TV-Tipp für den 5. Februar: Nader und Simin – Eine Trennung

Februar 5, 2014

Arte, 20.15

Nader und Simin – Eine Trennung (Iran 2011, R.: Asghar Farhadi)

Drehbuch: Asghar Farhadi

Simin will mit ihrer Tochter und ihrem Mann ins Ausland gehen. Ihr Mann, der Akademiker Nader, will in Teheran bleiben und seinen an Alzheimer erkrankten Vater pflegen. Als Hilfe stellt er die streng religiöse Razie als Pflegerin ein. Konflikte sind vorprogrammiert. Denn Simin will sich scheiden lassen und Razie hadert mit der Pflege.

Nachdem Asghar Farhadis neuester Film „Le Passé – Das Vergangene“ gerade im Kino anlief, lohnt sich ein Blick auf seinen vorherigen Film. Für „Nader und Simin – Eine Trennung“ erhielt er den Goldenen Bären, den Oscar und Golden Globe als bester ausländischer Film und etliche weiter Preise und Nominierungen.

Ein Publikumserfolg war er aus.

In der IMDB ist er derzeit auf dem 101. Platz der 250 beliebtesten Filme.

Anschließend, um 22.15 Uhr, läuft die fünfzigminütige Doku „Es war einmal…: Nader und Simin“ über diesen Film.

Mit Leila Hatami, Peyman Moadi, Sareh Bayat, Shahab Hosseini

Hinweise

Film-Zeit über „Nader und Simin – Eine Trennung“

Moviepilot über „Nader und Simin – Eine Trennung“

Metacritic über „Nader und Simin – Eine Trennung“

Rotten Tomatoes über „Nader und Simin – Eine Trennung“

Wikipedia über „Nader und Simin – Eine Trennung“ (deutsch, englisch)

Berlinale über „Nader und Simin – Eine Trennung“

Meine Besprechung von Asghar Farhadis „Le Passé – Das Vergangene“ (Le Passé, Frankreich 2013)


Cover der Woche

Februar 4, 2014

Hiaasen - Krumme Hunde - 4


TV-Tipp für den 4. Februar: Im Schatten

Februar 4, 2014

ZDFkultur, 20.15

Im Schatten (D 2010, R.: Thomas Arslan)

Drehbuch: Thomas Arslan

Profigangster Trojan, gerade aus dem Knast entlassen, plant gleich seinen nächsten Coup: einen Überfall auf einen Geldtransporter.

Ein guter Hardboiled-Gangsterfilm, der eindeutig vom französischen Kriminalfilm (Melville!) und den harten amerikanischen Krimis beeinflusst ist. So ist der Einfluss von Richard Starks Parker und seinen Epigonen Nolan (von Max Allan Collins) und Wyatt (von Garry Disher) unübersehbar.

Ein erfrischend undeutscher Kriminalfilm, den sich auch Genrejunkies ohne Fremdschäm-Anfälle ansehen können.

mit Mišel Matičević, Karoline Eichhorn, Uwe Bohm, Rainer Bock, Hanns Zischler, Peter Kurth, David Scheller

Wiederholung: Mittwoch, 5. Februar, 04.15 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Homepage zum Film

Film-Zeit über „Im Schatten“

taz: Interview mit Thomas Arslan über “Im Schatten” (6. Oktober 2010)

Film-Dienst: Interview mit Thomas Arslan über “Im Schatten”

Meine Besprechung von Thomas Arslans “Im Schatten”


Groovy: Medeski, Scofield, Martin & Wood – Live

Februar 3, 2014

Die Band

John Scofield: Gitarre

John Medeski: Keyboards

Billy Martin: Schlagzeug

Chris Wood: Bass

–

Ebenfalls von 2007 ist die Doppel-CD „Out Louder“ des Quartetts. Auf der einen CD sind Studio-, auf der anderen Live-Aufnahmen und alles ist verdammt gut.


TV-Tipp für den 3. Februar: Der Hauptmann von Köpenick

Februar 3, 2014

Arte, 20.15

Der Hauptmann von Köpenick (Deutschland 1956, R.: Helmut Käutner)

Drehbuch: Carl Zuckmayer, Helmut Käutner

LV: Carl Zuckmayer: Der Hauptmann von Köpenick, 1931 (Theaterstück)

Schuster Wilhelm Voigt will nach dem Verbüßen seiner Zuchthausstrafe wieder arbeiten. Eine Arbeit gibt es aber nur mit einem Pass und einen Pass erhält nur, wer eine Arbeit hat. Also entschließt der Schuster sich, sich als falscher Hauptmann einen Pass zu besorgen.

Klassiker des deutschen Tonfilms, der damals ein Publikumserfolg war (über zehn Millionen Besucher in fünf Monaten), auch für den Auslands-Oscar nominiert war, die deutschen Filmpreise abräumte und zu den bekanntesten und beliebtesten Heinz-Rühmann-Filmen gehört.

Zuckmayers Stück gehört zur Schullektüre und ist heute immer noch aktuell.

mit Heinz Rühmann, Hannelore Schroth, Martin Held, Erich Schellow, Walter Giller, Wolfgang Neuss

Wiederholung: Mittwoch, 5. Februar, 13.45 Uhr

Hinweise

Filmportal über „Der Hauptmann von Köpenick“

Wikipedia über „Der Hauptmann von Köpenick“


Special Screening von „Der Imker“

Februar 2, 2014

Der Imker - Plakat

Im Kino FSK (Segitzdamm 2, 10969 Berlin, Nähe U-Bahnhof Kottbusser Tor und U-Bahnhof Moritzplatz)) wird am Sonntag, den 2. Februar, um 13.00 Uhr der von Mano Khalil gedrehte Dokumentarfilm „Der Imker“ (Besprechung hier) gezeigt.

Anschließend diskutieren Fevzi Aktas (Geschäftsführer KOMKAR) und Carmen Troppa (Asylbewerberbetreuung KOMKAR) über den Film, der Ibrahim Gezer porträtiert, ein Bienenzüchter, der aus dem türkischen Teil Kurdistans fliehen musste und inzwischen in der Schweiz als Flüchtling anerkannt ist.

KOMKAR ist der Verband der Vereine aus Kurdistan in Deutschland e.V..

 

Ebenfalls zum Filmstart begann die Kampagne „Von Fremden zu Freunde“. In der Pressemitteilung dazu steht:

Zum Kinostart von „Der Imker“ am 30.01.2014 in Deutschland startet BraveHearts Filmverleih in Zusammenarbeit mit der UNO-Flüchtlingshilfe und mit Unterstützung der GLS Bank die Kampagne „Von Fremden zu Freunden“. Pate der Kampagne ist der bekannte Fernsehjournalist Jean Pütz.

Der von Cinema for Peace und Human Rights Watch ausgezeichnete Film handelt vom Schicksal und Leben eines kurdischen Imkers, der versucht, sich in seiner Asylheimat Schweiz ein neues Leben aufzubauen. Der Film des in der Schweiz lebenden syrisch-kurdischen Regisseurs Mano Khalil schafft Verständnis für Menschen, die Zuflucht in Europa suchen und ruft dazu auf, sich für sie einzusetzen.

Diese Botschaft möchte auch die Kampagne „Von Fremden zu Freunden“ verbreiten. Ziel ist es, Flüchtlinge und Migranten nicht als Fremde sondern als Mitmenschen zu betrachten und möglichst viele Menschen darüber zu informieren, welche Flüchtlingsprojekte es in ihren Städten gibt und wie sie sich engagieren können – zum Beispiel als Flüchtlingspate und Vormund oder mit einer anderen ehrenamtlichen Arbeit.

Darüber hinaus beteiligen sich viele lokale Menschenrechts- und Flüchtlingsorganisationen, darunter auch Projektpartner der UNO-Flüchtlingshilfe, an der Kampagne – sei es durch die Bewerbung der Kinoaufführungen, durch Auslegen von Flyern im Kino oder durch die Vorstellung ihrer Projekte in einem BraveHearts-Flyer mit dem Titel „Wer was tun will“, der beim Ticketkauf direkt mit überreicht wird. Ähnliche Kampagnen sind auch für zukünftige Filme geplant.

Die UNO-Flüchtlingshilfe ist der deutsche Spendenpartner des Flüchtlingskommissariats der Vereinten Nationen (UNHCR). Die Organisation mit Sitz in Bonn fördert über die UNHCR-Projekte hinaus zahlreiche Projekte deutsche Träger, darunter Flüchtlingsräte oder Beratungs- und Therapieprojekte für Flüchtlinge und Asylbewerber.

 

„Wer was tun will“ – Angebot:

 

Übernahme von Patenschaften für Flüchtlinge und Migranten

 

Paten und Vormünder helfen Flüchtlingen und Migranten, sich in ihrer neuen Umgebung zurechtzufinden – bei Behördengängen und Arztbesuchen, beim Erlernen der Sprache, bei Fragen der Unterbringung, Bildung und Arbeitssuche. Der persönliche Kontakt schafft Verständnis, baut gegenseitige Vorurteile und Ängste ab und bietet die Chance, voneinander zu lernen. Die UNO-Flüchtlingshilfe hilft Interessierten, die für sie richtige Partnerorganisation zu finden.

 

Kostenlose Trainings für weibliche Flüchtlinge und Sozialarbeiterinnen

 

Für eine begrenzte Anzahl von Flüchtlingen bietet Dr. Heifetz, Mitgründerin von BraveHearts, folgende Angebote in Köln an: ein kostenfreies 3-Monats-Intensivtraining zur Stärkung von Selbstbewußsein, Kommunikation und Konfliktfähigkeit, sowie ein 3-monatiges Train-the-Trainer Programm für Sozialarbeiterinnen, die mit Flüchtlingen arbeiten. Dr. Heifetz ist Dozentin für Culture and Conflict an der Tel Aviv University und gibt innovative Führungsworkshops für Frauen.

 

Angebote von lokalen Organisationen

 

BraveHearts „Wer was tun will“ Flyer enthält sieben lokale Angebote, sich zu engagieren. Weitere Angebote werden auf der Homepage von BraveHearts gesammelt.


TV-Tipp für den 2. Februar: Der Chef

Februar 2, 2014

Bayern, 23.45

Der Chef (Fr/I 1972, R.: Jean-Pierre Melville)

Drehbuch: Jean-Pierre Melville

Polizist Coleman jagt den Nachtclubbesitzer Simon, mit dem er befreundet ist und der Überfälle begeht. Zwischen den beiden Männern steht Simons Freund Cathy.

Nach „Der eiskalte Engel“ und „Vier im roten Kreis“ war „Der Chef“ die dritte Zusammenarbeit von Alain Delon und Jean-Pierre Melville und zum ersten Mal spielte Delon einen Polizisten. Aber weil es Melville in „Der Chef“ auch um die Austauschbarkeit von Gangstern und Polizisten ging, unterschied Delons Rolle sich kaum von seinen vorherigen Rollen als Gangster. Denn Melville räumt Coleman und Simon etwa gleich viel Leinwandzeit ein.

„Melvilles letzter Film (…) ist ein würdiger Abschluss im Werk eines seines Metiers und seiner Liebe zum Kino sicheren Ultra-Professionellen, der die düstersten und unheimlichsten, aber auch ästhetisch vollkommendsten und menschlichsten Filme schuf, die in Frankreich je gedreht worden sind.“ (Hans Gerhold: Un Flic in „Jean-Pierre Melville, Hanser Reihe Film 27, 1982)

„‘Un Flic’ ist vermutlich der kälteste Film Melvilles, und Alain Delon gelingt als Chef-Fahnder Edouard Coleman der Pariser Kriminalpolizei eine brillante Charakterstudie über die Einsamkeit und Isolation des professionellen Menschenjägers.“ (Wolfgang Schweiger: Der Polizeifilm, 1989)

Mit Alain Delon, Catherine Deneuve, Richard Crenna, Riccardo Cucciolla, Michel Conrad

Hinweise

Wikipedia über Jean-Pierre Melville (deutsch, englisch, französisch)

Senses of Cinema (Adrian Danks) über Jean-Pierre Melville (September 2002)

Guardian: Peter Lennon über Jean-Pierre Melville (27. Juni 2003)

Jean-Pierre Melville in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 1. Februar: Der Name der Rose

Februar 1, 2014

ARD, 23.10

Der Name der Rose (Deutschland/Italien/Franktreich 1986, R.: Jean-Jacques Annaud)

Drehbuch: Andrew Birkin, Gérard Brach, Howard Franklin, Alain Godard

LV: Umberto Eco: Il nomme della rosa, 1980 (Der Name der Rose)

Bruder William von Baskerville sucht einer Benediktiner-Abtei einen Mörder.

Prächtiges, detailgenaues, im Mittelalter spielendes Whodunit, das Sean Connery endgültig als ernstzunehmenden Schauspieler etablierte.

Umberto Eco schrieb danach nie wieder so nahe an seinem Publikum.

Mit Sean Connery, F. Murray Abraham, Christian Slater, Michael Lonsdale, Ron Perlman, Helmut Qualtinger

Wiederholung: Sonntag, 2. Februar, 02.45 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Der Name der Rose“

Wikipedia über „Der Name der Rose“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: Das Biopic „Mandela – Der lange Weg zur Freiheit“

Januar 31, 2014

 

Als traditionelles Biopic kämpft „Mandela – Der lange Weg zur Freiheit“ natürlich mit dem bekannten Biopic-Problem, dass innerhalb einer begrenzten Zeit ein ganzes Leben abgehandelt werden muss. Da hilft auch nicht die Biopic-übliche Überlänge. Im Sauseschritt geht es durch die Geschichte, die in Nelson Mandelas Geburtsort, dem Dorf Mvezo in der Transkei, beginnt, dann einen Sprung nach Johannesburg macht und Nelson Mandela in den frühen vierziger Jahren als jungen Anwalt zeigt, der durch sein Township geht. Schon in diesem Moment ist, dank der Kamera, Idris Elbas energischen Schritten und den ihn bewundernd ansehenden Bewohnern, klar, dass hier ein geborener Führer in seiner Gemeinschaft ist. Weitere Erklärungen sind überflüssig.

Mandela politisiert sich bei seiner Arbeit. Denn in der Apartheid-Gesellschaft haben Schwarze keine Rechte. Er wird ANC-Mitglied, hält Reden, nimmt den politischen Kampf auf, trennt sich von seiner ersten Frau, verliebt sich in Winnie Mandela, geht als bewaffneter Kämpfer in den Untergrund, wird verhaftet, 1964 zu lebenslanger Haft verurteilt, lebt danach auf der Gefängnisinsel Robben Island, kommt 1990 frei und wird 1994 Präsident von Südafrika.

Es wird auch gezeigt, wie Winnie für die Freiheit ihres Mannes kämpft, Repressalien ausgesetzt ist und ebenfalls verhaftet wird.

Eben diese Beziehung zwischen Winnie und Nelson Mandela steht dann auch halbwegs im Zentrum von „Mandela“, während sich Nelson Mandelas politisches Wirken auf einige Allgemeinplätze beschränkt. Er fordert ein Ende der Apartheid, Gleichheit und „ein Mann, eine Stimme“. Wer kann etwas dagegen haben? Aber warum er sich radikalisierte und vom Anwalt zum Terroristen wurde, bleibt unklar. Es bleibt auch unklar, warum gerade er so bekannt wurde und warum er zum weltweit bekannten Symbol im Kampf gegen die Apartheid wurde. Ältere dürften sich noch an die weltweite Solidaritätsbewegung für Nelson Mandela in den achtziger Jahren mit ihren zahlreichen Aktionen, wie dem Konzert im Wembley-Stadion zu seinem 70. Geburtstag am 11. Juni 1988, erinnern. Da saß er bereits ein Viertel Jahrhundert ohne Kontakt zur Außenwelt im Gefängnis. Im Film gibt es einige Ausschnitte von Konzerten und Demonstrationen.

In Justin Chadwicks Spielfilm wird das Politische immer wieder zugunsten des Privaten vernachlässigt. Zwar werden ihm die Bürgerrechte energisch verteidigt; was nach 9/11 und der allumfassenden Überwachung der Bürger durch die Geheimdienste nötiger denn je ist und der Film hier Parallelen hätte aufzeigen können, aber die Verteidigung der Bürger- und Menschenrechte geht nie über die allgemein akzeptierten Gemeinplätzen hinaus. Das mag aus kommerziellen Erwägungen vernünftig sein, das mag sogar den Wünschen von Nelson Mandela, der in die Produktion des Films involviert war, entsprechen.

Aber so bleibt am Ende von „Mandela“ dann nur große Bewunderung für Idris Elba, der Nelson Mandela glaubwürdig vom 23-jährigen bis zum 76-jährigen Mann spielt und dafür eine Golden-Globe-Nominierung erhielt, und für Naomi Harris, die Winnie Mandela spielt, übrig.

Es bleibt auch die Hoffnung, dass „Mandela“ dazu führt, sich genauer mit Nelson Mandela, seinen politischen Ansichten und seinem Wirken zu beschäftigen.

Denn langweilig ist das viel zu unpolitische, viel zu sehr privatisierende und notgedrungen oberflächliche Biopic „Mandela“ nie. Es gehört sogar zu den besseren Biopics, die ein ganzes Leben schildern.

Aber die gelungenen Biopics der letzten Jahre, wie „Hannah Arendt“ und „42“ (um nur zwei sehr gegensätzliche Beispiele zu nennen), konzentrierten sich auf einen kurzen, aber entscheidenden Abschnitt im Leben des Porträtierten.

Mandela - Plakat

Mandela – Der lange Weg zur Freiheit (Mandela: Long Walk to Freedom, USA 2013)

Regie: Justin Chadwick

Drehbuch: William Nicholson

LV: Nelson Mandela: Long Walk to Freedom, 1995 (Der lange Weg zur Freiheit)

mit Idris Elba, Naomi Harris, Tony Kgoroge, Riaad Moosa, Fana Mokonea

Länge: 147 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

–

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Mandela – Der lange Weg zur Freiheit“

Moviepilot über „Mandela – Der lange Weg zur Freiheit“

Metacritic über „Mandela – Der lange Weg zur Freiheit“

Rotten Tomatoes über „Mandela – Der lange Weg zur Freiheit“

Wikipedia über „Mandela – Der lange Weg zur Freiheit“ (deutsch, englisch) und Nelson Mandela

 

 


TV-Tipp für den 31. Januar: 36 – Tödliche Rivalen

Januar 31, 2014

3sat, 22.35

36 – Tödliche Rivalen (Frankreich 2004, R.: Olivier Marchal)

Drehbuch: Dominique Loiseau, Frank Mancuso, Olivier Marchal, Julien Rappeneau

Nach dem brutalen Überfall auf einen Geldtransporter arbeiten die Polizisten Klein und Vrinks und ihre Männer mit allen Bandagen gegeneinander. Denn nur einer kann der neue Polizeichef werden und dieses Ziel heiligt für Klein und Vrinks alle Mittel.

Grandioser französischer Noir-Polizeithriller, der bei uns nur eine DVD-Premiere erlebte.

Der Film war für acht Césars (in allen wichtigen Kategorien) nominiert.

mit Daniel Auteuil, Gérard Depardieu, André Dussollier, Roschdy Zem, Valeria Golino, Daniel Duval

Wiederholung: Samstag, 1. Februar, 02.10 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „36 – Tödliche Rivalen“

Wikipedia über „36 – Tödliche Rivalen“

Meine Besprechung von Franck Mancusos „Counter Investigation – Kein Mord bleibt ungesühnt“ (Hey, es ist eine Lawrence-Block-Verfilmung!)

Meine Besprechung Franck Mancusos „R. I. F. – Ich werde dich finden!“ (R. I. F. [Recherche dans l’Intérêt des Familles], Frankreich 2011)

Meine ausführliche Besprechung von Olivier Marchals „Diamond 13“ (Diamond 13, Frankreich 2009)


Neu im Kino/Filmkritik: „Disconnect“ im realen Leben

Januar 30, 2014

 

Seine Premiere hatte „Disconnect“ bereits im September 2012 auf dem Toronto International Film Festival und seitdem hat der Ensemblefilm nichts von seiner Aktualität verloren. Im Gegenteil. An der Oberfläche geht es in den, je nach Zählung, ungefähr fünf, mehr oder weniger lose miteinander verknüpften Geschichten um das Internet und wie es unser Leben verändert. Aber eigentlich geht es Drehbuchautor Andrew Stern und Regisseur Henry-Alex Rubin um Beziehungen zwischen Ehepaaren, zwischen Eltern und Kindern und zwischen Liebenden und wie sehr sie alle, aus verschiedenen Gründen nicht mehr miteinander verbunden sind.

Es gibt eine TV-Reporterin, die einen minderjährigen Online-Stripper interviewen möchte. Der erklärt sich zu dem Interview bereit, möchte dann aber mehr von ihr, gerät in Konflikt mit seinem Chef und er möchte auch gar nicht aus dem Sexgeschäft aussteigen. Dennoch will die Journalistin ihn aus dem Sex-Business befreien.

Es gibt ein junges Ehepaar, das nach dem Tod ihres Babys nicht mehr miteinander redet. Auch nicht über seine Kriegserlebnisse. In einem Online-Chat lernt sie einen netten Mann kennen, der ihr in der seelischen Krise hilft. Plötzlich sind ihre Konten leer geräumt. Der von ihnen engagierte Detektiv verfolgt die Spur der Betrüger zu diesem Chat-Partner.

Der Detektiv selbst ist Vater. Sein Sohn und dessen Freund narren einen introvertierten Klassenkameraden mit einer gefälschten Netz-Identität, in der sie eine in ihn verliebte Schulkameradin sind.

Als dieser den Betrug entdeckt, versucht er sich umzubringen. Seine Eltern fragen sich, warum ihr Sohn sich umbringen wollte. Vor allem der Vater, ein immer beschäftigter Anwalt, beginnt nach Antworten zu suchen. Er beginnt mit dem Computer seines Sohnes und entdeckt dort, dass er eine Freundin hatte.

„Disconnect“ ist, auch wenn die Kamera etwas zu sehr pseudodokumentarisch wackelt, ein hochkarätig besetzter Ensemblefilm in bester „Short Cuts“- und „L. A. Crash“-Tradition, der durch seine offene Struktur sein Thema aus verschiedenen Perspektiven beleuchten und verschiedene Facetten ansprechen kann, ohne an dramaturgischer Wucht zu verlieren. Dabei verknüpft Rubin die Geschichten organisch miteinander zu der eindeutigen Botschaft: Redet miteinander. Nicht über das Smartphone, sondern ganz altmodisch und ohne technische Hilfsmittel.

Disconnect - Plakat

Disconnect (Disconnect, USA 2012)

Regie: Henry-Alex Rubin

Drehbuch: Andrew Stern

mit Jason Bateman, Hope Davis, Frank Grillo, Michael Nyqvist, Paula Patton, Andrea Riseborough, Alexander Skarsgård, Max Thieriot, Colin Ford, Jonah Bobo, Haley Ramm

Norbert Leo Butz

Länge: 115 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

–

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Disconnect“

Moviepilot über „Disconnect“

Metacritic über „Disconnect“

Rotten Tomatoes über „Disconnect“

Wikipedia über „Disconnect“


Neu im Kino/Filmkritik: „Kill your Darlings – Junge Wilde“ heute, Legenden später

Januar 30, 2014

Allen Ginsberg, Jack Kerouac, William Burroughs, die legendären Dichter, und Lucien Carr als Katalysator für deren literarisches Schaffen in einem Film. Wow! „Kill your Darlings – Junge Wilde“ erzählt die Geschichte der Beat-Poeten, bevor sie Beat-Poeten waren. In John Krokidas‘ Film sind sie noch vor dem Anfang ihrer Karriere.

Im Zentrum steht Allen Ginsberg (gespielt von Daniel Radcliffe im störendem Harry-Potter-Outfit), der 1944 als Studienanfänger an die New Yorker Columbia Universität kommt, seinen charismatischen Zimmergenossen Lucien Carr kennen lernt, der ihn in eine für ihn vollkommen neue Welt entführt: denn neben den Freiheiten des Studiums erkundet er auch die damalige Underground-Kunstszene mit ihren Drogen und den fetzigen Bebop-Rhythmen, während im Hinterzimmer Männer sich miteinander vergnügen. Und dann ist da noch David Kammerer, der deutlich ältere, eifersüchtige Freund von Lucien.

In „Kill your Darlings“ heißen die Protagonisten zwar Allen Ginsberg, Jack Kerouac und William Burroughs und wir kennen, wenigstens rudimentär, ihre späteren Lebensstationen und wissen, wie groß ihr Einfluss war und ist. Aber hier sind sie noch austauschbare Studenten, die noch nichts geschrieben haben und das lockere Studentenleben, inclusive Studentenstreichen, in vollen Zügen genießen. Der Film erzählt einfach Episoden aus Ginsbergs erstem Studienjahr, was zunehmend langweilt, bis dann, am Ende, Lucien Carr plötzlich David Kammerer umbringt. Diese Tat wäre wohl besser als Beginn und nicht als das Ende der Geschichte genommen worden. Denn Carr verteidigte sich, indem er vor Gericht sagte, er habe sich gegen Kammerers homosexuelle Annäherung wehren müssen. Das Gericht ließ – heute unvorstellbar – diese „Ehrenmord“-Argumentation strafmildernd zu. Burroughs und Kerouac schrieben „Und die Nilpferde kochten in ihren Becken“, das erst 2008 veröffentlicht wurde, in dem sie den Mord an Kammerer literarisch verarbeiteten. Aber das war erst nach dem Ende des Films.

Außerdem irritiert, dass diese jungen Männer nicht einen Gedanken an den Weltkrieg verschwenden. Sie sind Hedonisten vom Scheitel bis zur Sohle. Wenn wir nicht wüssten, dass die Geschichte 1944 spielt, könnte sie genausogut in jedem anderen Jahr spielen.

So ist „Kill your Darlings“ dann nur prominent besetztes, biederes Ausstattungskino über einige junge Männer in ihrer Selbstfindungsphase, die später berühmt wurden.

Kill your Darlings - Plakat

Kill your Darlings – Junge Wilde (Kill your Darlings, USA 2013)

Regie: John Krokidas

Drehbuch: John Krokidas, Austin Bunn

mit Daniel Radcliffe, Dane Dehaan, Michael C. Hall, Jack Huston, Ben Foster, David Cross, Jennifer Jason Leigh, Elizabeth Olsen, Kyra Sedgwick

Länge: 103 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

–

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Facebook-Seite zum Film

Film-Zeit über „Kill your Darlings“

Moviepilot über „Kill your Darlings“

Metacritic über „Kill your Darlings“

Rotten Tomatoes über „Kill your Darlings“

Wikipedia über „Kill your Darlings“ 


Neu im Kino/Filmkritik: „Le Passé – Das Vergangene“ ist nicht vergangen

Januar 30, 2014

 

Ahmad (Ali Mosaffa) kehrt nach vier Jahren für einige Tage von Teheran nach Paris und zu Marie (Bérénice Bejo) zurück. Er will in einem Hotel übernachten und die Scheidungspapiere unterschreiben. Vielleicht will er auch noch einen Versuch starten, die Beziehung zu kitten. Aber dieser Plan – falls er ihn überhaupt jemals hatte – zerschlägt sich schnell. Marie bringt ihn im Kinderzimmer unter, was bei den Kindern für Verstimmung sorgt. Ihre älteste Tochter Lucie (Pauline Burlet) hat sich gerade, mitten in der Pubertät, mit ihrer Mutter und ihrem neuen Freund zerstritten. Und Marie hat, das erfährt Ahmad nebenbei, einen neuen Freund, der jetzt, aus Rücksicht auf die beiden noch Verheirateten, einige Tage in seiner Wohnung verbringt. Samir (Tahar Rahim) ist verheiratet, aber seine Frau liegt nach einem Suizidversuch im Koma. Sein Sohn lebt auch in Maries Haus.

Ahmad begreift, dass er mitten in eine extrem verkorkste Beziehungsgeschichte hineingeraten ist und er, gerade weil er unbeteiligt und ein guter Zuhörer ist, die Rolle des Therapeuten übernimmt.

„Le Passé – Das Vergangene“ ist ein ruhiger, vielschichtiger, genau beobachtender Film über komplizierte Beziehungen und wie Menschen nicht miteinander über ihre Probleme reden können. Aber mit Ahmad haben sie einen Katalysator gefunden, der immerhin etwas Beziehungsmüll zur Seite schaufeln kann. Das allein ist schon so spannend, dass es den vernachlässigbaren und eher störenden Rätselplot um den Suizidversuch von Samirs Frau, der vielleicht ein Mordversuch war, nicht bedurft hätte.

Asghar Farhadi erhielt für seinen vorherigen Film „Nadar und Simin – Eine Trennung“ bei der 2011er Berlinale den Goldenen Bären für den besten Film. Er war auch ein Publikumserfolg. In Frankreich sahen ihn über eine Million Menschen im Kino.

In Cannes lief „Le Passé“ 2013 im Wettbewerb und Bérénice Bejo wurde dort als beste Schauspielerin ausgezeichnet. Der Film erhielt den Preis der ökumenischen Jury und ist, unter anderem, für den Golden Globe als bester fremdsprachiger Film nominiert.

Le Passe - Plakat

Le Passé – Das Vergangene (Le Passé, Frankreich/Italien 2013)

Regie: Asghar Farhadi

Drehbuch: Asghar Farhadi, Massoumeh Lahidji (Drehbuchadaption)

mit Bérénice Bejo, Tahar Rahim, Ali Mosaffa, Pauline Burlet, Elyes Aguis, Jeanne Jestin

Länge: 125 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

–

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Le Passé – Das Vergangene“

Moviepilot über „Le Passé – Das Vergangene“

Metacritic über „Le Passé – Das Vergangene“

Rotten Tomatoes über „Le Passé – Das Vergangene“

Wikipedia über „Le Passé – Das Vergangene“ (deutsch, englisch, französisch)

 

 


Neu im Kino/Filmkritik: Ein „Staudamm“, ein Amoklauf eines Schülers und eine Recherche

Januar 30, 2014

 

Wie nähert man sich ernsthaft und mit dem nötigem Respekt einem unfassbarem Ereignis? Einem Ereignis, über das man nicht sprechen kann? Und das auch noch auf einem künstlerisch angemessenem Niveau? Gus Van Sant zeigte 2003 in „Elephant“ einen Weg, wie über einen Amoklauf an einer Schule, ein Spielfilm gemacht werden kann. Van Sant schilderte, ohne eine einfache Erklärung, die Stunden vor dem Amoklauf. Thomas Sieben entschloss sich in „Staudamm“, nach einem Drehbuch von Christian Lyra, für einen anderen Weg. Ihr Film beginnt ein Jahr nach dem Amoklauf, wenn Roman (Friedrich Mücke), ein Jura-Student, der in München in seiner Wohnung herumlungert und für einen Staatsanwalt (Dominic Raacke), Akten zusammenfasst und einliest, einen neuen Stapel Akten erhält. Dieses Mal geht es um einen Amoklauf und wir erfahren nie, weshalb der Staatsanwalt sich jetzt mit diesem abgeschlossenem Fall beschäftigt.

Weil wichtige Akten fehlen, soll Roman sie in der bayerischen Provinz auf der dortigen Polizeiwache abholen. Er macht sich auf den Weg, ist genervt, weil er die Akten nicht sofort bekommt und deshalb länger als geplant in dem menschenleeren Ort bleiben muss. Die wenigen Bewohner begegnen ihm alle mit herzlicher Abneigung. Nur Laura (Liv Lisa Fries) ist freundlich zu ihm. Sie war, wie Roman später erfährt, eine Mitschülerin des Amokläufers und überlebte den Amoklauf. Sie erzählt ihm von damals und führt ihn an Orte, die für den gesichtslosen Amokläufer wichtig waren. Roman beginnt sich etwas für die Hintergründe des Amoklaufs zu interessieren, aber die meiste Zeit liest er einfach weiterhin mit monotoner Stimme Akten ein.

Guter Wille kann „Staudamm“ nicht abgesprochen werden. Er will auch nicht sensationslüstern über einen Amoklauf erzählen. Deshalb fehlen all die bekannten Bilder, die uns spätestens, pädagogisch wertvoll geerdet, im „Tatort“ präsentiert werden. Thomas Sieben versucht das Unbegreifliche eines Amoklaufs eines Schülers in eine dem entsprechende, reduzierte filmische Sprache zu übersetzen. Dazu gehören die ins Leere laufenden Bildsymbole, wie der titelgebende „Staudamm“, an dem der Amokläufer sich umbrachte. Oder die sich majestätisch erhebenden Berge. Dazu gehören eben die mit emotionslos vorgetragenen Zeugenaussagen und Tatortberichte.

Aber weil der Staatsanwalt Roman nicht sagt, wozu er die Akten braucht, gibt es keine leitende Frage, die die Ereignisse in eine sinnvolle Reihenfolge bringt, sondern nur eine hochgradig konstruierte Ausgangslage, die zu einer Kongruenz im Nichtwissen zwischen dem Zuschauer und dem Protagonisten führt. Dabei sollte er uns durch die Geschichte führen und unsere Aufmerksamkeit auf bestimmte Dinge lenken. Aber er stochert nur blind im Nebel herum. Für seine Zusammenfassungen von Akten hat er keine leitende Frage. Es ist daher eine akademische Übung. Die restliche Zeit lässt er sich treiben. Er ist, auch nachdem er Laura, begegnet, weniger involviert als ein unbeteiligter Zuschauer, der immerhin wissen möchte, wie es weitergeht. Diese Abwesenheit einer Leitfrage führt dann auch dazu, dass „Staudamm“ einfach nur Impressionen aneinanderreiht und die Interpretation dem Zuschauer überlässt, was nicht sonderlich interessant ist.

Staudamm - Plakat

Staudamm (Deutschland 2012)

Regie: Thomas Sieben

Drehbuch: Christian Lyra, Thomas Sieben

mit Friedrich Mücke, Liv Lisa Fries, Dominic Raacke, Lucy Wirth, Arnd Schimkat, Carolin Fink

Länge: 88 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

–

Hinweise

Homepage zum Film

Film-Zeit über „Staudamm“

Moviepilot über „Staudamm“

 

 


Neu im Kino/Filmkritik: „Anchorman – Die Legende kehrt zurück“ und revolutioniert das Nachrichtenfernsehen zum Boulevard

Januar 30, 2014

Damit hat niemand gerechnet. Ron Burgundy ist zurück. Einige dürften ihn noch von seinem ersten Spielfilmauftritt „Anchorman – Die Legende von Ron Burgundy“ kennen. Da war er der Nachrichtensprecher eines Lokalsenders in San Diego und der ungekrönte König der Stadt, bis die junge Reporterin Veronica Corningstone kam, die nicht nur Ambitionen auf seinen Sprecherposten hatte, sondern ihm auch intellektuell haushoch überlegen war. Der tumbe Macho Burgundy und seine ebenso dummen Mitarbeiter kämpften mit allen Mitteln gegen sie, aber letztendlich konnten sie den Fortschritt nicht aufhalten und am Ende hatten sie sogar gelernt, dass auch Frauen Nachrichtensprecherinnen und echte Journalistinnen sein können. Außerdem verliebten Burgundy und Corningstone sich ineinander. Mit dem Filmende der liebevollen und kurzweiligen, aber auch sehr nachlässig erzählten Siebziger-Jahre-Gagparade war die Geschichte von Burgundy, Corningstone und dem „Action-4-News-Team“ zu Ende erzählt. Fortsetzung überflüssig.

Nun, irgendwie doch nicht. In den USA scheint der von Will Ferrell gespielte Charakter sehr beliebt zu sein. Also wurde nach einem Jahrzehnt die alte Bande wieder zusammengerufen, etliche Stars absolvieren einen Kurzauftritt und eine weitere Ron-Burgundy-Geschichte wird erzählt. Wir haben jetzt 1980. Burgundy und seine Frau Veronica Corningstone sind in New York und präsentieren gemeinsam eine Nachrichtensendung, bis Burgundy wegen erwiesener Unfähigkeit gefeuert wird und seine Frau aufsteigt. Mitten in seiner Depri-Phase (wir erinnern uns an den ersten „Anchorman“-Film) erhält er ein Angebot, das er nicht absagen kann: Kench Allenby (ein Klon aus Ted Turner, Rupert Murdoch und viel Richard Branson) baut den neuen Fernsehsender GNN auf, der 24 Stunden Nachrichten ausstrahlen soll. Eine bescheuerte Idee, findet jeder, aber Burgundy und seine alte Gang, das „Action-4-News-Team“, sind dabei und zielsicher steuert er die No-Gos an, die sich als zukunftsweisend entpuppen sollen. Bei ihm gibt es keine Berichte über Politik und wichtige Ereignisse, sondern substanzloses Geplauder über die schönen und alltäglichen Seiten des amerikanischen Alltags oder eine mehrstündige Live-Schaltung zu einer Autoverfolgungsjagd oder sie probieren vor laufender Kamera die angesagte Droge Crack aus. Kurz: Dinge, die keine Nachrichten sind, werden als Nachrichten verkauft und Burgundy erfindet das heutige Fernsehen.

Genau in diesem Moment wird „Anchorman 2“ zu einem Film, der immer wieder an seiner eigenen Haltungslosigkeit scheitert. Im ersten Film wurde auch erzählt, wie Frauen in eine Macho-Bastion einbrechen und am Ende hat Burgundy (und seine Freunde) gelernt, dass auch Frauen in ihrem Beruf ihre Berechtigung haben. Der Macho, das hirnlose Alpha-Männchen, wird zu einem besseren Mann – und wir konnten, mit den Schauspielern, über die damalige Zeit lachen. Das war ein schöner, nostalgischer Trip, der auch durchaus gelungen damalige Filme parodierte.

In „Anchorman 2“ erfindet eben dieser Trottel das heutige Nachrichtenfernsehen, in dem Boulevard-Meldungen und Pseudo-Nachrichten wichtiger sind als Aufklärung und klassischer Journalismus – und wir sollen es gut finden. Während „Anchorman“ noch eine durchaus fortschrittliche Botschaft hatte, ist „Anchorman 2“ durch und durch konservativ bis reaktionär. Denn wir sollen, im Gegensatz zum ersten „Anchorman“, einen Haufen Idioten bewundern und ihre Leistungen für das Nachrichtenwesen gut finden. Sogar Veronica Corningstone, die immer eine echte Journalistin werden wollte, ergibt sich dem Charme der Nicht-Nachrichten. Sie verrät alles, wofür sie bisher stand und was ihr wichtig war, während aus dem Trottel Burgundy der unumstrittene Held und Prophet wird, der niemals kritisch hinterfragt wird. Von Demontage, wie im ersten „Anchorman“-Film, wollen wir überhaupt nicht reden. Genau dieser – von den Machern vielleicht nicht beabsichtigte – Subtext vermieste mir den ganzen Film.

Da helfen dann auch nicht mehr die hübsch geschmacklosen Klamotten, etliche gelungen Gags (aber es gibt auch misslungene Gags und Leerlauf) und Reminiszensen an den ersten Film, der auch in erster Linie als Gagparade funktionierte.

Anchorman 2 - Teaser

Anchorman – Die Legende kehrt zurück (Anchorman 2: The Legend continues, USA 2013)

Regie: Adam McKay

Drehbuch: Adam McKay, Will Ferrell

mit Will Ferrell, Steve Carell, Paul Rudd, David Koechner, Christina Applegate, Meagan Good, James Marsden, Josh Lawson, Kristen Wiig, Dylan Baker, Judah Nelson, Greg Kinnear, Harrison Ford, Sacha Baron Cohen, Marion Cotillard, Will Smith, Kirsten Dunst, Jim Carrey, Steve Coulter, Tina Fey, Liam Neeson, John C. Reilly, Vince Vaughn, Kanye West (das meiste sind Cameos und sicher hab ich einige vergessen)

Länge: 119 Minuten

FSK: ?

–

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Anchorman – Die Legende kehrt zurück“

Moviepilot über „Anchorman – Die Legende kehrt zurück“

Metacritic über „Anchorman – Die Legende kehrt zurück“

Rotten Tomatoes über „Anchorman – Die Legende kehrt zurück“

Wikipedia über „Anchorman – Die Legende kehrt zurück“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 30. Januar: Inspector Banks – Der Solist

Januar 30, 2014

Arte, 20.15

Inspector Banks – Der Solist (GB 2010, R.: James Hawes)

Drehbuch: Robert Murphy

LV: Peter Robinson: Aftermath, 2001 (Wenn die Dunkelheit fällt)

East Yorkshire: Bei einem Routineeinsatz stirbt ein Polizist, ein Mann wird ins Koma geprügelt und seine schwerverletzte Frau landet im Krankenhaus. Im Keller des Einfamilienhauses entdecken die Polizisten vier Mädchenleichen – und DCI Alan Banks will von dem im Koma liegendem Mann (einem Lehrer) erfahren, wo ein fünftes verschwundenes Mädchen und wer sein Helfer ist.

In „Aftermath“ (so der Originaltitel) hat der von Peter Robinson erfundene DCI Banks seinen ersten Filmauftritt. Inzwischen ist „DCI Banks“ (so der Serientitel) in England in Serie gegangen. Ob diese Folgen, die alle auf Romanen von Peter Robinson basieren, auch bei gezeigt werden, ist noch unklar.

Der erste Fall, der bei uns unter dem dümmlichen Titel „Banks – Der Solist“ läuft, ist ein spannend-düsterer Polizeithriller, der Genrejunkies gefallen wird: komplexe Charaktere, gute Wendungen und ein zwiespältiges Ende. Die Lösung ist allerdings ziemlich vorhersehbar und im zweiten Teil wird es, wegen der vielen Plotlinien, etwas hektisch. „DCI Banks: Aftermath“ hat nicht die Qualität von „Luther“ (die sich von Folge zu Folge steigerte) oder „Sherlock“ (von der ersten Sekunde an grandios), aber besser als unsere handelsüblichen „Tatorte“ ist „DCI Banks“ allemal.

mit Stephen Tompkinson, Andrea Lowe, Charlotte Riley, Sian Breckin, Monica Dolan, Lorraine Bourroughs, Colin Tierney

Wiederholung: Samstag, 8. Februar, 01.45 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Arte über „Banks – Der Solist“

Crime Time Preview über “DCI Banks”

Homepage von Peter Robinson

Krimi-Couch über Peter Robinson

Wikipedia über Peter Robinson (deutsch, englisch) und “DCI Banks”

Meine Besprechung von „Inspector Banks: Mord in Yorkshire“


Neu im Kino/Filmkritik: Ibrahim Gezer ist „Der Imker“

Januar 29, 2014

Flüchtlinge – letzte Woche porträtierten Judith Keil und Antje Kruska in „Land in Sicht“ drei Männer, die in der ostdeutschen Provinz auf eine Entscheidung über ihr Asylverfahren warten. Diese Woche porträtiert Mano Khalil den Rentner Ibrahim Gezer, der aus der Türkei in die Schweiz flüchtete und Imker ist. Im türkischen Teil Kurdistans war der 1946 Geborene als Bienenzüchter sogar ein vermögender, verheirateter Mann mit elf Kindern, die alle zur Schule gingen und später studieren sollten. Eines Tages geriet er in den Neunzigern, weil PKKler immer wieder bei ihm übernachteten und seine Tochter PKK-Mitglied war, in den Fokus der Polizei. Er tauchte unter, zuerst in den Bergen, später in Istanbul und flüchtete in die Schweiz. Zwei seiner Söhne wurden als Mitglieder der PKK verhaftet, ein Sohn tauchte unter, seine Frau brachte sich um, die anderen Söhne flüchteten nach England und in die Schweiz. Sie alle sind als Flüchtlinge anerkannt. Ibrahim Gezer ebenso.

In Khalils mehrfach ausgezeichneter Dokumentation wird Gezer als freundlicher, weltoffener Mann, der seinem Hobby nachgeht und schweizer Freunde hat, porträtiert. Neben dem privaten Umfeld zeigt Regisseur Mano Khalil seinen Protagonisten auch im Kampf mit der Bürokratie, weil er ein falsches Geburtsdatum angab. Er ist nämlich älter, als er ursprünglich sagte und deshalb muss er auch in einer Behindertenwerkstatt stupide Akkordarbeit verrichten. Das soll seiner Integration in die schweizer Gesellschaft dienen. Einen Kredit, den er für den Kauf von Bienenvölkern aufnehmen möchte, bekommt er nicht, weil es für dieses Hobby keine Kredite gibt. Dass er als Imker vielleicht sogar Geld verdienen könnte, wird nicht beachtet.

„Der Imker“ ist ein warmherziges Porträt eines älteren Mannes, das ihn als netten Onkel mit lebensphilosophischen Anwandlungen zeigt, der zufällig als Flüchtling seine Heimat verlassen musst. Regisseur Khalil, der selbst ebenfalls Kurde ist, fragt ihn nicht nach seiner Vergangenheit in Kurdistan. Dabei wäre gerade das, wenn man sich Gezers Biographie im Presseheft durchliest, der interessante Punkt gewesen: Warum geriet er in den Fokus des Militärs? Warum musste er flüchten? Wie ist die Situation im Osten der Türkei? Ist Ibrahim Gezer wirklich der nette Onkel?

Der Imker - Plakat

Der Imker (Schweiz 2013)

Regie: Mano Khalil

Drehbuch: Mano Khalil

mit Ibrahim Gezer, Anita Wyrsch-Gwerder, Max Wyrsch, Barbara Bienz, Nicole Hohl, Viktor Krummenacher, Gabriele Schneier Krummenacher

Länge: 112 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

–

Hinweise

Homepage zum Film

Film-Zeit über „Der Imker“

Moviepilot über „Der Imker“

Cicero: Interview mit Mano Khalil (29. Januar 2014)


TV-Tipp für den 29. Januar: Geheimring 99

Januar 29, 2014

HR, 23.15

Geheimring 99 (USA 1955, R.: Joseph H. Lewis)

Drehbuch: Philip Yordan

Lieutenant Diamond will den Gangsterboss Mr. Brown unschädlich machen. Der Krieg zwischen beiden eskaliert immer weiter.

Dieses späte Noir-Juwel ist vom ersten bis zum letzten Moment mit sexueller Spannung aufgeladen. „Nahezu unverhüllt thematisierte B-Film-Regisseur Joseph H. Lewis den engen Zusammenhang zwischen unterdrückter Sexualität, sexueller Frustration und exzessiver Gewalt. (…) Es ist eine Welt sexueller Perversion und fatalistischer Abhängigkeit.“ (Meinolf Zurhorst: Lexikon des Kriminalfilms, 1985/1993)

Mit Cornel Wilde, Richard Conte, Lee Van Cleef, Brian Donlevy, Jean Wallace, Robert Middleton, Earl Holliman

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Geheimring 99“

Turner Classic Movies über „Geheimring 99“

Wikipedia über „Geheimring 99“ (deutsch, englisch)

Noir of the Week über „Geheimring 99“

Film Noir über „Geheimring 99“ (mächtig begeistert)

Archive.org: der Film


Cover der Woche

Januar 28, 2014

Robinson - Im Sommer des Todes - 4


TV-Tipp für den 28. Januar: Blue Valentine – Vom Ende einer Liebe

Januar 28, 2014

WDR, 23.15

Blue Valentine (USA 2010, R.: Derek Cianfrance)

Drehbuch: Derek Cianfrance, Cami Delavigne, Joey Curtis

Die Liebesgeschichte von Dean (Ryan Gosling) und Cindy (Michelle Williams, Oscar-nominiert).

Feines Independent-Kino.

mit Ryan Gosling, Michelle Williams, Faith Wladyka, Mike Vogel

Hinweise

Film-Zeit über „Blue Valentine“

Moviepilot über „Blue Valentine“

Metacritic über „Blue Valentine“

Rotten Tomatoes über „Blue Valentine“

Wikipedia über „Blue Valentine“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Derek Cianfrances „The Place beyond the Pines“ (The Place beyond the Pines, USA 2012)