„Ein Franzose namens Chamfort, der es hätte besser wissen müssen, hat einmal gesagt, dass Zufall ein Spitzname für Vorsehung sei.
Dies ist einer jener bequemen, fragwürdigen Aphorismen, die geprägt wurden, um die unangenehme Wahrheit zu verschleiern, dass der Zufall eine wichtige, wenn nicht die Hauptrolle im Leben der Menschen spielt. Ganz abwegig ist Chamforts Gedanke jedoch nicht. Der Zufall kommt manchmal so unsicher daher, dass man ihn leicht mit dem Ergebnis bewusster Vorsehung verwechseln kann.
Ein Beispiel dafür ist die Geschichte von Dimitrios Makropoulos.“
Mit diesen Worten, die einen sofort neugierig auf die Geschichte machen, beginnt „Die Maske des Dimitrios“, ein 1939 erschienener Roman von Eric Ambler, der heute allgemein als ein Klassiker des Genres bezeichnet wird. Manchmal ist dann die Kriminalliteratur, manchmal der Agentenroman (oder Spionageroman) oder der Thriller gemeint. So ist er einer der 100 Thriller, die man gelesen haben muss (in David Morrell/Hank Wagner, Hrsg.: „Thrillers: 100 Must Reads“, 2010). In der schon 1990 erstellten, immer mal wieder zitierten Liste des Bochumer Krimi Archivs „Die 119 besten Kriminalromane aller Zeiten“ steht „Die Maske des Dimitrios“ auf dem vierten Platz, noch vor John le Carrés „Der Spion, der aus der Kälte kam“.
Und trotzdem hat mich der Roman jetzt bei der Lektüre überhaupt nicht angesprochen. Ein Grund könnte natürlich die Übersetzung von Matthias Fienbork sein. Obwohl ich mit seinen anderen Übersetzungen keine Probleme hatte. Diese Ambler-Romane, wie der ebenfalls jetzt wiederveröffentlichte „Ungewöhnliche Gefahr“, gefielen mir vor Jahren ausnehmend gut. Außerdem ist der Übersetzer immer ein billiges Ziel. So als mache man den Kellner für das versalzene Gericht verantwortlich.
Es könnte auch an der Geschichte liegen, die sich auf den ersten Blick nicht vom Grundplot anderer Ambler-Romane unterscheidet: ein Normalbürger gerät zufällig in eine gefährliche politische Verschwörung, die er nicht überblickt und die sein Leben gefährdet.
In „Die Maske des Dimitrios“ ist der Normalbürger der Kriminalschriftsteller Charles Latimer. In Istanbul zeigt ihm Oberst Hakki die Leiche von Dimitrios. Er sei ein geheimnisumwitterter Verbrecher, der schon seit Jahrzehnten im Orient und Osteuropa sein Unwesen treibe. Mord, Spionage, Rauschgifthandel und die Beteiligung an mehreren Attentaten werden ihm vorgeworfen. Es gibt kein Foto von ihm. Nur einige wenige Fakten, die mühsam in verschiedenen Ländern zusammengetragen werden müssen. Ali Karim nennt in „Thrillers: 100 Must Reads“ Dimitrios eine mögliche Inspiration für Keyser Söze, den Bösewicht aus „Die üblichen Verdächtigen“.
Latimer beginnt, von Neugier getrieben, aufgrund der kärglichen Spuren, die es über Dimitrios gibt, dessen Leben zu recherchieren – und das ist letztendlich der Grund, weshalb mich „Die Maske des Dimitrios“ nicht begeisterte. Latimer ist während des gesamten Buches nur von einer milden Neugierde, einem kuriosen Interesse an Dimitrios getrieben, während er alte und uralte Geschichten ausgräbt, die höchstens von historischer Relevanz sind. Er ist, auch wenn er schon früh im Roman, auf seiner Zugfahrt nach Sofia, wo Dimitrios Anfang 1923 war, dem geheimnisvollen Mr. Peters begegnet, nie in Gefahr. Er kann jederzeit mit seiner Recherche aufhören.
In „Ungewöhnliche Gefahr“, 1937 erschienen, ist die Ambler-Welt dann wieder in Ordnung. Vor dem Hintergrund der damaligen politischen Ereignisse – der Spanische Bürgerkrieg, Hitlers Einmarsch in das Rheinland, eine steigende Zahl von Flüchtlingen und Scheinehen und der zunehmenden Ohnmacht des Völkerbundes, etwas dagegen zu tun – entfaltet sich eine wilde Hatz. Der notorisch blanke Journalist Kenton erhält im Zug von Nürnberg nach Linz von einem deutschen Juden das Angebot, für eine stattliche Summe einen Brief über die Grenze in ein Hotel zu bringen.
Als er dort ankommt, findet er den Empfänger ermordet vor. Er wird für den Mörder gehalten und verschiedene Gruppen wollen den Brief haben. Kenton, der vom Tatort flüchten konnte, versucht jetzt seinen Kopf zu retten, seine Unschuld zu beweisen und er will, notgedrungen, herausfinden, in welchen Schlamassel er hineingeraten ist.
Das ist ein typischer Alfred-Hitchcock-Stoff, der förmlich nach einer Verfilmung schreit und, wie etliche andere seiner Romane, wurde auch „Ungewöhnliche Gefahr“ verfilmt. Von Raoul Walsh, der sich, auch das geschah öfter, einige Freiheiten bei der Verfilmung nahm.
Der Roman ist ein echter Pageturner.
Und ich hoffe, dass der Atlantik-Verlag möglichst viele oder sogar alle Romane von Eric Ambler wieder veröffentlicht. Jedenfalls sind weitere Neuausgaben der vergriffenen Diogenes-Ausgaben, teils in überarbeiteten Übersetzungen, geplant. Für Mitte Juli ist „Nachruf auf einen Spion“, für Mitte Januar „Der dunkel Grenzbezirk“ und „Doktor Frigo“, angekündigt.
Denn obwohl Ambler einige seiner bekanntesten und wichtigsten Romane in den Dreißigern schrieb und sie die damalige politische Gemengelage reflektieren, sind sie jetzt wieder erschreckend aktuell.
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Eric Ambler: Die Maske des Dimitrios
(übersetzt von Matthias Fienbork)
Hoffmann und Campe, 2016
336 Seiten
22 Euro
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Deutsche Erstausgabe dieser Übersetzung 1974 bei Diogenes.
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Originalausgabe
The Mask of Dimitrios
Hodder & Stoughton, London, 1939
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Titel der US-Ausgabe
A Coffin for Dimitrios
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Verfilmung
Die Maske des Dimitrios (The Mask of Dimitrios, USA 1944, Regie: Jean Negulesco)
Drehbuch: Frank Gruber
Mit Peter Lorre, Zachary Scott, Sydney Greenstreet, Faye Emerson
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Eric Ambler: Ungewöhnliche Gefahr
(übersetzt von Matthias Fienbork)
Atlantik, 2016
336 Seiten
12 Euro
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Deutsche Erstausgabe dieser Übersetzung 1979 bei Diogenes.
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Originalausgabe
Uncommon Danger
Hodder & Stoughton, London, 1937
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Titel der US-Ausgabe
Background to Danger
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Verfilmung
Spion im Orientexpress(Background to Danger, USA 1943, Regie: Raoul Walsh)
Drehbuch: W. R. Burnett
Mit George Raft, Brenda Marshal, Sydney Greenstreet, Peter Lorre
Es hilft nichts. Die Steuererklärung ist gemacht (irgendwie), der Schreibtisch muss aufgeräumt werden (definitiv) und einige schon lange geplante Besprechungen, die als viel längere Besprechungen geplant waren, werden jetzt in der Kategorie „kurz & schnell“ abgehandelt. Denn nach dem Erwachen der Macht warten die nächsten Besprechungen schon und „Die Maske des Dimitrios“ will enthüllt werden.
Nachdem das Entsetzen über den neuen Zack-Snyder-Film, der Wonder Woman den Kampf zwischen Batman und Superman entscheiden ließ, können wir uns wieder den Bildergeschichten mit, nun, in diesem Fall den beiden Jungs und der gewohnt knapp bekleideten „Göttin des Krieges“ widmen.
Nachdem Brian Azzarello seine „Wonder Woman“-Neuinterpretation abschloss, übernahm Meredith Finch die Autorentätigkeit. Ihr Mann David Finch wurde der Zeichner. In ihrem ersten „Wonder Woman“-Sammelband „Kriegswunden“ geht es um Machtkämpfe in ihrem Amazonenreich, der Paradiesinsel, und um Kämpfe gegen Bedrohungen für die Menschheit. Denn für weniger rückt die Justice League nicht aus.
Gelungen,
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Meredith Finch/David Finch/Goran Sudzuka: Wonder Woman – Göttin des Krieges
(übersetzt von Steve Kups)
Panini Comics, 2016
156 Seiten
16,99 Euro
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Originalausgabe
Wonder Woman: War Torn (# 36 – # 40); Wonder Womand: War-Torn, Final Chapter (Wonder Woman Anual 1)
Scott Snyders grandiose Neuinterpretation von Batman geht mit dem über 250-seitigem „Jahr Null – Die dunkle Stadt“ weiter. Jetzt muss Batman gegen den Riddler kämpfen, der Gotham unter seine Kontrolle bringen will.
Die erste Runde endet für Bruce Wayne desaströs und der Riddler kann sich zum Herrscher über Gotham aufschwingen. Der zweite Teil des Buches zeigt dann ein ganz anderes Gotham, in dem der Riddler über die Stadt herrscht und die Bewohner mit seinen Ratespielen nervt und in den Tod treibt. Trotzdem hofft Batman, dass er ihn doch noch besiegen kann. Wenn er nicht stirbt.
„Jahr Null – Die dunkle Stadt“ ist eine großartige Batman-Geschichte, die natürlich viel besser als dieser Film ist, den wir so gerne aus unserem Gedächtnis streichen würden.
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Scott Snyder/JamesTynion IV/Greg Capllo/Andy Clarke: Batman: Jahr Null – Die dunkle Stadt (Band 5)
(übersetzt von Steve Kups)
Panini Comics, 2016
252 Seiten
19,99 Euro
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Originalausgabe
Zero Year – Dark City, Part 2 – Part 5 (Batman # 25 – # 29, Januar 2014 – Mai 2014)
Zero Year – Savage City, Part 1 – Part 4 (Batman # 30 – 33, Juni 2014 – September 2014)
„Golden Dogs“ von Stephen Desberg (Szenario) und Griffo (Zeichnungen) erzählt die Geschichte einer vierköpfigen Verbrecherbande in London um 1820, die ein recht bunter Haufen sind. Dass eine Prostituierte dabei ist. Geschenkt. Aber dass auch ein Transvestit dabei ist, der sich jeden Abend, bevor er vor Publikum auftritt entscheiden kann, ob sie ein er ist (oder umgekehrt), das ist schon etwas anderes und bei den verschiedenen Raubzügen sehr hilfeich. Im ersten Band „Fanny“ kommt die Truppe zusammen. Im zweiten Band „Orwood“ muss sie, nachdem sie von der Polizei verfolgt werden, getrennte Wege gehen. Und es gibt einen Verräter unter ihnen.
In Frankreich sind bereits zwei die abschließenden beiden Folgebände erschienen.
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Griffo/Desberg: Golden Dogs – Fanny (Band 1)
(übersetzt von Horst Berner)
Panini Comics, 2015
56 Seiten
13,99 Euro
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Originalausgabe
Golden Dogs Volume 01: Fanny
Éditions du Lombard, 2014
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Griffo/Desberg: Golden Dogs – Orwood (Band 2)
(übersetzt von Horst Berner)
Panini Comics, 2016
56 Seiten
13,99 Euro
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Originalausgabe
Golden Dogs Volume 02: Orwood
Éditions du Lombard, 2014
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In „Revival“ erzählt Tim Seeley (Hack/Slash), wie in der Ortschaft Wausau im nördlichen Wisconsin eines Tages die Toten wieder auferstehen. Aber sie sind keine blutrünstigen Zombies, sondern ganz normale Menschen, die sich fast ganz normal verhalten. Im Mittelpunkt der Serie steht daher auch das Zusammenleben von Mensch und Nicht-mehr-Mensch, die sich im vierten und fünften Band, „Flucht nach Wisconsin“ und „Steigende Fluten“, endgültig zu einer nicht enden wollenden Soap entwickelt, in dem die Nebenstränge mehr Zeit einnehmen als die, sofern erkennbar, immer unwichtiger werdende Haupthandlung. Auf ein konkretes Ende, wie zum Beispiel einer Erklärung für die Wiederauferstehungen in Wausau, wird überhaupt nicht mehr hingearbeitet. Dafür werden weitere Rätsel aufgeworfen.
Wer damit leben kann, wird sich über den vierten und fünften Band von „Revival“ freuen. Neueinsteiger sollten dagegen mit dem ersten Band beginnen.
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Tim Seeley/Mike Norton: Revial: Flucht nach Wisconsin (Band 4)
(übersetzt von Frank Neubauer)
Cross Cult, 2015
164 Seiten
18 Euro
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Originalausgabe
Revival, Volume 4: Escape to Wisconsin
Image, 2014
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Tim Seeley/Mike Norton: Revival: Steigende Fluten (Band 5)
À propos Untote: Deadpool darf in „Night of the Living Deadpool“ und „Return of the Living Deadpool“ von Autor Cullen Bunn und den Zeichnern Ramon Rosanas und Nik Virella auch einmal gegen sie kämpfen. Dass der Kampf eines unsterblichen Plappermauls gegen unsterbliche Mäuler nicht in den normalen Zombie-Bahnen verläuft und Deadpool am Ende von „Night of the Living Deadpool“ eine Lösung für die Zombieplage hat, die zu ungeahnten Folgen führt, die er in „Return of the Living Deadpool“ bekämpfen muss, erfreut natürlich das Herz des Deadpool-Fans.
Empfehlenswert!
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Cullen Bunn/Ramon Rosanas: Night of the Living Deadpool
(übersetzt von Michael Strittmatter)
Panini Comics, 2014
116 Seiten
12,99 Euro
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Originalausgabe
Night of the Living Deadpool # 1 – 4
Marvel, März 2014 – Mai 2014
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Cullen Bunn/Nik Virella: Return of the Living Deadpool
Deadpool im Kino (und jetzt auch auf DVD/Blu-ray) wurde von Ryan Reynolds verkörpert, der auch in dem – zu Unrecht – kaum beachteten Spielerdrama „Dirty Trip – Mississippi Grind“ eine Hauptrolle spielt. Seinen Gegenpart spielt Ben Mendelsohn, der in den vergangenen Jahren zum Experten für gestörte Charaktere wurde. Da ist es schön, ihn auch einmal als ganz normalen Mann zu sehen.
Naja, fast. Denn Mendelsohn spielt Gerry, einen notorischen Spieler. In einer Bar lernt er Curtis (Ryan Reynolds) kennen. Einen Drifter und Spieler. Gemeinsam machen sie sich auf den Weg nach New Orleans zu einem Pokerspiel mit einem großen Jackpot.
„Dirty Trip“ von Anna Boden und Ryan Fleck erzählt die Geschichte dieser etwas ziellosen Reise von Gerry und Curtis, die sich zufällig begegnen und am Ende der Reise auch wieder getrennte Wege gehen. Stilistisch und erzählerisch steht ihr Film in der Tradition des New-Hollywood-Kinos, als problematische Charaktere im Mittelpunkt von, nun, Charakterstudien standen, die einen anderen Blick auf die USA warfen.
Sehr sehenswert!
Dirty Trip – Mississippi Grind (Mississippi Grind, USA 2015)
Regie: Anna Boden, Ryan Fleck
Drehbuch: Anna Boden, Ryan Fleck
mit Ben Mendelsohn, Ryan Reynolds, Sienna Miller, James Toback
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DVD
Ascot Elite
Bild: 16:9 (2.38:1)
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: Featurettes, Making of, Originaltrailer, Wendecover
Seit einigen Jahren erfreuen sich TV-Serien bei der Kritik einer wachsenden Beliebtheit. Gesehen wurden sie ja schon seit Ewigkeiten und die Fans tauschten sich, je nach Serie, mit großer Liebe zum Detail, über sie aus. Ich sage nur „Raumschiff Enterprise“ und „Akte X“. Dabei gibt es, grob gesagt, Miniserien, die innerhalb einer bestimmten Zeit, eine in sich abgeschlossene Geschichte erzählen; Serien, in denen jede Woche ein neues Problem gelöst wird; und Serien, in denen sich die Geschichte über viele Folgen und Staffeln entwickelt, bis die sinkenden Zuschauerzahlen die Serie beenden. Bei diesen Serien ist man, wenn man nicht von der ersten Folge an dabei ist, ziemlich schnell „Lost“.
Und so eine sich über viele Staffeln erstreckende Geschichte war wohl auch bei „Blochin – Die Lebenden und die Toten“ die Idee gewesen. Also nicht ein „deutsches ‚Lost’“, sondern eine Krimi-Serie mit komplexen Charakteren, überraschenden Wendungen und einer Analyse des Zusammentreffens von Organisierter Kriminalität und Politik in der Hauptstadt. „Eine Kriminal-Symphonie der Großstadt Berlin“ steht auf dem DVD-Cover. Mit Matthias Glasner als Regisseur und Jürgen Vogel in der Hauptrolle hätte es etwas werden können, aber dann ging irgendwo alles schief. Und zwar so schief, dass man fassungslos dieses Komplettdesaster ansieht.
Blochin (Jürgen Vogel), ein Findelkind mit krimineller Vergangenheit und Polizist bei der Mordkommission mit ausgeprägten Milieukontakten, soll den Mord an einem Dealer aufklären. Kurz darauf wird in seiner Anwesenheit ein Undercover-Polizist in einem Szenelokal erschossen und Blochin (nur Blochin, kein Vorname, weil cool) wird als Mörder verdächtigt. Sein Schwager und Vorgesetzter Dominik (Thomas Heinze), normalerweise ‚Lieutenant‘ genannt (weil megacool), hilft ihm indem er einen Zeugen hinterrücks erschießt – und spätestens in diesem Moment fragt man sich, was die Macher, während sie Subplots und uninteressante Nebenstränge halbherzig einführen, geritten hat, den Charakter, der einen echten Konflikt hat, zu einer Nebenfigur zu machen, während der titelgebende Blochin vor allem als Zuschauer alles verfolgt und er während der gesamten Serienlänge keinen einzigen nennenswerten Konflikt hat. Das ändert sich in den letzten Minuten, die unverhohlen auf eine Fortsetzung spekulieren. Das wäre akzeptabel, wenn wenigstens die erste Staffel ein befriedigendes Ende hätte. Aber die Macher hören einfach mitten in der Geschichte auf.
„Blochin“ ist einfach nur Murks ohne irgendeinen Abschluss, das das größte Verbrechen begeht, das eine Serie begehen kann: Zeitverschwendung zu sein.
Wie das uninformative Bonusmaterial.
Blochin – Die Lebenden und die Toten: Staffel 1 (Deutschland 2015)
Einen Abschluss gibt es bei den ARD-Sonntagskrimis immer nach neunzig Minuten. Egal ob es ein „Tatort“ oder ein „Polizeiruf 110“ ist und gerade die aus München kommenden „Polizeirufe“ sind immer einen Blick wert. In der dritten Box mit BR-„Polizeiruf 110“-Box sind
Pech und Schwefel (Regie: Klaus Krämer, Drehbuch: Klaus Krämer, Kaspar von Erffa, Deutschland 2003)
Vater Unser (Regie: Bernd Schadewald, Drehbuch: Christian Jeltsch, Deutschland 2004)
Die Maß ist voll (Regie: Klaus Krämer, Drehbuch: Klaus Krämer, Deutschland 2004)
Der scharlachrote Engel (Regie: Dominik Graf, Drehbuch: Günter Schütter, Deutschland 2005)
Die Prüfung (Regie: Eoin Moore, Drehbuch: Boris Gullotta, Deutschland 2005)
Er sollte tot (Regie: Dominik Graf, Regie: Rolf Basedow, Drehbuch 2006)
enthalten. Das Ermittlerteam bestand damals aus dem einarmigen Kommissar Jürgen Tauber (Edgar Selge) und der konsequent-fröhlich-patent-normalen Kommissarin Jo Obermaier (Michaela May). Ihre Fälle sind durchgehend sehenswert, durchgehend experimentierfreudig und auf einem durchgehend hohem Niveau; was sogar für die schwächeren Fälle gilt.
Dafür sprechen schon die vielen Preise, die diese sechs Fälle erhielten. So gab es für „Der scharlachrote Engel“ und „Er sollte tot“ jeweils einen Grimme-Preis und für „Er sollte tot“ gleich noch einen Sonderpreis für das Drehbuch beim Fernsehfilm-Festival Baden-Baden und für den Deutschen Fernsehpreis war es nominiert. Um nur die Drehbuchpreise zu nennen.
Die erste Staffel von „True Detective“ wurde in den Himmel gelobt. „Meisterwerk“, „TV-Revolution“ und so. Da konnte die zweite Staffel natürlich nur schlechter abschneiden.
Ich bin da etwas zwiegespalten, weil für mich die erste Staffel hoffnungslos überbewertet und arg prätentiös ist. Da waren die Erwartungen an die zweite Staffel von Anfang an nicht so wahnsinnig hoch.
In der zweiten Staffel, die wieder eine in sich abgeschlossene Geschichte mit vollkommen neuen Charakteren erzählt, geht es um Korruption und mehr oder weniger kriminelle Geschäfte in Vinci, einer Kleinstadt in Kalifornien, die eine moderne Version von Dashiell Hammets „Poisonville“ ist.
Frank Semyon (Vince Vaughn) ist ein Ex-Gangster, der mit einem großen Projekt, in das auch die lokale Politik und ausländische Investoren involviert sind, zum respektierten Geschäftsmann werden will. Dieses Ansinnen könnte durch einen bizarren Mordfall gefährdet werden. Denn der Fundort der Leiche führt dazu, dass Motorradpolizist und Ex-Soldat Paul Woodrugh (Taylor Kitsch), Detective Sergeant Ani Bezzerides (Rachel McAdams) vom Ventura County Sheriff’s Office CID (das gerne die ganze korrupte Stadt Vinci ausmisten würde) und der korrupte Detective Ray Velcoro (Colin Farrell) vom Vinci Police Department, zusammenarbeiten müssen. Velcoro fragt sich, ob er in das Team entsandt wurde um den Fall aufzuklären oder die Aufklärung zu verhindern. Der trinkfreudige Polizist könnte mit beidem Leben. Woodrugh und Bezzerides haben auch ihr Päckchen persönliches Leid und Schuld zu tragen.
Die Besetzung mit Stars wie Colin Farrell, Vince Vaughn, Rachel McAdams, Taylor Kitsch und Kelly Reilly in den Hauptrollen und Abigail Spencer, Lolita Davidovich und David Morse in wichtigen Nebenrollen ist nicht schlecht. Regisseur Justin Lin, der einige Episoden der zweiten Staffel inszenierte, zeigt, dass er nicht nur ‚Fast & Furious‘ kann. Und „True Detective“-Erfinder Nic Pizzolatto schrieb wieder das Drehbuch für alle acht einstündigen Episoden.
Aber die über acht Stunden mäandernde Geschichte ist nur eine ziemlich vollständige, reichlich unstrukturierte Ansammlung von allen Klischees über Kalifornien, den Detektiv- und Polizeifilm. Wer will, kann mühelos zu jeder Szene mindestens zwei bessere Filme und Romane nennen. Das wäre, wenn Pizzolatto daraus etwas eigenständiges geschaffen hätte, gar nicht so schlimm. Aber so bleibt immer der Eindruck, dass eine ordnende Hand hier einiges hätte retten können.
So ist „True Detective: Staffel 2“ nur eine, durchaus kurzweilig, auf der Story-Ebene nicht besonders nachvollziehbare Ansammlung der bekannten Kriminalfilmklischees, in der, abgesehen von Vince Vaughn, gerade die anderen Hauptdarsteller erstaunlich blass bleiben.
Besser man sieht sich noch einmal die Klassiker, wie „Die Spur des Falken“, „Tote schlafen fest“, „Chinatown“ oder „L. A. Confidential“ an. Oder neuere Filme wie „Inherent Vice – Natürliche Mängel“ oder, ab Donnerstag im Kino, „The Nice Guys“ an.
True Detective – Die komplette zweite Staffel (True Detective – Season 2, USA 2015)
Regie: Justin Lin, Janus Metz, Jeremy Podeswa, John Crowley, Miguel Sapochnik, Dan Attias
Drehbuch: Nic Pizzolatto, Scott Lasser (Co-Autor)
mit Colin Farrell, Rachel McAdams, Taylor Kitsch, Kelly Reilly, Vince Vaughn, Ritchie Coster, Michael Irby, Abigail Spencer, Lolita Davidovich, Rick Springfield, David Morse
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DVD
Warner Home Video
Bild: 1.78:1 (16:9)
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch für Hörgeschädigte
Bonusmaterial: Making ‚The Vinci Massacre‘, A Look Inside ‚True Detective‘, ‚True Detectiv’s‘ California, Zwei Audiokommentare
Länge: 483 Minuten (8 Episoden à 57 Minuten) (3 DVDs)
Ein wenig zwischen die Stühle fällt die BBC-Serie „The Game“, die als richtig schön altmodischer Spionagethriller in der Tradition von „Dame, König, As, Spion“ John le Carré steht und ein herrlich muffiges Früh-Siebziger-Jahre-Feeling hat.
Es beginnt mit dem Angebot des KGB-Offiziers Arkady Malinov an den britischen Geheimdienst MI5, ihm Informationen über die große russische Geheimdienstoperation „Glass“ zu verraten. Daddy (Brian Cox), der Chef des Dienstes, stellt ein kleines Team zusammen, das mehr über die Operation Glass herausfinden soll. Schnell vermuten sie in ihrem Team einen Maulwurf.
Diese Jagd nach dem Maulwurf wird allerdings über mehrere Folgen zugunsten des ‚Geheimagenten der Woche‘ aufgegeben, was der Serie etwas episodisches verleiht.
Am Ende ist der Maulwurf enttarnt, die Operation Glass verhindert und die Option für eine zweite Staffel vorhanden, die auch längere Zeit im Gespräch war. Inzwischen hat die BBC verkündet, dass es wegen des hohen Budgets keine zweite Staffel gibt.
The Game (The Game, Großbritannien 2014)
Regie: Niall MacCormick, Daniel O’Hara
Drehbuch: Toby Whithouse, Sarah Dollard, Debbie O’Malley
Erfinder: Toby Whithouse
mit Tom Hughes, Jonathan Aris, Victoria Hamilton, Shaun Dooley, Brian Cox, Paul Ritter, Chloe Pirrie, Yevgeni Sitokhin
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DVD
Polyband
Bild: 1,78:1 (16:9)
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: Interviews (eigentlich ein zwanzigminütiges Making of), Deleted Scenes
Die dritte Staffel von „Die Brücke – Transit in den Tod“ lief ja schon im ZDF und auf der DVD/Blu-ray ist nur die wieder aus fünf spielfilmlangen Episoden bestehende, gut zehnstündige Serie in der deutschen und der Originalfassung enthalten.
Sie beginnt 13 Monate nach der vorherigen Staffel, die man nicht gesehen haben muss, um den aktuellen Fall (oder besser Fälle) zu verstehen. Saga Norén (Sofia Helin) arbeitet immer noch bei der Kripo Malmö. Ihr Kollege Martin Rohde sitzt im Gefängnis, weil er am Ende der zweiten Staffel einen Mord beging und sie gegen ihn aussagte, weil er gegen das Gesetz verstieß. Saga Norén ist, für alle, die die vorherigen Staffeln nicht kennen, eine fähige Polizistin mit einem ausgeprägten Asperger-Syndrom. Sie ist nicht in der Lage, eine normale Konversation zu führen und sie merkt gar nicht, dass sie andere Menschen mit ihrer Direktheit verletzt. Und Regeln und Gesetze sind Regeln und Gesetze, an die man sich halten muss.
Jetzt soll sie zusammen mit ihrem dänischen Kollegen Henrik Sabroe (Thure Lindhardt) eine bizarre Mordserie aufklären. Es beginnt mit einer Gender-Forscherin und Aktivistin, die auf einer Baustelle als Teil eines Gemäldes des Grauens hergerichtet wurde.
Und wieder stapeln sich die möglichst fotogen inszenierten Leichen, etliche Charaktere werden eingeführt, deren Bedeutung erst viel später ersichtlich wird, fast ebenso viele Charaktere verschwinden mehr oder weniger spurlos aus der Geschichte (falls sie nicht ermordet werden) und dieses Mal gibt es so viele Subplots, dass der eigentlich im Zentrum stehende Kriminalfall dahinter verschwindet.
Zusammengehalten werden die vielen Plots durch ihre thematische Verwandtschaft. Immer geht es um die Folgen des eigenen Handelns und die Verantwortung dafür.
Und natürlich ist Saga Noréns sozial vollkommen inkompatibles Verhalten immer wieder gut für etliche Lacher in diesem unterkühlt erzählten Kriminaldrama, das allerdings immer mehr zu einer leichengesättigten Kolportage wird, in der flugs die aktuellen Schlagzeilen mit gruseligen Morden verziert werden.
Unterhaltsam: ja, schon. Aber auch etwas übertrieben und etwas unlogisch.
Die Brücke: Transit in den Tod – Staffel 3 (Bron, Broen, Dänemark/Schweden/Deutschland 2015)
Regie: Rumle Hammerich, Henrik Georgsson
Drehbuch: Hans Rosenfeldt, Camilla Ahlgren, Erik Ahrnbom, Astrid Øye
mit Sofia Helin, Thure Lindhardt, Rafael Pettersson, Dag Malmberg, Sara Boberg
Im Kino war J. J. Abrams‘ Neustart-Fortführung von „Star Wars“, – „Krieg der Sterne“ für die Älteren -, enorm erfolgreich. Auf DVD und Blu-ray wird es für „Das Erwachen der Macht“ ähnlich sein und die nächsten Filme aus der „Krieg der Sterne“-Welt sind schon in Arbeit.
Dreißig Jahre nach dem Ende von „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ kehren wir wieder in die weit, weit entfernte Galaxis zurück. Der damalige Sieg war nur von kurzer Dauer. Luke Skywalker verschwand spurlos. Han Solo tat wieder das, was er am Besten kann: windige Geschäfte an entlegenen Orten der Galaxie machen. Und auf dem Wüstenplaneten Jakku entdeckt die junge Schrottsammlerin Rey den herrenlosen Roboter BB-8, der den Teil einer Sternenkarte hat, die den Weg zu Luke Skywalker weisen soll. Die Bösewichter, die früher Imperium, jetzt Erste Ordnung heißen, wollen die Sternenkarte ebenfalls haben und schon entspinnt sich im Film eine witzige, kurzweilige und actionhaltige Odyssee durch die Galaxis. Auf ihrer Reise mit dem desertierten, in sie verliebten Erste-Ordnung-Strumtruppler Finn begegnet Rey auch Han Solo und seinem haarigen Freund Chewbacca.
Jetzt, mehr oder weniger zum DVD-Start, liegen zwei Romane vor, die sich im Cover kaum (es wurde selbstverständlich das Filmplakat verwandt), im Umfang beträchtlich unterscheiden.
Michael Kogge schrieb den „Jugendroman zum Film“, der, wie es sich für einen Filmroman gehört, brav der Filmgeschichte folgt. Allerdings ist der für Jugendliche, – in den USA wird er für 8 bis 12-jährige empfohlen -, geschriebene Roman auch arg einfach und dröge geschrieben.
Alan Dean Foster schrieb die Version für Erwachsene, die auch für jüngere Leseratten eindeutig die bessere Wahl ist. Foster schrieb, neben zahlreichen eigenen Science-Fiction-Romanen, auch die Filmromane zum allerersten „Krieg der Sterne“-Film (unter dem Pseudonym George Lucas), für die „Alien“-Filme, den ersten neuen „Star Trek“-Film und jeder seiner Filmromane ist äußerst lesenswert. Das gilt auch für seine Romanfassung von „Das Erwachen der Macht“, in der er selbstverständlich in erster Linie die Filmgeschichte nacherzählt, sie auch vertieft und, soweit möglich, erweitert. Denn bei jedem Satz muss er aufpassen, dass er nicht schon Dinge für die nächsten Filme festlegt. Das gilt natürlich vor allem für die Frage, wer jetzt die Eltern von Rey sind. Denn, das können wir aus den vielen Andeutungen lesen: sie wird in den kommenden „Star Wars“-Filmen eine wichtige Rolle im Kampf gegen die Erste Ordnung sein.
Gleichzeitig füllt Foster im Roman einige der Lücken, die im Film zwar für Überraschungen sorgten (wie Poe Damerons Überleben) oder die man einfach hinnahm, weil die Geschichte sich flott genug vorwärts bewegte. In dem Roman wird daher schlüssiger erklärt, wie die Personen von A nach B kommen, warum Han Solo die gefährlichen Rathars in seinem Raumschiff hat und wie der Widerstand von der Anwesenheit von Han Solo, Chewbacca, Rey und Finn auf Takodana erfuhr. Im Film tauchen die X-Flügler einfach aus heiterem Himmel, äh, Weltall auf.
(Eine vollständige Auflistung der Unterschiede bzw. Fragen aus dem Film, die Foster in seinem Roman beantwortet gibt es hier und hier – und, ja, da wird wird munter gespoilert. Hier geht es zu einem Interview mit Alan Dean Foster.)
Ein großes Manko hat Fosters Roman gegenüber Kogges Roman: in der deutschen Ausgabe von Kogges Jugendroman gibt es 16 Seiten mit Fotos aus dem Film – und diese Filmfotos waren früher für mich einer der Kaufgründe für die Filmromane. Neben dem Gefühl, den Film noch einmal erleben zu können oder ihn erleben zu können, solange ich keine Gelegenheit hatte, ihn mir anzusehen, weil er nicht im Kino oder Fernsehen lief.
Alan Dean Foster: Star Wars: Das Erwachen der Macht – Der Roman zum Film
(übersetzt von Michaela Link)
Penhaligon, 2016
352 Seiten
14,99 Euro
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Originalausgabe
Star Wars: The Force awakens
Del Rey, 2015
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Michael Kogge: Star Wars: Das Erwachen der Macht – Jugendroman zum Film
(übersetzt von Andreas Kasprzak und Tobias Toneguzzo)
Panini Books, 2016
192 Seiten
9,99 Euro
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Originalausgabe
Star Wars: The Force awakens
Disney Lucasfilm Press, 2016
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Die Vorlage
Star Wars: Das Erwachen der Macht (Star Wars: The Force awakens, USA 2015)
Regie: J.J. Abrams
Drehbuch: Lawrence Kasdan, J.J. Abrams, Michael Arndt
LV: Charaktere von George Lucas
mit Daisy Ridley, Adam Driver, John Boyega, Oscar Isaac, Andy Serkis, Domhnall Gleeson, Max von Sydow, Carrie Fisher, Harrison Ford, Mark Hamill, Kenny Baker, Anthony Daniels, Peter Mayhew, Gwendoline Christie, Lupita Nyong’o
Länge: 135 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
Wer seine Kriminalromane gerne schön heimelig, gerne mit etwas Schmunzelhumor, hat, für den ist „Füchsin“ ungefähr so genießbar wie ein mit Tabasco kräftig gewürztes, angebranntes Gericht. Spätestens nach einer Seite, wird er den Roman von Ken Bruen entsetzt weglegen.
Der Roman beginnt mit einem Erpresseranruf bei der Polizei. Noch während der Erpresser vor der Bombe warnt, explodiert sie. In der Toilette des Paradise Cinema, während der Vorführung eines Tom-Cruise-Films. Der Erpresser fordert bis zum nächsten Tag dreihunderttausend Pfund. Sonst explodiert die nächste Bombe.
Und dann stellt Ken Bruen, bevor die Londoner Polizisten mit ihrer Arbeit beginnen, in seinem fünften Brant-Roman schnell das Personal des Polizeireviers und einige ihrer Taten vor, die in den vorherigen, bislang nicht ins Deutsche übersetzten Romanen geschildert wurden. Es sind Detective Sergeant Brant, „das tiefschwarze Schaf Südost-Londons. Verbrecher und Cops waren in Furcht vor ihm vereint. (…) Der Unfalltod des Clapham-Vergewaltigers wurde ihm zugeschrieben.“ Aufgrund seiner rabiaten Methoden, die Dirty Harry wie ein Weichei erscheinen lassen, soll er sich aus dem Fall heraushalten. Was selbstverständlich nicht funktioniert.
Eine seiner Kollegen ist Woman Police Constable Falls, eine Schwarze, „der feuchte Traum des Reviers (…) Trotz ihres hübschen Gesichts und der guten Figur mieden die Jungs sie. Es ging das Gerücht um, sie hätte möglicherweise einen Polizistenmörder umgebracht.“
Dann gibt es noch Detective Inspector Porter Nash, der in diesem Fall nicht als Mörder in Betracht kommt, weil er „in Kensington persönliche Rache an einem Pädophilen genommen hatte.“
Und das sind nur einige der Gesetzeshüter, denen man nicht unbedingt, egal zu welcher Uhrzeit, begegnen möchte.
Der Bombenanschläge werden von der achtundzwanzigjährigen Angie James, die gerade mit zwei kleinkriminellen Brüdern zusammen ist, orchestriert. Angie „war ernsthaft gestört. (…) Ihr Radar nahm nur auf, ob sie sich gut oder betrogen fühlte. (…) Der Versuch, ihre Familie abzufackeln, hatte ihr als Teenager zwei Jahre in der Klapse eingebracht. Die besten zwei Jahre ihres Lebens, denn dort hatte sie gelernt, durch Sex Macht auszuüben. Eine atemberaubende Fähigkeit.“
Und ebenso atemberaubend schnell mit grotesken Verwicklungen zwischen verschiedenen Handlungssträngen wechselnd, erzählt Ken Bruen in seiner bekannt knappen Prosa seine Geschichte. In den Brant-Romanen kondensiert er dabei die einzelnen Plots auf ihr nacktes Handlungsgerüst und die Pointen. Das liest sich wie die Readers-Digest-Version von Ed McBains „87. Polizeirevier“, bereinigt um alle Vorstellungen von ehrlichen und uneigennützigen Polizisten. Wie auch in seinen anderen Romanen braucht Ken Bruen nicht viele Seiten, um seine Geschichte zu erzählen. Auf Seite 173 ist der schwarzhumorige Alptraum vorbei und Angie fragt: „Und, hast du noch mehr perfekte Verbrechen auf Lager?“
Das alles und noch viel mehr sind Comics und der inzwischen schon siebte Gratis-Comic-Tag am Samstag, den 14. Mai, präsentiert einen aufregenden Querschnitt durch die aktuelle Comic-Szene mit 34 verschiedenen kostenlosen Heften. Insgesamt wurden 356.000 Hefte für den Tag gedruckt. 16 Verlage beteiligen sich. Einige Händler begleiten den Tag mit weiteren Aktionen.
Damit liefert der Gratis-Comic-Tag einen umfassenden und auch ziemlich vollständigen Überblick über die gesamte Comicszene in all ihren Facetten.
So gibt es mit „Die Dalton-Ballade“ (Egmont Comic Collection) eine abgeschlossene kürzere „Lucky Luke“-Geschichte von Goscinny/Morris, die wohlige Erinnerungen an unsere frühen Comic-Leseerlebnisse weckt. Neben Asterix und Donald Duck, der auch beim Gratis-Comic-Tag vertreten ist.
Dieses Mal begleitet der unbestechliche Gesetzeshüter Lucky Luke, der dieses Jahr seinen siebzigsten Geburtstag feiert, die Dalton-Brüder, diese Bande von vier dummen, aber engagierten Verbrechern. Ihr Onkel hat ihnen ein Vermögen vermacht, nachdem er am Galgen („natürlicher Tod“ für die Daltons) starb. Die Erbschaft erhalten sie, nachdem sie die Geschworenen und den Richter, die ihren Onkel verurteilten, getötet haben. Als unabhängiger Zeuge soll Lucky Luke dabei sein.
„Die Dalton-Ballade“ ist vor allem eine absurd-komische Geschichte.
Weniger komisch ist „Amerika“ (Reprodukt), das erste von fünf erhältlichen „Isaak der Pirat“-Hefte von Christophe Blain. Isaak Sofer ist im Paris des 18. Jahrhunderts ein glückloser Maler. Als er bei einem Schiff als Maler anheuert, hat er keine Ahnung, dass seine Reise länger als geplant dauern wird und er, ungeplant, Piraten in die Hände fällt. Während er mit mehr oder weniger vielen Umwegen Richtung Amerika segelt, lernt seine Frau in Paris einen Mann kennen,
Für meinen Geschmack sind einige Dialoge und das Verhalten einiger Personen, vor allem von Isaak und seiner Frau, zu sehr in der Gegenwart verwurzelt. Aber insgesamt ist „Amerika“ eine äußerst kurzweilige Abenteuergeschichte.
„Kiste“ (Reprodukt) von Patrick Wirbeleit und Uwe Heidschötter ist ein Kindercomic über, nun, eine Werkzeugkiste, die alles ausprobieren will und konstant begeistert ist. Auch wenn die Wippe, die Kiste mit seinem Freund Mattis gebaut hat, eine Nicht-Wippe ist.
Sehr witzig!
„Rat Queens“ (Dani Books) von Kurtis J. Wiebe und Roc Upchurch richtet sich dagegen an ein etwas älteres Publikum. Die Rat Queens sind eine Bande von vier Mädchen, die keinem Ärger aus dem Weg gehen und jetzt, weil sie, wieder einmal, die halbe Stadt zerstörten, zur Strafe, Goblins aus der Hindman-Höhle verjagen sollen.
Der Gratis-Comic taugt allerdings nur als Appetit-Anreger, weil er lediglich das erste Kapitel des ersten „Rat Queens“-Sammelbandes „Gemetzel, Gold und große Klappen“ enthält. Ach ja: die Rat Queens waren 2014 als beste neue Serie für den Eisner Award nominiert und 2015 gab es den Hugo Award als „Best Graphic Story“.
„Sherlock Holmes und die Zeitreisenden“ (Splitter) von Sylvain Cordurié und Yladimir Krstic-Laci, die schon mehrere Holmes-Geschichten erzählten, ist eine Geschichte, die sich sehr weit von dem Doyle-Holmes entfernt. Nach einer Konfrontation mit Professor Moriarty um das Necronomicon hat Holmes sich zurückgezogen. Er ist jetzt ein ganz normaler Buchhändler. Als die Königin ihn um Hilfe bittet, kann er nicht ablehnen. Er soll McBride finden, ehe etwas Schlimmes geschieht.
Zur gleichen Zeit sucht McBride, ein Zeitreisender, der aus der Zukunft wieder in die Gegenwart (also das viktorianische London) zurückkehrte, zwei andere Zeitreisende, die aus der Zukunft in die Vergangenheit reisten. McBride will sie unbedingt zur Strecke bringen. Aber er hat keine Ahnung, wie sie aussehen.
In dem Gratis-Comic-Tag-Heft ist das erste Album der aus zwei Alben bestehenden Geschichte abgedruckt, die nach einem langsamen Beginn enorm spannend wird.
Ein anderer nicht tot zu kriegender Charakter ist Batman. Für den Gratis-Comic-Tag gibt es mit „Batman“ (Panini Comics) eine abgeschlossene Batman-Geschichte, in der er, mit überraschendem Ergebnis, gegen Clayface kämpft. Ergänzt wird die Einzelgeschichte um drei kurze „DC You – Dein DC-Universum“-Previews mit Batman/Superman (ohne Superkräfte), Bizarro (ein schräger Anti-Superman) und Green Lantern.
Neben DC Comics ist Marvel die andere Superheldenschmiede, die in „Marvel Super Heroes“ (Panini Comics) in einer Geschichte die Avengers, die Guardians of the Galaxy und Spider-Man während einer Zirkusvorstellung miteinander gegen die Zirkusdirektoren kämpfen lässt. Ein schöner Spaß.
Außerdem ist in dem Heft der erste Auftritt einer jüngeren Avengers-Gruppe, die erst noch das richtige Kämpfen lernen müssen, und ein Solo-Auftritt von Spider-Man enthalten. Beides sind Appetithappen auf das neue Marvel-Universum.
Vor zwanzig Jahren wurde Chuck Palahniuk mit seinem Debütroman und der anschließenden Verfilmung „Fight Club“ bekannt. Jetzt erzählt er in „Fight Club 2“ (Splitter) die Geschichte fort. In „Fight Club 2“ sind „Das Prequel“ und „Tyler Durden lebt“, das zehn Jahre nach dem ersten „Fight Club“ spielt, enthalten. Mit beiden Geschichten konnte ich nicht viel anfangen. Allerdings ist „Tyler Durden lebt“ auch nur der Anfang der über 250-seitigen „Fight Club 2“-Geschichte, die Splitter in zwei Bänden veröffentlicht.
Anscheinend schreibt Palahniuk schon an einem dritten Teil, der wieder als Comic erscheinen soll.
Durchgehend gelungen sind die vielen kurzen Geschichten in „Happy Birthday, Frankenstein“ (U-Comix), mit dem U-Comix den zweihundertsten Geburtstag von Frankenstein und seinem Monster feiert. Mary Shelleys Roman erschien zwar erst 1818, aber davor ersann sie die Geschichte. In dem Comicheft gehen die fast ausschließlich deutschen Autoren und Zeichner herrlich respektlos mit dem Monster, seinem Umfeld und seiner popkulturellen Wirkung um. Sogar David Bowie hat einen Auftritt. Wer braucht da noch „Victor Frankenstein“?
Ähnlich respektlos, vergnüglich und nicht unbedingt jugendfrei geht es in „Zombie Terror“ (Weissblech Comics) zu. Auch wenn nicht in allen Geschichten Zombies dabei sind. Eigentlich nur in der ersten „Tote Welt“, dem Beginn einer Zombie-Saga, die mitten in der Geschichte, nachdem einige Zombies getötet wurden, abbricht. Befriedigender ist da die „Captain Berlin“-Geschichten von Jörg Buttgereit und Levin Kurio (der auch für „Tote Welt“ verantwortlich ist). Captain Berlin, die Geheimwaffe des Widerstandes gegen Hitler und seine Schergen, muss gegen Germanikus, den ersten wahren Übermenschen, ein Flickwerk aus Leichenteilen, kämpfen. Von Levin Kurio ist auch die „Kala“-Kurzgeschichte „Wächter des Wassers“, in der die Urweltamazone Kala, arg unbekleidet, gegen ein Untier kämpfen muss.
Nicht jugendfrei kann auch über „Die Überlebende“ (All Verlag) von Paul Gillon (1926 – 2011) gesagt werden. Im Original erschien der vierbändige Comic, der in Deutschland lange nicht mehr erhältlich war, zwischen 1984 und 1991. Gillons in damals naher Zukunft spielende Geschichte einer Frau, die während eines Tauchgangs eine Katastrophe überlebte, die die ganze Menschheit vernichtete, hat viele freizügige Bilder, weil Aude Albrespy bevorzugt nackt oder leicht bekleidet ist. Sie kehrt nach Paris zurück, lässt sich in einem Nobelhotel in jeder Beziehung von den allgegenwärtigen und immer noch funktionierenden Robotern verwöhnen. Als ein Mann, der in einem Raumschiff die Katastrophe überlebte, ändert sich alles.
Während des Gratis-Comic-Tages wird der komplette erste Band des postapokalyptischen Pornos, der neugierig auf die weitere Geschichte von Aude macht, verteilt.
Einen Überblick über die beteiligten Händler gibt es hier.
John le Carrés Roman „Der Nachtmanager“ (The Night Manager) erschien 1993 und war sein erster Roman in der nach dem Ende des Kalten Krieges spielenden Welt. Er erzählte die Geschichte eines Hotelportiers, der, vom britischen Geheimdienst rekrutiert und mit einer neuen Identität ausgestattet, in eine undurchsichtige Geschichte von Kokain- und Waffenhandel, höchst illegal, global und tödlich, verwickelt wird.
Der Roman, der mir damals gut gefiel, war ein Beleg dafür, dass der Spionageroman nach dem Ende des Kalten Krieges, der ja die Weltpolitik und das Genre seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs bestimmte, immer noch relevant ist. Schließlich gab und gibt es weiterhin Geheimdienste und Spionage.
Über eine Verfilmung wurde seit dem Erscheinen immer wieder gesprochen, aber alle Pläne zerschlugen sich. Auch Hugh Laurie bemühte sich, wie er im Bonusmaterial von „The Night Manager“ sagt, um die Verfilmungsrechte.
Ein Grund für die gescheiterten Verfilmungspläne war, so hieß es, dass die Handlung des gut sechshundertseitigen Romans unmöglich in einem Zwei-Stunden-Film erzählt werden könne. Entsprechend folgerichtig ist dann auch die Entscheidung, den Roman nicht als Spielfilm, sondern – wie es jetzt geschah – als sechsstündige Miniserie zu verfilmen, die ihre TV-Premiere in England im BBC als Sechsteiler hatte und die bei uns auf DVD und bei Amazon Prime als Achtteiler verfügbar ist. Die einzelnen Folgen sind in dieser Schnittfassung, wie wir es von US-Serien gewohnt sind, jeweils knapp 45 Minuten. An der Gesamtlänge ändert sich nichts. Auch nicht an der langsamen Erzählweise, die sich mehr auf psychologische Entwicklungen und Stimmungen und weniger auf Action und das zügige Abhaken von Plot-Points oder überraschender Wendungen konzentriert.
In den ersten beiden Episoden entwickelt sich die Geschichte langsam und, auch wenn sich die Geschichte konstant vorwärts bewegt, hätte man ohne Mühe viel streichen können. Denn Drehbuchautor David Farr („Spooks“, „Wer ist Hanna?“) und Regisseurin Susanne Bier, die bislang, abgesehen von einem TV-Film, ausschließlich für das Kino arbeitete, erzählen die Geschichte ziemlich detailverliebt und in dem Wissen, dass sie viel Zeit haben.
Deshalb ist die erste Episode eigentlich nur das Vorspiel für die in der Gegenwart spielende Geschichte: In Kairo im Januar 2011, während des Arabischen Frühlings, vertraut Sophie Alekan, die Geliebte des Hotelbesitzers Freddie Hamid, Spross einer reichen und mächtigen ägyptischen Familie, dem immer britisch-höflichen Nachtmanager des Nobelhotels, Jonathan Pine (Tom Hiddleston), Papiere über einen illegalen Waffenhandel zwischen Hamid und Richard Onslow Roper (Hugh Laurie) an. Der Brite Roper ist ein internationaler Waffenhändler, den der britische Geheimdienst gerne überführen würde. In Kairo laufen die Dinge so aus dem Ruder, dass Sophie Alekan am Ende tot ist.
Vier Jahre später arbeitet Pine im schweizerischen Zermatt in einem anderen Nobelhotel. Als Roper mit seinem Gefolge dort als Gast auftaucht, beginnt Pine hinter ihm her zu spionieren. Und er kontaktiert wieder den britischen Geheimdienst. Die Anti-Korruptions-Agentin Angela Burr (Olivia Colman), die Pine in Kairo vor dem Attentat auf Sophie Alekan warnte und um Hilfe bat, kann den Ex-Soldaten überzeugen, sich in einem gefährlichen Undercover-Einsatz bei Roper einzuschleichen.
Das gelingt Pine dann auch in der dritten Episode, als er bei einem Feier von Roper und seinen Freunden in einem Restaurant auf Mallorca einen vom Geheimdienst initiierten Überfall mit anschließender Geiselnahme verhindert und dafür von den Geiselnehmern übel zusammengeschlagen wird. Roper lässt ihn auf seinem Anwesen pflegen und, nach einer ausführlichen Überprüfung, nimmt er Pine in seine Entourage auf. Denn nach der Geheimdienstlegende ist Pine ein skrupelloser, international gesuchter Verbrecher und eine solche Person kann Rober immer gebrauchen.
In den folgenden Episoden taucht Pine immer tiefer in das Leben von Roper ein. Wobei er sich nie sicher sein kann, wann seine Legende auffliegt. Denn nicht jeder von Ropers Gefolgsleuten vertraut ihm und dass Ropers Geliebte sich in ihn verliebt, verkompliziert den ohnehin gefährlichen Undercover-Einsatz.
Gleichzeitig kämpft Burr, die im Roman ein Mann, im Film eine hochschwangere Frau ist (Olivia Colman war wirklich schwanger), gegen Intrigen im Geheimdienst, die ihre sowieso ungeliebte Abteilung und den ganzen, vollkommen geheim gehaltenen Einsatz von Pine gefährden könnten.
Le Carrés Geschichte, die für die Miniserie in die Gegenwart verlegt wurde, hat keine großen Überraschungen. Entsprechend erahnbar ist das Ende und nervenzerfetzende Spannung ist etwas, das man in anderen Filmen findet.
Aber die Besetzung ist gut und man will wissen, wie die doch recht betulich erzählte Geschichte sich weiter entwickelt und wie die Konfrontation zwischen dem Nachtmanager und dem Waffenhändler, der erst ab der dritten Episode mehr Screentime hat, endet.
Insgesamt ist „The Night Manager“ eine weitere sehenswerte John-le-Carré-Verfilmung.
Im Kino läuft schon am 7. Juli mit „Verräter wie wir“ die nächste le-Carré-Verfilmung an.
Inszeniert von Susanna White, nach einem Drehbuch von Hossein Amini, mit
Ewan McGregor, Damian Lewis, Stellan Skarsgård, Naomie Harris, Mark Stanley und Mark Gatiss.
Die „The Night Manager“-DVD und Blu-ray haben als Bonusmaterial fünfzig Minuten Interviews mit Hugh Laurie, Tom Hiddleston, Elizabeth Debicki, Olivia Colman, Alistair Petri, John le Carré, Susanne Bier, Rob Bullock (Produzent), Simon Cornwell (Produzent), Stephen Garrett (Ausführender Produzent) und Matthew Patnick (Produktionsleiter) und ein reines Werbe-Featurette von der Premiere in Berlin, in dem alle Beteiligten, auf dem roten Teppich, begeistert von der Miniserie sind.
Ach ja: Der Miniauftritt von John le Carré ist in der fünften Episode in der einundzwanzigsten Minute. Er ist der Gast in einem Nobelrestaurant, das von Roper und seinem Gefolge besucht wird.
The Night Manager (The Night Manager, Großbritannien/USA 2016)
Regie: Susanne Bier
Drehbuch: David Farr
LV: John le Carré: The Night Manager, 1993 (Der Nachtmanager)
mit Tom Hiddleston (Jonathan Pine), Hugh Laurie (Richard Onslow Roper), Olivia Colman (Angela Burr), Tom Hollander (Corcoran), Elizabeth Debicki (Jed Marshall), Michael Nardone (Frisky), Alistair Petrie (Sandy Langbourne), Hovik Keuchkerian (Tabby), Neil Morrissey (Harry Palfrey)
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DVD
Concorde Home Entertainment
Bild: 1,78:1 (16:9)
Ton: Deutsch (DTS, Dolby Digital 5.1, Dolby Digital 2.0), Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: Interviews, Featurette: Die Premiere in Berlin
Länge: 338 Minuten (3 DVDs)
FSK: ab 12 Jahre
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Die Vorlage in der aktuellen Ausgabe
John le Carré: Der Nachtmanager
(übersetzt von Werner Schmitz)
Ullstein 2016
576 Seiten
9,99 Euro
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Die gebundene Ausgabe erschien bei Kiepenheuer & Witsch; Taschenbuchausgaben bei Heyne und List.
Für die meisten Menschen dürfte der Chiemgau in Südost-Oberbayern eine Ferienregion sein. Für Marius Bieleck soll es für einige Minuten ein Arbeitsplatz sein. Er soll in dem Dorf Beching einen Mord begehen. Allerdings hat der Killer auf dem Weg dorthin einen tödlichen Herzinfarkt – und die Kommissare Andreas Gruber und Ulrike Bischoff von der Kripo Traunstein einen neuen Fall. Sie befürchten, dass Bielecks Auftraggeber einen zweiten Killer engagiert. Aber wen wollte Bieleck ermorden? Während die beiden Polizisten noch nach dem potentiellem Opfer suchen, bekommt der Lokaljournalist Jakob Reiter Wind von der Angelegenheit und er schlachtet sie gleich sensationslüstern aus.
Als kurz darauf Reiter, der eine Nacht in Beching verbringen wollte, ermordet wird und die beiden Kommissare auch Jahrzehnte zurückliegenden Dorfklatsch erfahren, beginnen sich ihre Ermittlungen auf ein mögliches Opfer und eine mögliche Auftraggeberin zu konzentrieren.
„Ein Dorf in Angst“ ist der siebte Fall für das angenehm normale Ermittlerduo Gruber/Bischoff und er unterscheidet sich kaum von den vorherigen Fällen, die dank des Verzichts auf private Subplots, vollkommen unabhängig von dem neuesten Fall gelesen werden können. Wieder hat Wolfgang Schweiger einen kurzen Roman geschrieben, in dem sich die Geschichte rasend schnell voranbewegt. Wieder mit einem starken Schlag in Richtung Gangsterroman in dem, dieses Mal, Profikiller und Organisierte Kriminalität (in Frankfurt am Main, nicht im Chiemgau) normal sind. Wieder mit einem Ende, das man so eher aus US-Krimis kennt. Für einen normalen deutschen Krimi irgendwo zwischen Regiokrimi und TV-Serienkost ist es dann doch zu zwiespältig. Das hat mit den üblichen bräsigen Regiokrimis, gerne auch regionale Schmunzelkrimis, nichts zu tun.
Ärgerlich ist allerdings, dass Schweiger es dieses Mal für eine gute Idee hielt, die Hälfte der Dialoge im Dialekt zu schreiben. Das ist, wahrscheinlich sogar für Bayern, nervig und unlesbarer als nötig, „du woaßt scho“.
Tom Tykwers neuer Film beginnt mit einer aktualisierten Version des „Talking Heads“-Klassikers „Once in a Lifetime“, gesungen von Tom Hanks, präsentiert in schönster Musikvideoclip-Optik, und innerhalb weniger Minuten erfahren wir alles wichtige über den Protagonisten.
Alan Clay (Tom Hanks) ist Vertreter und er soll jetzt in Saudi-Arabien dem König ein neues Telefonsystem für eine Stadt, die er in der Wüste errichten will, verkaufen. Der Clou bei dem Telefonsystem ist, dass man dank einer neuen Hologramm-Technik glaubt, der Gesprächspartner befinde sich im gleichen Raum. Clay will den Handel unbedingt abschließen und so seinen drohenden Ruin abwenden. Mit etwas Glück ist dann auch die Uni-Ausbildung seiner Tochter und seine Altersversorgung gesichert.
Aber die Produktpräsentation verzögert sich. Denn König Abdullah kommt nicht und niemand weiß, wann er kommen wird.
Bis dahin muss die Zeit tot geschlagen werden.
Diesen Stillstand beschrieb Dave Eggers in seinem episodischem Roman „Ein Hologramm für den König“ und Tom Tykwer folgt weitgehend den Episoden des Romans, allerdings in einem witzigerem Tonfall. So wartet Clay mit seinen wesentlich jüngeren Mitarbeitern, die für die technische Seite der Präsentation zuständig sind, im Zelt ohne WLAN und ohne Klimaanlage auf den König. Er erkundet die sich noch im Bau befindende, auf dem Reißbrett geplante Millionenstadt King Abdullah Economic City, von der in den letzten Jahren nur ein Empfangsgebäude und ein, zwei Miethäuser (inclusive einer in dem Rohbau schon luxuriös hergerichteten Wohnung) fertiggestellt wurden. Er hat flüchtigen Kontakt zu einer dänischen Angestellten, die ihn mit Alkohol versorgt und auf eine Party in der dänischen Botschaft einlädt, auf der es auch andere Drogen gibt. Er lässt sich von Yousef zur Wüstenstadt fahren und unterhält sich mit ihm. Er lernt, nachdem er betrunken versuchte, ein Geschwulst von seinem Rücken zu entfernte, die Ärztin Zahra Hakem kennen.
Das alles findet sich auch in Dave Eggers eher spröde geschriebenem Roman. Tom Tykwer erzählt diese Begebenheiten witziger und visuell ansprechend. Wobei natürlich schon das Bild eines verloren in der Wüste stehenden Bürogebäudes einen eigenen, absurden Reiz entfaltet. Tom Hanks, mit dem Tykwer schon bei „Cloud Atlas“ zusammenarbeitete, ist die perfekte Verkörperung dieses absolut durchschnittlichen Vertreters, der immer noch versucht, an den amerikanischen Traum zu glauben. Stand-Up-Comedian Alexander Black ist eine Entdeckung. Der Debütant spielt Clays Fahrer Yousef und man weiß nie, wie zurechnungsfähig er ist. Entsprechend witzig sind ihre gemeinsamen Szenen.
Im dritten Akt beschreitet Tykwer dann eigene Wege. Plötzlich und arg unvermittelt steht die bis dahin noch nicht einmal angedeutete Liebesgeschichte zwischen Clay und Zahra im Mittelpunkt. Aus der milden Satire auf die Wirtschaftswelt, in der der Westen als Bittsteller im Nahen Osten auftaucht und Saudi-Arabien in all seinen Widersprüchen gezeigt wird, wird ein kitschiger Liebesfilm, eine Romanze, in der heftig E-Mails ausgetauscht, gemeinsam im Meer gebadet und geknutscht wird als seien die Mittfünfziger Teenager.
Dieser Bruch in der Erzählung, die dem geschiedenen Verkäufer Clay während seines Wartens auf den König plötzlich eine neue Lebensperspektive eröffnet, funktioniert allerdings nicht wirklich. Die Liebesgeschichte passt nicht zum vorherigen Film. Sie wirkt wie der verzweifelte Versuch, die Beschreibung eines Stillstandes zu einem Ende zu bringen, das befriedigender als das abrupte Ende in Dave Eggers‘ Roman ist.
Bis dahin ist „Ein Hologramm für den König“ eine eher leichtgewichtige Business-Komödie, die, trotz deutscher Geldgeber und dreier Nominierungen für den Deutschen Filmpreis, nie wie ein deutscher Film wirkt. Und Tykwers Ende der Geschichte von Alan Clay ist auch besser als Eggers‘ Ende.
Ein Hologramm für den König (Deutschland/Großbritannien 2016)
Regie: Tom Tykwer
Drehbuch: Tom Tykwer
LV: Dave Eggers: A Hologramm for the King, 2012 (Ein Hologramm für den König)
mit Tom Hanks, Alexander Black, Sarita Choudhury, Sidse Babett Knudsen, Tom Skerritt, David Menkin, Megan Maczko, Christy Meyer, Ben Whishaw
„Eine Katastrophe von Krimi“ und „’Germany‘ ist kein schlechtes Buch. Es ist ein scheußliches Buch“ sagt Christian Buß in seiner Spiegel-Kritik über Don Winslows neuen Roman „Germany“. Thomas Wörtche sieht es ähnlich – und bei mir schlägt dann, schon bevor ich eine Zeile gelesen habe, der „So schlecht kann es doch nicht sein“-Effekt zu. Und so schlecht ist „Germany“ dann auch nicht. Die harschen Kritiken klingen eher nach dem Gejammer eines enttäuschten Liebhabers, der jetzt bei seiner früheren Liebe nur noch das Negative sieht.
2009 begann der Suhrkamp-Verlag die Romane von Don Winslow auf Deutsch zu veröffentlichen. Einige seiner Romane waren bei anderen Verlagen schon in den Neunzigern erschienen und nicht mehr erhältlich. In den USA war er in den zehn Jahren zu einem Liebling der Krimiszene geworden. Die Kritiken zu den bei Suhrkamp veröffentlichten Romanen waren überschwänglich euphorisch. Er wurde, vor allem mit „Tage der Toten“ (The Power of the Dog) über den Drogenkrieg in Südamerika, zum Krimigott hochgejazzt. Mit „Vergeltung“, „Missing. New York“ und „Germany“ schrieb er jetzt mehrere in den USA noch nicht veröffentlichte Romane, in denen die moralischen Ambivalenzen seiner früheren Romane, vor allem natürlich seiner in Kalifornien im Surfer- und Drogenhändlermilieu spielenden Romane, fehlen. Dabei reflektieren seine Romane auch immer den Zeitgeist und das Milieu in dem sie spielen in all seinen Facetten.
Das zeigt sich besonders deutlich an seinen in mehreren Romanen auftretenden Privatdetektiven.
Neal Carey war der erste. Er trat in fünf Romanen auf, die gleichzeitig seine ersten veröffentlichten Romane waren. Er schrieb sie in den Neunzigern, aber sie spielen in den Siebzigern und frühen achtziger Jahren.
Boone Daniels war der zweite. Er trat 2008 und 2009 in „Pacific Private“ (The Dawn Patrol) und „Pacific Paradise“ (The Gentlemen’s Hour) auf und das Besondere an diesen Romanen ist, dass der Detektiv ein passionierter Surfer ist und seine Fälle untrennbar mit diesem Milieu verbunden sind.
Mit Frank Decker hat er jetzt, wie es sich für einen Privatdetektivroman gehört, geschrieben in der ersten Person Singular, einen neuen Privatdetektiv in den Startlöchern, der, wie seine beiden vorherigen Privatdetektive (was sie auch ohne Lizenz sind), ein Kind seiner Zeit ist. Decker ist Ex-Soldat, Ex-Polizist, geschieden und, wenn auch kein Donald-Trump-Wähler, sicher ein Republikaner, der den alten Western-Idealen nachhängt und keine Probleme hat, Waffen einzusetzen und zu töten. Entsprechend einfach ist seine und die in Romanen protegierte Weltsicht: auf der einen Seite sind die Guten. Frank Decker und die von ihm gesuchte vermisste Person. Auf der anderen Seite die Bösen, die ziemlich Böse sind. In „Germany“, seinem zweiten Fall nach „Missing. New York“, verschwindet in Florida Kim Sprague spurlos. Sie ist die junge, gutaussehende Frau von seinem Army-Kameraden und Lebensretter Charlie. Die Spur führt in Richtung Organisierte Kriminalität, Zwangsprostitution und Menschenhandel. Alles Dinge, die die Verbrecher, vor allem wenn sie aus Russland kommen, zu Kandidaten für die Todesstrafe machen.
Das ist natürlich flott, aber auch arg humorlos geschrieben und wenn Frank Decker ab Seite 267 in Deutschland nach Kim sucht, wird der Thriller zu einer für uns Ortskundigen langweiligeren Angelegenheit. Denn Decker besucht auf seiner Suche quer durch Deutschland ungefähr ein halbes Dutzend Städte als lägen sie nebeneinander und als ob die Bösen nur auf ihn warteten.
Als Dank an seine deutschen Leser und als Verarbeitung von Reiseerlebnissen (immerhin führten mehrere Lesereisen Don Winslow quer durch Deutschland) ist dieser Teil zwar als Fanservice nachvollziehbar, aber die Orte bleiben austauschbar.
Aus dramaturgischer Sicht ist der Schauplatzwechsel für etwas über hundert Seiten vollkommen unnötig. Letztendlich wäre es besser gewesen, die ganze Geschichte an einem Schauplatz, also Florida, spielen zu lassen. Auch wegen der Lösung, die gar nicht so weit weg von den guten alten Hardboiled-Krimis ist.
Das Gegenmodell zu Frank Decker ist Neal Carey, der erste Seriencharakter von Don Winslow, dessen Fälle jetzt teilweise erstmals auf Deutsch erscheinen. Immer in neuen Übersetzungen von Conny Lösch, der Stammübersetzerin von Don Winslow. Jüngst erschienen bei Suhrkamp „Way down the High Lonely“, der dritte Carey-Roman in einer neuen Übersetzung, und „A long Walk up the Water Slide“, der vierte Carey-Roman, auf Deutsch.
Neal Carey ist ein New Yorker Junge, der von Joe Graham, seinem „Daddy“, der als Detektiv für die Freunde der Familie, einer besonderen Abteilung einer noblen Privatbank, arbeitet, groß gezogen wird. Graham lehrt ihn alles, was man zum Leben braucht von englischer Literatur über das Putzen der Wohnung und dem unauffälligen Observieren bis hin zum gepflegten Einbruch. Auch Neal soll für die Freunde der Familie, die ihm seine Ausbildung bezahlen, arbeiten. Was vor allem bedeutet, dass er die sprichwörtlichen Kastanien aus dem Feuer holen soll. Dabei würde er viel lieber sein Universitätsstudium mit einer Arbeit über den Literaten Tobias Smollett abschließen.
Am Ende von „China Girl“ wurde er in China in ein sehr abgelegenes buddhistisches Kloster verbannt.
Drei Jahre später, am Anfang von „Way down the High Lonely“, ist Ronald Reagan Präsident der USA. Joe holt ihn aus seinem Gefängnis. Die Freunde der Familie brauchen ihn. Er soll Cody McCall, den zweijährigen Sohn einer Hollywood-Produzentin, finden. Cody wurde von seinem Vater Harley McCall entführt. Er ist ein waschechter Cowboy, den die Produzentin während den Dreharbeiten für einen Western kennen und lieben lernte und später, in Hollywood, bemerkte, dass er nicht in ihre Welt passt. Die Ehe ging in die Brüche. Er wurde zum cholerischen Trinker und verschwand vor drei Monaten spurlos mit Cody.
Neal übernimmt den Fall. Seine Ermittlungen führen ihn nach Nevada in ein menschenleeres Gebiet, das als The High Lonely bekannt ist. Dort vermutet er Harley als Mitglied einer Gruppe von Rassisten, die die jüdische Machtübernahme befürchten und sich für den Endkampf rüsten. Neal versucht sich in die Gruppe einzuschleichen.
In „A long Walk up the Water Slide“ soll Neal Carey das Englisch von Dolly Paget aufbessern. Die Wuchtbrumme behauptet nämlich, von dem beliebten TV-Präsentator einer Familiensendung und Inhaber des TV-Senders Family Cable Network Jack Landis vergewaltigt worden zu sein. Dabei war sie vorher seine außereheliche Affäre und, was Neal erst später erfährt, sie ist schwanger.
Während Neal sie noch in die Feinheiten der englischen Sprache einführt, haben mehrere Parteien, unter anderem ein geheimnisvoller Profikiller, die Mafia und ein Herausgeber von Sexheften, ein großes Interesse an der Dame, die sie, wahlweise, ausziehen oder töten wollen.
Nachdem schon die vorherigen Neal-Carey-Romane dank des trockenen Humors eine witzig-kurzweilige Lektüre waren, ist der für den Dily Award nominierte „A long Walk up the Water Slide“ eine waschechte Krimikomödie, in der alle Pläne regelmäßig schief gehen, Irrtümer und Missverständnisse für ungeahnte Konflikte sorgen und Neal, nach einem nächtlichen Überfall auf sein Haus, Dolly, Jack Landis‘ Frau Candy und seine Freundin Karen in Las Vegas in einem Hotel versteckt, in dem gerade die Jahreskonferenz des Erotikfilm-Verbandes ist; was für weitere Verwicklungen sorgt.
Don Winslow schrieb seine fünf Neal-Carey-Romane zwar in den Neunzigern, aber weil sie in den späten Siebzigern und frühen Achtzigern spielen, atmen sie genau diesen Zeitgeist ein. Es ist der Zeitgeist der sexuellen Revolution, der cleveren Außenseiter-Helden, die die Fälle nicht mit Gewalt, sondern mit Grips (und ihrem Mundwerk) lösen und der großen Sympathie für schräge, oft moralisch zwiespältige Charaktere, verschiedener Lebensentwürfe und einer insgesamt liberalen, offenen Haltung.
Es ist auch die Zeit, in der TV-Serien wie „Detektiv Rockford – Anruf genügt“, „Magnum“, „Simon & Simon“, „Das Model und der Schnüffler“ und „Remington Steele“ mit ihren sprücheklopfenden Helden äußerst beliebt waren und Robert B. Parker mit seinen „Spenser“-Romanen das Genre fast im Alleingang revolutionierte. Don Winslows Neal Carey, der edle Ritter im Auftrag einer Bank (und einem von Hassliebe zu seinem Geldgeber geprägtem Verhältnis) steht in dieser Tradition.
Das ist großartige Krimi-Unterhaltung mit einem realistischen Unterton, die ziemlich direkt zu seinen in Kalifornien spielenden, weniger witzigen, lakonisch erzählen Krimis führt, in denen Verbrecher die durchaus sympathischen Helden wurden. Immerhin folgten sie einem Kodex und die mexikanischen Drogenkartelle und korrupte Polizisten sind viel schlimmer.
Der fünfte Carey-Roman „Palm Desert“ soll Mitte Juni erscheinen.
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Don Winslow: Way Down on the High Lonely – Neal Careys dritter Fall
(übersetzt von Conny Lösch)
Suhrkamp, 2016
352 Seiten
11,99 Euro
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Deutsche Erstausgabe
Das Schlangenmaul
(übersetzt von Ulrich Anders)
Piper, 1998
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Originalausgabe
Way Down on the High Lonely
St. Martin’s Press, 1993
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Don Winslow: A long Walk up the Water Slide – Neal Careys vierter Fall
Es ist mal wieder an der Zeit für ein kleines Moore-Fest.
Beginnen wir in tief in der Vergangenheit von Alan Moore, als er auch Geschichten für bestehende Serien schrieb. Zum Beispiel für Todd McFarlanes „Spawn“. In der Geschichte „Bloodfeud – Blutfehde“ kämpft Al Simmons (aka Spawn) in New York gegen sein böses Ich, beziehungsweise gegen einen Dämon, der ihn kontrollieren möchte. Gleichzeitig kämpft er weiterhin gegen Bösewichter, die die Stadtbewohner bedrohen.
Zur gleichen Zeit taucht der Vampirjäger John Sansker in der Stadt auf. Er möchte Spawn, den für einen Vampir hält, töten. Denn Spawn sieht nicht menschlich aus und er jagt vor allem nach Sonnenuntergang. Bei seiner Jagd folgt die ganze Polizei seinen Anweisungen. Dabei hat auch Sansker seine Geheimnisse.
Mehr soll nicht verraten werden, weil die von Alan Moore ersonnene Geschichte eher eine kurze Episode aus dem Leben von Al Simmons ist, die allerdings als Alan-Moore-Geschichte nicht so richtig begeistert. Es ist halt vor allem eine „Spawn“-Geschichte.
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Schließlich ist Moore ja vor allem bekannt für sein Spiel mit verschiedenen Ebenen und Metaebenen zwischen Schein und Sein, gerne auch mit einer politischen Botschaft. „Watchmen“ ist dafür ein Beispiel. Oder sein seit 1999 bestehendes Mega-Mashup „Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen“, in dem, beginnend im viktorianischen England bekannte Helden der Populärkultur, wie Wilhelmina „Mina“ Murray (aus „Dracula“), Allan Quatermain, Dr. Henry Jekyll/Mr. Edward Hyde, Orlando und A. J. Raffles für Gerechtigkeit kämpfen. Letztendlich über mehrere Jahrhunderte.
Im „Liga der außergewöhnlichen Gentlemen“-Kosmos gibt es jetzt, nach „Herz aus Eis“ und „Die Rosen von Berlin“ mit „Fluss der Geister“ den ziemlich eigenständigen Abschluss der „Nemo“-Geschichte. Denn man muss die vorherigen Bände nicht gelesen zu haben, um am „Fluss des Geister“ gefallen zu finden.
1975, vierunddreißig Jahre nachdem Janni Nemo (die Tochter von Käpitan Nemo, bekannt aus Jules Vernes „Zwanzigtausend Meilen unter dem Meer“) in Berlin Ayesha enthauptete, erhält sie Meldungen, dass Ayesha doch noch lebt. Im Amazonasdelta. Mit der Nautilus und einigen Gefährten macht die Achtzigjährige sich auf die Reise und sie entdecken mitten im Dschungel einen kleinen Nazi-Staat mit einem gigantischem Mensch-Maschinen-Forschungsprojekt mit allem Drum und Dran, was das Herz des Pulp-Fans begehrt.
Denn wie in den anderen „Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen“-Geschichten (wobei man „Nemo“ auch als Spin-off sehen kann) würzt Alan Moore seine Geschichte mit popkulturellen Anspielungen.
„Fluss der Geister“ ist daher ein zünftiges Dschungelabenteuer, das nach einer Begegnung mit Sauriern (wegen Sir Arthur Conan Doyles „The lost world“ [Die vergessene Welt]) äußerst lustvoll mit den bekannten Klischees von geheimnisvollen Einrichtungen, in denen seltsame Dinge getan werden, spielt. Oft stehen sie an abgelegenen und unzugänglichen Orten, die manchmal auch Heiligtümer oder Kultstätten sind. Entsprechend großformatig können Alan Moore und sein Zeichner Kevin O’Neill sich austoben. Fast als ob sie einen James-Bond-Film, gekreuzt mit den „Boys from Brazil“ und den „Metropolis“-Roboterträumen, garniert mit Impressionen aus Siebziger-Jahre-Sadomaso-Nazi-Frauengefängnisfilmen und der obligatorischen Portion nackter Haut, inszenieren wollten.
Am Ende des furiosen, witzigen und actionhaltigen Dschungelabenteuer bleibt nur eine Frage: Wann erscheinen die drei „Nemo“-Geschichten in einem Sammelband?
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Mit seiner neuesten Serie „Providence“ steigt Alan Moore mit Zeichner Jacen Burrows, die bereits in „Neonomicon“ eine von Lovecraft inspirierte Welt schufen, vollständig in die Welt von H. P. Lovecraft (1890 – 1937) ein.
1919 beginnt Robert Black, Reporter der Zeitung von Providence, Rhode Island, mit einer Recherche für die die „Vermischtes“-Seite. Er soll mit Doktor Alvarez reden. Der hatte ein Essay über Robert Chambergs „König in Gelb“ (das auf „Sous le Monde“ und den damit zusammenhängenden skandalösen Begebenheiten basiert) geschrieben und das Buch soll einige Leser verrückt gemacht haben.
Blacks Recherchen führen ihn, nachdem er bei Doktor Alvarez war, der in einem heruntergekühlten Wohnung lebt, zu Mr. Robert Suydam, einem Mann mit einem besonderen Interesse am Okkulten und einem Keller, in dem Black glaubt, Knochen und seltsame Wesen zu sehen, zur in einem Fischerdorf gelegenen Kirche St. Judas und einem einsam gelegenem Farmhaus mit einer sehr merkwürdigen Familie. Er gerät bei seiner Suche immer tiefer in die von Geheimnissen und Wahnsinn geprägte Welt von Cthulhu.
Natürlich strotzen die ersten vier „Providence“-Episoden nur so vor Anspielungen, Querverweisen und Verarbeitungen von Lovecraft-Erzählungen. Das erste Heft bezieht sich auf „Kühle Luft“, das zweite auf „Grauen in Red Hook“, das dritte auf „Schatten über Innsmouth“ und das vierte auf „Das Grauen von Dunwich“. Weitere Anspielungen schlüsselt Antonio Solinas in seinem Nachwort auf.
Der zweite „Providence“-Sammelband ist für den 26. Juli angekündigt und Alan Moore könnte hier wirklich ein weiteres äußerst langlebiges Projekt am Start haben.
Alan Moore/Tony S. Daniel/Kevin Conrad: Spawn: Bloodfeud – Blutfehde
(übersetzt von Claudia Fliege)
Panini, 2015
116 Seiten
14,99 Euro
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Originalausgabe
Blood Feud, Preludes & Nocturnes (Spawn 32, Juni 1995)
Spawn: Blood Feud, Part One – Four (Spawn: Blood Feud # 1 – 4, Juni – September 1995)
Alan Moore/Kevin O’Neill: Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen: Nemo – Fluss der Geister
(übersetzt von Gerlinde Althoff)
Panini, 2015
60 Seiten
9,99 Euro
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Originalausgabe
Nemo: River of Ghosts
Top Shelf Productions/Knockabout Comics, 2015
Alan Moore/Jacen Burrows: Providence – Band 1
(übersetzt von Gerlinde Althoff)
Panini, 2015
176 Seiten
19, 99 Euro
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Originalausgabe
Providence, #1 – 4
Mai – August 2015
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Zusatzlektüre
Ob es wirklich „Das Beste vom Meister des Unheimlichen“ ist, weiß ich nicht, aber „Cthulhus Ruf“ (The Call of Cthulhu), „Der Fall Charles Dexter Ward“ (The Case of Charles Dexter Ward, verfilmt als „Die Folterkammer des Hexenjägers“), „Die Farbe aus dem All“ (The Colour out of Space), „Berge des Wahnsinns“ (At the Mountains of Madness), „Stadt ohne Namen“ (The nameless City), „Die Ratten im Gemäuer“ (The Rats in the Walls), „Schatten über Innsmouth“ (The Shadow over Innsmouth; – von Moore/Burrows in „Providence“ verarbeitet) und „Die Musik des Erich Zann“ (The Music of Erich Zann) sind gute Geschichten und ein Vorwort von Wolfgang Hohlbein, der die Geschichten auswählte, ist auch nicht schlecht.
Und danach kann man ja die anderen Geschichten von Lovecraft lesen.
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H. P. Lovecraft: Horrorstories – Das Beste vom Meister des Unheimlichen
(übersetzt von H. C. Artmann, Charlotte Gräfin von Klinckowstroem und Rudolf Hermstein)
Wahrscheinlich wird in Frankreich genauso viel Mist veröffentlicht wie bei uns, aber es wird nicht alles übersetzt und das, was übersetzt wird, hat dann oft einen sehr eigenen Ton, der gefällt. Jedenfalls wenn man auf Noir steht.
Dass es düster wird, verrät schon der Titel von Léo Malets jetzt wieder veröffentlichtem zweiten Band der Schwarzen Trilogie: „Die Sonne scheint nicht für uns“. Und der Klappentext des im Original 1949 erschienenen hundertzwanzigseitigen Romans verrät das Ende: „Der sechzehnjährige André wird wegen Vagabundierens ins Jugendgefängnis gesteckt – und endet als jüngster Geköpfter Frankreichs unter der Guillotine.“ Aber über den Weg dorthin verrät der Klappentext nichts und dieser gradlinige Weg ins Verderben, natürlich beschritten mit einer Femme Fatale, ist überaus lesenswert. Immer noch. Denn während mir Malets erster Band der Schwarzen Trilogie „Das Leben ist zum Kotzen“ nicht so gefiel, ist „Die Sonne scheint nicht für uns“ ein spannender Einblick in das Leben der Unterschicht in den zwanziger Jahren (das Buch spielt 1926), das mit dem heute immer noch allseits bekanntem Leben der Bohème nichts zu tun hat. Woody Allen beschrieb es ja in seinem 2011er „Midnight in Paris“ wieder in den schönsten Farben, die in „Die Sonne scheint nicht für uns“ nichts zu suchen haben. Außerdem ist Malets Ich-Erzähler André für seine jungen Jahre schon erstaunlich desillusioniert. Aber er hatte auch nie eine Chance.
Neben der Schwarzen Trilogie ist Léo Malet vor allem als Erfinder von Nestor Burma bekannt. Aber das ist eine andere Geschichte.
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Mit hundertvierzig Seiten ist Christian Roux‘ „Der Mann mit der Bombe“ ebenfalls ziemlich kurz geraten und auch hier würde niemand ernsthaft auf ein glückliches Ende wetten. Der Arbeitslose Mittvierziger Larry, der Tontechniker war, Frau und Kind hat, hat sich eine Bombenattrappe gebaut. Das verleiht ihm vor allem bei den peinlichen Vorstellungsgesprächen ein Gefühl von Macht. Als er, während er selbst gerade die Bank überfallen will, zufällig in einen aus dem Ruder laufenden Banküberfall gerät, zeigt er seine Bombe und flüchtet mit der Bankräuberin Lu, einer jungen, kokssüchtigen Frau, die panische Angst vor dem Alleinsein hat. Auf ihrer ziellosen Reise durch Frankreich überfallen sie kleine Postfilialen, werden von ihren Kompagnons und der Polizei verfolgt und fragen sich, wie ihr Leben enden soll.
Das hat natürlich etwas von Bonnie & Clyde, erinnert auch an all die französischen Krimis, in denen sich im Hinterland (also alles, was nicht das Zentrum Paris ist), garniert mit Sex und Gewalt, eine wilde Hatz zwischen Polizisten und mehr oder weniger unschuldig Verfolgten entwickelt.
„Der Mann mit der Bombe“ ist der erste ins Deutsche übersetzte Roman des 1963 geborenen Christian Roux. Für seine Romane erhielt er mehrere Krimipreise.
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Léo Malet: Die Sonne scheint nicht für uns
(übersetzt von Andrea Jossen, mit einem Nachwort von Tobias Gohlis)
Nautilus, 2016
144 Seiten
14,90 Euro
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Deutsche Erstausgabe
Edition Nautilus, 1989
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Originalausgabe
Le soleil n’est pas pour nous
Editions du Scorpion, 1949
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Christian Roux: Der Mann mit der Bombe
(übersetzt von Cornelia Wend, mit einem Vorwort von Frank Göhre )
Zur Information: Diese Besprechung enthält Spoiler. Aber nach meiner Einschätzung sind das keine das Lesevergnügen beeinträchtigende Spoiler.
Schon Gerald Kersh „Ouvertüre um Mitternacht“ spielte während der Nazi-Diktatur. 1935 suchten die Sozialreformerin Asta Thundersley und Detective Inspector Dick Turpin in London den Mörder eines zehnjährigen Mädchens. Das war ein Kriminalroman.
Von seinem jetzt auf Deutsch veröffentlichtem Werk „Die Toten schauen zu“ (das Original erschien 1943) kann man das nicht behaupten. Es ist ein Roman und aus der Krimileser-Perspektive, die auf Rätseln, überraschende Wendungen und, meist, die Überführung des Übeltäters geeicht ist, ist das durchaus ein Nachteil. Kersh, dessen heute noch bekanntestes Werk der zweimal verfilmte Noir „Nachts in der Stadt“ (Night and the City, 1938) ist, erzählt, wie die Nazis eine Stadt ausradieren.
In der von den Nazis besetzten Tschechoslowakei erschießt ein Motorradfahrer den skrupellosen SS-Obergruppenführer Max von Bertsch. Die Nazis, die das Land besetzt haben, wollen ein Exempel statuieren. Das Dorf Dudicka, in dessen Nähe ein Motorrad gefunden wurde (später erfahren wir, dass es ein schrottreifes, seit Jahren nicht mehr benutztes Motorrad war), soll den Täter übergeben. Um den Widerstand der Dörfler zu brechen, beginnt SS-Offizier Heinz Horner die Dorfbewohner zu drangsalieren und er lässt sie der Reihe nach erschießen, während seine Männer die Stadt plündern.
Das auch im ausführlichen Nachwort von Angelika Müller erwähnte reale Vorbild für von Bertsch war Reinhard Heydrich, stellvertretender Reichsprotektor von Böhmen und Mähren, genannt der „Schlächter von Prag“. Auf ihn wurde am 27. Mai 1942 ein Attentat verübt. Am 4. Juni starb er. Am 9. Juni wurde das Dorf Lidice von der Landkarte getilgt. Die Nazis erschossen 177 Männer zwischen 14 und 84 Jahren, deportierten die Frauen nach Ravensbrück, ‚germanisierten‘ neun Kinder und töteten die anderen Kinder.
Kersh schildert diese Racheaktion mit erstaunlich vielen Details, die heute zum Allgemeinwissen gehören, und die damals anscheinend auch schon mehr oder weniger bekannt waren. Die Ereignisse in Dudicka schildert Kersh in vielen kurzen, nüchtern geschilderten Szenen, die ein Kaleidoskop der Ereignisse entfalten und ohne einen Protagonisten auskommen. Am ehesten bieten sich, bei den Dörflern noch die jung Verliebten Max Marek und Anna Horak an. Aber sie sind weitgehend passiv und an den Ereignisse können sie nichts ändern. Sie können die Vernichtung von Dudicka nicht aufhalten. Sie können auch kein Leben retten. Noch nicht einmal ihr eigenes. Aber, wie die letzten Zeilen dieses Panoramas des Schreckens verraten, ist der Widerstand in der Tschechoslowakei ungebrochen.
Deshalb wirkt „Die Toten schauen zu“ auch niemals wie ein schon vor über siebzig Jahren geschriebenes Buch, das vor allem der Propaganda, also der Mobilisierung der Alliierten gegen Nazi-Deutschland, dienen sollte.
Auf dem Cover von William Giraldis „Wolfsnächte“ steht „Thriller“ und die ersten Seiten lassen einen Jack-London-Roman erwarten: Tierforscher und Naturschriftsteller Russell Core wird von Medora Slone gebeten ihren von den Wölfen aus dem Dorf Keelut verschleppten sechsjährigen Sohn zu finden und den Wolf zu töten. Er sei das jüngste Opfer der Wölfe, die sich bereits mehrere Kinder aus Keelut geholt haben. Core, der weiß, dass Wölfe normalerweise Menschen meiden und höchstens wenn sie hungrig sind, Menschen töten, beginnt den Wolf in der Wildnis von Alaska zu jagen.
Diese Thrillergeschichte nimmt schnell eine überraschende Wende. Denn bereits auf Seite fünfzig entdeckt Core die Leiche von Bailey im Keller des Hauses. Und als Täterin kommt nur Baileys Mutter Medora in Frage. Sie ist in die Wildnis geflüchtet.
Kurz darauf kommt ihr Mann Vernon aus dem Kriegseinsatz zurück. Auch der Soldat jagt, neben der Polizei, Medora.
Aber William Giraldi hat wenig Interesse an den Thrillerkonventionen. Stattdessen wandelt sich seine Geschichte immer mehr zu einer sehr spezifischen und düsteren Version einer Geistergeschichte. Da fehlt dann zwar die Thrillerspannung, aber, auch dank Giraldis Sprache, wird „Wolfsnächte“ dadurch nicht weniger lesenswert.
Es ist, wie Core am Ende des Romans meint „nur eine Geschichte (…) – die, wie ihm schien, halb im Traum stattgefunden hatte und der echten Welt, wie er sie kannte, nur entliehen war -, und diese Geschichte trug die Kleider der Wahrheit.“
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William Giraldi: Wolfsnächte
(übersetzt von Nicolai von Schweder-Schreiner)
Hoffmann und Campe, 2016
224 Seiten
20 Euro
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Originalausgabe
Hold the Dark
Liveright Publishing Corporation/W. W. Norton & Company Ltd., New York, 2014
Als die Romane von James Lee Burke noch regelmäßig übersetzt wurden, wurde “Dixie City Jam”, der siebte Dave-Robicheaux-Roman, der zwischen “Im Schatten der Mangroven” (In the Electric Mist with Confederate Dead) und “Im Dunkel des Deltas” (Burning Angel) erschien, galant ignoriert. An der Qualität des im Original 1994 erschienen Romans kann es nicht gelegen haben. Denn er unterscheidet sich nicht sonderlich von Burkes vorherigen und späteren Robicheaux-Romanen. Dass es um ein vor der Küste von Louisiana gesunkenes Nazi-U-Boot geht, schon eher. Obwohl das auch eher nach einem Stellvertreter-Argument klingt.
Jedenfalls erschien jetzt bei Pendragon als „Mississippi Jam“ die deutsche Ausgabe von “Dixie City Jam”.
In dem Roman wollen mehrere Menschen das 1942 von der US-Navy zum Versinken gebrachte Nazi-U-Boot haben und weil Dave Robicheaux es schon während seiner College-Zeit bei einem Tauchgang entdeckte, steht er im Zentrum ihres Interesses. Dave, Detective von der Polizei von New Iberia, will dem mächtigen jüdischen Aktivisten und Geschäftsmann Hipp Bimstine für 25.000 Dollar den Fundort verraten. Das Geld braucht er, um einem Freund zu helfen.
Will Buchalter, ein durchgeknallter Nazi, der bei seinen zahlreichen Verbrechen keine Spuren hinterlässt und, zusammen mit seiner Schwester, schon in jedem Nazi-Netzwerk war, will das U-Boot vor Bimstine haben und er schreckt vor nichts zurück.
Damit ist das Fundament für einen typischen Robicheaux-Roman gelegt, in dem der menschliche Abschaum von halb Amerika und die New-Orleans-Mafia sich in dem kleinen Ort New Iberia versammelen und schnell eine tödliche Dynamik in Gang gesetzt wird, in der man – wie auch die handelnden Charaktere – ebenso schnell den Überblick verliert, bis der in jedem der inzwischen zwanzig Robicheaux-Roman auftauchende psychopathische Killer Dave Robicheaux, seine Familie und seine Freunde belästigt, bis er erkennt, dass er sich mit dem falschen Südstaatler angelegt hat. So undurchschaubar und auch kaum noch nacherzählbar die Handlung dann oft ist (und in seinen späteren Romanen wurde es noch undurchschaubarer), so stark sind die einzelnen Szenen.
In „Mississippi Jam“ gelingt James Lee Burke noch die Balance zwischen den verschiedenen Elementen, die sich später zu oft zuungunsten der Geschichte verschob.
Schullektüre sei „Das Tagebuch der Anne Frank“. So heißt es, aber ich habe es nicht in der Schule gelesen. Wir lasen „Der Untertan“.
„Das Tagebuch der Anne Frank“ wurde auch schon öfter verfilmt. Die erste Verfilmung von 1959 war für den Oscar als bester Film nominiert. George Stevens‘ hundertsiebzigminütige Verfilmung kam in einer um fast zwanzig Minuten gekürzten Fassung in die deutschen Kinos und inzwischen dürften nur noch ältere Semester und Cineasten sie kennen. Denn im Fernsehen lief sie schon seit Ewigkeiten nicht mehr. Die späteren Verfilmungen sind noch unbekannter und sie kamen auch immer aus dem Ausland.
Hans Steinbichlers „Das Tagebuch der Anne Frank“ ist jetzt der erste deutsche Kinofilm, der ihre Geschichte erzählt. Das ist insofern erstaunlich, weil ihre Geschichte eine deutsche Geschichte ist und es immer heißt, alles, was mit der Nazi-Diktatur zu tun habe, sei schon verfilmt worden.
Die Geschichte und die damit zusammenhängenden Fakten dürften bekannt sein.
Anne Frank wird am 12. Juni 1929 in Frankfurt am Main geboren. Otto Frank, ihr Vater, organisiert, aus Angst vor weiter zunehmenden Repressionen gegen die Juden, schon 1933 den Umzug der Familie nach Amsterdam. Im Februar 1934 ziehen Anne Frank, ihre 1926 geborene Schwester Margot und ihre Mutter Edith nach Amsterdam. 1940 kapitulierten die Niederlande vor den Nazis. Im Mai 1942 wird auch in den Niederlande der ‚Judenstern‘ eingeführt. Am 5. Juli 1942 erhält Margot Frank den Aufruf, sich zum ‚Arbeitseinsatz im Osten‘ zu melden. Am nächsten Tag taucht die Familie Frank in dem schon länger von Otto Frank mit einigen Vertrauten vorbereiteten Versteck im Hinterhaus der Prinsengracht 263, das zu Otto Franks Firma gehört, unter. Einige Tage später werden Auguste und Hermann van Pels und ihr Sohn Peter aufgenommen. Im November 1942 wird mit Fritz Pfeffer eine achte Person aufgenommen.
Anne Frank, die ihr Tagebuch am 12. Juni 1942 beginnt, schreibt bis zum 1. August 1944 vor allem über das Leben in dem Versteck.
Am 4. August 1944 werden sie in ihrem Versteck verhaftet. Sie werden nach Auschwitz deportiert, getrennt und, bis auf Otto Frank, sterben alle in verschiedenen KZs.
Anne Frank stirbt an Typhus Ende Februar/Anfang März 1945 im Lager Bergen-Belsen.
Fred Breinersdorfer schrieb das Drehbuch, das den Abschluss seiner Trilogie über Opfer- und Heldenbiographien aus der NS-Zeit bildet. Davor beschäftigte er sich mit Sophie Scholl (Sophie Scholl – Die letzten Tage, 2005) und Georg Elser (Elser – Er hätte die Welt verändert, 2015) und wie bei diesen beiden Filmen konnte er für sein Anne-Frank-Drehbuch auch auf umfangreiche Originaldokumente zurückgreifen. So stand ihm das Archiv des Anne Frank Fonds, das den Film initiierte, offen. Deshalb erzählt er nicht nur die aus Anne Franks Tagebuch aus der Perspektive der Schreiberin bekannte Geschichte, sondern auch die Geschichte vor ihrem ersten und nach ihrem letzten Tagebucheintrag. Also wie sie und ihre Familie vor dem Untertauchen in Amsterdam leben und wie sie den zunehmenden Hass auf und die zunehmenden Repressionen gegen Juden erlebt und wie ihre Familie und die Mitbewohner verhaftet und, während der letzten Kriegstage in Konzentrationslager deportiert werden.
An dem Drehbuch ist auch nichts auszusetzen. Es ist eine berührende Geschichte, die keine wirklichen Dramatisierungen benötigt und, auch mit direkten Übernahmen, den Originaltext in dem Mittelpunkt stellt. Es gibt natürlich kleinere Änderungen und Wiederholungen, die sich im Tagebuch finden, wurden gestrichen. Anne Franks sexuelles Erwachen, das in ihrem Tagebuch (in der finalen Fassung, der Version d) ausführlich geschildert wird, wird im Film eher nebenbei behandelt. Was auch dazu führt, dass die Liebesgeschichte zwischen ihr und Peter unwichtig ist.
Gleichzeitig wird Anne Frank als Teenager gezeigt, der mit seiner Selbstgerechtigkeit und Überheblichkeit auch nerven kann.
Im Film zeigt sich dann immer wieder, dass Regisseur Hans Steinbichler dieser Geschichte und der Kraft der Worte nicht genug vertraut. Schon in der ersten Szene, – ein Monolog von Anne Frank, während Amsterdam gerade bombardiert wird, und die Kamera langsam auf sie zufährt -, kleistert die Musik jede originäre Emotion zu. Sebastian Pilles Musik entwickelt sich, nachdem sie sich schon in den ersten Minuten absolut unpassend in den Vordergrund drängt, zu einem konstanten Ärgernis.
Störend ist auch Steinbichlers exzessiv ausgelebte Vorliebe für Großaufnahmen, die im Fernsehen vielleicht weniger störend sind. Im Kino hätte ich mir – und dass das geht, hat Quentin Tarantino vor wenigen Wochen mit seinen langen, nur in einer Hütte spielenden Szenen in „The Hateful 8“ gezeigt – eine Kamera gewünscht, die den Schauspielern mehr Raum für die Interaktion gegeben hätte.
Abseits dieser Kritteleien ist „Das Tagebuch der Anne Frank“ ein insgesamt gelungener und sehenswerter Film, der wieder die Aufmerksamkeit auf Anne Frank und das Schicksal der verfolgten Juden lenkt. Es ist auch ein Film, der heute wieder erschreckend aktuell ist. Denn die Familie Frank musste sich im Hinterhaus verstecken, weil Bitten von Otto Frank um Asyl in den USA für sich und seine Familie abschlägig beschieden wurde. Eine Entscheidung, die zu ihrem Tod führte. Nur Otto Frank überlebte den Holocaust.
Das Tagebuch der Anne Frank (Deutschland 2016)
Regie: Hans Steinbichler
Drehbuch: Fred Breinersdorfer
mit Lea van Acken, Martina Gedeck, Ulrich Noethen, Stella Kunkat, André Jung, Margarita Broich, Leonard Carow, Arthur Klemt, Gerti Drassl, Stefan Merki
Länge: 128 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
– Die Vorlage
Wer nach (oder vor) dem Film so richtig in die Schriften von Anne Frank einsteigen möchte, sollte sich die Gesamtausgabe, die auch ganz banal „Gesamtausgabe“ heißt, zulegen. In ihr sind die verschiedenen Versionen ihres Tagebuchs (es gibt das ursprüngliche Tagebuch, eine von ihr für eine Veröffentlichung schon überarbeitete Fassung, die von ihrem Vater Otto Frank für die Veröffentlichung erstellte Fassung und die von Mirjam Pressler 2001 im Auftrag des Anne Frank Fonds erstellte und autorisierte „Version d“, die die heute verbindliche Fassung ist und in der für frühere Veröffentlichungen gekürzte und weggelassene Teile wieder aufgenommen wurden), die „Geschichten und Ereignisse aus dem Hinterhaus“ (ihre Erzählungen, die teils auf selbst Erlebtem basieren und die auch teils von ihr in ihr Tagebuch übernommen wurden), weitere Erzählungen, Briefe, Einträge in Poesiealben, „Das Schöne-Sätze-Buch“ (das hauptsächlich eine Sammlung von Texten, die ihr gefielen und die sie im Versteck abschrieb, ist) und ‚Das Ägyptenbuch‘ (das ebenfalls vor allem aus anderen Texten besteht und das Anne Franks Faszination für das alte Ägypten dokumentiert) abgedruckt. Damit ist ihr schriftstellerisches Gesamtwerk in diesem Buch enthalten.
Ergänzt wird der Sammelband durch Fotos und Dokumente über sie und ihre Familie und vier Aufsätze über Anne Frank, ihre Familie, den zeitgeschichtlichen Kontext und die Rezeptionsgeschichte.
Diese umfassende Ausgabe eignet sich vor allem für das vertiefte und auch vergleichende Studium.
Für den Hausgebrauch reicht natürlich auch die Ausgabe ihres Tagebuchs.
– Anne Frank: Gesamtausgabe (herausgegeben vom Anne Frank Fonds) (übersetzt von Mirjam Pressler) Fischer, 2015 816 Seiten
12,99 Euro
– Deutsche Erstausgabe
Fischer, 2013
– Hinweise Homepage zum Film Filmportal über „Das Tagebuch der Anne Frank“ Moviepilot über „Das Tagebuch der Anne Frank“
Wikipedia über „Das Tagebuch der Anne Frank“ (deutsch,englisch) und Anne Frank (deutsch, englisch) Der Anne Frank Fonds
Über Sherlock Holmes gibt es einige Biographien. Denn für seine Fans ist der von Sir Arthur Conan Doyle erfundene Detektiv realer als einige im gleichen Haus lebende Nachbarn.
Über Sir Arthur Conan Doyle gibt es selbstverständlich auch einige Biographien.
Und, wo wir gerade dabei sind, über die verschiedenen Inkarnationen von Sherlock Holmes im Film, Radio und anderen Romanen (okay, da könnte es wirklich, wirklich nichts geben. Denn das wäre eine echte Herkules-Arbeit) gibt es auch Bücher.
Aber das Buch, das Mattias Boström schrieb, gab es noch nicht. Sagt er jedenfalls in seinem Vorwort und ich glaube ihm einfach. Denn in „Von Mr. Holmes zu Sherlock“ zeichnet er die Geschichte von Sherlock Holmes aus dem Blick der Menschen nach, die ihn erfanden (also Sir Arthur Conan Doyle), die ihn zeichneten, die Holmes-Geschichten veröffentlichten und die Sherlock Holmes später im Theater, im Radio und im Film, zuerst im Kino, später auch im Fernsehen, zum Leben erweckten. Und er beschäftigt sich mit den Fans von Sherlock Holmes, die Clubs, wie die Baker Street Irregulars, gründeten und sich intensiv mit ihm beschäftigten. Auch in mehr oder weniger ernst gemeinten wissenschaftlichen Untersuchungen.
Das so entstandene, gut sechshundert Seiten umfassende Werk ist ein umfassender und auch immer interessanter Rundumschlag und Marsch durch die Geschichte von den Anfängen des Detektivs – sein erster Auftritt war 1887 in Beeton’s Christmas Annual in dem Fall „A Study in Scarlet“ (Eine Studie in Scharlachrot) – bis zur Gegenwart, der neuesten Inkarnation des Detektivs in der grandiosen BBC-Serie „Sherlock“, die sich schnell zu einem weltweiten Phänomen entwickelte und das Interesse an dem Detektiv neu entfachte.
Es ist allerdings auch ein arg episodisches Buch, das in Teilen einfach nur Anekdote an Anekdote reiht. Und die Struktur des Buches ist, wenn man es nicht einfach wie einen Roman lesen möchte, arg unglücklich gewählt. Mattias Boström erzählt die Geschichte strikt chronologisch, was „Von Mr. Holmes zu Sherlock“ immer wieder etwas lexikalisches gibt. Wenn man allerdings etwas finden möchte, ist man in dem Textkonvolut verloren. Da hilft dann auch das Register kaum weiter. Insofern wären mindestens eine Chronik der wichtigsten Ereignisse und aussagekräftige Kapitelüberschriften (und ein Inhaltsverzeichnis, das es jetzt nicht gibt, weil die Kapitel einfach durchnummeriert sind) schon ein Anfang.
Boström beschäftigt sich auch mit den Nachkommen und Erben von Sir Arthur Conan Doyle und ihren Versuchen, die Sherlock-Holmes-Geschichten und die Figur zu Geld zu machen. Immer im Kampf gegen das ablaufende Urheberrecht, schlechte, teils von Sir Arthur Conan Doyle selbst geschlossene, Verträge und ein teils nicht mehr zu klärendes Rechtekuddelmuddel. Diese Abschnitte, gerade weil dieser Teil normalerweise kaum betrachtet wird, ist sehr interessant zu lesen; wobei auch hier Zusammenfassungen besser als die strikt chronologische Erzählweise gewesen wären.
Äußerst interessant sind dabei auch deren und, schon davor, Sir Arthur Conan Doyles Bemühungen um das Urheberrecht durchzusetzen und die verschiedenen mehr oder weniger illegalen Nachdrucke, Holmes-Kopien und -Pastichen einzudämmen, zu lesen. Als Conan Doyle anfing zu Schreiben, gab es so etwas wie das Urheberrecht wie wir es heute kennen noch nicht und auch danach war es sehr lückenhaft. Weil heute der Eindruck vermittelt wird, dass es das Urheberrecht schon seit Ewigkeiten gibt, ist es natürlich sehr erhellend zu lesen, dass vor etwas über hundert Jahren die Situation für die Autoren noch ganz anders war.
– Mattias Boström: Von Mr. Holmes zu Sherlock (übersetzt von Susanne Dahmann und Hanna Granz) btb, 2016 608 Seiten
14,99 Euro
– Originalausgabe
Fran Holmes till Sherlock
Piratförlaget, 2013
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My Blueberry Nights (China/USA 2007, Regie: Wong Kar-wai)
Drehbuch: Wong Kar-wai, Lawrence Block (nach einer Geschichte von Wong Kar-wai)
Elizabeth hat Liebeskummer. In einem kleinen New Yorker Café schüttet sie dem Kellner ihr Herz aus. Der verliebt sich in sie, aber sie macht sich auf eine Reise durch die USA. Auf ihrem Selbstfindungstrip begegnet sie anderen einsamen Seelen.
Lawrence Block war zwar irgendwie am Drehbuch beteiligt, aber letztendlich ist es ein Wong-Kar-wai-Film geworden.
Mit Norah Jones, Jude Law, Rachel Weisz, David Strathairn, Natalie Portman
Eine erfreuliche Fans für Lawrence-Block-Fans: der Grandmaster höchstselbst hat jetzt veranlasst, dass seine Romane mit dem Ex-Polizisten Matthew Scudder, der in New York als Privatdetektiv ohne Lizenz arbeitet, wieder auf Deutsch erscheinen. Jedes Jahr sollen, so ist der Plan, mindestens zwei Scudder-Romane erscheinen. Dazwischen soll es Scudder-Kurzgeschichten geben. (Einschub: genau der Scudder, der vor kurzem von Liam Neeson in Scott Franks „Ruhet in Frieden – A Walk among the Tombstones“ verkörpert wurde.)
In dem ersten Scudder-Roman, der in den USA 1976 erschien, will ein Vater wissen, wer seine Tochter warum ermordete. Denn er glaubt nicht an die offizielle Version und er will wissen, wie sie die vergangenen Jahre lebte. Scudder, der damals noch ein Trinker war, sucht den Mörder der Prostituierten.
Als Lawrence Block Mitte der siebziger Jahre schnell hintereinander die ersten Matt-Scudder-Romane schrieb, unterschieden sie sich nicht sehr von vielen anderen Privatdetektiv-Romanen. Vor allem die Länge (oder besser Kürze) und der damit verbundene Handlungsaufbau entsprachen den Konventionen. Trotzdem setzt Lawrence Block, wie schon in seinen vorherigen Romanen und der witzigen Evan-Tanner-Serie, eigene Duftnoten.
Einige Jahre später, nachdem Scudder sich zu seinem Alkoholismus bekennt, Mitglied der Anonymen Alkoholiker wird und versucht, seine Sucht zu bekämpfen, nehmen die Romane, die dann auch länger wurden, die entscheidende Wende, die Matt Scudder zu einem der großen Privatdetektive des 20. Jahrhunderts machte.
Aber diese Geschichte wird erst später erzählt. Bis dahin kann noch einmal tief in das New York der siebziger Jahre eingetaucht werden.
– Lawrence Block: Die Sünden der Väter (übersetzt von Stefan Mommertz) CreateSpace Independent Publishing Platform, 2016 200 Seiten
10,69 Euro (auch als E-Book erhältlich) (via Amazon)
– Originalausgabe
The Sins of the Fathers
Dell, 1976
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Deutsche Erstausgabe als „Mord unter vier Augen“
Eigentlich wollte ich R. L. Stines Romanfassung von „Gänsehaut“, Rob Lettermans vergnüglicher Horrorkomödie für Kinder (Danny Elfmans Musik und die vielen filmischen Anspielungen helfen), zum Filmstart besprechen.
Das war der Plan, der natürlich nicht funktionierte, weil das Buch erst einige Tage nach dem Kinostart erschien. Aber so schlimm ist das nicht. Denn schon früher habe ich „Romane zum Film“ mehr oder weniger unabhängig vom Film gelesen. Was manchmal einfach daran lag, dass ich den Film noch nicht sehen konnte oder das Filmerlebnis wiederholen wollte (was in der Prä-DVD-Zeit gar nicht so leicht war, aber dafür liefen einige Filme verdammt lang in den Kinos). Einige Filmromane, wie Colin Higgins‘ „Harold und Maude“ oder mehrere Bücher von Alan Dean Foster (vor allem seine „Alien“-Romanfassungen und, auch wenn ein anderer Name auf dem Cover steht, „Krieg der Sterne“), wurden dann nicht zur zu Bestsellern, sondern auch zu veritablen, immer wieder neu aufgelegten Klassikern. Und auch wenn viele Filmromane einfach nur schnell geschriebene Werke mit einer kurzen Lebensdauer sind, empfinde ich immer noch eine tiefe Sympathie für sie. Denn sie gehörten zu meinen ersten Leseerlebnissen.
Warum die lange Vorrede für ein Kinderbuch, das nicht unbedingt zum Hardcore-Kriminalakte-Zielpublikum gehört?
Nun, weil R. L. Stine schon mit seinen erfolgreichen „Gänsehaut“-Büchern abertausende (Millionen?) Jugendlicher zu Leseratten machte und „Gänsehaut – Das Buch zum Film“ einen ähnlichen Effekt haben könnte. Oder wie Champ (ein wahrer Feigling vor dem Herrn) sagt: „Kinderbücher helfen beim Einschlafen. Diese Bücher sorgen dafür, dass du die ganze Nacht wach bleibst.“
Und wach bleiben die Figuren in dem Film. Und in dem Buch, das von dem sechzehnjährigem Zach Cooper erzählt wird, der gerade mit seiner Mutter von New York in die Kleinstadt Madison, 28.245 Einwohner, zog. Ihr Nachbar, Mr. Shivers, ist ein rechter Stinkstiefel, aber seine Tochter Hannah ist überaus nett. Als Zach glaubt, dass sie in Gefahr schwebt, bricht er mitten in der Nacht mit seinem neuen Kumpel Champ in das Haus ein. Dort entdecken sie ein Bücherregal mit den Originalmanuskripten von R. L. Stine, dem bekannten Kinderbuchautor, der in seinen Büchern Monster auf die Menschheit los lässt. Durch Neugierde und einen dummen Zufall öffnen sie eines der Bücher. Der Schneemensch, der in dem Buch gefangen war, bricht aus. Und kurz darauf brechen, mit der Hilfe der bösartigen Bauchrednerpuppe Slappy, auch die anderen Monster von R. L. Stine, die er in seine Bücher schrieb, aus. Sie beginnen die Kleinstadt zu verwüsten, während Zach, Hannah, Champ und R. L. Stine (so der wahre Name des grummeligen Nachbarn) versuchen, das schlimmste zu verhindern.
Selbstverständlich folgt der Roman bis auf einige kleine Abweichungen der Filmgeschichte.
Aber dank dem selbstironischen Tonfall von Stine (also eigentlich von seinem Ich-Erzähler Zach, der sich für einen gar nicht so gut aussehenden, eher tölpelhaften Teenager hält) und den pointierten Dialogen liest sich der Roman schnell und sehr vergnüglich weg. Die Geschichte bewegt sich in atemberaubendem Tempo auf ihr Ende zu. Für längere Beschreibungen hat Stine da keine Zeit; was auch dazu führt, dass er seine Monster, die wir aus dem Film oder, wenn wir sie gelesen haben, den anderen „Gänsehaut“-Büchern kennen, nicht beschreibt. Der Roman ist nur, in einer einfachen Sprache geschrieben, Handlung.
Das ist absolut empfehlenswert für Kinder, die eine Karriere als Leseratte anstreben. Schließlich hat niemand von uns „Unterm Birnbaum“ mit „Effi Briest“ angefangen.
– R. L. Stine: Gänsehaut – Das Buch zum Film (übersetzt von Christoph Jehlicka) (mit einem Vorwort von R. L. Stine, beendet von Slappy) cbj 2016 160 Seiten
9,99 Euro
empfohlen ab 10 Jahre (also, eigentlich wie der Film)
– Originalausgabe
Goosebumps The Movie: The Movie Novel
Scholastic, New York, 2015
– Die Vorlage
Gänsehaut (Goosebumps, USA 2015)
Regie: Rob Letterman
Drehbuch: Darren Lemke (nach einer Geschichte von Scott Alexander und Larry Karaszewski)
LV: Charaktere von R. L. Stine
Buch zum Film: R. L. Stine: Goosebumps The Movie: The Movie Novel, 2015 (Gänsehaut – Das Buch zum Film)
mit Jack Black, Dylan Minnette, Odeya Rush, Amy Ryan, Ryan Lee, Jillian Bell, R. L. Stine (Cameo)
Länge: 104 Minuten
FSK: ab 12 Jahre (aber auch schon für etwas jüngere Kinder geeignet)
– Hinweise
Der Film war jahrelang, mal mehr, mal weniger, in Planung. Er war ein Traumprojekt von Hauptdarsteller Ryan Reynolds, dessen „Green Lantern“ bei den Fans, der Kritik und dem Publikum nicht besonders gut ankam. In den vergangenen Jahren trat er, nachdem er schon einen kurzen Auftritt als Deadpool in „X-Men Origins: Wolverine“ hatte, in mehreren guten Filmen auf. Zuletzt in dem Spieler-Drama „Dirty Trip – Mississippi Grind“ (Besprechung folgt; DVD erschien bei Ascot Elite), „The Voices“, „Woman in Gold“ und „Self/Less“.
Trotzdem blieb „Deadpool“ sein Traumprojekt und wie das mit Träumen so geht. Meistens bleiben sie besser Träume.
Entsprechend skeptisch hoffnungsvoll sah ich mir den Film an und es ist wirklich ein „Deadpool“-Film, der das Wesen der Comicfigur und der Comics trifft. Was, ironischerweise, ein Vor- und Nachteil ist.
Die Filmgeschichte ist, mit zahlreichen Rückblenden (was in Comics ja ein gern benutztes Stilmittel ist), eine Origin-, Rache- und Liebesgeschichte, die von dem titelgebendem Söldner mit der großen Klappe ständig und in jeder Beziehung respektlos kommentiert wird, was dazu führt, dass die Handlung immer wieder stoppt, weil Deadpool uns im Kinosaal noch schnell irgendetwas erklärt, das mehr oder weniger wichtig für die Handlung ist.
Nachdem der Söldner Wade Wilson (Ryan Reynolds) erfährt, dass er unheilbar an Krebs erkrankt ist, verlässt er seine große Liebe Vanessa Carlysle (Morena Baccarin) und nimmt an einem geheimen Programm teil, das ihn heilen soll. Mad-Scientist Ajax (Ed Skrein, hier wesentlich überzeugender als in „The Transporter Refueled“) verantwortet mit sadistischer Lust die schmerzhafte Operation. Danach ist Wilson vom Krebs geheilt, hat übermenschliche Selbstheilkräfte und sieht absolut abstoßend aus. Nur seine große Klappe übersteht die Operation unverändert. Er will, dass Ajax das mit dem Aussehen rückgängig macht und er will sich an ihm für die ihm zugefügten Schmerzen rächen; was eigentlich zwei sich widerstrebende Ziele sind. Und dann, als Zugabe, entführt der Bösewicht auch noch Wilsons Freundin.
Gut, das ist nicht wirklich die stärkste „Deadpool“-Geschichte. Denn gerade die Origin-Story und Liebesgeschichten interessierten „Deadpool“-Fans nie wirklich. Im Gegensatz zu anderen Superhelden hat Deadpool auch keine immer wiedergekäute Origin-Story und was man als Comicleser über Deadpools Vergangenheit weiß, kann auch ein Hirngespinst von Wade Wilson sein. Eine Nachwirkung der Operation, die ihn zu Deadpool machte.
Aber diese beiden Geschichten und auch alles andere wird in Tim Millers Spielfilmdebüt „Deadpool“ angenehm konsequent gegen den Strich gebürstet. Jedes Superheldenklischee, das es gibt, wird durch den Kakao gezogen und mit mindestens drei Sprüchen von Deadpool garniert. Dabei ist sein Humor meist pubertär, immer respektlos und damit auch erfrischend. Vor allem natürlich im bierernsten Superheldengenre, das schon in der Titelsequenz ordentlich parodiert wird und auch dem Hauptdarsteller gleich einige Klatschen gibt. Und so geht es weiter. Wade Wilsons große Liebe ist eine Prostituierte, die ihre Arbeit liebt. Seine Wohnung ist kein Abklatsch von Wayne Manor, sondern eine billige Mietwohnung, in der er Untermieter ist. Seine Gehilfin ist kein distinguierter Batman-Butler Alfred, sondern eine alte, blinde Afroamerikanerin, die auf jeden Cent angewiesen ist. Die Söldner treffen sich in einer quasi frauenfreien Kellerspelunke, die „Sister Margaret’s Home for Wayward Girls“ heißt. Undsoweiterundsofort wird Szene an Szene, Witz an Witz gereiht, während die eh schon nebensächliche Geschichte immer mehr zur absoluten Nebensache wird. „Deadpool“ funktioniert vor allem als Abfolge von Episoden und Szenen, in denen die Beteiligten sich ebenso kräftig wie liebevoll über das Superheldengenre lustig machen.
Dieser Spaß ist in jeder Sekunde spürbar und macht „Deadpool“ zu einem kurzweiligen Jungs-Vergnügen. Bis hin zur Marvel-typischen Szene nach dem Abspann dieses etwas anderen Superheldenfilms mit einem latent unzurechnungsfähigem, von psychischen Problemen und hehren Zielen angenehm unbelasteten Helden, der mindestens in jedem zweiten Satz eine popkulturelle Referenz unterbringt.
P. S.: Der läuft auch im IMAX in 2D. Und das ist gut so.
Aber das ist noch nicht alles. Ergänzend, aber vollkommen unabhängig vom Film, hat Panini „Die Deadpool-Anthologie“ (Untertitel) herausgeben. „Deadpool – Greatest Hits“ enthält elf Geschichten mit dem Söldner mit der großen Klappe, die eine gute, ziemlich kurze und sehr kurzweilige Einführung in die Welt von Deadpool sind. Denn die Bildergeschichten, die eine Bogen spannen von Deadpools erstem Auftritt (1991 in „The New Mutants 98: Der Anfang vom Ende“) bis zur Gegenwart („Deadpool 27: Die Hochzeit von Deadpool“ [wer’s glaubt]) werden ergänzt durch informative Vorbemerkungen, die die Geschichten in jeder Beziehung in die Deadpool-Welt einordnen. Vorbildlich und für Neueinsteiger und Altfans sehr informativ.
Wer es kürzer haben will, kann sich „Das Film-Special“ zulegen, das die ebenfalls in „Deadpool: Greatest Hits“ enthaltene Geschichte „Der große Kinofilm“ enthält. Thriller-Autor Duane Swierczynski schrieb 2010 diese Geschichte, in der Wade Wilson sein Leben gerne als Hollywood-Film sehen möchte. Dafür erzählt er einem Drehbuchautor seine Lebensgeschichte und wir erfahren einiges über Hollywood und auch einiges über die Herkunft von Wade Wilson. Denn das ist für einen Hollywood-Film wichtig.
Deadpool: Greatest Hits – Die Deadpool-Anthologie Panini, 2016 324 Seiten
24,99 Euro Duane Swierczynski (Autor)/Leandro Fernandez (Zeichner): Deadpool: Das Film-Special (übersetzt von Jürgen Petz) Panini, 2016 52 Seiten
3,99 Euro
– Originalausgabe
X-Men Origins: Deadpool: The Major Motion Picture
Marvel, September 2010
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P. P. S.: Die beiden „Deadpool“-Drehbuchautoren Rhett Reese und Paul Wernick sitzen bereits am Drehbuch für den zweiten „Deadpool“-Film. Regisseur Tim Miller soll auch wieder dabei sein. Ryan Reynolds sowieso.
Eigentlich könnte ich jetzt die Hälfte meiner „Mad Max: Fury Road“-Besprechung wiederverwenden. Denn „Star Wars: Vor dem Erwachen“ besteht aus drei von Greg Rucka geschriebenen Kurzgeschichten, die vor dem neuen „Star Wars“-Film „Das Erwachen der Macht“ spielen und in denen wir einiges über drei Hauptfiguren des Films erfahren. Allerdings auch nichts weltbewegendes und nichts, was wir uns nicht schon beim Film gedacht haben. Es sind im besten Fall Geschichten, die vielleicht einmal in einer frühen Fassung des Drehbuchs waren und dann -zu Recht – herausgekürzt wurde. Insofern ist „Vor dem Erwachen“ erfrischend überflüssig.
So erzählt Greg Rucka von Finns Ausbildung als Sturmtruppler. Er ist natürlich der Beste in seiner Einheit und seine Vorgesetzten setzen große Hoffnungen in ihn. Dummerweise plagt ihn schon da sein Verantwortungsgefühl und sein Gewissen. Er hilft lieber dem schwächsten Mitglied seiner Einheit, als ihn sich selbst zu überlassen. Die Geschichte endet mit dem Flug nach Jakku, wo der Film wenige Minuten später beginnt.
Mit seinem Gewissen hat Poe Dameron keine Probleme. Der Pilot der Republik (also der Guten) ist der Sohn von kampferprobten Piloten (was dann auch eine Verbindung zur originalen „Krieg der Sterne“-Trilogie herstellt). Jetzt entdeckt er durch wagemutige Manöver (also Verstößen gegen Anweisungen und Vorschriften) Raumschiffe der bösen Ersten Ordnung. General Leia Organa holt ihn in eine Spezialtruppe, den Widerstand, und gleich bei seinem ersten „Mission: Impossible“-Auftrag entdeckt er Hinweise auf noch größere Pläne der Bösewichter. Leia schickt ihn nach Jakku zu Lor San Tekka, wo der Film wenige Minuten später mit einem Gespräch zwischen Poe und Lor San Tekka beginnt.
Auf Jakku ist Rey schon länger als Schrottsammlerin, die auf irgendjemand, der sie abholen soll, wartet. Nach einem Sturm entdeckt sie ein gut erhaltenes Raumschiffwrack, das sie herrichten und für viel Geld an den örtlichen Schrotthändler verkaufen möchte. Als die Schrottsammler Devi und Strunk ihr ihre Hilfe anbieten, fragt sie sich, ob sie ihnen vertrauen kann.
Alle drei von Greg Rucka geschriebenen Geschichten lassen sich flott lesen und sie sind, weil sie vor dem Film spielen, unabhängig von dem Film verstehbar. Letztendlich sind die Geschichten kaum ummäntelte Charakterszenen, die, wie gesagt, normalerweise aus einem Film herausgeschnitten würden, weil sie die Haupthandlung nicht voran bringen und wir in ihnen auch nichts erfahren, was wir nicht in anderen Szenen genausogut oder besser erfahren würden.
Insofern sind sie vor allem Lesefutter für die „Star Wars“-Hardcorefans, die einfach alles dazu lesen müssen.
Für Greg-Rucka-Komplettisten, eine in Deutschland sicher sehr rare Spezis, ist „Star Wars: Vor dem Erwachen“ natürlich auch wichtig.
Mich erinnerten sie daran, dass ich mal wieder einen Roman von Greg Rucka lesen sollte.
– Greg Rucka: Star Wars: Vor dem Erwachen (übersetzt von Marc Winter) Panini Books, 2016 224 Seiten
9,99 Euro
– Originalausgabe
Star Wars: Before the Awakening
Disney/Lucasfilm, 2015
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