Cover der Woche

November 8, 2022

Der erste Fall für Privatdetektiv Dave Brandstetter, im Original 1970 erschienen und erst über zehn Jahre später erstmals ins Deutsche übersetzt. Der in Los Angeles und Umgebung ermittelnde Versicherungsdetektiv Brandstetter war zwar nicht der erste offen schwule Detektiv, aber Hansen machte ein breiteres Publikum mit ihm vertraut. Er schrieb verdammt gut in der Hardboiled-Tradition (Hammett undsoweiter) und schuf mit seinem Ermittler ein erfolgreiches Subgenre. Hansen schrieb zwölf Brandstetter-Hardboiled-Krimis.

Thrilling Detective sagt: „DAVE BRANDSTETTER makes for a particularly notable read because when he made his debut, in 1970’s Fadeout, he was one of the few convincing (male) gay characters in crime writing. And he’s still one of the most realistic and grounded.“


TV-Tipp für den 8. November: Terror in Paris: Chronik einer Fahndung

November 7, 2022

Arte, 21.50

Terror in Paris: Chronik einer Fahndung (Frankreich 2022)

Regie: Christophe Cotteret

TV-Premiere. Spielfilmlange Doku über die Fahndung nach den Attentätern der Anschläge vom 13. November 2015 in Paris, unter anderem auf das Bataclan. Cotteret konzentriert sich dabei auf die internationale Zusammenarbeit der Sicherheitsbehörden.

Sicher eine gute Ergänzung zu „November“ und „Meinen Hass bekommt ihr nicht“ (läuft am Donnerstag an).

Hinweise

Arte über die Doku (bis 6. Mai 2023 online)

Wikipedia über die Terroranschläge am 13. November 2015 in Paris


TV-Tipp für den 7. November: Robin Hood, König der Vagabunden

November 6, 2022

Arte, 20.15

Robin Hood, König der Vagabunden (The Adventures of Robin Hood, USA 1938)

Regie: Michael Curtiz, William Keighley

Drehbuch: Norman Reilly Raine, Seton I. Miller

Klassiker, der farbenprächtig und mitreißend die Geschichte von Robin Hood erzählt – und immer noch als beste Version des Stoffes gilt.

mit Errol Flynn, Olivia de Havilland, Basil Rathbone, Claude Rains, Patric Knowles

Wiederholung: Donnerstag, 10. November, 14.15 Uhr

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Robin Hood, König der Vagabunden“

Wikipedia über „Robin Hood, König der Vagabunden“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Otto Bathursts „Robin Hood“ (Robin Hood, USA 2018)


Impressionen aus Berlin: Chris Carter in Berlin

November 6, 2022

Das war am Freitagabend im Kriminaltheater keine Werbeveranstaltung für Chris Carters neuen Roman. Denn als die Moderatorin fragte, wer die Bücher mit Chris Carters Serienkillerjäger Robert Hunter gelesen habe, gingen fast alle Hände hoch. Als sie fragte, wer „Blutige Stufen“, den neuesten Hunter-Thriller, gelesen habe, gingen wieder fast alle Hände hoch. Die größtenteils weiblichen Fans mussten nicht mehr überzeugt werden von Carters blutigen Thrillern. Sie sind so blutig, dass sie deswegen, so Carter, in den USA nicht verlegt würden. Dabei spielen sie in Los Angeles.

Seinen ersten Auftritt hatte Robert Hunter 2009 in „Der Kruzifix-Killer“. Seinen zwölften Auftritt (wenn wir eine längere Kurzgeschichte ignorieren) hat er in „Blutige Stufen“.

Robert Hunter ist Detective in der Ultra Violent Crimes Unit des Los Angeles Police Department (LAPD). Er ist, knapp gesagt, ein Genie. Mehrere Abschlüsse in Stanford, eine Dissertation, die zur Pflichtlektüre beim FBI wurde, eine steile Karriere im LAPD, eine grandiose Aufklärungsquote, eine überragende Beobachtungs- und Kombinationsgabe, belesen, an Schlaflosigkeit leidend und alleinstehend. Sein Partner ist Carlos Garcia. Sie ermitteln nur in Fällen von Serienmördern und bei besonders perversen Taten. Eine normale Gangschießerei, eine Abrechnung unter Drogenhändlern oder ein Mord im Affekt fallen nicht in ihren Arbeitsbereich.

In dem neuesten Hunter-Thriller „Blutige Stufen“ will der Mörder seine Opfer als Teil einer blutigen Lektion ängstigen und quälen. Sein erste Opfer hängte er an einem Angelhaken, den er durch ihren Unterkiefer führte, auf. Sie erstickte und ertrank an ihrem eigenen Blut. Bei der Obduktion entdecken die Ermittler in ihrer Vagina eine Plastikbeutel. In ihm ist ein Papierstück mit dem Satz „In diesen Augen wird nie ein Mensch so schön sein wie Du.“.

Im Gespräch erzählte Chris Carter, dass er bis jetzt wohl so fünfzig, sechzig Menschen ermordet habe. Aber als er in „Blutrausch – Er muss töten“ eine Katze in einem Gefrierschrank erfrieren ließ, gab es viele empörte Briefe. Seitdem beschränkt er sich auf Gewalttaten gegen Menschen. Vor allem die Tatorte und die Obduktionen beschreibt er detailliert.

Der 1965 in Brasilien geborene Carter kennt das von seiner Arbeit als Kriminalpsychologe. Als er Mitte der achtziger Jahre bei der Polizei anfing, besuchten sie auch die Tatorte. Diese Eindrücke verarbeitet er in seinen Romanen. Dabei gibt es zwischen der Realität und seinen Geschichten einen großen Unterschied. Während in der Realität die Täter manchmal nicht wüssten, warum sie mordeten oder abstruse Gründe angaben, muss ein Mörder in einem Roman immer einen gut nachvollziehbaren Grund für seine Taten haben.

Mit Mitte Zwanzig versuchte Carter seinen Traum als Rockmusiker zu verwirklichen. In Los Angeles arbeitete der Gitarrist als Sessionmusiker für, unter anderem, Björk, Ricky Martin, Shania Twain und Tom Jones. Mit einigen ging er auch auf Tournee.

2009 veröffentlichte er seinen ersten Roman. Es ist gleichzeitig der erste Roman mit Robert Hunter und Carlos Garcia, die seitdem höchst erfolgreich Serienkiller jagen und die Konventionen des Genres bedienen. Es sind Schmöker, die flott gelesen werden können. Auch weil jedes Kapitel mit einem Cliffhanger endet.

Dabei, und das betonte Carter auch während der Lesung, können seine Romane unabhängig voneinder gelesen werden. Es gebe keine Subplots, die sich über mehrere Bücher entwickeln. Eine Freundin, die Hunter hatte, verschwand nach zwei Büchern wieder aus seinem Leben. Hunter und Garcia haben kein nennenswertes Privatleben. Sie jagen Mörder. Daher sei es egal, mit welchem Roman man beginne.

Während der Lesung kündigte er den nächsten Hunter-Thriller für 2024 an. Er wird keine Fortsetzung von „Blutige Stufen“. Der Fall ist für Hunter und Garcia erledigt.

Nach der Lesung signierte er seine Bücher. Das kann dann schon einmal zwei Stunden oder länger dauern.

Chris Carter: Blutige Stufen

(übersetzt von Sybille Uplegger)

Ullstein, 2022

496 Seiten

11,99 Euro

–

Originalausgabe

Genesis

Simon & Schuster, 2022

–

Die Robert-Hunter-Thriller

The Crucifix Killer, 2009 (Der Kruzifix-Killer)

The Executioner, 2010 (Der Vollstrecker)

The Night Stalker, 2011 (Der Knochenbrecher)

The Death Sculptor, 2012 (Totenkünstler)

One by One, 2013 (Der Totschläger)

An evil Mind, 2014 (Die stille Bestie)

I am Death, 2015 (I am Death – Der Totmacher)

The Caller, 2017 (Death Call – Er bringt den Tod)

Gallery of the Dead, 2018 (Blutrausch – Er muss töten)

Hunting Evil, 2019 (Jagd auf die Bestie)

Written in Blood, 2020 (Bluthölle)

Genesis, 2022 (Blutige Stufen)

–

Hinweise

Englische Homepage von Chris Carter

Facebook-Seite von Chris Carter

Deutsche Homepage von Chris Carter

Wikipedia über Chris Carter


Impressionen aus Berlin: Wir warnstreiken!

November 6, 2022

Berlin hat viele Kinos, viele Leinwände und viele verkaufte Tickets. Und immer wieder streikt das Personal der Kinos. Der jüngste Streik geht um die Bezahlung in den Yorck-Kinos. Dies ist eine angesehene Berliner Arthaus-Kinokette mit vierzehn Kinos und noch mehr Leinwänden.

Seit 2019 ist die Yorck-Kino GmbH wieder in der Tarifbindung. Durch die kürzlich erfolgte Erhöhung des Mindestlohns gab es für die Angestellten auch eine Gehaltserhöhung. Aktuell betrage, so die Yorck-Kinogruppe in einer Erklärung, der Einstiegslohn 12,50 Euro und liege damit über den Löhnen, die nach Tarifverträgen in Multiplexen gezahlt würden.

Mehr sei, auch wegen der steigenden Eniergiekosten, der Inflation und den aktuell geringen Ticketverkäufen, nicht drin.

ver.di will mehr. Konkret fordert die Dienstleistungsgewerktschaft für die 160 Beschäftigten, die sich ebenfalls mit gestiegenen Lebenshaltungskosten herumschlagen müssen, einen Einstiegslohn von mindestens 13 Euro pro Stunde, eine Beibehaltung der Mehrtheaterzulagen gemäß dem bestehenden Tarifvertrag (20 und 50 Cent, gestaffelt nach Sälen der Kinos; denn mehr Säle bedeuten mehr Arbeit), eine Beibehaltung der Jahressonderleistung (Weihnachtsgeld) und eine Beibehaltung der Lohnstruktur unter Anwendung der Betriebszugehörigkeitszulagen. Der Tarifvertrag soll zwölf Monate gelten.

Weil die Verhandlungen nicht vorankommen, gab es am Samstag vor dem delphi LUX (direkt am Bahnhof Zoo) einen ersten Warnstreik.


TV-Tipp für den 6. November: Der Pianist

November 5, 2022

Arte, 20.15

Der Pianist (The Pianist, Frankreich/Deutschland/Polen/Großbritannien 2002)

Regie: Roman Polanski

Drehbuch: Ronald Harwood

LV: Wladyslaw Szpilman: Śmierć miasta, 1946 (Das wunderbare Überleben; Der Pianist – Mein wunderbares Überleben)

Ergreifendes, plumpe Emotionalisierungen und Pathos vermeidendes Drama über das Schicksal des polnisch-jüdischen Pianisten Wladyslaw Szpilman, der während des Zweiten Weltkriegs im Warschauer Ghetto war und sich danach bis zum Kriegsende in Warschau an verschiedenen Orten versteckte.

Für Roman Polanski, dessen Biographie Parallelen zu Szpilmans Biographie hat, war dieser Film auch eine Möglichkeit, mit seiner eigenen Vergangenheit, die er bislang in seinen Filmen nicht direkt ansprach, umzugehen.

„Es ist ein filmisches Gebet für den Menschen. Und die Haltung des Künstlers können wir wohl als eine selbstbewusste Form der Demut bezeichnen.“ (Georg Seeßlen, Die Zeit, 24. Oktober 2002)

„‚Der Pianist‘ ist, wie auch ‚Schindlers Liste‘ ein Referenzfilm für die Darstellung dieses entsetzlichen Kapitels der deutsch-polnischen Geschichte. Und das cineastische Anliegen eines Zeitzeugen.“ (Adrian Prechtel, AZ, 24. Oktober 2002)

Ein kühl inszenierter filmischer Triumph – und eine eindrückliche Warnung.

Mit Adrien Brody, Thomas Kretschmann, Thomas Finlay, Maureen Lipman, Ed Stoppard, Julia Rayner, Jessica Kate Meyer, Emilia Fox, Axel Prahl

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Der Pianist“

Wikipedia über „Der Pianist“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Roman Polanskis “The Ghostwriter” (The Ghost Writer, Frankreich/Deutschland/Großbritannien 2010)

Meine Besprechung von Roman Polanskis “Venus im Pelz” (La Vénus á la Forrure, Frankreich/Polen 2013)

Meine Besprechung von Roman Polanskis „Nach einer wahren Geschichte“ (D’après une histoire vraie, Frankreich 2017)

Meine Besprechung von Roman Polanskis „Intrige“ (J’accuse, Frankreich/Italien 2019)

–

Ein Telefoninterview mit Roman Polanski (geb. 18. August 1933) über seine Kindheit während des Zweiten Weltkriegs in Polen


TV-Tipp für den 5. November: Alles steht Kopf

November 4, 2022

Disney Channel, 20.15

Alles steht Kopf (Inside Out, USA 2015)

Regie: Pete Docter, Ronnie del Carmen

Drehbuch: Pete Docter, Meg LeFauve, Josh Cooley (nach einer Idee von Pete Docter und Ronnie del Carmen)

Die elfjährige Riley ist todunglücklich über den Umzug vom wundervollen Minnesota nach San Francisco – und dann passiert in ihrem Kopf etwas. Ab diesem Moment spielt der Film in Rileys Kopf, wo im Kontrollzentrum die verschiedenen Emotionen für ein geregeltes Leben sorgen. Als der Emotion Kummer ein dummes Missgeschick passiert, versucht Freude wieder den alten Zustand herzustellen. Dafür muss sich sich, zusammen mit Kummer, auf eine Reise durch Rileys Gedächtnis begeben.

Wundervolle Pixar-Komödie, die locker schwierige Themen und Theorien erklärt.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

Wiederholung: Sonntag, 6. November, 08.55 Uhr

Hinweise

Moviepilot über „Alles steht Kopf“

Metacritic über „Alles steht Kopf“

Rotten Tomatoes über „Alles steht Kopf“

Wikipedia über „Alles steht Kopf“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Pete Docter/Ronnie del Carmens „Alles steht Kopf“ (Inside Out, USA 2015)


Neu im Kino/Filmkritik: „Wir sind dann wohl die Angehörigen“ von dem Entführten

November 4, 2022

Den Titel „Wir sind dann wohl die Angehörigen“ musste Hans-Christian Schmid von der Vorlage übernehmen. Das macht die Sache nicht besser. Denn er ist vollkommen unpassend und ungefähr jeder andere Titel wäre besser gewesen. In dem autobiographischem Roman und dem Film geht es um die Entführung von Jan Philipp Reemtsma. Er wurde am 25. März 1996 entführt. Nach der Zahlung des Lösegeldes wurde er nach 33 Tagen freigelassen. 1997 veröffentlichte er das Buch „ Im Keller“ über seine Entführung.

2018 veröffentlichte sein Sohn Johann Scheerer „Wir sind dann wohl die Angehörigen“. In dem Buch beschreibt er, wie er als damals Dreizehnjähriger die Entführung und das bange Warten auf das Ende erlebte.

Die Verfilmung konzentriert sich ebenfalls auf Johann Scheerer, der der Quasi-Erzähler ist. Aber Regisseur Hans-Christian Schmid und sein Drehbuchautor Michael Gutman, die schon bei Schmids Filmen „23“, „Crazy“ und „Lichter“ zusammengearbeitet haben, erweitern den Blick. Der Grund dafür ist ziemlich banal.

In einem autobiographischem Text erzählt der Erzähler von sich aus seiner Perspektive. Wir sehen also alles mit seinen Augen. Wenn er über seine Vergangenheit schreibt, reflektiert er außerdem mit seinem heutigen Wissen, Gefühlen und Ansichten über die damaligen Ereignisse. Er sagt uns, warum dieser Teil seiner Vergangenheit heute für ihn immer noch wichtig ist. Er kann auch mühelos zwischen den Zeitebenen wechseln. Teilweise innerhalb eines Satzes.

Diese Reflektionsebene fehlt in Schmids Film. Er verzichtet auf eine in der Gegenwart beginnende Rahmenerzählung (so etwas in der Art: der Protagonist sieht eine Zeitungsüberschrift und erinnert sich) und auf Rückblenden. Er bleibt immer nah bei seinen Figuren und erzählt alles, als wäre er direkt dabei. Das ist spannend, aber es bleibt auch unklar, welche Bedeutung die Entführung seines Vaters für Johanns weiteres Leben hat. Im Film ist er – ganz normal für einen Dreizehnjährigen – eine passive Figur. Wie ein Reporter nimmt er alles wahr, während die wichtigen Entscheidungen von anderen Menschen gefällt werden. Für einen Unterhaltungsfilm ist das keine tragfähige Konstruktion.

Deshalb erweiterten Schmid und Gutman den Blick. Sie erzählen auch von Johanns Mutter Ann Kathrin Scheerer, dem Anwalt der Familie und der Arbeit der Polizei. Manchmal erfährt Johann später davon. Manchmal nicht.

So wird „Wir sind dann wohl die Angehörigen“ zu einem Bild einer Familie in einer Extremsituation und einer kleinen Notgemeinschaft. Während der Entführung waren ausgewählte Vertraute, wie Johann Schwenn, der Anwalt der Familie, und Christian Schneider, ein Freund der Familie, und Polizisten in der Reemtsma-Villa. Teilweise glich sie einem Ferienlager. Vor allem die beiden Angehörigenbetreuer der Polizei, die das Scharnier zwischen der Polizei und Ann Kathrin Scheerer waren, bauten eine intime Beziehung zur Familie auf.

Das schildert Schmid, ohne einen klaren Protagonisten, immer nah an den Personen und spannend. Die unterschiedlichen Interessen und Motive der Angehörigen und der Polizisten werden klar herausgearbeitet. Und weil dieses Mal eindeutig die Angehörigen, in diesem Fall die Frau und der Sohn des Entführten, im Mittelpunkt des Films stehen, ist „Wir sind dann wohl die Angehörigen“ aus einer ungewohnten Perspektive erzählt.

Wir sind dann wohl die Angehörigen (Deutschland 2022)

Regie: Hans-Christian Schmid

Drehbuch: Michael Gutmann, Hans-Christian Schmid

LV: Johann Scheerer: Wir sind dann wohl die Angehörigen – Die Geschichte einer Entführung, 2018

mit Claude Heinrich, Adina Vetter, Justus von Dohnányi, Hans Löw, Yorck Dippe, Enno Trebs, Fabian Hinrichs, Philipp Hauß

Länge: 118 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

–

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Wir sind dann wohl die Angehörigen“

Moviepilot über „Wir sind dann wohl die Angehörigen“

Wikipedia über die Reemtsma-Entführung

Meine Besprechung von Hans-Christian Schmids „Sturm“ (Deutschland/Dänemark/Niederlande 2009)


TV-Tipp für den 4. November: Der Schrei der Eule

November 3, 2022

One, 01.00

Der Schrei der Eule (The Cry of the Owl, Deutschland/Frankreich/Großbritannien/Kanada 2009)

Regie: Jamie Thraves

Drehbuch: Jamie Thraves

LV: Patricia Highsmith: The Cry of the Owl, 1962 (Der Schrei der Eule)

Robert beobachtet nachts heimlich die schöne Jenny. Sie verliebt sich in ihn und verlässt ihren Verlobten Greg. Als Greg nach einer Schlägerei spurlos verschwindet, wird Robert des Mordes verdächtigt.

Bereits Claude Chabrol und Tom Toelle verfilmten 1987 den Krimi. Beide Verfilmungen ähneln sich sehr und sind, wenn man die Prämisse akzeptiert, auch gelungen. Inzwischen ist Toelles Film, weil er nie im TV läuft, fast vergessen. Immerhin gibt es ihn auf DVD und im Streaming.

Die dritte Verfilmung des Romans ist auch gelungen. Sie unterscheidet sich kaum von den vorherigen Verfilmungen. Inzwischen dürfte sie auch die bekannteste Verfilmung des Highsmith-Romans sein.

mit Paddy Considine, Julia Stiles

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Der Schrei der Eule“

Wikipedia über „Der Schrei der Eule“ (deutsch, englisch) und  Patricia Highsmith (deutsch, englisch)

Times: The 50 Greatest Crime Writers No 1: Patricia Highsmith

Kaliber .38 über Patricia Highsmith (Bibliographie)

Krimi-Couch über Patricia Highsmith

Wired for Books: Don Swain redet mit Patricia Highsmith (1987)

Gerald Peary redet mit Patricia Highsmith (Sight and Sound – Frühling 1988)

Meine Besprechung von Hossein Aminis Patricia-Highsmith-Verfilmung “Die zwei Gesichter des Januars” (The two Faces of January, Großbritannien/USA/Frankreich 2014)

Meine Besprechung von Todd Haynes‘ Patricia-Highsmith-Verfilmung „Carol“ (Carol, USA/Großbritannien/Frankreich 2015)


Neu im Kino/Filmkritik: „Menschliche Dinge“ – nicht strafbar, ein Missverständnis oder eine Vergewaltigung?

November 3, 2022

Hat er oder hat er nicht? Die sechzehnjährige Mila behauptet, der sechs Jahre ältere Alexandre Farel habe sie vergewaltigt. Er behauptet das Gegenteil. In einem Gerichtsverfahren soll der Vorwurf geklärt werden.

Der erste Verhandlungstag ist über dreißig Monate nach der Tat und der Anzeige. Bevor Yvan Attal in der zweiten Filmhälfte die Gerichtsverhandlung ausführlich dokumentiert, erzählt er zuerst aus seiner, dann aus ihrer Perspektive die Vorgeschichte. Und er lässt sich viel Zeit, die einzelnen Schritte eines Strafverfahrens ausführlich zu zeigen. Daraus entsteht – auch weil Nicht-Franzosen noch weniger über französische Strafverfahren wissen als Franzosen – eine ganz eigene Spannung. Der Fall selbst dient Attal dazu, im Nachgang der #MeToo-Debatte, ausführlich die verschiedenen Perspektiven zu beleuchten und, vor allem im Gerichtsverfahren, verschiedene Ansichten zum Umgang mit dem Vorwurf einer Vergewaltigung, einer Vergewaltigung oder mehr oder weniger einvernehmlichem Geschlechtsverkehr zu beleuchten. Im Kern konzentriert sich der Film auf die Frage, ob es auch dann eine Vergewaltigung ist, wenn sie sich nicht wehrt, weil sie Angst hat und er eine reale oder vermeintliche Machtposition ausnutzt. Denn Alexandre leugnet den Geschlechtsverkehr nicht. Aber für ihn war es keine Vergewaltigung.

Dabei wirkt das Drama immer wieder etwas didaktisch. Zuerst, weil in der ersten Filmhälfte, die Geschichte zuerst aus seiner, dann aus ihrer Perspektive erzählt wird. Anschließend führt der streng regulierte, ausführlich präsentierte Ablauf des Gerichtsverfahrens dazu, dass nacheinander verschiedene, von Fachleuten vorgetragene Positionen zu Wort kommen und immer wieder, vor allem in den Schlussplädoyers, monologisiert wird.

Attal zeigt, wie Alexandre und Mila den Abend und das Ereignis, das wir nie sehen, unterschiedlich wahrgenommen haben. Für ihn war es vielleicht etwas rauer, aber einvernehmlicher Sex und Teil einer Wette mit seinen Schulfreunden. Für sie war es das nicht; jedenfalls sagt sie das bei der Anzeige. Attal zeigt auch die Reaktionen der Eltern von Mila und Alexandre, die hier in einer sehr spezifischen Konstellation aufeinandertreffen. So hat Alexandres Vater Jean Farel, ein angesehener, bekannter, hochgeehrter und charmanter Fernsehjournalist, regelmäßig Sex mit seinen Angestellten und Praktikantinnen. Bekannte reale Vorbilder sind Dominique Strauss-Kahn und Harvey Weinstein. Alexandre wird uns als etwas rücksichtsvollere Version seines Vaters präsentiert. Auch er gehört zur Bourgeoisie und benimmt sich entsprechend. Im Film ist dann unklar, ob Alexandre sich so verhält, weil er so ist, ob er sein Verhalten von seinem Vater übernommen hat oder ob er sich so verhält, weil er zu einer bestimmten gesellschaftlichen Klasse gehört.

Alexandres Mutter Claire ist eine Publizistin und glühende Feministin, die am Filmanfang lautstark die Bestrafung von Vergewaltigtern fordert. Aber was wird sie sagen, wenn es um ihren Sohn geht? Inzwischen lebt sie mit Adam Wizman zusammen. An dem verhängnisvollem Abend schickte sie Adams Tochter mit ihrem Sohn weg – zu einer Party mit seinen früheren Schulkameraden, die er lange nicht gesehen hat, weil er in den USA an einer Elite-Universität studiert.

Milas Eltern sind knapper gezeichnet. Ihr Vater ist ein Hochschullehrer, ihre Mutter eine überzeugte orthodoxe Jüdin.

„Menschliche Dinge“ wirkt wie eine gut strukturierte Spielanleitung, die möglichst alle Meinungen zum Thema darstellen möchte und dabei auf Emotionalisierungen verzichtet. Entsprechend distanziert verfolgt man das Geschehen.

Nach dem Film, der mit einem Gerichtsurteil endet, kann man dann natürlich prächtig über das Thema und die Angemessenheit des Urteils diskutieren.

Menschliche Dinge (Les choses humaines, Frankreich 2021)

Regie: Yvan Attal

Drehbuch: Yvan Attal, Yaël Langmann

LV: Karine Tuil: Les Choses humaines, 2019 (Menschliche Dinge)

mit Charlotte Gainsbourg, Matthieu Kassovitz, Pierre Arditi, Ben Attal, Suzanne Jouannet, Audrey Dana, Benjamin Lavernhe, Judith Chemla

Länge: 139 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

–

Hinweise

Moviepilot über „Menschliche Dinge“

AlloCiné über „Menschliche Dinge“

Rotten Tomatoes über „Menschliche Dinge“

Wikipedia über „Menschliche Dinge“


Neu im Kino/Filmkritik: Einmal Exorzismus gegen „The Devil’s Light“

November 3, 2022

1835 eröffnete der Vatikan die erste Schule, in der die Kunst der Teufelsaustreibung gelehrt wurde. 2018 wurde, um in diesen gottlosen Zeiten dem gestiegenem Bedarf nach Teufelsaustreibern nachzukommen, in Boston eine Zweigstelle errichtet. Sie ist in einem altehrwürdigem Gebäude. Innen ist sie eine Mischung aus Universitätslehrsälen aus dem vorvorherigem Jahrhundert, modernem Krankenhaus und, hochgesichert im Keller, weiteren Räumen, in denen besonders gefährliche Fälle von Besessenheit beobachtet werden. An ihnen dürfen die Exorzismus-Schüler ihre gerade erlenten Fähigkeiten ausprobieren. Es ist ein Arkham Asylum mit Schulbetrieb.

In diesen Schulbetrieb wird Ann (Jacqueline Byers) aufgenommen. Eigentlich soll die Ordensschwester nur eine stille Beobachterin und Krankenschwester sein. Denn Exorzismen werden von Priestern durchgeführt. Aber sie darf dann doch dem Unterricht beiwohnen und sie führt, natürlich ohne die richtige Ausbildung und gegen alle Regeln, selbst Exorzismen durch.

Schnell konzentriert sie sich auf die besonders schwierige junge Patientin Natalie. Das Kind ist von einer besonders bösen dämonischen Kraft besessen. Außerdem glaubt Ann, dass sie eine besondere Beziehung zu dem in Natalie lebendem Dämon hat. Das führt, weil die Wege des Teufels teuflisch verschlungen sind, am Filmende zu einer abstrusen Erklärung.

Einen Innovationspreis wird Daniel Stamm für seinen Horrorfilm „The Devil’s Light“ nicht erhalten. Es gibt zwar einige interessante Ideen und Ansätze, die dann aber nicht weiter verfolgt werden. Stattdessen gibt es schnell den üblichen Exorzismus-Budenzauber. Nur dass dieses Mal die Teufelsaustreibungen nicht von einem Priester, sondern von einer Nonne durchgeführt werden.

The Devil’s Light (Prey for the Devil, USA 2022)

Regie: Daniel Stamm

Drehbuch: Robert Zappia

mit Jaqueline Buyers, Christian Navarro, Colin Salmon, Posy Taylor, Virginia Madsen, Ben Cross (letzter Film des am 18. August 2020 verstorbenen Schauspielers)

Länge: 93 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

–

Hinweise

Moviepilot über „The Devil’s Light“

Metacritic über „The Devil’s Light“

Rotten Tomaotes über „The Devil’s Light“

Wikipedia über „The Devil’s Light“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 3. November: Pride

November 2, 2022

Arte, 20.15

Pride (Pride, Großbritannien 2014)

Regie: Matthew Warchus

Drehbuch: Stephen Beresford

Großbritannien 1984: Die Minenarbeiter streiken und hungern und werden von der Regierung bekämpft. In London entschließt sich der homosexuelle Aktivist Mark Ashton, ihnen zu helfen. Schließlich kämpfen sie doch beide gegen die Thatcher-Regierung. Das ist dann aber auch die einzige Gemeinsamkeit zwischen ihnen. Trotzdem überzeugt Ashton einige seiner Freunde, mit ihm Geld für die Streikenden zu sammeln und das Geld persönlich den Streikenden in Onllwyn zu überreichen.

Zum Kinostart des auf Tatsachen basierenden Feelgood-Movies schrieb ich: „Pride“ ist einer der schönsten Filme des Jahres. Erzählt in einem rauhen, unsentimentalem, aber auch humorvollem Tonfall, der das Herz wärmt und zeigt, wie Veränderungen geschehen können. So ist das Schlussbild, wenn die Bergarbeiter im gespendeten LGSM-Bus (Lesbians and Gays Support the Miners – yep, sehr unzweideutige Namensgebung) nach London kommen und bei dem Gay-Pride-Marsch mitdemonstrieren ein schönes Schlussbild.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Ben Schnetzer, George Mackay, Dominic West, Andrew Scott, Bill Nighy, Imelda Staunton, Paddy Considine, Jessica Gunning, Paye Marsay

Hinweise

Moviepilot über „Pride“

Metacritic über „Pride“

Rotten Tomatoes über „Pride“

Wikipedia über „Pride“ (deutsch, englisch)

The Guardian über „Pride“ und die historischen Hintergründe (18. September 2014) (es wird ein „A -“ für die historische Genauigkeit vergeben)

The Guardian über „Pride“: Ausführliche Reportage und Interviews über die historischen Hintergründe des Films (31. August 2014)

Meine Besprechung von Matthew Warchus‘ „Pride“ (Pride, Großbritannien 2014)


Impressionen aus Berlin: Abendstimmung

November 2, 2022


TV-Tipp für den 2. November: Match Point

November 1, 2022

Arte, 20.15

Match Point (Match Point, Großbritannien 2005)

Regie: Woody Allen

Drehbuch: Woody Allen

Ein Woody-Allen-Film ohne New York? Geht das? Wie sein erster im Ausland gedrehter Film “Match Point” zeigt, geht das sehr gut. Für Allen scheint es sogar eine Frischzellenkur gewesen zu sein. Denn er drehte seine nächsten Filme, weitgehend ohne die gewohnten Allen-Wortkaskaden, in Europa.

Die Geschichte von „Match Point“ ist die alte Geschichte vom Aufsteiger aus kleinen Verhältnissen, der für seine Ziele über Leichen geht. Denn seine große Liebe ist nicht seine Ehefrau und er denkt nicht an eine Scheidung, die ihn selbstverständlich seine gerade mühsam erreichte gesellschaftliche Stellung kosten würde.

„Match Point“ wurde von den Kritikern abgefeiert, erhielt Preise und wurde für wichtige Preise, unter anderem den Oscar und den Edgar Allan Poe Award als bestes Drehbuch, nominiert. Der Film ist ein schön gemeines Thrillerdrama mit einer bitterbösen Schlusspointe.

Mit Scarlett Johansson, Jonathan Rhys Meyer, Emily Mortimer, Emily Mortimer, Matthew Goode, Mark Gatiss, Brian Cox, Ewen Bremner, James Nesbitt

Wiederholung: Donnerstag, 3. November, 14.15 Uhr

Hinweise

Guardian: Interview mit Woody Allen (20. Dezember 2005)

Total Film: Interview mit Woody Allen (30. Dezember 2005)

Die Welt: Interview mit Woody Allen (23. Dezember 2005)

Roten Tomatoes über „Match Point“

Wikipedia über „Match Point“ (deutsch, englisch)

Homepage von Woody Allen

Deutsche Woody-Allen-Seite

Meine Besprechung von Robert B. Weides „Woody Allen: A Documentary“ (Woody Allen: A Documentary, USA 2012)

Meine Besprechung von Woody Allens “To Rome with Love” (To Rome with Love, USA/Italien 2012)

Meine Besprechung von Woody Allens “Blue Jasmine” (Blue Jasmine, USA 2013)

Meine Besprechung von Woody Allens “Magic in the Moonlight” (Magic in the Moonlight, USA 2014)

Meine Besprechung von John Turturros “Plötzlich Gigolo” (Fading Gigolo, USA 2013 – mit Woody Allen)

Meine Besprechung von Woody Allens „Irrational Man“ (Irrational Man, USA 2015)

Meine Besprechung von Woody Allens „Café Society“ (Café Society, USA 2016)

Meine Besprechung von Woody Allens „Wonder Wheel“ (Wonder Wheel, USA 2017)

Meine Besprechung von Woody Allens „A rainy Day in New York“ (A rainy Day in New York, USA 2019)

Meine Besprechung von Woody Allens „Rifkin’s Festival“ (Rifkin’s Festival, USA 2020)

Woody Allen in der Kriminalakte


DVD-Kritik: „Juniper“, ein Hausbesuch von Charlotte Rampling

November 1, 2022

Als seine in England lebende Großmutter Ruth (Charlotte Rampling) pflegebürftig mit einem gebrochenem Bein zu ihnen nach Neuseeland kommt und ein Zimmer in dem Farmhaus beansprucht, hadert der suizidgefährdete siebzehnjährige Sam (George Ferrier) noch mit dem Tod seiner Mutter.

Sein Vater (Marton Csokas) muss kurz darauf nach England fliegen, um sich um Ruths Vermögen zu kümmern. Eine Pflegerin (Edith Poor) soll sich um Ruth kümmern. Die kann sich allein nicht bewegen und sie ist äußerst dickköpfig. Aber solange die Alkoholikerin eine stetige Menge Gin bekommt, ist sie halbwegs erträglich.

Dass Ruth und Sam sich während des Films näher kommen und gegenseitig aus ihren Lebenskrisen helfen, dürfte niemand überraschen. Aber das wie gestaltet Matthew J. Saville in seinem sehr lose autobiographisch inspiriertem Spielfilmdebüt durchaus kurzweilig in schlanken neunzig Minuten. Vor allem die Schauspieler, die aus ihren teils arg knapp skizzierten Figuren viel herausholen, und die fotogene Landschaft tragen zum Gelingen des Dramas bei.

Das Bonusmaterial besteht aus kurzen Interviews mit Regisseur Matthew Saville  und den Komponisten Marlon Williams und Mark Perkins, dem Trailer und vier B-Roll-Clips

Juniper (Juniper, Neuseeland 2021)

Regie: Matthew J. Saville

Drehbuch: Matthew J. Saville

mit Charlotte Rampling, Marton Csokas, George Ferrier, Edith Poor

–

DVD

Square One/Leonine

Bild: 2.39:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte

Bonusmaterial: Interviews, Clips, Trailer

Länge: 91 Minute

FSK: ab 12 Jahre

–

Auch als Blu-ray und digital erhältlich.

–

Hinweise

Moviepilot über „Juniper“

Metacritic über „Juniper“

Rotten Tomatoes über „Juniper“

Wikipedia über „Juniper“


Cover der Woche

November 1, 2022


TV-Tipp für den 1. November: Mord im Orient-Express (1974)

Oktober 31, 2022

3sat, 20.15

Mord im Orient-Express (Murder on the Orient Express, Großbritannien 1974)

Regie: Sidney Lumet

Drehbuch: Paul Dehn

LV: Agatha Christie: Murder on the Orient Express, 1934 (Mord im Orientexpress)

Millionär Ratchett wird im Orient-Express ermordet. Der Zug bleibt im Schnee stecken und der Mörder muss noch im Zug sein. Hercule Poirot befragt die Passagiere.

Starbesetzer Edelkrimi mit Albert Finney (als Hercule Poirot), Lauren Bacall, Martin Balsam, Ingrid Bergman, Jacqueline Bisset, Jean-Pierre Cassel, Sean Connery, Sir John Gielgud, Anthony Perkins, Vanessa Redgrave, Michael York, Richard Widmark (als Leiche). Wolf Donner meinte: „Kulinarisches Kino, angenehm überflüssig und verwirrend nutzlos.“ (Donner in Die Zeit)

Wiederholung: Mittwoch, 2. November, 00.20 Uhr (Taggenau!)

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Die Vorlage

 

Agatha Christie: Mord im Orientexpress

(übersetzt von Otto Bayer)

Atlantik Verlag, 2017

256 Seiten

12 Euro

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Originalausgabe

Murder on the Orient Express

HarperCollins, London, 1934

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Hinweise

Rotten Tomatoes über “Mord im Orient-Express”

Wikipedia über „Mord im Orientexpress“ (Roman [deutsch, englisch], Lumet-Verfilmung [deutsch, englisch], Schenkel-Verfilmung [englisch], Martin-Verfilmung [deutsch], Branagh-Verfilmung [deutsch, englisch]) und Agatha Christie (deutsch, englisch)

Mein Nachruf auf Sidney Lumet

Sidney Lumet in der Kriminalakte

Homepage von Agatha Christie

Krimi-Couch über Agatha Christie

Thrilling Detective über Hercule Poirot

Meine Besprechung von Agatha Christies „Mord im Orientexpress“ (Murder on the Orient Express, 1934)

Meine Besprechung von Kenneth Branaghs Agatha-Christie-Verfilmung „Mord im Orientexpress“ (Murder on the Orient Express, USA 2017)

Meine Besprechung von Michael Winners Agatha-Christie-Verfilmung „Rendezvous mit einer Leiche“ (Appointment with Death, USA 1988)

Meine Besprechung von Gilles Paquet-Brenner Agatha-Christie-Verfilmung „Das krumme Haus“ (Crooked House, USA 2017) (und Buchbesprechung)

Meine Besprechung von Kenneth Branaghs Agatha-Christie-Verfilmung „Tod auf dem Nil“ (Death on the Nile, USA/Großbritannien 2022) (und Buchbesprechung)


Neu im Kino/Filmkritik: „Rheingold“, der Mythos, der Gangster, der Rapper – eine deutsche Geschichte

Oktober 31, 2022

Provinziell klingt so provinziell. Trotzdem beschreibt das die Gangster-Karriere des Rappers Xatar ziemlich gut. Mit einer ordentlichen Portion Trotteligkeit, die auch gut in einen Heinz-Rühmann-Film gepasst hätte. Mit der Toughness, die US-Rapper mit tonnenschweren Goldketten, vulgär präsentierten Pistolen und dick aufgetragener authentischer Ghetto-Legitimität fotogen vor sich her tragen, hat das nichts zu tun. Das liegt nicht, wie Fatih Akin in seinem Xatar-Biopic „Rheingold“ zeigt, am mangelndem Wollen, sondern an der Welt, in der Xatar lebt. Waffen, das organisierte Verbrechen und Rassismus haben in Deutschland eine andere Rolle, ein anderes Gewicht und eine andere Bedeutung als in den USA. Das führt dazu, dass aus den USA ein stetiger Strom Gangsterfilme kommt, in denen Mafiosi sich blutig bekämpfen. In Deutschland wird im Zweifelsfall einfach geleugnet, dass es hier die Mafia und das Organisierte Verbrechen gibt, Ausnahmen, wie Dominik Grafs TV-Miniserie „Im Angesicht des Verbrechens“, bestätigen die Regel.

Fatih Akin erzählt in „Rheingold“ flott das Leben von Giwar ‚Xatar‘ Hajabi als knallige Coming-of-Age-Geschichte und humoristische Räuberpistole nach. Sein Film beginnt schon vor Giwars Geburt. Im Iran ist Giwars Vater Eghbal Hajabi Musikprofessor und Komponist. Seine aus einer angesehenen Familie stammende Frau Rasal ist ebenfalls Musikerin. Nachdem Mullahs in Teheran eines seiner Konzerte stürmen, flüchten sie in den Norden des Landes und schließen sich kurdischen Freiheitskämpfern an. Während des Iran-Irak-Krieges wird Rasal zur Kriegsheldin.

Giwar kommt am 24. (!) Dezember 1981, in einer Höhle zur Welt. Mit Hilfe des Roten Kreuzes kommen die Hajabis nach Paris und später nach Bonn. Dort hört Giwar, zusammen mit seinem Vater, im Opernhaus Richard Wagners „Rheingold“. Eghbal arbeitet wieder als Musiker, verliebt sich in eine andere Frau und verlässt seine Familie. Rasal muss als Putzfrau arbeiten. Giwar geht auf das Gymnasium, erhält Klavierunterricht (dafür ist immer Geld da) und versucht als Flüchtlingskind seinen Platz in der Gesellschaft zu finden. Er wird von Gleichaltrigen herumgestoßen. In einem Boxstudio trainiert er mit dem Ziel, seine Peiniger zu verprügeln. Er probiert alles aus, um Geld, viel Geld zu verdienen. Gesetze sind ihm egal. Skrupel hat er keine. Er verkauft illegal kopierte Sexvideos (wir reden von den Neunzigern) und Drogen. Seine Ambitionen sind größer als sein Können. Entsprechend dilletantisch ist der von ihm 2009 durchgeführte Goldraub, der ihm eine mehrjährige Haftstrafe verschafft.

Im Gefängnis beginnt er ernsthaft seine Karriere als Rapper.

Das ist ein Leben, das genug Stoff für einen Film hergibt und in dem viel über die deutsche Gesellschaft erzählt werden kann.

Fatih Akin, der sich schon in seinem Spielilmdebüt „Kurz und schmerzlos“ (1998) mit dem Leben von migrantischstämmigen Kleinkriminellen in Hamburg-Altona beschäftigte, erzählt hier wieder aus dem Leben von Migranten in Deutschland. Locker, flockig, pointiert, nie besonders kritisch gegenüber dem Porträtierten erzählt er das Leben von Giwar Hajabi und seinen Eltern. Weil die Geschichte nicht in einer im Verbrechen versinkenden US-Großstadt mit maroden Sozialbauten, schlechten Schulen und zu vielen Schusswaffen, sondern im beschaulichen Bonn am Rhein spielt, wirkt Giwars Geschichte immer wie eine schnurriger Räuberpistole mit etwas Gangster-Ghetto-Feeling und hochkultureller deutscher Adelung.

Das Ergebnis kann auch gut als Image-Film für den Musiker dienen. Er wird als wahrer Hansdampf in allen Gassen gezeigt. Er ist der nette, sympathische Junge, der Geld verdienen will. Dabei war Giwar kein Unschuldslamm. Es waren seine Entscheidungen, die ihn zum Verbrecher werden ließen und für die er zu einer achtjährigen Haftstrafe verurteilt wurde.

Rheingold (Deutschland 2022)

Regie: Fatih Akin

Drehbuch: Fatih Akin

LV: Xatar: Alles oder Nix, 2015

mit Emilio Sakraya, Mona Pirzad, Kardo Razzazi, Ilyes Raoul, Ugur Yücel, Denis Moschitto, Sogol Faghani, Arman Kashani, Julia Goldberg, Majid Bakhtiari, Karim Düzgün Günes, Doğa Gürer

Länge: 138 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

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Hinweise

Filmportal über „Rheingold“

Moviepilot über „Rheingold“

Rotten Tomatoes über „Rheingold“

Wikipedia über „Rheingold“

Meine Besprechung von Fatih Akins „Müll im Garten Eden“ (Deutschland 2012)

Meine Besprechung von Fatih Akins „The Cut“ (Deutschland/Frankreich 2014)

Meine Besprechung von Fatih Akins „Tschick“ (Deutschland 2016)

Meine Besprechung von Fatih Akins „Aus dem Nichts“ (Deutschland 2017)


Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, Don Winslow!

Oktober 31, 2022

Don Winslow im Maschinenhaus der Kulturbrauerei, Berlin, 26. Mai 2022 (Foto: Axel Bussmer)

Sein neuester Kriminalroman und der Auftakt einer Trilogie

Don Winslow: City on Fire

(übersetzt von Conny Lösch)

HarperCollins, 2022

400 Seiten

22 Euro

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Originalausgabe

City on Fire

William Morrow, New York, 2022

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Hinweise

Homepage von Don Winslow

Don Winslow twittert ziemlich oft

Meine Besprechung von Don Winslows “London Undercover” (A cool Breeze on the Underground, 1991)

Meine Besprechung von Don Winslows “China Girl” (The Trail to Buddha’s Mirror, 1992)

Meine Besprechung von Don Winslows „Way Down on the High Lonely – Neal Careys dritter Fall“ (neue Übersetzung von „Das Schlangenmaul“; Way Down on the High Lonely, 1993)

Meine Besprechung von Don Winslows „A long Walk up the Water Slide – Neal Careys vierter Fall“ (A long Walk up the Water Slide, 1994)

Meine Besprechung von Don Winslows „Palm Desert“ (While Drowning in the Desert, 1996)

Meine Besprechung von Don Winslows „Pacific Private“ (The Dawn Patrol, 2008)

Meine Besprechung von Don Winslows „Pacific Paradises“ (The Gentlemen’s Hour, 2009) und „Tage der Toten“ (The Power of the Dog, 2005)

Meine Besprechung von Don Winslows „Bobby Z“ (The Death and Life of Bobby Z, 1997)

Meine Besprechung von Don Winslows „Satori“ (Satori, 2011)

Mein Interview mit Don Winslow zu “Satori” (Satori, 2011)

Meine Besprechung von Don Winslows “Savages – Zeit des Zorns” (Savages, 2010)

Meine Besprechung von Don Winslows “Kings of Cool” (The Kings of Cool, 2012)

Meine Besprechung von Don Winslows „Vergeltung“ (Vengeance, noch nicht erschienen)

Meine Besprechung von Don Winslows „Missing. New York“ (Missing. New York, noch nicht erschienen)

Meine Besprechung von Oliver Stones Don-Winslow-Verfilmung „Savages“ (Savages, USA 2012)

Meine Besprechung von Don Winslows „Das Kartell“ (The Cartel, 2015)

Meine Besprechung von Don Winslows „Germany“ (Germany, 2016 – noch nicht erschienen)

Meine Besprechung von Don Winslows „Broken – Sechs Geschichten“ (Broken, 2020)

Mein Hinweis auf Don Winslows „Jahre des Jägers“ (The Border, 2019)

Mein Hinweis auf Don Winslows „London Undercover – Neal Careys erster Fall“ (A Cool Breeze on the Underground, 1991)

Don Winslow in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 31. Oktober: Eine Leiche zum Dessert

Oktober 30, 2022

Ergänzend zu „See how they run“ gibt es

Arte, 20.15

Eine Leiche zum Dessert (Murder by Death, USA 1976)

Regie: Robert Moore

Drehbuch: Neil Simon

Ein Millionär lädt die berühmtesten Detektive der Welt ein. Er behauptet, sie könnten einen Mord nicht aufklären, der um Mitternacht stattfinden wird. Die Detektive sehen das anders.

Neil Simon zieht in seiner Krimikomödie die Images der bekanntesten, literarischen Detektive der Welt (hier: Miss Marple, Hercule Poirot, Sam Spade, Nick Charles aka Der dünne Mann mit Gattin Nora, Charlie Chan) und die Prinzipien des Whodunits durch den Kakao. Ein köstlicher Spaß – nicht nur für Genre-Fans.

Verkörpert werden die Meisterdetektive und Tatverdächtige u. a. von Truman Capote, Peter Falk, Alec Guiness, David Niven, Peter Sellers, Maggie Smith, Eileen Brennan, James Cromwell

Wiederholung: Mittwoch, 2. November, 14.15 Uhr

Hinweise

Thrilling Detective über „Murder by Death“ (Eine Leiche zum Dessert)

Rotten Tomatoes über “Eine Leiche zum Dessert”

Wikipedia über „Eine Leiche zum Dessert“ (deutsch, englisch)