TV-Tipp für den 1. September: Aus der Mitte entspringt ein Fluss

August 31, 2024

Arte, 20.15

Aus der Mitte entspringt ein Fluss (A River runs through it, USA 1992)

Regie: Robert Redford

Drehbuch: Richard Friedenberg

LV: Norman MacLean: A River runs through it, 1976 (Aus der Mitte entspringt ein Fluss)

In poetischen Bildern (Philippe Rousselot erhielt dafür einen Oscar) erzählt Robert Redford in seiner dritten Regiearbeit die Geschichte zweier ungleicher Brüder, die in Montana vor ungefähr hundert Jahren aufwachsen und von ihrem Vater, einem presbyterianischen Pfarrer, zu passionierten Fliegenfischen erzogen werden. Dabei steht das Fliegenfischen für eine bestimmte Geisteshaltung.

„Ein Plädoyer für eine natürliche Ordnung und eine Abkehr von materieller Raffgier. Ein schöner Gegenentwurf zur inhaltsleeren Konsumware Hollywoods.“ (Fischer Film Almanach 1994). Inszeniert von einem Hollywood-Star, mit einem Hollywood-Star am Anfang seiner Karriere in der Hauptrolle.

Anschließend, um 22.15 Uhr, zeigt Arte eine fünfzigminütige Doku über Brad Pitt.

mit Brad Pitt, Craig Sheffer, Tom Skerritt, Brenda Blethyn, Emily Lloyd

Wiederholung: Montag, 2. September, 14.15 Uhr

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Aus der Mitte entspringt ein Fluss“

Wikpedia über „Aus der Mitte entspringt ein Fluss“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkino: „Cuckoo“, das Alpenmonster ist da

August 31, 2024

Auf der Alm gibt’s…aber die siebzehnjährige US-Amerikanerin Gretchen besucht in den deutschen Alpen keine Almhütte, sondern sie zieht unwillig zu ihrem Vater und dessen neuer Familie in das in den Sechzigern als medizinisches Zentrum gebaute Resort Alpschatten. Ihr Vater soll Erweiterungen des Hotels überwachen. Herr König, der schmierige Chef ihres Vaters, bietet ihr einen Job an der Rezeption in seinem abgelegen zwischen den Bergen liegendem Hotel an. Nach der Saison gibt es keine Hotelgäste, sondern nur einige weitere Angestellte und einige sehr seltsame Gestalten. Sowieso verhalten sich die Einheimischen alle höchst seltsam. Und einige Menschen, denen Gretchen begegnet scheinen böse Geister zu sein. Beispielsweise der Schatten, der sie verfolgt, als sie nach Einbruch der Dunkelheit, obwohl Herr König sie nachdrücklich davor warnte, mit dem Fahrrad vom Hotel nach Hause fährt.

2018 begeisterte Tilman Singer mit seinem Erstling „Luz“. Das war ein wundervoll durchgeknalltes Stück Genrekino, gedreht mit einem Minimum an Geld und einem Maximum an Ideen,. Stringent und auf mehreren Ebenen erzählt er in seinem Horrorfilm in schlanken siebzig Minuten von einem dämonischem Verhör.

Cuckoo“ ist sein zweiter Film. Gedreht mit einem höheren, teils aus Hollywood kommendem Budget und einem internationalem Cast . Die Hauptrollen spielen Hunter Schafer („Euphoria“) als Gretchen, Dan Stevens („Ich bin ein Mensch“) als Herr König, Martin Csokas (aktuell „Sleeping Dogs“) als Gretchens Vater. Da ist die internationale Verwertung von Anfang an eingeplant. Und so geschah es auch. Der US-Start war am 9. August.

Das Ergebnis ist konventioneller als „Luz“. Dieses Mal vertraut und variiert Singer lustvoll die bekannten Elemente von Horrorfilmen, die in einsam gelegenen Hotels spielen.

Cuckoo“ ist ein angenehm abgedrehter, gruseliger, stilbewusster und zitierfreudiger deutscher Horrorfilm, der nicht primär ein kunstsinniges Arthaus-Publikum, sondern ein unterhaltsame, gute Filme sehen wollendes Pubilikum in Deutschland und dem Rest der Welt im Visier hat.

Cuckoo (Cuckoo, Deutschland/USA 2024)

Regie: Tilman Singer

Drehbuch: Tilman Singer

mit Hunter Schafer, Dan Stevens, Jessica Henwick, Marton Csokas, Jan Bluthardt, Mila Lieu, Greta Fernández

Länge: 103 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Filmportal über „Cuckoo“

Moviepilot über „Cuckoo“

Metacritic über „Cuckoo“

Rotten Tomatoes über „Cuckoo“

Wikipedia über „Cuckoo“(deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 31. August: Spencer

August 30, 2024

One, 20.15

Spencer (Spencer, Deutschland/Großbritannien 2021)

Regie: Pablo Larraín

Drehbuch: Steven Knight

Prinzessin Diana besucht zu Weihnachten 1991, als ihre Ehe mit Charles bereits kriselt, den königlichen Landsitz in Norfolk, trifft die gesamte Königsfamilie und leidet unter dem routiniert gnadenlos durchgezogenem Protokoll.

Gandioses und grandios durchgeknalltes Biopic, das sich wenig für Fakten und noch weniger für Edelkitsch-Seligkeit interessiert, sondern das Leben am Hof als Horrorfilm, Unterabteilung Psychohorror, zeigt.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Kristen Stewart, Timothy Spall, Sally Hawkins, Kack Farthing, Sean Harris, Stella Gonet, Jack Nielen, Freddie Spry, Jack Farthing, Sean Harris, Stella Gonet, Richard Sammel, Elizabeth Berrington, Lore Stefanek, Amy Manson

Wiederholung: Dienstag, 3. September, 22.50 Uhr

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Filmportal über „Spencer“

Moviepilot über „Spencer“

Metacritic über „Spencer“

Rotten Tomatoes über „Spencer“

Wikipedia über „Spencer“ (deutsch, englisch)

History vs. Hollywood konstatiert einen weitgehenden Sieg der künstlerischen Freiheit

Meine Besprechung von Pablo Larrains „El Club“ (El Club, Chile 2015)

Meine Besprechung von Pablo Larraíns „Jackie: Die First Lady“ (Jackie, USA 2016)

Meine Besprechung von Pablo Larrains „Neruda“ (Neruda, Chile/Argentinien/Frankreich/Spanien 2016)

Meine Besprechung von Pablo Larrins „Spencer“ (Spencer, Deutschland/Großbritannien 2021)


Neu im Kino/Filmkritik: „Schirkoa: In lies we trust“ in dieser Dystopie

August 30, 2024

In Schirkoa tragen alle Menschen immer eine Papiertüte über ihrem Kopf. So sollen Konflikte vermieden werden. Trotzdem sind die einzelnen Menschen schnell an ihren Bewegungen erkennbar. 197A ist ein junger Bürger der Stadt. 242B ist seine im Vergnügungsviertel der Stadt lebende und arbeitende Freundin. Der unauffällige Beamte ist auch im Gespräch als Kandidat der Intellektuellenpartei für den Senat. Er ist auf dem Weg nach ganz oben. Als er bei einem Zusammenstoß zwischen Demonstrierenden und Polizei auf eine junge Frau trifft, die in dem Moment keine Papiertüte über ihrem Kopf hat und eine Anomali sein könnte, ist er verwirrt und wohl auch etwas verliebt.

Konthaga ist ein Gegenmodell zu Schirkoa. In diesem Land soll allles anders sein. Vor allem sollen die Menschen frei sein und keine Tüten tragen. Viele halten die Existenz dieses Landes für ein Gerücht. Auch 197A. Bis er die Grenzen von Schirkoa verlässt.

Der Plot von „Schirkoa: In lies we trust“ ist ein Mix bekannter Dystopie-Bausteine. Auch die Bilder erinnern sofort an die bekannten, einflussreichen Klassiker, wie „Blade Runner“, „Brazil“ und „Matrix“. Sie wirken wie auf der Basis dieser Filme generierte KI-Bilder. Und das sind sie auch in einem gewissen Rahmen. Regisseur Ishan Shukla führt in seinem Spielfilmdebüt Ideen aus seinem hochgelobtem Kurzfilm „Schirkoa“ fort. Er drehte seinen Animationsspielfilm mit der Grafik-Engine Unreal Engine. Sie wurde für Computerspiele entwickelt und wird inzwischen auch in der Filmbranche benutzt.

Diese Vorgehensweise und die so entstandenen Bilder, eine Mischung aus Fotorealismus und Skizzen, sind interessanter als der Film, der ein Mash-Up bekannter Science-Fiction-Dystopien ist, der ungefähr in der Filmmitte, wenn 197A die Stadt verlässt, auch den Plot verliert zugunsten elend langer Monologe. Am Ende steht nicht die Frage, ob man die Botschaft des Films gut findet, sondern die Frage, was der Regisseur uns mit dieser konfusen Zusammenstellung verschiedener Dystopien und Gesellschaftsmodelle sagen wollte.

Schirkoa: In lies we trust (Schirkoa: In lies we trust, Indien/Frankreich/Deutschland 2024)

Regie: Ishan Shukla

Drehbuch: Ishan Shukla

mit Golshifteh Farahani, Asia Argento, SoKo, King Khan, Denzil Smith, Gaspar Noé, Lav Diaz, Piyush Mishra, Tibu Fortes, Shahbaz Sarwar, John Sutton, Anurag Kashyap

Länge: 103 Minuten

FSK: ab 16 Jahren

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Filmportal über „Schirkoa: In lies we trust“

Moviepilot über „Schirkoa: In lies we trust“

Rotten Tomatoes über „Schirkoa: In lies we trust“

Ishan Shuklas Kurzfilm

 


Neu im Kino/Filmkritik: „Die Unbeugsamen 2 – Guten Morgen, ihr Schönen!“ der DDR

August 30, 2024

2021 war „Die Unbeugsamen“ ein lange in den Kinos laufender Erfolg beim Publikum und der Kritik. Torsten Körner hatte sich durch die TV-Archive gewühlt und Interviews mit Politikerinnen geführt, die die Bonner Republik prägten. Er erzählte von den Widerständen, gegen die sie kämpfen mussten, von ihren Erfolgen und er erzählte, wie viel sich in den Jahren von der Gründung der Bundesrepublik Deutschland bis zum Umzug der Hauptstadt von Bonn nach Berlin veränderte. „Die Unbeugsamen“ war einer der Filme, die ich schon in den Monaten vor dem Kinostart (der sich wegen der Coronavirus-Pandemie mehrmals verschob) allen überschwänglich empfahl. Und das tue ich jetzt wieder. Ihr müsst euch „Die Unbeugsamen“ unbedingt ansehen!

Schon damals stellte sich die Frage, wie in der DDR die Situation für die Frauen war. Denn darüber verlor Körner in seinem Film kein Wort.

Diesen Film hat Torsten Körner jetzt gemacht und er ist enttäuschend.

Das erste Problem ist der Titel. „Die Unbeugsamen 2 – Guten Morgen, ihr Schönen!“. Er suggeriert, dass dieser Film eine unmittelbare Fortsetzung des ersten Film ist. Also dass es wieder um Frauen in der Politik geht. Nur dass dieses Mal die Situation in der DDR im Mittelpunkt steht. Aber so „gleichberechtigt“ die Frauen in der Produktion waren (weil ihre Arbeitskraft gebraucht wurde), so erfolgreich wurden ihnen Führungsposten verwehrt. In der Politik hatten sie nichts zu sagen. Die wenigen Ausnahmen, die im Film erwähnt werden – eigentlch nur Brunhilde Hanke, die von 1961 bis 1984 Oberbürgermeisterin von Potsdam war – taugen noch nicht einmal als Alibi. Ein direktes filmisches Gegenstück zu „Die Unbeugsamen“ wäre also nach einer halben Minute mit einem lapidaren „es gab sie nicht“ zu Ende.

Körner zeigt andere Teile der DDR-Realität. Er zeigt, wie Frauen in der Produktion arbeiteten. Diese Bilder und die extra für den Film gemachten Interviews geben einen guten Einblick in das Leben im Arbeiter- und Bauernstaat. Wieder hat Körner eine beeindruckende Menge historischer Aufnahmen und Interviews gefunden, sie um aktuelle Interviews ergänzt und in eine überzeugende filmische Struktur gebracht.

Das historische Material ist das zweite große Problem des Films. Im Westen konnten die Politikerinnen frei reden. Im Osten war das anders. Es handelt sich immer, ohne dass das im Film thematisiert wird, um Propagandaaufnahmen mit dem Ziel, die DDR in einem möglichst guten Licht erscheinen zu lassen. Entsprechend viel wird verschwiegen und geschönt. Damals waren die Frauen mit ihrer Arbeit sehr zufrieden. Sie freuten sich, wenn sie in der Produktion schwerere Gegenstände als die Männer heben konnten. Aber Chefin wollten sie nie werden. Den Vorsitz übernahmen sie, wenn sich kein Mann fand. Die Machtfrage, die von den in „Die Unbeugsamen“ porträtierten Frauen und westdeutschen Feministinnen gestellt wurde, stellten sie im Osten nicht. Rückblickend hat sich an diesem Stolz auf die Arbeit in Fabriken und LPGs (Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft) wenig bis nichts geändert.

Neben den Arbeiterinnen interviewte Körner auch viele Künstlerinnen. Im Umgang mit vom Staat vorgegebenen Strukturen waren sie schon immer freier.

Die Unbeugsamen 2“ ist ein gut gemachter, informativer Dokumentarfilm, der nicht den Neuigkeitswert von „Die Unbeugsamen“ hat. Das gesagt muss ich auch sagen, dass Menschen, die die DDR erlebt haben, den Film mit ganz anderen Augen sehen werden. Ihnen muss auch nicht gesagt werden, dass der Filmuntertitel „Guten Morgen, ihr Schönen!“ auf Maxie Wanders 1977 erschienenes Kultbuch „Guten Morgen, Du Schöne“ über Frauen in der DDR anspielt. Dieser Titel wäre auch ein besserer Filmtitel gewesen, weil er die Eigenständigkeit des Films betont hätte und er nicht sofort Vergleiche mit „Die Unbeugsamen“ provozieren würde.

P. S.: Ja, das war jetzt eine Kritik, die sich auf die Verpackung und weniger auf den Inhalt konzentrierte, aber die Verpackung ist wichtig. Sie soll das Werk verkaufen.

Die Unbeugsamen 2 – Guten Morgen, ihr Schönen! (Deutschland 2024)

Regie: Torsten Körner

Drehbuch: Torsten Körner

mit Amrei Bauer, Kerstin Bienert, Anke Feuchtenberger, Marina Grasse, Brunhilde Hanke, Katja Lange-Müller, Annette Leo, Solveig Leo, Barbara Mädler, Ulrike Poppe, Tina Powileit, Katrin Sass, Katrin Seyfarth, Gabriele Stötzer, Doris Ziegler

Länge: 109 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Die Unbeugsamen 2“

Moviepilot über „Die Unbeugsamen 2“

Meine Besprechung von Torsten Körners „Die Unbeugsamen“ (Deutschland 2020)


TV-Tipp für den 30. August: Nur ein kleiner Gefallen

August 29, 2024

Pro7, 20.15

Nur ein kleiner Gefallen (A simple Favor, USA 2018)

Regie: Paul Feig

Drehbuch: Jessica Sharzer

LV: Darcey Bell: A simple Favor, 2017 (Nur ein kleiner Gefallen – A simple Favor)

Die mondäne, so überhaupt nicht in die Vorstadt passende Emily bittet Stephanie, für einige Stunden auf ihren Sohn aufzupassen. Die mustergültige Vorstadtmom Stephanie tut es: Als Emily ihren Sohn nicht abholt, sondern spurlos verschwindet, beginnt sie sie zu suchen und entdeckt so einige Geheimnisse.

Äußerst gelungener Drahtseilakt zwischen harmloser Krimikomödie und fiesem Neo-Noir, der gerade weil er so unvereinbare Stile miteinander kombiniert, bis zum Schluss spannend bleibt. Paul Feig inszenierte hier einen Krimi, der auch Alfred Hitchcock ohne den Schatten eines Zweifels gefallen hätte.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung des „Suburban Noir“ (Paul Feig).

mit Anna Kendrick, Blake Lively, Henry Golding, Andrew Rannells, Jean Smart, Bashir Salahuddin, Joshua Satine, Ian Ho, Rupert Friend

Wiederholung: Samstag, 31. August, 03.20 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Moviepilot über „Nur ein kleiner Gefallen“

Metacritic über „Nur ein kleiner Gefallen“

Rotten Tomatoes über „Nur ein kleiner Gefallen“

Wikipedia über „Nur ein kleiner Gefallen“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Paul Feigs „Taffe Mädels“ (The Heat, USA 2013)

Meine Besprechung von Paul Feigs „Spy – Susan Cooper Undercover“ (Spy, USA 2015)

Meine Besprechung von Paul Feigs „Ghostbusters“ (Ghostbuster, USA 2016)

Meine Besprechung von Paul Feigs „Nur ein kleiner Gefallen“ (A simple Favor, USA 2018) und der DVD

Meine Besprechung von Paul Feigs „Last Christmas“ (Last Christmas, Großbritannien 2019)


Neu im Kino/Filmkritik: „Sleeping Dogs – Manche Lügen sterben nie“, aber die Wahrheit…

August 29, 2024

Der Beginn des neuen Thrillers von Russell Crowe ist klassisch. Er spielt einen alten Kriminalbeamten mit Gedächtnisproblemen. Seine Wohnung ist zugepflastert mit Zetteln, auf denen extrem kleinteilig steht, was er wann tun soll. Eine experimentelle Behandlung könnte sein Erinnerungsvermögen wieder herstellen. Zur Unterstützung der Behandlung soll Roy Freeman sich beschäftigen. Puzzle beispielsweise.

Als eine in einem Gefangenenhilfsprojekt arbeitende Anwältin ihn bittet, Isaac Samuel im Gefängnis zu besuchen, ist Freeman, auch wenn er sich nicht an den Fall erinnern kann, einverstanden.

Vor zehn Jahren gestand der Kleingangster Samuel seinem Partner Jimmy Remis und ihm, dass er den College-Professor Joseph Wieder in seiner Wohnung ermordete. Er wurde zum Tode verurteilt. In wenigen Tagen soll das Urteil vollstreckt werden. Aber jetzt beteuert Samuel gegenüber Freeman seine Unschuld.

Freeman beginnt in dem alten Fall herumzustochern und Krimifans wissen in dem Moment schon zwei Sachen. Samuel ist unschuldig. Und Freeman stößt bei seinen Ermittlungen in ein Wespennest aus Lug und Betrug. Denn es gibt einen guten Grund, weshalb damals der echte Täter nicht verhaftet und sogar von der Polizei geschützt wurde.

Beim Ansehen von „Sleeping Dogs – Manche Lügen sterben nie“ verstand ich sofort, was Russell Crowe und die anderen Schauspieler an der Geschichte interessierte. Das Drehbuch von Bill Collage und Adam Cooper verknüpft durchaus geschickt die Ermittlungen von Freeman mit seiner Krankengeschichte. Bei seinen Ermittlungen fragt Freeman sich, was für ein Polizist er war und welche Rolle er damals bei den Ermittlungen hatte. Die mild zersplitterte Erzählweise liefert in vielen Rückblenden Informationen zum Tatgeschehen und sie zeigt, wie das Gedächtnis mit Flashbacks und Erinnerungsfetzen arbeitet. Das liest sich im Drehbuch gut.

Aber „Sleeping Dogs“ schöpft niemals sein im Drehbuch angelegtes Potential aus. Problematisch sind vor allem das Erzähltempo und die Lösung. Die finale Lösung ist eine durchaus sinnvolle Erklärung für den Mord und die Vertuschung. Dummerweise ergibt die finale Lösung zusammen mit der vorher präsentierten Lösung für den Mord und die Vertuschung keinen Sinn.

Außerdem inszenierte Adam Cooper, der vorher unter anderem die Drehbücher für „The Transporter Refueled“, „Allegiant“ und „Assassin’s Creed“ schrieb, sein Regiedebüt arg dröge. Die Farbpalette neigt zur aktuell modischen beige-braun-schwarz Monotonie. Alles passiert sehr langsam. Denn der Protagonist Freeman ist ein kranker Mann, der sich langsam bewegt und der nur sehr langsam versteht, vieles vergißt und immer wieder nachfragt, was er gerade vergessen haben könnte. Denn so wahnsinnig kompliziert ist die Lösung nicht.

Am Ende ist Russell Crowes neuer Film doch nur ein weiterer bestenfalls okayer Krimi.

Sleeping Dogs – Manche Lügen sterben nie (Sleeping Dogs, USA 2024)

Regie: Adam Cooper

Drehbuch: Adam Cooper, Bill Collage

LV: E. O. Chirovici: The Book of Mirrors, 2017 (Das Buch der Spiegel)

mit Russell Crowe, Karen Gillan, Marton Csokas, Thomas M. Wright, Harry Greenwood, Tommy Flanagan

Länge: 112 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Sleeping Dogs“

Metacritic über „Sleeping Dogs“

Rotten Tomatoes über „Sleeping Dogs“

Wikipedia über „Sleeping Dogs“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 29. August: Nicht auflegen!

August 28, 2024

Tele 5, 22.20

Nicht auflegen! (Phone Booth, USA 2002)

Regie: Joel Schumacher

Drehbuch: Larry Cohen

Als Stuart Shepard das Telefon in der Telefonzelle abnimmt, wird sein Tag zum Alptraum. Denn es meldet sich ein Erpresser, der sagt, er werde ihn erschießen, wenn er die Telefonzelle verlässt.

Spannender Thriller, dessen erste Idee („ein Film, der in einer Telefonzelle spielt“) Larry Cohen („Die Wiege des Bösen“ [It’s alive], Maniac Cop“, „Final Call“) bereits in den Sechzigern Alfred Hitchcock erzählte. Aber sie wussten nicht, wie sie den Protagonisten in der Telefonzelle festhalten sollten. Michael Bay, dem die Idee auch einmal erzählt wurde, wollte nur wissen, wie man den Protagonisten aus der Telefonzelle bringt. Joel Schumacher („Falling Down“, „Batman forever“) ließ den Protagonisten in der Telefonzelle und inszenierte einen straffen kleinen, herrlich gemeinen Thriller.

mit Colin Farrell, Forest Whitaker, Katie Holmes, Radha Mitchell, Kiefer Sutherland (Stimme des Erpressers im Original)

Wiederholung: Freitag, 30. August, 03.50 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Nicht auflegen!“

Wikipedia über „Nicht auflegen!“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Larry Cohens „Ambulance“ (The Ambulance, USA 1989)

Mein Nachruf auf Larry Cohen


Nach „Alien: Romulus“: ein Blick in die „Alien“-Comics von Phillip Kennedy Johnson und Declan Shalvey

August 28, 2024

Der Kinostart des neuen, ziemlich gelungenen „Allien“-Films „Alien: Romulus“ und die fast zeitgleiche Publikation von „Alien: Descendant“ sind eine willkommene Gelegenheit, einen Blick in die aktuellen „Alien“-Comics zu werfen. Seit 2021 erscheinen sie bei Marvel. Den Auftakt zu der neuen Serie machte Phillip Kennedy Johnson mit drei bestenfalls lose miteinander verbundenen Geschichten. Im April 2023 übergab er in einem fliegendem Wechsel an Declan Shalvey. Er schrieb zwei miteinander verbundene „Alien“-Miniserien, die auch unabhängig voneinander gelesen werden können. Diese fünf Miniserien und zwei One-Shots sind bei Panini auf Deutsch erhältlich.

In der Auftaktgeschichte „Blutlinie“, geschrieben von Phillip Kennedy Johnson, gezeichnet von Salvador Larroca, muss 2200 der pensionierte Weyland-Yutani-Sicherheitschef Gabriel Cruz noch einmal zurück auf die Forschungsstation Epsilon. Die Station wurde überfallen. Die Täter, zu denen sein Sohn Danny gehört, haben jetzt Zugriff auf die gesamten Forschungen des Konzerns über die Xenomorphe. Aber Cruz soll nicht seinen Sohn, sondern den Alpha-Embryo retten.

In „Erweckung“, der zweiten Miniserie von Phillip Kennedy Johnson und Salvador Larroca, hat eine religiöse Gruppe im Jahr 2202 den Mond Euridice bewohnbar gemacht. Jetzt hoffen die Spinners (sorry, so nennen sie sich), dass der Mond – wie United Americas (UA) ihnen versprochen hat – ihr Eigentum wird. Anschließend wollen sie dort ihr religiöses Reich errichten.

Am Tag der geplanten Übergabe taucht ein UA-Schiff auf und stürzt auf den Planeten. Die Besatzung ist tot. Die Fracht – eine Ladung Xenomorphe – nicht. Die Aliens beginnen sofort, die Spinners zu jagen.

Jane, ein geachtetes Mitglied der Sekte, das an einer degenerativen Erkrankung leidet, die ihre Bewegungsfähigkeit zunehmend einschränkt, beginnt mit einigen anderen Gläubigen gegen die ‚Hunde des Verderbens‘ zu kämpfen.

Zusätzlich ist in diesem Band die 2193 spielende Geschichte „Ein Überlebender“ aus „Alien Annual (2022) enthalten. Sie erzählt ein früheres Abenteuer von Gabriel Cruz.

In „Icarus“, der dritten und finalen Geschichte von Phililip Kennedy Johnson, dieses Mal von Julius Ohta gezeichnet, macht 2217 United Systems Army einer Gruppe rebellierender Kampfandroiden ein verlockendes Angebot: wenn sie auf Tobler-9 eine Mission erfolgreich durchführen, werden sie zu freien Bürgern.

Auf Tobler-9 hatte Weyland-Yutani einem Forschungs- und Entwicklungsstützpunkt. Auch dort wurde an Xenomorphen geforscht und ein Universalimpfstoff entdeckt. Inzwischen beherrschen die Xenomorphe den Planeten und kein Mensch würde, im Gegensatz zu den Synths, auf dem Planeten auch nur eine Minute überleben. Aber wie lange können die Synths überleben?

In „Tauwetter“, geschrieben von Declan Shalves, gezeichnet von Andrea Broccardo, geht es auf den eisigen Mond LV-695 und in das Jahr 2195. Die Wissenschaftlerin Batya Zahn will im Auftrag von Talbot Engineering Inc. (kürzlich übernommen von Weyland-Yutani) herausfinden, wie bei Terraforming-Prozessen Wasser gewonnen werden kann. Bei ihr sind ihre Tochter Zasha und Dayton, ein Androide, der die Rolle von Zashas Vater übernommen hat.

Als Zasha bei einem Ausflug in einem Eisblock ein Tier entdeckt, nimmt sie es mit in die Station.

Kurz darauf taucht ein Schiff von Weyland-Yutani auf. Wendell Theen und die von ihm angeführten Elitesoldaten übernehmen die Station. Sie wollen die Forschungsdaten und das von Zasha entdeckte Tier. Und schon beginnt ein gnadenlos geführter Kampf zwischen der Familie Zahn, den Weyland-Yutani-Soldaten und den Aliens. Denn wo ein Xenomorph ist, sind mehrere.

Descendant“, Shalvey/Broccardos zweite und letzte „Alien“-Miniserie, ist eine Mischung aus Fortsetzung und Einzelgeschichte. 2208, dreizehn Jahre nach den in „Tauwetter“ geschilderten Ereignissen kehrt Zasha, inzwischen eine junge Frau, zurück auf den Mond LV-695. Sie will auf dem Planeten noch etwas erledigen. Die Reise unternahm sie als Mitglieder der Besatzung eines Weyland-Yutani-Bergungsschiffs, das das damals zerstörte firmeneigene Raumschiff und die Fracht bergen soll.

Kurz nach ihrer Landung werden viele Menschen Alien-Futter.

In diesem Sammelband ist auch die „Alien Annual (2023)“-Geschichte „Königsmord“ enthalten. Ohne Worte erzählen Declan Shalvey und Zeichner Danny Earls, wie die Aliens auf dem Mond LV-695 landen und sich gegenseitig angreifen.

Wie die Aliens die Menschen töten ist seit dem ersten „Alien“-Film bekannt. Dan O’Bannon und Ronald Shusett schrieben die Geschichte, Ridley Scott übernahm die Regie und H. R. Giger erschuf die furchteinflößenden Aliens. Weitere Spielfilme, Romane, Comics und Computerspiele, teils mit neuen Aliens, folgten.

Neben den Aliens, die einfach nur Menschen töten, ist der Konzern Weyland-Yutani der zweite, oft sehr im Hintergrund agierende Bösewicht der „Alien“-Welt. Weyland-Yutani schickt Raumschiffbesatzungen an Orte, in denen Xenomorphe sind. Er schickt Soldaten los. Sie sollen die Tiere oder ihre Eier mitnehmen. Alles andere ist egal. Und er forscht eifrig und ohne sich von Mißerfolgen abschrecken zu lassen an den verschiedenen Xenomorphen, die, wenn man sie steuern könnte, eine sehr effiziente Waffe wären.

Im Mittelpunkt der fünf Comic-Geschichten steht immer ein Alien-Angriff und einige Menschen, die sich verteidigen.

Das ist immer spannend, kurzweilig und auch immer wieder überraschend, aber es bleibt auch immer an der Oberfläche. Phillip Kennedy Johnson und Declan Shalvey variieren in verschiedenen Settings die bekannten Eckdaten einer „Alien“-Geschichte.

Das erinnert an das Vorgehen bei den ersten „Alien“-Filmen und bei der von Garth Ennis erfundenen Zombie-Horrorserie „Crossed“. Ennis erlaubte, nachdem er seine „Crossed“-Geschichte erzählt hatte, anderen Autoren in der von ihm erfundenen Welt Zombiegeschichten zu erzählen.

Im Gegensatz zu den sehr unterschiedlichen „Crossed“-Erzählungen wirken die „Alien“-Geschichten etwas austauschbar. Denn so spaßig es ist, verschiedene Alien-Angriffe an verschiedenen Orten zu erleben, so ähnlich und auch redundant ist das immergleiche Gemetzel der Aliens an weitgehend austauschbaren Menschen. Hier wäre, auch wenn die Geschichten dann länger würden, mehr möglich. Es muss ja nicht so verquast werden wie in den letzten beiden „Alien“-Filmen von Ridley Scott.

Phillip Kennedy Johnson/Salvador Larroca: Alien: Blutlinien (Band 1)

(übersetzt von Alexander Rösch)

Panini Comics, 2022

160 Seiten

20 Euro

Originalausgabe/enthält

Alien (2021) # 1 – 6

Marvel, Mai – Oktober 2021

Phillip Kennedy Johnson/Salvador Larroca: Alien: Erweckung (Band 2)

(übersetzt von Alexander Rösch)

Panini Comics, 2022

176 Seiten

22 Euro

Originalausgabe/enthält

Alien (2021) # 7 – 12

Marvel, September 2021 – Juni 2022

Alien Annual (2022) 1

September 2022

Phillip Kennedy Johnson/Julius Ohta: Alien: Icarus (Band 3)

(übersetzt von Alexander Rösch)

Panini Comics, 2023

144 Seiten

19 Euro

Originalausgabe/enthält

Alien (2022) # 1 – 6

Marvel, November 2022 – April 2023

Declan Shalvey/Andrea Broccardo: Alien: Tauwetter (Band 1)

(übersetzt von Alexander Rösch)

Panini Comics, 2023

128 Seiten

17 Euro

Originalausgabe/enthält

Alien (2023) # 1 – 5

Marvel, April 2023 – August 2023

Declan Shalvey/Andrea Broccardo/Danny Earls: Alien: Descendant (Band 2)

(übersetzt von Alexander Rösch)

Panini, 2024

136 Seiten

17 Euro

enthält

Alien Annual (2023) 1

Dezember 2023

Alien (2023 B) # 1 – 4

Marvel, Januar – April 2024

Hinweise

Wikipedia über das Alien-Franchise (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von J. W. Rinzlers „Alien – Die Entstehungsgeschichte“ (The Making of Alien, 2019)

Meine Besprechung von J. W. Rinzlers „Aliens – Die Entstehungsgeschichte“ (The Making of Aliens, 2020)

Meine Besprechung von Ridley Scotts “Prometheus” (Prometheus, USA 2012)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Alien: Covenant“ (Alien: Covenant, USA 2017)

Meine Besprechung von Alan Dean Fosters „Alien: Covenant“ (Alien: Covenant, 2017) (Filmroman)

Meine Besprechung von Dan O’Bannon/Christiano Seixas/Guilherme Balbis „Alien – Die Urfassung“ (Alien: The Original Screenplay # 1 – 5, 2020)

Meine Besprechung von Fede Alvaraz‘ „Alien: Romulus(Alien: Romulus, USA 2024)


TV-Tipp für den 28. August: Matrix Generation

August 27, 2024

Arte, 22.50

Matrix Generation (Matrix Generation, Frankreich 2023)

Regie: Benjamin Clavel

Drehbuch: Julien Abadie, Benjamin Clavel, Jérôme Dittmar

Neue, knapp einstündige Doku über den stilbildenden und einflussreichen SF-Film „Matrix“.

Hinweise

Arte über die Doku (bis zum 26. November 2024 in der Mediathek)

Wikipedia über „Matrix“ (deutsch, englisch)


Cover der Woche

August 27, 2024

Lesebefehl – und danach geht’s weiter mit den anderen Werken von Richard Stark und Donald E. Westlake. Danach kann man sich immer noch die Krimis vornehmen, die Westlake unter anderen Pseudonymen schrieb. Die sind alle verdammt gut.


TV-Tipp für den 27. August: Der Schrei

August 26, 2024

HR, 23.55

Der Schrei (Il grido, Italien/USA 1957)

Regie: Michelangelo Antonioni

Drehbuch: Michelangelo Antonioni, Elio Bartolini, Ennio De Concini

Nachdem seine Geliebte ihn verlässt, beginnt Aldo sich ziellos durch die Po-Ebene treiben zu lassen.

Mit diesem Drama fand Antonioni endgültig seinen Stil. Danach drehte er „Die mit der Liebe spielen“ (L’avventura), „Die Nacht“, „Liebe 1962“, „Die rote Wüste“, „Blow up“, „Zabriskie Point“ und „Beruf: Reporter“.

Mit Steve Cochran, Alida Valli, Betsy Blair, Gabriella Palotta, Dorian Gray

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Der Schrei“

Wikipedia über „Der Schrei“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 26. August: Der Schrei der Eule

August 25, 2024

One, 22.00

Der Schrei der Eule (The Cry of the Owl, Deutschland/Frankreich/Großbritannien/Kanada 2009)

Regie: Jamie Thraves

Drehbuch: Jamie Thraves

LV: Patricia Highsmith: The Cry of the Owl, 1962 (Der Schrei der Eule)

Robert beobachtet nachts heimlich die schöne Jenny. Sie verliebt sich in ihn und verlässt ihren Verlobten Greg. Als Greg nach einer Schlägerei spurlos verschwindet, wird Robert des Mordes verdächtigt.

Bereits Claude Chabrol und Tom Toelle verfilmten 1987 den Krimi. Beide Verfilmungen ähneln sich sehr und sind, wenn man die Prämisse akzeptiert, auch gelungen. Inzwischen ist Toelles TV-Film, weil er nie im TV läuft, fast vergessen. Immerhin gibt es ihn noch (!) auf DVD. Chabrols Version gibt es aktuell weder auf DVD noch im Stream.

Die dritte Verfilmung des Romans ist auch gelungen. Sie unterscheidet sich kaum von den vorherigen Verfilmungen. Inzwischen dürfte sie auch die bekannteste Verfilmung des Highsmith-Romans sein.

mit Paddy Considine, Julia Stiles

Wiederholung: Mittwoch, 28. August, 01.05 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Der Schrei der Eule“

Wikipedia über „Der Schrei der Eule“ (deutsch, englisch) und  Patricia Highsmith (deutsch, englisch)

Times: The 50 Greatest Crime Writers No 1: Patricia Highsmith

Kaliber .38 über Patricia Highsmith (Bibliographie)

Krimi-Couch über Patricia Highsmith

Wired for Books: Don Swain redet mit Patricia Highsmith (1987)

Gerald Peary redet mit Patricia Highsmith (Sight and Sound – Frühling 1988)

Meine Besprechung von Hossein Aminis Patricia-Highsmith-Verfilmung “Die zwei Gesichter des Januars” (The two Faces of January, Großbritannien/USA/Frankreich 2014)

Meine Besprechung von Todd Haynes‘ Patricia-Highsmith-Verfilmung „Carol“ (Carol, USA/Großbritannien/Frankreich 2015)


TV-Tipp für den 25. August: Tarantino – The Bloody Genius

August 24, 2024

Arte, 22.55

Tarantino – The Bloody Genius (QT8: The First Eight; 21 Years: Quentin Tarantino, USA 2019)

Regie: Tara Wood

Drehbuch: Tara Wood

Informative spielfilmlange Doku über Quentin Tarantino und seine ersten acht Filme; mit Interviews und Filmauschnitten.

Danach, 2019, kam sein neunter Film „Once upon a Time in…Hollywood“. Aktuell arbeitet er an seinem zehnten Film, der auch sein letzter Film sein soll. Schauen wir mal.

Davor, um 22.00 Uhr zeigt Arte als TV-Premiere ‚Kill Bill‘ „Uma Thurman: Die stille Kämpferin Hollywoods“ (Deutschland 2024).

mit Zoë Bell, Louis Black, Bruce Dern, Robert Forster, Jamie Foxx, Richard Glastein, Samuel L. Jackson, Jennifer Jason Leigh, Diane Kruger, Lucy Liu, Michael Madsen, Eli Roth, Tim Roth, Kurt Russell, Stacey Sher, Scott Spiegel, Christoph Waltz (das dürften alle aktuellen Interviews sein. Zusätzlich gibt es Archivaufnahmen, unter anderem von Quentin Tarantino)

auch bekannt als „Quentin Tarantino – The First Eight“ (ursprünglicher TV-Titel; – Arte hat aktuell eine weitere Titelvariation im Angebot: QT8: Quentin Tarantino – The First Eight)

Hinweise

Arte über die Doku (bis 24. Oktober 2024 in der Mediathek)

Rotten Tomatoes über „Tarantino – The Bloody Genius“

Wikipedia über „Tarantino – The Bloody Genius“ (deutsch, englisch) und Quentin Tarantino (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 24. August: The Road

August 23, 2024

3sat, 23.15

The Road (The Road, USA 2009)

Regie: John Hillcoat

Drehbuch: Joe Penhall

LV: Cormac McCarthy: The Road, 2006 (Die Straße)

In einer postapokalyptischen, fast menschenleeren Welt wandern ein Vater und sein Sohn in Richtung Küste. Wenn sie nicht vorher sterben.

Starkes, zum Nachdenken anregendes Endzeit-Drama.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Viggo Mortensen, Kodi Smit-McPhee, Charlize Theron, Robert Duvall, Guy Pearce, Michael K. Williams, Garret Dillahunt, Molly Parker

Hinweise

Rotten Tomatoes über „The Road“

Wikipedia über „The Road“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von John Hillcoats Cormac-McCarthy-Verfilmung „The Road“ (The Road, USA 2009)

Meine Besprechung von John Hillcoats „Lawless – Die Gesetzlosen (Lawless, USA 2012)

Meine Besprechung von John Hillcoats „Triple 9“ (Triple 9, USA 2016)

Die Vorlage

Cormac McCarthy: Die Straße

(übersetzt von Nikolaus Stingl)

Rowohlt Taschenbuch Verlag, 2008

256 Seiten

16 Euro

Deutsche Erstausgabe

Rowohlt Verlag, 2007

Originalausgabe

The Road

Alfred A. Knopf, New York, 2006


TV-Tipp für den 23. August: 7500

August 22, 2024

Arte, 20.15

7500 (Deutschland 2019)

Regie: Patrick Vollrath

Drehbuch: Patrick Vollrath, Senad Halilbasic

Hochspannender Thriller über eine Flugzeugentführung. Der Clou des Films ist, dass Patrick Vollrath die Geschichte ausschließlich im Cockpit des Passagierflugzeugs spielen lässt.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Joseph Gordon-Levitt, Omid Memar, Aylin Tezel, Murathan Muslu, Carlo Kitzlinger

auch bekannt als „Code 7500“ (alternativer TV-Titel)

Hinweise

Filmportal über „7500“

Moviepilot über „7500“

Rotten Tomatoes über „7500“

Wikipedia über „7500“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Patrick Vollraths „7500“ (Deutschland 2019)


Neu im Kino/Filmkritik: „Blink Twice“ und alles ist in Ordnung. Ehrlich!

August 22, 2024

Wenn Slater King (Channing Tatum) in einem Video reumütig bekennt, dass er Fehler gemacht habe, aufrichtig bereue, in Therapie sei und jetzt auf seiner Insel das einsame, naturverbundene Leben genieße, dann sollten schon die ersten Alarmglocken läuten. Schließlich haben wir schon unzählige dieser gelogenen Promi-Geständnisse gehört. King wirkt bei dem Geständnis nicht reumütig, sondern arrogant, egozentrisch und von sich und seiner Macht überzeugt. Er steht über den Gesetzen und absolviert hier, während er um eine Million Dollar reicher wird, einen Publicity-Stunt.

Aber natürlich hindert das Frida (Naomi Ackie), die ein Slater-King-Groupie ist, und ihre ebenso junge und gutaussehende Freundin Jess (Alia Shawkat), die bei einer Spendengala von Tech-Millardär Slater King als Kellnerinnen arbeiten, nicht daran, sich von ihm auf seine Insel einladen und dort von all den dort vorhandenen Annehmlichkeiten und Drogen einlullen zu lassen.

Sicher, das einheimische Personal verhält sich etwas merkwürdig und dass sie sich beim Betreten der Insel von ihren Smartphones trennen mussten ist unangenehm, aber abgesehen davon ist alles paradiesisch. King und seine Freunde, eine bunte Mischung aus langjährigen Vertrauten, C-Berühmheiten und schmückendem, weiblichen Beiwerk, sind alle guter Laune, konsumieren eifrig Drogen und genießen das Luxus-Inselleben.

Dass dieses Paradies nicht so paradiesisch ist, ist offensichtlich. Auch wenn in dem Thriller „Blink Twice“ lange, sehr lange unklar ist, was das dunkle Geheimnis von Kings Paradies sein könnte.

Den ersten wirklichen Riss erhält das Paradies, als Fridas Freundin Jess nach mehreren Tagen und Nächten exzessiver Party verschwindet und die anderen Gäste sich nicht an Jess erinnern können. Es ist, als habe sie niemals existiert. Frida beginnt sie zu suchen.

Blink Twice“ ist das gelungene Regiedebüt von Schauspielerin Zoë Kravitz, das als gemeine Post-Jeffrey-Epstein-Satire gelesen werden kann. Bereits 2017 und damit vor der #MeToo-Bewegung begann sie mit dem Schreiben des Drehbuchs. Ihre Ausgangsfrage war, was geschähe, wenn Frauen nicht mehr nach den von Männern gemachten Regeln spielen würden. Als Setting wählte sie eine Insel mit mächtigen Männern und machtlosen Frauen. Inszenieren tat sie ihre Geschichte dann als stilistisch überhöhtes Slow-Burning-Mystery, bei dem wir Zuschauer von der ersten Minute an wissen, dass Frida, Jess und die anderen Besucherinnen fröhlich und nichtsahnend in eine potentiell tödliche Falle hineinlaufen. Bis das Paradies auch für sie die ersten Risse bekommt, vergeht ziemlich viel Filmzeit. Diese Zeit nutzt Kravitz, um sorgfältig Spuren auszulegen und Dinge anzudeuten, die später wichtig und erklärt werden. Das gefällt, auch weil die Schlusspointe sehr gemein ist.

Die Erklärung für die Ereignisse auf der Insel ist Filmwissenschaft, die mit der echten Wissenschaft nichts zu tun hat. Und über die verschiedenen Gäste von Slater King, die immerhin von so Hochkarätern wie Christian Slater, Haley Joel Osment, Kyle MacLachlan, Simon Rex und Geena Davis gespielt werden, bleiben arg blass. Und das Bemühen, alles richtig zu machen, ist immer erkennbar. 

Aber insgesamt ist die gallige Slow-Burning-Satire über die schönen unmoralischen Reichen ein gelungenes und vielversprechendes Debüt.

Blink Twice (Blink Twice, USA 2024)

Regie: Zoë Kravitz

Drehbuch: Zoë Kravitz, E.T. Feigenbaum

mit Naomi Ackie, Channing Tatum, Alia Shawkat, Christian Slater, Simon Rex, Adria Arjona, Haley Joel Osment, Liz Caribel, Levon Hawke, Trew Mullen, Geena Davis, Kyle MacLachlan, Cris Costa, María Elena Olivares

Länge: 103 Minuten

FSK: ab 16 Jahe

Hinweise

Moviepilot über „Blink Twice“

Metacritic über „Blink Twice“

Rotten Tomatoes über „Blink Twice“

Wikipedia über „Blink Twice“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: Über Kevin Costners „Horizon – Eine amerikanische Saga“, Teil 1 von 4

August 22, 2024

Dass Kevin Costner ein großer Western-Fan ist, ist schon bei ein Blick in seine Filmographie offensichtlich. Erinnert sei nur an „Der mit dem Wolf tanzt“, „Open Range“, „Silverado“, „Wyatt Earp“, die Western-Miniserie „Hatfield & McCoys“ und die TV-Serie „Yellowstone“. Die von ihm inszenierten Western „Der mit dem Wolf tanzt“ und „Open Range“ wurden von der Kritik gelobt und werden von Western-Fans geschätzt wegen ihrer historischen Detailgenauigkeit. „Der mit dem Wolf tanzt“ war auch ein weltweiter Publikumshit.

Dass Kevin Costner kein ökonomisch knapper, sondern ein epischer, sich Zeit nehmender Erzähler ist, verrät schon ein Blick auf die Länge seiner Filme. „Open Range“ ist mit 139 Minuten sein kürzester Film.

Und wenn er jetzt mit „Horizon“ die Geschichte des Wilden Westens in vier jeweils dreistündigen Spielfilmen erzählen will, die innerhalb weniger Monate im Kino anlaufen sollen, dann sind die Erwartungen selbstverständlich ziemlich hoch. Und sie werden größtenteils enttäuscht.

Der während dem Bürgerkrieg spielende Auftaktfilm von „Horizon – Eine amerikanische Saga“ dauert drei Stunden. Es werden viele Figuren und Handlungsstränge eingeführt, die im zweiten, dritten und vierten Film weitererzählt werden und die irgendwie irgendwann zusammenkommen. Wahrscheinlich in dem titelgebenden Ort Horizon. Falls einzelne Figuren nicht vorher auf ihrem Weg nach Horizon sterben oder sie vom Weg abkommen. Im ersten Teil irren sie alle noch durch den Wilden Westen und Horizon ist für sie noch nicht einmal am Horizont sichtbar.

Im ersten „Horizon“-Film spielt nur ein kleiner Teil des Film in dem titelgebenden Ort. In der ersten Stunde wird er, nachdem einige Siedler sich dort ansiedelten, während einer Feier der Siedler von einer Horde Indianer überfallen und niedergebrannt. Diese Schlacht bildet den Actionhöhepunkt des Films. Den Überfall überleben nur wenige. Zu ihnen gehören Frances Kittredge (Sienna Miller) und ihre Tochter Elizabeth (Georgia MacPhail). Sie gehen zu dem nahe gelegenem Militärstützpunkt Camp Gallant und verschwinden für einen großen Teil der weiteren Films aus dem Film. Am Ende deutet sich eine Beziehung zwischen Frances und First Lt. Trent Gephart (Sam Worthington) an.

In den anderen Plots geht es um einen Wagentreck, der sich langsam durch den Wilden Westen bewegt und die Konflikte, die es zwischen den Siedlern gibt. Ein anderer Plot dreht sich um den einzelgängerischen Revolverhelden Hayes Ellison (Kevin Costner, der nach einer Stunde seinen ersten Auftritt hat). Er rettet die Prostituierte Marigold (Abbey Lee) vor den mordlüsternen Sykes-Brüdern. Anschließend flüchten Hayes und Ellen vor den weiteren Mitgliedern der Sykes-Familie mit unbekanntem Ziel durch die fotogene Landschaft.

Und, allerdings erst nach dem Überfall auf Horizon, erzählt Costner in einem weiteren Handlungsstrang von den Apachen und ihren internen Streitigkeiten über den Umgang mit den weißen Menschen, die ihr Land ungefragt besetzen. Bis zu diesem Punkt sind sie hinterhältig und bestialisch Kinder, Frauen, einen Geistlichen und harmlose Siedler ermorden.

Das sind alles altbekannte Westernplots, die mit einigen weiteren Plots, in einem Western-Best-of in episch gedehnten Szenen aneinandergereiht werden. Denn ein Kevin Costner hat immer Zeit. Und die einzelnen Szenen funktionieren als einzelne Szenen auch gut. Nur ergeben sie keinen Film. Sie sind bestenfalls der Auftakt, der neugierig auf die nächsten Teile machen soll.

Horizon – Eine amerikanische Saga“ ist aber nur ein Western-Mash-Up, ein Best-of, bei dem auch nach drei Stunden kein Hauptplot, keine Hauptfigur und kein zentraler Konflikt erkennbar ist. Das ist auch in einem Ensemblefilm oder einer TV-Serie wichtig. Es ist auch keine Figur und keine Geschichte dabei, von der ich unbedingt wissen möchte, wie sie weitergeht. Das alles sollte aber nach drei Stunden etabliert sein. In einer TV-Serie gelingt das nach neunzig oder weniger Minuten.

Weil „Horizon“ das nicht gelingt, endet der Film in einer minutenlange Montage mit Bildern aus dem nächsten Teil. Wie bei einer TV-Serie sollen diese Bilder neugierig auf die nächste Episode machen.

Von der Art der Präsentation seiner einzelnen Geschichten ist „Horizon“ ein revisionistischer revisionistischer Western. Costners neuer Film ist keine Rückbesinnung zum klassischen Hollywood-Western mit dem Wissen der seitdem in Filmen, Büchern und gesellschaftlichen Diskussionen stattgefundenen Entwicklungen. Dabei trug Costner mit seinem Regiedebüt „Der mit dem Wolf tanzt“ und wie er die Native Americans zeigte, zu dieser Neubetrachtung der US-amerikanischen Geschichte bei. Mit „Horizon“ hätte er den klassischen Hollywood-Western neu betrachten können. Stattdessen versucht er alle Entwicklungen, die es seit den fünfziger Jahren gab, zu ignorieren. Er will wieder so naiv wie damals erzählen und die alten Legenden wieder vollumfänglich bestätigen. Aber die Zeit ist vorbei. Wir sind weiter.

Aus diesem ‚zurück in die Vergangenheit‘-Gedanken ergibt sich auch das gewählte Bildformat. Gedreht wurde im US-Breitwandformat (1,85:1), das wie ein heutiges TV-Bild aussieht und dem Film von der ersten Minute wie einen TV-Western wirken lässt. Quentin Tarantino ging in seinem grandiosen Schneewestern „The hateful 8“ den entgegengesetzten Weg. Das Bild konnte nicht breit genug sein.

Der Auftakt von Costners lange gehegtem und jetzt mit eigenem Geld finanziertem Traumprojekt enttäuscht. Als Einzelfilm funktioniert „Horizon“ nicht, weil er kein Ende, sondern nur eine Menge Anfänge hat, Als Auftakt von einem Epos, das die Menschen in einigen Monaten wieder in die Kinos treibt, funktioniert der Film auch nicht. Keine Geschichte macht wirklich neugierig auf die nächste Episode der Saga. Von keiner Figur will man unbedingt erfahren, was ihr zustoßen wird.

Der zweite „Horizon“-Film läuft am 7. November 2024 in Deutschland an.

Horizon – Eine amerikanische Saga (Horizon – An American Saga Chapter 1, USA 2024)

Regie: Kevin Costner

Drehbuch: Jon Baird, Kevin Costner

mit Sienna Miller, Sam Worthington, Danny Huston, Michael Rooker, Kevin Costner, Jena Malone, Michael Angarano, Abbey Lee, Jamie Campbell Bower, Jon Beavers, Owen Crow Shoe, Tatanka Means, Liluye, Luke Wilson, Ella Hunt, Tom Payne, Will Patton, Isabelle Fuhrman, Hayes Costner, Georgia MacPhail

Länge: 181 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Moviepilot über „Horizon – Eine amerikanische Saga“

Metacritic über „Horizon – Eine amerikanische Saga“

Rotten Tomatoes über „Horizon – Eine amerikanische Saga“

Wikipedia über „Horizon – Eine amerikanische Saga“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: „Borderlands“, die nächste schlechte Spieleverfilmung

August 22, 2024

Welcome to Pandora, einem dieser Wüstenplaneten, die wie eine Müllhalde aussehen und die bevorzugt von gefährlichen Tieren, furchtlosen Glücksrittern und debilen Verbrechern bevölkert werden. Alles auf Pandora ist lebensgefährlich oder will dich umbringen. Trotzdem kommen immer wieder Menschen nach Pandora. Auf dem Planeten soll es nämlich ein unglaublich wichtiges, die Welt veränderndes Ding geben, das alle unbedingt haben wollen und das bis jetzt, obwohl jedes Sandkorn umgedreht wurde, noch nicht gefunden wurde.

Außerdem ist dort die Tochter von dem bösen Konzernchef Atlas (Edgar Ramírez). Sie wurde von Roland (Kevin Hart) entführt. Die supertaffe Kopfgeldjägerin Lilith (Cate Blanchett, wenig überzeugend) soll die Dreizehnjährige zu ihrer Familie zurückbringen. Dass ihr Auftraggeber Atlas nicht ehrlich ist und dass Tiny Tina (Ariana Greenblatt) ein psychotisch durchgeknalltes kleines Mädchen mit seltsamen Freunden und explosiven Gewohnheiten ist, erfährt Lilith erst während des Abenteuers. Das verschlägt sie auf ihrem alten Heimatplaneten, den sie niemals wieder besuchen wollte.

Das liest sich jetzt wahrscheinlich wie eine Ansammlung gut abgehangener Klischees, die nach B-Movie-Lehrbuch und für kostengünstige Dreharbeiten verfügbaren Kiesgruben an einem langen Wochenende zu einem Drehbuch zusammenkopiert wurde. Die nach diesem Prinzip entstandenen Filme waren früher das Spielmaterial für Bahnhofskinos und Mitternachtsvorstellungen.

Das ist Eli Roths neuer Film „Borderlands“ auch. Er basiert auf dem gleichnamigen Computerspiel, das gar nicht so schlecht sein soll. Jedenfalls kann ich mir vorstellen, dass in einem Computerspiel diese Mischung aus primitiven Tough-Guy-Dialogen, mit überschaubarem Nachdenken zu lösenden Suchaufgaben und rasant aufeinander folgenden potentiell tödlichen Herausforderungen gut funktioniert. Jedenfalls wenn man nach der Arbeit bei einem Spiel einfach abschalten möchte.

Im Film funktioniert dieses Update von 80er-Jahre-Endzeit-Filmen, gemischt mit „Star Wars“-Space-Opera-Anspielungen, nicht.

Denn alles in „Borderlands“ ist bekannt aus „besseren“ Filmen. Roths Update beschränkt sich auf die exzessive Nutzung von nicht besonders gut aussehendem CGI, dem Weglassen einiger heute nicht mehr akzeptabler Sprüche und, wenn aus dem Helden eine Heldin wird, einem überschaubarem Geschlechterwechsel. Es gibt auch weniger Sex und Gewalt als damals. Im Endergebnis ist „Borderlands“, mit einem deutlich höherem Budget, die jugendfreie Version eines doofen 80er-Jahre-Actionfilms.

Dazu gibt es eine erkleckliche Menge bekannter Schauspieler, die vielleicht endlich einmal in einem dieser Filme mitspielen wollten, die sie als Jugendliche im Kino oder auf der Couch gesehen haben und die hofften, dass bei den Dreharbeiten, die von April bis Juni 2021 in Budapest waren (2023 gab es einen zweiwöchigen von Tim Miller überwachten Nachdreh), aus dem Drehbuch durch irgendein Wunder ein unterhaltsamer Film entstehen könnte. Sie irrten sich.

Borderlands“ ist es nur eine weitere schlechte, belanglose und schnell vergessene Spieleverfilmung. Das kennen wir aus den achtziger und neunziger Jahren, in denen eine schlechte Spieleverfilmung einer desaströsen Spieleverfilmung folgte. Die Fans des Spiels weinten, weil aus ihrem tollen Spiel ein schlechter Film wurde. Die Buchhalter weinten, weil aus einem kommerziell erfolgreichen Spiel mit vielen treuen Fans eine finanzielle Vollkatastrophe wurde. Actionfilmfans weinten, weil sie wieder einen rundum schlechten Film ertragen mussten. Cineasten ignorierten das Werk zugunsten irgendeines anderen Films.

Borderlands (Borderlands, USA 2024)

Regie: Eli Roth

Drehbuch: Elli Roth, Joe Crombie

mit Cate Blanchett, Kevin Hart, Jamie Lee Curtis, Ariana Greenblatt, Florian Munteanu, Janina Gavankar, Edgar Ramirez, Gina Gershon (ich hab‘ sie nicht erkannt)

Länge: 102 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Borderlands“

Metacritic über „Borderlands“

Rotten Tomatoes über „Borderlands“

Wikipedia über „Borderland“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Eli Roths „Knock Knock“ (Knock Knock, USA/Chile 2015)

Meine Besprechung von Eli Roths „Death Wish“ (Death Wish, USA 2018)

Meine Besprechung von Eli Roths „Das Haus der geheimnisvollen Uhren“ (The House with a Clock in its Walls, USA 2018)

Meine Besprechung von Eli Roths „Thanksgiving“ (Thanksgiving, USA 2023)


TV-Tipp für den 22. August: The Missing

August 21, 2024

Ein Western (ohne Kevin Costner, dessen Western „Horizon“, der besser hätte sein können, heute im Kino anläuft) mit Cate Blanchett (deren auf einem Wüsten-Schrottplaneten spielender SF-Film „Borderlands“, der viel besser hätte sein können, heute ebenfalls im Kino anläuft)

ZDFneo, 23.25

The Missing (The Missing, USA 2003)

Regie: Ron Howard

Drehbuch: Ken Kaufman

LV: Thomas Eidson: The last Ride, 1995

New Mexico, 1886: Als Apachen die 17-jährige Tochter von Maggie (Cate Blanchett) entführen, ist sie auf die Hilfe ihres Vaters (Tommy Lee Jones) angewiesen. Dummerweise ist ihre Beziehung zueinander sehr schlecht. Denn er verließ seine Familie und lebte zwanzig Jahre bei den Apachen.

Düsterer, mit 137 Minuten etwas (jedenfalls nach dem damaligen Filmlängenzeitgefühl) lang geratener Western, der bei den Native Americans gut ankam.

Georg Seeßlen verortete Ron Howards Film in „Filmwissen: Western“ (2011) zwischen Neo Noir Western und Mystery Western und meinte „eine weitere heftige Entromantisierung des Genres“.

mit Tommy Lee Jones, Cate Blanchett, Evan Rachel Wood, Jenna Boyd, Eric Schweig, Aaron Eckhart, Val Kilmer, Elisabeth Moss

Hinweise

Rotten Tomatoes über „The Missing“

Wikipedia über „The Missing“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Ron Howards „Rush – Alles für den Sieg“ (Rush, USA/Großbritannien/Deutschland 2013)

Meine Besprechung von Ron Howards „Im Herzen der See“ (In the Heart of the Sea, USA 2015)

Meine Besprechung von Ron Howards „Inferno“ (Inferno, USA 2016)

Meine Besprechung von Ron Howards „Solo: A Star Wars Story“ (Solo: A Star Wars Story, USA 2018)