TV-Tipp für den 4. Dezember: Die drei Tage des Condor

Dezember 3, 2022

Arte, 20.15

Die drei Tage des Condor (Three Day of the Condor, USA 1975)

Regie: Sydney Pollack

Drehbuch: Lorenzo Semple jr., David Rayfield

LV: James Grady: Six days of the Condor, 1974 (Die 6 Tage des Condor)

Joe Turner ist ein Büromensch und Angestellter der CIA. Als er nach einem Einkauf in das Büro zurückkommt sind seine Kollegen tot und er wird gejagt. Von den eigenen Leuten, wie Turner schnell herausfindet. Turner kämpft um sein Leben.

Der spannende Thriller entstand unmittelbar nach der Watergate-Affäre und fängt – wie einige andere fast zeitgleich entstandene Filme – die damalige Atmosphäre von Mißtrauen und Paranoia gut ein.

Das Drehbuch erhielt den Edgar-Allan-Poe-Preis.

Mit Robert Redford, Faye Dunaway, Cliff Robertson, Max von Sydow, John Houseman

Hinweise


Rotten Tomatoes über „Die drei Tage des Condor“

Wikipedia über „Die drei Tage des Condor“ (deutsch, englisch)

New York Times: Vincent Canby über „Three days of the Condor“ (25. September 1975)

Jump Cut: Patrick McGilligan redet mit Sydney Pollack (1976)

Lorenzo Semple jr./David Rayfield: Three days of the Condor (Drehbuch, Fassung vom 3. Februar 1975)

Homepage von James Grady

Meine Besprechung von Alan Elliottt/Sydney Pollacks „Aretha Franklin: Amazing Grace“ (Amazing Grace, USA 2018)

Mein Nachruf auf Sydney Pollack


Neu im Kino/Filmkritik: „Der kleine Nick erzählt vom Glück“ und wir sind beglückt

Dezember 3, 2022

Der kleine Nick, dieser sympathische in einem Fünfziger-Jahre-Paris lebende Junge, dürfte allgemein bekannt sein aus Büchern und Verfilmungen. Die jüngste Verfilmung, „Der kleine Nick auf Schatzsuche“, lief im Sommer im Kino.

Aber wie erfanden der Zeichner Jean-Jacques Sempé und der Comicautor René Goscinny diese Figur? Wie erfanden sie danach seine Welt, seine Eltern und seine Freunde? Und wer waren Sempé und Goscinny?

Diese Fragen beantworten Amandine Fredon und Benjamin Massoubre in ihrem Dokumentarfilm „Der kleine Nick erzählt vom Glück“ als Animationsfilm. Neben den Fakten über die beiden Erfinder des kleinen Nicks präsentieren sie auch einige „Der kleine Nick“-Geschichten. Dabei tritt der kleine Nick immer wieder aus seinen Geschichten heraus. Er unterhält sich mit seinen Schöpfer. Er fragt sie über ihr Leben aus. Er lebt mit ihnen, hört mit Jean-Jacques Sempé Jazz und tanzt mit ihm. Und er beteiligt sich an der Entwicklung seiner Welt. Dabei konzentrieren Fredon und Massoubre sich vor allem auf das Leben von Sempé und Goscinny bevor sie diese heute immer noch beliebte Figur erfanden, wie sie ihn erfanden und die ersten Jahre der Figur, die sehr schnell zu einem Publikumserfolg wurde.

Der kleine Nick erzählt vom Glück“ ist ein kurzweiliger, humorvoller, äußerst charmanter Film in dem sich „kleiner Nick“-Geschichten und Informationen über die Macher gelungen abwechseln und teilweise ineinander übergehen. So gelingt der Einstieg in die Welt des kleinen Nicks und seiner beiden Schöpfer mühelos.

Der kleine Nick erzählt vom Glück (Le petit Nicolas: Qu’est-ce qu’on attend pour être heureux?, Frankreich/Luxemburg 2022)

Regie: Amandine Fredon, Benjamin Massoubre

Drehbuch: Anne Goscinny, Michel Fessler, Benjamin Massoubre (nach dem Werk von René Goscinny und Jean-Jacques Sempé)

Länge: 86 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

Hinweise

AlloCiné über „Der kleine Nick erzählt vom Glück“

Moviepilot über „Der kleine Nick erzählt vom Glück“

Wikipedia über „Der kleine Nick erzählt vom Glück“

Meine Besprechung von Laurent Tirards „Der kleine Nick macht Ferien“ (Les Vacances du petit Nicolas, Frankreich 2014)

Meine Besprechung von Julien Rappeneaus „Der kleine Nick auf Schatzsuche“ (Le Trésor du Petit Nicolas, Frankreich 2021)


TV-Tipp für den 3. Dezember: Last Action Hero

Dezember 2, 2022

ZDFneo, 22.05

Last Action Hero (Last Action Hero, USA 1993)

Regie: John McTiernan

Drehbuch: Shane Black, David Arnott (nach einer Geschichte von Zak Penn und Adam Leff)

Jack Slade ist ein Superbulle wie es ihn nur im Film gibt. Und das ist er auch: ein fiktionaler Polizist. Als er durch eine Verkettung unglücklicher Umstände – der junge Danny und eine magische Eintrittskarte haben etwas damit zu tun – in der realen Welt landet, bemerkt er schmerzhaft den Unterschied zwischen Fiktion und Fakt. Daneben muss er immer noch einen fiesen Filmganoven jagen.

Actionkomödie, die damals beim Publikum und der Kritik nicht so gut ankam. Inzwischen sieht das anders aus.

mit Arnold Schwarzenegger, Austin O’Brien, Charles Dance, Robert Prosky, Tom Noonan, Frank McRae, Anthony Quinn, F. Murray Abraham, Mercedes Ruehl, Art Carney

auch bekannt als „Der letzte Action-Held“ (Kinotitel)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Last Action Hero“

Wikipedia über „Last Action Hero“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von John McTiernans „Nomads – Tod aus dem Nichts“ (Nomads, USA 1985)


Neu im Kino/Filmkritik: Für Abtreibungen: „Call Jane“

Dezember 2, 2022

2017 stand das Drehbuch für „Call Jane“ auf der Blacklist. Das ist eine Liste der besten Drehbücher, die in Hollywood zirkulieren, aber noch nicht verfilmt sind.

Jetzt kommt die Verfilmung des Buchs in die Kinos. Und nach einem im Juni 2022 erfolgtem Urteil des Supreme Courts ist die in den späten sechziger Jahren spielende Geschichte wieder brennend aktuell.

Joy Griffin (Elizabeth Banks) ist eine typische Vorstadt-Hausfrau, wie wir sie aus US-Filmen und US-TV-Familienserien, die in den Fünfzigern und Sechzigern spielen, kennen. Ihr Mann ist ein in der Kanzlei beliebter Anwalt, dem eine große Karriere prophezeit wird. Sie erledigt den Haushalt. Sie kocht für ihren Mann und ihre langsam erwachsen werdende Tochter jeden Tag ein großes Abendessen. Sie scheint restlos glücklich zu sein. Alles scheint perfekt zu sein.

Als Joy im August 1968 wieder schwanger wird, sagt ihr Arzt ihr, dass sie die Schwangerschaft wegen einer Erkrankung ihres Herzmuskels wahrscheinlich nicht überleben werde. Durch eine Abtreibung könnte ihr Tod verhindert werden. Aber damals war in den USA eine Abtreibung verboten. Ein männlich besetztes Gremium könnte über eine Ausnahme entscheiden. Sie lehnen ab. Auch andere Möglichkeiten schlagen aus verschiedenen Gründen fehl.

Da entdeckt Joy einen Zettel, der über die Arbeit der Janes informiert. Das ist ihr erster Kontakt zu dieser Frauengruppe. Sie sind – was wir im Film langsam erfahren – eine in den USA bekannte, in mehreren Spiel- und Dokumentarfilmen porträtierte Gruppe. 1968 fanden sie als Untergrund-Selbsthilfegruppe zusammen. Sie vermittelten Abtreibungen. Zunächst wurden die Abtreibungen von Ärzten durchgeführt. Später von Mitgliedern der Gruppe. Im Gegensatz zu irgendwelchen Kurpfuschern, die Frauen bei von ihnen vorgenommenen Abtreibungen schwer verletzten und töteten, geschah das bei den Janes nicht. 1973 legalisierte der Supreme Court mit dem Urteil Roe v. Wade die Abtreibung. Das Jane Kollektiv löste sich auf. Ihre Dienste wurden nicht mehr benötigt. Ärzte und Kliniken konnten es seitdem legal tun.

All das weiß Joy nicht, als sie dort anruft und die Abtreibung vornehmen lässt. Danach könnte die Angelegenheit für sie vorbei sein. Aber Virginia (Sigourney Weaver), die Leiterin der Gruppe, ruft sie kurz darauf an. Sie müsse ihnen helfen und eine Frau zu einer Abtreibung fahren. Joy tut es und engagiert sich danach immer stärker in der Gruppe.

Call Jane“ ist ein erstaunlich langweiliger Film über ein wichtiges, hochgradig umstrittenes Thema und über das Jane Kollektiv.

Die Drehbuchautorinnen Hayley Schore udnd Roshan Sethi und Regisseurin Phyllis Nagy (Drehbuch für die tolle Patricia-Highsmith-Verfilmung „Carol“) erzählen eine Geschichte, die sich großzügig bei den Fakten bedient. Letztendlich wird eine erfundene Geschichte erzählt. Der historische Hintergrund bleibt diffus. Die Bedrohungen der Janes durch die Mafia und die Polizei sind nicht existent. Es wirkt, als böten sie eine vor dem Gesetz verbotene, aber allgemein akzeptierte und willkommene Dienstleistung an. Auch in der Gruppe gibt es keine nennenswerten Konflikte. Das gleiche gilt für Joys Familie. Über lange Zeit tolerieren ihr Mann und ihre Tochter klaglos, dass Joy neben dem Haushalt andere Dinge tut. Als sie erfahren, dass sie keinen Malkurs besucht, sondern ohne eine medizinische Ausbildung Abtreibungen vornimmt, haben sie nach einer kurzen Schocksekunde keine Probleme damit. Im Gegenteil.

Auch über Joys Motive, also warum sich eine konservative Vorstadthausfrau in einem feministischem Kollektiv engagiert, Straftaten begeht und so ihr gesamtes bisheriges Leben gefährdet, erfahren wir nichts. Sie tut es, weil es so im Drehbuch steht.

Diese durchgehende Abwesenheit von Konflikten führt dazu, dass die Geschichte über zwei Stunden vor sich hin plätschert und niemals auch nur im Ansatz ihr Potential ausschöpft.

Call Jane (Call Jane, USA 2022)

Regie: Phyllis Nagy

Drehbuch: Hayley Schore, Roshan Sethi

mit Elizabeth Banks, Sigourney Weaver, Chris Messina, Kate Mara, Wunmi Mosaku, Cory Michael Smith, Grace Edwards, Aida Turturro

Länge: 122 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Call Jane“

Metacritic über „Call Jane“

Rotten Tomatoes über „Call Jane“

Wikipedia über „Call Jane“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 2. Dezember: Django

Dezember 1, 2022

3sat, 23.55

Django (Django, Italien/Spanien 1966)

Regie: Sergio Corbucci

Drehbuch: Franco Rossetti, José Maesso, Piero Vivarelli

Einer der schwarzhumorigen Klassiker des Italo-Westerns: Franco Nero (der mit dieser Rolle zum Weltstar wurde) zieht einen Sarg durch den Matsch, sagt wenig und arbeitet am liebsten, mit seiner Bleispritze, auf eigene Rechnung.

Franco Nero ist ein von Minderwertigkeitsgefühlen geplagter Witzbold, der in einem Monat 125 bis 135 Menschen mit einem Maschinengewehr umlegt. Sergio Corbucci hat viel Humor.“ (Friedemann Hahn: Der Italo-Western, 1973)

atmosphärisch dichter, gut gebauter und geschickt inszenierter Film“ (Reclams Filmführer 1973/1977)

mit Franco Nero, Loredana Nusciak, José Bodalo, Angel Alvarez

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Django“

Wikipedia über „Django“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: Stirb langsam, „Violent Night“

Dezember 1, 2022

Dieser Film ist vollkommen unrealistisch. Ein echter Weihnachtsmann, der innerhalb weniger Stunden auf der ganzen Welt Geschenke verteilt, hätte niemals die halbe Nacht gebraucht, um eine Geiselnahme zu beenden. Das hätte er innerhalb von Sekundenbruchteilen erledigt, die Geschenke an die lieben Kinder, die Rutenschläge an die bösen Kinder verteilt und schon wäre er auf dem Weg zum nächsten Haus gewesen.

Doch der Santa Claus (David Harbour) in Tommy Wirkolas brutaler Komödie „Violent Night“ braucht einen zweistündigen Spielfilm und den größten Teil der Nacht, um die Geiselnahme im Haus der Lightstones zu beenden. Die Lightstones sind eine stinkreiche Familie, deren Mitglieder sich abgrundtief verachten und hassen. Am Heiligabend versammeln sie sich im Haus ihrer Mutter. Gertrude Lightstone (Beverly D’Angelo) ist eine mit spitzen Bemerkungen und Schimpfworten um sich werfenden Patriarchin. Ein echtes Ekel eben. Ihre Tochter Alva (Edi Patterson) will nur die Erbschaft. Ihr neuer Freund ist der Schauspieler Morgan Steel (Cam Gigandet), der in unzähligen Actionfilmen den stahlharten Helden spielte. Im normalen Leben ist er ein Großmaul und Feigling. Alvas Sohn, noch ein Unsympath, ist vor allem mit seinem Telefon beschäftigt.

Gertrudes Sohn Jason (Alex Hassell) ist viel netter. Das verrät schon sein peinlicher Pullover. Außerdem erträgt er die Weihnachtsfeier, um seiner siebenjährigen Tochter Trudy (Leah Brady) eine Freude zu bereiten. Diese glaubt noch an den Weihnachtsmann und sie hat einen Weihnachtswunsch: ihre Eltern sollen wieder zusammen kommen. Ihre Mutter Linda (Alexis Louder), die ebenfalls mitgekommen ist, hält das für ausgeschlossen.

Diese Weihnachsfeier einer sich in Geldgier und Hass verbundenen Familie wird von einer Bande bewaffneter Verbrecher gestört. Angeführt werden sie von Ben (John Leguizamo), den alle Scrooge nennen dürfen. Sie wollen die im Keller des einsam gelegenen Anwesens in einem Safe gebunkerten 300 Millionen US-Dollar klauen.

In diese Situation stolpert Santa Claus. Er ist der wirkliche, echte wahrhaftige Weihnachtsmann und er hat schon seit Ewigkeiten keine Lust mehr auf die Arbeit. Er trinkt. Er flucht. Er kotzt. Und er ißt herumliegende Weihnachtskekse. Beim Abliefern der Geschenke bemerkt er die Verbrecher. Aber er will nichts unternehmen. Doch da bittet Trudy ihn, ihnen zu helfen. Weil Trudy auf der Liste der braven Kinder steht, beginnt er gegen die Bösewichter zu kämpfen.

Spätestens ab diesem Moment ist „Violent Night“ eine weitere „Stirb langsam“-Variante, die immer wieder überdeutlich an das bessere Vorbild erinnert, in dem der New Yorker Polizist John McClane in einem Hochhaus die Pläne einer Bande Geiselnehmer stört.

In Wirkolas Version ist alles deutlich brutaler, blutiger, goriger und derber im Humor. Die einzelnen Figuren sind erwartbar eindimensional. Aber die Schauspieler hatten erkennbar ihren Spaß. Die Story erschöpft sich in einer Abfolge von Witzen und Kämpfen.

Violent Night“ ist ein Comic, in dem mit Gewalt auf Gewalt reagiert wird und sie atemberaubend schnell, blutig und tödlich eskaliert. Wenn zwei Bösewichter in einer „Kevin – Allein zu Haus“-Szene böse malträtiert werden, sorgt das für garantierte Lacher.

Die Kämpfe, in denen Santa Claus Bösewichter tötet, sind ebenso brutal. Wobei Santa sich wie ein übergewichtiger Betrunkener (was er ist) blind in den Kampf stürzt und einfach alle Bösewichter tötet. Mit den Mitteln, die er gerade zur Hand hat von der Weihnachtbeleuchtung über Deko-Sterne bis hin zum Schädelschmetterer. Dabei unterscheidet Santa sich kaum von einem normalen Menschen. Diese Abwesenheit von irgendwelchen Superkräften (außer der Sache mit dem Kaminschacht) ist dann schon etwas enttäuschend. Denn„Violent Night“ hätte, mit wenigen notwendigen Änderungen im Text und bei den Kämpfen, genauso funktioniert, wenn Santa Claus nicht der echte Weihnachtsmann, sondern ein normal-falscher Weihnachtsmann gewesen wäre.

Mit zwei Stunden ist das Schlachtfest zu lang geraten. Vor allem in der Mitte, wenn Santa mit Trudy gefühlte Ewigkeiten am Walkie-Talkie Nettigkeiten austauscht und er sich an seine Vergangenheit erinnert, hätte gekürzt werden können zugunsten eines schneller eskalierenden Konflikts. Denn die Menschen, die sich diesen Weihnachtsfilm ansehen, wollen vor allem Blut und Gewalt, garniert mit in diesem Fall plattem Humor und einigen Anspielungen auf andere Filme, sehen. Die im Film vorhandenen Süßlichkeiten und Klischees über Weihnachten werden notgedrungen toleriert als Konzessionen an das Genre Weihnachtsfilm, das von „Violent Night“ letztendlich auch bedient wird.

In den kommenden Jahren könnte „Violent Night“, mangels Alternativen, zu einem immer wieder gern gesehenem Weihnachsfilm im kleinen Kino um die Ecke werden.

Violent Night (Violent Night, USA 2022)

Regie: Tommy Wirkola

Drehbuch: Pat Casey, Josh Miller

mit David Harbour, Beverly D’Angelo, John Leguizamo, Leah Brady, Alex Hassell, Alexis Louder, Cam Gigandet, Edi Patterson, Brendan Fletcher, Mike Dopud

Länge: 112 Minuten

FSK: ab 16 Jahre („für Jugendliche ab 16 Jahren klar als überzeichnete Mischung aus Actionfilm und Weihnachtsfilm-Parodie erkennbar, die nichts mit der Lebensrealität zu tun hat“ [aus der Freigabe-Begründung])

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Violent Night“

Metacritic über „Violent Night“

Rotten Tomatoes über „Violent Night“

Wikipedia über „Violent Night“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Tommy Wirkolas „Hänsel und Gretel: Hexenjäger“ (Hansel and Gretel: Witch Hunters, USA/Deutschland 2012)

Meine Besprechung von Tommy Wirkolas „What happened to Monday?“ (What happened to Monday?, Großbritannien 2017)

Meine Besprechung von Tommy Wirkolas „The Trip – Ein mörderisches Wochenende“ (I onde dager, Norwegen 2021)


TV-Tipp für den 1. Dezember: Deadlock

November 30, 2022

RBB, 23.50

Deadlock (Deutschland 1970)

Regie: Roland Klick

Drehbuch: Roland Klick

Nach einem Bankraub flüchten zwei Bankräuber in ein verlassenes Kaff – und liefern sich schnell mit den dort lebenden Goldgräbern ein tödliches Duell.

Ein deutscher Genrefilm, ein in der Gegenwart spielender Western, der wirklich nichts von der Biederkeit und Langeweile vieler anderer deutscher Genrefilme der letzten Jahrzehnte hat, sondern originäres Kino ist.

„Ein Quasi-Western, ein Reißer und ein lyrisches Gespinst aus Farben, flirrendem Licht, Wüstensand und schemenhaften Figuren.“ (Wolf Donner, Die Zeit)

Die Musik ist von „The Can“, die Bilder von Robert Van Ackeren („Harlis“, „Die flambierte Frau“).

mit Mario Adorf, Anthony Dawson, Mascha Elm Rabben, Marquard Bohm, Sigurd Fitzek, Betty Segal

Hinweise

Homepage von Roland Klick

Filmportal über „Deadlock“

Wikipedia über Roland Klick und „Deadlock“


Neu im Kino/Filmkritik: Über Luca Guadagninos „Bones and All“

November 30, 2022

Bleiben wir in den USA und den Problemen des Erwachsenwerdens. Neben James Grays 1980 in New York spielendem Drama „Zeiten des Umbruchs“ kommt diese Woche Luca Guadagninos „Bones and All“ in die Kinos. Sein Roadmovie spielt in den frühen achtziger Jahren im US-amerikanischen Hinterland.

Nachdem die Schülerin Maren (Taylor Russell) auf einer Feier eine Klassenkameradin beißt und wortwörtlich ‚zum Fressen gern hat‘, hat ihr Vater genug. Er legt ihr eine Musikkassette hin und verschwindet. Maren macht sich mit leichtem Gepäck und der Musikkassette auf den Weg zu dem Ort, an dem ihre ihr unbekannte Mutter vor Ewigkeiten lebte. Auf die Kassette, die sie sich während der Fahrt in Überlandbussen anhört, hat Marens Vater ihre Lebensgeschichte gesprochen. Das was er ihr nicht sagt, muss sie allein herausfinden.

An ihrem ersten Tag trifft sie auf Sully (Mark Rylance). Er sieht wie ein alter Indianer aus und er ist ebenfalls ein Kannibale. Als er ihr die hohe Kunst des Verzehrs von Menschen beibringen will, ist sie von ihm abgestoßen. Sie flüchtet und trifft auf Lee (Timothée Chalamet), einen charmanten, etwas älteren Drifter.

Gemeinsam machen sie sich auf den Weg durch die USA.

Diese Reise schildert Luca Guadagnino in seinem ersten US-Film als Roadmovie durch menschenleere Gegenden und Gegenden, die niemals so etwas wie eine ‚beste Zeit‘ erlebten. Die Grundlage für den Film ist dabei der gleichnamige, nicht ins Deutsche übersetzte Young-Adult-Roman von Camille DeAngelis. Guadagnino erzählt Marens Coming-of-Age-Geschichte so, dass sie sich nicht mehr an das normale Publikum von Young-Adult-Filmen richtet. Es ist eher eine düstere Sozialstudie, die an Andrea Arnolds „American Honey“, ein anderer Abgesang auf den amerikanischen Traum, erinnert. Er erinnert auch ein wenig an Kathryn Bigelows „Near Dark“. In dem Horrorthriller von 1987 fährt eine Gruppe Vampire (wobei dieses Wort im Film nie fällt) durch die US-amerikanische Wüste und sucht ihre Opfer und manchmal auch neue Mitglieder.

Die Kultur der „Esser“, wie sich die Kannibalen nennen, bleibt, trotz Sully Erklärungen, diffus. Sie können sich über große Entfernungen riechen. Trotzdem bilden sie keine Gemeinschaft und leben am Rand der Gesellschaft. Unklar bleibt, ob und in welcher Form sie zum Überleben Menschenfleisch essen müssen. Es ist auch unklar, wie jemand zum Esser wird. Das sind Dinge, die in einem Vampir- oder Zombiefilm geklärt sind und in diesen Filmen für eine beträchtliche Spannung sorgen. Dafür interessiert Guadagnino sich nicht weiter. Bei ihm ist der Kannibalismus einfach nur ein etwas seltsames Lieblingsessen.

Wie James Grays „Zeiten des Umbruchs“ enttäuscht auch „Bones and All“. Bei all dem Talent – Guadagninos vorherigen Filme, wie „A bigger Splash“ und „Call me by your Name“, haben mir sehr gut gefallen –, den guten Schauspielern und den oft sehr gelungenen Szenen, bleibt in seinem Hybrid aus Horror-, Liebes- und Roadmovie immer eine Leere zurück.

Bones and All (Bones and All, Italien/USA 2022)

Regie: Luca Guadagnino

Drehbuch: David Kajganich

LV: Camille DeAngelis: Bones and All, 2015

mit Taylor Russell, Timothée Chalamet, Mark Rylance, André Holland, David Gordon Green, Michael Stuhlbarg, Jessica Harper, Chloë Sevigny

Länge: 131 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Bones and All“

Metacritic über „Bones and All“

Rotten Tomatoes über „Bones and All“

Wikipedia über „Bones and All“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Luca Guadagninos „A bigger Splash“ (A bigger Splash, Italien/Frankreich 2015) und der DVD

Meine Besprechung von Luca Guadagninos „Call me by your Name“ (Call me by your Name, USA 2017)

Meine Besprechung von Luca Guadagninos „Suspiria“ (Suspiria, Italien/USA 2018)


Neu im Kino/Filmkritik: James Gray erzählt von seinen „Zeiten des Umbruchs“

November 30, 2022

Seine vorherigen Filme „Die versunkene Stadt Z“ und „Ad Astra“ spielten einmal in der Vergangenheit und einmal in der Zukunft und beide Male nicht in New York, seinem Geburtsort und Handlungsort seiner anderen Filme. Dorthin kehrt James Gray mit seinem neuesten Film zurück und er erzählt einige Wochen aus seiner Kindheit. Dabei ist „Zeiten des Umbruchs“ ein seltsamer Film. Denn obwohl vieles, sehr vieles, eigentlich fast alles auf seinem Leben basiert, wirkt der Film, als ob nichts auf seinem Leben basiere und er eine vollkommen erfundene Geschichte erzählt.

Sie beginnt im Spätsommer 1980. Nach den Sommerferien und wenige Wochen bevor Ronald Reagan zum Präsidenten der USA gewählt wird, trifft Paul Graff (Banks Repeta) in seiner Klasse auf den Schwarzen Jonathan ‚Johnny‘ Davis (Jaylin Webb). Johnny ist ein Sitzenbleiber, der wenig Interesse am Unterricht hat und bei seiner dementen, armen Großmutter lebt. Der sensible und künstlerisch begabte Paul kommt dagegen aus einer gut situierten jüdischen Familie. Sein Vater (Jeremy Strong) ist, nicht ungewöhnlich für damalige Väter, selten liebevoll, meistens streng und er will, dass sein Sohn es später besser hat als er. Seine Mutter (Anne Hathaway) ist Hauswirtschaftslehrerin und die Präsidentin des Lehrer- und Elternverbands. Im Moment kandidiert sie für einen Platz in der Kreisschulbehörde. Und sie erledigt den Haushalt. Eine gute Beziehung hat Paul zu seinem im Krieg vor den Nazis geflüchteten Großvater (Anthony Hopkins), der ihn aufbaut und fördert.

Paul und Johnny befreunden sich. Sie begehen zunächst kleinere Regelüberschreitungen, später Verbrechen, die sie in erwartbare Schwierigkeiten bringen. Für Johnny enden sie – immerhin ist er ein Schwarzer und arm – mit empfindlichen Strafen. Teils nimmt Johnny auch für Paul die Schuld auf sich, weil er weiß, wie das System funktioniert. In diesem System ist er immer der Schuldige.

Paul wird zur Forest Manor School geschickt. Das ist eine elitäre Privatschule, die von Donald Trumps Vater Fred Trump und seine Tochter Maryanne gefördert wird. Deren Denken beeinflusst, – diese Linie zieht Gray -, damals das Denken der Schüler und heute wichtige Teile der US-amerikanischen Politik.

Die Trump-Familie und zwei Schüler, mit denen Paul sich anfreundet und die sich wie Miniaturausgaben von Donald Trump verhalten, wirken wie Fremdkörper. Sie sind weniger Figuren, die Pauls moralischen Kompass auf die Probe stellen und schärfen, sondern eher Figuren, die Gray eingefügte, um in seinem historischem Film plakativ etwas über die Gegenwart sagen zu können.

Doch Paul interessiert sich, wie jedes Kind, nicht für Politik. Er reagiert höchstens intuitiv darauf. Gleichzeitig ignoriert Gray die Vergangenheit der USA und die Kontinuitäten in der US-Geschichte.

Das gesagt, ist „Zeiten des Umbruchs“ eine sensible, aber auch sehr düstere Coming-of-Age-Geschichte und das sensible Porträt einer Familie. James Gray erzählt gewohnt langsam. Das Zeitkolorit ist ebenso stimmig. „Zeiten des Umbruchs“ wirkt wie ein 1980 entstandener Film.

Doch so eine richtige Begeisterung will sich nicht einstellen. Dafür erzählt Gray zu dstanziert und der Story fehlt insgesamt der Fokus. Die einzelnen Episoden aus dem Leben der quirligen Familie Graff überzeugen, aber es bleibt unklar, in welche Richtung sich die Geschichte entwickelt. Sie endet mit der Wahl von Ronald Reagan zum Präsidenten der USA nicht aufgrund dramaturgischer Notwenigkeiten, sondern weil dann gut zwei Stunden um sind.

Zeiten des Umbruchs (Armageddon Time, USA 2022)

Regie: James Gray

Drehbuch: James Gray

mit Banks Repeta, Anne Hathaway, Jeremy Strong, Jaylin Webb, Anthony Hopkins, Ryan Sell, Tovah Feldshuh, John Diehl, Andrew Polk, Jessica Chastain

Länge: 115 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Zeiten des Umbruchs“

Metacritic über „Zeiten des Umbruchs“

Rotten Tomatoes über „Zeiten des Umbruchs“

Wikipedia über „Zeiten des Umbruchs“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von James Grays „Two Lovers“ (Two Lovers, USA 2008)

Meine Besprechung von James Grays „Die versunkene Stadt Z“ (The lost City of Z, USA 2016)

Meine Besprechung von James Grays „Ad Astra: Zu den Sternen“ (Ad Astra, USA 2019)


TV-Tipp für den 30. November: Roter Drache

November 29, 2022

Nitro, 22.20

Roter Drache (Red Dragon, USA 2002)

Regie: Brett Ratner

Drehbuch: Ted Tally

LV: Thomas Harris: Red Dragon, 1981 (Roter Drache)

FBI-Mann Will Graham jagt einen Serienkiller. Nur Hannibal Lecter kann ihm helfen.

Die zweite Verfilmung von „Red Dragon“, dem ersten Roman mit Menschenfresser Hannibal Lecter, ist meilenweit von der Qualität von „Manhunter“ (USA 1986, Regie/Buch: Michael Mann) entfernt. Optisch hält Ratner sich in seinem langatmig-langweiligen Starkino an den von Jonathan Demme in seiner Thomas-Harris-Verfilmung „Das Schweigen der Lämmer“ etablierten Look. Von der Story wiederholt Ratner nur Michael Manns eiskalten „Manhunter“, garniert mit überflüssigen Verweisen auf „Das Schweigen der Lämmer“.Und Anthony Hopkins spielt wieder Hannibal Lector.

Die andere Meinung: „Roter Drache ist ein erstklassiger Thriller.“ (Rheinische Post, 31. Oktober 2002)

Mit Anthony Hopkins, Edward Norton, Ralph Fiennes, Harvey Keitel, Emily Watson, Mary-Louise Parker, Philip Seymour Hoffman, Anthony Heald, Lalo Schifrin (als Dirigent, sein bislang einziger Filmauftritt)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Roter Drache“

Wikipedia über „Roter Drache“ (deutsch, englisch)

Homepage von Thomas Harris

Krimi-Couch über Thomas Harris

Meine Besprechung von Brett Ratners „Aushilfsgangster“ (Tower Heist, USA 2011)

Meine Besprechung von Brett Ratners „Hercules“ (Hercules, USA 2014)


TV-Tipp für den 29. November: Black Sea

November 28, 2022

Nitro, 23.50

Black Sea (Black Sea, USA/Großbritannien/Russland 2014)

Regie: Kevin Macdonald

Drehbuch: Dennis Kelly

Eine britisch-russische U-Boot-Besatzung sucht im Schwarzen Meer nach einem Nazi-Goldschatz. Schnell müssen sie um ihr Überleben kämpfen.

Angenehm altmodischer Abenteuerfilm für die Fans von Filmen wie „Der Schatz der Sierra Madre“, „Lohn der Angst“ und Atemlos vor Angst“ (die im Presseheft alle als Inspiration genannt werden).

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Jude Law, Scoot McNairy, Ben Mendelsohn, David Threlfall, Konstantin Khabenskiy, Sergey Puskepalis, Michael Smiley, Grigory Dobrygin, Sergey Veksler, Sergey Kolesnikov, Bobby Schofield, Michael Smiley, Jodie Whittaker

Hinweise

Moviepilot über „Black Sea“

Metacritic über „Black Sea“

Rotten Tomatoes über „Black Sea“

Wikipedia über „Black Sea“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Kevin Macdonalds „Black Sea“ (Black Sea, USA/Großbritannien/Russland 2014)


Neu im Kino/Filmkritik: Über Mika Kaurismäkis „Grump“

November 28, 2022

Grump ist, wie sein Name verrät, ein grummeliger, immer schlecht gelaunter, von seiner Meinung überzeugter Mittsiebziger. Als er seinen über alles geliebten, ihn seit Ewigkeiten überallhin befördernden roten 72er Ford Escort zu Schrott fährt, braucht der in Finnland auf dem Land lebende Witwer ein neues Auto. Und das muss ein roter 72er Ford Escort sein. Grumps Nachbar findet im Internet genau so einen Oldtimer. Der Verkäufer lebt in der Nähe von Bonn.

Also macht Grump sich auf den Weg. In Hamburg trifft er durch eine Verkettung unglücklicher Umstände, die uns hier nicht weiter zu interessieren brauchen, seinen Bruder Tarmo. Früher waren sie ständig zusammen. Seit vierzig Jahren haben sie kein Wort mehr miteinander gesprochen. Tarmo ist das Gegenteil von Grump: er lebt in einem Wohnwagen, ist nett, lebensbejahend, tolerant, allgemein beliebt und neugierig.

Gemeinsam machen sie sich auf den Weg in Richtung Bonn. Nach dem Kauf des Ford Escorts geht es ohne Umwege zur nächsten Familienzusammenführungen. Denn Tarmo hat eine Tochter, die er seit Ewigkeiten nicht gesehen hat.

Während Grump und sein Bruder durch Deutschland fahren und sich wieder näher kommen, warten in Finnland Grumps Söhne auf seine Rückkehr. Sie sehen sich schon seit Ewigkeiten nur noch ab und zu und sie müssen sich jetzt, während sie einige Tage auf dem Hof ihres Vaters verbringen, ihren familiären und finanziellen Problemen stellen.

Grump“, der neue Film von Mika Kaurismäki, ist ein in Finnland und Deutschland spielendes Road-Movie mit einem schon von der ersten Minute an absehbarem positiven Ende. Denn Kaurismäki spult das sattsam bekannte hamonieselige Feelgood-Programm ab. Nur dass er die Geschichte nordisch unterkühlt erzählt. Einige schräge Figuren, ebenso schräger Humor und Grumps herrlich ichbezogen und von der Richtigkeit seiner Meinung überzeugten Sätze sorgen für vergnügliche Momente.

Am Ende ist „Grump“ eine rundum nette und harmlose Mischung aus Road-Movie und Feelgood-Movie.

Die Originalfassung ist zweisprachig.

 

Grump (Mielensäpahoittaja Eskorttia etsimässä, Finnland/Deutschland 2022)

Regie: Mika Kaurismäki

Drehbuch: Daniela Hakulinen, Tuomas Kyrö

LV: Grump-Romane von Tuomas Kyrö

mit Heikki Kinnunen, Kari Väänänen, Ville Tihonen, Likka Forss, Rosalie Thomass, Tiina Lymi, Mari Perankoski, Silu Säppälä, Samu Haber

Länge: 109 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Grump“

Moviepilot über „Grump“

Wikipedia über „Grump“ 

Meine Besprechung von Mika Kaurismäkis „The Girl King“ (The Girl King, Fnnland/Deutschland/Kanada/Schweden 2015)

Meine Besprechung von Mika Kaurismäkis „Master Cheng in Pohjanjoki“ (Master Cheng, Finnland/China/Großbritannien 2019)

Meine Besprechung von Mika Kaurismäkis „Eine Nacht in Helsinki“ (Yö Armahtaa, Finnland 2020)


Neu im Kino/Filmkritik: Über „Neptune Frost“

November 28, 2022

Wenige Wochen nach „Black Panther: Wakanda forever“ läuft mit „Neptune Frost“ ein weiterer Film an, der ohne Ideen des Afrofuturismus nicht denkbar ist. Dabei könnten die beiden Filme nicht gegensätzlicher sein. Der eine Film ist ein Multimillionen-Dollar-Projekt, das in unzähligen großen Sälen gezeigt wird und auf dem ersten Platz der Kinocharts steht. Der andere Film ist das Gegenteil. Das Budget von „Neptune Frost“ ist wahrscheinlich geringer als die Kosten für die wöchentliche Ration Desinfektionsmittel bei „Black Panther: Wakanda forever“. In Berlin läuft „Neptune Frost“ aktuell in einem Minikino.

Trotzdem ist „Neptune Frost“, vom Verleih als „afrofuturistische Vision eines queeren Sci-Fi-Punk-Musicals“ angekündigt, der aufregendere Film.

In Burundi wird in Minen das für elektronische Geräte wichtige Coltan abgebaut. Aus einer diser Minen flüchtet eine Gruppe Bergleute. Sie treffen ein antikolonialistisches Hacker-Kollektiv. Zusammen bilden sie auf einer aus Elektroschrott bestehenden Müllhalde eine Gemeinschaft. Manchmal gelingt es ihnen, eine Verbindung zum Internet herzustellen. Sie versuchen, das autoritäre Regime zu stürzen. In dieser Kommune treffen eine intersexuelle Ausreißerin und ein Bergarbeiter aufeinander.

Doch diese Geschichte verschwindet immer wieder hinter der Inszenierung, die eine Sinfonie aus Bild und Ton ist. Sie ist, auch weil „Neptune Frost“ ein Musical ist, näher an Videoclips, die nach teuer aussehenden Bildern und schnell abrufbaren Emotionen suchen, als an einem konventionellem Spielfilm.

Saul Williams und Anisia Uzeyman begreifen Afrofuturismus dabei als ein betont offenes Gedankengebäude, in dem sich Grenzen zwischen Geschlechtern und Zuständen permanent verändern. Kosmische Kräfte, die nie genauer erklärt werden, führen zu Veränderungen des Seins und jede Identität und jeder Zustand ist veränderbar. Dazu verbinden sich auf der Müllkippe Tradition und Moderne. Tänze, Gesänge, Computerprogramme und der Cyberspace (der als eine andere Form kosmischer Energie verstanden werden kann) verbinden sich miteinander. Das mag jetzt ziemlich verschwurbelt klingen, ergibt aber beim Ansehen des Films, ohne dass eine Interpretation vorgegeben wird, Sinn.

Neptune Frost“ präsentiert dabei einen Afrofuturismus, der sich radikal von dem in den beiden „Black Panther“-Filmen unterscheidet. In den „Black Panther“-Filmen wird Afrofuturismus primär als ein farbiges Update der Welt von „Flash Gordin“ (dem Serial aus den Dreißigern) verstanden. Die präsentierte utopische Gesellschaft ist eine krude Mischung aus Gottesstaat und Königreich. Dagegen zeigt „Neptune Frost“ eine Gesellschaft, die aus Ausgestoßenen und Outsidern besteht. Sie probieren für eine kurze Zeit eine egalitäre Gesellschaft aus. Wenn sie eine Verbindung zum Internet haben, wird, wie wir es aus dem Cyberpunk kennen, auch der Cyberspace als erweitertes Bewusstsein integriert.

Vieles bleibt im Dunkeln und Ungefähren, aber Saul Williams und Anisia Uzeyman geht es nie um eine nacherzählbare Story, sondern um eine Sinfonie aus Bildern und Tönen, um Assoziationen und Statements. Das ist herausfordernd, regt zum Nachdenken an und besitzt immer eine Offenheit die sich gut als Initialzündung für Diskussionen eignet.

Neptune Frost (Neptune Frost, Ruanda/USA 2021)

Regie: Saul Williams, Anisia Uzeyman

Drehbuch: Saul Williams

mit Cheryl Isheja, Bertrand Ninteretse, Eliane Umuhire, Elvis Ngabo, Rebecca Mucyo, Trésor Niyongabo, Eric Ngangare, Cecile Kayiregawa, Natasha Muziramakenga, Ekaterina Baker

Länge: 105 Minuten

FSK: –

Auf Kinyarwanda, Kirundi, Swahili, Französisch und Englisch mit deutschen Untertiteln

Hinweise

Homepage zum Film

Moviepilot über „Neptune Frost“

Metacritic über „Neptune Frost“

Rotten Tomatoes über „Neptune Frost“

Wikipedia über „Neptune Frost“ (deutsch, englisch)

Das TIFF-Gespräch mit Saul Williams und Anisia Uzeyman zum Film

Und beim NYFF im Lincoln Center

 


TV-Tipp für den 28. November: 23 – Nichts ist so wie es scheint

November 27, 2022

One, 20.15

23 – Nichts ist so wie es scheint (Deutschland 1998)

Regie: Hans-Christian Schmid

Drehbuch: Hans-Christian Schmid, Michael Gutman

Die 80er Jahre: Anti-Atomkraft-Demos in Brokdorf und die ersten Heimcomputer im eigenen Zimmer. Der Hannoveraner Karl Koch ist ein Computernerd und Hacker. Nach der Lektüre der „Illuminatus!“-Bücher von Robert Shea und Robert Anton Wilson (Grandios komische Romane. Keine Sachbücher!) sieht er überall Zeichen für Verschwörungen. Als er in den Fokus der östlichen und westlichen Geheimdienste gerät, steigert sich seine Paranoia weiter.

Spannender, auf einer wahren Geschichte basierender Blick in die achtziger Jahre. Damals, also in den Achtzigern und Neunzigern, ware Verschwörungstheorien noch eine Art Gemeinwissen und nach Schmids beeindruckendem Film sah man überall die Zeichen der Verschwörung.

mit August Diehl, Fabian Busch, Dieter Landuris, Jan-Gregor Kremp, Stephan Kampwirth, Peter Fitz, Hanns Zischler, Burghart Klaußner

Wiederholung: Freitag, 2. Dezember, 22.30 Uhr

Hinweise

Filmportal über „23 – Nichts ist so wie es scheint“

Wikipedia über „23 – Nichts ist so wie es scheint“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Hans-Christian Schmids „Sturm“ (Deutschland/Dänemark/Niederlande 2009)

Meine Besprechung von Hans-Christian Schmids „Wir sind dann wohl die Angehörigen“ (Deutschland 2022)


TV-Tipp für den 27. November: The Immigrant

November 26, 2022

Arte, 20.15

The Immigrant (The Immigrant, USA 2013)

Regie: James Gray

Drehbuch: James Gray, Ric Menello

Melodrama über eine polnische Einwanderin, die 1921 in New York, mangels Alternativen, als Prostituierte ihr Geld verdienen muss und von zwei Männern, ihrem Zuhälter und einem Magier, geliebt wird.

„In Sepiatönen gedrehtes Einwanderer-Melodram, das in der Leidensgeschichte seiner fantastisch gespielten Hauptfigur an die Stummfilmzeit anknüpft. Stilbewusst hält der Film die Waage zwischen Realismus und bewusst eingesetzter Emotionalität“ schreibt das Lexikon des internationalen Films zutreffend über James Grays Film, der, wieder einmal, glänzend besetzt ist, wieder einmal von der Kritik abgefeiert wurde und wie sein vorheriger Film „Two Lovers“ bei uns nicht im Kino lief. Seine nächsten Filme liefen bzw. laufen („Zeiten des Umbruchs“ ist ja erst angelaufen) im Kino.

mit Marion Cotillard, Joaquin Phoenix, Jeremy Renner, Dagmar Dominczyk, Jicky Schnee

Hinweise

Metacritic über „The Immigrant“

Rotten Tomatoes über „The Immigrant“

Wikipedia über „The Immigrant“

Meine Besprechung von James Grays „Two Lovers“ (Two Lovers, USA 2008)

Meine Besprechung von James Grays „Die versunkene Stadt Z“ (The lost City of Z, USA 2016)

Meine Besprechung von James Grays „Ad Astra: Zu den Sternen“ (Ad Astra, USA 2019)


TV-Tipp für den 26. November: Nicht auflegen!

November 25, 2022

Zum Ende der Telefonzelle

RTL 2, 22.30

Nicht auflegen! (Phone Booth, USA 2002)

Regie: Joel Schumacher

Drehbuch: Larry Cohen

Als Stuart Shepard das Telefon in der Telefonzelle abnimmt, wird sein Tag zum Alptraum. Denn es meldet sich ein Erpresser, der sagt, er werde ihn erschießen, wenn er die Telefonzelle verlässt.

Spannender Thriller, dessen erste Idee („ein Film, der in einer Telefonzelle spielt“) Larry Cohen („Die Wiege des Bösen“ [It’s alive], Maniac Cop“, „Final Call“) bereits in den Sechzigern Alfred Hitchcock erzählte. Aber sie wussten nicht, wie sie den Protagonisten in der Telefonzelle festhalten sollten. Michael Bay, dem die Idee auch einmal erzählt wurde, wollte nur wissen, wie man den Protagonisten aus der Telefonzelle bringt. Joel Schumacher („Falling Down“, „Batman forever“) ließ den Protagonisten in der Telefonzelle und inszenierte einen straffen kleinen, herrlich gemeinen Thriller.

mit Colin Farrell, Forest Whitaker, Katie Holmes, Radha Mitchell, Kiefer Sutherland (Stimme des Erpressers im Original)

Wiederholung: Sonntag, 27. November, 04.40 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Nicht auflegen!“

Wikipedia über „Nicht auflegen!“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Larry Cohens „Ambulance“ (The Ambulance, USA 1989)

Mein Nachruf auf Larry Cohen

 


Neu im Kino/Filmkritik: Der Disney-Trickfilm „Strange World“ für Kinder und Eltern

November 25, 2022

Avalonia ist ein von unglaublich hohen Bergen umgebenes Fantasieland, das es so nur in alten Hollywood- und Disney-Filmen gibt. Der allgemeine Wohlstand basiert auf einer Entdeckung, die Searcher Clade vor 25 Jahren bei einer Expedition durch den Berg machte.

Damals leitete sein Vater Jaeger Clade, ein wilder Haudegen, ein bärtiger, fröhlicher, trinkfreudiger Entdecker der alten Schule, eine Expedition durch den Berg. Sie wollten wissen, was auf der anderen Seite des Gebirges ist und sie wollten etwas entdecken, das Avalonia Wohlstand verschaffen würde. Searcher entdeckte bei dieser Expedition eine im Eis blühende Pflanze.

Diese Pflanzen, Pando genannt, wurden für das Land eine niemals versiegende Energiequelle, die ihm einen entscheidenden Entwicklungsschub verpasste. Während sie vorher im Mittelalter lebten, leben sie jetzt in einer friedlichen Zukunft, die die Natur nicht ausbeutet.

Aber jetzt verfaulen die Pandos in einer atemberaubenden Geschwindigkeit. Wenn sie den Grund dafür nicht herausfinden, hat Avalonia in wenigen Wochen keine Energie mehr und fällt wieder zurück ins Mittelalter. Um das zu verhindern, wird eine Expedition losgeschickt. Angeführt wird sie von Callisto Mal, der Präsidentin von Avalonia. Dabei ist Searcher, der im Gegensatz zu seinem Vater kein die Welt bereisender Entdecker, sondern ein biederer Familienvater, Farmer und Forscher ist. Aber er hat damals die Quelle des Wohlstands für das Land gefunden und etwas ähnliches könnte ihm jetzt wieder gelingen.

Als blinde Passagiere haben sich sein Sohn, der sechzehnjährige Ethan, seine Frau Meridian, eine begnadete Pilotin, und ihr dreibeiniger Haushund Legend in das Luftschiff eingeschlichen.

Gemeinsam fliegen sie in den Berg und in ein in Richtung Erdmitte führendes Loch, das sie zu dem Ursprung des Pando führen soll.

In dem Loch entdecken sie eine ebenso wunderbare wie gefährliche Welt. Und sie treffen auf Jaeger Clade.

Strange World“ ist ein Disney-Trickfilm, der an klassische Abenteuergeschichten, wie Sir Arthur Conan Doyles „Die vergessene Welt“ (The Lost World), später entstandene Pulp-Abenteuergeschichten, Hollywood-Abenteuerfilme und Serials, die davon inspirierten Indiana-Jones-Geschichten und, zuletzt, die beiden „Jumanji“-Filme, anknüpft. Auch Don Hall und Qui Nguyen schicken eine Gruppe Menschen auf eine gefährliche Reise. Sie erzählen ihre Geschichte vor allem für ein kindliches Publikum. Für die Eltern, die ihre Kinder begleiten müssen, gibt es auch einiges zu entdecken. Das liegt an der Aufsplittung der Geschichte auf mehrere Hauptpersonen. Denn jedes Mitglied der Familie Clade hat viel Screentime, in der es seine eigenen Abenteuer erlebt. Es wird auch ausführlich auf ihre Problemen und ihren Beziehungen zueinander eingegangen.

Die zentrale Rolle hat Searcher Clade. Er ist nicht nur der Held wider Willen, sondern er muss sich auch um seine Beziehung zu seinem Sohn und zu seinem wieder aufgetauchtem Vater kümmern.

Sein Sohn Ethan fragt sich noch, welchen Lebensweg er gehen soll, also ob er sich eher an seinem Vater oder seinem Großvater orientieren soll, und wie er seiner großen Liebe seine Gefühle gestehen soll.

Und dann kommen noch Jaeger Clade, der die Beziehung zu seinem Sohn überdenken muss, und Meridian hinzu.

Insgesamt ist der Film äußerst divers besetzt und Ethan ist in einen anderen Jungen verliebt. So bietet der Film für jede Gruppe mindestens eine Identifikationsfigur an. Das befriedigt dann die Ansprüche von verschiedenen Gruppen auf eine Repräsentation. Als Film funktoniert dieses Prinzip hier nur eingeschränkt. Denn die Macher schicken jetzt nicht mehr eine Person auf eine abenteuerliche Reise, sondern ein ganzes Ensemble, das gleichzeitig an verschiedenen Orten Abenteuer erlebt. Das führt dazu, dass jede Figur immer wieder lange aus der Geschichte verschwindet und dass es unklar ist, wer die Hauptperson des Films ist.

Ein großes Problem ist die unvermittelte und nicht überzeugende Überraschung im dritten Akt, die, nun, soviel kann gesagt werden, etwas mit Pandos Krankheit zu tun hat. In diesem Moment zeigt sich wieder, dass „Strange World“ kein Pixar-, sondern ein Disney-Film ist, der viel von seinem Potential zugunsten einer episodischen Abenteuergeschichte verschenkt.

Als Kind hätte mich das wahrscheinlich nicht gestört. Schließlich erleben die sympathischen Clades viele gefährliche Abenteuer, es gibt kindgerechten Humor, seltsame Pflanzen und Tiere und eine insgesamt seltsame Welt. Die Familienprobleme und Searcher Clades Selbstzweifel hätte ich dann als Pausen zwischen den Abenteuern ertragen.

Strange World (Strange World, USA 2022)

Regie: Don Hall, Qui Nguyen

Drehbuch: Qui Nguyen

mit (im Original den Stimmen von) Jake Gyllenhaal, Dennis Quaid, Jaboukie Young-White, Gabrielle Union, Lucy Liu, Alan Tudyk

Länge: 102 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Strange World“

Metacritic über „Strange World“

Rotten Tomatoes über „Strange World“

Wikipedia über „Strange World“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 25. November: Das unsichtbare Mädchen

November 24, 2022

Arte, 21.45

Das unsichtbare Mädchen (Deutschland 2011)

Regie: Dominik Graf

Drehbuch: Friedrich Ani, Ina Jung

Vor elf Jahren verschwand die achtjährige Sina. Obwohl ihre Leiche nie gefunden wird, ist ihr Mörder, ein geistig behinderter junger Mann, schnell gefunden. Als Tanner bei aktuellen Ermittlungen über diesen alten Fall stolpert, zweifelt er immer mehr, ob damals wirklich der richtige Mann verurteilt wurde.

Gewohnt guter Krimi von Dominik Graf, nach einem Drehbuch von Friedrich Ani und Ina Jung. Sie recherchierte für eine Doku über die 2001 spurlos in Oberfranken verschwundene Peggy Knobloch. Diese Recherchen bildeten die Grundlage für „Das unsichtbare Mädchen“.

mit Elmar Wepper, Ulrich Noethen, Ronald Zehrfeld, Silke Bodenstein, Tim Bergmann

Wiederholung: Mittwoch, 30. November, 15.45 Uhr

Hinweise

Tagesspiegel, Spiegel Online über “Das unsichtbare Mädchen”

Wikipedia über “Das unsichtbare Mädchen”

Meine Besprechung von Dominik Grafs „Schläft ein Lied in allen Dingen“ (2009)

Meine Besprechung der von Dominik Graf inszenierten TV-Serie  „Im Angesicht des Verbrechens“ (2010)

Meine Besprechung von Johannes F. Sieverts Interviewbuch „Dominik Graf – Im Angesicht des Verbrechens: Fernseharbeit am Beispiel einer Serie“ (2010)

Meine Besprechung von Chris Wahl/Jesko Jockenhövel/Marco Abel/Michael Wedel (Hrsg.) “Im Angesicht des Fernsehens – Der Filmemacher Dominik Graf” (2012)

Meine Besprechung von Dominik Grafs “Die geliebten Schwestern” (Deutschland/Österreich 2014)

Meine Besprechung von Dominik Grafs Erich-Kästner-Verfilmung „Fabian oder Der Gang vor die Hunde“ (Deutschland 2021)

Dominik Graf in der Kriminalakte

Homepage von Friedrich Ani

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Wer lebt, stirbt“ (2007)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Der verschwundene Gast“ (2008)

Meine Besprechung von Friedrich Anis “Totsein verjährt nicht” (2009)

Meine Besprechung von Friedrich Anis “Die Tat” (2010)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Süden“ (2011, mit Interview)

Meine Besprechung von Friedrich Anis “Süden und die Schlüsselkinder” (2011)

Meine Besprechung von Friedrich Anis “Süden und das heimliche Leben” (2012)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Süden und die Stimme der Angst“ (2013, neuer Titel von „Verzeihen“)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „M – Ein Tabor-Süden-Roman“ (2013)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Der namenlose Tag“ (2015)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Der einsame Engel“ (2016)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Der Narr und seine Maschine“ (2018)

Friedrich Ani in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 24. November: Die Wütenden – Les Misérables

November 23, 2022

Servus TV, 23.35

Die Wütenden – Les Misérables (Les Misérables, Frankreich 2019)

Regie: Ladj Ly

Drehbuch: Ladj Ly, Giordano Gederlini, Alexis Manenti

Ein ganz normaler Sommertag in Clichy-Montfermeil, einem sozialen Brennpunkt östlich von Paris: Polizisten, darunter ein Neuling bei seinem ersten Arbeitstag, und Kleingangster kennen und bekriegen sich.

Rundum überzeugendes Ghettodrama. Einer meiner Kino!filme des Jahres 2020.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Damien Bonnard, Alexis Manenti, Djebril Zonga, Issa Perica, Al-Hassan Ly, Steve Tientcheu, Jeanne Balibar

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

AlloCiné über „Die Wütenden – Les Misérables“

Moviepilot über „Die Wütenden – Les Misérables“

Metacritic über „Die Wütenden – Les Misérables“

Rotten Tomatoes über „Die Wütenden – Les Misérables“

Wikipedia über „Die Wütenden – Les Misérables“ (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von Ladj Lys „Die Wütenden – Les Misérables“ (Les Misérables, Frankreich 2019)


Neu im Kino/Filmkritik: „Shattered – Gefährliche Affäre“, wieder einmal

November 23, 2022

Die ersten Bildern des Thrillers zeigen einen Mann, der vor einer malerischen Berglandschaft Fahrrad fährt. Schon bevor die Kamera zurückfährt und zeigt, dass der Mann auf einem Hometrainer sitzt, dachte ich, dass „Shattered – Gefährliche Affäre“ ein ganz schlechter Film ist.

Die folgenden knapp neunzig Minuten bestätigten in beeindruckender Konsequenz diesen ersten Eindruck.

Der Radfahrer ist Chris Decker. Der Tech-Millionär lebt in Montana, abgeschottet von der Welt, in einem auf einem Hügel liegendem Hightech-Haus. Seine Tage als Privatier verbringt er allein mit seinem Computer.

Als er spätnachts im nahe gelegenem Dorf in einem Supermarkt (yeah, keine hundert Einwohner im Umkreis von hundert Kilometern aber ein 24/7-Supermarkt) eine Kleinigkeit einkauft, trifft er auf Sky. Sie plaudern miteinander. Er verliebt sich in die Schönheit. Nachdem ihm ein Bein gebrochen wurde, bietet sie ihm an, zu ihm zu ziehen und ihm die nächsten Wochen im Haushalt zu helfen.

Das ist selbstverständlich keine gute Idee. Denn Sky will ihn ausrauben und umbringen.

Shattered – Gefährliche Affäre“ ist ein durch und durch vorhersehbarer, formelhafter 08/15-Thriller mit einer kleinen Sexbeigabe, die zu gering ist, um ihn ernsthaft als Erotik-Thriller zu bezeichnen. Erotik-Thriller waren – Ältere erinnern sich mit Schrecken daran – eine in den Neunzigern sehr beliebte Thrillervariante, die nach wenigen gelungenen Werken nur noch dazu diente, Schrottfilme mit etwas nackter Haut und Blut zu verkaufen. Später entstande Filme, die dann direkt auf DVD oder im Fernsehen ausgewertet wurden, waren noch schlechter und belangloser.

Regisseur Luis Prieto verrichtet in seinem neusten Spielfilm Dienst nach Vorschrift. Dabei inszenierte er vorher ein ansehnliches Remake von Nicolas Winding Refn „Pusher“ und den den flotten Thriller „Kidnap“ (mit Halle Berry). Beide Filme sind keine Meisterwerke, aber einen Blick wert und sie machten mich neugierig auf seine weiteren Arbeiten. In den vergangenen Jahren arbeitete Prieto fast ausschließlich für das Fernsehen.

Shattered – Gefährliche Affäre“ markiert nur auf dem Papier seine Rückkehr ins Kino. Denn letztendlich ist der Thriller ein TV-Film, den man irgendwann guckt, wenn man zu faul ist, um die unter einem Kissen liegende Fernbedienung zu suchen.

Shattered – Gefährliche Affäre (Shattered, USA/Deutschland 2022)

Regie: Luis Prieto

Drehbuch: David Loughery

mit Cameron Monaghan, Lilly Krug, John Malkovich, Sasha Luss, Frank Grillo

Länge: 92 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Shattered – Gefährliche Affäre“

Moviepilot über „Shattered – Gefährliche Affäre“

Metacritic über „Shattered – Gefährliche Affäre“

Rotten Tomatoes über „Shattered – Gefährliche Affäre“

Wikipedia über „Shattered – Gefährliche Affäre“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Luis Prietos „Pusher“ (Pusher, Großbritannien 2012)