ZDFkultur, 20.15 Geliebte Aphrodite (USA 1995, Regie: Woody Allen)
Drehbuch: Woody Allen
Lenny Weinrib (Woody Allen) und seine Frau haben Max adoptiert. Als ihre Liebe erkaltet, sucht Lenny die leibliche Mutter von Max. Es ist Linda (Mira Sorvino). Ein Callgirl. Lenny will sie auf den Pfad der Tugend zurückführen. Und ein griechischer Chor kommentiert die Ereignisse.
Wunderschöne Komödie von Woody Allen. Er erhielt für sein Drehbuch eine Oscar-Nominierung, Mira Sorvino erhielt, unter anderem, einen Oscar, einen Golden Globe und einen BAFTA als beste Nebendarstellerin.
„Woody Allen alt? Keine Spur. Bei ihm hören die besten Zeiten einfach nie auf.“ (Fischer Film Almanach 1997)
mit Woody Allen, Mira Sorvino, F. Murray Abraham, Helena Bonham Carter, Peter Weller, Michael Rapaport, Jack Warden, Paul Giamatti
Wiederholung: Mittwohc, 20. April, 00.15 Uhr (Taggenau!)
Die fabelhaften Baker Boys (USA 1989, Regie: Steve Kloves)
Drehbuch: Steve Kloves
Die Brüder Jack und Frank Baker klimpern sich seit Jahrzehnten mit abnehmendem Erfolg durch Amerikas Hotelbars und Clubs. Jetzt wollen sie mit der Sängerin Susie Diamond ihre Auftritte aufregender gestalten. Allerdings wissen sie nicht, wie aufregend es mit ihr wird.
Sentimentales Musikerdrama mit geschmackvollem Jazz (Dave Grusin) und einer dazu passenden Kamera (Michael Ballhaus).
„Dem Regiedebütanten Steve Kloves gelang mit seiner atmosphärischen Komödie, romantische Arrangements mit Versatzstücken des Film noir auf eine Weise zu verbinden, die sehr vertraut erscheint und die doch immer wieder neu ist in der Modernität ihrer Inszenierung.“ (Fischer Film Almanach 1991)
Damals dachten alle, dass Steve Kloves jetzt in Hollywood Regie-Karriere machen wird, aber in den Neunzigern folgte fast nichts und in den letzten zehn Jahren schrieb er die Drehbücher für die „Harry Potter“-Filme.
mit Jeff Bridges, Beau Bridges, Michelle Pfeiffer, Elli Raab, Xander Berkeley, Gregory Itzin, Jennifer Tilly
Der Mann, der zuviel wusste (USA 1956, Regie: Alfred Hitchcock)
Drehbuch: John Michael Hayes, Angus McPhail (ungenannt)
Eigentlich wollten die McKennas nur einen schönen Marokko-Urlaub verbringen. Aber dann erfahren sie von einer Verschwörung und ihr Sohn wird entführt.
Hitchcocks Remake von seinem gleichnamigen Film aus dem Jahr 1934: mit einem größeren Budget, in Farbe und einer erträglichen Doris Day. Höhepunkt ist die zehnminütige Konzertszene in der Royal Albert Hall, deren Höhepunkt – während eines Beckenschlages – ein Schuss auf den Botschafter ist.
Mit James Stewart, Doris Day, Daniel Gélin, Brenda de Banzie, Bernard Miles, Ralph Truman, Reggie Maldar
Wiederholung: Montag, 18. April, 01.10 Uhr (Taggenau!)
Dick Clement und Ian La Frenais sind zwei alte Hasen im britischen Filmgeschäft. Sie schrieben unter anderem die Drehbücher zu „Commitments“, „Wasser – Der Film“, etlichen Lovejoy-Folgen (in Deutschland nie gezeigt) und zu „Die alles zur Sau machen“ (Villain).
Mit ihrem Edgar-nominierten Film „Bank Job“ kehrten sie wieder in die frühe Siebziger und dem von ihnen mit „Villain“ mitbegründeten britischen Gangsterfilm zurück. Dieses Mal lassen sie sich von einem wahren Bankraub inspirieren. Am 11. September 1971 raubten einige Kleingauner aus der Lloyd’s Bank 500.000 Pfund (was heute sechs Millionen Euro wären). Die Zeitungen füllten ihre Spalten mit Sensationsberichten über den „Walkie-Talkie-Einbruch“. Vier Tage lang. Dann untersagte die Regierung aus Gründen der nationalen Sicherheit weitere Berichte, vier Räuber wurden verhaftet, ihren Namen wurden nie bekannt, das Strafmaß ist unbekannt, große Teile der Beute verschwunden und die Akten darüber sind bis 2054 unter Verschluss. Das Team Clement/La Frenais hat jetzt mit „Bank Job“ eine Geschichte erfunden, die die Wahrheit sein könnte.
Und Roger Donaldson hat im Retro-Look einen angenehm altmodischen Ganovenfilm über den großen Coup, gewürzt mit einer Prise Polit-Thriller, gedreht.
Mit Jason Statham, Saffron Burrows, Stephen Campbell Moore, Daniel Mays, James Faulkner, Alki David
Wiederholung: Sonntag, 17. April, 04.45 Uhr (Taggenau!)
Los Angeles, 1937: Evelyn Mulwray beauftragt Privatdetektiv Jake Gittes, das Verschwinden ihres Mannes, dem Chef der Wasserwerke, aufzuklären. Schnell gerät der kleine Detektiv in ein Komplott, das er nie ganz durchschaut.
Sozusagen die Essenz der Schwarzen Serie. Georg Seeßlen hält „Chinatown“ für den definitiven private eye-Film der siebziger Jahre.
Mit Jack Nicholson, Faye Dunaway, John Huston, Perry Lopez, John Hillerman, Diane Ladd, Roman Polanski, Bruce Glover, James Hong, Burt Young
Als Alan Bennett 1970 in sein Haus in der Gloucester Crescent in Camden Town einzieht, ist sie bereits da. Miss Shepherd lebt in einem nicht mehr wirklich fahrtüchtigem Kleinbus und niemand weiß irgendetwas über sie, aber in Camden Town, einem eher noblen Londoner Stadtviertel, wird die Obdachlose toleriert, gegrüßt und auch ab und an mit Essen verwöhnt. Sie gehört halt einfach dazu.
Bennett, ein bekannter Theaterschriftsteller, gewöhnt sich ebenfalls schnell an den Kleinbus und seine Besitzerin. Er wird, während er, am Schreibtisch sitzend, mit seinem Alter Ego und seinen Stücken kämpft, zu einem Teil der Aussicht aus seinem Arbeitszimmer.
Einige Jahre später steht ihr Bus in der Einfahrt von Bennetts Haus. Er erlaubte es ihr, um schnell ein scheinbar kleines Problem zu umgehen und natürlich glaubt er, dass sie ihr Auto schnell weiterbewegt zum nächsten Anwesen.
Aber sie bleibt fünfzehn Jahre bis zu ihrem Tod 1989 und, auch wenn sie außer gelegentlichen Toilettenbesuchen keinen Kontakt zu Bennett hat, wird er zu so etwas wie ihrem Vertrauten, Leumund und Quasi-Bevollmächtigten. Jedenfalls wenden sich Staatsdiener immer vertrauensvoll an ihn, weil ja ihr Auto auf seinem Grundstück steht.
Nach ihrem Tod schreibt Alan Bennett für die London Review of Books diese im Oktober 1989 publizierte Erinnerung an die „Lady in the Van“ auf. Erst danach erfährt er über den Bruder von Miss Shepherd einiges über ihre Vergangenheit. 1999 macht er aus seinem Zusammenleben mit Miss Shepherd ein Theaterstück, in dem Maggie Smith die schrullige Dame spielte. Für den in Camden Town gedrehten, in der Gegenwart endenden Spielfilm schlüpfte sie wieder in die Rolle und sie ist grandios. Denn allzu leicht hätte man aus diesem Charakter eine in irgendeine Richtung übertriebene Parodie machen können. Für ihr Spiel erhielt sie eine Golden-Globe- und Bafta-Nominierung.
Alex Jennings spielt die Doppelrolle von Alan Bennett und seinem Alter Ego ähnlich feinfühlig. In dieser zweiten Geschichte geht es um das Leben und die Arbeit eines Schriftstellers, wie er sich von realen Ereignissen inspirieren lässt und wie er damit umgeht. Entsprechend vielschichtig ist dann im gesamten Film das Verhältnis zwischen Fakten und Fiktion. Denn „The Lady in the Van“ erzählt keine „true story“, sondern eine „mostly true story“.
Die sich über zwei Jahrzehnte erstreckende Geschichte ist allerdings keine sich auch nur halbwegs dynamisch in irgendeine Richtung bewegende Geschichte, sondern eine vieles ansprechende Zustandsbeschreibung einer Nicht-Beziehung. Wegen der Schauspieler, den oft nebenbei angesprochenen Themen, den Humor und dem Setting sieht man sich „The Lady in the Van“ dann doch gerne an. Es ist aber auch eine typisch britische Geschichte. Oder glauben Sie, dass es auch in Deutschland diese höfliche Toleranz gegenüber einer Frau in einem Bus geben würde, die sich einfach in eine Hauseinfahrt stellt?
The Lady in the Van (The Lady in the Van, Großbritannien 2015)
Regie: Nicholas Hytner
Drehbuch: Alan Bennett (nach seinen Erinnerungen)
mit Maggie Smith, Alex Jennings, Jim Broadbent, Frances De La Tour, Roger Allam
Natürlich kennen wir „Das Dschungelbuch“. Wenn wir nicht die Geschichtensammlung von Rudyard Kipling (eigentlich sind es zwei Geschichtensammlungen) gelesen haben, dann haben wir die Disney-Verfilmung von 1967 gesehen. Der Zeichentrickfilm mit vielen Gassenhauern war damals ein langlebiger Kinohit und gehörte (gehört?) für jedes Kind zum festen, von den Eltern festgelegten Filmkanon. Die anderen Verfilmungen sind dagegen fast unbekannt.
Jetzt hat „Iron Man“-Regisseur Jon Favreau sich für Disney an eine Neuverfilmung von Kiplings Buch gewagt und es gelingt ihm eine vollständig eigenständige Version des Dschungelbuches. Er stolpert in keine der verschiedenen Fallen, die wir aus den missglückten Neuinterpretationen bekannter Stoffe kennen, in denen vermeintliche Verbesserungen letztendlich Verschlimmbesserungen waren. Trotzdem verweist er immer wieder in einzelnen Szenen und Momenten auf das 1967er-Original, das, ich gestehe, ich mir jetzt nicht extra noch einmal angesehen habe. Letztendlich sind „Das Dschungelbuch“ (1967) und „The Jungle Book“ (2015) zwei vollkommen verschiedene Filme, die halt beide, der eine weniger, der andere mehr, auf dem gleichen Buch basieren.
Im Mittelpunkt des Films steht das Menschenkind Mogli (Neel Sethi), das von Wölfen groß gezogen wurde. Als Mogli älter wird, verlangt der furchterregende Tiger Shir Khan, dass das Gesetz des Dschungels beachtet werden muss. Mogli muss sterben.
Moglis Freunde schicken ihn daher auf die Reise zu den Menschen, von denen er bisher nur die Geschichten der Tiere kennt, die sie ihm erzählten. Und eigentlich will er bei seiner aus Wölfen bestehenden Familie bleiben.
Favreau erzählt kurzweilig die Reise von Mogli zu den Menschen und wir begegnen dem gemütlichen Bären Balu, der verführerischen Schlange Kaa und dem hinterlistigen Affen King Louie und seiner Horde, Elefanten, Wölfen und natürlich dem Panther Baghira, der vor Jahren das Baby Mogli vor dem Tod rettete, aber keinen Menschen.
Auch wenn „The Jungle Book“ jetzt als Realfilm oder Live-Action-Adaption beworben wird, ist er eigentlich ein Animationsfilm. Denn außer dem Mogli-Darsteller Neel Sethi spielen keine Menschen mit. Sets wurden kaum errichtet. Dafür wurden alle möglichen Computertechniken angewandt, die dazu führten, dass der Trickfilm in jeder Sekunde mit seinen fotorealistischen Aufnahmen beeindruckt. Obwohl alles künstlich ist, wirkt hier nichts künstlich. Es ist eine beeindruckende Technikschau, die immer im Dienst der Geschichte steht. Und das ist gut so.
„The Jungle Book“ ist ein sehr schöner, spannender, farbenprächtiger Abenteuerfilm für Kinder jedes Alters. Aber wer hätte bei Disney auch ernsthaft etwas anderes erwartet?
Inzwischen, also zwischen Kritikerlob und Kinostart, hat Disney schon eine Fortsetzung angekündigt. Vielleicht wieder mit Jon Favreau als Regisseur.
The Jungle Book (The Jungel Book USA 2016)
Regie: Jon Favreau
Drehbuch: Justin Marks
LV: Rudyard Kipling: The Jungle Book, 1894 (Das Dschungelbuch)
mit Neel Sethi
(im Original den Stimmen von) Bill Murray, Ben Kingsley, Idris Elba, Lupita Nyong’o, Scarlett Johansson, Giancarlo Esposito, Christopher Walken
(in der deutschen Synchronisation den Stimmen von) Armin Rohde, Joachim Król, Ben Becker, Heike Makatsch, Jessica Schwarz, Justus von Dohnányi, Christian Berkel
Ein Actionfilm aus der Ego-Shooter-Perspektive – wie kann das gehen? Immerhin lebt ein Actionfilm von, nun, der Action. Also Schlägereien, Gerenne, Verfolgungsjagden, Autocrashs. Stunts eben, bei denen der Stuntman sich auch verletzten kann. Und dann muss er das alles noch mit einer Kamera machen. Zum Glück – und deshalb konnte „Hardcore“ inszeniert werden – wurden die Filmkameras in den letzten Jahren immer kleiner und leistungsfähiger. Verschiedene YouTube-Videos zeigen das. Ebenso verschiedene Aufnahmen bei Sportübertragungen. Zum Beispiel bei Autorennen. Im Film wurden dann auch fast ausschließlich GoPro-Kameras verwandt, was auch zu einer eher nervige Fischaugenoptik und einer auf der großen Leinwand schlechten Bildqualität führt. Das ist dann näher an Found-Footage-Filmen als an einem wirklichen Kinoerlebnis.
Gleichzeitig ist die Idee, einen Film, wie einen Roman, aus der Ich-Perspektive zu erzählen, faszinierend. Bei Romane wird das ständig gemacht und es ist kein Problem. Bei Filmen sehr selten. Erst 1946 inszenierte Robert Montgomery mit der Raymond-Chandler-Verfilmung „Die Dame im See“ (The Lady in the Lake) erstmals einen Film ausschließlich mit subjektiver Kamera. Die damals zu bewältigenden technischen Schwierigkeiten waren enorm. Der Film selbst scheiterte letztendlich, weil das, was in einem Roman grandios funktioniert, in einem Film nicht funktioniert. Jedenfalls nicht über die Länge eines Spielfilms. Ilya Naishuller (oder der Ausstatter) kennt diesen Film. Denn während einer Verfolgungsjagd sehen wir in einem Zimmer ein Plakat von „The Lady in the Lake“. Aber er erzählt keinen dialoglastigen Kriminalfilm, sondern einen waschechten Action-Thriller.
In „Hardcore“ erwacht Henry in einem Labor. Ohne Gedächtnis, ohne Stimme und ohne einige Glieder. Gerade werden ihm von seiner Frau Estelle künstliche Ersatzglieder angeschraubt. Plötzlich bricht die Hölle los. Estelle wird von einem Gangsterboss entführt und Henry versucht, leicht desorientiert, sie in Moskau zu retten. Dabei hilft ihm, während sich die Leichen stapeln, der höchst seltsame Jimmy.
Gut, wegen der zunehmend abstrus werdenden Geschichte wird niemand in „Hardcore“ gehen. Trotzdem hätten die Macher sich eine stringentere und logischere Geschichte überlegen müssen. So ist es nur eine krude Anordnung von Actionstücken, die sogar einen Film aus der Luc-Besson-Fabrik wie ein Beispiel hochartifizieller Filmkunst erscheinen lassen. Interessant ist das nicht. Emotional involvierend auch nicht.
Die Action ist, zum Beispiel bei der Autoverfolgungsjagd (siehe Trailer), teilweise spektakulär in der Hinsicht, dass man sich fragt, wie sie genau inszeniert wurde und wie dabei die Sicherheit der Stuntmen garantiert wurde. Teils, wenn an Gebäuden herumgeklettert oder über Eisenträger gelaufen wird, solala, weil sie gefährlicher aussieht, als sie ist und man aufgrund der gewählten Ego-Shooter-Perspektive auch oft nicht genau weiß, wie gefährlich die Stunts waren. So kann der Eisenträger zehn Zentimeter oder drei Meter über dem Boden sein. Teils, wenn über Treppen und Straßen gelaufen wird, 08/15, aber sie gewinnt natürlich durch die Perspektive. Am Ende, wenn dann auf einem Hochhausdach der finale Kampf ist, kennen die Macher keine Grenzen mehr. So als wollten sie das Schlachtfest in der Kirche aus „Kingsman: The Secret Service“ überbieten. Es gelingt ihnen nicht. Allein schon aufgrund der schieren Menge an sterbenden Menschen langweilt die hemmungslos übertriebene Szene schnell.
Das größte Problem von „Hardcore“ ist allerdings die durchgängig gewählte Perspektive, die in einem Film nicht wirklich funktioniert. Wir sehen nur, was der Protagonist sieht. Wir erfahren allerdings nie, wie er darauf reagiert. Es ist, auch weil in „Hardcore“ der Protagonist stumm ist und es kein Voice-Over gibt, eine seltsam amputierte Perspektive, die dazu führt, dass man dem Protagonisten emotional nicht näher, sondern weiter weg ist.
So zeigt „Hardcore“, dass die Ego-Shooter-Perspektive im Film nicht funktioniert. Jedenfalls nicht über neunzig Minuten.
Hardcore (Hardcore Henry, Russland/USA 2016)
Regie: Ilya Naishuller
Drehbuch: Ilya Naishuller
mit Sharlo Copley, Haley Bennett, Daniela Kozlovsky, Tim Roth (eigentlich nur ein Cameo)
Ein fürsorglicher Sohn (USA/Deutschland 2009, Regie: Werner Herzog)
Drehbuch: Herbert Golder, Werner Herzog
Zwei Polizisten wollen einen Geiselnehmer zur Aufgabe bewegen. Er soll seine Mutter ermordet haben und er scheint ein Problem mit der Realität zu haben.
„Werner Herzog durchsetzt den Thriller mit sardonisch-absurden und philosophisch-surrealen Spitzen und löst die Handlung mittels Rückblenden in eine bezugsreiche Bricolage auf.“ (Lexikon des Internationalen Films)
Ein großer Spaß halt.
Avantgarde-Jazzer Ernst Reijseger schrieb die Musik.
Mit William Dafoe, Chloë Sevigny, Michael Shannon, Brad Dourif, Loretta Devine, Udo Kier, Michael Peña
auch bekannt als „My Son, My Son, What Have Ye Done?“ (Originaltitel und der deutsche DVD-Titel)
Longmire: Ehrlichkeit und Integrität/Emanzipierte Töchter (USA 2012, Regie: Christopher Chulack, Michael Uppendahl)
Drehbuch: Hunt Baldwin, John Coveny, Sarah Nicole Jones
Erfinder: Hunt Baldwin, John Coveny
LV: Charakter von Craig Johnson
Wyoming, wo sich seit den Tagen des Wilden Westens wenige änderte: Sheriff Walt Longmire sorgt für Recht und Ordnung – und wir können eine in den USA hochgelobte Krimiserie genießen.
RTL Nitro zeigtwieder die erste Staffel in Doppelfolgen.
In den USA ist bereits die fünfte Staffel bestellt.
Die Serie basiert auf Craig Johnsons Longmire-Romanen, die bislang nicht ins Deutsche übersetzt wurden.
Die Pilotfolge wurde für den Edgar-Allan-Poe-Preis nominiert.
Die Serienerfinder Hunt Baldwin und John Coveny waren vorher bei „The Closer“ beschäftigt.
mit Robert Taylor, Katee Sackhoff, Lou Diamond Phillips, Bailey Chase, Cassidy Freeman, Adam Bartley, Louanne Stephens
Insominia – Schlaflos (USA 2002, Regie: Christopher Nolan)
Drehbuch: Hillary Seitz (nach dem Drehbuch von Nikolaj Frobenius für Erik Skjoldbjaergs „Insomnia“)
L.-A.-Cop Will Dormer soll zusammen mit seinem Kollegen in Alaska einen Mordfall aufklären. Dabei kämpft er gegen eine interne Korruptionsermittlung und Fehler, die er während der Ermittlungen begeht – und die ihn erpressbar machen.
Gelungenes US-Remake des norwegischen Thrillers „Todesschlaf“, das zwar nicht den rauen Charme des Originals, aber mit Al Pacino und Robin Williams zwei tolle Gegenspieler hat. Und Alaska bietet auch etwas für das Auge.
„Das mag niemanden überzeugen, dem Kinothriller zu formelhaft sind – aber wer solche Genrespiele mag, bekommt hier ein intensives Beispiel geboten.“ (Thomas Klingenmaier, Stuttgarter Zeitung, 10. Oktober 2002)
Das Drehbuch war für den Edgar Allan Poe Award nominiert.
mit Al Pacino, Robin Williams, Hilary Swank, Maura Tierney, Martin Donovan
Wiederholung: Freitag, 15. April, 01.05 Uhr (Taggenau!)
Drehbuch: Garrett Fort, Francis Edward Faragoh, Robert Florey
LV: Mary W. Shelley: Frankenstein, 1818 (Frankenstein oder Der moderne Prometheus)
Frankenstein will aus toter Materie ein lebendes Wesen schaffen. Also begibt er sich mit Blitz und Donner in sein Labor und er erschafft ein Wesen, das nur „das Monster“ genannt wird.
„Whales Verfilmung ist die erste Tonfilm-Aufbereitung des Stoffes. Sie ist Ausgangspunkt, Höhepunkt und Vorbild des Filmmythos ‚Frankenstein‘.“ (Ronald M. Hahn/Volker Jansen: Lexikon des Science Fiction Films)
Horrorfilm-Klassiker
mit Colin Clive, Boris Karloff, Mae Clarke, John Boles
Fotograf Jeffries liegt mit einem gebrochenen Bein in seinem Hinterhofzimmer und beobachtet gelangweilt seine Nachbarn. Eines Tages glaubt er, Mr. Thorwald habe seine Frau umgebracht. Aber wie kann er es beweisen?
Ein Meisterwerk. Ein perfekter Film über Männer und Frauen, über alle Facetten des Zusammenlebens (eigentlich der Unmöglichkeit des Zusammenlebens zwischen Mann und Frau) und über Voyeure – gedreht in einem einzigen Studio (der gesamte Hinterhof wurde dort „funktionsfähig“ nachgebildet) aus einer einzigen Perspektive (wir sind mit James Stewart in seinem Zimmer gefangen).
Mit James Stewart, Grace Kelly, Thelma Ritter, Raymond Burr
Wiederholung: Montag, 11. April, 01.15 Uhr (Taggenau!)
Homo Faber (Deutschland/Frankreich/Griechenland 1991, Regie: Volker Schlöndorff)
Drehbuch: Volker Schlöndorff, Rudy Wurlitzer
LV: Max Frisch: Homo Faber, 1957
Der Ingenieur Faber, der nur an Zahlen und Statistiken, aber nicht an den Zufall glaubt, begegnet der zwanzigjährigen Sabeth und er verliebt sich in die junge Frau, die ihn an seine Ex Hanna erinnert.
„‘Homo Faber’ ist einer der leisesten und subtilsten Filme Volker Schlöndorffs. Ganz ohne Zweifel ist es sein persönlichster, womöglich gar der einzige, in dem er der Emotionalität des Personals und deren Geschichte kompromisslos nachgeht, ohne Wenn und Aber.“ (Thilo Wydra: Volker Schlöndorff und seine Filme, 1998)
In Deutschland sahen 1,5 Millionen Menschen den Film im Kino.
Eine echte Begeisterung für den kühlen Zahlenmenschen und seine Probleme kam bei mir damals im Kino nicht auf.
mit Sam Shepard, Julie Delpy, Barbara Sukowa, Dieter Kirchlechner, Tracy Lind, Deborah-Lee Furness, August Zirner, Thomas Heinze
In den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs befürchteten Adolf Hitler und die Oberste Heeresleitung, dass die Invasion der Alliierten über die dänische Westküste erfolgen würde. Deshalb ließen sie dort ungefähr 2,2 Millionen Landminen vergraben.
Nach dem Ende des Krieges mussten sie ausgegraben werden.
Die britischen Besatzungstruppen schlugen vor, sie von deutschen Kriegsgefangen ausgraben zu lassen. Die meisten deutschen Gefangenen gehörten zum „Volkssturm“, dem letzten Aufgebot der Nazis. Zu ihm gehörten auch Jugendliche, die keinerlei Kampfausbildung und -erfahrung hatten und jetzt die Minen entschärfen sollten. Denn, so ein dänischer Hauptmann in Martin Zandvliets „Unter dem Sand“: „Wer alt genug ist, in den Krieg zu ziehen, ist auch alt genug, danach aufzuräumen.“
Mit seinem Film rückt Zandvliet ein vergessenes Kapitel der dänischen Geschichte in den Mittelpunkt, das für uns zuerst etwas gewöhnungsbedürftig ist, weil die bekannte Konstellation von bösen Nazis und guten Einheimischen hier spiegelverkehrt ist. Die Jugendlichen, Deutsche zwar, aber zu jung, um im Nazi-Regime eine aktive Rolle gespielt zu haben, sind die fast unschuldigen Opfer. Kriegsgefangen eben, die letztendlich zu tödlichen Zwangsarbeiten verpflichtet werden. Die Dänen, die jahrelang unter der deutschen Besatzung litten, sind jetzt die Täter, die sich an den ehemaligen Unterdrückern rächen können.
Auch Unteroffizier Carl Rasmussen (Roland Møller) will das tun. Er befehligt eine Gruppe von zehn deutschen Jungs zwischen 15 und 19 Jahren, die innerhalb von drei Monaten einen abgelegenen Strandabschnitt von 45.000 Tretminen säubern sollen. Zuerst hält er das Selbstmordkommando für die gerechte Strafe. Aber dann sieht er, wie jung und unerfahren seine Schützlinge sind. Und er sieht, wie sie beim Entschärfen der Minen, wenn sie einen Fehler machen oder Unaufmerksam sind, sterben.
Aus dieser Situation zieht Zandvliet eine beträchtliche Spannung. Auf weitere Dramatisierungen, wie Gefangenenrevolten und Fluchtversuche, verzichtet er. Die Jugendlichen erfüllen, wie Schafe, ihren Auftrag, während sie hoffen, ihn zu Überleben und nach Deutschland zurückgeschickt zu werden. Deshalb funktioniert „Unter dem Sand“ vor allem als Beschreibung einer Situation und des Gesinnungswandels seines Protagonisten Carl Rasmussen.
Durch die Konzentration auf eine Minenräumgruppe wird auch das größere Bild ignoriert. Es geht nicht um die Vorgeschichte. Die wird als allgemein bekannt vorausgesetzt. Über die Charaktere erfahren wir nicht mehr, als unbedingt nötig ist. Was sie vor und während des Krieges taten, gehört nicht dazu. Die juristischen Implikationen werden ignoriert. Das wäre auch ein anderer Film. So ist „Unter dem Sand“ ein entsprechend düster geratenes, humanistisch geprägtes Drama das in Dänemark einen verdrängten Teil der eigenen Geschichte auf die Tagesordnung bringt und international als leidlich spannendes, emotional bedrückendes Drama funktioniert.
Zandvliet meint im Presseheft zu seinem Film: „Mir ist es wichtig zu sagen, dass dieser Film keine Verteidigung der Deutschen darstellen soll, überhaupt nicht. Es kann gut sein, dass diese Jungen schreckliche Dinge getan haben, bevor sie zum Minenräumen abkommandiert wurden. Und wir wissen natürlich, dass Deutschland Gräueltaten begangen hat, die nicht mit denen, die an der dänischen Nordsee passiert sind, verglichen werden können. Der springende Punkt ist, dass diese ‚Auge um Auge‘-Mentalität uns alle zu Verlierern macht.“
Zwischen dem 11. Mai 1945 und dem 4. Oktober 1945 entfernten die Räumkommandos 1.402.000 Minen. 2013 wurde Dänemark für minenfrei erklärt. Unmittelbar vor den Dreharbeiten fanden sie beim Errichten des Sets eine weitere Mine aus dem Zweiten Weltkrieg am Strand.
Unter dem Sand – Das Versprechen der Freiheit (Under sandet, Deutschland/Dänemark 2015)
Regie: Martin Zandvliet
Drehbuch: Martin Zandvliet
mit Roland Møller, Mikkel Boe Følsgaard, Laura Bro, Louis Hofmann, Joel Basman, Oskar Bökelmann, Emil Belton, Oskar Belton, Leon Seidel, Karl Alexander Seidel, Maximilian Beck
Wir sind jung. Wir sind stark. (Deutschland 2014, Regie: Burhan Qurbani)
Drehbuch: Martin Behnke, Burhan Qurbani
Ostdeutsche Willkommenskultur. In seinem in jedem Fall sehenswertem und zu Diskussionen anregendem Spielfilm rekonstruiert Burhan Quarbani die fremdenfeindlichen Übergriffe in Rostock-Lichtenhagen im Sommer 1992, die Deutschland schockierten.
Mit Jonas Nay, Joel Basman, Saskia Rosendahl, David Schütter, Trang Le Hong, Devid Striesow
Die Frau erhält die Pension ihres verstorbenen Mannes. Das ist ein ganz einfaches, uns wohlvertrautes Prinzip. Manchmal gibt es Probleme. Wenn, zum Beispiel, sie ihn erkennbar nur wegen Pension heiratete.
Manchmal gibt es auch andere Probleme und von einem erzählt Peter Sollett in seinem auf einem wahren Fall basierendem Spielfilm. In „Freeheld“ geht es um eine Polizistin, die dafür kämpft, dass ihre Pension nach ihrem Tod an ihren Partner ausgezahlt wird. Es gibt nur ein kleines Problem: ihr Partner ist eine Frau – und die fünf gewählten, republikanischen Ocean-County-Bezirksvertreter (die sich Freeholders nennen) meinen, dass eine Pension nur an einen andersgeschlechtlichen Partner ausgezahlt werden könne. Schließlich gelte es die Familie zu schützen und eine Familie bestehe nun einmal aus Mann und Frau, die dann auch Kinder bekommen.
An Kinder hat Detective Laurel Hester (Julianne Moore) nie gedacht. Als der Film 2002 beginnt, hat sie seit zwanzig Jahren als unerschrockene und gute Polizistin gearbeitet. Sie ist respektiert und aufgrund ihrer Arbeit und ihres Charakters auch ein Vorbild für ihre Kollegen in Ocean County, New Jersey. Als sie bei einem Volleyballspiel die neunzehn Jahre jüngere Automechanikerin Stacie Andree (Ellen Page) kennen lernt, ist es Liebe auf den ersten Blick. Trotzdem zögert Hester. Sie will Privatleben und Beruf strikt trennen, was aufgrund der unter Polizisten verbreiteten Homophobie vernünftig ist. Aber Andree möchte mit ihrer großen Liebe zusammen sein. Auch in der Öffentlichkeit.
Sie ziehen in ein typisches Vorstadthaus, renovieren es und könnten glücklich sein, wenn nicht 2005 bei Hester nach 23 Dienstjahren Lungenkrebs im Endstadium diagnostiziert würde. Hesters einziger und letzter Wunsch ist, dass ihre Pensionsansprüche auf ihre Lebenspartnerin übertragen werden, damit sie weiterhin im gemeinsamen Haus leben kann. Als die Bezirksvertreter ihr diesen Wunsch verweigern, den sie jedem anderen Staatsdiener, der eine andersgeschlechtliche Person heiratet, problemlos erfüllen (auch wenn die Ehe nur wenige Tage dauerte), beginnt Hester für ihr Recht auf gleiche Behandlung zu kämpfen. Denn Partnerschaft ist Partnerschaft. Unterstützt wird sie dabei von dem großspurig und theatralisch auftretendem Bürgerrechtsaktivisten Steve Goldstein (Steve Carell), der aus den Anhörungen vor den Freeholders ein großes, öffentlichkeitswirksames Theater macht.
Dieses Theater steht natürlich in der Tradition der großen Gerichtsfilme, in denen dann auch die Werte der amerikanischen Gesellschaft und auch die Werte liberaldemokratischer Gesellschaften verhandelt werden. Aber „Freeheld“ ist kein Gerichtsfilm, sondern ein konventionell erzähltes, durchaus auf die Tränendrüse drückendes Liebesdrama, das eben deshalb sehenswert ist. Schließlich richtet Peter Solletts Film, nach einem Drehbuch von „Philadelphia“-Autor Ron Nyswaner, sich nicht an die ohnehin überzeugte LGBT-Gemeinschaft sondern an das Mainstream-Publikum. Diese Zuschauer müssen von dem Anliegen überzeugt werden. Emotional und rational. Für die emotionale Seite sind dann Julianne Moore und Ellen Page zuständig. Steve Carell für die rationale. Und Michael Shannon, der Hesters Kollegen Dane Wells spielt, zeigt die Wandlung eines konservativen Mannes, der sich niemals für die Rechte von Homosexuellen interessierte und der jetzt für die Rechte seiner Arbeitspartnerin kämpft.
Der wahre Fall, der auch in der Oscar-gekrönten Dokumentation „Freeheld“ von Cynthia Wade, die die Inspiration für den Spielfilm war, geschildert wird, und die mit ihm verbundene Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit war in den USA einer der Marksteine auf dem Weg zur Entscheidung des United States Supreme Court vom 26. Juni 2015, die allen Amerikanern, auch gleichgeschlechtlichen, die Heirat erlaubt. In Deutschland ist das immer noch nicht möglich.
Freeheld – Jede Liebe ist gleich (Freeheld, USA 2015)
Regie: Peter Sollett
Drehbuch: Ron Nyswaner (basierend auf dem Dokumentarfilm „Freeheld“ von Cynthia Wade)
mit Julianne Moore, Ellen Page, Steve Carell, Michael Shannon, Luke Grimes, Gabriel Luna, Skip Sudduth, William Sadler
Am Ende der neuesten Schneewittchen-Verfilmung „Snow White and the Huntsman“ war die böse Königin vernichtet und alle lebten glücklich bis an ihr Lebensende. Aber der Film war an der Kinokasse so erfolgreich, dass Hollywood über ein weiteres Abenteuer, das in dieser Welt spielt, nachdachte. Immerhin war da noch der Huntsman. Eigentlich eine Nebenfigur, aber von Chris Hemsworth sympathisch zupackend gespielt als unerschrockener Abenteurer, Fährtensucher und Jäger, der immer noch seiner großen Liebe hinterhertrauert. So eine Art Indiana Jones aus der Märchenwelt. Also wurde eine Geschichte um ihn herum geschrieben. Charlize Theron, die die böse Königin Ravenna spielte, ist auch wieder dabei und deshalb spielt „The Huntsman & The Ice Queen“ (der Originaltitel ist „The Huntsman: Winter’s War“) bournesk vor und auch nach „Snow White and the Huntsman“.
Es beginnt mit den Schwestern Ravenna (Charlize Theron) und Freya (Emily Blunt). Freya verliebt sich. Ravenna duldet das nicht und zerstört diese Beziehung. Freya zieht sich hasserfüllt in den Norden zurück und wird zur titelgebenden Eiskönigin (Ice Queen). Sie errichtet ein Schreckensregime, in dem sie Kinder zu unerschrockenen Soldaten, oder im Filmduktus Huntsmen, ausbildet. Liebe ist in ihrem Reich verboten. Denn warum sollen ihre Untertanen etwas haben, was sie nicht hat? Trotzdem verlieben sich Eric (Chris Hemsworth) und Sara (Jessica Chastain), ihre beiden besten Huntsmen, ineinander.
Freya trennt das Liebespaar. Zuerst durch eine Eiswand, durch die Eric sehen muss, wie Sara getötet wird. Er selbst wird zum Sterben in einen reißenden Fluss geworfen.
Eric überlebt das kalte Gewässer und schlägt sich fortan in wärmeren Gefilden, trauernd um den Verlust seiner großen Liebe, als Trunkenbold durch.
Einige Jahre später und nach den Ereignissen von „Snow White and the Huntsman“ lebt Eric friedlich in einer Hütte am See.
Als Snow White (nur Off Screen) den gefährlichen Zauberspiegel an einen sicheren Ort bringen will, verschwindet dieser. Eric soll ihn finden. Bei seiner Suche trifft er seine totgeglaubte große Liebe Sara wieder (Ihr habt doch nicht ernsthaft geglaubt, dass sich Jessica Chastain nach zehn Minuten aus dem Film verabschiedet?) und beide müssen erkennen, dass Freya sie durch die Eiswand eine Lüge sehen ließ. Während sie versuchen, sich über ihre Gefühle klar zu werden, suchen sie gemeinsam mit einigen kleinwüchsigen Gefährten, die auf der Reise zu ihnen stoßen, den Spiegel, der eine Spur der Verwüstung nach sich zieht.
Zur gleichen Zeit fällt Freya mit ihren Soldaten auf ihrem Eroberungsfeldzug in das Land ein.
Während „Snow White and the Huntsman“ eine durchaus unterhaltsame, aber auch etwas lang geratene Neuinterpretation des bekannten Märchens war, erzählt „The Huntsman & The Ice Queen“ eine vollkommen neue Geschichte, die in der bekannten Fantasy-Welt spielt. Mit etlichen bekannten Charakteren. Trotzdem ist Cedric Nicolas-Troyans Regiedebüt (er war für die visuellen Effekte bei „Snow White and the Huntsman“ verantwortlich) immer dann am gelungensten, wenn er sich nicht auf die Geschichte des Vorgängers und die ebenso verworrenen wie nebensächlichen Palastintrigen (die uns auch in anderen Fantasy- und Ritterfilmen langweilen), sondern auf die Abenteuergeschichte konzentriert. Also die gefährliche Suche nach dem Spiegel, die turbulente Beziehung zwischen Eric und Sara und den Zwergen, die für den nötigen Humor sorgen. Das Ganze spielt, wie schon der Vorgänger, in einer märchenhaft Welt, die zu großen Teilen, durchaus beeindruckend, von Mister PC erschaffen wurde.
The Huntsman & The Ice Queen (The Huntsman: Winter’s War, USA 2016)
Regie: Cedric Nicolas-Troyan
Drehbuch: Evan Spiliotopoulos, Craig Mazin (nach Figuren von Evan Daugherty)
mit Chris Hemsworth, Charlize Theron, Emily Blunt, Jessica Chastain, Nick Frost, Sam Claflin, Rob Brydon, Sheridan Smith, Alexandra Roach
Berlin: Auf einer Vortragsreise hat der US-Wissenschaftler Martin Harris einen Autounfall. Als er danach mit seiner Frau reden will, behauptet sie, dass sie ihn nicht kennt und irgendwelche Dunkelmänner wollen ihn umbringen. Harris will die Wahrheit herausfinden.
Für die Verfilmung wurde die Handlung von Didier van Cauwelaerts spannendem Pulp-Thriller, dank der hiesigen Filmförderung, von Paris nach Berlin verlegt; die Prämisse, einige Charaktere und die Erklärung für Martin Harris’ Amnesie wurden übernommen. Allerdings ist das Ende im Film wesentlich explosiver und der gesamte Film mit zahlreichen Morden, Schlägereien und Verfolgungsjagden zu Fuß und im Auto viel actionlastiger. Das ist zwar nicht besonders logisch und glaubwürdig (eigentlich sogar noch unglaubwürdiger als der Roman), aber ziemlich unterhaltsam. Und die Berlin-Bilder, inclusive einem Zusammenstoß mit einer Tram und einer Explosion im Hotel Adlon, erfreuen natürlich das lokalpatriotische Herz.
mit Liam Neeson, Diane Kruger, January Jones, Aidan Quinn, Bruno Ganz, Sebastian Koch, Frank Langella, Stipe Erceg
Wiederholung: Freitag, 8. April, 00.55 Uhr (Taggenau!)
HR, 23.15 5 Jahre Leben (Deutschland 2013, Regie: Stefan Schaller)
Drehbuch: Stefan Schaller, David Finck
Es trifft ja nur Terroristen. Zum Beispiel diesen Deutschtürken Murat Kurnaz, der kurz nach 9/11 als „feindlicher Kämpfer“ nach Guantánamo gebracht wurde. Nach fünf Jahren – auch weil die Bundesregierung absolut keine Eile hatte, den unschuldig Inhaftierten Kurnaz wieder in Deutschland einreisen zu lassen – kehrte er 2006 nach Bremen zurück.
Stefan Schallers beeindruckener Spielfilm konzentriert sich auf die Verhöre durch Gail Holford und Kurnaz’ Kampf um seine Würde. Gerade dank dieser Beschränkung gewinnt er an erzählerischer Kraft. Mehr in meiner ausführlichen Besprechung des Films.
mit Sascha Alexander Gersak, Ben Miles, Trystan Pütter, John Keogh, Timur Isik, Kerem Can, Siir Eloglu, Tayfun Bademsoy Hinweise