TV-Tipp für den 13. August: Eye in the Sky – In letzter Sekunde

August 13, 2019

ARD, 22.45

Eye in the Sky – In letzter Sekunde (Eye in the Sky, Großbritannien 2015)

Regie: Gavin Hood

Drehbuch: Guy Hibbert

Ein über den halben Globus verteiltes Team beobachtet mittels einer Drohne und eines Agenten vor Ort die Zusammenkunft von islamistischen Terroristen in einem Haus in Nairobi. Als sie sehen, dass die Terroristen sich auf einen Selbstmordanschlag vorbereiten, stehen sie vor der Frage, ob sie weiter beobachten oder den vermuteten Anschlag verhindern wollen.

TV-Premiere eine gut besetzten, gut gespielten und zum Nachdenken anregenden Dramas über den Drohnenkrieg, die damit verbundenen Entscheidungen und moralischen Fragen.

Bei uns erschien „Eye in the Sky“ direkt auf DVD.

mit Helen Mirren, Aaron Paul, Alan Rickman, Barkhad Abdi, Jeremy Northam, Iain Glen, Phoebe Fox,Monica Dolan, Michael O’Keefe, Laila Robins, Gavin Hood

Wiederholung: Mittwoch, 14. August, 02.10 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Eye in the Sky“

Wikipedia über „Eye in the Sky“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Gavin Hoods „Ender’s Game – Das große Spiel“ (Ender’s Game, USA 2013)


TV-Tipp für den 12. August: Verdacht

August 11, 2019

Arte, 20.15

Verdacht (Suspicion, USA 1941)

Regie: Alfred Hitchcock

Drehbuch: Samson Raphaelson, Joan Harrison, Alma Reville

LV: Francis Iles (Pseudonym von Anthony Berkeley): Before the fact, 1932 (Vor der Tat)

Hals über Kopf verknallt sich die schüchterne, vermögende Lina McLaidlaw in den Playboy Johnny Aysgarth. Nach ihrer Heirat erfährt sie, dass ihr Mann ein Spieler ist und dringend Geld braucht. Deshalb befürchtet sie, dass er sie umbringen will.

Klassiker.

Zur Einordnung: Das ist der Hitchcock, in dem Grant mit einem Glas Milch auf einem Tablett eine Treppe hochgeht.

“Durchaus spannend, aber auch humorvoll, ist ‘Verdacht’ eine Kriminalgeschichte ohne ein Verbrechen.” (Meinolf Zurhorst: Lexikon des Kriminalfilms)

mit Joan Fontaine, Cary Grant, Sir Cedric Hardwicke, Nigel Bruce

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Verdacht“

Wikipedia über „Verdacht“ (deutsch, englisch)

Wikipedia über Alfred Hitchcock (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 2“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 2″

Meine Besprechung von Alfred Hitchcocks „Mr. und Mrs. Smith“

Meine Besprechung von Thily Wydras “Alfred Hitchcock”

Meine Besprechung von Robert V. Galluzzos “Psycho Legacy” (The Psycho Legacy, USA 2010 – eine sehenswerte Doku über die “Psycho”-Filme mit Anthony Perkins, mit vielen Stunden informativem Bonusmaterial)

Meine Besprechung von Stephen Rebellos “Hitchcock und die Geschichte von ‘Psycho’” (Alfred Hitchcock and the Making of ‘Psycho’, 1990)

Meine Besprechung von Sacha Gervasis auf Stephen Rebellos Buch basierendem Biopic “Hitchcock” (Hitchcock, USA 2012)

Meine Besprechung von Henry Keazors (Hrsg.) “Hitchcock und die Künste” (2013)


TV-Tipp für den 11. August: Hitchcock

August 10, 2019

ARD, 00.05

Hitchcock (Hitchcock, USA 2012)

Regie: Sacha Gervasi

Drehbuch: John J. McLaughlin

LV: Stephen Rebello: Alfred Hitchcock and The Making of Psycho, 1990 (Hitchcock und die Geschichte von „Psycho“)

Biopic über die Dreharbeiten zu „Psycho“ und die Beziehung zwischen Alfred Hitchcock und seiner Frau Alma Reville.

Die Dialoge sind pointiert, der Humor hitchcockian, die Schauspieler grandios, das Zeitkolorit treffend, die Faktentreue – naja, warum soll man bibeltreu bei den Fakten bleiben, wenn sie einer gelungenen Pointe im Weg stehen. Entstanden ist eine Geschichte, die in dieser Version, so meine Vermutung, Alfred Hitchcock gefallen hätte.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

Der Sendetermin dieser schon lange überfälligen TV-Premiere ist eine Frechheit, für die es keine Entschuldigung gibt.

mit Anthony Hopkins, Helen Mirren, Scarlett Johansson, Danny Huston, Toni Collette, Michael Stuhlbarg, Michael Wincott, Jessica Biel, James D’Arcy, Kurtwood Smith, Ralph Macchio, Tara Summers

Wiederholung: Montag 12. August, 03.15 Uhr (Taggenau!)

Die Vorlage

Rebello - Hitchcock und die Geschichte von Psycho2

Stephen Rebello: Hitchcock und die Geschichte von „Psycho“

(mit einem neuen Vorwort von Stephen Rebello)

(übersetzt von Lisa Kögeböhn, Bernhatt Matt und Uli Meyer)

Heyne, 2013

416 Seiten

9,99 Euro (nur noch als Kindle)

Erstausgabe

Alfred Hitchcock and The Making of Psycho

Dembner Books, 1990

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Metacritic über „Hitchcock“

Rotten Tomatoes über „Hitchcock“

Wikipedia über „Hitchcock“ (deutsch, englisch)

Wikipedia über „Psycho“ (deutsch, englisch)

Wikipedia über Alfred Hitchcock (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 2“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 2″

Meine Besprechung von Alfred Hitchcocks „Mr. und Mrs. Smith“

Meine Besprechung von Thily Wydras “Alfred Hitchcock”

Meine Besprechung von Robert V. Galluzzos “Psycho Legacy” (The Psycho Legacy, USA 2010 – eine sehenswerte Doku über die “Psycho”-Filme mit Anthony Perkins, mit vielen Stunden informativem Bonusmaterial)

Meine Besprechung von Stephen Rebellos “Hitchcock und die Geschichte von ‘Psycho’” (Alfred Hitchcock and the Making of ‘Psycho’, 1990)

Meine Besprechung von Sacha Gervasis auf Stephen Rebellos Buch basierendem Biopic “Hitchcock” (Hitchcock, USA 2012)

Meine Besprechung von Henry Keazors (Hrsg.) “Hitchcock und die Künste” (2013)

Meine Besprechung von Robert Blochs “Psycho” (Psycho, 1959)

 


TV-Tipp für den 10. August: Vertigo – Aus dem Reich der Toten

August 9, 2019

ARD, 23.30

Vertigo – Aus dem Reich der Toten (Vertigo, USA 1958)

Regie: Alfred Hitchcock

Drehbuch: Alex Coppel, Samuel Taylor

LV: Pierre Boileau/Thomas Narcejac: D´entre les morts, 1954 (Aus dem Reich der Toten, Vertigo)

Scottie verfolgt im Auftrag eines Freundes dessen von einer Toten besessene, selbstmordgefährdete Frau Madelaine. Nach ihrem Tod trifft Scottie auf Judy. Er will sie zu Madelaines Ebenbild formen.

Beim Filmstart erhielt “Vertigo” gemischte Kritiken. Heute wird der Rang von “Vertigo” als eines von Hitchcocks Meisterwerken von niemandem mehr ernsthaft bestritten.

Mit James Stewart, Kim Novak, Barbara Bel Geddes, Henry Jones, Tom Helmore, Raymond Bailey

Hinweise

Wikipedia über “Vertigo” (deutsch, englisch)

Turner Classic Movies über “Vertigo”

Rotten Tomatoes über “Vertigo”

Sex in a Submarine (Drehbuchautor William C. Martell) über “Vertigo”

Wikipedia über Alfred Hitchcock (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 2“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 2″

Meine Besprechung von Alfred Hitchcocks „Mr. und Mrs. Smith“

Meine Besprechung von Thily Wydras “Alfred Hitchcock”

Meine Besprechung von Robert V. Galluzzos “Psycho Legacy” (The Psycho Legacy, USA 2010 – eine sehenswerte Doku über die “Psycho”-Filme mit Anthony Perkins, mit vielen Stunden informativem Bonusmaterial)

Meine Besprechung von Stephen Rebellos “Hitchcock und die Geschichte von ‘Psycho’” (Alfred Hitchcock and the Making of ‘Psycho’, 1990)

Meine Besprechung von Sacha Gervasis auf Stephen Rebellos Buch basierendem Biopic “Hitchcock” (Hitchcock, USA 2012)

Meine Besprechung von Henry Keazors (Hrsg.) “Hitchcock und die Künste” (2013)

Alfred Hitchcock in der Kriminalakte

 


TV-Tipp für den 9. August: Marnie

August 8, 2019

Wegen des 120. Geburtstags von Alfred Hitchcock am 13. August laufen die Tage einige Hitchcock-Filme. Morgen läuft „Vertigo – Aus dem Reich der Toten“ (ARD, 23.30 Uhr), am Montag „Verdacht“ (Arte, 20.15 Uhr) und am Sonntag „Hitchcock“ (ARD, 00.05 Uhr, TV-Premiere des Biopics über die Dreharbeiten zu „Psycho“).

BR, 22.55

Marnie (Marnie, USA 1964)

Regie: Alfred Hitchcock

Drehbuch: Jay Presson Allan

LV: Winston Graham: Marnie, 1961 (Marnie)

Ein Verleger verknallt sich in eine Kleptomanin.

„Marnie“ ist – nach mehreren Klassikern – ein schwacher Hitchcock, der von der damaligen Kritik ziemlich verrissen wurde. Sean Connery bewies allerdings schon zu Bond-Zeiten seine Lust auf ungewöhnliche Rollen: der Geheimagent ihrer Majestät als Weichei.

„Marnie ist Hitchcocks Phantasie über das kleine Kind in der Frau und über den Züchtigungswahn der Männer. Auch ein Experiment damit, wie sehr das Freudsche Sozialisierungsmodell taugt für den Rahmen eines Suspense-Thrillers, in dem es anscheinend nur um die Auflösung kindlicher Traumata geht (die zu Verwirrung bei Rot/Weiß-Wahrnehmungen, zu Alpträumen bei nächtlichen Klopfgeräuschen, zu Angstzuständen bei Gewittern führen). Im Grunde aber handelt der Film von den Stadien eines permanenten Schocks auf der einen Seite, die in ständige Transfers in andere Identitäten münden, und von der systematischen Manipulation einer Abhängigen, mal mit Gewalt, mal mit sadistischer Verzögerung zelebriert.“ (Norbert Grob in Lars-Olav Beier/Georg Seeßlen [Hrsg.]: Alfred Hitchcock, 1999)

Mit Sean Connery, Tippi Hedren, Diane Baker, Martin Gabel, Bruce Dern

Wiederholung: RBB: Samstag, 10. August, 23.30 Uhr

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Marnie“

TCM über „Marnie“

Wikipedia über „Marnie“ (deutsch, englisch)

Winston Graham and Poldark Literary Society

Telegraph: Nachruf auf Winston Graham

Turner Classic Movies über „Marnie“

Tony Lee Moral: Hitchcock and the Making of „Marnie“, Manchester University Press 2002 (via Google Buchsuche)

Wikipedia über Alfred Hitchcock (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 2“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 2″

Meine Besprechung von Alfred Hitchcocks „Mr. und Mrs. Smith“

Meine Besprechung von Thily Wydras “Alfred Hitchcock”

Meine Besprechung von Robert V. Galluzzos “Psycho Legacy” (The Psycho Legacy, USA 2010 – eine sehenswerte Doku über die “Psycho”-Filme mit Anthony Perkins, mit vielen Stunden informativem Bonusmaterial)

Meine Besprechung von Stephen Rebellos “Hitchcock und die Geschichte von ‘Psycho’” (Alfred Hitchcock and the Making of ‘Psycho’, 1990)

Meine Besprechung von Sacha Gervasis auf Stephen Rebellos Buch basierendem Biopic “Hitchcock” (Hitchcock, USA 2012)

Meine Besprechung von Henry Keazors (Hrsg.) “Hitchcock und die Künste” (2013)

Alfred Hitchcock in der Kriminalakte

 


Neu im Kino/Filmkritik: „So wie du mich willst“, bin ich nicht

August 8, 2019

Es beginnt harmlos mit einer fast schon jugendlich unbedarften und unschuldigen Mischung aus Eifersucht und Neugierde. Denn der jüngere Freund von Claire Millaud hat gerade keine Zeit. Er will lieber mit seinem neuen Zimmergenossen Alex zusammen sein. Am Telefon lässt Ludo sich denkbar ungeschickt verleugnen. Also legt Claire ein Facebook-Profil an und gibt sich als 24-jährige Clara Antunès aus. Dabei ist Claire schon in den Fünfzigern und in Paris Universitätsprofessorin. Sie befindet sich in einer gesellschaftlichen, sozialen und auch ökonomischen Position, in der man sagt, sie habe es nicht nötig, sich in sozialen Netzwerken mit einem Fake-Profilen herumzutummeln.

Als Clara schickt sie eine Freundschaftsanfrage an Alex. Der reagiert darauf. Es entspinnt sich eine elektronische Freundschaft. Doch dann will Alex die verständnisvolle und nach den Fotos gut aussehende Claire, in die er sich inzwischen verliebt hat, treffen.

Safy Nebbou erzählt in seiner sich sehr ernst nehmenden, auf Camille Laurens‘ Roman basierenden Charakterstudie die Geschichte auf mehreren Zeit- und Realitätsebenen. So erzählt Claire ihrer Psychologin in einer Rahmenhandlung diese Geschichte von ihrer falschen elektronischen Identität und ihrer Liebe zu Alex. Dabei ist unklar, wie unzuverlässig Claire als unzuverlässige Erzählerin ist. Denn wenn bei ihr seelisch alles in bester Ordnung wäre, wäre sie nicht schon länger in psychologischer Behandlung. Außerdem scheint die Beziehung zu Alex kein glückliches Ende genommen zu haben.

Juliette Binoche spielt die geschiedene, zweifache Mutter und Literaturdozentin, die für eine Sex-Beziehung einen jüngeren Liebhaber hat, gewohnt überzeugend. Wobei rätselhaft bleibt, warum Claire sich so triebhaft zu jüngeren Männern hingezogen fühlt, anstatt sich mit einem etwa gleichaltrigem Mann zu treffen. Wobei natürlich auch Männer, wie Claires Ex-Mann, jüngere Freundinnen haben und warum sollte eine Frau nicht aus den gleichen Gründen eine Beziehung zu einem jüngeren Mann haben?

Mit zunehmender Laufzeit wird allerdings auch deutlich, dass Claire eine skrupellos manipulierende und lügende Stalkerin ist.

Weil diese Entwicklung schnell absehbar ist und die Figuren zu eindimensional sind, – eigentlich sind bis auf Claire alle Figuren Staffage, die sie nach Belieben inszeniert -, wird „So wie du mich willst“ schnell zu einem Vexierspiel, das davon lebt, dass vor allem Juliette Binoches Gesicht ausführlich in Großaufnahmen gezeigt wird.

Wer also gut hundert Minuten das Gesicht von Juliette Binoche ansehen will, wird von „So wie du mich willst“ begeistert sein.

So wie du mich willst (Celle que vous croyez, Frankreich 2019)

Regie: Safy Nebbou

Drehbuch: Saly Nebbou

LV: Camille Laurens: Celle que vous croyez, 2016

mit Juliette Binoche, Francois Civil, Guillaume Gouix, Charles Berlin, Nicole Garcia, Marie-Ange Casta, Jules Houplain

Länge: 102 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Französische Homepage zum Film

Moviepilot über „So wie du mich willst“

AlloCiné über „So wie du mich willst“

Rotten Tomatoes über „So wie du mich willst“

Wikipedia über „So wie du mich willst“ (deutsch, englisch, französisch)

Berlinale über „So wie du mich willst“


Neu im Kino/Filmkritik: „Photograph – Ein Foto verändert ihr Leben für immer“ und wenn sie nicht gestorben sind…

August 8, 2019

Es ist nur ein Bild, das Rafi von Miloni macht, das in dem Feelgood-Movie „Photograph – Ein Foto verändert ihr Leben“ die Geschichte in Gang setzt.

Rafi fotografiert in Mumbai vor der Touristenattraktion „Gateway of India“ Touristen. Es sind Urlaubserinnerungen, die die in ihre Gedanken versunken über den Platz schlendernde Miloni nicht braucht. Denn sie lebt, behütet und gut situiert, in Mumbai. Die Vorzeigestudentin soll einen Mann heiraten, den sie nicht kennt.

Als Miloni einige Freunde entdeckt, verschwindet sie, ohne das von Rafi gemachte Bild zu bezahlen oder mitzunehmen.

Zur gleichen Zeit hört seine auf dem Dorf lebende Großmutter auf, die dringend nötigen Medikamente zu nehmen. Sie wird sie erst wieder nehmen, wenn Rafi eine Frau hat.

Weil Rafi seine Großmutter liebt, erfindet er eine junge und gut aussehende Freundin, die so aussieht wie Miloni.

Als seine Großmutter einen Besuch in Mumbai ankündigt, muss er Miloni finden und sie überreden, sich für einige Tage als seine Freundin auszugeben.

In dem Moment hat „Lunchbox“-Regisseur Ritesh Batra die wichtigen Konflikte eingeführt und weil „Photograph“ eine romantische Komödie ist, erübrigt sich die Frage, ob Rafi und Miloni zusammenfinden und ob die Großmutter die Charade, die ihr von Rafi und Miloni vorgespielt wird, durchschaut. Die Frage ist nur wann und wie. In anderen Filmen, mal mehr komödiantisch, mal mehr dramatisch, ist das ein tragfähiger Konflikt für viele dramatische Situationen.

Schließlich kommen Rafi und Miloni aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten, die indische Klassengesellschaft existiert noch und sie sind unterschiedlich alt. Rafi ist zwar höflich, nett und ehrlich, aber ansonsten genau der Mann, den Eltern nicht für ihre Tochter wollen. Vor allem, wenn es ihr einmal besser gehen soll.

Diese gesellschaftlichen Unterschiede zwischen Rafi und Miloni zeigt Batra sehr deutlich. Beispielsweise wenn Miloni mit ihren Eltern, bei denen sie lebt, zu Abend isst. Oder wenn Rafi abends in das kleine Zimmer geht, in dem er mit mehreren Männern schläft. Auf dem Weg wird er von mehreren Bekannten darauf angesprochen, dass seine Großmutter ihre Medikamente nicht mehr nimmt. Und plötzlich wird aus der anonymen Millionenstadt ein Dorf, in dem jeder jeden kennt.

In seinem neuen Film ist für Regisseur Batra auch der Konflikt zwischen Individuum und Familie wichtig: „Als ich aufwuchs, und wahrscheinlich genauso Jahrhunderte zuvor, kam für die Menschen in Indien immer die Familie zuerst. Erst seit kürzerer Zeit haben sie angefangen, sich selbst mehr als Individuen denn als Zugehöriger einer Familie wahrzunehmen. Das ist zu einem der zentralen Konflikte des heutigen indischen Lebens geworden.“

Um all diese Konflikte und Themen anzusprechen, müssten die Figuren etwas tun. In „Photograph“ schweigen sie sich meistens melancholisch und sehr höflich an.

Denn Batra will die Geschichte von Rafi und Miloni nicht als schnell erzählte Geschichte eskalierender Konflikte, humoristischer Volten und heißer Küsse erzählen. Er begnügt sich mit schönen Bildern von schönen Menschen, die ausdruckslos in die Kamera blicken und immer etwas gramgebeugt durch das Bild schlurfen. Es ist, als ob man Farbe beim Trocknen zusieht. Damit ist „Photograph“ der nicht besonders interessante Arthaus-Gegenentwurf zu den bunten Bollywood-Filmen.

Photograph – Ein Foto verändert ihr Leben für immer (Photograph, Indien/Deutschland/USA 2019)

Regie: Ritesh Batra

Drehbuch: Ritesh Batra

mit Nawazuddin Siddiqui, Sanya Mahotra, Farrukh Jaffar, Abdul Quadir Amin, Vijay Raaz, Virendra Saxena, Geetenjali Kulkarni

Länge: 109 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Facebook-Seite zum Film

Filmportal über „Photograph“

Moviepilot über „Photograph“

Metacritic über „Photograph“

Rotten Tomatoes über „Photograph“

Wikipedia über „Photograph“ 


Neu im Kino/Filmkritik: Ziemlich old school, dieser „Killerman“

August 8, 2019

Moe Diamond (Liam Hemsworth – nicht der „Thor“-Hemsworth, sondern der „Tribute von Panem“-Hemsworth) ist in New York ein Geldwäscher, der altmodischen Art. Er läuft durch die halbe Stadt und tauscht das Drogengeld solange in Gold und Diamanten um, bis man die Spur nicht mehr zurückverfolgen kann. Dafür fallen für ihn zehn Prozent ab. Bei einer Million ist das kein schlechter Schnitt für einen Tag Lauferei. Dabei hilft ihm Skunk (Emory Cohen) , der Neffe des Mafiosi Perico. Sie arbeiten für ihn und Perico will ihnen jetzt mehr Geld zum Waschen anvertrauen.

Als Perico von einem korrupten FBI-Agenten vor polizeilichen Maßnahmen gewarnt wird, stoppt er für die nächsten Stunden alle seine Geschäfte. Moe und Skunk, die gerade auf einer Tour waren, sitzen jetzt auf einem Haufen Geld. Skunk hat auch gleich eine Idee, was sie mit dem Geld machen können: sie können es in einen Drogendeal investieren.

Widerwillig lässt Moe sich überzeugen. Und er hatte Recht mit seinen Bedenken: der Deal ist zu schön, um wahr zu sein. Bei der Übergabe tauchen korrupte Polizisten auf, die sie umbringen wollen.

In letzter Sekunde können Moe und Skunk mit dem Geld und den Drogen entkommen. Auf ihrer Flucht bauen sie einen Unfall, bei dem Moe sein Gedächtnis verliert. Zusammen mit Skunk muss er die nächsten Stunden überleben. Denn die Polizisten, die die Drogen für dieses Geschäft aus der Asservatenkammer entwendeten, suchen sie.

Killerman“, der neue Film von Malik Bader, orientiert sich mit seiner Gangstergeschichte erzählerisch und von der Wahl der Schauplätze und Schauspieler an den siebziger Jahren. Schon lange sah man diese abgeranzten Ecken von New York nicht mehr im Kino. Obwohl in Savannah, Georgia, gedreht wurde. Aber auch Martin Scorseses archetypischer New-York-Film „Hexenkessel“ (Mean Streets, 1973) wurde in Los Angeles gedreht. Und die Schauspieler sehen, bis auf den Strahlemann Liam Hemsworth, nicht wie die typischen Hollywood-Gesichter aus. Es sind Charakterköpfe, die man so aus älteren Filmen, von Fotos und auch aus der Nachbarschaft kennt.

Die Handkamera, die vielen Nahaufnahmen und das hohe Schnitttempo sind dann moderne Stilmittel, die den Thriller in die Nähe eines TV-Thrillers, wie der erfolgreichen Serie „24“, rücken.

Denn auch wenn „Killerman“ eine Gangstergeschichte erzählt, ist es ein Thriller, in dem jeder jeden jagt und tötet. Im Mittelpunkt der Jagd steht Moe, der sich, nach seinem Gedächtnisverlust, in einer fremden Welt, in der es mehr Feinde als Freunde gibt, zurechtfinden muss.

Bader inszenierte Moes Geschichte insgesamt recht zügig, hart und ironiefrei. Es gibt auch einige überraschende Wendungen, die für den Genrejunkie allerdings wenig überraschend sein dürften.

Insgesamt bietet „Killerman“ kurzweilige Genreunterhaltung in vertrauten Gewässern, die nie vorgibt mehr zu sein, als sie ist.

Killerman (Killerman, USA 2019)

Regie: Malik Bader

Drehbuch: Malik Bader

mit Liam Hemsworth, Diane Guerrero, Emory Cohen, Mike Moh, Zlatko Buric, Suraj Sharma, Nickola Shreli, John Cenatiempo

Länge: 112 Minuten

FSK: ab 18 Jahre (eine FSK-16 wäre auch okay gewesen)

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Killerman“

Metacritic über „Killerman“

Rotten Tomatoes über „Killerman“

Wikipedia über „Killerman“ 


TV-Tipp für den 8. August: Ein Mann sieht rot

August 8, 2019

Tele 5, 22.25

Ein Mann sieht rot (Death Wish, USA 1974)

Regie: Michael Winner

Drehbuch: Wendell Mayes

LV: Brian Garfield: Death Wish, 1972 (Ein Mann sieht rot)

Nachdem seine Frau und Tochter in ihrem New Yorker Apartment überfallen und vergewaltigt werden und seine Frau von den Verbrechern ermordet wird, sieht der friedliebende, linksliberale Paul Kersey (Charles Bronson) rot.

Selbstjustiz-Klassiker, der das schlechte Vorbild für unzählige weitere Vigilantenfilme war. Das gilt auch für die direkten „Ein Mann sieht rot“-Fortsetzungen.

Michael Winner inszenierte die krude Geschichte kraftvoll, ohne große Subtilitäten mit eindeutiger Botschaft. Trotzdem ist sein Film immer wieder ambivalenter als das Publikum den Kassenhit damals sah.

Brian Garfield, der Autor der Vorlage, ist überzeugt, dass Gewalt nur Gegengewalt erzeugt und sie zu einem moralischen Verfall des Täters führt. Weil er fand, dass seine Botschaft von Michael Winner falsch dargestellt wurde, schrieb er die „Ein Mann sieht rot“-Fortsetzung „Death Sentence“ (1975). Der Roman wurde 2007 von James Wan als äußerst pessimistische Studie über Selbstjustiz verfilmt. In anderen Romanen erzählt Garfield, wie seine Protagonisten erfolgreich und ohne Gewalt anzuwenden gegen Gewalttäter vorgehen.

Zu „Ein Mann sieht rot“ erklärte Garfield: „I meant it (if you believe in the influence of subtext) as a cautionary lesson, not a recommendation. Revenge is a universal fantasy but, in practice, it isn’t a solution, it’s a problem.“

Hauptdarsteller Charles Bronson äußerte sich in Interviews über den Film ähnlich. Und Winners Film hat durchaus ein Interesse an dieser Frage. Sein Film spielt vor einem konkreten sozialen und politischen Hintergrund: dem New York der frühen siebziger Jahre, als die Millionenstadt in einem Sumpf von Gewalt und Verbrechen versank.

2018 drehte Eli Roth mit Bruce Willis ein vollkommen missglücktes Remake von Michael Winners Film.

mit Charles Bronson, Hope Lange, Vincent Gardenia, Steven Keats, William Redfield, Stuart Margolin, Stephen Elliott, Jeff Goldblum (sein Debüt)

Wiederholung: Samstag, 10. August, 02.20 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Ein Mann sieht rot“

Wikipedia über „Ein Mann sieht rot“ (deutsch, englisch)

Homepage von Brian Garfield

Meine Besprechung von Joseph Rubens  “The Stepfather” (The Stepfather, USA 1986, nach einer Geschichte von Brian Garfield)

Mein Nachruf auf Brian Garfield

Meine Besprechung von Michael Winners „Rendezvous mit einer Leiche“ (Appointment with Death, USA 1988)

Mein Nachruf auf Michael Winner


TV-Tipp für den 7. August: Das Mädchen Insiang

August 6, 2019

Arte, 22.50

Das Mädchen Insiang (Insiang, Philippinen 1977)

Regie: Lino Brocka

Drehbuch: Mario O’Hara, Lamberto E. Antonio

Insiang lebt mit ihren Geschwistern und ihrer sie drangsalierenden Mutter in den Slums von Manila. Eines Tages ergibt sich für sie eine Gelegenheit zur Rache.

Ewig nicht mehr gezeigter Klassiker von Lino Brocka (1939 – 1991), dem bedeutendsten philippinischen Regisseur. „Das Mädchen Insiang“ lief 1978 in Cannes und machte Brocka international bekannt. Heute wird die restaurierte Fassung gezeigt.

Für europäischen Geschmack wirken die melodramatischen Akzente und die schwülstige Erotik an manchen Stellen überzogen, doch ist der Film so meisterlich inszeniert, dass die Zerstörung menschlicher Gefühle und Werte im sozialen Elend eindrucksvoll sichtbar wird.“ (Lexikon des internationalen Films)

Der mit genau kalkulierten tränenreichen Gefühlsausbrüchen und mit perfekt eingesetzten melodramatischen Effekten nicht sparende Film (ein Kompromiss des Regisseurs, seine sozialkritischen Intentionen kommerziell abzusichern) war jedoch so realistisch und deprimierend, dass er vor heimischem Publikum zu einem finanziellen Misserfolg wurde.“ (Fischer Film Almanach 1982)

Um seine sozialkritischen Arbeiten zu finanzieren, drehte er kommerziell orientierte Auftragsproduktionen, Actionfilme und Melodramen.

mit Hilda Koronel, Mona Lisa, Ruel Vernal, Rez Cortez, Marlon Ramirez

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Das Mädchen Insiang“

Wikipedia über „Das Mädchen Insiang“ (deutsch, englisch)


Cover der Woche

August 6, 2019


TV-Tipp für den 6. August: Trash

August 5, 2019

Tele 5, 20.15

Trash (Trash, Großbritannien 2014)

Regie: Stephen Daldry, Christian Duurvoort (Brasilien)

Drehbuch: Richard Curtis, Felipe Braga (zusätzliches Material)

LV: Andy Mulligan: Trash, 2010 (Trash)

Die jugendlichen Müllsammler Raphael, Gardo und Rato finden in Rio de Janeiro auf einer Müllkippe einen Geldbeutel. Als die Polizei ihnen für den Geldbeutel einen unheimlich hohen Finderlohn verspricht, wissen die Slum-Kinder, dass sie etwas sehr Wertvolles gefunden haben. Nur was und wie können sie damit Geld verdienen, ohne vorher zu sterben?

Fabelhafter, mitreisend inszenierter Jugendfilm, der eine spannende Schnitzeljagd durch die Slums erzählt und einen ziemlich realistischen Einblick in das Leben seiner Protagonisten bietet. Für Erwachsene immer wieder etwas zu plakativ. Aber sie sind auch nicht das Zielpublikum des Thrillers, der für mich im Kino eine sehr erfreuliche Überraschung war.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Rickson Tevez, Eduardo Luis, Gabriels Weinstein, Martin Sheen, Rooney Mara, Wagner Moura, Selton Mello

Hinweise
Deutsche Facebook-Seite zum Film
Moviepilot über „Trash“
Metacritic über „Trash“
Rotten Tomatoes über „Trash“
Wikipedia über „Trash“ (deutsch, englisch)
Homepage von Andy Mulligan

Meine Besprechung von Stephen Daldry/Christian Duurvoorts „Trash“ (Trash, Großbritannien 2014)


Die Krimibestenliste August 2019

August 5, 2019

Zwischen Ende der Sommerferien (in Berlin) und Sommerferien präsentieren die F.A.S. und Deutschlandfunk Kultur eiskalt ihre Krimibestenliste für den August:

1. Garry Disher – Kaltes Licht (Plazierung im Vormonat: /)

Aus dem Englischen von Peter Torberg. Unionsverlag, 314 Seiten, 22 Euro

2. Friedrich Ani – All die unbewohnten Zimmer (Plazierung im Vormonat: 2)

Suhrkamp, 495 Seiten, 22 Euro.

3. Max Annas – Morduntersuchungskommission (Plazierung im Vormonat: /)

Rowohlt, 346 Seiten, 20 Euro.

4. Nicholas Searle – Der Sprengsatz (Plazierung im Vormonat: /)

Aus dem Englischen von Jan Schönherr. Kindler, 304 Seiten, 20 Euro.

5. Liza Cody – Ballade einer vergessenen Toten (Plazierung im Vormonat: 3)

Aus dem Englischen von Martin Grundmann. Ariadne im Argument-Verlag, 416 Seiten, 22 Euro.

6. Georges Simenon: Maigret im Haus der Unruhe (Plazierung im Vormonat: 7)

Aus dem Französischen von Thomas Bodmer. Kampa, 220 Seiten, 16,90 Euro.

7. Adrian McKinty – Cold Water (Plazierung im Vormonat: /)

Aus dem Englischen von Peter Torberg. Suhrkamp Nova, 378 Seiten, 15,95 Euro.

8. Tawni O’Dell – Wenn Engel brennen (Plazierung im Vormonat: /)

Aus dem Englischen von Daisy Dunkel. Ariadne im Argument-Verlag, 350 Seiten, 21 Euro

9. Mike Nicol – Sleeper (Plazierung im Vormonat: 5)

Aus dem Englischen von Mechthild Barth. btb, 512 Seiten, 10 Euro.

10. George Pelecanos – Prisoners (Plazierung im Vormonat: /)

Aus dem Englischen von Karen Witthuhn. Ars Vivendi, 230 Seiten, 18 Euro.

Wenn ich mir die Liste ansehen, fällt mir ad hoc (auf meinen Schreibtisch blickend) auf, dass Lee Childs neuer Jack-Reacher-Roman „Keine Kompromisse“ und John Steeles Nordirland-Noir „Ravenhill“ fehlen.

Ansonsten warten Disher, Ani, Nicol und Pelecanos, – alles altbekannte Krimiautoren -, auch bei mir auf eine Lektüre. Ein, zwei, drei andere Bücher sollten noch auf dem Zu-Lesen-Stapel landen. Und McKintys „Cold Water“ wird die Tage abgefeiert.

 


TV-Tipp für den 5. August: The Assassin

August 5, 2019

Arte, 21.55

The Assassin (The Assassin, Taiwan/China/Hongkong/Frankreich 2015)

Regie: Hou Hsiao-Hsien

Drehbuch: Hou Hsiao-Hsien, Chu Tien-Wen, Hsieh Hai-Meng, Zhong Acheng

China im neunten Jahrhundert: Die Auftragsmörderin Nie Yinniang soll in ihrer Heimatprovinz ihren Cousin töten.

TV-Premiere. „The Assassin“ ist ein Film der Kontemplation, der Ruhe, des Versinkens im Dekor und der Landschaft.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Shu Qi, Chang Chen, Zhou Yun, Tsunambuki Satoshi, Juan Ching-Tian, Hsieh Hsin-Ying, Sheu Fang-Yi

Wiederholung: Dienstag, 14. August, 01.10 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Moviepilot über „The Assassin“

Metacritic über „The Assassin“

Rotten Tomatoes über „The Assassin“

Wikipedia über „The Assassin“

Meine Besprechung von Hou Hsiao-Hsiens „The Assassin“ (The Assassin, Taiwan/China/Hongkong/Frankreich 2015)


TV-Tipp für den 4. August: Jeremiah Johnson

August 3, 2019

Arte, 20.15

Jeremiah Johnson (Jeremiah Johnson, USA 1972)

Regie: Sydney Pollack

Drehbuch: John Milius, Edward Anhalt

LV: Vardis Fisher: Mountain Man (1965), Raymond W. Thorp, Robert Bunker: Crow Killer: The Saga of Liver-Eating Johnson (1958, 1969)

Um 1850 zieht Exsoldat Jeremiah Johnson sich aus der Zivilisation in die Berge zurück. Doch auch dort findet er nicht seinen Seelenfrieden.

„Pollack setzt in seinem Film auf ruhige, meditative Bilder und arbeitet mit langsamen Panoramaschwenks und Überblendungen. Im Mittelpunkt steht die Schilderung der einsamen Bergwelt von Utah, deren überwältigende Schönheit zugleich auch als bedrohlich und lebensfeindlich gezeigt wird. Es ist eine archaische Welt des Auge-um-Auge, in die Jeremiah geht. Die Winter scheinen in diesen Bergen nie zu vergehen, und diese ewigen Winter betonen die selbstgewählte Isoliertheit der Protagonisten.“ (Peter Ruckriegel, in Bernd Kiefer/Norbert Grob [Hrsg.]: Filmgenres Western)

Anschließend, um 22.05 Uhr, zeigt Arte die neue, einstündige Doku „Robert Redford – The Golden Look“, die bislang unveröffentlichtes Material enthält.

Mit Robert Redford, Will Geer, Stefan Gierasch

Wiederholung: Donnerstag, 8. August, 13.55 Uhr

Hinweise

Wikipedia über “Jeremiah Johnson” (deutsch, englisch)

Rotten Tomatoes über “Jeremiah Johnson”

Turner Classic Movies über “Jeremiah Johnson”

Meine Besprechung des Westerns “Butch Cassidy & Sundance Kid” (mit Robert Redford)

Kriminalakte: Mein Nachruf auf Sidney Pollack

 


TV-Tipp für den 3. August: Dark Blue

August 2, 2019

Servus TV, 22.15

Dark Blue (Dark Blue, USA 2002)

Regie: Ron Shelton

Drehbuch: David Ayer

LV: James Ellroy (Originalstory)

April 1992: Während Los Angeles sich in den letzten Tagen vor dem Urteil im Rodney-King-Prozess langsam zu einem Pulverfass entwickelt, muss der korrupte Polizist Eldon Perry mit seinem jungen Partner Bobby Keough einen Vierfach-Mord in einem koreanischen Geschäft aufklären.

„Dark Blue“ ist einer der besten Cop-Thriller der nuller Jahre. Das Buch stellt Fragen nach Schuld und Sühne, individueller Verantwortung und wie Verbrechen bekämpft werden sollen. Die Schauspieler agieren fantastisch. Die Kamera ist immer bei ihnen. Gedreht wurde an Originalschauplätzen.

James Ellroys Anteil war dabei relativ klein. Er schrieb in den frühen Neunzigern das Drehbuch „The Plague Season“, das vor dem Hintergrund der 1965er Watts-Unruhen spielte. In den folgenden Jahren wurde es entwickelt (So nennen Filmproduzenten ein ständiges Herumschreiben an einem Buch. Nicht immer unbedingt zum Vorteil des Buches.) und letztendlich von „Training Day“-Autor David Ayer umgeschrieben. Anscheinend überlebte wenig bis nichts von Ellroys ursprünglichem, nicht veröffentlichtem Skript. Trotzdem enthält „Dark Blue“ etliche Ellroy-Themen und der Polizeithriller ist ein extrem düsterer Spielfilm.

Das Los Angeles Police Department hat eine lange Geschichte von Polizeiskandalen. Nach dem Rodney-King-Skandal kam es in den späten Neunzigern zum Rampart-Skandal. Im Bezirk Rampart wurden Polizisten der Elite-Einheit CRASH, um Drogenhändler zu bekämpfen, selbst zu Verbrechern. Der Rampart-Skandal löste eine große Umgestaltung des LAPD aus.

Filmischen Widerhall fand Rampart unter anderem in „Training Day“ und der grandiosen Polizeiserie „The Shield“ (bei uns vor allem grandios gefloppt).

Mit Kurt Russell, Scott Speedman, Ving Rhames, Brendan Gleeson, Lolita Davidovich

Wiederholung: Sonntag, 4. August, 01.55 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Dark Blue“

Wikipedia über „Dark Blue“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung der James-Ellroy-Verfilmung “Rampart – Cop außer Kontrolle” (Rampart, USA 2011)

Meine Besprechung von James Ellroys Underworld-USA-Trilogie (Ein amerikanischer Thriller, Ein amerikanischer Albtraum, Blut will fließen)

Meine Besprechung von James Ellroys „Der Hilliker-Fluch – Meine Suche nach der Frau“ (The Hilliker Curse – My Pursuit of Women, 2010)

Meine Teilbesprechung von James Ellroys “Perfidia” (Perfidia, 2014)

James Ellroy zum siebzigsten Geburtstag

James Ellroy in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: „Leberkäsjunkie“ Franz Eberhofer sucht einen Mörder und Brandstifter – und Eva Mattes rastet aus

August 2, 2019

Nachdem der fünfte Eberhofer-Film „Sauerkrautkoma“ bundesweit über eine Million Besucher hatte, läuft auch der sechste Eberhofer-Film „Leberkäsjunkie“ bundesweit. Die ersten vier Eberhofer-Filme wurden, bis auf wenige Ausnahmen, nur in Bayern im Kino gezeigt. Dort waren sie zunehmend erfolgreiche Blockbuster. Schon in den ersten Eberhofer-Film „Dampfnudelblues“ gingen über eine halbe Million Menschen. Dabei sind die Filme auf den ersten Blick ganz normale Provinzkrimis, wie man sie aus allen Städten zwischen Kitzbühel und Wismar kennt.

Da ist das fiktive, von Bestseller-Autorin Rita Falk erfundene Niederkaltenkirchen nur ein weiteres Dorf auf der kriminellen Landkarte. Dort ermittelt Franz Eberhofer (Sebastian Bezzel) immer noch auf dem elterlichen Hof lebend und er denkt immer noch nicht daran, sein großes Jugendzimmer zu räumen. Er denkt auch nicht daran, erwachsen zu werden. Sein Vater (Eisi Gulp) kifft, seine Oma (Enzi Fuchs) kocht, sein Bruder (Gerhard Wittmann) isst öfter mit und auch Eberhofers Dauerfreundin Susi (Lisa Maria Potthoff) sitzt oft in der Küche am Esstisch. Sein Freund Rudi Birkenberger (Simon Schwarz), ein notorisch erfolgloser, aber nie um einen Ratschlag verlegener, enthusiastischer Privatdetektiv, isst ebenfalls oft mit. Nur Eberhofers Sohn Paul muss altersbedingt noch neben dem Tisch im Babysitz sitzen.

Jetzt soll Eberhofer, weil Susi auf einer Fortbildung ist, einige Tage auf seinen Sohn aufpassen. Sie teilen sich die Kindererziehung, weil er sich mit ihr, wieder einmal, zerstritten hat.

Da wird nach einem Brand auf dem Mooshammerhof eine Frauenleiche gefunden. Schnell ist klar, dass die junge Frau ermordet wurde. Eberhofer hat einen neuen Kriminalfall, den er mit seinem gewohnten, an aktive Arbeitsverweigerung grenzenden Elan lösen will.

Die nach dem Brand obdachlose Liesl Mooshammer (Eva Mattes) kommt bei den Eberhofers unter und sorgt mit ihrem herrischen und extrovertiertem Verhalten für Ärger. Die auf den ersten Blick kaum erkennbare Eva Mattes gibt hier dem Affen ordentlich Zucker. Mattes und Bezzel waren von 2004 bis 2016 das Konstanzer „Tatort“-Team.

Weitere Verdächtige werden von Robert Stadlober, Manuel Rubey, Castro Bokyi Affum und Anica Dobrau gespielt.

Selbstverständlich sind auch Eberhofers aus den vorherigen Filmen bekannten Freunde und Vorgesetzten wieder dabei. Gespielt werden sie wieder von Daniel Christensen, Max Schmid, Stephan Zimmer, Michael Ostrowski, Sigi Zimmerschmied und Thomas Kügel.

Ed Herzog, der bereits die vorherigen Eberhofer-Krimis schrieb und inszenierte, inszenierte auch „Leberkäsjunkie“. Das Drehbuch schrieb er wieder mit Stefan Betz. Dabei befolgten sie die alte Weisheit, dass man eine funktionierende Sache nicht verändern solle. Das Team ist gut eingespielt, die bekannten Schrullen der Figuren werden gepflegt, es gibt Situationskomik und neue Witze, die sich dieses Mal vor allem um Eberhofers Essgewohnheiten und seine Folgen drehen. Denn seit der Trennung von Susi hat er sich zu einem richtigen Frustesser mit Wampe entwickelt. Nachdem er auf dem Mooshammerhof nach dem Anblick der Brandleiche ohnmächtig wird, rät ihm der Arzt, künftig auf seine Cholesterinwerte zu achten. Das bedeutet, dass sein geliebter Leberkäse sofort vom Speiseplan gestrichen ist. Seine Oma kocht ihm gesundes, aber auch ungenießbares Essen und Eberhofer stopft bei jeder Gelegenheiten wahre Fleischberge in sich hinein.

Daneben ist der Kriminalfall noch unwichtiger als in den vorherigen Eberhofer-Krimis. Weil der Humor, mal derber, mal anarchistischer, wieder einmal stimmt und weil die Stammbesetzung und die Gastschauspieler spielfreudig harmonisieren, ist „Leberkäsjunkie“ ein gelungener neuer Eberhofer-Krimi, der genau das liefert, was man nach den vorherigen Eberhofer-Krimis erwartet.

Leberkäsjunkie (Deutschland 2019)

Regie: Ed Herzog

Drehbuch: Stefan Betz, Ed Herzog

LV: Rita Falk: Leberkäsjunkie, 2016

mit Sebastian Bezzel, Simon Schwarz, Lisa Maria Potthoff, Enzi Fuchs, Eisi Gulp, Gerhard Wittmann, Eva Mattes, Robert Stadlober, Manuel Rubey, Anica Dobra, Castro Dokyi Affum, Sigi Zimmerschied, Daniel Christensen, Stephan Zinner, Max Schmidt, Ferdinand Hofer, Thomas Kügel, Frederic Linkemann, Lara Mandoki, Michael Ostrowski, Harry G.

Länge: 97 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Leberkäsjunkie“

Moviepilot über „Leberkäsjunkie“

Wikipedia über „Leberkäsjunkie“

Homepage von Franz Eberhofer

dtv über Rita Falk

Meine Besprechung von Rita Falks „Dampfnudelblues – Ein Provinzkrimi“ (2011)

Meine Besprechung von Rita Falks „Sauerkrautkoma – Ein Provinzkrimi“ (2012)

Meine Besprechung von Ed Herzogs Rita-Falk-Verfilmung „Sauerkrautkoma“ (Deutschland 2018)


TV-Tipp für den 2. August: Die Tote aus der Themse

August 2, 2019

BR, 22.55

Die Tote aus der Themse (Deutschland 1971)

Regie: Harald Philipp

Drehbuch: H. O. Gregor (Pseudonym von Horst-Otto-Gregor Wendlandt), Harald Philipp

LV: frei nach Edgar Wallace

Inspector Craig jagt mit Danny Ferguson den Mörder ihrer Schwester, die gleichzeitig als Stripteas-Tänzerin und V-Frau für Scotland Yard arbeitete.

„’Die Tote aus der Themse’ war trotz einiger attraktiver Außenaufnahmen einer jener belanglosen Filme, die mit Edgar Wallace nicht mehr viel zu tun hatten und mit denen Horst Wendlandt die Serie ausklingen ließ.“ (Florian Pauer: Die Edgar Wallace-Filme)

Wenn nicht so viele auch heute noch bekannten Schauspieler irgendwann durch das Bild stolpern würden, gäbe es wirklich keinen Grund, sich diesen Trash anzusehen.

Mit Uschi Glas, Hansjörg Felmy, Werner Peters, Harry Riebauer, Petra Schürmann, Vadim Glowna, Günther Stoll, Siegfried Schürenberg, Ivan Desny, Ingrid Steeger

Hinweise

Filmportal über „Die Tote aus der Themse“

Wikipedia über „Die Tote aus der Themse“ und über Edgar Wallace (deutsch, englisch)

Edgar Wallace – The Official Site

Krimi-Couch über Edgar Wallace

Meine Besprechung der Edgar-Wallace-Verfilmung „Der Zinker“ (Deutschland 1931)

Meine Besprechung der Edgar-Wallace-Verfilmung “Der Doppelgänger” (Deutschland 1934)


Neu im Kino/Filmkritik: Verführt „Der unverhoffte Charme des Geldes“ den ehrlichen Paketboten?

August 2, 2019

In den ersten Filmminuten erklärt Pierre-Paul Daoust (Alexandre Landry) seiner sichtlich genervten Freundin, warum er als schlechtbezahlter Paketbote arbeitet. Es liegt an seiner Intelligenz. Der studierte Philosoph ist hochintelligent. Er könnte jede Arbeit machen, aber weil er so intelligent ist, ist er zu intelligent dafür. Nach diesem kleinen rhetorischen Feuerwerk, macht Daoust sich auf seine tägliche Paketauslieferungstour. Dabei stolpert er in einen schief gehenden Überfall. Die Verbrecher erschießen sich gegenseitig und während Daoust auf die Polizei wartet, versteckt er die Beute in seinem Lieferwagen zwischen den Paketen.

Danach steht er vor der Frage, was er mit dem unverhofften Reichtum machen soll. Denn seine Treffen mit einer Luxus-Prostituierten erregen das Misstrauen der ermittelnden Polizisten und das Geld nur irgendwo zu verstecken ist nicht besonders schlau. Es muss also gewaschen werden. Wobei der schüchterne Daoust bis jetzt noch nicht einmal bei Rot über die Straße ging. Auch wenn diese Geldwäsche gelingt, steht Daoust immer noch vor der Frage, was er mit dem dann legalen Geld machen soll.

In seinem neuen Film „Der unverhoffte Charme des Geldes“ fragt Denys Arcand sich, was ein ehrlicher Mann macht, wenn er plötzlich viel Geld hat, über dessen Herkunft er schweigen muss. Auch weil er das Geld überhaupt nicht besitzen dürfte. Auf dieses Problem gibt Arcand eine in jeder Beziehung überraschende Antwort. Denn Arcands Film ist ein, nun, humanistischer Verbrecherfilm in dem die Menschen ständig und mit höchst überschaubaren Gewissenskonflikten gegen Gesetze verstoßen, ohne dass es zu tarantinoesken Blutbädern kommt. Schließlich handelt es sich um Weiße-Kragen-Kriminalität und da werden Probleme intelligent gelöst. Deshalb wird die Krimikomödie schnell zu einer sehr amüsanten und auch sarkastischen Lehrstunde über das Funktionieren des Kapitalismus. Das ist immer etwas philosophisch, kapitalismuskritisch und auch etwas didaktisch. Denn ein Offshore Banker, ein inhaftiertes Finanzgenie und eine Prostituierte mit einem goldenen Herzen erklären Daoust, wie der Kapitalismus funktioniert und was man mit dem gestohlenen Geld machen kann.

Dabei wird auch die Frage nach einer Umverteilung des Geldes und ob man seine Meinung ändert, wenn man Geld hat, gestellt. Denn Daoust hat als Habenichts jedem Obdachlosen, den er traf, Geld gegeben. Nur: kann und soll er das noch machen, wenn er viel Geld hat? Und, wenn ja: wie viel von seiner Beute soll er wie abgeben?

Die bekanntesten Filme von Denis Arcand sind „Der Untergang des amerikanischen Imperiums“ (Le déclin de l’empire américain, 1986), „Jesus von Montreal (Jésus de Montréal, 1989) und „Die Invasion der Barbaren“ (Les invasions barbares, 2003).

Der unverhoffte Charme des Geldes (La chute de l’empire américain, Kanada 2018)

Regie: Denys Arcand

Drehbuch: Denys Arcand

mit Alexandre Landry, Maripier Morin, Rémy Girard, Pierre Curzi, Vincent Leclerc, Louis Morissette, Maxim Roy

Länge: 123 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Der unverhoffte Charme des Geldes“

Metacritic über „Der unverhoffte Charme des Geldes“

Rotten Tomatoes über „Der unverhoffte Charme des Geldes“

Wikipedia über „Der unverhoffte Charme des Geldes“


Neu im Kino/Filmkritik: „Fast & Furious: Hobbs & Shaw“ kloppen und verbrüdern sich

August 1, 2019

Fast & Furious: Hobbs & Shaw“ ist ein Filmtitel wie eine Produktbeschreibung, die später durch einen richtigen Filmtitel ersetzt werden soll. Aber dann lässt man es, wie bei den anderen Titeln des Franchise, bleiben, weil der Titel „Fast & Furious: Hobbs & Shaw“ die wichtigsten Informationen in der knappsten möglichen Form übermittelt. Das ist ein Film aus dem bekannten, beliebten und sehr erfolgreichen „Fast & Furious“-Actionfranchise. Dieses Mal stehen die Muskelpakete Luke Hobbs (Dwayne Johnson) und Deckard Shaw (Jason Statham) im Mittelpunkt. Johnson und Statham kloppten sich schon durch einige „Fast & Furious“-Filme. Dabei waren ihre Hahnenkämpfe und gegenseitigen Beleidigungen so übertrieben, dass jeder wusste: die beiden verstehen sich bombig.

Jetzt haben sie im Rahmen des „Fast & Furious“-Franchise einen eigenen Film bekommen, der sich wohltuend von den „Fast & Furious“-Filmen unterscheidet und den man auch sehen und verstehen kann, ohne einen der anderen Filme gesehen zu haben. Die Action kann gerade noch so und mit zugedrückten Augen und Hühneraugen als halbwegs realistisch bezeichnet werden. In den „Fast & Furious“-Filmen wurde sie zuletzt immer übertriebener. Die von Chris Morgan, der seit „The Fast and The Furious: Tokyo Drift“ (2006, nicht der beste Film der Serie) dabei ist, und Drew Pearce („Mission Impossible – Rogue Nation“, „Hotel Artemis“) erfundene Story für „Hobbs & Shaw“ geht dann in Richtung „Buddy-Movie meets James Bond“.

Um zu verhindern, dass ein Virus, der die Menschheit innerhalb weniger Stunden vernichten kann, in die falschen Hände gerät, injiziert die MI6-Agentin Hattie Shaw (Vanessa Kirby) sich den Krankheitserreger. Den Bösewichtern, der internationalen Organisation Eteon und ihrem genetisch optimierten und quasi unbesiegbarem Soldaten Brixton Lorr (Idris Elba), gelingt es, die Situation für den MI6 so darzustellen, dass Hattie Shaw ihre Kollegen ermordete und mit dem „Schneeflocke“ genannten Virus flüchtete.

Der amerikanische und der britische Geheimdienst setzen Hobbs und Shaw auf die flüchtige Hattie an. Schnell finden die beiden miteinander verfeindeten Männer heraus, wer der wirkliche Übeltäter ist und dass der Erreger innerhalb weniger Tage aus Hatties Körper extrahiert werden muss. Sonst stirbt sie und „Schneeflocke“ wird freigesetzt.

Weil Deckard Shaw nicht zulassen kann, dass seine Schwester stirbt, beginnen er, Hattie und Hobbs nach dem Erfinder von „Schneeflocke“ zu suchen. Die Jagd beginnt in London und führt sie immer weiter Richtung Osten.

David Leitch, der vorher bei „John Wick“ ungenannter Co-Regisseur war und danach „Atomic Blonde“ und „Deadpool 2“ inszenierte, übernahm die Regie. Sein Film ist ein sich nie sonderlich ernst nehmender Comic, der näher bei „Deadpool“ als bei „Atomic Blonde“ ist. Die meist am helllichten Tag spielende Action ist over the top. Oft ist auch erkennbar, wie viel CGI eingesetzt wurde. Das liegt nicht daran, dass die Spezialeffekt schlecht sind, sondern dass die Szenen anders nicht hätten gedreht werden können. So fährt Brixton Lorr einmal wie ein Terminator durch einen Bus. Danach ist der Bus Schrott. Brixton hat keinen Kratzer abbekommen. Oder Brixton, Hobbs und Shaw kloppen sich auf der Ladefläche eines durch unwegsames Gelände rasenden Lasters. Da hätte der Actionfan gerne etwas mehr handgemachte „John Wick“/„Atomic Blonde“-Action gehabt.

Zwischen den um den Welt verteilten Action-Set-Pieces überziehen die Alphamänner Hobbs und Shaw sich mit Beleidigungen. Dass Dwayne Johnson und Jason Statham diese teils improvisierten Wortgefechte genossen, ist in jeder Sekunde spürbar. Ihre Verbündeten versuchen den Streit zu schlichten. Manchmal mütterlich, manchmal schwesterlich und manchmal im „Deadpool“-Stil. Auch Idris Elba genießt seine Rolle als unbesiegbarer Oberbösewicht sichtbar (Kurze Randnotiz: Ich will sein Motorrad haben!).

Für die Cineasten gibt es einige Anspielungen und mehr oder weniger ausführliche Filmzitate.

Das in den „Fast & Furious“-Filmen von Dom Toretto (Vin Diesel) bis zum Erbrechen wiederholte Mantra von „Wir sind eine Familie“ wird hier anders und weniger penetrant behandelt. Torettos Familie ist eine Wahlfamilie, die bei aller Inklusivität von Ethnien und Geschlechtern, letztendlich utilitaristisch und auch diktatorisch ist. Bei Hobbs und Shaw ist Familie dann wieder durch Blutsbande und eine starke Rolle der Mütter (Lori Tuisano und Helen Mirren) definiert. Es ist, in beiden Fällen, eine Familie, in der die einzelnen Familienmitgliedern letztendlich den anderen Familienmitgliedern uneigennützig helfen und beide Familien sind inklusiv. So werden die Shaw-Geschwister auf Samoa, wo das Finale des Films spielt, ohne große Diskussion in die Hobbs-Familie aufgenommen und gemeinsam kämpfen sie gegen Brixton und seine Eteon-Armee. Es ist ein Kampf von Low Tech gegen High Tech.

Fast & Furious: Hobbs & Shaw“ ist genau das Actionfeuerwerk, das man bei den beiden Hauptdarstellern in diesem Franchise erwarten konnte.

P. S.: Weil „Hobbs & Shaw“ einen auf Marvel machen, lohnt es sich, beim Abspann sitzen zu bleiben.

Fast & Furious: Hobbs & Shaw (Fast & Furious presents: Hobbs & Shaw, USA 2019)

Regie: David Leitch

Drehbuch: Chris Morgan, Drew Pearce

mit Dwayne Johnson, Jason Statham, Vanessa Kirby, Idris Elba, Helen Mirren, Eiza González, Eddie Marsan, Cliff Curtis, Eliana Sua, Kevin Hart, Ryan Reynolds, Lori Tuisano

Länge: 136 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Facebook-Seite zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Fast & Furious: Hobbs & Shaw“

Metacritic über „Fast & Furious: Hobbs & Shaw“

Rotten Tomatoes über „Fast & Furious: Hobbs & Shaw“

Wikipedia über „Fast & Furious: Hobbs & Shaw“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Justin Lins „Fast & Furious Five“ (Fast Five, USA 2011)

Meine Besprechung von Justin Lins „Fast & Furios 6“ (Furios Six; Fast & Furious Six, USA 2013)

Meine Besprechung von James Wans „Fast & Furious 7“ (Furious 7, USA 2015)

Meine Besprechung von F. Gary Grays „Fast & Furious 8“ (The Fate of the Furious, USA 2017)

Meine Besprechung von David Leitchs „Atomic Blond“ (Atomic Blonde,USA 2017)

Meine Besprehung von David Leitchs „Deadpool 2“ (Deadpool 2, USA 2018)