Neu im Kino/Filmkritik: Zu neuesten Verfilmung von Emily Brontës „“Wuthering Heights“ – Sturmhöhe“

Februar 13, 2026

Der Roman ist ein oft verfilmter Klassiker der englischen Literatur. Die letzte bekanntere Verfilmung von Emily Brontës „Wuthering Heights“ (Die Sturmhöhe) ist von 2011. Andrea Arnold machte die Liebesgeschichte zu einen echten Arnold-Film. Die Hauptrollen spielen zwei knapp zwanzigjährige Schauspieler. Sie sind in dem Alter, das die von ihnen gespielten Figuren auch im Buch haben. Catherine stirbt im Roman als 19-jährige. Das ist kein Spoiler. Es wird schon in der Personenübersicht des Romans verraten. Heathcliff wird von einer dunkelhäutigen Person gespielt. Im Roman bleibt seine Herkunft im Dunkeln. Er sei, heißt es im Roman, ein „dunkelhäutiger Zigeuner“ oder ein Inder oder von ähnlich niedrigem gesellschaftlichem Rang. Wir reden hier, wenn wir uns auf die Jahre konzentrieren, in denen der Film spielt, von den Jahren zwischen 1771 und 1784.

Die neueste Brontë-Verfilmung ist von „Promising Young Woman“-Regisseurin Emerald Fennell. Margot Robbie und Jacob Elordi übernahmen die Hauptrollen. Sie spielen das Liebespaar Cathy und Heathcliff. Wie fast alle anderen Verfilmungen konzentriert Fennell sich auf deren Geschichte und ignoriert den umfangreicheren Rest des Romans.

Fennells Film beginnt, nachdem sie eine öffentliche Hinrichtung in drastischen Details und sensationslüsternen Kommentaren zeigt, mit der Ankunft von Heathcliff auf dem Hof der Earnshaws. Er liegt im Moor von Yorkshire. Earnshaw hat den Jungen, über dessen Herkunft nichts bekannt ist, bei einer Reise aufgenommen. Zunächst ist er für Cathy Earnshaw ein Spielkamerad. Später vertieft sich ihre Beziehung. Sie sind ineinander verliebt und würden am liebsten zusammen bleiben.

Trotzdem heiratet sie, gesellschaftlichen Konventionen folgend, den neuen Nachbarn Edgar Linton. Heathcliff verläßt den Hof. Einige Jahre später kehrt er als reicher Mann zurück. Fortan haben, unter Lintons und den Augen des Personals, Cathy und Heathcliff eine seltsam verquere Liebesbeziehung, die mit ihrem Tod endet. Damit endet auch der Film.

Emily Brontës Roman wird immer, so auch im Filmtrailer, als „größten Liebesgeschichte aller Zeiten“ gelabelt. Angesichts der Beziehung zwischen Cathy und Heathcliff wirkte das schon immer etwas seltsam. In der aktuellen Interpretation ist dieses Labeling noch seltsamer.

Sie sind zwei sehr unsympathische Menschen. Gehässig, rachsüchtig, intrigant, egoistisch. Für eine gute Filmgeschichte ist das kein Problem. Ein Problem ist, dass sie außerdem zwei uninteressante Menschen. Die anderen in der Geschichte vorkommenden Menschen sind, bis auf Edgar Linton, ähnlich uninteressante Grobiane.

Eine Liebesgeschichte erzählt „Wuthering Heights“ nur insofern, dass Cathy und Heathcliff Gefühle füreinander haben. Es ist eine toxische Beziehung, eine extreme Co-Abhängigkeit, die schon für Teenager schwierig gewesen wäre. Für Erwachsene (jedes Bild von Robbie und Elordi zeigt, dass sie schon lange keine Teenager mehr sind) sollte dieses Verhalten direkt zu einer psychiatrischen Behandlung führen.

Das was sie füreinander empfinden ist das Gegenteil von Liebe. Ihre Geschichte ist keine Liebesgeschichte, sondern die Travestie einer Liebesgeschichte. Das ist „Eine fatale Affäre“ im Moor von Yorkshire; wobei unklar ist, wer Täter und wer Opfer ist.

Jedenfalls in dem Teil, den Emerald Fennell in ihrem Film zeigt, der nur einen Bruchteil des Romans verfilmt, vieles weglässt und vieles verändert.

Sie interpretiert dabei die, uh, Liebesgeschichte mit den Gefühlsaufwallungen eines Teenagers. Sie las den Roman zum ersten Mal als Vierzehnjährige. Sie lässt alles weg, was einen Teenager nicht interessiert. Das sind die englische Klassengesellschaft und der Rassismus gegenüber dem Findelkind Heathcliff. Beides verhindert seinen gesellschaftlichen Aufstieg. Es erklärt auch seinen Hass und Rachsucht gegenüber Linton und der Gesellschaft. Im Film funktioniert diese Erklärung natürlich nicht.

Die Liebe zwischen Cathy und Heathcliff bleibt, ab dem Moment, in dem sie von Robbie und Elordi gespielt werden, reine Behauptung. Als Kinder, gespielt von Charlotte Mellington und Owen Cooper, ist die tiefe Freundschaft glaubwürdiger. Beide sind, wie oben schon angedeutet und wie die Leser des Romans wissen, keine besonders sympathischen Menschen. Sie ist manipulativ. Er ist ein Grobian. Beide sind rachsüchtig und auf sich selbst bezogen.

Alle anderen Figuren sind vernachlässigbare Nebenfiguren. Das gilt auch und vor allem für Heathcliffs Gegner Linton, den Ehemann von Cathy, der anscheinend ein ziemlich netter Kerl ist. Aber mehr als zweieinhalb weitgehend bedeutungslose Szenen hat er nicht.

Wer nach dem Trailer ein kunterbuntes Über-Kitsch-Fest erwartet, wird enttäuscht sein. Diese Bilder, die sich stilistisch an den Cover-Entwürfen für entsprechende für ein jüngeres weibliches Publikum gestaltete Romance-Novellen orientieren (Auch Fennell las den Roman erstmals in einer Ausgabe mit einem solchen Cover. Auf dem sah Heathcliff wie Elordi aus), werden fast vollständig im Trailer gezeigt.

Der Rest des deutlich über zweistündigen Films hat einige eindrucksvolle Bilder, einige könnten sogar aus einem Gothic-Horrorfilm sein, und viele unglaublich dunkle Bilder, in denen kaum erkennbar ist, was gezeigt wird. Es sind sparsam bewegte dunkle Holzschnitzereien. Das Erzähltempo ist langsam. Da sterben sogar in einer Oper die Ariensängerinnen in ihrer großen Sterbeszene schneller.

Inszeniert ist diese Version von „Wuthering Heights“ wie ein altmodischer Kostümfilm, der sich nicht darum kümmert, ob die Kleider und die Ausstattung wirklich in die Zeit passen. Solange es gut aussieht, ist es okay. Auch dass Robbie und Elordi deutlich älter sind, als die Personen, die sie spielen, ist egal. 1940 wurde sich um solche Details auch nicht gekümmert. Heute mutet diese Unbekümmertheit, trotz der Verwendung neuer Songs von Charli XCX, unglaublich altmodisch an. Oder wie die Fantasie einer Vierzehnjährigen, die sich gerade ein altes Hollywood-Melodrama angesehen hat..

Vor allem, wenn man sich an Andrea Arnolds Interpretation erinnert, in der Alter und Hautfarbe von Cathy und Heathcliff mit der des Romans übereinstimmen und deren Gefühle nachvollziehbar sind, ist Emerald Fennells in jeder Beziehung ein ziemlicher Rückschritt weit zurück in die Vergangenheit, in der erstaunlich wenig funktioniert.

P. S.: Der überkorrekte deutsche Titel ist „“Wuthring Heights“ – Sturmhöhe“. Der ebenso überkorrekte Originaltitel „Wuthering Heights“. Aber das sieht einfach zu affig aus. Jedenfalls abseits von dem Filmplakat.

Wuthering Heights“ – Sturmhöhe („Wuthering Heigths“, Großbritannien/USA 2026)

Regie: Emerald Fennell

Drehbuch: Emerald Fennell

LV: Emily Brontë: Wuthering Heights – A Novel by Ellis Bell, in Three Volumes, 1847 (Die Sturmhöhe)

mit Margot Robbie, Jacob Elordi, Hong Chau, Shazad Latif, Alison Oliver, Martin Clunes, Ewan Mitchell, Charlotte Mellington, Owen Cooper

Länge: 137 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Die Vorlage

(wer die gesamte Geschichte lesen und erfahren will, warum ein vor fast 180 Jahren erschienener Roman immer noch gelesen, interpretiert und verehrt wird)

Emily Brontë: Die Sturmhöhe

(übersetzt von Grete Rambach)

Insel Verlag, 2025

464 Seiten

16 Euro

Der Roman erschien und ist erhältlich in verschiedenen Übersetzungen bei verschiedenen Verlagen unter leicht abweichenden Titeln.

Originalausgabe

Wuthering Heights

Thomas Cautley Newby Publishers, London, 1847

Hinweise

Moviepilot über „Wuthering Heights“

Metacritic über „Wuthering Heights“

Rotten Tomatoes über „Wuthering Heights“

Wikipedia über „Wuthering Heights“ (Roman: deutsch, englisch; Film: deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Emerald Fennells „Promising Young Woman“ (Promising Young Woman, USA 2020)


TV-Tipp für den 5. Februar: I, Tonya

Februar 4, 2026

ZDF, 00.45

I, Tonya (I, Tonya, USA 2017)

Regie: Craig Gillespie

Drehbuch: Steven Rogers

Schön schwarzhumorige, auf wahren Ereignissen basierende Satire auf den American Way of Life: White-Trash-Eiskunstläuferin Tonya Harding kämpft um ihren Platz auf dem Siegerpodest. Nicht immer mit legalen Mitteln.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Margot Robbie, Sebastian Stan, Allison Janney, Julianne Nicholson, Paul Walter Hauser, Bobby Cannavale, Bojana Novakovic, Caitlin Carver, Maizie Smith, Mckenna Grace

Hinweise

Moviepilot über „I, Tonya“

Metacritic über „I, Tonya“

Rotten Tomatoes über „I, Tonya“

Wikipedia über „I, Tonya“ (deutsch, englisch)

History vs. Hollywood über „I, Tonya“

Meine Besprechung von Craig Gillespies „Fright Night“ (Fright Night, USA 2011)

Meine Besprechung von Craig Gillespies „I, Tonya“ (I, Tonya, USA 2017)

Meine Besprechung von Craig Gillespies „Dumb Money – Schnelles Geld“ (Dumb Money, USA 2023)


Neu im Kino/Filmkritik: Willst du auf „A big bold beautiful Journey“ mitkommen?

Oktober 2, 2025

Selbstverständlich wissen wir, was passiert, wenn David (Colin Farrell) und Sarah (Margot Robbie) sich auf der Hochzeit eines Freundes begegnen. Eigentlich wissen wir das schon beim Ansehen des Plakats. „A big bold beautiful Journey“ ist eine romantische Liebesgeschichte, möglicherweise auch eine RomCom.

Und so ist es. Als die beiden Singles sich nach der Hochzeit auf den Heimweg begeben, begegnen sie sich kurz darauf in einem Diner. Das ist die erste Station der titelgebenden „big bold beautiful Journey“, die von dem betont altmodischem GPS, das sich in ihren schon etwas älterem Leihwagen befindet, organisiert wird. Und weil David und Sarah, ohne davon zu wissen, dem Vorschlag des GPS zustimmten, sitzen sie jetzt in dem Diner und reden miteinander. Das GPS hat auch magisch organisiert, dass sie fortan gemeinsam weiterfahren müssen in Davids gemietetem 1994 Saturn SL. Das GPS leitet sie zu weiteren Stationen, die sich vor allem dadurch auszeichnen, dass mitten in der Natur Türen stehen. Sobald sie sie öffnen, betreten sie eine andere Welt. Mal geht es in Davids Vergangenheit, mal in Sarahs Vergangenheit. Zwischen den Besuchen in ihrer Vergangenheit unterhalten sie sich auf der Fahrt zurück in die heimatliche Großstadt über ihre Vergangenheit und ihr Leben.

Kogonadas neuer Film, sein dritter Spielfilm und der erste, den er nach einem fremden Drehbuch realisierte, erzählt eine fantastisch angehauchte Liebesgeschichte, in der ihr fantastisches Element (die Türen) schnell zu einem immer weniger beachteten, das Auge erfreundem Gimmick wird. Denn sie finden immer weniger Türen. Hinter den Türen ist nur ein kurzer Blick in die Vergangenheit von David oder Sarah. Nur einmal greifen sie mit ihrem heutigen Wissen in die Vergangenheit ein. Es hat keine Folgen; auch weil natürlch niemand einem Teenager glaubt, wenn er seiner Highschoolliebe sagt, sie werde den falschen Mann wählen.

Zwischen den Blicken hinter Türen, die in ihre Vergangenheit führen, sitzen sie im Auto und unterhalten sich über die Dinge, über die man mit einer fremden Person spricht. Es sind weitgehend banale, nicht besonders in Erinnerung bleibende Plaudereien mit der Tendenz zum Monolog. Dabei hat Seth Reiss, der Drehbuchautor von „The Menu“ und langjähriger Autor bei „Late Night with Seth Meyers“ und „The Onion“, sie geschrieben.

Colin Farrell und Margot Robbie spielen in diesen Momenten betont unterkühlt; als ob Kogonada sie anwies, möglichst wenig zu spielen und möglichst keine Emotion zu zeigen. Auch die Bilder, die Kogonadas Kameramann Benjamin Loeb („Sick of myself“, „Dream Scenario“ und auch Kogonadas „After Yang“) in diesem Moment findet, sind vollkommen beliebig. Ganz im Gegensatz zu den wunderschönen, plakatwürdigen Bildern von den in der Landschaft stehenden Türen und den überlegten Bildkompositionen außerhalb des Autos. Beispielsweise während der Hochzeit oder in der Autovermietung, die sich in einer riesigen, leer stehenden Halle befindet.

Eine besondere Erwähnung verdienen Phoebe Waller-Bridge und Kevin Kline, die die beiden Autovermieter spielen und sich sehr seltsam verhalten. Bei ihnen entfalten, wenn sie dem Affen ordentlich Zucker geben, die betont künstlichen Dialoge ein ungeahntes komisches Potential. Sie sollten eine eigene TV-Serie bekommen, in der sie jede Woche versuchen, Paare zusammen zu bringen und die Welt zu einem besseren Platz machen wollen.

A big bold beautiful Journey“ ist ein sehr minimalistischer, unterkühlter, sich auf seine Dialoge vertrauender Liebesfilm, der in seiner betont unaufgeregten Machart an Celine Songs RomCom „Was ist Liebe wert – Materialists“ erinnert und frustriert. Denn für jede gute Entscheidung, die Kogonada in seinem Film getroffen hat, gibt es mindestens eine falsche Entscheidung.

A big bold beautiful Journey (A big bold beautiful Journey, USA 2025)

Regie: Kogonada

Drehbuch: Seth Reiss

mit Colin Farrell, Margot Robbie, Kevin Kline, Phoebe Waller-Bridge, Lily Rabe, Hamish Linklater, Jennifer Grant, Jodie Turner-Smith (GPS-Stimme im Original)

Länge: 110 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „A big bold beautiful Journey“

Metacritic über „A big bold beautiful Journey“

Rotten Tomatoes über „A big bold beautiful Journey“

Wikipedia über „A big bold beautiful Journey“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 21. Juni: Once upon a Time in…Hollywood

Juni 20, 2025

ZDF, 23.00

Once upon a Time in…Hollywood (Once upon a Time in…Hollywood, USA 2019)

Regie: Quentin Tarantino

Drehbuch: Quentin Tarantino

Roman zum Film: Quentin Tarantino: Once upon a Time in Hollywood, 2021 (Es war einmal in Hollywood)

Quentin Tarantions 9. Film. Einige richtige Story hat „Once upon a Time in…Hollywood“ nicht. Eigentlich geht es nur um ein entspanntes Abhängen mit TV-Schauspieler Rick Dalton (Leonardo DiCaprio) und seinem Stuntman Cliff Booth (Brad Pitt), die glorios in ihrem Selbstmitleid ertrinken. Daltons großer Hit, die TV-Westernserie „Bounty Law“, ist schon einige Jahre her, die neuen Rollen sind klein und schlecht und der Vorschlag seines Agenten, in einem Italowestern mitzuspielen, begeistert ih nicht. Das alles spielt 1969 in Hollywood an zwei Tagen im Februar und in einer Nacht im August 1969.

„Once upon a Time in…Hollywood“ ist übervoll mit Anspielungen auf die Hollywood-Geschichte und die damalige Zeit, prächtig ausgestattetet, top besetzt und gespielt, sehr unterhaltsam, aber auch problematisch.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung (mit weiteren Clips und der Cannes-Pressekonferenz).

mit Leonardo DiCaprio, Brad Pitt, Margot Robbie, Emile Hirsch, Margaret Qualley, Timothy Olyphant, Dakota Fanning, Bruce Dern, Mike Moh, Damian Lewis, Al Pacino, Rafal Zawierucha, Damon Herriman, Lena Dunham, Rumer Willis, Clu Gulager, Kurt Russell, Zoë Bell, Michael Madsen, James Remar

Hinweise

Moviepilot über „Once upon a Time in…Hollywood“

Metacritic über „Once upon a Time in…Hollywood“

Rotten Tomatoes über „Once upon a Time in…Hollywood“

Wikipedia über „Once upon a Time in…Hollywood“ (deutsch, englisch)

History vs. Hollywood erklärt einige Anspielungen

The Quentin Tarantino Archives (Fanseite)

Everthing Tarantino (dito)

Q-Tarantino.de (noch eine Fanseite)

Meine Besprechung von Georg Seeßlens „Quentin Tarantino gegen die Nazis – Alles über ‘Inglourious Basterds’“ (Kleine Schriften zum Film: 1, 2009)

Meine Besprechung von Quentin Tarantinos „Django Unchained“ (Django Unchained, USA 2012)

Kriminalakte über Quentin Tarantino und „Django Unchained“ (Bilder,Pressekonferenz und Comic)

Meine Bespechung von Quentin Tarantinos „The Hateful 8“ (The Hateful Eight, USA 2015)

Meine Besprechung von Quentin Tarantinos „Once upon a Time in…Hollywood“ (Once upon a Time in…Hollywood, USA 2019)

 Quentin Tarantino in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 1. Januar: Babylon – Rausch der Ekstase

Dezember 31, 2024

RTL II, 20.15

Babylon – Rausch der Ekstase (Babylon, USA 2022)

Regie: Damien Chazelle

Drehbuch: Damien Chazelle

TV-Premiere – wahrscheinlich massiv gekürzt. Denn der Film ist „frei ab 16 Jahre“. Die Nachtwiederholung sollte ungekürzt sein.

Grandios anfangende, dann zunehmend ziellos vor sich hin mäandernde über dreistündige Liebeserklärung an das klassische Hollywood zwischen Stummfilm und frühem Tonfilm und einem ausführlichen Blick auf damalige Exzesse und Skandale. Mit einigen Auslassungen.

Babylon – Rausch der Ekstase“ ist das filmische Äquivalent zum Blättern in Skandalblättern oder Skandalchroniken, wie Kenneth Angers „Hollywood Babylon“.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Brad Pitt, Margot Robbie, Diego Calva, Jean Smart, Jovan Adepo, Li Jun Li, P. J. Byrne, Lukas Haas, Olivia Hamilton, Tobey Maguire, Max Minghella, Rory Scovel, Katherine Waterston, Flea, Jeff Garlin, Eric Roberts, Ethan Suplee, Samara Weaving, Olivia Wilde, Joe Dallesandro, Marc Platt, Spike Jonze

Wiederholung: Donnerstag, 2. Januar, 02.00 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Moviepilot über „Babylon“

Metacritic über „Babylon“

Rotten Tomatoes über „Babylon“

Wikipedia über „Babylon“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Damien Chazelles „Whiplash“ (Whiplash, USA 2014)

Meine Besprechung von Damien Chazelles „La La Land“ (La La Land, USA 2016)

Meine Besprechung von Damien Chazelles „Aufbruch zum Mond“ (First Man, USA 2018)

Meine Besprechung von Damien Chazelles „Babylon – Rausch der Ekstase“ (Babylon, USA 2022)


TV-Tipp für den 12. November: Departed – Unter Feinden/The Wolf of Wall Street

November 11, 2024

Ein laaaanger Abend mit den Herren Scorsese und DiCaprio

Kabel Eins, 20.15 (weil FSK-16 möglicherweise gekürzt)

Departed – Unter Feinden (The Departed, USA 2006)

Regie: Martin Scorsese

Drehbuch: William Monahan

Cop Billy Costigan ist Undercover-Agent in der Organisation des Mafiapaten Frank Costello. Gangster Colin Sullivan ist bei der Polizei der Top-Maulwurf für Costello. Beide steigen in den feindlichen Organisationen stetig auf. Da erhalten Costigan und Sullivan von ihrem Boss den Auftrag, den Verräter in den eigenen Reihen zu finden.

„Departed – Unter Feinden“ ist, wie Genre-Junkies wissen, das grandiose US-Remake des ebenso grandiosen Hongkong-Thrillers „Infernal Affairs“ (von Andrew Lau und Alan Mak). Monahan verlegte die Geschichte nach Boston, orientierte sich bei dem Mafiapaten an dem legendären Whitey Bulger und zeichnete ein Porträt der amerikanischen Gesellschaft. Die schwächsten Szenen des Remakes sind die weinigen, direkten Übernahmen von Szenen aus dem Original.

Beide Filme sind stilistisch überzeugende Werke über Freundschaft, Loyalität und Verrat.

Monahans Drehbuch erhielt einen Edgar, einen Oscar, den Preis der Writers Guild of America und war für den Golden Globe nominiert (um nur einige zu nennen). Der Film wurde für zahlreiche Preise nominiert und erhielt auch den Oscar für den besten Film des Jahres

Die nächste Zusammenarbeit von Martin Scorsese und Leonardo DiCaprio war die allseits abgefeierte Dennis-Lehane-Verfilmung „Shutter Island“ (mir gefällt das Buch besser). Danach kamen “The Wolf of Wall Street” und 2023 „Killers of the Flower Moon“.

Und William Monahans lieferte danach sein gelungenes Regiedebüt, die Ken-Bruen-Verfilmung “London Boulevard” (mit Colin Farrell, David Thewlis, Ray Winstone, Eddie Marsan und Keira Knightley), ab.

Mit Leonardo DiCaprio, Matt Damon, Jack Nicholson, Mark Wahlberg, Martin Sheen, Ray Winstone, Vera Farmiga, Alec Baldwin

Hinweise

Metacritic über “Departed – Unter Feinden”

Rotten Tomatoes über “Departed – Unter Feinden”

Wikipedia über “Departed – Unter Feinden” (deutsch, englisch)

Drehbuch „The Departed“ von William Monahan

Collider: Interview mit William Monahan (Februar 2007)

Meine Besprechung von William Monahans “London Boulevard” (London Boulevard, USA/GB 2010)

Meine Besprechung von William Monahans “The Gambler” (The Gambler, USA 2014 – nur Drehbuch)

Kabel Eins, 23.15

The Wolf of Wall Street (The Wolf of Wall Street, USA 2013)

Regie: Martin Scorsese

Drehbuch: Terence Winter

LV: Jordan Belfort: The Wolf of Wall Street, 2007 (Der Wolf der Wall Street)

An seinem ersten Arbeitstag an der Wall Street crasht die Börse. Also zieht der nun arbeitslose, selbsternannte „Wolf of Wall Street“ Jordan Belfort 1987 eine Straße weiter und mit dem Verkauf von Pennystocks verdient er ein Vermögen.

Knapp gesagt: „GoodFellas“ und „Casino“ in der Finanzwelt, niemals langweilig und grandios von Martin Scorsese inszeniert.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung – und noch mehr im Bonusmaterial zum Film.

mit Leonardo DiCaprio, Jonah Hill, Margot Robbie, Matthew McConaughey, Kyle Chandler, Rob Reiner, Jon Favreau, Jean Dujardin, Jon Bernthal

Die Vorlage

Jordan Belfort: Der Wolf der Wall Street – Die Geschichte einer Wall-Street-Ikone

(übersetzt von Egbert Neumüller)

Goldmann Taschenbuch, 2014

640 Seiten

9,99 Euro

Die Originalausgabe erschien 2007.

Die deutsche Erstausgabe 2008 im Verlag Börsenmedien AG.

Hinweise

Moviepilot über „The Wolf of Wall Street“

Metacritic über „The Wolf of Wall Street“

Rotten Tomatoes über „The Wolf of Wall Street“

Wikipedia über „The Wolf of Wall Street“ (deutsch, englisch) und über Martin Scorsese (deutsch, englisch)

Hollywood vs. Reality über „The Wolf of Wall Street“

Kriminalakte: Tonnen weitergehender Informationen über den Film

Meine Besprechung von Martin Scorseses “Hugo Cabret” (Hugo, USA 2011)

Meine Besprechung von Martin Scorseses “The Wolf of Wall Street” (The Wolf of Wall Street, USA 2013)

Meine Besprechung von Martin Scorseses „Silence“ (Silence, USA 2016)

Meine Besprechung von Martin Scorseses „Killers of the Flower Moon (Killers of the Flower Moon, USA 2023)

Martin Scorsese in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 10. Juli: I, Tonya

Juli 9, 2024

Arte, 20.15

I, Tonya (I, Tonya, USA 2017)

Regie: Craig Gillespie

Drehbuch: Steven Rogers

Schön schwarzhumorige, auf wahren Ereignissen basierende Satire auf den American Way of Life: White-Trash-Eiskunstläuferin Tonya Harding kämpft um ihren Platz auf dem Siegerpodest. Nicht immer mit legalen Mitteln.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Margot Robbie, Sebastian Stan, Allison Janney, Julianne Nicholson, Paul Walter Hauser, Bobby Cannavale, Bojana Novakovic, Caitlin Carver, Maizie Smith, Mckenna Grace

Hinweise

Moviepilot über „I, Tonya“

Metacritic über „I, Tonya“

Rotten Tomatoes über „I, Tonya“

Wikipedia über „I, Tonya“ (deutsch, englisch)

History vs. Hollywood über „I, Tonya“

Meine Besprechung von Craig Gillespies „Fright Night“ (Fright Night, USA 2011)

Meine Besprechung von Craig Gillespies „I, Tonya“ (I, Tonya, USA 2017)

Meine Besprechung von Craig Gillespies „Dumb Money – Schnelles Geld“ (Dumb Money, USA 2023)


TV-Tipp für den 5. Mai: Once upon a Time in…Hollywood

Mai 4, 2024

Pro 7, 23.00

Once upon a Time in…Hollywood (Once upon a Time in…Hollywood, USA 2019)

Regie: Quentin Tarantino

Drehbuch: Quentin Tarantino

Roman zum Film: Quentin Tarantino: Once upon a Time in Hollywood, 2021 (Es war einmal in Hollywood)

Quentin Tarantions 9. Film. Einige richtige Story hat „Once upon a Time in…Hollywood“ nicht. Eigentlich geht es nur um ein entspanntes Abhängen mit TV-Schauspieler Rick Dalton (Leonardo DiCaprio) und seinem Stuntman Cliff Booth (Brad Pitt), die glorios in ihrem Selbstmitleid ertrinken. Daltons großer Hit, die TV-Westernserie „Bounty Law“, ist schon einige Jahre her, die neuen Rollen sind klein und schlecht und der Vorschlag seines Agenten, in einem Italowestern mitzuspielen, begeistert ih nicht. Das alles spielt 1969 in Hollywood an zwei Tagen im Februar und in einer Nacht im August 1969.

„Once upon a Time in…Hollywood“ ist übervoll mit Anspielungen auf die Hollywood-Geschichte und die damalige Zeit, prächtig ausgestattetet, top besetzt und gespielt, sehr unterhaltsam, aber auch problematisch.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung (mit weiteren Clips und der Cannes-Pressekonferenz).

mit Leonardo DiCaprio, Brad Pitt, Margot Robbie, Emile Hirsch, Margaret Qualley, Timothy Olyphant, Dakota Fanning, Bruce Dern, Mike Moh, Damian Lewis, Al Pacino, Rafal Zawierucha, Damon Herriman, Lena Dunham, Rumer Willis, Clu Gulager, Kurt Russell, Zoë Bell, Michael Madsen, James Remar

Wiederholung: Montag, 6. Mai, 02.25 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Moviepilot über „Once upon a Time in…Hollywood“

Metacritic über „Once upon a Time in…Hollywood“

Rotten Tomatoes über „Once upon a Time in…Hollywood“

Wikipedia über „Once upon a Time in…Hollywood“ (deutsch, englisch)

History vs. Hollywood erklärt einige Anspielungen

The Quentin Tarantino Archives (Fanseite)

Everthing Tarantino (dito)

Q-Tarantino.de (noch eine Fanseite)

Meine Besprechung von Georg Seeßlens „Quentin Tarantino gegen die Nazis – Alles über ‘Inglourious Basterds’“ (Kleine Schriften zum Film: 1, 2009)

Meine Besprechung von Quentin Tarantinos „Django Unchained“ (Django Unchained, USA 2012)

Kriminalakte über Quentin Tarantino und „Django Unchained“ (Bilder,Pressekonferenz und Comic)

Meine Bespechung von Quentin Tarantinos „The Hateful 8“ (The Hateful Eight, USA 2015)

Meine Besprechung von Quentin Tarantinos „Once upon a Time in…Hollywood“ (Once upon a Time in…Hollywood, USA 2019)

 Quentin Tarantino in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 11. Februar: The Wolf of Wall Street

Februar 10, 2024

Wenige Tage bevor Martin Scorsese auf der Berlinale seinen Goldenen Ehrenbären erhält

Arte, 21.55

The Wolf of Wall Street (The Wolf of Wall Street, USA 2013)

Regie: Martin Scorsese

Drehbuch: Terence Winter

LV: Jordan Belfort: The Wolf of Wall Street, 2007 (Der Wolf der Wall Street)

An seinem ersten Arbeitstag an der Wall Street crasht die Börse. Also zieht der nun arbeitslose, selbsternannte „Wolf of Wall Street“ Jordan Belfort 1987 eine Straße weiter und mit dem Verkauf von Pennystocks verdient er ein Vermögen.

Knapp gesagt: „GoodFellas“ und „Casino“ in der Finanzwelt, niemals langweilig und grandios von Martin Scorsese inszeniert.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung – und noch mehr im Bonusmaterial zum Film.

Anschließend, um 00.50 Uhr zeigt Arte als TV-Premiere die knapp einstündige Doku „Martin Scorsese – Von Little Italy nach Hollywood“ (Frankreich 2023).

mit Leonardo DiCaprio, Jonah Hill, Margot Robbie, Matthew McConaughey, Kyle Chandler, Rob Reiner, Jon Favreau, Jean Dujardin, Jon Bernthal

Wiederholung: Freitag, 16. Februar, 00.55 Uhr (Taggenau!)

Die Vorlage

Belfort - Der Wolf der Wall-Street - Movie-Tie-In - 4

Jordan Belfort: Der Wolf der Wall Street – Die Geschichte einer Wall-Street-Ikone

(übersetzt von Egbert Neumüller)

Goldmann Taschenbuch, 2014

640 Seiten

9,99 Euro

Die Originalausgabe erschien 2007.

Die deutsche Erstausgabe 2008 im Verlag Börsenmedien AG.

Hinweise

Moviepilot über „The Wolf of Wall Street“

Metacritic über „The Wolf of Wall Street“

Rotten Tomatoes über „The Wolf of Wall Street“

Wikipedia über „The Wolf of Wall Street“ (deutsch, englisch) und über Martin Scorsese (deutsch, englisch)

Hollywood vs. Reality über „The Wolf of Wall Street“

Kriminalakte: Tonnen weitergehender Informationen über den Film

Meine Besprechung von Martin Scorseses “Hugo Cabret” (Hugo, USA 2011)

Meine Besprechung von Martin Scorseses “The Wolf of Wall Street” (The Wolf of Wall Street, USA 2013)

Meine Besprechung von Martin Scorseses „Silence“ (Silence, USA 2016)

Meine Besprechung von Martin Scorseses „Killers of the Flower Moon (Killers of the Flower Moon, USA 2023)

Martin Scorsese in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 26. Dezember: The Wolf of Wall Street

Dezember 25, 2023

Vox, 23.00

The Wolf of Wall Street (The Wolf of Wall Street, USA 2013)

Regie: Martin Scorsese

Drehbuch: Terence Winter

LV: Jordan Belfort: The Wolf of Wall Street, 2007 (Der Wolf der Wall Street)

An seinem ersten Arbeitstag an der Wall Street crasht die Börse. Also zieht der nun arbeitslose, selbsternannte „Wolf of Wall Street“ Jordan Belfort 1987 eine Straße weiter und mit dem Verkauf von Pennystocks verdient er ein Vermögen.

Knapp gesagt: „GoodFellas“ und „Casino“ in der Finanzwelt, niemals langweilig und grandios von Martin Scorsese inszeniert.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung – und noch mehr im Bonusmaterial zum Film.

mit Leonardo DiCaprio, Jonah Hill, Margot Robbie, Matthew McConaughey, Kyle Chandler, Rob Reiner, Jon Favreau, Jean Dujardin, Jon Bernthal

Die Vorlage

Belfort - Der Wolf der Wall-Street - Movie-Tie-In - 4

Jordan Belfort: Der Wolf der Wall Street – Die Geschichte einer Wall-Street-Ikone

(übersetzt von Egbert Neumüller)

Goldmann Taschenbuch, 2014

640 Seiten

9,99 Euro

Die Originalausgabe erschien 2007.

Die deutsche Erstausgabe 2008 im Verlag Börsenmedien AG.

Hinweise

Moviepilot über „The Wolf of Wall Street“

Metacritic über „The Wolf of Wall Street“

Rotten Tomatoes über „The Wolf of Wall Street“

Wikipedia über „The Wolf of Wall Street“ (deutsch, englisch) und über Martin Scorsese (deutsch, englisch)

Hollywood vs. Reality über „The Wolf of Wall Street“

Kriminalakte: Tonnen weitergehender Informationen über den Film

Meine Besprechung von Martin Scorseses “Hugo Cabret” (Hugo, USA 2011)

Meine Besprechung von Martin Scorseses “The Wolf of Wall Street” (The Wolf of Wall Street, USA 2013)

Meine Besprechung von Martin Scorseses „Silence“ (Silence, USA 2016)

Meine Besprechung von Martin Scorseses „Killers of the Flower Moon (Killers of the Flower Moon, USA 2023)

Martin Scorsese in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 14. Oktober: Bombshell – Das Ende des Schweigens

Oktober 13, 2023

ZDFneo, 20.15/23.30

Bombshell – Das Ende des Schweigens (Bombshell, USA/Kanada 2019)

Regie: Jay Roach

Drehbuch: Charles Randolph

Gelungenes, nah an den Fakten entlang erzähltes, leicht satirisches Drama über die Klagen von Gretchen Carlson und Megyn Kelly gegen ihren Arbeitgeber Fox News.

Anschließend, um 21.55 Uhr, zeigt ZDFneo die spielfilmlange Doku „Harvey Weinstein – Macht und Missbrauch“ (Großbritannien 2019).

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Charlize Theron, Nicole Kidman, Margot Robbie, John Lithgow, Kate McKinnon, Allison Janney, Connie Britton, Mark Duplass, Nazanin Boniadi, Malcolm McDowell

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Bombshell“

Metacritic über „Bombshell“

Rotten Tomatoes über „Bombshell“

Wikipedia über „Bombshell“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Jay Roachs „Trumbo“ (Trumbo, USA 2015)

Meine Besprechung von Jay Roachs „Bombshell – Das Ende des Schweigens“ (Bombshell, USA/Kanada 2019)


Neu im Kino/Filmkritik: Greta Gerwig, Margot Robbie, „Barbie“ – – – und Ken

Juli 21, 2023

Ich gehöre nicht zum Zielpublikum von „Barbie“; – wobei ich jetzt ad hoc auch nicht sagen kann, wer genau das Zielpublikum ist. Mädchen, die mit Barbie-Puppen spielen? Frauen, die mal mit Barbie-Puppen gespielt haben? Menschen, die Barbie für eine Kampferklärung an den Feminsmus halten und das gut oder nicht gut finden?

Denn „Barbie“ wird auch beworben als Film für Barbie-Fans und Barbie-Hasser und dass Greta Gerwig die Regie übernahm, steigert die Erwartungen. Jedenfalls unter Cineasten und Arthaus-Fans. Ihre beiden Spielfilme „Lady Bird“ und „Little Women“ überzeugten. Ebenso die Drehbücher für „Frances Ha“ und „Mistress America“, die sie zusammen mit ihrem Partner Noah Baumbach schrieb. Baumbach inszenierte die Bücher mit ihr in der Hauptrolle. Auch für „Barbie“ schrieben sie das Drehbuch zusammen. Nur dass dieses Mal, wie gesagt, Greta Gerwig die Regie übernahm.

Margot Robbie übernahm die Hauptrolle. Barbies Freund Ken wird von Ryan Gosling gespielt. Der Spielzeughersteller Mattel, der die Barbie-Puppe herstellt, gehört zu den Produzenten. 145 Millionen US-Dollar soll der Film gekostet haben. Ein Teil floss in die prächtigen Sets. Das Film-Barbieland ist eine saubere Fantasie-Plastikwelt, die sich natürlich an Mattels Barbie-Produkten orientiert. Insofern ist der Film die Beigabe zum Spielzeug, das den Verkauf des Spielzeugs ankurbeln soll. Wie die „Transformers“-Filme Hasbros Spielzeug verkaufen soll.

In diesem Barbieland ist alles perfekt. Sorgen gibt es nicht. Ein Tag ist wie der andere. Die Frauen heißen Barbie und es ist ihr Reich. Die Männer, die alle Ken heißen, haben nur einen Wunsch: Barbie zu dienen. Eines Tages gibt es Veränderungen in Barbies Leben. So denkt sie an den Tod, ihre Füße sind flach, duschen, essen und trinken funktionieren nicht mehr wie gewohnt.

Um wieder zu ihrem sorgenfreien Barbie-Leben zurückkehren zu können, muss sie in die echte Welt gehen. Ken begleitet sie.

Dort trifft sie auf ihre Besitzerin, den Mattel CEO und die gesamte, nur aus Männern bestehende Chefetage.

Später geht es wieder zurück nach Barbieland, das schwuppdiwupp zu Kenland wurde. Ken hat in der echten Welt gelernt, dass Männer die Macht haben. Sein Kenland besteht aus Bier aus Dosen trinkenden Machos, die von Frauen bedient werden. Die Barbies, die vorher Präsidentinnen, Richterinnen und Astronautinnen waren, tun dies ohne erkennbaren Widerstand. Sie haben zwar alle ein göttliches Aussehen (mit minimalen Abweichungen von den Idealmaßen und in der Hautfarbe), aber keinerlei Hirn.

Also muss die Haupt-Barbie (aka Stereotypical Barbie aka Margot Robbie) wieder die alte Ordnung herstellen.

Es gibt durchaus einiges, was für „Barbie“ spricht. Die Sets, vor allem in Barbieland, sind gelungen. Die Schauspieler sind gut. Es gelingt ihnen, den Barbies und Kens Leben und Gefühle einzuhauchen. Gerwig hat viele Ideen. Es gibt unzählige Anspielungen, die locker für zwei Filmseminare ausreichen. Sie beginnt ihre Komödie pompös mit einer für jeden leicht erkennbaren Nachinszenierung der Anfangsszene von Stanley Kubricks „2001“, nur dass hier Mädchen, Puppen und eine überlebensgroße Barbie die Rolle der Affen und des riesigen außerirdischen Monolithen übernehmen. Auch später gibt es, mehr oder weniger deutliche Anspielungen auf „Die Truman Show“, den „Zauberer von Oz“ und, am Ende, „Der Himmel über Berlin“. Als Cineasten dürften Gerwig und Baumbach Wenders‘ Film kennen. Es gibt etliche Gags, die sich um das Leben in Barbieland und den Clash von Barbie und Ken mit der realen Welt drehen. Selbstverständlich werden Geschlechterfragen thematisiert. Es gibt etwas Kritik an der „Barbie“-Figur und Mattel, die nicht über einen flüchtig wahrgenommenen Zeitungsartikel hinausgeht.

Barbie“ ist nämlich keine Satire und Kritik an Barbie und dem von ihr vermittelten Frauenbild, sondern ein von den Barbie-Herstellern bezahltes Multimillionenwerk. Da ist, für die eigene Imagepflege etwas Kritik erlaubt, aber letztendlich soll die Investition Geld einspielen und den Verkauf der Figuren ankurbeln. Mattel hat schon Pläne für viele weitere Filme mit ihren Figuren als Filmprotagonisten. Insofern soll Gerwigs „Barbie“ für Mattel das sein, was Michael Bays „Transformers“ für Hasbro war: der Start eines finanziell einträglichen Franchises.

Das ist so. Das ist auch nichts, was man dem Film vorwerfen kann.

Vorwerfen kann und muss man dem Film allerdings sein Drehbuch. Aus den vielen Ideen und Anspielungen entsteht keine Geschichte. Vieles wird angesprochen, aber nichts wird vertieft oder konsequent zu Ende geführt; wobei das Ende auch wieder problematisch ist. Die präsentierten Welten sind denkbar plakativ. Der Wechsel in Barbieland von Barbieland zu Kenland geschieht mit einem Fingerschnipsen. Über das Verhältnis zwischen Barbieland und der realen Welt sollte nicht weiter nachgedacht werden. Die Barbies und Kens bleiben Puppen. Leere Gefäße, die über keinerlei Individualität verfügen und die mit beliebigen Inhalten gefüllt werden können. Intelligenz gehört nicht dazu.

Barbie“ ist ein leerer Film.

Barbie (Barbie, USA 2023)

Regie: Greta Gerwig

Drehbuch: Greta Gerwig, Noah Baumbach

mit Margot Robbie, Ryan Gosling, Issa Rae, Kate McKinnon, John Cena, Michael Cera, Will Ferrell, Rhea Perlman, Helen Mirren (Erzählerin, im Original)

Länge: 115 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Barbie“

Metacritic über „Barbie“

Rotten Tomatoes über „Barbie“

Wikipedia über „Barbie“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Greta Gerwigs „Lady Bird“ (Lady Bird, USA 2017)

Meine Besprechung von Greta Gerwigs „Little Women“ (Little Women, USA 2019)


Neu im Kino/Filmkritik: Welcome to „Asteroid City“, Mr. Wes Anderson

Juni 15, 2023

Asteroid City gibt es nicht. Es ist, wie ein sich superseriös gebender, anscheinend direkt aus den Fünfzigern kommender TV-Sprecher am Filmanfang erklärt, eine erfundene Stadt für ein Theaterstück, das jetzt präsentiert wird. Mit einem Blick hinter die Kulissen der Produktion des Theaterstücks, das jetzt ein Film ist, der im Film gezeigt wird. Mit diesem Wissen betreten wir die Welt von Asteroid City, einer Kleinstadt im Südwesten der USA. 87 Einwohner. Eine Tankstelle, Imbiss, Telefonzelle, ein Motel mit zehn Zimmern, eine Sternwarte und ein von einem Asteroideneinschlag verursachter Krater. Zuggleise und eine Straße führen durch die Ansammlung sehr sauberer, frisch gestrichener Bretterbuden. Die Straße wird immer wieder von einem sich vor der Polizei auf der Flucht befindendem Gangsterpärchen benutzt. Sie schießen auf den sie mit Blaulicht verfolgenden Polizeiwagen und rasen durch Asteroid City. Mal in die eine, mal in die andere Richtung.

An diesem Wochenende wird in Asteroid City, wie jedes Jahr, der Asteroidentag gefeiert. Mit mehreren jugendlichen Sternguckern, einem Wettbewerb für sie, einem Fünf-Sterne-General und einer Astronomin. Im Hintergrund sehen wir immer wieder einen Atompilz.

Wir befinden uns in den fünfziger Jahren, als der US-amerikanische Traum intakt war. Das US-Militär führt in der Wüste Tests mit Atombomben durch. Niemand stört sich daran. Die Ufo-Hysterie erreicht ungeahnte Ausmaße. Ein Außerirdischer stört dann auch die Feierlichkeiten zum Asteroidentag. Danach verhängt die Regierung erst einmal eine Quarantäne unbekannter Dauer über Asteroid City.

Wes Anderson beobachtet in seiner neuen Komödie „Asteroid City“ die zufällig in dem Ort in der Wüste (und im Film, im Theaterstück und den Proben für das Stück) zusammengewürfelten, überwiegend weißen Menschen. Gespielt werden sie von Hollywood-Stars, wie Jason Schwartzman, Scarlett Johansson, Tom Hanks, Jeffrey Wright, Tilda Swinton, Bryan Cranston, Edward Norton, Adrien Brody, Liev Schreiber, Steve Carell, Matt Dillon, Willem Dafoe, Margot Robbie, Tony Revolori und Jeff Goldblum als Alien. Die meisten spielten bereits in früheren Wes-Anderson-Filmen mit. Einige von ihnen haben nur kleine bis kleinste, aber prägnante Rollen. Teilweise sind sie in ihren Kostümen nicht zu erkennen.

Nach der Verhängung der Quarantäne warten sie. Sie langweilen sich. Sie reden miteinander über sich, Gott, die Welt und den Alien, der sie besucht hat und der sich mehr für einen Stein als für sie interessierte. Ein Plot will sich daraus nicht entwickeln. Wes Anderson versucht es noch nicht einmal. Er belässt es beim Spiel mit Meta-Ebenen, bei Zitaten, Anspielungen, Witzen und sorgsam inszenierten Beobachtungen. Einige Personen, wie der Kriegsfotograf Augie Steenbeck, ein Witwer und Vater von vier Kindern (die erst in Asteroid City erfahren, dass ihre Mutter seit drei Wochen tot ist und sie in einer Tupperdose begleitet), und die Marilyn-Monroe-blonde Schauspielerin Midge Campbell, sind öfter im Bild. Aber nicht mehr. Auch ihre Szenen bleiben Vignetten, die jeweils für sich allein stehen und die sich vor allem auf die sichtbare Oberfläche konzentrieren.

Das ist dann wie das Ansehen von präzise arrangierten Postkartenbildern. Jede Farbe stimmt. Im Hintergrund gibt es immer noch etwas zu entdecken. Und es ist wunderschön verschachtelt als Film im Theaterstück in den Proben und Arbeiten für das Theaterstück, das immer wieder von den Figuren kommentiert wird.

Intellektuell ist das natürlich ein Spaß. Auch beim zweiten oder dritten Ansehen.

Aber dieses Mal ist der Spaß auch äußerst blutleer. Keine Figur hat ein nennenswertes Eigenleben. Eine Story gibt es auch nicht. Es gibt nur einige Menschen, die einige Tage in Asteroid City festsitzen, warten und danach wieder ihr Leben leben.

Asteroid City“ ist eine Ansammlung von bekannten Wes-Anderson-Momenten, von denen jeder einzelne für sich gelungen und witzig ist. Als Gesamtwerk ist es trotzdem nicht mehr als ein sorgfältig kuratiertes Fotoalbum für seine Fans.

Asteroid City (Asteroid City, USA 2023)

Regie: Wes Anderson

Drehbuch Wes Anderson (basierend auf einer Idee von Wes Anderson und Roman Coppola)

mit Jason Schwartzman, Scarlett Johansson, Tom Hanks, Jeffrey Wright, Tilda Swinton, Bryan Cranston, Edward Norton, Adrien Brody, Liev Schreiber, Hope Davis, Stephen Park, Rupert Friend, Maya Hawke, Steve Carell, Matt Dillon, Hong Chau, Willem Dafoe, Margot Robbie, Tony Revolori, Jake Ryan, Jeff Goldblum, Grace Edwards, Aristou Meehan, Sophia Lillis, Ethan Josh Lee

Länge: 106 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Filmportal über „Asteroid City“ (weil auch deutsche Geld involviert ist)

Moviepilot über „Asteroid City“

Metacritic über „Asteroid City“

Rotten Tomatoes über „Asteroid City“

Wikipedia über „Asteroid City“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Wes Andersons „The Grand Budapest Hotel“ (The Grand Budapest Hotel, USA/Deutschland 2014)

Meine Besprechung von Wes Andersons „Isle of Dogs – Ataris Reise“ (Isle of Dogs, USA 2018)

Meine Besprechung von Wes Andersons „The French Dispatch“ (The French Dispatch, USA/Deutschland 2021)


Neu im Kino/Filmkritik: Hollywood „Babylon“, munter an den Fakten entlang fantasiert

Januar 19, 2023

Für Damien Chazelle war früher vielleicht nicht alles besser, aber in jedem Fall war es aufregender und, nun, in Ermangelung eines besseren Wortes, besser. Das gilt für seine Verklärungen älterer Jazzstile in „Whiplash“ und „La La Land“.

Das gilt jetzt für seine Verklärung der frühen Jahre Hollywoods, als einige Glücksritter aus der Brachlandschaft um Los Angeles Hollywood erschufen. Sein Film beginnt 1926 mit einer riesigen Party, auf der die meisten der für die nächsten drei Stunden wichtigsten Figuren vorgestellt werden. Es sind Manny Torres (Diego Calva), ein junger Mexikaner, der irgendetwas im Filmgeschäft machen will. Staunend sieht er das enthemmte Treiben der oberen Zehntausend auf dieser Party in dem einsam gelegenem Anwesen. Dort lernt Manny die lebhafte Nellie LaRoy (Margot Robbie) kennen. Noch ist sie ein No-Name. Aber das ändert sich schnell. Mit ihrer exaltierten Art und ihrem Stofffetzen von Kleid lenkt sie die Blicke und die Aufmerksamkeit auf sich. Bis sie ein Angebot für eine Rolle in einem Stummfilm erhält. Und er begegnet Jack Conrad (Brad Pitt). Conrad ist ein großer Stummfilmstar mit noch größerem Alkoholkonsum. Frauen tanzen, spärlich bekleidet, orgiastisch zur treibenden Musik der selbstverständlich nur aus schwarzen Musikern bestehenden Jazzband. Zur Band gehört der Trompeter Sidney Palmer (Jovan Adepo), der später beim Film Geld verdient und bei den Dreharbeiten für einen Song ein sehr demütigendes Erlebnis hat. Die große Sensation der Party, die im Film eine gute halbe Stunde dauert, ist ein Elefant, den Manny zu der Party transportierte. Der Vierbeiner hat seinen großen Auftritt, als er in den Saal getrieben wird und alle Blicke auf sich lenkt, während am anderen Ende des Saales die Leiche eines Starlets aus dem Haus getragen wird.

Nach der Party fährt Manny den stockbesoffenen Conrad nach Hause. Dieser verschafft ihm anschließend einen Job und schon sind wir bei dem nächsten großen Set-Piece von Damien Chazelles „Babylon – Rausch der Ekstase“: dem Studiogelände von Kinoscope Pictures. Auf einem riesigen Feld finden parallel die Dreharbeiten für mehrere, vollkommen unterschiedliche Filme statt. Es ist ein einziges organisiertes Chaos. Lärm und Umgebungsgeräusche sind – es werden ja Stummfilme gedreht – kein Problem. Jedes Set hat seine eigene Band. Die größte Band, ein dreißigköpfiges Orchester, spielt für einen Monumentalfilm, bei dem die Statisten eine Schlacht nachstellen. Ein Statist wird dabei von einem Speer durchbohrt. Unfälle passieren halt.

Und so geht es weiter. Chazelle zeigt die Stummfilmjahre als einen einzigen Exzess, in dem ohne Folgen zu befürchten, alles erlaubt und getan wurde. So ist der Tod des Starlets bei der Eröffnungsparty, für die weitere Filmgeschichte unerheblich. Gleiches gilt für den Statisten bei dem Monumentalfilm. Oder all den anderen bizarren Geschichten von Partys und Dreharbeiten. Es geht um einen in einer Toilette fest steckenden Kopf, betrunkene Mutproben mit Schlangen in der Wüste und den für alle enervierenden Dreharbeiten für den Tonfilm. Denn während sie im Stummfilm munter vor sich hin improvisieren und lärmen konnten, müssen sie jetzt alle mucksmäuschenstill sein und Nellie muss ihren Text an präzise festgelegten Punkten in einer bestimmten Lautstärke aufsagen. Da ist das Stöhnen des Kameramanns über die tropische Hitze und den Sauerstoffmangel in seiner Kabine vernachlässigbar.

Babylon“ ist eine eine gute Stunde zu lang geratene Abfolge von zwischen 1926 und 1932 spielenden Anekdoten, die lose zusammengehalten werden durch das wiederholte Auftauchen bekannter Gesichter. Diese Figuren sind, und das fällt spätestens mit dem Beginn des Tonfilms auf, reine Platzhalter.

So berührt der Abstieg von Jake Conrad nicht weiter. Das gleiche gilt letztendlich für das Schicksal von Nellie und Manny. Er besucht 1952 im Epilog, zwanzig Jahre nach den Ereignissen von „Babylon“, wieder Hollywood.

Es gibt, nachdem während der Stummfilmzeit das Organisierte Verbrechen keine Rolle spielte, eine in den frühen Dreißigern spielende Episode um Spielschulden und den Besuch in der Kanalisation von Los Angeles in einer sich über mehrere Etagen erstreckenden Untergrund-Sex-Höhle. Die gesamte Episode wirkt wie ein Outtake aus einem Exploitation-Horrorfilm. Immerhin hat Tobey Maguire hier einen wahrhaft bizarren Auftritt als Gangster und Casinochef.

Der Film selbst ist wie das Blättern in Skandalblättern oder Skandalchroniken, wie Kenneth Angers höchst unterhaltsamer, nicht besonders faktensicherer „Hollywood Babylon“. Sie war 1959 das erste Werk dieser Art und die Blaupause für alle weiteren Skandalchroniken: etwas Klatsch über bekannte Schauspieler, warnende Geschichten über gefallene Starlets, Drogen, Sex, mehr oder weniger rätselhafte Todesfälle (zwischen dummen Zufällen und möglicherweise eiskalt geplanten Morden) und Fotos von Unfällen, verwüsteten Hotelzimmern und nackten Schönheiten.

Mehr ist Chazelles „Babylon“ auch nicht. Außer dass er behauptet, dass die Stummfilmzeit in jeder Beziehung viel besser als alles war, was danach kam.

Dabei wissen wir doch dank James Ellroy, dass es in den Vierzigern und Fünfzigern nicht besser war. Ich sage nur „L. A. Confidential“. Dank Peter Biskind und seinen seitenstarken Büchern über das Hollywoodkino der siebziger, achtziger und neunziger Jahre wissen wir, dass es später nicht schlechter wurde. Mit seinem 1969 spielendem „Once upon a Time in Hollywood“ (ebenfalls mit Margot Robbie und Brad Pitt) quetsche Quentin Tarantino sich dazwischen. Und die Coen-Brüder erzählen in ihrer Komödie „Hail, Caesar!“ von schwierigen Dreharbeiten in den Fünfzigern. Das mag, für alle, die sich nach Chazelles „Babylon“, weiter in mehr oder weniger erfundenen Hollywood-Skandalen suhlen wollen, an Tipps genügen.

Babylon – Rausch der Ekstase (Babylon, USA 2022)

Regie: Damien Chazelle

Drehbuch: Damien Chazelle

mit Brad Pitt, Margot Robbie, Diego Calva, Jean Smart, Jovan Adepo, Li Jun Li, P. J. Byrne, Lukas Haas, Olivia Hamilton, Tobey Maguire, Max Minghella, Rory Scovel, Katherine Waterston, Flea, Jeff Garlin, Eric Roberts, Ethan Suplee, Samara Weaving, Olivia Wilde, Joe Dallesandro, Marc Platt, Spike Jonze

Länge: 189 Minuten (vier Minuten kürzer als „Avatar: The Way of Water“)

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Babylon“

Metacritic über „Babylon“

Rotten Tomatoes über „Babylon“

Wikipedia über „Babylon“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Damien Chazelles „Whiplash“ (Whiplash, USA 2014)

Meine Besprechung von Damien Chazelles „La La Land“ (La La Land, USA 2016)

Meine Besprechung von Damien Chazelle „Aufbruch zum Mond“ (First Man, USA 2018)


TV-Tipp für den 11. September: I, Tonya

September 10, 2022

RTL II, 22.25

I, Tonya (I, Tonya, USA 2017)

Regie: Craig Gillespie

Drehbuch: Steven Rogers

Schön schwarzhumorige, auf wahren Ereignissen basierende Satire auf den American Way of Life: White-Trash-Eiskunstläuferin Tonya Harding kämpft um ihren Platz auf dem Siegerpodest. Nicht immer mit legalen Mitteln.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Margot Robbie, Sebastian Stan, Allison Janney, Julianne Nicholson, Paul Walter Hauser, Bobby Cannavale, Bojana Novakovic, Caitlin Carver, Maizie Smith, Mckenna Grace

Hinweise

Moviepilot über „I, Tonya“

Metacritic über „I, Tonya“

Rotten Tomatoes über „I, Tonya“

Wikipedia über „I, Tonya“ (deutsch, englisch)

History vs. Hollywood über „I, Tonya“

Meine Besprechung von Craig Gillespies „Fright Night“ (Fright Night, USA 2011)

Meine Besprechung von Craig Gillespies „I, Tonya“ (I, Tonya, USA 2017)


TV-Tipp für den 30. Mai: Once upon a Time in…Hollywood

Mai 29, 2022

ZDF, 22.15

Once upon a Time in…Hollywood (Once upon a Time in…Hollywood, USA 2019)

Regie: Quentin Tarantino

Drehbuch: Quentin Tarantino

TV-Premiere von Quentin Tarantions 9. Film. Einige richtige Story hat „Once upon a Time in…Hollywood“ nicht. Eigentlich geht es nur um ein entspanntes Abhängen mit TV-Schauspieler Rick Dalton (Leonardo DiCaprio) und seinem Stuntman Cliff Booth (Brad Pitt), die glorios in ihrem Selbstmitleid ertrinken. Daltons großer Hit, die TV-Westernserie „Bounty Law“, ist schon einige Jahre her, die neuen Rollen sind klein und schlecht und der Vorschlag seines Agenten, in einem Italowestern mitzuspielen, begeistert ih nicht. Das alles spielt 1969 in Hollywood an zwei Tagen im Februar und in einer Nacht im August 1969.

Once upon a Time in…Hollywood“ ist übervoll mit Anspielungen auf die Hollywood-Geschichte und die damalige Zeit, prächtig ausgestattetet, top besetzt und gespielt, sehr unterhaltsam, aber auch problematisch.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung (mit weiteren Clips und der Cannes-Pressekonferenz).

mit Leonardo DiCaprio, Brad Pitt, Margot Robbie, Emile Hirsch, Margaret Qualley, Timothy Olyphant, Dakota Fanning, Bruce Dern, Mike Moh, Damian Lewis, Al Pacino, Rafal Zawierucha, Damon Herriman, Lena Dunham, Rumer Willis, Clu Gulager, Kurt Russell, Zoë Bell, Michael Madsen, James Remar

Wiederholung: Mittwoch, 1. Juni, 01.00 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Moviepilot über „Once upon a Time in…Hollywood“

Metacritic über „Once upon a Time in…Hollywood“

Rotten Tomatoes über „Once upon a Time in…Hollywood“

Wikipedia über „Once upon a Time in…Hollywood“ (deutsch, englisch)

History vs. Hollywood erklärt einige Anspielungen

The Quentin Tarantino Archives (Fanseite)

Everthing Tarantino (dito)

Q-Tarantino.de (noch eine Fanseite)

Meine Besprechung von Georg Seeßlens „Quentin Tarantino gegen die Nazis – Alles über ‘Inglourious Basterds’“ (Kleine Schriften zum Film: 1, 2009)

Meine Besprechung von Quentin Tarantinos „Django Unchained“ (Django Unchained, USA 2012)

Kriminalakte über Quentin Tarantino und „Django Unchained“ (Bilder,Pressekonferenz und Comic)

Meine Bespechung von Quentin Tarantinos „The Hateful 8“ (The Hateful Eight, USA 2015)

Meine Besprechung von Quentin Tarantinos „Once upon a Time in…Hollywood“ (Once upon a Time in…Hollywood, USA 2019)

 Quentin Tarantino in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 1. November: Bombshell – Das Ende des Schweigens

Oktober 31, 2021

ZDF, 22.15

Bombshell – Das Ende des Schweigens (Bombshell, USA/Kanada 2019)

Regie: Jay Roach

Drehbuch: Charles Randolph

TV-Premiere. Gelungenes, nah an den Fakten entlang erzähltes, leicht satirisches Drama über die Klagen von Gretchen Carlson und Megyn Kelly gegen ihren Arbeitgeber Fox News.

Anschließend, um 23.55 Uhr, zeigt das ZDF im Rahmen seines #MeToo-Abends (der ruhig früher hätte beginnen können), ebenfalls als TV-Premiere, die spielfilmlange Doku „Unantastbar – Der Fall Harvey Weinstein“ (Großbritannien 2019).

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Charlize Theron, Nicole Kidman, Margot Robbie, John Lithgow, Kate McKinnon, Allison Janney, Connie Britton, Mark Duplass, Nazanin Boniadi, Malcolm McDowell

Wiederholung: Mittwoch, 3. November, 01.00 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Bombshell“

Metacritic über „Bombshell“

Rotten Tomatoes über „Bombshell“

Wikipedia über „Bombshell“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Jay Roachs „Trumbo“ (Trumbo, USA 2015)

Meine Besprechung von Jay Roachs „Bombshell – Das Ende des Schweigens“ (Bombshell, USA/Kanada 2019)


Neu im Kino/Filmkritik: „The Suicide Squad“ beim Inselbesuch

August 5, 2021

Nach dem hoffnungslos vermurksten DC-Film „Suicide Squad“ konnte jede Fortsetzung, die gleichzeitig ein Neustart ist, nur besser sein. Die Frage war nur, wieviel besser James Gunns „The Suicide Squad“ ist.

Gunn ist spätestens seit seinen beiden „The Guardians of the Galaxy“-Marvel-Filmen ein bei Fanboys bekannt-beliebter Regisseur, der schon für den dritten Film engagiert war. Dann gab es ein unerfreuliches Hin und Her wegen alter Tweets. Er wurde zuerst gefeuert, es gab Proteste dagegen, danach wurde er wieder engagiert und demnächst inszeniert er seinen dritten „Guardians of the Galaxy“-Film. Davor drehte er für das konkurrierende DC-Kinouniversum, das aktuell eine umfassende und nötige Neuausrichtung erfährt, „The Suicide Squad“.

Vor dem Dreh ließ der bekennende Comic-Junkie sich zusichern, dass er machen dürfte, was er wolle. Dazu gehört, dass der Film blutig sein darf (seit dem Erfolg von „Deadpool“ dürfen Superheldenfilme eine höhere Altersfreigabe haben), dass er nach Belieben das Team aus bekannten und unbekannten Figuren zusammen stellen kann und dass er jedes Teammitglied umbringen dürfte. Das war nach dem ersten „Suicide Squad“ wohl auch kein großes Problem. Denn besonders beliebt ist der Film unter den Fans nicht. Von den damaligen Mitgliedern des ziemlich blassen Selbstmordkommandos ist nur Harley Quinn (Margot Robbie) allgemein beliebt. Nachdem sie schon einen Solo-Film bekommen hat, ist sie jetzt wieder dabei. Viola Davis spielt wieder Amanda Waller, die skrupellose Oberbefehlshaberin der von ihr zusammengestellten Selbstmordkommandos (und sie hat wieder zu wenige Szenen). Joel Kinnaman ist wieder als Colonel Rick Flag dabei. Wahrscheinlich durfte er die Rolle wieder übernehmen, weil er beim letzten Mal nicht besonders auffiel und irgendein Karrieresoldat das Kindermädchen für die aus vollkommen durchgeknallten, zu Höchststrafen verurteilten Verbrechern bestehende Selbstmordtruppe spielen muss. Das sind dann auch schon die für die neue Mission wichtigen Figuren, die James Gunn aus dem vorherigen Film übernahm.

Letztendlich stellte er eine vollkommen neue „Suicide Squad“ zusammen und bringt die meisten Mitglieder dieses Selbstmordkommandos gleich in den ersten Minuten an einem Inselstrand um. Wer in den vergangenen Wochen und Monaten einen der zahllosen Trailer und Featurettes gesehen hat, muss sich in diesem Moment schon von einigen in ihnen prominent gezeigten Gesichtern verabschieden – und kann sich ausrechnen, wer bessere und wer schlechtere Überlebenschancen hat.

In dem Moment betritt nämlich einige Meter weiter eine andere, von ‚Bloodsport‘ Robert DuBois (Idris Elba) angeführte Suicide Squad die Insel Corto Maltese. Sie müssen nach Jotunheim, einer festungsähnlichen Forschungseinrichtung, und dort die für die USA unangenehmen Reste von Projekt Starfish beseitigen. Begonnen wurde das Projekt von den Nazis, die in dem Actionfilm nicht weiter erwähnt werden.

Das danach folgende Abenteuer ist eine blutige Geschichte im Stil eines Actionthrillers der siebziger/achtziger Jahre, als ein oder mehrere Soldaten oder Söldner im Auftrag der US-Regierung einen geheimen Auftrag in irgendeinem lateinamerikanischem Land ausführen und dabei über Leichen gehen konnten. Immer nach der Methode ‚Gewalt ist gut, exzessive Gewalt ist besser‘. Also wird blutig gestorben, geköpft, Glieder abgeschlagen oder auch mal ein Mensch halbiert. Gerne garniert mit einem zynischen Spruch.

In „The Suicide Squad“ kommt dann noch das Wissen um die Comic-Ursprünge der Geschichte hinzu. Alles ist noch eine Spur lauter, greller und plakativer. Alle Mitglieder und der Oberbösewicht, selbstverständlich ein durchgeknallter Wissenschaftler, sind in ihrem Wesen überlebensgroß. Superkräfte, wie wir sie von den Superhelden aus Comics und Filmen kennen, hat kein Mitglied der Suicide Squad. Aber sie haben manchmal beeindruckende Fähigkeiten und beeindruckend Waffen; wobei manche dieser Waffen sich beeindruckend unpraktisch für einen Kampf gegen Schusswaffen und Handgranaten erweisen. Und kein Mitglied von Bloodsports Truppe ist ein Genie. Diese Verbrecher sind halt eine neue Ausgabe des „Dreckigen Dutzend“, die für die Mission erpresst wurden und, wenn sie denn überleben, eine Straferleichterung erhalten. Denn wie in dem Kriegsfilmklassiker ist für jedes Mitglied der Einheit der Tod wahrscheinlicher als das Überleben der Mission.

Und dann gibt es noch ein unmögliches, aber sympathisches Wesen. In „The Guardians of the Galaxy“ war das der Baum Groot. In „The Suicide Squad“ ist es ein menschenfressender, dummer, aber auch irgendwie liebenswerter Hai King Shark (im Original von Sylvester Stallone gesprochen). Nachdem er von Ratcatcher 2 (ihre Superfähigkeit: gut im Umgang mit Ratten) überzeugt wurde, dass er, wenn er hungrig ist, die Mitglieder des Selbstmordkommandos nicht essen soll, ist er eigentlich ein ganz lieber Kumpel, der keiner Fliege was antun kann; – gut, wahrscheinlich weil er davon nicht satt wird und er während der Mission genug Bösewichter essen kann.

James Gunn erzählt diese vollkommen absurde Geschichte in einer gelungenen Mischung aus derbem Humor, brachialer Action, blutiger Gewalt und überhöhten Comic-Images, unterlegt mit etlichen bekannten Songs. Das macht „The Suicide Squad“ zur auf der Erde spielende Hardcore-Version von „The Guardians of the Galaxy“.

The Suicide Squad (The Suicide Squad, USA 2021)

Regie: James Gunn

Drehbuch: James Gunn

mit Idris Elba, Margot Robbie, Viola Davis, John Cena, Joel Kinnaman, Jai Courtney, Peter Capaldi, David Dastmalchian, Daniela Melchior, Michael Rooker, Alice Braga, Peter Davidson, Joaquin Cosio, Juan Diego Botto, Storm Reid, Nathan Fillion, Steve Agee, Sean Gunn, Mayling Ng, Flula Borg, Jennifer Holland, Tinashe Kajese, Sylvester Stallone (nur Stimme, nur im Original), John Ostrander, Taika Waititi

Länge: 132 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „The Suicide Squad“

Metacritic über „The Suicide Squad“

Rotten Tomatoes über „The Suicide Squad“

Wikipedia über „The Suicide Squad“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von James Gunns „Guardians of the Galaxy“ (Guardians of the Galaxy, USA 2014) und der DVD

Meine Besprechung von James Gunns „Guardians of the Galaxy Vol. 2“ (Guardians of the Galaxy Vol. 2, USA 2017)


TV-Tipp für den 28. Februar: I, Tonya

Februar 27, 2021

RTL II, 20.15

I, Tonya (I, Tonya, USA 2017)

Regie: Craig Gillespie

Drehbuch: Steven Rogers

TV-Premiere. Schön schwarzhumorige, auf wahren Ereignissen basierende Satire auf den American Way of Life: White-Trash-Eiskunstläuferin Tonya Harding kämpft um ihren Platz auf dem Siegerpodest. Nicht immer mit legalen Mitteln.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Margot Robbie, Sebastian Stan, Allison Janney, Julianne Nicholson, Paul Walter Hauser, Bobby Cannavale, Bojana Novakovic, Caitlin Carver, Maizie Smith, Mckenna Grace

Wiederholung: Montag, 1. März, 02.25 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Moviepilot über „I, Tonya“

Metacritic über „I, Tonya“

Rotten Tomatoes über „I, Tonya“

Wikipedia über „I, Tonya“ (deutsch, englisch)

History vs. Hollywood über „I, Tonya“

Meine Besprechung von Craig Gillespies „Fright Night“ (Fright Night, USA 2011)

Meine Besprechung von Craig Gillespies „I, Tonya“ (I, Tonya, USA 2017)


TV-Tipp für den 25. November: Z for Zachariah

November 24, 2020

Tele 5, 20.15

Z for Zachariah – Das letzte Kapitel der Menschheit (Z for Zachariah, USA 2015)

Regie: Craig Zobel

Drehbuch: Nissar Modi

LV: Robert C. O’Brien: Z for Zachariah, 1974 (Z wie Zacharias)

Nach einer nuklearen Katastrophe lebt die junge Ann allein auf der malerisch in einem Tal gelegenen elterlichen Farm. Bis nacheinander zwei unterschiedliche Männer kommen.

TV-Premiere eines Zweipersonenstücks, das zu einem Dreipersonenstück wird und eher kontemplativ ist. Zobels unter seinen Möglichkeiten bleibendes SF-Drama spricht eher geduldige Zuschauer an, die damit leben können, dass einiges im Dunkeln bleibt, einiges nur angedeutet wird und potentiell interessante und wichtige Fragen und Themen nicht vertieft werden. Das gilt vor allem für die Rolle des Glaubens, Fragen des Rassismus und männliches Dominanzverhalten. Außerdem ist die Bedrohung für die letzten Menschen (es geht um Radioaktivität) ein deutlicher Hinweis auf das Alter der Buchvorlage.

Oder mit den Worten des „Lexikon des internationalen Films“: „Prominent besetzter Endzeit-Film, der sich die Voraussetzungen für spannende Grundsatzfragen und Konflikte erarbeitet, die er letztlich allerdings allzu leicht auflöst.“

mit Margot Robbie, Chiwetel Ejiofor, Chris Pine

Wiederholung: Donnerstag, 26. November, 02.10 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Z for Zachariah“

Wikipedia über „Z for Zachariah“ (deutsch, englisch)