Drehbuch: Ben Affleck, Peter Craig, Aaron Stockard
LV: Chuck Hogan: Prince of Thieves, 2004 (Endspiel)
Bankräuber Doug MacRay überfällt mit drei Freunden eine Bank und verliebt sich anschließend in die Filialleiterin, die sie auf der Flucht als Geisel mitgenommen hatten. Jetzt will er aussteigen. Davor muss er allerdings noch seinen letzten Coup durchführen.
Nach der tollen Dennis-Lehane-Verfilmung „Gone Baby Gone“ blieb Ben Affleck in seiner zweiten Regiearbeit dem Genre und Boston treu. „The Town“ ist gutes altmodisches Erzählkino, bei dem die Story, die Charaktere und ihr Umfeld im Vordergrund stehen. In seinen wenigen Actionszenen und in der Struktur erinnert „The Town“ teilweise an Michael Manns „Heat“ – und das ist durchaus anerkennend gemeint. Ein feiner Gangsterfilm.
Da ist es auch egal, dass die Zahl der Banküberfälle in Boston viel geringer ist, als im Film behauptet wird und dass das Viertel Charlestown in den vergangenen Jahrzehnten gentrifiziert wurde. Jetzt sitzen da ganz andere Räuber.
Chuck Hogan erhielt für seinen Roman „Endspiel“, der Vorlage für „The Town“, den Hammett-Preis und auch Stephen King (ein passionierter Blurber) war begeistert.
mit Ben Affleck, Rebecca Hall, Jon Hamm, Jeremy Renner, Pete Postlethwaite, Chris Cooper
Wiederholung: Freitag, 10. Mai, 00.30 Uhr (Taggenau! – Und um die Uhrzeit sollte in jedem Fall die ungekürzte Kinoversion gezeigt werden)
Okay, die Frage bei einem neuen Riesenmonsterfilm ist nicht, ob das Drehbuch höchsten intellektuellen Ansprüchen genügt oder ob die Schauspieler mit ihrem Spiel in einigen Monaten eine Oscar-Nominierung erhalten, sondern ob, in diesem Fall, Godzilla und Kong ordentlich Großstädte zerstören und ob die Effekte gut sind. Wobei uns in den alten japanischen Godzilla-Filmen die teilweise lachhaft schlechten Spezialeffekte überhaupt nicht störten.
Die Antwort ist: teilsteils. Die Effekte sind über weite Strecken ziemlich gut. Aber manchmal sehen Kong und die anderen Kaijū-Monster doch arg computergeneriert aus. Zerstört wird fast nichts. Wenn wir die Montage am Filmanfang weglassen, wird nur einiges in der unberührten Wildnis der Hohlerde und, am Filmende, die Großstadt Rio de Janeiro zerstört. Fast der gesamte Film spielt in der Hohlerde. Und da sieht alles noch wie zu seeligen Dinosaurierzeiten aus. Außerdem ist Adam Wingards neuer Godzilla/Kong-Film „Godzilla x Kong: The New Empire“ vor allem ein Kong-Film. Godzilla verbringt fast den gesamten Film schlafend in Rom im Colloseum. Auch im Finale hätte man ihn nicht unbedingt gebraucht.
Die Story ist vernachlässigbar. Irgendwie geht es um eine Bedrohung die aus einer bislang unbekannten Ebene unterhalb der Hohlerde kommt und bei der es sich größtenteils um Artgenossen von Kong handelt. Der Hauptbösewicht der Bande ist der Skar King. Er und seine Bande wollen jetzt die Welt zerstören.
Zwischen den Betrachtungen aus dem Tierleben laufen, vor allem in der ersten Hälfte, einige Menschen durchs Bild. Es sind Dr. Ilene Andrews (Rebecca Hall), eine bei der Kong, Godzilla, mögliche weitere Kaijū-Monster und die Hohlerde erforschenden Wissenschaftsorganisation Monarch angestellte Wissenschaftlerin, ihre stumme Adoptivtochter Jia (Kaylee Hottle) und der über weite Strecken des Films nur nervige Verschwörungstheoretiker Bernie Hayes (Brian Tyree Henry) (wahrscheinlich ein Fan-Favorit). Sie sind aus dem vorherigen Godzilla/Kong-Film „Godzilla vs. Kong“ bekannt. Trapper (Dan Stevens), eine ziellose Mischung aus Godzilla-Zahnarzt, Freigeist und Abenteurer, ist neu dabei. Als in der Hohlerde der Kontakt zu einer Station abreißt, fliegen sie, begleitet von einem bewaffneten Piloten (er ist der einzige, der eine Waffe dabei hat), zu der Station. Dort treffen sie auch auf ein Urvolk, die Iwi, die mit Jia verwandt sind.
Die ziemlich sinnfreie Geschichte, die Regisseur Adam Wingard, der bereits den Vorgänger „Godzilla vs. Kong“ inszenierte, und die Drehbuchautoren Terry Rossio, Simon Barrett und Jeremy Slater erfanden, bedient sich, sobald unsere tapferen Reisenden in der Hohlerde sind, bei dem aus Kolonialgeschichten und „The Lost World“ bekanntem Fundus von tropischen Wäldern, gefährlichen Tieren, unberührten Naturvölkern und unermesslichen Reichtümern, die irgendwo in dieser Welt versteckt sind. Auf die Schätze, die es in der Hohlerde geben könnte, wird dieses Mal noch nicht eingegangen. Aber villeicht im nächsten Godzilla/Kong-Actionkracher.
Im Gegensatz zu den altbekannten Geschichten, in denen nur weiße Männer fremde Welten erkundeten, sind die menschlichen Besucher der fremden Welt jetzt weiblicher und diverser als früher. Und es fehlt ein menschlicher Bösewicht, der irgendwann die Guten umbringen will. Das stört jetzt nicht unbedingt. Denn in „Godzilla x Kong: The New Empire“ stehen die Menschen eindeutig auf der Zuschauertribüne, während sich die Kaijū-Monster leinwandfüllend Glieder abreißen und Köpfe einschlagen.
Wem das genügt, der wird in diesem Kong-Film eine halbwegs gute Zeit verbringen. Denn die Durststrecken zwischen den sinnfreien Monsterkloppereien sind so lang, dass ich mir wünschte, Roland Emmerich hätte den Film inszeniert.
Godzilla x Kong: The New Empire (Godzilla x Kong: The New Empire, USA 2024)
Regie: Adam Wingard
Drehbuch: Terry Rossio, Simon Barrett, Jeremy Slater (nach einer Geschichte von Terry Rossio, Adam Wingard und Simon Barrett, basierend auf der Figur „Godzilla“)
mit Rebecca Hall, Brian Tyree Henry, Dan Stevens, Kaylee Hottle, Alex Ferns, Fala Chen, Rachel House
Drehbuch: Eric Pearson, Max Borenstein (nach einer Geschichte von Terry Rossio, Michael Dougherty und Zach Shields)
Die Story: naja, die Riesenechse Godzilla und der Riesenaffe Kong kloppen sich und zerlegen dabei einige Hochhäuser.
Viel mehr passiert nicht in diesem dummen Sommer-Blockbusterfilm. Aber „Godzilla vs. Kong“ war nach den wirklich fetten Pandemie-Einschränkungen der erste Film, den ich im größten Saal des Zoo Palastes in der Pressevorführung, aufgrund der damals gültigen Vorschriften, mit sehr wenigen anderen Zuschauern und ohne Maske sehen durfte. Rechnerisch gesehen kamen, so ungefähr, auf jede anwesende Person deutlich über hundert Sitzplätze. Ich saß da wie ein kleines Kind und starrte mit großen Augen auf die Leinwand, während es um mich herum aus allen Boxen krachte und schepperte und dachte nur: „Kino. Das ist Kino. Endlich wieder Kino.“
Das Publikum sah es wenige Tage später ähnlich. Mit 134000 Zuschauern war die Monsterklopperei der erfolgreichste neu gestartete Titel. Für die deutschen Kinos galten damals noch unterschiedliche Hygienevorschriften und Sitzplatzbegrenzungen.
A rainy Day in New York (A rainy Day in New York, USA 2019)
Regie: Woody Allen
Drehbuch: Woody Allen
Während seine Freundin Ashleigh sich für die Studentenzeitung an einem verregneten Tag in New York mit dem von ihr bewunderten Arthaus-Regisseur Roland Pollard trifft, bummelt ihr wohlhabender Freund Gatsby durch die Stadt und trifft dabei einige alte Bekannte.
TV-Premiere. Typisches Alterswerk von Woody Allen.
Sein fünfzigster Film „Ein Glücksfall“ startet am 11. April in den deutschen Kinos.
mit Timothée Chalamet, Elle Fanning, Selena Gomez, Jude Law, Diego Luna, Liev Schreiber, Annaleigh Ashford, Rebecca Hall, Cherry Jones, Will Rogers, Kelly Rohrbach
Drehbuch: Ben Affleck, Peter Craig, Aaron Stockard
LV: Chuck Hogan: Prince of Thieves, 2004 (Endspiel)
Bankräuber Doug MacRay überfällt mit drei Freunden eine Bank und verliebt sich anschließend in die Filialleiterin, die sie auf der Flucht als Geisel mitgenommen hatten. Jetzt will er aussteigen. Davor muss er allerdings noch seinen letzten Coup durchführen.
Nach der tollen Dennis-Lehane-Verfilmung „Gone Baby Gone“ blieb Ben Affleck in seiner zweiten Regiearbeit dem Genre und Boston treu. „The Town“ ist gutes altmodisches Erzählkino, bei dem die Story, die Charaktere und ihr Umfeld im Vordergrund stehen. In seinen wenigen Actionszenen und in der Struktur erinnert „The Town“ teilweise an Michael Manns „Heat“ – und das ist durchaus anerkennend gemeint. Ein feiner Gangsterfilm.
Da ist es auch egal, dass die Zahl der Banküberfälle in Boston viel geringer ist, als im Film behauptet wird und dass das Viertel Charlestown in den vergangenen Jahrzehnten gentrifiziert wurde. Jetzt sitzen da ganz andere Räuber.
Chuck Hogan erhielt für seinen Roman „Endspiel“, der Vorlage für „The Town“, den Hammett-Preis und auch Stephen King (ein passionierter Blurber) war begeistert.
mit Ben Affleck, Rebecca Hall, Jon Hamm, Jeremy Renner, Pete Postlethwaite, Chris Cooper
Einmal schnell – mit der selbstgewählten Option über einige Filme, je nach Zeit, mehr zu schreiben: die Filme, die heute starten. Auf der einen Seite der Skala ein Blockbuster für die große Leinwand („Godzilla vs. Kong“). Auf der anderen Seite der diesjährige Oscar-Gewinner („Nomadland“). Dazwischen ein deutscher Science-Fiction-Film („Ich bin dein Mensch“), Dramen und Action. Denn „Nobody“ verlässt den Raum.
„Godzilla vs. Kong“ ist ein Spektakel, das für die große Leinwand gemacht ist. Die Story wurde schon vor dem Schreiben des Drehbuchs weggeworfen zugunsten einiger, teils vollkommen abstruser Szenen, die Schauspieler sind noch nicht einmal unterfordert von den anderthalb verlangten Gesichtsausdrücken, aber wenn dann King Kong und Godzilla sich kloppen und dabei Hongkong zerstören, die Boxen im Kino mit großem Wumms dröhnen, dann, ja, dann bleibt nur die Erkenntnis: KINO IST ZURÜCK! ENDLICH.
Ich gebe zu, dass ich den Film im Zoopalast in Berlins größtem Kinosaal sah, Monster auf einer Monsterleinwand überwältigend sind und es einer der ersten Filme war, die ich nach der monatelangen Pause im Kino sehen konnte. Das alles förderte meine Begeisterung.
Davon abgesehen ist „Godzilla vs. Kong“ ein dummer Sommer-Blockbuster, der genau das sein will und dessen Existenzberechtigung im Titel steht. Godzilla, King Kong und, – ähem, das wäre jetzt ein Spoiler.
Godzilla vs. Kong (Godzilla vs. Kong, USA 2021)
Regie: Adam Wingard
Drehbuch: Eric Pearson, Max Borenstein (nach einer Geschichte von Terry Rossio, Michael Dougherty und Zach Shields)
mit Alexander Skarsgård, Millie Bobby Brown, Rebecca Hall, Brian Tyree Henry, Kyle Chandler, Shun Oguri, Eiza González, Julian Dennison, Demián Bichir
„Nomadland“ ist das Gegenteil. Ein kleines Indie-Drama mit einer gewohnt fantastischen Frances McDormand, die hier die Nomadin Fern spielt.
Nach dem Verlust von Mann, Job und Haus entschloss Fern sich 2011 (also während der Nachwirkungen der Finanzkrise), ihre Sachen zu packen. Seitdem lebt sie in ihrem Wohnwagen, fährt von schlechtbezahltem Job zu schlechbezahltem Job und genießt, wie viele andere Menschen, die Freiheiten des Nomadenlebens.
Chloé Zhao („The Rider“) zeigt quasi-dokumentarisch das Leben dieser Nomaden und ihrer Gemeinschaft. Wieder drehte sie mit Laien, die sich selbst spielen. Und wieder ist da kein falscher Ton zu spüren.
Bei den diesjährigen Oscars wurde ihre Charakterstudie „Nomadland“ als bester Film, für die beste Regie und die beste Hauptrolle ausgezeichnet. Golden Globes gab es als bester Film und für die beste Regie. Um nur die bekanntesten Preise zu nennen. Insgesamt erhielt der Film, laut IMDB, über 230 Preise.
Zhaos karge Charakterstudie ist großes großartiges Kino mit Bildern, die für die große Leinwand komponiert sind. In diesem Fall (und, Ich verspreche!, in den folgenden Zeilen werde ich nicht mehr erwähnen, wo ich die Filme gesehen habe) musste ich den Film am Computer sehen und ich dachte die ganze Zeit nur „ich will den Film im Kino sehen“.
Nomadland (Nomadland, USA 2020)
Regie: Chloé Zhao
Drehbuch: Chloé Zhao
LV: Jessica Bruder: Nomadland: Surviving America in the Twenty-First Century, 2017 (Nomaden der Arbeit, Sachbuch)
mit Frances McDormand, David Strathairn, Linda May, Swankie, Bob Wells
„Percy“ erzählt nah an den Fakten und angenehm altmodisch die Geschichte von Percy Schmeiser. Der Kanadier ist ein Farmer der alten Schule, der die besten Samen der vorherigen Ernte aufbewahrt und nächstes Jahr wieder aussät. Genau so haben Bauern seit Jahrhunderten gearbeitet. Bis Konzerne Firmen wie Monsanto genmanipulierte Saatgut anboten. Diese sind resistent gegen bestimmte Unkrautvernichtungsmittel, was für die Bauern natürlich eine Arbeitserleichterung ist. Für Monsanto sind sie ein großes Geschäft. Denn sie haben Patente dafür erworben und die Bauern müssen jedes Jahr bei ihnen neue Samen kaufen. Ein Monokulturen förderndes Riesengeschäft, das von Umwelt- und Dritte-Welt-Bewegungen seit Jahrzehnten kritisiert wird.
Percy hatte damit nichts zu tun, bis Monsanto 1997 auf seinen Feldern Spuren von ihren Samen nachwies und ihn verklagte. Im Gegensatz zu anderen Farmern zog Percy Schmeiser vor Gericht.
Clark Johnson erzählt in seinem Justizdrama „Percy“ jetzt die Geschichte von Percy Schmeiser und seinem Kampf gegen Monsanto nach. Das tut er, indem er sich auf das Drehbuch und die Schauspieler – Christopher Walken als Percy Schmeiser, Zach Braff als sein Anwalt, Christina Ricci als Aktivistin – verlässt. Eine kluge Entscheidung.
Percy (Percy, Kanada 2020)
Regie: Clark Johnson
Drehbuch: Garfield Lindsay Miller, Hilary Pryor
mit Christopher Walken, Christina Ricci, Zach Braff, Luke Kirby, Roberta Maxwell, Adam Beach, Martin Donovan
Auch „Der Spion“ beeindruckt nicht durch Spektakel (das hatten wir schon in „Godzilla vs. Kong“), sondern mit seinen Schauspielern. Die Geschichte basiert ebenfalls auf Tatsachen. Jedenfalls soweit man das weiß, wenn es um Geheimagenten und ihre Arbeit geht.
Der britische Geheimdienst MI6 und der amerikanische Geheimdienst CIA engagieren im November 1960 den harmlosen, leicht schmierigen Geschäftsmann Greville Wynne (Benedict Cumberbatch), der immer wieder mit Ostblockstaaten Geschäfte macht. Er soll den Kontakt zu dem hochrangigen Sowjetoffizier Oleg Penkowski (Merab Ninidze) herstellen. Penkowski möchte nämlich den Westmächten geheime Informationen zuspielen.
MI6 und CIA sind sich sicher, dass der KGB keinen Verdacht schöpfen wird, wenn Wynne sich mit Penkowski trifft. Womit sie nicht rechneten, ist, dass die beiden gegensätzlichen Männer sich befreunden. Als Penkowski aufzufliegen droht und der MI6 nichts für ihn unternehmen will, will Wynne seinen Freund retten.
„Der Spion“ ist unauffälliges Schauspielerkino mit viel frühsechzigerjahre Patina. Fans des Genres denken bei der Geschichte von Wynne, der über seine Erlebnisse als Spion zwei Bücher mit zweifelhaftem Wahrheitsgehalt schrieb, natürlich sofort an John le Carrés „Das Russland-Haus“ und die grandiose Verfilmung von Fred Schepisi mit Sean Connery.
Das ist nicht schlecht, aber auch nicht unbedingt ein Film, den man sich im Kino ansehen muss.
Der Spion (The Courier, Großbritannien 2020)
Regie: Dominic Cooke
Drehbuch: Tom O’Connor
mit Benedict Cumberbatch, Merab Ninidze, Rachel Brosnahan, Jessie Buckley, Angus Wright, James Schofield, Anton Lesser
Der neueste Film aus dem „Conjuring“-Universum ist, nach Spin-offs und Vorgeschichten, „Conjuring 3: Im Bann des Teufels“ und damit ein Film aus der Hauptreihe. Wieder wird ein wahrer Fall der Geisterjäger Ed und Lorraine Warren erzählt. Dieses Mal ist es der Brookfield Demon Murder Case.
Am 16. Februar 1981 ermordet der junge Arne Cheyenne Johnson seinen Freund bestialisch. Sein Verteidiger würde auf irgendeine Form von verminderter Zurechnungsfähigkeit plädieren. Aber die Warrens sind schon vor Ort und sie wissen, dass Johnson von einem besonders fiesem Dämonen besessen ist und genau darauf soll die Verteidigung aufbauen. Die nötigen Beweise wollen sie beschaffen.
Der neueste „Conjuring“-Film läuft für meinen Geschmack zu sehr in den Bahnen eines gewöhnlichen Justizkrimis ab, in dem die tapferen Ermittler während der Verhandlung die Beweise für die Unschuld des Angeklagten suchen und in letzter Sekunde finden. Da ist es wirklich einerlei, ob der Angeklagte unschuldig ist, nicht zurechnungsfähig (beispielsweise wegen Opioid-Gebrauch) oder gerade von einem Dämonen besessen war. Das ist eine Frage der Fakten und der Verteidigungsstrategie.
Weil „Conjuring 3“ ein Horrorfilm ist, interessiert sich Regisseur Michael Chaves weniger für rechtstechnische Details und Verteidigungsstrategien, sondern für Geister, Dämonen und Teufelsaustreibungen mit Hilfe der katholischen Kirche.
James Wan, der Regisseur der vorherigen „Conjuring“-Filme ist dieses Mal nur als Autor und Produzent involviert.
Conjuring 3: Im Bann des Teufels(The Conjuring: The Devil made me do it, USA 2021)
Regie: Michael Chaves
Drehbuch: David Leslie Johnson-McGoldrick (nach einer Geschichte von James Wan und David Leslie Johnson-McGoldrick)
mit Patrick Wilson, Vera Farmiga, Ruairi O’Connor, Sarah Catherine Hook, Julian Hilliard
Mit einer anderen Sorte von Nicht-Mensch muss Alma sich in „Ich bin dein Mensch“ auseinandersetzen.
Alma soll für drei Wochen einen menschenähnlichen Roboter testen und danach ein Gutachten schreiben. Es geht um die Frage, ob Ehen zwischen Mensch und Maschine erlaubt werden sollen. Dafür wird ihr Tom zugeteilt. Er wurde extra für sie konfiguriert, nachdem in umfangreichen Test Almas Wünsche und Sehnsüchte erforscht wurden. Der Android ist dann auch das Inbild eines Traummanns: gutaussehend, höflich, umsorgend, perfekt im Haushalt und allwissend. Nur seine Bewegungen, Mimik und, selten, Sprachrhythmus verraten, dass Tom kein Mensch ist.
In ihrem neuen Film „Ich bin dein Mensch“ beschäftigt Maria Schrader („Vor der Morgenröte“) sich mit der Frage, was Androiden von Menschen unterscheidet, was Gefühle sind und damit auch und vor allem, was das Menschsein und die menschliche Gesellschaft ausmacht. Das erzählt sie mit Hilfe eines immer wieder überraschend humorvollen Drehbuchs, guten Schauspielern und einer eleganten Kamera und Bildgestaltung (Benedict Neuenfels).
„Ich bin dein Mensch“ ist ein feiner, auf der Berlinale abgefeierter, zum Nachdenken anregender Film und einer der besten deutschen Filme des Jahres.
Maren Eggert erhielt einen Silbernen Bären für ihre schauspielerische Leistung.
Ich bin dein Mensch (Deutschland 2021)
Regie: Maria Schrader
Drehbuch: Jan Schomburg, Maria Schrader
LV: Emma Braslavsky: Ich bin dein Mensch, 2019 (Kurzgeschichte, in „2029 – Geschichten von Morgen“)
mit Maren Eggert, Dan Stevens, Sandra Hüller, Hans Löw, Wolfgang Hübsch, Annika Meier, Falilou Seck, Jürgen Tarrach, Henriette Richter-Röhl, Monika Oschek
‚Wie der Vater, so der Sohn‘ ist ein dummer Spruch, der in diesem Fall zutrifft. Denn Brandon Cronenbergs „Possessor“ sieht wie ein Horrorfilm seines Vaters David Cronenberg aus den Siebzigern aus. Auch die Geschichte könnte von David Cronenberg stammen.
Eine geheimnisumwitterte Firma hat eine Technik entwickelt, mit der man in fremde Gehirne eindringen und diese Menschen dann zu bestimmten Handlungen bewegen kann. Die Firma bietet dabei vor allem eine Dienstleistung an: Mord. Und zwar Morde, die sonst nicht durchführbar wären. Jedenfalls nicht so.
Eine ihrer Agentinnen ist Vos. Sie hadert zunehmend mit den Folgen der Aufträge für ihre Psyche. Immer weniger kann sie zwischen ihrer Arbeit in fremden Köpfen und ihrem Privatleben mit ihrer Familie unterscheiden.
Brandon Cronenberg inszenierte seinen Horrorfilm „Possessor“ als Hommage an die frühen Bodyhorrorfilme von David Cronenberg. Die Farbgebung, die Erzählgeschwindigkeit, die Kamerabewegungen, der Ton, die Tricks (bei den Morden wird nach der Methode „zuviel rotes Blut kann es nicht geben“ vorgegangen), die minimalistischen, futuristisch aussehenden Sets und die von der Firma verwandten Technik erinnern alle an David Cronenbergs Frühwerk.
Allerdings fehlt in „Possessor“ die damalige Gesellschaftskritik und das Ende, das sich um eine Antwort auf die wichtigen im Film gestellten Fragen drückt, ist äußerst unbefriedigend.
„Possessor“ ist primär L’Art pour l’art, die einen, wegen dem was zu sehen ist und dem was nicht zu sehen ist, mit einem gewaltigen Gefühl des Unwohlseins über das Eindringen in fremde Körper zurücklässt.
Und gerade das macht diesen Horrorfilm sehenswert.
Posessor (Possessor, Kanada/Großbritannien 2020)
Regie: Brandon Cronenberg
Drehbuch: Brandon Cronenberg
mit Andrea Riseborough, Christopher Abbott, Rossif Sutherland, Sean Bean, Jennifer Jason Leigh
Hutch Mansell (Bob Odenkirk) ist auf den ersten Blick ein ganz gewöhnlicher Mann, der ein ganz gewöhnliches Leben lebt mit einem langweiligen Job, Frau und Kindern. Er ist ein richtiger Nobody. Als zwei Einbrecher bei ihnen einbrechen, überwältigt er sie, als er die Chance hat, nicht. Stattdessen legt er den Golfschläger zur Seite und lässt sie mit der Beute ziehen. Seine Kinder halten ihn für ein Weichei. Dass der Revolver, den die Einbrecherin in der Hand hielt, nicht geladen war und er deshalb nicht zuschlug, sagt er ihnen nicht.
Als seine Tochter kurz darauf ihr heißgeliebtes Kitty-Cat-Armband vermisst, beginnt Hutch die Einbrecher zu suchen. Das ist der Auftakt für eine ungeahnte Gewaltorgie. Denn Hutch war nicht immer der harmlose Vorstadtdaddy.
„Nobody“ ist ein B-Picture-Actionkracher mit viel Gewalt, trockenem Humor und gut(gelaunt)en Schauspielern. Erfunden wurde die Geschichte von Derek Kolstadt (Drehbuch, Produktion) und David Leitch (Produktion), die auch in die „John Wick“-Filme involviert sind und die Geschichte von Hutch Mansell ähnelt der von John Wick. Denn der Unterschied zwischen einem Kinderarmband und einem Hund als Anlass für eine besinnunglose Gewaltorgie ist letztendlich minimal. Auch die Ausbildung von Hutch Mansell und John Wick ähnelt sich. Wobei Hutch Mansell früher für eine andere Institution als John Wick arbeitete und er am Ende mit der Hilfe von seinem Vater und einigen alten Freunden gegen die Bösewichter kämpft.
Das ist ein großer Spaß für kleine Jungs. Eine Fortsetzung ist nicht nötig. Obwohl Derek Kolstadt anscheinend schon an einer arbeitet und sie angesichts des bisherigen Einspiels unvermeindlich erscheint. Ein Crossover mit John Wick ist, weil die Filme von verschiedenen Studios produziert wurden, unwahrscheinlich und für mein Empfinden auch vollkommen unnötig.
Nobody(Nobody, USA 2021)
Regie: Ilya Naishuller
Drehbuch: Derek Kolstad
mit Bob Odenkirk, Connie Nielsen, RZA, Aleksey Serebryakov, Christopher Lloyd, Michael Ironside, Billy MacLellan, Gage Munroe
Unnötig beschreibt „Monster Hunter“ treffend. Dieses Mal schickt Paul W. S. Anderson seine Frau Milla Jovovich in die Wüste.
Jovovich spielt Captain Artemis. Zusammen mit ihrem Team geraten sie während eines gefährlichen Militäreinsatzes in der Wüste in einen Sandsturm, der sie in ein Paralleluniversum schleudert, in dem es noch mehr Sand und viele, riesige und sehr gefährliche Monster gibt.
„Monster Hunter“ ist, wie die ebenfalls von Anderson mit Jovovich inszenierten „Resident Evil“-Filme, eine Computerspielverfilmung. Und es ist keine gute Verfilmung; wobei ich, weil ich das Spiel nicht kenne, genaugenommen sagen müsste: kein guter Film. Die Dialoge wirken wie Restbestände aus einem Trailer eines militaristischen 80er-Jahre-B-Pictures. Die Story folgt der alten Computerspieldramaturgie von Herausforderung, Lösung suchen, Feind vernichten. Und weil Jovovich als Heldin all die Angriffe überlebt, ist auch klar, dass sie immer die richtige Lösung findet.
Ein Langweiler. Ach wie spaßig waren da die „Resident Evil“-Filme.
Schon der Titel „A rainy Day in New York“ deutet es an: das ist ein Film, bei dem beiläufige Beobachtungen und Begegnungen wichtiger als eine stringente Geschichte sind. Das ist auch kein Film, der große und letzte Wahrheiten verkünden will. Schließlich geht es nur um irgendeinen verregneten Tag. Ausgehend von diesem selbstgewählten Anspruch und weil Woody Allens letzte Filme eher solala waren, sind die Erwartungen für den neuen Film von Woody Allen nicht besonders hoch. Es ist einfach der neue Film eines Regisseurs, der seit gut fünfzig Jahren zuverlässig jedes Jahr einen Film dreht, dessen bekanntesten und besten Filme, wie „Der Stadtneurotiker“ und „Manhattan“ vor allem in den Siebzigern entstanden, der in den achtziger und neunziger Jahren abwechslungsreich darauf aufbaute und der seit zwanzig weitgehend selbstgenügsam vor sich hin arbeitet. Wenige Filme, wie „Match Point“ und „Blue Jasmine“, stechen hervor. Der Rest versinkt in einem immer wieder durchaus unterhaltsamen Strom recyclter Woody-Allen-Beliebigkeit mit sattsam bekannten Themen, Figuren, Witzen und einem aus alten Jazz-Songs bestehendem Soundtrack, der schon vor vierzig Jahren sehr retro war. Oder erinnert sich noch jemand ernsthaft an „Sweet and Lowdown“, „Schmalspurganoven“ (Small Time Crooks), „Im Bann des Jade Skorpions“ (The Curse of The Jade Scorpion), „Hollywood Ending“ (okay, der lief niemals in Deutschland), „Anything Else“, „Melinda und Melinda“, „Scoop – Der Knüller“, „Cassandras Traum“ (Cassandra’s Dream), „Vicky Cristina Barcelona“, „Whatever Works – Liebe sich wer kann“, „Ich sehe den Mann deiner Träume“ (You will meet a tall dark Stranger), „Midnight in Paris“, „To Rome with Love“, „Magic in the Moonlight“, „Irrational Man“, „Café Society“ und „Wonder Wheel“.
Das sind Filme, die, bis auf wenige Ausnahmen („Cassandras Traum“, „Midnight in Paris“), wie ein Griff in den Zettelkasten wirken.
Auch „A rainy Day in New York“ ist so ein Griff in den Zettelkasten. Da fährt Gatsby (!!!) (Timothée Chalamet) mit seiner Freundin Ashleigh (Elle Fanning) nach New York. Das kükenhafte Landei will für die Studentenzeitung Roland Pollard (Liev Schreiber) interviewen. Der von ihr abgöttisch bewunderte Arthaus-Regisseur lädt sie ein, sich mit ihm den Rohschnitt seines neuen Films anzusehen. Selbstverständlich ist sie einverstanden.
Währenddessen bummelt ihr Freund durch Manhattan, trifft alte Freunde, hilft bei einem Filmdreh für einen Noir aus, küsst dafür die jüngere Schwester einer Ex-Freundin und muss zu einer von seinen Eltern veranstalteten Feier.
Diese Abfolge von Episoden mit absehbaren amourösen Entwicklungen versucht nie mehr zu sein als eine beliebige Abfolge zufälliger Begegnungen fast ausschließlich weißer Menschen. Selena Gomez als in Gatsby verliebte jüngere Schwester und Diego Luna als Filmstar (und Latin Lover) bringen da etwas Farbe ins Bild.
Die von Woody Allen geschriebenen Monologe und Dialoge sind vertraut aus seinen früheren Filmen. Es ist, immerhin sind alle zentralen Figuren Jugendliche, aber nie die Sprache junger Leute. Die von ihnen benutzten Vergleiche und Anspielungen würden junge Menschen nicht wählen. Es wird nicht auf Harry Potter oder die Marvel-Filme angespielt, sondern auf den literarischen und filmischen Kanon, der vor über einem halben Jahrhundert en vogue war. Mit ihm konnte man sich als Zugehöriger zu einem bestimmten literarisch gebildetem Bildungsbürgermilieu zu erkennen geben. Da wurde, bei der richtigen cineastischen Bildung, die Anspielung auf „Out of the Past“ verstanden. Aber wer kennt heute diesen Vierziger-Jahre-Noir, der unter Noir-Fans ein Klassiker ist, überhaupt?
Allen drehte seinen verregneten Tag in Manhattan vor allem in langen Szenen, die oft nicht oder nur sparsam geschnitten sind. Keine Szene hinterlässt, im Gegensatz zum farbenprächtigen, oft wunderschön durchkomponiertem „Wonder Wheel“, einen visuell bleibenden Eindruck. Bei „A rainy Day in New York“ wirkt alles, als sei es schnell heruntergedreht worden. Fast jede Szene ist auch oft einfach zu lang geraten. Im endlosen Geplänkel seiner Stadtneurotiker fehlt jeder dramaturgische Fokus.
„A rainy Day in New York““ ist der selbstgenügsame Film eines alten Mannes, der erfundene Jugendliche durch ein ebenso erfundenes Manhattan gehen lässt als ob es immer noch 1946 oder kurz danach wäre. Das ist sogar zu belanglos, um sich richtig darüber zu ärgern.
A rainy Day in New York (A rainy Day in New York, USA 2019)
Regie: Woody Allen
Drehbuch: Woody Allen
mit Timothée Chalamet, Elle Fanning, Selena Gomez, Jude Law, Diego Luna, Liev Schreiber, Annaleigh Ashford, Rebecca Hall, Cherry Jones, Will Rogers, Kelly Rohrbach
Der visionäre KI-Forscher Will Caster wird von militanten Technikfeinden erschossen. Casters Frau überträgt das gesamte Bewusstsein ihres Mannes in einen riesigen Server. Und das ist keine gute Idee.
Optisch überzeugender, an seinen Ambitionen gescheiterter Science-Fiction-Film. Kein Meisterwerk, aber an einem lauen Sommerabend definitiv einen Blick wert.
mit Johnny Depp, Rebecca Hall, Paul Bettany, Morgan Freeman, Kate Mara, Cillian Murphy, Clifton Collins Jr., Cole Hauser, Xander Berkeley, Lukas Haas, Wallace Langham
Ab und an, erstaunlich selten für seinen Ruf, dreht Steven Spielberg einen richtigen Kinderfilm; wie jetzt in seinem erstem Walt-Disney-Film. „BFG – Big Friendly Giant“ über die Freundschaft zwischen einem Waisenmädchen und einem Riesen. Einem freundlichem Riesen, der in einer seltsamen Sprache spricht und Träume sammelt und verteilt.
Der Film basiert auf dem Kinderbuch „Sophiechen und der Riese“ von Roald Dahl, das 1985 mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet wurde. Es war – Dahl starb 1990 – seine Lieblingsgeschichte und bevor er sie aufschrieb, erzählte er sie seinen Kindern und Enkeln. Es ist eine kurze, schlichte Geschichte in der ein Mädchen von einem Riesen entführt wird, nachdem es ihn in der Nacht gesehen hat. Schnell befreundet sich Sophiechen mit ihm und erfährt, dass es noch andere Riesen gibt, die vor allem Kinder fressen und die sich wie Schulhofhalbstarke benehmen. Mit dem BFG (Big Friendly Giant) oder, in der deutschen Übersetzung, dem GuRie (Der gute Riese) will sie alle Kinder vor den Menschenfressern retten. Dafür benötigt sie die Hilfe der Queen – und das Frühstück von Sophie und dem Riesen bei der Queen ist im Roman und im Film ein humoristischer Höhepunkt. „Sophiechen und der Riese“ ist auch ein sehr dialoglastiges Buch mit sehr wenigen Beschreibungen. Das meiste wird der Fantasie der jungen Leseratten überlassen.
Für einen Spielfilm ist Dahls Buch, eher eine kurzweilige Ansammlung von Episoden und oft sehr witzigen Dialogen und Wortspielen, allerdings zu kurz geraten. Einige der Dialoge, etwa wenn der BFG sich über die Essgewohnheiten der anderen Riesen auslässt sind für einen Kinderfilm nicht so geeignet.
Die 2015 verstorbene Melissa Mathison, die für Spielberg bereits „E. T. – Der Außerirdische“ (USA 1982) schrieb, musste den Roman zu einem Spielfilm aufpeppen und der Vorlage treu bleiben. So folgt die Verfilmung der Vorlage, baut sie allerdings immer wieder aus, was Steven Spielberg die Gelegenheit gibt, in Bildern und Actionszenen zu schwelgen. Das beginnt schon in den ersten Minuten, wenn Sophie (Sophiechen in der deutschen Übersetzung) von dem Riesen entführt wird und sie sich kurz darauf in der Höhle des Riesen zuerst vor ihm verstecken will (Indiana Jones wäre stolz auf sie) und anschließend vor den bösen Riesen, die durch die Wohnung des BFG randalieren, verstecken muss. Sie tut es in einer Kotzgurke. Die schmecken, in den Worten des BFG, „nach Hurgelgurgel und Würgelrülps“.
Schon in diesen Minuten fällt auf, wie gut das Zusammenspiel von Mark Rylance, der den guten Riesen spielt, und Ruby Barnhill, die die zehnjährige Sophie spielt, ist und wie nahtlos die Verbindung zwischen realen und digital bearbeiteten Bildern ist. Fast nie hat man den Eindruck, dass hier Bilder zusammengefügt wurden. Denn selbstverständlich ist Rylance keine sieben Meter groß und die Schauspieler der anderen, noch größeren Riesen sind auch keine zwölf bis sechzehn Meter groß. Aber die gezeigte Welt ist bis ins letzte Detail stimmig.
Das gefällt, auch wenn die Filmgeschichte immer noch sehr episodisch ist und es eigentlich keinen Konflikt und damit keine Spannung gibt. Denn die Idee, wie die Riesen besiegt werden können, kommt aus heiterem Himmel, die Queen ist sofort überzeugt und der Kampf gegen die Menschenfresser-Riesen ist schnell vorbei.
Es ist auch ein Film, der sich gezielt an Kinder richtet. Die dürften verzaubert sein. Jugendliche und Erwachsene werden sich da, im Gegensatz zu „E. T.“, konsequent unterfordert fühlen.
BFG – Big Friendly Giant (The BFG, USA 2016)
Regie: Steven Spielberg
Drehbuch: Melissa Mathison
LV: Roald Dahl: The BFG, 1982 (Sophiechen und der Riese; BFG – Big Friendly Giant)
mit Mark Rylance, Ruby Barnhill, Penelope Wilton, Jermaine Clement, Rebecca Hall, Rafe Spall, Bill Hader
Länge: 117 Minuten
FSK: ab 0 Jahre
–
Die Vorlage
Zum Filmstart erschien Roald Dahls „Sophiechen und der Riese“ unter dem Filmtitel, mit dem Teaser-Filmplakat als Titelbild und einigen Filmfotos, die nichts von der Bildgewalt des Films verraten.
Lesenswert!
–
Roald Dahl: BFG – Big Friendly Giant
(übersetzt von Adam Quidam, mit Zeichnungen von Quentin Blake)
The Town – Stadt ohne Gnade (USA 2010, Regie: Ben Affleck)
Drehbuch: Ben Affleck, Peter Craig, Aaron Stockard
LV: Chuck Hogan: Prince of Thieves, 2004 (Endspiel)
Bankräuber Doug MacRay überfällt mit drei Freunden eine Bank und verliebt sich anschließend in die Filialleiterin, die sie auf der Flucht als Geisel mitgenommen hatten. Jetzt will er aussteigen. Davor muss er allerdings noch seinen letzten Coup durchführen.
Nach der tollen Dennis-Lehane-Verfilmung „Gone Baby Gone“ blieb Ben Affleck in seiner zweiten Regiearbeit dem Genre und Boston treu. „The Town“ ist gutes altmodisches Erzählkino, bei dem die Story, die Charaktere und ihr Umfeld im Vordergrund stehen. In seinen wenigen Actionszenen und in der Struktur erinnert „The Town“ teilweise an Michael Manns „Heat“ – und das ist durchaus anerkennend gemeint. Ein feiner Gangsterfilm.
Da ist es auch egal, dass die Zahl der Banküberfälle in Boston viel geringer ist, als im Film behauptet wird und dass das Viertel Charlestown in den vergangenen fünfzehn Jahren gentrifiziert wurde. Jetzt sitzen da die anderen Bankräuber.
Chuck Hogan erhielt für seinen Roman „Endspiel“, der Vorlage für „The Town“, den Hammett-Preis und auch Stephen King (ein passionierter Blurber) war begeistert.
Und danach, um 22.35 Uhr, gleich zu 3sat umschalten. Dort läuft „Lawless – Die Gesetzlosen“.
mit Ben Affleck, Rebecca Hall, Jon Hamm, Jeremy Renner, Pete Postlethwaite, Chris Cooper
Science-Fiction kann Fragen stellen, kann Entwicklungen aufzeigen, eine positive oder eine negative Utopie entwerfen und zum Nachdenken anregen. „Transcendence“, das Regiedebüt von Christopher-Nolan-Stammkameramann Wally Pfister (nach Lehrjahren in der Roger-Corman-Filmschule), will das, aber weil er sich nicht entscheiden kann, ob er eine Dystopie oder eine Utopie inszeniert und der Film vollkommen antidramatisch, aber sehr trendy in der Gegenwart beginnt und dann zurück in die Vergangenheit springt, wissen wir von der ersten Minute an, wie die Geschichte endet.
Nur der Weg zum Ende ist unklar und auf dem Weg dahin gibt es einige interessante dramaturgische Entscheidungen, die „Transcendence“ vor einer absoluten Vorhersehbarkeit bewahren, aber die Geschichte nicht kraftvoller machen. Im Gegenteil: sie zerfasert immer weiter, bis am Ende dann doch alles mit viel Waffengewalt gelöst werden soll. Und über die im Film gestellten Fragen und Antworten sollte man auch nicht zu genau nachdenken.
Im Mittelpunkt steht dabei die Idee der Künstlichen Intelligenz und – auch – was einen Menschen ausmacht.
Dr. Will Caster (Johnny Depp) ist ein Vordenker, der mit einem neuen Computersystem im Feld der Künstlichen Intelligenz forscht und kurz davor steht, einen Computer zu programmieren, der lernfähig und emotional begabt wie ein Mensch ist. Gleichzeitig möchte er damit die Welt zu einem besseren Ort machen, Krankheiten besiegen und die Armut überwinden. Trotzdem sind nicht alle Menschen von den Visionen des Menschenfreundes überzeugt. Die Terrorgruppe „R. I. F. T.“ (Revolutionary Independence From Technology), die ein zurück zur Natur propagiert, verübt einen gut orchestrierten und erfolgreichen Anschlag auf mehrere KI-Forscher.
Caster überlebt das Attentat, aber weil die Kugel präpariert war, wird er innerhalb weniger Wochen sterben. Casters Frau Evelyn (Rebecca Hall) entschließt sich, Wills Gedächtnis in den von ihm erfundenen Computer zu kopieren.
Das Experiment gelingt und Will, der schnell Zugriff auf alle Computer erhält, wird zu einem gottähnlichen Wesen, das sich in einem verlassenen Wüstenkaff sein weitgehend unterirdisches Reich aufbaut.
Science-Fiction-Fans werden jetzt schon mit der Checkliste begonnen haben und die Filmemacher bemühen sich erfolgreich, wirklich jedes Thema anzusprechen. Bis jetzt haben wir unter anderem „das Verhältnis von Mensch und Maschine“, „Künstliche Intelligenz“ (bzw. durchgeknallte Computer), „verrückte Wissenschaftler“, „Allmachtsphantasien“, die später genauer ausformuliert werden, Fortschrittsglaube und Fortschrittsangst. Zuerst auf rein technischer Ebene. Später mit einem religiösen Touch. Denn Will Caster kann, wie Jesus, Kraft seiner Gedanken in der Wüste Menschen heilen.
Science-Fiction-Fans werden auch eifrig das „Welcher Film wird hier zitiert?“-Trivial-Pursuit spielen und sich ärgern, dass in „Transcendence“ letztendlich so wenig aus der vielversprechenden Prämisse gemacht wurde. „Transcendence“ will zum Nachdenken anregen, spricht wichtige Themen an, aber die Macher haben selbst zu wenig nachgedacht. Denn zwischen all den Zitaten, gepaart mit einem tiefen Griff in die Science-Fiction-Themenkiste, verirrt Wally Pfister sich hoffnungslos zwischen Technikeuphorie, Technikphobie und neureligiösem Sektentum, ohne dass jemals wirklich eine eigene Haltung zur todernst und pathetisch erzählten Filmgeschichte sichtbar wird.
Dabei ist der gesamte Film optisch angenehm zurückhaltend inszeniert. So als habe ein kluger Kameramann erfolgreich mit einem begrenzten Budget und vorhandenen Orten gearbeitet. Dennoch soll der Film 100 Millionen Dollar gekostet haben.
Auch die wenigen offensichtlichen Spezialeffekte passen sich gut in den Film ein, der sich stilistisch am New Hollywood der siebziger Jahre und damals wichtiger sozialkritischer Science-Fiction-Filme orientiert. Pfister selbst nennt als Einflüsse unter anderem „Andromeda – Tödlicher Staub aus dem All“ (The Andromeda Strain), „Jahr 2022…die überleben wollen“ (Soylent Green), „Der Omega-Mann“ (The Omega Man), „Westworld“ (Westworld), „Der Mann, der vom Himmel fiel“ (The Man who fell to Earth), „2001: Odyssee im Weltraum“ (2001: A Space Odyssey) und „Uhrwerk Organge“ (A Clockwork Orange).
In dieser Liga spielt „Transcendence“ nicht. Denn letztendlich ist Pfister mit seinem gut gemeinten, überfrachteten und unentschlossenen Debütfilm, der zu viel Nolan und zu wenig Corman enthält, gescheitert.
Trotzdem ist die derzeitige Rotten-Tomatoes-Bewertung von neunzehn Prozent im Vergleich zu wirklichen Gurken, wie „Seelen“, „Battleship“, „Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben“ oder „Ride along“, oder dem Werk von Michael Bay zu schlecht. Denn im Gegensatz zu den gängigen Blockbuster-Science-Fiction-Krawallfilmen will Pfister immerhin zum Nachdenken anregen
Iron Man, aka Tony Stark, ist sicher der unernsteste Superheld im Kino und Robert Downey Jr. gelingt es diesen eigentlich sehr unsympathischen Charakter als einen coolen Kumpel erscheinen zu lassen und den teilweise doch sehr militaristischen Hintergrund vergessen zu lassen. Naja fast. Denn auch in „Iron Man 3“ geht es um milliardenschwere Rüstungsaufträge.
Im ersten „Iron Man“-Film, der ein Überraschungserfolg war, ist Tony Stark ein skrupelloser, egomanisch-egozentrischer Waffenhersteller und exzentrischer Playboy, der, als er gerade in Afghanistan dem US-Militär sein neuestes Waffensystem verkaufen will, von der internationalen Terroristengruppe „Die zehn Ringe“ gefangen genommen wird. Er baut sich die Iron-Man-Rüstung und kämpft anschließend auch gegen konzerninterne Gegner.
Im zweiten „Iron Man“-Film ist dann Justin Hammer (Sam Rockwell), Chef einer konkurrierenden Rüstungsfirma, sein Gegner. Und Ivan Vanko (Mickey Rourke), dessen Vater von Tonys Vater ausgebootet wurde, will sich an Tony Stark rächen.
Und im dritten „Iron Man“-Film ist Aldrich Killian (Guy Pearce) sein Gegner. Er hat den „Extremis“-Virus, der Menschen quasi unbesiegbar, macht, weiterentwickelt und er möchte mit Stark Industries optimierte Iron Männer herstellen. Weil Tony Stark sich aus dem aktiven Geschäft zurückgezogen und Pepper Potts (Gwyneth Paltrow) die Leitung übertragen hat, führt Killian die Gespräche mit ihr und er versucht dabei alte Gefühle wieder wachzurufen. Außerdem wurde er vor Jahren auf einer Silvesterfeier von Tony in dessen typisch arroganter Manier versetzt – und er scheint darüber immer noch serhr verärgert zu sein.
Aber Tonys Hauptgegner ist der Mandarin (Sir Ben Kingsley), ein international gesuchter Terrorist und Anführer der „Zehn Ringe“, der den USA mit seinen Anschlägen Lehren erteilen will und eine Mischung aus Osama bin Laden und Dr. Fu Manchu ist. Ein wahrer Anti-Gandhi, dessen erste Lehrstunde für Tony Stark, nachdem der sich ihm gegenüber unflätig äußerte (es war so etwas wie „ich werde dich vernichten“), die Vernichtung von Tony Starks mondänem Anwesen ist, das ja schon in den vorherigen „Iron Man“-Filmen nicht gerade pfleglich behandelt wurde. Tony kann in seinem neuesten Iron-Man-Anzug entkommen. Nach einer Bruchlandung in dem Ort Rose Hill, Tennessee (nicht gerade Kansas, aber fast), beginnt er, mit der Hilfe des achtjährigen Harley Keener (Ty Simkins), den Anzug zu reparieren und den Mandarin zu suchen. Denn nur Tony Stark hat die Lizenz, das eigene Haus zu zerstören.
„Iron Man 3“, standesgemäß und ziemlich überflüssig in 3D, knüpft gelungen an die vorherigen beiden „Iron Man“-Filme an. Die vertrauten Charaktere sind dabei. Es gibt Action, Humor, köstliche Screwball-Dialoge zwischen Tony Stark und Pepper Potts, seiner ehemaligen Privatsekretärin und jetzigen Firmenleiterin und Quasi-Lebensgefährtin (für sie scheinen Wortgefechte der Ersatz für Sex zu sein), und Happy Hogan ist auch wieder dabei. Zuerst als überpenibler und absolut humorloser Sicherheitschef, danach schwer lädiert im Krankenbett.
Happy-Hogan-Darsteller Jon Favreau gab dieses Mal die Regie an Shane Black ab, der in den Achtzigern und Neunzigern als Drehbuchautor von Action-Krachern „Lethal Weapon – Zwei stahlharte Profis“, „Last Boy Scout – Das Ziel ist überleben“, „Last Action Hero“ (auch da spielte ein kleiner Junge mit, der seinem Superhelden begegnet) und „Tödliche Weihnachten“ Geld wie Heu verdiente und einer der wenigen Drehbuchautoren war, dessen Namen einem breiteren Publikum bekannt war. 2005 hatte er mit seinem Regiedebüt „Kiss Kiss Bang Bang“ eine triumphale Rückkehr, die für ihn in den nächsten Jahren trotzdem nicht zu weiteren Filmen in Hollywood führte, aber den Karriereneustart von Robert Downey Jr. einläutete.
Auch in „Iron Man 3“ ist Shane Blacks Handschrift, soweit bei einem Blockbuster und einem Film aus einer Serie davon gesprochen werden kann, zu erkennen. So gibt es für einen Action-Film erstaunlich wenig Action. Dafür widmet Black sich ziemlich ausführlich den Charakteren und auch die Beziehung von Tony Stark zu Harley, der ihn als Helden verehrt, nimmt viel Platz ein. Er wird für ihn zu einem Quasi-Vater.
Die Action, auch wenn die Iron-Man-Anzüge oft genug benutzt werden, erinnert eher an die 80er-Jahre-Action-Filme, in denen es ordentlich im Mann-gegen-Mann-Kampf krachte und wenn am Ende Robert Downey Jr. und Don Cheadle, nur bewaffnet mit ihren Pistolen, auf ein Schiff stürmen, dann sind wohlige Erinnerungen an Mel Gibson und Danny Glover und ihre „Lethal Weapon“-Wortgefechte nicht fern.
Und weil in „Iron Man 3“ Nick Fury und S.H.I.E.L.D. nicht auftreten und die Ereignisse in New York mit den Avengers nicht angesprochen werden (Tony will darüber nicht reden und kriegt, wenn er sich doch daran erinnert oder darauf angesprochen wird, Panikattacken; – hm, wie Martin Riggs in „Lethal Weapon“), knüpft „Iron Man 3“ an den ersten „Iron Man“-Film an und ist deutlich weniger militaristisch als „Iron Man 2“, der teilweise wie eine kaum getarnte Leistungsschau des Militärs aussieht..
„Iron Man 3“ ist gutes Blockbuster-Kino mit selbstironischen Tönen, einem altmodischen Erzählduktus ohne 25 überraschende Plotwendungen am Ende und einer bedeutungsschwer vor sich hin getragenen Botschaft. Dafür ist Tony dann doch der falsche Charakter, auch wenn er einige neue Facetten erhält.
Der Film liefert genau das, was man inzwischen von einem „Iron Man“-Film erwartet und nach dem erfreulich kurzen Abspann gibt es noch eine kleine Sequenz und den Hinweis, dass es einen weiteren „Iron Man“-Film geben wird.
Iron Man 3 (Iron Man 3, USA 2013)
Regie: Shane Black
Drehbuch: Drew Pearce, Shane Black
mit Robert Downey Jr., Gwyneth Paltrow, Don Cheadle, Sir Ben Kingsley, Guy Pearce, Jon Favreau, Ty Simpkins, Rebecca Hall, James Badge Dale, Stephanie Szostak, William Sadler, Miguel Ferrer, Dale Dickey