TV-Tipp für den 5. April: Rechts, zwo, drei – Driftet Europa ab?

April 5, 2016

Arte, 20.15

Rechts, zwo, drei – Driftet Europa ab? (Deutschland 2016, Regie: Sebastian Bellwinkel, Romy Straßenburg, Marta Werner)

Drehbuch: Sebastian Bellwinkel, Romy Straßenburg, Marta Werner

Die Doku fragt nach den Gründen für den derzeitigen Aufstieg von rechtspopulistischen Parteien in Europa und in Kroatien, Polen, Deutschland und Frankreich geht sie dem Phänomen nach.

Das ist der Auftakt zu einem Arte-Themenabend, der diesen Namen wirklich verdient. Denn nach der Doku gibt es um 21.40 Uhr eine Gesprächsrunde, um 22.00 Uhr Mo Asumangs ausgezeichnete Doku „Die Arier“ (Deutschland 2014), um 23.35 Uhr „Der Prozess von Budapest“ (Ungarn/Deutschland 2013) über einen Prozess gegen Neonazis in Ungarn und um 01.15 Uhr, als Abschluss, „Square Idee: Droht ein neuer Holocaust?“.

Wer dann Einschlafprobleme hat, kann sich ab 01.40 Uhr „Maggie Thatcher, Karriere einer Eisernen Lady“ ansehen.

Hinweis

Arte über den Themenabend


DVD-Kritik: Ist „Der Tel-Aviv-Krimi“ ein guter Krimi?

April 4, 2016

Erinnert sich noch jemand an „Strangers“/“Sanfte Augen lügen nicht“ (A Stranger among us), diesen 1992 von Sidney Lumet inszenierten Krimi, in dem Melanie Griffith als Polizistin in New York im jüdischen Viertel unter Chassiden in einem Mordfall ermitteln muss? Der war gar nicht so schlecht in seiner Verbindung unterschiedlicher Elemente, garniert mit einem Einblick in eine fremde Kultur.

Wenn jetzt ein deutscher Krimi, eigentlich wohl eher der geplante Start einer ARD-Serie, als „Der Tel-Aviv-Krimi“ an den Start geht, dann erwartet der geneigte Krimifan natürlich, dass der, ähem, Titel irgendwie Programm ist und nicht nur den Schauplatz der Handlung nennt. Wobei das auch nur für den zweiten von bislang zwei „Tel-Aviv-Krimis“ zutrifft. Im Mittelpunkt der beiden, jeweils neunzigminütigen Krimis steht die Berliner Kommissarin Sara Stein, gespielt von Katharina Lorenz.

In „Tod in Berlin“ wird Tamar, eine israelische DJane, ermordet. Ihr Freund, ein Palästinenser, und seine Familie sind natürlich verdächtig. Aber natürlich könnte der Fall auch ein politisches Motiv haben. Sara Stein ermittelt brav nach Lehrbuch, hat zwei ziemlich nervige Assistenten, eine Vorgesetzte mit Beziehungsproblemen und einem Drang zu Pressekonferenzen (wegen: die Presse verlangt Antworten und da müssen wir halt auch Zwischenstände als Ergebnisse verkaufen), einer Familie (nett, aber überflüssig für die Geschichte) und einem Freund. Einem israelischen Pianisten, der gerade in Berlin gastiert und in den sie sich unsterblich verliebt.

Erst am Ende des Krimis fliegt Sara Stein nach Tel Aviv zu David Shapiro, ihrer großen Liebe.

Nachdem sie, was in den Filmen nicht angesprochen wird, alle ihrer Berliner Kollegen und Familie in Berlin zurückgelassen hat, eine Versetzung von Berlin nach Tel Aviv durchsetzen konnte und ein Jahr auf der dortigen Polizeiakademie war, muss sie in „Shiv’a“ als ihren ersten Fall den Mord an einem geachteten Kriminalpolizisten aufklären. Sie soll dafür sorgen, dass die Ermittlungen der Mordkommission bei der Suche nach dem Mörder ihres Kollegen Noam ordentlich verlaufen. Die sind selbstverständlich nicht von dem deutschen Wachhund begeistert. Verdächtige gibt es einige. Eine Spur führt zu einem nie aufgeklärtem Einbruch, dem einzigen Fall, den Noam nicht klären konnte. Aber auch ein Kollege von Noam könnte der Mörder sein.

Sonderlich realistisch ist diese Ausgangslage nicht. Eine neue „Kollegin“, die die Landessprache kaum beherrscht und die Staatsbürgerin eines anderen Landes ist, soll mal so eben einen wichtigen Fall aufklären.

Die Hintergründe von Sara Steins Wechsel von Berlin nach Tel Aviv werden auch nicht geklärt.

Aber das sind nur eine Kleinigkeiten, die aber auf tiefere Probleme hinweisen. Jedenfalls wenn man von „Der Tel-Aviv-Krimi“ (Sorry, das ist ein Untertitel. Das ist noch nicht einmal ein Arbeitstitel.) mehr erwartet als einen bestenfalls biederen Rätselkrimi vor austauschbarer Kulisse auf dem Niveau einer der zahlreichen Vorabendkrimiserien, der in diesem Fall mit vielen privaten Geschichten auf Spielfilmlänge gedehnt wird. Berlin und Tel Aviv sind, wie bei den zahlreichen ZDF-„Sokos“, die austauschbare Kulisse für einen ebenso austauschbaren Fall.

Neben dem 08/15-Rätselplot verplätschert die Geschichte zu oft in vollkommen uninteressanten privaten Subplots zwischen Liebe auf den ersten Blick und familiären Zusammentreffen. Einmal mit Saras, einmal mit Davids ebenso netter Familie. Gerade in „Tod in Berlin“ sind Sara Steins Kollegen zum Erbrechen merkwürdig und ausgedacht (das gilt vor allem für Steins Kollegin Anne Rodeck, bei der es vollkommen rätselhaft ist, wie sie die Polizeischule überlebte). Es gibt zeitraubende Scheinkonflikten, die in vertrauter Art und Weise abgehandelt werden (Wie oft müssen Kommissare zur Pressekonferenz geprügelt werden?). In den papiernen Dialogen wird viel zu oft erklärt, was wir gerade erfahren haben. Falls die Kommissare nicht gerade die berühmte Frage „Wo waren sie zur Tatzeit?“ stellen.

Dagegen werden alle potentiell interessanten Fragen peinlich vermieden, fast so, als sei der Unterschied zwischen Tel Aviv, Venedig und Paris die Skyline. Bei Venedig und Paris kann das noch – auch wenn es bedauerlich ist – verziehen werden, aber bei Tel Aviv und mit einer deutschstämmigen jüdischen Polizistin als Protagonistin kann das nicht verziehen werden. Da müssen die Fälle die Befindlichkeiten der Kulturen erforschen. Da muss über das Judentum, Religion, deutsche Verantwortung, das Leben der Juden im heutigen Deutschland (immerhin spielt „Tod in Berlin“ in Berlin) undundund gesprochen werden. Wie Sidney Lumet es in „A Stranger among us“ tat.

Der Tel Aviv Krimi - Cover

Der Tel-Aviv-Krimi: Tod in Berlin/Shiv’a (Deutschland 2016)

Regie: Matthias Tiefenbacher

Drehbuch: Martin Kluger, Maureen Herzfeld, Matthias Tiefenbacher (Bearbeitung)

mit Katharina Lorenz, Katharina Marie Schubert, Aljoscha Stadelman, Itay Tiran, Ramin Yazdani, Camill Jammal, Meral Perin, Samuel Finzi, Gill Frank

DVD

Edel:Motion

Bild: PAL 16:9

Ton: Deutsch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: –

Bonusmaterial: –

Länge: 177 Minuten (2 DVDs)

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

ARD über „Der Tel-Aviv-Krimi“ (Tod in Berlin, Shiv’a)

Moviepilot über „Der Tel-Aviv-Krimi“

Fernsehserien über „Der Tel-Aviv-Krimi“

Wikipedia über „Der Tel-Aviv-Krimi“


TV-Tipp für den 4. April: Champagner-Mörder

April 4, 2016

Arte, 21.50

Champagner-Mörder (Frankreich 1966, Regie: Claude Chabrol)

Drehbuch: Claude Brûlé, Derek Prouse, Paul Gégauff

Der vermögende Playboy Paul leidet siet einem Unfall an Gedächtnisstörungen. Als er glaubt, während dieser Phasen mehrere Morde begangen zu haben, bittet er seine Cousine um Hilfe. Die sieht die Möglichkeit, so endlich an sein Vermögen zu kommen.

Ein selten gezeigter Chabrol und eine seiner internationalen Produktionen, die dann zwar mit Hollywood-Stars punkten, aber nie zu seinen stärksten Werken gehörten.

Chabrol, der Moralist und unnachgiebige Kritiker bürgerlicher Fassadenmalerei, huldigte hier seinen bevorzugten Regisseur Hitchcock und stülpte sich eine Maske über, die den Spötter ein wenig aus dem Gleichgewicht brachte. Ein Kuriosum.“ (Meinolf Zurhorst: Lexikon des Kriminalfilms)

mit Anthony Perkins, Maurice Ronet, Yvonne Furneaux, Stéphane Audran, Suzanne Lloyd

Wiederholung: Mittwoch, 13. April, 00.00 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über „Champagner Mörder“ (englisch, französisch)

Claude Chabrol in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 3. April: Der große Diktator

April 3, 2016

Arte, 20.15

Der große Diktator (USA 1940, Regie: Charlie Chaplin)

Drehbuch: Charlie Chaplin

Grandiose Satire über Adolf Hitler: ein jüdischer Friseur und der Diktator Hynkel sehen sich zum Verwechseln ähnlich.

Wer den Film noch nicht gesehen hat,…

Anschließend, um 22.15 Uhr, zeigt Arte die einstündige Doku „Charlie Chaplin, wie alles begann“ (Frankreich 2013) über den Aufstieg von Charlie Chaplin.

Mit Charlie Chaplin, Paulette Goddard, Jack Oakie

Wiederholung: Mittwoch, 6. April, 13.45 Uhr

Hinweise

Charlie-Chaplin-Seite

Charlie Chaplin Archive

Wikipedia über Charlie Chaplin (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 2. April: Billy Bathgate – Im Sog der Mafia

April 2, 2016

ZDFneo, 00.35

Billy Bathgate – Im Sog der Mafia (USA 1991, Regie: Robert Benton)

Drehbuch: Tom Stoppard

LV: E. L. Doctorow: Billy Bathgate, 1989 (Billy Bathgate)

Ebenso erlesene wie leblose Beschreibung der Glanzzeit und des Endes von Dutch Schultz aus der Perspektive des Bronx-Jungen Billy, der ab 1935 als Handlanger für den Gangster arbeitet.

Das Buch soll wesentlich besser sein.

mit Dustin Hoffman, Nicole Kidman, Loren Dean, Bruce Willis (der – ähm – schnell untertaucht), Steve Buscemi, Stanley Tucci, Steven Hill, Billy Jaye, Frances Conroy, Xander Berkeley

Wiederholung: Sonntag, 3. April, 03.55 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Billy Bathgate“

Wikipedia über „Billy Bathgate“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: „Eddie the Eagle“ fühlt sich gut

April 1, 2016

Olympische Winterspiele 1988 in Calgary: Michael ‚Eddie‘ Edwards, genannt „Eddie the Eagle“ landet als Skispringer auf dem letzten Platz und freut sich wie Bolle. Denn er ist am Ziel seiner Träume. Er nimmt an den Olympischen Spielen teil. Er wird, die Älteren dürften sich noch daran erinnern, zum Publikumsliebling, weil er den Olympischen Geist verkörpert.

Der Weg dorthin war steinig und wird, mit etlichen erzählerischen Freiheiten, in Dexter Fletchers herzigem Feelgood-Movie „Eddie the Eagle“ nachgezeichnet. Denn so naiv und auch dumm, wie Eddie Edwards im Film gezeigt wird, ist er in Wirklichkeit nicht. Nach seiner Olympia-Teilnahme – weil die Regeln geändert wurden, blieb es seine einzige – machte der gar nicht so unsportliche Michael Edwards seine Schulabschlüsse, studierte und erhielt eine Zulassung als Anwalt. Das wird im Film, der sein Herz am richtigen Fleck hat, nicht erwähnt. Vieles in dem Film ist auch einfach erfunden. Eddie Edwards, dem der Film gefällt, meint, etwa fünf Prozent entsprächen der Wahrheit.

Dafür erfahren wir, wie er schon als Kind in seinem Geburtsort Cheltenham begeistert alle Sportdisziplinen ausprobiert. Meist erfolglos, aber mit unbändigem Optimismus, bis er schließlich beim Skispringen landet. Weil seit Jahrzehnten kein Brite in dieser Disziplin teilnahm, gibt es keine Konkurrenten und auch der damals gültige britische Rekord ist zu schaffen.

In den Alpen beginnt er mit dem Training, wird von der Restaurantbesitzerin Petra (Iris Berben) aufgenommen, überzeugt den ehemaligen Skispringer Bronson Peary (Hugh Jackman) ihn zu trainieren und stellt bei den Nordischen Skiweltmeisterschaften in Oberstdorf einen neuen britischen Rekord auf, obwohl er bei dem Wettbewerb mit gesprungenen 73,5 Metern der schlechteste Teilnehmer war.

Während er von persönlichem Bestwert zu Bestwert fliegt, versucht das britische Olympiakomitee durch Änderungen der Regeln die Teilnahme des durchgeknallten Außenseiters aus der Arbeiterklasse zu verhindern. Die olympische Idee des Dabeiseins ist alles und die Vision vom Treffen von Sportamateuren aus der ganzen Welt in einem friedlichen Wettkampf stehen zwar auf dem Papier, aber die Olympischen Spiele sind schon lange ein großes Geschäft. Ein Paradiesvogel wie Eddie stört da nur den Ablauf und gefährdet das seriöse Image der britischen Olympia-Teilnehmer.

Taron Egerton, der zuletzt in „Kingsman: The Secret Service“ quasi eine andere britische Ikone verkörperte, hat für die Rolle zugenommen, sein Kinn konsequent nach vorne geschoben (wegen Eddies markantem Unterbiss) und sich ein dickes Kassengestell (aufgrund seiner Weitsichtigkeit musste Eddie immer eine Brille tragen) aufgesetzt und schlüpfte so, auch körperlich, in die Rolle des optimistischen Naivlings, der sich durch ein „Nein“ nicht von seinen Zielen abbringen lässt.

Dexter Fletcher („Wild Bill“, „Make my Heart fly“) inszenierte das Feelgood-Movie mit spürbarer Sympathie für seine Charaktere in einem Tempo, das trotz der vorhersehbaren Geschichte (auch wenn man die wahre Geschichte nicht kennt), keine Langeweile aufkommen lässt. Es ist ein Film, der genau weiß, was er will und dabei alles richtig macht.

Die Initialzündung für den Film war ein Fernsehabend von „Kingsman“-Regisseur Matthew Vaughn, der „Eddie the Eagle“ produzierte. Er sah „Cool Runnings“ und wollte genau so einen Film machen, den er auch seinen Kindern zeigen könnte. „Cool Runnings“ erzählt die Geschichte des jamaikanischen Bob-Teams, die ebenfalls bei den Winterspielen in Calgary dabei waren und ebenfalls keine Medaillen gewannen, aber den olympischen Geist verkörperten. Der Film geht ebenfalls sehr freizügig mit den Fakten um. Aber im Gegensatz zu Eddie the Eagle wurden die Bobfahrer erst durch den Film bekannt.

Eddie the Eagle - Plakat

Eddie the Eagle – Alles ist möglich (Eddie the Eagle, Großbritannien/USA/Deutschland 2016)

Regie: Dexter Fletcher

Drehbuch: Sean Macaulay, Simon Kelton

mit Taron Egerton, Hugh Jackman, Iris Berben, Tim McInnerny, Keith Allen, Mark Benton, Jo Hartley, Christopher Walken

Länge: 106 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Eddie the Eagle“

Metacritic über „Eddie the Eagle“

Rotten Tomatoes über „Eddie the Eagle“

Wikipedia über „Eddie the Eagle“ (deutsch, englisch)

History vs. Hollywood prüft den Realitätsgehalt des Film


Neu im Kino/Filmkritik: „Familie zu vermieten“, etwas Chaos und Liebe inclusive

April 1, 2016

Paul-André Delalande ist schon etwas älter, lebt allein, ist depressiv, wird höflich umsorgt von seinem Diener und er dämmert zwischen ausgewachsener Midlife-Krise und grundmelancholisch-pessimistischer Lebenseinstellung in seinem großen Anwesen vor sich hin. Der Frührentner hat noch nicht einmal die Kraft, nach dem Sinn des Lebens zu suchen. Durch eine Fernsehsendung lernt er Violette Mandini kennen. Sie ist das absolute Gegenteil: arm, gesegnet mit zwei Kindern von verschiedenen Vätern, ebenfalls Single, und, weil sie beim Ladendiebstahl erwischt wurde, mal wieder vor Gericht. Auf der Gerichtstreppe hält sie vor laufender Kamera eine pathetische Rede über die Wichtigkeit von Familie. Paul-André ist fasziniert. Er will eine Familie haben. Aber bevor er eine Familie gründet, will er erst einmal herausfinden, ob ihm das Familienleben überhaupt gefällt. Also schlägt er Violette ein Arrangement vor: Er mietet sich ein halbes Jahr in ihre Familie ein. Violette ist zunächst skeptisch, aber sie braucht das Geld und wirklich gefährlich wirkt der schüchterne Paul-André nicht.

Nachdem Jean-Pierre Améris („Die Anonymen Romantiker“) seine Prämisse etabliert hat, geht es, mit vielen verschenkten Möglichkeiten, im Fahrwasser einer märchenhaften romantischen Komödie zum vorhersehbaren Ende. Denn die Prämisse ist arg ausgedacht, böte aber die Gelegenheit, sich an Klassengegensätzen und damit auch an der französischen Realität abzuarbeiten. Aber die Realität – vor allem Violettes Haus ist ein reines Märchenhaus – und alle Konflikte, die im Zusammenprall von chaotischer Familie und pedantischem Single liegen, werden oft eher unelegant umschifft oder gleich gänzlich ignoriert. Entsprechend unplausibel und auch widersprüchlich handeln Paul-André und Violette. So erzählt Violette ihren Kindern, dass Paul-André ihr neuer Freund sei. Aber anstatt dann den Abend mit ihm zu verbringen, geht sie auf Männerjagd. Und niemand wundert sich. Auch die Liebesgeschichte zwischen ihnen entwickelt sich weniger aus den Charakteren heraus, sondern vor allem weil es im Drehbuch so steht. Bis hin zu einer Begegnung mit Paul-Andrés Mutter und einer Schulfreundin.

Das ist zwar in den Hauptrollen nett gespielt. Vor allem Benoit Poelvoorde und Francois Morel, der seinen Diener spielt, sehen als Paar immer angemessen zerknautscht aus. Der Humor, dafür ist man nach mehreren Fäkalkomödien dankbar, entgleitet nicht in Geschmacklosigkeiten. Sowieso dominiert ein eher stiller, nicht unsympathischer Humor. Aber der gesamte Film ist auch entsetzlich banal.

FamilieZuVermieten_Poster_A1.indd

Familie zu vermieten (Une Famille à louer, Frankreich/Belgien 2015)

Regie: Jean-Pierre Améris

Drehbuch: Murielle Magellan, Jean-Pierre Améris

mit Benoit Poelvoorde, Virginie Efira, Francois Morel, Philippe Rebbot, Pauline Serieys, Calixte Broisin-Doutaz, Nancy Tate, Edith Scob

Länge: 97 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

 

Moviepilot über „Familie zu vermieten“

AlloCiné über „Familie zu vermieten“

Wikipedia über „Familie zu vermieten“ (englisch, französisch)


TV-Tipp für den 1. April: Der Schakal

März 31, 2016

3sat, 22.35

Der Schakal (Großbritannien/Frankreich 1973, Regie: Fred Zinnemann)

Drehbuch: Kenneth Ross

LV: Frederick Forsyth: The Day of the Jackal, 1971 (Der Schakal)

Der Schakal (Edward Fox) plant einen Anschlag auf Charles de Gaulle. Ein braver Polizist verfolgt ihn.

Auch wenn der Film inzwischen als Klassiker gelabelt wird, ist er eine ziemlich langweilige Angelegenheit – obwohl das vermurkste Remake von 1997 mit Bruce Willis noch langweiliger ist.

Frederick Forsyths weltweit erfolgreiches Debüt wurde mit dem Edgar als bester Roman des Jahres ausgezeichnet und ermöglichte ihm den Berufswechsel vom Journalisten zum Schriftsteller.

Mit Edward Fox, Terence Alexander, Michel Auclair, Alan Badel, Tony Britton, Denis Carey, Adrien Cayla-Legrand, Cyril Cusack

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Der Schakal“

Wikipedia über „Der Schakal“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: „10 Cloverfield Lane“ – eine Adresse, ein paranoider Gastgeber und eine spoilerfreie Besprechung

März 31, 2016

10 Cloverfield Lane ist zuerst einmal nur eine Anschrift. Eine Adresse mitten im ländlichen Amerika. Es ist auch der Ort, an dem Michelle (Mary Elizabeth Winstead) von Howard (John Goodman) nach einem Autounfall gefangen gehalten wird. Er versorgt sie in seinem Bunker, verlangt etwas Dankbarkeit und erzählt ihr etwas von einer Außerirdischen, die die Erde mit Giftgas unbewohnbar gemacht haben. Natürlich hält seine Gefangene das für ein Hirngespinst.

Auch dass Emmett (John Gallagher Jr.), der ebenfalls, allerdings freiwillig, in dem Bunker lebt, das Gerede von Howard bestätigt, überzeugt sie nicht. Denn Alien-Invasionen gibt es nicht in der Realität. Oder doch?

10 Cloverfield Lane“ ist das Spielfilmdebüt von Dan Trachtenberg, produziert von J. J. Abrams und seiner Firma Bad Robot, die auch „Cloverfield“ produzierte und, wer „Cloverfield“ gesehen hat, fragt sich natürlich, ob es eine Verbindung zwischen den beiden Filmen gibt.

Doch auch abgesehen von dieser Frage zieht das Drei-Personen-Stück, dank seines klugen Drehbuchs und der guten Schauspieler, eine beträchtliche Spannung aus der Frage, ob Howard jetzt der durchgeknallte Paranoiker von Nebenan ist oder ob seine Geschichte (siehe „Cloverfield“) wahr ist. John Goodman spielt ihn mit dieser beunruhigenden Ruhe und Selbstgewissheit, die diesen Menschen inne wohnt. Denn sie zweifeln überhaupt nicht an ihrer Weltsicht. Schließlich kennen sie die Wahrheit und irgendwann werden auch die anderen sie erkennen. Dass es keinen Beweis für seine Behauptung gibt, stört ihn nicht. Auch in „10 Cloverfield Lane“ müssen wir einfach nur darauf vertrauen, dass er die Wahrheit sagt und dass er Michelle helfen will. Nur: kann man jemand vertrauen, der einen mit einer fadenscheinigen Begründung gefangen hält und der sich einen bestens ausgestatteten Bunker mit Lebensmitteln für mehrere Jahre baute? Michelle jedenfalls plant schon einmal ihre Flucht aus dem hermetisch abgeriegeltem Bunker.

Das in jeder Beziehung äußerst gelungene Debüt macht wirklich neugierig auf die nächsten Filme von Dan Trachtenberg. Wobei allein schon John Goodman, endlich mal wieder in einer Hauptrolle, das Dreipersonenstück sehenswert macht.

10 Cloverfield Lane - Plakat

10 Cloverfield Lane (10 Cloverfield Lane, USA 2016)

Regie: Dan Trachtenberg

Drehbuch: Josh Campbell, Matthew Stuecken, Damien Chazelle

mit Mary Elizabeth Winstead, John Goodman, John Gallagher Jr.

Länge: 104 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „10 Cloverfield Lane“

Metacritic über „10 Cloverfield Lane“

Rotten Tomatoes über „10 Cloverfield Lane“

Wikipedia über „10 Cloverfield Lane“ (deutsch, englisch)

Ein Interview mit Dan Trachtenberg über seinen Film

Und eines mit Dan Trachtenberg und den Schauspielern

 


Neu im Kino/Filmkritik: „Criminal Activities“ von redseligen Verbrechern und Möchtegernverbrechern

März 31, 2016

Jackie Earle Haley, der in Hollywood als Schauspieler auf eine jahrzehntelange Karriere von „Die Bären sind los“ über „Watchmen“ bis, jüngst, „London has fallen“ (gut, das war nur eine nebensächliche Nebenrolle) zurückblicken kann, hat sich mit „Criminal Activities“ erstmals als Regisseur versucht und diesen Teil erledigte er souverän und ohne überflüssige Effekthaschereien. Allerdings ist das Drehbuch von Robert Lowell, in der Quentin-Tarantino-Gangsterfilmschule stehend, nicht so gelungen. Über ihn ist nichts zu erfahren. Laut IMDB ist er 1977 gestorben. Weil wohl kaum ein mindestens vierzig Jahre altes Drehbuch verfilmt wurde (obwohl der Film auch 1974 spielen könnte), dürfte es sich hier um ein Pseudonym handeln.

In „Criminal Activities“ geht es um vier High-School-Freunde, die sich auf der Beerdigung eines Schulkameraden treffen. Einer von ihnen hat Insiderwissen über eine Firma, die demnächst in ihrem Wert in astronomische Höhen steigen wird. Einer von ihnen könnte das nötige Geld für die Firmenaktion besorgen. Alle wollen sie an dem illegalen Geschäft verdienen.

Dummerweise löst sich, als die Börsenaufsicht gegen die Firma ermittelt, die gute Investition in Luft auf und die vier Freunde haben plötzlich einen Haufen Schulden bei dem Gangsterboss Eddie, der sein Geld will.

Glücklicherweise hat der sich betont jovial gebende Eddie (John Travolta in einer ziemlich umfangreichen Nebenrolle) eine grandiose Idee. Wenn die vier Zocker ihm einen Gefallen erweisen, sind sie schuldenfrei.

Nach einigem Zögern nehmen Zach (Michael Pitt), Warren (Christopher Abbott), Bryce (Rob Brown) und Noah (Dan Stevens), der sich von Eddie das Geld für das Geschäft lieh, das Angebot an: sie entführen Marques (Edi Gathegi).

Als die vier Noch-nicht-einmal-Möchtegern-Kriminellen mit ihrem Opfer in ihrem Versteck sind, erfahren sie, dass Marques der Neffe eines mächtigen, mit Eddie verfeindeten Gangsterbosses ist. In dem Moment ahnen die vier Entführer, dass die ihnen von Eddie weitschweifig erzählte Geschichte über Marques frei erfunden war und dass sie jetzt zwischen allen Fronten stehen.

Wenn man sich nur die Geschichte von „Criminal Activities“ ansieht, ist der Gangsterthriller einer dieser verwickelten, noirischen Geschichten, in denen einige ganz normale Männer durch Gier und eigenes Verschulden plötzlich knietief im Schlamassel stecken und Verbrecher und Polizisten alles noch komplizierter machen. Das sorgt dann bis zum Schluss für überraschende Entwicklungen und einige Tote.

Jackie Earle Haley erzählt diese in weiten Teilen altbekannte Geschichte strikt entlang der Konventionen und ohne irgendwelche, nervigen formalen Spielereien. Das erinnert dann an einen klassischen Gangsterfilm, wie sie in den vierzigern und fünfzigern im Dutzend gedreht und oft vergessen wurden.

Allerdings ist es auch eine Geschichte, die hauptsächlich in einigen wenigen geschlossenen Räumen spielt und, auch weil jede Szene viel zu lang ausgespielt wird, alles sehr theaterhaft wirkt. Die Dialoge haben nie die bekannte Quentin-Tarantino-Qualität, denen man endlos zuhören könnte und sich gleich einige Zitate notiert. In „Criminal Activities“ langweilen sie eher. Auch weil fast alle Charaktere nicht unbedingt durch ihre Intelligenz überzeugen. Vor allem die vier Entführer stellen sich oft sehr dämlich an. So zeigen sie sich unmaskiert ihrem Opfer, verraten ihm sofort ihre Namen und, was dann die logische Konsequenz wäre, wollen ihn nicht töten.

Heute ist ein Film wie „Criminal Activities“ Direct-to-DVD-Futter oder etwas, das man sich spätabends im Fernsehen ansieht. Im Kino wirkt der Film dagegen arg deplatziert.

Criminal Activities - Plakat

Criminal Activities (Criminal Activities, USA 2015)

Regie: Jackie Earle Haley

Drehbuch: Robert Lowell

mit Michael Pitt, Dan Stevens, Christopher Abbott, Rob Brown, Edi Gathegi, Jackie Earle Haley, John Travolta

Länge: 94 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

 

Moviepilot über „Criminal Activities“

Metacritic über „Criminal Activities“

Rotten Tomatoes über „Criminal Activities“

Wikipedia über „Criminal Activities“

Ein etwas älteres Gespräch mit Jackie Earle Haley


TV-Tipp für den 31. März: Der Mann, der niemals lebte

März 31, 2016

Kabel 1, 20.15

Der Mann, der niemals lebte (USA 2008, Regie: Ridley Scott)

Drehbuch: William Monahan

LV: David Ignatius: Body of Lies, 2007 (Der Mann, der niemals lebte)

CIA-Agent Roger Ferris fahndet im Nahen Osten nach einer islamistischen Terrorzelle. Als sie nicht weiterkommen, hecken Ferris und sein in Washington, D. C., sitzender Chef einen verwegenen Plan aus.

Okayer, schrecklich ausgewogener, realistischer Polit-Thriller, bei dem man nie den Eindruck los wird, dass hier alle unter ihren Möglichkeiten bleiben. Außerdem ist das Ende enttäuschend.

David Ignatius gefällt die Verfilmung.

mit Leonardo DiCaprio, Russell Crowe, Mark Strong, Oscar Isaac

Wiederholung: Freitag, 1. April, 01.25 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Der Mann, der niemals lebte“

The Washington Post über ihren Mitarbeiter David Ignatius

Harper’s Magazine: Sechs Fragen an David Ignatius über seinen Roman „Body of lies“

Hollywood Hills: Interview mit David Ignatius über die Verfilmung (Teil 1, Teil 2)

Meine Besprechung von Ridley Scotts “Prometheus” (Prometheus, USA 2012)

Meine Besprechung von Ridley Scotts “Exodus – Götter und Könige (Exodus – Gods and Kings, USA 2014)

Meine Besprechung von Ridley Scotts “Der Marsianer – Rettet Mark Watney” (The Martian, USA 2015)

Ridley Scott in der Kriminalakte


Über die ersten beiden Episoden der John-le-Carré-Verfilmung „The Night Manager“

März 30, 2016

John le Carrés Roman „Der Nachtmanager“ (The Night Manager) erschien 1993 und war sein erster Roman in der nach dem Ende des Kalten Krieges spielenden Welt. Er erzählte die Geschichte eines Hotelportiers, der, vom britischen Geheimdienst rekrutiert und mit einer neuen Identität ausgestattet, in eine undurchsichtige Geschichte von Kokain- und Waffenhandel, höchst illegal, global und tödlich, verwickelt wird.

Der Roman, der mir damals gut gefiel, war ein Beleg dafür, dass der Spionageroman nach dem Ende des Kalten Krieges, der ja die Weltpolitik und das Genre seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs bestimmte, immer noch relevant ist. Schließlich gab und gibt es weiterhin Geheimdienste und Spionage.

Über eine Verfilmung wurde seit dem Erscheinen immer wieder gesprochen, aber alle Pläne zerschlugen sich.

Ein Grund war, so hieß es, dass die Handlung des gut sechshundertseitigen Romans unmöglich in einem Zwei-Stunden-Film erzählt werden könne. Entsprechend folgerichtig ist dann auch die Entscheidung, den Roman nicht als Spielfilm, sondern – wie es jetzt geschah – als sechsstündige Miniserie zu verfilmen, die ihre TV-Premiere in England im BBC als Sechsteiler hatte und die jetzt bei Amazon Prime als Achtteiler in der deutschen und englischen Fassung online ist. Die einzelnen Folgen sind in dieser Schnittfassung, wie wir es von US-Serien gewohnt sind, jeweils knapp 45 Minuten.

Die DVD und Blu-ray erscheint am 21. April bei Concorde. Angekündigt sind fünfzig Minuten Bonusmaterial (u. a. Interviews mit den Darstellern und der Regisseurin, Featurette von der Premiere in Berlin, Trailer).

In den ersten beiden Episoden der Amazon-Schnittfassung, die ich sehen konnte, entwickelt sich die Geschichte langsam und, auch wenn sich die Geschichte konstant vorwärts bewegt, hätte man ohne Mühe viel streichen können. Denn Drehbuchautor David Farr („Spooks“, „Wer ist Hanna?“) und Regisseurin Susanne Bier, die bislang, abgesehen von einem TV-Film, ausschließlich für das Kino arbeitete, erzählen die Geschichte ziemlich detailverliebt und in dem Wissen, dass sie viel Zeit haben.

Die erste Episode ist eigentlich nur das Vorspiel für die in der Gegenwart spielende Geschichte: In Kairo im Januar 2011, während des Arabischen Frühlings, vertraut Sophie Alekan, die Geliebte des Hotelbesitzers Freddie Hamid, Spross einer reichen und mächtigen ägyptischen Familie, dem immer britisch-höflichen Nachtmanager des Nobelhotels, Jonathan Pine (Tom Hiddleston), Papiere über einen illegalen Waffenhandel zwischen Hamid und Richard Onslow Roper (Hugh Laurie) an. Der Brite Roper ist ein internationaler Waffenhändler, den der britische Geheimdienst gerne überführen würde. In Kairo laufen die Dinge so aus dem Ruder, dass Sophie Alekan am Ende tot ist.

Vier Jahre später arbeitet Pine im schweizerischen Zermatt in einem anderen Nobelhotel. Als Roper mit seinem Gefolge dort als Gast auftaucht, beginnt Pine hinter ihm her zu spionieren. Und er kontaktiert wieder den britischen Geheimdienst. Die Anti-Korruptions-Agentin Angela Burr (Olivia Colman), die Pine in Kairo vor dem Attentat auf Sophie Alekan warnte und um Hilfe bat, kann den Ex-Soldaten überzeugen, sich in einem gefährlichen Undercover-Einsatz bei Roper einzuschleichen.

Viel mehr passiert in den ersten neunzig Minuten nicht.

Aber die Besetzung ist gut und man will schon wissen, wie die Geschichte sich weiter entwickelt und die Konfrontation zwischen dem Nachtmanager und dem Waffenhändler, der bis jetzt nur einige kurze Auftritte hatte, endet.

The Night Manager - Plakat

The Night Manager (The Night Manager, Großbritannien/USA 2016)

Regie: Susanne Bier

Drehbuch: David Farr

LV: John le Carré: The Night Manager, 1993 (Der Nachtmanager)

mit Tom Hiddleston (Jonathan Pine), Hugh Laurie (Richard Onslow Roper), Olivia Colman (Angela Burr), Tom Hollander (Corcoran), Elizabeth Debicki (Jed Marshall), Michael Nardone (Frisky), Alistair Petrie (Sandy Langbourne), Hovik Keuchkerian (Tabby), Neil Morrissey (Harry Palfrey)

Die Vorlage in der aktuellen Ausgabe

Le Carre - Der Nachtmanager

John le Carré: Der Nachtmanager

(übersetzt von Werner Schmitz)

Ullstein 2016

576 Seiten

9,99 Euro

Die gebundene Ausgabe erschien bei Kiepenheuer & Witsch; Taschenbuchausgaben bei Heyne und List.

Hinweise

Amazon Prime über „The Night Manager“ (direkter Link zur Serie)

Deutsche Homepage zur Serie

Moviepilot über „The Night Manager“

Rotten Tomatoes über „The Night Manager“

Wikipedia über „The Night Manager“

Homepage von John le Carré

Meine Besprechung von John le Carrés „Geheime Melodie“ (The Mission Song, 2006)

Meine Besprechung von John le Carrés “Marionetten (A most wanted man, 2008)

Meine Besprechung von John le Carrés “Verräter wie wir” (Our kind of traitor, 2010)

Meine Besprechung von John le Carrés “Empfindliche Wahrheit” (A delicate truth, 2013)

Meine Besprechung der John-le-Carré-Verfilmung “Bube, Dame, König, Spion” (Tinker, Tailor, Soldier, Spy, Großbritannien/Frankreich/Deutschland 2011)

Meine Besprechung der John-le-Carré-Verfilmung “A most wanted man” (A most wanted man, Deutschland/Großbritannien 2014) und der DVD

John le Carré in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Susanne Biers „Serena“ (Serena, USA/Frankreich 2014)

Meine Besprechung von Susanne Biers „Zweite Chance“ (Un chance til, Dänemark 2014)

 


TV-Tipp für den 30. März: Belle de jour – Schöne des Tages

März 30, 2016

Arte, 20.15

Belle de jour – Schöne des Tages (Frankreich/Italien 1967, Regie: Luis Buñuel)

Drehbuch: Luis Buñuel, Jean-Claude Carrière

LV: Joseph Kessel: Belle de jour, 1928 (Belladonna; La belle de jour- Die Schöne des Tages)

Arztgattin Séverine langweilt sich. Als Lebemann Husson sie mit Madame Anais und ihrem Etablissement für erotische Wünsche und Fantasien bekannt macht, beginnt Séverine ein Doppelleben.

Einer von Buñuels zugänglichsten Filmen über die Doppelmoral des Großbürgertums. Er erhielt den Goldenen Löwen in Venedig und war bei Kritik und Zuschauern ein Erfolg. Deneuve war danach auf die Rolle der kühlen Blondine festgelegt.

Mit Catherine Deneuve, Jean Sorel, Michel Piccoli, Geneviève Page

Hinweise

Rotten Tomatoes über “Belle de jour”

Wikipedia über “Belle de jour”


TV-Tipp für den 29. März: Die Ferien des Monsieur Hulot

März 29, 2016

ZDFkultur, 20.15

Die Ferien des Monsieur Hulot ( Frankreich 1953, Regie: Jacques Tati)

Drehbuch: Jacques Tati, Henri Marquet

Tatis bekanntester Film: Der linkische Monsieur Hulot möchte nur einen ruhigen Urlaub in der Bretagne verbringen. Doch alles was er anfasst, verwandelt sich schnell in ein veritables Chaos.

„Eine zärtlich-erfreuliche Typen-Komödie, die sich gegen jede filmische Einordnung nicht nur im französischen Kino sperrt.“ (Lexikon des internationalen Films)

Anschließend, um 21.40 Uhr, läuft „Playtime“ (Frankreich/Italien 1967), ein weiterer Tati-Film.

Mit Jacques Tati, Nathalie Pascaud, Louis Perrault, André Dubois

Wiederholung: Mittwoch, 30. März, 01.00 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Arte über Jacques Tati

Rotten Tomatoes über “Die Ferien des Monsieur Hulot” (derzeitiger Frischegrad: 100 Prozent)

Wikipedia über “Die Ferien des Monsieur Hulot” (deutsch, englisch, französisch) und Jacques Tati


TV-Tipp für den 28. März – und DVD-Kritik: Sherlock: Die Braut des Grauens

März 28, 2016

ARD, 21.45

Sherlock: Die Braut des Grauens (Sherlock: The Abominable Bride, Großbritannien 2016)

Regie: Douglas Mackinnon

Drehbuch: Mark Gatiss, Steven Moffat

Um die Wartezeit zwischen der dritten und vierten „Sherlock“-Staffel zu verkürzen, schrieben die beiden „Sherlock“-Erfinder Mark Gatiss und Steven Moffat ein am Neujahrstag in England ausgestrahltes „Special“, das von zwölf Millionen Zuschauern gesehen wurde und Sherlock Holmes (Benedict Cumberbatch) und Dr. John Watson (Martin Freeman) ins viktorianische London führt. Also die Zeit, in der die von Sir Arthur Conan Doyle geschriebenen Sherlock-Holmes-Geschichten spielen.

Inspektor Lestrade bittet Holmes in einem schwierigen Fall um Hilfe: Emilia Ricoletti, die titelgebende Braut des Grauens, hat sich am helllichten Tag in aller Öffentlichkeit erschossen. Einige Stunden später bringt sie, obwohl ihre Leiche im Leichenschauhaus liegt, ihren Mann um.

Der Fall wird noch mysteriöser, weil die tote Emilia Ricoletti fortan weitere Morde verübt haben soll. Nur, und ist sich Sherlock Holmes sicher, Geister gibt es nicht und Emilia Ricoletti ist tot.

Und dann taucht auch noch Professor Moriarty in der Wohnung von Sherlock Holmes auf.

Nach der enttäuschenden dritten „Sherlock“-Staffel, die zwar gute Zuschauerquoten hatte, sich aber zu sehr auf die Hauptcharaktere und ihre Befindlichkeiten konzentrierte, während die Fälle noch nicht einmal als Nebensache wichtig und erinnerungswürdig waren, ist „Die Braut des Grauens“ eine wohltuende Rückkehr zu einem starken Fall, garniert mit vielen Anspielungen auf die vorherigen „Sherlock“-Filme (auch weil alle bekannten und wichtigen Charaktere, teils in veränderter Erscheinung, auftreten) und einem herrlichen Spiel zwischen Fakt und Fiktion und zwischen Gegenwart und Vergangenheit. Denn obwohl „Die Braut des Grauens“ im viktorianischen London spielt, schließt sie auch unmittelbar an „Sein letzter Schwur“, die letzte Folge der dritten „Sherlock“-Staffel an.

Und die einfallsreiche Regie tut ihren Teil dazu.

Absolut sehenswert! Für alte „Sherlock“-Fans und auch für neue „Sherlock“-Fans, die allerdings etwas verunsichert von den vielen eingestreuten Anspielungen und dem wilden Spiel mit und im Holmes-Kosmos sein könnten.

Die vierte Staffel soll im Frühjahr/Sommer 2016 gedreht werden und dürfte Anfang 2017 (ein offizieller Termin ist noch nicht bekannt) ausgestrahlt werden. Die Gründe für den großen Abstand zwischen der dritten Staffel, die Anfang 2014 gezeigt wurde, und vierten Staffel sind ziemlich banal: die Autoren Mark Gatiss und Steven Moffat brauchen Zeit, um die Drehbücher zu schreiben und Benedict Cumberbatch und Martin Freeman sind seit dem weltweiten Erfolg von „Sherlock“ gefragte Schauspieler mit einem vollen Terminkalender.

Mit Benedict Cumberbatch, Martin Freeman, Una Stubbs, Rupert Graves, Mark Gatiss, Andrew Scott, Louise Brealey, Amanda Abbington, Jonathan Aris, Catherine McCormack, Tim McInnerny, Natasha O’Keeffe

Wiederholung: Mittwoch, 30. März, 00.00 Uhr (Taggenau! – um 01.35 Uhr folgt „Sherlock Holmes und das Halsband des Todes“ mit Christopher Lee als Meisterdetektiv)

Die DVD

Sherlock - Die Braut des Grauens - DVD-Cover 4

Parallel zur TV-Ausstrahlung erschien (hab sie schon am Gründonnerstag im Geschäft gesehen, obwohl sie offiziell erst am 29. März erscheint) die DVD/Blu-ray als „Special Edition“. Neben dem Film gibt es eine zweite DVD mit neunzig Minuten sehenswertes Bonusmaterial, das hauptsächlich von den beiden „Sherlock“-Autoren Mark Gatiss und Steven Moffat bestritten wird.

Und weil jedes Eingehen auf das Bonusmaterial auch Details der vertrackten Handlung verrät, hülle ich den Mantel des Schweigens darüber.

DVD

Polyband

Bild: 1,78:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bonusmaterial (mit deutschen Untertiteln, 86 Minuten): Mark Gatiss: A Study in Sherlock, Mark Gatiss: Production Diary, Writer’s Interview, Creating the Look: 8 inside looks at how this unique Special was created, The creators of Sherlock answer questions from Sherlock’s ‚1 fan site, 12-seitiges Booklet

Länge: 90 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

 

Hinweise

Homepage von Sir Arthur Conan Doyle (Erben)

Krimi-Couch über Sir Arthur Conan Doyle

Kirjasto über Sir Arthur Conan Doyle

Wikipedia über Sir Arthur Conan Doyle (deutsch, englisch)

Sherlockian.net (Einstiegsseite mit vielen Links)

Facebook-Seite der deutschen Sherlock-Holmes-Gesellschaft

Thrilling Detective über Sherlock Holmes

Meine Besprechung von Arthur Conan Doyles “Sherlock Holmes Geschichten”, “Sherlock Holmes Kriminalgeschichten” und “The Adventures of Sherlock Holmes” (und hier eine Auflistung der in diesen Werken enthaltenen Geschichten)

Meine Besprechung von Anthony Horowitz‘ „Das Geheimnis des weißen Bandes“ (The House of Silk, 2011)

Meine Besprechung von Anthony Horowitz‘ „Der Fall Moriarty“ (Moriarty, 2014)

Meine Besprechung von Ian Edginton (Autor)/Davide Fabbris (Zeichner): Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Zombies! (Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Zombies, 2010)

Meine Besprechung von Ian Edginton (Autor)/Horacio Domingues/Davide Fabbris (Zeichner) „Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Dracula“ (Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Jekyll/Hyde; Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Dracula, 2010/2011)

Meine Besprechung von „Sherlock: Ein Fall von Pink“ (A Study in Pink, GB 2010)

Meine Besprechung von „Sherlock: Eine Legende kehrt zurück – Staffel 1“ (Sherlock, GB 2010)

Meine Besprechung von “Sherlock: Eine Legende kehrt zurück -Staffel 2″ (Sherlock, GB 2012)

Meine Besprechung von „Sherlock – Staffel 3“ (Sherlock, GB 2014)

Meine Besprechung von “Sherlock: Ein Skandal in Belgravia” (A Scandal in Belgravia, GB 2012)

Meine Besprechung von Guy Ritchies „Sherlock Holmes: Spiel im Schatten“ (Sherlock Holmes: A Game of Shadows, USA 2011)

Sherlock Holmes in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: „Mein Ein, mein Alles“, mein Geliebter

März 27, 2016

Tony (Emmanuelle Bercot) muss nach einem schweren Skiunfall in einer malerisch abgelegenen Reha-Klinik wieder Laufen lernen. Während dieser Heilungsprozess seine langsamen Fortschritte macht, erinnert sie sich an ihre ebenso stürmische, wie turbulente jahrelange Beziehung zu Georgio (Vincent Cassel). Die unfallbedingte Ruhepause verschafft ihr die Zeit, eine Bilanz ihres bisherigen Lebens zu ziehen und die sieht in dieser Beziehung nicht besonders gut aus.

Die gut situierte Anwältin lernte Georgio vor zehn Jahren in einer Bar kennen und war von dem extrovertierten Dandy und Frauenschwarm fasziniert. Vor allem, weil der Restaurantbesitzer sich auch für sie interessiert. Und dann überzeugt der notorisch ungebundene Lebemann und Nachtmensch nicht nur im Bett, sondern auch mit seinen Fähigkeiten als Hausmann in der Küche.

Dummerweise sind, wie Tony sich in der Reha bewusst wird, genau die Dinge, wegen denen sie sich in Georgio verliebte, auch die Dinge, die eben auch gegen eine harmonische Beziehung sprechen. Vor allem, wie sie es gerne hätte, eine langfristig bürgerliche, harmonische Beziehung mit Haus und Kind.

Maïwenn (zuletzt „Poliezei“) inszenierte ihre feinfühlige, niemand verurteilenden Charakterstudie immer nah an dem Liebespaar und ihrer ebenso turbulenten, wie auch von Anfang an problematischen Beziehung, in der jeder in dem Anderen etwas sieht, was er nicht hat und genau deshalb begehrt. Allerdings, und das merkt Tony im Lauf der Jahre und auch als Mutter des von Georgio sehnlich gewünschten Kindes, kann und will sich keiner von beiden wirklich verändern. Immer wieder verfallen sie in ihr altes Verhalten. Immer wieder begeht vor allem sie die gleichen Fehler, was dem Film, auch wegen der gewählten Struktur, etwas zirkuläres verschafft.

Schnell muss man sich als Zuschauer entscheiden, wie sehr man mit Tony mitgeht. Denn dass Georgio nicht der häusliche Traumprinz ist und auch niemals sein wird, ist schon bei ihrer ersten Begegnung offensichtlich. Auch wenn sie es anders sieht und nicht auf gutgemeinte Ratschläge hören will.

Mein Ein Mein Alles - Plakat

Mein Ein, mein Alles (Mon Roi, Frankreich 2015)

Regie: Maïwenn

Drehbuch: Maïwenn, Etienne Comar

mit Vincent Cassel, Emmanuelle Bercot, Louis Garrel, Isild Le Besco, Chrystèle Saint-Louis Augustin, Patrick Raynal

Länge: 126 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Mein Ein, mein Alles“

Metacritic über „Mein Ein, mein Alles“

Rotten Tomatoes über „Mein Ein, mein Alles“

Wikipedia über „Mein Ein, mein Alles“ (englisch, französisch)


TV-Tipp für den 27. März: Psycho

März 27, 2016

3sat, 22.00

Psycho (USA 1960, Regie: Alfred Hitchcock)

Drehbuch: Joseph Stefano

LV: Robert Bloch: Psycho, 1959 (Psycho)

Ein immer wieder gern gesehener Schocker von Alfred Hitchcock und das beste Argument gegen Duschen.

Mit Anthony Perkins, Janet Leigh, Vera Miles, John Gavin

Hinweise

Wikipedia über „Psycho“ (deutsch, englisch)

Wikipedia über Alfred Hitchcock (deutsch, englisch)

Senses of Cinema (Ken Mogg) über Alfred Hitchcock

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 2“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 2

Meine Besprechung von Alfred Hitchcocks “Mr. und Mrs. Smith” (Mr. and Mrs. Smith, USA 1941)

Meine Besprechung von Thily Wydras “Alfred Hitchcock”

Alfred Hitchcock in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Robert Blochs “Psycho” (Psycho, 1959)

Meine Besprechung von Robert V. Galluzzos “Psycho Legacy” (The Psycho Legacy, USA 2010 – eine sehenswerte Doku über die “Psycho”-Filme mit Anthony Perkins, mit vielen Stunden informativem Bonusmaterial)

Meine Besprechung von Stephen Rebellos “Hitchcock und die Geschichte von ‘Psycho’” (Alfred Hitchcock and the Making of ‘Psycho’, 1990)

Meine Besprechung von Sacha Gervasis Biopic “Hitchcock” (Hitchcock, USA 2012)

Meine Besprechung von Henry Keazors (Hrsg.) “Hitcock und die Künste” (2013)


TV-Tipp für den 26. März: Nachtschicht: Wir sind alle keine Engel

März 26, 2016

ZDFneo, 23.15
Nachtschicht: Wir sind alle keine Engel (Deutschland 2014, Regie: Lars Becker)
Drehbuch: Lars Becker
Während der „Ab-in-die-Wüste-Schlussmacherwoche” eines Radiosenders macht Pizza-Bote Mufti via Radio und Moderatorin, die seine Freundin Sharronda über die Trennung informieren soll, mit ihr Schluß. Sharronda flippt aus, überfällt den Blumenladen, in dem sie arbeitete, und das krisenerprobte Team vom Kriminaldauerdienst hat eine neue arbeitsreiche Nacht vor sich.
Denn nachdem die Geiselnahme beendet ist, wird Mufti von einem maskierten Mann auf offener Straße erschossen und Sharrondas Brüder Dexter und Gordon, zwei Schläger mit Nazi-Vergangenheit, haben die Tat gesehen.
Gewohnt kurzweiliger, top besetzter „Nachtschicht“-Krimi mit absurden Situationen und viel Wortwitz. Dieses Mal, wegen des Radiosenders, der eine wichtige Rolle hat, sogar mit vielen bekannten Rocksongs.
mit Armin Rohde, Barbara Auer, Minh-Khai Phan-Thi, Christoph Letkowski, Özgür Karadeniz, Alina Levshin, Katrin Bauerfeind, Clemens Schick, Margarita Broich, Tristan Seith, Edin Hasanovic, Chiara Schoras, Hans Jochen Wagner, Kida Khodr Ramadan
Hinweise

ZDF über „Nachtschicht: Wir sind alle keine Engel“

Wikipedia über „Nachtschicht“

Lexikon der deutschen Krimi-Autoren über Lars Becker

Lars Becker in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 25. März: Paul is dead

März 25, 2016

https://vimeo.com/15703413

ZDF Kultur, 23.00

Paul is dead (Deutschland 2000, Regie: Hendrik Handloegten)

Drehbuch: Hendrik Handloegten

Während des Sommers 1980 in der bundesdeutschen Provinz glaubt der 13-jährige Beatles-Fan Tobias, dass der Mörder von Paul McCartney (denn McCartney starb 1966 und wurde durch einen Doppelgänger ersetzt) bei ihnen aufgetaucht ist.

Ein wunderschöner Coming-of-Age-Film, der einige populäre Verschwörungstheorien zitiert und ein halbes Beatles-Lexikon ersetzt.

Weil für den Film die originalen Beatles-Lieder benutzt werden mussten (Hey, ein Film über fanatische Beatles-Fans und dann werden im Film die Beatles-Songs von einer x-beliebigen Cover-Band gespielt oder es wird eine spätere oder eine alternative Aufnahme verwendet; – das würde nur zu berechtigten Wutanfällen der Beatles-Fans führen) und der deshalb auch nie im Kino lief und nicht auf DVD erscheinen wird. Denn die TV-Sender haben mit der Gema einen Vertrag, der es ihnen für TV-Filme gestattet, auf Musikstücke zurückzugreifen. Für jede andere Verwendung müssten die Musikrechte eingekauft werden.

Auf dem Symposium „Verbotene Filme“ der Deutschen Kinemathek erzählte Handloegten noch einige weitere Hintergründe, warum der dann auf Festivals gelobte Debütspielfilm so wenige Preise erhielt und wie sie beim Sundance-Festival eine kostenlose Vorführung machen mussten, um den Film zeigen zu können. Es ging natürlich um die Musikrechte.

Mit Sebastian Schmidtke (Pseudonym von Sebastian Urzendowsky), Martin Reinhold, Vasko Scholz, Myriam Abeillon, Ian T. Dickinson, Rainer Egger, Astrid Pochmann, Hans-Joachim Heist, Axel Milberg, Ingrid Steeger – und die Stimme von Alan Bangs

Hinweis

Wikipedia über „Paul is dead“


Neu im Kino/Filmkritik: „Rock the Kasbah“ – ein Rockmanager in Afghanistan

März 24, 2016

Bill Murray als abgehalfterter Rockmanager Richie Lanz, der das Angebot erhält, mit einem seiner Talente eine gut bezahlte Tour in Afghanistan vor kulturhungrigen US-Soldaten zu machen – das klingt nach dem Auftakt für eine gelungene Satire über das Musikgeschäft, US-Kriegseinsätze und die US-Außenpolitik.

Vor allem, weil Barry Levinson die Regie übernahm.

Genau, der Levinson, der mit „Wag the Dog“ eine der besten (vielleicht sogar die beste) Satire über das politische Geschäft in Washington und wie Außenpolitik für innenpolitische Ziele benutzt wird, erzählte.

Und dann ist „Rock the Kasbah“ ein durchaus prominent besetztes Desaster, das niemals auch nur im Ansatz die satirische Schärfe von „Wag the Dog“ erreicht. Dort wurde ein Krieg in Albanien inszeniert, um im Wahlkampf dem US-Präsidenten eine weitere Amtszeit zu sichern. In „Rock the Kasbah“ geht es jetzt nach Afghanistan und die geplante Satire erstickt in Klischees und gut gemeinten Absichten, die nichts über den Handlungsort und die dortige politische Gemengelage verraten.

Kurz nachdem Lanz mit seiner Sängerin Ronnie (Zooey Deschanel) in Kabul angekommen ist, verschwindet sie mit der Hilfe von Bombay Brian (Bruce Willis in einer weiteren Minirolle, die er ohne spürbares Engagement erledigt), einem Söldner, der gerade seine Biographie schreibt, aus der Stadt und aus dem Film.

Lanz, der jetzt vollkommen pleite ist, lässt sich überzeugen, bei einem von zwei bestenfalls halbseidenen amerikanischen Geschäftemachern eingefädeltem Waffengeschäft mit Paschtunen mitzumachen. Er soll einige Waffen in deren Dorf abliefern.

Dort entdeckt er in einer Höhle Salima (Leem Lubany), die ihn mit ihrem Gesang verzaubert. Er will ihre Stimme der Welt schenken. Der erste Schritt ist ein Auftritt in der enorm beliebten Pop-Show „Afghan Star“ (so etwas wie „Deutschland sucht den Superstar“), wo noch niemals eine Frau auftrat.

Ab diesem Moment wird Satire endgültig gegen Schmalz und Sentiment ausgetauscht. Afghanistan bleibt weiterhin die beliebig austauschbare Kulisse für die Abenteuer eines US-Amerikaners, der orientierungslos durch die Welt stolpert.

Genau wie die Macher von „Rock the Kasbah“, die letztendlich nicht wissen, welche Geschichte sie erzählen wollen. Das zeigt sich auch an der Widmung. „Rock the Kasbah“ ist Setara Hussainzada gewidmet, der ersten Frau, die in „Afghan Star“ unverschleiert auftrat und, auch ohne ihre Geschichte zu kennen (sie wird in der 2009er Doku „Afghan Star“, neben einer Mitbewerberin und zwei Mitbewerbern, porträtiert), wäre eben diese Emanzipationsgeschichte einer Frau, die sich von den Fesseln ihrer Gemeinde löst, ein besserer Film geworden als diese bestenfalls halbgare und nicht besonders witzige Mischung aus mindestens zwei Musikkomödien, gewollt herzigem Feelgood-Movie und oberflächlicher Satire, die vor allem Klischees und Vorurteile bestätigt.

Denn „Rock the Kasbah“ wird durchgehend aus einem imperialistischen Blickwinkel erzählt, in dem die Amerikaner den rückständigen Einheimischen die Werte der Moderne beibringen müssen. Insofern ist es auch egal, dass Kasbah ein vor allem in den Maghreb-Staaten gebräuchliches Wort für Festung ist und der Punkrockklassiker „Rock the Casbah“ von The Clash nicht im Film ist. Dafür gibt es mehrere, gut abgehangene Songs von Cat Stevens.

Und wenn man die grandiose Komödie „Tere bin Laden“ (Indien 2010) kennt, die sich schon vor Jahren mit fast den gleichen Fragen beschäftigte, ist die Möchtegern-Satire „Rock the Kasbah“ noch enttäuschender.

Rock The Kasbah - Plakat

Rock the Kasbah (Rock the Kasbah, USA 2015)

Regie: Barry Levinson

Drehbuch: Mitch Glazer

mit Bill Murray, Bruce Willis, Kate Hudson, Zooey Deschanel, Scott Caan, Danny McBride, Taylor Kinney, Leem Lubany, Arian Moayed, Beejan Land

Länge: 107 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Rock the Kasbah“

Metacritic über „Rock the Kasbah“

Rotten Tomatoes über „Rock the Kasbah“

Wikipedia über „Rock the Kasbah“

Meine Besprechung von Barry Levinsons „The Bay“ (The Bay, USA 2012)

Westliche Kulturarbeit