Neu im Kino/Filmkritik: Eine Nacht in der Notaufnahme „In den besten Händen“

April 22, 2022

Raphaela ‚Raf‘ stürzt unglücklich und landet in der Notaufnahme.

Yann wird bei einer Demonstration verletzt und landet ebenfalls in der Notaufnahme eines Krankenhauses mitten in Paris. Vor der Tür gibt es gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und den gegen die Regierung protestierenden Gelbwesten. Im Krankenhaus wird wie immer gearbeitet. Mit zu wenig Personal und zu vielen Patienten, die mehr oder weniger stark verletzt sind und mehr oder wenig nervig sind. Wobei Raf und Yann, die im gleichen Zimmer landen, zu den nervigen Patienten gehören.

Raf ist Comcizeichnerin, besorgte Mutter (ihr Sohn demonstriert) und seit zehn Jahren mit ihrer Verlegerin Julie liiert. Jetzt, nachdem Raf in der Nacht der neben ihr schlafenden Julie im Sekundentakt eine Suada aus beleidigenden Kurznachrichten schickte, hatten sie wieder Streit und trennten sich. Danach stürzte Raf unglücklich und brach sich den Arm.

Yann ist auf den ersten Blick das komplette Gegenteil von der hysterischen Raf. Der LKW-Fahrer fuhr, mit dem Firmen-LKW, aus der Provinz nach Paris um dort gegen die Politik von Präsident Macron zu demonstrieren. Bei der Demonstration wurde er von der Polizei verprügelt. In einer Mischung aus panischer Angst seinen Job zu verlieren und sturer Selbstüberschätzung, dass er trotz seiner schweren Beinverletzungen das Krankenhaus verlassen kann, versucht er immer wieder aufzustehen.

Beide sind von ihrer Weltsicht überzeugt, glauben, dass die Welt sich nur um sie dreht und dass alle anderen Idioten sind.

Zwischen ihnen versucht die seit einer Woche in der Nachtschicht arbeitende Krankenschwester Kim (Aissatou Diallo Sagna) zu schlichten. Wenn sie sich nicht, wie meistens, um andere Patienten kümmern muss, die echte Notfälle sind.

In ihrem neuen Film „In den besten Händen“ erzählt „La Belle Saison“-Regisseurin Catherine Corsini, was in einer Nacht in einer Notaufnahme geschieht; wobei es wegen der Proteste eine besondere Nacht ist und Corsini, künstlerisch verdichtet, von einer Nacht erzählt, in der die Hölle los ist. Denn, seien wir ehrlich, wenn alle Nächte in der Notaufnahme so anstrengend wären, würde niemand mehr in der Notaufnahme arbeiten. Trotzdem ist die Situation im Gesundheitswesen auch in Frankreich nicht gut.

Dieser Einblick in die Arbeit in einer Notaufnahme bildet den Hintergrund für das Aufeinanderprallen zweier gegensätzlicher und doch sehr ähnlicher Charaktere. Raf und Yann gehören zwar zwei vollkommen verschiedenen Schichten der französischen Gesellschaft an, aber als Menschen sind sie für ihre Umgebung die meiste Zeit hysterische, egozentrische Nervensägen. Vor allem Raf.

Ihnen zur Seite steht ein Ensemble knapp gezeichneter Figuren, wie die Krankenschwester Kim, Rafs Freundin Julie und Zufallsbegegnungen, die aus „In den besten Händen“ einen richtigen Ensemblefilm machen. Sie bilden einen Mikrokosmos der französischen Gesellschaft und sie zeigen gesellschaftliche Probleme und Verwerfungen auf.

Corsini erzählt das hochenergetisch, oft am Rand der Hysterie und mit viel trockenem, schwarzen und auch verzweifeltem Humor, der entsteht, um eine unerträgliche Situation erträglich zu machen.

Das ist teils etwas platt, teils etwas zu didaktisch (wenn Yann Raf und der gesamten Notaufnahme lautstark erklärt, warum er protestiert) und immer wieder arg plakativ. Eine Nacht in der Notaufnahme, wenn alle Nerven zum Zerreißen gespannt sind, ist halt nicht der Ort für differenzierte Analysen. „In den besten Händen“ ist in jeder Beziehung eine knallige Situationsbeschreibung.

In den besten Händen (La Fracture, Frankreich 2021)

Regie: Catherine Corsini

Drehbuch: Catherine Corsini

mit Marina Foïs, Valeria Bruni Tedeschi, Pio Marmaï, Aissatou Diallo Sagna, Caroline Estremo, Jean-Louis Coulloc’h, Camille Sansterre, Marin Laurens, Ferdinand Perez

Länge: 99 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Facebook-Seite zum Film

AlloCiné über „In den besten Händen“

Moviepilot über „In den besten Händen“

Metacritic über „In den besten Händen“

Rotten Tomatoes über „In den besten Händen“

Wikipedia über „In den besten Händen“ (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von Catherine Orsinis „La belle saison – Eine Sommerliebe“ (La belle saison, Frankreich/Belgien 2015) und der Blu-ray


TV-Tipp für den 22. April: Der Mann, der zu viel wusste

April 21, 2022

BR, 22.50

Der Mann, der zuviel wusste (The man who knew to much, USA 1956)

Regie: Alfred Hitchcock

Drehbuch: John Michael Hayes, Angus McPhail (ungenannt)

Eigentlich wollten die McKennas nur einen schönen Marokko-Urlaub verbringen. Aber dann erfahren sie von einer Verschwörung und ihr Sohn wird entführt.

Hitchcocks äußerst gelungenes Remake von seinem gleichnamigen Film aus dem Jahr 1934: mit einem größeren Budget, in Farbe und einer erträglichen Doris Day. Höhepunkt ist die zehnminütige Konzertszene in der Royal Albert Hall, deren Höhepunkt – während eines Beckenschlages – ein Schuss auf den Botschafter ist.

Mit James Stewart, Doris Day, Daniel Gélin, Brenda de Banzie, Bernard Miles, Ralph Truman, Reggie Maldar

Hinweise

Rotten Tomatoes über “Der Mann, der zuviel wusste”

Wikipedia über „Der Mann, der zuviel wusste“ (deutsch, englisch) und über Alfred Hitchcock (deutsch, englisch)

Senses of Cinema (Ken Mogg) über Alfred Hitchcock

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 2“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 2″

Meine Besprechung von Alfred Hitchcocks “Mr. und Mrs. Smith” (Mr. and Mrs. Smith, USA 1941)

Meine Besprechung von Thilo Wydras “Alfred Hitchcock”

Alfred Hitchcock in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Robert V. Galluzzos “Psycho Legacy” (The Psycho Legacy, USA 2010 – eine sehenswerte Doku über die “Psycho”-Filme mit Anthony Perkins, mit vielen Stunden informativem Bonusmaterial)

Meine Besprechung von Stephen Rebellos “Hitchcock und die Geschichte von ‘Psycho’” (Alfred Hitchcock and the Making of ‘Psycho’, 1990)

Meine Besprechung von Sacha Gervasis Biopic “Hitchcock” (Hitchcock, USA 2012)

Meine Besprechung von Henry Keazors (Hrsg.) “Hitchcock und die Künste” (2013)


Neu im Kino/Filmkritik: „The Northman“ – kloppen und köpfen nach barbarischer Wikingerart

April 21, 2022

Ich könnte jetzt mühelos über Robert Eggers‘ neuen Film „The Northman“ ablästern. Dieses Menge an bodybuilding-gestählten strubbeligen Männern, die ständig, wilde Urlaute ausstoßend, aufeinanderprallen, sich prügeln mit Fäusten, Äxten, Schwertern und was sonst noch so gerade herumliegt, blutig die Köpfe einschlagen und dabei guttural grunzen, ist in den kommenden Monaten und wohl auch Jahren das dankbare Material für unzählige Memes. Da muss nur die DVD eingelegt werden und schwuppdiwupp hat man schon ein schönes Bild gefunden. Dass das alles mit bekannten, teils unter der Maske nicht erkennbaren Schauspielern inszeniert wurde und die Bilder in jeder Beziehung äußerst gelungen sind, erhöht da nur noch das Vergnügen am Erstellen der Memes.

Aber Robert Eggers wollte sicher nicht die Vorlage für unzählige Parodien abliefern. Schließlich inszenierte er vorher die äußerst gelungenen, sehr ernsten, sich an Erwachsene richtende Horrorfilme „The Witch“ und „Der Leuchtturm“. Sein Co-Drehbuchautor Sjón ist Romanautor, Texter für Björk (die in „The Northman“ mitspielt) und Co-Drehbuchautor von dem sanften, von isländischen Volksmärchen inspiriertem Horrorfilm „Lamb“. Von beiden ist also keine tumbe Schlachtplatte zu erwarten.

Die Story beginnt 895 nach Christus Geburt als König Aurvandil (Ethan Hawke) von einem Feldzug zurückkehrt. Kurz darauf wird er von seinem Halbbruder Fjölnir (Claes Bang) ermordet. Sein Sohn Amleth beobachtet die Tat seines Onkels. Weil er nicht ebenfalls getötet werden will, flüchtet er.

Zwanzig Jahre später kehrt Amleth (jetzt gespielt von Alexander Skarsgård), gestählt von Kämpfen (vulgo Gemetzeln) im Land der Rus, zurück. Der junge Mann will immer noch seinen Vater rächen. Dafür schleicht er sich unter falscher Identität am Hof von Fjölnir ein. Hof ist hier wörtlich zu verstehen. Fjölnir lebt in Island nicht in einer Festung, sondern in der Einsamkeit in einer willkürlichen Ansammlung von wenigen Häusern, die eher an einen Bauernhof erinnert. Bei ihm lebt Amleths Mutter Gudrún (Nicole Kidman).

Gut, den Plot kennen wir. Wer will, kann hier einige Shakespeare-Stücke einfügen und damit seine abendländische Bildung beweisen. Vor allem sollte er an „Hamlet“ denken und sich daran erinnern, dass Shakespeare sich für dieses Stück bei der Amletus-Sage bediente. Die englische Schreibweise von Amletus ist Amleth.

Aber für die Story und die damit verbundenen Themen interessiert Eggers sich kaum. Die Rachegeschichte entwickelt sich vollkommen überraschungs- und spannungsfrei in den bekannten Bahnen. Die Figuren, immerhin dauert der Film deutlich über zwei Stunden, bleiben eindimensional. Entsprechend wenig interessieren uns ihre Konflikte, die kaum bis überhaupt nicht vorhanden sind.

Die Rachegeschichte wird in langen Kampfszenen erzählt. Die Dialoge zwischen den Gemetzeln sind, wie bei einem Computerspiel, nur die knappen Anweisungen für den nächsten Kampf und die nächste Gore-Szene. Bei all dem spritzendem Blut, den abgetrennten Gliedern und herausquellenden Gedärmen fällt irgendwann auf, dass Eggers das alles ausführlich und leinwandfüllend präsentiert, aber seine Wikinger asexuell sind. Sie sind wie kleine vorpubertäre Jungs, die zwar ganze Dorfbevölkerungen abschlachten, dabei aber keine einzige Frau vergewaltigen. Auch später, wenn Amleth Olga von Birkenwald (Anya Taylor-Joy, erfolgreich bemüht um maximale Ausdruckslosigkeit) trifft, ändert sich das nicht. Liebe und Sex sind halt nichts für gestandene Wikinger. Sie vertreiben sich lieber die Zeit mit blutspritzenden Schlägereien im Matsch.

Diese äußerst brutalen Kämpfe sehen in jeder Beziehung toll aus. Ohne Schnitt bewegt die Kamera sich durch ein Dorf, das gerade geplündert wird. Auch in anderen Kampfszenen wird wenig geschnitten. Die Bilder von Eggers‘ Stammkameramann Jarin Blaschke erinnern an detailversessene Gemälde.

Aber all die Bildgewalt hilft nicht, wenn man sich für keine der Figuren interessiert. „The Northman“ ist eine fast hundertvierzigminütige Schlachtplatte mit Minimalstory.

The Northman (The Northman, USA 2022)

Regie: Robert Eggers

Drehbuch: Robert Eggers, Sjón

mit Alexander Skarsgård, Nicole Kidman, Claes Bang, Ethan Hawke, Anya Taylor-Joy, Gustav Lindh, Elliott Rose, Willem Dafoe, Björk, Oscar Novak, Kate Dickie, Ralph Ineson

Länge: 137 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „The Northman“

Metacritic über „The Northman“

Rotten Tomatoes über „The Northman“

Wikipedia über „The Northman“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Robert Eggers‘ „The Witch“ (The Witch: A New-England Folktale, Kanada/USA 2015)

Meine Besprechung von Robert Eggers‘ „Der Leuchtturm“ (The Lighthouse, USA 2019)


Neu im Kino/Filmkritik: „The Lost City – Das Geheimnis der verlorenen Stadt“ gelöst

April 21, 2022

Milliardär Abigail Fairfax (Daniel Radcliffe) entführt Loretta Sage (Sandra Bullock). Sie ist eine die Öffentlichkeit gerne vermeidende Romantic-Thriller-Bestsellerautorin, die mit ihren Schmonzetten über den Schatzjäger Dash McMahon enorm erfolgreich ist. In ihre Geschichten, wie ihren neuesten Roman „The Lost City of D“, lässt sie auch historische Fakten und Mythen einfließen.

Fairfax will diese verlorene Stadt und den Schatz, der in ihr versteckt sein soll, unbedingt finden. Er glaubt, dass Loretta ihm bei der Suche und beim Entziffern von alten Schriftstücken helfen kann, Weil die Stubenhockerin nicht freiwillig mitkommen will, entführt er sie auf eine malerische Atlantikinsel. Er glaubt, dass der Schatz auf der Insel ist. Weil auf der Insel ein Vulkan kurz vor seinem Ausbruch steht, muss alles schnell gehen.

Die Entführung von Loretta hat Alan Caprison (Channing Tatum) beobachtet. Er ist das gut aussehende, bei den Leserinnen begehrte, treudoofe Covermodel ihrer Schmöker. Loretta hält ihn – zu Recht – für einen oberflächlichen Schönling und Dummkopf. Er will ihr beweisen, dass er nicht so dumm ist, wie sie glaubt. Deshalb will er sie aus den Händen der Entführer befreien.

Jack Trainer (Brad Pitt in einem Kurzauftritt [Nein, das ist kein Spoiler, weil er erstens im Trailer auftaucht, aber zweitens nicht auf dem Plakat steht]) soll ihm dabei helfen. Der Personal-Trainer war früher ein Elitesoldat. Er verfügt über die nötigen Fähigkeiten, um Loretta aus dem Lager von Fairfax, das gleichzeitig eine historische Ausgrabungsstätte ist, zu befreien.

Die Befreiung gelingt. Auf ihrer Flucht wird Trainer von Fairfax’s Männern aus dem Hinterhalt erschossen.

Jetzt müssen Loretta und Alan sich, gejagt von den Bösewichtern, allein durch den Urwald schlagen. Und beide sind für dieses Abenteuer nicht gerüstet. Sie hat einen hautengen Pailletten-Jumpsuit an, der sogar auf einer Buchpräsentation etwas unpassend ist. Er, nun, er ist ein auf sein Aussehen bedachter Schönling, der perfekt die Rolle der Jungfrau in Nöten ausfüllt.

The Lost City – Das Geheimnis der verlorenen Stadt“, so der umständlich-längliche deutsche Titel, ist ein Romantic-Thriller, dessen Prämisse an „Auf der Jagd nach dem grünen Diamanten“ (Romancing the Stone, 1984) erinnert. In der Actionkomödie stolpern eine hilfsbedürftige Autorin (Kathleen Turner) und ein taffer Abenteurer (Michael Douglas) durch den Dschungel. Vierzig Jahre sind wir da etwas weiter.

Die Brüder Adam und Aaron Nee lassen in ihrem Film zwei Menschen durch die Wildnis stolpern, die nicht für Wildnis geeignet sind. Wobei Loretta zwar die für den Dschungel ungeeignetere Kleidung anhat, aber deutlich selbstständiger als Alan ist. Damit fällt ihr notgedrungen die Retterrolle zu.

Abgesehen von dieser kleinen Änderung bei den Geschlechtern erfüllt der Film hunderprozentig alle Klischees dieser für Frauen geschriebenen Romantic Thriller – und ironisiert sie etwas. Immerhin ist in „The Lost City“ eine Autorin plötzlich die Hauptperson in einer ihrer Geschichten. Es wird einige Male auf den Unterschied zwischen ihren Romanen und der Realität hingewiesen. Mit dieser Metaebene ist der Film für beide Gruppen ansehbar. Die einen erhalten den Romatic-Thriller, den sie sehen wollen. Die anderen erhalten die Komödie über eben diese seichten Romantic-Thriller, die sie für so doof halten und deshalb niemals lesen würden.

Außerdem immunisiert diese Strategie die Abenteuerkomödie gegen Kritik. Denn wie soll einem Film klischeehafte Dialoge und eine klischeehafte Handlung vorgeworfen werden, wenn genau das der Punkt ist? Vor allem wenn die mild chargierenden Schauspieler so sympathisch sind und die Story, angenehm flott mit einigen Witzen und etwas Action, erzählt wird.

Besonders anspruchsvoll ist das nicht. Aber unterhaltsam.

The Lost City – Das Geheimnis der verlorenen Stadt (The Lost City, USA 2022)

Regie: Adam Nee, Aaron Nee

Drehbuch: Oren Uziel, Dana Fox, Adam Nee, Aaron Nee (nach einer Geschichte von Seth Gordon)

mit Sandra Bullock, Channing Tatum, Daniel Radcliffe, Da’Vine Joy Randolph, Oscar Nuñez, Patti Harrison, Bowen Yang, Brad Pitt

Länge: 112 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Moviepilot über „The Lost City“

Metacritic über „The Lost City“

Rotten Tomatoes über „The Lost City“

Wikipedia über „The Lost City“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 21. April: Shining

April 20, 2022

Weil Jack Nicholson am 22. April seinen 85. Geburtstag feiert, zeigt Kabel 1 heute zwei seiner Filme und eine neue Doku über ihn. Der Abend beginnt um 20.15 Uhr mit der Komödie „Besser geht’s nicht“ (für die er 1998 seinen dritten und letzten Oscar als bester Schauspieler erhielt). Um 23.10 Uhr gibt es die Doku über ihn weiter und nach Mitternacht gibt es den Klassiker

Kabel 1, 00.20

Shining (The Shining, Großbritannien 1980)

Regie: Stanley Kubrick

Drehbuch: Stanley Kubrick, Diane Johnson

LV: Stephen King: The Shining, 1977 (Shining)

Jack Nicholson läuft axtschwingend durch ein einsames Hotel – und wir können eine der besten Stephen King-Verfilmungen (auch wenn der Grandmaster mit Kubricks Version nicht zufrieden war und ihm eine Jahre später gedrehte, inzwischen vergessene TV-Fassung besser gefiel) genießen.

„Der Horrorfilm schlechthin.“ (Der Spiegel)

Mit Jack Nicholson, Shelley Duvall, Danny Lloyd, Scatman Crothers, Barry Nelson

Die Vorlage

Stephen King: Shining

(übersetzt von Harro Christensen)

Bastei-Lübbe, 2019

624 Seiten

11 Euro

Deutsche Erstausgabe 1980, seitdem unzählige Neuauflagen.

Originalausgabe

The Shining

Doubleday & Co, 1977

HInweise

Rotten Tomatoes über „Shining“

Wikipedia über „Shining“ (deutsch, englisch)

Homepage von Stephen King

Mein Porträt zu Stephen Kings Geburtstag

Meine Besprechung von Stephen Kings/Richard Bachmans „Qual“ (Blaze, 2007)

Meine Besprechung von Stephen Kings „Nachgelassene Dinge“ (The things they left behind) in Ed McBains „Die hohe Kunst des Mordens“ (Transgressions, 2005)

Meine Besprechung von Stephen Kings „Colorado Kid“ (The Colorado Kid, 2005)

Meine Besprechung von Joe Hill/Stephen King/Richard Mathesons „Road Rage“ (Road Rage, 2012)

Meine Besprechung der auf Stephen Kings Novelle “The Colorado Kid” basierenden TV-Serie “Haven”

Meine Besprechung von Kimberly Peirces Stephen-King-Verfilmung “Carrie” (Carrie, USA 2013)

Meine Besprechung von Tod Williams‘ Stephen-King-Verfilmung „Puls“ (Cell, USA 2016)

Meine Besprechung von Stephen Kings „Der dunkle Turm: Schwarz“ (The Dark Tower: The Gunslinger, 1982) und von Nikolaj Arcels Romanverfilmung „Der dunkle Turm“ (The dark Tower, USA 2017)

Meine Besprechung von Andy Muschiettis „Es“ (It, USA 2017)

Meine Besprechung von Stephen Kings „Friedhof der Kuscheltiere“ (Pet Sematary, 1983) und Kevin Kölsch/Dennis Widmyers Romanverfilmung „Friedhof der Kuscheltiere“ (Pet Sematary, USA 2019)

Meine Besprechung von Andy Muschietti Stephen-King-Verfilmung „Es Kapitel 2″ (It Chapter 2, USA 2019)

Meine Besprechung von Mike Flanagans „Stephen Kings Doctor Sleeps Erwachen“ (Doctor Sleep, USA 2019) (wahrscheinlich einer der Filmtitel, die kein Mensch an der Kinokasse vollständig ausgesprochen hat)

Meine Besprechung von Stephen Kings „Doctor Sleep“ (Doctor Sleep, 2013)

Meine Besprechung von Stephen Kings „Später“ (Later, 2021)

Stephen King in der Kriminalakte, in seinem Trailer-Park und auf Europa-Tour

Dieser fanmade Happy-Trailer ist auch ganz schön creepy


Impressionen aus Berlin

April 20, 2022

Und weiter geht’s mit Nordmännern, einer Romantic-Adventure-Autorin, einem Katzenzeichner und einer Nachtschicht in einem Krankenhaus.


TV-Tipp für den 20. April: Inception

April 19, 2022

Kabel 1, 20.15

Inception (Inception, USA/GB 2010)

Regie: Christopher Nolan

Drehbuch: Christopher Nolan

Leonardo DiCaprio spielt einen Spion, der sich in die Gehirne von anderen Menschen einloggt. Jetzt soll er allerdings nichts ausspionieren, sondern eine schädliche Idee in das Gehirn seines Opfers implantieren.

Die Kritiker waren begeistert von “Batman“ Christopher Nolans Mindfuck. Die Zuschauer ebenso. Die Kinobetreiber zählten strahlend die verkauften Eintrittskarten. Denn „Inception“ ist ein inzwischen seltenes Beispiel für Blockbusterkino, bei dem man sein Gehirn nicht an der Kinokasse abgeben muss.

Anschließend, um 23.20 Uhr, gibt es mit „Shutter Island“ weiteres Kopfkino mit Leonardo DiCaprio.

mit Leonardo DiCaprio, Joseph Gordon-Levitt, Ellen Page, Tom Hardy, Ken Watanabe, Cillian Murphy, Tom Berenger, Marion Cotillard, Pete Postlethwaite, Michael Caine, Lukas Haas

Wiederholung: Donnerstag, 21. April, 02.05 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über “Inception”

Wikipedia über “Inception” (deutsch, englisch)

Nolan Fans (umfangreiche Homepage, auch mit den Drehbüchern zu seinen Filmen, u. a. “Inception”)

Meine Besprechung von Christopher Nolans „Interstellar“ (Interstellar, USA/Großbritannien 2014)

Meine Besprechung von Christopher Nolans „Dunkirk“ (Dunkirk, USA/Frankreich/Großbritannien 2017)

Meine Besprechung von Christopher Nolans „Tenet“ (Tenet, USA 2020)

Also eigentlich ist die Filmgeschichte ganz einfach:


Cover der Woche

April 19, 2022


TV-Tipp für den 19. April: Die Axt im Regenwald

April 18, 2022

Arte, 21.50

Die Axt im Regenwald (Deutschland 2020)

Regie: Albert Knechtel

Drehbuch: Albert Knechtel

Spielfilmlange Doku von Albert Knechtel über die Abholzung des Regenwaldes in Brasilien durch Jair Bolsonaro, der titelgebenden „Axt im Regenwald“, und wie die Indigenen den Regenwald schützen.

Hinweis

Arte über die Doku (bis zum 17. Juli 2022 in der Mediathek)


Wieder im Kino & Neu auf DVD: „Maidan“ von Sergei Loznitsa

April 18, 2022

Aus aktuellem Anlass wird „Maidan“ jetzt wieder in einigen Kinos gezeigt und er erschien jetzt auch auf DVD. Das ist also eine gute Gelegenheit, sich Sergei Loznitsas acht Jahre alten Dokumentarfilm anzusehen. Bei Rotten Tomatoes hat er einen Frischegrad von hundert Prozent (was bei 26 Besprechung jetzt nicht so aussagekräftig ist) und auch bei uns wurde er zum Kinostart von der Kritik abgefeiert.

Der in Berlin lebende Sergei Loznitsa ist der international bekannteste ukrainische Regisseur. Er begann in den Neunzigern als Dokumentarfilmer und dreht seit 2010 auch Spielfilme. Zu seinen bekanntesten Werken gehören „Austerlitz“ und „Donbass“.

In „Maidan“ beobachtet er die Ereignisse auf dem Maidan. Auf dem zentralen Platz in Kiew versammeln sich ab dem 21. November 2013 Demonstrierende. Sie protestieren anfangs gegen die Nichtunterzeichnung des Assoziierungsabkommens mit der Europäischen Union durch den ukrainischen Präsidenten Wiktor Janukowytsch. Die friedlichen Proteste werden schnell größer. Sie eskalieren als die Polizei den Platz räumen will.

Am 21. Februar 2014 flüchtet Janukowytsch nach Russland. Kurz darauf enden die Prostete und der Film.

Maidan“ ist eine sich über diese Wochen erstreckende unkommentierte Chronik. Aufgenommen wurde sie mit einer statischen Kamera, die von den Anwesenden nicht bemerkt wurde. Sie drehen ihr oft den Rücken zu. Wenn sie auf sie zugehen, blicken sie nicht in die Kamera. Manchmal stellen sie sich auch einfach vor die Kamera. Reden auf der Bühne sind fast immer aus einer so großen Entfernung aufgenommen, dass die namenlosen Redner nicht zu erkennen sind. Normalerweise befindet die Kamera sich auf Augehhöhe mit den Protestierern. Bei einem anderen Blickwinkel könnten es Bilder aus einer Überwachungskamera sein. Es gibt keinen Off-Kommentar oder Interviews.

Es ist daher auch vollkommen unklar – jedenfalls ohne die begleitende Lektüre von Hintergrundberichten oder anderen Filmen und Nachrichtensendungen – wer hier wofür kämpft, welche Ansichten sie haben und ob ich mich mit deren Anliegen identifizieren kann und will. Es sind nur Menschen auf einem Platz.

Insofern ist „Maidan“ dann nur eine Abfolge von Bildern ohne irgendeinen Kontext. Gerade wenn es um politische Prozesse geht, sind der Kontext und Hintergrundinformationen wichtig. Erst sie ermöglichen eine Einordnung der Bilder.

Auch weil ich mit diesem rein beobachtendem Dokumentarfilmstil normalerweise wenig anfangen kann, war der Film für mich überwiegend langweilig und eine ärgerliche Zeitverschwendung. Denn in den über zwei Stunden, die „Maidan“ dauert, hätte ich einige Artikel über die Ukraine und den Maidan und den Wikipedia-Artikel und eine konventionelle TV-Doku sehen können. Dann hätte ich später beim Gespräch in woauchimmer etwas über den Maidan erzählen können.

Maidan (Майдан, Ukraine/Niederlande 2014)

Regie: Sergei Loznitsa

Drehbuch: Sergei Loznitsa

DVD

Grandfilm

Bild: 1:1,85 (PAL)

Ton: Ukrainisch (Dolby Digital 5.1 & 2.0)

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bonusmaterial: –

Länge: 128 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Maidan“

Metacritic über „Maidan“

Rotten Tomatoes über „Maidan“

Wikipedia über „Maidan“ und Sergei Loznitsa (deutsch, englisch)

Homepage von Sergei Loznitsa


TV-Tipp für den 18. April: Jojo Rabbit

April 17, 2022

Pro7, 20.15

Jojo Rabbit (Jojo Rabbit, USA 2019)

Regie: Taika Waititi

Drehbuch: Taika Waititi

LV: Christine Leunens: Le ciel en cage, 2007

Jojo Rabbit hat einen imaginären Adolf Hitler als Freund und eine reale Jüdin versteckt in der Dachkammer. Und weil der zehnjährige Jojo in Deutschland während des Zweiten Weltkriegs lebt, stellt vor allem der sehr weibliche Hausgast ein Problem da.

TV-Premiere. Herrlich gelungene und abgedrehte Kömodie. Auch ohne Blutsauger.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Roman Griffin Davis, Thomasin McKenzie, Taika Waititi, Scarlett Johansson, Sam Rockwell, Rebel Wilson, Stephen Merchant, Alfie Allen

Wiederholung: Dienstag, 19. April, 03.25 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Moviepilot über „Jojo Rabbit“

Metacritic über „Jojo Rabbit“

Rotten Tomatoes über „Jojo Rabbit“

Wikipedia über „Jojo Rabbit“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Taika Waititi „5 Zimmer Küche Sarg“ (What we do in the Shadows, Neuseeland 2014)

Meine Besprechung von Taika Waititis „Thor: Tag der Entscheidung“ (Thor: Ragnarok, USA 2018)

Meine Besprechung von Taika Waititis „Jojo Rabbit“ (Jojo Rabbit, USA 2019)


Neu im Kino/Filmkritik: „The Innocents“ sind Kinder mit besonderen Fähigkeiten

April 17, 2022

Vier Kinder – die neu zugezogene neunjährige Ida, ihre ältere autistische Schwester Anna, Ben und Aisha – lernen sich in Norwegen im Sommer in einer malerisch am Wald gelegenen Hochhaussiedlung kennen. Beim Spielen entdecken sie, dass sie über besondere Fähigkeiten verfügen, die sie kindlich unschuldig und neugierig erforschen. Untereinander, an Tieren und auch an Menschen. Sie können Gedanken lesen, stumm über große Entfernungen miteinander kommunizieren, Gegenstände bewegen, Knochen brechen und das Verhalten von anderen Menschen beeinflussen. Sie können sogar Menschen dazu bringen, zu töten. Und da hört der Spaß auf.

The Innocents“ ist wegen seiner Atmosphäre und einer Geschichte, die von Stephen King sein könnte, eindeutig ein Horrorfilm. Allerdings ist Eskil Vogts Film keiner dieser Horrorfilme, in denen Kinder von teuflischen Mächten besessen sind und sie die Erwachsenen in Angst und Schrecken versetzen. Die Erwachsenen, die im Film eh nur eine Nebenrolle haben, haben keine Ahnung, von den Fähigkeiten dieser vier Kinder. Und besessen sind Ida, Anna, Ben und Aisha auch nicht. Eher schon haben sie, wie Superhelden, besondere Fähigkeiten, die sie ausprobieren. Ohne einen moralischen Kompass. Aber begeistert, wenn eines ihrer Experiment funktioniert. So wollen sie keine Menschen töten, aber sie wollen herausfinden, ob sie es mit der Kraft ihrer Gedanken könnten.

Vogt erzählt seine Geschichte mit wenigen Dialogen. Oft wirkt der Film sogar wie ein Stummfilm. Er beobachtet die vier Kinder bei ihren zunehmend weniger unschuldigen und naiven Experimenten. Denn sie können ihre Kräfte zunehmend besser kontrollieren. Ben wächst dabei schnell in die Rolle des Bösewichts. Denn er scheut sich nicht, seine Kräfte für seine Ziele einzusetzen und Menschen, die sich ihm in den Weg stellen, zu töten.

Das Finale ist ein Aufeinandertreffen der „Superhelden“ (jedenfalls von ihren Fähigkeiten), das hochdramatisch und realistischer als jedes Superheldenfinale ist. Denn hier bleibt der Spielplatz der Superhelden in Ordnung.

Nach „Blind“ ist „The Innocents“ Eskil Vogts zweiter Spiefilm. Er arbeitet regelmäßig mit Joachim Trier zusammen. Zusammen verfassten sie die Drehbücher für Triers Filme „Auf Anfang“, „Oslo, 31. August“, „Louder than Bombs“, „Thelma“ und, demnächst, „Der schlimmste Mensch der Welt“. In dem breit abgefeiertem Film gibt es keinerlei übernatürliche Elemente und auch keine Horrorelemente. Es ist eine Komödie über eine junge Frau und ihrer Suche nach ihren Platz in der Welt.

The Innocents (De uskyldige, Norwegen 2021)

Regie: Eskil Vogt

Drehbuch: Eskil Vogt

mit Rakel Lenora Fløttum, Alva Brynsmo Ramstad, Mina Yasmin Bremseth Asheim, Sam Ashraf, Ellen Dorrit Petersen, Morten Svartveit, Kadra Yusuf, Lisa Tønne

Länge: 117 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

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Moviepilot über „The Innocents“

Metacritic über „The Innocents“

Rotten Tomatoes über „The Innocents“

Wikipedia über „The Innocents“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 17. April: Logan Lucky

April 16, 2022

Pro7, 23.15

Logan Lucky (Logan Lucky, USA 2017)

Regie: Steven Soderbergh

Drehbuch: Rebecca Blunt

Nach seiner Entlassung bei einer Baufirma hat Jimmy Logan einen Plan: während eines Nascar-Rennens will er die Einnahmen klauen. Er braucht dabei nur etwas Hilfe und seine Helfer sehen nicht wie vertrauenswürdige Diebe, sondern wie dusselige Hinterwäldler aus.

Wundervoll leichtfüßige und vertrackte Gaunerkomödie von Steven Soderbergh. Sozusagen die Hillbilly-Version von „Ocean’s Eleven“. Dass der minutiös präsentierte und durchgeführte Plan für den Diebstahl in der Realität so wahrscheinlich funktionieren würde, ist da egal.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

Inzwischen ist auch das Rätsel um die Identität der Drehbuchautorin Rebecca Blunt enthüllt. Es ist Soderberghs Frau Jules Asner.

mit Channing Tatum, Adam Driver, Daniel Craig, Seth MacFarlane, Riley Keough, Katie Holmes, Katherine Waterston, Dwight Yoakam, Sebastian Stan, Jack Quaid, Brian Gleeson, Farrah Mackenzie, Hilary Swank

Wiederholung: Dienstag, 19. April, 01.20 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Moviepilot über „Logan Lucky“

Metacritic über „Logan Lucky“

Rotten Tomatoes über „Logan Lucky“

Wikipedia über „Logan Lucky“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Girlfriend Experience – Aus dem Leben eines Luxus-Callgirls” (The Girlfriend Experience, USA 2009)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Contagion“ (Contagion, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Haywire” (Haywire, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Magic Mike” (Magic Mike, USA 2012)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Side Effects – Tödliche Nebenwirkungen“ (Side Effects, USA 2013)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Liberace – Zu viel des Guten ist wundervoll (Behind the Candelabra, USA 2013)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Logan Lucky“ (Logan Lucky, USA 2017) und der DVD

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Unsane: Ausgeliefert“ (Unsane, USA 2018)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „No sudden move“ (No sudden move, USA 2021)

Steven Soderbergh in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: In Sean Bakers „Red Rocket“ will ein Pornostar durchstarten

April 16, 2022

Sean Baker, der Regisseur der grandiosen Filme „Tangerine L. A.“ und „The Florida Project“, ist zurück und er bleibt sich treu. Mit unbekannten Schauspielern und spontan engagierten Laien drehte er vor Ort. Und wieder spielt die Geschichte in einem Milieu, das so selten im Kino gezeigt wird.

Dieses Mal dreht sich alles um Mikey Saber. Der 41-jährige kehrt aus Hollywood zurück in seine alte Heimatstadt, die er niemals wieder besuchen wollte. In Hollywood war er ein Filmstar. In Pornos. Jetzt hat er in der Stadt der Träume so massive Geldprobleme, dass er sich gerade so ein Busticket leisten konnte. In Texas City, einer Hafenstadt an der Golfküste mit Ölraffinerien in der Sichtweite vom Haus seiner Frau, klopft er bei seiner Immer-noch-Ehefrau Lexi an die Tür.

Dort ist er ungefähr so willkommen wie ein Tripper.

Trotzdem darf er bei ihr und ihrer Mutter, die beide in der heruntergekommenen und versifften Hütte hausen (die Bretterbude ging bei uns noch nicht einmal als Gartenhaus ohne Wohnzweck durch), wohnen. Zunächst nur für einige Tage, die dann zu Wochen werden.

Er sucht eine Arbeit. Weil er viele Jahre in der Pornobranche arbeitete und er diese Jahre in seinem Lebenslauf verschweigt, klafft eine jahrelange Lücke in ihm. Diese versucht er meist erfolglos mit seinem Charme zu füllen. Er hängt im Donut Hole ab. Der in Sichtweite der Raffinerien liegende Laden heißt wirklich so und musste für den Film nicht umbenannt werden. Dort scharwenzelt er um die siebzehnjährige Bedienung Strawberry herum. Er fantasiert ihr gegenüber etwas von einer großen Chance in Hollywood, die sie mit ihm hätte, während er ziemlich eindeutig mit ihr Sex haben möchte. Er beginnt mit Drogen zu handeln. Für diese Arbeit braucht der immer großspurig-optimistische Sonnyboy keinen lückenlosen Lebenslauf.

Und er hat ein Talent, seine Probleme zielsicher zu vergrößern.

Daher ist, wenn er am Filmanfang den Bus verlässt, klar, in welche Richtung sich seine Rückkehr in seine alte Heimat entwickeln wird.

Und trotzdem fühlen wir mit diesem großmäuligen Unsympath. Das liegt an Simon Rex, der den Blender Mikey Saber als einen Mann spielt, der letztendlich immer noch ein die Wirklichkeit ignorierendes, an den amerikanischen Traum glaubendes Kind ist. Für Rex ist die Rolle dieses Schmarotzers, nachdem er schon seit den Neunzigern in Filmen und TV-Serien auftritt, der Durchbruch. Bis jetzt ist er als Schauspieler vor allem durch mehrere „Scary Movie“-Komödien bekannt. Außerdem ist er der Rapper ‚Dirt Nasty‘.

Sean Baker erzählt seine Schwarze Komödie mit spürbarer Sympathie für Saber und die Menschen, die er in Texas City trifft. Er verschließt aber nie die Augen vor ihren Defiziten und ihren prekären Lebensumständen, die mit ‚ärmlich‘ noch zu positiv beschrieben sind.

Er drehte „Red Rocket“, wie seine vorherigen Filme, mit einem geringem Budget, einer kleinen Kerncrew von weniger als zehn Leuten, vor Ort mit vielen Laiendarstellern und Zufallsentdeckungen. Die Dreharbeiten waren, während der Coronavirus-Pandemie, in Texas City an 23 Tagen im Herbst 2020. Spielen tut der Film im Sommer 2016, vor der Wahl von Donald Trump zum Präsidenten der USA, der ein Bruder im Geist von Saber ist. Beiden gelingt es, andere Menschen zu verführen (wobei ich Trump schon immer für einen talent- und charmefreien Hohlkopf hielt) und in ihren Bannkreis zu ziehen. Beiden sind andere Menschen und ihre Gefühle egal. Schließlich gibt es für sie nur eine wichtige Person im Universum.

Witzig aus europäischer Sicht ist die auch in „Red Rocket“ sichtbare US-amerikanische Prüderie. So gibt es zwar für einen US-Film viel nackte Haut zu sehen, aber den früheren Pornostar Mikey Saber sehen wir nur einmal nackt. Das macht die sehenswerte Komödie jetzt nicht besser oder schlechter, aber es verrät einiges über die US-Gesellschaft.

Red Rocket (Red Rocket, USA 2021)

Regie: Sean Baker

Drehbuch: Sean Baker, Chris Bergoch

mit Simon Rex, Bree Elrod, Suzanna Son, Brenda Deiss, Judy Hill, Brittney Rodriguez, Ethan Darbone, Shih-Ching Tsou, Parker Bigham

Länge: 131 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Red Rocket“

Metacritic über „Red Rocket“

Rotten Tomatoes über „Red Rocket“

Wikipedia über „Red Rocket“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Sean Bakers „Tangerine L. A.“ (Tangerine, USA 2015)

Meine Besprechung von Sean Bakers „The Florida Project“ (The Florida Project, USA 2017)

Die Pressekonferenz in Cannes nach der Weltpremiere des Werkes

Eine Fragestunde mit Sean Baker und Teammitgliedern zum Film in Austin

 


TV-Tipp für den 16. April: Die geliebten Schwestern

April 15, 2022

ARD Alpha, 20.15

Die geliebten Schwestern (Deutschland/Österreich 2013/2014)

Regie: Dominik Graf

Drehbuch: Dominik Graf

Dominik Grafs wunderschöner Film über die Beziehung von Friedrich Schiller zu den Schwestern Charlotte und Caroline von Lengefeld.

Alles weitere in meiner ausführlichen Besprechung.

ARD Alpha zeigt wahrscheinlich die gut dreistündige Berlinale-Fassung.

mit Hannah Herzsprung, Florian Stetter, Henriette Confurius, Claudia Messner, Ronald Zehrfeld, Maja Maranow, Anne Schäfer, Andreas Pietschmann, Michael Wittenborn

Hinweise

Filmportal über „Die geliebten Schwestern“

Moviepilot über „Die geliebten Schwestern“

Metacritic über „Die geliebten Schwestern“

Rotten Tomatoes über „Die geliebten Schwestern“

Wikipedia über Friedrich Schiller und über „Die geliebten Schwestern“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Dominik Grafs „Schläft ein Lied in allen Dingen“

Meine Besprechung der von Dominik Graf inszenierten TV-Serie  „Im Angesicht des Verbrechens“

Meine Besprechung von Johannes F. Sieverts Interviewbuch „Dominik Graf – Im Angesicht des Verbrechens: Fernseharbeit am Beispiel einer Serie“

Meine Besprechung von Chris Wahl/Jesko Jockenhövel/Marco Abel/Michael Wedel (Hrsg.) “Im Angesicht des Fernsehens – Der Filmemacher Dominik Graf”

Meine Besprechung von Dominik Grafs “Die geliebten Schwestern” (Deutschland/Österreich 2013/2014)

Meine Besprechung von Dominik Grafs Erich-Kästner-Verfilmung „Fabian oder Der Gang vor die Hunde“ (Deutschland 2021)

Dominik Graf in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: „Alles ist gutgegangen“ in François Ozons 20. Spielfilm

April 15, 2022

Um das selbstbestimmte Sterben geht es in François Ozons neuem Film „Alles ist gutgegangen“, der auf einer wahren Geschichte von Emmanuèle Bernheim basiert. Die früh verstorbene Pariserin Emmanuèle Bernheim (30. November 1955 – 10. Mai 2017) war Roman- und Drehbuchautorin. So arbeitete sie mit Ozon bei „Unter dem Sand“ (Sous le Sable, 2000), „Swimming Pool“ (2003) und „5×2 – Fünf mal zwei“ (5×2, 2004) zusammen. Ihre Bücher, zu denen „Das Klappmesser“, „Ein Liebespaar“, „Die Andere“ und „Der rote Rock“ (verfilmt von Claire Denis) gehören, erschienen bei Klett-Cotta und Hanser.

Als der immer noch sehr fidele 84-jährige Kunstsammler und Fabrikant André Bernheim (André Dussollier) einen Schlaganfall hat, bittet er seine Tochter Emmanuèle (Sophie Marceau) ihm beim Sterben zu helfen. Seine andere Tochter Pascale (Géraldine Pailhas), die als Kind ebenfalls unter dem dominantem Vater gelitten hat, ist etwas verkrätzt, weil sie nicht gefragt wurde. Trotzdem raufen sich die beiden Schwestern zusammen.

Emmanuèle Bernheim schrieb anschließend das mit dem „Grand prix des lectrices de Elle“ ausgezeichnete Buch „Alles ist gutgegangen“ (Tout s’est bien passé, 2013) über den Tod ihres Vaters. Schon vor dem Erscheinen des Buches fragte sie François Ozon, ob er es verfilmen möchte. Aber er wusste zunächst nicht, wie er ihre Geschichte zu seiner Geschichte machen könnte. Auch andere Regisseure interessierten sich für die Geschichte. Nach ihrem Tod bemühte er sich wieder um die Geschichte und er fand den für ihn richtigen Zugang.

Chronologisch erzählt er, wie die Schwestern Emmanuèle und Pascale mit dem Wunsch ihres Vaters hadern, ihn vom Gegenteil überzeugen wollen und ihn ihm letztendlich doch erfüllen. Es geht dabei auch um die Beziehungen innerhalb einer wohlhabenden, kunstaffinen französischen Familie, in der der Vater ein Kunstsammler, die Mutter Claude de Soria eine bedeutende Bildhauerin, eine Tochter Organisatorin von Klassik-Festivals und die andere eine bekannte Autorin (und verheiratet mit dem Direktor der Cinémathèque française) ist. Das ist natürlich ein Blick in eine sonst von der Öffentlichkeit abgeschirmte Welt und hat etwas von einer Familienaufstellung. Dabei entfaltet sich das problematische Beziehungsgeflecht innerhalb der Familie Bernheim entlang der Frage, ob der Wunsch des nach dem Schlaganfall gelähmten und von fremder Hilfe abhängigem Patriarchen nach einem selbstbestimmten Tod erfüllt werden soll.

Und damit geht es auch um die Frage der Sterbehilfe. Hier spielt die von Hanna Schygulla gespielte Sterbehelferin eine entscheidende Rolle. Sie erklärt die Gesetze dazu in Frankreich (verboten) und in der Schweiz (erlaubt, wenn auf bestimmte Dinge geachtet wird) und als Vertreterin eines Sterbehilfevereins hat sie eine eindeutige Position dazu.

Im Rahmen der Filmgeschichte sind die unterschiedlichen Regeln in Frankreich und der Schweiz nicht der Auftakt zu einer Diskussion über diese Regeln. Sie dienen am Filmende als spannungssteigerndes Element.

Im Mittelpunkt von Ozons selbstverständlich sehenswertem Abschiedsdrama „Alles ist gutgegangen“ steht die Beziehung der beiden Schwestern Emmanuèle und Pascale zueinander und zu ihrem Vater und wie sie sich von seinem Schlaganfall bis zu seinem Tod entwickelt.

Alles ist gutgegangen (Tout s’est bien passé, Frankreich 2021)

Regie: François Ozon

Drehbuch: François Ozon, Philippe Piazzo (Mitarbeit)

LV: Emmanuèle Bernheim: Tout s’est bien passé, 2013 (Alles ist gutgegangen)

mit Sophie Marceau, André Dussollier, Géraldine Pailhas, Charlotte Rampling, Éric Caravaca, Hanna Schygulla, Grégory Gadebois

Länge: 109 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Französische Homepage zum Film

AlloCiné über „Alles ist gutgegangen“

Moviepilot über „Alles ist gutgegangen“

Metacritic Über „Alles ist gutgegangen“

Rotten Tomatoes über „Alles ist gutgegangen“

Wikipedia über „Alles ist gutgegangen“ (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von Francois Ozons “In ihrem Haus” (Dans la Maison, Frankreich 2012)

Meine Besprechung von Francois Ozons ”Jung & Schön” (Jeune & jolie, Frankreich 2013)

Meine Besprechung von Francois Ozons „Eine neue Freundin“ (Une nouvelle amie, Frankreich 2014)

Meine Besprechung von François Ozons „Frantz“ (Frantz, Deutschland/Frankreich 2016)

Meine Besprechung von François Ozons „Der andere Liebhaber“ (L’Amant Double, Frankreich/Belgien 2017)

Meine Besprechung von François Ozons „Gelobt sei Gott“ (Grâce à Dieu, Frankreich 2019)

 


TV-Tipp für den 15. April: Kindeswohl

April 14, 2022

ZDF, 22.00

Kindeswohl (The Children Act, Großbritannien 2017)

Regie: Richard Eyre

Drehbuch: Ian McEwan

LV: Ian McEwan: The Children Act, 2014 (Kindeswohl)

Familienrichterin Fiona Maye muss entscheiden, ob ein an Leukämie erkrankter Siebzehnjähriger eine Bluttransfusion erhalten soll. Seine Eltern lehnen aus religiösen Gründen die lebensrettende Maßnahme ab.

TV-Premiere. In jeder Beziehung starkes Drama, in dem es auch um das Privatleben der Richterin geht. Aus aktuellem Anlass können wir in Gedanken „Transfusion“ durch „Impfung“ ersetzen.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Emma Thompson, Stanley Tucci, Fionn Whitehead, Anthony Calf, Jason Watkins, Ben Chaplin, Nikki Amuka-Bird, Rosie Cavaliero, Eileen Walsh

Die Vorlage

Ian McEwan: Kindeswohl

(übersetzt von Werner Schmitz)

Diogenes, 2018 (Filmausgabe)

224 Seiten

12 Euro

Deutsche Erstveröffentlichung

Diogenes, 2015

Taschenbuchausgabe

Diogenes, 2016

Originalausgabe

The Children Act

Jonathan Cape Ltd., London, 2014

Hinweise

Moviepilot über „Kindeswohl“

Metacritic über „Kindeswohl“

Rotten Tomatoes über „Kindeswohl“

Wikipedia über „Kindeswohl“ (deutsch, englisch)

Homepage von Ian McEwan

Perlentaucher über „Kindeswohl“

Meine Besprechung von Richard Eyres Ian-McEwan-Verfilmung „Kindeswohl“ (The Children Act, Großbritannien 2017)


Neu im Kino/Filmkritik: „The Contractor“ Chris Pine liefert 08/15-Actionkost – mit Berlin-Bildern

April 14, 2022

James Harper hat wirklich Pech. Aus der Armee wurde der Special Forces Sergeant ehrenhaft, aber ohne Anspruch auf Pension und Gesundheitsleistungen entlassen. Gerade diese bräuchte er, um die Schmerzen in seinem Knie zu lindern. Außerdem hat er massive Geldprobleme. Er steht kurz vor einer Zwangsvollstreckung und Insolvenz. Und er hat keine Ahnung, wie er für seine Frau und seinen kleinen Sohn sorgen kann.

Da trifft er seinen früheren Armeekameraden Mike Denton. Der bietet ihm eine königlich bezahlte Stelle in der Söldnerfirma von Rusty Jennings an, die auch irgendwie für das Militär verdeckte Operationen ausführt. Harper ist einverstanden. Schließlich handelt es sich hier nicht nur um das beste Jobangebot, sondern um das einzige Jobangebot, das er die vergangenen Wochen erhalten hat.

Der erste Auftrag führt ihn für zwei, höchstens drei Wochen nach Berlin. Er soll Salim Mohsin beobachten. Mohsin ist Virologe, der in einem privaten Labor in der Nähe von Berlin forscht. Irgendetwas mit Viren. Außerdem soll er Beziehungen zu Al-Qaida haben. Kurz darauf erhalten Harper und seine deutsche Kontaktperson einen neuen Auftrag: sie sollen in das Labor einbrechen und Mohsins Computer mit allen Informationen über die von ihm entwickelte Bioterror-Waffe stehlen. Die Aktion geht schief. Harper wird gejagt und er weiß nicht mehr, ob er seinem Freund Denton und seinem neuem Chef Jennings vertrauen kann.

The Contractor“ ist der neue Film von Tarik Saleh, der zuletzt den sehr gelungenen Polit-Thriller „The Nile Hilton Affair“ inszenierte. Chris Pine, Ben Foster, Kiefer Sutherland, Eddie Marsan, Fares Fares und Nina Hoss spielen mit.

Außerdem spielt die Geschichte hauptsächlich in Berlin. Das erfreut natürlich mein Hauptstadtherz, ist aber, auch weil es wahrscheinlich mehr schlechte als gute Berlin-Filme gibt, kein Qualitätskriterium. Sowieso beschränkten sich die Dreharbeiten in Berlin auf zwei Tage, an denen die immer wieder prominent in den Thriller eingefügten Berlin-Stadtansichten entstanden. Hauptsächlich bewegen Pine und seine Jäger sich am und um den Alexanderplatz herum, ein wenig geht es in Richtung Mitte und selbstverständlich nach Kreuzberg. Der größte Teil der Dreharbeiten war in Rumänien und der dortigen Hauptstadt Bukarest.

Regie und Besetzung wecken Erwartungen, die dann enttäuscht werden. Denn „The Contractor“ ist ein typischer B-Thriller, der nur wegen der Besetzung ins Kino kommt. Da ist nichts Originelles zu finden. Alles spielt sich so ab, wie wir es aus unzähligen schlechten Thrillern kennen. Die Story ist hanebüchen und vollkommen unlogisch. So sollen wir, um es bei einem Beispiel zu belassen, glauben, dass ein Wissenschaftler seine gesamten Daten nur auf einem Computer speichert, dass es keine Sicherungskopien gibt und dass er vollkommen allein forscht. Immerhin sind die Daten nicht auf einer Floppy Disk gespeichert.

The Contractor (The Contractor, USA 2022)

Regie: Tarik Saleh

Drehbuch: J.P. Davis

mit Chris Pine, Ben Foster, Gillian Jacobs, Kiefer Sutherland, Eddie Marsan, Fares Fares, Nina Hoss, Amira Casar

Länge: 104 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „The Contractor“

Metacritic über „The Contractor“

Rotten Tomatoes über „The Contractor“

Wikipedia über „The Contractor“

Meine Besprechung von Tarik Salehs „Die Nile Hilton Affäre“ (The Nile Hilton Incident, Schweden/Deutschland/Dänemark 2017)


Neu im Kino/Filmkritik: Über eine im Lehrerzimmer „Eingeschlossene Gesellschaft“

April 14, 2022

Freitagnachmittag, kurz vor Feierabend, in einem Gymnasium irgendwo in Deutschland: die Schüler haben die Schule bereits verlassen. Im Lehrerzimmer warten einige Lehrer gelangweilt auf das Wochenende. Da klopft jemand an die Tür. Es ist Manfred Prohaska (Thorsten Merten). Der Vater hat ein dringendes Anliegen. Die Abi-Zulassung seines Sohnes Fabian ist gefährdet. Ein Punkt fehlt ihm. Dieser entscheidende Punkt wurde ihm bei einer Latein-Hausarbeit verwehrt. Und damit könnte der Lateinlehrer ihm den Punkt geben. Wenn er nicht so ein verknöcherter, seine Macht auskostende Regelfanatiker wäre, der unter keinen Umständen seine Bewertungen mit anderen diskutieren möchte.

Also verlangt Prohaska von den zufällig anwesenden Lehrern, dass sie jetzt sofort über Fabians Abi-Zulassung sprechen – und Fabian am Ende ihrer Besprechung den nötigen Punkt geben.

Das ist die knallige Prämisse von Sönke Wortmanns neuestem Film „Eingeschlossene Gesellschaft“. Zuletzt verfilmte er fürs Kino französische Erfolgskomödien und erfolgreiche Theaterstücke („Contra“, „Der Vorname“, „Frau Müller muss weg!“). Dieses Mal ist es ein Hörspiel von Jan Weiler („Maria, ihm schmeckt’s nicht“, „Das Pubertier“). Und wieder sitzen die Pointen, wenn der ultrakonservative „Ich habe alles in meinem Buch notiert“-Lateinlehrer Klaus Engelhardt (Justus von Dohnányi), die Schüler ebenfalls abgrundtief verachtende ältliche Jungfer Heidi Lohmann (Anke Engelke), der zu seinen Schülern äußerst joviale Womanizer-Sportlehrer Peter Mertens (Florian David Fitz), der sich überall anbiedernde Schüleranwalt Holger Arndt (Thomas Loible), der nerdige Chemielehrer Bernd Vogel (Torben Kessler) und die genderbewusste Referendarin Sara Schuster (Nilam Farooq) sich im Lehrerzimmer angiften, übereinander herfallen, dabei kleine und große Geheimnisse und Peinlichkeiten enthüllen, um sich selbst kreisen und sich dabei selbstverständlich nicht für das von Prohaska aufgeworfene Problem interessieren. Bis kurz vor dem Ablauf von Prohaskas Ultimatum reden sie nicht über Fabians Note.

Das gesamte Kollegium besteht halt aus Trotteln, die, zu unserem Vergnügen, nichts auf die Reihe bekommen und alle ihre kleinen Geheimnisse haben, von enttäuschter Liebe über Pornokonsum und Denunziation bis hin zur Unterschlagung. Diese sechs Lehrer sind Klischeefiguren. Die Schauspieler übertreiben und füllen diese Klischees lustvoll aus. Das sorgt, im Stil einer Boulevard-Komödie, für Situationskomik, verbale Gemeinheiten und etliche Lacher.

Aber der ganze leichtgewichtige und kurzweilige Spaß kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass Prohaska ein Erpresser und Geiselnehmer ist, der sein Ziel so nicht erreichen kann.

Eingeschlossene Gesellschaft (Deutschland 2022)

Regie: Sönke Wortmann

Drehbuch: Jan Weiler (nach seinem Hörspiel)

mit Florian David Fitz, Anke Engelke, Justus von Dohnányi, Nilam Farooq, Thomas Loibl, Torben Kessler, Thorsten Merten, Nick Julius Schuck, Carl Benzschawel, Claudia Hübbecher, Jürgen Sarkiss, Serkan Kaya, Ronald Kukulies

Länge: 101 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Filmportal über „Eingeschlossene Gesellschaft“

Moviepilot über „Eingeschlossene Gesellschaft“

Meine Besprechung von Sönke Wortmanns „Frau Müller muss weg“ (Deutschland 2014)

Meine Besprechung von Sönke Wortmanns „Der Vorname“ (Deutschland 2018)


TV-Tipp für den 14. April: Little Big Man

April 13, 2022

Servus TV, 21.50

Little Big Man (Little Big Man, USA 1970)

Regie: Arthur Penn

Drehbuch: Calder Willingham

LV: Thomas Berger: Little Big Man, 1964 (Der letzte Held)

Der 121-jährige Exscout Jack Crabb, der als Indianer Little Big Man hieß, erzählt einem Historiker sein Leben zwischen Indianern und Weißen – und man verirrt sich hoffnungslos und extrem kurzweilig im Dickicht zwischen Fakten und Mythen, zwischen Verklärung und Entzauberung des Wilden Westens.

Der satirische Klassiker ist eine grandiose Mythenentzauberung und -bestätigung.

Dustin Hoffman spielte Jack Crabb vom jungen bis zum alten Mann.

mit Dustin Hoffman, Faye Dunaway, Martin Balsam, Richard Mulligan, Chief Dan George, Jeff Corey

Wiederholung: Freitag, 15. April, 01.35 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Little Big Man“

Wikipedia über „Little Big Man“ (deutsch, englisch)

Kriminalakte: Nachruf auf Arthur Penn und Geburtstagsgruß an Faye Dunaway