Weil David Mitchells Roman vor zwanzig Jahren erschien. Die deutsche Übersetzung erschien zwei Jahre später.
One, 20.15
Cloud Atlas – Der Wolkenatlas (USA/Deutschland 2012)
Regie: Lana & Andy Wachowski, Tom Tykwer
Drehbuch: Lana & Andy Wachowski, Tom Tykwer
LV: David Mitchell: Cloud Atlas, 2004 (Der Wolkenatlas)
„Cloud Atlas“ ist ein dreistündiger, auf sechs Zeitebenen zwischen 1849 und 2346 spielender Trip, bei dem sechs miteinander verwobene Geschichten, die auch alle unterschiedliche Genres bedienen, zu einer Vision verbunden werden, die auch den Eindruck von viel Lärm um Nichts hinterlässt. Aber die Wachowski-Geschwister und Tom Tykwer liefern einen kurzweiligen, immer interessanten und sehenswerten Film ab, bei dem die Stars, teils kaum erkennbar, in verschiedenen Rollen auftreten.
mit Tom Hanks, Halle Berry, Jim Broadbent, Hugo Weaving, Jim Sturgess, Doona Bae, Ben Whishaw, James D’Arcy, Zhou Xun, Keith David, Susan Sarandon, Hugh Grant, David Gyasi, Martin Wuttke, Götz Otto, David Mitchell (Cameo als Spion)
Wiederholung: Mittwoch, 17. April, 00.25 Uhr (Taggenau!)
Die üblichen Verdächtigen (The usual Suspects, USA 1995)
Regie: Bryan Singer
Drehbuch: Christopher McQuarrie
„Wer ist Keyser Soze?“ fragen sich einige nur scheinbar zufällig in eine Gefängniszelle eingesperrte Verbrecher und, nach einem Massaker im Hafen von San Pedro, auch ein Zollinspektor. Er lässt sich von dem einzigen Überleben erzählen, wie es zu dem Blutbad im Hafen kam.
Nach zwei Stunden gibt es die überraschende Enthüllung. Heute dürfte das Ende bekannt sein.
„Einer der intelligentesten Thriller des Jahres.“ (Fischer Film Almanach 1997)
McQuarries Drehbuch erhielt unter anderem den Edgar und den Oscar.
Mit Kevin Spacey, Chazz Palminteri, Stephen Baldwin, Gabriel Byrne, Benicio Del Toro, Kevin Pollak, Pete Postlethwaite, Suzy Amis, Giancarlo Esposito, Dan Hedaya, Paul Bartel, Louis Lombardi
Wiederholung: Freitag, 19. April, 01.43 Uhr (Taggenau!)
Der Tiger von Eschnapur/Das indische Grabmal(Deutschland/Frankreich/Italien 1959, Regie: Fritz Lang)
Drehbuch: Fritz Lang, Werner Jörg Lüddecke
LV: Thea von Harbou: Das indische Grabmal, 1918
Ingenieur Berger soll den Palast des Maharadschas von Eschnapur modernisieren. Als er sich in eine Tempeltänzerin verliebt, ist es vorbei mit der orientalischen Gastfreundschaft.
Mit diesem Zweiteiler kehrte Fritz Lang aus den USA nach Deutschland zurück. Danach drehte er „Die 1000 Augen des Dr. Mabuse“, seinen letzten Film.
Naiver Abenteuerfilm, der niemals auch nur im Ansatz die Qualität von Fritz Langs besseren Filmen erreicht.
Der Kolportagefilm ist gleichzeitig das Remake eines Stummfilms von 1921, für den Fritz Lang und Thea von Harbou damals das Drehbuch schrieben. Joe May, der auch produzierte, übernahm damals die Regie.
„In den Reaktionen des heutigen Publikums, das die Filme unbelastet sieht von den Erwartungen, die sich in den Fünfzigerjahren an die Rückkehr der emigrierten Regisseure knüpften, ist nicht mehr zu unterscheiden: der Spaß am primitiven Kino, die Belustigung über schauspielerisches Untalent und die Heiterkeit, die aus dem Unausgeführten, Skizzenhafen der Inszenierung rührt.“ (Enno Patalas: Der Tiger von Eschnapur/Das indische Grabmal, in Fritz Lang, Hanser Reihe Film 1976/1987)
Danach war der deutsche Kinobesucher reif für die Karl-May-Filme.
Mit Debra Paget, Paul Hubschmid, Walther Reyer, Claus Holm, Sabine Bethmann, Inkijinoff, René Deltgen
Der Teufel in Blau (Devil in a blue dress, USA 1995)
Regie: Carl Franklin
Drehbuch: Carl Franklin
LV: Walter Mosley: Devil in a blue dress, 1990 (Teufel in Blau)
Los Angeles, 1948: Amateurdetektiv Easy Rawlins soll Daphne finden. Aber Daphne hat es faustdick hinter den Ohren.
Franklins gelungene Verfilmung von Mosley Debütroman. „Teufel in Blau“ ist ein Film Noir, der seine Vorbilder aus der Schwarzen Serie immer deutlich zitiert und damit immer zum gut gemachten, aber auch langweiligem Ausstattungskino tendiert.
Mit Denzel Washington, Tom Sizemore, Jennifer Beals, Don Cheadle
Wiederholung: Sonntag, 14. April, 01.25 Uhr (Taggenau!)
Wir sind dann wohl die Angehörigen (Deutschland 2022)
Regie: Hans-Christian Schmid
Drehbuch: Michael Gutmann, Hans-Christian Schmid
LV: Johann Scheerer: Wir sind dann wohl die Angehörigen – Die Geschichte einer Entführung, 2018
TV-Premiere. Am 25. März 1996 wird Jan Philipp Reemtsma entführt. Zähe Verhandlungen mit den Entführern beginnen. Hans-Christian Schmid schildert in seinem Drama, basierend auf den Erinnerungen des damals dreizehnjährigen Reemtsma-Sohnes Johann Scheerer, die Geschichte dieser Entführung aus der Sicht der Familie. Spannend.
Es heißt, die Geschichte von „La Chimera“ spiele in Italien in den 80er Jahren. Aber es ist ein Italien, das wie ein Fantasieland wirkt. Sicher, gedreht wurde in existierenden Landschaften in existierenden Gebäuden, aber nie sieht es nach den real existierenden 80er Jahren aus. Alles sieht wie ein über Jahrzehnte konserviertes Nachkriegsitalien zwischen Neorealismus, Felllini und etwas Pasolini aus. Eine alternde Aristokratin zelebriert in einer Villa, die mehr Ruine als Villa ist, einen aristokratischen Lebensstil. Arthur, so etwas wie der Protagonist der Geschichte, ist ein Ausländer unklarer, möglicherweise britischer Herkunft. Er lebt in einem an die Stadtmauer geklatschten Windschutz, der kaum Schutz vor dem Wetter bietet und sogar im Mittelalter als ärmlich gegolten hätte. Er ist der Anführer einer Bande ziemlich erfolgloser einheimischer Grabräuber. Mit einer Wünschelrute kann er in Etrurien Gräber finden. In ihnen sind wertvolle Grabbeigaben. Sie plündern die Gräber ohne einen Funken Kunstverstand und verkaufen die Beute anschließend für einige Lire auf dem Schwarzmarkt. Aber Arthur ist kein normaler Grabräuber. Seine von ihm gesuchte Chimäre sieht wie eine Frau aus, die er verloren hat und die er hinter dem Tor zum Jenseits hofft zu finden.
Und wer jetzt schon entnervt abwinkt, wird an „La Chimera“ keine Freude haben. Alice Rohrwacher neuer Film ist, nach „Land der Wunder“ und „Glücklich wie Lazzaro“, der Abschluss ihrer Trilogie über das ländliche Italien. An einem schnöden Realismus oder einer einfach fassbaren Sozialkritik ist sie nicht interessiert. Ihr Realismus endet in „La Chimera“ mit den Drehorten und der in Italien real vorhandenen Grabräuberei. Danach ist der Schritt in fantastische und magische Welten, in denen die Gesetze der Logik und der Rationalität nicht gelten, schnell vollzogen. Zwischen diesen Welten, der Gegenwart und der Vergangenheit, mäandert der Film, wenig bis überhaupt nicht an Erklärungen interessiert, vor sich hin.
Das bewegt sich eigenständig in einem eigenen erzählerischem, an italienische Erzähltraditionen anknüpfendem Kosmos. Vielen Kritikern gefiel das sehr gut. Mir blieb der sich daraus ergebende Reiz weitgehend verborgen.
La Chimera(La Chimera, Italien/Frankreich/Schweiz 2023)
Regie: Alice Rohrwacher
Drehbuch: Alice Rohrwacher
mit Josh O‘Connor, Carol Duarte, Vincenzo Nemolato, Isabella Rossellini, Alba Rohrwacher, Yile Yara Vianello, Lou Roy-Lecollinet
Ihre erste CD „Frank“ veröffentlicht die am 14. September 1983 London geborene Amy Winehouse 2003. Der große weltweite Erfolg kommt 2006 mit ihrer zweiten und letzten CD „Back to Black“. 2008 erhält die Retrosoul-Sängerin bei den Grammy Awards rekordverdächtige fünf Preise. 2007 heiratet sie Blake Fielder-Civil. 2009 erfolgt die Scheidung. Er macht sie drogenabhängig. Die Beziehung ist von Gewalt und Drogen und öffentlicher Aufmerksamkeit geprägt. Winehouse ist, mit ihrem unberechenbarem Verhalten, ihrer Drogensucht und psychischer Probleme, ein wandelndes Katastrophengebiet. Die Boulevardpresse belagert sie. Am 23. Juli 2011 stirbt sie an einer Alkoholvergiftung. Amy Winehouse wurde 27 Jahre alt.
Ihr kurzes Leben bietet, abseits der ausgetretenen Biopic-Pfade, in denen einfach ihre Lebensstationen und Skandale chronologisch abgehandelt werden, viele Anknüpfungspunkte für einen aufregenden Film.
„Back to Black“ ist es nicht. Es ist bestenfalls eine mit Amy-Winehouse-Songs garnierte Liebesgeschichte unter Drogenabhängigen. Die biographischen Stationen aus Amy Winehouses Leben werden so kryptisch, elliptisch und bezuglos abgehandelt, dass man danach den Wikipedia-Artikel liest, um zu erfahren, was man gerade gesehen hat. Da springt der Film von Konzerten in Bars vor kleinem Publikum zu Arena-Konzerten. Da beschließt Amy Winehouse in der einen Minute, sich in eine Drogentherapie zu begeben. Es folgen ein Bild eines ländlich gelegenen Nobelsanatoriums und schon ist die Therapie beendet. Währenddessen wird ausführlich und in langen Szenen die erste Begegnung von Winehouse und Blake Fielder-Civil, deren Ausprobieren verschiedenster Drogen und ihre vor allem für sie sehr ungute Beziehung zelebriert. Dazwischen tritt der immer zuverlässige Eddie Marsan als ihr Vater Mitch Winehouse auf. Er versucht ihr selbstlos und uneigennützig zu helfen.
Drehbuchautor Matt Greenhalgh („Control“ [über „Joy Division“-Frontman Ian Curtis], „Nowhere Boy“ [über den jungen John Lennon]) und Regisseurin Sam Taylor-Johnson („Nowhere Boy“, Razzie-Liebling „Fifty Shades of Grey“) erzählen Amy Winehouses Lebensgeschichte oberflächlich und alle möglichen Tiefen und interessanten Aspekte vermeidend. Das Ergebnis ist eine Junkie-Liebesgeschichte, in der wir wenig über Amy Winehouse erfahren und das wie die harmlose Spielfilmversion von Asif Kapadias mit dem Dokumentarfilm-Oscar ausgezeichnetem Porträt „Amy“ (GB 2015) wirkt. Sein Film ist zwar auch nur gefälliges, auf Analysen und historische Einordnungen verzichtendes Doku-Handwerk für den Amy-Winehouse-Fan, aber immerhin wird die problematische Beziehung zu ihrem Vater Mitch Winehouse und zu Blake Fielder-Civil tiefgehender thematisiert und es gibt eine Idee, warum Amy Winehouse so jung starb. Insofern ist Kapadias Dokumentarfilm der bessere Einstieg in ihr Leben.
„Back to Black“ ist dagegen nur ein Biopic für den Amy-Winehouse-Fan, der sich freut, ihre Songs im Kino zu hören.
Vor wenigen Wochen lief Reinaldo Marcus Greens „Bob Marley: One Love“ (Bob Marley: One Love, USA 2024) an. Er konzentriert sich in seinem ebenfalls eher misslungenem Biopic (das immerhin die Musik von Bob Marley hat) auf einen kurzen Ausschnitt aus dem Leben des 1981 verstorbenen Reggae-Musiker. Im direkten Vergleich ist Greens Musiker-Biopic das bessere Musiker-Biopic. Er hat immerhin eine Idee davon, was er erzählen möchte.
Back to Black (Back to Black, Großbritannien 2024)
Regie: Sam Taylor-Johnson
Drehbuch: Matt Greenhalgh
Filmmusik: Nick Cave, Warren Ellis
mit Marisa Abela, Jack O’Connell, Eddie Marsan, Lesley Manville, Juliet Cowan, Sam Buchanan
im strukturschwachen Agen soll eine Fabrik geschlossen werden. Gewerkschaftler Laurent (Vincent Lindon) führt seine Kollegen in einen harten Kampf um ihre Arbeitsplätze.
Starkes Drama. „Das niederdrückend realistische, fast dokumentarische Drama bemüht sich um eine sorgfältige Darstellung des Arbeitskampfes und der beteiligten Prozesse.“ (Lexikon des internationalen Films)
mit Vincent Lindon, Mélanie Rover, Jacques Borderie, David Rey, Isabelle Rufin, Olivier Lemaire
Es ist sein fünfzigster Film. Es könnte gleichzeitig sein letzter sein. Immerhin ist Woody Allen 88 Jahre alt, ’50‘ wäre eine schöne runde Zahl und während der Dreharbeiten wurde kolportiert, es werde sein letzter Film sein. Das deutete Allen auch auf den Filmfestspielen von Venedig bei der Premiere des Films an. Inzwischen wird wieder das Gegenteil gesagt.
In jedem Fall ist, angesichts seines Outputs in den vergangenen Jahren, „Ein Glücksfall“ ein überraschend gelungener Film. Mit vielen Wagnissen und einer jugendlichen Experimentierlust.
Allen drehte die Krimikomödie in Frankreich auf französisch mit auffallend langen Kamerafahrten. Denn normalerweise stellt Allen die Kamera so hin, dass alles Wichtige im Bild ist – und dann lässt er sie laufen. Schnitt, Gegenschnitt, fertig. Seinen neuen Film „Ein Glücksfall“ beginnt er mit einer zufälligen Begegnung von Fanny (Lou de Laâge) und Alain (Niels Schneider) auf der Straße. Er begleitet sie anschließend zu ihrem Arbeitsplatz. Er erzählt dabei, dass er bereits in der Schule in sie verliebt war und jetzt an seinem neuen Buch schreibe. Kameramann Vittorio Storaro, der zum fünften Mal mit Woody Allen zusammenarbeitet, begleitet sie und umkreist sie dabei immer wieder. Einige Filmminuten später unterhält Fanny sich mit ihrem Mann Jean (Melvil Poupaud) in ihrer riesigen Pariser Wohnung. Dabei laufen sie durch die Wohnung. Die Kamera begleitet sie und erkundet die Wohnung. Das geht so durch den gesamten Film.
Dann spielt die Geschichte, wieder einmal, in Paris.
In den vergangenen Jahren hat Woody Allen seine New-Yorker-Heimat öfter in Richtung Europa verlassen. Er drehte, teils mehrmals, in England, Frankreich, Italien und Spanien. Aber das waren nur Ortswechsel mit US-amerikanischen Schauspielern. Auch dieses Mal war das so geplant. Dann wäre Paris die Kulisse für etwas Mord und Totschlag unter in Frankreich lebenden Amerikanern geworden. Aber dann sagte Allen sich, dass es eine tolle Erfahrung wäre, den Film auf französisch zu drehen. Die Produzenten waren einverstanden.
Also drehte Allen seinen fünfzigsten Film mit französischen Schauspielern auf französisch. Ich habe die Originalfassung, also die französische Fassung, gesehen und es hörte sich gut an. Die Schauspieler spielen natürlich. Der Rhythmus der Sätze und Dialoge ist ebenso natürlich. Das wirkt, als habe ein französischer Regisseur einen Film in seiner Landessprache inszeniert. Angesichts der oft arg künstlich wirkenden US-amerikanischen Schauspieler in Hollywood-Debüts europäischer Regisseure ist das keine kleine, sondern eine sehr beachtliche Leistung. Vor allem weil Allen, so sagt er, kein französisch spricht und es noch weniger versteht. Er musste sich auf die Schauspieler und sein Gefühl verlassen.
Auch die Story ist deutlich besser als die Geschichten der letzten Woody-Allen-Filme, die immer wie ein Griff in den Zettelkasten wirkten. „Ein Glücksfall“ ist zwar nicht so gelungen, wie „Match Point“, aber sehr viel fehlt nicht. „Ein Glücksfall“ ist Woody Allens überaus gelungene Variante eines französischen Kriminalfilms aus den fünfziger Jahren, inclusive Seitensprung, eifersüchtigem Ehemann, Liebesstunden in einer lauschigen Dachgeschoss-Künstlerwohnung und viel cooler Jazzmusik, die beginnend mit Miles Davis improvisierter Musik für Louis Malles Debüt „Fahrstuhl zum Schafott“, öfter in französischen Kriminalfilmen erklang und sehr gut zur noirischen Filmgeschichte passte.
Und diese geht so: Nachdem Fanny und Alain sich zufällig begegnet sind und er ihr von seiner während der Schulzeit ihr nicht offenbarten Liebe erzählt, beginnt sie ihr Leben zu überdenken. Sie ist in zweiter Ehe mit Jean verheiratet. Ihre erste Ehe war mit einem Künstler und eigentlich gefällt ihr das Leben der Künstlerbohème. Mit Jean ist es anders. Finanziell hat sie ausgesorgt. Er ist liebevoll, aber auch etwas langweilig, kontrollsüchtig und skrupellos beim Erreichen seiner Ziele. Als er vermutet, dass Fanny ihn mit Alain betrügt, bittet er einige seiner halbseidenen Geschäftspartner, sich um das Problem zu kümmern.
„Ein Glücksfall“ wäre ein gelungener Abschluss für ein Lebenswerk. Aber inzwischen hat Woody Allen gesagt, dass er einen weiteren Film inszenieren möchte. Die Dreharbeiten könnten im Sommer 2024 in Italien beginnen.
Ein Glücksfall (Coup de Chance, Frankreich/USA/Großbritannien 2023)
Regie: Woody Allen
Drehbuch: Woody Allen
mit Lou de Laâge, Valérie Lemercier, Melvil Poupaud, Niels Schneider, Guillaume de Tonquédec
Im Krankenhaus begegnen sich eine selbstständige vierzigjährige Fotografin und eine hoffnungslos überforderte 17-jährige. Beide bringen ihr erstes Kind zur Welt. Später fragt sich die Fotografin, ob ihr Baby im Krankenhaus vertauscht wurde.
TV-Premiere. Den Krimiplot benutzt Pedro Almodóvar nur, um gewohnt feinfühlig eine komplexe Beziehungsgeschichte zwischen zwei Frauen und über die spanische Vergangenheit zu erzählen. Gewohnt überzeugend.
The Nice Guys – Nett war gestern! (The Nice Guys, USA 2016)
Regie: Shane Black
Drehbuch: Shane Black, Anthony Bagarozzi
Buch zum Film: Charles Ardai: The Nice Guys, 2016
Los Angeles in den Siebzigern: Nach einem etwas ruppigen Start arbeiten Privatdetektiv Holland March (Ryan Gosling) und Schläger Jackson Healy (Russell Crowe) zusammen. Sie wollen herausfinden, was der Tod eines Pornostars mit einer vermissten jungen Frau und einem labyrinthischen politischen Ränkespielen zu tun haben.
Wundervoll-kurzweiliger Mix aus Buddymovie und Privatdetektivkrimi und eine witzige Liebeserklärung an das Genre. Kultig.
mit Russell Crowe, Ryan Gosling, Angourie Rice, Matt Bomer, Margaret Qualley, Keith David, Yaya DaCosta, Beau Knapp, Kim Basinger, Lois Smith, Murielle Telio, Gil Gerard
Wiederholung: Mittwoch, 10. April, 01.20 Uhr (Taggenau!)
Eine Möglichkeit, diese Kritik zu beginnen, ist mit dem Hinweis, dass der 83-jährige Hayao Miyazaki vor wenigen Wochen für seinen bislang letzten Film „Der Junge und der Reiher“ den Oscar für den besten Animationsfilm erhielt.
Eine andere Möglichkeit ist, darauf hinzuweisen, dass der Werbespruch „kehrt zu seinem 45-jährigen Jubiläum zurück auf die große Leinwand“ etwas irreführend ist. Sicher, in Japan lief Miyazakis Film am 15. Dezember 1979 an. Seine deutsche Premiere hatte der Zeichentrickfilm erst 1984 als „Die Jäger des Cagliostro“ in einer rabiat um ungefähr sechzehn Minuten gekürzten Fassung. Seitdem wurde der Animationsfilm in Deutschland, weil aus wahrscheinlich nie zu klärenden Gründen aus Lupin III Hardyman wurde, auch als „Hardyman schafft alle“ und „Hardyman räumt auf“ präsentiert. Er erschien ungekürzt und neu synchronisiert. Aber im Kino lief er bislang offiziell noch nicht ungekürzt. Insofern kann auch gesagt werden „erstmals ungekürzt auf der deutschen Leinwand“.
Und jetzt, nachdem japanische Animationsfilme und die Filme des von Hayao Miyazaki gegründeten Studio Ghibli weltweit beliebt sind, sollte Miyazakis Spielfilmdebüt auch das für den Film angemessene Publikum finden. Denn „Lupin III: Das Schloss des Cagliostro“, so der aktuelle Titel, ist ein überaus gelungener und zeitloser Trickfilm für Kinder jeden Alters.
Arsène Lupin III ist eine von Monkey Punch (aka Kazuhiko Katō) erfundene Figur, die ihren ersten Auftritt 1967 in der nach ihm benannten Manga-Serie „Lupin III“ hatte. Der titelgebende Held ist der Enkel von Arsène Lupin, einem von Maurice Leblanc erfundenen Meisterdieb, der 1905 seinen ersten Auftritt hatte und seitdem äußerst beliebt ist. Auch Lupin III ist ein Meisterdieb. Sein jüngster Coup, mit dem auch Hayao Miyazakis Spielfilm beginnt, endet mit einer riesigen Beute und einem kleinen Schönheitsfehler. Nicht dass sie nach dem Diebstahl von einer Armee schießwütiger Gestalten verfolgt werden, sondern dass sie Falschgeld erbeutet haben. Lupin will sich, zusammen mit seinem treuen Gefährten Jigen, an dem Fälscher rächen. Er kennt ihn von früher. Es handelt sich um den Herrscher über das kleine europäische Fürstentum Cagliostro. Das Fürstentum ist einer dieser europäischen Kleinstaaten, die in Büchern und Filmen immer gut für eine zünftige und witzige Abenteuergeschichte sind.
Auf dem Weg zum Schloss des Grafen Cagliostro geraten unser Held und sein Freund in eine wilde Verfolgungsjagd. Sofort wollen Lupin und Jigen die von schießwütigen Männern verfolgte, ihnen vollkommen unbekannte, schöne, junge Frau retten. Das gelingt ihnen nicht. Aber Hayao Miyazaki präsentiert hier, wenige Minuten nach dem Beginn des Films, schon die zweite große Actionszene, die wieder vor Witz, Ideen und Einfällen nur so sprudelt. Am Ende der wilden Hazt sehen Lupin und Jigen, wie die Prinzessin Clarisse in das Schloss entführt wird.
Lupin weiß immer noch nichts über sie. Trotzdem will er sie retten und sich nebenbei am Graf Cagliostro rächen.
Das ist die Ausgangslage für eine fetzige und witzige Abenteuergeschichte. Das Schloss ist bestens gesichert und voller Fallen. Noch während Lupin in das Schloss eindringt, taucht sein alter Erzfeind, Interpol-Inspektor Zenigata, auf. Das ist kein Zufall, sondern von Lupin so gewollt. Zenigata soll Cagliostro und seine Männer ablenken und so Lupin näher an sein Ziel bringen.
In seinem ersten Kinofilm erzählt Hayao Miyazaki eine rasante und witzige Abenteuergeschichte, die 45 Jahre nach ihrer Premiere nichts von ihrem Schwung verloren hat. Es ist eine zeitlose Gaunerkomödie mit klar gezeichneten Helden und Bösewichtern und einem ordentlichen Retro-Touch. Die Fahrzeuge, die Gadgets, die heftig swingende Musik, die detailversessenen Zeichnungen und der selbstironische Humor stammen eindeutig aus einer anderen Zeit.
Insgesamt wirkt „Das Schloss des Cagliostro“ wie eine dieser locker beschwingten Abenteuerfilme aus den sechziger und siebziger Jahren, als ein jugendlich-elanvoller Gentleman-Gauner mit einem breiten Grinsen, einem frechen Mundwerk, einer Waffe in der linken, eine schöne Frau in der rechten Hand, sich durch ein haarsträubend gefährliches Abenteuer kalauert und kämpft. Mit einer ordentlichen Portion Slapstick und todesverachtendem Wagemut. Damals war Jean-Paul Belmondo die perfekte Besetzung für die Hauptrolle in einer solchen Actionkomödie.
Heute ist Miyazakis Kinodebüt ein Klassiker das japanischen Trickfilms. Rückblickend sah Miyazaki den Film als das Ende eines Teils seiner Karriere und seiner Beschäftigung mit Lupin III. Danach gründete er das Studio Ghibli – und der Rest ist Geschichte.
Jetzt kommt „Lupin III: Das Schloss des Cagliostro“ erstmals in voller Länge und, dank einer prächtig aussehenden 4K-Restaurierung, wundervoll aussehend in die Kinos.
Lupin III: Das Schloss des Cagliostro(Rupan Sansei: Kariosutoro no Shiro, Japan 1979)
Regie: Hayao Miyazaki
Drehbuch: Hayao Miyazaki, Haruya Yamazaki
LV: Monkey Punch: Lupin III (Manga-Serie)
mit (im Original den Stimmen) Yasuo Yamada, Eiko Masuyama, Kiyoshi Kobayashi, Makio Inoue, Gorô Naya, Sumi Shimamoto, Tarô Ishida
Länge: 100 Minuten
FSK: ab 6 Jahre
Kinostart: 9. April 2024
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auch bekannt unter
Die Jäger des Cagliostro (Kinotitel 1984, auf 89 Minuten gekürzt, als Regisseur wird im Fischer Film Almanach Mia Zaki genannt; im Lexikon des internationalen Films heißt der Regisseur in der gedruckten Ausgabe Miya Zaki, dort wird auch eine auf 82 Minuten gekürzte Version erwähnt)
Hardyman schafft alle (neuer Verleihtitel 1985)
Hardyman räumt auf (VHS)
Hardyman schafft alle – Freiheit für Prinzessin Yasmin (TV)
Drehbuch: Thomas McGuane, Robert Towne (ungenannt)
Montana, 1880: Ein Großrancher heuert einen Killer an, der einen Pferdedieb töten soll.
Und weil der Killer von Marlon Brando (teils in Frauenklamotten) und der Pferdedieb von Jack Nicholson gespielt wird, genießt der Western Kultstatus. Auch wenn das Schauspielerduell anders ausfällt, als man vermutet.
Davor, um 20.15 Uhr, zeigt Arte den Liebesfilm „Sayonara“ (USA 1957). Ebenfalls mit Marlon Brando.
mit Marlon Brando, Jack Nicholson, Randy Quaid, Kathleen Lloyd, Frederic Forrest, Harry Dean Stanton
Keine Zeit zu sterben (No time to die, Großbritannien 2021)
Regie: Cary Joji Fukunaga
Drehbuch: Neal Purvis, Robert Wade, Cary Joji Fukunaga, Phoebe Waller-Bridge (nach einer Geschichte von Neal Purvis, Robert Wade und Cary Joji Fukunaga) (basierend auf – das ist zu schön um es auf ein schnödes „Figur von Ian Fleming“ zu reduzieren – „The James Bond novels and stories written by Ian Fleming, and the 24 James Bond motion pictures produced by Danjaq, LLC and its predecessors in interest“)
James Bond (Daniel Craig), mal wieder aus dem Ruhestand geholt, kämpft gegen Bösewicht Safin (Rami Malek). Der will mit Viren schlimme Dinge anrichten.
TV-Premiere. Der längste und, so meine Minderheitenmeinung, einer der schlechtesten, vielleicht sogar der schlechteste James-Bond-Film dank eines konfusen Drehbuchs, hirnrissigen Wendungen, einem blassen Bösewicht, einer erschreckend schlecht aussehenden Zentrale des Bösewichts und einem vollkommen idiotischen Ende.
Das ist das Ende der kommerziell erfolgreichen Ära von Daniel Craig als James Bond. Filmisch ist das Ergebnis bestenfalls durchwachsen mit zwei wirklich guten, einem durchwachsenen (mit der starken Tendenz zum Schlechten) und zwei eindeutig schlechten Bond-Filmen.
mit Daniel Craig, Rami Malek, Léa Seydoux, Lashana Lynch, Ben Whishaw, Naomie Harris, Jeffrey Wright, Christoph Waltz, Ralph Fiennes, Rory Kinnear, David Dencik, Ana de Armas, Billy Magnussen, Dali Benssalah
alternative Schreibweise „James Bond 007: Keine Zeit zu sterben“
Wiederholung: Montag, 8. April, 00.30 Uhr (Taggenau!)
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Druckfrisch
Der Titel „Being Bond: Daniel Craig – Ein Rückblick“ verrät den Inhalt. In seinem Buch nimmt Filmjournalist Mark Salisbury sich die fünf Daniel-Craig-James-Bond-Filme vor in ausführlichen Analysen mit vielen Hintergrundinformationen und vielen Bilder von den Dreharbeiten und der Produktion. Dank des großen Querformats ist das Filmbuch ein Hingucker und, wegen des Gewichts, nur bedingt als Bettlektüre geeignet.
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Mark Salisbury: Being Bond: Daniel Craig – Ein Rückblick
Stilsicherer, an das Kino der Siebziger erinnernder, 1988 in New York spielender Polizeithriller über zwei Brüder: der eine folgt der Familientradition und wird Polizist; der andere Discobesitzer und Verbrecher. Jetzt steht der Discobesitzer vor der Frage, ob er vollständig mit seiner Familie brechen soll.
„Helden der Nacht hat alle Ingredienzien eines Genrethrillers. Mehr noch, Gray scheint einigen dieser Klassiker seine Reverenz erweisen wollen. In seinen besten Momenten ruft Helden der Nacht Erinnerungen an die Korruptionsthriller Sidney Lumets oder die dreckigen kleinen Nachtfilme Scorseses wach.“ (epd Film 2/2008)
Mit Joaquin Phoenix, Mark Wahlberg, Eva Mendes, Robert Duvall, Tony Musante
Es dauert nur wenige Minuten. Dann hat Alice Koffis Haare von einem imposanten, über viele Jahre gewachsenen Afro zu einer unauffälligen Kurzhaarfrisur geschnitten. Der Haarschnitt ist nötig, weil Koffi zu einer Familienfeier fahren, seine schwangere Frau, eine Weiße, der Familie vorstellen und ihren Segen für eine Heirat erhalten will. Sein Versuch, sich nach jahrelanger Abwesenheit in Belgien wieder mit seiner in einem Minendorf lebenden Familie zu versöhnen, schlägt fehl. Als er ein Baby im Arm hat, bekommt er Nasenbluten. Das Blut tropft auf das Baby. Seine gläubige Familie interpretiert das als böses Omen.
Ausgehend von diesem Ereignis entfaltet der 1978 in Lubumbashi (Demokratische Republik Kongo) geborene, seit vielen Jahren in Belgien lebende Musiker und Künstler Baloji eine breite Meditation über das Verhältnis von (Aber)glaube und Moderne im heutigen Kongo. Grob konzentriert er sich dabei auf vier Figuren, die unterschiedlich von der Hexerei betroffen sind und unterschiedlich mit ihr umgehen. Verbunden werden die miteinander verwobenen Geschichten und die verschiedenen Aspekten des Themas durch die Musik und die assoziative Montage der farbenfrohen, teils surrealen Bilder.
Das macht „Omen“ dann zu einem Experimentalfilm, bei dem die Oberfläche ansprechender als der nacherzählbare Inhalt ist. Eine herkömmliche Geschichte ist kaum erkennbar. Die Figuren, ihre Motive und ihre Beziehungen zueinander bleiben weitgehend rätselhaft. Und die Geschichte(n) entwickeln sich oft arg sprunghaft. Aber, wie gesagt, die Montage rettet einiges und als Experimentalfilm hat „Omen“ durchaus seinen Reiz.
Omen (Augure, Belgien/Deutschland/Frankreich/Niederlande/Südafrika/Demokratische Republik Kongo 2023)
Regie: Baloji
Drehbuch: Baloji, Thomas van Zuylen
mit Marc Zinga, Yves-Marina Gnahoua, Marcel Otete Kabeya, Eliane Umuhire, Lucie Debay, Denis Mpunga
Bei uns sind eigentlich nur die Bilder von den überfüllten Booten im Mittelmeer und den überfüllten Flüchtlingslagern an der südlichen Grenze zu Europa bekannt. Es heißt dann immer, die Flüchtlinge seien aus Afrika gekommen. Aber wer sie sind, wo sie genau herkommen und welchen strapaziösen Weg sie bis zum Mittelmeer auf sich genommen haben, ist nicht bekannt.
Dieses ‚davor‘ erzählt Regisseur Matteo Garrone („Gomorrha“, „Das Märchen der Märchen“) in seinem neuen Spielfilm „Ich Capitano“. Im Mittelpunkt des Films stehen die beiden aus dem Senegal kommenden Jugendlichen Seydou und Moussa. In Dakar leben die beiden Teenager ein ärmliches Leben. Wie viele Jugendliche träumen sie von einem besseren Leben. Zum Beispiel als Musiker auf einer großen Bühne. Dieses erhoffen sie sich in Europa. Gemeinsam und mit mühsam bei Knochenjobs abgespartem Geld machen sie sich auf den Weg. Es ist eine durchgehend gefährliche und beschwerliche Reise, die sie von Dakar durch die angrenzenden Länder und die Sahara nach Libyen führt. Von Tripolis aus wollen sie das Mittelmeer in Richtung Italien überqueren. Schon kurz nachdem sie ihre Heimatstadt verlassen haben, bemerken sie, dass der vor ihnen liegende Weg gefährlich ist und nicht alle das Ziel erreichen werden.
Matteo Garrone erzählt die Geschichte der beiden Jungs chronologisch als typische Auswanderergeschichte vom Verlassen des Heimatdorfs bis zur Ankunft im gelobten Land. Diese Geschichte wurde schon in unzähligen Variationen erzählt. So allerdings sehr selten. In „Ich Capitano“ brechen nämlich nicht Italiener oder Iren nach Amerika, sondern zwei Senegalesen nach Europa auf. Der Grund für das Verlassen ihrer Heimat ist, falls es keine Flucht aus politischen oder religiösen Gründen ist, damals und heute der gleiche: sie erhoffen sich im gelobten Land ein besseres Leben. Dieser Wunsch ist, nachdem Garrone deren ärmliches Leben in Dakar gezeigt hat, verständlich. Im Senegal werden sie immer arm bleiben.
Während des gesamten farbenprächtigen Films bleibt Garrone bei Seydou und Mossa, die vorzüglich von den aus Senegal kommenden Newcomern Seydou Sarr und Moustapha Fall gespielt werden. Deren Reiseabenteuer, die alle auf wahren Ereignissen basieren, erzählt Garrone durchgehend mit den vertrauten Mitteln des klassischen Hollywoodkinos. Das erleichtert die Identifikation und es markiert einen wohltuenden Wechsel der Perspektive. Aus den Menschen, die im tagespolitischen Diskurs davon abgehalten werden sollen, das Gebiet der Europäischen Union zu betreten, werden Menschen, die einen Traum verfolgen. Garrone konzentriert sich in seinem bildgewaltigem und berührenden Abenteuerfilm auf die beiden Jungen, ihre wenigen schönen und vielen traumatischen Erlebnisse und wie sie versuchen, anständig zu bleiben.
Seine Premiere hatte „Ich Capitano“ 2023 in Venedig. Dort erhielt der Film mehrere Preise. Garrone erhielt den Silbernen Löwen für die Beste Regie. Nominierungen für den Europäischen Filmpreis, den Golden Globe und den Oscar als Bester Internationaler Film schlossen sich an.
Ich Capitano (Io capitano, Italien/Belgien 2023)
Regie: Matteo Garrone
Drehbuch: Matteo Garrone, Massimo Gaudioso, Massimo Ceccherini, Andrea Tagliaferri
Ein Scharfschütze erschießt in Pittsburgh am helllichten Tag fünf Menschen. Als Täter wird der Ex-Soldat James Barr verhaftet, der nur fordert, dass Jack Reacher geholt wird. Und Reacher, ein Ex-Militärpolizist, der immer unter dem Radar bleibt, taucht kurz darauf in Pittsburgh auf. Allerdings nicht, um Barr zu helfen.
2016 hatte Tom Cruise in „Jack Reacher: Kein Weg zurück“ (Jack Reacher: Never go back) seinen zweiten und bislang letzten Auftritt als Jack Reacher.
mit Tom Cruise, Rosamund Pike, Richard Jenkins, David Oyelowo, Werner Herzog, Jai Courtney, Vladimir Sizov, Joseph Sikora , Michael Raymond-James, Alexia Fast, Josh Helman, Robert Duvall, Lee Child (Cameo als Polizist)
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Lesetipp
Zuletzt erschien auf Deutsch der 25. Jack-Reacher-Thriller. „Der Sündenbock“ ist der erste von mehreren Romanen, die Lee Child mit seinem jüngeren Bruder Andrew Child schreibt. Andrew Child veröffentlichte als Andrew Grant einige, teils ins Deutsche übersetzte Thriller. Geplant ist, dass Andrew später die Serie allein fortschreibt.
In „Der Sündenbock“ landet der ziellos durch die USA reisende ehemalige Militärsoldat Jack Reacher in einer Kleinstadt, die von Hackern erpresst wird. Reacher beginnt sie zu suchen.
Auf einer schnurgeraden Landstraße überfährt Andrea (Birgit Minichmayr) mitten in der Nacht ihren Mann. Sie war gerade mit dem Telefon beschäftigt. Und sie konnte auch nicht wirklich ahnen, dass ihr stockbesoffener Gatte gerade jetzt über die Straße stolpert. Ihre Trauer hält sich in Grenzen. Immerhin ist die Ehe schon vorbei. Nur das mit der Scheidung hat noch nicht geklappt. Naja, irgendwie hat es jetzt ja doch geklappt. Dummerweise ist Andrea Polizistin. Im Dienst verfolgt sie ohne Nachsicht Verbrecher, wie zum Beispiel zu schnell fahrende Nachbarn. In einigen Tagen soll sie in St. Pölten eine neue Stelle als Kriminalinspektorin antreten. Diese Stelle will sie unbedingt antreten. Also fährt sie weiter. Ohne die Kollegen zu informieren.
Kurz darauf wird sie von diesen angerufen. Ihr Mann wurde tot auf der Straße gefunden. Der Täter stehe neben ihnen. Es handelt sich um Franz (Josef Hader), einen katholischen Religionslehrer und trockenen Alkoholiker. Er bekennt sich sofort schuldig und ist mit jeder Strafe einverstanden. Auch als der Gerichtsmediziner herausfindet, dass Franz Andy nicht überfahren hat, besteht er weiterhin auf seiner Schuld. Mit sturer Beharrlichkeit plant er schon sein künftiges Leben zwischen Gefängnis und Suizid.
Und das ist ungefähr der Moment, an dem Josef Haders tiefschwarze Tragikomödie „Andrea lässt sich scheiden“ beginnt auseinander zu fallen. Bis dahin zeichnete er ein bedrückendes Porträt der niederösterreichischen Provinz, ihres Stillstands, ihres Miefs und ihrer kleinbürgerlichen Enge. Wer hier nicht schnell verschwindet, blickt einer Karriere als Alkoholiker entgegen.
Nachdem Franz unbedingt die Verantwortung für den Tod von Andreas Mann übernehmen will, könnte alles, dem alten Komödiengrundsatz folgend, schlimmer und noch schlimmer kommen. Aber Hader geht dieses Mal einen anderen Weg. Jeden Konflikt entdramatisiert er konsequent. Jedes Problem löst sich in Luft auf. Das beginnt schon damit, dass Andrea zwar ihren Mann überfahren hat, aber noch ehe sie über die Folgen und was sie tun wird, nachdenken kann, übernimmt jemand anderes die Verantwortung für die Tat. Später hilft ihr ein Kollege aus St. Pölten. Alle Kollegen und Dorfbewohner trauern mit ihr. Und Franz nimmt als reuewilliger Sünder jede Schuld auf sich. Er hat es, so glaubt er, verdient.
Auf dem Papier wirkt dieser Verstoß gegen die Regeln des dramatischen Erzählens wie ein interessantes Experiment. Aber gekoppelt an die legendäre, hier im Übermaß zelebrierte Ösi-Langsamkeit wird „Andrea lässt sich scheiden“ schnell zu einer arg harmlosen Geduldsprobe.
Andrea lässt sich scheiden (Österreich 2024)
Regie: Josef Hader
Drehbuch: Josef Hader, Florian Kloibhofer
mit Birgit Minichmayr, Josef Hader, Thomas Schubert, Robert Stadlober, Branko Samarovski, Thomas Stipsits
Die Geschichte ist einfach: ein Mann will den Mörder seiner Mutter, den Chef der Polizei, töten. Und weil es sich um einen Actionfilm handelt, geschieht dies nicht mittels eines perfiden Plans oder einer langen Gerichtsverhandlung, sondern mit Gewalt. Es wird gekämpft und getötet, bis der Bösewicht und seine Schergen tot sind. Auch das ist nicht furchtbar kompliziert. Schließlich muss die Story nur die Actionszenen zusammenhalten.
Trotzdem gelingt es dem bekannten Schauspieler Dev Patel, der hier auch die Idee für die Story hatte, am Drehbuch mitschrieb, die Regie und auch gleich noch die Hauptrolle übernahm, die Geschichte so umständlich zu erzählen, dass es Ewigkeiten dauert, bis die simple Prämisse erklärt ist. In den ersten fünfundvierzig Minuten wird uns das Leben des Protagonisten, der nur Kid (Dev Patel) heißt, zwischen Schaukämpfen in einem illegalem Kampfclub und seinem Leben im Slum gezeigt. Dass das Teil eines größeren Plans sein könnte, ahnen wir nicht aus der gezeigten Filmgeschichte. Nach fünfundvierzig Minuten gibt es in einem Club eine größere Actionszene. Kid will in dem Moment einen bis dahin unbekannten Mann aus unbekannten Motiven umbringen. Erst eine halbe Stunde später verrät uns der Film, dass dieser Mann ein hochrangiger Polizist ist und dass er, wie wir in diesem Moment erfahren, vor Jahren Kids Mutter ermordete. Kid will ihren Tod rächen.
Nach zwei Kurzfilmen benutzt Dev Patel in seinem Spielfilmdebüt die „John Wick“-Formel, aber ohne Sinn und Verstand. Bei den „John Wick“-Filmen ist immer klar, um was es geht. Das gilt für die Geschichte und die Absichten der einzelnen Figuren. Die Farbdramaturgie ist abwechslungsreich und durchgehend überzeugend. Bei den Actionszenen wird so wenig wie möglich geschnitten. Die Kämpfe und die Leistungen der Schauspieler und Stuntleute können also genau nachverfolgt werden.
In „Monkey Man“ ist das anders. Die Farbpalette besteht weitgehend aus Schwarz und Gelb. Budgetschonend werden die Szenen meistens aus dem Hintergrund heraus beleuchtet. Aufgrund vieler Schnitte, Wackelkamera, Nah- und Detailaufnahmen kann die Action über weite Strecken bestenfalls erahnt werden. Die wenigen Szenen, in denen nicht im Sekundentakt geschnitten wird, fallen umso mehr auf. Die Geschichte wird, aus keinem nachvollziebarem Grund, grotesk umständlich erzählt. Die kaum eindimensionalen Figuren sind einem durchgehend egal.
„Monkey Man“ ist ein im Schneideraum angerichtetes Desaster.
Monkey Man(Monkey Man, USA 2024)
Regie: Dev Patel
Drehbuch: Dev Patel, Paul Angunawela, John Collee (basierend auf einer Story von Dev Patel)
mit Dev Patel, Sharlto Copley, Pitobash, Vipin Sharma, Sikandar Kher, Adithi Kalkunte, Sobhita Dhulipala