Neu im Kino/Filmkritik: „Lights out“ – und der Hausgeist kommt

August 4, 2016

Nachdem vor einigen Jahren Horror ja nur aus Torture-Porn, Wackelkamera und Found Footage bestand und Horrorfilmfans sich die sehenswerten Filme an den Fingern einer abgehackten Hand abzählten, gibt es seit einiger Zeit wieder eine durchaus angenehme Rückbesinnung auf die Vergangenheit, als ein nerviger Hausgeist genügte und Schrecken durch einen gelungenen Spannungsaufbau, meist mit Jumpscares und lauten Geräuschen, erzeugt wurde.

Etliche dieser Horrorfilme, die vor einigen Jahren bei uns höchstens als DVD veröffentlicht worden wären, laufen auch im Kino. Wie jetzt „Lights out“, der Debütfilm von David F. Sandberg, der dafür seinen gleichnamigen, ziemlich gruseligen Kurzfilm gelungen zum Spielfilm ausbaute und der damit eine der erfreulichen Überraschungen des Jahres lieferte. Jedenfalls für Horrorfilmfans.

Im Mittelpunkt steht Rebecca (Teresa Palmer). Als Kind hatte sie Angst vor einem Geist, den sie nur im Dunkeln sehen konnte. Wenn sie das Licht anmachte, war er weg. Er war auch der beste Freund ihrer psychisch kranken Mutter Sophie (Maria Bello).

Inzwischen lebt sie in der Stadt in einem kleinem Apartment. Als ihr jüngerer Bruder Martin Gabriel Bateman) ebenfalls von dem Geist verfolgt wird und der Geist nicht mehr an das elterliche Haus gebunden ist, entschließt sie sich, ihn zu bekämpfen.

Natürlich erfindet „Lights out“ das Genre nicht neu und natürlich liefert er das, was man von einem Geisterfilm erwartet. Inclusive der Szenen und Geräusche, die zu einem Geisterfilm dazu gehören. Aber David F. Sandberg erzählt die Geschichte straff in unter achtzig Minuten. Da bleibt keine Zeit für ablenkende Subplots, weshalb Maria Bello als psychisch kranke Mutter, die sich mit dem Geist, den sie Diana nennt, unterhält, nur eine Nebenrolle hat. Es ist, immerhin richtet sich der Film an jugendliches Publikum, das noch nicht Myriaden Horrorfilme gesehen hat, Rebeccas Geschichte und Teresa Palmer („Warm Bodies“, „The Choice“, „Triple 9“) überzeugt als Sympathieträgerin, die ihren kleinen Bruder beschützen will und sich dafür ihren Kinderängsten vor dem in der Dunkelheit auftauchendem Monster stellen muss.

Sogar die knappe Erklärung für Dianas Erscheinen in dunklen Räumen und ihre Taten ist durchaus logisch. Jedenfalls logischer als wir es aus anderen Geisterfilmen kennen, wenn der böse Geist alles und nichts sein kann und, je nach Film, zu viel oder zu wenig erklärt wird.

Das kann man Sandberg, der mit einfachen Mitteln und einem Lichtschalter Schrecken erzeugt, nicht vorwerfen.

Sein nächster Film ist „Annabelle 2“, ebenfalls produziert von James Wan und, ausgehend von „Lights out“, könnte in diesem Fall die Fortsetzung besser als der erste Film sein.

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Lights Out (Lights out, USA 2016)

Regie: David F. Sandberg

Drehbuch: Eric Heisserer (nach dem Kurzfilm von David F. Sandberg)

mit Teresa Palmer, Gabriel Bateman, Alexander DiPersia, Billy Burke, Maria Bello, Alicia Vela-Bailey, Lotta Losten, Andi Osho

Länge: 81 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

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Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Lights out“

Metacritic über „Lights out“

Rotten Tomatoes über „Lights out“

Wikipedia über „Lights out“ 

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Licht an, Licht aus, Licht an, Licht aus – und hier ist Sandbergs Kurzfilm „Lights out“


Neu im Kino/Filmkritik: „Collide“ – wenn Autos zusammenstoßen

August 4, 2016

Erstaunlich ist die Besetzung. Bemerkenswert die Drehorte. Denn „Collide“ wurde in und um Köln gedreht und der Film ist ein Actionthriller, wie wir ihn eigentlich aus den USA gewöhnt sind. Aber die Filmförderung ermöglicht einiges.

US-Amerikaner Casey Stein (Nicholas Hoult) verliebt sich in einer Kölner Disco in Juliette Marne (Felicity Jones) und er schwört ihr, ab jetzt keine kriminellen Geschäfte mehr zu machen. Als er erfährt, dass sie dringend eine Nierentransplantation braucht, beschließt er, für den Dealer Geran (Ben Kingsley) noch einmal einen gut bezahlten Auftrag zu übernehmen. Er soll von Gerans Intimfeind Hagen Kahl (Anthony Hopkins) einen gut gefüllten Drogenlaster klauen.

Gesagt. Getan.

Nach dem Überfall geht einiges schief und Casey donnert bei dem Versuch, seine Freundin aus den erpresserischen Klauen eines skrupellosen Gangsters zu befreien, mit einem Tempo über die Autobahn, das nur in Deutschland erlaubt ist und er verursacht dabei Blechschäden, die einen nach der berühmt-berüchtigten Autobahnpolizei Cobra 11 rufen lassen. Die kommt nicht, weil es, erstens, so im Drehbuch steht, und sie, zweitens, schon lange da ist. Neben „Lethal Weapon“ Joel Silver gehört Hermann Joha zu den Produzenten von „Collide“. Mit seiner Firma „action concept“ produziert Joha auch „Alarm für Cobra 11“, hat für die Stunts etliche Preise gewonnen und Johas Handschrift ist, im Guten wie im Schlechten, im ganzen Film zu spüren.

Die Crashs auf der Autobahn und in den verwinkelten Gassen von Monschau überzeugen mit ihrer handgemachten Authentizität. Es gibt noch mehr Action, die zeigt, dass Deutschland sich hier nicht hinter den USA verstecken muss. Die Action ist auch deutlich nachvollziehbarer als in den aktuellen Luc-Besson-Produktionen, in denen Schnitte und Wackelkamera jede Orientierung verunmöglichen. Die äußerst zäh beginnende und durchgehend vorhersehbare Filmgeschichte hält die Action mühsam zusammen. Die Geschichte ist auch nichts für Realitätsfanatiker, aber sie ist doch bodenständiger und damit weniger Over the Top als die trashigen Besson-Plots.

Die Charaktere sind Klischees. Sir Ben Kingsley mutiert zu einem chargierenden türkischen Ghettoganster, den wir so ähnlich schon in einigen grenzdebilen TV-Krimis ertragen mussten. Sir Anthony Hopkins zieht sich als sein Gegenspieler höflich aus der Affäre, indem er den gesitteten Gangster im Anzug spielt. Die deutschen Schauspieler haben nur kurze Auftritte und Felicity Jones ist halt die Damsel in Distress, die von Nicholas Hoult gerettet wird. Der durfte schon in „Mad Max: Fury Road“ Benzin schnuppern. Da überrascht nichts. Auch nicht die Schlusspointe.

Wer allerdings sehen will, wie ziemlich CGI-freie Action (ohne CGI geht ja nichts mehr) in Köln und Monschau und der Autobahn dazwischen aussieht, sollte sich „Collide“ ansehen.

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Collide (Collide, USA/Großbritannien/Deutschland 2016)

Regie: Eran Creevy

Drehbuch: F. Scott Frazier, Eran Creevy

mit Nicholas Hoult, Felicity Jones, Anthony Hopkins, Ben Kingsley, Marwan Kenzari, Alexander Jovanovich, Erdal Yildiz, Clemens Schick, Joachim Król

Länge: 99 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

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Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Collide“

Metacritic über „Collide“

Rotten Tomatoes über „Collide“

Wikipedia über „Collide“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 4. August: Das Schweigen der Lämmer

August 4, 2016

Vox, 22.55

Das Schweigen der Lämmer (USA 1991, Regie: Jonathan Demme)

Drehbuch: Ted Tally

LV: Thomas Harris: The Silence of the Lambs, 1988 (Das Schweigen der Lämmer)

FBI-Agentin Starling verfolgt einen Serienkiller und verliebt sich in den inhaftierten Hannibal Lecter.

Inzwischen schon ein Klassiker, der – zu Recht – etliche Oscars erhielt (Bester Film, Regie, Drehbuch, Hauptrolle). Beim wiederholten Sehen fällt auf, wie wenig von den schockierenden Ereignissen wirklich zu sehen ist – und wie konservativ die Kameraführung ist. Achten sie auf die erste Begegnung von Jodie Foster und Anthony Hopkins. Da ist keine Bewegung überflüssig, kein Schnitt zu viel und es wird sich in jeder Sekunde auf das Drehbuch und die Schauspieler verlassen.

Hitchcock hätte der Film gefallen.

Mit Jodie Foster, Anthony Hopkins, Scott Glenn, Ted Levine

Wiederholung: Freitag, 5. August, 03.35 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Metacritic über “The Silence of the Lambs”

Rotten Tomatoes über “The Silence of the Lambs”

Drehbuch „The Silence of the Lambs“ von Ted Tally (2nd draft script, 28. Juli 1989)

Drehbuch „The Silence of the Lambs“ von Ted Tally und Thomas Harris (final draft script)

Drehbuch „The Silence of the Lambs“ von Ted Tally und Thomas Harris (undated, unspecified draft script)

Homepage von Thomas Harris

Krimi-Couch über Thomas Harris

Wikipedia über Thomas Harris (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Jonathan Demmes „Ricki – wie Familie so ist“ (Ricki and the Flash, USA 2015)


TV-Tipp für den 3. August: Postman

August 2, 2016

Kabel 1, 20.15

Postman (USA 1997, Regie: Kevin Costner)

Drehbuch: Eric Roth, Brian Helgeland

LV: David Brin: The Postman, 1985 (Gordons Berufung, Postman)

USA, nach der Apokalypse: nur wenige Menschen, die ohne Kommunikation in voneinander getrennten Festungen leben, haben überlebt. Ein selbsternannter Postbote verschafft ihnen, indem er Briefe (aka Nachrichten) befördert, zu neuer Hoffnung. Auch im Kampf gegen einen örtliche Warlords.

Kein Meisterwerk, aber so schlecht, wie der Film damals gemacht wurde („tagelang dauernde Stilisierungsfeier“ [Fischer Film Almanach 1999], „über die Maßen langweiliger Inszenierungsversuch von Kevin Costner“ [Zoom 2/98]), inclusive fünf gewonnener Razzies und dem Razzie als schlechtester Film des Jahrzehnts, ist der epische, an das Gute appellierende, zu lang geratene, postapokalyptische Science-Fiction-Film nicht.

Eric Roth schrieb eine frühe Drehbuchversion. Brian Helgeland die verfilmte Fassung, die sich wieder am Roman orientierte.

David Brins Roman erhielt den John W. Campbell Award und den Locus Award als bester Science-Fiction-Roman, außerdem wer er für den Hugo und Nebula Award nominiert.

Brin selbst ist mit der Verfilmung, die die Geschichte seines Romans zwar verändert, aber nicht verrät, insgesamt zufrieden.

Einige seiner Romane sind bei Heyne erhältlich.

mit Kevin Costner, Will Patton, Larenz Tate, Olivia Williams, James Russo, Tom Petty, Giovanni Ribisi, Joe Santos

Wiederholung: Donnerstag, 4. August, 01.55 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Homepage von David Brin

Rotten Tomatoes über „Postman“

Wikipedia über „Postman“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 2. August: Tatort: Wohnheim Westendstraße

August 1, 2016

BR, 20.15

TATORT: Wohnheim Westendstraße (Deutschland 1976, Regie: Alex Corti)

Drehbuch: Herbert Rosendorfer

Ein italienischer Bauarbeiter wird tot auf dem Gelände der Bundesbahn gefunden. Alles sieht nach einem Unfall aus, bis Kommissar Veigl und seine Jungs Ungereimtheiten feststellen.

Als Krimi und als Milieustudie gelungener Tatort mit Münchner Charme.

Mit Gustl Bayrhammer, Helmut Fischer, Willy Harlander, Hans Baur, Renzo Martini, Piero Gerlini, Veronik Fitz, Jörg Hube

Hinweise

Tatort-Fundus über Kommissar Veigl

Tatort-Fans über „Wohnheim Westendstraße“

Wikipedia über „Wohnheim Westendstraße“ und Herbert Rosendorfer


DVD-Kritik: „Der Verdacht des Mr. Whicher“ führt viermal zum Täter

August 1, 2016

Vor Sherlock Holmes gab es Jack Whicher. Er ermittelte im viktorianischen England der 1860er und 1870er Jahre und – das kommt jetzt für einige Holmesianer vielleicht als Schock – Jack Whicher ist eine reale Gestalt, die eine Inspiration für Charles Dickens‘ Inspector Bucket in „Bleak House“ war. Er war Scotland-Yard-Inspector und einer seiner bekanntesten Fälle war der Mord von Road Hill House 1860, der 2008 von Kate Summerscale in dem Sachbuch „The Suspicions of Mr Whicher or The Murder at Road Hill House“ verarbeitet wurde. Das Buch war dann die Vorlage für den gleichnamigen Film, der den Auftakt zu einer kleinen, betulich erzählten Filmreihe bildete. Insgesamt entstanden zwischen 2011 und 2014 vier spielfilmlange Filme mit Paddy Considine als Jack Whicher. Dabei ist er nur in „Der Mord von Road Hill House“ Polizist. In „Der Mord in Angel Lane“, „Mein Fleisch und Blut“ und „Der Schein trügt“ arbeitet er als Privatdetektiv.

In „Der Mord von Road Hill House“ versucht er den Mord an einem dreijährigem Kind aufzuklären. Der Mörder muss, weil es keine Einbruchspuren gibt, jemand aus der Familie oder des Personals sein. Der wahre Fall ist ein echter Rätselkrimi, ein Locked-Room-Mystery, das damals von der Öffentlichkeit interessiert verfolgt wurde und in der Literatur seine Spuren hinterließ, wie in Wilkie Collins‘ „Der Monddiamant“.

In „Der Mord in der Angel Lane“ arbeitet Jack Whicher nicht mehr als Polizist. Er wird von Lady Susan Spencer gebeten, ihre schwangere Nichte Mary Spencer, die in London spurlos verschwunden ist, zu suchen. Da wird ihre Leihe gefunden. Whicher sucht ihr verschwundenes Kind und ihren Mörder.

In „Mein Fleisch und Blut“ bittet Sir Edward Shore Whicher ihn um Hilfe. Sein Sohn, der einige Zeit in Indien lebte, wird in London von einem Inder verfolgt. Anscheinend will der Inder Charles Shore umbringen, weil dieser in Indien etwas getan hat.

In „Der Schein trügt“ beschattet Whicher die Frau von Sir Henry Coverly. Es gelingt ihm, Beweise für ihre Untreue zu beschaffen. Als ihr Liebhaber ermordet wird, beginnt Whicher den Täter zu suchen.

Wer von „Der Verdacht des Mr. Whicher“ eine Variante von Sherlock Holmes, vor allem in seinen neuen Inkarnationen, erwartet, – immerhin wird die Serie mit dem Spruch „Im viktorianischen England beruht die Gerechtigkeit auf dem Verdacht des Mr. Whicher.“ beworben -, und es gerne etwas stylisch in Richtung „Peaky Blinders“ oder „Ripper Street“ hätte, dürfte enttäuscht sein. Mr. Whicher ist doch ein ziemlich normaler Mann. Er ist kein Exzentriker oder Genie, sondern eher ein Kommissar Maigret oder ein notorisch schlecht gelaunter Inspector Barnaby. Seine Ermittlungen stützen sich weniger auf Spuren, als auf Befragungen von Menschen, die mehr oder weniger viel zu verbergen haben und mehr oder weniger schamlos lügen. Dabei ist er mit Fällen und Motiven konfrontiert, die jederzeit spielen könnten. Gesellschaftliche Zwänge und Regeln werden nicht, wie in anderen in der Vergangenheit spielenden Krimis, als wichtiger Teil der Ermittlung angesprochen.

Aber das Zeitkolorit ist mit den Gebäuden, den Kutschen und den Kleidern gut getroffen, Paddy Considine ist immer ein Gewinn, die anderen Schauspieler sind auch gut und allzuviele historische Kriminalfilme gibt es nicht.

Als Bonusmaterial gibt es ein informatives kurzes „Behind the Scenes“ zum ersten Whicher-Film „Der Mord von Road Hill House“.

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Der Verdacht des Mr. Whicher: Der Mord von Road Hill House (The Suspicions of Mr Whicher: The Murder at Road Hill House, Großbritannien 2011)

Regie: James Hawes

Drehbuch: Neil McKay

LV: Kate Summerscale: The Suspicions of Mr Whicher or The Murder at Road Hill House, 2008 (Der Verdacht des Mr Whicher oder Der Mord von Road Hill House)

mit Paddy Considine, Peter Capaldi, Tom Georgeson, William Beck, Emma Fielding, Tim Pigott-Smit, Kathe O’Flynn

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Der Verdacht des Mr. Whicher: Der Mord in der Angel Lane (The Suspicions of Mr Whicher: The Murder in Angel Lane, Großbritannien 2013)

Regie: Christopher Menaul

Drehbuch: Neil McKay

mit Paddy Considine, Olivia Colman, William Beck, Shaun Dingwall

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Der Verdacht des Mr. Whicher: Mein Fleisch und Blut (The Suspicions of Mr Whicher: Beyond the Pale, Großbritannien 2014)

Regie: David Blair

Drehbuch: Helen Edmundson

mit Paddy Considine, Nancy Carroll, John Hefferman, Adrian Quinton, Laura Frances-Morgan, Raphael Brandman, Tyler Bennett, Nicholas Jones, Ellora Torchia, Tim Pigott-Smith

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Der Verdacht des Mr. Whicher: Der Schein trügt (The Suspicions of Mr Whicher: The Ties that bind, Großbritannien 2014)

Regie: Geoffrey Sax

Drehbuch: Helen Edmundson

mit Paddy Considine, Helen Bradbury, Nancy Caroll, Ristead Cooper, Joanna Horton, James Northcote, Luke Thompson

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Die DVDs

Der Verdacht des Mr Whicher - Road Hill House - Angel Lane - DVD-Cover - 4

Der Verdacht des Mr. Whicher: Der Mord von Road Hill House/Der Mord in der Angel Lane

Polyband

Bild 1,78:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Behind the Scenes

Länge: 180 Minuten (2 x 90 Minuten)

FSK: ab 12 Jahre

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Der Verdacht des Mr Whicher - Fleisch und Blut - Schein - DVD-Cover - 4

Der Verdacht des Mr. Whicher: Mein Fleisch und Blut/Der Schein trügt

Polyband

Bild 1,78:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: –

Länge: 180 Minuten (2 x 90 Minuten)

FSK: ab 12 Jahre

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Hinweise

Rotten Tomatoes über „Der Verdacht des Mr. Whicher“

Wikipedia über „Der Verdacht des Mr. Whicher“ und Jack Whicher


TV-Tipp für den 1. August: Narbengesicht (besser bekannt als „Scarface“)

August 1, 2016

Arte, 21.55

Scarface (Scarface – Shame of the Nation, USA 1932)

Regie: Howard Hawks

Drehbuch: Ben Hecht

LV: Armitage Trail: Scarface, 1930 (Scarface)

USA während der Prohibition: Tony Camonte will zum Gangsterboss aufsteigen.

Der Klassiker des Gangsterfilms. Seine deutsche Premiere hatte er erst am 14. Februar 1981 hatte. Immerhin im Kino.

„Howard Hawks gelingt in diesem frühen Tonfilm das Kunststück, mit einem ganz und gar kalten, dreckigen und bösen Plot eine für damalige Verhältnisse ungewohnte Kritik an gesellschaftlichen Zuständen zu üben und gleichzeitig sein Publikum perfekt zu unterhalten.“ (Fischer Film Almanach 1982)

Arte zeigt den Film heute als unter dem neuen Titel „Narbengesicht“.

mit Paul Muni, Ann Dvorak, Karen Morley, Osgood Perkins, George Raft, Boris Karloff

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Scarface“

Wikipedia über „Scarface“ (USA 1932) (deutsch, englisch)

Filmsite über „Scarface“ (USA 1932)

Martin Compart über „Scarface“

Meine Besprechung von Christian De Metter/Armitage Trails „Scarface“ (Scarface, 2011) (Comic, der auf Armitage Trails Roman basiert)


TV-Tipp für den 31. Juli: Lolita/Eyes Wide Shut

Juli 30, 2016

Zwei Liebesfilme von Stanley Kubrick

Arte, 20.15

Lolita (Großbritannien/USA 1962, Regie: Stanley Kubrick)

Drehbuch: Vladimir Nabokov

LV: Vladimir Nabokov: Lolita (1955/1958, Lolita)

Professor Humbert Humbert verliebt sich in die pubertierende Tochter seiner Vermieterin Charlotte Haze.

Film und Buch gehören heute zu den Klassikern in ihrem Genre.

Nabokovs Roman wurde 1955 zuerst auf Englisch in Frankreich veröffentlicht. Die US-amerikanische Erstausgabe erschien 1958 und wurde sofort ein Bestseller.

Mit James Mason, Sue Lyon, Peter Sellers, Shelley Winters

Wiederholung: Donnerstag, 4. August, 00.20 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Lolita“

Wikipedia über “Lolita” (deutsch, englisch)

Stanley Kubrik in der Kriminalakte

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Arte, 22.45

Eyes Wide Shut (USA 1999, Regie: Stanley Kubrick)

Drehbuch: Stanley Kubrick, Frederic Raphael

LV: Arthur Schnitzler: Traumnovelle, 1926 (Buchausgabe, davor 1925/1926 als Fortsetzungsroman in „Die Dame“ erschienen)

Nachdem seine Frau ihm eine Jahre zurückliegende außereheliche Sexfantasie beichtet, tickt William aus. Verstört irrt der Doktor durch das nächtliche New Yorker zwischen Prostituierten und Swingerclubs.

Kubricks letzter Film ist nicht sein bester. Dafür ist er zu lang (auf mich wirkt er wie der Rohschnitt) und durch den Wechsel der Handlungszeit vom Wien der späten Kaiserjahre in das heutige New York wird die Geschichte ihres moralischen Kontextes beraubt. Denn in einer heute, unter normalen Menschen, spielenden Geschichte ist es einfach unglaubwürdig, dass ein Mann so von einer außerehelichen Sexualfantasie irritiert ist.

Zum Glück spielen weite Teile in pompös-altmodischen Innenräumen und die Dialoge wurden auch von Schnitzler übernommen. So kann man meistens ausblenden, dass „Eyes Wide Shut“ zur falschen Zeit spielt.

Mit Tom Cruise, Nicole Kidman, Sydney Pollack, Sky Dumont

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Eyes Wide Shut“

Wikipedia über “Eyes Wide Shut” (deutsch, englisch)

Stanley Kubrik in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 30. Juli: The Score

Juli 30, 2016

ZDFneo, 20.15

The Score (USA/Deutschland 2001, Regie: Frank Oz)

Drehbuch: Kario Salem, Lem Dobbs, Scott Marshall Smith (nach einer Geschichte von Daniel E. Taylor und Kario Salem)

Hehler Max überredet den immer allein arbeitenden Profieinbrecher Nick Wells zu einem Einbruch ins ausgezeichnet gesicherte Zolllager von Montreal. Dort ist für einige Tage ein wertvolles Königszepter. Die Pläne erhält Nick dank eines Insiders. Dummerweise will der Insider bei dem Coup nicht nur helfende Hand sein.

Drei Schauspielgiganten in einem amüsanten Caper.

“The Score” ist der letzte Film von Marlon Brando. Nach mehreren, sehr höflich formuliert, schlechten Werken, gelang ihm mit dem elegant, altmodischen “The Score” ein würdevoller Abschied.

Mit Robert De Niro, Edward Norton, Marlon Brando, Angela Bassett, Gary Farmer, Paul Soles

Wiederholung: Sonntag, 31. Juli, 04.30 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über „The Score“ (deutsch, englisch)

Rotten Tomatoes über “The Score”

Metacritic über “The Score”

Cineclub unterhält sich mit Frank Oz über “The Score”


Neu im Kino/Filmkritik: „Zeit für Legenden“ während der Olympiade 1936 in Berlin

Juli 29, 2016

Adolf Hitlers Propagandashow. Leni Riefenstahls legendärer, zweiteiliger Dokumentarfilm „Olympia“, von dem heute vor allem die ikonischen Bilder bekannt sind. Und Jesse Owens, der eine Goldmedaille nach der nächsten gewann, und dessen Leistungen, das habe ich irgendwo gelesen, heutige Läufer, wenn sie nicht ihre modernen Hosen und Schuhe hätten, immer noch alt aussehen lassen würden. Das ist natürlich ein Filmstoff und das achtzigjährige Jubiläum dieser Spiele ist da ein guter Anlass, die Geschichte mehr oder weniger umfassend für die große Leinwand zu erzählen.

Stephen Hopkins, der nach einigen Kinofilmen wie „Judgment Night – Zum Töten verurteilt“, „Explosiv – Blown Away“ und „Lost in Space“ in den vergangenen Jahren vor allem für das Fernsehen arbeitete (u. a. mehrere „24“-Folgen, die Miniserie „Traffic“ und „The Life and Death of Peter Sellers“, der bei uns auch im Kino lief), wählte für seine Rückkehr ins Kino den ziemlich umfassenden Ich-muss-alles-erzählen-Blick.

So erfahren wir, wie der neunzehnjährige Jesse Owens (Stephan James) an der Ohio State University von Larry Snyder (Jason Sudeikis) trainiert wird, erste Erfolge bei Wettbewerben hat und sich für die Olympiade qualifiziert.

In diesem Moment berät das Olympische Komitee der USA, ob die USA sich an den Olympischen Spielen in Berlin beteiligen sollen. Immerhin wird Deutschland von dem Diktator Adolf Hitler regiert und der Umgang mit Minderheiten ist, ähem, problematisch. Avery Brundage (Jeremy Irons) soll sich daher als Gesandter des Komitees in Deutschland umsehen. Brundage glaubt, dass Sport und Politik strikt getrennt werden müssen. Die ersten Eindrücke aus Berlin begeistern den Bauunternehmer nicht. Aber nachdem Propagandaminister Joseph Goebbels (Barnaby Metschurat) auf seine Bedingungen nach optisch sauberen Spielen eingeht und er von Goebbels den Auftrag erhält, die deutsche Botschaft in Washington zu bauen, steht den sauberen Spielen nichts mehr im Weg.

In Berlin gibt es dann Konflikte zwischen den Sportlern, den Beginn der Freundschaft zwischen Jesse Owens und dem deutschen Läufer Carl ‚Luz‘ Long (David Kross), Ränkespiele im Hintergrund und missgünstige Richter im Stadion, die Jesse Owens‘ Siegesserie verhindern wollen. Trotzdem läuft er von Goldmedaille zu Goldmedaille.

Und „Triumphs des Willens“-Regisseurin Leni Riefenstahl (Carice van Houten) läuft burschikos Bilder für ihre Dokumentation „Olympia“ machend durch das Bild.

Das ist eine Menge Stoff für zwei Stunden Film und es spricht für das Drehbuch von Joe Shrapnel und Amanda Waterhouse und Regisseur Stephen Hopkins, dass wir bei all den Handlungssträngen und handelnden Personen niemals den Überblick verlieren und immer ihre Konflikte verstehen. Es entsteht auch niemals der Eindruck, dass durch die Geschichte gehetzt wird. Stattdessen hat jede Geschichte, jede Episode, den nötigen Raum.

Und trotzdem will sich keine richtige Begeisterung einstellen. Denn es ist auch alles immer eine Spur zu abgewogen, zu sehr auf Konsens und zu wenig auf Zuspitzung und irgendeine Form von Anklage erzählt. „Zeit für Legenden“ will alles verstehen, aber nichts verurteilen.

Wenn es am Ende eine Szene gibt, in der Jesse Owens als mehrfacher Olympiagewinner bei einer Feier zu seinen Ehren den Hintereingang benutzen muss und in einer Texttafel gesagt wird, dass Owens erst 1976 in das Weiße Haus zur Überreichung der Medal of Freedom eingeladen wurde, dann fällt auch auf, dass „Zeit für Legenden“ das Problem des Rassismus in den USA durchgehend ignorierte, weil der Rassismus der Nazis ja viel schlimmer war. In dem bei uns kaum bekanntem, grandiosen Biopic „42 – Die wahre Geschichte einer Sportlegende“ über Baseballer Jackie Robinson steht sie im Mittelpunkt.

„Zeit für Legenden“ ist gutes Erzählkino. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Zeit für Legenden - Plakat

Zeit für Legenden (Race, Frankreich/Deutschland/Kanada 2016)

Regie: Stephen Hopkins

Drehbuch: Joe Shrapnel, Amanda Waterhouse

mit Stephan James, Jason Sudeikis, Jeremy Irons, William Hurt, Carice van Houten, Eli Goree, David Kross, Barnaby Metschurat, Tony Curran, Shanice Banton

Länge: 118 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

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Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Zeit für Legenden“

Metacritic über „Zeit für Legenden“

Rotten Tomatoes über „Zeit für Legenden“

Wikipedia über „Zeit für Legenden“ (deutsch, englisch) und Jesse Owens (deutsch, englisch)

History vs. Hollywood über den Wahrheitsgehalt der „Zeit für Legenden“

Meine Besprechung von Stephen Hopkins Mark-Billingham-Verfilmung „Der Kuss des Sandmanns – Tom Thorne ermittelt“ (Thorne: Sleepyhead, GB 2010)

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Stephen Hopkins, Stephan James und Jason Sudeikis sprechen über den Film


TV-Tipp für den 29. Juli: Sin Nombre – Zug der Hoffnung

Juli 29, 2016

3sat, 22.35

Sin Nombre – Zug der Hoffnung (Mexiko/USA 2009, Regie: Cary Jôji Fukunaga)

Drehbuch: Cary Jôji Fukunaga

Was machte Cary Fukunaga vor „True Detective“? Zum Beispiels „Sin Nombre“, ein allgemein abgefeiertes und ausgezeichnetes Gangsterdrama, über einen Teenager, der in Mexiko Mitglied einer großen Gangsterbande ist und, nachdem er in Ungnade fällt, auf einem Zug in die USA flüchten will. Verfolgt von seinen alten Freunden. Auf seiner Reise verliebt er sich in ein Mädchen, das aus Honduras ebenfalls illegal in die USA einreisen will.

„Überzeugend verbindet das Drama Genre-Elemente aus Road Movie und Liebesfilm und verdichtet sie zur eindringlichen Bestandsaufnahme der tatsächlichen Verhältnisse, die Menschen Richtung USA treiben, sowie der Gefahren, die sie auf der Flucht erwarten.“ (Lexikon des Internationalen Films)

Mit Paulina Gaitan, Edgar Flores, Kristian Ferrer, Tenoch Huerta Mejía, Luis Fernando Peña, Diana Garcia

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Sin Nombre“

Wikipedia über „Sin Nombre“ (deutsch, englisch)

 


Neu im Kino/Filmkritik: „Wiener Dog“ – das Leben ist ein Hundeleben

Juli 29, 2016

Nachdem seine letzten beiden Filme „Life during wartime“ (2009) und „Dark Horse“ (2011) bei uns überhaupt nicht gezeigt wurden und auch Todd Solondz‘ ältere Filme selten bis nie im Fernsehen laufen und auch auf DVD nicht wirklich erhältlich sind, dürfte „Wiener Dog“ für einige Zuschauer eine echte Entdeckung und für einige ältere Cineasten eine willkommene Wiederentdeckung des Regisseurs von „Willkommen im Tollhaus“ (1995) und „Happiness“ (1998) sein. Sie werden dann auch vielleicht bemerken, dass Dawn Wiener, die jetzt von Greta Gerwig gespielte Protagonistin der zweiten Geschichte von „Wiener Dog“, auch die Protagonistin von „Willkommen im Tollhaus“ war.

Dawn arbeitet jetzt in einer Tierklinik, wo sie ihr Herz an den Dackel, der eingeschläfert werden soll, verliert. Sie rettet ihn davor. Kurz darauf trifft sie in einem Supermarkt auf ihren ehemaligen Schulkameraden Brandon McCarthy (Kieran Culkin), der jetzt drogensüchtig ist und sie auf eine Reise nach Ohio einlädt. Dort gibt es Crystal Meth.

Dawn, die genug von ihrem tristen und eintönig-hoffnungslosem Leben hat, ist einverstanden. Auf ihrer Reise begegnen sie einer Mariachi-Band und Brandons Bruder, der Trisomie 21 hat, und glücklich mit einer ebenfalls behinderten Frau zusammen lebt. Dawn schenkt ihnen ihren Dackel, der danach noch zwei weitere Besitzer hat. Aber wie er zu dem Hochschullehrer Schmerz (Danny DeVito) und danach zu Nana (Ellen Burstyn) kommt, erfahren wir nicht. Es ist auch egal, weil der Dackel einfach nur ein fast beliebig austauschbares Bindeglied zwischen den vier unabhängigen Geschichten über in den Vorstädten lebende Menschen ist. Deren Leben, ihre Tristesse und ihre Lügen schildert Todd Solondz mit bitterbösem Humor, der unerbittlich jede Scheinheiligkeit und Selbsttäuschung für uns entlarvt bis die Suburbs mit ihren austauschbaren Häusern zu einer Vorhölle werden, in der es nur noch Stillstand gibt. Die porträtierten Charaktere haben sich in ihrem Leben schon lange eingerichtet.

So hat in der ersten Geschichte Dina (Julie Delpy) kein erkennbar schlechtes Gewissen, wenn sie ihren Sohn Remi (Keaton Nigel Cooke), der gerade eine Krebserkrankung überstanden hat, über den Dackel und seine Gefühle belügt. Denn Remis einziger Freund muss erzogen, sterilisiert und später, weil er einfach zu viel Arbeit verursacht, eingeschläfert werden. Aber Dina beruhigt ihren Sohn: „Es ist traurig, aber wahr. Wir sind der einzige Freund des Hundes.“

In der dritten Geschichte begegnet der Dackel in New York dem Filmprofessor Schmerz, der früher ein erfolgreicher Drehbuchautor war, seit Ewigkeiten kein Buch mehr verkauft hat, den Studenten seit Jahren die gleichen Ratschläge gibt und notorisch schlecht gelaunt ist, weil er kein Buch verkauft und unterrichten muss. Entsprechend unbeliebt ist er bei seinen Studenten und Kollegen.

In der vierten Geschichte wird die Großmutter Nana (Ellen Burstyn) nur dann von ihrer Enkelin Zoe (Zosia Mamet) besucht, wenn sie Geld braucht. Zum Beispiel für ihren gerade aktuellen Freund Fantasy (Michael Shaw; auch dieser Name ist nicht zufällig ausgewählt), der sich schon als großer Künstler sieht und eine Ausstellung plant. Auch Nana hat vor Jahrzehnten Kunst studiert.

Die Geschichten sind eher Zustandsbeschreibungen und dank der präzisen Beobachtung, der punktgenauen Zuspitzung und dem jeden Satz und jedes Bild durchziehenden schwarzen Humor unglaublich unterhaltsam und witzig; ohne jeden Fremdschäm-Reflex und mit einer tiefschwarzen Weltsicht, in der es keinen Gott gibt, aber die Welt nicht gottlos ist. Denn Solondz liebt seine Charaktere und er zeigt die Welt, die er kennt. Der US-Gesellschaft hält er so einen Spiegel vor; für uns ist es sie ein Blick in eine vertraut-fremde Welt, gespickt mit vielen Anspielungen, Verweisen, Doppelungen und Spiegelungen, die man analysieren oder einfach nur genießen kann.

In den in jeder Beziehung sehr unterschiedlichen Geschichten und in der Struktur des Films. So gibt es, immerhin erzählt „Wiener Dog“ vier Geschichten, eine „Intermission“, die im Film mit Pausenschild und Pausenprogramm gefüllt wird. Dabei ist Solondz‘ Film mit knapp neunzig Minuten kürzer als die üblichen Hollywood-Blockbuster, die schon lange notorisch die Zwei-Stunden-Grenze überschreiten. Die Geschichte von Schmerz ist auch eine Lektion im Geschichtenerzählen, garniert mit Hollywood-Weisheiten, einem „What. If.“-Running-Gag und eine Abrechnung mit Hollywood, die dann doch wieder eben dieser Formel bis zum explosiven Ende folgt. Dagegen fallen dann Nanas Begegnungen mit ihren jüngeren Ichs als Flucht in surreale Fantasy-Gefilde schwach aus. Bis dahin hat Ellen Burstyn vielsagend geschwiegen und mit wenigen Sätzen ihre Nichte aus ihrer Komfortzone geholt. Genau wie Todd Solondz uns aus unserer Komfortzone holt.

Dieses Mal ohne Vergewaltigungen, Masturbationen, Kindesmissbrauch, Abtreibungen und andere Tabuthemen, mit denen man das Publikum schnell verstören kann. Vor allem, wenn man plötzlich Verständnis und Sympathie für diese Charaktere entwickelt. In dem sehr zugänglichem Tierfilm „Wiener Dog“ muss man diese Angst nicht haben. Trotzdem ist es kein Feelgood-Film.

„Ich liebe Hunde und hätte selber gerne einen. Das einzige Problem ist, dass ich nicht Gassi mit ihnen gehen will und sie nicht gerne füttere oder sie wasche oder wegen ihnen zu Hause bleiben will.“ (Todd Solondz)

Wiener Dog - Plakat

Wiener Dog (Wiener Dog, USA 2016)

Regie: Todd Solondz

Drehbuch: Todd Solondz

mit Keaton Nigel Cooke, Tracy Letts, Julie Delpy, Greta Gerwig, Kieran Culkin, Danny DeVito, Ellen Burstyn, Zosia Mamet, Michael Shaw

Länge: 88 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

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Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Wiener Dog“

Metacritic über „Wiener Dog“

Rotten Tomatoes über „Wiener Dog“

Wikipedia über „Wiener Dog“

Webseite über Todd Solondz und seine Filme

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Die Weltpremiere beim Sundance Filmfestival

Todd Solondz beim München Filmfest 2016 (Amateuraufnahme, aber der Ton ist okay)

Ein Gespräch mit Todd Solondz über „Wiener Dog“ (mit gewohnt professionellem Bild und Ton)

 


Neu im Kino/Filmkritik: Die „Legend of Tarzan“ kehrt zurück

Juli 28, 2016

Tarzan, der Herrscher des Urwalds ist zurück – und „Legend of Tarzan“ ist viel besser als der letzte Tarzan-Film „Tarzan 3D“, bei dem nur die computergenerierten Bilder als Leistungsschau der Hersteller überzeugten. Manchmal.

Davor gab es in den letzten Jahrzehnten einige Tarzan-Filme, die sich – auch wenn „Greystoke – Die Legende von Tarzan“ (Großbritannien 1984, von Hugh Hudson) und „Tarzan – Herr des Urwalds“ (USA 1981, von John Derek mit Bo Derek als sexy Dame in ständig feuchter Bekleidung) die Grenzen zwischen Kunst und Trash markierten – bei weiten nicht so in das kollektive Gedächtnis einbrannten wie die legendären Tarzan-Filme mit Johnny Weissmuller.

„Legend of Tarzan“, der kein naiver Abenteuerfilm sein will, wird das gleiche Schicksal des schnellen Vergessens ereilen. Daran ändert auch die lange Entwicklungsgeschichte des Films (wobei das 2006er Tarzan-Projekt von Guillermo del Toro mit diesem Film sicher nichts mehr zu tun hat) und das exorbitante Budget von offiziell 180 Millionen US-Dollar nichts.

Dieses Mal lebt Tarzan (Alexander Skarsgård) schon seit längerem unter seinem bürgerlichem Namen John Clayton III, fünfter Lord Greystoke, auf seinem Landsitz und er erledigt klaglos seine Pflichten als Lord und Hausherr. Da wird er vom Parlament gebeten, als Sonderbotschafter für Handelsfragen in den Kongo zu reisen.

Auf seiner Fahrt in seine alte Heimat begleiten ihn seine Freundin Jane (Margot Robbie), die ebenfalls alte Bekanntschaften auffrischen will, und der US-Amerikaner George Washington Williams (Samuel L. Jackson als doofer, alle Klischees bestätigender Sidekick), der Beweise für einen florierenden Sklavenhandel finden will.

In Afrika werden, kurz nach ihrer Ankunft in seinem Heimatdorf, Jane und etliche Dorfbewohner bei einem nächtlichen Überfall entführt und das Dorf verwüstet.

Verantwortlich dafür ist der Belgier Leon Rom (Christoph Waltz). Der Händler und Bösewicht des Films wollte in der Nacht eigentlich den legendären Tarzan entführen.

Lord Greystoke, der entkommen konnte, reißt sich seine Kleider vom Leib und beginnt als Tarzan Rom und seine Bande quer durch den Dschungel und die Steppe und Steinwüsten und Gewässer und Seen zu jagen, weil in Afrika alle Landschaften in Lianenentfernung sind.

Es gibt in „Legend of Tarzan“ zwischen all den CGI-Effekten (so sehen wir nur CGI-Tiere, die auch fast immer so aussehen) einige Momente, die schmerzlich zeigen, was für ein grandioser Film aus dem Stoff hätte werden können. So in Richtung Sam Peckinpahs Spätwestern „The Wild Bunch“. Allerdings n Afrika spielend und den Kolonialismus, die Zerstörung von Menschen, Tieren und Natur, der Ausbeutung eines Kontinents und der Grundsteinlegung von noch heute virulenten Konflikte ansprechend. In dem Wissen, dass der von Tarzan und Jane und seinen afrikanischen Freunden, in trauter Einheit mit den Tieren, gelebte glückliche Naturzustand (der natürlich auch immer nur eine Fiktion war) schon damals nicht mehr existierte. Es hätte also ein bildgewaltiger Abenteuerfilm mit einer ernsten Grundierung werden können.

Entstanden ist ein von einem Komitee gemachter Film. Nichts fügt sich sinnvoll zusammen, weil jeder eine Idee in den Film einbringen durfte. Es gibt immer wieder haarsträubende erzählerische Mängel und inszenatorische Schwächen. So erfahren wir wichtige Teile von Roms Plan erst viel zu spät, teilweise erst am Ende. Auch den Grund für den Konflikt zwischen Tarzan und Häuptling Mbonga (Djimon Hounsou) erfahren wir viel zu spät. Wenn man das alles (ja, Spoilervermeidung) am Anfang weitgehend verraten hätte, hätte man in diesem Moment den Grundstein für eine kraftvolle Geschichte gelegt. Denn in diesem Moment wäre der Grundkonflikt zwischen Tarzan, Rom und Mbonga etabliert gewesen und man hätte ausgehend von dieser Prämisse ein Netz von Konflikten und Beziehungen zwischen den Charakteren aufgespannt. So plätschert der Film vor sich hin, während er erzählt, wie Tarzan seine Frau retten will.

Die zahlreichen Rückblenden, die David Yates wild über den Film verteilt, sind bestenfalls manieristisch, schlimmstenfalls nervig. Der Geschichte hätten sie mehr gedient, wenn sie an den wenigen Punkten in der Geschichte, in der sie erzählerisch Sinn machen, präsentiert worden wären. Also wenn Tarzan von Vertretern des Parlaments gebeten wird, nach Afrika zurückzukehren, hätte man eine große Rückblende mit seiner Geschichte, wie seine Eltern sterben, er von Affen großgezogen wird, Jane kennen lernt und nach England zurückkehrt, einfügen können. Denn in diesem Moment steht John Clayton vor der Frage, ob er wieder in seine Vergangenheit zurückkehren will. Yates verteilt diese Hintergrundgeschichte auf mehrere Rückblenden, die dann nur unnötig die Haupthandlung verlangsamen. Denn letztendlich kenne wir doch alle die Geschichte von Tarzan.

Und dann etabliert „Harry Potter“-Regisseur mehrmals Ort so ungeschickt und auch unlogisch, dass man glaubt, gerade habe man eine Szene verpasst zu haben. So scheint, um nur ein Beispiel zu nenne, das Dorf, in dem Tarzan seine alten Freunde nach einem langen Fußmarsch durch trockenes Grasland, mitten in einer wasserlosen Gegend zu liegen. In der Nacht werden sie von Roms Männern überfallen und Jane wird auf einen Dampfer entführt, der anscheinend wenige Meter neben dem Dorf anlegte.

Wo „Legend of Tarzan“ schon auf der erzählerischen Ebene Schiffbruch erleidet, bringen die überall eingesetzten CGI-Effekte das Schiff dann endgültig zum Sinken. Und im Finale wird dann, während eine Horde CGI-Tiere eine Hafenstadt verwüstetet, auch munter Schiffe versenken gespielt. Das ist visuell selten überzeugend, meistens spektakulär langweilig und wenig beeindruckend.

„Legend of Tarzan“ ist wohl der Tarzan-Film mit den meisten verpassten Chancen.

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Legend of Tarzan (The Legend of Tarzan, USA 2016)

Regie: David Yates

Drehbuch: Adam Cozad, Craig Brewer (nach einer Geschichte von Craig Brewer und Adam Cozad, basierend auf den „Tarzan“-Geschichten von Edgar Rice Burroughs)

mit Alexander Skarsgård, Christoph Waltz, Samuel L. Jackson, Margot Robbie, Djimon Hounsou, Sidney Ralitsoele, Osy Ikhile, Mens-Sana Tamakloe, Rory J. Saper, Christian Stevens, Jim Broadbent, Ben Chaplin

Länge: 110 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

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Lesetipp

Die Johnny-Weismuller-“Tarzan“-Filme laufen ja immer wieder und für mich sind sie die klassischen und definitiven „Tarzan“-Filme. Immerhin sah ich sie als Kind.

Aber man kann die jetzige Verfilmung auch als Gelegenheit nehmen, einen Blick in die Vorlage, die „Tarzan“-Romane von Edgar Rice Burroughs zu werfen. Denn der Heyne-Verlag bietet, mit einem kundigen Nachwort von Georg Seeßlen, einen Sammelband mit drei „Tarzan“-Romanen an. Enthalten sind die Ursprungsgeschichte „Tarzan bei den Affen“ (Tarzan of the Apes, 1912) und die beiden deutlich kürzeren „Tarzan“-Romane „Tarzan und die Schiffbrüchigen“ (Tarzan and the Castaways, 1940/1941/1964) und „Tarzan und der Verrückte“ (Tarzan and the Madman, 1964) und die ersten Seiten lesen sich verdammt gut.

Burroughs - Tarzan - 4

Edgar Rice Burroughs: Tarzan – Drei Romane in einem Band

Heyne, 2013

688 Seiten

11,99 Euro

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Taschenbuch-Ausgabe entspricht der Ausgabe von Walde & Graf, Zürich 2012.

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Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Legend of Tarzan“

Metacritic über „Legend of Tarzan“

Rotten Tomatoes über „Legend of Tarzan“

Wikipedia über „Legend of Tarzan“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 28. Juli: Brügge sehen…und sterben?

Juli 28, 2016

3sat, 22.25

Brügge sehen…und sterben? (B/GB 2008, Regie: Martin McDonagh)

Drehbuch: Martin McDonagh

Die Profikiller Ray und sein väterlicher Freund Ken sollen nach einem leicht missglückten Mord an einem Priester für einige Tage in Brügge untertauchen. Schnell verwandeln sie die friedliche Stadt in eine Kampfzone. Denn: „Shoot first. Sightsee later.“

Grandiose, mit dem Edgar ausgezeichnete schwarze Komödie

Mit Colin Farrell, Brendan Gleeson, Ralph Fiennes, Clémence Poésy, Zeljko Ivanek, Ciarán Hinds

Hinweise

Britische Homepage zum Film

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Brügge sehen…und sterben?“

Moviepilot über „Brügge sehen…und sterben?“

Metacritic über „Brügge sehen…und sterben?“

Rotten Tomatoes über „Brügge sehen…und sterben?“

Wikipedia über „Brügge sehen…und sterben?“ (deutsch, englisch)

Filmstew: Interview mit Martin McDonagh

IndieWire: Interview mit Martin McDonagh

Collider: Interview mit Martin McDonagh und Colin Farrell

Time porträtiert Martin McDonagh

New York Times ebenso

Meine Besprechung von Martin McDonaghs „7 Psychos“ (Seven Psychopaths, UK/USA 2012)


DVD-Kritik: „Fast Convoy – Tödlicher Transport“ für Drogen und die Kuriere

Juli 27, 2016

Um 16.06 Uhr fahren sie im südspanischen Malaga in vier dunklen Limousinen los. Die sieben Männer wollen möglichst schnell in Paris sein. Ohne Ärger mit der Polizei zu haben. Denn sie transportieren Drogen. Tausend Kilo Cannabis und eine überraschend hinzugekommene Tasche Koks.

Aber dieses Mal geht der Go Fast schief. Ein Auto gerät in eine Polizeikontrolle. Bei dem Schusswechsel stirbt der Beifahrer. Panisch nimmt angeschossene Elyes auf seiner Flucht Nadia als Geisel und bittet Imad, den Organisator der Fahrt, um Hilfe.

Dieser informiert Alex (Benoît Magimel als wortkarger Profigangster), der als Nachhut bei Problemen eingreifen soll. Alex lädt die Drogen um, zündet Elyes‘ schrottreifes Auto an und fährt mit Elyes und Nadia weiter Richtung Grenze.

Kurz darauf geraten sie in eine weitere Polizeikontrolle und anscheinend wollen andere Gangster den Konvoi ausrauben.

„Fast Convoy – Tödlicher Transport“ ist der neue Film von Genre-Regisseur Frédéric Schoendoerffer (Spuren von Blut – Scènes de Crimes, Agents Secrets – Im Fadenkreuz des Todes, Crime Insiders, Switch – Ein mörderischer Tausch, mehrere „Braquo“-Episoden), wieder geschrieben mit seinem Stammautor Yann Brion. Es ist ein schlanker Gangsterthriller, der seine Geschichte ökonomisch und angenehm ruhig erzählt. Bereits von der ersten Minute an, wenn die Fahrt beginnt, weiß man sich in sicheren Händen. Dieses Gefühl als Beifahrer neben einem Profi zu sitzen, verlässt einen bis zum Abspann niemals. Auch wenn einige Hintergründe nicht weiter ausgeführt werden und der Plot sich in den gewohnten Bahnen bewegt. Diese Mal sind diese Bahnen die Leitplanken der Autobahn und der geradlinige Film erzählt mit seinen spärlich, aber vollkommen ausreichend charakterisierten Drogenkurieren und ihrer Geisel nur die Geschichte einer Fahrt, die nicht ihr geplantes Ziel erreicht. Was wir über die Charaktere wissen müssen, erfahren wir über ihre Taten und ihre Gespräche während der Autofahrt.

Als Bonusmaterial gibt es ein 26-minütiges, nicht sonderlich interessantes „Making of“, in dem die Schauspieler einiges erzählen, der Kameramann seinen Einsatz von Farbfiltern erklärt und der Regisseur und Drehbuchautor durch Abwesenheit glänzen.

Fast Convoy - DVD-Cover

Fast Convoy – Tödlicher Transport (Le Convoi, Frankreich 2016)

Regie: Frédéric Schoendoerffer

Drehbuch: Yann Brion, Frédéric Schoendoerffer

mit Benoît Magimel, Reem Kherici, Tewfik Jallab, Mahdi Belemlih, Amir El Kacem, Leon Garel, Sofian Khammes, Foëd Amara, Alain Figlarz

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DVD

Ascot Elite

Bild: 1,39:1 (16:9 anamorph)

Ton: Deutsch, Französisch (DD 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Making of, Originaltrailer, Deutscher Trailer, Wendecover

Länge: 99 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

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Hinweise

AlloCiné über „Fast Convoy“

Moviepilot über „Fast Convoy“

Wikipedia über „Fast Convoy“


TV-Tipp für den 27. Juli: Vier im roten Kreis

Juli 26, 2016

Eins Plus, 22.15

Vier im roten Kreis (Frankreich 1970, Regie: Jean-Pierre Melville)

Drehbuch: Jean-Pierre Melville

Nach einer Haftstrafe plant Einbrecher Corey (Alain Delon) gleich seinen nächsten Coup. Den Einbruch in ein gut gesichertes Juweliergeschäft. Mit zwei Kumpanen (Gian Maria Volonté, Yves Montand) will er das Ding durchziehen. Ein Kommissar (André Bourvil) jagt sie.

Mehr Story braucht Jean-Pierre Melville in seinem vorletzten Film „Vier im roten Kreis“ nicht, um ein weiteres Meisterwerk zu inszenieren. Der Gangsterfilm ist nur deshalb bei der breiten Masse unbekannter, weil Melvilles „Der eiskalte Engel“ und sein letzter Film „Der Chef“ (beide ebenfalls mit Alain Delon) bekannter sind. Denn „Vier im roten Kreis“ hat alles, was Melville-Fans lieben und auf der großen Leinwand wirkt der Film noch besser.

Legendär und in die Kinogeschichte eingegangen ist der Einbruch in das Juweliergeschäft: eine gute halbe Stunde verfolgen wir atemlos den Einbruch, bei dem keiner der Einbrecher ein Wort sagt. Großes Kino

mit Alain Delon, André Bourvil, Yves Montand, Gian Maria Volontè, Francois Périer, Paul Crauchet

Wiederholung: Donnerstag, 28. Juli, 03.15 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Homepage von Alain Delon

Wikipedia über Alain Delon (deutsch, englisch, französisch)

Kriminalakte zum 75. Geburtstag von Alain Delon

Meine Besprechung von “Der Leopard” (mit Alain Delon und Burt Lancaster)

Meine Besprechung von “Die Abenteurer” (mit Alain Delon und Lino Ventura)

Alain Delon in der Kriminalakte

Wikipedia über Jean-Pierre Melville (deutsch, englisch, französisch)

Senses of Cinema (Adrian Danks) über Jean-Pierre Melville (September 2002)

Guardian: Peter Lennon über Jean-Pierre Melville (27. Juni 2003)

Jean-Pierre Melville in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 26. Juli: Union fürs Leben

Juli 26, 2016

RBB, 23.30
Union fürs Leben (Deutschland 2014)
Regie: Frank Marten Pfeiffer, Rouven Rech
Drehbuch: Frank Marten Pfeiffer, Rouven Rech
Äußerst sympathischer Film für Union-Fans, Fußballfans und Nicht-Fußballfans, der anhand der Porträts einiger Fans des kultigen Vereins „1. FC Union Berlin“ etwas über seine bewegte Geschichte (in der DDR war er ein Systemgegner-Verein, heute ist er der sympathische Underdog), seine alle Altersstufen und sozialen Schichten überschreitenden Fans und ihr großes Zusammengehörigkeitsgefühl mit dem Verein schildert; – wobei das natürlich Punkte sind, die für eigentlich jeden Fußballverein zutreffen. Auch ohne alljährliches Adventssingen.
Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.
mit Chris Lopatta, Mario Czaja, Christopher Quiring, Stefan Schützler, Alexander Grambow

Hinweise
Homepage zum Film
Film-Zeit über „Union fürs Leben“
Moviepilot über „Union fürs Leben“


TV-Tipp für den 25. Juli: Like Father, like Son

Juli 25, 2016

WDR, 23.25

Like Father, like Son (Soshite chichi ni naru, Japan 2013)

Regie: Hirokazu Kore-eda

Drehbuch: Hirokazu Kore-eda

Was wäre, wenn dein Kind bei der Geburt vertauscht worden wäre? Und was würdest du tun? Das muss sich der statusbewusste Architekt Ryota Nonomiya fragen, als er erfährt, dass genau das vor sechs Jahren geschehen ist.

Hirokazu Kore-eda erhielt für „Like Father, like Son“ in Cannes den Preis der Jury und das ist verständlich. Ruhig und aus Ryotas Perspektive erzählt er von diesem Dilemma. Dabei bleiben die Sympathien für den egoistischen Ryota, der das Kind vor allem als Statussymbol braucht, überschaubar. Aber die angesprochenen Fragen sind universell und Hirokazu Kore-eda behandelt sie auch angemessen komplex in einer scheinbar einfachen Geschichte über zwei gegensätzliche Familien und ihre Kinder in einer Gesellschaft, in der – wenn so ein Fehler entdeckt wird – die Kinder einfach wieder ausgetauscht werden. Adoptionen sind dagegen selten.

Ein sehenswerter Film; auch wenn für die TV-Premiere eine ziemlich unmögliche Uhrzeit gewählt wurde.

mit Masaharu Fukuyama, Machiko Ono, Keita Ninomiya, Lily Franky, Yoko Maki, Shogen Hwang

Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Like Father, like Son“
Moviepilot über „Like Father, like Son“
Metacritic über „Like Father, like Son“
Rotten Tomatoes über „Like Father, like Son“
Wikipedia über „Like Father, like Son“

Meine Besprechung von Hirokazu Kore-edas „Like Father, like Son“ (Soshite chichi ni naru, Japan 2013)

Meine Besprechung von Hirokazu Kore-edas „Unsere kleine Schwester“ (Umimachi Diary, Japan 2015)


TV-Tipp für den 24. Juli: American Hustle

Juli 24, 2016

Pro7, 20.15

American Hustle (American Hustle, USA 2013)

Regie: David O. Russell

Drehbuch: Eric Warren Singer, David O. Russell

New York in den späten Siebzigern: FBI-Agent DiMaso will einen korrupten Bürgermeister überführen. Dabei sollen ihm der Betrüger Rosenfeld und seine Geliebte helfen.

Durchaus vergnügliche, aber auch von sich selbst zu sehr überzeugte Mega-Retro-Gaunerkomödie, die auf einem wahren Fall basiert.

Alles weitere in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Christian Bale, Amy Adam, Bradley Cooper, Jennifer Lawrence, Jeremy Renner, Jack Huston, Michael Peña, Louis C. K., Shea Whigham, Elisabeth Rohm, Barry Primus, Robert De Niro

Wiederholung: Montag, 25. Juli, 07.25 Uhr (für Frühaufsteher mit spätem Arbeitsbeginn)

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „American Hustle“

Moviepilot über „American Hustle“

Metacritic über „American Hustle“

Rotten Tomatoes über „American Hustle“

Wikipedia über „American Hustle“ (deutsch, englisch) und die Operation Abscam (deutsch, englisch)

History vs. Hollywood über „American Hustle“

Meine Besprechung von David O. Russells „American Hustle“ (American Hustle, USA 2013)

Meine Besprechung von David O. Russells „Joy – Alles außer gewöhnlich“ (Joy, USA 2015)


Neu im Kino/Filmkritik: Königin Kristina Wasa ist „The Girl King“ – und lesbisch

Juli 24, 2016

Als Fünfjährige wird Kristina 1632, mitten im Dreißigjährigem Krieg, die Thronfolgerin für ihren im Kampf gestorbenen, protestantischen Vater König Gustav II. Adolf. Gemäß seinen Anweisungen wird sie zu einem Regenten erzogen. Sie erhält also, was damals ungewöhnlich war, eine rein männliche Ausbildung. Sie lernt Reiten, Fechten, Mathematik, Geographie und mehrere Sprachen. Die Protestantin interessiert sich für Philosophie, Glaubensfragen und die Künste.

1644 übernimmt sie mit 18 Jahren die Regentschaft von Schweden und sie ist eine der Betreiberinnen und Unterzeichnerinnen des Westfälischen Frieden, der 1648 geschlossen wird. Er ist der Ausgangspunkt für das moderne Völkerrecht. Sie versucht, aufgrund ihrer vielfältigen Interessen Stockholm zu einem Zentrum des intellektuellen Lebens zu machen. So korrespondiert sie mit René Descartes und lädt ihn nach Stockholm an ihren prunkvollen Hof ein. Und sie ist, wie der Prager Kunstraub zeigt, nicht zimperlich, wenn es darum ging, ihre Schatzkammer mit Gemälden, Statuen und Kristallen zu füllen.

1650 wird sie zur Königin gekrönt.

1654 dankt sie ab und überlässt die Krone ihrem Cousin Karl Gustav.

Kristina verlässt Schweden, tritt zum Katholizismus über und lebt bis zu ihrem Tod 1689 in Rom, wo die die Accademia dell‘ Arcadia für Philosophie und Literatur gründet.

Mika Kaurismäki, der ältere Bruder von Aki Kaurismäki, inszenierte jetzt mit „The Girl King“ einen Film über diese faszinierende Frau, der sich auf die zehn Jahre zwischen dem Anfang ihrer Regenschaft und ihrer Abdankung konzentriert. Das waren für Kristina bewegte Jahre, aus denen man mehrere Filme machen könnte. Aber „The Girl King“ findet nie eine wirkliche Haltung zu seiner Geschichte und seinem Umgang mit Fakten und mehr oder weniger elaborierter faktenbasierter Fiktion im Dienst einer stringenten Geschichte.

Das liegt auch an der lesbische Liebesgeschichte, die Kristina angedichtet wird und die ihre Abneigung gegenüber einer Heirat erklären soll. Danach war Kristina in ihre Kammerzofe Ebba Sparre verliebt und sie will diese Liebe nicht nur im stillen Kämmerlein ausleben. Denn dort wäre es für Niemanden am Hof ein Problem. Sie will auch keinen der Männer, die um sie werben, heiraten, weil sie sie nicht liebt. Allerdings war damals das Konzept der Liebesheirat noch unbekannt. Heirat war ein politisches Geschäft, um Königshäuser zusammenzulegen. Adoption, wie wir im Film sehen, genauso.

Diese Liebschaft, die sie nicht nur im Verborgenen ausleben will, ist dann auch der Grund und die Möglichkeit, um sie aus ihrem Amt zu drängen. Denn selbstverständlich ist der Freigeist, der neugierig ist und damit auch zwischen dem Protestantismus und dem Katholizismus schwankt, ein Problem für den schwedischen Reichsrat und ihre mehr oder weniger engen Berater. Nachdem der Dreißigjährige Krieg zwischen Protestanten und Katholiken geführt wurde, war die Frage des Glaubens hochpolitisch.

Dazu kamen noch ihre exorbitanten Ausgaben für die schönen Künste, die sie mehr als die Regierungsgeschäfte interessierten.

Da hätte man aus den Bruchstücken von Kristinas Biographie ein kraftvolles Drama erzählen können. Aber Kaurismäkis Film bebildert nur, wie ein Lexikonartikel, ihre Biographie ohne jemals emotional zu packen oder auch nur ein nachhaltiges Interesse für Kristina zu wecken. Martina Gedeck, die drei Szenen als Kristinas dem Wahnsinn verfallende Mutter Maria Eleonora von Brandenburg hat, hinterlässt dagegen einen nachhaltigen Eindruck als Frau, die den Tod ihres Mannes nicht überwinden kann.

„The Girl King“ ist halt TV-Ausstattungskino ohne eine erkennbare eigene Handschrift, europäisch finanziert und besetzt mit Schauspielern aus halb Europa.

The Girl King - Plakat

The Girl King (The Girl King, Fnnland/Deutschland/Kanada/Schweden 2015)

Regie: Mika Kaurismäki

Drehbuch: Michel Marc Bouchard

mit Malin Buska, Sarah Gadon, Michael Nyqvist, Lucas Bryant, Laura Birn, Hippolyte Girardot, Peter Lohmeyer, Francois Arnaud, Patrick Bauchau, Jannis Niewöhner, Martina Gedeck

Länge: 106 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

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Hinweise

Homepage zum Film

Moviepilot über „The Girl King“

Metacritic über „The Girl King“

Rotten Tomatoes über „The Girl King“

Wikipedia über „The Girl King“ und Königin Kristina Wasa (deutsch, englisch)