Drehbuch: James Agee, John Huston, Peter Viertel (ungenannt), John Collier (ungenannt)
LV: C. S. Forester: The African Queen, 1946 (Die „African Queen“)
Die zeitlos-witzige Abenteuerromanze (für die Jüngeren: Romantic-Comedy) enthält die klassischen Zutaten: zwei gegensätzliche Charaktere (Bogart als versoffener Kapitän und Hepburn als sittenstrenge Missionarin), exotische Kulisse (Ostafrika 1914), etwas Weltpolitik (sie will, nachdem die Deutschen ihre Familie ermordeten, ein Boot der Deutschen in die Luft jagen, er will in einem Fluss-Seitenarm in aller Ruhe seinen Schnapsvorrat austrinken) und ein vorhersehbares Ende (Ja, sie kriegen sich). Davor gibt es gefährliche Abenteuer und heftige Wortgefechte.
Bogart erhielt für diese untypische Rolle den schon lange überfälligen Oscar als bester Hauptdarsteller. Das Publikum liebte das streitbare Leinwandpaar. Die katastrophalen Dreharbeiten wurden später von Peter Viertel literarisch verarbeitet und von Clint Eastwood unter „Weißer Jäger, schwarzes Herz“ (White hunter, black heart; USA 1990) verfilmt.
Mit Humphrey Bogart, Katharine Hepburn, Robert Morley, Peter Bull
Knacki Rudi Duncan freut sich wie Bolle. Unter der Identität eines verstorbenen Knastkumpels will er sich an dessen Brieffreundin heranmachen. Die sieht nämlich unglaublich gut aus. Dummerweise hat sie einen Bruder. Der möchte, dass Rudi ihm beim Überfall eines Casinos hilft. Ein Casino, in dem Rudi früher arbeitete.
John Frankenheimers letzter Kinofilm ist nicht gerade ein Meisterwerk, aber ein vergnüglicher Neo-Noir mit viel Schnee, Weihnachtsmännern und vielen Dingen, die mit Weihnachten nichts zu tun haben.
„Mag das Drehbuch auch gelegentlich ein wenig überkonstruiert erscheinen, die Inszenierung von Regie-Veteran Frankenheimer erweist sich als absolut schnörkellos und handwerklich perfekt.“ (tip 25/2000)
Die US-Kritik war nicht so begeistert.
Frankenheimer inszenierte „Der Gefangene von Alcatraz“, „Botschafter der Angst“ (The Manchurian Candidate), „Grand Prix“, „French Connection II“, „Schwarzer Sonntag“ und „Ronin“.
mit Ben Affleck, Gary Sinise, Charlize Theron, Donal Logue, Danny Trejo, Clarence Williams III, Dennis Farina
Nach Hause telefonieren! – Wie E. T. Kinos und Herzen eroberte(Frankreich 2022)
Regie: Clélia Cohen, Antoine Coursat
Drehbuch: Clélia Cohen, Antoine Coursat
Brandneue, gut einstündige Doku über Steven Spielbergs „E. T. – Der Außerirdische“ mit Archivmaterial von den Dreharbeiten und aktuellen Interviews, unter anderem mit Steven Spielberg.
Der in Berlin lebende Grundschullehrer Khalil glaubt, auf einem Video seine Schwester Selem zu erkennen. Bis dahin glaubte der Kurde, sie sei vor Jahren erschossen worden. Das Video ist aus der in dem Moment von der restlichen Welt abgeschlossenen südostanatolischen Stadt Cizre. Das türkische Militär hat auf der Jagd nach PKK-Terroristen die Stadt eingekesselt und den Ausnahmezustand verhängt.
Khalil will Selem aus Cizre retten. Helfen könnte ihm der PKK-Mann Hamid. Er hat Kontakt zu den in Cizre lebenden Kurden, die gegen das türkische Militär kämpfen. Hamid knüpft an seine Hilfe eine Bedingung: Khalil, der sich bislang nicht für kurdische Interessen einsetzte, soll die in Cizre von kurdischen Kämpfern aufgenommenen Bilder in die TV-Nachrichten bringen und so das türkische Militär und die türkische Regierung anklagen.
Khalil soll dafür seine Freundin, eine bei einem TV-Sender arbeitende Journalistin, benutzen.
„Stille Post“ ist Florian Hoffmanns Abschlussfilm an der dffb. Auf die Geschichte kam er, weil der in Berlin geborene Regisseur türkische und kurdische Freunde hat. 2015 diskutierten und zerstritten sie sich über die Ereignisse in Cizre und wie sie zu verstehen seien. Mit Menschenrechtsaktivisten reiste Hoffmann nach Cizre, um einen Dokumentarfilm über das Leben der Menschen in Cizre zu drehen. Der Film entstand nicht. Er erkannte, dass er mit einem Dokumentarfilm, in dem die Gesichter seiner Gesprächspartner zu sehen wären, deren Leben gefährden würde.
Also erfand er die Geschichte von Khalil, die einen guten Einblick in das migrantische Leben und die Konflikte innerhalb der türkischen und kurdischen Community bietet.
Diese gelungenen Szenen werden konterkariert durch die immer wieder stark knirschende Geschichte. So ist es, zum Beispiel, für die Geschichte sehr wichtig, aber unglaubwürdig, dass Hamid und die PKK nur über Khalil an die Medien herantreten können.
Das von Florian Hoffmann gezeichnete Bild der Medien ist ein Zerrbild. Es ist die Sicht eines Aktivisten, der bestimmte politische Ziele erreichen will und enttäuscht ist, wenn das nicht so funktioniert, wie er es gerne hätte. Aus dieser Perspektive sollen die Medien einfach ungeprüft die in Cizre (oder einem anderem Kampfgebiet) aufgenommenen Videos ausstrahlen und so eine bestimmte Stimmung verbreiten. Die Medien sollen sie aber nicht überprüfen und auch nicht hinterfragen.
Jetzt sind die oft verwackelten Videos, die damals von Videoaktivisten aufgenommen wurden, in „Stille Post“ zu sehen. Im Film bilden sie ein Gegengewicht zu den Bildern aus Berlin.
Stille Post (Deutschland 2021)
Regie: Florian Hoffmann
Drehbuch: Florian Hoffmann
mit Hadi Khanjanpour, Kristin Suckow, Zübeyde Bulut, Aziz Çapkurt, Vedat Erincin, Jeanette Hain, Ferhat Keskin, Jacob Matschenz
Mit ihrem Vater Calum (Paul Mescal) verbringt die elfjährige Sophie (Frankie Corio, Debüt) einige Tage in der Türkei in einem abgeranzten Ferienresort. Entsprechend billig ist der All-inclusive-Urlaub im Ausland unter anderen Engländern.
Charlotte Wells beobachtet in ihrem Debütfilm „Aftersun“ dieses Vater-Tochter-Gespann geduldig und ohne große Erklärungen mit Bildern, die an zufällig und amateuerhaft aufgenommene Urlaubsbilder erinnern. Immer wieder ist offensichtlich, dass ein richtiger Kameramann die Kamera anders positioniert hätte als die Urlaubsfotografen, die sich keine Gedanken über den Bildaufbau machen. Jetzt sitzen die Figuren mit dem Rücken zur Kamera oder sie sind an den Bildrändern platziert. Diese bewusst falschen Aufnahmen verleihen den Bildern eine große Glaubwürdigkeit und Nähe zu den Protagonisten.
Die Minimalgeschichte selbst entwickelt sich ohne Erklärungen. Nur langsam können wir uns zusammenreimen, dass Calum nicht mehr mit Sophies Mutter zusammen ist und er jetzt nur einige Tage mit seiner Tochter verbringen darf, ehe sie wieder zu ihrer Mutter zurückkehrt. Er ist selbst noch jung und sucht noch nach seiner neuen Rolle gegenüber Sophie. Er möchte im besten Licht erscheinen und den Urlaub für Sophie sie angenehm wie möglich machen. Er präsentiert sich vor allem als väterlicher Freund, der auch der ältere Bruder sein könnte.
Sophie lümmelt im Pool herum und fährt in einem Vergnügungspark in einem Arcade-Spiel Motorrad. Auf dem zweiten Motorrad gesellt sich mehrmals stumm ein türkischer Junge zu ihr. Diese Szenen, ein organisierter Ausflug und der Kauf eines Teppichs sind die wenigen Begegnung des Vater-/Tochter-Gespanns mit den Einheimischen. Die restliche Zeit verbringen sie in der Ferienanlage zwischen Hotelzimmer, Pool und Veranstaltungssaal. Dort beteiligen sie sich an einer Karaoke-Veranstaltung. Die meiste Zeit dösen sie vor sich hin. Wie der Film, der eben diese Ereignislosigkeit protokolliert.
Weil Calum und Sophie sich erfolgreich von ihrer besten Seite präsentieren und sie erfolgreich versuchen, einen harmonischen Urlaub miteinander zu verbringen, gibt es im Film keinen Konflikt, der nach einer irgendwie gearteten Auflösung sucht. Die wenigen Momente, in denen etwas Dramatisches angedeutet wird, lösen sich schnell in Wohlgefallen auf.
„Aftersun“ ist eine Abfolge von Schnappschüssen, die nur für die in ihnen abgebildeten Personen bedeutungsvoll sind. Oder für Menschen, die etwas ähnliches erleben oder erlebt haben und ihre eigenen Gefühle und Unsicherheiten bruchlos in den Film übertragen können.
Aktuell ist das hochgelobte Drama für etliche Preise nominiert. Einige Preise erhielt es bereits. In Cannes erhielt „Aftersun“ nach seiner Premiere den French Touch Jury Prize und bei den diesjährigen British Independent Film Award erhielt er sieben Preise, unter anderem in den Kategorien „Bester britischer Independent-Film“, Bestes Regiedebüt“, „Beste Regie“ und „Bestes Drehbuch“.
Aftersun(Aftersun, Großbritannien/USA 2022)
Regie: Charlotte Wells
Drehbuch: Charlotte Wells
mit Paul Mescal, Frankie Corio, Celia Rowlson-Hall
Ex-Delta-Force-Kämpfer Roy Pulver will wissen, warum er in einer Zeitschleife steckt und wie er sich aus ihr befreien kann. Dafür mordet er sich jeden Tag ein Stückchen weiter, ehe er getötet wird. Am nächsten Tag beginnt er wieder von vorne.
TV-Premiere der Over-the-Top-Actionfilm-Variante von „…und täglich grüßt das Murmeltier“, die nie ins Kino kaum. „als reines Actionfeuerwerk unterhält der Film (…) solide“ (Lexikon des internationalen Films)
mit Frank Grillo, Mel Gibson, Naomi Watts, Annabelle Wallis, Michelle Yeoh
Beginnen wir für die Ungeduldigen und mit einigen Feststellungen. Die Bilder – ich habe „Avatar: The Way of Water“ Im IMAX in 3D gesehen – sind toll. Der 3D-Effekt ist gelungen. Meistens fällt er nicht auf. In einigen Momenten wird er sehr gut eingesetzt. Das ist eher bei den Natur- als bei den Kampfaufnahmen der Fall. Und nur sehr selten stört er. So gibt es am Anfang einige Bilder von Menschengruppen, die wie ein Scherenschnitt-Theater wirken. Die Spezialeffekte überzeugen. Das alles konnte man erwarten. Das war schon bei „Avatar – Aufbruch nach Pandora“ (2009) so. Damals wie heute zeigt Cameron, was möglich ist. Die Bilder in den Trailern vermitteln davon noch nicht einmal eine blasse Ahnung.
Die Story ist wieder einmal vernachlässigbar. Cameron interessiert sich für Bilder einer unberührten Natur und menschenähnlichen Wesen die in Eintracht mit der Natur und allen Lebewesen leben. Dreidimensionale Figuren, tiefergehende Konflikte und sich daraus ergebende Charakterenwicklungen sind ihm egal. Hier liefert Cameron nur das allernötigste.
Am Ende von „Avatar – Aufbruch nach Pandora“ blieb Jake Sully, ein zum Na’vi gewordener US-Marine, mit der Na’vi-Häuptlingstochter Neytiri, auf Pandora, dieser naturbelassenen Welt, auf der die Na’vi mit allen anderen Lebewesen in friedlicher Harmonie leben.
Seitdem sind einige Jahre vergangen. Die Kinder wurden größer und die Menschen kehren zurück. Dieses Mal wollen sie den Planeten erobern. Dafür wird Colonel Miles Quaritch, Sullys ehemaliger und im ersten Film verstorbener Vorgesetzter, wiederbelebt, indem sein Geist in einen geklonten Na’vi-Soldaten implantiert wird. Zusammen mit einigen anderen, letztendlich namenlos bleibenden, auf die gleiche Art geklonten Na’vi-Soldaten soll er Jake Sully finden.
Als er sie in den aus dem ersten „Avatar“-Film bekannten dschungelartigen Wäldern findet, flüchten Sully und seine Familie zu den Metkayina. Sie leben auf unzähligen Südseeinseln am und im Wasser in friedlicher Symbiose mit den im Wasser lebenden Pflanzen und Tieren.
Während die Sullys sich noch in ihrer neuen Welt einleben, hat Quaritch ihre Fährte aufgenommen.
In „Avatar – Aufbruch nach Pandora“ erzählt James Cameron, überraschend naiv, einfach noch einmal die sattsam bekannte Geschichte von Pocahontas. In „Avatar: The Way of Water“ erzählt er jetzt die Geschichte einer Militäroperation gegen einen Fahnenflüchling.
Nur dass wir auf der Seite des Flüchtlings stehen, der vor allem seine Familie, aber auch seinen Stamm und Pandora retten will. Auch wenn Sully in diesem Film noch nicht der Anführer der Na’vis gegen die Menschen ist (das kann in den nächsten „Avatar“-Filmen erzählt werden), hat der Science-Fiction-Fantasyfilm eine eindeutige Botschaft. Er positioniert sich auf der Seite der friedlichen Ureinwohner gegen Naturzerstörung, Kolonialismus und Ausrottung indegener Völker. Das ist ein durchaus sympathischer Blickwechsel. In Western ist das ja normalerweise anders.
Aber vor allem feiert Cameron die Schönheit der Natur. Zuerst den Dschungel, später die Insel- und Wasserwelt. Sobald die einzelnen Mitglieder der Sully-Familie die Welt des Wassers erkunden, kommt die Haupthandlung zum Stillstand. Stattdessen wird deutlich über eine Filmstunde getaucht, sich mit Pflanzen und Tieren verbunden und Sullys Sohn befreundet sich mit einem riesigen Fisch, der ihm in einer brenzligen Situation das Leben rettet. Während hier die Harmonie eines Werbefilms für einen Südseeurlaub herrscht, sucht Quaritch weiterhin Sully. Dabei benimmt er sich wie ein marodierender Soldat, der Einheimische brutal tötet und ihre Dörfer niederbrennt. In der Bildsprache gibt es in diesen Momenten Parallelen und Anspielungen auf Vietnam-Kriegsfilme und US-Western, die während des Vietnamkriegs entstanden und sich kritisch mit der der US-Geschichte und dem Vietnamkrieg auseinandersetzten. Es sind beliebig eingestreute Zitate, die Cameron nicht weiter verfolgt.
Während die Geschichte bestenfalls funktional ist, überzeugen die CGI-Effekte rundum. Cameron zeigt in seinem über dreistündigem Epos, wie gut CGI sein kann. Es gibt im gesamten Film wahrscheinlich kein einziges Bild, das nicht exzessiv bearbeitet wurde. Das beginnt schon damit, dass die Na’vi deutlich größer als normale Menschen sind. Sie haben eine blaue Haut und sehen nur menschenähnlich aus. Pandora ist ein erdähnlicher Planet. Die Tiere erinnern an Tiere, die es auch auf der Erde gibt. Aber sie sind immer etwas anders. Das führt dazu, dass jedes Bild bearbeitet werden musste. Diese Arbeit dauerte länger als die Dreharbeiten. Sie begannen im September 2017. Im November 2018 waren die Dreharbeiten mit dem Hauptcast abgeschlossen. Danach wurde vier Jahre lang an den Bildern gearbeitet, bis eine perfekte, lebensecht aussehende künstliche Welt entstanden war.
Insofern ist „Avatar: The Way of Water“ das Gegenteil von Tom Cruises „Top Gun: Maverick“, in dem Produzent Cruise und Regisseur Joseph Kosinski einen Kult der Authentizität pflegen. Anstatt die Schauspieler im Studio in einen Jet zu setzen, mussten sie alle in den Jets fliegen. Auch diese Mühe sieht man im Film.
Diese beiden Filme, die auch unverkennbar die Handschrift ihres Machers haben, markieren Eckpunkte des aktuellen Blockbuster-Kinos. Aber während „Top Gun: Maverick“ (Ideologie einmal beiseite gelassen) unglaublichen Spaß macht, ist „Avatar: The Way of Water“ doch eine ziemlich bräsige und naive Naturverklärung mit den Mitteln des Computers. Es ist Esoterik-Kitsch, der mit seinen lupenreinen Bildern seine Zuschauer überwältigen will. Und das gelingt ihm ziemlich gut.
Die nächsten beiden Teile, die die Geschichte weitererzählen, sind schon in Arbeit. In zwei Jahren soll der dritte „Avatar“-Film im Kino anlaufen. Bis zum Ende des Jahrzehnts soll es einen vierten und fünften „Avatar“-Film geben. Und Cameron hat schon Ideen für weitere „Avatar“-Filme.
Avatar: The Way of Water (Avatar: The Way of Water, USA 2022)
Regie: James Cameron
Drehbuch: James Cameron, Rick Jaffa, Amanda Silver (nach einer Geschichte von James Cameron, Rick Jaffa, Amanda Silver, Josh Friedman und Shane Salerno)
mit Sam Worthington, Zoe Saldaña, Sigourney Weaver, Stephen Lang, Cliff Curtis, Joel David Moore, CCH Pounder, Edie Falco, Jemaine Clement, Giovanni Ribisi, Kate Winslet
Sea of Love – Melodie des Todes(Sea of Love, USA 1988)
Regie: Harold Becker
Drehbuch: Richard Price
In New York werden mehrere Männer, die auf Kontaktanzeigen geantwortet haben, ermordet. Der abgewrackte Cop Frank Keller (Al Pacino) sucht den Mörder. Dafür gibt er selbst eine Kontaktanzeige auf und trifft Helen (Ellen Barkin). Er verliebt sich in die geheimnisvolle Schönheit. Dummerweise ist sie gleichzeitig die Hauptverdächtige.
Spannender Thriller. Dank des wendungsreichen Drehbuchs von Richard Price, der auch ein erfolgreicher Romanautor ist („The Wanderers“, „Clockers“, „Lush Life“), und der glänzenden Schauspieler. Al Pacino erhielt eine Golden-Globe-Nominierung. Richard Price eine Edgar-Nominierung (und verlor gegen die heute ziemlich vergessene High-School-Satire „Heathers“).
mit Al Pacino, Ellen Barkin, John Goodman, Michael Rooker, William Hickey, Ricahrd Jenkins, Paul Calderon
Arbeit ohne Sinn (The happy worker, Finnland 2022)
Regie: John Webster
Buch: John Webster, Eveliina Kantola
Unzufrieden mit ihrer Arbeit? Sie sind nicht allein. Warum immer mehr Menschen mit ihrer Arbeit im Büro, den Inhalten und der Struktur, unzufrieden sind, versucht John Webster in seinem spielfilmlangen Dokuessay herauszufinden.
TV-Premiere (zu einer unmöglichen Uhrzeit) der sehr gelungenen, informativen und kurzweiligen Doku über den 1981 gegründeten Chaos Computer Club und seinen visionären Gründer Wau Holland, der die Utopie eines freien Internets hatte. Noch bevor die Welt das Internet kannte.
Catch me if you can (Catch me if you can, USA 2002)
Regie: Steven Spielberg
Drehbuch: Jeff Nathanson
LV: Frank Abagnale (mit Stan Redding): Catch me if you can: The Amazing True Story of the Youngest and Most Daring Con Man in the History of Fun and Profit, 1980 (Mein Leben auf der Flucht, Catch me if you can)
Spielberg erzählt kurzweilig die wahre Geschichte des Hochstaplers Frank Abagnale. Der Film „ist eine swingende, schwerelose Krimikomödie, die durch Tempo, Charme und Verspieltheit überzeugt.“ (Berliner Zeitung, 30. Januar 2003)
Mit Leonardo DiCaprio, Tom Hanks, Christopher Walken, Martin Sheen, Nathalie Baye, James Brolin, Jennifer Garner
Was hat Maria Schrader vor „She said“ gemacht? Nun:
NDR, 20.15
Ich bin dein Mensch(Deutschland 2021)
Regie: Maria Schrader
Drehbuch: Jan Schomburg, Maria Schrader
LV: Emma Braslavsky: Ich bin dein Mensch, 2019 (Kurzgeschichte, in „2029 – Geschichten von Morgen“)
Die Wissenschaflerin Alma soll über mehrere Wochen mit einem humanoiden Roboter zusammenleben und anschließend einen Forschungsbericht über die gemeinsame Zeit verfassen. Es geht um die Frage, ob humanoide Roboter Menschenrechte bekommen sollen.
„Ich bin dein Mensch“ ist ein feiner, auf der Berlinale abgefeierter, zum Nachdenken anregender Science-Fiction-Film und einer der besten deutschen Filme des Jahres. Er erhielt, unter anderem, vier deutsche Filmpreise als bester Film, für die beste Regie, das beste Drehbuch und die beste Hauptrolle.
mit Maren Eggert, Dan Stevens, Sandra Hüller, Hans Löw, Wolfgang Hübsch, Annika Meier, Falilou Seck, Jürgen Tarrach, Henriette Richter-Röhl, Monika Oschek
Der 1936 in der Bronx, New York City, geborene Don DeLillo zählt zu den wichtigsten zeitgenössischen US-amerikanischen Schriftstellern. „Americana“, seinen ersten Roman, veröffentlichte er 1971. 1985 hatte er mit „Weißes Rauschen“ (White Noise) seinen Durchbruch. Zu seinen seitdem erschienenen Werken gehören „Sieben Sekunden“ (Libra, 1988), „Mao II.“ (1991), „Unterwelt“ (Underworld, 1997; allein schon wegen seines Umfangs von knapp tausend Seiten erschlagend) und „Cosmopolis“ (2003). Er gehört zu der sehr losen Gruppe der Postmodernisten – und das ist auch schon die Erklärung, warum die IMDb nur sechs Verfilmungen auflistet. Zwei sind Originaldrehbücher ohne eine literarische Vorlage. Zwei sind Kurzfilme. Eine Verfilmung ist eine französische Produktion, die bei uns anscheinend nie gezeigt wurde. Die bekannteste DeLillo-Verfilmung ist David Cronenbergs „Cosmopolis“. Sie basiert auf einem zweihundertseitigem Buch, in dem DeLillo eine ziemlich gradlinige Geschichte erzählt. Das erleichtert die Verfilmung. Denn normaleweise sind die Bücher der Postmodernisten, wozu auch Thomas Pynchon, Kurt Vonnegut, Joseph Heller und Paul Auster gehören, unverfilmbar. Aber eine grandiose Lektüre.
Der neueste Versuch einen Roman von Don DeLillo zu verfilmen, ist von Noah Baumbach. Er nahm sich „Weißes Rauschen“ vor. Netflix gab ihm das Geld und dort ist die Satire ab dem 30. Dezember zu sehen. Bis dahin kann sie im Kino angesehen werden. Das ist der Ort, für den Baumbach seinen Film inszenierte. Denn jedes Bild ist für die große Leinwand komponiert. Einige Bilder entfalten erst dort ihre volle Wirkung.
Die Story hat Baumbach von DeLillo übernommen. Im Mittelpunkt steht Jack Gladney (Adam Driver). Er ist in der Provinz im College-on-the-Hill Professor für Geschichte, Experte für Adolf Hitler, verheiratet mit Babette (Greta Gerwig) und Erzieher von vier aus unterschiedlichen Ehen stammenden Kindern. Vor allem mit seinem Kollegen Murray Siskind (Don Cheadle), Experte für Elvis Presley und Autounfälle in Filmen, redet er über alles, was gerade an tages- und gesellschaftspolitisch wichtigen Themen diskutiert werden kann.
Der Film zeigt ihn im Gespräch mit seiner Frau und seinen Kindern und mit seinen Kollegen. Am Frühstückstisch, in der Universität und im Lebensmittelgeschäft.
In der Mitte des Films ereignet sich, wie im Roman, das „Airborne Toxic Event“. Bei einem Zugunfall treten unbekannte, möglicherweise tödliche, aber vielleicht auch vollkommen harmlose Gase aus. Als die Wolke sich ihrem Ort nähert, zwingt die Regierung alle Einwohner, sofort ihre Wohnung zu verlassen. In einem Ferienlager verbringen die Gladneys mit vielen anderen Menschen, die ebenfalls vor der Giftwolke geflüchtet sind, einige Tage. Nach einem Alarm flüchten sie kopflos. Gladney will auf ihrer Flucht vor der Wolke nicht mit den anderen Menschen in einem Stau stehen. Er wählt kopflos eine andere Route, steuert sein Auto mit seiner Familie panisch durch den Wald in einen Fluss. Sie treiben etwas flussabwärts und stehen etwas später im Stau.
Seine Frau Babette betrügt ihn und nimmt Dylar, eine Droge, über die nichts bekannt ist und die erhebliche Nebenwirkungen hat. Aber sie könnte Menschen helfen, die unter Todesangst leiden. Sie könnte mit dem Wissen der Regierung ausprobiert werden; – oder nicht.
Und dann endet der Film in einer Tanzszene in einem Supermarkt.
Das ist keine Geschichte im traditionellem Sinn, sondern eine ermüdende Abfolge von Ereignissen, die auch in irgendeiner anderen Reihenfolge präsentiert werden könnten. Oft wird auf eindeutige Erklärungen zugunsten eines Potpourris alternativer Erklärungen, absurder Erklärungen, Nicht-Erklärungen oder Verschwörungstheorien verzichtet. Es gibt Konsumkritik und Kritik am ‚american way of life‘, die vor gut vierzig Jahren neu war. Heute wirkt sie wie die nostalgische Erinnerung an eine bessere und einfachere Zeit. Natürlich ist alles immer etwas absurd und, wie der Chemieunfall, eine Verkettung unglaublicher Zufälle.
Noah Baumbachs „Weißes Rauschen“ wirkt immer wie eine textnahe Inszenierung des Romans für die Fans des Romans, die sich an den Gemeinsamkeiten und Unterschieden abarbeiten können. Denn DeLillos Themen, seine Sprache und der Aufbau des Romans sind jederzeit erkennbar. Baumbach garniert das mit einigen filmischen und popkulturellen Anspielungen.
Als eigenständige Interpretation versagt diese Verfilmung dann. Einmal weil der 136-minütige Film zu nah an dem plotlosen Roman ist; einmal weil die in dieser Satire formulierte Kritik an der US-amerikanischen Gesellschaft eine Welt kritisiert, die es vor vierzig Jahren gab.
Weißes Rauschen(White Noise, USA 2022)
Regie: Noah Baumbach
Drehbuch: Noah Baumbach
LV: Don DeLillo: White Noise, 1985 (Weißes Rauschen)
mit Adam Driver, Greta Gerwig, Don Cheadle, Raffey Cassidy, Sam Nivola, May Nivola, Lars Eidinger, Andre Benjamin, Jodie Turner-Smith, Barbara Sukowa
Als die „New York Times“-Journalistinnen Jodi Kantor und Megan Twohey im Mai 2017 begannen, über von Harvey Weinstein begangene sexuelle Übergriffe zu recherchieren, ahnten sie nicht, welche Wirkung ihre Arbeit entfalten sollte. Oft folgte auf entsprechende Enthüllungen nichts. Immer können die Betroffenen gegen die Geschichte klagen.
Vor der Veröffentlichung einer solchen Enthüllungsgeschichte müssen deshalb stichhaltige und überzeugende Beweise gesammelt werden. Und das war in diesem Fall schwierig. In ihrem Buch „She said“ erzählen die beiden Journalistinnen Jodi Kantor und Megan Twohey ausführlich von diesen Schwierigkeiten. Maria Schrader erzählt in ihrer Verfilmung des Buches noch ausführlicher davon.
Mit seinem Bruder gründete Harvey Weinstein Miramax. 2005 verließen sie die in dem Moment zu Disney gehörende Firma und gründeten The Weinstein Company. Vor allem in den Neunzigern krempelten sie den US-Independent-Filmmarkt vollkommen um. Ihre Filme waren Kassenhits. Sie machten Stars und erhielten alle wichtigen Filmpreise. Zu den von den Weinsteins teils produzierten, teils verliehenen Filmen gehören die Filme von Quentin Tarantino („Reservoir Dogs“, „Pulp Fiction“, „Jackie Brown“ undsoweiter), „Sex, Lügen und Video“, „Das Piano“, „Clerks“, „Der englische Patient“, „Good Will Hunting“, „Shakespeare in Love“, „„Gangs of New York“ und auch „Scream“.
Um ihre Filme ans Publikum zu bringen waren sie nicht zimperlich. Harvey Weinstein war, wenn man ältere Berichte durchliest, wohl schon immer ein Choleriker, den man lieber zum Freund als zum Feind hatte. Gerüchte über sexuelle Übergriffe gab es schon lange. Aber das waren letztendlich nur Gerüchte.
Die beiden Reporterinnen mussten also betroffene Frauen finden, sie zum Reden bringen und Beweise finden. Viele Frauen schwiegen. Sie hatten Geld erhalten und exorbitant weitreichende Verschwiegenheitserklärungen unterschrieben. Andere wollten nicht darüber reden oder nicht namentlich genannt werden. Und es war schwierig, Beweise, wie Geldzahlungen, Verträge, Anzeigen oder DNA-Spuren, zu finden, die Harvey Weinstein eindeutig belasteten.
Deshalb wussten Kantor und Twohey auch nach einer wochenlangen intensiven Recherche immer noch nicht, ob sie überhaupt eine Story hatten, die sie veröffentlichen konnten. Das änderte sich mit der Zeit.
Am 5. Oktober 2017 veröffentlichten sie einen 3300 Worte langen Artikel über ihre Recherche.
In ihrem Film erzählt Maria Schrader, nach einem Drehbuch von Rebecca Lenkiewicz („Ida“), diesen Weg vom Beginn ihrer Recherche bis hin zur Veröffentlichung einer Reportage, die einen Dammbruch-Effekt hatte. Danach sprachen immer mehr Frauen über sexuelle Übergriffe am Arbeitsplatz. #MeToo wurde zu einer weltweiten Bewegung. Und Harvey Weinstein wurde angeklagt und zu langen Haftstrafen verurteilt.
Welche Beweise die beiden Journalistinnen hatten, erzählen Kantor und Twohey in ihrem Sachbuch „She said“. Sie schreiben auch ausführlich über Auswirkungen ihrer ersten Reportage über Harvey Weinstein. Sie erzählen, was Weinstein tat, wie er und sein Umfeld ihn schützten und seine Verfehlungen über Jahrzehnte vertuschten. Ihr glänzend geschriebenes und auch bedrückendes Sachbuch ist ein auf jeder Seite überzeugendes journalistisches Werk. Sie präsentieren die Ergebnisse ihrer Recherche, die sie in einen größeren Kontext einfügen, immer nachvollziehbar, gut strukturiert und gut geschrieben.
(Ronan Farrow, der damals ebenfalls zur gleichen Zeit über Weinstein recherchierte und anschließend sein Buch „Durchbruch – Der Weinstein-Skandal, Trump und die Folgen“ veröffentlichte, ist dagegen nur ein vernachlässigbares, oft nervig ich-bezogenes Werk.)
Maria Schraders Film ist das Making-of zum Buch. Sie zeigt die zähe Arbeit und den Ethos investigativer Journalisten. Ihr Filmdrama „She said“ steht unübersehbar in der Tradition von Reporter-Filmen wie „Die Unbestechlichen“ und „Spotlight“. Die Qualität dieser Meisterwerke erreicht ihr Film allerdings nie. Das liegt an einer Inszenierung, die einfach zu klein für die Kinoleinwand ist. Immer sehen die sprechenden Köpfe nach Fernsehen aus.
Schrader folgt der Recherche von Kantor und Twohey. Aber während die Journalistinnen sich im Buch nur dann namentlich erwähnen, wenn es unbedingt nötig ist, sind sie im Film jederzeit im Bild. Durch die Entscheidung, auch das Privatleben von Kantor und Twohey zu zeigen, verschiebt sich der Fokus des Films noch stärker von den Opfern hin zu den beiden Journalistinnen. Sie sind Mütter von kleinen Mädchen, verheiratet und sie werden viel zu oft in ihrer Freizeit von ihren Quellen angerufen. Das wirkt schnell so, als sei die Recherche größtenteils in ihrer Freizeit erfolgt. Oder als ob sie nicht zwischen Beruf- und Privatleben trennen könnten.
In „Spotlight“ erfuhren wir nichts das Privatleben der „Boston Globe“-Journalisten, die über den jahrzehntelangen Missbrauch von Kindern durch katholische Priester und die ebenso lange Vertuschung durch die Erzdiözese berichten wollten. Und das war gut so.
Die Entscheidung, Weinsteins Taten nicht zu zeigen, ist nachvollziehbar. Auch wenn in den Momenten im Film immer ein Hauch von „er sagte, sie sagte“ bleibt und es nur Hörensagen ist, ist das verschmerzbar. Die Berichte, vor allem die Berichte in Kantor/Twoheys Buch, sind allein für sich genommen überzeugend und in ihrer Menge erdrückend. Sie brauchen keine weiteren Dramatisierungen.
Auch die Entscheidung, Harvey Weinstein nicht zu zeigen, ist nachvollziehbar. Ihm soll im Film kein Podium gegeben werden. In der Originalfassung ist einmal seine Stimme zu hören. Am Ende, wenn er das Gebäude der New York Times betritt, wird er schemenhaft von hinten gezeigt.
Weil die Macher gleichzeitig darauf verzichten, weitere Informationen über Weinstein zu geben, wird nie deutlich, wie mächtig und einflussreich er war. Er war nicht irgendein Hollywood-Produzent, sondern ein sehr mächtiger, einflussreicher und auch abseits der Traumfabrik gut vernetzter Hollywood-Produzent. Cineasten muss das nicht erklärt werden, aber welcher normale Kinobesucher interessiert sich für Produktionsfirmen und Produzenten? Die meisten interessieren sich noch nicht einmal für die Namen der Regisseure.
Maria Schraders Film ist eine seriöse, filmisch biedere Aufarbeitung der Recherche. Ein Making-of eben.
Das Buch von Jodi Kantor und Megan Twohey erzählt die Geschichte des seit den frühen neunziger Jahren bestehenden Systems Weinstein. Sie schreiben auch über die Auswirkungen ihrer Zeitungsartikel. Ihre Reportagen (und die zeitgleich von Ronan Farrow erschienenen Reportagen) waren der Beginn einer weltweiten Diskussion über sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz und an anderen Orten und der Beginn der weltweiten #MeToo-Bewegung. Ihr Buch sollte unbedingt gelesen werden. Der Film ist dann das optionale Bonusmaterial.
She said(She said, USA 2022)
Regie: Maria Schrader
Drehbuch: Rebecca Lenkiewicz (basierend auf der „New York Times“-Recherche von Jodi Kantor, Megan Twohey und Rebecca Corbett und dem Buch „She Said“ von Jodi Kantor und Megan Twohey)
LV: Jodi Kantor/Megan Twohey: She said, 2019 (#MeToo; zum Filmstart als „She said“ veröffentlicht)
mit Carey Mulligan, Zoe Kazan, Patricia Clarkson, Andre Braugher, Jennifer Ehle, Samantha Morton, Angela Yeoh, Ashley Judd, Sean Cullen
Länge: 129 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
–
Die Vorlage (jetzt als Taschenbuch mit dem Filmcover)
Jodi Kantor/Megan Twohey: She said – Wie das Schweigen gebrochen wurde und eie ‚MeToo-Bewegung begann
(übersetzt von Judith Elze und Katrin Harlass)
Tropen, 2022
448 Seiten
12 Euro
–
Deutsche Erstausgabe
#Me Too – Von der ersten Enthüllung zur globalen Bewegung
Tropen, 2020
–
Originalausgabe
She said. Breaking the Sexual Harassment Story that helped ignite a Movement
LV: Topps Company: 55-teilige Sammelkartenserie aus den Sechzigern (Neuauflage 1994)
Außerirdische besuchen die Erde. Der Präsident und einige Wissenschaftler glauben an ein friedliches Zusammenleben der Welten, aber die Marsmenschen wollen einfach nur alles kaputtmachen.
Schön schräge, respektlose Satire und Liebeserklärung an die Science-Fiction-Filme der Fünfziger. Burtons Werk wurde damals als Gegenentwurf zu dem patriotisch-ironiefreien Roland Emmerich-Werk „Independence Day“ gesehen. Einmal dürfen sie raten, welcher Film der bessere ist. Und einmal, welcher Film das bessere Einspielergebnis hat.
„Eine der kompromisslosesten Demontagen des Hollywood-Kinos.
Zuerst wären da die Schauspieler zu nennen, eine Crew voller Berühmtheiten, denen nacheinander Schreckliches passiert: Sie alle scheiden in kürzester Zeit dahin, sterben einen wenig ruhmreichen Tod. (…) Mars Attacks! Karikiert nicht nur die patriotische, militaristische Variante des Invasionsfilms, sondern auch die ‚liberale’ Spielart, die den Außerirdischen mit pazifistisch und neuerdings esoterisch motiviertem Wohlwollen begegnet.“ (Helmuth Merschmann: Tim Burton)
Mit Jack Nicholson, Glenn Close, Annette Bening, Pierce Brosnan, Danny DeVito, Martin Short, Sarah Jessica Parker, Michael J. Fox, Rod Steiger, Tom Jones (als er selbst), Lukas Haas, Natalie Portman, Jim Brown, Sylvia Sidney, Pam Grier, Joe Don Baker, Christina Applegate, Jerzy Skolimonkski (Regisseur, als Dr. Zeigler), Barbet Schroeder (Regisseur, als französischer Präsident),
Beginnen wir mit einigen wichtigen Informationen über diesen Horrorfilm:
Die Kinofassung ist uncut. Die DVD/Blu-ray-Fassung wurde um drei Minuten gekürzt und ist ebenfalls ab 18 Jahre freigegeben. Eine ungekürzte Fassung, über die sonst noch nichts bekannt ist, soll im ersten Quartal 2023 als UHD/BD-Mediabook erscheinen.
Damit ist klar, dass „Terrifier 2“ kein Film für Zartbesaitete ist.
Der Verleih hypt das Werk zum „Skandalfilm des Jahres“.
Nun ja. Die große Zeit der Skandalfilme, in denen Filme für wochen- oder sogar monatelange erregte Diskussionen sorgten, ist schon lange vorbei. Außerdem hat „Terrifier 2“ bislang keine mir bekannte Diskussion entfacht. Weder um den Inhalt, noch um die beachtliche Brutalität des Gezeigten. Darüber wurde zuletzt ausführlich in den achtziger Jahren diskutiert, als Videocassetten die Wohnzimmer eroberten und Horror-, Zombie- und Sexfilme plötzlich von Minderjährigen ohne irgendeine Kontrolle durch Erwachsene gesehen werden konnten. In Großbritannien war das die Zeit der „Video Nasties“, in Deutschland wurden brutale Horrorfilme indiziert und es gab erregte Diskussionen über die Menschenwürde von Zombies; also ob das Zeigen der Enthauptung eines Zombies mit dem Zeigen der Enthauptung eines Menschen vergleichbar ist.
Diese Zeiten sind lange vorbei. Daran ändert auch ‚Art, the Clown‘ nichts. Er mordet sich höchst blutig durch Halloween. Damien Leone zeigt das, wieder einmal, mit großer Liebe zu handgemachten Effekten und zum Horrorkino der siebziger und achtziger Jahre. Wenn in „Terrifier 2“ nicht ab und an ein Smartphone im Bild wäre, könnte man glauben, der Film sei vor vierzig Jahren entstanden, als die Nacht im Neonlicht erstrahlte und Synthesizer der letzte Schrei waren. John Carpenter popularisierte sie für den Horrorfilm. In „Terrifier 2“ sind sie wieder zu hören.
Die Story, die Damien Leone für seinen neuesten Film schrieb, ist vernachlässigbar. Ein Jahr nach den Ereignissen von „Terrifier“ ist Art, der Clown in Miles County ein urbaner Mythos. An Halloween habe die einen Angst vor seiner Rückkehr und einer weiteren leichengesättigten Nacht. Die anderen verkleiden sich als Art. Deshalb erschrecken einige seiner Opfer in Miles County nicht, als sie ihm begegnen.
Einige seiner potentiellen Opfer, vor allem Sienna Shaw und ihr jüngerer Bruder Jonathan, werden ausführlicher vorgestellt. Aber letztendlich geht es nur darum, dass Art, der Clown sich durch die Stadt mordet. Möglichst blutig. Gerne mit einem Messer. Aber er nimmt auch alle anderen Gegenstände, die sich als Hieb- oder Stichwaffe eignen.
„Terrifier 2“ ist der vierte Auftritt dieses Horrorclowns. Seinen ersten Auftritt hatte er 2008 als Nebenfigur in Damien Leones Kurzfilm „The 9th Circle“. 2011 folgte der Kurzfilm „Terrifier“. Beide Kurzfilme verwendete Leone in seinem Spielfilmdebüt „All Hallow’s Eve“ (2013).
2016 inszenierte er den Spielfilm „Terrifier“, der fast vollständig im Keller eines verlassenen, heruntergekommenen Mietshauses spielt und mit einem kaum vorhandenem Budget gedreht wurde. Nämlich angeblich 35.000 US-Dollar. Für „Terrifier 2“ hat er jetzt 250.000 US-Dollar. Das ist immer noch so gut wie nichts, aber es erlaubt Leone, die Handlung an mehreren Orten spielen zu lassen. Besonders wichtig sind ein Fernsehstudio, das es so wohl nur in der Fantasie gibt, das Haus der Familie Shaw, eine Schule, in der Jonathan den Clown mit einem ähnlich gekleideten weiblichem Clown sieht, ein Laden, in dem Halloween-Verkleidungen verkauft werden, ein Club, in dem eine Halloween-Party stattfindet, und ein verlassener Vergnügungspark, in dem das Finale spielt. Bis dahin begeht der Clown mehr Morde als im ersten Film. Auch die Laufzeit ist länger. „Terrifier“ war 85 Minuten; „Terrifier 2“ ist epische 138 Minuten. Trotzdem vergeht die Zeit recht schnell. Nur das Finale ist etwas lang geraten. Art, der Clown darf wieder und wieder auferstehen und weiter gegen Sienna kämpfen, die ihn so oft tötet, dass ich irgendwann mit dem Zählen aufhörte.
Art, der Clown ist ein Bösewicht, den man nicht so leicht vergisst. Er tritt immer in einem schwarz-weißem Phantomimenkostüm auf. Er trägt einen neckischen kleinen Hut. Er hat eine grotesk lange Nase. Sein Gesicht ist unter der Maske nicht zu erkennen. Wo sein Mund ist, ist ein Grinsen. Er bewegt sich äußerst elegant, leichtfüßig und oft tänzelnd durch die Stadt. Er hat immer etwas verspieltes. Seine Taten sind brutal, aber seine Bewegungen, Gesten und Mimik verleihen ihnen immer eine witzige Note, irgendwo zwischen unschuldig kindlichem und tiefschwarzem Humor. David Howard Thornton, der ihn schon im ersten „Terrifier“-Spielfilm spielte, hat Erfahrung als Phantomime und dieses Wissen setzt er hier ein, um die Grausamkeit der Taten zu mindern und dem Clown eine menschliche Note zu verleihen.
Eben diese Verbindung aus unschuldiger, Kinder zum Lachen bringender Phantomime und grausamen Morden macht Art, den Clown zu einem erinnerungswürdigem Filmbösewicht, der selbstverständlich zurückkehren wird.
Insgesamt ist „Terrifer 2“ in jeder Beziehung besser als sein Vorgänger. Und damit ein Fest für Fans des gut abgehangenen Splatterfilms, die auf die Frage „Mehr oder weniger Blut?“ immer mit „Mehr spritzendes Blut ist immer gut.“ antworten.
Alle, die mehr oder etwas anderes von einem Film erwarten, können getrost auf diesen Horrorfilm verzichten.
Terrifier 2 (Terrifier 2, USA 2022)
Regie: Damien Leone
Drehbuch: Damien Leone
mit David Howard Thornton, Lauren LaVera, Jenna Kannell, Catherine Corcoran, Kailey Hyman, Samantha Scaffidi, Katie Maguire
Stromboli(Stromboli, terra di dio, Italien/USA 1949)
Regie: Roberto Rossellini
Drehbuch: Roberto Rossellini
Um ein italienisches Flüchtlingslager verlassen zu können, heiratet die Litauerin Karin Bjorsen einen Fischer, der auf der kargen Vulkaninsel Stromboli lebt. Als Karin Stromboli zum ersten Mal sieht, ist sie entsetzt. So hat sie sich ihr neues Leben nicht vorgestellt. Und es wird noch schlimmer.
Die Verurteilten (The Shawshank Redemption, USA 1994)
Regie: Frank Darabont
Drehbuch: Frank Darabont
LV: Stephen King: Rita Hayworth and the Shawshank Redemption, in Different Seasons, 1982 (Pin up; Die Verurteilten in „Frühling, Sommer, Herbst und Tod“; einer Sammlung von vier Novellen)
Ein unschuldig verurteilter Bankmanager flüchtet nach jahrelanger Kleinarbeit aus dem Gefängnis.
Eindrucksvolles Gefängnisdrama, das beim Kinostart nicht als „Stephen-King-Film“ beworben wurde. Zu Recht, denn damals stand Kings Name fast ausschließlich für minderwertige Horrorfilme.
„Die Verurteilten“ ist inzwischen ein äußerst beliebter und erfolgreicher Film. In dem All-Time-Great-Ranking der Internet Movie Database steht er derzeit auf Platz 1; – was einen dann doch etwas an dieser Liste zweifeln lassen kanne. Auch wenn der zweite und vierte Platz von „Der Pate“ und „Der Pate 2“ belegt werden.
Mit Tim Robbins, Morgan Freeman, Bob Gunton, William Sadler, Clancy Brown, Gil Bellows, Mark Rolston, James Whitmore, Jude Ciccolella
LV: Nicholas Pileggi: Casino: Love and Honor in Las Vegas, 1995 (Casino)
Biopic über die Mafia in Las Vegas in den Siebzigern.
Kurz gesagt: ein Meisterwerk und Pflichttermin für Krimifans.
„Die einander ergänzenden Elemente von ‚Casino’, die genaue, materialistische Dokumentation, das Shakespeare-Drama von Macht und Fall, der Genrefilm und die Strindbergsche Seelenpein von Mann und Frau, zwischen denen eine unsichtbare Mauer steht, laufen alle auf die Feststellung hinaus, die Robert De Niro schon am Anfang getroffen hat: dass niemand gegen die Bank gewinnen kann. Das ist nicht nur konkrete Beschreibung einer ökonomisch-kriminellen Situation und soziale Metapher auf das Wesen des Kapitalismus, sondern auch ein philosophisches Gleichnis.“ (Georg Seeßlen: Martin Scorsese)
Martin Scorseses neuer Film „Killers of the Flower Moon“ soll 2023 in Cannes gezeigt werden.
Mit Robert De Niro, Sharon Stone, Joe Pesci, James Woods, Kevin Pollak, L. Q. Jones
Nachträglich: Alles Gute zum Geburtstag, Charly Hübner! (Sein Fünfzigster war am 4. 12.)
One, 22.00
Banklady(Deutschland 2013)
Regie: Christian Alvart
Drehbuch: Christoph Silber, Kai Hafemeister
Bonnie & Clyde in der deutschen Version.
Ein überraschend gelungener Gangsterfilm, der, mit viel Sixties-Flair, die vergessene Geschichte von Deutschlands erster Bankräuberin Gisela Werner erzählt. Auch die anderen Kriminalfilme von Christian Alvart sind sehenswert.
Davor, ab 20.15 Uhr, zeigt One „3 Tage in Quiberon“ (ebenfalls mit Charly Hübner); fast gleichzeitig, ab 23.15 Uhr zeigt der NDR „Jürgen – Heute wird gelebt“ (ebenfalls mit Charly Hübner).
mit Nadeshda Brennicke, Charly Hübner, Ken Duken, Andreas Schmidt, Heinz Hoenig, Henny Reents, Niels Bruno Schmidt, Heinz Struck