Neu im Kino/Filmkritik: Über Gaspar Noés „Vortex“

April 29, 2022

Beginnen wir mit der Wohnung in der das ältere Ehepaar anscheinend schon seit Jahrzehnten lebt und die das Flair einer seit den sechziger Jahren nicht mehr renovierten Wohnung ausstrahlt. Sie ist groß, aber auch zu klein. Viel zu klein. Sie ist vollgestopft mit Büchern und Erinnerungen an ihr gemeinsames und berufliches Leben. Das sind unter anderem Videocassetten, Plakate und Requisiten (vulgo Staubfänger) von Filmen. Und viele Büchern. Also wirklich immens viele Bücher, die auch noch alle aussehen, als seine sie mehrmals gelesen worden. Sogar auf dem Klo stapeln die Bücher sich ohne eine erkennbare Ordnung. Das habe ich bei mir noch nicht geschafft.

Bewohnt wird diese bewohnbare Bücherkammer von zwei Menschen, die im Film nur Sie/Mutter und Er/Vater heißen. Sie wird gespielt von Françoise Lebrun. Bekannt wurde sie 1973 mit Jean Eustaches „Die Mama und die Hure“. Zu ihren jüngeren Filmen gehören „Schmetterling und Taucherglocke“, „Séraphine“, „Julie & Julia“, „Die Nonne“, „Die Entführung des Michel Houellebecq“ und „Porto“.

Er wird gespielt von Dario Argento in seiner ersten Hauptrolle. In seinen Filmen hatte er ab und an Cameos, einmal sah man seine Hände und er war auch öfters in der Originalfassung der Erzähler. Zu seinen Filmen gehören die Giallos „Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe“ (sein Regiedebüt), „Rosso – Die Farbe des Todes“ (Profondo Rosso), „Suspiria“, „Tenebre“ und „Terror in der Oper“ (Opera). Er war auch am Drehbuch von „Spiel mir das Lied vom Tod“ beteiligt und er erstellte den legendären Europa-Cut von George A. Romeros „Zombie“ (Dawn of the Dead). Davor war er Filmkritiker. Diesen Beruf übte er jetzt auch in „Vortex“ aus. Seine Frau war Psychoanalytikerin. Jetzt hat sie Alzheimer in einem fortgeschrittenem Stadium. Sie vergisst immer mehr Sachen. Damit ist auch klar, in welche Richtung sich der Film, der mit einem glücklichen Moment zwischen beiden beginnt, bewegen wird und wie er endet. Denn beide sind immer weniger im Besitz ihrer geistigen und körperlichen Kräfte.

Aber wie Gaspar Noé diese sich im Lebenstempo alter Menschen entfaltende Geschichte erzählt, ist dann doch ungewöhnlich. Gedreht wurde ohne ein Drehbuch. Es gab nur eine ungefähr fünfzehnseitige Skizze. Sie war die Basis für die Improvisationen von Lebrun, Argento, ihrem Filmsohn Alex Lutz und einigen weiteren Schauspielern in kleineren Rollen. Noé, der ursprünglich nur in einigen Szenen die Splitscreen-Technik anwenden wollte, änderte während des Drehs seine Meinung. Jetzt läuft der gesamte Film in meistens zwei getrennten Bildern ab, die jeweils die halbe Leinwand beanspruchen und durch einen schwarzen Balken deutlich voneinender getrennt sind. Es sind Bilder und eine Gestaltung, die sich der üblichen Schnittdramaturgie widersetzen. Oft beobachtet Noé sie und ihn in langen Szenen. Oft ohne, selten mit wenigen Schnitten, die in dem Moment ein kleiner Zeitsprung sind. Durch die Gleichzeitigkeit der Präsentation von Ereignissen entsteht eine eigentümliche Spannung. Normalerweise würde zwischen ihr, die sich in ihrer Demenz vom Hinterhof auf die Straße verirrt und einkaufen geht, und ihm, dem irgendwann in der Wohnung auffällt, dass sie schon länger weg ist und er sie sucht, hin und her geschnitten. Jetzt beobachten wir gleichzeitig auf der linken und rechten Bildhälfte, was sie und er tut.

Es sind auch Bilder, die eine große Ruhe ausstrahlen, wenn sie am Filmanfang gemeinsam im Bett liegen. Dann steht sie auf, macht ihre Morgentoilette und bereitet das Frühstück vor, während er langsam aufsteht. Am Frühstückstisch treffen sie sich wieder.

Diese Inszenierung zeigt eindrücklich, wie getrennt sie voneinander sind und wie sehr sie doch noch zusammen leben.

Vortex“ ist kein einfacher Film. Das liegt an der formalen Gestaltung mit dem durchgehend geteiltem Bild und den langen Szenen, in denen oft wenig bis nichts passiert. Außer dem Warten auf den Tod. Das liegt auch an der Geschichte, die langsam und humorfrei auf das Ende zusteuert und dabei manchmal wie ein Horrorfilm wirkt. Auch weil wir nicht wissen, was die Mutter und der Vater im nächsten Moment tun und ob sie wissen, was sie tun. Noé sagt zu seinem neuesten Film: „Es ist einfach die Geschichte eines genetisch programmierten Zerfalls, bei dem das ganz Kartenhaus in sich zusammenfällt.“

Vortex (Vortex, Frankreich/Belgien 2021)

Regie: Gaspar Noé

Drehbuch: Gaspar Noé

mit Dario Argento, Françoise Lebrun, Alex Lutz, Kylian Dheret

Länge: 142 Minuten

FSK: ab 12 Jahre (aber kein Film für Zwölfjährige)

Hinweise

AlloCiné über „Vortex“

Moviepilot über „Vortex“

Metacritic über „Vortex“

Rotten Tomatoes über „Vortex“

Wikipedia über „Vortex“ (englisch, französisch)

Meine Besprechung von Gaspar Noés „Love 3D“ (Love, Frankreich/Belgien 2015)

Meine Besprechung von Gaspar Noés „Climax“ (Climax, Frankreich 2018)


Neu im Kino/Filmkritik: „Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush“ weil ihr Sohn Murat in Guantanamo ist

April 29, 2022

Im Oktober 2001, also wenige Wochen nach dem 11. September 2001 und den die Welt erschütternden terroristischen Anschlägen von al-Qaida auf das World Trade Center und andere US-Gebäude, fliegt der neunzehnjährige Murat Kurnat von Frankfurt am Main nach Pakistan. Dort wird er verhaftet und kurz darauf nach Guantanamo gebracht. Er soll ein islamistischer Terrorist sein. Die Presse nennt ihn, nachdem sie von seiner Verhaftung erfährt, den ‚Bremer Taliban‘.

In Bremen erfährt seine Mutter Rabiye Kurnaz davon. Sie will ihren Sohn zurückhaben und beginnt dafür Himmel und Hölle in Bewegung zu setzen. Ihr Helfer wird der Menschenrechtsanwalt Bernhard Docke. Beide sind ein filmreifes Paar: hier die übergewichtige hochemotionale türkische Mutter, die mit ihren Gefühlen, Ansprüchen und auch ihrem übergriffigen Umsorgen alle erdrückt, dort der unterernährte, nordisch spröde, gebildete Schlacks, sympathisch links-alternativ und kundig in Rechtsfragen.

Sie beginnen einen jahrelangen Kampf um Murats Entlassung. Ihre Gegner sind die deutsche, türkische und amerikanische Regierung und der Sicherheitsapparat, der in jedem Muslim einen Terroristen vermutet. Vor allem wenn er in die Hochburg der Terroristen fliegt.

Andreas Dresen und seine Stammautorin Laila Stieler verfilmten jetzt diese Geschichte als ein Feelgood-Justizdrama. Das liegt an den beiden gegensätzlichen Hauptfiguren, die von Alexander Scheer und Meltem Kaptan nah an den realen Vorbildern gespielt werden. Scheer ist als wandlungsfähiger Schauspieler bekannt. So spielte er in Dresens „Gundermann“ den titelgebenden DDR-Liedermacher. Kaptan ist vor allem als Comedienne bekannt, die hier ihr Kinodebüt gibt. Auf der Berlinale wurde sie für diese Rolle als beste Darstellerin ausgezeichnet. Ihr Zusammenspiel und ihre Einzelauftritte sind immer gut für einen Lacher. Zum Beispiel wenn Rabiye als Autofahrerin mal wieder fröhlich alle Verkehrsregeln missachtet.

Der Fall selbst wird akkurat aufgedröselt. Die großen Skandale und damaligen Diskussionen über den Rechtsstaat und seine Grenzen im Kampf gegen den Terrorismus werden angesprochen, aber nicht vertieft. Dazu gehört auch der perfide Versuch, Murat Kurnaz seine Aufenthaltsgenehmigung zu entziehen, weil er sich (in Guantanamo sitzend) nicht bei der Ausländerbehörde meldete. Die juristische Grundlage dafür lieferte Hans-Georg Maaßen, der damals Referatsleiter im Bundesinnenministerium war. Sein Name wird im Film nicht erwähnt. Dass Murat Kurnaz in Guantanamo gefoltert wird, wird im Film zwar erwähnt, aber das ist da nur Hörensagen. Kurnaz selbst schrieb über seine Haft in Guantanamo 2007 das Buch „Fünf Jahre meines Lebens“. Stefan Schaller verfilmte es 2013 gelungen als „5 Jahre Leben“.

Dresen und Stieler entschieden sich dafür, Rabiye Kurnaz in den Mittelpunkt zu stellen und all die politischen und juristischen Dimensionen des Falles herunterzukochen zu einem Hollywood-Drama, in dem eine Mutter darum kämpft, ihren Sohn wieder umarmen zu dürfen. Garnieren tun sie es mit einer ordentlichen Portion Humor.

Das führt dazu, dass am Ende alle Rabiye die Daumen drücken können und sich mit ihr freuen dürfen, wenn sie am 24. August 2006 ihren Sohn wieder umarmen und mit ihrer überschwänglichen mütterlichen Liebe wieder bemuttern kann.

Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush (Deutschland/Frankreich 2022)

Regie: Andreas Dresen

Drehbuch: Laila Stieler

mit Meltem Kaptan, Alexander Scheer, Charly Hübner, Nazmi Kirik, Sevda Polat, Abdullah Emre Öztürk

Länge: 118 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush“

Moviepilot über „Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush“

Rotten Tomatoes über „Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush“

Wikipedia über „Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush“

Meine Besprechung von Andreas Dresens „Als wir träumten“ (Deutschland/Frankreich 2015)

Meine Besprechung von Andreas Dresens James-Krüss-Verfilmung „Timm Thaler oder Das verkaufte Lachen“ (Deutschland 2017)

Meine Besprechung von Andres Dresens „Gundermann“ (Deutschland 2018)


TV-Tipp für den 29. April: Gegen die Zeit

April 28, 2022

Tele 5, 20.15

Gegen die Zeit (Nick of Time, USA 1995)

Regie: John Badham

Drehbuch: Patrick Sheane Duncan

Mr. Smith macht dem unscheinbarem Gene Watson ein Angebot, das er nicht ablehnen kann: wenn er in wenigen Minuten bei Wahlkampfauftritt in einem Hotel die Gouverneurin erschießt, lassen sie seine kleine Tochter wieder frei. Aber Watson möchte nicht zum Mörder werden.

Spannender Echtzeit-Thriller, der bei uns nur auf Video (DVD gab es damals noch nicht) veröffentlicht wurde.

intelligentes Katz-und-Maus-Spiel“ (Fischer Film Almanach 1997)

mit Johnny Depp, Christopher Walken, Peter Strauss, Courtney Chase, Charles S. Dutton, Gloria Reuben

Wiederholung: Freitag, 6. Mai, 02.05 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Gegen die Zeit“

Wikipedia über „Gegen die Zeit“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: „Final Account“ – Zeitzeugengespräche mit SS-Mitgliedern

April 28, 2022

2008 führte Luke Holland das erste Interview für „Final Account“. In den folgenden zehn Jahren nahm er 250 Gespräche mit SS-Mitgliedern und Menschen auf, die anderweitig in die NS-Herrschaft involviert waren, aber nicht zu den wichtigen und bekannten Entscheidern gehörten.

Die Initialzündung für das Projekt lag in seiner Familiengeschichte. Seine Mutter war 1938 aus Wien nach England geflohen. Seine Großeltern mütterlicherseits wurden in einem Konzentrationslager ermordet. Er wurde 1948 in Ludlow, Großbritannien, geboren und wuchs in Paraguay in einer deutschsprachigen christlichen Gemeinschaft auf. Erst viel später erfuhr er, dass er Jude war. Anfang des Jahrhunderts wollte er mehr über seine Familiengeschichte erfahren. Dazu gehörten dann auch diese Interviews, in denen er herausfinden wollte, wer die Menschen waren, die seine Großeltern ermordeten. Zu dem Zeitpunkt arbeitete er als Regisseur und Produzent. Zu seinen Werken gehören die BBC-Serie „A Very English Village“, „Ich war Hitlers Sklave“ und „Good Morning, Mr. Hitler“.

Aus den Gesprächen, die insgesamt 500 Stunden umfassen, erstellte er den 94-minütigen Film „Final Account“. Es ist sein letzter Film. Er starb am 10. Juni 2020, drei Monate vor der Premiere des Films auf den Filmfestspielen von Venedig.

Final Account“ ist eine mit historischen Aufnahmen angereicherte Collage von Zeitzeugengesprächen. Die im Film präsentierten Zeitzeugen kamen zwischen 1914 und 1927 auf die Welt; die meisten von ihnen in der ersten Hälfte der zwanziger Jahre. Sie waren Mitglieder der NSDAP, der SS, auch der SS-Leibstandarte Adolf Hitler und des SS-Totenkopfverband, der Wehrmacht, beim Bund Deutscher Mädchen, Kindermädchen bei einer SS-Familie und Buchhalterin.

Holland lässt sie reden. Er fragt manchmal nach und er stellt das Gesagte auch in einen hier in Deutschland allgemein bekannten Kontext. In anderen Ländern ist das anders. Er konzentriert sich in seinem Dokumentarfilm auf die Seite der Täter, wie sie die Zeit wahrgenommen haben und wie sie sie heute wahrnehmen. Also wie sich Neunzigjährige an ihre Pubertät und die ersten Jahre ihres Erwachsenenlebens erinnern und was sie von ihren damaligen Taten und Ansichten halten.

Für Nicht-Deutscher ist sicher erschreckend, wie sehr die SS-Mitglieder ihre Beteiligung kleinreden, wie stolz sie auf ihre Arbeit sind, wie wenig Reue sie zeigen und wie sehr sie die schlimmen Seiten der Nazi-Diktatur verdrängen.

Zwanzigjährige und jüngere Deutsche werden das vielleicht ähnlich sehen.

Für alle anderen, also für alle Deutschen, die über Dreißig sind, ist der Dokumentarfilm das filmische Äquivalent zur Familienfeier mit dem Nazi-Opa und der Nazi-Oma, die begeistert von den schönsten Jahren ihres Lebens erzählen.

Sie erfahren beim Ansehen des Films nichts neues. Stattdessen müssen sie neunzig Minuten zuhören, wie SS-Leute ihre Vergangenheit verklären. Dafür müssen sie nicht ins Kino gehen.

Final Account (Final Account, Großbritannien/USA 2020)

Regie: Luke Holland

Drehbuch: Luke Holland

Länge: 94 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Final Account“

Metacritic über „Final Account“

Rotten Tomatoes über „Final Account“

Wikipedia über „Final Account“


TV-Tipp für den 28. April: Drei Tage und ein Leben

April 27, 2022

WDR, 23.45

Drei Tage und ein Leben (Trois jours et une vie, Frankreich 2019)

Regie: Nicolas Boukhrief

Drehbuch: Pierre Lemaitre, Perrine Margaine

LV: Pierre Lemaitre: Trois jours et une vie, 2016 (Drei Tage und ein Leben)

Kurz vor Weihnachten verschwindet in den belgischen Ardennen ein Kind. Die Suche verläuft ergebnislos. Auch weil der zwölfjährige Antoine, der weiß, was passiert ist, schweigt. Fünfzehn Jahre später kehrt er in das Dorf zurück.

TV-Premiere. Ruhiger Thriller, der an Claude Chabrols schwarzhumorige Abrechnungen mit dem französischen Bürgertum erinnert. Auch wenn die Geschichte in Belgien spielt.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Sandrine Bonnaire, Pablo Pauly, Charles Berling, Philippe Torreton, Margot Bancilhon, Jeremy Senez, Dimitri Storoge, Arben Bajraktaraj

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

AlloCiné über „Drei Tage und ein Leben“

Moviepilot über „Drei Tage und ein Leben“

Wikipedia über „Drei Tage und ein Leben“

Meine Besprechung von Nicolas Boukhriefs „Drei Tage und ein Leben“ (Trois jours et une vie, Frankreich 2019)


TV-Tipp für den 27. April: Das Fenster zum Hof

April 26, 2022

One, 21.55

Das Fenster zum Hof (Rear Window, USA 1954)

Regie: Alfred Hitchcock

Drehbuch: John Michael Hayes

LV: Cornell Woolrich: Rear Window, 1942 (Das Fenster zum Hof, Kurzgeschichte)

Fotograf Jeffries liegt mit einem gebrochenen Bein in seinem Hinterhofzimmer und beobachtet gelangweilt seine Nachbarn. Eines Tages glaubt er, Mr. Thorwald habe seine Frau umgebracht. Aber wie kann er es beweisen?

Ein Meisterwerk. Ein perfekter Film über Männer und Frauen, über alle Facetten des Zusammenlebens (eigentlich der Unmöglichkeit des Zusammenlebens zwischen Mann und Frau) und über Voyeure – gedreht in einem einzigen Studio (der gesamte Hinterhof wurde dort „funktionsfähig“ nachgebildet) aus einer einzigen Perspektive (wir sind mit James Stewart in seinem Zimmer gefangen).

Mit James Stewart, Grace Kelly, Thelma Ritter, Raymond Burr

Wiederholung: Donnerstag, 28. April, 01.30 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Das Fenster zum Hof“

Wikipedia über „Das Fenster zum Hof“ (deutsch, englisch) und Alfred Hitchcock (deutsch, englisch)

Senses of Cinema (Ken Mogg) über Alfred Hitchcock

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 2“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 2″

Meine Besprechung von Alfred Hitchcocks “Mr. und Mrs. Smith” (Mr. and Mrs. Smith, USA 1941)

Meine Besprechung von Thilo Wydras “Alfred Hitchcock”

Alfred Hitchcock in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Robert V. Galluzzos “Psycho Legacy” (The Psycho Legacy, USA 2010 – eine sehenswerte Doku über die “Psycho”-Filme mit Anthony Perkins, mit vielen Stunden informativem Bonusmaterial)

Meine Besprechung von Stephen Rebellos “Hitchcock und die Geschichte von ‘Psycho’” (Alfred Hitchcock and the Making of ‘Psycho’, 1990)

Meine Besprechung von Sacha Gervasis Biopic “Hitchcock” (Hitchcock, USA 2012)

Meine Besprechung von Henry Keazors (Hrsg.) “Hitchcock und die Künste” (2013)

Wikipedia über Cornell Woolrich (deutsch, englisch)

Krimi-Couch über Cornell Woolrich

Mordlust über Cornell Woolrich

DetNovel (William Marling) über Cornell Woolrich

Meine Besprechung von Robert Siodmaks Cornell-Woolrich-Verfilmung „Zeuge gesucht“ (Phantom Lady, USA 1943)

Cornell Woolrich in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 26. April: Zeugin der Anklage

April 25, 2022

Hessen, 23.25

Zeugin der Anklage (Witness for the Prosecution, USA 1957)

Regie: Billy Wilder

Drehbuch: Larry Marcus, Billy Wilder, Harry Kurnitz

LV: Agatha Christie: The Witness for the Prosecution, 1925 (Kurzgeschichte, erschien ursprünglich als „Traitor’s Hands“ in Flynn’s, 31. Januar 1925, später unter dem heute bekannten Titel in der Kurzgeschichtensammlung „The Hound of Death and Other Stories, 1933; deutscher Titel: Zeugin der Anklage)

Hat Leonard Vole eine reiche Witwe erschlagen? Für Staranwalt Sir Wilfried hängt alles von der Aussage von Voles Frau Christine ab.

Prototyp aller Gerichtsfilme und immer noch weitaus spannender als die jüngeren Gerichtsthriller (obwohl die Pointe bekannt sein dürfte), mit – in glänzender Spiellaune – Marlene Dietrich, Charles Laughton, Tyrone Power

Das Drehbuch war für einen Edgar nominiert. „Die zwölf Geschworenen“ gewann ihn. Agatha Christie gefiel die Verfilmung sehr gut.

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Zeugin der Anklage“

Wikipedia über „Zeugin der Anklage“ (deutsch, englisch)

Homepage von Agatha Christie

Krimi-Couch über Agatha Christie

Meine Besprechung von Agatha Christies „Mord im Orientexpress“ (Murder on the Orient Express, 1934)

Meine Besprechung von John Guillermins Agatha-Christie-Verfilmung “Tod auf dem Nil” (Death on the Nile, Großbritannien 1978)

Meine Besprechung von Michael Winners Agatha-Christie-Verfilmung „Rendezvous mit einer Leiche“ (Appointment with Death, USA 1988)

Meine Besprechung von Kenneth Branaghs Agatha-Christie-Verfilmung „Mord im Orientexpress“ (Murder on the Orient Express, USA 2017)

Meine Besprechung von Gilles Paquet-Brenner Agatha-Christie-Verfilmung „Das krumme Haus“ (Crooked House, USA 2017) (und Buchbesprechung)

Meine Besprechung von Kennetz Branaghs Agatha-Christei-Verfilmung „Tod auf dem Nil“ (Death on the Nile, USA/Großbritannien 2022) (und Buchbesprechung)


TV-Tipp für den 25. April: Über den Todespass

April 24, 2022

Arte, 20.15

Über den Todespass (The Far Country, USA 1954)

Regie: Anthony Mann

Drehbuch: Borden Chase

Alaska, 1899, während es Klondike-Goldrauschs: Jeff Websters Viehherde stört in Skagway eine Hinrichtung. Als Strafe behält der örtliche Gesetzeshüter die Tiere. Jeff will das nicht akzeptieren – und das ist der Beginn vieler Abenteuer.

Westernklassiker und Teil der erfolgreichen, sich über acht Filme erstreckenden Zusammenarbeit zwischen Anthony Mann und James Stewart.

mit James Stewart, Ruth Roman, Carinne Calvet, Walter Brennan, John McIntire, Jay C. Flippen

Wiederholung: Mittwoch, 27. April, 14.15 Uhr

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Über den Todespass“

Wikipedia über „Über den Todespass“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 24. April: Stephen Kings Doctor Sleeps Erwachen

April 23, 2022

Pro7, 22.55

Stephen Kings Doctor Sleeps Erwachen (Doctor Sleep, USA 2019)

Regie: Mike Flanagan

Drehbuch: Mike Flanagan

LV: Stephen King: Doctor Sleep, 2013 (Doctor Sleep)

TV-Premiere. Was geschah nach den Ereignissen von „Shining“ mit Danny Torrace, dem Jungen, der das Shining hat? 2013 erzählte Stephen King das in „Doctor Sleep“ und 2019 verfilmte Mike Flanagan das Buch und setzte Stanley Kubricks Film fort.

Okaye Stephen-King-Verfilmung, die durchgehend zu nah am Buch und der unfilmischen Struktur des Buches bleibt. Das ist beim Lesen, wegen Stephen Kings Schreibstil, kein Problem. Beim Film vergeht dann viel Zeit, bis die Story endlich beginnt.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Ewan McGregor, Rebecca Ferguson, Kyliegh Curran, Cliff Curtis, Zahn McClarnon, Emily Alyn Lind, Selena Anduze, Robert Longstreet, Carl Lumbly, Bruce Greenwood, Jacob Tremblay, Henry Thomas

Die Vorlage

Stephen King: Doctor Sleep

(übersetzt Bernhard Kleinschmidt)

Heyne, 2019 (Filmausgabe)

720 Seiten

12,99 Euro

Deutsche Erstausgabe

Heyne, 2013

Originalausgabe

Doctor Sleep

Scribner, New York, 2013

Hinweise

Moviepilot über „Doctor Sleep“

Metacritic über „Doctor Sleep“

Rotten Tomatoes über „Doctor Sleep“

Wikipedia über „Doctor Sleep“ (deutsch, englisch)

Homepage von Stephen King

Mein Porträt zu Stephen Kings Geburtstag

Meine Besprechung von Stephen Kings/Richard Bachmans „Qual“ (Blaze, 2007)

Meine Besprechung von Stephen Kings „Nachgelassene Dinge“ (The things they left behind) in Ed McBains „Die hohe Kunst des Mordens“ (Transgressions, 2005)

Meine Besprechung von Stephen Kings „Colorado Kid“ (The Colorado Kid, 2005)

Meine Besprechung von Joe Hill/Stephen King/Richard Mathesons „Road Rage“ (Road Rage, 2012)

Meine Besprechung der auf Stephen Kings Novelle “The Colorado Kid” basierenden TV-Serie “Haven”

Meine Besprechung von Kimberly Peirces Stephen-King-Verfilmung “Carrie” (Carrie, USA 2013)

Meine Besprechung von Tod Williams‘ Stephen-King-Verfilmung „Puls“ (Cell, USA 2016)

Meine Besprechung von Stephen Kings „Der dunkle Turm: Schwarz“ (The Dark Tower: The Gunslinger, 1982) und von Nikolaj Arcels Romanverfilmung „Der dunkle Turm“ (The dark Tower, USA 2017)

Meine Besprechung von Andy Muschiettis „Es“ (It, USA 2017)

Meine Besprechung von Stephen Kings „Friedhof der Kuscheltiere“ (Pet Sematary, 1983) und Kevin Kölsch/Dennis Widmyers Romanverfilmung „Friedhof der Kuscheltiere“ (Pet Sematary, USA 2019)

Meine Besprechung von Andy Muschietti Stephen-King-Verfilmung „Es Kapitel 2″ (It Chapter 2, USA 2019)

Meine Besprechung von Mike Flanagans „Stephen Kings Doctor Sleeps Erwachen“ (Doctor Sleep, USA 2019) (wahrscheinlich einer der Filmtitel, die kein Mensch an der Kinokasse vollständig ausgesprochen hat)

Meine Besprechung von Stephen Kings „Doctor Sleep“ (Doctor Sleep, 2013)

Meine Besprechung von Stephen Kings „Später“ (Later, 2021)

Stephen King in der Kriminalakte, in seinem Trailer-Park und auf Europa-Tour


TV-Tipp für den 23. April: Mr. Holmes

April 22, 2022

SWR, 23.50

Mr. Holmes (Mr. Holmes, Großbritannien 2015)

Regie: Bill Condon

Drehbuch: Jeffrey Hatcher

LV: Mitch Cullin: A slight trick of the mind, 2005 (Neuausgabe als „Mr. Holmes“)

Sherlock Holmes, inzwischen ein alter Tattergreis, löst seinen letzten Fall.

Überzeugendes, auf mehreren Ebenen spielendes Schauspielerkino, das daran krankt, dass der Protagonist Sherlock Holmes sein soll und dass der Fall ziemlich durchschaubar ist. So durchschaubar, dass der echte Sherlock Holmes ihn innerhalb einer Mikrosekunde gelöst hätte.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Ian McKellen, Laura Linney, Milo Parker, Hiroyuki Sanada, Hattie Morahan, Patrick Kennedy, Nicholas Rowe

Hinweise

Moviepilot über „Mr. Holmes“

Metacritic über „Mr. Holmes“

Rotten Tomatoes über „Mr. Holmes“

Wikipedia über „Mr. Holmes“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Bill Condons „Inside Wikileaks – Die fünfte Gewalt“ (Inside Wikileaks, USA 2013)

Meine Besprechung von Bill Condons „Mr. Holmes“ (Mr. Holmes, Großbritannien 2015)

Meine Besprechung von Bill Condons „Die Schöne und das Biest“ (Beauty and the Beast, USA 2016)

Meine Besprechung von Bill Condons „The good Liar – Das alte Böse“ (The good Liar, USA 2019)

Homepage von Sir Arthur Conan Doyle (Erben)

Krimi-Couch über Sir Arthur Conan Doyle

Kirjasto über Sir Arthur Conan Doyle

Wikipedia über Sir Arthur Conan Doyle (deutsch, englisch)

Sherlockian.net (Einstiegsseite mit vielen Links)

Facebook-Seite der deutschen Sherlock-Holmes-Gesellschaft

Thrilling Detective über Sherlock Holmes

Meine Besprechung Arthur Conan Doyles „Sherlock Holmes – Sämtliche Werke in 3 Bänden“ (Die Erzählungen I, Die Erzählungen II, Die Romane) (3 Bände im Schuber)

Meine Besprechung von Arthur Conan Doyles “Sherlock Holmes Geschichten”, “Sherlock Holmes Kriminalgeschichten” und “The Adventures of Sherlock Holmes” (und hier eine Auflistung der in diesen Werken enthaltenen Geschichten)

Meine Besprechung von Arthur Conan Doyles „Sherlock Holmes – Seine Abschiedsvorstellung“ (His last Bow, 1917)

Meine Besprechung von Arthur Conan Doyles „Sherlock Holmes‘ Buch der Fälle“ (The Case-Book of Sherlock Holmes, 1927)

Meine Besprechung von Anthony Horowitz‘ „Das Geheimnis des weißen Bandes“ (The House of Silk, 2011)

Meine Besprechung von Anthony Horowitz‘ „Der Fall Moriarty“ (Moriarty, 2014)

Meine Besprechung von Mattias Boströms „Von Mr. Holmes zu Sherlock“ (Fran Holmes till Sherlock, 2013)

Meine Besprechung von Ian Edginton (Autor)/Davide Fabbris (Zeichner): Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Zombies! (Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Zombies, 2010)

Meine Besprechung von Ian Edginton (Autor)/Horacio Domingues/Davide Fabbris (Zeichner) „Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Dracula“ (Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Jekyll/Hyde; Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Dracula, 2010/2011)

Meine Besprechung von „Sherlock: Ein Fall von Pink“ (A Study in Pink, GB 2010)

Meine Besprechung von „Sherlock: Eine Legende kehrt zurück – Staffel 1“ (Sherlock, GB 2010)

Meine Besprechung von “Sherlock: Eine Legende kehrt zurück -Staffel 2″ (Sherlock, GB 2012)

Meine Besprechung von „Sherlock – Staffel 3“ (Sherlock, GB 2014)

Meine Besprechung von „Sherlock: Die Braut des Grauens“ (Sherlock: The Abominable Bride, Großbritannien 2016)

Mein Hinweis auf „“Sherlock: Eine Legende kehrt zurück – Staffel 4“ (Sherlock, GB 2017)

Meine Besprechung von “Sherlock: Ein Skandal in Belgravia” (A Scandal in Belgravia, GB 2012)

Meine Besprechung von Guy Ritchies „Sherlock Holmes: Spiel im Schatten“ (Sherlock Holmes: A Game of Shadows, USA 2011)

Meine Besprechung von Bill Condons „Mr. Holmes“ (Mr. Holmes, Großbritannien 2015)

Sherlock Holmes in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: „Die wundersame Welt des Louis Wain“ ist voller Katzen

April 22, 2022

Er malte Katzen und zwar so, dass H. G. Wells über ihn sagte: „Er erfand einen Stil für Katzen, eine Gesellschaft für Katzen, eine ganze Katzenwelt. Englische Katzen, die nicht so aussehen wie Katzen von Louis Wain, sollten sich was schämen.“

Dieser Louis Wain, der vom 5. August 1860 bis zum 4. Juli 1939 lebte, wird jetzt in einem Biopic von Benedict Cumberbatch gespielt. Für ihn ist das die Gelegenheit, seiner Kollektion außergewöhnlicher Figuren eine weitere mit vielen Marotten ausgestatteten Exzentriker hinzuzufügen. Schon in den ersten Minuten von „Die wundersame Welt des Louis Wain“ erscheint Louis Wan als ein höchst seltsamer Vogel. Nach dem Tod seines Vaters lebt der Zwanzigjährige in einem Haushalt mit seiner Mutter und seinen fünf Schwestern. Er muss sie, entsprechend den damaligen gesellschaftlichen Regeln, als Oberhaupt der Familie versorgen. Gleichzeitig ist er dafür vollkommen ungeeignet. Er kann keine Verantwortung übernehmen. Noch nicht einmal für sich selbst. Er ist schüchtern, schusselig und vollkommen verpeilt. Und er hat einen wahrlich atemberaubenden Zeichenstil. Er zeichnet, ohne auf das Papier zu gucken, gleichzeitig mit beiden Händen und hektischen Bewegungen seine Bilder. Diese sind, erstaunlicherweise, äußerst gelungen. Gerne zeichnet er Katzen, die er vermenschlicht. Anfangs verschenkt er die Bilder. Später wird er mit ihnen ein Vermögen machen. Obwohl ihn Geld absolut nicht interessiert. Und weil er sich nicht um die Rechte an seinen Bildern kümmert, ist das Geld auch schnell wieder weg.

Dazu kommen der frühe Tod seiner Frau Emily 1887 und seine über die Jahre zunehmenden psychischen Probleme. Er stellte Emily, auf das Drängen seiner Schwestern, als Gouvernante ein und verliebte sich sofort in sie. Wain litt an Schizophrenie und wohl noch einigen weiteren nicht diagnostizierten psychischen Krankheiten. Diese Probleme wurden so schlimm, dass er 1924 in die Armenstation im „Springfield Mental Hospital“ eingeliefert wurde. Dank prominenter Fürsprecher, wie H. G. Wells, wurde er später in eine bessere Anstalt verlegt.

Will Sharpe erzählt in seinem edel besetztem Biopic „Die wundersame Welt des Louis Wain“ das Leben dieses Mannes von seinen von seinen Anfängen als Illustrator für die „Illustrated London News“ (er zeichnete schneller als alle anderen) über seine große Popularität als Katzenzeichner bis zu seinem Tod. Das ist vor allem am Anfang, also wenn es um seinen Aufstieg als Zeichner (wobei er durchgängig vollkommen desinteressiert an Geld ist), seine große Liebe Emily, seine Beziehung zu seinen Schwestern und zu Katzen geht, sehr gelungen und auch witzig.

Mit zunehmender Laufzeit wird Will Sharpes Künstlerbiographie zu einer episodischen und damit auch langweiligen Abhandlung von Waines Leben. In schneller Folge werden neue Jahreszahlen eingeblendet und weitere Stationen in Wains Leben abgehandelt. Der klare Fokus der ersten Hälfte geht verloren zugunsten eines bebilderten Wikipedia-Artikels.

Die wundersame Welt des Louis Wain (The Electrical Life of Louis Wain, Großbritannien 2021)

Regie: Will Sharpe

Drehbuch: Simon Stephenson, Will Sharpe (basierend auf einer Geschichte von Simon Stephenson)

mit Benedict Cumberbatch, Claire Foy, Andrea Riseborough, Toby Jones, Sharon Rooney, Aimee Lou Wood, Hayley Squires, Stacy Martin, Phoebe Nicholls, Nick Cave, Taika Waititi, Richard Ayoade, Olivia Colman (Erzählerin)

Länge: 111 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Die wundersame Welt des Louis Wain“

Metacritic über „Die wundersame Welt des Louis Wain“

Rotten Tomatoes über „Die wundersame Welt des Louis Wain“

Wikipedia über „Die wundersame Welt des Louis Wain“ (deutsch, englisch) und Louis Wain (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: „River“ erzählt von Flüssen und Wasser

April 22, 2022

Kommen wir zum zweiten Film mit Willem Dafoe, der diese Woche in den Kinos startet. In „The Northman“ ist er als Hofnarr Heimir unter der Maske nicht erkennbar. In „River“ ist er in der Originalfassung nur hörbar.

Er liest einen von dem bekannten Reise- und Naturschriftsteller Robert Macfarlane geschriebenen Text vor. Macfarlane schrieb unter anderem die Bücher „Karte der Wildnis“, „Alte Wege“ und, zuletzt, „Im Unterland. Eine Entdeckungsreise in die Welt unter der Erde“.

In dem von Dafoe vorgetragenem Text geht es um Flüsse und die Bedeutung von Wasser für die Erde und die Menschen. Dazu gibt es Bilder von Flüssen und Musik vom Australischen Kammerorchester. Dieses spielt eine während des gesamten Films erklingende Partitur aus viel klassischer Musik und wenig speziell für den Film komponierten Stücken. Zu den Repertoir-Komponisten gehören Johann Sebastian Bach, Antonio Vivaldi, Gustav Mahler, Jean Sibelius, Maurice Ravel und Jonny Greenwood. Die Originalmusik ist von Richard Tognetti, William Barton und Piers Burbrook de Vere.

Auffallend ist bei „River“, vor allem im Vergleich zu anderen die Schönheit der Natur hymnisch preisenden und vor ihrer Zerstörung warnenden experimentellen Dokumentarfilmen, wie sehr hier die Bilder, die Musik und der Text nebeneinander her laufen und sich teilweise von ihren Stimmungen sogar widersprechen. Denn normalerweise beabsichtigen diese Filme nur die visuelle Überwältigung.

Formal wechseln Regisseurin Jennifer Peedom und ihr Co-Regisseur Joseph Nizeti dabei zwischen SW- und Farbaufnahmen, zwischen historischen und aktuellen Aufnahmen und zwischen Zeitlupe und Zeitraffer. Diese rund um den Globus und aus dem Weltraum aufgenommenen Bilder sehen und wirken auf der großen Leinwand selbstverständlich überwältigend. Aber, wie auch andere essayistische Dokumentarfilme in der Tradition von „Koyaanisqatsi“ (1982), der ganz auf Dialoge und einen Erzähler verzichtet, ist die Botschaft überschaubar einfach und unkontrovers. Sie bleibt, bei aller visuellen Überwältigung, auf dem Niveau eines Kalenderspruchs oder, in diesem Fall, auf dem Niveu einer banalen Meditation.

In Australien plant das Australische Kammerorchester Auftritte mit dem Film. Das ist sicher eine angemessene Art, den Film zu präsentieren.

River“ ist der zweite Teil einer geplanten Trilogie, die, so die Macher, „die Auswirkungen der Landschaft auf das menschliche Herz erforschen“ sollen. Der erste Film der Trilogie war vor fünf Jahren „Mountain“. Ebenfalls von und mit Jennifer Peedom (Regie), Robert Macfarlane (Text), Willem Dafoe (Erzähler), Joseph Nizeti (Co-Regie), Richard Tognetti (Künstlerischer Leiter des Australischen Kammerorchesters) und Jo-anne McGowan (Produzentin). Der auch in Deutschland in den Kinos gezeigte Film war 2017 in Australien der umsatzstärkste einheimische Dokumentarfilm.

Ihr neuer Film „River“ zeigt die Schönheit von Flüssen, ihre Bedeutung für das Leben auf der Erde und wie die Menschen sie bezwingen, begradigen und die Flusslandlandschaften vernichten. Er ist ein Aufruf, die Schönheit der Natur wahrzunehmen und sie zu schützen.

River (River, Australien 2021)

Regie: Jennifer Peedom, Joseph Nizeti

Drehbuch: Robert Macfarlane, Jennifer Peedom, Joseph Nizeti

mit Willem Dafoe (Erzähler)

Länge: 75 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „River“

Rotten Tomatoes über „River“

Wikipedia über „River“

 


Neu im Kino/Filmkritik: Eine Nacht in der Notaufnahme „In den besten Händen“

April 22, 2022

Raphaela ‚Raf‘ stürzt unglücklich und landet in der Notaufnahme.

Yann wird bei einer Demonstration verletzt und landet ebenfalls in der Notaufnahme eines Krankenhauses mitten in Paris. Vor der Tür gibt es gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und den gegen die Regierung protestierenden Gelbwesten. Im Krankenhaus wird wie immer gearbeitet. Mit zu wenig Personal und zu vielen Patienten, die mehr oder weniger stark verletzt sind und mehr oder wenig nervig sind. Wobei Raf und Yann, die im gleichen Zimmer landen, zu den nervigen Patienten gehören.

Raf ist Comcizeichnerin, besorgte Mutter (ihr Sohn demonstriert) und seit zehn Jahren mit ihrer Verlegerin Julie liiert. Jetzt, nachdem Raf in der Nacht der neben ihr schlafenden Julie im Sekundentakt eine Suada aus beleidigenden Kurznachrichten schickte, hatten sie wieder Streit und trennten sich. Danach stürzte Raf unglücklich und brach sich den Arm.

Yann ist auf den ersten Blick das komplette Gegenteil von der hysterischen Raf. Der LKW-Fahrer fuhr, mit dem Firmen-LKW, aus der Provinz nach Paris um dort gegen die Politik von Präsident Macron zu demonstrieren. Bei der Demonstration wurde er von der Polizei verprügelt. In einer Mischung aus panischer Angst seinen Job zu verlieren und sturer Selbstüberschätzung, dass er trotz seiner schweren Beinverletzungen das Krankenhaus verlassen kann, versucht er immer wieder aufzustehen.

Beide sind von ihrer Weltsicht überzeugt, glauben, dass die Welt sich nur um sie dreht und dass alle anderen Idioten sind.

Zwischen ihnen versucht die seit einer Woche in der Nachtschicht arbeitende Krankenschwester Kim (Aissatou Diallo Sagna) zu schlichten. Wenn sie sich nicht, wie meistens, um andere Patienten kümmern muss, die echte Notfälle sind.

In ihrem neuen Film „In den besten Händen“ erzählt „La Belle Saison“-Regisseurin Catherine Corsini, was in einer Nacht in einer Notaufnahme geschieht; wobei es wegen der Proteste eine besondere Nacht ist und Corsini, künstlerisch verdichtet, von einer Nacht erzählt, in der die Hölle los ist. Denn, seien wir ehrlich, wenn alle Nächte in der Notaufnahme so anstrengend wären, würde niemand mehr in der Notaufnahme arbeiten. Trotzdem ist die Situation im Gesundheitswesen auch in Frankreich nicht gut.

Dieser Einblick in die Arbeit in einer Notaufnahme bildet den Hintergrund für das Aufeinanderprallen zweier gegensätzlicher und doch sehr ähnlicher Charaktere. Raf und Yann gehören zwar zwei vollkommen verschiedenen Schichten der französischen Gesellschaft an, aber als Menschen sind sie für ihre Umgebung die meiste Zeit hysterische, egozentrische Nervensägen. Vor allem Raf.

Ihnen zur Seite steht ein Ensemble knapp gezeichneter Figuren, wie die Krankenschwester Kim, Rafs Freundin Julie und Zufallsbegegnungen, die aus „In den besten Händen“ einen richtigen Ensemblefilm machen. Sie bilden einen Mikrokosmos der französischen Gesellschaft und sie zeigen gesellschaftliche Probleme und Verwerfungen auf.

Corsini erzählt das hochenergetisch, oft am Rand der Hysterie und mit viel trockenem, schwarzen und auch verzweifeltem Humor, der entsteht, um eine unerträgliche Situation erträglich zu machen.

Das ist teils etwas platt, teils etwas zu didaktisch (wenn Yann Raf und der gesamten Notaufnahme lautstark erklärt, warum er protestiert) und immer wieder arg plakativ. Eine Nacht in der Notaufnahme, wenn alle Nerven zum Zerreißen gespannt sind, ist halt nicht der Ort für differenzierte Analysen. „In den besten Händen“ ist in jeder Beziehung eine knallige Situationsbeschreibung.

In den besten Händen (La Fracture, Frankreich 2021)

Regie: Catherine Corsini

Drehbuch: Catherine Corsini

mit Marina Foïs, Valeria Bruni Tedeschi, Pio Marmaï, Aissatou Diallo Sagna, Caroline Estremo, Jean-Louis Coulloc’h, Camille Sansterre, Marin Laurens, Ferdinand Perez

Länge: 99 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Facebook-Seite zum Film

AlloCiné über „In den besten Händen“

Moviepilot über „In den besten Händen“

Metacritic über „In den besten Händen“

Rotten Tomatoes über „In den besten Händen“

Wikipedia über „In den besten Händen“ (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von Catherine Orsinis „La belle saison – Eine Sommerliebe“ (La belle saison, Frankreich/Belgien 2015) und der Blu-ray


TV-Tipp für den 22. April: Der Mann, der zu viel wusste

April 21, 2022

BR, 22.50

Der Mann, der zuviel wusste (The man who knew to much, USA 1956)

Regie: Alfred Hitchcock

Drehbuch: John Michael Hayes, Angus McPhail (ungenannt)

Eigentlich wollten die McKennas nur einen schönen Marokko-Urlaub verbringen. Aber dann erfahren sie von einer Verschwörung und ihr Sohn wird entführt.

Hitchcocks äußerst gelungenes Remake von seinem gleichnamigen Film aus dem Jahr 1934: mit einem größeren Budget, in Farbe und einer erträglichen Doris Day. Höhepunkt ist die zehnminütige Konzertszene in der Royal Albert Hall, deren Höhepunkt – während eines Beckenschlages – ein Schuss auf den Botschafter ist.

Mit James Stewart, Doris Day, Daniel Gélin, Brenda de Banzie, Bernard Miles, Ralph Truman, Reggie Maldar

Hinweise

Rotten Tomatoes über “Der Mann, der zuviel wusste”

Wikipedia über „Der Mann, der zuviel wusste“ (deutsch, englisch) und über Alfred Hitchcock (deutsch, englisch)

Senses of Cinema (Ken Mogg) über Alfred Hitchcock

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 2“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 2″

Meine Besprechung von Alfred Hitchcocks “Mr. und Mrs. Smith” (Mr. and Mrs. Smith, USA 1941)

Meine Besprechung von Thilo Wydras “Alfred Hitchcock”

Alfred Hitchcock in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Robert V. Galluzzos “Psycho Legacy” (The Psycho Legacy, USA 2010 – eine sehenswerte Doku über die “Psycho”-Filme mit Anthony Perkins, mit vielen Stunden informativem Bonusmaterial)

Meine Besprechung von Stephen Rebellos “Hitchcock und die Geschichte von ‘Psycho’” (Alfred Hitchcock and the Making of ‘Psycho’, 1990)

Meine Besprechung von Sacha Gervasis Biopic “Hitchcock” (Hitchcock, USA 2012)

Meine Besprechung von Henry Keazors (Hrsg.) “Hitchcock und die Künste” (2013)


Neu im Kino/Filmkritik: „The Northman“ – kloppen und köpfen nach barbarischer Wikingerart

April 21, 2022

Ich könnte jetzt mühelos über Robert Eggers‘ neuen Film „The Northman“ ablästern. Dieses Menge an bodybuilding-gestählten strubbeligen Männern, die ständig, wilde Urlaute ausstoßend, aufeinanderprallen, sich prügeln mit Fäusten, Äxten, Schwertern und was sonst noch so gerade herumliegt, blutig die Köpfe einschlagen und dabei guttural grunzen, ist in den kommenden Monaten und wohl auch Jahren das dankbare Material für unzählige Memes. Da muss nur die DVD eingelegt werden und schwuppdiwupp hat man schon ein schönes Bild gefunden. Dass das alles mit bekannten, teils unter der Maske nicht erkennbaren Schauspielern inszeniert wurde und die Bilder in jeder Beziehung äußerst gelungen sind, erhöht da nur noch das Vergnügen am Erstellen der Memes.

Aber Robert Eggers wollte sicher nicht die Vorlage für unzählige Parodien abliefern. Schließlich inszenierte er vorher die äußerst gelungenen, sehr ernsten, sich an Erwachsene richtende Horrorfilme „The Witch“ und „Der Leuchtturm“. Sein Co-Drehbuchautor Sjón ist Romanautor, Texter für Björk (die in „The Northman“ mitspielt) und Co-Drehbuchautor von dem sanften, von isländischen Volksmärchen inspiriertem Horrorfilm „Lamb“. Von beiden ist also keine tumbe Schlachtplatte zu erwarten.

Die Story beginnt 895 nach Christus Geburt als König Aurvandil (Ethan Hawke) von einem Feldzug zurückkehrt. Kurz darauf wird er von seinem Halbbruder Fjölnir (Claes Bang) ermordet. Sein Sohn Amleth beobachtet die Tat seines Onkels. Weil er nicht ebenfalls getötet werden will, flüchtet er.

Zwanzig Jahre später kehrt Amleth (jetzt gespielt von Alexander Skarsgård), gestählt von Kämpfen (vulgo Gemetzeln) im Land der Rus, zurück. Der junge Mann will immer noch seinen Vater rächen. Dafür schleicht er sich unter falscher Identität am Hof von Fjölnir ein. Hof ist hier wörtlich zu verstehen. Fjölnir lebt in Island nicht in einer Festung, sondern in der Einsamkeit in einer willkürlichen Ansammlung von wenigen Häusern, die eher an einen Bauernhof erinnert. Bei ihm lebt Amleths Mutter Gudrún (Nicole Kidman).

Gut, den Plot kennen wir. Wer will, kann hier einige Shakespeare-Stücke einfügen und damit seine abendländische Bildung beweisen. Vor allem sollte er an „Hamlet“ denken und sich daran erinnern, dass Shakespeare sich für dieses Stück bei der Amletus-Sage bediente. Die englische Schreibweise von Amletus ist Amleth.

Aber für die Story und die damit verbundenen Themen interessiert Eggers sich kaum. Die Rachegeschichte entwickelt sich vollkommen überraschungs- und spannungsfrei in den bekannten Bahnen. Die Figuren, immerhin dauert der Film deutlich über zwei Stunden, bleiben eindimensional. Entsprechend wenig interessieren uns ihre Konflikte, die kaum bis überhaupt nicht vorhanden sind.

Die Rachegeschichte wird in langen Kampfszenen erzählt. Die Dialoge zwischen den Gemetzeln sind, wie bei einem Computerspiel, nur die knappen Anweisungen für den nächsten Kampf und die nächste Gore-Szene. Bei all dem spritzendem Blut, den abgetrennten Gliedern und herausquellenden Gedärmen fällt irgendwann auf, dass Eggers das alles ausführlich und leinwandfüllend präsentiert, aber seine Wikinger asexuell sind. Sie sind wie kleine vorpubertäre Jungs, die zwar ganze Dorfbevölkerungen abschlachten, dabei aber keine einzige Frau vergewaltigen. Auch später, wenn Amleth Olga von Birkenwald (Anya Taylor-Joy, erfolgreich bemüht um maximale Ausdruckslosigkeit) trifft, ändert sich das nicht. Liebe und Sex sind halt nichts für gestandene Wikinger. Sie vertreiben sich lieber die Zeit mit blutspritzenden Schlägereien im Matsch.

Diese äußerst brutalen Kämpfe sehen in jeder Beziehung toll aus. Ohne Schnitt bewegt die Kamera sich durch ein Dorf, das gerade geplündert wird. Auch in anderen Kampfszenen wird wenig geschnitten. Die Bilder von Eggers‘ Stammkameramann Jarin Blaschke erinnern an detailversessene Gemälde.

Aber all die Bildgewalt hilft nicht, wenn man sich für keine der Figuren interessiert. „The Northman“ ist eine fast hundertvierzigminütige Schlachtplatte mit Minimalstory.

The Northman (The Northman, USA 2022)

Regie: Robert Eggers

Drehbuch: Robert Eggers, Sjón

mit Alexander Skarsgård, Nicole Kidman, Claes Bang, Ethan Hawke, Anya Taylor-Joy, Gustav Lindh, Elliott Rose, Willem Dafoe, Björk, Oscar Novak, Kate Dickie, Ralph Ineson

Länge: 137 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „The Northman“

Metacritic über „The Northman“

Rotten Tomatoes über „The Northman“

Wikipedia über „The Northman“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Robert Eggers‘ „The Witch“ (The Witch: A New-England Folktale, Kanada/USA 2015)

Meine Besprechung von Robert Eggers‘ „Der Leuchtturm“ (The Lighthouse, USA 2019)


Neu im Kino/Filmkritik: „The Lost City – Das Geheimnis der verlorenen Stadt“ gelöst

April 21, 2022

Milliardär Abigail Fairfax (Daniel Radcliffe) entführt Loretta Sage (Sandra Bullock). Sie ist eine die Öffentlichkeit gerne vermeidende Romantic-Thriller-Bestsellerautorin, die mit ihren Schmonzetten über den Schatzjäger Dash McMahon enorm erfolgreich ist. In ihre Geschichten, wie ihren neuesten Roman „The Lost City of D“, lässt sie auch historische Fakten und Mythen einfließen.

Fairfax will diese verlorene Stadt und den Schatz, der in ihr versteckt sein soll, unbedingt finden. Er glaubt, dass Loretta ihm bei der Suche und beim Entziffern von alten Schriftstücken helfen kann, Weil die Stubenhockerin nicht freiwillig mitkommen will, entführt er sie auf eine malerische Atlantikinsel. Er glaubt, dass der Schatz auf der Insel ist. Weil auf der Insel ein Vulkan kurz vor seinem Ausbruch steht, muss alles schnell gehen.

Die Entführung von Loretta hat Alan Caprison (Channing Tatum) beobachtet. Er ist das gut aussehende, bei den Leserinnen begehrte, treudoofe Covermodel ihrer Schmöker. Loretta hält ihn – zu Recht – für einen oberflächlichen Schönling und Dummkopf. Er will ihr beweisen, dass er nicht so dumm ist, wie sie glaubt. Deshalb will er sie aus den Händen der Entführer befreien.

Jack Trainer (Brad Pitt in einem Kurzauftritt [Nein, das ist kein Spoiler, weil er erstens im Trailer auftaucht, aber zweitens nicht auf dem Plakat steht]) soll ihm dabei helfen. Der Personal-Trainer war früher ein Elitesoldat. Er verfügt über die nötigen Fähigkeiten, um Loretta aus dem Lager von Fairfax, das gleichzeitig eine historische Ausgrabungsstätte ist, zu befreien.

Die Befreiung gelingt. Auf ihrer Flucht wird Trainer von Fairfax’s Männern aus dem Hinterhalt erschossen.

Jetzt müssen Loretta und Alan sich, gejagt von den Bösewichtern, allein durch den Urwald schlagen. Und beide sind für dieses Abenteuer nicht gerüstet. Sie hat einen hautengen Pailletten-Jumpsuit an, der sogar auf einer Buchpräsentation etwas unpassend ist. Er, nun, er ist ein auf sein Aussehen bedachter Schönling, der perfekt die Rolle der Jungfrau in Nöten ausfüllt.

The Lost City – Das Geheimnis der verlorenen Stadt“, so der umständlich-längliche deutsche Titel, ist ein Romantic-Thriller, dessen Prämisse an „Auf der Jagd nach dem grünen Diamanten“ (Romancing the Stone, 1984) erinnert. In der Actionkomödie stolpern eine hilfsbedürftige Autorin (Kathleen Turner) und ein taffer Abenteurer (Michael Douglas) durch den Dschungel. Vierzig Jahre sind wir da etwas weiter.

Die Brüder Adam und Aaron Nee lassen in ihrem Film zwei Menschen durch die Wildnis stolpern, die nicht für Wildnis geeignet sind. Wobei Loretta zwar die für den Dschungel ungeeignetere Kleidung anhat, aber deutlich selbstständiger als Alan ist. Damit fällt ihr notgedrungen die Retterrolle zu.

Abgesehen von dieser kleinen Änderung bei den Geschlechtern erfüllt der Film hunderprozentig alle Klischees dieser für Frauen geschriebenen Romantic Thriller – und ironisiert sie etwas. Immerhin ist in „The Lost City“ eine Autorin plötzlich die Hauptperson in einer ihrer Geschichten. Es wird einige Male auf den Unterschied zwischen ihren Romanen und der Realität hingewiesen. Mit dieser Metaebene ist der Film für beide Gruppen ansehbar. Die einen erhalten den Romatic-Thriller, den sie sehen wollen. Die anderen erhalten die Komödie über eben diese seichten Romantic-Thriller, die sie für so doof halten und deshalb niemals lesen würden.

Außerdem immunisiert diese Strategie die Abenteuerkomödie gegen Kritik. Denn wie soll einem Film klischeehafte Dialoge und eine klischeehafte Handlung vorgeworfen werden, wenn genau das der Punkt ist? Vor allem wenn die mild chargierenden Schauspieler so sympathisch sind und die Story, angenehm flott mit einigen Witzen und etwas Action, erzählt wird.

Besonders anspruchsvoll ist das nicht. Aber unterhaltsam.

The Lost City – Das Geheimnis der verlorenen Stadt (The Lost City, USA 2022)

Regie: Adam Nee, Aaron Nee

Drehbuch: Oren Uziel, Dana Fox, Adam Nee, Aaron Nee (nach einer Geschichte von Seth Gordon)

mit Sandra Bullock, Channing Tatum, Daniel Radcliffe, Da’Vine Joy Randolph, Oscar Nuñez, Patti Harrison, Bowen Yang, Brad Pitt

Länge: 112 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Moviepilot über „The Lost City“

Metacritic über „The Lost City“

Rotten Tomatoes über „The Lost City“

Wikipedia über „The Lost City“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 21. April: Shining

April 20, 2022

Weil Jack Nicholson am 22. April seinen 85. Geburtstag feiert, zeigt Kabel 1 heute zwei seiner Filme und eine neue Doku über ihn. Der Abend beginnt um 20.15 Uhr mit der Komödie „Besser geht’s nicht“ (für die er 1998 seinen dritten und letzten Oscar als bester Schauspieler erhielt). Um 23.10 Uhr gibt es die Doku über ihn weiter und nach Mitternacht gibt es den Klassiker

Kabel 1, 00.20

Shining (The Shining, Großbritannien 1980)

Regie: Stanley Kubrick

Drehbuch: Stanley Kubrick, Diane Johnson

LV: Stephen King: The Shining, 1977 (Shining)

Jack Nicholson läuft axtschwingend durch ein einsames Hotel – und wir können eine der besten Stephen King-Verfilmungen (auch wenn der Grandmaster mit Kubricks Version nicht zufrieden war und ihm eine Jahre später gedrehte, inzwischen vergessene TV-Fassung besser gefiel) genießen.

„Der Horrorfilm schlechthin.“ (Der Spiegel)

Mit Jack Nicholson, Shelley Duvall, Danny Lloyd, Scatman Crothers, Barry Nelson

Die Vorlage

Stephen King: Shining

(übersetzt von Harro Christensen)

Bastei-Lübbe, 2019

624 Seiten

11 Euro

Deutsche Erstausgabe 1980, seitdem unzählige Neuauflagen.

Originalausgabe

The Shining

Doubleday & Co, 1977

HInweise

Rotten Tomatoes über „Shining“

Wikipedia über „Shining“ (deutsch, englisch)

Homepage von Stephen King

Mein Porträt zu Stephen Kings Geburtstag

Meine Besprechung von Stephen Kings/Richard Bachmans „Qual“ (Blaze, 2007)

Meine Besprechung von Stephen Kings „Nachgelassene Dinge“ (The things they left behind) in Ed McBains „Die hohe Kunst des Mordens“ (Transgressions, 2005)

Meine Besprechung von Stephen Kings „Colorado Kid“ (The Colorado Kid, 2005)

Meine Besprechung von Joe Hill/Stephen King/Richard Mathesons „Road Rage“ (Road Rage, 2012)

Meine Besprechung der auf Stephen Kings Novelle “The Colorado Kid” basierenden TV-Serie “Haven”

Meine Besprechung von Kimberly Peirces Stephen-King-Verfilmung “Carrie” (Carrie, USA 2013)

Meine Besprechung von Tod Williams‘ Stephen-King-Verfilmung „Puls“ (Cell, USA 2016)

Meine Besprechung von Stephen Kings „Der dunkle Turm: Schwarz“ (The Dark Tower: The Gunslinger, 1982) und von Nikolaj Arcels Romanverfilmung „Der dunkle Turm“ (The dark Tower, USA 2017)

Meine Besprechung von Andy Muschiettis „Es“ (It, USA 2017)

Meine Besprechung von Stephen Kings „Friedhof der Kuscheltiere“ (Pet Sematary, 1983) und Kevin Kölsch/Dennis Widmyers Romanverfilmung „Friedhof der Kuscheltiere“ (Pet Sematary, USA 2019)

Meine Besprechung von Andy Muschietti Stephen-King-Verfilmung „Es Kapitel 2″ (It Chapter 2, USA 2019)

Meine Besprechung von Mike Flanagans „Stephen Kings Doctor Sleeps Erwachen“ (Doctor Sleep, USA 2019) (wahrscheinlich einer der Filmtitel, die kein Mensch an der Kinokasse vollständig ausgesprochen hat)

Meine Besprechung von Stephen Kings „Doctor Sleep“ (Doctor Sleep, 2013)

Meine Besprechung von Stephen Kings „Später“ (Later, 2021)

Stephen King in der Kriminalakte, in seinem Trailer-Park und auf Europa-Tour

Dieser fanmade Happy-Trailer ist auch ganz schön creepy


TV-Tipp für den 20. April: Inception

April 19, 2022

Kabel 1, 20.15

Inception (Inception, USA/GB 2010)

Regie: Christopher Nolan

Drehbuch: Christopher Nolan

Leonardo DiCaprio spielt einen Spion, der sich in die Gehirne von anderen Menschen einloggt. Jetzt soll er allerdings nichts ausspionieren, sondern eine schädliche Idee in das Gehirn seines Opfers implantieren.

Die Kritiker waren begeistert von “Batman“ Christopher Nolans Mindfuck. Die Zuschauer ebenso. Die Kinobetreiber zählten strahlend die verkauften Eintrittskarten. Denn „Inception“ ist ein inzwischen seltenes Beispiel für Blockbusterkino, bei dem man sein Gehirn nicht an der Kinokasse abgeben muss.

Anschließend, um 23.20 Uhr, gibt es mit „Shutter Island“ weiteres Kopfkino mit Leonardo DiCaprio.

mit Leonardo DiCaprio, Joseph Gordon-Levitt, Ellen Page, Tom Hardy, Ken Watanabe, Cillian Murphy, Tom Berenger, Marion Cotillard, Pete Postlethwaite, Michael Caine, Lukas Haas

Wiederholung: Donnerstag, 21. April, 02.05 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über “Inception”

Wikipedia über “Inception” (deutsch, englisch)

Nolan Fans (umfangreiche Homepage, auch mit den Drehbüchern zu seinen Filmen, u. a. “Inception”)

Meine Besprechung von Christopher Nolans „Interstellar“ (Interstellar, USA/Großbritannien 2014)

Meine Besprechung von Christopher Nolans „Dunkirk“ (Dunkirk, USA/Frankreich/Großbritannien 2017)

Meine Besprechung von Christopher Nolans „Tenet“ (Tenet, USA 2020)

Also eigentlich ist die Filmgeschichte ganz einfach:


TV-Tipp für den 19. April: Die Axt im Regenwald

April 18, 2022

Arte, 21.50

Die Axt im Regenwald (Deutschland 2020)

Regie: Albert Knechtel

Drehbuch: Albert Knechtel

Spielfilmlange Doku von Albert Knechtel über die Abholzung des Regenwaldes in Brasilien durch Jair Bolsonaro, der titelgebenden „Axt im Regenwald“, und wie die Indigenen den Regenwald schützen.

Hinweis

Arte über die Doku (bis zum 17. Juli 2022 in der Mediathek)


Wieder im Kino & Neu auf DVD: „Maidan“ von Sergei Loznitsa

April 18, 2022

Aus aktuellem Anlass wird „Maidan“ jetzt wieder in einigen Kinos gezeigt und er erschien jetzt auch auf DVD. Das ist also eine gute Gelegenheit, sich Sergei Loznitsas acht Jahre alten Dokumentarfilm anzusehen. Bei Rotten Tomatoes hat er einen Frischegrad von hundert Prozent (was bei 26 Besprechung jetzt nicht so aussagekräftig ist) und auch bei uns wurde er zum Kinostart von der Kritik abgefeiert.

Der in Berlin lebende Sergei Loznitsa ist der international bekannteste ukrainische Regisseur. Er begann in den Neunzigern als Dokumentarfilmer und dreht seit 2010 auch Spielfilme. Zu seinen bekanntesten Werken gehören „Austerlitz“ und „Donbass“.

In „Maidan“ beobachtet er die Ereignisse auf dem Maidan. Auf dem zentralen Platz in Kiew versammeln sich ab dem 21. November 2013 Demonstrierende. Sie protestieren anfangs gegen die Nichtunterzeichnung des Assoziierungsabkommens mit der Europäischen Union durch den ukrainischen Präsidenten Wiktor Janukowytsch. Die friedlichen Proteste werden schnell größer. Sie eskalieren als die Polizei den Platz räumen will.

Am 21. Februar 2014 flüchtet Janukowytsch nach Russland. Kurz darauf enden die Prostete und der Film.

Maidan“ ist eine sich über diese Wochen erstreckende unkommentierte Chronik. Aufgenommen wurde sie mit einer statischen Kamera, die von den Anwesenden nicht bemerkt wurde. Sie drehen ihr oft den Rücken zu. Wenn sie auf sie zugehen, blicken sie nicht in die Kamera. Manchmal stellen sie sich auch einfach vor die Kamera. Reden auf der Bühne sind fast immer aus einer so großen Entfernung aufgenommen, dass die namenlosen Redner nicht zu erkennen sind. Normalerweise befindet die Kamera sich auf Augehhöhe mit den Protestierern. Bei einem anderen Blickwinkel könnten es Bilder aus einer Überwachungskamera sein. Es gibt keinen Off-Kommentar oder Interviews.

Es ist daher auch vollkommen unklar – jedenfalls ohne die begleitende Lektüre von Hintergrundberichten oder anderen Filmen und Nachrichtensendungen – wer hier wofür kämpft, welche Ansichten sie haben und ob ich mich mit deren Anliegen identifizieren kann und will. Es sind nur Menschen auf einem Platz.

Insofern ist „Maidan“ dann nur eine Abfolge von Bildern ohne irgendeinen Kontext. Gerade wenn es um politische Prozesse geht, sind der Kontext und Hintergrundinformationen wichtig. Erst sie ermöglichen eine Einordnung der Bilder.

Auch weil ich mit diesem rein beobachtendem Dokumentarfilmstil normalerweise wenig anfangen kann, war der Film für mich überwiegend langweilig und eine ärgerliche Zeitverschwendung. Denn in den über zwei Stunden, die „Maidan“ dauert, hätte ich einige Artikel über die Ukraine und den Maidan und den Wikipedia-Artikel und eine konventionelle TV-Doku sehen können. Dann hätte ich später beim Gespräch in woauchimmer etwas über den Maidan erzählen können.

Maidan (Майдан, Ukraine/Niederlande 2014)

Regie: Sergei Loznitsa

Drehbuch: Sergei Loznitsa

DVD

Grandfilm

Bild: 1:1,85 (PAL)

Ton: Ukrainisch (Dolby Digital 5.1 & 2.0)

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bonusmaterial: –

Länge: 128 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Maidan“

Metacritic über „Maidan“

Rotten Tomatoes über „Maidan“

Wikipedia über „Maidan“ und Sergei Loznitsa (deutsch, englisch)

Homepage von Sergei Loznitsa