Neu im Kino/Filmkritik: Cameron Diaz und Jason Segel drehen ein „Sex Tape“ und durch einen dummen Zufall kommt es in alle Kinos

September 11, 2014

Während der ersten Minuten hoffte ich, dass „Sex Tape“ doch eine gute Komödie werden könnte. Annie (Cameron Diaz) verfasst für ihren Blog über ihr Leben als Mutter einen Beitrag, in dem sie sich fragt, warum sie keinen Sex mehr mit ihrem Mann Jay (Jason Segel) hat. Als Frischverliebte trieben sie es vor zehn Jahren überall. Auch in der Universitätsbibliothek. Dann heirateten sie, bekamen zwei Kinder und ihr Sexualleben hörte auf zu existieren. Der letzte Sex liegt schon Ewigkeiten zurück. Sie erinnert sich noch nicht einmal an ihn.
„Bad Teacher“-Regisseur Jake Kasdan illustriert Annies Gedanken mit züchtigen, aber pointierten Bildern vom heißen Sex. Das ist ein kleines Kabinettstück, das als Kurzfilm gut für sich stehen kann.
Nach dem Vorspiel erhält Annie ein Jobangebot von Piper Brothers, einer sehr auf ihr Familien-Image achtenden Spielzeugfirma. Jay bekommt ein neues iPad. Und am Abend haben die beiden eine sturmfreie Bude. Sie wollen SEX (S! E! X!) haben. Als das nicht klappt, kommen sie auf die Idee, alle Positionen von „The Joy of Sex“ (seht doch einfach mal im Bücherschrank eurer Eltern nach) nachzustellen und sich dabei aufzunehmen, mit der Kamera in Jays neuem iPad. Gesagt, getan. Drei Stunden später haben sie alle Stellungen hinter sich.
Kurz darauf stellt Jay fest, dass das Sex-Tape zuerst in die Cloud und dann auf alle seine früheren iPads, die Jay und Annie an Freunde und Bekannte verschenkten, ging.
Weil sie nicht wollen, dass ihre Freunde und Bekannte sie nackt sehen, müssen sie alle Kopien des Videos (also alle verschenkten iPads) einsammeln.
Sie beginnen bei ihren Freunden Robby und Tess, die gerade ihre zwölfte Hochzeitsnacht feiern und einen unsympathischen Sohn, der späte noch wichtig wird, haben. Robby und Tess wollen Annie und Jake helfen. Immerhin scheint das mehr Spaß zu machen als ihr ursprüngliches Programm.
Weiter geht’s zu Hank Rosenbaum, dem sehr familienorientiertem CEO von Piper Brothers, der sich auf Annies altem iPad ihre älteren Blog-Einträge durchlesen will, um zu prüfen, ob Annie glaubwürdig die züchtigen Firmenwerte repräsentieren kann.
Gut, die Idee von dem Sex-Tape, das sich wie ein Virus verbreitet und einer verzweifelten Rückholaktion mittels Geschenke-Rückholaktion, ist nicht besonders überzeugend. Sie ist ziemlich Gaga, aber eine Komödie kann auch mit einer weit hergeholten Prämisse prächtig funktionieren. Was bei „Sex Tape“ nicht der Fall ist. Den besten Witz gibt es in den ersten Minuten. Der Rest ist nur noch eine Abfolge von meist lauen Gags mit teilweise erschreckend schlechten Dialogen, die noch nicht einmal als Parodie auf Pornofilm-Dialoge überzeugen. Garniert mit – für eine US-Komödie – erstaunlich viel nackter Haut. Aber auch Cameron Diaz‘ Rücken und Po können den Film nicht retten.
Die Filmstory ist nämlich eine lieblose Abfolge von Gags, die in ihrer Struktur an drei ungefähr zwanzigminütigen, nicht miteinander zusammenhängenden Folgen einer vergessenswerten Comedy-Serie erinnern.
Das alles ist erschreckend vorhersehbar und unwitzig. Jedenfalls wenn man mehr als eine sehr banale Klamauk-Komödie, bei der die Schauspieler ihren Spaß hatten, erwartet.
Denn alle möglichen Tiefen des Stoffs werden erfolgreich vermieden, wie die US-Sexualmoral, Bigotterie, das Vorstadtleben, der dortige Gruppendruck undsoweiter.
„Sex Tape“ ist in keiner Sekunde subversiv. Ganz im Gegensatz zu John Waters‘ „Serial Mom“.

Sex Tape - Plakat

Sex Tape (Sex Tape, USA 2014)
Regie: Jake Kasdan
Drehbuch: Kate Angelo, Jason Segel, Nicholas Stoller (nach einer Geschichte von Kate Angelo)
mit Cameron Diaz, Jason Segel, Rob Corddry, Ellie Kemper, Rob Lowe, Nat Faxon
Länge: 95 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Sex Tape“
Moviepilot über „Sex Tape“
Metacritic über „Sex Tape“
Rotten Tomatoes über „Sex Tape“
Wikipedia über „Sex Tape“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 11. September: Der Frosch mit der Maske

September 11, 2014

Kabel 1, 22.10
Der Frosch mit der Maske (Deutschland/Dänemark 1959, Regie: Harald Reinl)
Drehbuch: Trygve Larsen (Pseudonym von Egon Eis), Jochen-Joachim Bartsch
LV: Edgar Wallace: The fellowship of the frog, 1925 (Der Frosch mit der Maske)
Der Frosch mit der Maske ist der Chef einer Verbrecherbande, die London in Angst und Schrecken versetzt. Inspektor Elk und Hobbydetektiv Gordon wollen ihm enttarnen.
Damit begann es: die Verfilmung eines der bekanntesten und besten Bücher von Wallace, der erste Band von Goldmanns Roten Krimis und der erste Film einer überaus erfolgreichen Filmreihe. „Der Frosch mit der Maske“ ist düsterer als die folgenden Rialto-Produktionen, aber bereits mit allen Elementen versehen, die zum Erfolg der Filme an der Kinokasse beitrugen.
Mit Siegfried Löwitz, Joachim Fuchsberger, Dieter Eppler, Carl Lange, Fritz Rasp, Eddi Arent, Ernst-Fritz Fürbringer

Hinweise

Krimi-Couch über Edgar Wallace

Kirjasto über Edgar Wallace

Englische Edgar-Wallace-Seite

Deutsche Edgar-Wallace-Seite

Noch eine deutsche Edgar-Wallace-Fanseite

Meine Besprechung der Edgar-Wallace-Verfilmung „Der Zinker“ (D 1931)

Meine Besprechung der Edgar-Wallace-Verfilmung “Der Doppelgänger” (D 1934)


DVD-Kritik: „Dario Argentos Dracula“ saugt in 2D und 3D

September 10, 2014

Der Film beginnt mit einem Flug über eine nächtliche Kleinstadt, durch die beengten, menschenleern Gassen und endet in einem Haus, in dem eine junge, wohlproportionierte Frau die Holzfenster verschließt. Es ist Walpurgisnacht, draußen wird schlimmes Geschehen und die Einwohner von Passburg bleiben lieber in ihren sicheren vier Wänden.
Das ist eine typische Argento-Kamerafahrt, bei der man den Eindruck hat, dass die normalen physikalischen Gesetze nicht gelten. Auch später gibt es noch ein, zwei Argento-Momente, aber über weite Teile spult Dario Argento einfach die bekannte Geschichte des Grafen Dracula ab, wie wir sie aus Bram Stokers Roman und den zahlreichen Verfilmungen kennen, vor allem die Stummfilme („Nosferatu“ wird sogar namentlich erwähnt) und die heute noch bekannten Horrorfilme der dreißiger bis sechziger Jahre.
Jonathan Harker kommt nach Passburg. Er soll für Graf Dracula dessen Bibliothek katalogisieren. Harker erwartet seine Frau Mina in einigen Tagen und dann kommt auch noch der Vampirjäger Van Helsing, hübsch grantig von Rutger Hauer gespielt.
Ach ja, Dracula wird von Thomas Kretschmann gespielt. Asia Argento ist auch dabei.
Die größte Änderung zur bekannten Dracula-Geschichte, in der der blutsaugende Graf von Transsylvanien nach England reist und dort einige Damen in den Hals beißt, ist, dass hier die gesamte Geschichte in Transsylvanien spielt und die Dorfoberen sich irgendwie mit dem Schlossherrn arrangiert haben, was aber keinen Einfluss auf die Geschichte hat. Es ändert auch nichts an dem allumfassenden Ich-habe-das-schon-tausendmal-gesehen-Gefühl.
Dario Argentos Film sieht von der ersten bis zur letzten Minute wie ein verspäteter Nachschlag zu den Roger-Corman-Edgar-Allan-Poe-Verfilmungen aus, der in den frühen Siebzigern gedreht wurde. Damals präsentierten die Regisseure stolz immer wieder einen nackten Busen (es gibt einige schöne Busen zu bestaunen) und die Gewalt wurde graphischer. Da bohrt sich dann schon einmal ein Pfeil durch ein Auge, ein Kopf wird abgeschlagen, fliegt und kullert fotogen durch das Bild und alles wird kräftig in blutrote Farbe getunkt.
Wenn die wenigen, schlechten CGI-Effekte nicht wären, könnte man „Dario Argentos Dracula“ für einen dieser billigen Siebziger-Jahre-Horrorfilme halten, die mit etwas nackter Haut und Gewalt die Sensationslust des Publikums befriedigten, während die Spezialeffekte nicht so toll waren, die Dialoge primär debil und die Schauspieler kopflos durch das Set stolperten, während ein Mime, dessen Karrierehöhepunkt schon vor einigen Jahrzehnten war, immerhin einen sehr überzeugenden Was-habe-ich-hier-verloren-Gesichtsausdruck hat.
Auch die Optik erinnert an die Siebziger. In den Tag-für-Nacht-Szenen ist die Nacht nie dunkler als ein bewölkter Nachmittag. Die Farben sind alle einen Tick zu grell, wie auf einem Drogentrip, bei dem das Grün der Pflanzen noch grüner ist. Es wird wenig geschnitten und die Kamera beobachtet, wie in den frühen Tagen des Tonfilms, statisch die Schauspieler.
In seinem neuesten Film kann Dario Argento nie an seine besten Werke, die vor allem in den Siebzigern entstanden, anknüpfen. Aber diese Giallos spielten auch immer in der Gegenwart und basierten nicht auf bekannten Stoffen.
„Dario Argentos Dracula“ ist kein guter Film, aber fast schon sympathisch aus der Zeit gefallen. Jedenfalls wenn man sich mal wieder einen Siebziger-Jahre-Trahs-Horrorfilm ansehen will.
Das Bonusmaterial ist erstaunlich umfangreich ausgefallen. Ein über einstündiges „Making of“, das hier „Behind the Scenes“ genannt wird, informiert über den Film. In den ersten 45 Minuten werden die Menschen hinter der Kamera (vor allem Kamera, Special-Effects, Ausstattung und Kostüme) befragt, garniert mit einigen Bildern von den Dreharbeiten. Bei dem Making-of gibt es kein Interview mit Dario Argento. Dafür gibt es eine 35-minütige Dokumentation seines Auftritts beim Slash Filmfestival am 1. Mai 2014 in Wien.
P. S.: Ich habe den Film in 2D gesehen. Das hat sicher zum heimeligen Retro-Gefühl beigetragen.
Denn Argento drehte den Film auch in 3D.

Dario Argentos Dracula - DVD-Cover

Dario Argentos Dracula (Dracula 3D, Italien 2012)
Regie: Dario Argento
Drehbuch: Dario Argento, Antonio Tentori, Stefano Piani, Enrique Cerezo
LV: Bram Stoker: Dracula, 1897 (Dracula)
mit Thomas Kretschmann, Rutger Hauer, Marta Gastini, Asia Argento, Unax Ugalde, Miriam Giovanelli, Maria Cristina Heller, Giovanni Franzoni

DVD
Koch Media
Bild: 2,40:1 (16:9)
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: Making of (genannt „Behind the Scenes“), Dario Argento beim Slash Filmfestival, Musikvideo (Simonetti Project: Kiss me Dracula), Kinotrailer (deutsch, englisch, italienisch), Fünf Teaser
Länge: 105 Minuten
FSK: ab 18 Jahre

Hinweise

Metacritic über „Dario Argentos Dracula“

Rotten Tomatoes über „Dario Argentos Dracula“

Wikipedia über „Dario Argentos Dracula“

Meine Besprechung von Michael Fintrop/Marcus Stigleggers (Hrsg.) „Dario Argento – Anatomie der Angst“

Lesetipp

Das wirklich umfassende, teilweise etwas zu akademisch geschriebene Buch „Dario Argento – Anatomie des Angst“ (2013), herausgegeben von Michael Flintrop und Marcus Stiglegger, mit Texten von Ivo Ritzer, Dominik Graf, Oliver Nöding und Thomas Groh und einem Vorwort von Jörg Buttgereit.

Flintrop-Stiglegger HRSG - Dario Argento - 2

Michael Flintrop/Marcus Stiglegger (Hrsg.): Dario Argento – Anatomie der Angst

Bertz + Fischer, 2013 (Deep Focus 16)

304 Seiten

25 Euro


TV-Tipp für den 10. September: Der Saustall

September 9, 2014

HR, 23.15

Der Saustall (Frankreich 1981, Regie: Bertrand Tavernier)

Drehbuch: Jean Aurenche, Bertrand Tavernier

LV: Jim Thompson: Pop. 1280, 1964 (Zwölfhundertachtzig schwarze Seelen, 1280 schwarze Seelen)

Wirklich gelungene Verfilmung eines der besten Thompson-Bücher: ein Haufen Menschen geht ihren niederen Trieben (Sex, Ehebruch, Mord) nach und fühlt sich dabei von moralischen Gesetzen nicht gebunden.

Tavernier verlegte die Handlung von einem Südstaaten-Kaff nach Französisch-Westafrika, blieb aber der Seele des Buches treu.

Mit Philippe Noiret, Isabelle Huppert, Stéphane Audran, Guy Marchand

Hinweise

Kriminalakte über „The Killer inside me“

Mordlust über Jim Thompson

Crimetime über Jim Thompson

Wikipedia über Jim Thompson (Englisch)

Kirjasto über Jim Thompson

Popsubculture über Jim Thompson

Meine Besprechung von Jim Thomspsons “Jetzt und auf Erden” (Now and on Earth, 1942)

Meine Besprechung von Michael Winterbottoms Jim-Thompson-Verfilmung “The Killer inside me” (The Killer inside me, USA 2010)

Kriminalakte über Jim Thompson

Meine Besprechung von Bertrand Taverniers Georges-Simenon-Verfilmung “Der Uhrmacher von St. Paul” (L’horloger de Saint-Paul, Frankreich 1974)

Meine Besprechung von Bertrand Tavernier James-Lee-Burke-Verfilmung „In the electric mist“ (In the electric mist, USA 2009)

Meine Besprechung von Bertrand Taverniers „Die Prinzessin von Montpensier“ (La Princesse de Montpensier, Frankreich 2010)


„Das Ende der Sicherheit“ ist das Ende des rationalen Diskurses

September 9, 2014

Solms-Laubach - Das Ende der Sicherheit - 2

„Das Ende der Sicherheit – Warum die Polizei uns nicht mehr schützen kann“ von Franz Solms-Laubach ist ein absolut ärgerliches Buch und, das mag jetzt etwas hart klingen, aber ich werde es noch begründen, ein Fall für die Mülltonne. Es ist einfach die „Bild“-Zeitung zwischen zwei Buchdeckeln. Der Autor ist „Bild“-Journalist, die Hauptquellen sind, neben der Polizeilichen Kriminalstatistik, vor allem das Artikelarchiv von „Bild“ und, deutlich weniger, „B. Z.“ und „Berliner Morgenpost“ (das Werk ist eh arg Berlin-lastig) und Rainer Wendt (Vorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft – DPolG), Oliver Malchow (Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei – GdP) und André Schulz (Vorsitzender des Bund deutscher Kriminalbeamter – BdK).
Oh, und Politiker, die zu einer der beiden C-Parteien gehören. Meist der CSU. Es kann auch sein, dass einmal ein SPDler etwas zitierfähiges sagte. Aber das lag dann auf CSU-Linie oder diente als schlechtes Beispiel.
Entsprechend einseitig ist „Das Ende der Sicherheit – Warum die Polizei uns nicht mehr beschützen kann“. Denn Solms-Laubauch sieht überall Bedrohungen für die Sicherheit, wie die steigende Kriminalität von Jugendlichen, von Alten, von Terroristen, Extremisten und, selbstverständlich, Ausländern und aus dem Internet. Und er hat darauf eine Antwort: mehr Polizei. Damit ist auch das „Warum die Polizei uns nicht mehr beschützen kann“ beantwortet: Personaleinsparungen.
Nun, es stimmt, dass bei der Polizei gespart wird. Wie auch in Kindergärten, Schulen, Universitäten, Bibliotheken, Theatern und im Sozialen.
Es stimmt auch – obwohl Solms-Laubach das nicht erwähnt -, dass die Ausstattung der Polizei nicht optimal ist. Ich meine jetzt nicht irgendwelchen Hightech-Kram, Body-Scanner und Taser (vulgo Elektroschockpistolen für jeden), sondern Dinge wie Funk, Pistolen (yeah, nicht jede Dienstwaffe ist das neueste Modell), Fahrzeuge (einige Autos haben schon einige Jahre auf dem Buckel), Computer in den Diensträumen (für Schreibarbeiten) und, ganz wichtig, Fortbildungen und Trainings. Denn die beste Waffe nützt nichts, wenn der Beamte sie nicht bedienen kann.
Aber mit der Aus- und Fortbildung der Polizisten beschäftigt Solms-Laubach sich überhaupt nicht.
Außerdem ist die von Solms-Laubach gegebene Antwort „mehr Polizisten, mehr Sicherheit“ Unfug. Denn nur mit „mehr Polizei“ wird es – außer man will einen Polizeistaat mit Uniformträgern an jeder Ecke – niemals für eine sichere Gesellschaft, die auch eine lebenswerte Gesellschaft sein, reichen.
Wenn wir, auch wenn es schwer fällt, die ideologische Komponente von Solms-Laubachs Antwort ignorieren, fällt durch das gesamte Buch auf, wie selektiv Solms-Laubauch Daten benutzt und wie oft er Dinge weglässt. Dafür finden sich auf jeder Seite Beispiele. Ganz links liegen lässt er alle Erklärungen für Verbrechen und die verschiedenen Lösungsansätze, wie die alte, immer noch zutreffende Erkenntnis, dass eine gute Sozialpolitik die beste Verbrechensprävention ist. Dazu gehört auch ein gutes Schulsystem. Denn Bildung verhindert Verbrechen. Jedenfalls die von Solms-Laubach als so bedrohlich hingestellte Kriminalität. Über Wirtschaftskriminalität, die Weiße-Kragen-Kriminalität, die auch laut der Polizeilichen Kriminalstatistik (die hier einen sehr konservativen Ansatz bei der Schadensberechnung verfolgt) enorme Kosten verursacht, sagt er nichts. Denn bei ihm ist ein Wohnungseinbruch schlimmer als ein kompletter Vermögungsverlust durch eine betrügerische Geldanlage.
Werfen wir also, weil auf jeder Seite Mumpitz steht, ohne einen Anspruch auf Vollständigkeit, einen Blick auf die von Solms-Laubach angeführten Beispiele und Behauptungen. Denn: „Nur wer die Fakten kennt, ist auch in der Lage, die vorhandenen Lösungsvorschläge einzuordnen.“ (Solms-Laubach, Seite 11)

 

Die Prämisse ist falsch

 

Solms-Laubach behauptet, dass das Verbrechen zunimmt und vertieft sich dafür in die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS). In ihr listet die Polizei auf, welche Fälle sie im vergangenen Kalenderjahr bearbeitete. Es ist also ein Arbeitsnachweis, der aus Anzeigen von Betroffenen und eigenen Ermittlungen (vor allem im Bereich Drogendelikte, die durch Razzien aufgeplustert werden) besteht. Es gibt auch die Verstöße gegen das Ausländerrecht, was oft ein Verstoß gegen die Residenzpflicht (also das Verlassen eines Landkreises) ist, und die ein reines Kontrolldelikt ist. Es gibt auch ein Dunkelfeld (über das wegen der in Deutschland fehlenden Dunkelfeldforschung wenig bekannt ist), veränderte Gesetze und Erfassungskriterien. So ist „Häusliche Gewalt“ ein eher neues Delikt. Bis vor einigen Jahren war zum Beispiel die Vergewaltigung in der Ehe nicht strafbar. Homosexualität dagegen schon. Es gibt auch ein verändertes Anzeigenverhalten. So wurde früher eine Vergewaltigung oder eine Dorfschlägerei nicht angezeigt. Und manchmal gibt es auch veränderte Anweisungen von den Arbeitgebern. Dann muss jede Schulhofklopperei angezeigt werden und – Überraschung! – bestimmte Fallzahlen gehen nach oben. Das muss man wissen, wenn man sich die PKS ansieht. Das wird auch in der PKS erklärt und dass die PKS bestimmte Einschränkungen hat, hätte Solms-Laubach erwähnen müssen. Dann ist sie immer noch, wie jede Statistik, ein sinnvolles Arbeitsmittel. Vor allem wenn man sich eine Zeitreihe, also die Entwicklung über viele Jahre, ansieht. Die PKS ist, wenn sie mit anderen Statistiken verknüpft wird, auch zur Kriminalitätsbekämpfung ein viel sinnvolleres Instrument als das von Solms-Laubach so oft beschworene „subjektive Sicherheitsgefühl“, nach dem sich nach seiner Meinung die Kriminalitätspolitik ausrichten sollte. Denn dieses Gefühl basiert vor allem auf sensationsheischenden Boulevard-Berichten.
„Bild“-Journalist Solms-Laubach veranstaltet im ersten Kapitel „Wo stehen wir gerade?“ (Seite 15 – 92) PKS-Zahlenvoodoo, indem er über Seiten einige Delikte ausbreitet, sich auf die letzten beiden Jahre konzentriert und versucht, aus den minimalen Veränderungen irgendetwas zu schließen. Wobei er immer schließt, dass das Verbrechen zunimmt. Denn er behauptett: „die Kriminalität wird zunehmen“.
Nach der PKS ist das Quatsch. Denn laut der PKS gab es
1993: 6.750.613 Fälle
1999: 6.302.316 Fälle.
2013: 5.961.662 Fälle beziehungsweise „Straftaten insgesamt“.
Und diese Entwicklung liegt insgesamt im Trend von einer abnehmenden Kriminalität. Es gab um 2004 eine erhöhte Zahl, aber seitdem sinkt die Zahl, mit geringen, statistisch nicht signifikanten Schwankungen, wobei die Gesamtzahl nichts über Verschiebungen zwischen verschiedenen Delikten und regionalen Besonderheiten aussagt.
Besonders intensiv kümmert sich Solms-Laubach um Einbrüche, Überfälle und die Jugendkriminalität. Halt die Kriminalität, die das subjektive Sicherheitsgefühl des Normalbürgers gefährdet. Das Sicherheitsgefühl und die realen Bedrohungen von Homosexuellen, Obdachlosen, Ausländern, Asylbewerbern und Frauen sind ihm dagegen egal. Denn Taten gegen diese Gruppen erwähnt Solms-Laubach nicht. Damit fällt auch das gesamte Feld des „Hate-Crime“ weg.
Doch kommen wir zurück zu den von Solms-Laubach erwähnten Delikten und Personengruppen. Auch hier ergibt sich im langfristigen Trend, wie den „Straftaten insgesamt“ ein ähnliches Bild. Die Zahl der jugendlichen Straftäter sinkt kontinuierlich.
Bei den Kindern (bis 14 Jahre) von 150.626 (1999) auf 69.275 Tatverdächtige (2013). Nichtdeutsche waren 1999 27.275 und 2013 12.786.
Bei den Jugendlichen von 296.781 (1999) auf 190.205 (2013).
Bei den Heranwachsenden (18 bis unter 21 Jahre) von 240.109 (1999) auf 188.670 (2013).
Für diese Entwicklung, genauso wie das Ansteigen der tatverdächtigen Erwachsenen ab 60 Jahe, gibt es eine ganz einfache Erklärung. Es gibt weniger Kinder und es gibt mehr Alte.
Wie Solms-Laubach aus diesen Zahlen schließen kann „Das Verbrechen wird immer jünger“ (Solms-Laubach, Seite 175) folgern kann, erschließt sich mir nicht.
Es wird auch immer schlimmer: „In der Bundeshauptstadt Berlin kommt es bei rund 3,5 Millionen Einwohnern im Schnitt jeden Tag zu 120 Körperverletzungsdelikten. Wenn nicht bald mehr Polizisten eingestellt werden, wird diese Zahl steigen.“ (Solms-Laubach, Seite 95)
120 Körperverletzung pro Tag; eine ganze Menge, die allerdings nichts darüber aussagt, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass ich Opfer einer solchen Straftat werde. Immerhin kommen zu den Einwohnern auch noch die Pendler, Besucher und Touristen. Jedenfalls wären 120 tägliche Körperverletzungen im Jahr (bei 365 Tagen) 43.800 Delikte. In der aktuellen Berliner-PKS (bzw. im ebenfalls lesenswertem Kriminalitätsatlas) werden für 2013 insgesamt 41.795 Körperverletzungen genannt, was 2.000 Körperverletzungen weniger sind als Solms-Laubach behauptet. 2012 war die Zahl etwas höher und 2004 lag sie bei 45.052 Fällen. Da stellt sich doch die Frage, wie Solms-Laubach zu seiner Behauptung kommt, dass die Zahl steigen wird. Wenn eine Tendenz absehbar ist, dann ist sie entweder stagnierend oder leicht sinkend, während die Einwohner- und Besucherzahl steigt. Und dass mehr Polizisten in der sehr großflächigen Hauptstadt etwas dagegen tun können, darf in seiner Pauschalität bezweifelt werden. Aber glücklicherweise für die Polizei werden die meisten Körperverletzungen in den Innenstadtbezirken angezeigt. Den Ausgeh- und Touristenbezirken.
Ach ja: seit zehn Jahren ist die Fallzahl in Berlin ziemlich unverändert bei 500.000 Fällen. Die Fallzahlen bei „Raub insgesamt“ nahmen in den vergangenen Jahrzehnten ab.
Ebenso die Gewaltkriminalität von 21.501 (2004) auf 17.276 (2013); die niedrigste Fallzahl seit zehn Jahren (PKS Berlin 2013, Seite 97).
Aber es könnte ja sein, dass die Taten zwar abnehmen, die Täter aber immer brutaler werden. Ein entsprechend schockierender Einzelfall fällt sicher jedem ein. Solms-Laubach erwähnt öfter den Tod von Jonny K.. Und die Raubüberfälle auf der Straße könnten zunehmen. Solms-Laubach bezieht sich auf Seite 45 da auf „Sonstige Raubüberfälle auf Straßen, Wegen und Plätzen“ (Schlüssel 217000 – es gibt auch Überfälle auf Taxifahrer, Geldboten, bestimmte Gebäude, Handtaschenraub undsoweiter).
Die waren 1993 bundesweit 25.865. Der Höhepunkt war 1997 mit 32.822 Fällen. Seitdem sank die Fallzahl. Seit sechs Jahren bewegt sie sich um die 20.000 Fälle.
Interessant ist hier auch ein Blick auf „gefährliche und schwere Körperverletzung auf
Straßen, Wegen oder Plätzen“ (Schlüssel 222100). Die hatte von 1993 an bis 2008 einen starken Anstieg von 30.501 auf 72.904 Fälle. Seitdem sinkt sie kontinuierlich auf 57.875 Fälle 2013.
Die Verwendung von Schusswaffen sank, nach der aktuellen PKS, von 19.292 (1999) auf 10.093 Fälle (2013). Geschossen wurde auch seltener. Von 6.844 (1999) auf 5.153 Fälle (2013).
In der PKS wird das Tatmittel „Messer“ nicht erfasst. In der Berliner PKS wird es dennoch seit 2008 bei bestimmten Delikten erfasst. Bei Raub sind sie steigend von 799 (2008) auf 962 Fälle (2013), was ungefähr der Zahl der vorherigen drei Jahre entspricht. Bei „Gefährliche und schwere Körperverletzung“ sank sie von 822 Fälle (2008) auf 608 (2013) Fälle.
Der Schusswaffengebrauch der Polizei nahm allerdings zu.

 

Die Polizei bei der Arbeit – über jede Kritik erhaben

 

Das ist jetzt ein guter Zeitpunkt, um einen Blick auf das zweite Kapitel „Die Polizeiarbeit aus der Innensicht“ (Seite 93 – 161) zu werfen, in dem er die Arbeitsbelastung, die Sparmaßnahmen und die Überalterung der Polizei schildert und dabei konsequent die Sicht der Polizeigewerkschaften übernimmt.
Deshalb fragt er auch niemals, ob die Gefahrenanalysen der Polizei vor Großereignissen, wozu auch die vielen Fußballspiele, Demonstrationen (von denen fast alle friedlich verlaufen) und Veranstaltungen stimmig sind. So schildert Solms-Laubach genau, wie viele Polizisten während des Eurovision Song-Contest im Einsatz waren und wie viele Polizisten gleichzeitig bei anderen Veranstaltungen, vor allem Fußballspielen waren. Une er fordert – Überraschung! -: mehr Polizei.
In Punkto Auslassungen sind hier vor allem die Kapitel „Wie stark die Gewalt gegen Polizisten zunimmt“, „Die Polizei als Zielscheibe von rechtsextremer Gewalt“ und „Die Kritik an der Polizei wächst“ wiederum sehr interessant, wenn auch nicht überraschend. Denn Gewalt von Polizisten gegen Bürger, andere Opfer von rechtsextremer Gewalt und berechtigte Kritik an der Polizei gibt es bei Solms-Laubach nicht.
Es gibt aber zunehmend Widerstand gegen Staatsbeamte und zunehmend Gewalt gegen Polizisten. So nennt Solms-Laubach als Beleg für diese Behauptung Zahlen der Innenverwaltung des Landes Berlin von 2011. Natürlich ohne auf die Jahre davor oder danach einzugehen. Dass die Zahlen in der PKS niedriger sind und eine andere Tendenz (nämlich abnehmend!) festgestellt wird (Polizei Berlin, PKS 2013, Seite 82/83 und Seite 135/136) dürfte inzwischen wenig überraschen. Es gibt sogar eine ‚Erklärung‘: „Wozu die Übergriffe noch anzeigen, wenn die Täter kaum oder wenn, dann nur gering bestraft werden? Das fragen sich viele Polizisten nicht zu Unrecht.“ (Solms-Laubach, Seite 142).
Nach Solms-Laubach sollten mehr Menschen, die die Anweisungen von Polizisten nicht befolgen oder sie angreifen, bestraft werden. Möglichst lange. Länger als wenn sie einen Mitbürger angreifen würden. Diese populistische Forderung klingt gut, dürfte aber in der Realität kaum einen Angreifer abhalten. Denn laut der Berliner PKS war über die Hälfte der Menschen, die „Widerstand gegen die Staatsgewalt“ leisteten, alkoholisiert.
Dass kaum ein Polizist verurteilt wird, wenn er von einem Bürger angezeigt wird, verschweig Solms-Laubach, der solche Fälle, wenn ich seine Ausführungen im Kapitel „Die Kritik an der Polizei wächst“ richtig verstehe, wohl allesamt für unbegründet hält.
Zum Beispiel an dem Polizeikessel in Frankfurt am Main im Juni 2013. Dabei sollte inzwischen jeder Polizist wissen, dass ein Kessel illegal ist. Und wenn dann noch die normale Demonstrationsausrüstung, wie Regenschirme, Sonnenbrillen, Stöcke für Transparente und Werkzeug, zur Bewaffnung erklärt wird, ist klar, wie ungerechtfertigt der Grundrechtseingriff war. Aber dafür wurden 954 Menschen gut zehn Stunden festgehalten. Derzeit wird der Kessel noch vor Gericht verhandelt. Ebenso dreißig Klagen wegen Platzverweisen und dem Einsatz von Pfefferspray.
Dass es für Solms-Laubach Gewalt von Polizisten und Racial Profiling nicht gibt, verwundert da nicht mehr. Das eine sind Einzelfälle, das andere ist polizeiliches Erfahrungswissen, das über jede Kritik erhaben ist und nicht kontrolliert werden muss, auch wenn einem jetzt sofort Dutzende von Fällen einfallen. Deshalb lehnt Solms-Laubach auch eine Beschwerdestelle, die sich unter anderem um solche Fälle kümmern soll, ab.

Was tun? Zum Beispiel Vorratsdatenspeicherung

 

Bei den Vorschlägen wird es kurz interessant. Nicht, weil die Vorschläge neu sind. Sie stehen schon seit Jahren in CDU-Programmen und werden so monoton von den Sicherheitsbehörden vorgetragen, mit wechselnden Begründungen von Organisierter Kriminalität (denken Sie jetzt bitte nicht an die italienische Mafia oder riesige Gangstersyndikate, sondern besser an eine Bande Kleinkrimineller), Terrorismus (auch wenn einige Terrorgruppen wohl vor allem in den Köpfen der Nachrichtendienste herumspuken und die letzten Terroranschläge nicht von gut organisierten Gruppen à la RAF oder IRA, sondern von Einzeltätern und autonomen Kleinstgruppen gemacht wurden; uh, und vor allem nicht in Europa oder den USA.) und Kinderpornographie.
Natürlich fordert Solms-Laubach die Vorratsdatenspeicherung von einem halben Jahr. Mndestens.
Solms-Laubach nennt dann drei Beispiele, die belegen sollen, dass die Vorratsdatenspeicherung sehr wichtig für die Verbrechensbekämpfung ist. Diese Beispiele sind aus einem 158-seitigem Dokument des BKA (wobei die Länge nichts über die Qualität und Textmenge aussagt), in dem seit 2010 Fälle gesammelt werden, die wegen der fehlenden Vorratsdatenspeicherung nicht oder nur erschwert aufgeklärt werden konnten. Nun sind gewisse Erschwernisse bei Ermittlungen gewollt, um die freiheitlich-bürgerlich-demokratische Gesellschaft zu schützen. So darf ein Polizist nicht einfach so eine Wohnung durchsuchen oder jemand verhaften.
Ich denke mal, dass Solms-Laubauch die schlimmsten Beispiele herausgesucht hat. Jedenfalls sind es Beispiele, bei denen „zur Strafverfolgung eine Mindestspeicherfrist für die Vorratsdaten von sechs Monaten nötig gewesen“ (Solms-Laubach, Seite 225) wäre.
Im ersten Fall verschickte jemand über hundert Briefe, in denen er Schulen, Unis und Privatpersonen mit Sprengstoffanschlägen drohte, falls nicht eine bestimmte Geldsumme gezahlt würde. Der Erpresser kontaktierte dann über studiVZ die Person, die fälschlicherweise als Erpresser genannt wurde. Weil die dynamische IP-Adresse beim Internet-Provider nicht gespeichert war, konnte der Absender nicht festgestellt werden.
Ob der Täter über andere Wege ermittelt werden konnte und wie ernst die Briefe waren, wird nicht erwähnt.
Im zweiten Fall drohte jemand einem „Münchner Verein mit religiöser Ausrichtung“, dass in deren Räumen eine Bombe explodieren werde. Eine Bombe wurde nicht gefunden. Der Anrufer ebenfalls nicht; – davon ausgehend, dass er von seinem Privat-Handy und nicht aus einer Telefonzelle angerufen hat.
Im dritten Fall geht es um die Unterstützung einer terroristischen Vereinigung im Ausland, indem der Täter Videos auf einem YouTube-Kanal online stellte.
Wir haben also ein Propagandadelikt, eine Bombendrohung ohne Bombe (könnte auch ein Scherz gewesen sein) und eine Erpressung, bei der unklar ist, wie ernst sie gemeint ist. Das sollen die Fälle sein, für die wir die Vorratsdatenspeicherung brauchen?
Immerhin fordert Solms-Laubach sie nicht, wie Bundeskriminalamt-Chef Jörg Ziercke (ein SPDler, weshalb der BKA-Chef in dem Buch nicht erwähnt wird) unmittelbar nach der Verhaftung von Beate Zschäpe, reflexhaft, zur Aufklärung der NSU-Taten.
Zur Videoüberwachung, die der „Bild“-Journalist selbstverständlich fordert, sage ich jetzt nichts.
Denn es dürfte inzwischen offensichtlich sein, dass „Das Ende der Sicherheit“ ein von der ersten bis zur letzten Seite ein erschreckend dummes Pamphlet ist, das nur zeigt, dass „Bild“ zwischen zwei Buchdeckeln nicht besser wird, sondern immer noch selektiv ausgewählte Fakten mit Halbwahrheiten und Unwahrheiten zu einem unbekömmlichen Brei verrührt.

Franz Solms-Laubach: Das Ende der Sicherheit – Warum die Polizei uns nicht mehr schützen kann
Droemer, 2014
256 Seiten
18 Euro

Hinweise

BKA-Seite zur PKS (mit verschiedenen Tabellen)

Polizei Berlin: Eingangsseite zur PKS (lesenswert, weil die erstellende Abteilung der Polizei sich bemüht, die Zahlen einzuordnen und damit die Zahlen analysiert und in einen umfassenderen Zusammenhang stellt)

Wikipedia über die Polizeiliche Kriminalstatistik

BMJ: Erster periodischer Sicherheitsbericht (2001)

BMJ: Zweiter periodischer Sicherheitsbericht (2006 – beide Male wurde versucht, ein umfassendes Bild der Kriminalität und der Bedrohungen zu zeichnen)

Bildblog (prüft den Unwahrheitsgehalt der „Bild“ – und wird fast täglich fündig)


Cover der Woche

September 9, 2014

Williams - Straw Dogs


TV-Tipp für den 9. September: Ohne Gitter: Das Gefängnis der Zukunft?

September 9, 2014

Arte, 21.50
Ohne Gitter: Das Gefängnis der Zukunft? (Frankreich 2014, Regie: Bernard Nicolas)
Drehbuch: Anne Hirsch, Bernard Nicolas
Spielfilmlange Doku über Reformansätze im Justizvollzug in Deutschland, Finnland und Frankreich.
Hinweis
Arte über die Doku und mit vielen weiteren Informationen zum Thema


DVD- und Buchkritik: Der Alpen-Western „Das finstere Tal“

September 8, 2014

Das gelingt nur ganz wenigen Filmen: hier in Berlin läuft „Das finstere Tal“ immer noch in ganz normalen Kinos und es gab fast keinen Tag, an dem man sich seit dem Kinostart am 13. Februar Andreas Prochaskas Alpen-Western nicht hätte ansehen können. Der Film erhielt acht deutsche Filmpreise und ist jetzt der Oscar-Kandidat von Österreich für den besten ausländischen Film.
Die Filmgeschichte könnte den Amerikanern gefallen. Schon die ersten Bilder sind reinstes Americana: ein Mann reitet in den Bergen in ein einsam gelegenes Dorf, das im Winter komplett von der Welt abgeschnitten ist. Die Bewohner beäugen ihn misstrauisch. Mit einem Sack voll Gold erkauft er sich ein Quartier für den Winter. Was die Bewohner nicht wissen, aber jeder, der schon zwei Western gesehen hat, nach den atmosphärischen Bildern weiß: der Mann will sich an den Dörflern für ein in der Vergangenheit liegendes Ereignis rächen. Die Überlebenschancen der Bösewichter tendieren gegen Null, wozu auch die gar nicht so unschuldigen Dorfbewohner zählen, wenn sie nicht schnell genug in Deckung gehen.
Dennoch lässt sich Prochaska (u. a. einige Folgen für „KDD – Kriminaldauerdienst“, die TV-Filme „Spuren des Bösen“, „Das Wunder von Kärnten“, „In 3 Tagen bist du tot“ und die Fortsetzung) viel Zeit, bis es die erste Leiche gibt: ein scheinbar unglücklicher Unfall beim Transport von Bäumen in einer Baumrutsche.
Greider (Sam Riley), so heißt der schweigsame Fremde, der behauptet, mit seiner Kamera Fotos machen zu wollen, kam aus den USA zurück in die Alpen. In Wirklichkeit will er seine Eltern rächen. Sie wurden von dem Brenner-Bauer, der seit Jahrzehnten als unumstrittener Patriarch über das abgelegene Tal herrscht, und seinen Söhnen, unterstützt vom Dorfpfarrer, vergewaltigt und getötet.
Diese Geschichte, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in den Alpen spielt, verweist immer wieder auf den Western. Die Cinemascope-Bilder, der konsequente Verzicht auf typisch alpenländische Attribute (es gibt keinen Sepplhut und bei den Kleidern wurde konsequent stilisiert) und die karge Landschaft mit ihren ebenso kargen Gebäuden (so steht die Kirche, ein Steingemäuer, auf einem waldlosem Hügel und sie wirkt wie eine ungastliche Trutzburg) erinnert dann an die bekannten Bilder aus US-und Italo-Western, wie Sergio Corbuccis im Schnee spielender Western „Leichen pflastern seinen Weg“. Auch Robert Altmans „McCabe & Mrs Miller“, dessen Finale ebenfalls im Schnee spielt, fällt einem ein. Und natürlich die zahllosen, konsequent ironiefreien Rachewestern der vergangenen Jahrzehnte, gerne mit Clint Eastwood in der Hauptrolle.
Das alles ist so gut, dass gerade die Kleinigkeiten umso deutlicher auffallen. So ist der Brenner-Bauer, der als kranker Herrscher, kaum noch sein Haus und Bett verlässt, als greifbarer Bösewicht kaum vorhanden. Diese Rolle des Bösewichts müssen seine Söhne übernehmen, die aber auch weitgehend austauschbare Handlanger des Bösewichts bleiben. Im Film allerdings weniger als im Roman, wo sie nur eine anonyme Masse sind.
Auch die Rolle Brenners bei der Kindererzeugung (er hat das Recht auf die erste Nacht) und die Beziehungen der Brenner-Buben zu ihren Frauen werden nur sparsam angedeutet.
In diesen Momenten hätten sich Filmemacher noch deutlicher von der Vorlage entfernen können. Denn der Film folgt dem Roman sehr genau. Thomas Willmann bedankt sich im Nachwort seines Romandebüts bei Ludwig Ganghofer und Sergio Leone, wobei der Roman für meinen Geschmack zu viel Ganghofer und zu wenig Leone hat. Denn wer den Film nicht kennt und auch nicht den Klappentext gelesen hat, liest sich im ersten Drittel durch das Porträt einer Dorfgemeinschaft und der beginnenden Liebe von Luzi zu ihrem künftigem Bräutigam. Auch nach dem ersten Todesfall nehmen die Hochzeitsvorbereitungen viel Raum ein und nach der Romanmitte gibt es eine sechzigseitige Rückblende, in der wir erfahren, was mit Greiders Mutter geschah. Im Film ist das eine kurze Montage.
Auffallend sind zwei große Änderungen. Die erste ist, dass die Filmgeschichte von Luzi erzählt wird. Im Roman gibt es dagegen einen neutralen Erzähler, der einfach, wie ein Zeitungsreporter berichtet, was geschieht. Die zweite ist, dass Greider im Roman ein Maler, im Film ein Fotograf ist. Beide Änderungen sind nachvollziehbar und gerade bei der zweiten Änderung wundert es, dass Willmann, der auch Filmjournalist ist, das nicht selbst tat. Immerhin gibt es in Western öfter Fotografen als Maler.
Auf den ersten Blick wirkt das Bonusmaterial vernachlässigbar. Drei entfallene Szenen, ein Making of und ein Audiokommentar. Aber beim Ansehen fällt auf, wie gut es ist. Das gut 45-minütige, absolut sehenswerte „Making of“ gibt einen umfassenden und werbefreien Blick in den gesamten Entstehungsprozess des Films mit Interviews mit allen Beteiligten und einigen Blicken hinter die Kulissen. Und der Audiokommentar (den Filmton hätte man etwas leiser drehen können) ist absolut hörenswert. Regisseur Andreas Prochaska lud den Filmjournalisten Christian Fuchs als Gesprächspartner ein und, auch wenn Fuchs kaum etwas sagt, hatte Prochaska damit einen Gesprächspartner, dem er alles über den Film erzählen konnte. Entsprechend informativ fällt der Audiokommentar aus.

Das Finstere Tal - DVD-Cover - 4

Das finstere Tal (Österreich/Deutschland 2013)
Regie: Andreas Prochaska
Drehbuch: Martin Ambrosch, Andreas Prochaska
LV: Thomas Willmann: Das finstere Tal, 2010
mit Sam Riley, Tobias Moretti, Paula Beer, Clemens Schick, Erwin Steinhauer, Hans-Michael Rehberg, Carmen Gratl, Helmuth A. Häusler, Martin Leutgeb, Florian Brückner

DVD
Warner Brothers/X-Edition
Bild: 2.35:1 (16:9)
Ton: Deutsch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte
Bonusmaterial: Audiokommentar von Regisseur Andreas Prochaska und Filmjournalist Christian Fuchs, Making of, Entfallene Szenen, Trailer, Audiodeskription
Länge: 110 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

Die Vorlage

Willmann - Das finstere Tal - 2

Thomas Willmann: Das finstere Tal
Ullstein, 2014
320 Seiten
9,99 Euro

Erstausgabe
Liebeskind, 2010

Hinweise

Homepage zum Film

Perlentaucher über „Das finstere Tal“

Film-Zeit über „Das finstere Tal“

Moviepilot über „Das finstere Tal“

Wikipedia über „Das finstere Tal“


TV-Tipp für den 8. September: Die Nacht ist jung

September 8, 2014

Arte, 22.15

Die Nacht ist jung (Frankreich 1986, Regie: Leos Carax)

Drehbuch: Leos Carax

Paris im Zeichen des Halleyschen Kometen: ein Virus tötet alle, die ohne Liebe Sex haben. Ein verliebter, aber auch infizierter Bauchredner will aus einem Hochhaus das Impfserum stehlen.

Ziemlich unbekanntes, selten gezeigtes und bei uns nicht auf DVD (es gibt eine französische DVD) erhältliches Frühwerk von Leos Carax, der danach „Die Liebenden von Pont-Neuf“ (läuft um 20.15 Uhr), „Pola X“ und „Holy Motors“ inszenierte.

eine brillante Stilübung zu den Archetypen und Mythen des französischen und amerikanischen film noir. (…) Ein spröder, glechzeitig aber gefühl- und humorvoller Film, der Godard soviel wie den Klassikern des Genres verdankt.“ (Fischer Film Almanach 1989)

mit Michel Piccoli, Juliette Binoche, Denis Lavant, Hans Meyer, Julie Delpy, Serge Reggiani

Hinweise

Arte über Leos Carax

Rotten Tomatoes über „Die Nacht ist jung“

Wikipedia über „Die Nacht ist jung“ (englisch, französisch) und Leos Carax


TV-Tipp für den 7. September: George Gently – Der Unbestechliche: Entführt

September 7, 2014

ZDF, 22.00
George Gently – Der Unbestechliche: Entführt (Großbritannien 2012, Regie: Nicholas Renton)
Drehbuch: Peter Flannery
LV: Charakter von Alan Hunter
Durham 1968: Am helllichten Tag verschwindet das Baby Faith aus dem Haus ihrer Adoptiveltern, die bereits seit über zwanzig Jahren verheiratet und kinderlos sind. Erst vor wenigen Tagen adoptierten sie Faith. Inspector George Gently und sein Kollege John Bacchus beginnen in dem von Mrs. Esther Dunwoody geleitetem Kinderheim mit der Suche. Im Lauf der Ermittlungen glauben sie auch, dass die Adoptiveltern etwas mit dem Verschwinden von Faith zu tun haben. Denn die Eheleute haben einige gut gehütete Geheimnisse voreinander.
In diesem „George Gently“-Krimi gibt es keinen Mordfall (aber einen Toten), einen zeitlosen Einblick in die Hoffnungen und Leiden von Adoptiveltern und einem – hoffentlich – sehr zeitbezogenen Einblick in die Geschäfte mit den Sehnsüchten und Wünschen von Adoptivkindern. Denn Mrs. Dunwoody leitet ihr Heim mit harter Hand, autoritär und einem starren Blick auf das Geld, das sie von den Adoptiveltern als Spende für ein Kind erwartet. Und die schwangeren Frauen hatten damals, falls sie überhaupt verheiratet waren, nichts zu melden. Sie waren schließlich Sünderinnen vor dem Herrn.
Das Ende ist, wieder einmal, sehr düster ausgefallen.
„Entführt“ ist ein weiterer grandioser „George Gently“-Krimi, mit gewohnt viel Zeit- und, dieses Mal, auch viel Lokalkolorit.
mit Martin Shaw, Lee Ingleby, Simon Hubbard, Mark Gatiss, Helen Baxendale, Katie Anderson, Alison Steadman
Wiederholung: Montag, 8. September, 00.45 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Fantastic Fiction: Bibliographie Alan Hunter

BBC über George Gently (Pressematerial zu „George Gently“)

ZDF über George Gently

Telegraph: Interview mit Martin Shaw und Lee Ingleby zu „George Gently“ (5. Juli 2008)

Wikipedia über “George Gently – Der Unbestechliche”(deutsch, englisch)

Meine Besprechung von „George Gently – Der Unbestechliche“ (Staffel 1)

Meine Besprechung von „George Gently – Der Unbestechliche“ (Staffel 2 und 3)


TV-Tipp für den 6. September: Frances Ha

September 5, 2014

Servus TV, 20.15

Frances Ha (USA 2012, Regie: Noah Baumbach)

Drehbuch: Greta Gerwig, Noah Baumbach

Frances Ha stolpert durch ihr Leben – und wir sind verzückt.

Eines der Kino-Highlights von 2013.

mit Greta Gerwig, Mickey Sumner, Michael Esper, Adam Driver, Michael Zegen, Charlotte d’Amboise, Crace Gummer, Justine Lupe, Patrick Heusinger, Christine Gerwig, Gordon Gerwig

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Frances Ha“

Metacritic über „Frances Ha“

Rotten Tomatoes über „Frances Ha“

Wikipedia über „Frances Ha“ (deutsch, englisch)

Berlinale: „Frances Ha“-Pressekonferenz Noah Baumbach und Greta Gerwig

Meine Besprechung von Noah Baumbachs „Frances Ha“ (Frances Ha, USA 2012)


Neu im Kino/Filmkritik: Eddie Marsan, „Mr. May und das Flüstern der Ewigkeit“

September 5, 2014

In den vergangenen Jahren spielte Eddie Marsan in hundert Filmen und TV-Serien mit. Etliche seiner Filme, wie zuletzt „Drecksau“, „The World’s End“, „Snow White and the Huntsman“, „Gefährten“, „London Boulevard“, „Sherlock Holmes – Spiel der Schatten“ und „Sherlock Holmes“, waren Kassenhits und trotzdem muss ich jedes Mal zweimal hinsehen, um ihn zu erkennen. In „Mr. May und das Flüstern der Ewigkeit“ spielt er in seiner ersten Hauptrolle den titelgebenden Mr. John May, einen unauffälligen Beamten bei der Londoner Stadtverwaltung, der die personifizierte Biederkeit, Korrektheit und klaglose Pflichterfüllung ist. Sein Büro ist in einem Kellerkabuff, was aber seiner Kundschaft herzlich egal ist. Denn er ist „Funeral Officer“. Er kümmert sich um die Beerdigungen von Menschen, die keine Angehörigen oder Freunde haben. Dennoch sucht er akribisch nach Angehörigen. Manchmal wochenlang. Er vertieft sich in ihr Leben. Er schreibt, ausgehend von ihren Hinterlassenschaften, eine Trauerrede. Er organisiert für sie eine schöne Beerdigung. Mit ihm als einzigem Trauergast.

Auch sein Chef zollt seiner Pflichterfüllung Respekt und entlässt ihn, weil er viel zu langsam arbeitet und er seine Aufgabe viel zu teuer erfüllt. Denn anstatt den pompösen Beerdigungen mit Sarg, Geistlichem und Grabstätte hätte es doch auch eine Einäscherung nach einer knapp bemessenen Schamfrist und einer kurzen Recherche nach etwaigen Verwandten im Telefonbuch getan.

Nach seiner Entlassung hat der alleinstehende Mr. May nur einen Wunsch: er möchte noch seinen letzten Fall abschließen. Zur Not auf eigene Kosten und nach seiner Entlassung. Es ist Billy Stoke, ein Alkoholiker, der einsam in seiner verwahrlosten Wohnung starb. In seinen Habseligkeiten findet Mr. May einige Hinweise auf Stokes früheres Leben. Eine Tochter. Eine kurze Karriere als Soldat. Ein Gefängnisaufenthalt. Mr. May macht sich auf die Reise.

Mr. May und das Flüstern der Ewigkeit“ ist ein stilles Drama über den Wert des Lebens und eine Paraderolle für Eddie Marsan, der beim Edinburgh International Film Festival für seine Rolle den Preis als bester Hauptdarsteller erhielt. Er zeigt mit minimalen Mitteln, was in Mr. May vorgeht, was er fühlt und wie die Reise in Stokes Vergangenheit auch in ihm etwas verändert.

Diese Veränderung wird von Uberto Pasolini (nicht verwandt mit Pier Paolo Pasolini, sondern mit Luchino Visconti) in seinem zweiten Spielfilm mit einem präzisen Blick für Details und seiner Inszenierung, wozu die Bildeinstellungen und die Farben gehören, unauffällig unterstützt. „Ich wollte einen zurückhaltenden Film, um die Emotionen der Zuschauer anzusprechen. Eddies Talent, seine Meisterschaft und Menschlichkeit brachten eine große Wahrhaftigkeit in die Handlungen und die kleinen Veränderungen, die das Leben der Figur charakterisieren“, sagt Pasolini zutreffend. Daher gibt es auch keine großen Emotionen und keine theatralischen Gefühlsausbrüche, sondern nur eine große Sympathie für die lebenden und toten Charaktere, ein großes Interesse an den Menschen und der Frage nach dem Wert eines Lebens, garniert mit einem subtilem Humor.

Pasolini, der auch „Ganz oder gar nicht“ produzierte, inszenierte einen zum Nachdenken anregenden Feelgood-Film über den Tod und das Leben.

Das Ende wirkt zunächst arg abrupt, aber Uberto Pasolini, der auch „Ganz oder gar nicht“ produzierte, beendet „Mr. May und das Flüstern der Ewigkeit“ mit zwei sehr schönen und versöhnlichen Schlussbildern, die die Botschaft des Films, nämlich dass jedes Leben wichtig ist, eindrucksvoll zeigt. Dafür benötigt Pasolini dann keine Worte une es ist ein Ende, das Mr. May gefallen hätte.

Mr May und das Flüstern der Ewigkeit - Plakat 4

 

Mr. May und das Flüstern der Ewigkeit (Still Life, Großbritannien/talien 2013)

Regie: Uberto Pasolini

Drehbuch: Uberto Pasolini

mit Eddie Marsan, Joanne Froggatt, Karen Drury, Neil D’Souza, Andrew Buchan

Länge: 92 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Mr. May und das Flüstern der Ewigkeit“

Moviepilot über „Mr. May und das Flüstern der Ewigkeit“

Rotten Tomatoes über „Mr. May und das Flüstern der Ewigkeit“


Neu im Kino/Filmkritik: „Erlöse uns von dem Bösen“ und den Doors

September 5, 2014

Gleich am Anfang wird uns hoch und heilig versichert, dass diese Exorzismus-Geschichte inspiriert von den Erlebnissen eines NYPD-Cops ist.

Am Filmende steht dann der übliche Satz, dass es sich um eine erfundene Geschichte handelt und als genau das sollte man „Erlöse uns von dem Bösen“ auch behandeln, obwohl der Jerry-Bruckheimer-Film auf dem 2001 erschienenem Sachbuch „Beware the Night“ von Ralph Sarchie basiert. Sarchie wurde in den Neunzigern nach mehreren unerklärlichen Erlebnissen und der Hilfe von zwei katholischen Priestern zu einem Gläubigen. 2004 gab er, nach zwanzig Jahren, seinen Polizeijob auf und wurde zum Dämonologen, der auch regelmäßig bei Exorzismen dabei ist. Das wäre natürlich auch eine Filmgeschichte, aber Scott Derrickson (Der Exorzismus von Emily Rose, Sinister) erzählt eine ganz andere Geschichte, die den vertrauten Mustern folgt.

Der Film beginnt 2010 im Irak, wo drei US-Marines auf eine unterirdische Kammer stoßen und etwas Schreckliches erleben.

2013 in der Bronx in New York: Sergeant Ralph Sarchie (Eric Bana) und sein Partner Butler (Joel McHale) arbeiten in der Nachtschicht und eilen von einem Notfall zum nächsten. Morde, häuslicher Streit, eine Mutter, die ihr Kind in den Löwenkäfig wirft und im Zoo verschwindet oder seltsame Geräusche im Keller eines alten Hauses. Sarchie und Butler sind da. Immer auch auf der Suche nach dem nächsten Adrenalinkick.

Dass darunter Sarchies Eheleben leidet und er sich nur wenig um seine Tochter kümmert, gehört zum Job und den bekannten Polizeifilmklischees.

Während seiner Arbeit trifft Sarchie auf Joe Mendoza (Edgar Ramirez), der eine Inhaftierte besuchen möchte. Der Geistliche mit einer farbigen Vergangenheit und einigen nicht gerade priesterlichen Angewohnheiten, bietet Sarchie seine Hilfe an. Denn Mendoza ist überzeugt, dass das absolut Böse sich jetzt in der Bronx ausbreiten möchte.

Als der zunächst skeptische Sarchie für einige seiner Fälle und Ereignisse keine rationale Erklärung findet, trifft er sich wieder mit Mendoza. Sie verbünden sich und versuchen gemeinsam die Soldaten, die 2010 in Kontakt mit dem Bösen gerieten und jetzt in New York leben, zu heilen und die an alten Schriftzeichen erkennbaren Türen zur Unterwelt zu schließen.

Erlöse von uns dem Bösen“ folgt als Kreuzung aus „Der Exorzist“ und „Sieben“ brav den vertrauten Genrepfaden, nur dass das von Scott Derrickson gezeigte New York noch dunkler und nasser als David Finchers namenlose Stadt ist und die über jeden Zweifel erhabene Musik der Doors eine wichtige Rolle im Film hat.

Störend ist allerdings für einen in der Gegenwart spielendem Großstadtthriller das naive Vertrauen auf eine Teufelsaustreibungen im bekannten „Exorzismus“-Stil, das einen dazu zwingt jede andere rationale Erklärung (die teilweise auf der Hand liegt) strikt zu verneinen. Da war zuletzt der ebenfalls auf Tatsachen basierende Horrorfilm „The Conjuring“, der allerdings in den Siebzigern in einem einsam gelegenem Haus spielt, auch dank seines Retro-Feelings, glaubwürdiger und auch straffer erzählt. Denn gerade am Anfang, wenn sich die Anekdoten aus dem Polizistenleben aneinanderreihen, braucht Scott Derrickson viel Zeit, bis die Story wirklich erkennbar wird und eine Eigendynamik entwickelt.

Dennoch ist „Erlöse uns von dem Bösen“ für den Genrefan ein ordentlicher, aber auch konventionell-vertrauter Mix aus Polizeithriller und Horrorfilm, der mit Eric Bana und Edgar Ramirez zwei überzeugende Hauptdarsteller hat.

Aber auch Scott Derrickson beantwortet nicht die nach dem Genuss von mehreren Exorzismus-Filmen, die natürlich alle auf wirklich wahren Fällen basieren, drängende Frage „Warum werden nur Katholiken vom Teufel heimgesucht?“.

Erlöse uns von dem Bösen - Plakat

Erlöse uns von dem Bösen (Deliver us from Evil, USA 2014)

Regie: Scott Derrickson

Drehbuch: Scott Derrickson, Paul Harris Boardman

LV: Ralph Sarchie (mit Lisa Collier Cool): Beware the Night, 2001

mit Eric Bana, Edgar Ramirez, Joel McHale, Olivia Munn, Lulu Wilson, Sean Harris, Olivia Horton, Dorian Missick, Mike Houston

Länge: 119 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Erlöse uns von dem Bösen“

Moviepilot über „Erlöse uns von dem Bösen“

Metacritic über „Erlöse uns von dem Bösen“

Rotten Tomatoes über „Erlöse uns von dem Bösen“

Wikipedia über „Erlöse uns von dem Bösen“ 

History vs. Hollywood über „Erlöse uns von dem Bösen“


TV-Tipp für den 5. September: Wer mit dem Teufel reitet

September 5, 2014

ServusTV, 22.15

Wer mit dem Teufel reitet (USA 1999, Regie: Ang Lee)

Drehbuch: James Schamus

LV: Daniel Woodrell: Woe to live on, 1987 (Zum Leben verdammt)

USA, 1860: Jake Roedel und Jack Bull ziehen auf Seiten der Südstaaten in den Krieg. In einer Guerillagruppe beteiligen sie sich an einem zunehmend sinnlosen Vernichtungsfeldzug bei dem keine Gefangenen gemacht werden.

Wie so oft: aus einem hochgelobten Buch wurde ein – nun – mittelmäßiger Film.

Martin Compart halt Woodrells zweiten Roman “Woe to live on” für einen der besten Bürgerkriegs-Romane: “Mit jedem zündenden Satz verbrennt Woodrell die Hollywoodklischees über den Sezessionskrieg. Der Roman folgt dem jungen Ich-Erzähler auf seiner blutigen Spur an der Seite der Freischärler unter dem berüchtigten Quantrill. In den West Plains tobte ein brutaler Partisanenkrieg, der noch Jahre nach dem Ende des Bürgerkrieges Opfer forderte…Die Sprache des Romans ist filmisch und hypnotisch.“

Woodrell zu seinem Buch: „Die Amerikaner haben sich über das Buch zu Tode erschreckt, weil es vom Standpunkt der Südstaaten geschrieben ist. Ich bekam keine Rezension nördlich der Dixon-Linie. Keiner wollte wissen, was hier wirklich los war. Es war wie in Bosnien.“ Die Erstausgabe war ein Flop – und ist heute ziemlich teuer.

Woodrell zur Verfilmung: „I was merely the writer of the novel. That is, the one who created the story, characters, dialogue and structure from scratch. Once the movie started I was more or less blotted from the scene. I did enjoy watching actors mouth my words and so on, and did learn plenty from that experience. As to the process of making the film, all I can say is, if it happens again, I won’t make nice so much. I deferred to their arguments (I had no power to do anything) since I thought maybe they know more about narrative for film than I-and they don’t. Everything is clouded by,”If we show this scene in a truthful manner we think twelve people will walk out in Encino, so we will substitute a phony as shit scene we got from a can of old movies we found sitting open back in the vault.” And so on.“

Der Film war kein Kassenerfolg; was hier allerdings – im Gegensatz zum Buch – an der Qualität des Werkes liegt: „Eine Enttäuschung“ (Zitty), „Der Film wirkt mitunter so langatmig, als würde man den Bürgerkrieg in Echtzeit miterleben.“ (Berliner Zeitung). Und, was sicher auch zu seiner Unbeliebtheit beigetragen hat: „Ride with the Devil“ ist ein Film „über Männer, die für die falsche Sache auf der falschen Seite in einem schrecklichen Krieg kämpfen…Man könnte auch behaupten, dass dieser Film eine Feldstudie über galoppierende Dummheit ist.“ (Berliner Zeitung)

Eine der wenigen positiven Stimmen: “Ang Lee’s film, Ride with the Devil, is the best western since Clint Eastwood’s Unforgiven (1992)… Ride with the Devil displays a care and intelligence increasingly rare in mainstream American cinema. While there are suitably memorable images of violence there is also a lot of memorable talk. Wonderful cinematography from Frederick Elmes, excellent performances from its (then mostly) young, up-and-coming cast of actors, and the acting debut of pop star Jewel should have brought new, younger viewers to this old genre. The film deserved a better commercial fate because it is as “stone brilliant” as the writing from which it is derived, and making such a fine film also “required some genius”.” (Noel King, Senses of Cinema – eine sehr informative Web-Seite)

Mit Skeet Ulrich, Tobey Maguire, Jewel Kilcher, Jonathan Rhys, James Caviezel

Kinotitel: „Ride with the Devil“

Wiederholung: Samstag, 6. September, 02.30 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Kaliber.38 über Daniel Woodrell

Mordlust über Daniel Woodrell

Wikipedia über Daniel Woodrell

The Richmond Review interviewt Daniel Woodrell zum Film

The Southeast Review interviewt Daniel Woodrell (1. April 2009)

River Cities’ Reader über Daniel Woodrell (8. April 2010)

Daniel Woodrell bei Mulholand Books

Meine Besprechung von Daniel Woodrells „Winters Knochen“ (Winter’s Bone, 2006)

Meine Besprechung von Daniel Woodrells “Der Tod von Sweet Mister” (The Death of Sweet Mister, 2001)

Meine Besprechung von Daniel Woodrells “Im Süden – Die Bayou-Trilogie” (The Bayou Trilogy, 2011)

Meine Besprechung von Daniel Woodrells „In Almas Augen“ (The Maid’s Version, 2013)

Daniel Woodrell in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: Der Söldner „Hercules“ tötet alle

September 4, 2014

Was haben wir als Kinder nicht die italienischen „Hercules“-Filme geliebt. Von diesen Sandalenfilmen erwarteten wir nur neunzig Minuten Spaß ohne höheren Anspruch, auch ohne Logik und gute Schauspieler. Herrje, Hercules (oder wie der muskelbepackte Held gerade hieß) wurde meistens von einem Bodybuilder gespielt, der während des Drehs vielleicht bekannt war, aber den zwanzig, dreißig Jahre später niemand mehr kannte und dessen Filmkarriere aus einigen dieser bunten Sandalenfilme bestand. Echte Schauspieler verirrten sich nie auf das Set und das Budget war auch nicht hoch. Aber es machte Spaß.

Bei „Hercules“ ist das Budget höher. Offiziell so um die 100 Millionen Dollar. Die Schauspieler sind bekannter. Dwayne ‚The Rock‘ Johnson, Ian McShane, Rufus Sewell, Joseph Fiennes (verschenkt in ungefähr drei Auftritte) und John Hurt sind dabei. Die Regie übernahm Brett Ratner, der die drei „Rush Hour“-Filme, „After the Sunset“, „X-Men – Der letzte Widerstand“ und „Aushilfsgangster“ drehte. Alles keine große Kunst, aber immer spaßige und oft auch kommerziell erfolgreiche Unterhaltung.

Allerdings macht sein „Hercules“ keinen Spaß. Es ist letztendlich eine düster-blutige, angenehm kurze Söldner-Geschichte die im alten Griechenland spielt. Hercules (Dwayne Johnson) ist der Anführer einer kleinen Söldner-Gruppe. Mit einem Geschichtenerzähler, der die Taten von Hercules hübsch ausschmückt zu göttlichen Heldentaten. Schon bei den alten Griechen gehörte Öffentlichkeitsarbeit zum guten Ton. Und eine sexy Amazone ist auch dabei. Jetzt sollen sie für König Cotys (John Hurt) eine feindliche Armee schlagen. Danach stellen sie fest, dass Cotys sie über die Ursachen des Konflikts belog, weshalb der skrupellose Hercules dann doch einige Gewissenkonflikte hat, und dass Cotys sie nicht bezahlen will, verschlechtert seine Laune weiter. Das führt dann zu einigen weiteren, ziemlich vorhersehbaren Konflikten und Kloppereien vor konsequent dunkler Kulisse, weil in heutigen Blockbustern die poppigen Farben der Sandalenfilme und von „Conan, der Barbar“ nicht mehr existieren.

Wegen der vorhersehbaren und uninteressanten Story, die dieses Mal auf einem Comic von dem am 16. März 2014 verstorbenem Steve Moore basiert, wird allerdings niemand in „Hercules“ gehen. Eher schon wegen der Action. Aber die wird von Brett Ratner, als hätte er nichts von seinen Jackie-Chan-Filmen gelernt, so zerschnippelt, dass die natürlich mit CGI aufgepimpten Kampfszenen vor allem ein großes Chaos sind, was sicher die chaotische Stimmung in einem Kampf angemessen wiederspiegelt, allerdings auch nichts über die Arbeit der Stuntmänner und wenig über die Abläufe der Schlacht verrät. Und natürlich ist ein so inszeniertes Schlachtgetümmel nicht sonderlich beeindruckend. Das vergisst man schon beim Ansehen.

Weil „Hercules“ in 3D präsentiert wird, muss auch etwas zum 3D-Bild gesagt werden: es ist mal wieder gruselig mit all den Nachteilen, die man von 3D kennt und die in einem IMAX noch potenziert werden. Jedenfalls ärgerte mich das 3D-Bild so sehr, dass ich gefühlt alle zwei Minuten aus dem Film gerissen wurde, weil irgendetwas nicht stimmte, wie ein Ghosting-Effekt im Vorder- oder Hintergrund des Bildes, während der Rest korrekt dargestellt wurde, oder schlichtweg falsche Größenverhältnisse bei Körpern, Räumen und Waffen. Viele scheint das nicht zu stören, aber mich störte es dieses Mal so sehr, dass es mir letztendlich den gesamten Film verdarb.

Hercules - Plakat

 

Hercules (Hercules, USA 2014)

Regie: Brett Ratner

Drehbuch: Ryan Condal, Evan Spiliotopoulos

LV: Steve Moore/Chris Bolsin: Hercules: The Thracian War, 2008

mit Dwayne Johnson, Ian McShane, Rufus Sewell, Aksel Hennie, Ingrid Bolsø Berdal, Reece Ritchie, Tobias Santelmann, Joseph Fiennes, Peter Mullan

Länge: 98 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Hercules“

Moviepilot über „Hercules“

Metacritic über „Hercules“

Rotten Tomatoes über „Hercules“

Wikipedia über „Hercules“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Brett Ratners „Aushilfsgangster“ (Tower Heist, USA 2011)


Neu im Kino/Filmkritik: „Amma & Appa“ oder Wenn eine Bayerin einen Inder liebt

September 4, 2014

Nach der gründlich misslungenen Culture-Clash-Komödie „Monsieur Claude und seine Töchter“ ist „Amma & Appa“ das reale Gegenmodell. Denn die Regisseurin Franziska Schönenberger ist verliebt in Jayakrishnan ‚Jay‘ Subramanian, einen Künstler (er zeichnete auch die Animationen für den Film), den sie in Indien während eines Arbeitsaufenthaltes kennen lernte. Sie verliebten sich ineinander, er kam nach Deutschland und jetzt wollen sie heiraten. Aber wie bringt man das den Eltern schonend bei und wie überzeugt man die Eltern, der Ehe zuzustimmen?

Schönenberger, die auch Dokumentarfilm an der Hochschule für Fernsehen und Film in München studiert, hatte dann die Idee, die Geschichte ihrer Liebe und die Begegnung der Eltern in Indien bei Jayakrishnans Eltern in Cuddalore zu dokumentieren. Als Studienarbeit und sicher auch, um die Begegnung ihrer Eltern in ruhige Bahnen in Richtung Zustimmung zur Ehe zu lenken. Immerhin verhält man sich vor laufender Kamera anders als ohne Kamera, fremde Leute und potentielles Publikum. Auch wenn beim Dreh nicht absehbar war, dass der Bayerische Rundfunk einsteigt, der kleine Studetenfilm auf der Berlinale, dem DOK.fest und jetzt im Kino läuft.

Amma & Appa“ schildert die Begegnung der Eltern von Franziska und Jay in Indien. Ausführlich schildern die Eltern ihre Gefühlte, Hoffnungen und Bedenken zu dieser geplanten Liebesheirat. Vor allem Jays Mutter schildert eindrücklich, was diese Ehe für sie bedeutet. Einen Bruch der Tradition und ein Verlust der Sicherheit im Alter. Denn in Indien zieht die Braut in das Haus des Bräutigams und damit ist auch die Frage der Pflege der Eltern geklärt. Jetzt würde sie allerdings ihren Sohn verlieren, der nach Deutschland zu seiner Braut ziehen will.

Diesen Gefühlen der Eltern gibt Schönenberger viel Raum, garniert mit folkloristischen Impressionen aus Indien. Über sie und ihren Freund, wie sie sich kennenlernten und was sie für Pläne haben, erfahren wir dagegen im Film nichts. Auch nicht, warum es ein Jahr dauerte, bis sie Jays Eltern zum ersten Mal besuchen durfte. Das ist emotional nachvollziehbar, hinterlässt aber auch das Gefühl, dass man nur Teile der Geschichte erfährt. Denn so wichtig die Zustimmung der Eltern für eine Heirat ist, ist – und das wird auch am Filmende von den Eltern gesagt – es letztlich eine Entscheidung des Paares, ob sie heiraten wollen.

Aber durch die Zusammenkunft der Eltern, die ungefähr im gleichen Alter sind und vor ungefähr dreißig Jahren heiraten, zeigt Schönenberger in einem Doppelporträt auch, die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen den unterschiedlichen Kulturen und Traditionen und wie eine Verständigung funktionieren kann.

Formal ist die sichtbare Neugierde und kindliche Lust von Schönenberger und Subramanian (der als Co-Regisseur firmiert) auf das Ausprobieren verschiedener Stilmittel in ihrer Experimentierlust zunächst erfrischend, aber letztendlich auch störend, weil eben jegliche formale Geschlossenheit fehlt und vieles auch überflüssig bis störend ist, wie die wahllos hineingeschnittenen, neuen Aufnahmen mit einer alten 16mm-Kamera, die das Flair eines Amateurfilms für den Hausgebrauch haben. Vor allem wenn die Bilder mit einem bewusst naiv gehaltenem Off-Kommentar garniert werden. Da wird das charmante Amma und Appa beim dritten Hören zu einer nervigen Marotte, die ein ernstes Problem auf das Niveau einer Nachmittags-Kindersendung, in der alles furchtbar witzig sein soll, senkt.

Amma & Appa - Plakat 4

 

Amma & Appa – Eine bayerisch-indische Liebe (Deutschland 2013)

Regie: Franziska Schönenberger, Jayakrishnan Subramanian

Drehbuch: Franziska Schönenberger, Jayakrishnan Subramanian

mit Franziska Schönenberger, Jayakrishnan Subramanian, Albert Schönenberger, Christine Schönenberger, Viruthambal Subramanian, Subramanian

Länge: 93 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Film-Zeit über „Amma & Appa“

Moviepilot über „Amma & Appa“

Berlinale über „Amma & Appa“


Die KrimiZeit-Bestenliste September 2014

September 4, 2014

Ohne Vorrede und ohne Kommentar: die aktuelle KrimiZeit-Bestenliste:
1 (2) Mike Nicol: Black Heart
2 (-) Orkun Ertener: Lebt
3 (10) Joseph Kanon: Die Istanbul-Passage
4 (6) Jim Nisbet: Der Krake auf meinem Kopf
5 (1) Olen Steinhauer: Die Kairo-Affäre
6 (-) Nic Pizzolatto:Galveston
7 (-) Carlo Lucarelli: Bestie
8 (-) Wolf Haas: Brennerova
9 (-) Howard Linskey: Gangland
10 (-) Chloe Hooper: Die Verlobung

In ( ) ist die Platzierung vom Vormonat.


TV-Tipp für den 4. September: Inglourious Basterds

September 4, 2014

Vox, 22.10

Inglourious Basterds (USA/Deutschland 2009, R.: Quentin Tarantino [Regie „Nation’s Pride“: Eli Roth])

Drehbuch: Quentin Tarantino (deutsche Dialoge: Tom Tykwer; französische Dialoge: Nicholas Richard)

Frankreich, 1944: Aldo Raine und seine Spezialeinheit sind zum Nazi-Skalpieren nach Europa gekommen. Die Jüdin Shosanna will den SS-Mann Hans Landa (Oscar für Christoph Waltz), der ihre Familie umbrachte, töten. In Paris, in einem Kino, treffen sie sich.

Ein feiner Kriegsfilm, den man unbedingt in der Originalfassung, in der meisterlich zwischen den verschiedenen Sprachen gewechselt wird, ansehen sollte. Außerdem wird auch im Original die meiste Zeit deutsch gesprochen.

Vox wird aber wahrscheinlich die deutsche Synchronisation bringen.

mit Brad Pitt, Mélanie Laurent, Eli Roth, Christoph Waltz, Michael Fassbender, Diane Kruger, Daniel Brühl, Til Schweiger, Gedeon Burkhard, Jacky Ido, B. J. Novak, Omar Doom, August Diehl, Sylvester Groth, Martin Wuttke, Mike Myers, Julie Dreyfus, Mike Myers, Rod Taylor, Sönke Möhring, Ken Duken, Christian Berkel, Ludger Pistor, Jana Pallaske, Bo Svenson, Enzo G. Castellari (als er selbst), Samuel L. Jackson (Erzähler in der Originalversion)

Wiederholung: Freitag, 5. September, 03.05 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Inglourious Basterds“

Rotten Tomatoes über „Inglourious Basterds“

Collider: Interviews zum Film mit Christoph Waltz, Eli Roth, Samm Levine, B. J. Novak, Diane Kruger und Melanie Laurent

YouTube: Cannes-Pressekonferenz “Inglourious Basterds” (Teil 1, Teil 2)

The Quentin Tarantino Archives (Fanseite)

Everthing Tarantino (dito)

Q-Tarantino.de (noch eine Fanseite)

Meine Besprechung von Georg Seeßlens „Quentin Tarantino gegen die Nazis – Alles über ‘Inglourious Basterds’“ (Kleine Schriften zum Film: 1, 2009)

Meine Besprechung von Quentin Tarantinos „Django Unchained“ (Django Unchained, USA 2012)

 Quentin Tarantino in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 3. September: Fair Game – Nichts ist gefährlicher als die Wahrheit

September 3, 2014

ARD, 22.45

Fair Game (Fair Game, USA 2010)

Regie: Doug Liman

Drehbuch: Jez Butterworth, John Henry Butterworth

LV: Joseph Wilson: The Politics of Truth: : A Diplomat’s Memoir – Inside the Lies That Led to War and Betrayed My Wife’s CIA Identity; Valerie Plame: Fair Game: My Life as a Spy, My Betrayal by the White House, 2007

Valerie Plame war CIA-Agentin. Ihr Mann, der Exbotschafter und Bill-Clinton-Berater Joseph Wilson, wurde von George W. Bush beauftragt, in Niger die Beweise für den Irak-Krieg zu liefern. Er fand keine. Die Regierung behauptete das Gegenteil. Wilson ging an die Öffentlichkeit – und die Regierung Bush startete eine Schmutzkampagne gegen Wilson und seine Frau, die dabei als CIA-Agentin enttarnt wurde.

Ein weiterer Polit-Thriller, der mit der Regierung Bush und dem „war on terror“ abrechnet. Doch während der unterschätzte „Green Zone“ (inszeniert von Paul Greengrass, der zwei „Bourne“-Film inszenierte), basierend auf einem Sachbuch, eine Geschichte erfand, nahm „Bourne“-Regisseur Liman als Grundlage für seinen international abgefeierten Film eine Interpretation der wahren Ereignisse, die auch „Plamegate“ (nach „Watergate“) genannt wurde . Die deutschen Kritiker sind dagegen negativer.

Jedenfalls ist es schön, dass der Polit-Thriller der siebziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts eine so gelungene Renaissance erlebt.

mit Sean Penn, Naomi Watts, Sam Shepard, Noah Emmerich, Michael Kelly, Bruce McGill

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Fair Game“

Rotten Tomatoes über „Fair Game“

Wikipedia über „Fair Game“

The Blurb: “Fair Game – The Story behind the Film”

I am rogue: Interview mit Doug Liman über “Fair Game” (4. November 2010)

Meine Besprechung von Doug Limans „Edge of Tomorrow“ (Edge of Tomorrow, USA 2014)


DVD-Kritik: „Leverage – Die finale Staffel“ ist erschienen

September 2, 2014

Nachdem am Ende der vierten Staffel das „Leverage“-Team seine Zentrale in Boston aufgeben musste, trennten sich ihre Wege. Jeder nahm, auf seine eigene Art, eine Auszeit in fremden Städten und füllte sie auch mit einigen nicht ganz legale Tätigkeiten. Jetzt kommen Nathan Ford (Timothy Hutton), Ex-Versicherungsdetektiv und Kopf des „Leverage“-Teams, Sophie Deveraux (Gina Bellman), Schwindlerin und gar nicht so verhinderte Schauspielerin, die in dieser Staffel auch Leiterin eines Theaters wird, Eliot Spencer (Christian Kane), Schläger, Alec Hardison (Aldis Hodge), Hacker, und Parker (Beth Riesgraf), artistische Einbrecherin, in Portland, Oregon, wieder zusammen. In einem neuen Quartier. Sie firmieren wieder als „Leverage Consulting & Associates“, aber das vernachlässigbar-nichtssagende Firmenschild ändert nichts daran, dass sie pro bono immer noch Menschen helfen, die von Konzernen, Wirtschaftsbossen, Politikern und anderen Weiße-Kragen-Kriminellen hereingelegt wurden und denen das Recht nicht hilft. Dann sorgt das „Leverage“-Team für ausgleichende Gerechtigkeit, indem sie die Betrüger betrügen und bloßstellen. Unblutig, clever und mit Stil.

Außerdem betreiben sie das im Erdgeschoss liegende Lokal, wo sie sich mit den Hilfesuchenden treffen und Alec als Brauer verschiedene Biersorten von anscheinend zweifelhafter Qualität ausprobiert, während Eliot, der ein begnadeter Koch ist (wie „Trüffeljagd“ beweist), nicht in der Küche steht, aber eine auf Biersorten abgestimmte Speisekarte für fast unmöglich hält.

Die Fälle der fünften und leider auch letzten Staffel, die im Original immer „Jobs“ heißen und ebenso anspielungsreiche wie witzige Titel haben (Wer denkt beim „The Long Good-bye Job“ nicht sofort an den gleichnamigen Roman von Raymond Chandler? Wer denkt bei „The French Connection Job“ nicht an den Drogenschmuggelthriller „The French Connection“?), sind, im Gegensatz zu den vorherigen „Leverage“-Jobs formal offener, obwohl „Leverage“ nie eine so starre Struktur wie beispielsweise „Law & Order“ oder „CSI“ hatte.

Neben den üblichen und immer witzigen Gauner-legen-Gauner-Geschichten gibt es dieses Mal auch einen „24“-Thriller, eine „Das Fenster zum Hof“-Variante, einen Agatha-Christie-Rätselkrimi und einen Ausflug in die siebziger Jahre, der eigentlich ebenfalls ein Rätselkrimi ist. Denn in „Die wilden Siebziger“ (The D. B. Cooper Job) sollen Nathan und die „Leverage“-Mitglieder herausfinden, was mit D. B. Cooper, dem legendären Flugzeugentführer, der 1971 mit seiner Beute aus einem Flugzeug in ein Waldgebiet sprang und spurlos verschwand, geschah. In den Rückblenden spielen die „Leverage“-Mitglieder die damaligen Charaktere, stilecht angezogen und frisiert. Es gelingt ihnen sogar, D. B. Cooper zu finden.

Es gibt auch wieder zwei Folgen, in denen das „Leverage“-Team getrennt ist. In „Der Anschlag“ (The Rundown Job) sind Eliot, Alec und Parker in Washington, D. C., wo sie innerhalb weniger Stunden einen Terroranschlag verhindern müssen. Das ist dann hemmungsloses wildern in „24“-Gefilden und als Thriller entsprechend humorfrei. Zur gleichen Zeit besuchen Sophie und Nathan eine Auktion, auf der ein besonders wertvolles Gemälde verschwindet. In „Echt gefälscht“ (The Frame-Up Job) müssen sie einerseits ihren alten Bekannten, den Interpol-Agenten Jim Sterling, der sie natürlich verhaften will, überzeugen, dass Sophie das Bild nicht klaute. Gleichzeitig müssen sie den Mord an dem reichen Besitzer der Bilder aufklären und den Urheber etlicher Kunstfälschungen finden.

In „Parker allein zu Haus“ (The Broken Wing Job) erhält Parker, die sich mit einem gebrochenen Bein in der Wohnung langweilt, eine ganze Episode. Als sie zufällig hört, dass zwei Lokalbesucher ein Verbrechen planen, will sie den Überfall auf ein benachbartes Geschäft verhindern; was mit einem Gipsbein gar nicht so einfach ist.

Selbstverständlich kämpfen Nate Ford, Sophie Deveraux, Eliot Spencer, Alec Hardinson und Parker (was für ein schöner Name!) auch gegen Großverbrecher und miese Kapitalisten, die hemmungslos ihre Mitarbeiter ausbeuten und für den Profit über Leichen gehen. Manchmal inszenieren sie dafür eine große Charade, wie in der Auftaktepisode „Bruchlandung“ (The Very Big Bird Job) mit einem Flug in Howard Hughes‘ legendärem Flugzeug „Spruce Goose“ oder in „Wir sind nicht allein“ (The First Contact Job) mit einem Besuch von Außerirdischen. Da ist dann „Die Oldtimer-Show“ (The Real Fake Car Job) mit vielen Oldtimern schon eine leichte Übung.

Eine besonders witzige Variante von diesem Kampf gegen skrupellose Profiteure ist „Sport ist Mord“ (Gimme a K Street Job). Um gegen gefährliche Machenschaften bei Cheerleader-Wettbewerben vorzugehen, gehen sie nach Washington, D. C.. Sie wollen wichtige Kongressmitglieder überzeugen, einem Gesetz zuzustimmen, das aus den Cheerleader-Wettbewerben einen Sport mit höheren Sicherheitserfordernissen machen würde. Das müsste doch, immerhin ist Washington für seine korrupten Politiker bekannt, ganz einfach sein. Aber dann erhalten die „Leverage“-Mitglieder einige Lektionen im politischen Geschäft.

Auch der Kampf gegen eine neu eröffnete Billigkette in einer Provinzstadt, die alle alteingessenen Geschäfte innerhalb weniger Monate vernichtet, in „Kaufrausch“ (The Low Low Price Job), nimmt einen vollkommen anderen Verlauf, als geplant. Denn die Filialleiterin schmettert alle Angriffe ab. Diese sind allerdings auch eher auf dem Niveau einer Sponti-Gruppe. Durchaus spaßig, aber nicht so gut wie die Weihnachtsfolge „Kein Kinderspiel“ (The Toy Job), in dem sie gegen den Besitzer eine Firma vorgehen, der gefährliche Kuscheltiere an Kinder verkaufen möchte. Das wäre legal, weil der frühere Waffenhändler die freiwilligen Produkttests entsprechend manipulierte.

Auch mit gepanschtem Wein, Ausbeutung der Arbeiter und der chemischen Keule kann man einen erklecklichen Profit machen. Als auf dem Weingut ein Arbeiter stirbt, macht das „Leverage“-Team in „Edler Tropfen“ (The Corkscrew Job) sich auf den Weg zum Weingut und dem neuen Besitzer, dem die Qualität seines Weins egal ist, solange der Profit stimmt.

Während sie auf dem Weingut allen Erntearbeitern helfen, müssen sie in „Auf dünnem Eis“ (The Blue Line Job), auf Wunsch seines minderjährigen Sohnes, nur einen Eishockey-Spieler, der unbedingt weiterspielen will, vor einer weiteren Kopfverletzung retten. Eine Verletzung, die der Besitzer des Teams herbeisehnt und dafür auch Spiele manipuliert.

In „Charlie und die Traumfabrik“ (The White Rabbit Job) müssen sie dann – entgegen ihren sonstigen Gepflogenheiten – einen Firmenerben so manipulieren, dass er wieder zu seinen ursprünglichen Werten zurückkehrt. Wie in „Inception“ manipulieren sie sein Unterbewußtsein.

Das Serienfinale „Das schwarze Buch“ (The Long Good-bye Job) ist dann eine eher zwiespältige Angelegenheit. Sie wollen das titelgebende Buch, in dem die Namen der Profiteure der Finanzkrise von 2007/2008 stehen, aus einem bestens gesichertem Gebäude klauen. Auf den ersten Blick geht der Job schief. Für meinen Geschmack wirkte dieser letzte Job, nach 76 erfolgreichen Jobs, wie eine hastig zum Abschluss erklärte Folge. Dieser Eindruck verstärkt sich auch, weil in den vorherigen Jobs der fünften „Leverage“-Staffel keine folgenübergreifenden Geschichte erzählt wird und so auch nichts das große Finale andeutet.

Das ändert aber nichts daran, dass auch in der fünften und leider letzten Staffel „Leverage“ immer noch eine vergnügliche, witzige und sehr kurzweilige Robin-Hood-Serie ist. Und insgesamt 77 Episoden und drei Romanen („The Con Job“ von Matt Forbeck, „The Zoo Job“ von Keith R. A. Decandido und „The Bestseller Job“ von Greg Cox), die nach dem Ende der Serie veröffentlicht wurden, sind keine schlechte Bilanz.

Leverage - Staffel 5 - DVD-Cover

 

Leverage – Staffel 5 (Leverage, USA 2012)

Erfinder: John Rogers, Chris Downey

mit Timothy Hutton (Nathan Ford), Gina Bellman (Sophie Deveraux), Christian Kane (Eliot Spencer), Beth Riesgraf (Parker), Aldis Hodge (Alec Hardinson)

Gäste (Yeah, es waren wieder einige bekannte Gesichter dabei): Gary Elwes, Adam Baldwin, Treat Williams, Thure Riefenstahl, Fred Ward, Monte Markham, Gregg Henry, Catherine Dent, Mark Sheppard

DVD

Edel

Bild: 16:9

Ton: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: –

Bonusmaterial: Geschnittene Szenen, Hinter den Kulissen (naja, ein Gag Reel) (insgesamt 13 Minuten)

Länge: 609 Minuten (4 DVDs)

FSK: ab 12 Jahre

Die finalen Jobs des „Leverage“-Teams

Bruchlandung (The (Very) Big Bird Job)

Regie: John Rogers

Drehbuch: John Rogers

Auf dünnem Eis (The Blue Line Job)

Regie: Marc Roskin

Drehbuch: M. Scott Veach, Paul Guyot

Wir sind nicht allein (The First Contact Job)

Regie: Jonathan Frakes

Drehbuch: Aaron Denius Garcia

Trüffeljagd (The French Connection Job)

Regie: Tawnia McKiernan

Drehbuch: Paul Guyot

Sport ist Mord (The Gimme a K Street Job)

Regie: Jonathan Frakes

Drehbuch: Jeremy Bernstein

Die wilden Siebziger (The D. B. Cooper Job)

Regie: Marc Roskin

Drehbuch: Chris Downey

Die Oldtimer-Show (The Real Fake Car Job)

Regie: John Harrison

Drehbuch: Josh Schaer

Parker allein zu Haus (The Broken Wing Job)

Regie: John Harrison

Drehbuch: Rebecca Kirsch, M. Scott Veach

Der Anschlag (The Rundown Job)

Regie: Dean Devlin

Drehbuch: Chris Downey, John Rogers, Josh Schaer

Echt gefälscht (The Frame-Up Job)

Regie: Marc Roskin

Drehbuch: John Rogers, Geoffrey Thorne, Jeremy Bernstein

Kaufrausch (The Low Low Price Job)

Regie: Tawnia McKiernan

Drehbuch: Rebecca Kirsch

Charlie und die Traumfabrik (The White Rabbit Job)

Regie: PJ Pesce

Drehbuch: Geoffrey Thorne

Edler Tropfen (The Corkscrew Job)

Regie: Marc Roskin

Drehbuch: Jenn Kao

Kein Kinderspiel (The Toy Job)

Regie: Jonathan Frakes

Drehbuch: Joe Hortua

Das schwarze Buch (The Long Good-bye Job)

Regie: Dean Devlin

Drehbuch: John Rogers, Chris Downey

Hinweise

TNT über „Leverage“

Vox über „Leverage“

Serienjunkies über “Leverage”

Wikipedia über „Leverage“ (deutsch, englisch)

“Leverage”-Wiki

Kung Fu Monkey (Blog von Serienerfinder John Rogers)

Meine Besprechung von „Leverage – Staffel II” (Leverage – Season II, USA 2009/2010)

Meine Besprechung von “Leverage – Staffel III” (Leverage – Season III, USA 2011)

Meine Besprechung von “Leverage – Staffel IV” (Leverage – Season IV, USA 2011/2012)