DVD-Kritik: „Rogue Hunter“ Megan Fox und die Löwin

März 6, 2021

Die geplante Geiselbefreiung irgendwo im afrikanischen Busch läuft anders ab, als Sam (Megan Fox) und ihre Söldner-Gruppe es geplant haben. Anstatt einer klinischen Operation, gibt es einen wilden Schusswechsel, Explosionen und viele Tote. Dabei können sie ihr Zielobjekt, die Tochter des Gouverneurs, und weitere junge, weibliche Geisel befreien. Auf ihrer Flucht vor den Terroristen gibt es, auf beiden Seiten, weitere Tote und Explosionen. Der Hubschrauber, der sie aus der Kampfzone fliegen sollte, wird von den Geiselnehmern, einer Gruppe Al-Shabaab-Terroristen, abgeschossen.

Am Ende der wilden Hatz bleibt Sams Team nur der Sprung von einer sechzig Meter hohen Klippe in einen reißenden Strom.

Von dort geht es weiter zu einer verlassenen Farm, auf der sie die Nacht verbringen müssen. Erst nach Sonnenaufgang können sie gerettet werden.

In den nächsten Stunden warten sie nicht nur auf die sie verfolgenden Terroristen, sondern sie müssen auch gegen eine äußerst mordgierige Löwin kämpfen; – wenn sie sich nicht gerade ausführlich unterhalten und alles tun, um sich nicht auf die Konfrontation mit ihren Verfolgern vorzubereiten.

Ursprünglich plante M. J. Bassett „Rogue Hunter“ als kleines Projekt, in dem sie und ihre Freunde beim Dreh ihren Spaß hätten und sie die furchtbaren Zustände auf südafrikanischen Zuchtfarmen, in denen Löwen gezüchtet werden, um später von urlaubenden Hobbyjägern erschossen zu werden, ansprechen könnte. M. J. Bassett begann ihre Filmkarriere als Assistentin eines Wildtierfilmers. Später inszenierte sie als Michael Bassett die Genre-Spielfilme „Deathwatch“, „Solomon Kane“ und „Silent Hill: Revelation“. In den vergangenen Jahren konzentrierte sie sich auf TV-Arbeiten, wie „Strike Back“ (15 Folgen), „Ash vs Evil Dead“, „Power“ und „Altered Carbon“. Und jetzt den ziemlich blutigen Low-Budget-Actionreißer „Rogue Hunter“, der, wie gesagt, ein kleiner Actionfilm mit Botschaft werden sollte. Das Anliegen und die damit verbundene Botschaft weckten dann das Interesse von Megan Fox, die so schnell zusagte, dass Bassett ihren ursprünglichen Plan, pro forma den Hollywood-Star zu fragen und mit der Absage in der Tasche den alten Plan weiterzuverfolgen, nicht weiter verfolgen konnte. Kurz nach der Zusage von Megan Fox, die, so Bassett im Audiokommentar, innerhalb von zwölf Stunden erfolgte, begannen die Dreharbeiten in Südafrika. An zwanzig Tagen drehten sie den Film chronologisch; was dazu führte, dass jeden Tag weniger Menschen am Set waren. Die Löwin wurde in einer Mischung aus praktischen und, vor allem, digitalen Effekten zum Leben erweckt und sie hat das Problem, das digitale Tiere fast immer haben. Sie sieht in ihren wenigen Auftritten künstlich aus.

Der Film selbst ist ein immer wieder unplausibler, vor allem in der Mitte äußerst redseliger Actionfilm mit zwei wirklich großen, jeweils gut halbstündigen Action-Set-Pieces am Anfang und Ende des Films, die ich erstaunlich ungerührt, fast schon entspannt, verfolgte. In den Actionszenen schneidet Bassett äußerst selten. Es gibt sogar zwei lange, komplizierte Kamerafahrten und der gesamte Film sieht verdammt gut aus. So in Richtung Low-Budget-Michael-Bay oder TV-Michael-Bay.

Als Bonusmaterial gibt es gut fünfzig Minuten weitgehend belanglose, während des Drehs aufgenommene Interviews mit den Schauspielern und zwei äußerst informative, kurzweilige und untertitelte Audiokommentare. Sie bieten einen guten Einblick in ungefähr alle mit dem Film zusammenhängende Aspekte. Den einen bestreitet Bassett alleine. Bei dem anderen sind ihre Tochter Isabel Bassett und „Strike Back“-Schauspieler Philip Winchester dabei.

Rogue Hunter (Rogue, Großbritannien/Südafrika 2020)

Regie: M. J. Bassett

Drehbuch: M. J. Bassett, Isabel Bassett

mit Megan Fox, Greg Kriek, Adam Deacon, Kenneth Fok, Sisanda Henna, Brandon Auret, Isabel Bassett, Jessica Sutton, Philip Winchester

DVD

Square One Entertainment/Leonine

Bild: 2,40:1 (16:9 anamorph)

Ton: Deutsch, Englisch (DD 5.1)

Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte

Bonusmaterial: Interviews mit Megan Fox, Philip Winchester, Sisanda Henna, Greg Kriek und Isabel Bassett, Audiokommentar mit Regisseurin M. J. Bassett, Co-Drehbuchautorin/Darstellerin Isabel Bassett und Darsteller Philip Winchester, Audiokommentar mit Regisseurin M. J. Bassett, Trailer, Wendecover

Länge: 102 Minuten

FSK: ab 18 Jahre

Auch als Blu-ray und Digital.

Hinweise

Moviepilot über „Rogue Hunter“

Metacritic über „Rogue Hunter“

Rotten Tomatoes über „Rogue Hunter“

Wikipedia über „Rogue Hunter“


TV-Tipp für den 6. März: La Belle Saison – Eine Sommerliebe

März 5, 2021

MDR, 23.05

La belle saison – Eine Sommerliebe (La belle saison, Frankreich/Belgien 2015)

Regie: Catherine Corsini

Drehbuch: Catherine Corsini, Laurette Polmanss

1971 trifft die 23-jährige Delphine in Paris die Aktivistin Carole. Sie verlieben sich ineinander. Aber dann muss Delphine zurück auf den Hof ihrer Eltern. Carole folgt ihr in eine für sie vollkommen fremde Welt.

Wunderschöne, politisch grundierte Sommerromanze, die auch viel über die frühen Siebziger Jahre in Frankreich erzählt

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Cécile de France, Izïa Higelin, Noémi Lvovsky, Kévin Azais, Laetitia Dosch, Benjamin Bellecour

Hinweise

Moviepilot über „La belle saison“

Rotten Tomatoes über „La belle saison“

Wikipedia über „La belle saison“ (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von Catherine Orsinis „La belle saison – Eine Sommerliebe“ (La belle saison, Frankreich/Belgien 2015) und der Blu-ray


TV-Tipp für den 5. März: Petting statt Pershing

März 4, 2021

Arte, 20.15

Petting statt Pershing (Deutschland 2018)

Regie: Petra Lüschow

Drehbuch: Petra Lüschow

TV-Premiere. Komödie über eine 17-jährige, die 1983 in der Provinz zwischen Politengagement, erstem Sex, eigenen und fremden Ansprüchen versucht ihren Weg zu finden und sich hoffnungslos in einen charismatischen, linksalternativen, auf einem Öko-Bauernhof lebenden, sexuell überaus aktiven Junglehrer verliebt.

Unwitziger Provinzklamauk über fremdgehende Männer und Frauen, etwas Coming of Age, ein, zwei Witze über die damals noch lebenden Nazis, mehr oder weniger passendes, oft beliebig wirkendes Zeitkolorit und viele verpasste Chancen.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Anna Hornstein, Florian Stetter, Christina Große, Thorsten Merten, Hermann Beyer, Britta Hammelstein, Leon Ulrich, Barbara Phillip

Hinweise

Filmportal über „Petting statt Pershing“

Moviepilot über „Petting statt Pershing“

Meine Besprechung von Petra Lüschows „Petting statt Pershing“ (Deutschland 2018)


„Fürchte die Schatten“, Cyrus Haven, denn Michael Robotham schickt dich in ein neues Abenteuer

März 4, 2021

Cyrus Haven, Psychologe und polizeilicher Berater, will herausfinden, vor wem Evie Cormac sich versteckt. Die Minderjährige lebt inzwischen in Langford Hall, einem sicheren Kinderheim, was eine Umschreibung für Geschlossene Anstalt für Kinder und Jugendliche ist. Vor sieben Jahren wurde sie von der Polizistin Sacha Hopewell in London in einem Haus in einer Geheimkammer entdeckt. Sieben Jahre später ist ihr richtiger Namen immer noch ist unbekannt. Auch über ihre Herkunft weiß man nichts. Man weiß noch nicht einmal, ob sie eine Engländerin oder eine Ausländerin ist. Niemand vermisst sie. Und sie schweigt eisern über ihre Vergangenheit.

Als ein pensionierter Polizist ermordet aufgefunden wird, hat Cyrus einen ersten handfesten Ermittlungsansatz. Denn der tote Polizist hatte einen seiner alten Fälle, in dem es um einen geständigen, inzwischen im Gefängnis getöteten Pädophilen und mehrfachen Kindermörder geht, wieder aufgerollt. Dabei entdeckte er eine bislang unbekannte Verbindung zwischen dem Kindermörder, der möglicherweise die Taten, die er gestanden hat, nicht begangen hat, und Evie Cormac. Es könnte also sein, dass der wahre Täter noch frei ist und von einflussreichen Menschen geschützt wird.

Das ist die Prämisse von Michael Robothams zweitem Cyrus-Haven-Roman. Sein erster Cyrus-Haven-Roman „Schweige still“ (Good Girl, Bad Girl) wurde im November mit dem Gold Dagger ausgezeichnet.

Fürchte die Schatten“ schließt an den ersten Band an. Und, auch wenn der gestandene Krimileser schnell einen großen Teil, um nicht zu sagen die gesamte Handlung vorhersagen kann, könnte „Fürchte die Schatten“ ein vergnüglicher Thriller sein, in dem ein Psychologe und seine Freunde gegen einen scheinbar übermächtigen Pädo-Ring, der über Leichen geht, kämpfen.

Dazwischen könnte Robotham einige Informationen über wahre Fälle, die ihm sicher als Inspiration dienten, einstreuen und so die Geschichte realistischer wirken lassen. In Großbritannien gab es einige Vorfälle mit bekannten Persönlichkeiten, wie dem BBC-Moderator Jimmy Savile, über die vor allem die dortigen Medien ausführlich berichteten. Robotham könnte auch den Fall Jeffrey Epstein, der für weltweites Aufsehen sorgte, erwähnen.

Aber der Psychothriller ist, auch sprachlich, eine ziemlich dröge Angelegenheit. Robotham bedient sich beim Erzählen der Geschichte zweier Ich-Erzähler, Cyrus Haven und Evie Cormac, die von ihrer Sprache nicht zu unterscheiden sind. Er erzählt parallel von Havens Ermittlungen und seinem Leben (Wollen wir das wirklich wissen? Muss heute jeder Held eine ach so interessante Biographie und seltsame Schrullen haben? So hat der 31-jährige Single Haven kein Smartphone, sondern benutzt einen Pager und Telefonzellen, die in Großbritannien anscheinend immer noch an jeder Ecke stehen.) und von Evies Leben und, nachdem in Langford Hall ein Mordanschlag auf sie verübt wird, ihrer Flucht quer durch England. In Rückblenden erzählt Evie auch von ihrer Kindheit und ihrem damaligem Beschützer.

Am Ende des Thrillers gibt es genügend lose Enden für einen weiteren Roman mit Cyrus Haven, Evie Cormac (die jede Lüge sofort erkennt) und ihren Freunden, wozu dann auch Havens Freundin Sacha Hopewell, die ihm ein Mobiltelefon schenkt, gehört.

Wahrscheinlich werden sie dieses Abenteuer ohne mich erleben.

Michael Robotham: Fürchte die Schatten

(übersetzt von Kristian Lutze)

Goldmann, 2020

480 Seiten

16 Euro

Originalausgabe

When she was good

Sphere (Little, Brown Book Group, London), 2020

Hinweise

Homepage von Michael Robotham

Deutsche Homepage von Michael Robotham

Wikipedia über Michael Robotham (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 4. März: The Kindergarten Teacher

März 3, 2021

WDR, 23.30

The Kindergarten Teacher (The Kindergarten Teacher, USA/Israel/Großbritannien/Kanada 2018)

Regie: Sara Colangelo

Drehbuch: Sara Colangelo (basierend auf dem israelischem Film „Ich habe ein Gedicht“ von Nadav Lapid)

Die New Yorker Kindergärtnerin Lisa Spinelli glaubt, in Jimmy, einem ihrer Schützlinge, ein überragendes dichterisches Talent entdeckt zu haben. Sie will Jimmy fördern. Und überschreitet dabei alle professionellen Grenzen.

TV-Premiere. Hochgelobtes Drama, das nach seiner Premiere auf dem 2018er Sundance Festival zum Netflix-Film wurde. Bei uns wurde das Drama 2019 auf DVD veröffentlicht.

Ein ruhig und präzise, mit großem Gespür für zwischenmenschliche Interaktionen inszeniertes Psychodrama um eine komplexe, ebenso faszinierende wie abgründige Frauenfigur.“ (Lexikon des internationalen Films)

mit Maggie Gyllenhaal, Parker Sevak, Gael Garcia Bernal, Anna Baryschnikov

Hinweise

Rotten Tomatoes über „The Kindergarten Teacher“

Wikipedia über „The Kindergarten Teacher“


„Der erste Tote“, der erste Treffer von Tim MacGabhann

März 3, 2021

Andrew und der mit ihm befreundete Fotoreporter Carlos sind gerade auf dem Rückweg von einem Routineauftrag, als sie bei Poza Rica eine besonders grausam zugerichtete Leiche entdecken. Carlos will einige Fotos machen. Sie werden von der Guardia Civil erwischt und nach Hause geschickt. Weil die Polizisten anschließend die Leiche vom Tatort entfernen, möchte Carlos mehr erfahren.

Kurz darauf ist er tot. Gefoltert und bestialisch ermordet.

Andrew, der seit Ende 2012 als freier Journalist in Mexiko arbeitet und um seinen Freund trauert (ja, sie waren ein Paar), beginnt mit Recherchen in der Ölhauptstadt Poza Rica. Er stochert in dem dortigen Geflecht von Polizei, Organisiertem Verbrechen, Wirtschaft und Söldnern, die als Angestellte von Sicherheitsfirmen den dortigen internationalen Unternehmen helfen, herum. Denn der Tote, Julián Gallardo, war Student und Umweltaktivist. Mit seinen öffentlichkeitswirksamen Aktionen war er eine Bedrohung für die umweltverschmutzende, vom Drogenhandel profitierende und die Umwelt verschmutzende Wirtschaft.

Der erste Tote“ ist ein überzeugendes Debüt, das von Tim MacGabhanns schnörkelloser Hardboiled-Sprache, seiner Ortskenntnis und seinem Wissen über die Situation in Mexiko profitiert. Mac Gabhann ist, wie sein Ich-Erzähler Andrew, Ire und in Mexico City lebender Journalist.

Der Kriminalfall selbst bietet wenige Überraschungen. Einerseits, weil wir dank zahlreicher Reportagen, Bücher (unter anderem von Don Winslow und Sam Hawken), Spielfilme (zum Beispiel „Sicario“) und Serien (zum Beispiel „Narcos“) einen halbwegs guten Überblick über die Situation in Mexiko und den in den vergangenen Jahren blutig eskalierenden Drogenkrieg haben. Andererseits weil vieles von Andrew schnell aufgedeckt wird. Eigentlich alle Menschen, mit denen er während seiner Recherche redet, erzählen ihm ausführlich von ihrem kriminellem Leben und sie haben nichts dagegen, dass der Journalist, den sie nicht kennen, ihre Gespräche aufnimmt und später in einer Reportage verwendet. Das erscheint mir etwas unglaubwürdig. Aber so gelingt es Tim MacGabhann, schnell viele Informationen zu vermitteln. Er zeigt auch, wie die Verbrechensökonomie funktioniert und wie die USA seit Jahrzehnten darin involviert ist.

Nach schlanken zweihundertfünfzig Seiten (ein weiterer Pluspunkt von „Der erste Tote“) ist Andrews erstes Abenteuer vorbei. Sein nächstes Abenteuer „How to be Nowhere“ erschien im Original bereits im Sommer 2020. Ein deutscher Erscheinungstermin steht noch nicht fest.

Tim MacGabhann: Der erste Tote

(übersetzt von Conny Lösch)

Suhrkamp, 2020

288 Seiten

15,95 Euro

Originalausgabe

Call him mine

Weidenfeld & Nicolson, 2019

Hinweise

Twitter-Kanal von Tim MacGabhann

Perlentaucher über den Roman


TV-Tipp für den 3. März: Nichts als die Wahrheit

März 2, 2021

Wegen dem Internatiolem Frauentag am 8. März und weil es einfach gute Filme sind, empfehle ich in den nächsten Tagen einige Filme mit starken Frauen. Beginnend mit

Tele 5, 20.15

Nichts als die Wahrheit (Nothing but the truth, USA 2008)

Regie: Rod Lurie

Drehbuch: Rod Lurie

Journalistin Rachel Armstrong veröffentlicht eine Story über die in ihrer Nachbarschaft lebende CIA-Agentin Erica Van Doren und ihr Memo, das die Begründung der US-Regierung für einen Anschlag gegen Venezuela als Lüge entlarvt. Kurz darauf lässt der von der Regierung mit der Suche nach der undichten Stelle beauftragte Staatsanwalt Dubois die Journalistin im Gerichtssaal in Beugehaft nehmen. Sie soll ihre Quelle (und damit ihre Berufsstandards) verraten.

Top besetztes und gespieltes, zum Nachdenken anregendes Drama über Pressefreiheit und Staatsmacht.

Die von Rod Lurie erfundene Geschichte ist lose inspiriert von dem wahren Fall der von der Bush-Regierung enttarnten CIA-Agentin Valerie Plame.

mit Kate Beckinsale, Matt Dillon, Angela Bassett, Alan Alda, Vera Farmiga, David Schwimmer, Courtney B. Vance

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Nichts als die Wahrheit“

Wikipedia über „Nichts als die Wahrheit“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Rod Luries „The Outpost – Überleben ist alles“ (The Outpost, USA/Bulgarien 2020)


Cover der Woche

März 2, 2021


TV-Tipp für den 2. März: Leichen pflastern seinen Weg

März 1, 2021

Servus TV, 22.00

Leichen pflastern seinen Weg (Il grande silenzio, Italien/Frankreich 1968)

Regie: Sergio Corbucci

Drehbuch: Sergio Corbucci, Mario Amondola, Vittoriani Petrilli, Bruno Corbucci

Kultiger Schneewestern, den Quentin Tarantino auch als eines der Vorbilder für seinen Schneewestern „The Hateful 8“ nennt. Der Plot für das, den Zeitgeist treffenden, muntere Töten mit gesellschafts- und kapitalismuskritischer Agenda: der stumme Silenzio (Trintignant), der nur in Notwehr tötet, soll den skrupellosen Kopfgeldjäger Loco (Kinski) töten.

„Mit ‚Leichen pflastern seinen Weg‘ schuf Corbucci im Übergang zu den 70er-Jahren den ebenso melancholischen wie bitteren Abgesang auf ein bereits im Verfall begriffenes Genre, den Italo-Western. In jeder Einstellung merkt man Corbucci die Bemühung an, ein letztes, ultimatives Bild zu finden für eine erstarrende, in Korruption und Hass erstickende Welt, überzogen von einer endlosen, eher stumpfen als glitzernden Schneedecke.“ (Marcus Stigglegger in Filmgenres: Western)

Die Musik ist von Ennio Morricone.

Und eigentlich sollte man den Film auf der großen Leinwand sehen.

mit Jean-Louis Trintignant, Klaus Kinski, Frank Wolff, Vonetta McGee

Wiederholung: Mittwoch, 3. März, 01.20 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Leichen pflastern seinen Weg“

Wikipedia über „Leichen pflastern seinen Weg“ (deutsch, englisch)


Über die ersten drei „Hill House Comics“-Horrorgeschichten: „Ein Korb voller Köpfe“, „Das Puppenhaus“, „Im tiefen, tiefen Wald“

März 1, 2021

Joe Hill, Sohn eines durchaus bekannten Schriftstellers und inzwischen auch selbst ein bekannter und mehrfach verfilmter Horrorautor, veröffentlichte seinen letzten Roman „The Fireman“ (Fireman) 2016. Seitdem konzentrierte er sich auf andere Dinge, wie die Comic-Anthologie-Reihe „Hill House Comics“. In ihr erscheinen seit Dezember 2019 in sich abgeschlossene Horrorgeschichten von ihm und anderen Autoren. Auch die Zeichner wechseln mit jeder Geschichte.

Den Auftakt machte „Ein Korb voller Köpfe“, geschrieben von Joe Hill, gezeichnet von Leomacs und Riccardo la Bella. In diesem 1983 spielendem Thriller mit einem übernatürlichem Element sind vier verurteilte Straftäter auf der in Maine liegende Insel Brody Island flüchtig. Sofort beginnt die vom örtlichen Sheriff angeführte Jagd.

Für Liam Ellsworth, der während des Sommers als Praktikant für die Inselpolizei arbeitete, ist es der letzte Arbeitstag. Seine Freundin June Branch besucht ihn und gemeinsam sollen sie, während der Sheriff und seine Männer die Flüchtlinge jagen, das Haus des Sheriffs bewachen. Dort, so glaubt der Sheriff, seien sie sicher.

Da brechen die Flüchtlinge in das Haus ein und verwüsten es. Sie foltern Liam und verschleppen ihn in den Wald. Als June aus ihrem Versteck kommt, trifft sie auf einen der Flüchtlinge, der das Haus bewachen soll. Er greift sie an. Sie schnappt sich eine historische Wikinger-Axt und schlägt ihm den Kopf ab. Und entgegen aller Erwartungen ist der Verbrecher danach nicht tot. Sein Kopf ist weiterhin quicklebendig und redselig.

Auf der Suche nach ihrem Freund trifft June in der stürmischen Nacht auf weitere Männer, die sie angreifen, von ihr geköpft werden und in dem titelgebenden „Korb voller Köpfe“ landen.

Im Grunde ist „Ein Korb voller Köpfe“ ein klassischer Survival-Thriller mit Noir-Elementen. Denn Hill zeichnet eine Welt, in der jeder jeden betrügt und alle hinter einem belastenden Tonband her sind. Auf dem Tonband soll Liam als Undercover-Agent seine Gespräche mit seinen Kollegen aufgezeichnet haben. Dazu kommen als Horrorelement die sprechenden Männerköpfe mit teilweise äußerst witzigen Dialogen. Das ergibt einen spannenden Thriller mit feministischen Untertönen und einer gelungenen Schlußpointe.

Auch in den anderen auf deutsch veröffentlichten „Hill House Comics“ haben Frauen eine zentrale Rolle und es gibt eine feministische Botschaft.

In „Das Puppenhaus“, geschrieben von M. R. Carey (aka Mike Carey), gezeichnet von Peter Gross, die bereits bei „Lucifer und „The Unwritten“ zusammen gearbeitet haben, erhält die kleine Alice 1979 von ihrer verstorbenen Großtante ein 1828 angefertigtes Puppenhaus mit besonders echt aussehenden Bewohnern.

Alice beginnt mit den Puppen zu spielen. Und erfährt von ihnen einen Zauberspruch, der es ihr ermöglicht zu schrumpfen und im Puppenhaus mit den Bewohnern Zeit zu verbringen. Dummerweise hat das Puppenhaus ein düsteres Geheimnis. Und das Haus hat einen mörderischen Einfluss auf Alice.

Carey und Gross erzählen die Geschichte des Hauses und seiner Bewohner über mehrere Jahrhunderte. Dieser komplexe Aufbau führt dazu, dass die Geheimnisse des Hauses, die hier noch nicht einmal angedeutet werden sollen, nur langsam enthüllt werden.

Von den drei „Hill House Comics“-Geschichten ist „Das Puppenhaus“, auch weil große Teile der Geschichte im 19. Jahrhundert in England spielen, am nächsten an einer traditionellen Gothic-Horror-Story.

Im bislang letzten Band der „Hill House Comics“-Reihe „Im tiefen, tiefen Wald“ geht es in das Kaff Shudder-to-Think in Pennsylvania. Shudder-to-Think war eine prosperierende Kohlestadt. Die gesamte Gegend atmete Kohle und schwitzte sie aus. Heute ist das nur noch eine Erinnerung zwischen dampfenden Erdspalten, leer stehenden und verfallenen Häusern und Anwesen, die als Party-Location für die wenigen Jugendlichen dienen. Die meisten Menschen sind weg gezogen.

Die Teenager Octavia und Eldora sind beste Freundinnen. Kennen lernten sie sich vor Jahren im Wald, in den sie nicht allein gehen sollten. Als Octavia von einem Wesen, das wie ein enthäuteter Mensch aussieht, angefallen wird, kann Eldora ihr helfen. Seitdem sind sie beste Freundinnen, die viel Zeit miteinander verbringen.

Jahre nach der Begegnung mit dem Waldwesen gehen sie als Teenager zusammen ins Kino und verschlafen den Film. Sie glauben, dass in dieser Zeit etwas mit ihnen geschehen ist. Sie wollen herausfinden, was mit ihnen geschehen ist.

Auf ihrer Suche nach Antworten müssen sie sich mit der Geschichte der Stadt, Mythen, Aberglaube und verdrängten Erinnerungen.

Im tiefen, tiefen Wald“ wurde von Carmen Maria Machado (die Autorin gibt hier ihr Comicdebüt) geschrieben und von Dani gezeichnet. Sie erzählen eine Coming-of-Age-Geschichte, die auch von Stephen King stammen könnte; – der hätte sie natürlich vollkommen anders erzählt.

Die ersten drei in der „Hill House Comics“-Reihe veröffentlichten Geschichten sind, bei allen Unterschieden gelungene Horrorgeschichten mit überraschenden Wendungen und starken Heldinnen.

So fürchterlich kann es weitergehen.

Joe Hill/Leomacs/Dave Stewart: Ein Korb voller Köpfe

(übersetzt von Gerlinde Althoff)

Panini, 2020

188 Seiten

20 Euro

Originalausgabe

Basketful of Heads # 1 – 7

DC Black Label/Hill House Comics, Dezember 2019 – Juli 2020

M. R. Carey/Peter Gross: Das Puppenhaus

(übersetzt von Gerlinde Althoff)

Panini, 2020

164 Seiten

19 Euro

Originalausgabe

The Dollhouse Family # 1 – 6

DC Black Label/Hill House Comics, Januar – Juni 2020

Carmen Maria Machado/Dani: Im tiefen, tiefen Wald

(übersetzt von Gerlinde Althoff)

Panini, 2020

164 Seiten

19 Euro

Originalausgabe

The low, low Woods # 1 – 6

DC Black Label/Hill House Comics, Februar – August 2020

Hinweise

DC über Hill House Comics

Meine Besprechung von Joe Hill/Stephen King/Richard Mathesons „Road Rage“ (Road Rage, 2012)

Meine Besprechung von Joe Hill/Gabriel Rodriguez‘ „Tales from the Darkside – Geschichten aus der Schattenwelt“ (Tales from the Darkside # 1 – 4, 2016)

Meine Besprechung von Colm McCarthy M.-R.-Carey-Verfilmung „The Girl with All the Gifts“ (The Girls with All the Gifts, Großbritannien/USA 2016)


TV-Tipp für den 1. März: Exotica

Februar 28, 2021

Arte, 21.55

Exotica (Exotica, Kanada 1994)

Regie: Atom Egoyan

Drehbuch: Atom Egoyan

Selten gezeigtes Frühwerk von Atom Egoyan. „Exotica“ machte ihn international bekannt. Im titelgebendem Nachtclub „Exotica“ werden erotische Phantasien ausgelebt. Halbwegs im Mittelpunkt steht dabei die Geschichte eines Steuerprüfers, der sich in eine der Tänzerinnen verliebt und sie zunehmend obsessiv verfolgt. Aus ihren Geschichten ergibt sich langsam ein schillerndes Beziehungsgeflecht.

‚Exotica‘ ist ein ungemein stimulierendes Vexierbild über die Verlockungen des Voyeurismus und die Abgründe sexuellen Rollenspiels. Er rührt dabei an die Frage, wie wir unsere Beziehungen zu anderen in Einklang bringen mit den Bildern, die wir uns von ihnen und von uns selbst gemacht haben.“ (Fischer Film Almanach 1996)

Damals war ich nicht so begeistert von dem Erotik-Drama. Aber vielleicht jetzt.

Davor zeigt Arte um 20.15 Uhr Neil Jordans Graham-Greene-Verfilmung „Das Ende einer Affäre“ (USA/Großbritannien 1999); danach, um 23.15 Uhr, Helke Sanders‘ Frauenfilm-Klassiker „Die alleitig reduzierte Persönlichkeit – Redupters“ (Deutschland 1977). Zwei ebenfalls selten gezeigte Filme, die definitiv einen Blick lohnen.

Mit Bruce Greenwood, Mia Kirshner, Don McKellar, Arsinée Khanjian, Elias Koteas, Sarah Polley, Victor Garber

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Exotica“

Wikipedia über „Exotica“ (deutsch, englisch)

Homepage von Atom Egoyan

Deutsche Atom-Egoyan-Fanseite

Meine Besprechung von Atom Egoyans „Remember – Vergiss nicht, dich zu erinnern“ (Remember, Kanada/Deutschland 2015)


TV-Tipp für den 28. Februar: I, Tonya

Februar 27, 2021

RTL II, 20.15

I, Tonya (I, Tonya, USA 2017)

Regie: Craig Gillespie

Drehbuch: Steven Rogers

TV-Premiere. Schön schwarzhumorige, auf wahren Ereignissen basierende Satire auf den American Way of Life: White-Trash-Eiskunstläuferin Tonya Harding kämpft um ihren Platz auf dem Siegerpodest. Nicht immer mit legalen Mitteln.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Margot Robbie, Sebastian Stan, Allison Janney, Julianne Nicholson, Paul Walter Hauser, Bobby Cannavale, Bojana Novakovic, Caitlin Carver, Maizie Smith, Mckenna Grace

Wiederholung: Montag, 1. März, 02.25 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Moviepilot über „I, Tonya“

Metacritic über „I, Tonya“

Rotten Tomatoes über „I, Tonya“

Wikipedia über „I, Tonya“ (deutsch, englisch)

History vs. Hollywood über „I, Tonya“

Meine Besprechung von Craig Gillespies „Fright Night“ (Fright Night, USA 2011)

Meine Besprechung von Craig Gillespies „I, Tonya“ (I, Tonya, USA 2017)


TV-Tipp für den 27. Februar: Den Menschen so fern

Februar 26, 2021

3sat, 23.00

Den Menschen so fern (Loin des Hommes, Frankreich 2014)

Regie: David Oelhoffen

Drehbuch: David Oelhoffen

LV (frei nach): Albert Camus: L’Hôte, 1957 (Der Gast, Erzählung)

Algerien, 1954: Der Ex-Soldat und Lehrer Daru soll den des Mordes angeklagten Bauern Mohamed in die nächste Stadt bringen, wo er zum Tod verurteilt wird. Während Daru ihn nicht dorthin bringen will, will Mohamed unbedingt dorthin

Tolles existenzialistisches Drama vor einer menschenleeren Western-Kulisse, musikalisch spärlich untermalt von Nick Cave und Warren Ellis.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Viggo Mortensen, Reda Kateb, Djemel Barek, Vincent Martin Nicolas Giraud, Angela Molina

Hinweise
Moviepilot über „Den Menschen so fern“
AlloCiné über „Den Menschen so fern“
Metacritic über „Den Menschen so fern“
Rotten Tomatoes über „Den Menschen so fern“
Wikipedia über „Den Menschen so fern“ (englisch, französisch)

Meine Besprechung von David Oelhoffens „Den Menschen so fern“ (Loin des Hommes, Frankreich 2014)


DVD-Kritik: „Faking Bullshit – Krimineller als die Polizei erlaubt“, diese Kleinstadtbullen

Februar 26, 2021

Leben und leben lassen ist das unausgesprochene Motto von Deniz, Rocky, Hagen, Netti und ihren Chef Rainer. Sie sind Provinzpolizisten und mit dem „leben lassen“ haben sie insofern ein Problem, das ein echtes Luxusproblem ist: in ihrem Bezirk gibt es keine Verbrechen. Dieser paradisische Zustand wird zum Problem als von der Polizeidirektion Düsseldorf eine junge, taffe und extrem zielorientierte Beamtin von der Internen Revision zu ihnen nach Ahlen geschickt wird. Sie soll überprüfen, ob die Wache nicht geschlossen werden kann.

Deniz, Rocky, Hagen und Netti beschließen, ohne mit ihrem Chef darüber zu sprechen, sich zu wehren. Sie wollen beweisen, dass sie und ihre Wache gebraucht werden. Nicht mit einer Image-Kampagne, in der Kleinstadtbewohner protestierend vor die Stadtverwaltung ziehen, sondern indem sie beginnen Straftaten zu inszenieren, die sie dann eifrig protokollieren. Auch wenn es anfangs nur ein im Vollrausch eingeworfenes Fenster eines Lokals oder ein geklauter Deoroller ist.

Schwieriger wird die Situation für sie, als die Interne Revisorin ahnt, wer für die amateurhaft durchgeführten Verbrechen verantwortlich ist und sie verlangt, dass die Beamten die Täter überführen.

Faking Bullshit – Krimineller als die Polizei erlaubt“, ein Remake der schwedischen Komödie „Kops“, ist das Regiedebüt von Alexander Schubert. Als Albrecht von Humboldt gehört er zum Ensemble der „heute-show“. Um nur seine bekannteste Rolle zu nennen. Denn die Satiresendung hat auf den Film keinen direkten Einfluss. „Faking Bullshit“ will keine Polit-Satire sein und auch keine knallig zugespitzte schwarzhumorige Komödie wie „The Guard“, in der ein schwarzer FBI-Agent in Irland mit einem örtlichen Kollegen eine Drogenschmugglerbande jagt und Regisseur und Drehbuchautor John Michael McDonagh die Gegensätze und Vorurteile hemmungslos aufeinanderprallen lässt.

Faking Bullshit“ ist und will auch nicht mehr sein, als ein bestenfalls nett-harmloses Komödchen, das sich viel Zeit lässt, seine Figuren voller Sympathie beim Nichtstun zu beobachten. Es gibt einige eher didaktische als witzige Dialoge über Vorurteile gegenüber Ausländern, Geschlechterklischees und Kunst. Denn die Interne Revisorin Tina (Auf der Wache 23 wird sich prinzipiell geduzt.) war vor ihrer Strafmission in die nordrhein-westfälische Provinz bei der Eröffnung einer Austellung eines anonymen Künstlers als Aktivistin auffällig geworden. A3N, so das Pseudynom des Künstlers, stellte riesige Bilder von wie Augen aussehenden Vulven aus und provozierte damit eine Diskussion über Kunst oder Pornographie. Die Bilder wurden gestohlen und Deniz glaubt jetzt, dass die wertvollen Bilder in Ahlen in einer Garage versteckt sind.

Der harmoniesüchtige Film plätschert harmlos behäbig und absolut vorhersehbar vor sich hin. Die wenigen guten Gags (so sagt Netti bei einem Gespräch mit einem Bürger: „Humor ist in Deutschland verboten.“) wiegen nicht die vielen verpassten Chancen und ignorierten Möglichkeiten auf. Potentiell vielversprechende Figuren und Handlungsstränge werden nicht weiter verfolgt. Und die Lücken in der Geschichte sind ärgerlich. So erfahren wir nicht, um nur ein Beispiel zu nennen, wer warum Rainers Fahrrad stahl und wie es wiedergefunden wurde.

Da drehe ich liebe noch eine Runde in Niederkaltenkirchen.

Faking Bullshit – Krimiller als die Polizei erlaubt (Deutschland 2020)

Regie: Alexander Schubert

Drehbuch: Alexander Schubert

mit Erkan Acar, Sina Tkotsch, Adrian Topol, Sanne Schnapp, Alexander Hörbe, Xenia Assenza, Bjarne Mädel, Alexander von Glenck, Jörg Schüttauf, Mišel Matičević, Dietrich Hollinderbäumer

DVD

EuroVideo

Bild: 16:9

Ton: Deutsch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: –

Bonusmaterial: Trailer

Länge: 99 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Blu-ray identisch. Auch digital verfügbar.

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Faking Bullshit“

Moviepilot über „Faking Bullshit“

Wikipedia über „Faking Bullshit“


TV-Tipp für den 26. Februar: Nocturnal Animals

Februar 25, 2021

3sat, 22.25

Nocturnal Animals (Nocturnal Animals, USA 2016)

Regie: Tom Ford

Drehbuch: Tom Ford

LV: Austin Wright: Tony & Susan, 1993 (Tony & Susan) (manchmal auch „Tony and Susan“ bzw. „Tony und Susan“, US-Neuausgabe unter „Nocturnal Animals“)

Die erfolgreiche Kunsthändlerin Susan erhält ein unveröffentlichtes Roman-Manuskript ihres Ex-Mannes Edward, zu dem sie seit Ewigkeiten keinen Kontakt mehr hat. Sie beginnt den Roman zu lesen und, während der Film zwischen Susans Leben und dem Roman hin und her springt, ahnen wir, dass Edward in seinem Kriminalroman ihre Beziehung verarbeitete.

„Nocturnal Animals“ ist ein Manufactum-Film, bei dem der Stil, die richtige Geste, die richtige Ausleuchtung und der äußere Schein wichtiger als der Inhalt ist. Alles ist höchst elegant, gut besetzt und in jeder Beziehung gut inszeniert (was ihn unbedingt sehenswert macht), aber auch immer eine Spur zu offensichtlich und zu eindeutig, um wirklich zu verunsichern oder emotional zu bewegen.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Amy Adams, Jake Gyllenhaal, Michael Shannon, Aaron Taylor-Johnson, Isla Fisher, Karl Glusman, Armie Hammer, Laura Linney, Andreas Riseborough, Michael Sheen

Hinweise

Moviepilot über „Nocturnal Animals“

Metacritic über „Nocturnal Animals“

Rotten Tomatoes über „Nocturnal Animals“

Wikipedia über „Nocturnal Animals“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Tom Fords „Nocturnal Animals“ (Nocturnal Animals, USA 2016)


DVD-Kritik: „Eine Frau mit berauschenden Talenten“ macht jetzt Hausbesuche

Februar 25, 2021

Zum Kinostart am 8. Oktober (und damit ungefähr drei Wochen vor dem aktuellen Lockdown) schrieb ich ziemlich begeistert:

Auf diesen Film freue ich mich seit einigen Monaten. Als ich für meine Besprechung von Hannelore Cayres Krimi „Die Alte“ Hintergrundmaterial sammelte, erfuhr ich, dass Cayres Noir von Jean-Paul Salomé mit Isabelle Huppert in der Hauptrolle verfilmt wird.

Über Isabelle Huppert muss wohl nichts mehr gesagt werden.

Jean-Paul Salomé ist deutlich unbekannter. Einige dürften immerhin seine ab und zu im Fernsehen laufenden, vor historischer Kulisse spielenden Abenteuerfilme/Thriller „Arsène Lupin“ und „Female Agents – Geheimkommando Phoenix“ kennen.

In Salomés neuem Film spielt Huppert Patience Portefeux, die titelgebende ‚Frau mit berauschenden Talenten‘. Auch wenn Madame Portefeux auf den ersten Blick wie eine taffe Mittfünfzigerin, die nichts erschüttern kann, wirkt, ist ihr Leben gar nicht so rosig. Die Pariserin lebt allein – ihr Mann starb vor zwanzig Jahren und sie hat erst jetzt seine Schulden abbezahlt -, die beiden erwachsenen Töchter leben ihr Leben und ihre Mutter liegt in einem Pflegeheim, das sie jeden Monat 3200 Euro kostet. Eine Menge Geld.

Ihren Lebensunterhalt verdient sie als Übersetzerin. Freiberuflich und ohne Altersvorsorge. Für das Drogendezernat belauscht und übersetzt sie die auf arabisch geführten Gespräche der Drogenhändler und ihrer Familien.

Als ihre Mutter wegen unbezahlter Rechnungen in ein anderes Heim verlegt werden soll und sie aus einem abgehörtem Telefonat erfährt, dass der junge Drogenhändler, der verhaftet werden soll, der Sohn von Khadidja, einer Pflegerin ihrer Mutter, ist, greift sie spontan in die geplante Verhaftung ein. Sie informiert Khadidja. Die informiert ihren Sohn. Der kann vor seiner Verhaftung die Drogen verstecken.

Patience ergreift die sich ihr bietende Chance. Wenn sie die Drogen vor der Polizei und den Cherkaoui-Brüdern, die auf ihre Lieferung warten, findet, kann sie sich finanziell sanieren. Mit Geduld, detektivischem Gespür und dem pensionierten Drogenhund DNA findet sie vor allen anderen die Drogen. Sie versteckt sie im Keller des Mietshaus, in dem sie wohnt und beginnt sie an arabische Drogenhändler zu verkaufen. Immerhin kennt sie von ihrer Arbeit als Übersetzerin die potentiellen Großeinkäufer, ihre Nöte und die aktuellen Preise.

Und weil die Polizei schnell versucht, die neu in der Szene aufgetauchte geheimnisvolle Drogenhändlerin zu verhaften, muss sie weiter die Ermittlungen der Polizisten, mit denen sie seit längerem vertrauensvoll zusammenarbeitet, sabotieren. Ihr aktueller Freund Philippe ist sogar der Leiter der Drogenfahnder und er ist grundehrlich.

Jean-Paul Salomé macht aus Hannelore Cayres schwarzhumoriger Romanvorlage einen ebenso schwarzhumorigen, niemals moralisierenden, angenehm respektlosen Film, der genau deshalb Claude Chabrol in jeder Beziehung gefallen hätte. Auch dass die Frauen gegenüber den doch meist arg tumben Männern ein besseres Bild abgeben, hätte ihm gefallen. Sie wissen, wie Probleme ohne Gewalt gelöst werden können. Beispielsweise mit einem kleinen Geschäft, von dem beide Seiten profitieren. So versteht Patiences Hausverwalterin sofort Patiences Vorschlag für ein Geschäft. Denn irgendwie muss das Drogengeld gewaschen werden. Davor und danach bringt die kleine Patience den deutlich größeren und ihr körperlich überlegenen arabischstämmigen Macho-Drogenhändlern Manieren und Disziplin bei.

Salomé schrieb das Drehbuch zusammen mit Cayre. Gemeinsam machten sie die Romangeschichte filmischer und verzichteten auf einige Hintergrundinformationen zu Patiences Familiengeschichte.

 

Jetzt erschien die Komödie auf DVD in einer schicken Pappverpackung und mit überschaubarem Bonusmaterial. Es gibt einige Screentests und untertitelte Interviews mit Jean-Paul Salomé (auf französisch) und Isabelle Huppert (auf englisch), die einige Hintergründe vermitteln, aber weitgehend werblichen Charakter haben. Das wird besonders deutlich, wenn Patience („50 % Polizistin, 50 % Dealerin, 100 % glaubwürdig“) beschrieben wird, ohne etwas Wichtiges über die Filmgeschichte zu verraten.

Ansonsten: ein sehenswerter Film nach einem lesenswerten Roman.

Das eine kann man jetzt auf der heimischen Couch erledigen. Das andere auch an anderen Orten. Das andere andere auch.

Eine Frau mit berauschenden Talenten (La daronne, Frankreich 2020)

Regie: Jean-Paul Salomé

Drehbuch: Hannelore Cayre, Jean-Paul Salomé, Antoine Salomé (Zusammenarbeit)

LV: Hannelore Cayre: La daronne, 2017 (Die Alte)

mit Isabelle Huppert, Hippolyte Girardot, Farida Ouchani, Liliane Rovère, Iris Bry, Nadja Nguyen, Rebecca Marder, Rachid Guellaz, Mourad Boudaoud, Youssef Sahraoui, Kamel Guenfoud

DVD

good!movies

Bild:2,35:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Französisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Interviews mit Jean-Paul Salomé und Isabelle Huppert, Casting Tests, Audiodeskription Untertitel für Hörgeschädigte

Länge: 101 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Die Vorlage

Hannelore Cayre: Die Alte

(übersetzt von Iris Konopik)

Argument Verlag, 2019

208 Seiten

18 Euro

Originalausgabe

La daronne

Éditions Métailié, Paris 2017

Hinweise

AlloCiné über „Eine Frau mit berauschenden Talenten“

Moviepilot über „Eine Frau mit berauschenden Talenten“

Wikipedia über „Eine Frau mit berauschenden Talenten“ (deutsch, französisch)

Meine Besprechung von Hannelore Cayres „Der Lumpenadvokat“ (Commis d’office, 2004)

Meine Besprechung von Hannelore Cayres „Das Meisterstück“ (Toiles de maitre, 2005)

Meine Besprechung von Hannelore Cayres „Die Alte“ (La daronne, 2017)

Meine Besprechung von Jean-Paul Salomés „Eine Frau mit berauschenden Talenten“ (La daronne, Frankreich 2020)


TV-Tipp für den 25. Februar: Hereditary – Das Vermächtnis

Februar 24, 2021

3sat, 23.00

Hereditary – Das Vermächtnis (Hereditary, USA 2018)

Regie: Ari Aster

Drehbuch: Ari Aster

Eigentlich ist Annie Graham über den Tod ihrer dominanten Mutter ganz froh. Trotzdem versucht sie sie während einer Séance zu kontaktieren. Dass das keine gute Idee ist, wissen gestandene Horrorfilmfans. Dass in diesem Moment schon die gesamte Familie Graham sich wie traumatisiert und von Dämonen getrieben durch das einsam gelegene Haus bewegt, trägt dann auch zur Beunruhigung gestandener Horrorfilmfans bei.

TV-Premiere eines überaus gelungenen, souverän inszenierten Filmdebüts, das ein wirklicher Feel-Bad-Film ist.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Toniy Collette, Gabriel Byrne, Alex Wolff, Milly Shapiro, Ann Dowd

Hinweise

Moviepilot über „Hereditary“

Metacritic über „Hereditary“

Rotten Tomatoes über „Hereditary“

Wikipedia über „Hereditary“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Ari Asters „Hereditary – Das Vermächtnis“ (Hereditary, USA 2018)

Meine Besprechung von Ari Asters „Midsommar“ (Midsommar, USA 2019)


DVD-Kritik: Kann der „Bodyguard“ die Innenminsterin schützen? Und will er das überhaupt?

Februar 24, 2021

Spannender als die letzten drei Bond-Filme zusammen“, schrieb die Süddeutsche Zeitung laut dem DVD-Cover über die britische TV-Serie „Bodyguard“.

Mit sechs Stunden ist die Miniserie in jedem Fall kürzer als die letzten drei Bond-Filme.

In der von Jed Mercurio („Line of Duty“) erfundenen Serie geht es um David Budd (Richard Madden), Kriegsveteran mit posttraumatischer Belastungsstörung (nicht behandelt auf eigenen Wunsch) und Personenschützer bei einer Spezialeinheit der Londoner Polizei. Als er seine beiden Kinder zu seiner Frau, von der er getrennt lebt, bringen will, kann er im Zug einen Selbstmordanschlag verhindern. Kurz darauf wird er zum Personenschützer der Innenministerin Julia Montague (Keeley Hawes) befördert. Sie ist eine Kriegstreiberin und will ein heftig umstrittenes Überwachungsgesetz durch das Parlament bringen. Außerdem möchte sie in der Partei aufsteigen. Genug Konflikte und, immerhin ist „Bodyguard“ eine Krimiserie, genug potentielle Attentäter und, das kann man angesichts der vielen Frauen, von denen Budd umgeben ist und die ihm teilweise Befehle erteilen können, Attentäterinnen, die Montague umbringen wollen.

Auch Budd ist, jedenfalls in den ersten Episoden, ein möglicher Attentäter. Er macht Politiker wie Montague, die für Kriegseinsätze stimmten, für seine Situation verantwortlich. Er ist auch Mitglied einer losen Veteranengruppe, die ihren Hass auf die Politiker pflegt.

Der Verdacht zerstreut sich, nachdem er ihr das Leben rettet, es Spuren in den Sicherheitsapparat gibt (was natürlich etwas seltsam ist, weil das von ihr protegierte Gesetz der feuchte Traum der Sicherheitsbehörden ist) und er, wie „Bodyguard“ Kevin Costner in dem anderen Film, eine Affäre mit ihr beginnt.

Spätestens in dem Moment ist klar, dass „Bodyguard“, trotz einiger realpolitischer Anspielungen, reinstes Entertainment ist. Wahrscheinlichkeit und Logik werden einfach dem nächsten Anschlag geopfert. Das sorgt durchgehend für abenteuerliche Wendungen und, immer wieder, für vollkommen absurde Szenen. So war schon beim Auftakt, als Budd im Zug die Selbstmordattentäterin zur Aufgabe bewegen kann, die Polizei erstaunlich schießwütig. Budd scheint der einzige Bodyguard der Innenministerin zu sein. Und als Budd später mit einem Sprengstoffgürtel und einem Totmannschalter (also einer Vorrichtung, die die Bombe explodieren lässt, wenn er seinen Finger vom Sprengknopf entfernt) auf Londons Straßen stolpert, ist es ähnlich absurd. Er versichert den herbeigeeilten Polizisten, dass er die Bombe nicht zünden will. Die Mitglieder der Spezialeinheit überlegen nicht, wie sie die Bombe entschärfen könnten, sondern sie überlegen, wie sie ihn erschießen können – und damit die Bombe explodieren lassen. Etwas nachvollziehbarer wird die idiotische Szene, weil Budd in dem Moment schon in Richtung des Sicherheitsapparats ermittelt und der Täter seine Enttarnung verhindern kann, indem er Budd erschießen und ihn so endgültig zum perfekten und von den Bösewichtern schon lange geplanten Sündenbock werden lässt.

So ist „Bodyguard“ eskapistische Thrillerunterhaltung, die mit sechs Stunden etwas lang geraten ist. Gerade in der zweiten Hälfte der ersten Episode und der zweiten Episode plätschert die Geschichte arg ziellos vor sich hin. Am Ende der dritten Episode gibt es dann ein Ereignis, das alles verändert. Und das Finale ist ziemlich spannend. Wenn man nicht darüber nachdenkt.

In England war die sechsteilige Serie ein Kritiker- und Publikumserfolg.

Eine zweite Staffel ist beschlossen. Unklar ist, wann sie gedreht und ausgestrahlt wird.

Das Bonusmaterial besteht aus dem üblichen Werbematerial.

Bodyguard (Bodyguard, Großbritannien 2018)

Regie: John Strickland, Thomas Vincent

Drehbuch: Jed Mercurio

mit Richard Madden, Keeley Hawes, Sophie Rundle, Vincent Franklin, Ash Tandon, Gina McKee, Nina Toussaint-White

DVD

Pandastorm

Bild: 1,78:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch (DD 2.0)

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bonusmaterial: Making of, Interviews, Behind the Scenes, Originaltrailer

Länge: 362 Minuten (6 Folgen à 60 Minuten, 3 DVDs)

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zur Serie

Englische Homepage zur Serie

Moviepilot über „Bodyguard“

Metacritic über „Bodyguard“

Rotten Tomatoes über „Bodyguard“

Wikipedia über „Bodyguard“ (deutsch, englisch) (Vorischt Spoiler)


TV-Tipp für den 24. Februar: Tatort: Saarbrücken an einem Montag…

Februar 23, 2021

SWR, 23.30

Tatort: Saarbrücken an einem Montag… (Deutschland 1970)

Regie: Karl-Heinz Bieber

Drehbuch: Johannes Niem

Die Kommissare Liersdahl und Schäfermann suchen die verschwundene Datenverarbeiterin eines Stahlwerks.

Das „Taxi nach Leipzig“, den ersten „Tatort“ kennt jeder, aber „Saarbrücken an einem Montag…“, der zweite „Tatort“ ist dagegen fast unbekannt, weil er fast nie gezeigt wird. Dennoch ist er einen Blick wert.

mit Dieter Eppler, Manfred Heidmann, Eva-Maria Meineke, Horst Naumann, Eva Christian, Erik Schumann

Hinweise

Filmportal über „Saarbrücken an einem Montag…“

Wikipedia über „Saarbrücken an einem Montag…“

Tatort-Fundus über Kommissar Liersdahl


Cover der Woche

Februar 23, 2021

John Rawls (21. Februar 1921 – 24. November 2002), sein bekanntestes Buch