Eine Großstadt in Südkorea, Gegenwart: Familie Kim lebt in einer verwanzten, auch mal überschwemmten, viel zu kleinen Kellerwohnung. Die ebenfalls vierköpfige Familie Park lebt in einem schicken Haus. Als der Sohn der Familie Kim bei den Parks einen Job als Nachhilfelehrer erhält, öffnet sich für die Kims die Tür zu einem besseren Leben, die sie skrupellos wahrnehmen.
„Parasite“ ist eine tiefschwarze, sehr präzise Gesellschaftssatire, bei der schnell unklar ist, wer die titelgebenden Parasiten sind. Nachdem der in jeder Beziehung überzeugende Thriller in Cannes abgefeiert wurde, erhielt er u. a. den Oscar als bester Film und den Oscar als bester ausländischer Film.
Nach dem nächsten Weltkrieg verbietet ein Diktator, der sich „Vater“ nennt, die Ursache für alles Übel: Gefühle. Als einer seiner Vollstrecker, der gnadenlos gegen Menschen, die doch Gefühle entwickeln (und damit so etwas wie einen freien Willen haben), jagt, dann doch Gefühle entwickelt…
Kleiner Kultfilm, der ganz hübsch „Fahrenheit 451“ (und ähnliche Dystopien, in denen die Regierung alles ausmerzt, was ihnen nicht in den Kram passt und eine Schöne Neue Welt errichtet) mit „Matrix“-artigen Kämpfen verbindet und das alles mit vielen Aufnahmen aus Berlin (einerseits weil in Babelsberg gedreht wurde, andererseits weil die Architektur zwischen Faschismus und Moderne einfach toll aussieht), etwas „Metropolis“-Style und Faschismus-Look garniert. Die meisten Kritiker mochten den Film nicht (der Rotten-Tomatoes-Frischegrad ist 40 Prozent), die wenigen Zuschauer (in Deutschland war’s eine DVD-Premiere) mochten den durchaus geschickt bekannte Versatzstücke miteinander verbindenden Film und die Phoenix Film Critics Society nominierte den Film in der Kategorie „Übersehener Film des Jahres“.
Kurt Wimmer verspielte seinen Credit in der SF-Szene mit dem komplett misslungenen SF-Film „Ultraviolet“, rehabilitierte sich etwas mit seinem “Total Recall”-Drehbuch und Christian Bale wurde Batman.
mit Christian Bale, Emily Watson, Taye Diggs, William Fichtner, Sean Bean, Dominic Purcell, Angus MacFadyen, Mehmet Kurtulus, David Hemmings
Gordon Davis (Samuel L. Jackson) und sein Auftragskiller Reggie Pitt (Joe Manganiello) sind gut im Geschäft. Deshalb sucht Gordon nach einer weiteren Möglichkeit, ihr illegal erworbenes Geld so anzulegen, dass die Herkunft ohne große Verluste verschleiert wird. Gordon ist dabei das Gehirn. Er besorgt die Aufträge von der Mafia. Er betreibt als Tarnung eine Bäckerei. Als er zufällig erfährt, dass mit Kunst viel Geld gemacht werden kann und dass die Preise für Kunstwerke in einem gewissen Rahmen willkürlich festgelegt werden, sieht er eine Möglichkeit zur Geldwäsche. Er fragt die finanziell klamme New Yorker Galeristin Patrice Capullo (Uma Thurman) ob sie für ihn Geld waschen würde. Nach einem kurzen Zögern ist sie einverstanden. Aber sie besteht darauf, dass sie irgendwelche Kunstwerke haben muss. Die Qualität der Werke ist egal. Sie sollen der illegalen Geldwäsche lediglich einen legalen Anschein geben. Also beauftragt Gordon Reggie mit der Herstellung dieser Werke. Es sind dilletantische Farbkleksereien und Abfall-Installationen, die er als „The Bagman“ signiert.
Ungeahnt schnell werden die Werke von „The Bagman“ zum letzten Schrei in der New Yorker Kunstszene. Jeder Sammler will ein Bagman-Werk haben. Sie bieten Patrice Höchstpreise für die Werke des unbekannten, öffentlichkeitsscheuen Künstlers. Patrices Galerie wird belagert. Gordon fragt sich, wie er seine Geschäftidee, die unter dem Radar der Öffentlichkeit ablaufen soll, retten kann. Und der etwas tumbe Reggie genießt die Anerkennung, die er plötzlich als Künstler für seine Arbeit erhält, Da ist es nur eine Frage der Zeit, bis der ganze Schwindel auffliegt.
„The Kill Room“ ist einer dieser Filme, die meist direkt auf DVD/Blu-ray/Stream erscheinen und die man sich wegen der Hauptdarsteller als „werde ich mir irgendwann einmal ansehen“ notiert. In diesem Fall sind das Uma Thurman und Samuel L. Jackson. „The Kill Room“ ist ihr erster gemeinsamer Film seit Quentin Tarantinos „Pulp Fiction“; – wobei sie, wenn mich meine Erinnerung nicht trügt, in dem Film keine gemeinsame Szene haben. Samuel L. Jackson ist immer angenehm anzusehen, aber besonders wählerisch ist er bei seiner Rollenwahl nicht. Uma Thurman war vor Jahrzehnten ein Star. Ihr letzter großer Film ist „Kill Bill“. Das war vor zwanzig Jahren. Seitdem drehte sie emsig weiter. Sie spielte in Lars von Triers „Nymphomaniac“ und „The House that Jack built“ mit. Aber diese beiden Filme hat man sich nicht wegen ihr, sondern wegen von Trier angesehen.
Wegen lobender Besprechungen wandert das B-Picture dann auf der Watchlist etwas weiter nach oben und man vergisst den Film, bis er im Fernsehen gezeigt wird. Weil er aber zu einem so ungünstigen Zeitpunkt gezeigt wird, vergisst man ihn wieder – und, ehrlich gesagt, man hat auch nichts großartiges verpasst. Aber, wenn einem kleine, launige Gaunerkomödie mit gut aufgelegten Schauspielen gefallen, wird man vergnügliche hundert Minuten haben.
Regisseurin Nicol Paone vermengt in „The Kill Room“ locker-flockig, durchgehend selbstironisch die snobistische Welt der Kunstwelt mit der Working-Class-Gangsterwelt. Dabei entfaltet die Galeristin schnell eine beachtliche kriminelle Energie. Und der tumbe Killer wird mit seinen primitiven Werken schnell zur Sensation. Das erinnert ein wenig an Tarantinos „Pulp Fiction“ (ohne die Gewalt und Tarantinos Dialoge) und mehr an Woody Allens Gaunerkomödie „Schmalspurganoven“ (Small Time Crooks, 2000), in der eine zur Tarnung eröffnete Bäckerei gewinnbringender als der geplante Bankraub ist.
The Kill Room (The Kill Room, USA 2023)
Regie: Nicol Paone
Drehbuch: Jonathan Jacobsen
mit Uma Thurman, Samuel L. Jackson, Joe Manganiello, Maya Hawke, Debi Mazar, Dree Hemingway
Der vorherige „Ghostbusters“-Film „Legacy“ (Ghostbusters: Afterlife, USA 2021) wirkte wie eine gelungene Staffelübergabe an eine neue Generation Geisterjäger. Regisseur Jason Reitman verlegte die Handlung ins ländliche Oklahoma, führte eine neue Generation teils jugendlicher Ghostbusters ein und zitierte nebenbei das Original so, dass die Zitate niemals störten. Danach hätte es, während das alte Team seinen Ruhestand genießt, mit dem neuen Team weitergehen können. Aber jetzt sind wir mit der Fortsetzung „Frozen Empire“ gefangen in einem Film, der wie ein liebloses Abhaken der Wunschliste der „Ghostbusters“-Fans wirkt.
Die Geschichte von „Frozen Empire“ spielt, wie die Prä-“Legacy“-Filme, in New York. Die in „Legacy“ eingeführte Spengler-Familie und ihre Freunde aus Summerville, Oklahoma, sind in New York. Die Spenglers, also die superschlaue Phoebe, ihr älterer Bruder Trevor, ihre Mutter Callie und ihr Freund Gary Grooberson, leben in Tribeca in der altbekannten Ghostbusters-Zentrale und sie jagen Geister. Regisseur Gil Kenan, der bei „Legacy“ Co-Drehbuchautor war und 2015 das überflüssige „Poltergeist“-Remake inszenierte (ein Film, den auch Sam Rockwell nicht retten konnte), übernahm die Regie. Sein Film beginnt mit einer großen Actionszene, die auch gleichzeitig der Action-Höhepunkt ist. Dafür hat das Finale mit den aus dem Trailer bekannten Bildern vom vereisten New York die besseren Bilder. Am Filmanfang jagt die Spengler-Familie im altbekannten Ghostbuster-Mobil Ecto-1 am helllichten Tag durch die engen Gassen von Manhattan den Hell’s Kitchen Kanaldrachen, den sie letztendlich fangen können. Bis dahin missachten sie ungefähr jede Verkehrsregel und sie hinterlassen eine Spur der Verwüstung. Danach mäandert die Story ziellos zwischen mehr oder weniger schrecklichen Auftritten von teils bekannten Geistern, lahmen Witzen, der Vorbereitung des Auftritts des Oberbösewichts Garraka und dem Vorstellen der vielen, vielen, sehr vielen Ghostbusters.
In „Legacy“ konzentrierte sich die Geschichte auf die damals zwölfjährige Phoebe und ihre Familie. Das war ein überschaubares Ensemble, in dem jede Figur im Gedächtnis blieb. In „Frozen Empire“ sind alle, die jemals zu den Ghostbusters gehörten, sofern sie nicht verstorben sind, dabei.
Aus „Ghostbusters: Legacy“ sind
Mckenna Grace als Phoebe Spengler,
Finn Wolfhard als Trevor Spengler,
Carrie Coon als Callie Spengler,
Paul Rudd als Gary Grooberson
Logan Kim als Podcast und
Celeste O’Connor als Lucky Domingo
wieder dabei. Das sind alle Figuren, die vor drei Jahren in „Legacy“ als Haupt- und Nebengeisterjäger in das „Ghostbusters“-Universum eingeführt wurden.
Aus dem ersten „Ghostbusters“-Filmen sind
Bill Murray als Dr. Peter Venkman,
Dan Aykroyd als Dr. Raymond Stantz,
Ernie Hudson als Dr. Winston Zeddemore,
Annie Potts als Janine Meinitz und, auch wenn er kein Geisterjäger, sondern ein Geisterjäger-Jäger ist,
William Atherton als Bürgermeister Walter Peck
dabei.
In „Legacy“ hatte sie kurze, ans Ende geklatschte Cameo-Auftritte, die für den Film egal, für die Werbung und das Fanherz wichtig waren. Dieses Mal haben sie umfangreichere, für die Geschichte wichtigere Rollen.
Und, als ob das nicht genug Ghostbuster wären, führt Regisseur Gil Kenan noch einige weitere Ghostbusters ein. Nämlich
Kumail Nanjiani als Nadeem Razmaadi,
James Acaster als Lars Pinfield und wenn ich jetzt vielleicht einen weiteren Neuzugang vergessen habe, dann tut es mir leid. Irgendwann geht der Überblick verloren und aus individuellen, wiedererkennbaren Figuren, mit denen man mitfiebert, wird nur noch eine Masse austauschbarer Fußsoldaten. Patton Oswalt hat, obwohl er im Trailer prominent auftaucht, nur einen Auftritt als Dr. Hubert Wartzki. Und das ist gut so.
Acaster arbeitet in Winston Zeddemores Paranormal Research Center. Das baute er in den vergangenen Jahren als zweiten Standort neben dem Ghostbusters-Hauptquartier auf (Frag nicht. Ist halt so.). Neben dem altbekannten Ghostbusters-Hauptquartier ist Zeddemores Forschungszentrum ein zweiter wichtiger Handlungsort.
Razmaadi ist ein Taugenichts, der am Anfang der Horrorkomödie ein Erbstück verkauft, ohne zu wissen, dass in der fußballgroßen Kugel seit Jahrzehnten der Dämon Garraka gefangen ist. Garraka ist der Anführer der Untoten. In Sekundenbruchteilen kann er Menschen zu Eis gefrieren lassen. Falls er sich aus der Kugel befreit, könnte sein Auftauchen das Ende der Welt bedeuten. Im Lauf des Films erfährt Razmaadi einiges über seine Familie. Am Ende gehört er zu den Geisterjägern.
Das sind jetzt zwölf Ghostbuster, die alle im Finale irgendetwas tun müssen. Auch wenn der geneigte Zuschauer sich nachher fragt, was denn diese Figur im Finale genau getan hat.
Der Weg bis zum Finale, in dem die Ghostbusters gegen Garraka kämpfen und Manhattan, New York und die Welt retten wollen, gestaltet sich arg langwierig. Das liegt auch daran, dass Garraka erst im Finale auftaucht und dann schwuppdiwupp New York und seine Bewohner gefrieren lässt. Bis dahin gibt es einige Hinweise auf sein Auftauchen, das Auftauchen anderer Geister, Witzeleien und jeder Ghostbuster darf einmal durch das Bild laufen.
Das Ergebnis ist das als Horrorkomödie getarnte Abarbeiten einer Checkliste. Lustlos, ohne besonderes Engagement und mit viel zu vielen Geisterjägern. Als Auftakt für eine TV-Serie mag das funktionieren. Als Spielfilm nicht.
Ghostbusters: Frozen Empire (Ghostbusters: Frozen Empire, USA 2024)
Regie: Gil Kenan
Drehbuch: Gil Kenan, Jason Reitman (basierend auf dem 1984er Film „Ghostbusters“ von Ivan Reitman [Regie], Dan Aykroyd [Drehbuch] und Harold Ramis [Drrehbuch])
mit Mckenna Grace, Finn Wolfhard, Carrie Coon, Paul Rudd, Logan Kim, Celeste O’Connor, Bill Murray, Dan Aykroyd, Ernie Hudson, Annie Potts, William Atherton, Kumail Nanjiani, James Acaster, Patton Oswalt, Emily Alyn Lind
Alice im Wunderland (Alice in Wonderland, USA 2010)
Regie: Tim Burton
Drehbuch: Linda Woolverton
LV: Lewis Carroll: Alice’s Adventures in Wonderland, 1865 (Alice im Wunderland), Through the Looking-Glass, 1871 (Alice hinter Spiegeln)
Tim Burtons Interpretation der allseits bekannten Geschichte von Alice, die als Kind im Wunderland phantastische Figuren trifft und phantastische Abenteuer erlebt. Bei Burton kehrt sie als junge Erwachsene zurück in das Wunderland, wo sie ihre alten Freunde wieder trifft und ihnen beim Kampf gegen die böse Rote Königin helfen soll.
mit Mia Wasikowska, Johnny Depp, Helena Bonham Carter, Anne Hathaway, Crispin Glover, Matt Lucas
Regulär startet die grandios aussehende 4K-Restaurierung von Jonathan Demmes „Stop Making Sense“ erst am 28. März. Aber bereits am 22., 23. und 24. März gibt in zahlreichen Kinos Previews, für die sich bereits einige Tage vorher einige Karten gekauft werden können. Und, ja, es lohnt sich, den Konzertfilm wieder oder erstmals im Kino zu sehen. Nicht umsonst wird „Stop Making Sense“ immer noch, vierzig Jahre nach seiner Premiere, als einer der besten Konzertfilme genannt. Das liegt an der betont minimalistischen Inszenierung. Nichts lenkt von dem Konzert der Talking Heads und seiner ebenso einfachen, wie durchdachten, schlüssigen und überzeugenden Dramaturgie ab. Jonathan Demme verzichtet auf die bei Rockkonzerten immer wieder nervende Kamera, die hektisch wackelt und zoomt als gäbe es kein Morgen und die nur eine Aufgabe erfüllt: vom Spiel der Band abzulenken. Gleiches gilt für die Bilder vom begeistert klatschendem und mitgröhlendem Publikum. In „Stop Making Sense“ ist das Publikum erst am Filmende für einige Sekunden zu sehen. Bis dahin wird nur die Bühne und was auf ihr geschieht, gezeigt. Ohne Brimborium und von der Musik und dem Spiel der Musiker ablenkenden Effekthaschereien.
An drei Abenden im Dezember 1983 nahm „Das Schweigen der Lämmer“-Regisseur Jonathan Demme mit sieben Kameras im Pantages Theater in Hollywood, Los Angeles, die Konzerte der Talking Heads auf. Dabei konzentrierten sich die Kameras an jedem Abend auf einen anderen Teil der Bühnenpräsentation. Deshalb sehen wir in den Totalen von der Bühne keine Kameras auf der Bühne. Damit es beim späteren Zusammenschnitt keine Probleme mit den Outfits der Musiker gab, trugen sie während der Konzerte immer das gleiche Outfit. Bevorzugt nicht reflektierende dunkle oder neutrale Kleidung. Kein Bandmitglied sollte besonders hervorhoben werden und so den Gesamteindruck stören. Für die Abwesenheit von Publikumsbildern gibt es, auch wenn heute unklar ist, ob das von Anfang an so geplant oder eine glückliche Fügung war, eine einfache Erklärung. An einem Abend wurden auch das Publikum aufgenommen. Dafür musste im Saal Licht eingeschaltet werden. In dem beleuchteten Saal und vor den Kameras reagierte das Publikum verhaltener als in den anderen Shows und die Band spielte, so heißt es, ihr vielleicht schlechtestes Konzert.
Es waren also einige Zufälle und technische Notwendigkeiten, die zu dem gelungenen Gesamteindruck beitragen. Dass an mehreren Abende gefilmt wurde, half. Ebenso dass die Talking Heads für dieses Konzert ein ebenso einfaches, wie überzeugendes, in der vorherigen Tour erprobtes Konzept hatten. Mit jedem Song, beginnend mit David Byrnes Solo-Interpretation von „Psycho Killer“, betreten weitere Bandmitglieder die Bühne. Bühnenarbeiter schieben während der einzelnen Songs immer mehr Bühnenteile und Instrumente auf die zunächst leere Bühne. Später verändert sich das Bühnenbild mit minimalen Mitteln. Während des Konzerts werden auf die hintere Wand der Bühne nur einige Bilder projeziert. Das Bühnenlicht setzt einige Akzente. Es gibt eine schon damals schreiend altertümliche Stehlampe. Und David Byrne tritt in einem Big Suit auf.
Dabei fällt in der Physiognomie eine erstaunliche Ähnlichkeit zwischen Band-Mastermind David Byrne und „Oppenheimer“-Schauspieler Cillian Murphy auf. Falls es also demnächst ein Biopic über die Talking Heads gibt, wäre der Hauptdarsteller schon gefunden.
Für die jetzige Kinopräsentation wurde der Film vom Original-Negativ, das seit 1992 unangetastet bei MGM im Filmlager lag, in 4K und Dolby Atmos restauriert. Das Ergebnis überzeugt restlos und die Musik, über die ich jetzt kein Wort verloren habe, ist immer noch grandios.
Stop Making Sense(Stop Making Sense, USA 1984)
Regie: Jonathan Demme
Drehbuch: Jonathan Demme, Talking Heads
mit David Byrne, Chris Frantz, Jerry Harrison, Tina Weymouth, Ednah Holt, Lynn Mabry, Steve Scales, Alex Weir, Bernie Worrell
Länge: 88 Minuten
FSK: ab 0 Jahre
Regulärer Kinostart: 28. März 2024
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Die Previews (sortiert nach Ort, Tag, Kino – Mein Tipp: das größte Kino mit dem besten Sound wählen)
DDR, 1980: nachdem sie einen Ausreiseantrag gestellt hat, erhält die Charité-Ärztin Barbara Wolff ein Angebot, das sie nicht ablehnen kann: eine Stelle in einem Krankenhaus an der Ostseeküste. Dort plant sie ihre Flucht und fragt sich, wem sie vertrauen kann.
Gewohnt gelungener Film von Christian Petzold.
mit Nina Hoss, Ronald Zehrfeld, Rainer Bock, Christina Hecke, Claudia Geisler, Mark Waschke, Jannik Schümann (sein Kinodebüt)
Heute wurden die Nominierungen für den diesjährigen Deutschen Filmpreis, Lola genannt, bekannt gegeben.
Die größte Änderung beim Deutschen Filmpreis ist das geänderte Wahlverfahren. In der Vergangenheit stimmten die 2200 Mitglieder der Deutschen Filmakademie über eine von einer Kommission getroffene Vorauswahl ab. Diese Auswahl sorgte immer wieder für Kritik. So gelangte 2023 Christian Petzolds mit dem Silbernen Bären ausgezeichnetes Drama „Roter Himmel“ noch nicht einmal in die Vorauswahl. Dieses Jahr stimmten die Mitglieder über alle eingereichten Filme ab. Alle Mitglieder konnten über die Nominierungen für den Besten Spielfilm und den Besten Kinderfilm abstimmen.
Michael Schlömer, Corinna Fleig, Tobias Fleig · THE DIVE
Max Vornehm, Christof Ebhardt, Christian Bischoff · EIN GANZES LEBEN
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BESTE VISUELLE EFFEKTE
Manfred Büttner · DER FUCHS
Marco Del Bianco, Benedict Neuenfels · STELLA. EIN LEBEN
Kariem Saleh, Adrian Meyer · DIE THEORIE VON ALLEM
Juri Stanossek, Apollonia Hartmann, Jan Burda · GIRL YOU KNOW IT’S TRUE
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EHRENPREIS DES DEUTSCHEN FILMPREISES
Hanna Schygulla
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Bis zum 30. April stimmen die Mitglieder nun darüber ab, wer am 3. Mai 2024 in den einzelnen Kategorien die Lolas erhält. Dem Grundsatz „online first“ folgend, wird die Preisverleihung ab 19.30 Uhr in der ARD Mediathek gestreamt und um 22.20 Uhr im Fernsehen gezeigt.
Wahrscheinlich macht Matthias Glasners Dreistundenepos „Sterben“ den Oppenheimer und sackt die meisten Preise ein. Beim Dokumentarfilmpreis bin ich unentschlossen zwischen „Anselm“ (wegen der Kamera) und „Vergiss Meyn nicht“ (wegen der zeitgeschichtlichen Relevanz). Und beide Kinderfilme sollen gut sein.
Gekaufte Politik? Europa in der Korruptionskrise(Deutschland 2023)
Regie: Helmar Büchel
Drehbuch: Helmar Büchel
Spielfilmlange Doku über Korruption in der Europäischen Union. Im Mittelpunkt steht dabei die Rekonstruktion des Katar-Korruptionsskandals von 2022, auch bekannt als „Katargate“. Es geht um den Verdacht, dass Abgeordnete und Beamte sich von den Regierungen von Katar, Marokko und Mauretanien bestechen ließen.
Dokumentarisch und ohne Pausen geht es weiter. Um 21.55 Uhr gibt es die Doku „Bittere Früchte – Ausbeutung in der Landwirtschaft“ (Deutschland 2023) und um 23.25 Uhr „Die Unsichtbaren“ (Tschechien/Frankreich 2023; über osteuropäische Billigarbeitskräfte). Alle drei Dokumentarfilme werden zum ersten Mal im Fernsehen gezeigt.
I killed my Mother (J’ai tué ma Mère, Kanada 2009)
Regie: Xavier Dolan
Drehbuch: Xavier Dolan
Xavier Dolans semi-autobiographisches, mitreißendes Debüt über die schwierige Beziehung eines 17-jährigen zu seiner Mutter. Von der Kritik abgefeiert und der Beginn einer erstaunlichen Karriere.
Davor, um 20.15 Uhr zeigt One Dolans zweiten Spielfilm ‚“Herzensbrecher“, um 21.50 Uhr die Kurzdoku „Xavier Dolan – Wunderkind oder Enfant terrible“ und, als Wiederholung, um 23.45 Uhr „Matthias & Maxime“. Ein wahrlich dolanesker Abend
mit Xavier Dolan, Anne Dorval, François Arnaud, Suzanne Clément, Patricia Tulasne
Wiederholung: Samstag, 23. März, 00.05 Uhr (Taggenau! – nach „Herzensbrecher“ um 22.30 Uhr)
Xavier Dolans bester Film (laut Rotten-Tomatoes-Tomatometer): die Geschichte einer alleinerziehenden Mutter und ihrer Beziehung zu ihrem anstrengendem Sohn, der seine Mutter über alles liebt.
Wenige Tage vor einem zweijährigen Aufenthalt in Australien küsst Maxime, während einer Party mit seinen langjährigen Freunden, aufgrund einer Wette, für einen Studentenfilm seinen Sandkastenfreund Matthias. Daraus ergeben sich einige Gefühlskonfusionen, die ihre Beziehung auf die Probe stellen.
In seinem achten Film bewegt Xavier Dolan (der auch Maxime spielt) sich auf vertrautem Terrain. Aber dieses Mal ist alles ruhiger, normaler und weniger hysterisch als in seinen vorherigen Filmen.
Am 20. März feiert Xavier Dolan seinen 35. Geburtstag. Für One ist das der willkommene Anlass für eine kleine Werkschau. Anschließend, ab 22.05 Uhr zeigt One als TV-Premiere Dolans Miniserie „Die Nacht, als Laurier erwachte“. Am Sonntag, den 17. März, um 23.15 Uhr „Mommy“. Am Montag, den 18. März, um 20.15 Uhr „Herzensbrecher“, um 21.50 Uhr das Kurzporträt „Xavier Dolan – Wunderkind oder Enfant Terrible“ und um 22.10 Uhr sein Regiedebüt „I killed my Mother“.
Mit Xavier Dolan, Gabriel D’Almeida Freitas, Anne Dorval, Harris Dickinson, Catherine Brunet
Vor fünfzehn Jahren verließ Khédidja Korsika. Jetzt kehrt sie für einige Wochen, als Kindermädchen eines vermögenden Pariser Ehepaares, zurück. Begleitet wird sie von ihren beiden Töchtern: der achtzehnjährigen Jessica und der fünfzehnjährigen Farah. Während Khédidja arbeitet, erkunden Jessica und Farah die Insel. Dabei verliebt Jessica sich in Gaïa, die Tochter von Khédidjas Arbeitgebern. Farah stürzt sich dagegen von einer schwierigen Situation in die nächste. Sie legt sich mit einigen Halbstarken an, klaut deren Gras und verkauft es. Sie wird von den Besitzern der Drogen erwischt und verbringt einige Zeit mit Orso, deren Anführer.
In ihrem neuen Film pendelt Catherine Corsini zwischen den drei Frauen und ihren Erlebnissen auf der Mittelmeerinsel. Dabei interessiert sie sich, entgegen des Filmtitels „Rückkehr nach Korsika“ (Le retour), mehr für Jessica und Farah als für deren Mutter Khédidja. Die einzelnen Szenen sind gut beobachtet, auch intensiv gespielt, aber insgesamt plätschert „Rückkehr nach Korsika“ zwischen den einzelnen Geschichten und Ferienepisoden unentschlossen hin und her, ohne dass sich eine wirklich übergreifende Geschichte oder Dramaturgie zwischen den Geschichten, die sie in Haupt- und Nebengeschichten trennen würde, herauskristallisiert. Alles ist ungefähr gleichberechtigt. Vieles wird angesprochen, wenig wird konsequent vertieft. Sogar die viel Filmzeit einnehmenden Liebesgeschichten bleiben eher an der Oberfläche. So haben wir Jessicas Geschichte, die sich in eine Gleichaltrige verliebt und deren Liebe von ihren Eltern umstandslos akzeptiert wird. Gaïas Eltern wollen Jessica, die studieren möchte, sogar mit einer Mietwohnung in Paris unterstützen. Jessica besucht, zusammen mit Gaïa das Haus ihrer Mutter und erlebt eine Überraschung. Daneben erzählt Corsini die Geschichte von Jessicas renitenter Schwester, die sich immer wieder in Schwierigkeiten bringt, Drogen nimmt und natürlich zu viel Zeit mit dem falschen Jungen, einem einheimischen, halbstarken Kleingangster, verbringt. In diesen beiden Handlungssträngen erzählt Corsini auch sehr freizügig von den sexuellen Erlebnissen der beiden Teenagerinnen. Und wir haben die Geschichte von deren Mutter Khédidja. Nach ihrer Abreise aus Korsika brach sie alle Verbindungen zur Insel ab. Jetzt trifft sie wieder einen alten Bekannten und Freund ihres damals verstorbenen Mannes und Vater ihrer Kinder. Sie verbringt einige Zeit mit ihm. Das führt dazu, dass sie sich mit ihrer Vergangenheit, ihrem Leben auf Korsika, auseinandersetzen muss. In einem gewissen Rahmen geht es dabei immer um die Zugehörigkeit zu Gruppen und dem Gefühl, nicht dazu zu gehören. Aber nichts davon hat mehr Folgen oder Bedeutung als ein Urlaubsplausch, der mit der Abreise von dem Urlaubsort endet.
Das hat nie die Qualität von „La belle saison – Eine Sommerliebe“ (La belle saison, Frankreich/Belgien 2015) und „In den besten Händen“ (La Fracture, Frankreich 2021), ihren beiden vorherigen Filmen.
Rückkehr nach Korsika (Le retour, Frankreich 2023)
Regie: Catherine Corsini
Drehbuch: Naïla Guiguet, Catherine Corsini
mit Aïssatou Diallo Sagna, Suzy Bemba, Esther Gohourou, Lomane de Dietrich, Cédric Appietto, Harold Orsoni, Marie-Ange Geronimi, Virginie Ledoyen, Denis Podalydès
Der beste Film aller Zeiten (Competencia oficial, Spanien/Argentinien 2021)
Regie: Gastón Duprat, Mariano Cohn
Drehbuch: Andres Duprat, Gastón Duprat (Co-Autor), Mariano Cohn (Co-Autor)
Ein Konzernchef möchte der Welt etwas Bleibendes hinterlassen. Nämlich den besten Film aller Zeiten. Er kauft die Rechte an dem Roman eines Nobelpreisträgers, engagiert eine bei der Kritik beliebte Regisseurin und zwei Stars. Was kann da schiefgehen?
TV-Premiere. Köstliche Farce über Künstler, ihre aufgeblasenen und zerbrechlichen Egos und den Dreharbeiten für ein Meisterwerk, das alle Filmpreise erhalten wird. Wenn es denn jemals fertig gestellt wird..
Was für ein Idiot denkt der geneigte Zuschauer. Denn auch wenn Jonathan Miller (Martin Freeman), verheirateter Lehrer an einer Schule im ländlichen Tennessee, als verkopfter Literaturprofessor keine Filme kennen würde und er nur „Lolita“ als Studie über die verhängnisvolle Beziehung eines älteren Mannes zu einer deutliche jüngeren Frau gelesen hätte, wüsste er, in welchem politischen Klima er in den heutigen USA unterrichtet und welche Dienstanweisungen er unterschrieben hat. Und da steht drin: keine Beziehung zu Schülern. Kein Kontakt zu ihnen außerhalb der Schule. Und sich mit ihnen unter keinen Umständen an einem Ort treffen, an dem es keine Zeugen gibt. Wenn also seine überaus begabte Schülerin Cairo Sweet (Jenny Ortega), die allein in der riesigen Villa ihrer sich ständig auf Reisen befindenden Eltern lebt, ihre Reize spielen lässt, dann gibt es für einen Lehrer nur eine Handlungsoption: Weg! Auf dem schnellsten und kürzesten Weg.
Weil das für einen Film natürlich keine Option ist – dann wäre „Miller’s Girl“ noch vor dem Vorspann um -, beginnen sie eine Beziehung, die letztendlich für ihn problematischer als für sie ist. Mehr soll hier nicht verraten werden; wobei die größte Überraschung in Jade Halley Bartletts Regiedebüt ist, dass ihr Erotik-Thriller harmloser und züchtiger als andere Erotik-Thriller, vor allem natürlich die Erotik-Thriller der neunziger Jahre, ist.
In „Miller’s Girl“ gibt es Anspielungen, die zeigen, dass Drehbuchautorin und Regisseurin Bartlett das Subgenre des Erotik-Thrillers kennt und sie es in raren Momenten auch parodiert. Wegen der zahlreichen Anspielungen und Zitate, die leicht zu entschlüsseln sind, ist „Miller’s Girl“ ein Meta-Erotik-Thriller, der als Versuchsanordnung zum Verhältnis zwischen Literatur und realem Leben gelesen werden kann. In dieser Versuchsanordnung ist auch unklar, wer hier wen warum verführt. Ein guter Thriller ist es nicht. Dafür ist alles zu spannungsfrei, zu künstlich und, letztendlich, zu unglaubwürdig.
Das liegt auch an Szenen von atemberaubender Dümmlichkeit. So ist Miller einverstanden, dass Cairo eine Literaturarbeit im Stil von Henry Miller schreibt. Als sie ihr Henry-Miller-Stück abliefert, ist er entsetzt über den pornographischen Inhalt des Textes. In dem Moment fragte ich mich, was er denn erwartet hat. Eine züchtige, jugendfreie, keine anstößigen Inhalte enthaltende Version einer Henry-Miller-Geschichte?
Und das beschreibt „Miller’s Girl“ ziemlich treffend: ein mit Jenny Ortega und Martin Freeman in den Hauptrollen prominent besetzter, von seiner intellektuellen Brillanz überzeugter Meta-Erotik-Thriller ohne Erotik und Thrill, mit etwas Südstaaten-Schwüle.
Miller’s Girl (Miller’s Girl, USA 2024)
Regie: Jade Halley Bartlett
Drehbuch: Jade Halley Bartlett
mit Martin Freeman, Jenna Ortega, Bashir Salahuddin, Gideon Adlon, Dagmara Dominczyk, Christine Adams, Augustine Hargrave, Elyssa Samsel
Gut, Hipgnosis ist kein ‚englisches‘ Wort, das einem einfach über die Lippen geht und die meisten Menschen werden wahrscheinlich noch nie etwas von Hipgnosis gehört haben. Aber sie kennen deren Bilder. Denn Aubrey ‚Po‘ Powell und Storm Thorgerson, die Gründer von Hipgnosis, einem aus „hip“ und „gnostic“ zusammengesetztem Kunstwort, erschufen zwischen 1968 und den frühen achtziger Jahren, vor dem Siegeszug der CD, zahlreiche legendäre Schallplattencover. Als Richtschnur kann gelten, dass wenn du dich an ein LP-Cover aus den Siebzigern erinnerst, es sehr wahrscheinlich von Hipgnosis ist. Besonders lange und produktiv war, beginnend mit „A Saucerful of Secrets“, ihre Zusammenarbiet mit Pink Floyd. Es folgten für die Band die Covers für deren nächsten LPs. Für „Atom Heart Mother“ fotografierten sie eine Kuh auf einer Wiese. Keiner weiß, was die Kuh bedeuten soll, aber noch heute ist das Cover bekannt. Noch bekannter sind die nächsten beiden für Pink Floyd gestalteten Covers, nämlich das in seiner Einfachheit legendäre Cover für „The Dark Side of the Moon“ auf dem ein Prisma einen weißen Lichtstrahl in seine Spektralfarben bricht und, für „Wish you where here“, das Foto eines brennenden Mannes im Anzug, der einem anderen Mann die Hand gibt. Und, ja, der Mann stand in Flammen, er wurde mehrmals, bis der Wind die Flammen in die richtige Richtung bewegte, angesteckt und er verbrannte sich dabei. Für „Animals“ ließen sie in London zwischen den Schornsteinen eines Kohlekraftwerks ein riesiges aufgeblasenes Schwein aufsteigen.
Die Story, wie dieses Cover letztendlich entstand, ist, auch wenn sie in Fankreisen bekannt ist, zu gut, um sie hier zu verraten. Das geschieht in Anton Corbijn gelungen zwischen SW und, für die Plattencover, Farbe wechselndem Dokumentarfilm „Squaring the Circle – The Story of Hipgnosis“. Wegen den im Film gezeigten, von Hipgnosis gestalteten LP-Covern sollte er unbedingt im Kino gesehen werden. Schon ein LP-Cover ist mit 31,5 cm x 31.5 cm groß. Ein Klappcover ist noch größer, aber auch die kleinste Kinoleinwand ist noch größer und in diesem Fall ist Größe ein wichtiger Faktor. Formal setzt Corbijn auf die aus unzähligen anderen Dokumentarfilmen bewährte Mischung aus historischen Aufnahmen und neuen Interviews. Chronologisch erzählt er die Geschichte der Grafikdesign-Agentur und wie einige ihrer legendären Covers entstanden sind, nach. Durch den Nebel von teils widersprüchlichen Erinnerungen entsteht so auch ein Bild des Exzesses, der damals im Musikbusiness möglich war, und der zu den teilweise extrem kostspieligen Covers von Hipgnosis führte.
Corbijns erster Dokumentarfilm, nach mehreren Spielfilmen und einer langen und erfolgreichen Karriere als Fotograf von Künstlern, vor allem Musiker, und Regisseur von Musikvideos, ist eine süffige Mischung aus Anekdoten, unterlegt von einer fast schon dauerpräsenten pink-floydschen Gitarre und Bildern von Schallplattencovern, bei denen die Grafikdesigner und die Musiker sie als eigenständige Kunstwerke verstanden wissen wollten.
„Squaring the Circle – The Story of Hignosis“ ist das filmische Äquivalent zu einem Gang durch eine gut kuratierte, ästhetisch ansprechend gestaltete Ausstellung, die kurzweilig und gelungen Musik- und Designgeschichte vermittelt und einen in eine Zeit zurückversetzt, als ein LP-Cover als eigenständiges Kunstwerk betrachtet werden konnte. Manchmal war das Cover gelungener als die Musik.
Squaring the Circle – The Story of Hipgnosis (Squaring the Circle – The Story of Hipgnosis, Großbritannien 2022)
Regie: Anton Corbijn
Drehbuch: Trish D Chetty
mit Aubrey „Po“ Powell, Paul McCartney, Jimmy Page, Robert Plant, David Gilmour, Nick Mason, Roger Waters, Noel Gallagher, Glen Metlock, Graham Gouldman, Peter Gabriel, Peter Saville, George Hardie, Humphrey Ocean, Roger Dean, Jill Furmanovsky, Andrew Ellis, Richard Evans, David Gale, Alex Henderson, Jenny Lesmoir-Gordon, Richard Manning, Merck Mercuriadis, Carinthia West
Länge: 106 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
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und der Musik von (selbstverständlich wird nicht jedes Lied ausgespielt und die Pink-Floydsche Gitarre dominiert den Film, aber die unten stehenden Bands und Musiker geben einen Eindruck von den gezeigten LP-Covern)
Pink Floyd (Shine On You Crazy Diamond, Interstellar Overdrive, Wish You Were Here, Let There Be More Light, Set The Controls For The Heart Of The Sun, A Saucerful Of Secrets, Pow R. Toc H., Atom Heart Mother Suite, Money, Breathe, Time, Shine On You Crazy Diamond Prts 1-5, Exposure, Dogs, Pigs)
Led Zeppelin (The Ocean, No Quarter, The Ocean Live MSG 1973, Nobody’s Fault But Mine, Black Dog)
Wings (Band on the Run, You Gave Me the Answer, My Carnival Live, Letting Go)
10CC (I’m not in Love, Honeymoon with B Troop, The Things We Do For Love, Art For Art’s Sake)
The Nice (Elegy, Hang On To A Dream)
Peter Gabriel (Down The Dolce Vita)
Depeche Mode (I Just Can’t Get Enough)
Throbbing Cristle (Hamburger Lady)
John Coltrane (I’m A Dreamer, Aren’t We All)
Syd Barrett (Baby Lemonade)
Chico Hamilton (Repulsion)
Soft Machine (Hope for Happiness)
Christopher Gunning (Black Magic Theme)
Berliner Philharmoniker (The Blue Danube)
Royal Conertgebouw Orchestra (Also Sprach Zarathustra!)
Der neueste Streich aus dem Haus Blumhouse ist ein weiterer Horrorfilm, der, dank seines geringen Budgets, sein Geld einspielen und der konstant unter seinen Möglichkeiten bleibt. Dabei sieht die Traumwelt, das Niemals-Jemals, als blaugefärbtes Escher-Labyrinth mit unnatürlichen Bewohnern gut aus und ist, jenseits von Raum, Zeit und Logik, gut für einige überraschende Momente und Bilder. Diese sind vor allem im letzten Drittel des Films. In den ersten Minuten des Films gibt es auch einige Bilder aus dem Niemals-Jemals, die furchteinflößender sind, als alles, was in den folgenden neunzig Minuten passiert.
Zusammen mit ihrem neuen Ehemann, dem tourenden Musiker Max, und den beiden Stieftöchtern, der sechzehhnjährigen Taylor und ihrer jüngeren Schwester Alice zieht die Illustratorin und Kinderbuchautorin Jessica in ihr altes Vorstadt-Elternhaus. Während Jessica für ihr neues Buch Spinnenwesen zeichnet, versucht sie die Vorbehalte, die Taylor und Alice gegen sie haben, zu überwinden. Sie will eine gute Mutter für Max‘ Kinder sein.
Im Keller entdeckt Alice hinter einem Schrank und einer Tür, die einen in schönster Horrorfilm-Tradition anschreit „Nicht öffnen!“, einen Teddy. Sie nennt ihn Chauncey und macht ihn zu ihrem ständigen Begleiter. Der Teddy ist, wie der Titel „Imaginary“ andeutet, ein Imaginärer Freund. Das scheint es bei Kindern öfter zu geben. Auch wenn ich und die Kollegen, mit denen ich mich nach der Pressevorführung über den Film unterhielt, früher keinen Imaginären Freund hatten und niemand Kinder kannte, die einen solchen Imaginären Freund haben oder hatten.
Jedenfalls hat Alice jetzt so einen imaginären Freund, der zunehmend besitzergreifend, bedrohlich und gefährlich wird. Für Alice ist er ein realer Feind, den sie für einen Freund hält. Jessica versucht das Schlimmste zu verhindern – und jetzt kommt einer dieser abgeschmackten Sätze, der das Niveau des Films ziemlich genau beschreibt – um Alice zu retten, muss Jessica sich ihren Ängsten und ihrer Vergangenheit stellen. Denn Chauncey war auch ihr Imaginärer Freund/Feind.
„Imaginary“ ist auch für den geneigten, jeden Schund akzeptierenden Horrorfilmfan Graubrot. Eine dämonische Puppe und aus der Vergangenheit zurückkehrende böse Geister sind nichts neues im Genre und die meisten Filme mit besessenen Puppen, die in den letzten Jahren im Kino liefen, waren nicht besonders gut. Das gilt auch für „Imaginary“. Die Story recycled vertraute Figuren und Handlungselemente aus älteren Filmen. Die Handlung beschränkt sich budgetschonend weitgehend auf einen Schauplatz und eine Niemals-Jemals-Fantasiewelt, die aus im Studio errichteten alptraumhaften Wänden und Türen besteht. Der Cast besteht aus einer vierköpfigen Familie und einige kurzen Gastauftritten. Die Größe des Casts gibt dem Horrorfilmfan dann auch schon einen Hinweis auf die Zahl der Toten. Es werden nicht viele sein, die einen schrecklichen Horrorfilmtod erleiden könnten.
Immerhin ist „Imaginary“, dank des Verzichts auf eine wackelige Wackelkamera, professionell gefilmt.
Imaginary (Imaginary, USA 2024)
Regie: Jeff Wadlow
Drehbuch: Greg Erb, Jason Oremland, Jeff Wadlow
mit DeWanda Wise, Tom Payne, Taegen Burns, Pyper Braun, Veronica Falcon, Betty Buckley
Nach der Ermordung seines Sohnes beginnt ein Ex-Polizist einen blutigen Rachefeldzug. Sein Ziel ist der von Steven Seagal gespielte Gangsterboss.
TV-Premiere. Soll das wirklich der schlechteste Film von Steven Seagal sein? Will das jemand wirklich wissen? Außer „Alarmstufe Rot“ hat Seagal ja keinen Must-See-Film gemacht. Dann gibt es noch „Einsame Entscheidung“ und „Machete“. Die sind auch gut, aber in diesen Actionfilmen tritt er nur kurz auf und niemand ging wegen ihm ins Kino. In jedem Fall ist „Beyond the Law“ sein bislang letzter Film.
„Ein fader Thriller“ (Lexikon des internationalen Films)
mit Steven Seagal, Johnny Messner, DMX, Zack Ward, Bill Cobbs