Faszinierendes Porträt des tschechischen Heilers Jan Mikolášek (1889 – 1973), der auch prominente Nazis und Kommunisten mit seinen Tinkturen versorgte.
Letztes Jahr gewann der Dokumentarfilm „Auf der Adamant“ (Sur l’Adamant, Frankreich/Japan 2022) den Goldenen Bären, den Hauptpreis der Berlinale. Dieses Jahr gewann wieder ein Dokumentarfilm den Goldenen Bären. Und wieder fragte ich mich, vor und nach dem Ansehen des Gewinners, ob es wirklich keinen preiswürdigen Spielfilm im Wettbewerb gab.
Wie „Auf der Adamant“ behandelt auch „Dahomey“ ein wichtiges Thema. Nämlich den Umgang mit während der Kolonialzeit geraubten Kunstwerken und ihrer Rückgabe. Konkret geht es um die Rückgabe von 26 Kunstwerken aus dem Königreich Dahomey im November 2021 nach Benim. Im Gegensatz zu Nicolas Philiberts ausschließlich beobachtendem Dokumentarfilm gibt es in Mati Diops „Dahomey“ weitgehend beobachtendem Dokumentarfilm auch inszenierte Teile. Das ist offensichtlich, wenn eines der Kunstwerke über seine Gefühle redet. Bei der die zweite Hälfte des Films dominierenden Diskussion ist das nicht offensichtlich. In ihr sprechen junge Menschen verschiedene Aspekte des Themas an. Sie wurden für die Diskussion so gecastet, dass alle Aspekte des Themas angesprochen werden. Den Rest besorgt der Schnitt.
Dieses nicht im Film offen gelegte Vorgehen verstärkt die Probleme beobachtender Dokumentarfilme. Diese Spielart des Dokumentarfilms ist darauf angewiesen, dass irgendwann in einem Gespräch die zum Verständnis wichtigen Punkte angesprochen werden. Sonst bleiben, wie in „Dahomey“, nur Männer übrig, die sehr sorgfältig Gegenstände verpacken, die uns nichts sagen und über die wir im Film auch nichts substantielles erfahren. Dieses Einpacken zieht sich für den Zuschauer gefühlt endlos und ohne irgendeinen Informationsgewinn hin.
Bei der Diskussion wird dann vieles angesprochen, aber es ist während des Films vollkommen unklar, in welchem Rahmen sie stattfand. Also: war sie eine x-beliebige Diskussion unter zufällig anwesenden Studierenden, die sich für das Thema interessieren, oder handelte es sich um eine Art Bürgerrat, in dem die Anwesenden zu einer Entscheidung über den Umgang mit den zurückgegebenen Raubgütern kommen sollen? Es ist auch unklar, wie sehr ihre Diskussion Diskussionen innerhalb des Landes wiedergibt. Und ob bestimmte Behauptungen stimmen. Beispielsweise dass Frankreich nur 26 von 7000 aus Dahomey geklauten Kunstgegenständen zurückgegeben hat. Das hat die Qualität eines Elternabends, bei dem zufällig anwesend ist, keine der Eltern und keines der Kinder kennt und der ganzen Diskussion mäßig interessiert folgt. Es fehlt einfach jeder Rahmen, in dem man die einzelnen Beiträge bewerten kann.
Das gleiche gilt für eine im Film vor der Diskussion gezeigte wichtig aussehende Veranstaltung, zu der viele Menschen in bunten Kleidern kommen. Anscheinend handelt es sich um Feierlichkeiten zur Rückgabe der Schätze. Im Film es nicht gesagt und dahr könnte es genausogut irgendeine andere Feier oder ein normaler Sonntag in Benim sein.
Die Monologe von Figur 26 klingen wie der gefühlige, zunehmend prätentiöse Monolog eines Rückkehrers in seine alte Heimat, der darüber sinniert, was ihn dort erwartet. Zur Frage der Restitution afrikanischer Kulturgüter hat sie nichts zu sagen.
So zieht sich „Dahomey“ trotz seiner extrem kurzen Laufzeit von 71 Minuten gefühlt ewig und ohne großen Erkenntnisgewinn hin.
Das wichtige Thema der Restitution während der Kolonialzeit gestohlener Kulturgüter und iihrer Rückgabe hätte einen deutlich besseren Film verdient. Ich meine damit einen Film, bei dem man nach den Ansehen des Films schlauer als vor dem Ansehen des Films ist. „Dahomey“ fühlt sich dagegen wie ein Heft voller selbstgestellter Aufgaben und Fragen an. Teilweise sind es grundlegende Fragen, wie „Was wurde damals mitgenommen?“ und „Wie verlief die bisherige Diskussion?“, teilweise philosophischere Fragen, wie „Sollen die Gegenstände zurückgegeben werden?“, und teilweise ganz praktische Fragen, wie „An wen sollen sie zurückgegeben werden?“. Die Nachkommen der damaligen Besitzer oder die Rechtsnachfolger oder jemand anderes? Und dann stellt sich die Frage, was in den Ländern mit ihnen geschehen soll.
Im Gegensatz zu „Auf der Adamant“, wo ich in meiner Besprechung des Films auch über die Hintergründe des porträtierten Projekts schrieb und so Informationen zum Verständnis des Gezeigten lieferte, die der Film nicht liefert, habe ich jetzt nicht die Lust und das Wissen zu einem vertieften Essay über den Kolonialismus, das damalige Königreich Dahomey (in dem auch der Historienspielfilm „The Woman King“ spielt), das heutige Benin, die Diskussion über die Rückgabe von Raubkunst in Benim und Frankreich und wie sich die französische Diskussion von der deutschen Diskussion unterscheidet.
Beginnen wir mit einer der wichtigsten Informationen für das Superheldenfilmfanpublikum: es gibt im und nach dem Abspann jeweils eine kurze Szene. Die eine kann als Vorausschau auf kommende Filme im Sony’s Spider-Man Universe (SSU) verstanden werden. Die andere ist eher ein Gag. Hoffentlich. Und der Abspann ist sehr lang. Ohne den Abspann könnte „Venom: The Last Dance“ sogar unter hundert Minuten sein. Damit ist er, wie die vorherigen beiden „Venom“-Filme, für einen Superheldenfilm erfreulich kurz. Und er ist wieder ‚frei ab 12 Jahre‘. Angesichts der gezeigten Gewalt ist das eine nachvollziehbare Entscheidung.
Venom ist ein außerirdischer Symbiont, der echte und vermeintliche Gegner gerne tötet.
Sein aktueller Wirt ist der Journalist Eddie Brock, der sich langsam an den in ihm lebenden Venom gewöhnt hat. Trotzdem zanken sie ständig wie ein altes Ehepaar. Vor allem weil Eddie nicht töten will. Er wird wunderschön zerknautscht-genervt von Tom Hardy gespielt, der wie der Quartalssäufer aus der Kneipe wirkt, der schon zwei Drinks über seinen Durst getrunken hat und sich mit der Stimme in seinem Kopf streitet.
Betrunken treffen wir ihn am Anfang von „Venom: The Last Dance“ in einer Strandbar in Mexico. Dort erfährt er, dass er in den USA als Mörder gesucht wird und dass der in einer anderen Welt lebende Superbösewicht Knull seine, uh, Jäger zur Erde geschickt hat, um Venom zu jagen. Um seine Unschuld zu beweisen und um das andere Problem zu lösen, macht er sich auf den Weg nach New York. Mit einem Abstecher nach Las Vegas und zur nahe gelegenen Area 51. Das für seine vermeintlichen Forschungen an Außerirdischen unter Verschwörungstheoretikern und Alien-Fans bekannte Militärgelände soll in wenigen Tagen stillgelegt werden. Jetzt wird, einige Meter unter der Erde, allerdings noch emsig an Symbionten geforscht. Venom wäre, aus Sicht der Forscher und des Militärs, eine grandiose Ergänzung ihrer Forschungsobjekte.
In einer Nebengeschichte ist eine vierköpfige Hippie-Familie auf dem Weg zur Area 51. Denn das Familienoberhaupt glaubt an Außerirdische.
Mit „Venom: The Last Dance“ hat Tom Hardy jetzt seinen Vertrag erfüllt und weil es ein Vertrag über drei Filme war, wird der dritte und bislang letzte „Venom“-Film mit ihm als „das epische Finale“ und Abschluss einer Trilogie beworben. Kann man machen und wird heute einfach immer so gemacht. Weil meistens voneinander unabhängige Werke, die in sich abgeschlossenne Geschichten erzählen, als Trilogie gelabelt werden, ergibt das fast immer wenig bis keinen Sinn. Auch der dritte „Venom“-Film erzählt eine vollkommen eigenständige Geschichte mit neuen Gegnern und Konflikten, die innerhalb des Films gelöst werden. Nur Eddie Brock, Venom und zwei aus den vorherigen Filmen bekannte Figuren sind, in kleineren und für die Filmgeschichte unwichtigen Rollen, wieder dabei.
Der Film selbst ist der beste „Venom“-Film. Kelly Marcel, die Autoren der ersten beiden „Venom“-Film, erzählt in ihrem Regiedebüt eine einfache Fluchtgeschichte. Letztendlich geht es nur um die Frage, wie der Held von A nach B kommt und ob er seinen Verfolgern entkommen kann. Die Hippie-Familie ist eine nette Nebengeschichte, die man auch aus dem Film hätte herausschneiden können. Es gibt eine ordentliche Portion Humor, die sich auch daraus ergibt, dass Venom und Eddie ein seltsames Paar mit verschiedenen Moralvorstellungen sind.
Kelly Marcels Inszenierung ist dabei zweckdienlich unauffällig. Der Film selbst, auch wenn es der beste „Venom“-Spielfilm ist, ist ein wenig bemerkenswerter Superheldenfilm, der einfach nur bekannte Plot-Points, Action und einige bestenfalls durchwachsene Witze aneinanderreiht. Das gelingt ihm, wie gesagt, besser als in den Vorläuferfilmen „Venom“ und „Venom: Let there be Carnage“. Gut ist es immer noch nicht.
„Venom: The Last Dance“ ist das vorläufige Ende einer nie wirklich überzeugenden Superheldenfilmserie, die an der Kinokasse überraschend erfolgreich war.
Die Zukunft dieser Marvel-Figur ist noch unklar. Also ob das Finale wirklich ein Finale ist. Hauptdarsteller Tom Hardy schließt nichts aus. Venom kann sich jederzeit einen neuen Wirt suchen. Und mit diesem Film hat, so Marcel, die Geschichte von Knull begonnen, der in künftigen SSU-Filmen eine größere Rolle spielen soll.
Schauen wir mal.
Venom: The Last Dance(Venom: The Last Dance, USA 2024)
Regie: Kelly Marcel
Drehbuch: Kelly Marcel (nach einer Geschichte von Kelly Marcel und Tom Hardy) (basierend auf der von Todd McFarlane und David Michelinie erfundenen Marvel-Figur Venom)
mit Tom Hardy, Chiwetel Ejiofor, Juno Temple, Stephen Graham, Peggy Lu, Rhys Ifans, Alanna Ubach, Clark Backo, Andy Serkis
Carag Goldeneye (Emile Chérif) ist ein Gestaltwandler, der als Berglöwe auf die Welt kam und zum Menschenjungen wurde. Das sorgt im Alltag mit seiner ihn liebenden Adoptivfamilie und in der Schule immer wieder für Probleme. Das mitten in den malerischen Bergen in Wyoming liegende Internat Clearwater High könnte ihm helfen, mit seinen Fähigkeiten besser zurecht zu kommen. Denn die Schule ist eine von Andrew Milling (Oliver Masucci) gegründete Schule für außergewöhnlich Kinder.
Diese von Katja Brandis für ihre enorm erfolgreichen „Woodwalkers“-Romane erfundene Schule für Gestaltwandler erinnert natürlich an die aus den „X-Men“-Comics und Filmen bekannte, von Professor X gegründete noble Privatschule für Mutanten, also Menschen mit besonderen Fähigkeiten. Nur dass in „Woodwalkers“ alles sehr kindgerecht ist. Die Bücher sind Tierfantasy-Romane für Kinder ab 10 Jahre. Der Film richtet sich ebenfalls an ungefähr zehnjährige Kinder.
Entsprechend einfach sind die Konflikte, die in dem Film behandelt werden. Es geht, selbstverständlich um das Erlernen der eigenen Fähigkeiten und wie man seine Gestalt wandelt, um das Einfinden in die neue Klasse und seine Beziehung zu Milling. Er ist, wie Carag, ein Puma-Gestaltwandler, und er erblickt in Carag einen besonderen Gestaltwandler, den er besonders fördern möchte. Es gibt Konflikte mit den in der Nähe lebenden Menschen, die immer wieder von Tieren angegriffen werden. Sie sind auch gerade damit beschäftigt, den Wald abzuholzen.
Damian John Harper übernahm die Regie. Bekannt wurde er als Regisseur sperriger, sozialkritischer Arthaus-Dramen. „Los Ángeles“ und „In the Middle of the River“ gehen auf das Konto des seit fast zwanzig Jahren in Deutschland lebenden US-Amerikaners. Jetzt drehte er einen Film, der seinem Sohn gefallen könnte. Denn dieser gehört zur Zielgruppe der Bücher und des Films.
In „Woodwalkers“ ist nichts mehr von dem Arthaus-Stil seiner vorherigen Filme zu spüren. „Woodwalkers“ ist ein ordentlich budgetierter Film, der ein großes Publikum ansprechen soll und gezielt für Kinder inszeniert wurde, die sich diesen Fantasy-Abenteuerfilm ohne ihre Eltern ansehen können, wollen und sollten. Also ohne die Eltern. Ob sie sich wirklich diesen Film ansehen sollen, ist eine andere Frage.
Für mich war alles zu einfach, zu vorhersehbar, zu gewollt (das gilt vor allem für das Finale), zu harmlos, zu unlogisch und ohne eine zweite oder dritte Ebene, die man, wie bei einem Pixar-Film, als Kind sehr wahrscheinlich nicht mitbekommt, aber die Erwachsenen erfreut.
Für die Fans von Harpers vorherigen Filmen ist „Woodwalkers“ deshalb ein vollkommen uninteressantester Film, bei dem höchsten bemerkenswert ist, wie brav und ohne erkennbare Ambitionen er die Fantasy-Konventionen ausfüllt.
Das gesagt, könnte „Woodwalkers“, die Verfilmung der ersten beiden „Woodwalkers“-Bestseller von Katja Brandis, sein erfolgreichster Film werden.
Für die Produzenten ist „Woodwalkers“ der Auftakt einer Trilogie und einer möglichen späteren TV-Serie. Die drei Kinofilme basieren, so der Plan, auf den ersten sechs Romanen.
Der zweite Film soll in einem Jahr, der dritte Film übernächstes Jahr in die Kinos kommen. David Sandreuter schrieb für die Fortsetzung wieder das Drehbuch. Sven Unterwaldt übernahm die Regie. Er inszenierte die beiden „7 Zwerge“-Filme (mit Otto), „Catweazle“ (wieder mit Otto) und den zweiten und dritten „Die Schule der magischen Tiere“-Film.
mit Emile Chérif, Oliver Masucci, Martina Gedeck, Hannah Herzsprung, Lucas Gregorowicz, Lilli Falk, Johan von Ehrlich, Sophie Lelenta, Olivia Sinclair, Emil Bloch
Der talentierte Mr. Ripley (The talented Mr. Ripley, USA 1999)
Regie: Anthony Minghella
Drehbuch: Anthony Minghella
LV: Patricia Highsmith: The talented Mr. Ripley, 1955 (Nur die Sonne war Zeuge, Der talentierte Mr. Ripley)
Eigentlich sollte der mittellose Tom Ripley den reichen Reedersohn Dickie Greenleaf nur aufspüren und wieder nach Hause bringen. Aber sie sehen sich so verdammt ähnlich und Ripley gefällt das Leben als reicher Müßiggänger.
Zweite Verfilmung des ersten Tom Ripley-Romanes (hier: Matt Damon, 1960 in der legendären Erstverfilmung „Nur die Sonne war Zeuge“ von René Clement war es Alain Delon) – dieses Mal als klassisches Hollywood-Kino, welches die Atmosphäre der 50er perfekt rekonstruiert. „Der talentierte Mr. Ripley“ ist im Wesentlichen nettes, etwas langatmiges, nicht sonderlich fesselndes Ausstattungskino.
Der Film war unter anderem für den Edgar Alan Poe Award nominiert.
Mit Matt Damon, Gwyneth Paltrow, Jude Law, Cate Blanchett, Philip Seymour Hoffman, Jack Davenport, James Rebhorn, Philip Baker Hall, Lisa Eichhorn
Das Schweigen der Lämmer (The Silence of the Lambs, USA 1991)
Regie: Jonathan Demme
Drehbuch: Ted Tally
LV: Thomas Harris: The Silence of the Lambs, 1988 (Das Schweigen der Lämmer)
Jung-FBI-Agentin Clarice Starling verfolgt einen Serienkiller und verliebt sich in den inhaftierten Hannibal Lecter. Der hochintelligente Psychiater, Serienkiller und Kannibale sitzt seit Jahren in einer Hochsicherheitszelle.
Inzwischen ein Klassiker, der – zu Recht – etliche Oscars erhielt (Bester Film, Regie, Drehbuch, Hauptrolle). Beim wiederholten Sehen fällt auf, wie wenig von den schockierenden Ereignissen wirklich zu sehen ist – und wie konservativ die Kameraführung ist. Achten sie auf die erste Begegnung von Jodie Foster und Anthony Hopkins. Da ist keine Bewegung überflüssig, kein Schnitt zu viel und es wird sich in jeder Sekunde auf das Drehbuch und die Schauspieler verlassen.
Hitchcock hätte der Film gefallen.
Der Roman ist ebenfalls sehr gelungen.
Mit Jodie Foster, Anthony Hopkins, Scott Glenn, Ted Levine
Mr. Brooks – Der Mörder in dir (Mr. Brooks, USA 2007)
Regie: Bruce A. Evans
Drehbuch: Bruce A. Evans, Raynold Gideon
Mr. Brooks ist ein geachteter Unternehmer mit einem dunklen Geheimnis: er ist auch ein Serienkiller. Als er bei seiner letzten Tat von Mr. Smith beobachtet wird, erpresst dieser ihn. Er wird schweigen, wenn Mr. Brooks ihn in die Kunst des perfekten Mords einweiht. Und dann ist da noch eine hartnäckige Polizistin.
Köstlich-schwarzhumoriger Krimi, der etwas unter seinen vielen Subplots leidet, aber das Zusammenspiel von Kevin Costner (als Mr. Brooks) und William Hurt (als sein mordgieriges Alter Ego) macht das mehr als wett.
„Raffiniert konstruierter Neo-Noir-Thriller“ (Lexikon des internationalen Films)
mit Kevin Costner, Demi Moore, Dane Cook, William Hurt, Marg Helgenberger, Danielle Panabaker, Ruben Santiago-Hudson, Lindsay Crouse, Reiko Aylesworth
Drehbuch: François Truffaut, Claude de Givray, Bernard Revon
Nachdem Antoine Doinel unehrenhaft aus der Armee entlassen wurde, umwirbt er seine Freundin Christine und versucht sich in verschiedenen Berufen. Er ist Portier, Detektiv, Schuhverkäufer und immer ein Träumer und Frauenliebhaber.
In seinem Debütfilm „Sie küssten und sie schlugen ihn“ erzählte Truffaut von den Jugendjahren Antoine Doinels. In „Antoine und Colette“ von seiner ersten Liebe. In „Geraubte Küsse“ von der Suche nach seiner ersten Frau. In „Tisch und Bett“ von seinen ersten Ehejahren. Und in „Liebe auf der Flucht“ von seiner Scheidung.
Alle Doinel-Filme leben von Jean-Pierre Léauds Darstellung, den wiederkehrenden Gaststars, die so die über zwei Jahrzehnte erzählte fiktiven Biographie glaubwürdig machten.
Wundervolles Kino
mit Jean-Pierre Léaud, Claude Jade, Michel Lonsdale, Delphine Seyring, Daniel Ceccaldi, Claire Duhamel, Serge Rousseau
Toller quasi-dokumentarischer Thriller über eine weltweite Pandemie. Ein Ensemblestück, bei dem auch Starpower nicht vor einem vorzeitigen Ableben schützt.
mit Marion Cotillard, Matt Damon, Laurence Fishburne, Jude Law, Gwyneth Paltrow, Kate Winslet, Bryan Cranston, Jennifer Ehle, Sanaa Lathan, John Hawkes, Armin Rohde, Elliott Gould, Enrico Colantoni, Chin Han
Beginnen wir gleich, um die Größe des Scheiterns zu Illustrieren, mit dem größten Problem des Films: es wird keine einzige Jahreszahl eingeblendet. Auch andere Orientierungsmarken für eine schnelle zeitliche Einordnung sind bestenfalls rudimentär vorhanden. Wer mit dem Namen Coppi nichts verbindet, könnte problemlos vermuten, dass der Film in der DDR oder irgendeiner anderen wahren oder erfundenen Diktatur spielt.
Das tut er nicht. Er spielt während der Nazi-Diktatur. Und die Hauptpersonen in Andreas Dresens neuem Film, wieder nach einem Drehbuch von Laila Stieler, gehören zur „Roten Kapelle“.
Die „Rote Kapelle“ war die größte und ist immer noch die unbekannteste Widerstandsgruppe gegen die Nazi-Diktatur. Sie war nämlich als loses Netzwerk organisiert und existierte, weil die Nazis einfach Ereignisse und Menschen zu dieser Gruppe zusammenfassten. Heute sind ungefähr vierhundert Mitglieder der Gruppe namentlich bekannt. Die meisten Mitglieder lebten in Berlin. Der gemeinsame Nenner war, wie der Name nahelegt, dass die Mitglieder irgendwie kommunistisch waren und sie während des Zweiten Weltkriegs Spionage für die Sowjetunion betrieben.
Sie verteilten Flugblätter, halfen Juden und Oppositionellen, dokumentierten Verbrechen der Nazis, schrieben aufklärerische Briefe an Soldaten, die an der Ostfront kämpften, und sie versuchten, zur Übermittlung strategisch wichtiger Nachrichten, ein stabil funktionierendes Funknetz in die Sowjetunion aufzubauen.
Im Gegensatz zu anderen Widerstandskämpfern, wie die Gruppe um Graf von Stauffenberg, die Geschwister Scholl oder der Einzeltäter Georg Elser, die heute allgemein bekannt sind, arbeiteten die Mitglieder der „Roten Kapelle“ im Verborgenen.
Nach dem Krieg wurde die „Rote Kapelle“ in der Bundesrepublik und der DDR unterschiedlich beurteilt. In der DDR wurden sie als Helden verehrt. Im Westen ignoriert. Erst in den letzten Jahren zeichnete sich eine Veränderung der Wahrnahme ab.
Dresens „In Liebe, eure Hilde“ kann dazu sicher weiter beitragen.
Er erzählt nicht historisierend, sondern gegenwärtig und den Freiheitsdrang der jungen Protagonisten ernst nehmend und zeigend.
Allerdings sind sie, wobei der Film sich auf Hilde Coppi konzentriert, die meiste Zeit im Gefängnis. Abgesehen von einigen Rückblenden erzählt Dresen nur von Hilde Coppis Zeit im Gefängnis zwischen ihrer Verhaftung am 12. September 1942 und ihrem Tod am 5. August 1943. Am 27. November 1942 kam im Frauengefängnis Barnimstraße Berlin ihr Sohn Hans Coppi junior zur Welt.
Dresen schildert, wie sie im Gefängnis lebt und überlebt, ohne ihre Freunde zu verraten. Denn zusammen mit ihrem Mann Hans und ihren Freunden kämpfen sie gegen die Regierung. Über den Sinn und Unsinn ihrer Aktionen diskutieren sie im Film nicht. Diese Entscheidung haben sie bereits vorher getroffen. Jetzt überkleben sie Nazi-Plakate mit eigenen Botschaften, drucken und verteilen Flugblätter, für die Hilde Coppin während ihrer Arbeit als Sachbearbeiterin bei der Reichsversicherungsanstalt das Papier besorgt. Sie transportiert auch ein Funkgerät durch Berlin in die Tegeler Kleingartenkolonie „Am Waldessaum“, in der sie seit 1941 mit ihrem Mann lebte.
Währenddessen bringt Hans sich das Funken bei. Danach senden sie, ohne zu wissen, ob jemand sie hört, Nachrichten in Richtung Osten.
Neben ihrer Untergrundtätigkeit sind sie einfach junge Leute, die Leben wollen und im See baden. Der 1916 geborene Hans und die 1909 geborene Hilde, die sich erstmals 1940 trafen und im Juni 1941 heirateten, sind auch ein Liebespaar.
Diese Rückblenden schildert Andreas Dresen dann mit einem Nouvelle-Vague-Feeling und ohne zeittypische Insignien, wie schwarz-weiß-rote Nazi-Fahnen, Hakenkreuze und marschierenden Soldaten. Das, die Sprache und ein lässiger Umgang mit der Ausstattung (so gibt Dresen im Presseheft unumwunden zu, dass auch bei H&M eingekauft wurde) machen die Liebesgeschichte zeitlos. Die Bedrohung wird aus ihrem Verhalten spürbar.
In den im Gefängnis spielenden Szenen zeigt er dann, wie die gefangenen Frauen um ihre Würde kämpfen und wie die stille Hilde Coppi nie ihren Optimismus verliert. Obwohl sie keine Chance hat, das Gefängnis lebendig zu verlassen.
„In Liebe, eure Hilde“ ist mehr ein Liebesfilm über Liebe unter widrigen Umständen als ein Film über tapfere Widerstandskämpfer, die vom Drehbuch genötigt werden, in langen Monologen ihre Motivation zu erklären. Das ist kein Nachteil, sondern erfrischend anders.
Nein, eigentlich ist der größte Nachteil des Films nur ein Nachteil für Menschen, die sich an der Kinokasse spontan für den Film entscheiden, weil ihnen das Plakat und der Titel gefallen. Wer die Namen Hans und Hilde Coppi kennt, wer schon einmal etwas von der „Roten Kapelle“ gehört hat (auch wenn die Fremdbezeichnung „Rote Kapelle“ im Film nicht genannt wird), den wird das Fehlen von Jahreszahlen nicht stören. Er weiß, dass die Geschichte während des Zweiten Weltkriegs spielt.
In Liebe, eure Hilde(Deutschland 2024)
Regie: Andreas Dresen
Drehbuch: Laila Stieler
mit Liv Lisa Fries, Johannes Hegemann, Lisa Wagner, Alexander Scheer, Emma Bading, Sina Martens, Lisa Hrdina, Florian Lukas
Drehbuch: Andrew Kevin Walker (nach einer Filmgeschichte von Kevin Yagher und Andrew Kevin Walker)
LV (Inspiration): Washington Irving: The Legend of Sleepy Hollow, 1820 (Die Sage von der schläfrigen Schlucht)
1799 soll Constable Ichabod Crane, ein Rationalist vor dem Herrn, in einem kleinen Dorf in der Nähe von New York mehrere Morde aufklären. Die Einheimischen behaupten, die Morde wurden von einem kopflosen Reiter begangen.
Schöner Horrorfilm von Tim Burton.
Hier zwei zeitgenössische Kritiken:
„Die perfekte Mischung aus haarsträubendem Grauen und schwarzem Humor, eine bis ins Detail perfektionistische Umsetzung und eine sichere Hand bei der Führung eines herausragenden Darstellerensembles machen aus ‚Sleepy Hollow‘ eine der ausgereiftesten Regiearbeiten Tim Burtons.“ (Steffen Heinke, Filmecho-Filmwoche)
„ein freudianisches Disneyland erschüttert vom Grand Guignol“ (Mariam Lau, Die Welt)
Die Musik ist von Danny Elfman; die Bilder sind von Emmanuel Lubezki.
mit Johnny Depp, Christina Ricci, Miranda Richardson, Michael Gambon, Casper Van Diem, Jeffrey Jones, Christopher Lee
„Hagen – Im Tal der Nibelungen“ erzählt die allgemein bekannte Geschichte von Siegfried, dem Drachentöter, seinem Tod und, wenn es eine Fortsetzung gibt, Kriemhilds Rache. Nur aus einer anderen Perspektive. Nämlich der von Hagen, dem Waffenmeister von Burgund, der den unbesiegbaren Drachentöter Siegfried tötet. Wolfgang Hohlbein erzählte Hagens Geschichte 1986 in seinem Roman „Hagen von Tronje“.
Dieser wurde jetzt von Cyrill Boss und Philipp Stennert verfilmt als zweieinhalbte Kinoverfilmung der Geschichte. Die Stummfilm-Version von Fritz Lang genießt unter Cineasten immer noch hohes Ansehen. Harald Reinls Verfilmung von 1966 befindet sich dann im trashigen Fahrwasser damaliger Epen, in denen es auch zum „Tiger aus Eschnapur“ und, mit der Hilfe von Karl May „Durchs wilde Kurdistan“ ging.
Beide Filme sind Zweiteiler. Im ersten Teil wird Siegfrieds Geschichte, im zweiten Teil die von Kriemhilds Rache erzählt. „Hagen – Im Tal der Nibelungen“ endet ebenfalls mit Siegfrieds Tod. Auch wenn ich im Kino wenige Minuten vor dem Filmende dachte, dass sie vielleicht die Geschichte von Siegfrieds Tod in einem zweiten Teil erzählen. Und Kriemhilds Rache für einen dritten Teil geplant ist, der vielleicht irgendwann in naher oder ferner Zukunft realisiert wird.
Bis dahin haben wir die aktuelle Verfilmung, die die bekannte Geschichte von Siegfried und Hagen aus einer anderen Perspektive erzählt. Hagen von Tronje, durchgehend mit unbewegter Leidensmine von Gijs Naber gespielt, ist hier der Gute. Siegfried von Xanten, gespielt von Jannis Niewöhner, sein Antagonist: ein trinkfreudiger Hallodri, der sich immer wieder in Lebensgefahr begibt, weil er unsterblich ist.
Mit gut 140 Minuten wird sie in einem ziemlich langen Kinofilm erzählt, der allerdings nur die gekürzte Fassung einer mehr als doppelt so langen sechsteiligen Serie für RTL+ ist. Diese soll nächstes Jahr im Fernsehen gezeigt werden. Die Macher sagen zwar, dass Film und Serie unabhängig voneinander funktionieren. Aber der Erzählrhythmus des Kinofilms ist oft verstörend schlecht. Immer wieder wird sich für Unwichtiges zu viel Zeit genommen und Wichtiges wird zu schnell, teils zwischen zwei Bildern, erledigt. Und die Schauspieler hängen viel zu oft und zu lang in dunklen Räumen herum und unterhalten sich. Schließlich müssen Palastintrigen und Liebesgefühle ausgehandelt werden.
Echte Kinomomente, also Landschaftsaufnahmen, ausgedehnte Kampfszenen und das Protzen mit Schauwerten sind selten. Stattdessen dominiert eine TV-Ästhetik.
Das macht den Kinofilm „Hagen – Im Tal der Nibelungen“ zu einem langen Trailer für die TV-Serie, über deren Qualitäten nichts gesagt werden kann.
Hagen – Im Tal der Nibelungen (Deutschland 2024)
Regie: Cyrill Boss, Philipp Stennert
Drehbuch: Cyrill Boss, Philipp Stennert, Doron Wisotzky
LV: Wolfgang Hohlbein: Hagen von Tronje, 1986
mit Gijs Naber, Jannis Niewöhner, Dominic Marcus Singer, Lilja van der Zwaag, Rosalinde Mynster, Jördis Triebel, Jörg Hartmann, Bela Gabor Lenz, Alessandro Schuster, Johanna Kolberg, Emma Preisendanz, Maria Erwolter
Es kann sein, dass ich zu viel über Donald Trump weiß (obwohl viele Menschen noch viel mehr über ihn gelesen haben) und zu viele Trump-Parodien gesehen habe (obwohl viele Menschen noch viel mehr gesehen haben). In jedem Fall mochte ich ihn schon nicht, als ich das erste Mal bewusst seinen Namen hörte. Das war als bei einem USA-Urlaub mit meinen Eltern unsere US-amerikanischen Bekannten uns in Manhattan den Trump-Tower zeigten und sich bewundernd über den Bauherrn äußerten. Wir sahen uns konsterniert an und dachten so etwas in die Richtung von: „Was für ein hässlich-protziges Gebäude. Was muss das für ein armseliger Mensch sein, der es nötig hat, seinen Namen so groß am Gebäude anzubringen?“
Seitdem gab es keinen Moment, in dem ich über mein erstes Urteil nachdenken musste. Im Gegenteil: Je mehr ich über Trump erfuhr, desto sicherer wurde ich in meinem Urteil, dass Trump ein absolut hohler, armseliger, nur auf den äußeren Schein fixierter Dummschätzer ist. Er hat keine Ahnung von den Themen, über die er redet und er hat keine Lust hat, sich in die Materie einzuarbeiten.
Das zeigte sich auch bei dem TV-Duell zwischen ihm und seiner damaligen Mitbewerberin um das Amt des US-Präsidenten. Ich war damals kurz vor meinem geplanten Bettgang in die Übertragung von dem Duell gestolpert und wollte mir einen kurzen Eindruck von der Performance der Kandidaten verschaffen. Ich ging davon aus, dass beide ihre Pläne überzeugend präsentieren und die Pläne des Gegners ebenso überzeugend auseinander nehmen würden. Da ich nicht genug über die konkreten Pläne wusste, würde ich, wie bei unzähligen anderen TV-Duellen, nur beurteilen können, wer der bessere Verkäufer sein würde.
Entsetzt blieb ich viel länger als geplant vor dem Computer sitzen. Der Unterschied im Niveau war einfach zu groß. Während Hillary Clinton eine Frau mit einem Plan war, die argumentieren und logisch aufeinander aufbauende Sätze formulierte, brabbelte er nur planlos herum. Ungefähr wie der Mitschüler, der einen Roman zusammenfassen soll, den er nicht gelesen hat.
Später, als ich während seiner Präsidentschaft Äußerungen von ihm hörte und las, dachte ich immer, dass ich mit jeder Minute, in der ich seinen Wortsalat folgte, dümmer wurde. Seitdem wurde es nur noch schlimmer.
Ich halte ihn immer noch für absolut ungeeignet für das Amt. Und ich verstehe nicht, warum so viele Menschen dieser Hohlbirne folgen. Sie zu durchschauen erfordert keine besonderen Fähigkeiten und geht atemberaubend schnell.
Ende der Vorbemerkung
Nach dieser langen Vorrede könnt ihr vielleicht mein Urteil über Ali Abbasis „The Apprentice – The Trump Story“ besser einordnen. Außerdem wollte ich endlich einmal die Geschichte von meiner ersten Begegnung mit Donald Trump niederschreiben. Ich halte den Film für eine Zeitverschwendung. Man erfährt nichts über Trump, was man nicht schon nach der Lektüre einiger guter Zeitungsreportagen weiß. Die sind auch informativer als dieser Film, der teils 70er-Jahre-Period-Picture ist, teils Best-of-Trump ist und dabei an der Oberfläche bleibt. Das liegt daran, dass hinter der Fassade nichts ist. Außerdem wissen die Macher nicht, ob sie ein 08/15-Biopic, eine Abrechnung mit Trump oder eine Verherrlichung von Trump machen sollen. So setzten sie sich letztendlich so zwischen die Stühle, das jeder in den Film hineininterpretieren kann, was er will und der sogar Trump, wenn er ihn sich ansehen würde, gefallen könnte, weil er am Filmende die Lektionen von seinem Lehrmeister anwendet und er letztendlich als der große Macher porträtiert wird. Diese Unentschlossenheit und eine zerfaserte zweite Hälte machen „The Apprentice“, trotz gelungener Ansätze, zu einem sehr enttäuschendem, angesichts seines Potentials sogar ärgerlichem Werk.
Sicher, der in den siebziger Jahren in New York spielende Anfang, als Donald Trump (Sebastian Stan) in den Häusern seines Vaters die Miete eintreibt und er den skrupellosen Anwalt Roy Cohn (Jeremy Strong) kennen lernt und der ihn unter seine Fittiche nimmt, sind atmosphärisch gelungen. Das erinnert wohltuend an die damals auf der Straße gedrehten New-Hollywood-Dramen. Dafür wirkt Trump-Darsteller Sebastian Stan mit seiner Trump-Perücke wie der Bewerber für eine Trump-Parodie. Jeremy Strong steht so unter Strom, dass auch er nie wie ein echter Mensch, sondern wie eine Parodie auf einen skrupellosen Anwalt wirkt. Der 1927 geborene Cohn begann seine Karriere als fanatischer Kommunistenjäger. Er rühmte sich dafür, dass seine Arbeit entscheidend für das Todesurteil gegen Julius und Ethel Rosenberg wegen Spionage war. Kurz darauf war er Chefberater von Senator Joseph McCarthy. Danach wurde er Rechtsanwalt in New York City. Zu seinen Mandanten gehörten auch das Erzbistum New York und bekannte Mafiosi, wie John Gotti, Anthony Salermo und die Gambino-Familie. Er beriet Richard Nixon und Ronald Reagan. Ihm war egal, mit welchen legalen und illegalen Mitteln, wie Epressung mit illegalen Tonbandaufnahmen, er zum Ziel kam. Hauptsache Gewinnen und als starker Macher dastehen.
Beide sind Unsympathen. Moralbefreiter Abschaum in teuren Anzügen und noblen Wohnungen.
Die aus dieser Begegnung entstehende Filmgeschichte erzählt, wie ein skrupelloser Anwalt einem skrupellosen Unternehmer den nötigen Feinschliff verpasst. Der eine schwadroniert über Gott und die Welt, der andere saugt es begierig auf. Das ist die ganze Geschichte zwischen diesen beiden Männern.
Cohn hat Trump auch seine drei „Regeln zum Gewinnen“ aufgeschrieben, die ungefähr so lauten:
Regel 1: Angreifen. Angreifen. Angreifen.
Regel 2: Nichts zugeben. Alles leugnen.
Regel 3: Den Sieg für sich beanspruchen und niemals eine Niederlage zugeben.
Diese Regeln wendet Trump seitdem an. Dabei war und ist ihm der äußere Schein, die Fassade, wichtiger als das, was sich dahinter verbirgt. So gibt er immer noch nicht zu, dass er 2020 die US-Präsidentenwahl verloren hat. Seine Jünger folgen dem Betrüger (den ich noch nicht einmal für einen besonders guten Betrüger halte) aus kaum bis nicht nachvollziehbaren Gründen.
Abbasis Biopic „The Apprentice“ konzentriert sich auf die Beziehung zwischen Trump und Cohn von ihrer ersten Begegnung 1973 bis zu Cohns Tod am 2. August 1986. Er starb an einer HIV-Infektion. Die in den siebziger Jahren spielenden Szenen, als Trump in die Immobilienbranche mit eigenen Bauprojekten einsteigen, sind dabei die überzeugenderen. In diesen Momenten entsteht auch im Ansatz ein Gefühl für die Zeit und die Männer, die skrupellos von den Umständen profitieren wollten. Später, in den achtziger Jahren wird die Geschichte zunehmend episodischer und fahriger. Es wird von einem Ereignis zum nächsten gesprungen, mal geht es um sein Privatleben, mal um seine Beziehung zu Cohn, mal um ein neues Bauprojekt, über dessen Ablauf wir wenig bis nichts erfahren.
In diesen Momenten wird auch deutlich, wie wenig „The Apprentice“ zu erzählen hat. Das wird sogar im Film direkt angesprochen, wenn der Journalist Tony Schwartz sich mit Trump trifft. Schwartz soll Trumps Memoiren, die 1987 unter dem Titel „Trump: The Art of the Deal“ erscheinen, schreiben. Bei dem Gespräch sagt Schwartz, er sehe kein Metamotiv in Trumps Leben.
Trump entgegnet, er liebe es Deals zu machen. Deals seien der Zweck und eine Kunstform.
Das wäre ein Ansatz gewesen, um „The Apprentice“ als eine Geschichte von Deals zu erzählen. Also: wie verhandelt Trump? Was ist ein guter Deal? Was ist ein schlechter Deal? Wie gelangt er zu einem Deal? Stimmt seine Selbstwahrnehmung, dass er ein guter Dealmaker ist? Wurden seine Deals, nachdem er sich mit Cohn befreundete und Cohns Regeln folgte, besser? In jedem Fall wurde er skrupelloser.
Seine Deals als US-Präsident und seine Pleiten (wozu auch Casinos gehören) sprechen eine andere Sprache. Danach ist er ein schlechter Dealmaker, der einfach nur an irgendeinem Abschluss interessiert ist. Er will nur ständig „Deal!!!“ brüllen, aber er ist unfähig, Deals auszuhandeln. Denn das würde ein Vertiefen in die Materie, ein Abwägen verschiedener Interessen und Güter und psychologisches Feingefühl erfordern.
In „The Apprentice“ erfahren wir nur, wie Cohn Trump den nötigen Feinschliff verpasst. Er veränderte nichts in Trumps Charakter. Er gab ihm nur einige Weisheiten mit auf den Weg, die der Faulenzer und Drückeberger Trump, der sich im Zweifelsfall auf den Einfluss und das Geld seines Vaters verlassen konnte, eigentlich schon lange davor begriffen hatte.
Die Dialoge sind eine Ansammlung ikonischer Trump-Sätze, die hier immer etwas deplatziert wirken. Es wird durchgehend ein erstaunlich sauberes Englisch gesprochen, in dem es nur wenige vulgäre Beleidigungen und Schimpfworte gibt. Angesichts des damals aus anderen Filmen, Büchern und Erzählungen dokumentierten rauen Umgangston in dem Milieu, in dem der Film spielt, wirkt das immer falsch. Trotzdem erhielt „The Apprentice“ in den USA ein R-Rating wegen „sexual content, some graphic nudity, language, sexual assault, and drug use“. In Deutschland ist er „frei ab 12 Jahre“. In Begleitung der Eltern oder einer erziehungsberechtigten Person kann der Film sogar von Sechsjährigen gesehen werden. Ob das klug ist, müssen die Erziehungsberechtigten entscheiden.
Dass Trump jetzt gegen den Film, den er wahrscheinlich nicht gesehen hat, polemisiert, erkläre ich mir so: Trump ist einfach beleidigt, dass der Film sagt, dass er früher ein Lehrling war und dass er zu seinem Lehrer aufschaute. Das kratzt an seinem Ego. Dabei wird er in dem Film als großer Macher gezeigt. Geklagt hat er, soweit ich weiß, nicht gegen den Film. Auch sonst niemand.
In den USA, wo der Film seit einigen Tagen läuft, wird er vom Publikum weitgehend ignoriert.
The Apprentice – The Trump Story (The Apprentice, USA 2024)
Regie: Ali Abbasi
Drehbuch: Gabriel Sherman
mit Sebastian Stan, Jeremy Strong, Maria Bakalova, Martin Donovan, Catherine Mcnalle, Charlie Carrick, Ben Sullivan, Mark Randall
Miles Davis – Birth of the Cool (Miles Davis: Birth of the Cool, USA 2019)
Regie: Stanley Nelson
Drehbuch: Stanley Nelson
TV-Premiere. Gelungene spielfilmlange Doku über Jazz-Trompeter Miles Davis (1926 – 1991).
„Miles Davis – Birth of the Cool“ ist für den Davis-Fan eine Auffrischung bekannter Informationen. Für den Novizen ist die Doku ein glänzender und rundum gelungener Überblick über das Leben und Werk eines der wichtigsten Jazzmusiker.
mit (ohne zwischen aktuellen Interviews und Archivmaterial, ohne zwischen kurzen und langen Statements und ohne zwischen allgemein bekannten und unbekannteren Gesprächspartnern zu unterscheiden) Miles Davis, Carl Lumbly (im Original: Stimme von Miles Davis), Reginald Petty, Quincy Troupe, Farah Griffin, Lee Annie Bonner, Ashley Kahn, Benjamin Cawthra, Billy Eckstine, Walter Cronkite, Jimmy Heath, Jimmy Cobb, Dan Morgenstern, Charlie Parker, Greg Tate, Gerald Early, Quincy Jones, Wayne Shorter, Tammy L. Kernodle, Juliette Gréco, Vincent Bessières, George Wein, Eugene Redmond, Thelonious Monk, Carlos Santana, Herbie Hancock, Marcus Miller, Cortez McCoy, Sandra McCoy, Jack Chambers, Frances Taylor, Johnny Mathis, René Urtreger, Joshua Redman, John Coltrane, James Mtume, Lenny White, Vincent Wilburn Jr., Archie Shepp, Stanley Crouch, Gil Evans, Cheryl Davis, Ron Carter, Sly and the Family Stone, Clive Davis, Betty Davis, Marguerite Cantú, Mark Rothbaum, Erin Davis, Mike Stern, Mikel Elam, Jo Gelbard, Prince, Wallace Roney
Parker Finn hatte bei seinem Langfilmdebüt eine grandiose Idee: das Böse zeigte sich in Gesichtern, die starr lachende Fratze waren. Das Bild, vor allem so wie Finn es präsentierte, war höchst beunruhigend.
Mit seinem Horrorfilm „Smile“ demonstrierte er ein beachtliches, auch in „Smile 2“ sichtbares inszenatorisches Talent und beunruhigte über weite Strecken sehr gelungen. Erst im Finale wurden die üblichen Horror-Topoi in der üblichen Form benutzt. Das war dann ziemlich langweilig.
Dessen ungeachtet wurder der Film ein Erfolg. Eine Fortsetzung – auch wenn ich sie nach dem Finale von „Smile“ für überflüssig hielt – war schnell beschlossen. Und Finn, der auch das Drehbuch geschrieben hatte, sagte, er habe Ideen für ein ganzes Franchise. Mit „Smile 2 – Siehst Du es auch?“ ist jetzt der zweite „Smile“-Film im Kino. Aus dem ersten Film ist wieder Kyle Gallner als Polizist Joel dabei. Er stirbt nach wenigen Minuten und vor der Titeleinblendung in einer von ihm atemberaubend schlecht geplanten Schießerei in einem leerstehendem Vorstadthaus, das von zwei weißen Drogenhändlern für ihr Geschäft benutzt wird. Diese Szene mit ihren vielen Toten hat mit dem darauf folgendem über zweistündigem Film nichts zu tun.
In ihm geht es um die erfolgreiche junge Pop-Musikerin Skye Riley (Naomi Scott), deren neue Tour in wenigen Tagen beginnt. Als sie bei ihrem Drogenhändler – einem Schulfreund, der in Manhattan in einem großen und eigentlich noblem Apartment wohnt (es ist halt nicht aufgeräumt) – einige Tabletten kaufen will, bringt er sich vor ihren Augen um. Und der „Smile“-Fluch überträgt sich auf sie und ihr einen wenig berührender Abstieg in den Wahnsinn beginnt. In dem Moment ist bereits die erste halbe Stunde vorbei. Ungefähr eine Stunde später erklärt ihr ein Sanitäter, der ihr helfen möchte, in einem Infodump alles über den „Smile“-Fluch. Wer „Smile“ oder den Trailer gesehen hat, kennt ihn: der „Smile“-Fluch überträgt sich von einem Menschen zum nächsten, indem der Träger des Fluches vor einem anderen Menschen Suizid begeht. Der neue Träger des Fluches wird innerhalb weniger Tage zunehmend verrückt. Er sieht gruselig grinsende Gesichter und kann immer weniger zwischen Wahn und Wirklichkeit unterscheiden.
Diese Gesichter, ihr Auftauchen und Verhalten inszeniert Finn mittels weitgehend vorhersehbarer Jump-Scares, die sich darauf verlassen, dass der geneigte Zuschauer ordentlich zusammenzuckt, wenn die Stille von einem plötzlichen lauten Geräusch unterbrochen wird.
Die Story selbst leidet zuerst einmal an ihrem schleppendem Erzähltempo. So dauert es eine halbe Stunde, bis die Geschichte beginnt. Davor plätschert der Film vor sich hin, ohne dass wirklich erkennbar ist, wer die Protagonistin ist. Diese, die Pop-Musikerin Skye, bleibt durchgehend eine nervige Kunstfigur ohne ein interessantes Innenleben; – was auch daran liegt, dass das bei der Wahl dieser Protagonistin auf der Hand liegende Thema und der damit verbundene Konflikt, nämlich der Zwiespalt zwischen einem auf Äußerlichkeiten, Freundlichkeit und Oberflächlichkeit bedachtem fehlerfreiem Leben als Pop-Star und der eigenen Psyche, die etwas anderes möchte, nicht konsequent behandelt wird. Stattdessen taucht immer wieder eine Grinse-Fratze in Skyes Fantasie auf. Diese Gesichter beunruhigen deutlicher weniger als im ersten Film. Eher sehen sie wie edel arrangierte Fotografien für eine Werbekampagne aus.
Wie sehr „Smile 2“ da noch nicht einmal an der Oberfläche kratzt, wird bei einem Vergleich mit „The Substance“ deutlich. In ihrem vor wenigen Wochen gestartetem fantastischen Body-Horrorfilm seziert Coralie Fargeat diesen Gegensatz zwischen glamourösem Schein und desaströsem Sein auf jeder Ebene besser. „The Substance“ fesselt und beunruhigt nachhaltig ohne einen einzigen Jump-Scare. „Smile 2“ braucht die Jump-Scares, um die Aufmerksamkeit des Publikums aufrecht zu erhalten.
In „Smile 2“ ist das Pop-Musikgeschäft nur der Hintergrund, der es Finn ermöglicht, Hauptdarstellerin Naomi Scott mehrmals singen und, teils auf einer größeren Konzertbühne, tanzen zu lassen. Immerhin unterbricht die Musik die Geschichte seltener als in „Joker: Folie à Deux“. Besser sind die Songs nicht. Sie sind für den Film geschriebene handelsübliche Pop-Nummern, die einen eh schon zu langen, verpasste Möglichkeiten an verpasste Chancen reihenden Film locker über die Zwei-Stunden-Schwelle hieven.
Smile 2 – Siehst Du es auch? (Smile 2, USA 2024)
Regie: Parker Finn
Drehbuch: Parker Finn
mit Naomi Scott, Rosemarie DeWitt, Kyle Gallner, Lukas Gage, Miles Gutierrez-Riley, Peter Jacobson, Raúl Castillo, Dylan Gelula, Ray Nicholson, Drew Barrymore (Cameo als sie selbst)
Nachdem in Minneapolis sein letzter Undercover-Einsatz aus dem Ruder lief und mit einem zerstörten Restaurant und vielen Toten und Verletzten endete, rät ihm seine Vorgesetzte, einige ruhige Tage abseits von der Öffentlichkeit zu verbringen. Angeln schlägt sie ihm vor. Aber durch so einen Zwangsurlaub lässt sich DEA-Agent John Lawlor (Luke Evans) nicht von der Jagd nach Kwang (Sung Kang), dem wirklich wirklich bösen Chef des taiwanesischen Drogenkartells, abhalten. Das gerade elektronisch eingetroffene Angebot eines unbekannten Informanten, ihm wertvolle Informationen über Kwang zu übergeben, veranlasst Lawlor dazu, das ihm von seiner Chefin befohlene ruhige Wochenende in Taipei, bzw. Taipeh in der deutschen Schreibweise für die Hauptstadt von Taiwan, zu verbringen. Dort will er sich mit dem Informanten treffen, Kwangs Buch mit vertraulichen Geschäftsinformationen abholen und wieder zurückfliegen. Das letzte Mal war er vor fünfzehn Jahren in Taipei und sein damaliger Einsatz gegen Kwang endete in einem Desaster, das seine Karriere nachhaltig beschädigte. Dieses Mal soll es anders laufen.
Aber natürlich – sonst wäre der vor exotischer Kulisse spielende Old-School-Actionfilm schnell und ohne nennenswerte Action vorbei – geht die Übergabe grandios schief. Danach ist das Nobelhotel, in dem die Übergabe stattfinden sollte, zerstört, die Polizei sammelt die Leichen ein und Lawlor befindet sich mit Kwangs Frau Joey (Gwei Lun-Mei) und ihrem 15-jährigem Sohn Raymond (Wyatt Yang) auf der Flucht.
Joey lernte er damals als Profi-Fahrerin für Kwangs Verbrecherimperium kennen. Sie verliebten sich ineinander.
Auf dem Plakat steht „Von den Produzenten von ‚Taken‘ und ‚Transporter’“. Sie hätten auch ‚aus der Manufaktur von Luc Besson‘ oder ‚Drehbuch: Luc Besson‘ draufschreiben können. Denn „Weekend in Taipei“ wurde von Luc Besson produziert. Zusammen mit Regisseur George Huang schrieb er das Drehbuch. Es ist die erwartbare Mischung aus touristischer Kulisse, Actionfilmklischees, Vorhersagbarkeit und Action. Diese wird eher wenig geschnitten und bleibt damit, auch wenn sie meist hoffnungslos übertrieben ist, angenehm nachvollziehbar. Die Story und die Dialoge sind so vorhersehbar, dass man sie den Schauspielern schon beim ersten Ansehen vorsagen kann. Überraschungen beschränken sich auf Fragen wie, ob diese oder jene Figur der Informant ist.
George Huang inszeniert das durchaus flott und ohne höhere Ansprüche in etwas über neunzig Minuten. Insofern ist „Weekend in Taipei“ kein guter Film, aber ein unterhaltsamer 80er-Jahre-Thriller, in dem der Held Vatergefühle entwickeln darf. „Produziert von Luc Besson“ steht halt für eine bestimmte Qualität, die bei diesem Wochenendausflug zuverlässig geliefert wird.
Luke Evans und Sung Kang lernten sich beim sechsten „Fast & Furious“-Film kennen. Dieses Mal haben sie mehr gemeinsame Szenen.
Weekend in Taipei(Weekend in Taipei, Frankreich 2024)
Regie: George Huang
Drehbuch: Luc Besson, George Huang
mit Luke Evans, Gwei Lun-Mei, Sung Kang, Wyatt Yang, Lu Yi-Ching, Pernell Walker, Patrick Lee
Länge: 98 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
alternativer französischer Titel: Week-end à Taipei
Inside Batman: Die Wiederauferstehung/Ärger in Gotham City (Icons Unearthed: Batman, USA 2024)
Regie: Brian Volk-Weiss, Alyssa Michek
Die ersten beiden Folgen der sechsteiligen Serie drehen sich um die Produktion von Tim Burtons erstem „Batman“-Film. Die weiteren Episoden, in denen es um die anderen „Batman“-Filmen geht, werden an den kommenden Donnerstagen gezeigt.
Die Serie soll einen guten und ungeschönten Blick in die Produktion geben.
In Riad verüben Terroristen einen Anschlag auf eine amerikanische Wohnanlage. Es sterben über hundert Menschen. FBI-Agent Ronald Fleury stellt ein Team von Spezialisten zusammen, um der dortigen Polizei bei der Sicherung des Tatortes zu helfen. Schnell geraten sie zwischen die Fronten.
Guter Politthriller, bei dem die Charaktere im Mittelpunkt stehen und man, angesichts der vielen Subplots, öfters den Eindruck hat, die Geschichte wäre besser als TV-Mehrteiler erzählt worden. Handfeste Action gibt es eigentlich nur am Ende.
Außerdem hat er eine tolle Titelsequenz und einen doofen deutschen (oder denglischen) Titel.
mit Jamie Foxx, Chris Cooper, Jennifer Garner, Jason Bateman, Ashraf Barhoum, Ali Suliman, Jeremy Piven, Richard Jenkins, Danny Huston
LV: Michael Connelly: The Lincoln Lawyer, 2005 (Der Mandant)
Lincoln Lawyer Mickey Haller (Matthew McConaughey) tut alles für seine meist mehr als halbseidenen Mandanten. Als er aber einen Freispruch für den stinkreichen Louis Roulet erwirken soll, packt ihn das Gewissen. Auch weil Roulets Taten mit einem früheren Mandanten von ihm, der seine Unschuld beteuerte und dem er mit einem guten Deal einen Knastaufenthalt verschaffte, zusammen hängen.
Rundum geglückte Michael-Connelly-Verfilmung, die Matthew McConaugheys Karriere einen gewaltigen Schub in Richtung interessanter Projekte gab.
„Der Mandant“ war Michael Connellys erster Justizthriller. Danach schrieb er noch weitere Romane mit Mickey Haller, der auch Harry Bosch (Connellys ersten Seriencharakter, der inzwischen eine „Fernseh“-Serie hat) trifft.
mit Matthew McConaughey, Ryan Phillippe, Marisa Tomei, William H. Macy, Josh Lucas, John Leguizamo, Michael Pena, Bob Gunton, Frances Fisher, Bryan Cranston
Das Geheimnis der falschen Braut (La sirène du Mississipi, Frankreich/Italien 1969)
Regie: François Truffaut
Drehbuch: François Truffaut
LV: Cornell Woolrich (als William Irish): Walz into darkness, 1947 (Walzer in die Dunkelheit)
Ein reicher Tabakhändler verliebt sich in eine wunderschöne Frau. Aber diese ist mehr an seinem Geld interessiert.
Damals war der Film bei der Kritik und an der Kasse ein Flop. Kein Wunder: Belmondo – ausgestattet mit einem betonharten Image als Draufgänger – spielt ein Weichei und Deneuve eine eiskalte Mörderin. Inzwischen hat sich Meinung zu Truffauts bösem Märchen im Hitchcock-Stil geändert: „Truffaut nutzt die Vorlage eines ´schwarzen´ Romans von Cornell Woolrich zu einer reizvollen Variation über das Thema der ‚amour fou‘ und spickt sie mit zahlreichen Verweisen auf die französische und amerikanische Kinotradition (Renoir, Hitchcock); ein hervorragend gespieltes Drama, das nie als ´Wirklichkeit´ verstanden werden will, vielmehr als Spiel mit Chiffren und Zeichen.“ (Lexikon des internationalen Films)
mit Jean-Paul Belmondo, Catherine Deneuve, Michel Bouquet, Nelly Borgeaud, Marcel Berbert
Zwei Mädchen aus Wales und die Liebe zum Kontinent (Les deux Anglaises et le Continent, Frankreich 1971)
Regie: François Truffaut
Drehbuch: François Truffaut, Jean Gruault
LV: Henri-Pierre Roché: Les Deux Anglaises et le Continent, 1956 (Die beiden Engländerinnnen und der Kontinent)
Um die Jahrhundertwende: der Franzose Claude Rox (Jean-Pierre Léaud) verliebt sich in die Engländerin Anne Brown (Kika Markham). Die hält Claude für den idealen Mann für ihre Schwester Muriel (Stacey Tendeter). Das ist der Beginn einer sich über Jahre erstreckenden (Liebes)beziehung.
Von Henri-Pierre Roché verfilmte François Truffaut bereits sehr erfolgreich „Jules und Jim“. Während in dem Film eine Frau zwischen zwei Männern stand, steht dieses Mal ein Mann zwischen zwei Frauen.
Das Lexikon des internationalen Films urteilt: „Ästhetisch sorgfältig komponierter und psychologisch vielschichtiger Film, der die Vielfalt der Gefühle schildert und Ursachen spürbar werden lässt, die diese Menschen zu einer dauerhafen Beziehung unfähig macht. Ein Diskurs über die Unmöglichkeit absoluter Liebe, die eine ebenso verlockende und zerstörerische Utopie darstellt.“
Arte zeigt die von Truffaut kurz vor seinem Tod am 21. Oktober 1984 erstellte Langfassung des Films, die gut zwanzig Minuten rekonstruiertes Material enthält und nach Meinung der Kritiker besser als die ursprüngliche Kinofassung ist.
Mit Jean-Pierre Léaud, Kika Markham, Stacey Tendeter, Sylvia Marriott, Marie Mansart, Philippe Léotard, Mark Peterson, Irène Tunc (ihre letzte Filmrolle), Georges Delerue