Neu im Kino/Filmkritik: Taffe Frauen: Hilary Swank in dem grandiosen Western „The Homesman“

Dezember 18, 2014

Das „Million Dollar Baby“ Hilary Swank ist zurück als Mary Bee Cuddy, eine 1854 im Nebraska-Territorium allein lebende Frau, die sich trotzdem nach einem Mann sehnt. Irgendeinem Mann, der ihr bei der anstrengenden Feldarbeit hilft und sie vom Schmach der alleinstehenden Frau befreit. Auch in der Wildnis hält sie, soweit möglich, an den Errungenschaften der Zivilisation fest. Tommy Lee Jones zeigt dies in seinem zweiten Spielfilm „The Homesman“ in wenigen Szenen, die in wunderschönen Breitwand-Bildern von Kameramann Rodrigo Prieto („Argo“, „The Wolf of Wall Street“) die Mühsal des damaligen Lebens im dünn besiedelten Grenzland zeigen und die Bedeutung von Werten und dem Glaubens als Regelwerke, die hier nicht im Konflikt zueinander stehen und die einem einen absurden Halt vermitteln. Denn was kann, aus heutiger Sicht, gruseliger sein, als eine Frau zu beobachten, die ihrem Gast, den sie ehelichen möchte, ein Lied singt und die sich dabei auf dem Klavier begleitet. Allerdings ist das Klavier nur eine Stoffrolle mit Klaviertasten als Muster. Der Zukünftige ergreift die Flucht vor der resoluten Mary Bee, die ihm das Angebot einer Ehe wie ein Angebot für einen Ochsen unterbreitete. Sie ist, aus heutiger Sicht, die normalste und vernünftigste Frau im Outback. Sie ist allerdings auch selbstständig und bestimmend; was für den Zukünftigen der wirkliche Grund war, möglichst schnell Mary Bees Haus zu verlassen.
Deshalb nimmt sie auch, nachdem ein Farmer sich aus der Verantwortung stiehlt, an einer Auslosung teil, die ein Problem der Gemeinde lösen soll: drei Ehefrauen wurden auf weit auseinanderliegenden Farmen aus verschiedenen Gründen verrückt. Die eine wurde stumm, die andere tötete ihr Baby und die dritte wurde aggressiv. Jetzt sollen sie zurück nach Iowa in die Zivilisation gebracht werden. Weil sich niemand von den Männern freiwillig für diese Aufgabe meldet, wird in der Kirche ausgelost, wer die Aufgabe übernehmen soll. Das Los trifft auf Mary Bee – und die Männer sind ziemlich erleichtert, dass dieser Kelch an ihnen vorbeiging.
Mary Bee holt die auf weit voneinander liegenden Farmen in ihren Wohnungen gefangen gehaltene Frauen, Arabella (Grace Gummer), Theolina (Miranda Otto) und Gro (Sonja Richter), ab und macht sich mit ihnen, die in einer Gefängniskutsche angekettet sind, auf den 640 Kilometer langen, mehrere Wochen dauernden Weg nach Hebron, Iowa.
Begleitet wird sie von George Briggs (Tommy Lee Jones), einem Strauchdieb, der ein Haus besetzte und gehängt werden sollte. Als sie ihn zum ersten Mal trifft, sitzt er wimmernd in einteiliger Unterwäsche auf seinem Pferd, den mit schwarzem Schießpulver bedeckten Kopf in einer Schlinge. Sie rettet ihn und verlangt, dass er sie bei der Reise durch eine gefährliche und menschenfeindliche Landschaft begleitet.
Und, das kann verraten werden, die Indianer sind bei dieser Reise nicht die größte Gefahr für die fünf Menschen.
Vier Filme in fast zwanzig Jahren. Besonders produktiv ist Tommy Lee Jones als Regisseur nicht. Dabei knüpft er, wie Clint Eastwood, an das klassische Hollywoodkino an und erzählt düstere Geschichten über den Wilden Westen damals und heute. Sein Spielfilmdebüt war 2005 der grandiose Neo-Western „Three Burials – Die drei Begräbnisse des Melquiades Estrada“. Davor und danach drehte er je einen TV-Film. 1995 „Einmal Cowboy, immer ein Cowboy“ (nach einem Roman von Elmer Kelton) und 2011 „The Sunset Limited – Eine Frage des Glaubens“ (nach dem Stück von Cormac McCarthy).
Vier Filme, von denen keiner als „leichte Unterhaltung“ abgetan wurde und jeder wenigstens einige Nominierungen und viel Kritikerlob erhielt, auch wenn er dann, wie „Three Burials – Die drei Begräbnisses des Melquiades Estrada“ sang- und klanglos aus unseren Kinos verschwand oder nie im TV läuft.
Auch „The Homesman“ wird es gegen die Weihnachtsblockbuster schwer haben, aber er lohnt sich in jeder Sekunde. Denn es ist ein grandioser, wahrhaftiger, aufbauender, aber auch deprimierender Film, in dem der Wilde Westen als eine von nicht vollkommen zurechnungsfähigen, fehlerhaften Menschen bevölkerte, weitgehend menschenleere Landschaft gezeigt wird; was mit Sicherheit viel näher an der Wirklichkeit ist, als die üblichen Hollywood-Western.
Am Ende, wenn Tommy Lee Jones einen irren Tanz aufführt, kann nicht mehr daran gezweifelt werden, dass die Zeit von Westernhelden wie John Wayne und Clint Eastwood vorbei ist. Ein Schrat hat die Macht übernommen. Angeführt von einer resoluten Frau, begleitet von drei schweigsamen Verrückten.

Einer des schönsten Filme des Kinojahres.

The Homesman - Plakat

The Homesman (The Homesman, USA 2014)
Regie: Tommy Lee Jones
Drehbuch: Wes Oliver, Kieran Fitzgerald, Tommy Lee Jones
LV: Glendon Swarthout: The Homesman, 1988 (The Homesman – Es führt ein Weg zurück)
mit Tommy Lee Jones, Hilary Swank, Hailee Steinfeld, Meryl Streep, Grace Gummer, John Lithgow, Miranda Otto, Sonja Richter, James Spader, John Lithgow, William Fichtner
Länge: 123 Minuten
FSK: ab 16 Jahre

Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „The Homesman“
Moviepilot über „The Homesman“
Metacritic über „The Homesman“
Rotten Tomatoes über „The Homesman“
Wikipedia über „The Homesman“ (deutsch, englisch)

Die Pressekonferenz in Cannes nach der Premiere

DP/30 unterhält sich mit Tommy Lee Jones über „The Homesman“

DP/30 unterhält sich auch mit Filmkomponist Marco Beltrami über „The Homesman“ und selbstverständlich seine anderen Filmmusiken


Neu im Kino/Filmkritik: Taffe Frauen: Jennifer Lawrence als „Serena“

Dezember 18, 2014

„Serena“ spielt während der Großen Depression in North Carolina und am Ende von Susanne Biers Film ist man ziemlich depressiv, weil hier so viel Talent versammelt ist und am Ende nur das Gefühl einer großen Verschwendung bleibt, trotz Bradley Cooper und Jennifer Lawrence in den Hauptrollen.
Cooper spielt den Holzunternehmer George Pemberton, der sich 1929 bei einem Besuch in der Großstadt in Serena (Jennifer Lawrence) verliebt. Sie entstammt einer Holzfällerdynastie und ihre Eltern kamen bei einem tragischen Unfall ums Leben. Sie heiraten und kehren in die Wälder von North Carolina zurück.
In den Smoky Mountains zeigt Serena den Holzfällern, die von der Stadtschnepfe nichts halten, schnell, dass sie mit der Axt umgehen kann und auch als Geschäftsfrau übernimmt sie schnell die Führung im Unternehmen ihres Mannes.
Allein schon diese Aufstiegsgeschichte einer Frau in einer Männerwelt in wirtschaftlich schweren Zeiten könnte für einen guten Film ausreichen. Vor allem wenn die Geschichte mit etwas Lokalpolitik garniert wird. Denn selbstverständlich werden in den Smoky Mountains Probleme mit etwas Geld, das in die richtigen Taschen fließt, gelöst. Und wenn das nicht hilft, dann, wie im Wilden Westen, eben mit Gewalt.
Aber dann gibt es noch eine zweite Liebesgeschichte. George hatte, bevor er die rationale Serena heiratete, eine Geliebte, die er auch schwängerte. Er nimmt, immerhin spielt die Geschichte in den frühen Dreißigern und die Geliebte gehört zu den Angestellten, das Kind offiziell nicht an, aber er hilft ihr finanziell. Serena, die nach einem Unfall, keine Kinder mehr bekommen kann, kommt, als sie davon erfährt, mit dieser Situation nicht klar und das Verhängnis nimmt, dramaturgisch nicht besonders schlüssig, aber von den Wünschen des Drehbuchautors getragen, seinen Lauf.
Mit zunehmender Laufzeit verstärkt sich der Eindruck, dass Susanne Bier und ihr Drehbuchautor Christopher Kyle („K 19“, „Alexander“) nicht wussten, was sie erzählen wollten. Ratlos pendeln sie zwischen den verschiedenen Geschichten, ohne dass sie sich gegenseitig befruchten. Die Liebesgeschichte von George und Serena hat eigentlich nichts mit der Geschichte zwischen George und seiner ehemaligen, sich passiv verhaltenden Geliebten zu tun. Das Wirtschaftsdrama, die lokaler Korruption und die Hinterzimmerpolitik sind den Filmmachern herzlich egal. Ebenso der Aufstieg von Serena im Unternehmen ihres Mannes. Letztendlich produzieren sie vor allem Klischees und im negativen Sinn überraschende Wendungen. So sollen wir, zum Beispiel, plötzlich glauben, dass die rücksichtslose Geschäftsfrau sich doch nur nach einer gepflegten Mutterschaft sehnte. Über die Visionen des Vorarbeiters legen wir gnädig den Mantel des Schweigens.
Auch der historische Hintergrund bleibt blass. Dabei bietet die Große Depression sich, auch wenn Pembertons Holzgeschäft gut läuft und er dank seiner Frau expandieren kann, gut an, um im historischen Gewand von den Auswirkungen eines ungebremsten Kapitalismus auf die Menschen und die Umwelt zu erzählen. Aber in North Carolina sind die Wälder unendlich; – auch wenn der Film 2012 in Tschechien gedreht wurde und das kleine Pembertonsche Hüttendorf im Wald nie seine Herkunft als Filmset verleugnen kann.
Dabei ist der Drehort das geringste Problem von „Serena“, der zweiten Zusammenarbeit von Bradley Cooper und Jennifer Lawrence nach „Silver Linings“ und vor „American Hustle“.

Serena - Plakat

Serena (Serena, USA/Frankreich 2014)
Regie: Susanne Bier
Drehbuch: Christopher Kyle
LV: Ron Rash: Serena, 2008
mit Bradley Cooper, Jennifer Lawrence, Rhys Ifans, Toby Jones, David Dencik, Ana Ularu, Kim Bodnia
Länge: 110 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

Hinweise
Amerikanische Facebook-Seite zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Serena“
Moviepilot über „Serena“
Metacritic über „Serena“
Rotten Tomatoes über „Serena“
Wikipedia über „Serena“


Die KrimiZeit-Jahresbestenliste 2014

Dezember 18, 2014

Also dann, die Jahresbestenliste der KrimiZeit, für die nur Bücher genannt werden konnten, die bereits auf einer der monatlichen Bestenlisten waren:
1 James Lee Burke: Regengötter
2 Liza Cody: Lady Bag
3 Oliver Bottini: Ein paar Tage Licht
4 Mike Nicol: Black Heart
5 Franz Dobler: Ein Bulle im Zug
6 Tom Hillenbrand: Drohnenland
7 Orkun Ertener: Lebt
8 David Peace: GB84
9 Sascha Arango: Die Wahrheit und andere Lügen
10 Karim Miské: Entfliehen kannst Du nie

Sollte mich auch an meine Bestenlisten setzen…

P. S.: Im März erscheint bei Pendragon „Sturm über New Orleans – Ein Dave-Robicheaux-Krimi“ (The Tin Roof Blowdown) von James Lee Burke, der nach dem Hurrikan Katrina spielt.

Sowieso liest sich das Frühlingsprogramm von Pendragon sehr vielversprechend, unter anderem mit zwei Jesse-Stone-Krimis von Robert B. Parker und einem Roman von Horst Vocks, dem Autor von „Duisburg-Ruhrort“ (Schimanski!).


TV-Tipp für den 18. Dezember: Wild Things

Dezember 18, 2014

Kabel 1, 03.05

Wild Things (USA 1998, Regie: John McNaughton)

Drehbuch: Stephen Peters

Ein beliebter Sportlehrer in einem Nobelort in Florida weist die sexuellen Avancen einer reichen Schülerin zurück. Danach behauptet sie, er habe sie vergewaltigt. Die Polizei glaubt ihr nicht, bis eine zweite Schülerin den gleichen Vorwurf erhebt.

Und das ist nur eine der ersten überraschenden Wendungen in diesem kleinen Thriller, bei dem die Stars lustvoll ihr Image ausfüllen, gegen es anspielen und sich (und uns) letztendlich fast ständig belügen. Denn in „Wild Things“ ist, unter der Sonne Floridas, nichts so wie es scheint. Eine schöne „Sommernachtsfantasie“.

Mit Kevin Bacon, Matt Dillon, Neve Campbell, Theresa Russell, Denise Richards, Robert Wagner, Bill Murray

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Wild Things“

Wikipedia über “Wild Things” (deutsch, englisch)


Anthony Horowitz und „Der Fall Moriarty“

Dezember 17, 2014

Horowitz - Der Fall Moriarty - 2

Auch wenn sich „Der Fall Moriarty“ von Anthony Horowitz nicht so liest, ist es ein echter und typischer Rätselkrimi, bei dem letztendlich alles von der Auflösung abhängt und gerade deshalb ist eine Besprechung schwierig. Immerhin liegt ein großer Teil des Spaßes beim Lesen im Deuten und Enträtseln der vielen verschiedenen Spuren und natürlich im Versuch, die Lösung möglichst früh herauszufinden. Da verdirbt jeder Hinweis auf die richtige Lösung natürlich etwas von genau diesem Spaß; was jetzt nicht heißt, dass „Der Fall Moriarty“ beim zweiten Lesen, wenn man die Lösung kennt (oder sich auf Wikipedia informiert), eine reizlose Lektüre wäre. Denn der Roman reiht sich gelungen in die Reihe von Filmen mit einem Twist-Ende ein, die inzwischen Kultfilme sind. Ich sage nur „Fight Club“, „Die üblichen Verdächtigen“ und „The sixth Sense“, bei denen ich das Ende nicht vorhersah und mich im Nachhinein auch nicht betrogen fühlte, oder, um ein neueres Beispiel zu nennen, „Shutter Island“, bei dem ich das Ende schon im Trailer vorhersah (genaugenommen dachte ich „Oh Gott, die haben eben die Pointe verraten.“) und mir Dennis Lehanes Roman wesentlich besser als die Verfilmung gefällt. Doch genug der zeilenschindenden Abschweifungen und zurück in das viktorianische England.
„Der Fall Moriarty“ beginnt 1891 unmittelbar nach dem tödlichen Kampf von Sherlock Holmes und Professor James Moriarty, einem die Unterwelt von London beherrschenden, hochintelligenten Verbrecherchef. Beide stürzten in den Reichenbachfall und starben. Jedenfalls glaubten das damals alle.
Aber was geschah damals wirklich? Denn, und da verrate ich kein großes Geheimnis, Sherlock Holmes tauchte Jahre später quicklebendig wieder auf.
Auch der Erzähler von „Der Fall Moriarty“ hat schon damals seine Zweifel am Tod von Sherlock Holmes. Jedenfalls zerpflückt er auf den ersten Seiten die von Dr. John Watson aufgeschriebene Geschichte „Das letzte Problem/Sein letzter Fall“ (The final problem) über den Kampf von Sherlock Holmes und Professor Moriarty. Danach trifft der Ich-Erzähler, Pinkerton-Detektiv Frederick Chase, in Meiringen auf den Scotland-Yard-Ermittler Athelney Jones. Und dieser Jones, ein selbsternannter Sherlock-Holmes-Bewunderer, der wie Sherlock Holmes auftritt und entsprechend scharfsinnig schlussfolgert, ist deutlich intelligenter als der Athelney Jones, der in der von Anthony Horowitz geschriebenen Sherlock-Holmes-Kurzgeschichte „Die drei Königinnen“ (The Three Monarchs, kostenlos als eBook erhältlich) auftritt und Holmes und Watson bei einem seiner Fälle um Hilfe bittet.
Chase kam aus den USA nach England und dann direkt in die Schweiz, weil er hoffte, über Professor Moriarty an Informationen über den US-amerikanischen Gangster Clarence Devereux, dessen Gesicht noch niemand gesehen hat, zu kommen.
Die beiden Ermittler verbünden sich. Denn in London droht ein Krieg zwischen amerikanischen und englischen Verbrechern, wobei die Amerikaner, im Gegensatz zu den Briten, vor nichts zurückschrecken.
Das ist, wie schon Anthony Horowitz‘ erste Sherlock-Holmes-Geschichte flott geschrieben und voller Lokal- und Zeitkolorit und es passiert wirklich genug auf den über dreihundert Seiten, um einen effektiv vom Nachdenken über die Lösung abzuhalten. Ich jedenfalls habe sie nicht vorhergesehen, habe aber danach alle Spuren und Hinweise erkannt.
Im Moment schreibt der enorm produktive Anthony Horowitz, der bei uns vor allem für seine Alex-Rider-Jugendbücher bekannt ist, den nächsten James-Bond-Roman und nachdem die Bond-Romane von Sebastian Faulks, Jeffery Deaver und William Boyd aus den verschiedensten Gründen scheiterten, freue ich mich jetzt wirklich auf den neuen James-Bond-Roman.
Und jetzt muss ich mich endlich an die schriftliche Version meines Interviews mit Anthony Horowitz machen. Wobei „endlich“, wie mir mein Kalender sagt, irgendwann zwischen Ende dieser Woche und Weihnachten ist.

Anthony Horowitz: Der Fall Moriarty
(übersetzt von Lutz-W. Wolff)
Insel, 2014
352 Seiten
19,95 Euro

Originaltitel
Moriarty
Orion Books, 2014

Hinweise

Homepage von Anthony Horowitz

Suhrkamp über „Der Fall Moriarty“

Meine Besprechung von Anthony Horowitz’ „Das Geheimnis des weißen Bandes“ (The House of Silk, 2011)

Die “Inspector Barnaby”-Fälle von Anthony Horowitz


TV-Tipp für den 17. Dezember: Nur die Sonne war Zeuge/Der talentierte Mr. Ripley

Dezember 17, 2014

Original oder Remake? Vergleichen wir:

HR, 23.30

Nur die Sonne war Zeuge (Frankreich/Italien 1960, Regie: René Clément)

Drehbuch: René Clément, Paul Gégauff

LV: Patricia Highsmith: The talented Mr. Ripley, 1955 (Nur die Sonne war Zeuge, Der talentierte Mr. Ripley)

Tom Ripley soll im Auftrag von Philippes Vater den Sohn nach Amerika zurückbringen. Aber Tom und Philippe verstehen sich gut und Tom gefällt das müßige Millionärsleben. Warum also nicht einfach Philippe Greenleaf umbringen und dessen Stelle einnehmen?

Grandiose Verfilmung des ersten Ripley-Romanes; obwohl der Film moralisch korrekter endet.

Neben dem ausgefeilten Drehbuch trug besonders Henri Decaes superbe Farbfotografie zum Erfolg des Films bei. Erstmals schuf Farbe jene beklemmende Atmosphäre, die bis dahin nur aus den Schwarzweiß-Filmen der Schwarzen Serie bekannt war.

Patricia Highsmith schrieb danach vier weitere Bücher mit Tom Ripley, dem ersten sympathischen Psychopathen der Kriminalgeschichte.

Mit Alain Delon, Marie Laforet, Maurice Ronet

Hinweise

Wikipedia über Patricia Highsmith (deutsch, englisch)

Times: The 50 Greatest Crime Writers No 1: Patricia Highsmith

Kaliber .38 über Patricia Highsmith (Bibliographie)

Krimi-Couch über Patricia Highsmith

Kirjasto über Patricia Highsmith

Wired for Books: Don Swain redet mit Patricia Highsmith (1987)

Gerald Peary redet mit Patricia Highsmith (Sight and Sound – Frühling 1988 )

Meine Besprechung der Patricia-Highsmith-Verfilmung “Die zwei Gesichter des Januars” (The two Faces of January, Großbritannien/USA/Frankreich 2014)

Homepage von Alain Delon

Wikipedia über Alain Delon (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von „Der Leopard“ (mit Alain Delon und Burt Lancaster)

Meine Besprechung von „Die Abenteurer“ (mit Alain Delon und Lino Ventura)

Alain Delon in der Kriminalakte

Kriminalakte zum 75. Geburtstag von Alain Delon

HR, 01.25

Der talentierte Mr. Ripley (USA 1999, Regie: Anthony Minghella)

Drehbuch: Anthony Minghella

LV: Paricia Highsmith: The talented Mr. Ripley, 1955 (Nur die Sonne war Zeuge, Der talentierte Mr. Ripley)

Eigentlich sollte der mittellose Tom Ripley den reichen Reedersohn Dickie Greenleaf nur aufspüren und wieder nach Hause bringen. Aber sie sehen sich so verdammt ähnlich und Ripley gefällt das Leben als reicher Müßiggänger.

Zweite Verfilmung des ersten Tom Ripley-Romanes (hier: Matt Damon, 1960 in der legendären Erstverfilmung „Nur die Sonne war Zeuge“ von René Clement war es Alain Delon) – dieses Mal als klassisches Hollywood-Kino, welches die Atmosphäre der 50er perfekt rekonstruiert. „Der talentierte Mr. Ripley“ ist im Wesentlichen nettes, etwas langatmiges, nicht sonderlich fesselndes Ausstattungskino.

Mit Matt Damon, Gwynieth Paltrow, Jude Law, Cate Blanchett

Hinweise

Drehbuch “The talented Mr. Ripley” von Anthony Minghella (Fassung 1. November 1999)

Rotten Tomatoes über „Der talentierte Mr. Ripley“


Cover der Woche

Dezember 16, 2014

Göhre - St. Pauli Nacht - Movie Tie-In

Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, Frank Göhre!


TV-Tipp für den 16. Dezember: The Ice Harvest

Dezember 16, 2014

Der einzig echte, wahre und wahrhaftige Weihnachtsfilm

Pro7 Maxx, 23.05

The Ice Harvest (USA 2005, Regie: Harold Ramis)

Drehbuch: Richard Russo, Robert Benton

LV: Scott Phillips: The Ice Harvest, 2000 (Alles in einer Nacht)

Heiligabend in Wichita, Kansas: Anwalt Charlie Arglist hat mit seinem Kumpel Vic einen Mafiaboss um zwei Millionen Dollar erleichtert. Bevor er Wichita verlassen kann, muss er noch den Weihnachtsabend überleben. Denn anscheinend wollen die Verwandtschaft, Kleingangster, eine Femme Fatale, ein Killer, sein nicht vertrauenswürdiger Mitverbrecher und der titelgebende Eissturm seinen Plan durchkreuzen.

Hochkarätig besetzte schwarze Komödie, die bei uns leider nur auf DVD veröffentlicht wurde.

Scott Phillips‘ Debütroman war für den Edgar und Hammett Preis nominiert. Das Drehbuch war auch für einen Edgar nominiert.

Mit John Cusack, Billy Bob Thornton, Connie Nielsen, Randy Quaid, Oliver Platt, Ned Bellamy

Hinweise

Homepage von Scott Phillips

Amerikanische Homepage zum Film

Rotten Tomatoes über „The Ice Harvest“


„Gut leben – früh sterben“, „Du fährst nach Hamburg, ich schwör’s dir“ und „Die Härte, der Reichtum und die Weite“ – Ein kurzer Blick auf einige neuere Kurzgeschichten und Essays von Frank Göhre

Dezember 15, 2014

Göhre - Gut leben - früh sterben - 2

Erstens: Frank Göhre ist kein Hamburger. Er lebt nur dort. Seit über dreißig Jahren. Geboren wurde er am 16. Dezember 1943 in Tetschen-Bodenbach. Aufgewachsen ist er in Bochum und nach einigen Umwegen landete er dann in Hamburg.
Zweitens: Ich habe keine Ahnung, ob der Kiez-Chronist wirklich der beste Hamburg-Autor ist. Immerhin gibt es noch Robert Brack und etliche Autoren kenne ich nicht oder würde sie nicht unbedingt mit Hamburg verbinden, auch wenn ihre Geschichten mehr oder weniger in der Stadt spielen. Aber die meisten Romane und Kurzgeschichten von Frank Göhre sind ohne die Stadt und ihre besondere Melange von Politik und Verbrechen nicht denkbar.
Drittens: In „Gut leben – früh sterben: Stories von unterwegs“, dem neuesten Sammelband mit Essays und Kurzgeschichten von Frank Göhre, begibt er sich auch an Orte außerhalb der Hansestadt. Es sind Marakesch (die mit eigenen Betrachtungen gewürzte Textcollage „Hotel Marrakesch“), die USA („Jane, Baby Jane“, „’Spenser, mein Name ist Spenser‘ – Ein Porträt in Selbstaussagen“, „Ein alkoholkranker Cop“ [über „Spenser“-Erfinder Robert B. Parker und Jesse Stone]), deutsche Städte (obwohl ich lieber Örtlichkeiten sagen würde), wie Bad Hamm („Gut leben, früh sterben“), Werne („In Werne hoch zu Pferde“), Breuberg („Breuberger Bilder“), und „Schlaf, Kindchen, schlaf“, Göhres Beitrag zu dem Kettenroman „Gipfeltreffen“, einem hoffnungslos vermurksten, erbärmlich gescheiterten und unlesbarem Werk, das einiges über den Zustand der deutschen Krimiszene aussagt und mir gründlich die Lust an den Werken von einigen deutschen Kriminalromanautoren nahm. Nur Göhre nahm damals die selbstgestellte Aufgabe ernst. Es gibt mehrere, in Hamburg spielende Geschichten und Reportagen und, als eine der wenigen Erstveröffentlichungen, „Kino“, eine Erinnerung an seine Jugend und das Kino.
Die meisten Texte sind schon an anderen Orten, teils in thematischen Kurzgeschichten-Sammlungen (wie verschiedene „Mord am Hellweg“-Anthologien oder „Tatorte Odenwald“), teils im Internet, teils als Nachworte oder als Bonusgeschichten bei Neuauflagen von seinen Romanen erschienen. Insofern ist „Gut leben – früh sterben“, wie „Seelenlandschaften“ und „I and I“ eine handliche Zusammenstellung von bereits bekannten, kürzeren Werken, die sich eher an den Göhre-Fan und weniger an den Göhre-Neueinsteiger, für den es dann doch zu speziell und eklektisch wird, richtet.

Göhre - Du fährst nach Hamburg ich schwör s dir - Ein HeimatfilmGöhre - Die Härte der Reichtum und die Weite - Ein Heimatfilm

Ganz in Hamburg ist er in „Du fährst nach Hamburg, ich schwör’s dir – Ein Heimatfilm“ und „Die Härte, der Reichtum und die Weite – Ein Heimatfilm, Teil II“, die am Stück gelesen, eine Chronik von Hamburg zwischen den späten Fünfzigern und frühen Achtzigern entwerfen. Dabei verbindet er, wie auch in anderen Essays, die Geschichte von Hamburg, vor allem von St. Pauli, mit dort spielenden Filmen, die ein quasi-dokumentarisches Bild ihrer Entstehungszeit geben. Es sind, in „Du fährst nach Hamburg, ich schwör’s dir“
Francesco Rosis Gastarbeiterdrama „Auf St. Pauli ist der Teufel los“ (1959), einige von Jürgen Rolands Kiezfilmen, beginnend mit „Polizeirevier Davidswache“ (1964) (dieser Text erschien als „Es war einmal St. Pauli“ in einer leicht anderen Form in „Jürgen Roland und seine St. Pauli-Filme“ und in „Geile Meile“) und Klaus Lemkes „Rocker“ (1971), und, in „Die Härte, der Reichtum und die Weite“, Roland Klicks „Supermarkt“ (1974), Hark Bohms „Nordsee ist Mordsee“ (1976) und Vadim Glownas „Desperado City“ (1980). Alle Filme eint, neben den Schauplatz Hamburg und dass sie sich auf die Schattenseiten der Stadt konzentrieren, dass sie, so populär und erfolgreich sie bei ihrem Kinostart waren, sie heute, dank weitgehend ausbleibender TV-Wiederholungen und DVD-Veröffentlichungen, nur noch bei Cineasten bekannt sind.
Beim Lesen von Göhres Filmbetrachtungen (die Lust auf ein Wiedersehen der Filme machen) fällt immer wieder auf, wie viel sich in den vergangenen Jahrzehnten änderte. Die Erziehungsheime, über die Ulrike Meinhof in „Bambule“ schrieb, gibt es nicht mehr, Homosexuelle werden nicht mehr verfolgt, das damalige St. Pauli (und damit auch das heute immer noch populäre Bild vom Nachtleben auf der Reeperbahn) gibt es nicht mehr und die kleinen Geschäfte sind Franchise-Unternehmen gewichen. Es fällt auch auf, dass es heute diese Art von quasi-dokumentarischen Spielfilmen nicht mehr gibt. Spontan fällt mir nur Edward Bergers „Jack“ ein, das als ein zeitgemäßes Update von Hark Bohms „Nordsee ist Mordsee“ gesehen werden kann.
Und jetzt sollte Frank Göhre sich an den dritten Teil seines Heimatfilms machen. Immerhin gibt es die „Nachtschicht“-Kriminalfilme von Lars Becker, die tief in das Hamburger Leben eintauchen. Oder Fatih Akins „Kurz und schmerzlos“. Oder Christian Alvarts in den frühen Sechzigern spielende „Banklady“. Und vielleicht gibt es noch einige weitere spannende Hamburg-Filme, die mir gerade nicht einfallen.
Aber davor darf er in aller Ruhe seinen Geburtstag feiern.

Frank Göhre: Gut leben – früh sterben: Stories von unterwegs
Pendragon, 2014
288 Seiten
11,99 Euro

Frank Göhre: Du fährst nach Hamburg, ich schwör’s dir – Ein Heimatfilm
CulturBooks, 2014
65 Seiten
4,99 Euro

Frank Göhre: Die Härte, der Reichtum und die Weite – Ein Heimatfilm, Teil II
CulturBooks, 2014
45 Seiten
3,99 Euro

Hinweise

Homepage von Frank Göhre

Meine Besprechung von Frank Göhres „Der letzte Freier“ (2006)

Meine Besprechung von Frank Göhres „Zappas letzter Hit“ (2006)

Meine Besprechung von Frank Göhres „St. Pauli Nacht“ (2007, überarbeitete Neuausgabe)

Meine Besprechung von Frank Göhres „MO – Der Lebensroman des Friedrich Glauser“ (2008)

Meine Besprechung von Frank Göhres „An einem heißen Sommertag“ (2008)

Meine Besprechung von Frank Göhres „Abwärts“ (2009, Neuausgabe)

Meine Besprechung von Frank Göhres „Seelenlandschaften – Annäherungen, Rückblicke“ (2009)

Meine Besprechung von Frank Göhres „Der Auserwählte“ (2010)

Meine Besprechung von Frank Göhres “Die Kiez-Trilogie” (2011)

Meine Besprechung von Frank Göhres „I and I – Stories und Reportagen“ (2012)

Meine Besprechung von Frank Göhres “Geile Meile” (2013)

Frank Göhre in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 15. Dezember: Polizei, Gewalt und Videos

Dezember 15, 2014

ARD, 22.45
Polizei, Gewalt und Videos – Wenn Einsätze aus dem Ruder laufen (Deutschland 2014, Regie: Daniela Agostini)
Drehbuch: Daniela Agostini
Etwas spät, aber sicher sehenswert: eine 45-minütige Doku über die Auswirkungen von Videos, oft Handy-Videos, die Polizeieinsätze dokumentieren, bei denen sich Polizisten offenischtlich falsch verhielten und die in die Öffentlichkeit gelangten.
In der Doku sollen Täter, Opfer, Anwälte und Politiker zu Wort kommen und sicher wird auch über die nicht vorhandene Fehlerkultur bei der Polizei gesprochen werden.
Hinweise
ARD über die Doku
ai über Polizeigewalt
Wikipedia über Polizeigewalt


Europäischer Filmpreis 2014: Die Gewinner

Dezember 14, 2014

Frisch aus dem Postfach: die Preisträger des 27. Europäischen Filmpreises.

Der Preis wurde vor wenigen Stunden verliehen. Arte zeigt am Sonntag, den 14. Dezember, um 23.55 Uhr (also nach gut vier Stunden Marlon Brando) neunzig Minuten lang Ausschnitte aus der Preisverleihung.

Und jetzt, ohne weitere Kommentare: die glücklichen Gewinner:

EUROPÄISCHER FILM 2014

IDA
Polen/Dänemark
REGIE: Pawel Pawlikowski
DREHBUCH: Paweł Pawlikowski & Rebecca Lenkiewicz
PRODUKTION: Eric Abraham, Piotr Dzięcioł, Ewa Puszczyńska & Christian Husum

 

EUROPÄISCHE KOMÖDIE 2014

THE MAFIA ONLY KILLS IN THE SUMMER

LA MAFIA UCCIDE SOLO D’ESTATE

Italien

REGIE: Pierfrancesco Diliberto

DREHBUCH: Michele Astori, Pierfrancesco Diliberto & Marco Martani

PRODUKTION: Mario Gianani & Lorenzo Mieli

 

EUROPÄISCHER REGISSEUR 2014

Paweł Pawlikowski für IDA

 

EUROPÄISCHE SCHAUSPIELERIN 2014

Marion Cotillard in ZWEI TAGE, EINE NACHT (DEUX JOURS, UNE NUIT)

EUROPÄISCHER SCHAUSPIELER 2014

Timothy Spall in MR. TURNER – MEISTER DES LICHTS (MR. TURNER)

 

EUROPÄISCHES DREHBUCH 2014

Paweł Pawlikowski & Rebecca Lenkiewicz für IDA

 

EUROPÄISCHER DOKUMENTARFILM 2014

MASTER OF THE UNIVERSE

Deutschland/Österreich

REGIE: Marc Bauder

PRODUKTION: Marc Bauder & Markus Glaser

 

EUROPÄISCHE ENTDECKUNG 2014 – Prix FIPRESCI

THE TRIBE
PLEMYA 

Ukraine
DREHBUCH & REGIE: Myroslav Slaboshpytskiy 
PRODUKTION: Valentyn Vasyanovych & Iya Myslytska

 

EUROPÄISCHER ANIMATIONSFILM 2014

THE ART OF HAPPINESS

L’ARTE DELLA FELICITÁ

Italien

REGIE: Alessandro Rak

DREHBUCH: Alessandro Rak & Luciano Stella

 

EUROPEAN FILM ACADEMY KURZFILM 2014

THE CHICKEN
Deutschland/Kroatien 2014, 15 Min., Fiktion

Regie: Una Gunjak

KOPRODUKTIONSPREIS PRIX EURIMAGES 2014

Ed Guiney

 

EUROPÄISCHER BEITRAG ZUM WELTKINO 2014

Steve McQueen

 

PREIS FÜR EIN LEBENSWERK 2014

Agnès Varda

 

PUBLIKUMSPREIS – BESTER EUROPÄISCHER FILM 2014

IDA

Regie: Pawel Pawlikowski

Drehbuch: Pawel Pawlikowski & Rebecca Linkiewicz

 

EFA JURY AWARDS 2014

Die Gewinner in den Kategorien Kamera, Schnitt, Szenen- und Kostümbild, Filmmusik sowie Sounddesign wurden von einer speziellen, siebenköpfigen Jury auf Grundlage der EFA-Auswahl gekürt:

 

Europäischer Kamerapreis – Prix CARLO DI PALMA 2014

Łukasz Żal & Ryszard Lenczewski für IDA

 

Europäischer Schnitt 2014
Justine Wright
für NO TURNING BACK (LOCKE)

 

Europäisches Szenenbild 2014

Claus-Rudolf Amler für DAS FINSTERE TAL

 

Europäisches Kostümbild 2014

Natascha Curtius-Noss für DAS FINSTERE TAL

 

Europäische Filmmusik 2014

Mica Levi für UNDER THE SKIN

 

Europäisches Sounddesign 2014

Joakim Sundström für STARRED UP

 

 


TV-Tipp für den 14. Dezember: Ein Mann wird gejagt

Dezember 14, 2014

Arte, 20.15

Ein Mann wird gejagt (USA 1965, Regie: Arthur Penn)

Drehbuch: Lillian Hellman, Michael Wilson (ungenannt), Horton Foote (ungenannt), Ivan Moffat (ungenannt)

LV: Horton Foote: The Chase (Bühnenstück 1952, später zu einem Roman verarbeitet)

In einer texanischen Kleinstadt jagt ein rachsüchtiger Mob einen entflohenen Häftling. Der Sheriff versucht die Katastrophe zu verhindern.

Hellman jammerte später, die ungenannten Drehbuchautoren hätten ihr Buch verhunzt, Penn autorisierte den Film nicht und dem Studio gefielen die Einnahmen nicht. Kurz: ein ziemliches Desaster, das auch im Rückblick, trotz gelungener Momente, nicht viel besser wird.

„Ein Mann wird gejagt“ ist ein Film, „der über weite Strecken hinter seinen Möglichkeiten bleibt. Seine Bildsymbolik…ist allzu dick aufgetragen, die Topographie der Ortschaft sowie die Hierarchie ihrer Bewohner sind dagegen nicht sorgfältig genug ausgearbeitet, das grandiose Darstellerensemble bleibt sträflich unterfordert.“ (Michael Omasta in Lars-Olav Beier/Robert Müller: Arthur Penn)

Im Anschluss, um 22.25 Uhr, läuft das spielfilmlange Porträt „Marlon Brando – Der Harte und der Zarte“ (Frankreich 2013, Regie: Philippe Kohly).

Am Montag zeigt Arte um 20.15 Uhr „Endstation Sehnsucht“ (USA 1951, Regie: Elia Kazan), ebenfalls mit Marlon Brando.

Mit Marlon Brando, Robert Redford, Jane Fonda, Angie Dickinson, E. G. Marshall, Robert Duvall

Wiederholung: Dienstag, 16. Dezember, 13.45 Uhr

Hinweise

Arte über „Ein Mann wird gejagt“

Rotten Tomatoes über „Ein Mann wird gejagt“

Wikipedia über „Ein Mann wird gejagt“ (deutsch, englisch)

Ein Interview mit Horton Foote

Kriminalakte: Mein Nachruf auf Arthur Penn

Arthur Penn in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 13. Dezember: Whiteout

Dezember 12, 2014

Pro 7, 22.25

Whiteout (USA 2009, Regie: Dominic Sena)

Drehbuch: Jon Hoeber, Erich Hoeber, Chad Hayes, Carey W. Hayes

LV: Greg Rucka/Steve Lieber: Whiteout, 1998/1999 (Whiteout)

Auf der Amundsen-Scott-Forschungsstation in der Antarktis sucht US-Marshal Carrie Stetko einen Mörder.

„Whiteout“ von Autor Greg Rucka (da sollte ein deutscher Verlag mal einige seiner Romane übersetzen) und Zeichner Steve Lieber ist eine tolle Graphic Novel, die ihren größten Reiz aus dem Handlungsort (Hey, wer von uns war schon einmal in der Antarktis?) bezieht. Auf der Kinoleinwand ist der Rätselkrimi dann allerdings, trotz toller Bilder, nur begrenzt interessant. Vielleicht hätten die Macher doch zuerst den zweiten „Whiteout“-Band „Melt“, der ein actionhaltiger Thriller mit Polit-Touch ist, verfilmen sollen.

mit Kate Beckinsale , Gabriel Macht, Tom Skerritt, Columbus Short, Alex O’Loughlin, Shawn Doyle, Joel Keller

Wiederholung: Sonntag, 14. Dezember, 00.15 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Metatrcitic über “Whiteout”

Rotten Tomatoes über “Whiteout”

Wikipedia über “Whiteout” (deutsch, englisch)

Homepage von Greg Rucka

Meine Besprechung von Greg Rucka/Steve Liebers „Whiteout“ (Whiteout, 1998/1999)

Meine Besprechung von Greg Rucka/Steve Liebers „Whiteout: Melt“ (Whiteout: Melt, 1999/2000)

Meine Besprechung von Greg Ruckas “Die Welt ohne Superman” (The Sleepers, 2009)

Meine Besprechung von Greg Ruckas “Batman: Hinter der Maske” (Cutter, März – Mai 2010/Beneath the Mask,  Juni – Juli 2010/Good King Wencesias, Februar 2009)

Greg Rucka in der Kriminalakte

„Whiteout“ in der Kriminalakte (mit vielen Interviews, Reaktionen und Analysen)


Kleinkram

Dezember 12, 2014

Ein kleiner Blick in meinen Briefkasten:

Ab heute, nein, HEUTE könnt ihr Karten für „das Kinohighlight 2015“ kaufen, das am 12. Februar 2015 in unseren Kinos anläuft.

Und das wäre „Fifty Shades of Grey“, was kein Film über moderne Malerei oder ein SW-Film über die Graustufen zwischen S und W ist, sondern das:

Sieht für mich wie die jugendfreie Hochglanzversion von „9 1/2 Wochen“ (auch eine Romanverfilmung) aus:

Ein neuer Trailer für den neuen Michael-Mann-Film „Blackhat“ ist draußen:

Darum geht es, laut Verleih: In einer Welt voller globaler Cyberkriminalität jagt in BLACKHAT ein Verurteilter auf Freigang zusammen mit amerikanischen und chinesischen Spezialisten ein hochgefährliches Hackernetzwerk quer über die Welt: Von Chicago über Los Angeles nach Hong Kong und Jakarta.

Und so richtig begeistert bin ich immer noch nicht. Aber, hey, es ist Michael Mann!

Der deutsche Kinostart ist am 5. Februar 2015.

Das nenne ich früh: der erste Trailer für die Antoine-de-Saint-Exupéry-Verfilmung „Der kleine Prinz“ ist draußen:

Der Film startet am 15. Oktober 2015.

Der Grafit-Verlag freut sich:

Schauspieler Francis Fulton-Smith hat sich die Filmrechte an Jan Zweyers historischem Kriminalroman „Eine brillante Masche – Die fast wahre Geschichte eines Lügners“ gesichert.

Damit wäre die erste Hürde für eine Verfilmung genommen.

Am 29. und 30. Dezember läuft um 20.15 Uhr im Ersten die TV-Fassung der überraschend gelungenen Noah-Gordon-Verfilmung „Der Medicus“. Sie soll insgesamt dreißig Minuten länger als die Kinofassung sein, wobei man für Vor- und Abspann sicher wieder einiges abziehen kann. Naja, Schnittberichte wird uns danach über die Unterschiede zwischen TV- und Kinofassung aufklären.

Im Kino sahen sich 3,6 Millionen Menschen den Film an.

Ach ja: die Golden-Globe-Nominierungen.

 


TV-Tipp für den 12. Dezember: Das Mädchen und der Kommissar

Dezember 12, 2014

3sat, 22.35

Das Mädchen und der Kommissar (Frankreich/Italien 1971, Regie: Claude Sautet)

Drehbuch: Claude Sautet, Jean-Loup Dabadie, Claude Néron

LV: Claude Néron: Max et les ferrailleurs, 1968

Ein ehrgeiziger Polizist animiert, mit Hilfe einer Prostituierten, eine Gruppe von Kleingangstern zu einem Banküberfall. Er will sie auf frischer Tat ertappen.

Der vorzügliche französische Kriminalfilm mit Starbesetzung ist eine beklemmende Charakterstudie über einen ehrgeizigen Polizisten und die Annahme, dass der Zweck die Mittel heilige.

Mit Romy Schneider, Michel Piccoli, Bernard Fresson

Hinweise

Wikipedia über “Das Mädchen und der Kommissar” (deutsch, englisch, französisch)

Romy-Schneider-Fanseite über “Das Mädchen und der Kommissar”


Neu im Kino/Filmkritik: „#Zeitgeist – Von digitaler Nähe und analoger Entfremdung“ erzählt von Männern, Frauen und ihren Kindern

Dezember 11, 2014

„#Zeitgeist“ ist kein wirklich schlechter Film. Immerhin ist er von Jason Reitman, der mit „Thank you for Smoking“, „Juno“, „Up in the Air“ und „Young Adult“ einige äußerst gelungene satirische Komödien inszenierte. Und auch „Labor Day“ war kein vollkommener Reinfall. Es war nur eine äußerst kitschige und unglaubwürdige Schmonzette, gewohnt feinfühlig, aber auch todernst und bieder bis zum Abwinken erzählt. Sein neuester Film „#Zeitgeist“ soll nun eine Bestandsaufnahme der Gegenwart sein, indem er anhand von sieben WASP-Familien, die in einer Vorstadt von Austin, Texas, leben, über die Beziehungen von Eltern zu ihren Kindern, von Männern zu Frauen und welche Rolle dabei die modernen Medien, also Computer und Facebook, spielen, erzählt.
Es geht um einen fremdgehenden Vater, der auf dem Computer seines Sohnes Porno-Seiten entdeckt. Seine Frau sucht ebenfalls amouröse Abenteuer. Es geht um eine ehrgeizige Mutter und ihre noch ehrgeizigere Tochter, die unbedingt berühmt werden möchte; was heißt „im Fernsehen sein“. Egal wie. Es geht um einen alleinerziehenden Football-begeisterten Vater, der den Kontakt zu seinem Sohn verliert. Denn dieser vermisst seine Mutter, die sie vor kurzem verließ. Seitdem spielt der gute Sportler nicht mehr in der Football-Mannschaft mit, sondern spielt das Multiplayer-Onlinespiel „Guild Wars“. Es geht um einen magersüchtigen Teenager. Es geht um eine kontrollsüchtige Mutter, die die NSA in den Schatten stellt.
Es geht immer um Beziehungen. Zwischen den Erwachsenen. Zwischen den die gleiche Schule besuchenden Jugendlichen. Zwischen den Eltern und ihren Kindern.
Das alles ist durchaus feinfühlig erzählt, die Schauspieler sind gut, aber über den Einfluss der modernen Kommunikation auf das Zusammenleben von Eltern und ihren Kindern erfahren wir, auch weil in dem Ensemblefilm keine Geschichte besonders überzeugend ist, nichts Substantielles. Vieles wirkt auch einfach ausgedacht und übertrieben. So ist, jedenfalls aus deutscher Sicht, die von Jennifer Garner gespielte Gluckenmutter, die mit missionarische Eifer vor den Gefahren das Internets warnt und dafür auch einen Selbsthilfe-Gesprächskreis hat, ein Cartoon-Charakter der langweiligen Sorte. Und die Panik an der Schule, als ein Junge nicht mehr Football spielen will, geht grotesk an den Problemen vorbei. Der Schulpsychiater will, dass er wieder in der Mannschaft mitspielt. Dass er gerade von seiner Mutter verlassen wurde und er jetzt von seinem Vater erzogen wird, wird dagegen in dem Gespräch nicht angesprochen. Die Internet-Pornoseite und das Computerspiel sind einfach nur austauschbare Gimmicks, die vor dreißig Jahren ein Porno-Magazin und irgendeine zeitintensive, aber schulferne Freizeitbeschäftigung (wie das Kiffen in einer Band) waren. Und dass auch die besten Ehen, irgendwann ihre Probleme haben, ist nichts neues. Immerhin darf Dennis Haysbert („24“, „The Unit“) als Liebhaber auftreten und Adam Sandler spielt ungewohnt zurückhaltend einen Vater und Ehemann.
Aber keine dieser Geschichten hat eine wirkliche emotionale Schlagkraft oder eine überraschende Wendung. Immer ist ein Malen-nach-Zahlen-Gefühl und das Wissen, dass man das alles schon besser gesehen hat, vorhanden.
Zu dem stockbiederen Erzählduktus, der die Geschichten parallel, aber, auch auf der visuellen Ebene, ohne Überraschungen erzählt, kommt noch die bescheuerte Idee, Bilder aus dem Weltall zu zeigen und im Original Emma Thompson als Erzählerin Carl Sagan zitieren und über die Botschaft der 1977 von der NASA losgeschickten Weltraumsonde Voyager an Außerirdische, die Kleinheit des Menschen im Universum und die Gedanken der Filmcharaktere philosphieren zu lassen. Das ist dann so New Agig, dass auch der gutwilligste Zuschauer sich fragt, was diese pathetische Botschaft aus den Siebzigern über den heutigen Zeitgeist aussagen soll.
Im Vergleich mit Henry-Alex Rubins Episodendrama „Disconnect“, das im Januar bei uns in einigen Kinos lief, fällt die Enttäuschung über Jason Reitmans „#Zeitgeist“ noch größer aus. Denn „Disconnect“ erzählt mit viel stärkeren Geschichten und einem viel diverserem Cast viel eindrucksvoller über die Veränderungen der sozialen Beziehungen durch moderne Kommunikationsmittel und auch wie sehr sie nur eine neue Schicht sind, die sich über elementare Dramen und Gefühle legt. In Rubins Film ist alles das vorhanden, was in Reitmans Schul- und Familiendrama fehlt.

#Zeitgeist - Neues_Plakat

#Zeitgeist – Von digitaler Nähe und analoger Entfremdung (Men, Women, and Children, USA 2014)
Regie: Jason Reitman
Drehbuch: Jason Reitman, Erin Cressida Wilson
LV: Chad Kultgen: Men, Women, and Children, 2011
mit Timothee Chalamet, Olivia Crocicchia, Kaitlyn Dever, Rosemarie DeWitt, Ansel Elgort, Jennifer Garner, Judy Greer, Dennis Haysbert, Katherine Hughes, Elena Kampouris, Shane Lynch, Dean Norris, Will Peltz, Adam Sandler, J. K. Simmons, Travis Tope, Emma Thompson (Erzählerin im Original)
Länge: 120 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „#Zeitgeist“
Moviepilot über „#Zeitgeist“
Metacritic über „#Zeitgeist“
Rotten Tomatoes über „#Zeitgeist“
Wikipedia über „#Zeitgeist“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Jason Reitmans „Young Adult“ (Young Adult, USA 2011)

Meine Besprechung von Jason Reitmans „Labor Day“ (Labor Day, USA 2013)


Neu im Kino/Filmkritik: „The Loft“ – fünf Männer, fünf Schlüssel, eine Frauenleiche, ein Problem

Dezember 11, 2014

Wer nicht gerade zu den vergleichenden Filmwissenschaftlern gehört, wird mit der US-Version von „The Loft“ ein Problem haben: Erik Van Looy inszenierte ein Remake von seinem 2008er Kinohit „Loft – Tödliche Affären“, das sich kaum vom Original unterscheidet. Entsprechend bekannt sind, wenn man das Original kennt, die Dialoge und Twists, auf denen die vertrackte Whodunit-Filmgeschichte aufbaut.
„The Loft“ ist einfach die US-Version von „Loft – Tödliche Affären“, mit höherem Budget und bekannteren Schauspielern. Die Geschichte wurde nicht verändert und ist, wenn man das Original oder das bei uns fast unbekannte 2010er Remake „Loft – Liebe, Lust, Lügen“ von Antoinette Beumer, das bei uns nur auf DVD erschien, nicht kennt, ein herrlich gemeiner und vertrackter Rätselkrimi über fünf verheiratete Männer, die in einem Luxusapartment ihre Schäferstündchen abhalten, bis eines Tages Luke Seacord (Wentworth Miller) in dem Loft eine nackte, blutbesudelte, an das Bett gekettete Frauenleiche entdeckt. Panisch informiert er Vincent Stevens (Karl Urban), Chris Vanowen (James Marsden), Marty Landry (Eric Stonestreet) und Philip Trauner (Matthias Schoenaerts, der schon im Original dabei war). Die fünf Ehebrecher fragen sich, wer von ihnen der Mörder ist. Denn es gibt nur fünf Schlüssel für das Loft.
Erik Van Looy, der auch den genialen Thriller „Mörder ohne Erinnerung“/“Totgemacht – The Alzheimer Case“ inszenierte, inszenierte, mit vielen Rückblenden, wie die fünf Männer versuchen, mit der Situation umzugehen, sich dabei gegenseitig verdächtigen und hinter einige schmutzige Geheimnisse kommen. Denn, entsprechend der alten Thriller-Regel „Nichts ist so, wie es scheint“, hat jeder mindestens ein Geheimnis vor seinen besten Freunden.
Das Erzähltempo ist hoch, die Twists sind (jedenfalls wenn man das Original nicht kennt) unvorhersehbar und die Schauspieler sind gut. Wobei die Schauspieler sich im Remake noch mehr ähneln als im Original, wo sie eher unterscheidbare, aus einem Werbekatalog entsprungene Charakterköpfe waren. Im Remake sind es eher dunkelhaarige Schönlinge mit gut aussehenden Frauen, die man leicht verwechseln kann; was auch von Erik Van Looy beabsichtigt war. Und mit seiner Hochglanz-Optik, seinem subtil-ätzendem Kommentar zur bürgerlichen Ehe und den immer auf ihre hübsche Fassade bedachten Charakteren reiht sich „The Loft“ sehr gelungen in die Reihe von aktuellen Thrillern, wie „Gone Girl“ und „Ich. Darf. Nicht. Schlafen“, ein, die ebenfalls einen Blick auf die Ehe im 21. Jahrhundert werfen.
Aber wer bereits Erik Van Looys „Loft – Tödliche Affären“, das bei uns auf dem Fantasy-Filmfest lief, auf DVD veröffentlicht und bereits im Fernsehen gezeigt wurde, gesehen hat, erfährt in „The Loft“ nichts Neues. Deshalb ist sein US-Remake, wie Michael Hanekes „Funny Games“, ein spannender, aber auch redundanter Thriller.

The Loft - Plakat

The Loft (The Loft, USA 2014)
Regie: Erik Van Looy
Drehbuch: Wesley Strick, Bart de Pauw
mit Karl Urban, James Marsden, Wentworth Miller, Eric Stonestreet, Matthias Schoenaerts, Isabel Lucas, Rachael Taylor, Rhona Mitra, Valerie Cruz
Länge: 103 Minuten
FSK: ab 16 Jahre

Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „The Loft“
Moviepilot über „The Loft“
Metacritic über „The Loft“
Rotten Tomatoes über „The Loft“
Wikipedia über „The Loft“


TV-Tipp für den 11. Dezember: Where’s the Beer and When do we get paid?

Dezember 11, 2014

ZDFkultur, 21.30
Where’s the Beer and When do wie get paid? (Deutschland 2012, Regie: Sigrun Köhler, Wiltrud Baier)
Drehbuch: Sigrun Köhler, Wiltrud Baier
Unkommentierte Doku über Jimmy Carl Black, die der frühere „The Mothers of Invention“ (Yeah, Frank Zappa!) nicht mehr erlebte. Der in Bayern lebende Schlagzeuger starb bereits 2008.
mit Jimmy Carl Black, Arthur Brown, Don Preston, Eugene Chadbourne
Hinweise
Moviepilot über „Where’s the Beer and When do we get paid?“
Filmportal über „Where’s the Beer and When do we get paid?“
Wikipedia über Jimmy Carl Black (deutsch, englisch)

Und ein kurzer Konzertausschnitt aus einem Konzert mit Jimmy Carl Black


75 Jahre Batman – und Bruce Wayne darf sich immer noch nicht ausruhen

Dezember 10, 2014

Batman Anthologie - 2

Nein, wie ein 75-jähriger sieht Bruce Wayne wirklich nicht aus. Auch körperlich ist der reiche Playboy und Wohltäter für einen so alten Mann erstaunlich fit. Aber Batman ist ja nur ein Comic-Charakter, der vor 75 Jahren sein erstes Abenteuer erlebte.
Seinen ersten Auftritt hatte der von Bob Kane erfundene Verbrechensbekämpfer als Bat-Man im Mai 1939 in „Detective Comics 27“ in der sechseitigen Geschichten „Der Fall des Chemiesyndikats“, einer typischen Kriminalgeschichte, in der ein maskierter Verbrechensbekämpfer handfest für Recht und Ordnung sorgt nachdem ein Chemiefabrikant ermordet wird und sein Sohn der Mörder sein soll. Die bekannte Ursprungsgeschichte von Batman, die Ermordung seiner Eltern in einer Gasse mit ihm als Zeugen, wurde dann erstmals im November 1939 in „Detective Comics 33“ als Zweiseiter erzählt.
Diese beiden Geschichten sind, neben achtzehn weiteren Batman-Geschichten, in der „Batman Anthologie“ enthalten, die für Neueinsteiger und langjährige Fans gleichermaßen lesenswert ist. Immerhin spannen die Herausgeber der Anthologie den Bogen von den ersten Auftritten des Helden bis in die Gegenwart mit wichtigen Geschichten, in denen teilweise legendäre Freunde und Gegner zum ersten Mal auftraten und es neue Entwicklungen und interessante Abwege im „Batman“-Kosmos gab. So schrieb „Captain Future“-Autor Edmond Hamilton 1955 eine Geschichte über einen Batman aus dem Jahr 3055, der zusammen mit dem Gegenwart-Batman gegen Bösewichter kämpft, und 1958 ließ er Batman, Robin und Superman gemeinsam gegen Bösewichter kämpfen. Außerdem zeigen die Geschichten, wie sehr sich der Comic in den vergangenen Jahrzehnten veränderte. So hat der Zeichenstil der ersten „Batman“-Geschichten nichts mehr mit dem heutigen Stil zu tun und die Geschichten wurden länger und komplexer, was die Auswahl bei den neuen Geschichten schwierig macht. Denn aus achtseitigen, nicht miteinander zusammenhängenden Geschichten wurden teilweise sich über mehrere Hefte erstreckende Geschichten und auch mal mehrere hundert Seiten lange Epen.
Zu den zwanzig Comics gibt es kurze Texte, die die Bedeutung der Geschichte und die Wandlungen bestimmter Charaktere im „Batman“-Kosmos erläutern. Die „Batman Anthologie“ vereint gelungen Information mit Entertainment mit dem Entdecken alter Geschichten, die sonst kaum erhältlich sind.
Mehr in die Gegenwart geht es mit David Laphams „Stadt der Sünde“ (City of Crime), ursprünglich erschienen 2005/2006 in Detective Comics # 800 – 814. In dieser langen Geschichte kämpft Bruce Wayne gegen „Die Körper“; – etwas, das aus Menschen willenlose Kreaturen aus Dreck und Erde macht.
Als eigenständige Geschichte überzeugt Laphams Werk nicht wirklich, weil der Gegner zu gesichtslos bleibt und die meisten Bösewichter (auch altbekannte Batman-Gegner) zu grotesk sind, während in anderen Teilen ein Noir-Porträt einer Großstadt gezeichnet wird. Ein großer Teil der Geschichte spielt Crown Point, einem Hafenarbeiterviertel, das direkt aus den vierziger Jahren zu stammen scheint.
Nach dem bislang letzten Neustart aller DC-Serien 2011 wurden und werden noch einmal die Ursprungsgeschichten von Batman, seiner Freunde und Gegner, erzählt. Natürlich mit anderen Schwerpunkten und Akzenten.
In dem Sammelband „Der Herrscher von Gotham“ übernahmen Autor John Layman und Zeichner Jason Fabok das Ruder bei den Detective Comics. In dem Comicbuch erzählen sie den Anfang der Geschichte von Ignatius Ogilvy, der rechten Hand des Pinguins, der als Kaiser Pinguin die Macht in Gotham übernehmen will und Oswald Chesterfield Cobblepot, der sich als Gangsterboss Pinguin nennt, vernichten will. Außerdem bereitet er Batman etliche Probleme.
Mit „Liebe und Wahn“ setzt Thriller-Autor Gregg Hurwitz in „Batman – The Dark Knight“ seine Batman-Geschichten fort. In „Liebe und Wahn“ wird die Ursprungsgeschichte von Jervis Tetch, dem Mad Hatter, neu erzählt. Gleichzeitig kämpft Batman in der Gegenwart gegen ihn. Denn als Chef einer Gangsterbande entführt der Mad Hatter wahllos Menschen und tötet sie, wenn sie sich nicht seinen Wünschen beugen. Auch Bruce Waynes neue Freundin Natalya Trusevich ist eines seiner Opfer.
„Der Herrscher von Gotham“ und „Liebe und Wahn“ sind willkommene Ergänzungen im Batman-Kosmos.
Ausgehend von Batmans Kampf gegen den Rat der Eulen (erzählt von Scott Snyder und Greg Capullo in den „Batman“-Sammelbänden „Der Rat der Eulen“ und „Die Stadt der Eulen“), eine seit Jahrhunderten in Gotham bestehenden Geheimloge, erzählt der hauptsächlich von Scott Snyder und James Tynion IV geschriebene vierhundertseitige „Talon“-Megaband „Der Geheimbund von Gotham“ die Geschichte von Calvin Ross, einem Talon. Der vom Rat der Eulen ausgebildete Killer kehrt nach dem Ende der Loge nach Gotham zurück und muss erfahren, dass der Rat der Eulen immer noch existiert. In dieser in Gotham spielenden Geschichte hat Batman nur eine Nebenrolle.

Batman Anthologie – 20 legendäre Geschichten über den Dunklen Ritter
(übersetzt von Michael Bregel, Jörg Fassbender, Monja Reichert)
Panini Comics, 2014
372 Seiten
29,99 Euro

Lapham - Batman - Stadt der Sünde - Hardcover - 2Lapham - Batman - Stadt der Sünde - Softcover - 2

David Lapham/Ramon Bachs/Nathan Massengill: Batman: Stadt der Sünde
(übersetzt von Steve Kups)
Panini Comics, 2014
292 Seiten
24,99 Euro

Originalausgabe/enthält
Detective Comics 800 – 814
DC Comics, Januar 2005 – Februar 2006

Layman -Batman Detective Comics - Der Herrscher von Gotham - 2

John Layman/Jason Fabok/Andy Clarke: Batman Detective Comics: Der Herrscher von Gotham (Band 3)
(übersetzt von Steve Kups)
Panini Comics, 2014
284 Seiten
19,99 Euro

Originalausgabe/enthält
Detective Comics 13 – 20
DC Comics, Dezember 2012 – Juli 2013

Hurwitz - Batman - Liebe und Wahn - 2Hurwitz - Batman - Liebe und Wahn - Hardcover - 2
Gregg Hurwitz/Ethan van Sciver/Szymon Kudranski: Batman – The Dark Knight: Liebe und Wahn (Band 3)
(übersetzt von Steve Kups)
Panini Comics, 2014
180 Seiten
14,99 Euro

Originalausgabe/enthält
Batman: The Dark Knight 16 – 21, Batman: The Dark Knight Annual 1
DC Comics, März 2013 – August 2013

Snyder - Talon - Der Geheimbund von Gotham - 2
Scott Snyder/James Tynion IV/Marguerite Bennett/Tim Seeley/Christy Marx: Talon: Der Geheimbund von Gotham
(übersetzt von Alexander Rösch)
Panini Comics, 2014
404 Seiten
30 Euro

Originalausgabe/enthält
Talon 0 – 17, Detective Comics 19 (III), Birds of Prey 21
DC Comics, November 2012 – Mai 2014

Hinweise

DC Comics über Batman

Wikipedia über Batman (deutsch, englisch)

Homepage von Gregg Hurwitz

Meine Besprechung von Scott Snyder/Stephen King/Rafael Albuquerques (Zeichner) „American Vampire – Band 1“ (American Vampire, Vol. 1 – 5, 2010)

Meine Besprechung von Scott Snyder/Rafael Albuquerque/Mateus Santoloucos “American Vampire – Band 2″ (American Vampire, Vol. 6 – 11, 2010/2011)

Meine Besprechung von Scott Snyder/Rafael Albuquerque/Danijel Zezeljs “American Vampire – Band 3″ (American Vampire, Vol. 12 – 18, 2011)

Meine Besprechung von Scott Snyder/Sean Murphys “American Vampire – Das Überleben des Stärkeren, Band 4″ (American Vampire: The Survival of the Fittest, 2011)
Meine Besprechung von Frank Miller/Jim Lee/Scott Williams’ “All-Star Batman” (All Star Batman & Robin: The Boy Wonder, 2005 – 2008)
Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos “Batman: Kaputte Stadt” (Batman: Broken City, 2003/2004)

Meine Besprechung von Gregg Hurwitz/David Finchs „Batman – The Dark Knight: Angst über Gotham (Band 2)“ (Batman: The Dark Knight # 10 – 15, August 2012 – Februar 2013)

Meine Besprechung von Scott Snyder/Greg Capullos „Batman: Der Rat der Eulen (Band 1)“ (Batman # 1 – 7, November 2011 – Mai 2012)

Meine Besprechung von Scott Snyder/Greg Capullos „Batman: Die Stadt der Eulen (Band 2)“ (Batman # 8 – 12, Juni 2012 – Oktober 2012)

Homepage von Chew/John Layman

Comicgate: Interview mit John Layman (5. März 2011)

Meine Besprechung von John Layman/Rob Guillorys „Chew – Bulle mit Biss: Leichenschmaus (Band 1)“ (Chew Vol. 1: Taster’s Choice, 2009)

Meine Besprechung von John Layman/Rob Guillorys „Chew – Bulle mit Biss: Reif für die Insel (Band 2)“ (Chew: International Flavor, 2010)

Meine Besprechung von John Layman/Rob Guillorys „Chew – Bulle mit Biss: Eiskalt serviert (Band 3)“ (Chew Vol. 3: Just Desserts, 2010)

Meine Besprechung von John Layman/Rob Guillorys „Chew – Bulle mit Biss!: Flambiert (Band 4)“ (Chew, Vol. 4: Flambé, 2011)

Meine Besprechung von John Layman/Rob Guillorys „Chew – Bulle mit Biss!: Erste Liga“ (Band 5) (Chew Vol. 5: Major Legue Chew, 2012)

Meine Besprechung von John Layman/Rob Guillorys „Chew – Bulle mit Biss!: Space Kekse (Band 6)“ (Chew Vol. 6: Space Cakes, 2013)

Meine Besprechung von David Lapham (Autor)/Kyle Bakers (Zeichner) “Deadpool MAX: Lang lebe Hydra!” (Deadpool MAX 7 – 12, 2011)


Teaser für die Wolf-Haas-Verfilmung „Das ewige Leben“ ist online

Dezember 10, 2014

Am 19. März 2015 ist es soweit. Die vierte Brenner-Verfilmung „Das ewige Leben“, wieder nach einem Roman von Wolf Haas, mit Josef Hader als Brenner, inszeniert von Wolfgang Murnberger, kommt in unsere Kinos. Und weil das bewährte Team wieder zusammen ist, geht es, wie der Teaser zeigt, im gewohnten Stil von „Komm, süßer Tod“, „Silentium“ und „Der Knochenmann“ weiter.

Ich freu mich drauf.