In Riad verüben Terroristen einen Anschlag auf eine amerikanische Wohnanlage. Es sterben über hundert Menschen. FBI-Agent Ronald Fleury stellt ein Team von Spezialisten zusammen, um der dortigen Polizei bei der Sicherung des Tatortes zu helfen. Schnell geraten sie zwischen die Fronten.
Guter Politthriller, bei dem die Charaktere im Mittelpunkt stehen und man, angesichts der vielen Subplots, öfters den Eindruck hat, die Geschichte wäre besser als TV-Mehrteiler erzählt worden. Handfeste Action gibt es eigentlich nur am Ende.
Außerdem hat er eine tolle Titelsequenz und einen doofen deutschen (oder denglischen) Titel.
mit Jamie Foxx, Chris Cooper, Jennifer Garner, Jason Bateman, Ashraf Barhoum, Ali Suliman, Jeremy Piven, Richard Jenkins, Danny Huston
LV: Michael Connelly: The Lincoln Lawyer, 2005 (Der Mandant)
Lincoln Lawyer Mickey Haller (Matthew McConaughey) tut alles für seine meist mehr als halbseidenen Mandanten. Als er aber einen Freispruch für den stinkreichen Louis Roulet erwirken soll, packt ihn das Gewissen. Auch weil Roulets Taten mit einem früheren Mandanten von ihm, der seine Unschuld beteuerte und dem er mit einem guten Deal einen Knastaufenthalt verschaffte, zusammen hängen.
Rundum geglückte Michael-Connelly-Verfilmung, die Matthew McConaugheys Karriere einen gewaltigen Schub in Richtung interessanter Projekte gab.
„Der Mandant“ war Michael Connellys erster Justizthriller. Danach schrieb er noch weitere Romane mit Mickey Haller, der auch Harry Bosch (Connellys ersten Seriencharakter, der inzwischen eine „Fernseh“-Serie hat) trifft.
mit Matthew McConaughey, Ryan Phillippe, Marisa Tomei, William H. Macy, Josh Lucas, John Leguizamo, Michael Pena, Bob Gunton, Frances Fisher, Bryan Cranston
In meinem anderen Leben führte ich vor einigen Tagen ein ausführliches Gespräch mit den Polizeibeauftragten von Brandenburg (Inka Gossmann-Reetz) und Berlin (Dr. Alexander Oerke) und Prof. Dr. Hartmut Aden (Professor für Öffentliches Recht, Europarecht, Politik- und Verwaltungswissenschaft an der HWR Berlin) über die Institution der Polizeibeauftragten, ihre Umsetzung in Berlin und Brandenburg und ihre Möglichkeiten und Grenzen:
Polizeibeauftragte in Berlin und Brandenburg: Ein Erfolgsmodell? – HU-BB-Gespräch mit Hartmut Aden, Inka Gossmann-Reetz und Alexander Oerke
Seit 2022 gibt es in Berlin einen Bürger- und Polizeibeauftragte. In Brandenburg gibt es seit 2023 eine Beauftragte für Polizeiangelegenheiten. Damit setzten die benachbarten Bundesländer, unabhängig voneinander und gegen den Widerstand der Polizeigewerkschaften, eine seit Jahrzehnten von Bürgerrechtlern und zivilgesellschaftlichen Gruppen erhobene Forderung um. Seitdem legten sie ihre ersten Jahresberichte vor und es kann gefragt werden, wie sehr sich die damaligen Hoffnungen und Befürchtungen an die Stelle erfüllten.
In diesem HU-BB-Gespräch sprechen wir über die unterschiedlichen Anforderungen, die an unabhängige Polizeibeauftragte gestellt werden, über die bisheriger Arbeit der Polizeibeauftragten in Berlin und Brandenburg, Unterschiede und Gemeinsamkeiten in ihrer Arbeit und wie sie die Arbeit der Polizei verbessern wollen. Es geht um die Fehlerkultur innerhalb der Polizei, Konflikte bei Versammlungen, wer sich bei ihnen meldet, wie die Polizeibeauftragten versuchen Konflikte zu lösen, wie sie strukturelle Veränderungen in der Polizei verschen anzustoßen und wie sie mit Widerständen innerhalb der Polizei umgehen.
Professor für Öffentliches Recht, Europarecht, Politik- und Verwaltungswissenschaft an der HWR Berlin (Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin), Gründungsmitglied des Forschungsinstituts für Öffentliche und Private Sicherheit (FÖPS) der HWR Berlin
Das Geheimnis der falschen Braut (La sirène du Mississipi, Frankreich/Italien 1969)
Regie: François Truffaut
Drehbuch: François Truffaut
LV: Cornell Woolrich (als William Irish): Walz into darkness, 1947 (Walzer in die Dunkelheit)
Ein reicher Tabakhändler verliebt sich in eine wunderschöne Frau. Aber diese ist mehr an seinem Geld interessiert.
Damals war der Film bei der Kritik und an der Kasse ein Flop. Kein Wunder: Belmondo – ausgestattet mit einem betonharten Image als Draufgänger – spielt ein Weichei und Deneuve eine eiskalte Mörderin. Inzwischen hat sich Meinung zu Truffauts bösem Märchen im Hitchcock-Stil geändert: „Truffaut nutzt die Vorlage eines ´schwarzen´ Romans von Cornell Woolrich zu einer reizvollen Variation über das Thema der ‚amour fou‘ und spickt sie mit zahlreichen Verweisen auf die französische und amerikanische Kinotradition (Renoir, Hitchcock); ein hervorragend gespieltes Drama, das nie als ´Wirklichkeit´ verstanden werden will, vielmehr als Spiel mit Chiffren und Zeichen.“ (Lexikon des internationalen Films)
mit Jean-Paul Belmondo, Catherine Deneuve, Michel Bouquet, Nelly Borgeaud, Marcel Berbert
Zwei Mädchen aus Wales und die Liebe zum Kontinent (Les deux Anglaises et le Continent, Frankreich 1971)
Regie: François Truffaut
Drehbuch: François Truffaut, Jean Gruault
LV: Henri-Pierre Roché: Les Deux Anglaises et le Continent, 1956 (Die beiden Engländerinnnen und der Kontinent)
Um die Jahrhundertwende: der Franzose Claude Rox (Jean-Pierre Léaud) verliebt sich in die Engländerin Anne Brown (Kika Markham). Die hält Claude für den idealen Mann für ihre Schwester Muriel (Stacey Tendeter). Das ist der Beginn einer sich über Jahre erstreckenden (Liebes)beziehung.
Von Henri-Pierre Roché verfilmte François Truffaut bereits sehr erfolgreich „Jules und Jim“. Während in dem Film eine Frau zwischen zwei Männern stand, steht dieses Mal ein Mann zwischen zwei Frauen.
Das Lexikon des internationalen Films urteilt: „Ästhetisch sorgfältig komponierter und psychologisch vielschichtiger Film, der die Vielfalt der Gefühle schildert und Ursachen spürbar werden lässt, die diese Menschen zu einer dauerhafen Beziehung unfähig macht. Ein Diskurs über die Unmöglichkeit absoluter Liebe, die eine ebenso verlockende und zerstörerische Utopie darstellt.“
Arte zeigt die von Truffaut kurz vor seinem Tod am 21. Oktober 1984 erstellte Langfassung des Films, die gut zwanzig Minuten rekonstruiertes Material enthält und nach Meinung der Kritiker besser als die ursprüngliche Kinofassung ist.
Mit Jean-Pierre Léaud, Kika Markham, Stacey Tendeter, Sylvia Marriott, Marie Mansart, Philippe Léotard, Mark Peterson, Irène Tunc (ihre letzte Filmrolle), Georges Delerue
K-19: Showdown in der Tiefe (K-19: The Widowmaker, USA/Großbritannien/Deutschland 2002)
Regie: Kathryn Bigelow
Drehbuch: Christopher Kyle (nach einer Geschichte von Louis Nowra)
1961, während des Kalten Kriegs schlägt der Atomreaktor des sowjetischen Atom-U-Boots K-19 vor der US-Ostküste leck. Können die Soldaten ohne die Hilfe der US-Amerikaner das Leck reparieren, überleben und einen Dritten Weltkrieg verhindern?
Heldentum unter Wasser gibt es in Kathryn Bigelows von wahren Ereignissen inspiriertem U-Boot-Thriller reichlich. Action auch. Trotzdem gehört „K-19“ nicht zu ihren besten Filmen. Sie fügt dem Genre nicht Neues bei, sondern füllt einfach nur die Konventionen des U-Boot-Thrillers aus. Kompetent, aber auch vorhersehbar bis zum letzten Atemzug.
Im Anschluss, um 22.25 Uhr, zeigt Arte die brandneue fünfzigminütige Doku „Kathryn Bigelow – Hollywood unter Adrenalin“.
Mit Harrison Ford, Liam Neeson, Peter Sarsgaard, Joss Ackland, John Shrapnel, Donald Sumpter
Zach, der gerade mit seiner Mutter von der Großstadt in die Kleinstadt gezogen ist, verguckt sich sofort in das Nachbarmädchen Hannah. Aber ihr unhöflicher Vater verbietet ihr den Umgang mit Zach. Als Zach und sein Schulfreund Champ kurz darauf, aufgeschreckt durch seltsame Ereignisse, in das Nachbarhaus einbrechen, entdecken sie einen Schrank voller Bücher von R. L. Stine. Sie öffnen eines der Bücher und all die Monster, die R. L. Stine in seine Bücher verbannte, brechen aus. Zach, Champ, Hannah und ihr Vater, R. L. Stine höchstpersönlich, versuchen, das Schlimmste zu verhindern.
„Gänsehaut“ ist eine sehr unterhaltsame Gruselkomödie für ein jüngeres Publikum, eine Liebeserklärung an die klassischen Horror- und Monsterfilme und auch eine kleine Meditation über die Arbeit eines Horrorschriftstellers, garniert mit einigen gut platzierten Witzen, die vor allem Erwachsene verstehen.
„The Beast“, der neue Film von Bertrand Bonello (Nocturna) ist kein leichter Film, aber ein faszinierender und auch zäher Film, in dem sich erst gegen Ende alles so halbwegs zusammenfügt. Es ist eine sich Zeit nehmende Arthaus-Literaturverfilmung, die ihre besten Momente hat, wenn sie zu einem Slow-Mo-Arthaus-David-Lynch-Film mit etwas David-Cronenberg-Body-Horror wird.
Wobei Bonello von Henry James‘ Kurzgeschichte „Das Tier im Dschungel“ nur einen Teil der Idee übernimmt und dann diese und das Ende bis zur Unkenntlichkeit verändert. Bonello sagt, sein Film sei „frei nach“. Aber eigentlich führt der Hinweis auf die Literaturvorlage mehr in die Irre als dass er hilft.
Das war vor einem Jahr bei Patric Chihas überzeugender Interpretation der Geschichte anders. In „Das Tier im Dschungel“ (La bête dans la jungle, Frankreich/Belgien/Österreich 2023) verlegte er die sich über Jahrzehnte erstreckende Geschichte in die jüngere Vergangenheit nach Paris in eine Discothek. Am Ende konnte man darüber nachdenken, ob man jetzt leben oder auf ein irgendwann in der Zukunft liegendes großes, das eigene Leben veränderndes Ereignis warten möchte.
In Bonellos Film geht es um Gabrielle (Léa Seydoux). 2044 begibt sie sich auf eine Reise in ihre Vergangenheit. Dabei soll eine die Gesellschaft kontrollierende Künstliche Intelligenz ihre DNA von überflüssigen Gefühlen und Ängsten reinigen. Auf ihrer Reise, die sie vor allem in die Jahre 1910 und 2014 führt, trifft sie immer wieder Louis (George MacKay). Zu ihm hat sie eine besondere Verbindung irgendwo zwischen Liebe und absoluter Geistesverwandschaft.
1910 ist sie in Paris eine Konzertpianistin, die auf den geheimnisvollen Louis trifft. Sie scheint den charmanten Mann von früher zu kennen. Auch wenn sie sich gut verstehen, sind sie unsicher darüber, woher sie sich kennen.
Während diese ‚Vergangenheit‘ ein typisches Kostümdrama ist, ist die 2014 in Los Angeles spielende, deutlich von David Lynch inspirierte ‚Vergangenheit‘ wesentlich interessanter. Gabrielle ist ein Fotomodel, das in Hollywood Karriere machen will. Sie hütet das Haus eines vermögenden Mannes, der sie immer wieder anruft, wenn in seinem Haus ein Alarm ausgelöst wird oder etwas Ungewöhnliches passierte. Louis ist ein prototypischer Incel. Der junge Mann postet Online-Videos über sein Leben. Der Endzwanziger ist noch Jungfrau und hasst alle Frauen, weil sie keinen Sex mit ihm haben wollen. Deshalb will er Gabrielle, mit der er sich noch nicht einmal unterhalten hat, umbringen.
Eingebettet sind diese Erinnerungen an frühere Leben, die auch falsche Erinnerungen oder pure Fantasiegebilde sein können, in eine in der Filmgegenwart (2044) spielenden Rahmengeschichte, die einen ordentlichen David-Cronenberg-Body-Horror-Touch hat.
Auf jeder Zeitebene, am wenigsten in der 1910 spielenden Erinnerung, gelingen Bonello mit minimalen Mitteln beeindruckend beunruhigende Bilder. Manchmal genügt eben ein Hollywood-Anwesen mit riesigen Fenstern und einer einsamen Frau oder ein leeres Tanzlokal mit einem höflichem Barkeeper. Manchmal sind es Bildaussetzer und ruckelige Wiederholungen, manchmal Greenscreen-Aufnahmen, in die irgendwann verschiedene Monster hineinkopiert werden.
Wie das alles miteinander zusammen hängt, bleibt sehr lange absolut rätselhaft. Entsprechend zäh wirkt „The Beast“ über weite Strecken. Über epische 146 Minuten mäandert der sich im Kopf der Protagonistin abspielende Film mit durchaus starken Bildern, Szenen und Subplots, aber auch viel Leerlauf vor sich hin.
Als Cyberspace-Science-Fiction-Film, sozusagen als „Matrix“ ohne Action, hat er beim Entwerfen seiner zukünftigen Welt, bei der unklar ist, ob es eine Dystopie, eine Utopie oder nur ein Blick in Gabrielles Kopf ist, seine Momente und eine interessante, wenn auch rätselhafte Auflösung.
Wenn nur der Weg zum Ende nicht so lang wäre.
The Beast (La bête, Frankreich 2023)
Regie: Bertrand Bonello
Drehbuch: Bertrand Bonello (basierend auf einem Treatment von Bertrand Bonello, Benjamin Charbit und Guillaume Bréaud)
LV: Henry James: The Beast in the Jungle, 1903 (Kurzgeschichte, Erstveröffentlichung in dem Sammelband „The Better Sort“)
mit Léa Seydoux, George MacKay, Guslagie Malanda, Dasha Nekrasova, Martin Scali, Elina Löwensohn, Marta Hoskins, Julia Faure, Kester Lovelace, Félicien Pinot, Laurent Lacotte
Während der Revolution in Mexiko kämpfen ein Gringo, ein Banditenanführer und ein General mit- und gegeneinander um, nun, verschiedene Dinge.
Der Italowestern (und Politthriller) „Töte Amigo“ ist kraftvoll, kurzweilig, mit burlesken Übertreibungen, sehr unterhaltsam und brutal. Dass die Geschichte eher grob gestrickt ist, stört dabei kaum.
Ein verzichtbarer Film. Jedenfalls wenn man erwartet, viel über Luis Buñuel, sein Leben, sein Denken, sein Werk und den Surrealismus zu erfahren. Sicher, das alles spricht Buñuel-Experte Javier Espada in seinem Dokumentarfilm „Buñuel – Filmemacher des Surrealismus“ an. Er leitete von seiner Gründung im Jahr 2000 bis 2016 das Centro Buñuel de Calanda (CBC). Er gestaltete den Inhalt der Dauerausstellung des Museums, kuratierte weitere Buñuel-Ausstellungen, mitverantwortete als Co-Regisseur mehrere Dokumentarfilme über Buñuel und schrieb Texte und Bücher über ihn. Auf den ersten Blick könnte es also keinen besseren Regisseur für diesen Film geben.
Das ist leider ein Irrtum.
Chronologisch geht es in „Buñuel – Filmemacher des Surrealismus“ einmal durch Buñuels Leben. Dazwischen streut Espada beliebig, vollkommen willkürlich und ohne Erklärung kurze Auschnitte aus Buñuels Filmen ein. Über die Filme erfahren wir nichts. Über Buñuels Denken und den Surrealismus eigentlich auch nichts. Und warum Alfred Hitchcock Buñuel den besten Regisseur der Welt nannte, können wir nach diesem Film noch nicht einmal erahnen.
Entsprechend ratlos dürften Menschen, die nichts über Buñuel wissen, beim Ansehen des Dokumentarfilms sein.
Die anderen – wozu ich gehöre – können die Bilder aus Buñuels Filmen zum Anlass nehmen, sich mal wieder seine Filme anzusehen. Aber dafür brauchen sie diesen Film nicht. Da genügt die Frage: Sollen wir uns wieder sein Debüt „Ein andalusischer Hund“ oder seinen letzten Film „ Dieses obskure Objekt der Begierde“ oder einen Film dazwischen ansehen?
Buñuel – Filmemacher des Surrealismus (Buñuel, un cineasta surrealista, Spanien 2021)
1978 wurde Christopher Reeve mit seinem zweiten Spielfilm zum Superstar. Danach war er Superman. In dem Moment war seine Karriere als Schauspieler vorbei. Mit keinem seiner anderen Filme konnte er an den Erfolg von „Superman“ anknüpfen. Das Publikum wollte ihn nur als Clark Kent sehen.
1995 brach er sich bei einem Cross-Country-Reitturnier, als er von seinem Pferd stürzte, zwei Halswirbel. Der passionierte Sportler war vom Hals abwärts querschnittgelähmt. Seitdem war sein Leben, abgesehen von wenigen Filmauftritten, wie der Hauptrolle in dem Alfred-Hitchcock-Remake „Das Fenster zum Hof“ (Rear Window), geprägt von seiner Rehabilitation und der Arbeit in der von ihm und seiner Frau gegründeten Christopher and Dana Reeve Foundation.
Am 10. Oktober 2004 starb der am 25. September 1952 geborene Schauspieler mit 52 Jahren.
In ihrem Dokumentarfilm „Super/Man: The Christopher Reeve Story“ schildern Ian Bonhôte und Peter Ettedgui Reeves Leben auf zwei Zeitebenen. Einmal geht es um Reeves Karriere als Schauspieler und, vor allem, als Superman. In vier Spielfilmen spielte er den Comic-Superhelden. In dem zweiten Erzählstrang geht es um seinen Kampf gegen seine Lähmung, den damit verbundenen Einschränkungen und seiner Lobbyarbeit für Behinderte und die Forschung, um sein und ihr Leben zu verbessern.
Dafür konnte das Regieduo auch auf von Reeve und seiner Familie aufgenommene Heimvideos zurückgreifen.
Das alles montierten sie, mit Statements von Reeves Familie und Schauspielkollegen und historischen Aufnahmen, zu einem süffigen Dokumentarfilm, der gut gemacht und informativ ist. Jedenfalls wenn man wenig über Reeve weiß.
Ihr von der Machart her konventioneller Film ist eine etwas oberflächliche Doku, die bei ihrem Überblick über Reeves Leben vieles anspricht, dann aber nicht weiter vertieft. Das gilt für seine lebenslange Freundschaft zu Robin Williams. Sie lernten sich in den frühen siebziger Jahren während ihres Schauspielstudiums an der Juilliard School kennen. In „Super/Man“ irrlichtert Williams wie ein sich wichtig machender Clown durch den Film. Das gilt für Reeves Stiftung und ihre Arbeit. Im Film wirkt sie wie herkömmliche Lobby-Organisation für die Belange von Querschnittgelähmten. Dabei ist sie durch ihren Einsatz für die Forschung viel mehr.
Dafür geben Bonhôte und Ettedgui neben Christopher Reeves öffentlichem Leben als Hollywood-Star auch einen Einblick in sein Privatleben und den Zusammenhalt der Familie Reeve. Dieser Teil dürfte auch für die Fans von Superman Reeve neu sein; – neben den bislang unveröffentlichten Privataufnahmen.
Super/Man: The Christopher Reeve Story (Super/Man: The Christopher Reeve Story, USA 2024)
Regie: Ian Bonhôte, Peter Ettedgui
Drehbuch: Peter Ettedgui, Ian Bonhôte (Co-Autor), Otto Burnham (Co-Autor)
mit (teils nur Archivaufnahmen) Christopher Reeve, Dana Reeve, Matthew Reeve, Will Reeve, Alexandra Reeve Givens, Robin Williams, Susan Sarandon, Glenn Close, Richard Donner
Thelma Potts (June Squibb) ist 93 Jahre alt und noch sehr fit für ihr Alter. Trotzdem fällt sie auf einen Betrüger herein. Er behauptet am Telefon, ihr über alles geliebter Enkel Daniel zu sein und dass er dringend Geld braucht. Panisch schickt Thelma ihm das Geld per Post zu. Nur um kurz darauf festzustellen, dass sie betrogen wurde. Die Polizei ist keine große Hilfe. Solche Betrüger gäbe es, so erklärt der hilfsbereite Beamte Thelma und ihrer Familie, öfter und normalerweise würden sie nicht bestraft werden.
Stinksauer beginnt Thelma in ihrer Heimatstadt in Los Angeles auf eigene Faust den Verbrecher zu suchen. Dabei hilft ihr ihr alter Freund Ben (Richard Roundtree). Verfolgt werden sie von Thelmas TochterGail (Parker Posey) und ihrem Schwiegersohn Alan (Clark Gregg). Zwischen ihnen steht Daniel (Fred Hechinger).
„Thelma – Rache war nie süßer“ ist eine ihrer Heldin angemessen langsam erzählte harmlos-nette Krimikomödie. Der Humor entsteht aus der sorgfältig konstruierten Geschichte und der Diskrepanz zwischen dem, was Thelma und Ben in ihrem Alter noch tun können, und was wir aus Actionfilmen kennen. Die Schauspieler sind erwartbar gut. Störend und unpassend zur vorherigen Geschichte ist das Ende, in dem Thelma die Bösewichter für ihre Taten bestraft.
Josh Margolin wählte für sein Spielfilmdebüt das 2.39:1-Bildformat, das nur auf einer großen Kinoleinwand seine volle Pracht entfalten kann.
Sein Spielfilmdebüt ist der vorletzte Film von „Shaft“ Richard Roundtree. Er starb am 24. Oktober 2023 in Los Angeles. Sein letzter Film wird Greg Pritikins noch nicht veröffentlichter Kurzfilm „Swedish Erotica (a comedy)“ sein.
Thelma – Rache war nie süßer (Thelma, USA 2024)
Regie: Josh Margolin
Drehbuch: Josh Margolin
mit June Squibb, Fred Hechinger, Parker Posey, Clark Gregg, Richard Roundtree, Malcolm McDowell, Chase Kim, Aidan Fiske
Drehbuch: Ronan Bennett, Ann Biderman, Michael Mann
LV: Bryan Burrough: Public Enemies, 2004
Melvin Purvis (Christian Bale) jagt John Dillinger (Johnny Depp).
Die Version von Michael Mann.
Da waren meine Erwartungen entsprechend hoch – und sie wurden enttäuscht. Denn im Vergleich zu „Dillinger“ von John Milius mit Warren Oates als John Dillinger und Ben Johnson als Melvin Purvis ist Manns Version doch ein eher laues Lüftchen mit Starpower und einer die Atmosphäre zerstörenden Digitalkamera (wobei das allerdings auch am Kino gelegen haben kann. Denn ein Kumpel meinte, er hätte eine Vorführung gesehen, bei der Mann die Technik überwachte und die Bilder seien grandios gewesen).
„spannende Genre-Bricolage“ (Lexikon des internationalen Films)
Mit Johnny Depp, Christian Bale, Marion Cotillard, Giovanni Ribisi, Billy Crudup, Stephen Dorff, James Russo, Rory Cochrane, Channing Tatum, Diana Krall
Buch zum Film: Lee Hays: Once Upon a Time in America, 1984 (Es war einmal in Amerika)
Kamera: Tonino Delli Colli
Musik: Ennio Morricone
Ein grandioses Gangsterdrama: die Geschichte von Freundschaft und Verrat – erzählt in wunderschönen Bildern und in einer komplexen Struktur, die lose auf dem autobiographischen Buch von Harry Grey basiert. Leone meinte, im Drehbuch seien nur zehn bis zwanzig Prozent des Buches enthalten.
Mit Robert de Niro, James Woods, Joe Pesci, Treat Williams, Burt Young, Elizabeth McGovern
Antiquarischer Buchtipp: Zum Filmstart erschien im Bastei-Lübbe-Verlag das Buch zum Film mit Hays’ Roman, vielen Filmbildern (SW und Farbe), einem Sergio-Leone-Porträt von Andreas Kern und einem Text von Leone über den Film. So machen „Bücher zum Film“ Spaß.
Colter Stevens versucht einen Anschlag auf einen fahrenden Zug zu verhindern. Nach acht Minuten ist er tot. Danach wird er wieder wach im Zug und er hat wieder acht Minuten Zeit, den Attentäter zu finden.
Die Prämisse ist eine äußerst fiese Abwandlung des Murmeltier-Tags. Das Ergebnis ist ein äußerst spannender, um nicht zu sagen bombiger Thriller.
Kurz nach Weihnachten sind vier aus der Stadt kommende Mittdreißiger und ein älterer Bergbauer in einer Hütte in Berchtesgadener Land eingeschneit (jaaa, damals gab es noch Schnee im Winter). Das komplizierte Beziehungs- und Liebesgeflecht läuft nach einem tödlichen Autounfall endgültig aus dem Ruder.
Selten gezeigter zweiter Spielfilm von Tom Tykwer. Der große Durchbruch kam mit „Lola rennt“, seinem dritten Spielfilm.
„eine faszinierende Winterreise…Auch formal eine sehenswerte Ballade der einsamen Eingeschneiten“ (Fischer Film Almanach 1998)
Anschließend, um 22.10 Uhr, zeigt Arte die brandneue, gut einstündige Doku „Ulrich Matthes – Leidenschaft und Haltung“.
Mit Ulrich Matthes, Heino Ferch, Floriane Daniel, Marie-Lou Sellem, Josef Bierbichler, Sebastian Schipper, Saskia Vester, Laura Tonke
LV: David Barstow, David Rohde, Stephanie Saul: Deepwater Horizon’s Final Hours (The New York Times, 26. Dezember 2010)
Grandioses Drama über die von BP grob fahrlässig verursachte und extrem kostspielige Katastrophe auf der Olbohrplattform „Deepwater Horizon“, die am 20. April 2010 im Golf von Mexiko in Flammen aufging. Elf Arbeiter verloren ihr Leben. Die darauf folgende Umweltkatastrophe wird im Abspann erwähnt.
Columbo: Blumen des Bösen (The Greenhouse Jungle, USA 1972)
Regie: Boris Sagal
Drehbuch: Jonathan Latimer
Onkel Jarvis, Orchideenzüchter und Verwalter des Familienvermögens, schlägt dem in finanziellen Nöten steckenden Playboy Goodland eine fingierte Entführung vor. Aber Goodland bleibt für immer verschwunden. Oder wird Columbo ihn finden?
Diese natürlich äußerst gelungene Columbo-Folge (Plot gut, Dialoge gut, Schauspieler dito) ist das letzte Drehbuch des, mit einem ordentlichem Comedy-Anteils, Hardboiled-Autors Joseph Latimer. Er schrieb auch Drehbücher für die langlebige Perry Mason-Serie mit Raymond Burr und, davor, die Noirs „The Glass Key“ (1942) und „The Big Clock“ (1948).
„Eine Frage hätte ich noch.“ – „Ja, danach werden weitere klassische Fälle mit ihnen gezeigt. Um 18.30 Uhr und um 00.55 Uhr ‚Étude in Schwarz‘ (1972), um 20.15 Uhr ‚Wenn der Eismann kommt‘ (1972), um 21.45 Uhr ‚Alter schützt vor Torheit nicht‘ (1972) und um 23.40 Uhr ‚Blumen des Bösen‘ (1972). Sitzen bleiben lohnt sich.“
Mit Peter Falk, Ray Milland, Bob Dishy, Bradford Dillman, Sandra Smith
Aus dem Englischen von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann
Fischer, 525 Seiten, 25 Euro
2 (9) Jake Lamar: Das schwarze Chamäleon
Aus dem Englischen von Robert Brack
Edition Nautilus, 326 Seiten, 22 Euro
3 (–) Boston Teran: Gärten der Trauer
Aus dem Englischen von Jakob Vandenberg
Elsinor, 243 Seiten, 24 Euro
4 (6) Leye Adenle: Zügel der Macht
Aus dem Englischen von Yasemin Dinçer
Interkontinental, 358 Seiten, 24,50 Euro
5 (7) James Kestrel: Bis in alle Endlichkeit
Aus dem Englischen von Stefan Lux
Suhrkamp, 432 Seiten, 16,99 Euro
6 (–) Giancarlo De Cataldo: Schwarz wie das Herz
Aus dem Italienischen von Karin Fleischanderl
Folio, 253 Seiten, 22 Euro
7 (4) Jochen Brunow: Die Chinesin
ars vivendi, 296 Seiten, 18 Euro
8 (–) Alan Parks: Die April-Toten
Aus dem Englischen von Conny Lösch
Polar, 444 Seiten, 26 Euro
9 (–) Matthias Wittekindt: Hinterm Deich
Kampa, 302 Seiten, 19,90 Euro
10 (–) Thomas Knüwer: Das Haus in dem Gudelia stirbt
Pendragon, 290 Seiten, 20 Euro
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In ( ) ist die Platzierung vom Vormonat.
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Unter anderem Boston Teran und Alan Parks liegen auf meinem Zu-Lesen-Stapel.
Boston Terans noch nicht übersetztes Debüt „God is a bullet“ (1999) überzeugte mich vor Ewigkeiten nur so halb.
Alan Parks erhielt bereits den McIlvanney Prize und den Edgar Award. Nominiert war er für den Theakston Old Peculier Crime Novel of the Year, den CWA Ian Fleming Steel Dagger und den Macavity Award. Der vierte Harry-McCoy-Krimi „Die April-Toten“ war seine zweite Nominierung für den McIlvanney Prize. Die ersten drei Harry-McCoy-Romane erschienen bei Heyne und sind noch erhältlich.