TV-Tipp für den 18. April: Jojo Rabbit

April 17, 2022

Pro7, 20.15

Jojo Rabbit (Jojo Rabbit, USA 2019)

Regie: Taika Waititi

Drehbuch: Taika Waititi

LV: Christine Leunens: Le ciel en cage, 2007

Jojo Rabbit hat einen imaginären Adolf Hitler als Freund und eine reale Jüdin versteckt in der Dachkammer. Und weil der zehnjährige Jojo in Deutschland während des Zweiten Weltkriegs lebt, stellt vor allem der sehr weibliche Hausgast ein Problem da.

TV-Premiere. Herrlich gelungene und abgedrehte Kömodie. Auch ohne Blutsauger.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Roman Griffin Davis, Thomasin McKenzie, Taika Waititi, Scarlett Johansson, Sam Rockwell, Rebel Wilson, Stephen Merchant, Alfie Allen

Wiederholung: Dienstag, 19. April, 03.25 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Moviepilot über „Jojo Rabbit“

Metacritic über „Jojo Rabbit“

Rotten Tomatoes über „Jojo Rabbit“

Wikipedia über „Jojo Rabbit“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Taika Waititi „5 Zimmer Küche Sarg“ (What we do in the Shadows, Neuseeland 2014)

Meine Besprechung von Taika Waititis „Thor: Tag der Entscheidung“ (Thor: Ragnarok, USA 2018)

Meine Besprechung von Taika Waititis „Jojo Rabbit“ (Jojo Rabbit, USA 2019)


Neu im Kino/Filmkritik: „The Innocents“ sind Kinder mit besonderen Fähigkeiten

April 17, 2022

Vier Kinder – die neu zugezogene neunjährige Ida, ihre ältere autistische Schwester Anna, Ben und Aisha – lernen sich in Norwegen im Sommer in einer malerisch am Wald gelegenen Hochhaussiedlung kennen. Beim Spielen entdecken sie, dass sie über besondere Fähigkeiten verfügen, die sie kindlich unschuldig und neugierig erforschen. Untereinander, an Tieren und auch an Menschen. Sie können Gedanken lesen, stumm über große Entfernungen miteinander kommunizieren, Gegenstände bewegen, Knochen brechen und das Verhalten von anderen Menschen beeinflussen. Sie können sogar Menschen dazu bringen, zu töten. Und da hört der Spaß auf.

The Innocents“ ist wegen seiner Atmosphäre und einer Geschichte, die von Stephen King sein könnte, eindeutig ein Horrorfilm. Allerdings ist Eskil Vogts Film keiner dieser Horrorfilme, in denen Kinder von teuflischen Mächten besessen sind und sie die Erwachsenen in Angst und Schrecken versetzen. Die Erwachsenen, die im Film eh nur eine Nebenrolle haben, haben keine Ahnung, von den Fähigkeiten dieser vier Kinder. Und besessen sind Ida, Anna, Ben und Aisha auch nicht. Eher schon haben sie, wie Superhelden, besondere Fähigkeiten, die sie ausprobieren. Ohne einen moralischen Kompass. Aber begeistert, wenn eines ihrer Experiment funktioniert. So wollen sie keine Menschen töten, aber sie wollen herausfinden, ob sie es mit der Kraft ihrer Gedanken könnten.

Vogt erzählt seine Geschichte mit wenigen Dialogen. Oft wirkt der Film sogar wie ein Stummfilm. Er beobachtet die vier Kinder bei ihren zunehmend weniger unschuldigen und naiven Experimenten. Denn sie können ihre Kräfte zunehmend besser kontrollieren. Ben wächst dabei schnell in die Rolle des Bösewichts. Denn er scheut sich nicht, seine Kräfte für seine Ziele einzusetzen und Menschen, die sich ihm in den Weg stellen, zu töten.

Das Finale ist ein Aufeinandertreffen der „Superhelden“ (jedenfalls von ihren Fähigkeiten), das hochdramatisch und realistischer als jedes Superheldenfinale ist. Denn hier bleibt der Spielplatz der Superhelden in Ordnung.

Nach „Blind“ ist „The Innocents“ Eskil Vogts zweiter Spiefilm. Er arbeitet regelmäßig mit Joachim Trier zusammen. Zusammen verfassten sie die Drehbücher für Triers Filme „Auf Anfang“, „Oslo, 31. August“, „Louder than Bombs“, „Thelma“ und, demnächst, „Der schlimmste Mensch der Welt“. In dem breit abgefeiertem Film gibt es keinerlei übernatürliche Elemente und auch keine Horrorelemente. Es ist eine Komödie über eine junge Frau und ihrer Suche nach ihren Platz in der Welt.

The Innocents (De uskyldige, Norwegen 2021)

Regie: Eskil Vogt

Drehbuch: Eskil Vogt

mit Rakel Lenora Fløttum, Alva Brynsmo Ramstad, Mina Yasmin Bremseth Asheim, Sam Ashraf, Ellen Dorrit Petersen, Morten Svartveit, Kadra Yusuf, Lisa Tønne

Länge: 117 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Moviepilot über „The Innocents“

Metacritic über „The Innocents“

Rotten Tomatoes über „The Innocents“

Wikipedia über „The Innocents“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 17. April: Logan Lucky

April 16, 2022

Pro7, 23.15

Logan Lucky (Logan Lucky, USA 2017)

Regie: Steven Soderbergh

Drehbuch: Rebecca Blunt

Nach seiner Entlassung bei einer Baufirma hat Jimmy Logan einen Plan: während eines Nascar-Rennens will er die Einnahmen klauen. Er braucht dabei nur etwas Hilfe und seine Helfer sehen nicht wie vertrauenswürdige Diebe, sondern wie dusselige Hinterwäldler aus.

Wundervoll leichtfüßige und vertrackte Gaunerkomödie von Steven Soderbergh. Sozusagen die Hillbilly-Version von „Ocean’s Eleven“. Dass der minutiös präsentierte und durchgeführte Plan für den Diebstahl in der Realität so wahrscheinlich funktionieren würde, ist da egal.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

Inzwischen ist auch das Rätsel um die Identität der Drehbuchautorin Rebecca Blunt enthüllt. Es ist Soderberghs Frau Jules Asner.

mit Channing Tatum, Adam Driver, Daniel Craig, Seth MacFarlane, Riley Keough, Katie Holmes, Katherine Waterston, Dwight Yoakam, Sebastian Stan, Jack Quaid, Brian Gleeson, Farrah Mackenzie, Hilary Swank

Wiederholung: Dienstag, 19. April, 01.20 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Moviepilot über „Logan Lucky“

Metacritic über „Logan Lucky“

Rotten Tomatoes über „Logan Lucky“

Wikipedia über „Logan Lucky“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Girlfriend Experience – Aus dem Leben eines Luxus-Callgirls” (The Girlfriend Experience, USA 2009)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Contagion“ (Contagion, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Haywire” (Haywire, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Magic Mike” (Magic Mike, USA 2012)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Side Effects – Tödliche Nebenwirkungen“ (Side Effects, USA 2013)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Liberace – Zu viel des Guten ist wundervoll (Behind the Candelabra, USA 2013)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Logan Lucky“ (Logan Lucky, USA 2017) und der DVD

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Unsane: Ausgeliefert“ (Unsane, USA 2018)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „No sudden move“ (No sudden move, USA 2021)

Steven Soderbergh in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: In Sean Bakers „Red Rocket“ will ein Pornostar durchstarten

April 16, 2022

Sean Baker, der Regisseur der grandiosen Filme „Tangerine L. A.“ und „The Florida Project“, ist zurück und er bleibt sich treu. Mit unbekannten Schauspielern und spontan engagierten Laien drehte er vor Ort. Und wieder spielt die Geschichte in einem Milieu, das so selten im Kino gezeigt wird.

Dieses Mal dreht sich alles um Mikey Saber. Der 41-jährige kehrt aus Hollywood zurück in seine alte Heimatstadt, die er niemals wieder besuchen wollte. In Hollywood war er ein Filmstar. In Pornos. Jetzt hat er in der Stadt der Träume so massive Geldprobleme, dass er sich gerade so ein Busticket leisten konnte. In Texas City, einer Hafenstadt an der Golfküste mit Ölraffinerien in der Sichtweite vom Haus seiner Frau, klopft er bei seiner Immer-noch-Ehefrau Lexi an die Tür.

Dort ist er ungefähr so willkommen wie ein Tripper.

Trotzdem darf er bei ihr und ihrer Mutter, die beide in der heruntergekommenen und versifften Hütte hausen (die Bretterbude ging bei uns noch nicht einmal als Gartenhaus ohne Wohnzweck durch), wohnen. Zunächst nur für einige Tage, die dann zu Wochen werden.

Er sucht eine Arbeit. Weil er viele Jahre in der Pornobranche arbeitete und er diese Jahre in seinem Lebenslauf verschweigt, klafft eine jahrelange Lücke in ihm. Diese versucht er meist erfolglos mit seinem Charme zu füllen. Er hängt im Donut Hole ab. Der in Sichtweite der Raffinerien liegende Laden heißt wirklich so und musste für den Film nicht umbenannt werden. Dort scharwenzelt er um die siebzehnjährige Bedienung Strawberry herum. Er fantasiert ihr gegenüber etwas von einer großen Chance in Hollywood, die sie mit ihm hätte, während er ziemlich eindeutig mit ihr Sex haben möchte. Er beginnt mit Drogen zu handeln. Für diese Arbeit braucht der immer großspurig-optimistische Sonnyboy keinen lückenlosen Lebenslauf.

Und er hat ein Talent, seine Probleme zielsicher zu vergrößern.

Daher ist, wenn er am Filmanfang den Bus verlässt, klar, in welche Richtung sich seine Rückkehr in seine alte Heimat entwickeln wird.

Und trotzdem fühlen wir mit diesem großmäuligen Unsympath. Das liegt an Simon Rex, der den Blender Mikey Saber als einen Mann spielt, der letztendlich immer noch ein die Wirklichkeit ignorierendes, an den amerikanischen Traum glaubendes Kind ist. Für Rex ist die Rolle dieses Schmarotzers, nachdem er schon seit den Neunzigern in Filmen und TV-Serien auftritt, der Durchbruch. Bis jetzt ist er als Schauspieler vor allem durch mehrere „Scary Movie“-Komödien bekannt. Außerdem ist er der Rapper ‚Dirt Nasty‘.

Sean Baker erzählt seine Schwarze Komödie mit spürbarer Sympathie für Saber und die Menschen, die er in Texas City trifft. Er verschließt aber nie die Augen vor ihren Defiziten und ihren prekären Lebensumständen, die mit ‚ärmlich‘ noch zu positiv beschrieben sind.

Er drehte „Red Rocket“, wie seine vorherigen Filme, mit einem geringem Budget, einer kleinen Kerncrew von weniger als zehn Leuten, vor Ort mit vielen Laiendarstellern und Zufallsentdeckungen. Die Dreharbeiten waren, während der Coronavirus-Pandemie, in Texas City an 23 Tagen im Herbst 2020. Spielen tut der Film im Sommer 2016, vor der Wahl von Donald Trump zum Präsidenten der USA, der ein Bruder im Geist von Saber ist. Beiden gelingt es, andere Menschen zu verführen (wobei ich Trump schon immer für einen talent- und charmefreien Hohlkopf hielt) und in ihren Bannkreis zu ziehen. Beiden sind andere Menschen und ihre Gefühle egal. Schließlich gibt es für sie nur eine wichtige Person im Universum.

Witzig aus europäischer Sicht ist die auch in „Red Rocket“ sichtbare US-amerikanische Prüderie. So gibt es zwar für einen US-Film viel nackte Haut zu sehen, aber den früheren Pornostar Mikey Saber sehen wir nur einmal nackt. Das macht die sehenswerte Komödie jetzt nicht besser oder schlechter, aber es verrät einiges über die US-Gesellschaft.

Red Rocket (Red Rocket, USA 2021)

Regie: Sean Baker

Drehbuch: Sean Baker, Chris Bergoch

mit Simon Rex, Bree Elrod, Suzanna Son, Brenda Deiss, Judy Hill, Brittney Rodriguez, Ethan Darbone, Shih-Ching Tsou, Parker Bigham

Länge: 131 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Red Rocket“

Metacritic über „Red Rocket“

Rotten Tomatoes über „Red Rocket“

Wikipedia über „Red Rocket“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Sean Bakers „Tangerine L. A.“ (Tangerine, USA 2015)

Meine Besprechung von Sean Bakers „The Florida Project“ (The Florida Project, USA 2017)

Die Pressekonferenz in Cannes nach der Weltpremiere des Werkes

Eine Fragestunde mit Sean Baker und Teammitgliedern zum Film in Austin

 


TV-Tipp für den 16. April: Die geliebten Schwestern

April 15, 2022

ARD Alpha, 20.15

Die geliebten Schwestern (Deutschland/Österreich 2013/2014)

Regie: Dominik Graf

Drehbuch: Dominik Graf

Dominik Grafs wunderschöner Film über die Beziehung von Friedrich Schiller zu den Schwestern Charlotte und Caroline von Lengefeld.

Alles weitere in meiner ausführlichen Besprechung.

ARD Alpha zeigt wahrscheinlich die gut dreistündige Berlinale-Fassung.

mit Hannah Herzsprung, Florian Stetter, Henriette Confurius, Claudia Messner, Ronald Zehrfeld, Maja Maranow, Anne Schäfer, Andreas Pietschmann, Michael Wittenborn

Hinweise

Filmportal über „Die geliebten Schwestern“

Moviepilot über „Die geliebten Schwestern“

Metacritic über „Die geliebten Schwestern“

Rotten Tomatoes über „Die geliebten Schwestern“

Wikipedia über Friedrich Schiller und über „Die geliebten Schwestern“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Dominik Grafs „Schläft ein Lied in allen Dingen“

Meine Besprechung der von Dominik Graf inszenierten TV-Serie  „Im Angesicht des Verbrechens“

Meine Besprechung von Johannes F. Sieverts Interviewbuch „Dominik Graf – Im Angesicht des Verbrechens: Fernseharbeit am Beispiel einer Serie“

Meine Besprechung von Chris Wahl/Jesko Jockenhövel/Marco Abel/Michael Wedel (Hrsg.) “Im Angesicht des Fernsehens – Der Filmemacher Dominik Graf”

Meine Besprechung von Dominik Grafs “Die geliebten Schwestern” (Deutschland/Österreich 2013/2014)

Meine Besprechung von Dominik Grafs Erich-Kästner-Verfilmung „Fabian oder Der Gang vor die Hunde“ (Deutschland 2021)

Dominik Graf in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: „Alles ist gutgegangen“ in François Ozons 20. Spielfilm

April 15, 2022

Um das selbstbestimmte Sterben geht es in François Ozons neuem Film „Alles ist gutgegangen“, der auf einer wahren Geschichte von Emmanuèle Bernheim basiert. Die früh verstorbene Pariserin Emmanuèle Bernheim (30. November 1955 – 10. Mai 2017) war Roman- und Drehbuchautorin. So arbeitete sie mit Ozon bei „Unter dem Sand“ (Sous le Sable, 2000), „Swimming Pool“ (2003) und „5×2 – Fünf mal zwei“ (5×2, 2004) zusammen. Ihre Bücher, zu denen „Das Klappmesser“, „Ein Liebespaar“, „Die Andere“ und „Der rote Rock“ (verfilmt von Claire Denis) gehören, erschienen bei Klett-Cotta und Hanser.

Als der immer noch sehr fidele 84-jährige Kunstsammler und Fabrikant André Bernheim (André Dussollier) einen Schlaganfall hat, bittet er seine Tochter Emmanuèle (Sophie Marceau) ihm beim Sterben zu helfen. Seine andere Tochter Pascale (Géraldine Pailhas), die als Kind ebenfalls unter dem dominantem Vater gelitten hat, ist etwas verkrätzt, weil sie nicht gefragt wurde. Trotzdem raufen sich die beiden Schwestern zusammen.

Emmanuèle Bernheim schrieb anschließend das mit dem „Grand prix des lectrices de Elle“ ausgezeichnete Buch „Alles ist gutgegangen“ (Tout s’est bien passé, 2013) über den Tod ihres Vaters. Schon vor dem Erscheinen des Buches fragte sie François Ozon, ob er es verfilmen möchte. Aber er wusste zunächst nicht, wie er ihre Geschichte zu seiner Geschichte machen könnte. Auch andere Regisseure interessierten sich für die Geschichte. Nach ihrem Tod bemühte er sich wieder um die Geschichte und er fand den für ihn richtigen Zugang.

Chronologisch erzählt er, wie die Schwestern Emmanuèle und Pascale mit dem Wunsch ihres Vaters hadern, ihn vom Gegenteil überzeugen wollen und ihn ihm letztendlich doch erfüllen. Es geht dabei auch um die Beziehungen innerhalb einer wohlhabenden, kunstaffinen französischen Familie, in der der Vater ein Kunstsammler, die Mutter Claude de Soria eine bedeutende Bildhauerin, eine Tochter Organisatorin von Klassik-Festivals und die andere eine bekannte Autorin (und verheiratet mit dem Direktor der Cinémathèque française) ist. Das ist natürlich ein Blick in eine sonst von der Öffentlichkeit abgeschirmte Welt und hat etwas von einer Familienaufstellung. Dabei entfaltet sich das problematische Beziehungsgeflecht innerhalb der Familie Bernheim entlang der Frage, ob der Wunsch des nach dem Schlaganfall gelähmten und von fremder Hilfe abhängigem Patriarchen nach einem selbstbestimmten Tod erfüllt werden soll.

Und damit geht es auch um die Frage der Sterbehilfe. Hier spielt die von Hanna Schygulla gespielte Sterbehelferin eine entscheidende Rolle. Sie erklärt die Gesetze dazu in Frankreich (verboten) und in der Schweiz (erlaubt, wenn auf bestimmte Dinge geachtet wird) und als Vertreterin eines Sterbehilfevereins hat sie eine eindeutige Position dazu.

Im Rahmen der Filmgeschichte sind die unterschiedlichen Regeln in Frankreich und der Schweiz nicht der Auftakt zu einer Diskussion über diese Regeln. Sie dienen am Filmende als spannungssteigerndes Element.

Im Mittelpunkt von Ozons selbstverständlich sehenswertem Abschiedsdrama „Alles ist gutgegangen“ steht die Beziehung der beiden Schwestern Emmanuèle und Pascale zueinander und zu ihrem Vater und wie sie sich von seinem Schlaganfall bis zu seinem Tod entwickelt.

Alles ist gutgegangen (Tout s’est bien passé, Frankreich 2021)

Regie: François Ozon

Drehbuch: François Ozon, Philippe Piazzo (Mitarbeit)

LV: Emmanuèle Bernheim: Tout s’est bien passé, 2013 (Alles ist gutgegangen)

mit Sophie Marceau, André Dussollier, Géraldine Pailhas, Charlotte Rampling, Éric Caravaca, Hanna Schygulla, Grégory Gadebois

Länge: 109 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Französische Homepage zum Film

AlloCiné über „Alles ist gutgegangen“

Moviepilot über „Alles ist gutgegangen“

Metacritic Über „Alles ist gutgegangen“

Rotten Tomatoes über „Alles ist gutgegangen“

Wikipedia über „Alles ist gutgegangen“ (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von Francois Ozons “In ihrem Haus” (Dans la Maison, Frankreich 2012)

Meine Besprechung von Francois Ozons ”Jung & Schön” (Jeune & jolie, Frankreich 2013)

Meine Besprechung von Francois Ozons „Eine neue Freundin“ (Une nouvelle amie, Frankreich 2014)

Meine Besprechung von François Ozons „Frantz“ (Frantz, Deutschland/Frankreich 2016)

Meine Besprechung von François Ozons „Der andere Liebhaber“ (L’Amant Double, Frankreich/Belgien 2017)

Meine Besprechung von François Ozons „Gelobt sei Gott“ (Grâce à Dieu, Frankreich 2019)

 


TV-Tipp für den 15. April: Kindeswohl

April 14, 2022

ZDF, 22.00

Kindeswohl (The Children Act, Großbritannien 2017)

Regie: Richard Eyre

Drehbuch: Ian McEwan

LV: Ian McEwan: The Children Act, 2014 (Kindeswohl)

Familienrichterin Fiona Maye muss entscheiden, ob ein an Leukämie erkrankter Siebzehnjähriger eine Bluttransfusion erhalten soll. Seine Eltern lehnen aus religiösen Gründen die lebensrettende Maßnahme ab.

TV-Premiere. In jeder Beziehung starkes Drama, in dem es auch um das Privatleben der Richterin geht. Aus aktuellem Anlass können wir in Gedanken „Transfusion“ durch „Impfung“ ersetzen.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Emma Thompson, Stanley Tucci, Fionn Whitehead, Anthony Calf, Jason Watkins, Ben Chaplin, Nikki Amuka-Bird, Rosie Cavaliero, Eileen Walsh

Die Vorlage

Ian McEwan: Kindeswohl

(übersetzt von Werner Schmitz)

Diogenes, 2018 (Filmausgabe)

224 Seiten

12 Euro

Deutsche Erstveröffentlichung

Diogenes, 2015

Taschenbuchausgabe

Diogenes, 2016

Originalausgabe

The Children Act

Jonathan Cape Ltd., London, 2014

Hinweise

Moviepilot über „Kindeswohl“

Metacritic über „Kindeswohl“

Rotten Tomatoes über „Kindeswohl“

Wikipedia über „Kindeswohl“ (deutsch, englisch)

Homepage von Ian McEwan

Perlentaucher über „Kindeswohl“

Meine Besprechung von Richard Eyres Ian-McEwan-Verfilmung „Kindeswohl“ (The Children Act, Großbritannien 2017)


Neu im Kino/Filmkritik: „The Contractor“ Chris Pine liefert 08/15-Actionkost – mit Berlin-Bildern

April 14, 2022

James Harper hat wirklich Pech. Aus der Armee wurde der Special Forces Sergeant ehrenhaft, aber ohne Anspruch auf Pension und Gesundheitsleistungen entlassen. Gerade diese bräuchte er, um die Schmerzen in seinem Knie zu lindern. Außerdem hat er massive Geldprobleme. Er steht kurz vor einer Zwangsvollstreckung und Insolvenz. Und er hat keine Ahnung, wie er für seine Frau und seinen kleinen Sohn sorgen kann.

Da trifft er seinen früheren Armeekameraden Mike Denton. Der bietet ihm eine königlich bezahlte Stelle in der Söldnerfirma von Rusty Jennings an, die auch irgendwie für das Militär verdeckte Operationen ausführt. Harper ist einverstanden. Schließlich handelt es sich hier nicht nur um das beste Jobangebot, sondern um das einzige Jobangebot, das er die vergangenen Wochen erhalten hat.

Der erste Auftrag führt ihn für zwei, höchstens drei Wochen nach Berlin. Er soll Salim Mohsin beobachten. Mohsin ist Virologe, der in einem privaten Labor in der Nähe von Berlin forscht. Irgendetwas mit Viren. Außerdem soll er Beziehungen zu Al-Qaida haben. Kurz darauf erhalten Harper und seine deutsche Kontaktperson einen neuen Auftrag: sie sollen in das Labor einbrechen und Mohsins Computer mit allen Informationen über die von ihm entwickelte Bioterror-Waffe stehlen. Die Aktion geht schief. Harper wird gejagt und er weiß nicht mehr, ob er seinem Freund Denton und seinem neuem Chef Jennings vertrauen kann.

The Contractor“ ist der neue Film von Tarik Saleh, der zuletzt den sehr gelungenen Polit-Thriller „The Nile Hilton Affair“ inszenierte. Chris Pine, Ben Foster, Kiefer Sutherland, Eddie Marsan, Fares Fares und Nina Hoss spielen mit.

Außerdem spielt die Geschichte hauptsächlich in Berlin. Das erfreut natürlich mein Hauptstadtherz, ist aber, auch weil es wahrscheinlich mehr schlechte als gute Berlin-Filme gibt, kein Qualitätskriterium. Sowieso beschränkten sich die Dreharbeiten in Berlin auf zwei Tage, an denen die immer wieder prominent in den Thriller eingefügten Berlin-Stadtansichten entstanden. Hauptsächlich bewegen Pine und seine Jäger sich am und um den Alexanderplatz herum, ein wenig geht es in Richtung Mitte und selbstverständlich nach Kreuzberg. Der größte Teil der Dreharbeiten war in Rumänien und der dortigen Hauptstadt Bukarest.

Regie und Besetzung wecken Erwartungen, die dann enttäuscht werden. Denn „The Contractor“ ist ein typischer B-Thriller, der nur wegen der Besetzung ins Kino kommt. Da ist nichts Originelles zu finden. Alles spielt sich so ab, wie wir es aus unzähligen schlechten Thrillern kennen. Die Story ist hanebüchen und vollkommen unlogisch. So sollen wir, um es bei einem Beispiel zu belassen, glauben, dass ein Wissenschaftler seine gesamten Daten nur auf einem Computer speichert, dass es keine Sicherungskopien gibt und dass er vollkommen allein forscht. Immerhin sind die Daten nicht auf einer Floppy Disk gespeichert.

The Contractor (The Contractor, USA 2022)

Regie: Tarik Saleh

Drehbuch: J.P. Davis

mit Chris Pine, Ben Foster, Gillian Jacobs, Kiefer Sutherland, Eddie Marsan, Fares Fares, Nina Hoss, Amira Casar

Länge: 104 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „The Contractor“

Metacritic über „The Contractor“

Rotten Tomatoes über „The Contractor“

Wikipedia über „The Contractor“

Meine Besprechung von Tarik Salehs „Die Nile Hilton Affäre“ (The Nile Hilton Incident, Schweden/Deutschland/Dänemark 2017)


Neu im Kino/Filmkritik: Über eine im Lehrerzimmer „Eingeschlossene Gesellschaft“

April 14, 2022

Freitagnachmittag, kurz vor Feierabend, in einem Gymnasium irgendwo in Deutschland: die Schüler haben die Schule bereits verlassen. Im Lehrerzimmer warten einige Lehrer gelangweilt auf das Wochenende. Da klopft jemand an die Tür. Es ist Manfred Prohaska (Thorsten Merten). Der Vater hat ein dringendes Anliegen. Die Abi-Zulassung seines Sohnes Fabian ist gefährdet. Ein Punkt fehlt ihm. Dieser entscheidende Punkt wurde ihm bei einer Latein-Hausarbeit verwehrt. Und damit könnte der Lateinlehrer ihm den Punkt geben. Wenn er nicht so ein verknöcherter, seine Macht auskostende Regelfanatiker wäre, der unter keinen Umständen seine Bewertungen mit anderen diskutieren möchte.

Also verlangt Prohaska von den zufällig anwesenden Lehrern, dass sie jetzt sofort über Fabians Abi-Zulassung sprechen – und Fabian am Ende ihrer Besprechung den nötigen Punkt geben.

Das ist die knallige Prämisse von Sönke Wortmanns neuestem Film „Eingeschlossene Gesellschaft“. Zuletzt verfilmte er fürs Kino französische Erfolgskomödien und erfolgreiche Theaterstücke („Contra“, „Der Vorname“, „Frau Müller muss weg!“). Dieses Mal ist es ein Hörspiel von Jan Weiler („Maria, ihm schmeckt’s nicht“, „Das Pubertier“). Und wieder sitzen die Pointen, wenn der ultrakonservative „Ich habe alles in meinem Buch notiert“-Lateinlehrer Klaus Engelhardt (Justus von Dohnányi), die Schüler ebenfalls abgrundtief verachtende ältliche Jungfer Heidi Lohmann (Anke Engelke), der zu seinen Schülern äußerst joviale Womanizer-Sportlehrer Peter Mertens (Florian David Fitz), der sich überall anbiedernde Schüleranwalt Holger Arndt (Thomas Loible), der nerdige Chemielehrer Bernd Vogel (Torben Kessler) und die genderbewusste Referendarin Sara Schuster (Nilam Farooq) sich im Lehrerzimmer angiften, übereinander herfallen, dabei kleine und große Geheimnisse und Peinlichkeiten enthüllen, um sich selbst kreisen und sich dabei selbstverständlich nicht für das von Prohaska aufgeworfene Problem interessieren. Bis kurz vor dem Ablauf von Prohaskas Ultimatum reden sie nicht über Fabians Note.

Das gesamte Kollegium besteht halt aus Trotteln, die, zu unserem Vergnügen, nichts auf die Reihe bekommen und alle ihre kleinen Geheimnisse haben, von enttäuschter Liebe über Pornokonsum und Denunziation bis hin zur Unterschlagung. Diese sechs Lehrer sind Klischeefiguren. Die Schauspieler übertreiben und füllen diese Klischees lustvoll aus. Das sorgt, im Stil einer Boulevard-Komödie, für Situationskomik, verbale Gemeinheiten und etliche Lacher.

Aber der ganze leichtgewichtige und kurzweilige Spaß kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass Prohaska ein Erpresser und Geiselnehmer ist, der sein Ziel so nicht erreichen kann.

Eingeschlossene Gesellschaft (Deutschland 2022)

Regie: Sönke Wortmann

Drehbuch: Jan Weiler (nach seinem Hörspiel)

mit Florian David Fitz, Anke Engelke, Justus von Dohnányi, Nilam Farooq, Thomas Loibl, Torben Kessler, Thorsten Merten, Nick Julius Schuck, Carl Benzschawel, Claudia Hübbecher, Jürgen Sarkiss, Serkan Kaya, Ronald Kukulies

Länge: 101 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Filmportal über „Eingeschlossene Gesellschaft“

Moviepilot über „Eingeschlossene Gesellschaft“

Meine Besprechung von Sönke Wortmanns „Frau Müller muss weg“ (Deutschland 2014)

Meine Besprechung von Sönke Wortmanns „Der Vorname“ (Deutschland 2018)


TV-Tipp für den 14. April: Little Big Man

April 13, 2022

Servus TV, 21.50

Little Big Man (Little Big Man, USA 1970)

Regie: Arthur Penn

Drehbuch: Calder Willingham

LV: Thomas Berger: Little Big Man, 1964 (Der letzte Held)

Der 121-jährige Exscout Jack Crabb, der als Indianer Little Big Man hieß, erzählt einem Historiker sein Leben zwischen Indianern und Weißen – und man verirrt sich hoffnungslos und extrem kurzweilig im Dickicht zwischen Fakten und Mythen, zwischen Verklärung und Entzauberung des Wilden Westens.

Der satirische Klassiker ist eine grandiose Mythenentzauberung und -bestätigung.

Dustin Hoffman spielte Jack Crabb vom jungen bis zum alten Mann.

mit Dustin Hoffman, Faye Dunaway, Martin Balsam, Richard Mulligan, Chief Dan George, Jeff Corey

Wiederholung: Freitag, 15. April, 01.35 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Little Big Man“

Wikipedia über „Little Big Man“ (deutsch, englisch)

Kriminalakte: Nachruf auf Arthur Penn und Geburtstagsgruß an Faye Dunaway


DVD-Kritik: Kinder und Drogen: „Platzspitzbaby“ und „Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“

April 13, 2022

Nein, die Coolness von „Trainspotting“ haben „Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ und „Platzspitzbaby“ nicht. Aber „Christiane F.“ ist schon ziemlich cool; – was immer das auch genau bedeuten mag. Beide Filme basieren auf wahren Geschichten. Einmal ist es die Geschichte einer dreizehnjährigen Süchtigen in West-Berlin, einmal die eines elfjährigen Kindes einer drogensüchtigen Mutter in der Schweiz.

1978 erzählte Christiane Felscherinow, die damals nur als ‚Christiane F.‘ bekannt war, den stern-Reportern Kai Hermann und Horst Rieck ihre Geschichte. Sie erschien zuerst in dem Magazin und später als Buch. Der Bestseller ist, im Gegensatz zu unzähligen anderen Sachbüchern, die nach einer Verkaufssaison in Antiquariaten verschwinden, immer noch regulär im Buchhandel erhältlich. Schnell war eine Verfilmung geplant, die dann von Bernd Eichinger und Uli Edel umgesetzt wurde. Beide standen damals am Anfang ihrer erfolgreichen Karrieren. Eichinger produzierte bis zu seinem Tod etliche Kassenhits. Edel dreht in Hollywood und Deutschland. Er war für einen Primetime Emmy und, mehrmals, den DGA Award der Directors Guild of America nominiert. Zu ihren gemeinsamen Filmen gehört auch 2008 „Der Baader Meinhof Komplex“.

Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ war in Deutschland ein Kinohit, der auch international erfolgreich lief. David Bowie hat einen Auftritt als David Bowie. Edel verwandte mehrere Bowie-Songs, die wirken, als seien sie für den Film geschrieben worden. Bowie veröffentlichte anschließend die sich sehr gut verkaufende Soundtrack-LP. Das war, zur Erinnerung, 1981. Damals war Bowie zwar schon bekannt, aber noch nicht der „Let’s dance“-Superstar.

Jetzt wurde Edels Film in 4K restauriert und mit Bonusmaterial als DVD, Blu-ray, 4K UHD und, selbstverständlich, digital veröffentlicht. Das ist die Gelegenheit, sich den Film, der einen legendären Ruf hat, anzusehen und aus heutiger Sicht zu beurteilen. Denn er wird fast nie im Fernsehen gezeigt. Arte zeigte ihn am 9. Februar 2022; davor lief er jahrzehntelang nicht im TV. Die bisherige DVD-Veröffentlichung war eine dieser lieblosen bonusfreien Veröffentlichung, die mich seit Jahren auf eine dem Film und seinem Status als Klassiker angemessene Veröffentlichung warten ließ.

Edel erzählt die wahre Geschichte von Christiane F., einem dreizehnjährigem Mädchen, das in West-Berllin in der Gropiusstadt bei einer allein erziehenden Mutter aufwächst und, wie Teenager nun mal sind, unbedingt in die angesagteste Discothek der Stadt möchte. Im „Sound“ trifft sie den etwas älteren Detlef. Sie bewundert ihn, befreundet sich mit ihm und seinen Freunden und rutscht schnell in die Drogenszene ab. Es ist ein Leben, in dem sich alles nur noch um den nächsten Schuss dreht. Um an das dafür nötige Geld – täglich 100 DM (das war damals viel Geld) – zu kommen, prostituieren sie sich. Er und seine Kumpels auf dem Schwulenstrich. Christiane auf dem Babystrich.

Als erstes fällt auf, wie fantastisch das Bild ist. Vor allem in der ersten Hälfte erinnern die Bilder vom nächtlichen Berlin an den ungefähr zeitgleich entstandenen Noir-Science-Fiction-Klassiker „Blade Runner“ und an die in den Neunzigern in Hongkong entstandenen fiebrigen Noir-Großstadtdramen von Regisseuren wie Wong Kar-Wai. Später, wenn Christiane zur Rauschgiftsüchtigen wird, spielt die Geschichte vor allem tagsüber oder in schmucklosen, teils sehr versifften Wohnungen. Das Bild wird dokumentarischer. Der Blick auf die damals real existierende offene Drogenszene, den Schwulen- und den Babystrich war damals erschreckend. So etwas hatte es im deutschen Film, trotz etlicher Jugenddramen, noch nicht gegeben. Auch heute sind die Bilder immer noch schockierend. Edel ließ, die Realtität nachbildend, seine Drogensüchtigen von Kindern spielen. So spielte Natja Bruckhorst die gleichaltrige Christiane F..

Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ ist ein grandioser, erfrischend undeutscher und heute immer noch packender Film. Ein fehlerfreier Film ist es nicht. Das Spiel der Kinder, in ihrer ersten und oft auch ihrer letzten Rolle (die meisten strebten einfach keine Filmkarriere an), ist vor allem am Filmanfang etwas hölzern. Die Dialoge, vor allem am Anfang, etwas zu didaktisch. So werden die Drogensüchtigen nicht müde, die Gefahren von Heroin zu betonen. Schon bevor Christiane zum ersten Mal die angesagte Droge konsumieren will, warnen Detlef und seine Freunde sie davor.

Auch erzählt Edel teils zu sprunghaft. So ist Christiane nach dem ersten Konsum sofort abhängig und knietief mit dem Beschaffen von Geld für ihren Konsum verstrickt.

Störend ist auch, dass er sich nur auf Christiane und ihre Freunde konzentriert und dabei die gesellschaftliche Dimension vollkommen ignoriert. Er liefert keine Gründe, warum sie abhängig werden. Sie tun es einfach. Der gesamte Film spielt in einer von der Gesellschaft vollkommen abgekapselten Blase.

Einige dieser Fehler liegen an den Drehbedingungen. Die dem Film zugrunde liegende Drehbuchfassung wurde erst kurz vor dem Film geschrieben und während des Drehs umgeschrieben. Die Schauspielerin, die Christianes Mutter spielt, durfte während des Drehs die DDR nicht mehr verlassen. Das erklärt ihr plötzliches Verschwinden aus dem Film. Im Audiokommentar vermutet Edel, dass das eine Strafe für ihren nicht genehmigten Dreh im Bahnhof Zoo war. Damals stand das Bahnhofsgebäude unter DDR-Aufsicht. Sie erhielten keine Drehgenehmigung. Aber Edel meinte während des Drehs, sie könnten unmöglich einen Film drehen, der „Die Kinder vom Bahnhof Zoo“ heißt und der keine Bilder vom Bahnhof Zoo hat. Die Außendrehs und die Drehs auf den U-Bahnsteigen waren kein Problem. Dort hatten sie eher Probleme mit den Junkies, die sich unter die Komparsen mischten.

Als Bonusmaterial gibt es in der aktuellen Ausgabe des Films ein gut halbstündiges Interview mit Christiane-F.-Darstellerin Natja Brunckhorst, einige Aufnahmen von den Screentests und einen sehr informativen Audiokommentar mit Regisseur Uli Edel, der von Stefan Jung und Marcus Stiglegger befragt wird.

Bei einer neuen Auflage, die dann gerne Deluxe-Edition heißen kann, sollten unbedingt die am 9. Februar 2022 auf Arte gezeigten, jeweils gut einstündigen Dokus „Im Rausch – Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ und „Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo – Lost Generation“ zum Bonusmaterial gehören. Es sind informative Dokus über den Film und die damalige Drogenszene, die sich fundamental von der heutigen Drogenszene unterscheidet. „Lost Generation“ kann noch bis zum 14. August 2022 in der Arte-Mediathek angesehen werden

Auch in der Schweiz gab es eine offene Drogenszene. In Zürich wurden die sich am Platzspitz und im Letten befindenden Drogenszenen 1995 aufgelöst. Die Süchtigen wurden in ihre Heimatstädte geschickt.

In „Platzspitzbaby“ erzählt Pierre Monnard die Geschichte von der elfjährigen Mia und ihrer drogensüchtigen, alleinerziehenden Mutter Sandrine. Er zeichnet präzise und aus Mias Perspektive das komplizierte Verhältnis von Mutter und Tochter nach. Er zeigt auch, wie Sandrine in ihrer neuen Heimat, einem Dorf im Zürcher Oberland, wieder Heroin nimmt.

Im Gegensatz zu „Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ fehlt in Monnards Film der grobe didaktische Hammer. Trotzdem ist die Warnung vor dem Drogenkonsum unübersehbar. Im Zentrum steht allerdings Mias Geschichte, ihre Beziehung zu ihrer Mutter und ihrem Vater, zu ihren Mitschülerinnen und zu einem nur in ihrer Fantasie existierendem Folksänger.

Insgesamt ist „Platspitzbay“ ein gut gemachter und gut gespielter TV-Film, der nie auch nur halbwegs so energisch wie „Christiane F.“ nach der großen Kinoleinwand strebt und Kinder (und das sind sie trotz ihres von der Nacht bestimmenten Lebensstil und ohne Eltern) die Nacht erobern lässt. Mit der Musik von David Bowie.

Auf der DVD ist, immerhin, neben der deutschen Fassung die schweizer Originalfassung vorhanden. Weiteres Bonusmaterial fehlt.

Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo (Deutschland 1981)

Regie: Ulrich Edel (aka Uli Edel)

Drehbuch: Herman Weigel

LV: Kai Hermann/Horst Rieck: Wir Kinder vom Bahnhof Zoo, 1978

mit Natja Brunkhorst, Thomas Haustein, Jens Kuphal, Reiner Wölk, Jan Georg Effler, Chrstiane Reichelt, David Bowie, Christiane Lechle

Blu-ray

EuroVideo

Bild: 1080p24 (1,78:1)

Ton: Deutsch (DTS-HD MA 5.1)

Untertitel: Deutsche Untertitel für Hörgeschädigte; Englisch

Bonusmaterial: Audiokommentar mit Regisseur Uli Edel und den Interviewern Stefan Jung und Marcus Stiglegger, Interview mit Natja Brunckhorst, Casting-Ausschnitte

Länge: 131 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Filmportal über „Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“

Moviepilot über „Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“

Rotten Tomatoes über „Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“

Wikipedia über „Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ (deutsch, englisch)

Platzspitzbaby (Schweiz 2020)

Regie: Pierre Monnard

Drehbuch: André Küttel

LV: Michelle Halbheer/Franziska K. Müller: Platzspitzbaby, 2013

mit Luna Mwezi, Sarah Spale, Anouk Petri, Delio Malär, Jerry Hoffmann

DVD

EuroVideo

Bild: 1.67.1 (16:9)

Ton: Deutsch, Schweizerdeutsch (DD 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: –

Länge: 96 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Moviepilot über „Platzspitzbaby“

Wikipedia über „Platzspitzbaby“


TV-Tipp für den 13. April: Das Neue Evangelium

April 12, 2022

Arte, 22.50

Das Neue Evangelium (Deutschland/Schweiz/Italien 2020)

Regie: Milo Rau

Drehbuch: Milo Rau

TV-Premiere. Milo Rau erzählt die Geschichte von Jesus Christus. Mit Laiendarstellern in der süditalienischen Stadt Matera, wo Pier Paolo Pasolini seinen Jesus-Film „Das erste Evangelium – Matthäus“ aufnahm. Auf diesen Film bezieht Rau sich immer wieder. Gleichzeitig verknüpft er seine Inszenierung des Evangeliums mit aktuellen Problemen.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung des Kinotipps der katholischen Filmkritik.

mit Yvan Sagnet, Marcello Fonte, Enrique Irazoqui, Maia Morgenstern, Papa Latyr Faye, Samuel Jacobs, Yussif Bamba, Jeremiah Akhere Ogbeide, Mbaye Ndiaye, Kadir Alhaji Nasir

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Das Neue Evangelium“

Moviepilot über „Das Neue Evangelium“

Wikipedia über Milo Rau

Meine Besprechung von Milo Raus „Das Neue Evangelium“ (Deutschland/Schweiz/Italien 2020)


TV-Tipp für den 12. April: Tatort: Der Fall Schimanski

April 11, 2022

WDR, 22.15

Tatort: Der Fall Schimanski (Deutschland 1991)

Regie: Hajo Gies

Drehbuch: Axel Götz, Thomas Wesskamp

Schimanski soll bestechlich sein. Er wird suspendiert und ermittelt auf eigene Faust.

Letzter Schimanski-Tatort mit einem legendärem Ende. Einige Jahre nach „der brillanten Schimanski-Persiflage“ (Eike Wenzel: Der Star, sein Körper und die Nation. Die Schimanski-TATORTe, in Wenzel, Hrsg.: Ermittlungen in Sachen TATORT, 2000) ging es mit der insgesamt durchwachsenen TV-Reihe „Schimanski“ weiter.

mit Götz George, Eberhard Feik, Chiem van Houweninge, Ulrich Matschoss, Ludger Pistor, Armin Rohde, Maja Maranow, Brigitte Janner, Jochen Senf (als Gastkommissar Palu)

Hinweise

Host-Schimanski-Fanseite

Wikipedia über „Tatort: Der Fall Schimanski“


TV-Tipp für den 11. April: Wo die grünen Ameisen träumen

April 10, 2022

Arte, 22.15

Wo die grünen Ameisen träumen (Deutschland 1984)

Regie: Werner Herzog

Drehbuch: Werner Herzog

Nach seinem Übererfolg „Fitzcarraldo“ und vor „Cobra Verde“, seinem letztem Film mit Klaus Kinski, brach Werner Herzog nach Australien auf. Dort drehte er einen Spielfilm über den Kampf eines Aborigines-Stamms gegen den Uran-Abbau der Mining Company. Dabei, immerhin ist es ein Spielfilm, vermengt er Fakten mit Fiktion.

Zwei zeitgenössische Bewertungen: „Herzog scheint unentschlossen gewesen zu sein, ob er eher dem von ihm erwarteten Mythizismus neuen Ausdruck geben oder einem akuten Thema, dem Konflikt von Ökologie contra Ökonomie, folgen sollte. Als halbherziger Kompromiss aus beiden enttäuscht der Film. Er erreicht nicht die Kraft von Herzogs großen Kinovisionen, hat aber auch nicht die engagierte Themennähe seiner Dokmentarfilme.“ (Fischer Film Almanach 1985)

zivilisationskritische Parabel (…) kein ökologischer Thesenfilm, sondern eine in faszinierenden Bildern, kontemplativem Rhythmus und nahezu heiterem Tonfall dargebotene Studie über das weltweite Vergehen von Hören und Sehen, das Verschwinden der Träume und die Verhärtung westlicher Denk- und Bewusstseinsformen.“ (Lexikon des internationalen Films)

Wo die grünen Ameisen träumen“ gehört immer noch zu Herzogs unbekannteren Filmen zwischen seinen Klassikern aus den Siebzigern (endend mit „Fitzcarraldo“) und seinem aus wenigen Spielfilmen und einer unüberschaubaren Menge von Dokumentarfilmen bestehendem Spätwerk.

Mit Bruce Spence, Wandjuk Marika, Roy Marika, Ray Barrett, Norman Kaye

Wiederholung: Mittwoch, 20. April, 00.15 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Filmportal über „Wo die grünen Ameisen träumen“

Rotten Tomatoes über „Wo die grünen Ameisen träumen“

Wikipedia über „Wo die grünen Ameisen träumen“

Meine Besprechung von Werner Herzogs „Königin der Wüste“ (Queen of the Desert, USA/Marokko 2015)

Meine Besprechung von Werner Herzogs „Salt and Fire“ (Salt and Fire, Deutschland/USA/Frankreich/Mexiko 2016)

Werner Herzog in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 10. April: Vollblüter

April 9, 2022

RTL II, 23.40

Vollblüter (Thoroughbreds, USA 2017)

Regie: Cory Finley

Drehbuch: Cory Finley

Die wohlbehütet aufwachsenden Teenager Lily und Amanda wollen Lilys Stiefvater umbringen. Helfen soll ihnen ein kleiner Drogenhändler, der natürlich nichts von dem wahren Plan der beiden Schönheiten ahnt.

TV-Premiere. Schöner, kleiner, fieser Noir-Thriller – und der letzte Film von Anton Yelchin.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung

mit Olivia Cooke, Anna Taylor-Joy, Anton Yelchin, Paul Sparks, Francie Swift, Kailie Vernoff

Hinweise

Moviepilot über „Vollblüter“

Metacritic über „Vollblüter“

Rotten Tomatoes über „Vollblüter“

Wikipedia über „Vollblüter“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Cory Finleys „Vollblüter“ (Thoroughbreds, USA 2017)


TV-Tipp für den 9. April: Red Rock West

April 8, 2022

ZDFneo, 00.10

Red Rock West (Red Rock West, USA 1992)

Regie: John Dahl

Drehbuch: John Dahl, Rick Dahl

Vollkommen abgebrannt landet Michael Williams in dem Kaff Red Rock. Dort wird er für einen Profikiller gehalten und erhält auch gleich das Honorar für den Mordauftrag. Dummerweise trifft kurz darauf der wirkliche Killer ein.

„‚Red Rock West‘ ist ein Film noir mit allen Qualitäten eines modernen Western, wie sie in den Romanen und Figuren von Jim Thompson zu finden sind. Es geht um Liebe, Mord und Verrat – schnörkellos, direkt und lakonisch inszeniert.“ (Fischer Film Almanach 1994)

Besser hätte ich es auch nicht formulieren können.

„Red Rock West“ ist ein Film aus einer Zeit, als man sich noch auf den nächsten Nicolas-Cage-Film freute.

mit Nicolas Cage, Dennis Hopper, Lara Flynn Boyle, J. T. Walsh

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Red Rock West“

Wikipedia über „Red Rock West“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Buch- und Filmkritik: Cohenmania: „Death of a Ladies‘ Man“ mit vielen Leonard-Cohen-Songs – und einige Worte zu Philippe Girards Comic-Biographie „Leonard Cohen: Lika a Bird on a Wire“

April 8, 2022

Samuel O’Shea ist Leonard-Cohen-Fan. Das macht ihn schon einmal grundsympathisch. Allerdings ist der Literaturprofessor auch ein alter Sack, Schürzenjäger und Trinker. Das macht ihn schon deutlich unsympathischer.

In letzter Zeit hat O’Shea zunehmend Wahnvorstellungen. Seine Ärztin diagnostiziert einen riesigen Tumor in seinem Gehirn. Bevor er sich darum kümmert, macht er sich von Montreal auf den Weg nach Irland zu einer einsam am Meer gelegenen Hütte und Matt Bissonettes Film beginnt zunehmend zu zerfasern. Das Spiel zwischen Realität und Halluzinationen wird immer chaotischer und willkürlicher. Die Geschichte immer beliebiger und auch egaler. O’Shea führt lange Gespräche mit seinem schon lange totem Vater. Er verliebt sich in eine jüngere Frau. Er wird, selbstverständlich wegen dieser Frau, zu einem Mörder. Oder auch nicht.

Der anfängliche Spaß über einen Lehrer, der mit der Wirklichkeit und seinem Leben hadert, weicht zunehmend dem Gefühl eines gelangweilten anything goes. Garniert und grundiert wird das mit sieben Songs von Leonard Cohen. Unter anderem „Heart with no Companion“, „Did I ever love you“, „Bird on the Wire“ und, selbstverständlich „Hallelujah“. Diese ausführlich ausgespielten Songs sind ein Pluspunkt des Films. Der andere ist Gabriel Byrne, der Samuel O’Shea spielt.

Aber auch er kann nichts daran ändern, dass am Ende die Enttäuschung überwiegt.

Death of a Ladies‘ Man (Death of a Ladies‘ Man, Kanada/Irland 2020)

Regie: Matt Bissonnette

Drehbuch: Matt Bissonnette

mit Gabriel Byrne, Jessica Paré, Brian Gleeson, Suzanne Clément, Antoine Olivier Pilon

Länge: 101 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Death of a Ladies‘ Man“

Metacritic über „Death of a Ladies‘ Man“

Rotten Tomatoes über „Death of a Ladies‘ Man“

Wikipedia über „Death of a Ladies‘ Man“

Erheblich näher an der Realität ist Philippe Girards Comic „Leonard Cohen: Like a Bird on a Wire“. Er rast auf nicht einmal hundertzehn Seiten durch Leonard Cohens Leben. Alle paar Seiten wird in ein neues Jahr gesprungen. Bekannte Musiker haben Kurzauftritte. Cohens Frauen ebenso. Aber ein roter Faden ist nicht erkennbar. Am Ende bleibt nur eine Abfolge von Episoden, die ohne ein Wissen über Cohens Leben und das Rockmusikbusiness fast unverständlich sind.

Eine verpasste Chance.

Philippe Girard: Leonard Cohen: Like a Bird on a Wire

(übersetzt von Anne Bergen)

Cross Cult, 2021

120 Seiten

25 Euro

Originalausgabe

Leonard Cohen – Sur un fil

Casterman, 2021

Hinweise

Wikipedia über Philippe Girard und über Leonard Cohen (deutsch, englisch)

AllMusic über Leonard Cohen

Homepage von Leonard Cohen

Meine Besprechung von Nick Broomfields Leonard-Cohen-Doku „Marianne & Leonard: Words of Love“ (Marianne & Leonard: Words of Love, USA 2019)


TV-Tipp für den 8. April: Elser

April 7, 2022

3sat, 20.15

Elser (Deutschland 2015)

Regie: Oliver Hirschbiegel

Drehbuch: Fred Breinersdorfer, Léonie-Claire Breinersdorfer

Packendes Drama über Georg Elser, der am 8. November 1939 im Münchner Bürgerbräukeller einen Bombenanschlag auf Adolf Hitler verübte.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

Wenn die Anfangszeiten im TV-Programm stimmen, wird eine rabiat auf 90 Minuten gekürzte Fassung des 114-minütigen Films gezeigt. Keine Ahnung warum. Denn die Kinofassung ist perfekt.

mit Christian Friedel, Katharina Schüttler, Burghart Klaußner, Johann von Bülow, Felix Eitner, David Zimmerschmied, Rüdiger Klink, Cornelia Köndgen, Martin Maria Abram, Udo Schenk

Hinweise

Filmportal über „Elser“

Moviepilot über „Elser“

Rotten Tomatoes über „Elser“

Wikipedia über „Elser“ und Georg Elser

Meine Besprechung von Oliver Hirschbiegels „Five Minutes of Heaven“ (Five Minutes of Heaven, GB 2009)

Meine Besprechung von Oliver Hirschbiegels „Diana“ (Diana, USA/GB 2013)

Meine Besprechung von Oliver Hirschbiegels „Elser“ (Deutschland 2015)  (mit Interviews mit Oliver Hirschbiegel über den Film) (und der DVD)

Meine Besprechung von Oliver Hirschbiegels „Der gleiche Himmel“ (Deutschland 2017)


Neu im Kino/Filmkritik: Jacques Audiard verrät „Wo in Paris die Sonne aufgeht“

April 7, 2022

Nein, das ist nicht das 13. Arrondissement, das wir aus Léo Malets Nestor-Burma-Roman „Die Brücke im Nebel“ kennen. Der Roman spielt in den Fünfzigern und Nestor muss den Mord an einem alten Freund, den er während seiner Zeit als Anarchist kennen lernte, aufklären. In Jacques Audiards, fast siebzig Jahre später, ebenfalls in diesem Pariser Viertel spielendem Film „Wo in Paris die Sonne aufgeht“ geht es um die Liebe und die Gefühle von Thirty-Somethings auf der Suche nach dem Sinn des Lebens.

Émilie hat die Elite-Schule Sciences Po erfolgreich abgeschlossen. Aber anstatt jetzt ihre berufliche Karriere zu beginnen, treibt sie von einem Gelegenheitsjob zum nächsten.

Sie wohnt im 13. Arrondissement in einer Wohnung, die sie sich leisten kann, weil sie ihrer im Heim liegenden Großmutter gehört. Um die Kosten weiter zu senken, nimmt sie regelmäßig Untermieter bei sich auf.

Ihr neuester Untermieter ist Camille. Der von seiner Arbeit frustrierte Literaturlehrer wird ihr Liebhaber. An einer längerfristigen Beziehung haben beide zunächst kein Interesse.

Da lernt er, inzwischen als heillos überforderter Immobilienmakler arbeitend, Nora kennen. Sie hat ihre Arbeit als Immobilienmaklerin in der Provinz aufgegeben. Sie will ihr Studium fortsetzen. Aber als Anfang-Dreißigjährige fremdelt sie mit dem Studienbetrieb und ihren jüngeren Mitstudierenden.

Als sie für eine Party eine Perücke aufzieht, wird sie von ihren Kommilitonen für das Cam-Girl Amber Sweet gehalten. Verstört verläßt sie die Party und nimmt später, via Webcam, Kontakt zur echten Amber Sweet auf.

Jacques Audiards neuer Film ist das Gegenteil von seinem Western „The Sisters Brothers“. „Wo in Paris die Sonne aufgeht“ ist nämlich ein kleiner SW-Film im Nouvelle-Vague-Stil. Audiard erzählt seinen lockeren Reigen von Liebe, Verlassenwerden, Enttäuschungen, Erwartungen und Verunsicherungen als einen lyrischen Ensemblefilm, in dem sich die Wege der vier jungen Menschen immer wieder kreuzen. Sie sind alle immer noch nicht Erwachsen, sondern zutiefst verunsichert über sich und ihre Lebenspläne. Sie stolpern von einer kurzen Beziehung zur nächsten. Sie wechseln ziellos zwischen Jobs und Studium. Nur Amber Sweet scheint ihren Platz gefunden zu haben. Deshalb ist das mit viel Humor gewürzte Drama auch ein Film über das Erwachsenwerden im 21. Jahrhundert. In der Großstadt.

Wo in Paris die Sonne aufgeht (Les Olympiades, Frankreich 2021)

Regie: Jacques Audiard

Drehbuch: Céline Sciamma, Léa Mysius, Jacques Audiard

LV: Adrian Tomine: Amber Sweet, Killing and Dying, Hawaiian Getaway (3 Comics)

mit Lucie Zhang, Makita Samba, Noémie Merlant, Jehnny Beth, Camille Léon-Fucien, Océane Cairaty, Anaïde Rozam, Pol White, Geneviève Doan

Länge: 106 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

AlloCiné über „Wo in Paris die Sonne aufgeht“

Moviepilot über „Wo in Paris die Sonne aufgeht“

Metacritic über „Wo in Paris die Sonne aufgeht“

Rotten Tomatoes über „Wo in Paris die Sonne aufgeht“

Wikipedia über „Wo in Paris die Sonne aufgeht“ (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von Jacques Audiards „The Sisters Brothers“ (The Sisters Brothers, Frankreich/Spanien/Rumänien/USA/Belgien 2018)


TV-Tipp für den 7. April: Die Paten von St. Pauli

April 6, 2022

Arte, 20.15

Die Paten von St. Pauli (Deutschland 2021)

Regie: Oliver Schwabe

Drehbuch: Oliver Schwabe

TV-Premiere. Aus drei 45-minütigen Teilen bestehende Doku, die Arte heute an einem Stück zeigt und die uns ein Bild von St. Pauli vermittelt, als St. Pauli die sündige Meile war. Für seine Doku wühlte Schwabe sich durch Archive und befragte Zeitzeugen; – seltsamerweise scheint allerdings St.-Pauli-Chronist Frank Göhre nicht dabei zu sein.

Hinweis

Arte über die Doku (bis 5. Juli 2022 in der Mediathek)