DVD-Kritik: Über Mario Bavas „Die Stunde, wenn Dracula kommt“

August 16, 2016

Moldawien, frühes siebzehntes Jahrhundert: Prinzessin Asa Vajda und ihr Liebhaber werden von ihrem Bruder auf einem Scheiterhaufen verbrannt, weil sie eine Hexe und er ein Vampir, vielleicht sogar Dracula höchstselbst, sein sollen.

Zweihundert Jahre später entdecken Professor Krubajan und sein Assistent Gorobec während ihrer Fahrt zu einem Ärztekongress das Grab von Asa und durch eine Verkettung unglücklicher Umstände erwecken sie sie zum Leben. Sie und ihr damaliger, ebenfalls von den Toten zurückkehrender Liebhaber Javutich wollen sich jetzt an Asas Nachfahren rächen.

Dracula, um gleich ein Missverständnis auszuräumen, das es nur in der deutschen Fassung von Mario Bavas Regiedebüt gibt, ist der aus kommerziellen Erwägungen gewählte Quasi-Name von Javutich – und, zugegeben, der Titel „Die Stunde, wenn Dracula kommt“ klingt verdammt gut. Auch wenn „Die Stunde, wenn Dracula kommt“ auf der Geschichte „Wij“ von Nikolai Gogol basiert. Aber auch mit dieser Geschichte hat der Film wenig zu tun. Bava, ein Fan der Geschichte, übernahm nur einige Elemente aus ihr.

Letztendlich ist das egal, weil „Die Stunde, wenn Dracula kommt“ der surrealen Logik eines Alptraums folgt, rudimentär aufgehängt an der bekannten und unzählige Male wiederholten Vampirgeschichte, in der ein Vampir wieder auftaucht, Menschen aussaugt, andere Menschen ihn besiegen wollen und es eine bedrohte Jungfrau gibt.

Dazu fand Bava Bilder, die sich in das kollektive Gedächtnis eingebrannt haben, wie die Metallmaske, die auf Asas Gesicht gedrückt wird, und der ganze Film hat eine auch heute noch verstörende Atmosphäre von Sex, Sadismus, Gewalt, Angst und Wahnsinn. In einer sich an den schon damals klassischen Hollywood-Horrorfilmen aus den dreißiger und vierziger Jahren orientierenden, allerdings viel opulenteren Ausstattung mit sumpfiger Landschaft zwischen Friedhöfen und alten Gemäuern, klaustrophobisch engen Wegen durch dorniges Gebüsch und kafkaesken, teils verfallenen Gebäuden und Gemächern voller Spinnennetzen und flackernden Kerzen.

Mario Bava, der vor seinem offiziellem Regiedebüt „Die Stunde, wenn Dracula kommt“ bereits bei Dutzenden Filmen Kameramann war und auch ohne Namensnennung einige Filme zumindest teilweise inszenierte, inszenierte die Horrorgeschichte mit einem deutlichen Blick auf effektive und auch effektheischerische Bilder hin. Dass Javutich und Asa, die langsam von den Toten erwacht, immer wieder aus dem Nichts auftauchen und im Nichts verschwinden, trägt zu dieser alptraumhaften Stimmung bei. Außerdem hat Barbara Steele eine Doppelrolle: sie ist Asa und Katia, die schöne Schlossherrin, in die sich Gorobec bei ihrem ersten, bedrohlich abgehobenem Auftreten, sofort verliebt. Sie ist auch die Jungfrau, die Asa töten will.

1960, als der Film in die italienischen Kinos kam, muss das, neben klinisch reinen Doris-Day- und Heinz-Erhardt-Filmen ein Schock gewesen sein. Alfred Hitchcocks grenzüberschreitender und stilbildender (Horror-)Thriller „Psycho“ (der allerdings auf einer anderen Ebene für Entsetzen sorgte) lief fast gleichzeitig in unseren Kinos an. Denn in Deutschland lief Bavas Film bereits 1961 in einer minimal gekürzten Fassung in den Kinos. In die englischen Kinos kam Bavas Film 1968 in einer stark gekürzten Fassung. Erst 1992 erschien dort eine ungekürzte Fassung.

Und heute?

Über seinen Einfluss gibt es kaum Diskussionen. So orientierte Francis Ford Coppola sich 1992 beim Set-Design von seinem Dracula-Film mehrmals an Bavas Sets. Tim Burton nannte ihn 1998 seinen Lieblingshorrorfilm und in „Sleepy Hollow“ (1999) spielte er auf ihn an. Und in zahlreichen Listen taucht er auf. Beispielsweise in Frank Schnelle/Andreas Thiemans Meta-Liste „Die 50 besten Horrorfilme“ (2010), für die sie fünfzig Bestenlisten und Umfragen der letzten Jahre auswerteten.

Ronald M. Hahn und Volker Jansen vertreten, um auch einige der wenigen negativen Stimmen zu nennen, im „Lexikon des Horrorfilms“ (1985/1989) die Minderheitenmeinung: „hanebüchene Streifen…ein geistloser alter Stinkkäse…Ein völlig überbewerteter Grusler, der den Horror aus abscheulich zugerichteten Gesichtern statt aus unterschwelligem Nervenkitzel bezieht.“

Hanebüchen ist, wenn man versucht die Filmgeschichte nachzuerzählen, „Die Stunde, wenn Dracula kommt“ unbestritten, aber als atmosphärischer Gruselfilm ist er heute noch enorm effektiv, kurzweilig, unterhaltsam, vergnüglich und sexy.

Koch Media veröffentlichte den Horrorfilmklassiker jetzt als Beginn ihrer „Mario Bava Collection“ erstmals auf Blu-ray in einer Blu-ray/DVD-Sammleredition mit umfangreichem Bonusmaterial, unter anderem einem hörenswerten, nicht untertitelten Audiokommentar von Filmhistoriker Tim Lucas, Interviews mit Barbara Steele und Lamberto Bava, einer geschnittenen Szene, einer umfangreichen Bildergalerie und einer alternativen Schnittfassung. Das Bonusmaterial müsste identisch mit der früheren, nicht mehr erhältlichen DVD-Ausgabe von e-m-s sein.

Die Stunde wenn Dracula kommt - DVD-Cover

Die Stunde, wenn Dracula kommt (La Maschera del Demonio, Italien 1960)

Regie: Mario Bava

Drehbuch: Ennio de Concini, Mario Serandrei

LV: Nikolai Gogol: Вий, 1835 (erschienen in „Миргород“) (Wij, Kurzgeschichte)

mit Barbara Steele, John Richardson, Andrea Checchi, Ivo Garrani, Arturo Dominici, Enrico Olivieri, Antonio Pierfederici

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DVD/Blu-ray

Koch Media (Mario Bava Collection #1 – Collectors Edition)

Bild: 1,66:1 (16:9)

Ton Deutsch, Englisch, Italienisch (Dolby Digital [DVD], DTS-HD Master Audio 2.0 [Blu-ray])

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial (angekündigt): Trailer, Audiokommentar, Interviews mit Barbara Steele und Lamberto Bava, Alternative Filmfassung, Geschnittene Szene, Bildergalerie

Länge: 84 Minuten (DVD), 87 Minuten (Blu-ray)

FSK: ab 16 Jahre

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Hinweise

Rotten Tomatoes über „Die Stunde, wenn Dracula kommt“

TCM über „Die Stunde, wenn Dracula kommt“ (Übersichtsseite) und Lang Thompson über den Film

Wikipedia über „Die Stunde, wenn Dracula kommt“ (deutsch, englisch)

Nikolai Gogols Geschichte „Wij“ (englische Fassung)

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Das ist eines der bekannten Filmbilder

Barbara Steele in "Die Stunde, wenn Dracula kommt" (Foto: Koch Media)

Barbara Steele in „Die Stunde, wenn Dracula kommt“ (Foto: Koch Media)


TV-Tipp für den 16. August: Tatort: Usambaraveilchen

August 15, 2016

BR, 20.15

Tatort: Usambaraveilchen (Deutschland 1981, Regie: Wilm ten Haaf)

Drehbuch: Herbert Rosendorfer

Die junge Apothekerin Ulla Brendl wird in ihrer Wohnung erschossen. Tatverdächtig ist Rechtsanwalt Berg, ihr verheirateter Liebhaber. Kommissar Veigl verfolgt aber auch eine andere Spur.

Der, wie alle alten „Tatorte“, selten gezeigte „Tatort“ „Usambaraveilchen“ war, abgesehen von einem Nachwendegastspiel in Dresden, der letzte Fall für Kommissar Veigl, der in München ermittelte und in den Siebzigern als Kommissar sehr beliebt war. Danach wurde Gustl Bayrhammer Meister Eder und schlug sich mit Pumuckl herum.

mit Gustl Bayrhammer, Helmut Fischer, Willy Harlander, Stefan Orlac, Maria Körber

Hinweise

Tatort-Fundus über Kommissar Veigl

Wikipedia über Herbert Rosendorfer und „Usambaraveilchen„


TV-Tipp für den 15. August: Schlachthof 5

August 15, 2016

Arte, 22.30

Schlachthof 5 (USA 1971, Regie: George Roy Hill)

Drehbuch: Stephen Geller

LV: Kurt Vonnegut: Slaughterhouse-Five, 1969 (Schlachthof 5 oder der Kinderkreuzzug)

Eine der wenigen Verfilmungen des chronisch unverfilmbaren Kurt Vonnegut, dessen Romane gerades deshalb lesenswert sind. In „Schlachthof 5“, seinem bekanntesten Werk, erzählt er, autobiographisch inspiriert, die Geschichte des US-Soldaten Billy Pilgrim, der als Gefangener die Bombardierung von Dresden durch alliierte Bomber erlebte.

Auf dem Filmfestival in Cannes erhielt George Roy Hill den Preis der Jury und, was in diesem Fall wichtiger ist, die Academy of Science Fiction, Fantasy & Horror Films verlieh dem Film den Golden Scroll (der später in Saturn Award umbenannt wurde) und die Mitglieder der World Science Convention vergaben den Hugo an „Schlachthof 5“.

Ach, ich sollte mal wieder einen Romane von Kurt Vonnegut lesen.

mit Michael Sachs, Ron Leibman, Eugene Roche, Sharon Gans, Valerie Perrine, Robert Blossom

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Schlachthof 5“

Wikipedia über „Schlachthof 5“ (deutsch, englisch)

Nachruf auf Kurt Vonnegut in der New York Times

Nachruf auf Kurt Vonnegut im Time

Nachruf auf Kurt Vonnegut in Der Zeit

Nachruf auf Kurt Vonnegut in der NZZ

Library Journal: An Interview with Kurt Vonnegut (erschienen 15. April 1973 anläßlich “Breakfast of Champions”)

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Michael Krasny sprach 2012 über die Bedeutung des Romans für die Gegenwart


TV-Tipp für den 14. August: Jenseits von Afrika

August 14, 2016

3sat, 20.15

Jenseits von Afrika (USA 1983, Regie: Sydney Pollack)

Drehbuch: Kurt Luedtke

LV: Isak Denisen (aka Karen Blixen): Out of Afrika; Shadows on Grass; Letters from Africa; Judith Thurman: Isak Denisen – The Life of a Storyteller; Errol Trzebinski: Silence will speak

Mit sieben Oscars (u. a. Bester Film, Beste Regie, Bestes Drehbuch), an der Kinokasse enorm erfolgreiche, vor Ort gedrehte Edelschmonzette über Karen Blixen, die zwischen 1913 und 1931 in Kenia lebte, mit dem ehebrechendem, geschäftsunfähigen Bror von Blixen-Fineckel verheiratet war, deshalb dessen Kaffeeplantage managte und in den Großwildjäger Denys Finch Hatton verliebt war.

Der Beginn einer kleine Robert-Redford-Reihe, der am Donnerstag seinen achtzigsten Geburtstag feiert.

Anschließend, um 22.50 Uhr, läuft „Barfuß im Park“, eine Ehekomödie mit Redford und Jane Fonda, und um 00.30 Uhr „Milagro – Der Krieg im Bohnenfeld“, einem von Robert Redford inszeniertes märchenhaftes Polit-Drama.

mit Meryl Streep, Robert Redford, Klaus Maria Brandauer, Michael Kitchen, Malick Bowens

Wiederholung: Montag, 15. August, 15.55 Uhr

Hinweise

3sat über die Robert-Redford-Reihe

Rotten Tomatoes über „Jenseits von Afrika“

Wikipedia über „Jenseits von Afrika“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 13. August: Rockpalast Live: Haldern Pop Festival

August 12, 2016

Eins Festival, 19.30

Rockpalast Live: Haldern Pop Festival

Ob in Haldern das Wetter auch so unsommerlich kalt ist? Egal, denn auf der heimischen Couch sind wir eh näher bei den Stars, müssen nicht durch den Matsch laufen, nach versifften Klos suchen und überteuertes Bier trinken. Nur die Live-Atmosphäre ist nicht so richtig vorhanden wenn Eins Festival bis Mitternacht live überträgt.

Angekündigt sind Go Go Penguin, Die Nerven, Algiers, Heisskalt, Michael Kiwanuka, Jack Garratt und Glen Hansard.

Bereits um 18.30 Uhr gibt es die Haldern-Doku „Feine kleine Dorfmusik“.

Mehr Infos bei Eins Festival und der Festivalhomepage.


TV-Tipp für den 12. August: James Bond: Sag niemals nie

August 11, 2016

RTL II, 20.15

James Bond: Sag niemals nie (USA 1983, Regie: Irvin Kershner)

Drehbuch: Lorenzo Semple jr.

LV: Ian Fleming: Thunderball, 1961 (Feuerball)

James Bond bei seiner Lieblinsbeschäftigung: Welt retten. Aktuelle Einsatzorte: Bahamas, Südfrankreich und Nordafrika.

Nach einer langen Pause (und bei einer anderen Produktionsfirma) spielte Sean Connery wieder Bond; Klaus Maria Brandauer den Bösewicht, Kim Basinger das ´love interest´ der beiden Männer. Außerdem sind Barbara Carrera, Max von Sydow, Edward Fox, Bernie Casey und Rowan Atkinson dabei.

„Sag niemals nie“ konnte entstehen, weil Ian Fleming zusammen mit Kevin McClory und Jack Whittingham für einen Film die Geschichte „Longitude 78 West“ entwarf. Fleming verarbeitete sie später in dem Bond-Roman „Feuerball“. McClory, der bei „Feuerball“ Co-Produzent war, hatte die Rechte für weitere Verfilmungen dieser Geschichte. Die Auflage war, dass er sich möglichst eng an das gemeinsam entworfene Story-Gerüst halten müsse. Die juristischen Streitigkeiten und der Konkurrenzkampf zwischen dem Ur-Bond Connery und dessen Nachfolger Roger Moore waren ein gefundenes Fressen für die damalige Presse. Denn „Octopussy“ (mit Moore) startete fast zeitgleich in den Kinos. An der Kinokasse war der Moore-Bond etwas erfolgreicher, bei der Kritik war es – zu Recht – umgekehrt.

Wiederholung: Samstag, 13. August, 03.00 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „James Bond: Sag niemals nie“

Wikipedia über „James Bond: Sag niemals nie“ (deutsch, englisch)

Homepage von Ian Fleming

Meine Besprechung von Ian Flemings ersten drei James-Bond-Romanen “Casino Royale”, “Leben und sterben lassen” und “Moonraker”

Meine Besprechung von John Gardners “James Bond – Kernschmelze” (James Bond – Licence Renewed, 1981; alter deutscher Titel “Countdown für die Ewigkeit”)

Meine Besprechung von Sebastian Faulks’ James-Bond-Roman „Der Tod ist nur der Anfang“ (Devil may care, 2008)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers James-Bond-Roman “Carte Blanche” (Carte Blanche, 2011)

Meine Besprechung von William Boyds James-Bond-Roman “Solo” (Solo, 2013)

Meine Besprechung von Anthony Horowitz’ “James Bond: Trigger Mortis – Der Finger Gottes” (James Bond: Trigger Mortis, 2015)

Meine Besprechung von Sam Mendes’ James-Bond-Films „Skyfall“ (Skyfall, GB/USA 2012)

Meine Besprechung von Sam Mendes’ James-Bond-Film “Spectre” (Spectre, USA/GB 2015)

James Bond in der Kriminalakte

Ian Fleming in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: „Genius – Die tausend Seiten einer Freundschaft“ zwischen Lektor Max Perkins und Autor Thomas Wolfe

August 11, 2016

Lektoren. Wer kennt schon ihre Namen? Zwar wird niemand bestreiten, dass sie wichtig sind, aber am Ende steht der Name des Autors groß auf dem Buchumschlag und der des Lektors wird oft noch nicht einmal im Impressum (das ist der Teil, den ihr nicht lest) erwähnt. Inzwischen werden sie öfter in den Danksagungen des Autors erwähnt, aber auch die werden nicht gelesen. Widmungen werden wegen ihrer prominenten Platzierung schon öfter gelesen und Thomas Wolfe widmete seinen zweiten Roman „Von Zeit und Strom“ (Of Time and the River, 1935) seinem Lektor Max Perkins.

„Genius – Die tausend Seiten einer Freundschaft“ von Theaterregisseur Michael Grandage in seinem Filmdebüt, nach einem Drehbuch von John Logan („Aviator“, „James Bond: Skyfall“, „James Bond: Spectre“), der sich schon vor fast zwanzig Jahren die Rechte an A. Scott Bergs Max-Perkins-Biographie sicherte und die treibende Kraft bei diesem Film war, erzählt die Geschichte der Freundschaft zwischen Perkins und Wolfe.

1929 treffen sie sich zum ersten Mal. Perkins ist bei dem renommierten Buchverlag Charles Scribner’s Sons der Lektor von F. Scott Fitzgerald und Ernest Hemingway, die er beide gegen Widerstände in das Verlagsprogramm hob. Wolfe ist ein Autor, der bislang Absagen sammelte, weil sein Manuskript unglaublich lang und sein Stil ungewöhnlich ist. Aber Perkins ist begeistert. Das Manuskript muss halt noch überarbeitet und auf eine verträgliche Länge gekürzt werden. Also um ein knappes Drittel auf immerhin noch achthundert Manuskriptseiten,

Es gelingt ihnen. Noch im gleichen Jahr wird der Roman „Schau heimwärts, Engel“ (Look Homeward Angel) veröffentlicht und ein Bestseller.

Kurz darauf schickt Wolfe seinen neuen Roman an Perkins. Es ist ein fünftausendseitiges handgeschriebenes Opus, das in mehreren Holzkisten angeliefert wird. Und der Kampf um jedes Wort beginnt zwischen Wolfe und Perkins.

„Von Zeit und Strom“ wird 1935 veröffentlicht. Danach wechselt er den Verlag.

1938 stirbt der 1900 geborene Thomas Wolfe und damit endet der Film, der einen Einblick in die Beziehung von Lektor und Autor bietet, die auch viel von der zwischen einem Arzt zu seinem Patienten hat.

Auf dem Papier klingt das, auch weil F. Scott Fitzgerald und Ernest Hemingway kurz auftreten, nach einer spannenden Geschichte. Dummerweise ist sie es nicht. Denn wenn Perkins und Wolfe um jedes Wort und jeden Absatz ringen, ist das für uns Zuschauer nicht allzu spannend. Allein schon, weil wir nicht wissen, warum der Absatz, außer dem offensichtlichem Grund dass das Manuskript zu lang ist, gekürzt werden muss.

Dieser Konflikt, der für einen Literaturwissenschaftler beim Textvergleich hochinteressant ist, ist im Kino als emotionales Erlebnis dröge. Für die beteiligten Personen geht es aus der Zuschauerperspektive bei diesem Konflikt um nichts Wichtiges. Denn für Perkins geht es einfach nur um die Publikation eines weiteren Romans. Wenn er nicht „Von Zeit und Strom“ veröffentlicht, dann veröffentlicht er eben ein anderes Buch.

Für Wolfe ist die Situation ähnlich: Wenn er seinen zweiten Roman nicht bei Scribner’s veröffentlicht, dann halt eben bei einem anderen Verlag.

Für einen Film ist diese Abwesenheit eines Konflikts, der von den Charakteren wichtige Entscheidungen verlangt, die ihr weiteres Leben beeinflussen, fast immer ein großes Problem. Ein Roman und vor allem ein Sachbuch kann dagegen prächtig funktionieren.

Dabei hat „Genius“ gute Schauspieler – Colin Firth als Max Perkins (grandios, wenn er am Filmanfang während einer Zugfahrt Wolfes Manuskript liest und wir in seinem Gesicht seine sehr subtile Reaktion auf den Text lesen), Jude Law als exaltiert-egomanisch-egozentrischer Thomas Wolfe, Nicole Kidman als seine deutlich ältere Freundin und Geldgeberin Aline Bernstein, Laura Linney als Perkins Frau Louise, Guy Pearce als F. Scott Fitzgerald (drei Szenen), Dominic West als Ernest Hemingway (eine Szene) -, eine gute Ausstattung, gute Kameraarbeit und eine sich bewusst am klassischen Hollywoodkino orientierende Inszenierung. Das ist gut gemacht, aber in seiner Illustration der Arbeitsbeziehung zwischen Perkins und Wolfe auch biederes Ausstattungs- und Schauspielerkino.

Am Ende des Films wissen wir zwar einiges über Thomas Wolfe, aber wir können nicht sagen, um was es in seinen Büchern geht und warum er einer der Großen der US-Literatur ist. Immerhin wissen wir, dass er wahnsinnig dicke Bücher schrieb, die vorher noch länger waren.

Über Max Perkins, seine Familie und seine Arbeit erfahren wir mehr. Auch F. Scott Fitzgerald und Ernest Hemingway treten kurz auf. Aber dass er, so Berg in seiner mit dem National Book Award ausgezeichneten Perkins-Biographie, der erste Lektor war, der kreativ in die Texte eingriff und schon während der Manuskripterstellung als Lektor mit dem Autor zusammen arbeitete, erfahren wir nicht in dem Film. Wir sehen es. Wir sehen auch, dass er sich intensiv um seine Autoren kümmerte. An einigen Beispielen, ohne zu wissen, ob er das nur manchmal oder immer machte. Perkins war für seine Autoren, so Biograph Berg, „Freund, Eheberater, Psychiater und Geldverleiher. Das galt nicht nur für Fitzgerald, Hemingway und Wolfe, sondern für hundert andere seiner Schützlinge auch.“ Das relativiert dann die in dem Film gezeigte Beziehung zwischen Perkins und Wolfe noch mehr.

Diese nur auf Englisch erhältliche Biographie könnte als ein umfassender Einblick in das US-amerikanische Verlagsgewerbe in der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts wirklich eine sehr lesenswerte Lektüre sein.

Der Film streift nur die Oberfläche.

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Genius – Die tausend Seiten einer Freundschaft (Genius, USA/Großbritannien 2016)

Regie: Michael Grandage

Drehbuch: John Logan

LV: A. Scott Berg: Max Perkins: Editor of Genius, 1978

mit Colin Firth, Jude Law, Nicole Kidman, Laura Linney, Guy Pearce, Dominic West, Yanessa Kirby, Corey Johnson, Harry Attwell

Länge: 105 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

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Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Genius“

Metacritic über „Genius“

Rotten Tomatoes über „Genius“

Wikipedia über „Genius“ (deutsch, englisch)

History vs. Hollywood über „Genius“


Neu im Kino/Filmkritik: „Jason Bourne“ ist zurück

August 11, 2016

Wenn „Jason Bourne“ meine erste Begegnung mit Jason Bourne wäre, wäre ich begeistert.

Aber es ist die vierte. Und dann gab es noch „Das Bourne Vermächtnis“ mit Jeremy Renner als Bourne-Ersatz Aaron Cross.

Jetzt sind Matt Damon, der den CIA-Killer ohne Gedächtnis dreimal spielte, und Paul Greengrass, der Damon zweimal als Bourne inszenierte, zurück in der Welt von Jason Bourne. Fast zehn Jahre nach dem dritten Bourne-Film „Das Bourne Ultimatum“ kehren sie zu dem Agenten, der von seinem ehemaligen Arbeitgeber gejagt wird, zurück und letztendlich erzählen sie die gleiche Geschichte noch einmal. Mit viel Action, wenigen Dialogen, pulsierender Musik, nahtlosen Schnitten und einer Wackelkamera, die damals das Genre hin zu einem quasi-dokumentarischen Stil revolutionierte und eben für diese jede Filmschul-Regel missachtende Kameraarbeit kritisiert wurde. Das ändert nichts daran, dass Greengrass ein Meister dieses oft kopierten, in dieser Perfektion und Eleganz fast nie erreichten Stils ist.

In ihrem neuesten Film „Jason Bourne“ ist alles wie vor zehn Jahren und wenn „Jason Bourne“ 2009 (oder so) in die Kinos gekommen wäre, wäre er sicher als okaye bis grandiose Fortsetzung durchgegangen. Aber nach einer gut zehnjährigen Pause ist „Jason Bourne“ einfach nur eine Wiederholung des allseits bekannten, mit ein, zwei im Nichts verlaufenden Anpassungen an den Zeitgeist, die in der Post-Snowden-Zeit altbacken sind.

Anscheinend verbrachte Jason Bourne die letzten zwölf Jahre („Das Bourne Ultimatum“ spielt 2004) mit der Teilnahme an Undergrund-Faustkämpfen. Seine Gegner schlägt er umstandslos K. O..

In Athen trifft er Nicky Parsons (Julia Stiles). Sie hat aus dem CIA-Computer Daten über Geheimprojekte geklaut. Eines ist Treadstone, das CIA-Projekt, an dem Bourne teilnahm. Eines ist Iron Hand, ein brandneues, noch größeres, bedrohlicheres und geheimeres Projekt als Treadstone. In diesem Projekt geht es um eine Hintertür in einem populärem Computerprogramm (irgendetwas zwischen ganz vielen Apps, die miteinander verknüpft werden, und Facebook), das aber nur die Funktion eines MacGuffins hat und dazu dient, alle wichtigen Figuren nach Las Vegas zu bringen zu dem internationalen EXOCON-Kongress, auf dem sich Hacker, Überwachungs- und Cyber-Security-Industrie treffen.

Dabei beginnen die Probleme für Jason Bourne schon in Athen. Kaum hat er Nicky getroffen, will die CIA ihn schon umbringen. Dieses Mal wird die CIA von CIA-Chef Robert Dewey (Tommy Lee Jones) und der jungen, ehrgeizigen Computeranalystin Heather Lee (Alicia Vikander) verkörpert. Der eiskalte CIA-Killer Asset (Vincent Cassel) (Asset? Als CIA-Tarnname? Wirklich? Wie soll ich das übersetzen? Aktivposten? Spion?) soll Bourne und Nicky töten. In dem Getümmel zwischen Demonstranten und Polizisten kann er nur Nicky erschießen. Bourne kann am Ende dieser atemberaubenden Actionszene mit dem USB-Stick mit den Daten über die CIA-Geheimprojekte flüchten. Zuerst nach Berlin. Dann nach London und nach Las Vegas. Asset verfolgt ihn, Leichen stapeln sich (in London eine Handvoll Toter). Jede Plausibilität geht in einem Meer von Action unter. Denn das Chaos, das Asset und der CIA bei der Verfolgung von Jason Bourne anrichten, ist unglaublich. Jedenfalls wenn man unauffällig operieren möchte.

Bei dieser Hatz um den halben Globus erfährt Bourne, wie sein Vater in Treadstone involviert war und warum er sterben musste.

Und Heather Lee glaubt, nachdem sie ein psychologisches Gutachten über Bourne gelesen hat, dass Bourne eigentlich wieder zurück in den Schoß der CIA will. Das ist, immerhin ist Jason Bourne kein Jack Bauer, ein psychologisch durchgehend unplausibler Handlungsstrang. Denn warum sollte Bourne wieder zu dem Unternehmen zurückkehren, das ihn unter allen Umständen töten will?

„Jason Bourne“ ist ein einziges Déjà Vu, das bei den bekannten Teilen oft langweilt (weil wir das alles in den vorherigen Bourne-Filmen schon besser und glaubwürdiger gesehen haben), bei den Aktualisierungen, wie dem neuen CIA-Projekt, hinter der Wirklichkeit zurückbleibt und in diesen Momenten politisch naiv von einem Geheimprojekt redet, während die CIA und die NSA aus ihrer Gier nach unseren Daten keinen Hehl machen. Das gilt, ihr müsst nur eine aktuelle Tageszeitung aufschlagen, auch für Sicherheitspolitiker und Geheimdienstchefs aus anderen Ländern. In der Post-Snowden-Ära sind diese Fakten über die globale Geheimdienstüberwachung in großen Teilen bekannt. Die Zusammenarbeit zwischen Firmen und Geheimdiensten auf mehr oder weniger gesetzlicher Grundlage ist auch bekannt. Die Sicherheitspolitiker und -behörden äußern offen ihre Überwachungswünsche und der Kampf dagegen wird ebenfalls in der Öffentlichkeit ausgetragen.

Aber diese Aktualisierung ist nur ein Seitenstrang in Jason Bournes mehr oder weniger stringent betriebener Suche nach dem Mörder seines Vaters, der – Überraschung! – in der CIA sitzt. Sowieso wird die CIA hier endgültig zu einer Organisation, die vor allem mit sich selbst beschäftigt ist (nicht unwahrscheinlich) und vor allem eigene Mitarbeiter tötet. Das ist dann in der Häufung von inzwischen fünf Filmen, die im Bourne-Universum spielen, doch arg unglaubwürdig.

Das gilt auch für die Action, die nach dem atemberaubenden Auftakt in Griechenland, eine gewisse Routine nicht verleugnen kann und sich im Lauf des Films zunehmend in überbordende Kollateralschäden flüchtet. Schon in London werden am helllichten Tag innerhalb weniger Minuten in einem Gebäudekomplex eine Handvoll Menschen, die wahrscheinlich alle einen US-Pass und teils wichtige Jobs hatten, ermordet – und niemand soll sich dafür interessieren? In Las Vegas wird das, als Teil eines längeren Action-Set-Pieces, mit einer Dutzende Autos und Gebäude zerstörender Autoverfolgungsjagd auf einer Hauptstraße überboten. Da wandelt Jason Bourne durchaus spektakulär auf den Spuren von James Bond. Aber was in der James-Bond-Welt in Ordnung ist, funktioniert in der Jason-Bourne-Welt, in der der Held und seine Gegner sich möglichst unauffällig durch die Welt bewegen, nicht.

Diese Rückkehr von Paul Greengrass und Matt Damon in die Welt von Jason Bourne ist – zugegeben – unterhaltsam, rasant und durchaus überraschend inszeniert; wenn man die anderen Bourne-Filme nicht kennt. Aber sie fügt den vorherigen Filmen nichts wesentliches bei und als Zeitdiagnose wirkt er schon heute hoffnungslos veraltet.

Jason Bourne - Plakat

Jason Bourne (Jason Bourne, USA 2016)

Regie: Paul Greengrass

Drehbuch: Paul Greengrass, Christopher Rouse (nach Charakteren von Robert Ludlum)

mit Matt Damon, Alicia Vikander, Tommy Lee Jones, Riz Ahmed, Vincent Cassel, Ato Essandoh, Bill Camp, Julia Stiles, Stephan Kunken, Gregg Henry

Länge: 124 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

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Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Jason Bourne“

Metacritic über „Jason Bourne“

Rotten Tomatoes über „Jason Bourne“

Wikipedia über „Jason Bourne“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Tony Gilroys “Das Bourne-Vermächtnis” (The Bourne Legacy, USA 2012)

Meine Besprechung von Paul Greengrass’ “Captain Phillips” (Captain Phillips, USA 2013)

Jason Bourne besucht das AOL-Gebäude

Matt Damon und Paul Greengrass besuchen die BBC

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Nachtrag (20. August 2016)

Die Bourne Herrschaft von Robert Ludlum

Jason Bourne trat erstmals 1980 in dem Roman „Die Bourne-Identität“ von Robert Ludlum auf. Er schrieb zu Lebzeiten noch zwei weitere Romane mit Jason Bourne, der bei ihm ein Vietnam-Veteran war. Für die Filme mit Matt Damon als Jason Bourne wurde das geändert. Neben vielen anderen Details.

Seit 2004 schrieb Eric Van Lustbader zehn weitere Jason-Bourne-Romane, die, auch wenn auf dem aktuellen Buchcover Jason Bourne Matt Damon ähnelt, unabhängig von den Filmen sind.

Mit „Die Bourne-Herrschaft“ ist jetzt sein neunter Bourne-Roman auf Deutsch erschienen. In dem Thriller wird Jason Bourne, der als Doppelgänger eines syrischen Ministers bei einem Gipfeltreffen teilnahm, von dem Terroristen El Ghadan enttarnt und erpresst, den Präsidenten der USA innerhalb der nächsten sieben Tage umzubringen. Wenn Bourne das nicht gelingt, wird El Ghadan Bournes Freundin und deren kleine Tochter töten.

Klingt nach einem Pageturner für die nächste lange Zugfahrt oder den Strandkorb.

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Eric Van Lustbader/Robert Ludlum: Die Bourne-Herrschaft

(übersetzt von Norbert Jakober)

Heyne, 2016

528 Seiten

9,99 Euro

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Originaltitel

The Bourne Ascendancy

Grand Central Publishing, 2014

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Hinweise

Homepage von Eric Van Lustbader

Homepage von Robert Ludlum

Heyne über Robert Ludlum

Wikipedia über Robert Ludlum (deutsch, englisch) und Eric Van Lustbader (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: „Teenage Mutant Ninja Turtles: Out of the Shadows“ – zweite Runde mit mutierten Schildkröten und Megan Fox

August 11, 2016

Als vor zwei Jahren die „Teenage Mutant Ninja Turtles“ in die Kinos kam, waren die Kritiker (auch ich) nicht entzückt über die Abenteuer einer Gruppe mutierter, in der Kanalisation von Manhattan lebender Schildkröten, die sich am liebsten von Pizza ernähren und ohne das Wissen der Öffentlichkeit Verbrecher bekämpfen. Das Einspielergebnis war nicht überragend, aber gut genug für eine Fortsetzung, die jetzt als „Teenage Mutant Ninja Turtles: Out of the Shadows“ bei uns anläuft und ziemlich nahtlos an den ersten Film anschließt. Ohne die elaborierte Hintergrundgeschichte des ersten Teils aufzuwärmen.

Am Ende des vorherigen Films konnten die Turtles den Superbösewicht Shredder verhaften.

Jetzt gelingt es Shredders Schergen, ihn (Brian Tee) zu befreien und, wie es sich für einen Bösewicht gehört, hat er auch gleich einen furchtbar fiesen Weltvernichtungsplan, den er mit Mad Scientist Baxter Stockman (Tyler Perry) und dem außerirdischen Commander Krang umsetzen will.

Die Turtles Leonardo (Pete Ploszek), Michelangelo (Noel Fisher), Raphael (Alan Ritchson) und Donatello (Jeremy Howard) wollen das verhindern. Dabei helfen ihnen die aus dem ersten Film bekannte Journalistin April O’Neil (Megan Fox), ihr ebenfalls aus dem ersten Film bekannter Kollege Vern Fenwick (Will Arnett) und, als Neuzugang, Casey Jones (Stephen Amell), ein Gefängniswärter mit höheren Ambitionen. Er ist extrem verärgert, weil Shredder aus seinem Gefangenentransport entwischte.

Die Teenage Mutant Ninja Turtles hatten, falls ihr es nicht wisst, ihren ersten Auftritt 1984 in einem Comic von Kevin Eastman und Peter Laird. Die Parodie auf Comics wie Daredevil oder The New Mutants (ein X-Men-Ableger) war enorm erfolgreich. Seitdem gab es mehrere Filme, TV-Serien, Videospiele, weitere Comics und Merchandise-Artikel, von Figuren bis zu Gummibärchen, die man an die Wand werfen konnte. In den USA sind die Turtles Kult. Bei uns nicht so.

2014 produzierte Michael Bay, der mit den Transformers schon ein anderes kindisches, aber kommerziell enorm erfolgreiches Franchise hat, die filmische Totalkatastrophe „Teenage Mutant Ninja Turtles“ mit Megan Fox als Reporterin, die behauptet, bei einem ihrer nächtlichen Streifzüge durch New York einen Haufen riesiger Schildkröten gesehen zu haben, die einige Verbrecher verkloppen.

„Out of the Shadows“ ist da ein Schritt in die richtige Richtung. Es ist ein besserer Film, aber noch lange kein guter oder in irgendeiner Beziehung sehenswerter und ansehenswerter Film.

Logik, egal in welcher Beziehung und Bedeutung, ist immer noch ein Fremdwort im Turtles-Kosmos. Aber immerhin ist der Plot dieses Mal einfacher und damit als episodenhafte Nummernrevue, inclusive einem Trip nach Südamerika, auch stringenter erzählt. Es geht halt nur noch um einen Bösewicht, der die Welt vernichten will und die Helden, die das verhindern wollen. Dabei haben sie ein wenig internen Knatsch. Denn die Turtles streiten sich etwas die Führung des Teams, den richtigen Weg der Verbrechensbekämpfung und das Ernten des öffentlichen Ruhms, was den Filmtitel „Out of the Shadows“ und hinein in das gleißende Licht der Öffentlichkeit erklärt. Diese Soap-Elemente bringen die Hauptgeschichte nicht voran und tiefschürender als eine Pfütze sind sie auch nicht. Der Humor ist, wieder, durchgehend nervig kindisch.

Die CGI-Effekte sind gut. Aber die Actionszenen sind, wieder einmal, ein einziges Chaos, bei dem es ohne Sinn und Verstand drunter und drüber geht.

„Out of the Shadows“ ist „frei ab 12 Jahre“. Dummerweise ist er „geeignet bis höchstens 12 Jahre“.

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Teenage Mutant Ninja Turtles: Out of the Shadows (Teenage Mutant Ninja Turtles: Out of the Shadows, USA 2016)

Regie: Dave Green

Drehbuch: Josh Applebaum, André Nemec

mit Megan Fox, Will Arnett, Pete Ploszek, Noel Fisher, Alan Ritchson, Jeremy Howard, Stephen Amell, Brian Tee, Stephen Farrelly, Gary Anthony Williams, Laura Linney, Tyler Perry, Brittany Ishibashi, Jane Wu

Länge: 113 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

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Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Teenage Mutant Ninja Turtles: Out of the Shadows“

Metacritic über „Teenage Mutant Ninja Turtles: Out of the Shadows“

Rotten Tomatoes über „Teenage Mutant Ninja Turtles: Out of the Shadows“

Wikipedia über „Teenage Mutant Ninja Turtles: Out of the Shadows“

Meine Besprechung von Jonathan Liebesmans „Teenage Mutant Ninja Turtles“ (Teenage Mutant Ninja Turtles, USA 2014)


TV-Tipp für den 11. August: The Social Network

August 11, 2016

Pro 7, 20.15

The Social Network (USA 2010, Regie: David Fincher)

Drehbuch: Aaron Sorkin

LV: Ben Mezrich: The Accidental Billionaires, 2009 (Milliardär per Zufall: Die Gründung von Facebook – Eine Geschichte über Sex, Geld, Freundschaft und Betrug)

Fincher und Sorkin (The West Wing, The Newsroom), der für sein Drehbuch einen Oscar erhielt, erzählen die Geschichte von Facebook und Mark Zuckerberg.

Rasantes dialoglastiges Drama, bei dem jeder Satz trifft und einige junge Schauspieler ihr Können zeigen können.

Mit Jesse Eisenberg, Andrew Garfield, Justin Timberlake, Rooney Mara, John Getz, Armie Hammer

Hinweise

Das Drehbuch von Aaron Sorkin

Rotten Tomatoes über „The Social Network“

Wikipedia über „The Social Network“ (deutsch, englisch)

Chasing the Frog vergleicht die Fiktion mit den Fakten

Meine Besprechung von David Finchers “Verblendung” (The Girl with the Dragon Tattoo, USA 2011)

Meine Besprechung von David Finchers „Gone Girl – Das perfekte Opfer“ (Gone Girl, USA 2014)

David Fincher in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Ben Mezrichs „21“ (Bringing down the House, 2002)


DVD-Kritik: Über die Doku „Erich Mielke – Meister der Angst“

August 10, 2016

Langsam gerät sein Name in Vergessenheit, aber vor 25 Jahren war der Prozess gegen ihn einer der Prozesse, die große öffentliche Aufmerksamkeit genossen. Immerhin war Erich Mielke über Jahrzehnte der Chef der Stasi. Er war einer der DDR-Oberen, die das System prägten.

Jetzt versuchen Jens Becker und Maarten van der Duin in ihrem Dokumentarfilm „Erich Mielke – Meister der Angst“ eine Annäherung an diesen Menschen, indem sie dokumentarische mit inszenierten Aufnahmen mischen. Der rote Faden ist dabei ein Gespräch mit einer fiktiven Psychologin, die ihn 1991 in der JVA Moabit begutachten soll. Diese Figur basiert auf realen Psychologen, die Mielke befragten, und dabei entstandenen Gesprächsprotokollen.

Durch diesen Kunstgriff folgt man zwar aufmerksam der Geschichte, die sich schlaglichtartig durch Mielkes Biographie hangelt, aber der von Kaspar Eichel gespielte Erich Mielke ist präsenter als der reale Mielke, der in Mitschnitten und Aufzeichnungen vergegenwärtigt wird. Eichel spielt Mielke dabei in zwei Situationen: 1991 im Gefängnis und zwei Jahre früher, als er, als mächtiger und gefürchteter Stasi-Chef, mit der Wahlfälschung vom Mai 1989 und den daraus folgenden, immer größer werdenden Protesten, die letztendlich das Ende der DDR einläuteten, umgehen musste.

In diesen beiden Situationen wird Mielke als Mensch begreifbar, aber das System Mielke und damit die Stasi und die DDR-Diktatur werden nur noch sehr oberflächlich behandelt. Auch die gerichtliche Aufarbeitung des DDR-Unrechts wird nur am Rand gestreift. Denn Mielke wurde für einen Polizistenmord, den er 1931 begangen haben soll, angeklagt und verurteilt.

Die interessanten und damit auch spannenden und kontroversen Fragen die in der Biographie von Erich Mielke liegen, werden umgangen zugunsten eines inszenierten Dramas, bei dem man darauf vertrauen muss, dass die gezeigten Gespräche mit den Fakten übereinstimmen, während Mielke immer mehr zum netten Onkel von nebenan mutiert und erzählt, was er erzählen möchte.

Die auch vorhandenen Statements von Historikern und Zeitzeugen, wie Mielkes Verteidigern, fallen oft arg kurz aus, während das Problem des rechtsstaatlichen Umgangs mit Unrecht noch nicht einmal im Ansatz gestreift wird.

Am Ende von „Erich Mielke – Meister der Angst“ hat man einen ersten Eindruck von dem Menschen. Mehr nicht.

Als Bonusmaterial gibt es weitere Ausschnitte aus dem Interview mit Mielke-Verteidiger Stefan König (11 Minuten) und ein im Film nicht verwandtes Hintergrundinterview mit Kel McClanahan (Executive Director von National Security Counselors, 8 Minuten), der über die Schwierigkeiten spricht, Akten von der CIA zu erhalten.

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Erich Mielke – Meister der Angst (Deutschland 2015)

Regie: Jens Becker, Maarten van der Duin

Drehbuch: Maarten van der Duin, Jens Becker

mit Kaspar Eichel, Beate Laaß, Thomas Förster, Erich Mielke, Roland Jahn, Stefan König, Hubert Dreyling, Nikolai Leonow, Nikita Petrow, Wolfgang Fixson

–

DVD

Polyband

Bild: 16:9 (1,78:1)

Ton: Deutsch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte

Bonusmaterial: Interviews mit Stefan König und Kel McClanahan, Trailer, barrierefreie Version mit Audiodeskription und Untertiteln für Hörgeschädigte

Länge: 93 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

–

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Erich Mielke – Meister der Angst“

Moviepilot über „Erich Mielke – Meister der Angst“

Wikipedia über Erich Mielke


TV-Tipp für den 10. August: The Immigrant

August 9, 2016

Tele 5, 20.15

The Immigrant (USA 2013, Regie: James Gray)

Drehbuch: James Gray, Ric Menello

Melodrama über eine polnische Einwanderin, die 1921 in New York, mangels Alternativen, als Prostituierte ihr Geld verdienen muss und von zwei Männern, ihrem Zuhälter und einem Magier, geliebt wird.

„In Sepiatönen gedrehtes Einwanderer-Melodram, das in der Leidensgeschichte seiner fantastisch gespielten Hauptfigur an die Stummfilmzeit anknüpft. Stilbewusst hält der Film die Waage zwischen Realismus und bewusst eingesetzter Emotionalität“ schreibt das Lexikon des internationalen Films über James Grays neuesten Film, der, wieder einmal, glänzend besetzt ist, wieder einmal von der Kritik abgefeiert wurde und wieder einmal bei uns nicht im Kino lief. Heute ist die TV-Premiere. Immerhin zu einer gescheiten Uhrzeit.

mit Marion Cotillard, Joaquin Phoenix, Jeremy Renner, Dagmar Dominczyk, Jicky Schnee

Wiederholung: Samstag, 13. August, 04.10 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Metacritic über „The Immigrant“

Rotten Tomatoes über „The Immigrant“

Wikipedia über „The Immigrant“

Meine Besprechung von James Grays „Two Lovers“ (Two Lovers, USA 2008)


TV-Tipp für den 9. August: Biester

August 9, 2016

ZDFkultur, 20.15
Biester (Frankreich/Deutschland 1995, Regie: Claude Chabrol)
Drehbuch: Claude Chabrol, Caroline Eliacheff
LV: Ruth Rendell: A Judgment in Stone, 1977 (Urteil in Stein)
Die wohlhabenden Lelièvres schätzen Sophie als Hausmädchen. Dabei wissen sie nichts über ihre Perle. Ganz im Gegensatz zur Postbeamtin Jeanne.
Chabrols ruhiger Thriller blickt einmal mehr hinter die Kulissen der Provinz-Bourgeoisie. Der Ausgang seines „marxistischen Thrillers“ (Chabrol über Biester) ist letal. „Der sozialen Hinrichtung der Repräsentanten der Unterschicht folgt die körperliche Hinrichtung der Bourgeoisie. Das ist der totale Krieg zwischen den Klassen. Und Chabrol setzt ihn unverhüllt in Szene.“ (Fischer Film Almanach 1996)
Mit Isabelle Huppert, Sandrine Bonnaire, Jean-Pierre Cassel, Jacqueline Bisset

Wiederholung: Mittwoch, 10. August, 00.15 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über “Biester”

Wikipedia über “Biester” (deutsch, englisch, französisch), Ruth Rendell (deutsch, englisch) und Claude Chabrol (deutsch, englisch, französisch)

Mein Nachruf auf Claude Chabrol

Claude Chabrol in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 8. August: Planet der Stürme

August 8, 2016

Arte, 23.15

Planet der Stürme (UdSSR 1962, Regie: Pawel Klushanzew)

Drehbuch: Alexander Kasanzew, Pawel Klushanzew (nach einem Roman von Alexander Kasanzew)

Das ist, wenn sich meine TV-Zeitung nicht irrt, heute die TV-Premiere von „Planet der Stürme“, einem Science-Fiction-Film aus der UdSSR, produziert vom Studio für populärwissenschaftliche Filme, und allein das ist schon ein Grund, sich das Werk über die Abenteuer sowjetischer Kosmonauten auf der Venus anzusehen.

Auch wenn das Lexikon des internationalen Films urteilt: „Mäßig unterhaltsamer, anspruchsloser Science-Fiction-Film, der seine Geschichte mit unglaublicher Naivität erzählt.“

Der Monthly Film Bulletin meinte: „Verglichen mit einer amerikanischen Durchschnittsproduktion ist diese russische Space Opera vernünftiger und widerspiegelt mehr echte SF, als dies normalerweise der Fall ist.“

Und „Die Science Fiction Filmenzyklopädie“ wird noch euphorischer: „’Planet der Stürme‘ [ist] der einzige gut gemachte und visuell aufregende russische Film über die Raumfahrt, der im Zeitraum zwischen ‚Aelita – Der Flug zum Mars‘ (1924) und ‚Solaris‘ (1971) entstanden ist. (…) eine temporeich inszenierte Abenteuergeschichte, die mit beträchtlichem Humor erzählt wird, mit Vulkanausbrüchen, riesigen Tieren und feindlichen Pflanzen. Die Entwürfe der Sets überwältigen durch die außergewöhnlichen Farbkombinationen, mit denen die beunruhigende Fremdheit der Venuslandschaft dargestellt wird, wie auch die die spektakulären Aspekte des Raumfluges selbst. Das Auftauchen eines Venusianers erfolgt in weiser Zurückhaltung erst am Ende des Films, und sogar dann wird auch nur angedeutet, dass er ’so wie wir‘ sei. (…) Das Ergebnis ist der beste, weil gradlinige und unprätentiöseste Science-Fiction-Film über eine Raumreise, der bislang in der UdSSR gedreht wurde.“

Roger Corman peppte mit der Hilfe von Curtis Harrington und Peter Bogdanovich den Film zweimal für den US-Markt auf.

Davor zeigt Arte im Rahmen seines Themenabends um 20.15 Uhr „Barbarella“ und um 21.50 Uhr „Lautlos im Weltraum“.

mit Wladimir Jemeljanow, Georgi Shenow, Gennadi Wernow

Hinweise

Arte über „Planet der Stürme“

Wikipedia über „Planet der Stürme“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 7. August: The Wild Bunch – Sie kannten kein Gesetz

August 7, 2016

Arte, 21.45

The Wild Bunch – Sie kannten kein Gesetz (USA 1969, Regie: Sam Peckinpah)

Drehbuch: Walon Green, Sam Peckinpah

Texas 1913: nach einem missglückten Überfall auf die Kasse der Eisenbahngesellschaft flüchten Pike Bishop und seine Revolvermänner nach Mexiko und geraten in die dortigen Revolutionswirren.

Auf ihrer Flucht verfolgt Pikes ehemaliger Kumpel Deke Thornton sie gnadenlos. Er arbeitet inzwischen für die Eisenbahngesellschaft.

Peckinpah-Klassiker, der ist einer der besten Western und für zahlreiche Filmfans auch einer der besten Filme überhaupt: „Sam Peckinpahs definitiver Film über die verlorenen Helden des späten Westens und über die Gewalttätigkeit in Amerika.“ (Joe Hembus: Das Western-Lexikon)

Für George P. Pelecanos ist „The Wild Bunch“ einer der sieben besten Western: „Peckinpah’s stunner was a parable for Vietnam that turned peace-loving audiences on with its cathartic violence, in the process burning down the genre itself. Concludes with the Battle of Bloody Porch, perhaps the most visceral, mindblowing action sequence ever committed to film. Oddly enough, it’s the quiet moments that stick with you.”

Mit William Holden, Ernest Borgnine, Robert Ryan, Edmond O´Brien, Warren Oates, Ben Johnson, L. Q. Jones, Bo Hopkins

Hinweise

Rotten Tomatoes über „The Wild Bunch“

Wikipedia über „The Wild Bunch“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Mike Siegels „Passion & Poetry: The Ballad of Sam Peckinpah“

Meine Besprechung von Sam Peckinpahs „Gefährten des Todes“

Meine Besprechung von Sam Peckinpahs “Steiner – Das eiserne Kreuz”

Sam Peckinpah in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 6. August: The Fountain – Quell des Lebens

August 5, 2016

Eins Festival, 20.15
The Fountain – Quell des Lebens (USA 2006, Regie: Darren Aronofsky)
Drehbuch: Darren Aronofsky
Nach „Pi“ und „Requiem for a Dream“ war das ambitionierte, auf drei Zeitebenen spielende Fantasydrama „The Fountain – Quell des Lebens“ über die Suche nach dem Sinn des Lebens eine herbe Enttäuschung.
In der Gegenwart sucht ein Krebsforscher ein Heilmittel für seine kranke Frau. In der Vergangenheit sucht ein Konquistador den Baum des Lebens. In der Zukunft reist ein Astronaut zu einem Sternennebel und dem Baum des Lebens, um seiner Geliebten ein zweites Leben zu schenken.
Das war dann doch in erster Linie schön bebilderter getretener Quark. Auch wenn das Lexikon des internationalen Films“ meint: „Ein komplexer, bildstarker Versuch, das menscheitsbewegende Thema [vom Sinn des Lebens und der Fortexistenz nach dem Tod] durch die Allegorien und Symmetrien der ineinander verwobenen drei Geschichten auf sehr individuelle Weise für ein an Fantasy-Filmen geschultes Publikum aufzubereiten.“
Mit den Dramen „The Wrestler“ und „Black Swan“ versöhnte er dann wieder seine mit den Filmen beträchtlich gewachsene Fangemeinde.
Sein neuester Film, die Bibelverfilmng „Noah“ mit Russel Crowe in der Hauptrolle, war sein katastrophales 3D-Big-Budget-Projekt.
Mit Hugh Jackman, Rachel Weisz, Ellen Burstyn, Mark Margolis, Stephen McHattie
Hinweise
Rotten Tomatoes über „The Fountain“
Metacritic über „The Fountain“
Wikipedia über „The Fountain“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Darren Aronofskys “Black Swan” (Black Swan, 2010)

Meine Besprechung von Darren Aronofskys „Noah“ (Noah, USA 2014)

Darren Aronofsky in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: „Ghostbusters“ – neue Gesichter, vertraute Geschichte

August 5, 2016

Lange bevor der Film in die US-Kinos kam, hatten sich im Netz die ‚Hater‘ schon ihre Meinung gebildet: der Film kann nur Scheiße sein, weil in dem neuen „Ghostbusters“-Film nicht die originalen Ghostbusters-Schauspieler wieder die Hauptrollen spielen, sondern die Ghostbusters von anderen Schauspielern gespielt werden (was schon schlimm ist) und diese auch noch von Frauen, Ja Frauen!!!, gespielt werden (was noch viel schlimmer ist).

Es gab dann zum Filmstart noch eine besonders unappetitliche Kampagne gegen Leslie Jones. Eine Afroamerikanerin; – muss ich noch mehr sagen?

Diesen Idioten kann ich nur empfehlen, sich in ihrer Wohnung einfach noch einmal die zwei alten „Ghostbusters“-Filme anzusehen. Es gibt sie noch. Sie wurden nicht verändert und sie stehen in eurer Filmsammlung. Den neuen Film könnt ihr ja getrost ignorieren.

In Hollywood war ein neuer „Ghostbusters“-Film seit Ewigkeiten im Gespräch. Immerhin waren die ersten beiden Filme von 1984 und 1989 mit Bill Murray (wieder dabei in einer gänzlich anderen Mini-Rolle), Dan Aykroyd (wieder dabei in einer gänzlich anderen Mini-Rolle), Ernie Hudson (wieder dabei in einer gänzlich anderen Mini-Rolle) und Harold Ramis (2014 verstorben) enorm erfolgreich. Entsprechend naheliegend sind da in der Hollywood-Logik Pläne für einen weiteren Film, der wieder die Kasse klingeln lässt,

Für den neuen „Ghostbusters“-Film übernahm jetzt Paul Feig die Regie und er machte eigentlich alles richtig. Er und seine Mit-Drehbuchautorin Katie Dippold (sie schrieb auch das Drehbuch für Feigs „Taffe Mädels“ [The Heat, USA 2013]) versuchten sich nicht an einem Reboot, der die alte Geschichte mehr oder weniger neu schreibt, mehr oder weniger düster ist und letztendlich nur ein Remake das Originals ist. Nur schlechter. Sie nahmen sich den alten „Ghostbusters“-Film vor, der ja nicht so genial ist, wie heute manchmal behauptet wird, entstaubten ihn liebevoll und verfilmten ihn wieder mit eigenen Akzenten, wie es von einem Song mehrere Versionen geben kann, die gleichberechtigt nebeneinander stehen.

Dabei ist auf der erzählerischen Ebene der genialste Schachzug der Macher, dass sie einerseits vieles aus dem alten Film verwenden (was für den Wiedererkennungswert gut ist und das Herz des Fans erfreut oder, siehe oben, auch nicht), aber es andererseits die New York erschütternden Ereignisse aus den alten „Ghostbusters“-Filmen nicht gab und es daher auch keine Ghostbusters gab. Sogar das allseits bekannte Logo wird neu erfunden. In der U-Bahn von einem Sprayer.

Der zweite Geniestreich ist die Besetzung – und dass das im Film nicht weiter thematisiert wird.

In der aktuellen „Ghostbusters“-Version, die im heutigen New York spielt, das allerdings in jedem Bild ein heimeliges Retro-Gefühl verströmt, gründen Abby Yates (Melissa McCarthy), Erin Gilbert (Kristen Wiig) und Julian Holtzmann (Kate McKinnon) die Ghostbusters. Kurz darauf stößt Patty Tolan (Leslie Jones) zu ihnen. Sie arbeitet in der U-Bahn, hat dort eine Begegnung mit einem Geist und hält eine Arbeit bei den Ghostbusters für aufregender als ihre derzeitige Arbeit. Außerdem organisiert sie das Ghostbusters-Mobil, ein 1981-83 Cadillac-Leichenwagen. Als Telefonistin stellen sie Kevin (Chris Hemsworth) ein. Er ist zwar komplett ungeeignet für den Job, aber gutmütig und gutaussehend ist. Vor allem Erin verliebt sich sofort in das propere Mannsbild.

Sie glauben, dass es Geister gibt und ihr Glaube wird durch Schleim spuckende Geister bestätigt, die sich in alten Häusern und U-Bahnen herumtreiben und am Ende sogar die ganze Stadt vernichten wollen.

Bis dahin gibt es eine schöne Kameradie zwischen den Geisterjägerinnen, einen eher zum schmunzeln einladenden Humor, etwas jugendfreien Klamauk und ein schönes Retro-Feeling. Schon der 1984er „Ghostbusters“-Film war ja eine Liebeserklärung an die klassischen Fünfziger-Jahre-Horrorfilme und auch der 2016er „Ghostbusters“-Film scheint eher in einem Fünfziger-Jahre-New-York zu spielen, was nicht nur an den historischen Gebäuden, den betont unhippen, aber praktischen Kleidern und den ebenso unhippen, aber praktischen Waffen zum Fangen und Vernichten von Geistern, sondern auch, im Finale, an der Rekonstruktion des Times Square im Stil der siebziger Jahre liegt.

Nur die ziemlich retro aussehenden Geister wurden mit modernster Tricktechnik in Szene gesetzt.

„Ghostbusters“ ist eine launige Sommerkomödie mit vier Frauen, die ihren Mann stehen, und einem Mann, der als Blondinenwitz hundertfünfzigprozentig überzeugt, einer ordentlichen Portion Retro-Feeling und einem Humor, der einen lächelnd und wohlgestimmt aus dem Kinosaal entlässt.

Bis man dem ersten schleimspuckendem Geist begegnet.

Ghostbusters - Plakat

Ghostbusters (Ghostbuster, USA 2016)

Regie: Paul Feig

Drehbuch: Paul Feig, Katie Dippold

mit Melissa McCarthy, Kristen Wiig, Kate McKinnon, Leslie Jones, Chris Hemsworth, Charles Dance, Michael Kenneth Williams, Matt Walsh, Ed Begley Jr., Andy Garcia, Bill Murray, Dan Aykroyd, Ernie Hudson, Annie Potts, Ozzy Osbourne, Sigourney Weaver

Länge: 117 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

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Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Ghostbusters“

Metacritic über „Ghostbusters“

Rotten Tomatoes über „Ghostbusters“

Wikipedia über „Ghostbusters“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Paul Feigs „Taffe Mädels“ (The Heat, USA 2013)

Meine Besprechung von Paul Feigs „Spy – Susan Cooper Undercover“ (Spy, USA 2015)

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Im AOL Building stehen die Ghostbusters Rede und Antwort

DP/30 unterhält sich mit Paul Feig über den Film

DP/30 unterhält sich mit Katie Dippold über den Film

 


Neu im Kino/Filmkritik: „Maggies Plan“ geht erfreulich schief

August 5, 2016

Eigentlich ist Maggie eine furchtbare Person. Die Anfang Dreißigjährige, allein lebende New Yorkerin wünscht sich ein Kind und sie hat dafür, inclusive Samenspender, schon alles durchgeplant. Da lernt sie John, einen angenehmen, verständnisvollen und interessierten Gesprächspartner, kennen. Er ist Dozent an der Universität, an der sie ebenfalls ohne große Karriereambitionen arbeitet. Aber er will sich verändern Er sieht sich als Romancier. Er gibt der literaturbegeisterten Maggie sein Manuskript zum Lesen und sie ist begeistert. Er könnte der perfekte Mann sein, wenn er nicht verheiratet wäre und Kinder hätte.

Drei Jahre später fasst Maggie einen neuen Plan. Denn das mit den Kindern hat zwar geklappt. Sie darf sogar auf Johns Kinder aus erster Ehe aufpassen. Aber ihr Traummann, der immer noch an seinem autobiographisch inspiriertem Roman arbeitet, ist der typische Feierabend-Daddy, der sich überhaupt nicht um die Kinder kümmert und die Karriere seiner Frau sabotiert. Nicht aus Bösartigkeit, sondern aus purer Ignoranz. Im Bett klappt es auch nicht mehr.

Weil für Maggie ein normales Beziehungsende zu profan ist, soll John sich wieder in seine Ex-Frau Georgette, eine egozentrische und ehrgeizige Akademikerin, verlieben. Die, so denkt Maggie sich, passen auch besser zusammen. Nur wie bringt man die beiden wieder zusammen?

Ein Plan muss her, der, wie alle Pläne, perfekt ist, bis er auf die Wirklichkeit trifft.

Maggie wird von Greta Gerwig gespielt und allein schon deshalb ist Maggie eine liebenswert-verpeilte Person, die auch gut in einem Woody-Allen-Film ausgehoben wäre. Immerhin spielt Rebecca Millers Screwball-Comedy in diesem New Yorker Intellektuellenmilieu und es geht um deren Liebeswirren und mehr oder weniger intellektuelle Arbeit.

Georgette wird von Julianne Moore gespielt und, auch wenn in der deutschen Fassung ihr dänischer Akzent, wahrscheinlich nicht mehr vorhanden ist (ich habe mich durch die Originalfassung gelacht), sagen ihre Kleider und ihre sich gegen Himmel türmende Frisur alles über diesen Charakter. Auch als kleinste Person dominiert sie den Raum.

Zwischen den beiden Frauen versucht John sein Glück. Ethan Hawke spielt ihn und schon deshalb erinnert sein Möchtegern-Schriftsteller an Jesse aus Richard Linklaters „Before Sunset“/“Before Sunset“/“Before Midnight“. Mit weniger Verantwortungsbewusstsein. Dafür hat er ja zwei Frauen, die sein Schicksal planen.

Bei all den Liebeswirren der in „Maggies Plan“ gezeigten Thirty-Somethings und älter fällt irgendwann auf, dass Maggie und ihr Umfeld Liebe, Ehe und Partnerschaft immer nur in der konservativen Variante von Mann-Frau-Kind buchstabieren. Auch wenn Georgette (mehr) und Maggie (weniger) berufstätig sind.

Maggies Plan - Plakat

Maggies Plan (Maggie’s Plan, USA 2015)

Regie: Rebecca Miller

Drehbuch: Rebecca Miller (nach einer Geschichte von Karen Rinaldi)

mit Greta Gerwig, Ethan Hawke, Julianne Moore, Bill Hader, Maya Rudolph, Travis Fimmel, Ida Rohatyn, Wallace Shawn

Länge: 99 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

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Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Berlinale über „Maggies Plan“

Moviepilot über „Maggies Plan“

Metacritic über „Maggies Plan“

Rotten Tomatoes über „Maggies Plan“

Wikipedia über „Maggies Plan“

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Im AOL Building sprechen die Regisseurin und die Schauspieler über den Film

Beim NYFF wird sich über die Produktion des Films unterhalten. Es sind also die Menschen vor der Kamera, die normalerweise hinter der Kamera sind


TV-Tipp für den 5. August: Gesetz der Straße – Brooklyn’s Finest

August 5, 2016

3sat, 22.35

Gesetz der Straße – Brooklyn’s Finest (USA 2009, Regie: Antoine Fuqua)

Drehbuch: Michael C. Martin

Hochkarätig besetzter Ensemblefilm über drei Polizisten, die versuchen in Brooklyn ihren Weg zu gehen: der eine wartet nur noch auf seine Pensionierung, der andere will einen Undercover-Einsatz beenden und muss dafür einen Freund verraten, der dritte will Geld für seine Familie besorgen und geht dafür über Leichen.

Die Geschichten mögen etwas zu sehr die bekannten Cop-Film-Klischees bedienen, aber insgesamt ist „Brooklyn’s Finest“ ein sehenswerter, vor Ort gedrehter Cop-Film und damit auch eine Bestandsaufnahme der Gesellschaft.

mit Richard Gere, Don Cheadle, Ethan Hawke, Wesley Snipes, Vincent D’Onofrio, Will Patton, Lili Taylor, Ellen Barkin, Brían F. O’Byrne, Michael K. Williams

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Gesetz der Straße“

Rotten Tomatoes über “Gesetz der Straße”

Metacritic über “Gesetz der Straße”

Wikipedia über “Gesetz der Straße” (deutsch, englisch)

The Root: Interview mit Michael C. Martin über „Brooklyn’s Finest“

Go into the Story: Interview mit Michael C. Martin über „Brooklyn’s Finest“

Variety über Michael C. Martin (10. Juni 2008)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas “Training Day” (Training Day, USA 2001)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas “Gesetz der Straße – Brooklyn’s Finest” (Brooklyn’s Finest, USA 2009)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas “Olympus has fallen – Die Welt in Gefahr” (Olympus has fallen, USA 2013)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas “The Equalizer” (The Equalizer, USA 2014)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas “Southpaw” (Southpaw, USA 2015)


Neu im Kino/Filmkritik: „Julieta“ – Pedro Almodóvars Hommage an Alice Munro

August 4, 2016

Nachdem „Fliegende Liebende“ eine Entspannungsübung war, ist Pedro Almodóvar mit seinem zwanzigsten Spielfilm wieder zurück in gewohnt dramatischen Gefilden und die Welt der Kritiker ist wieder in Ordnung. Außerdem stellt Almodóvar, wie schon der Titel „Julieta“ verrät, wieder eine Frau in den Mittelpunkt seines gewohnt stilvoll erzählten Dramas.

Im heutigen Madrid trifft die fünfzigjährige Julieta (Emma Suárez) zufällig Beatriz, eine alte Freundin ihrer Tochter. Beatriz erzählt ihr, dass sie Antia mit ihren drei Kindern vor kurzem am Comer See gesehen habe.

Für Julieta ist diese Begegnung der Grund, ihre Umzugspläne mit ihrem neuen Freund nach Portugal über den Haufen zu werfen. Denn vor zwölf Jahren hat Antia sie ohne ein Abschiedswort verlassen. Seitdem hat Julieta nichts mehr von ihr gehört.

Julieta zieht wieder zurück in die Wohnung, in der sie zuletzt mit ihrer Tochter lebte und beginnt einen langen Brief an sie zu schreiben. Ein Brief, in dem sie ihre Sicht der Dinge erklären will. Auch wenn ihre Tochter den Brief vielleicht niemals lesen wird.

Ihr Brief beginnt Mitte der Achtziger. Während einer Zugfahrt begegnet die Aushilfslehrerin für Klassische Literatur (jetzt gespielt von Adriana Ugarte) Xoan (Daniel Grao), einem Fischer aus Galizien, dessen Frau im Koma liegt. Sie haben Sex, verlieben sich ineinander und Antia ist ihre Tochter.

Diese Beichte, die auf den Erzählungen „Entscheidung“, „Bald“ und „Schweigen“ von Literaturnobelpreisträgerin Alice Munro basiert, ist dann eine Mischung aus Selbstrechtfertigung und Selbstanklage, die genau deshalb kunstvoll die Balance zwischen Leichtigkeit und Düsternis hält. Denn Julietas Leben ist auf der einen Seite eine von Toten geprägte Verlustgeschichte einer Mutter, der es noch nicht einmal gelingt, Kontakt zu ihrer Tochter zu halten. Im Gegenteil: ihre Tochter, die wir als Erwachsene nie sehen, will so wenig von ihr wissen, dass sie ihrer Mutter noch nicht einmal sagt, wo sie jetzt lebt. Was muss eine Mutter getan haben, um so eine Reaktion zu provozieren?

Auf der anderen Seite ist es die Selbstbehauptungsgeschichte einer passiven, introvertierten Frau, der es gelingt, im katholischen Spanien mit seinen engen Familienbindungen ihr Leben zu leben und, weil es die klassische Biographie nicht mehr gibt, immer wieder, teilweise radikal neu anzufangen. Wobei ein Neuanfang immer auch einen Ortswechsel bedeutet.

Zwischen diesen beiden Polen, sein Leben zu betrachten (immerhin sehen wir die Vergangenheit aus Julietas Sicht), fragt Almodóvars Film, ob Julieta die richtigen Entscheidungen getroffen hat oder ob ihr Leben, wenn sie sich an einem Punkt anders entschieden hätte, nicht ganz anders verlaufen wäre. Almodóvar formuliert diese Frage so, dass sie vollkommen in der Geschichte aufgeht, die gerade durch ihre südländische Reichhaltigkeit und die elegant zurückgenommene Inszenierung beeindruckt. Er liefert in jeder Beziehung und durchgehend stärkere Bilder als Alice Munro in ihren drei Erzählungen, die die Vorlage für „Julieta“ sind. Dabei folgt Almodóvar erstaunlich genau den Vorlagen. Eigentlich brachte er im Drehbuch nur die Ereignisse in eine chronologische Reihenfolge und verlegte die Geschichte nach Spanien.

Bei Munro spricht die Frage, ob man ein anderes Leben hätte leben können, eher den Intellekt an. Ihre Charaktere sind skizzierte Figuren auf einem Spielbrett, das nie seine Konstruktion verleugnen kann. Das liegt auch daran, dass Munro ihre Figuren nicht näher beschreibt. Ein Name, eine dürftige Ortsangabe (manchmal auch nicht), eine ebenso dürftige Zeitangabe (falls überhaupt) müssen genügen, bevor sie in ihren Erzählungen zwischen Gegenwart und Vergangenheit hin und her springt. Dabei, jedenfalls in den acht Erzählungen von „Tricks“, in denen auch die lose miteinander verbundenen „Julieta“-Geschichten sind, wechselt sie oft auch die grammatische Zeit. Das behindert den Lesefluss und hält einen so zusätzlich auf Distanz zu den Figuren.

Diese Distanz ist bei Almodóvar, der „Julieta“ bescheiden eine Hommage an Munro nennt, nicht vorhanden. Seine Julieta ist eine Frau in einer klar erkennbaren Welt mit Freunden und Bekannten, die ebenso klare Eigenschaften haben.

Und er hat, wieder einmal, Rossy de Palma, die als Xoans strenge Haushälterin wirklich furchteinflößend sein kann.

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Julieta (Julieta, Spanien 2016)

Regie: Pedro Almodóvar

Drehbuch: Pedro Almodóvar

LV: Alice Munro: Runaway, 2004 (Tricks)

mit Emma Suárez, Adriana Ugarte, Daniel Grao, Inma Cuesta, Darío Grandinetti, Rossy de Palma, Michelle Jenner, Pilar Castro

Länge: 100 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

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Die Vorlage

Munro - Tricks - Taschenbuch

Alice Munro: Tricks – Acht Erzählungen

(übersetzt von Heidi Zerning)

Fischer Taschenbuch Verlag

384 Seiten

9,95 Euro (Taschenbuch)

21,99 Euro (gebundene Ausgabe)

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Deutsche Erstausgabe

Fischer, 2006

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Originalausgabe

Runaway

Alfred A. Knopf, 2004

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Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Spanische Homepage zum Film

Moviepilot über „Julieta“

Metacritic über „Julieta“

Rotten Tomatoes über „Julieta“

Wikipedia über „Julieta“ (englisch, spanisch) und Alice Munro (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Pedro Almodóvars „Fliegende Liebende“ (Los amates Pasajeros, Spanien 2013)

Pedro Almodóvar in der Kriminalakte

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Die Cannes-Pressekonferenz (die englische Fassung, weil die Originalfassung für die meisten wohl kaum verständlich sein wird)