geschützter Raum. Das liegt auch daran, dass auf der Adamant alle normale Alltagskleidung tragen und damit auf den ersten Blick unklar ist, wer hier zum Personal und wer zur Kundschaft gehört.
Für seinen Film hat Philibert seine über mehrere Monate gemachten Beobachtungen dann so kondensiert, dass der Eindruck entsteht, dass hier eine Woche auf der Adamant geschildert wird. Eine Dramaturgie ist nicht erkennbar. Es reihen sich einfach nur Bilder und folgenlose Begegnungen und Gespräche mit dem Regisseur aneinander. Es wird getanzt, gelacht, gesungen und gegessen. Ein Filmclub präsentiert filmgeschichtlich wichtige Filme, wie Federico Fellinis „Achteinhalb“. Konflikte scheint es nicht zu geben. Dabei ist Philiberts Blick immer vorurteilsfrei und von Sympathie und Interesse getragen. Er be- und verurteilt sie nicht. Aber er fragt auch nicht nach.
Das hat, wie ich aus Gesprächen über den Film erfuhr, einigen schon gereicht. Die meisten Kritiken sind euphorisch. Für mich – ich verbrachte meinen Zivildienst in einer Tagesstätte für Schwerstmehrfachbehinderte – war das zu wenig.
Ich hätte gerne mehr über das Konzept der Einrichtung (die auf den ersten Blick hiesigen Tagesstätten ähnelt), die Finanzierung und wie viele es davon in Frankreich gibt erfahren. Also ob die Adamant als Einrichtung einzigartig ist (der Ort ist sekundär) oder ob in dem Film einfach nur ein inzwischen normales Konzept an einem besonderem Ort gezeigt wird. Mich hätte auch interessiert, wie die Tagesklinik in das Stadtviertel eingebunden ist.
Das wäre, zugegeben, ein anderer Film. Es wäre auch ein infomativerer Film. So hat mich „Auf der Adamant“, in dem ohne jeden Kontext einige psychisch erkrankte Menschen an einem Wohlfühlort gezeigt werden, schnell zu Tode gelangweilt.
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Und jetzt etwas copy&paste aus dem Presseheft. Dort steht über die Adamant:
Sie ist ein „Tageszentrum“ und gehört zum Zentralen Psychiatrischen Verbund der Paris-Gruppe, zu der auch zwei CMPs (Centres Médicaux Psychologiques – Psychologische Medizinische Zentren), ein mobiles Team und zwei Abteilungen des psychiatrischen Krankenhauses Esquirol, das wiederum dem Krankenhauskomplex Saint-Maurice angegliedert ist, angehören.
Es handelt sich also nicht um einen isolierten Ort, denn die miteinander verknüpften Einheiten, aus denen die Gruppe besteht, bilden ein Netzwerk, in dem Patient*innen und Betreuer*innen ständig in Bewegung sind und mittels der verschiedenen Angebote eine für sie passende Lösung finden können.
Die Adamant ist ein schwimmendes Holzgebäude mit einer Fläche von 650 qm und großen Fenstern, die sich zur Seine hin öffnen. Für den Entwurf arbeiteten die Architekten eng mit den Betreuer*innen und den Patient*innen der Einrichtung zusammen. Im Juli 2010 wurde sie eröffnet.
Da die öffentliche psychiatrische Versorgung in Frankreich in Sektoren unterteilt ist, ist die Adamant, wie auch die anderen Aufnahmezentren der Pariser Zentralgruppe, für Patient*innen aus den ersten vier Arrondissements der Hauptstadt vorgesehen.
Manche Patient*innen kommen jeden Tag, andere nur ab und zu, in regelmäßigen oder unregelmäßigen Abständen. Sie kommen aus allen Altersgruppen und aus den unterschiedlichsten sozialen Schichten. Der Tag beginnt mit einem Frühstück für alle Anwesenden. Am Montag findet ein wöchentliches Treffen statt, bei dem Betreuer*innen und Patient*innen zusammenkommen. Jede*r kann Punkte auf die Tagesordnung setzen, die er oder sie besprochen haben möchte, Neuigkeiten werden ausgetauscht, Projekte geplant: ein Theaterbesuch, der bevorstehende Besuch eines Gastes, ein Waldspaziergang, ein Konzert, eine Ausstellung…
Das Betreuungsteam besteht aus Krankenpfleger*innen, Psycholog*innen, Ergotherapeut*innen, einem Psychiater, einem Sekretariat, zwei Krankenhausmitarbeiter*innen und verschiedenen externen Mitarbeiter*innen mit unterschiedlichem Hintergrund. Die Aufgaben des täglichen Lebens werden kontinuierlich begleitet. Alle, sowohl die Patient*innen als auch die Betreuer*innen, sind eingeladen, daran mitzuhelfen, es „gemeinsam zu schaffen“.
Die therapeutische Funktion der Einrichtung betrifft die Gruppe als Ganzes. Jede*r kann sich einbringen, unabhängig von Status, Ausbildung, Platz in der Hierarchie, Persönlichkeit oder Lebensstil. Es wird hier niemanden vor den Kopf stoßen, wenn eine Patientin der Person, die an diesem Tag die Bar leitet – sei es eine Betreuerin, eine Krankenschwester, ein „einfacher“ Praktikant oder ein anderer Patient -, wichtige Dinge anvertraut und dem Psychiater bei der Konsultation am nächsten Tag nicht viel sagt, denn das Team wird einen Weg finden, die verstreuten Informationen miteinander zu verknüpfen.
Es gibt zahlreiche Workshops: Nähen, Musik, Lesen, die Herausgabe einer Zeitung, einen Filmclub, Schreiben, Zeichnen und Malen, Radio, Entspannung, Lederarbeiten, Marmeladenherstellung, kulturelle Ausflüge… Aber die Patient*innen können auch einfach nur kommen, um dort einen Moment zu verbringen, einen Kaffee zu trinken, sich willkommen und unterstützt zu fühlen und sich von der Atmosphäre des Ortes einfangen zu lassen. Die angebotenen Workshops erfüllen keinen Selbstzweck, sie sind vielmehr eine Einladung, sich nicht zu Hause einzuschließen, sondern sich wieder mit der Welt zu verbinden und die Beziehung zu ihr neu zu gestalten.
Das alles hätte ich gerne aus dem Film und nicht aus dem Presseheft erfahren.
Auf der Adamant(Sur l’Adamant, Frankreich/Japan 2022)
Regie: Nicolas Philibert, Linda De Zitter (Mitwirkung)
Die Verachtung (Le Mépris, Frankreich/Italien 1963)
Regie: Jean-Luc Godard
Drehbuch: Jean-Luc Godard
LV: Alberto Morovia: Il Desprezzo, 1954 (Die Verachtung)
Drehbuchautor Paul soll das Drehbuch für einen Film über die Abenteuer von Odysseus auf der Insel Capri schreiben. Dort sind, neben Paul, seine wunderschöne Frau, der Produzent, der ein Auge auf Pauls Frau Camille geworfen hat, und der Regisseur. Camille, die an Pauls Liebe zweifelt, beginnt ihn zunehmend zu verachten.
Godards anspielungs- und zitatenreiche Satire auf das Filmbusiness, gedreht mit viel Geld, Brigitte Bardot und Fritz Lang als Regisseur.
mit Brigitte Bardot, Michel Piccoli, Jack Palance, Fritz Lang, Georgia Moll, Jean-Luc Godard, Raoul Coutard
Am Donnerstag startet Kenneth Branaghs neuer Hercule-Poirot-Film „A Haunting in Venice“. Davor spielte er Kommissar Wallander, inszenierte einen Jack-Ryan-Film (siehe unten), einen Thor-Superheldenfilm und, vor langer, langer Zeit, viele Shakespeare-Stücke.
Kabel Eins, 20.15
Jack Ryan: Shadow Recruit(Jack Ryan: Shadow Recruit, USA/Russland 2013)
Regie: Kenneth Branagh
Drehbuch: Adam Cozad, David Koepp
LV: Charakter von Tom Clancy
CIA-Analytiker Jack Ryan (Chris Pine) soll in Moskau den Oligarchen Viktor Cherevin (Kenneth Branagh) überprüfen. Blöderweise ist Cherevin ein ganz böser Schurke, der einen perfiden Plan hat, um die USA wirtschaftlich zu zerstören. Jack Ryan versucht das zu verhindern.
Okayer, ideologisch sehr altmodischer Actionthriller. Kenneth Branagh erzählt die Geschichte flott, konzentriert sich auf die Schauspieler, die Dialoge und altmodische Agentenspielereien.
Bevor am Donnerstag aus der „Halloween-Party“, jedenfalls für die nächsten Monate, „A Haunting in Venice“ wird.
Der 1969 erschienene Kriminalroman diente als Vorlage für Kenneth Branaghs Verfilmung. Obwohl es in dem Roman kein „Haunting“ und kein „Venice“ gibt. Er spielt in einer Kleinstadt. Dort wird während einer Halloween-Party ein Mädchen, das behauptet, einen Mord beobachtet zu haben, ermordet. Immerhin kann Hercule Poirot beide Male den Übeltäter überfähren.
Die Buch- und Filmbesprechung gibt es in wenigen Stunden.
Die Gesetzeshüter Virgil Cole und Everett Hitch sollen in Appaloosa für Recht und Ordnung sorgen. Dort terrorisiert Farmer Bragg die Einwohner. Er hat auch den vorherigen Marshall erschossen.
Gelungene, werkgetreue Verfilmung eines Westerns von Robert B. Parker, dem Autor der Spenser- und Jesse-Stone-Kriminalromane, der seine bekannten Themen von Freundschaft, Loyalität, Recht und Gesetz in einem anderen Setting ausprobiert.
„Appaloosa“ erhielt beim Boston Film Festival den Preis für den besten Film und das beste Drehbuch.
Vor drei Jahren erfuhr Maria Zimmermann, dass sie im „Autistischen Spektrum“ sei. Das war, einerseits, für sie eine Erleichterung. Schließlich erklärte die Diagnose warum sie seit ihrer Kindheit immer Schwierigkeiten mit der normalen, alltäglichen Welt hatte und sich in ihr immer falsch verhielt. Andererseits fragte sie sich, was denn Autismus sei. Sie besorgte sich Bücher darüber. Und war von keinem restlos begeistert. Gleichzeitig versuchte sie anderen Menschen ihren Autismus zu erklären. Denn, so Zimmermann in „Anders nicht falsch“: „Wer eine Autistische Person kennt, kennt nur eine Autistiche Person.“
Und so begann sie ein Buch zu schreiben, das vor allem ihren Autismus, ihre Sicht und Wahrnahme der Welt erklärt. Selbstverständlich skizziert sie dabei auch, wo sie sich von anderen Menschen im Autistichen Spektrum unterscheidet und wo nicht.
Ihr inzwischen schon in der dritten Auflage erschienenes Buch „Anders nicht falsch“ ist kein trockenes Sachbuch oder eine textlastige Biographie, sondern ein kurzes, knackiges Buch mit kurzen Texten, einfachen Sätzen und aussagekräftigen Zeichnungen.
Maria Zimmermann wurde 1991 in Zürich geboren. Sie studierte an der Zürcher Hochschule der Künste und schloss es mit der Diplomarbeit „299 Kleider“ ab. Seit 2018 arbeitet sie als Textilkünstlerin.
Ein Wissenschaftler mit Gewissenkonflikten bittet Lisbeth Salander, die Super-Hackerin mit edler Gesinnung und Problemen im zwischenmenschlichen Umgang, die von ihm geschriene Software Firefall zu stehlen. Mit ihr können alle Nuklearwaffen gesteuert werden.
Weil noch etliche Menschen mit weniger edler Gesinnung das Programm haben wollen, ist für reichlich Action gesorgt.
Da hat Lisbeths Journalisten-Freund Mikael Blomkvist kaum Zeit zum Kaffee trinken.
Verfilmung von David Lagercrantz‘ Fortsetzung der Romane von Stieg Larsson. Die Romanstory wurde zugunsten des Thrillerplots verbessert. Der Rest ist Nordic-Noir as usual. Und man muss die Romane von Larsson und die vielen Verfilmungen nicht kennen. .
The Nice Guys – Nett war gestern! (The Nice Guys, USA 2016)
Regie: Shane Black
Drehbuch: Shane Black, Anthony Bagarozzi
Buch zum Film: Charles Ardai: The Nice Guys, 2016
Los Angeles in den Siebzigern: Nach einem etwas ruppigen Start arbeiten Privatdetektiv Holland March (Ryan Gosling) und Schläger Jackson Healy (Russell Crowe) zusammen. Sie wollen herausfinden, was der Tod eines Pornostars mit einer vermissten jungen Frau und einem labyrinthischen politischen Ränkespielen zu tun haben.
Wundervoll-kurzweiliger Mix aus Buddymovie und Privatdetektivkrimi und eine witzige Liebeserklärung an das Genre. Kultig.
mit Russell Crowe, Ryan Gosling, Angourie Rice, Matt Bomer, Margaret Qualley, Keith David, Yaya DaCosta, Beau Knapp, Kim Basinger, Lois Smith, Murielle Telio, Gil Gerard
In „Street Cop“ erzählt Avantgarde-Autor Robert Coover die Geschichte eines etwas einfältigen Polizisten, der lieber in der Vergangenheit als in der Gegenwart leben möchte. Weil er Computer nicht versteht. Weil er in einem dystopischen New York lebt, das sich ständig verändert. Nicht auf die harmlose Art, die uns allen vertraut ist, sondern „einmal um den Block herum und der Block war ein anderer“. „Sein letzter Partner verschwand, zusammen mit einem Gebäude, das er eben erst betreten hatte und das, genau wie sein Partner, auch nie wieder gesehen wurde.“
Jetzt soll er einen Mord aufklären. Wenn er am Tatort ist, bevor der Tatort und die Leiche verschwunden sind.
Coover entwirft eine Noir-Cyberpunk-Welt, in der der Street Cop besinnungslos durch eine Welt ohne Gewissheiten, voller Überraschungen und Absurditäten taumelt.
„Street Cop“ ist eine etwas längere, sehr witzige und anspielungsreiche Kurzgeschichte, die gerade wegen ihrer Kürze gefällt. Art Spiegelman („Maus“) illustrierte die Geschichte.
Das Buch enthält auch ein informatives Gespräch zwischen Robert Coover und Art Spiegelman über „Street Cop“.
James Bond 007: GoldenEye (GoldenEye, Großbritannien 1995)
Regie: Martin Campbell
Drehbuch: Michael France, Jeffrey Caine
LV: Charakter von Ian Fleming
Buch zum Film: John Gardner: GoldenEye, 1995 (GoldenEye)
General Ourumov (Gottfried John) und Xenia (Famke Janssen), die zur Geheimorganisation „Janus“ gehören, haben sich den Zugang zu Weltraumsatelliten verschafft und damit können sie alles kontrollieren. James Bond soll das Schlimmste verhindern und bei seiner Hatz nach den Verbrechern trifft er auch auf einen alten Bekannten.
Erster Auftritt von Pierce Brosnan als Agent mit der Lizenz zum Töten. Für Bond-Fans eine etwas lang geratene, aber unterhaltsame Tour durch die bisherigen Bond-Filme. Finanziell war der Actionfilm unglaublich erfolgreich, – obwohl Brosnan der (wir reden Prä-Daniel-Craig!) in diesem Film der stilloseste Bond aller Zeiten war: unrasiert (!!) und schwitzend (!!!). DAS wäre den anderen niemals passiert.
Thriller-Autor John Gardner (u. a. schrieb er einen Gegententwurf zu Bond: die Boysie-Oakes-Serie über einen sehr unheldischen Geheimagenten) schrieb ab 1981 auf Wunsch der Fleming-Erben die Abenteuer von James Bond fort und hier das Buch zum Film.
Anschließend, um 23.00 Uhr, zeigt Pro7 die neue Doku „Die James Bond Story“ (Deutschland 2023) und um 00.15 Uhr hat Timothy Dalton die „Lizenz zum Töten“.
mit Pierce Brosnan, Sean Bean, Izabella Scorupco, Famke Janssen (die Bond in die Zange nimmt), Judi Dench (als M nennt sie 007 ein „Relikt aus dem Kalten Krieg“), Gottfried John, Joe Don Baker (mal wieder dabei, inzwischen auf der Seite der Guten), Robbie Coltrane, Samantha Bond, Desmond Llewelyn, Tcheky Karyo, Michael Kitchen
Das war keine schnelle Geburt. 2011 begann Reinhard Kungel mit den Dreharbeiten für seinen Dokumentarfilm über die Geschichte des Jazz in Deutschland. Wolfram Knauer, der überaus sympathische und kundige Leiter des Jazzinstitut Darmstadt, hatte ihm gesagt, dass es bislang keinen Film darüber gebe. Kungel ahnte damals nicht, wie lang und beschwerlich der Weg würde. Jetzt, nach zwölf Jahren, startet seine Doku „Jazzfieber“ in den Kinos.
Die ersten Aufnahmen für die Doku entstanden bei einem Konzert der SWR Big Band mit Paul Kuhn (1928 – 2013), Max Greger (1926 – 2015) und Hugo Strasser (1922 – 2016). Damals entstanden auch Backstage-Aufnahmen und einige der damals entstandenen Interviews dürften auch ihren Weg in den Film gefunden haben. Dieses Konzert und die Interviews mit den bei Älteren bekannten und beliebten Tanz- und Unterhaltungsmusikern Paul Kuhn, Max Greger und Hugo Strasser, die aus ihrem Leben erzählen, bilden eine Klammer zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart.
Die Gegenwart wird unter anderem von Jakob Bänsch, Alma Naidu, Caris Hermes, Mareike Wiening und Niklas Roever verkörpert. Im Tourbus sitzend sehen die fünf jungen Jazzmusiker sich auf einem Tablet das Konzert, die Interviews und aus den Fernseharchiven ausgegrabene TV-Mitschnitte aus den fünfziger und sechziger Jahren an und kommentieren diesen ihnen unbekannten Teil der Jazzgeschichte.
Die historischen Aufnahmen und Ausschnitte aus den Interviews ordnet Kungel dann chronologisch an. Es beginnt in den zwanziger Jahren, als der Jazz auch in Deutschland eine populäre Tanzmusik war. Während der Nazi-Zeit war er verboten. Das Schild „Swing tanzen verboten“ erlangte traurige Berühmtheit. Trotzdem wurde Swing getanzt und im deutschen Radio lief auch Jazz. Jedenfalls in dem Programm, das im Ausland gehört werden konnte. Nach dem Zweiten Weltkrieg ging es weiter. Kuhn, Strasser und Greger wurden mit ihren Ensembles weithin bekannte Musiker, die das weite Feld zwischen Jazz, Tanz- und Unterhaltungsmusik beackerten. Ihre Fernsehauftritte steigerten ihre Popularität.
In den Interviews erzählen sie und ihre gleichaltrigen, ebenfalls verstorbenen Kollegen, wie Coco Schumann (ausführlicher, aber immer noch viel zu kurz), Peter Thomas und Rolf Kühn, aus ihrem Leben während des Kriegs und der Nachkriegsjahre.
Kungel erzählt das alles in neunzig Minuten formal konventionell, sehr dicht, informativ und, aufgrund seiner Interviewpartner, ihren unterschiedlichen Ansichten und Erfahrungen, facettenreich. Dabei sind die Statements der alten Jazzmusiker, die historischen Aufnahmen und der damit verbundene Rückblick auf die Zeit zwischen den Zwanzigern und Fünfzigern interessanter als die Statements der jungen Jazzmusiker. Sie müssen auch mehr über die Musik der Nachkriegsjazzer und Tanzmusiker als über ihre eigene Musik reden.
Wenn Kungel am Ende kurz auf den Freejazz, noch kürzer auf die Entwicklungen im deutschen Jazz ab den sechziger Jahren und den Jazz in der DDR eingeht, kommen wir zum schlechtesten Teil des Dokumentarfilms. Während er sich vorher Zeit ließ und mit historischen Aufnahmen und aktuellen Interviews in die Tiefe ging, fehlt genau das jetzt. Der Freejazz wird, wie schon vor sechzig Jahren, auf atonalen Krach reduziert. Alles was danach kam, findet überhaupt nicht mehr statt.
In einem zweiten und dritten Film – der DDR-Jazz sollte unbedingt, auch wegen der Geschichte seiner Förderung durch den Staat, einen eigenen Film bekommen – kann und sollte das korrigiert werden.
Bis dahin gibt es eine sehenswerte Doku über den (bundes)deutschen Jazz von den zwanziger bis in die sechziger Jahre, als Freejazz und Jazzrock ein neues Publikum eroberten.
Jazzfieber (Deutschland 2023)
Regie: Reinhard Kungel
Drehbuch: Reinhard Kungel
mit Peter Baumeister, Hugo Strasser, Max Greger, Klaus Doldinger, Rolf Kühn, Coco Schumann, Peter Thomas, Paul Kuhn, Karlheinz Drechsel, Tizian Jost, Niklas Roever, Hannah Weiss, Caris Hermes, Jakob Bänsch, Alma Naidu, Mareike Wiening
Warren Zevon (24. Januar 1947 – 7. September 2003) war ein unter Musikern und Autoren geschätzter Songwriter, dem nie der große Durchbruch gelang. Seine Texte sind oft schwarzhumorig. Auf seinem letzten Album „The Wind“ setzte er sich, nachdem die Ärzte bei ihm Lungenkrebs diagnostizierten und ihm nur noch wenige Monate gaben, mit seinem baldigen Tod auseinander. Bei den Aufnahmen begleiteten ihn einige seiner Freunde und Fans, u. a. Ry Cooder, Jackson Browne, T. Bone Burnett, Bruce Springsteen, Don Henley, Timothy B. Schmit (Eagles), Tom Petty, Joe Walsh, David Lindley, Billy Bob Thornton, Dwight Yoakam, Emmylou Harris und Jim Keltner. Die überaus lebensbejahend klingende CD endet mit seinem Liebeslied „Keep me in your heart“.
Sein bekanntester Song ist „Werewolves of London“.
In den Sommerferien langweilt sich der 14-jährige Maik in Berlin-Marzahn allein im elterlichen Haus. Da schlägt ihm sein neuer Klassenkamerad Tschick, ein russischer Spätaussiedler, vor, gemeinsam im geklauten Lada in die Walachai zu fahren. Doch zuerst geht die reichlich planlose Fahrt durch die benachbarten Bundesländer.
mit Tristan Göbel, Anan Batbileg, Mercedes Müller, Anja Schneider, Uwe Bohm, Udo Samel, Claudia Geisler-Bading, Alexander Scheer, Marc Hosemann, Friederike Kempter
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Die Vorlage
zum Filmstart erschien der Roman mit einem neuen Cover und einem Anhang zum Film. Auf 18 Seiten gibt es Bilder, Statements von Fatih Akin und Michael Töteberg schreibt über Wolfgang Herrndorf im Kino.
Wolfgang Herrndorf: Tschick
rororo, 2016
272 Seiten
9,99 Euro
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Das Drehbuch
selten, sehr selten wird auch das Drehbuch veröffentlicht. In diesem Fall sogar mit einem kurzen, aber informativen Interview mit Fatih Akin
Lars Hubrich: Tschick – Das Drehbuch
Rowohlt E-Book
60 Seiten(Verlagsangabe, mein E-Book-Reader sagt 112 Seiten und den Rest regelt das individuelle Größenbedürfnis)
Im Film ist seit den Ereignissen von „Enkel für Anfänger“ ein Jahr vergangen. In der Realität lief der Film bereits vor drei Jahren im Kino. Damals verbrachten die rüstigen Rentner Karin (Maren Kroymann), Gerhard (Heiner Lauterbach), Philippa (Barbara Sukowa) und Karins Mann Harald (Günther Maria Halmer) ihre Zeit, mehr oder weniger freiwillig, als Leihoma und -opa für fremde Kinder. Das unterhielt im Kino durchaus kurzweilig in seiner humorvollen Mischung aus vorhersehbarer Geschichte, oberflächlicher Behandlung wichtiger Themen und Feelgood-Humor.
Die große Entdeckung im Ensemble war Barbara Sukowa. Bislang war sie für ihre ernsten Rollen in Fassbinder-Filmen und als Rosa Luxemburg und Hannah Arendt bekannt. Hier spielt sie eine freigeistige, in einer Kommune in einem Bauwagen lebende Hippie-Oma, die für jeden Unfug zu haben ist und die Verantwortung ausschließlich als Ignorieren von Regeln versteht. Sie war kindischer als die Kinder.
Inzwischen lebt sie bei ihrer Tochter Annika (Marie Burchard). Annika betreibt in Essen einen Schülerladen, dessen Existenz bedroht ist. Aufgrund ihrer Schwangerschaft verdonnert ihr Arzt sie zu absoluter Bettruhe. Aufregung soll sie auch vermeiden. Einen Ersatz-Chef für ihren Schülerladen findet sie nicht. Da bietet Philippa ihr an, dass sie den Laden für einige Tage führen wird.
Kurz darauf sind Philippa, Karin, die einige Tage früher als geplant aus ihrem Neuseeland-Sabbatical zurückkam und ihren Mann mit ihrer Nachbarin in einem etwas zu vertrautem Umgang erwischte, und der schwule, pedantische Internist Gerhard, der gerade einen Kleinkrieg mit seinem Zeitungszusteller über die Pünktlichkeit der Zustellung austrägt, im Schülerladen verantwortlich für die Aufsicht und Förderung der Jugendlichen, die ihre Nachmittage in dem Schülerladen verbringen müssen, weil sie sonst nirgends hinkönnen.
Dieses Zusammentreffen der Generationen, Lebensansichten und Mentalitäten sorgt natürlich für einige witzige Szenen. Auch der Kleinkrieg zwischen Gerhard und dem Zeitungszusteller Aydin (Ercan Durmaz), dessen Nichte ebenfalls im Schülerladen ist und der ebenfalls schwul ist, amüsiert.
Amüsant ist auch, immerhin will ich nicht einfach meine Besprechung von „Enkel für Anfänger“ kopieren, die perfekte Beschreibung für „Enkel für Fortgeschrittene“. Denn anstatt die angesprochenen Probleme zu vertiefen, bewegt sich die gesamte Geschichte in den sattsam bekannten Bahnen eines harmoniesüchtigen Wohlfühl-Films für die gesamte Familie, der niemand verletzten will. Entsprechend absehbar sind die Verwicklungen und die Witze.
Aber dank des lustvoll aufspielenden Ensembles ist „Enkel für Fortgeschrittene“ eine unterhaltsame, nicht weiter aufregende Komödie, die ihr Herz auf dem rechten Fleck hat. Und, ja, wem „Enkel für Anfänger“ gefallen hat, dem wird die Fortsetzungswiederholung „Enkel für Fortgeschrittene“ gefallen.
Enkel für Fortgeschrittene(Deutschland 2023)
Regie: Wolfgang Groos
Drehbuch: Robert Löhr
mit Maren Kroymann, Heiner Lauterbach, Barbara Sukowa, Günther Maria Halmer, Ercan Durmaz, Marie Burchard, Johannes Allmayer, Bruno Grüner, Kayra Efe, Imogen Kogge
1928: ein in der Sowjetunion in Ungnade gefallener Schauspieler strandet auf seinem Weg nach Hollywood in einem Kurort an der Ostsee. Dort trifft er eine vermögende Erbin und Blutsaugerin, die mit ihm beginnt einen Vampirfilm zu drehen.
TV-Premiere. Vampire, Marxismus, Kapitalismus-Kritik, filmische Anspielungen, Anachronismen und gewollt trockene Diskurse. Eine nicht wirklich überzeugende Komödie, die nichts mit dem üblichen deutschen Komödien-Klamauk zu tun hat.
mit Alexandre Koberidze, Lilith Stangenberg, Alexander Herbst, Corinna Harfouch, Andreas Döhler, Daniel Hoesl, Mareike Beykirch, Kyung-Taek Lie, Darja Lewin Chalem
Am Freitag, den 8. September, zeigt der BR um 22.50 Uhr nach Ewigkeiten, endlich mal wieder Francis Girords von der Kritik ungeliebte Verfilmung von David Goodis‘ „The Wounded and the Slain“. „Abstieg zur Hölle“ heißt der 1986 entstandene Film. Claude Brasseur und Sophie Marceau spielen ein Ehepaar, das auf Haiti ihre kriselnde Ehe retten will. Nachdem er betrunken einen Einheimischen tötet, erwacht ihr Interesse an ihrem Mann wieder. Trotzdem setzt sich im Urlaubsparadies der titelgebende „Abstieg zur Hölle“ fort.
Drehbuch: Alfonso Cuarón, Timothy J. Sexton, David Arata, Mark Fergus, Hawk Ostby
LV: P. D. James: The Children of Men, 1992 (Im Land der leeren Häuser)
2027: Seit 18 Jahren wurde weltweit kein Kind mehr geboren. Großbritannien ist ein Polizeistaat und eigentlich geht alles vor die Hunde. Da wird der desillusionierte Weltverbesserer Theo von einer Untergrundorganisation entführt. Er soll eine junge, schwangere Frau aus London in eine irgendwo außerhalb Englands liegende sichere Zone bringen. Denn das Baby darf nicht in die Hände der Regierung fallen. Auf ihrer Reise muss Theo schnell feststellen, dass er niemand vertrauen kann.
Verfilmung des S-F-Romans von P. D. James. Für den Film spricht die Darstellerriege, die Kameraarbeit (Cuarón schneidet auch in Action-Szenen extrem selten, teilweise überhaupt nicht). Gegen den Film spricht die 08/15-Story, dass diese Negativutopie ein einziges Patchwork verschiedenster, sich letztendlich wiedersprechender Negativutopien ist und dass „Children of Men“ im Gegensatz zu den großen Negativutopien deshalb eskapistisches Kino ist.
Mit Clive Owen, Julianne Moore, Chiwetel Ejiofor, Michael Caine, Danny Huston, Charlie Hunnam