TV-Tipp für den 18. Februar: Der Schlachter/Vor Einbruch der Nacht

Februar 18, 2019

Heute: Ein Claude-Chabrol-Double-Feature

Arte, 20.15

Der Schlachter (Le boucher, Frankreich/Italien 1969)

Regie: Claude Chabrol

Drehbuch: Claude Chabrol

In der Provinz verliebt sich eine Lehrerin in einen Schlachter. Dieser ist allerdings auch der in der Gegend gesuchte Kindermörder.

Ein Chabrol-Klassiker über zwei beschädigte Menschen, die nicht zueinander finden können.

Mit Stéphane Audran, Jean Yanne, Roger Rudel

Hinweise

AlloCiné über „Der Schlachter“

Rotten Tomatoes über „Der Schlachter“

Wikipedia über „Der Schlachter“ (deutsch, englisch, französisch)

Arte, 21.45

Vor Einbruch der Nacht (Juste avant la nuit, Frankreich 1971)

Regie: Claude Chabrol

Drehbuch: Claude Chabrol

LV: Edward Atiyah: The thin line, 1951 (später Murder, my Love)

Bei einem SM-Spiel tötet Charles Masson seine Geliebte. Er gesteht die Tat seiner Frau und dem Mann seiner Geliebten. Der ist zugleich sein bester Freund. Beide raten ihm davon ab, zur Polizei zu gehen. Aber kann Masson mit seiner Schuld leben?

Chabrol rechnet mal wieder mit der Moral der Bourgeoisie ab. Ein mehr als selten gezeigter Chabrol-Klassiker.

Masson „ist ein Gefangener seiner eigenen Welt, der er letztlich zum Opfer fällt. Chabrol inszeniert dies mit der analytisch-sezierenden Brillanz eines Chirurgen, er nutzt die Kamera und ihre Bewegungen über ihren ästhetischen Aspekt hinaus zur psychologischen Beweisführung. Darin ist er seinem Vorbild Alfred Hitchcock sehr nahe.“ (Meinolf Zurhorst: Lexikon des Kriminalfilms, 1985/1993)

mit Michel Bouquet, Stéphane Audran, Jean Carmet, Francois Périer, Henri Attal

Hinweise

AlloCiné über „Vor Einbruch der Nacht“

Rotten Tomatoes über „Vor Einbruch der Nacht“

Wikipedia über „Vor Einbruch der Nacht“ (deutsch, englisch, französisch) und Claude Chabrol (deutsch, englisch, französisch)

Mein Nachruf auf Claude Chabrol

Claude Chabrol in der Kriminalakte

 


Privatdetektive: Vic Warshawski erreicht die „Kritische Masse“

Februar 17, 2019

Kurz nachdem Robert B. Parker in seinen Spenser-Romanen das Modell des Privatdetektivs und seines besten Freundes etablierte, etablierte Sara Paretsky etwas anderes: den weiblichen Privatdetektiv. Ihr Charakter Vic Warshawski begann als weiblicher Philip Marlowe. Ihr erster Auftritt war in „Schadenersatz“ (Indemnity Only, 1982). In den nächsten Jahren folgten ziemlich schnell weitere Hardboiled-Romane mit ihr. Sie waren Kritiker- und Publikumserfolge. Weitere Autorinnen begannen Krimis mit taffen Privatdetektivinnen zu schreiben. In ihren Romanen behandelten sie auch die gesamte Palette aktueller Themen.

Neben Preisen und Nominierungen für ihre Romane wurde Sara Paretsky mehrmals für ihr Lebenswerk ausgezeichnet. 2002 erhielt sie den Cartier Diamond Dagger Award der Crime Writers‘ Association, 2011 den Anthony Lifetime Achievement Award und, ebenfalls 2011, wurde sie Grand Master der Mystery Writers of America (MWA).

Zur Verleihung des Titels Grand Master an Sara Paretsky schrieb die MWA: „The mystery genre took a seven-league stride thanks to Sara Paretsky, whose gutsy and dauntless protagonist showed that women can be tough guys, too,“ said Larry Light, Executive Vice President of Mystery Writers of America. „Before, in Sara’s words, women in mysteries were either vamps or victims. Her heroine, private eye V.I. Warshawski, is whip-smart and two-fisted, capable of slugging back whiskey and wrecking cars, and afire to redress social injustice.“

Mit „V. I. Warshawski – Detektivin in Seidenstrümpfen“ (V. I. Warshawski) gab es 1990 auch eine sehr freie, Richtung Komödie gehende Verfilmung des Warshawski-Krimis „Deadlock“ mit Kathleen Turner als Detektivin. Das Beste was über den Film gesagt werden kann, ist, dass aus der geplanten Serie nichts wurde und das dümmliche Machwerk vergessen ist; — das sind schon zwei Dinge.

Paretsky schrieb weiter. In den USA sind ihre Krimis Bestseller. In Deutschland veröffentlichte Piper zehn, Goldmann zwei und Piper einen ihrer Warshawski-Romane. Fast alle sind nur noch antiquarisch erhältlich. Fünf Warshawski-Romane sind noch nicht übersetzt. Paretsky schrieb auch zwei Einzelromane.

Und sie ist eine der Gründerinnen des internationalen Netzwerks „Sisters in Crime“.

Mit „Kritische Masse“ wagt jetzt der Argument-Verlag einen Neustart.

Dieses Mal sucht Vic Warshawski zunächst die spurlos verschwundene, drogensüchtige Judy Binder. In einem einsam in Palfry, einem Kuhdorf hundert Meilen weg von ihrer Heimat Chicago, gelegenem Meth-Haus findet Warshawski zwar nicht Judy, aber eine Leiche. Über ein, zwei Umwege wird Warshawski von Judys Mutter beauftragt, Martin Binder zu finden. Martin ist Judys Sohn, der noch bei seiner Großmutter lebt und ebenfalls spurlos verschwunden ist. Zuletzt arbeitete er bei Metargon, einer großen, seit Jahrzehnten bestehenden Computerfirma. Der Gründungsmythos reicht zurück bis zum Zweiten Weltkrieg. In der Firma entdeckte Martin etwas, das ihn beunruhigte und zu eigenen Nachforschungen veranlasste. Kurz darauf verschwindet er spurlos. Seitdem gibt es auch keine elektronischen Spuren von ihm.

Während Warshawski Judy und Martin Binder sucht, beginnt sie sich für die Vergangenheit der Familie Binder zu interessieren. Die jüdische Familie flüchtete während der Nazi-Diktatur aus Österreich.

Weil in einem Kriminalroman ein Autor nicht einfach so in epischer Breite vollkommen belanglose Informationen über das Leben der Eltern, Großeltern und Urgroßeltern von Figuren erzählt, ist schon auf den ersten Seiten klar, dass diese Geschichten aus der Vergangenheit etwas mit Martins Verschwinden zu tun haben werden. Damit ist auch klar, dass Martin wahrscheinlich keine aktuellen krummen und staatsbedrohenden Geschäfte von Metargon entdeckte. Diese Lösung wird angedeutet, als Warshawski eines Abends in ihrer Wohnung zurückkehrt und dort auf zwei Heimatschutz-Agenten trifft. Sie sind bei ihr eingebrochen und murmeln etwas von nationaler Sicherheit.

Insgesamt ist nach gut 540 Seiten die Erklärung für Martins Verschwinden dann fast schon erstaunlich unspektakulär und die Geschichte verliert sich etwas zu sehr in der Geschichte der Familie Binder. 

Das ändert nichts daran, dass die Freude über die Rückkehr von Sara Paretsky auf den deutschen Buchmarkt eindeutig überwiegt.

Nächstes Jahr will der Argument-Verlag einen weiteren Warshawski-Roman veröffentlichten.

Sara Paretsky: Kritische Masse

(übersetzt von Laudan & Szelinski)

Ariadne/Argument Verlag, 2018

544 Seiten

24 Euro

Originalausgabe

Critical Mass

G. P. Putnam’s Sons, 2013

Die Warshawski-Krimis

Schadenersatz (Indemnity Only, 1982)

Deadlock (Deadlock, 1984)

Fromme Wünsche (Killing Orders, 1985)

Tödliche Therapie (Bitter Medicine, 1987)

Blood Shot (Blood Shot, 1988 [britischer Titel: Toxic Shock])

Brandstifter (Burn Marks, 1990)

Eine für alle (Guardian Angel, 1992)

Engel im Schacht (Tunnel Vision, 1994)

Die verschwundene Frau (Hard Time, 1999)

Ihr wahrer Name (Total Recall, 2001)

Blacklist (Blacklist, 2003)

Feuereifer (Fire Sale, 2005)

Hardball (Hardball, 2009)

Body Work (2010)

Breakdown (2012)

Kritische Masse (Critical Mass, 2013)

Brush Back (2015)

Fallout (2017)

Shell Game (2019)

Hinweise

Homepage von Sara Paretsky

Wikipedia über Sara Paretsky (deutsch, englisch)

Thrilling Detective über Vic Warshawski

Ein Gespräch mit Sara Paretsky von 2009

Sara Paretsky 2013 in der National Writers Series


TV-Tipp für den 17. Februar: Biester

Februar 16, 2019

Arte, 20.15

Biester (La cérémonie, Frankreich/Deutschland 1995)

Regie: Claude Chabrol

Drehbuch: Claude Chabrol, Caroline Eliacheff

LV: Ruth Rendell: A Judgment in Stone, 1977 (Urteil in Stein)

Die wohlhabenden Lelièvres schätzen Sophie als Hausmädchen. Dabei wissen sie nichts über ihre Perle. Ganz im Gegensatz zur Postbeamtin Jeanne.

Chabrols ruhiger Thriller blickt einmal mehr hinter die Kulissen der Provinz-Bourgeoisie. Der Ausgang seines „marxistischen Thrillers“ (Chabrol über Biester) ist letal. „Der sozialen Hinrichtung der Repräsentanten der Unterschicht folgt die körperliche Hinrichtung der Bourgeoisie. Das ist der totale Krieg zwischen den Klassen. Und Chabrol setzt ihn unverhüllt in Szene.“ (Fischer Film Almanach 1996)

Anschließend, um 22.00 Uhr, zeigt Arte die einstündige Doku „Claude Chabrol, Filmemacher des stillen Skandals“ (Frankreich 2018).

Mit Isabelle Huppert, Sandrine Bonnaire, Jean-Pierre Cassel, Jacqueline Bisset

Wiederholung: Freitag, 1. März, 00.30 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über “Biester”

Wikipedia über “Biester” (deutsch, englisch, französisch), Ruth Rendell (deutsch, englisch) und Claude Chabrol (deutsch, englisch, französisch)

Mein Nachruf auf Claude Chabrol

Claude Chabrol in der Kriminalakte

 


TV-Tipp für den 16. Februar: Mein Leben als Zucchini

Februar 15, 2019

3sat, 22.20

Mein Leben als Zucchini (Ma vie de courgette, Schweiz/Frankreich 2016)

Regie: Claude Barras

Drehbuch: Céline Sciamma, Germano Zullo (Mitarbeit), Claude Barras (Mitarbeit), Morgan Navarro (Mitarbeit)

LV: Gilles Paris: Autobiographie d’une Courgette, 2002 (Autobiographie einer Pflaume, Mein Leben als Zucchini)

Nach dem Tod seiner Mutter wird der neunjährige Zucchini in das Kinderheim von Madame Papineua geschickt. Er muss neue Freunde finden und verliebt sich auch ein wenig in Camille. Doch dann soll Camille das Heim verlassen.

Wunderschöner, sehr gelungen sehr viele, sehr ernste Themen ansprechender Trickfilm, der auch für den Oscar als bester Animationsfilms des Jahres nominiert war. Den Preis als Bester Europäischer Animationsfilm und den Preis des Züricher Filmfest als bester Kinderfilm erhielt er. Neben einigen anderen.

Die heutige TV-Premiere dient natürlich nur dazu, dass Erwachsene sich den Film ansehen und ihn dann, so schnell es geht, mit ihren Kindern wieder ansehen.

Die DVD

Polyband

Bild: 16:9 (1,85:1)

Ton: Deutsch, Französisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch, Englisch, Deutsch für Fortgeschrittene

Bonusmaterial: Making-Of, Behind the Scenes-Clips, Zucchini beim Casting, Trailer

Länge: 63 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

Hinweise

AlloCiné über „Mein Leben als Zucchini“

Moviepilot über „Mein Leben als Zucchini“

Rotten Tomatoes über „Mein Leben als Zucchini“

Wikipedia über „Mein Leben als Zucchini“ (deutsch, englisch, französisch)


TV-Tipp für den 15. Februar: Jodorowsky’s Dune

Februar 14, 2019

Arte, 21.45

Jodorowsky’s Dune (Jodorowsky’s Dune, Frankreich/USA 2013)

Regie: Frank Pavich

Drehbuch: Frank Pavich

Bevor David Lynch Frank Herberts SF-Saga „Der Wüstenplanet“ (Dune, 1965) verfilmte, sollte Alejandro Jodorowsky das Buch verfilmen. Die Verfilmung zerschlug sich. Die Pläne wurden legendär. Die Doku zeigt, warum Jodorowskys „Dune“ einer der großen nie gedrehten Filme ist. Jedenfalls wenn man sich die Ideen, Pläne und Visionen ansieht und anhört.

Aktuell ist Denis Villeneuve mit einer Verfilmung von „Dune“ beauftragt. Die Dreharbeiten sollen im Frühling beginnen und die Liste der Stars, die mitspielen, wird immer länger. Aktuell sind Timothée Chalamet (als Paul Atreides), Rebecca Ferguson, Josh Brolin, Charlotte Rampling, Javier Bardem, Dave Bautista, Stellan Skarsgård und, zuletzt, Josh Brolin dabei. Mit Zendaya und Oscar Isaac wird verhandelt. Einen Starttermin gibt es noch nicht.

Mit Alejandro Jodorowsky, Amanda Lear, Brontis Jodorowsky, Chris Foss, Christian Vander, Devin Faraci, Drew McWeeny, Gary Kurtz, H. R. Giger, Jean-Paul Gibon, Jean-Pierre Vignau, Michel Seydoux, Nicolas Winding Refn, Richard Stanley

Hinweise

Arte über die Doku (in der Mediathek bis zum 16. März)

Rotten Tomatoes über „Jodorowsky’s Dune“

Wikipedia über „Jodorowsky’s Dune“


Neu im Kino/Filmkritik: „Alita: Battle Angel“ in einer fremden Welt

Februar 14, 2019

Die Spielfilme von Robert Rodriguez waren bislang brutale, satirisch überhöhte Thriller, wie sein grandioser No-Budget-Einstand „El Mariachi“, seine grandiose Frank-Miller-Verfilmung „Sin City“ und seine grandiose ultrabrutale Exploitation-Satire „Machete“, und die „Spy Kids“-Kinderfilme. Sein neuester Film, fünf Jahre nach dem überflüssigen „Sin City: A Dame to kill for“, ist ein weiterer Kinderfilm.

Naja, fast.

Denn „Alita: Battle Angel“ richtet sich vor allem an ein pubertierendes Publikum, überwältigt die Teenager mit grandiosen Bildern, die nach der größtmöglichen Leinwand schreien, und unterfordert sie mit seiner Geschichte, die letztendlich nur eine zweistündige Ouvertüre ist. Fortsetzung ungewiss.

Die Filmgeschichte spielt im 26. Jahrhundert in Iron City. Die Erde ist seit einem dreihundert Jahre zurückliegendem Krieg eine gut aussehende Müllkippe. Iron City erinnert an eine südländische Multikulti-Metropole, in der die Gebäude heimelig mittelalterlich, die Technik cyberpunkig modern ist. Am Himmel schwebt die Wolkenstadt Zalem. In dem Luftschiff leben die Reichen. Heißt es. Denn bis auf einen austauschbaren Kommandostand sehen wir nichts von Zalem.

Diese Welt sieht ein wenig wie die saubere Version von „District 9“ aus und die Struktur der Gesellschaft erinnert an „Elysium“. Wobei, historisch betrachtet, zuerst „Alita: Battle Angel“ da war. Denn der Spielfilm basiert auf einem erfolgreichen Manga von Yukito Kishiro, der in Japan ab 1991 erschien und der später auch ins Deutsche übersetzt wurde. James „Terminator“ Cameron sicherte sich früh die Rechte. Schon seit fast zwanzig Jahren plante er die Verfilmung, aber weil er inzwischen mit seinen „Avatar“-Filmen ausgelastet ist, gab er die Regie an Robert Rodriguez ab. Der inszenierte den Film, der mehr oder weniger auf den ersten vier Bänden des Mangas basiert, für seine Verhältnisse sehr konservativ. Er sah sich als Vollender von Camerons Vision. Deshalb wollte er den Film so drehen, wie Cameron ihn wahrscheinlich gedreht hätte. Den einzigen Exzess, den er sich dieses Mal erlaubt, ist die visuelle Gestaltung der Welt. Mehr oder weniger der gesamte Film entstand letztendlich am Computer, aber auch auf der riesigen IMAX-Leinwand (über vierzig Minuten wurden speziell für das IMAX-Format formatiert) wirkt die sehr detailfreudig gezeichnete Welt sehr real.

Bei einem seiner Suchen nach verwertbaren Dingen entdeckt Ido (Christoph Waltz) auf dem Schrottplatz, wo der Schrott von Zalem abgeworfen wird, den schwer ramponierten, aber noch funktionstüchtigen Teilkörper eines Cyborgs. Der Cyborg-Doktor nimmt den Schatz mit und repariert ihn. Er verpasst ihm einen weiblichen Körper.

Als sie aufwacht, kann Alita (Rosa Salazar) sich zunächst an nichts erinnern, aber sie kann gut kämpfen. Während sie ihre Fähigkeiten entdeckt und sich langsam an ihre Vergangenheit und ihr Leben vor einigen Jahrhunderten erinnert, befreundet sie sich mit einer Gruppe Jugendlicher. Und sie verliebt sich in Hugo (Keean Johnson) einen sympathischen Jugendlichen mit Desperado-Attitüde, der auch in einige halbseidene Geschäfte verwickelt ist. Er will nach Zalem, weil er sich dort ein besseres Leben erhofft. Sie will nach Zalem, weil sie sich dort weitere Informationen über ihre Vergangenheit erhofft.

Der Weg in die Wolkenstadt führt über die Teilnahme an einem Wettbewerb, der anscheinend direkt aus „Rollerball“ geklaut wurde: auf einer Rennbahn müssen die Teilnehmenden sich gegenseitig besiegen und einen Ball ins Ziel bringen. Regeln gibt es nicht. Organisiert werden diese, die Massen von der Realität ablenkenden Motorball-Wettbewerbe von Vector (Mahershala Ali) und Idos Ex-Frau Chiren (Jennifer Connelly).

Am Ende haben wir überzeugende Schauspieler und Spezialeffekte, eine angenehm ruhig-altmodische Inszenierung, die einen geruhsam in die Welt von Alita sinken lässt und eine Geschichte, die einfach nicht vom Fleck kommt. Denn fast alles ist ein für diesen Film unwichtiges Setup.

Es ist daher auch eine Welt, in der man niemals das Gefühl hat, man müsse unbedingt in sie zurückkehren. Dafür sind die Charaktere, von denen etliche das Filmende nicht erleben, zu eindimensional und die Idee, dass man über einen archaischen Wettbewerb in die Welt der Reichen aufsteigen kann, zu idiotisch. Vor allem, weil in dem Film mehrmals betont wird, dass das bis jetzt noch niemand gelungen ist und auch gezeigt wird, warum das im Rahmen des Wettbewerbs auch niemand gelingen wird.

Am Ende ist „Alita: Battle Angel“ eine visuell beeindruckende Produktpräsentation, in der es darum geht, zu zeigen, was alles am Computer gemacht werden kann. Eine mitreisende Geschichte gehört nicht dazu.

Alita: Battle Angel (Alita: Battle Angel, USA 2019)

Regie: Robert Rodriguez

Drehbuch: James Cameron, Laeta Kalogridis, Robert Rodriguez

LV (basierend auf): Yukito Kishiro: Gunnm (Manga-Serie, ab 1991)

mit Rosa Salazar, Christoph Waltz, Jennifer Connelly, Mahershala Ali, Ed Skrein, Jackie Earle Haley, Keean Johnson, Jeff Fahey, Casper Van Dien

Länge: 123 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Alita: Battle Angel“

Metacritic über „Alita: Battle Angel“

Rotten Tomatoes über „Alita: Battle Angel“

Wikipedia über „Alita: Battle Angel“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Frank Miller/Robert Rodriguez‘ „Sin City 2: A Dame to kill for (Frank Miller’s Sin City: A Dame to kill for, USA 2014)

 


TV-Tipp für den 14. Februar: Maggies Plan

Februar 14, 2019

3sat, 22.25

Maggies Plan (Maggie’s Plan, USA 2015)

Regie: Rebecca Miller

Drehbuch: Rebecca Miller (nach einer Geschichte von Karen Rinaldi)

Die New Yorkerin Maggie (Greta Gerwig) will ein Baby und sie hat auch schon den perfekten Samenspender gefunden. Da trifft die Akademikerin zufällig einen Literaturprofessor (Ethan Hawke), verliebt sich in ihn und ihr erster Plan geht in die Binsen. Als drei Jahre später das Zusammenleben mit John nicht so traumhaft ist, wie sie sich erhofft hat, entwirft sie einen neuen Plan.

TV-Premiere: Wunderschöne Screwball-Comedy im New Yorker Intellektuellenmilieu. Das erinnert natürlich an Woody Allen, aber Rebecca Miller hat eine ganz andere Handschrift.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Greta Gerwig, Ethan Hawke, Julianne Moore, Bill Hader, Maya Rudolph, Travis Fimmel, Ida Rohatyn, Wallace Shawn

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Berlinale über „Maggies Plan“

Moviepilot über „Maggies Plan“

Metacritic über „Maggies Plan“

Rotten Tomatoes über „Maggies Plan“

Wikipedia über „Maggies Plan“

Meine Besprechung von Rebecca Millers „Maggies Plan“ (Maggie’s Plan, USA 2015)


Fantastisch! „Die wandernde Erde“ und andere SF-Kurzgeschichten von Cixin Liu

Februar 13, 2019

Die drei Sonnen“, der erste Band der Trisolaris-Trilogie, bringt es auf gut sechshundert Seiten. Der Folgeband „Der dunkle Wald“ auf über achthundert Seiten und der für April angekündigte Abschluss der Trilogie, „Jenseits der Zeit“, soll gut tausend Seiten umfassen. Das ist eine Menge Holz und eine Menge Lebenszeit und -energie, die Cixin Liu von seinem Publikum fordert. Der jetzt erschienene Sammelband „Die wandernde Erde“ kann Unentschlossenen, die zuerst einmal prüfen wollen, ob sie mit dem Autor etwas anfangen können, bei der Entscheidung helfen. Die Kurzgeschichten bieten einen guten, facettenreichen und sehr flott lesbaren Einstieg in das Werk von Cixin Liu, dem Shooting Star und neuen Liebling der Science-Fiction-Gemeinde.

Nachdem Liu seit Jahren in seiner Heimat China regelmäßig mit dem Galaxy Award, dem bedeutendsten Genre-Literaturpreis Chinas, ausgezeichnet wurde, erhielt die US-Ausgabe von „Die drei Sonnen“ auch den Hugo Award. Das Epos wurde ein Bestseller. Auch die anderen Hard-Science-Fiction-Werke von Liu sind sehr beliebt.

In den elf zwischen 1999 und 2008 erschienen Geschichten, von denen zwei, drei sehr lose miteinander zusammen hängen, zeigt er, was ihn von anderen SF-Autoren unterscheidet. Der eine Teil – Außerirdische und aus heutiger Sicht fantastische technische Entwicklungen – gehört zur Science-Fiction-DNA. Der andere Teil ist dagegen kulturell bedingt und individuell. Selbstverständlich hat jeder Autor seine eigene Sicht auf die Welt und gerade wenn er Science-Fiction (oder Fantasy) schreibt, kann er seiner Fantasie freien Lauf lassen. Allerdings ist gerade Science-Fiction auch immer kulturell verwurzelt. Sie bietet ein Bild der Welt, in der der Autor lebt. Sein Schreiben und Denken ist in einer bestimmten Kultur verwurzelt. Und als Science-Fiction-Autor kann er im Gewand von zukünftigen Entwicklungen und mehr oder weniger fantastischen Welten (Eine Gesellschaft, in der Frauen die Welt beherrschen? Kein Problem. Eine Welt, in der Menschen vier Köpfe und acht Arme haben und auf Dinosauriern durch die Welt reiten? Dito.) seinen Mitmenschen einen Spiegel vorhalten, Möglichkeiten eines anderen Lebens zeigen und auch Kritik an der Gesellschaft und bestimmten Entwicklungen üben.

Gerade das macht die in China spielenden Geschichten von Cixin Liu so aufregend.

Neben der Auseinandersetzung mit der chinesischen Gesellschaft, schimmert in seinen Geschichten auch immer eine sehr unwestliche Philosophie durch. Einige Sätze aus dem Sammelband „Die wandernde Erde“ verdeutlichen das:

Ach, es lag auf dem Weg. Als wir sahen, dass es hier eine intelligente Zivilisation gibt, wollten wir ein bisschen plaudern – mit dem Erstbesten, der auf den Berg bestieg.“

Danke! War nett, sich mit dir zu unterhalten. Aber langsam müssen wir weiter. Wir haben noch fünfzigtausend Jahre vor uns, da muss man sich schon ranhalten.“

Die Zeit ist unendlich. Irgendwann nimmt alles seinen Anfang, sage ich. Irgendwann nimmt alles seinen Anfang.“

Wer geduldig zu warten vermag, dem kann sich in diesem Universum jeder Wunsch erfüllen. Es mag nur eine äußerst geringe bestehen, aber sie existiert.“

Ihre Anordnung war das Ergebnis einer Reihe von Flugmanövern unglaublich komplizierter Natur. Diese Manöver verwirrten die Menschen, bis sie herausfanden, dass sie allein dem Zweck dienten, alle Schiffe gleichzeitig in ihre Endposition zu bringen. Andernfalls hätte ihre Gravitation womöglich lebensbedrohliche Gezeiten in den Ozeanen der Erde heraufbeschworen. So viel Rücksichtnahme beruhigte die Menschheit ein wenig: Zumindest schienen die Aliens keine feindlichen Absichten zu hegen.“

Während in westlichen Science-Fiction-Geschichten das Zusammentreffen mit den Außerirdischen normalerweise der Anfang von einem interstellaren Krieg ist, bei dem unsere Erde vor einer Vernichtung gerettet werden muss, Aliens prinzipiell böse sind und spätestens seit „Blade Runner“ die Welt eh nur noch eine dystopische Müllhalde ist, sind bei Cixin Liu die Begegnungen mit Außerirdischen fast immer von einer freundlichen Neugier geprägt. Oder es gibt Außerirdische, die vor anderen Außerirdischen warnen.

Ein weiterer Punkt, in dem Lius Geschichten (das gilt auch für die Trisolaris-Trilogie) sich von westlichen SF-Geschichten unterscheiden, ist der Zeithorizont. Bei ihm brechen die außerirdischen Besucher nach einer kurzen Stippvisite, die ungefähr die Länge einer Tasse Kaffee hatte, auf zu ihrem Ziel, das sie in fünfzigtausend Jahren erreichen wollen. In seiner inzwischen verfilmten Geschichte „Die wandernde Erde“ wird die Erde aus ihrer Umlaufbahn befördert, weil Forscher annehmen, dass es in vierhundert Jahren zu einer die Erde und das Sonnensystem vernichtenden Sonnenexplosion kommen wird. Und in „Weltenzerstörer“ warnt ein kleines Mädchen, das seit sechzigtausend Jahren unterwegs ist, die Menschen, dass der Weltenzerstörer in einem Jahrhundert die Erde vernichten wird.

Dieses Denken in unglaublich langen Zeithorizonten von mehreren Generationen und den Menschen, die ihr Handeln daran ausrichten, ist dem Westen sehr fremd. Schließlich klopften unsere Vorfahren sich vor hundert Jahren den Staub vom Ersten Weltkrieg ab und vor fünfhundert Jahren dachten unsere Urahnen noch nicht einmal an die Aufklärung. Immerhin vollzogen sie gerade die kopernikanische Wende.

In den anderen in „Die wandernde Erde“ versammelten Kurzgeschichte erzählt Cixin Liu wie die Kooperation zwischen Ameisen und Dinosauriern zu einer technisch weit entwickelten Welt führte und wie sie zerstört wird („Das Ende der Kreidezeit“). Er schreibt über einen Mann, der einen von Außerirdischen errichteten Wassergipfel erklimmt, sie auf dem Gipfel trifft und sich mit ihnen unterhält („Gipfelstürmer“). Er erzählt die Geschichte von Shuiwa, der aus einem Dorf kommt und seines über Jahrzehnte erfolgenden Aufstiegs in immer höhere Sphären („Die Sonne Chinas“). Er schreibt über die Ankunft von zwei Milliarden Göttern auf der Erde, die darum bitten, von den Menschen versorgt zu werden und wie diese Begegnung mit den vielen freundlichen, aber auch tatterigen Aliens verläuft („Um Götter muss man sich kümmern“). Er erzählt von den ungeahnten Folgen eines zunächst harmlosen Computervirus und der Rolle, die Hard-SF-Autor Cixin Liu und sein Schriftstellerkollege Pan Dajiao (früher SF, jetzt Fantasy) dabei spielen („Fluch 5.0“). Er schreibt über einen Astronauten, der bei der Rückkehr auf die Erde nach fünfundzwanzigtausend Jahren entdeckt, wie die Menschheit sich mit einer überraschenden Idee aus der existenzbedrohenden Notlage rettete, die auch der Grund für seine Mission war („Das Mikrozeitalter“). Er schreibt über einen Auftragsmörder, der im Auftrag der reichsten Männer des Planeten drei Habenichtse umbringen soll und was sein Auftrag mit der Ankunft der Alten (wie dieses Mal die Außerirdischen genannt werden) zu tun hat („Die Versorgung der Menschheit“). Er schreibt über einen Wissenschaftler, der nach seinem vierundsiebzigjährigem kryonischen Kälteschlaf sofort von einer Gruppe Menschen entführt wird, die ihn für die Taten seines Sohns büßen lassen wollen („Durch die Erde zum Mond“) und über eine Frau, die mit einer Multisensor-Brille einer anderen Frau einen unvergesslichen Kurzurlaub in der Natur bietet („Mit ihren Augen“).

Aber wichtiger als der Kurzurlaub ist, wer die andere Frau ist, wo sie ist und warum sie an diesem Ort ist. Und das erklärt, warum für sie die Bilder von dem Urlaub auf der Erde so bedeutsam sind. Damit reiht sich „Mit ihren Augen“ in Lius andere Kurzgeschichten ein. Es geht ihm in erster Linie nicht um eine nach bekannter Manier erzählte Geschichte einer Konfrontation. Bei ihm steht immer die Idee und die Schilderung einer Welt oder einer sich über viele Jahre, Jahrzehnte und oft auch Jahrhunderte erstreckende Geschichte im Mittelpunkt. Gerne verbunden mit wissenschaftlichen Ideen und einem optimistischen Blick in die Zukunft. Immer mit einer gelungenen Schlusspointe. Und immer zum Nachdenken anregend.

Es sind Gedankenexperimente, Ideen und Theorien, die Liu liebevoll ausformuliert, während er den Plot und die Charaktere vernachlässigt. Die meisten Charaktere sind reine Platzhalter. Es sind Erzähler, die einem anderen von ihrer Welt und ihrem Leben erzählen. Wie die Götter, die in „Um Götter muss man sich kümmern“ erzählen, wie sie bereits mehrere Welten erschufen und was dabei passierte. Und das ist so spannend, dass man die Geschichten, die einen in sehr verschiedene Welten entführen, schnell hintereinander liest.

Cixin Liu: Die wandernde Erde

(übersetzt von Karin Betz, Johannes Fiederling und Marc Hermann)

Heyne, 2019

688 Seiten

14,99 Euro

Originalausgabe

Liulang diqiu

Beijing Wenyi Chubanshe, 2008

enthält

Die wandernde Erde, 2000 (Liulang diqiu, ausgezeichnet mit dem Galaxy Award 2000)

Gipfelstürmer (Shan, 2006)

Das Ende der Kreidezeit (vom Autor gekürzte Fassung von Dang konglong yu shang mayi, 2004)

Die Sonne Chinas (Zhongguo taiyang, 2002, Galaxy Award 2002)

Um Götter muss man sich kümmern (Shanyang shangdi, 2005, Premio Ignotus für die beste fremdsprachige Kurzgeschichte 2015)

Fluch 5.0 (Taiyuan zuzhou, ?)

Das Mikrozeitalter (Wei jiyuan, 2001)

Weltenzerstörer (Ren he tunshizhe, 2002, bereits als Einzelband erschienen)

Die Versorgung der Menschheit (Shanyang reinlei, 2005, Galaxy Award 2005)

Durch die Erde zum Mond (Diqiu dapao, 2003, Galaxy Award 2003)

Mit ihren Augen (Daishang tade yanjing, 1999, Prix Imaginaire 2018)

Hinweise

Blog/Homepage von Cixin Liu (laut Wikipedia und wer…)

Phantastik Couch über Cixin Liu

Die Zukunft über Cixin Liu

Wikipedia über Cixin Liu (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Cixin Lius „Spiegel“ (Jingzi, 2004)

Meine Besprechung von Cixin Lius „Die drei Sonnen“ (San Ti, 2008) (und der anderen Werke von Liu)


TV-Tipp für den 13. Februar: Suburra

Februar 12, 2019

3sat, 22.25

Suburra (Suburra, Frankreich/Italien 2015)

Regie: Stefano Sollima

Drehbuch: Carlo Bonini, Giancarlo de Cataldo, Sandro Petraglia, Stefano Rulli

LV: Giancarlo de Cataldo/Carlo Bonini: Suburra, 2013 (Suburra)

Rom, November 2011: der konservative Abgeordnete Malgradi (laut Roman „ein Musterbeispiel christlicher Lebensführung“) will für Roms Mafiapaten ein Gesetz durchbringen, das ihm ein großes Bauprojekt in Ostia ermöglicht. Dummerweise hat der Politiker gerade Probleme mit einer Prostituierten, die starb, während er in einem Hotelzimmer Sex mit ihr hatte.

TV-Premiere: Ein großartiges Sittenporträt der italienischen Gesellschaft, ein Gangsterthriller und ein Polit-Thriller in schönster italienischer Tradition.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Pierfrancesco Favino, Elio Germano, Claudio Amendola, Alessandro Borghi, Greta Scarano, Giuila Elettra Gorietti, Antonello Fassari, Jean-Hugues Anglade

Die DVD

Koch Media

Bild: 2.35:1

Ton: Deutsch, Italienisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Hinter den Kulissen, Bildergalerie, mehrere Trailer

Länge: 125 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Die Vorlage

Giancarlo de Cataldo/Carlo Bonini: Suburra

(übersetzt von Karin Fleischanderl)

Heyne, 2016

416 Seiten

9,99 Euro

Deutsche Erstausgabe

Folio Verlag, Wien/Bozen, 2015

Originalausgabe

Suburra

Giulio Einaudi editore, Turin, 2013

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Suburra“

Rotten Tomatoes über „Suburra“

Wikipedia über „Suburra“ (englisch), italienisch [mit den Tagen bis zur Apokalypse])

Perlentaucher über den Roman „Suburra“

Meine Besprechung von „Romanzo Criminale – Staffel 1“

Meine Besprechung von „Romanzo Criminale – Staffel 2“

Meine Besprechung von Stefano Sollimas „Suburra“ (Suburra, Frankreich/Italien 2015) und der DVD

Meine Besprechung von Stefano Sollimas „Sicario 2“ (Sicario: Day of the Soldado, USA/Italien 2018)


Cover der Woche

Februar 12, 2019


TV-Tipp für den 12. Februar: Inside Deep Throat

Februar 12, 2019

Tele 5,, 23.00

Inside Deep Throat (Inside Deep Throat, USA 2005)

Regie: Randy Barbato, Fenton Bailey

Drehbuch: Randy Barbato, Fenton Bailey

Erstaunlich, dass diese äußerst informative Doku über den Sexfilm „Deep Throat“ erst heute seine TV-Premiere hat. Der Pornofilm wurde 1972 zu einem Massenphänomen. Die Menschen stürmten in den Film und redeten später darüber. Sittenwächter empörten sich und die Mafia, die damals die Pornokinos betrieb, zählte das Geld.

Inside Deep Throat“ beschäftigt sich neben dem Porno, seiner Entstehung, Vermarktung und den beteiligten Personen auch mit dem gesellschaftlichen Hintergrund. So entstand ein flott geschnittenes Sittengemälde der frühen siebziger Jahre.

mit Linda Lovelace, Gerard Damiano, Harry Reems, Camille Paglia, Larry Flynt, John Waters, Erica Jong, Dr. Ruth Westheimer, Dick Cavett, Hugh Hefner, Norman Mailer Alan Dershowitz, Larry Parrish, Gore Vidal

Wiederholung: Donnerstag, 14. Februar, 03.00 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Inside Deep Throat“

Wikipedia über „Inside Deep Throat“ (deutsch, englisch)


D. B. Blettenberg liest vor – in Berlin

Februar 12, 2019

Am Mittwoch, 13. Februar 2019, ab 20:00 Uhr (Einlass ab 19:30 Uhr) liest D. B. Blettenberg in der Buchhandlung Otherland (zwei Türen neben der Krimibuchhandlung Hammett, Ecke Friesenstraße/Bergmannstraße, Kreuzberg, Berlin) aus seinem neuen Roman „Falken jagen“, in dem Farang einen Killer von Thailand nach Griechenland verfolgt.

Den Thriller habe ich ja schon abgefeiert und D. B. Blettenberg ist ein äußerst angenehmer Gesprächspartner, der dann auch einiges über die historischen Hintergründe des Thrillers verraten kann.

Der Eintritt beträgt 5 Euro, Getränke gibt es für einen Euro und Knabberzeug für umsonst.

Veranstaltet wird der Abend von Hammett.

D. B. Blettenberg: Falken jagen

Pendragon, 2018

384 Seiten

18 Euro

Hinweise

Homepage von D. B. Blettenberg

Wikipedia über D. B. Blettenberg

Lexikon der deutschen Krimiautoren über D. B. Blettenberg

Krimi-Couch über D. B. Blettenberg

Meine Besprechung von D. B. Blettenbergs „Murnaus Vermächtnis“ (2010)

Mein Gespräch mit D. B. Blettenberg über „Murnaus Vermächtnis“

Meine Besprechung von D. B. Blettenbergs „Falken jagen“ (2018)


TV-Tipp für den 11. Februar: Blutige Hochzeit

Februar 11, 2019

Arte, 21.45

Blutige Hochzeit (Les noces rouges, Frankreich/Italien 1972)

Regie: Claude Chabrol

Drehbuch: Claude Chabrol

Pierre und Lucienne sind verliebt. Dummerweise sind beide unglücklich verheiratet und, ebenfalls dummerweise, ist er in der Loire-Kleinstadt ein sozialistischer Stadtrat und Luciennes Mann der Bürgermeister und ein Gaullist. Oh, und dummerweise kennt hier jeder jeden. Trotzdem will Pierre seine Frau umbringen.

Ein schon ewig nicht mehr gezeigter, auf einer wahren Begebenheit beruhender Chabrol-Klassiker, in dem er das französische Bürgertum attackiert.

Demnächst zeigt Arte einige weitere Chabrol-Fime. Nämlich „Biester“ (Sonntag, 17. Februar, 20.15 Uhr), „Der Schlachter“ (Montag, 18. Februar, 20.15 Uhr) und „Vor Einbruch der Nacht“ (Montag, 18. Februar, 21.45 Uhr).

mit Stéphane Audran, Michel Piccoli, Claude Piépiu, Clotilde Joano, Elinia De Santis, Francois Robert

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Blutige Hochzeit“

Wikipedia über „Blutige Hochzeit“ (deutsch, englisch, französisch)

Claude Chabrol in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 10. Februar: Hell or High Water

Februar 10, 2019

Pro Sieben, 23.35

Hell or High Water (Hell or High Water, USA 2016)

Regie: David Mackenzie

Drehbuch: Taylor Sheridan

Zwei Brüder überfallen Banken, um ihre Schulden bei der Bank zu bezahlen. Zwei Polizisten verfolgen sie in einem Land in dem zu viele Männer zu viele Schusswaffen haben.

Toller Neo-Noir-Western

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Chris Pine, Ben Foster, Jeff Bridges, Gil Birmingham, Marin Ireland, Katy Mixon, Dale Dickey

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Hell or High Water“

Metacritic über „Hell or High Water“

Rotten Tomatoes über „Hell or High Water“

Wikipedia über „Hell or High Water“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Denis Villeneuves „Sicario“ (Sicario, USA 2015) (nach einem Drehbuch von Taylor Sheridan) und der DVD und des Soundtracks

Meine Besprechung von David Mackenzies „Hell or High Water“ (Hell or High Water, USA 2016) (nach einem Drehbuch von Taylor Sheridan)

Meine Besprechung von Taylor Sheridans „Wind River (Wind River, USA 2017)

Meine Besprechung von Stefano Sollimas „Sicario 2“ (Sicario: Day of the Soldado, USA/Italien 2018) (nach einem Drehbuch von Taylor Sheridan)

 


TV-Tipp für den 9. Februar: Victoria

Februar 8, 2019

3sat, 20.15

Victoria (Deutschland 2015)

Regie: Sebastian Schipper

Drehbuch: Sebastian Schipper, Olivia Neergaard-Holm, Eike Frederik Schulz

Eine Nacht in Berlin: vier Jungs treffen eine Spanierin. Sie zeigen ihr ihren Kiez, reden mit ihr, nehmen sie zu einem Banküberüberfall mit, der schiefgeht und müssen flüchten.

Inzwischen dürfte der große Clou von Schippers Film bekannt sein: er drehte die Liebes- und Gangstergeschichte ohne einen einzigen Schnitt.

Dafür hat Kameramann Sturla Brandth Grøvlen, der mit der schweren Kamera die Protagonisten an all die Orte begleiten musste, ein Extra-Lob verdient.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Laia Costa, Frederick Lau, Franz Rogowski, Burak Yigit, Max Mauff, André Hennicke

Hinweise
Homepage zum Fillm
Berlinale über „Victoria“
Filmportal über „Victoria“
Film-Zeit über „Victoria“
Moviepilot über „Victoria“
Wikipedia über „Victoria“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Sebastian Schippers „Victoria“ (Deutschland 2015)


„Old Man Logan“ fürchtet „Maestros Rache“ und entdeckt den „Mond über Madripoor“

Februar 8, 2019

Ich heiße Logan. Bin ein Mutant. Ich war vieles in meinem Leben. Söldner. X-Man. Mörder. Irregeleitet tötete ich all meine Freunde. Aber die Schuld gab ich mir. Also ging ich fort. Schwor, meine Krallen nie mehr zu zücken. Mit der Zeit zerfiel die Welt. Schließlich fand ich in der Einöde ein Zuhause.

Aber dann geschah etwas…Ich erwachte in einer anderen Welt. Einer anderen Vergangenheit. Das war meine Chance. Zu kämpfen. Um so viele zu Retten, wie nur möglich“, fasst Logan auf den ersten Seiten von „Mond über Madripoor“, dem siebten Sammelband der „Old Man Logan“-Serie, die Prämisse dieser Marvel-Comicserie zusammen.

Die ersten Hefte wurden von Jeff Lemire geschrieben. Mit Heft 25 (bzw. Sammelband 6) hat Ed Brisson die Autorenschaft übernommen. Seitdem sind die Geschichten schlüssiger. Bei Lemire waren die Geschichten eher Skizzen und Situationen, die sich aus Logans früheren Erlebnissen und seinem Versuch in der jetzt aktuellen Welt, als alter Mann mit eingeschränkten Regenerationskräften, den Menschen zu helfen, denen er in der anderen Welt Leid zufügte, sie tötete oder für ihren Tod verantwortlich war. Es sind Geschichten, die erst nach der Lektüre der letzten Seite verständlich sind. Es sind auch Geschichten, die zwischen den verschiedenen Welten, Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft hin und her springen. Stammzeichnerin Andrea Sorrentino verstärkte das ihn ihren Zeichnungen das Gefühl, im Kopf von Logan zu sein. Zeichner Mike Deodato Jr., der mit Ed Brisson „Old Man Logan“ übernahm, hat einen deutlich konventionelleren Stil. Das sieht man schon im sechsten „Old Man Logan“-Sammelband „Maestros Rache“.

In der Einöde regierte der Hulk und seine kriminelle Sippe im Stil eines alten Landlords. In der neuen Welt, in der Old Man Logan lebt (laut Marvel ist es die Erde-616), hat Logan wieder Ärger mit der Hulk-Sippe. Sie wollen sich an ihm rächen, weil er ihr Familienoberhaupt Bruce Banner tötete. Außerdem haben sie einige Atomwaffen aus einem Militärbunker im Yukon-Territorium gestohlen.

In „Mond über Madripoor“ reist Logan nach Japan. In Tokio trifft er auf einige Straßenschläger, die dank der Droge Regenix atemberaubend schnell regenerieren. Logan gerät in einen Kampf zwischen Tomi Shishido, aka Gordon, dem Anführer des mystischen und verbrecherischen Ninja-Ordens Die Hand, und Shingen ‚Shin‘ Harada, aka Silver Samurai, dem Repräsentant der Yashida Corporation, die Regenix als Arzneimittel erfunden hat.

Und er trifft Scarlett Samurai, die er von früher kennt und die jetzt unter dem Einfluss von Shishido steht.

In beiden Sammelbänden erzählt Ed Brisson eher konventionelle Geschichten, in denen Old Man Logan wieder gegen alte Gegner antritt und er seine Krallen oft und exzessiv gebrauchen kann.

Ed Brisson/Mike Deodato Jr.: Old Man Logan: Maestros Rache (Band 6)

(übersetzt von Jürge Petz)

Panini Comics, 2018

132 Seiten

15,99 Euro

enthält

Tage des Zorns, Teil 1 – 6 (Days of Anger, Part 1 – 6, Old Man Logan [2016] # 25 – 30, August 2017 – Januar 2018)

Ed Brisson/Mike Deodato Jr.: Old Man Logan: Mond über Madripoor (Band 7)

(übersetzt von Jürgen Petz)

Panini Comics, 2018

116 Seiten

13,99 Euro

enthält

Scarlett Samurai: Teil 1 – 3 (Scarlett Samurai, Part 1 – 3, Old Man Logan [2016] # 31 – 33, Januar – März 2018)

Mond über Madripoor, Teil 1 – 2 (Moon over Madripoor, Part 1 – 2, Old Man Logan [2016], # 34 – 35, März – April 2018)

Hinweise

Wikipedia über Old Man Logan

Meine Besprechung von Jason Starrs „Wolverine MAX: Der Beschützer“ (Wolverine MAX – Volume Two, 2013)

Meine Besprechung von Jason Starrs „Wolverine MAX: : Logan Extrem“ (Wolverine MAX 11 – 15: Extreme Logan, Chapter 1 – 5, 2013/2014)

Meine Besprechung von Mark Millar (Autor)/Steve McNivens (Zeichner) „Wolverine: Old Man Logan“ (Old Man Logan, 2008/2009)

Meine Besprechung von James Mangolds “Wolverine – Weg des Kriegers” (The Wolverine, USA 2013)

Meine Besprechung von James Mangolds „Logan – The Wolverine“ (Logan, USA 2017)


TV-Tipp für den 8. Februar: Elle

Februar 7, 2019

3sat, 22.25

Elle (Elle, Frankreich/Deutschland/Belgien 2016)

Regie: Paul Verhoeven

Drehbuch: David Birke

LV: Philippe Djian: Oh…, 2012 (Oh…)

Michèle Leblanc (Isabelle Huppert), die taffe Chefin einer Videogame-Firma, wird vergewaltigt. Danach reagiert sie anders als erwartet. Denn sie verweigert konsequent die Opferrolle.

Grandioser Thriller von „Basic Instinct“ Paul Verhoeven mit einer grandiosen Isabelle Huppert in der Hauptrolle.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Isabelle Huppert, Laurent Lafitte, Anne Consigny, Christian Berkel, Charles Berling, Virginie Efira, Judith Magre, Jonas Bloquet, Alice Isaaz, Vamila Pons

Die Vorlage

djian-oh

Philippe Djian: Oh…

(übersetzt von Oliver Ilan Schulz)

Diogenes, 2017

240 Seiten

12 Euro

Deutsche Erstausgabe

Diogenes, 2014

Originalausgabe

Oh…

Éditions Gallimard, 2012

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Französische Homepage zum Film

Filmportal über „Elle“

Moviepilot über „Elle“

Metacritic über „Elle“

Rotten Tomatoes über „Elle“

Wikipedia über „Elle“ (deutsch, englisch, französisch)

Perlentaucher über Philippe Djian

Wikipedia über Philippe Djian (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von Philippe Djians „Die Rastlosen“ (Incidences, 2010 – und der Verfilmung „Liebe ist das perfekte Verbrechen“)

Meine Besprechung von Paul Verhoevens „Flesh + Blood“ (Flesh + Blood, USA 1985)

Meine Besprechung von Paul Verhoevens Philippe-Djian-Verfilmung „Elle“ (Elle, Frankreich/Deutschland/Belgien 2016) und der DVD


Über Florian Hartlebs „Einsame Wölfe – Der neue Terrorismus rechter Einzeltäter“

Februar 7, 2019

Ich bin ein potentieller rechter Einzeltäter.

Jedenfalls kann nach Florian Hartlebs „Einsame Wölfe – Der neue Terrorismus rechter Einzeltäter“ der Eindruck entstehen. Nachdem ich auch schon Psychopath und Massenmörder war; – jedenfalls nach der Lektüre entsprechender Sachbücher. Denn die „Einsamen Wölfe“ sind eine Untergruppe der „alleinstehenden Männer“. D. h., um ein anderes Beispiel zu nehmen, jeder Abiturient ist ein Schüler, aber nicht jeder Schüler ist ein Abiturient. Und damit sind wir bei einem, vielleicht sogar dem größten Problem, um gegen Einzeltäter etwas zu unternehmen.

Aber bevor man etwas gegen Einzeltäter unternimmt, sollte man das Phänomen erfassen. Politikwissenschaftler Florian Hartleb will mit seinem Buch dazu beitragen. Denn im Bereich des Terrorismus ist der „Einsame Wolf“ ein relativ neues Phänomen. Klassische Erklärungen für Terrorismus gehen von einer gefestigten Ideologie und einer Gruppe aus, die mehr oder weniger gemeinsam Anschläge plant und verübt.

Der „Einsame Wolf“ ist dagegen ein Einzeltäter. Er – weibliche Einsame Wölfe gibt es bislang nicht – ist kein Mitglied einer Gruppe. Jedenfalls nicht im klassischen Sinn. In verschiedenen Internetgruppen ist er schon Mitglied. Er ist sozial isoliert und im persönliche Umgang merkwürdig bis fanatisch. Er plant und führt seine Tat allein aus. Oft hat er eine Vorgeschichte psychischer Erkrankungen und auch nach der Tat wird darüber diskutiert. Also ob seine Tat in seiner rechten Ideologie begründet ist oder ob er psychisch krank und daher vermindert schuldfähig ist. Diese Frage stellte sich bei früheren Terroristengenerationen nicht. Auch bei islamistischen und religiösen Tätern wird normalerweise nicht über seine Zurechnungsfähigkeit spekuliert, sondern ihm sofort die politische Motivation zugestanden.

In seinem Sachbuch „Einsame Wölfe“ beschäftigt sich Hartleb nicht weiter mit dem religiösen Terrorismus. Bei ihm stehen rechte Einzeltäter im Zentrum. Sie sind eine Gruppe, die sich signifikant von anderen Terroristen unterscheidet.

Bei den Einsamen Wölfen beherrscht oft ein paranoides Wahngebilde das Denken. Er sieht sich von Feinden umzingelt. Es ist ein sich selbst verstärkendes Denken, aus dem es keinen rationalen Ausweg gibt, weil schon die Analyse irrational ist.

Damit ähnelt dieser Rechtsterrorismus dem Vigilantismus. Auch der Vigilant sieht überall Feinde, die er bekämpfen muss.

Diese Einsamen Wölfe sind Männer wie Anders Breivik und David Sonboly. Sonboly tötete am 22. Juli 2016 in München neun Menschen. Zunächst war das Motiv unklar. Hartleb, der für die Stadt München ein Gutachten zu dem Fall schrieb, beschäftigt sich in seinem Buch ausführlicher mit diesem Fall.

Dummerweise ist „Einsame Wölfe“ schlecht strukturiert und das Analyseraster ist mehr essayistisch als wissenschaftlich. Außerdem ist es so schlecht geschrieben, dass ich beim Lesen fast jeden Satz umformulierte. Dieses Bedürfnis hatte ich schon lange nicht mehr.

Florian Hartleb: Einsame Wölfe – Der neue Terrorismus rechter Einzeltäter

Hoffmann und Campe, 2018

256 Seiten

22 Euro

Hinweise

Homepage von Florian Hartleb

Wikipedia über Florian Hartleb


TV-Tipp für den 7. Februar: Lucky

Februar 7, 2019

3sat, 21.00

Lucky (Lucky, USA 2017)

Regie: John Carrol Lynch

Drehbuch: Logan Sparks, Drago Sumonja

Lucky ist schon neunzig Jahre und überzeugter Junggeselle, mit einem festen Tagesablauf. Trotzdem gibt es Veränderungen. Zum Beispiel dass er bei seinem morgendlichen Eiskaffee einfach so umfällt.

Wundervolle Abschiedsvorstellung von Harry Dean Stanton in einer seiner wenigen Hauptrollen. Er bevorzugte die Nebenrollen.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Harry Dean Stanton, David Lynch, Ron Livingston, Ed Begley Jr., Tom Skerritt, Beth Grant, Yvonne Huff, Hugo Armstrong

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Lucky“

Metacritic über „Lucky“

Rotten Tomatoes über „Lucky“

Wikipedia über „Lucky“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von John Carrol Lynchs „Lucky“ (Lucky, USA 2017)


DVD-Kritik (+ Buchtipps): Die Harlan-Coben-Verfilmung „Just one look“

Februar 6, 2019

Eva Beaufils entdeckt unter den Schnappschüssen von ihrem letzten Familienausflug ein ihr vollkommen unbekanntes Foto. Auf dem sind ihr Mann und einige andere Menschen. Sie kennt niemand von ihnen und als sie Bastien danach fragt, reagiert er seltsam auf das gut zwanzig Jahre alte Bild.

Kurz darauf verschwindet er spurlos.

Eva beginnt ihn zu suchen. Denn, das erfahren wir schon in der ersten Folge der sechsteiligen Miniserie „Just one look“, Bastien wurde entführt. Und, das ahnen wir dank der zahlreichen Rückblenden schnell, sein Verschwinden hängt mit einem Rockkonzert, das ebenfalls vor gut zwanzig Jahren in den Katakomben von Paris stattfand, zusammen. Damals brach während des Konzerts eine Panik aus. Menschen starben – und auch Eva war dort. Sie kann sich nur nicht daran erinnern.

In den USA ist Harlan Coben schon seit Ewigkeiten ein Bestsellerautor. In der Krimiszene wurde er mit seinen Myron-Bolitar-Romanen, von denen der erste 1995 erschien, bekannt. Mit seinen Einzelromanen, beginnend mit „Kein Sterbenswort“ (Tell no one, 2001) (die zwei vor seinen Bolitar-Romanen erschienenen Bücher können wir als Frühwerk links liegen lassen), hatte er dann auch beim breiten Publikum seinen Durchbruch. Auch in Deutschland war das so.

Und obwohl Hollywood immer wieder an Cobens Tür klopft und er nichts gegen Verfilmungen seiner Thriller einzuwenden hat, hatte bei den Verfilmungen bis jetzt Frankreich die Nase vorn. Es begann 2006 mit Guillaume Canets gleichnamiger Verfilmung von „Kein Sterbenswort“ (Tell no one, 2001). 2015 folgte die Miniserie „No Second Chance – Keine zweite Chance“ (Une chance de trop), nach seinem Roman „Keine zweite Chance“ (No Second Chance, 2003). Sie ist für den 29. März 2019 angekündigt. Jetzt erschien, ebenfalls bei Polyband, die Miniserie „Just one look“.

Und, wegen der Vollständigkeit, 2017 gab es, als Zweiteiler, eine deutsche Verfilmung von „Keine zweite Chance“.

Doch zurück zu „Just one look“. Als ich den Roman „Kein böser Traum“ (Just one look, 2004) vor über zwölf Jahren las, war ich begeistert. Das war ein richtiger Pageturner, der einen zuverlässig durch die Nacht bringt. Auf den letzten Seiten hat Harlan Coben dann noch einige überraschende und ziemlich atemberaubende Enthüllungen.

Ludovic Colbeau-Justins Verfilmung verlegt die Geschichte aus den Vororten New Yorks nach Paris und dem Umland. Selbstverständlich wurde sie auch etwas aktualisiert. Das bemerkt man hauptsächlich an den benutzten Telefonen.

Dummerweise wurde irgendwo auf dem Weg über den Atlantik die Spannung vergessen. Denn, im Stil skandinavischer Krimiserien, plätschert die Geschichte zwischen verschiedenen Handlungssträngen und Rückblenden zum Konzert. Spannung und das drängende Bedürfnis, erfahren zu wollen, warum Bastien entführt wurde, entsteht so nicht. Dafür passiert in den einzelnen Episoden zu wenig, während die Geschichte auf über dreihundert Minuten gestreckt und immer wieder die Glaubwürdigkeit strapaziert wird. Zum Beispiel wenn Bastiens Entführer ihn ausgerechnet in einem Vorstadthaus versteckt oder Evas Tochter mit einer simplen Internetrecherche viele Fragen beantwortet oder die Kommissarin immer zwei Schritte hinter den Bösewichtern ist.

Insgesamt ist „Just one look“ eine erstaunlich spannungsfreie Coben-Verfilmung.

Just one look (Juste un regard, Frankreich 2017)

Regie: Ludovic Colbeau-Justin

Drehbuch: Patrick Renault, Mehdi Ouahab, Sophie Hiet, Aude Marcle, Kristel Mudry, Sébastien Vitoux

LV: Harlan Coben: Just one look, 2004 (Kein böser Traum)

mit Virginie Ledoyen, Thierry Neuvic, Thierry Frémont, Jimmy Jean-Louis, Joseph Malerba, Stanislas Merhar, Anne Girouard, Mathilde Bisson, Michaël Abiteboul, Carole Richert, Sophie-Charlotte Husson, Arthur Jugnot, Julie Gayet, Joséphine Hélin, Jean-Baptiste Blanc, Harlan Coben (Cameo am Ende der Serie)

DVD

Polyband

Bild: 16:9 (2,00:1)

Ton: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Französisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: –

Bonusmaterial: –

Länge: 319 Minuten (6 Folgen auf 2 DVDs)

FSK: ab 16 Jahre

Die Vorlage

(die ich damals spannender als jetzt die TV-Serie fand)

Harlan Coben: Kein böser Traum

(übersetzt von Christine Frauendorf-Mössel)

Goldmann, 2006

416 Seiten

9,99 Euro

Originalausgabe

Just one look

Dutton 2004

Zuletzt erschienen:

der elfte Myron-Bolitar-Roman. Dieses Mal will Myron Bolitar herausfinden, was mit zwei Kindern wohlhabender US-Familien geschah. Nach zehn Jahren taucht nämlich einer der beiden entführten Jungs in London auf. Der andere bleibt verschwunden und es ist unklar, was in den zehn Jahren geschah.

Harlan Coben: Der Preis der Lüge

(übersetzt von Gunnar Kwisinski)

Goldmann, 2018

416 Seiten

9,99 Euro

Originalausgabe

Home

Dutton, 2016

Hinweise

AlloCiné über „Just one look“

Wikipedia über „Just one look“

Homepage von Harlan Coben

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Kein böser Traum“ (Just one look, 2004)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Kein Friede den Toten“ (The Innocent, 2005)

Meine Besprechung von Harlan Coben „Der Insider“ (Fade away, 1996)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Das Grab im Wald“ (The Woods, 2007)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Sie sehen dich“ (Hold tight, 2008)

Meine Kurzbesprechung der Harlan-Coben-Verfilmung „Kein Sterbenswort“ (Ne le dis à personne, Frankreich 2006)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Von meinem Blut“ (Long Lost, 2009)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „In seinen Händen“ (Caught, 2010)

Meine Besprechung von Harlan Cobens “Sein letzter Wille” (Live Wire, 2011)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Nur zu deinem Schutz“ (Shelter, 2011)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Ich finde dich“ (Six Years, 2013)

Harlan Coben in der Kriminalakte