1873 im Winter: Undercover-Agent Deakon muß während einer Zugfährt ein Komplott aufklären.
Der Krimi spielt zwar im Wilden Westen, aber Alistair MacLean verbrät seine üblichen Ideen nur vor einer anderen Kulisse (Undercover-Agenten, große Verbrechen, Doppelspiele, Frauen – halt das, was wir auch von seinen Kriegs- und Agententhrillern kennen). Trotzdem ganz unterhaltsam.
Mit Charles Bronson, Jill Ireland, Ben Johnson, Charles Durning, Richard Crenna
Krimi-Autor Bill Crider schrieb im January Magazine über Detektive im Westen und dieses Buch: „There was a time when Scottish novelist MacLean was the premier thriller writer on both sides of the Atlantic. (Ask anyone who’s read some his early books, if you don’t believe that. Better still, read one yourself.) His forte was putting extremely competent heroes into situations that required physical strength, endurance and intelligence, and his plots were often quite complex mysteries. He was a little past his prime when he wrote Breakheart Pass, about an accused killer who’s taken on board a train loaded with medical supplies, relief troops and more than its fair share of troublemakers. Still, the book is a lot of fun, with one surprise after another (you never know just who’s on the side of the ungodly and who’s not in a MacLean novel), and enough action for two or three volumes. It rips along right until the breathless conclusion, and even the one embarrassing technical glitch probably won’t bother anyone too much.“
Bei einem Blick auf die Credits, die erst am Filmende eingeblendet werden, wird deutlich, warum „Creed II“ so ist, wie er ist.
Wir erinnern uns: „Creed“ erzählte die Geschichte von Adonis Creed, dem Sohn von Apollo Creed. Er will Boxer werden und der Weg an die Spitze kann nur mit Apollos altem Freund Rocky Balboa gelingen. Adonis Creed überzeugt ihn, ihn zu trainieren und fortan gewinnt er Boxkämpfe.
Der kreative Kopf hinter „Creed“ war Ryan Coogler. Er schrieb das Drehbuch und überzeugte Sylvester Stallone seinen Charakter in einem Film zu spielen, für den er weder das Drehbuch geschrieben hatte, noch die Regie führen würde. Und er nur eine Nebenrolle haben würde. Stallone stimmte zu. Der Film war gleichzeitig ein gelungenes Ende der Rocky-Saga, eine Staffelübergabe von einer zu einer anderen Generation, eine Neuinterpretation der „Rocky“-Aufsteigergeschichte und einfach ein guter Film.
Anschließend inszenierte Ryan Coogler „Black Panther“, ein Welterfolg, der jetzt auch für den Oscar als bester Film des Jahres nominiert ist. In „Creed II“ ist er nur noch einer der zahlreichen Produzenten. D. h.: sein kreativer Input dürfte sich auf das Übermitteln seiner Bankverbindung beschränkt haben.
Stattdessen übernahm Sylvester Stallone wieder das Ruder und behielt es in der Hand. Er schrieb mit einem Neuling das Drehbuch. Die Regie übernahm Steven Caple Jr.. Bislang inszenierte er einige TV-Filme und einen niedrig budgetierten Spielfilm. Das muss jetzt nicht unbedingt schlecht sein. Schließlich können junge Autoren und Regisseure alten Serien einen neuen Dreh verleihen. In diesem Fall führt es dazu, dass Sylvester Stallone ungehindert seine Ego-Show abziehen kann.
Das beginnt schon mit der Story: Viktor Drago, der Sohn von Ivan Drago, fordert den Boxweltmeister Adonis Creed zum Kampf heraus. Nach kurzem Zögern nimmt Creed die Herausforderung an. Immerhin tötete Ivan Drago seinen Vater Apollo im Ring.
Das war in „Rocky IV – Der Kampf des Jahrhunderts“ (Rocky IV, USA 1985). Sylvester Stallone war damals Hauptdarsteller, Drehbuchautor und Regisseur.
„Creed II“ ist jetzt ein Remake von diesem Machwerk. Nur ohne dessen Ideologie. Dabei verlieh gerade diese strunzdumme Ideologie, in der der Kampf zwischen Ost und West im Boxring ausgetragen und beendet wird, dem Polit-Trash eine bestimmte tagespolitische Relevanz und auch Kraft.
In „Creed II“ bleibt dagegen nur die altbekannte Dramaturgie eines Boxerfilms und Söhne, die, wie programmierte Roboter, noch einmal den Kampf ihrer Väter nachstellen.
Damit beraubt sich der Film jeder Möglichkeit, irgendetwas neu zu interpretieren oder der Geschichte irgendeinen interessanten oder überraschenden Aspekt abzugewinnen oder irgendein neueres Thema anzusprechen. Es gibt einfach nichts, was zum Nachdenken anregt.
„Creed II“ ist einfach eine ziemlich farblose Wiederholung von „Rocky IV“.
Creed II (Creed II, USA 2018)
Regie: Steven Caple Jr.
Drehbuch: Juel Taylor, Sylvester Stallone (nach einer Geschichte von Sascha Penn und Cheo Hodari Coker)
mit Michael B. Jordan, Sylvester Stallone, Tessa Thompson, Wood Harris, Russell Hornsby, Phylicia Rashad, Dolph Lundgren, Florian ‚Big Nasty‘ Munteanu, Brigitte Nielsen
Für die Fans des britischen Königshauses, die es gerne mit der rosaroten Brille haben, dürften beide Filme nichts sein. Einmal wird Maria Stuart durch die feministische Brille neu betrachtet, einmal gibt es Neid und Missgunst am Hofe von Königin Anne und die Männer stehen, hübsch geschminkt und kostümiert, am Spielfeldrand. Yorgos Lanthimos‘ „The Favourite – Intrigen und Irrsinn“ ist eine grandiose, tiefschwarze Komödie. Josie Bourkes „Maria Stuart, Königin von Schottland“ wirkt dagegen wie ein Lore-Roman.
Als Achtzehnjährige kehrt Maria Stuart (Saoirse Ronan) 1561 als Witwe aus Frankreich nach Schottland zurück. Sie präsentiert sich als freigeistige Herrscherin. Anstatt ihrem Volk die Religion vorzugeben, dürfen sie Protestanten bleiben, während sie Katholikin ist. Für sie ist Schottland nur eine Station auf dem Weg nach London. Denn sie ist, nach der Erbfolge, die rechtmäßige Herrscherin des englischen Königreichs. Ein Anspruch, der während des gesamten Films nie ernsthaft bestritten wird.
Trotzdem will Königin Elizabeth I (Margot Robbie) die Krone nicht abgeben.
Während in den kitschigen Adelsschmonzetten die Liebe im Mittelpunkt steht, geht es in „Maria Stuart, Königin von Schottland“ um die weltliche Macht. Heirat ist dabei nur ein Arrangement, um einen Thronnachfolger zu zeugen. Dafür braucht Maria Stuart einen Mann (den sie als Friedensangebot gegenüber Königin Elizabeth heiratet) und seinen Samen. Dass er homosexuell ist, ist ihr egal. Sowieso geht es an ihrem Hof in jeder Beziehung sehr leger zu.
Das sind in einem Kostümdrama schon einige neue Töne. Aber Theaterregisseurin Josie Rourke gelingt es in ihrem Filmdebüt nicht, daraus mehr als eine längliches Drama zu machen. Der Konflikt zwischen Maria Stuart und Königin Elizabeth stagniert, die Intrigen zwischen weltlicher und geistlicher Macht (bzw. Mächten) und die Heiratspolitik interessiert höchstens Historiker, die diesen Historienstreifen zum Anlass genommen haben, über die richtige Interpretation von Maria Stuart zu streiten. Die können sicher auch sofort erklären, ob der Hofstaat von Mary Stuart wirklich ethisch so divers wie im Film war.
„The Favourite“ ist dagegen grandioses Schauspielerkino, das den Königshof als einziges Intrigantenstadl zeichnet und fröhlich die historische Korrektheit ignoriert. Im Gegensatz zu anderen Filmen, in denen ständig die historische Genauigkeit betont und dann von Fachleuten bestritten wird, werden die Macher von „The Favourite“ nicht müde zu betonen, dass sie sich viele Freiheiten erlaubten. Dem Film schadete es nicht. Es ist ein sehr zeitgenössisches Werk, in dem zwei Frauen um ihre Stelle bei der Königin kämpfen.
Königin Anne (Olivia Colman, grandios!!!) ist die Herrscherin des Königreichs, als es zum Königreich Großbritannien wird und zur Weltmacht aufsteigt. Sie ist kränklich, hat schwere Gicht und ist übergewichtig. Trotz 17 Geburten zeugt sie keinen Thronfolger. Sie war die letzte Regentin aus dem Hause Stuart.
Sie gilt als schwach und manipulierbar. Ihre Cousine und Vertraute Lady Sarah Churchill, Herzogin von Marlborough (Rachel Weisz), übernimmt dagegen die Regierungsgeschäfte.
Ungefähr um 1700 taucht Abigail Masham (Emma Stone) am königlichen Hof auf. Also genaugenommen wird sie mit einem Tritt aus der Kutsche in den Matsch vor dem Palast gestoßen. Schon in dem Moment ist klar, dass Lanthimos Film kein Heile-Welt-Film wird. Mit Abigail ändert sich das Machtgefüge am Hof. Zunächst muss die arme Verwandte der Königin als Magd den Küchenboden schrubben. Doch schnell schleimt sie sich bei der Königin ein.
Lanthinos („The Lobster“, „The Killing of a sacred Deer“) inszeniert einen herrlich dekadenten Zickenkrieg, in dem immer wieder unklar ist, wer hier gerade wen manipuliert und drei Schauspielerinnen brillieren dürfen.
In den vergangenen Wochen wurde der Film zu recht mit Lob, Nominierungen und Preisen überschüttet. Der aktueller Höhepunkt sind die zehn Oscar-Nominierungen in den Kategorien „Bester Film“ (Ceci Dempsey, Ed Guiney, Yorgos Lanthimos, Lee Magiday), „Beste Regie“ (Yorgos Lanthimos), „Bestes Originaldrehbuch“ (Deborah Davis, Tony McNamara), „Beste Hauptdarstellerin“ (Olivia Colman), „Beste Nebendarstellerin“ (Emma Stone), „Beste Nebendarstellerin“ ( Rachel Weisz), „Beste Kamera“ (Robbie Ryan), „Bester Schnitt“ (Yorgos Mavropsaridis), „Bestes Szenenbild“ (Fiona Crombie, Alice Felton) und „Bestes Kostümdesign“ (Sandy Powell).
„The Favourite“ ist ein früher Höhepunkt des diesjährigen Kinojahrs.
Maria Stuart, Königin von Schottland (Mary, Queen of Scots, Großbritannien 2018)
Regie: Josie Rourke
Drehbuch: Beau Willimon
LV: John Guy: Queen of Scots: The True Life of Mary Stuart, 2004
mit Saoirse Ronan, Margot Robbie, Jack Lowden, Joe Alwyn, David Tennant, Guy Pierce, Gemma Chan, Martin Compston, Ismael Cruz Cordova, Brendan Coyle, Ian Hart, Adrian Lester
Georges pflegt seine Frau Anne, mit der er seit Jahrzehnten verheiratet ist – und Michael Haneke beobachtet diesen Weg in den Tod mit der ihm eigenen Präzision.
Der grandiose Film erhielt unter anderem die Goldene Palme (kurz nach seiner Weltpremiere), den Oscar als bester ausländischer Film (er war auch nominiert als bester Film, beste Regie, bestes Drehbuch und beste Hauptdarstellerin), mehrere Césars und viele weitere Preise.
Kürzlich erschienen und mit deutlich über eintausendreihundert Seiten kein leichtes Buch: „Die Drehbücher“ von Michael Haneke. Es enthält die Drehbücher der Kinofilme von Michael Haneke. Das sind „Der siebente Kontinent“ (1989), „Benny’s Video“ (1992), „71 Fragmente einer Chronologie des Zufalls“ (1994), „Der Kopf des Mohren“ (1995, verfilmt von Paulus Manker), „Funny Games“ (1997, US-Remake 2008), „Code: Unbekannt“ (2000), „Die Klavierspielerin“ (2001), „Wolfzeit“ (2003), „Caché“ (2005), „Das weiße Band“ (2009), „Liebe“ (2012), „Flashmob“ (noch nicht verfilmt) und „Happy End“ (2017).
Die spannend wie ein Polit-Thriller erzählte Vorgeschichte zum Auschwitz-Prozess, der von 1963 bis 1967 unter großer öffentlicher Anteilnahme in Frankfurt am Main vor Gericht verhandelt wurde.
In dem Film versucht ein junger Staatsanwalt, unter der Aufsicht von Generalstaatsanwalt Fritz Bauer, in jahrelanger mühseliger Kleinarbeit die nötigen Beweise für eine Anklage gegen die Täter in dem Konzentrationslager Auschwitz zu bekommen, während in Deutschland gerade das Wirtschaftswunder und das kollektive Vergessen gefeiert wurden.
mit Alexander Fehling, André Szymanski, Friederike Becht, Gert Voss, Johannes Krisch, Hansi Jochmann, Johann von Bülow, Robert Hunger-Bühler, Lukas Miko, Lisa Martinek
Tatort: Das Glockenbachgeheimnis (Deutschland 1999)
Regie: Martin Enlen
Drehbuch: Friedrich Ani
Wer ermordete Hauserbe Martens? Und was ist das Geheimnis des Glockenbaches?
Guter Münchner „Tatort“ mit den Kommissaren Batic (Miroslav Nemec), Leitmayr (Udo Wachtveitl) und Menzinger (Michael Fitz). Iris Berben spielt eine dubiose Caféhaus-Besitzerin.
1988 war Gary Hart einer der Kandidaten der Demokraten für das Amt des US-Präsidenten. Seine Chancen standen gut, aber vor allem ein Ereignis führte dazu, dass er schon bei den Vorwahlen vollkommen scheiterte.
Jetzt kommt ein Spielfilm über diesen sehr erfolglosen Kandidaten in unsere Kinos. Denn sein Ausscheiden aus dem Rennen um die Präsidentschaft markiert einen wichtigen Wendepunkt in der öffentlichen Behandlung von Bewerbern für politische Ämter. Davor war Privates privat. Auch wenn die politischen Journalisten von außerehelichen Geliebten und Affären wussten, wurde nicht darüber berichtet. Es wurde über ihre politischen Ansichten und ihre Arbeit geschrieben. Auch bei Gary Hart war es zunächst so. Aber dann rückte eine außereheliche Affäre in den Mittelpunkt der Berichterstattung. Und erstmals führte das zum Ende der politischen Ambitionen des Kandidaten.
2014 veröffentlichte der „New York Times Magazine“-Journalist Matt Bai „All the Truth Is Out: The Week Politics Went Tabloid“, sein Buch über diese Affäre und wie aus den Politikseiten Boulevardseiten wurden.
In seinem Drama „Der Spitzenkandidat“ beleuchtet Jason Reitman, nach einem von ihm, Bai und Jay Carson (u. a. war er Pressesprecher für Hillary Clinton) geschriebenem Drehbuch, jetzt die Kandidatur des Hoffnungsträgers Hart und den Umgang der Medien mit ihm. Dabei konzentriert er sich mehr auf die Medien und Harts Umfeld als auf Hart. Der erscheint als sympathischer Senator für den Staat Colorado, der Menschen durch seine natürliche Art und jugendhafte Ausstrahlung begeistert. Politisch soll er auch sehr talentiert sein. Aber das sieht man in dem Film nicht.
Dafür sieht man, wie die Tageszeitungen mit der Konkurrenz durch das Fernsehen umgehen. Seit 1980 sendete CNN als 24-Stunden-Nachrichtensender. Im Film sind die Washington Post und der Miami Herald, die den Skandal publizierte, die beiden Tageszeitungen, die sich mit der Frage beschäftigen, ob das Privatleben eines Politikers für die Politik-Seiten berichtenswert ist. Bis dahin galt die Regel, über Klatsch und Bettgeschichten wird auf den Politikseiten nicht geschrieben. Schließlich geht es um Fakten, politische Ansichten und Fähigkeiten.
Als der Miami Herald einen anonymen Tipp erhält, dass Hart eine außereheliche Affäre mit dem Model Donna Rice hat, die auf der Yacht „Monkey Business“ begann und jetzt in Washington fortgeführt werden soll, schickt die Zeitung ein kleines Team nach Washington, D. C.. Sie sollen Harts Stadthaus überwachen. Sie sehen, dass der verheiratete Kandidat Damenbesuch hat. Sie veröffentlichen das und Gary Harts sorgfältig auf politische Botschaften ausgerichtete Kampagne und sein bis dahin von der Öffentlichkeit sorgsam abgeschottetes Familienleben geraten ins Trudeln.
In seinem Polit-Drama „Der Spitzenkandidat“ pendelt Jason Reitman elegant zwischen Harts Kampagne (und den Versuchen seines Wahlkampfmanangers, die Katastrophe zu verhindern), seinem Familienleben (und den Versuchen seiner Frau, mit der in allen Medien verbreiteten Meldung vom Seitensprung ihres Mannes umzugehen) und den Medien, vor allem den politischen Journalisten und wie sie mit der grenzüberschreitenden Titelgeschichte des Miami Herald über die vermutliche Affäre eines Politikers umgehen sollen. Es ist ein Ensemblestück, das im semi-dokumentarischen New-Hollywood-Look inszeniert wurde und vor allem zwei Vorbilder hat: Michael Ritchies „Der Kandidat“ (1972) mit Robert Redford als idealistischen Anwalt, der Senator werden will, und die Ensemblefilme von Robert Altman, in denen, wie im echten Leben, wild durcheinander gesprochen wird. Reitmans Films ist auch ein Lehrstück über Menschen, die immer wieder von äußeren Umständen getrieben werden und deren Ziele und Werte miteinander kollidieren. Dass der Anlass dafür aus heutiger Sicht fast schon rührend banal ist, ändert daran nichts. Die Berichte über Harts angebliche Affäre beendete eine Karriere und veränderte, jedenfalls in den USA, die Berichterstattung über Politiker.
Weil Reitman etwas dichotomisch „Privatleben“ und „Öffentliches Leben“ bzw. „politische Berichterstattung“ und „Boulevard“/“Klatsch“ gegenüberstellt und er das Verhalten der Presse als übergriffig darstellt, umgeht er auch die Frage, wann das Private politisch ist und wie sehr das Verschweigen von Bettgeschichten auch ein Schweigekartell von weißen Männern war. Insofern spielt Reitmans gut gespielter, gut inszenierter und straff inszenierter Film nicht nur 1987, sondern er fängt auch den damaligen Zeitgeist ein.
Der Spitzenkandidat (The Front Runner, USA 2018)
Regie: Jason Reitman
Drehbuch: Matt Bai, Jay Carson, Jason Reitman
LV: Matt Bai: All the truth is out: The Week Politics went Tabloid, 2014
mit Hugh Jackman, Vera Farmiga, Alfred Molina, J. K. Simmons, Sara Paxton
Die Prämisse von Nadine Labakis neuem Film „Capernaum – Stadt der Hoffnung“ – ein Zwölfjähriger verklagt seine Eltern, weil sie ihn geboren haben – ist so einfach, wie grandios. Und im Film viel zu schnell vergessen. Sie bildet nur den beliebig austauschbaren Rahmen für eine lange Rückblende, in der Zains Geschichte erzählt wird. Der Junge schlägt sich in den Slums von Libanon durch. Zusammen mit seinen Eltern und Geschwistern lebt er in einer viel zu kleinen Wohnung. Mit kleinen Verbrechen und Straßengeschäften hält er sich über Wasser. Er bestreitet damit eine Teil des Familieneinkommens. Er passt auf seine jüngeren Geschwister auf.
Als seine jüngere Schwester Sahar verheiratet werden soll, wehrt er sich dagegen. Er mag den zukünftigen Ehemann von Sahar, der auch ihr Vermieter und Arbeitgeber ist, nicht. Nach einem Streit mit seinem Vater darüber, flüchtet er von zu Hause.
Er versteckt sich in einem Vergnügungspark und lernt eine junge, aus Äthiopien kommende Mutter kennen, die ebenfalls um ihr Überleben kämpft. Und schon wieder muss er Dinge tun, von denen auch ein Erwachsener leicht überfordert wäre. Trotzdem verliert Zain nie seinen Kampfgeist.
In Cannes erhielt Nadine Labaki für ihr Drama „Capernaum – Stadt der Hoffnung“ den Preis der Jury und den Preis der Ökumenischen Jury. Mit Laiendarstellern zeichnet sie ein bedrückendes, aber nie hoffnungsloses Bild des Lebens der Armen in der Millionenstadt.
Sie drehte den Film in sechs Monaten. Am Ende hatte sie 520 Stunden Filmmaterial, aus dem sie den zweistündigen Film schnitt, der ein Aufruf zur Menschlichkeit ist. Er ist Anklage gegen eine Gesellschaft ist, die sich nicht um ihre Kinder und die Armen kümmert und ihnen elementare, für uns selbstverständliche Rechte, wie Bildung, Gesundheit, und ein soziales Netz, vorenthält.
Das ist so gelungen, dass es den Gimmick mit dem Jungen, der seine Eltern anklagt, nicht gebraucht hätte. Denn Labaki verfolgt diese Idee nicht weiter. „Capernaum“ ist ein berührendes Sozialdrama, das immer nah an der Realität ist.
Zains Geschichte ist auch die von seinem Darsteller Zain Al Rafeea. Er wurde am 10. Oktober 2004 in Daraa, Syrien geboren. Nach gewaltsamen Auseinandersetzungen floh Zains Familie 2012 in den Libanon. Unregelmäßig erhielt er Hausunterricht. Regelmäßig arbeitete er in Beirut als Lieferant von Supermarkt-Einkäufen. 2016 entdeckte die Casting-Direktorin von „Capernaum“ ihn in seinem Viertel. Mit der Hilfe des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen konnten Zain und seine Familie nach Norwegen auswandern.
Capernaum – Stadt der Hoffnung (Capharnaüm, Libanon 2018)
Regie: Nadine Labaki
Drehbuch: Nadine Labaki, Jihad Hojeily, Michelle Kesrouani (in Zusammenarbeit mit Georges Khabbaz, unter Mitwirkung von Khaled Mouzanar)
mit Zain Al Rafeea, Yordanos Shiferaw, Boluwatife Treasure Bankole, Kawthar Al Haddad, Fadi Kamel Youssef, Cedra Izam, Alaa Chouchnieh, Nadine Labaki
Ein Abend mit Eric Rohmer (geb. 21. März 1920 in Tulle, Département Corrèze; gest. 11. Januar 2010 in Paris)
Arte, 20.15
Sommer (Conte d’été, Frankreich 1996)
Regie: Eric Rohmer
Drehbuch: Eric Rohmer
Gaspard fährt in die Bretagne. Seine Freundin Lena soll später kommen. Bis dahin verliebt er sich in einige andere Frauen.
Dritter Film von Rohmers „Jahreszeiten“-Zyklus und eine Wiederbegegnung mit Amanda Langlet, der Pauline aus „Pauline am Strand“.
„besteht das leichtfüßig daherkommende Beziehungsdrama größtenteils aus Gesprächen über die Irrungen und Wirrungen der Liebe. Auch hier zeigt sich wieder Rohmers unnachahmliche Kunst, das Allerweltsthema inszenatorisch so zu überhöhen, dass die Zuschauer regen Anteil nehmen an den Nöten und Macken der Durchschnittsfiguren.“ (Fischer Film Almanach 1997 – das kann eigentlich über jeden Rohmer-Film gesagt werden)
Pauline am Strand (Paulie à la plage, Frankreich 1982)
Regie: Eric Rohmer
Drehbuch: Eric Rohmer
Sommer in der Normandie: drei Frauen, drei Männer, lange Gespräche über die Liebe.
„Pauline am Strand“ ist der dritte Film aus Rohmers Serie „Komödien und Sprichwörter“: „Von manchen Kritikern hoch gelobt, ist ‚Pauline am Strand‘ doch eher ein akademisches Alterswerk.“ (Fischer Film Almanach 1984, dem Rohmers frühere Filme besser gefielen)
Auf der Berlinale erhielt er den Silbernen Bären für Rohmer.
mit Amanda Langlet, Arielle Dombasle, Pascal Gregory, Feodor Atkine, Simon de la Brosse
Die Stimme des Mondes (La voce della luna, Italien/Frankreich 1989)
Regie: Federico Fellini
Drehbuch: Federico Fellini, Tullio Pinelli, Ermannno Cavazzoni (frei nach dem Roman „Il Poema dei Lunatici“ [Gesang der Mondköpfe] von Ermanno Cavazzoni)
Auf seinen nächtlichen Spaziergängen trifft der mondsüchtige Salvini den ehemaligen Präfekten. Gemeinsam wollen sie ein Komplott gegen die Menschheit verhindern.
Fellinis selten gezeigter letzter Spielfilm (wobei auch seine anderen Filmen selten gezeigt werden): „das enttäuschende Schlussstück im Lebenswerk eines Meisterregisseurs“ (Chris Wiegand/Paul Duncan, Hrsg.: Federico Fellini – Sämtliche Filme, 2003/2013)
„Federico Fellini scheint allmählich die kreative Luft auszugehen. Seine Mondstimme hat uns kaum noch etwas Neues zu sagen. (…) In seiner hintersinnigen Grotesk-Komödie mit ihren disparaten erzählerischen Episoden verlässt sich Fellini vielleicht zu sehr auf die Ausstrahlung der beiden Hauptdarsteller Roberto Benigni und Paolo Villaggio. Doch weder sie noch die wenigen poetischen Szenen reichen aus, diesen Film an seine früheren Meisterwerke auch nur heranzurücken.“ (Fischer Film Almanach 1991)
mit Roberto Benigni, Paolo Villaggio, Nadia Ottaviani, Marisa Tomasi, Sim, Syusy Blady
Hier ist er: der Abschluss einer Trilogie, nach der niemand verlangt hat. Denn „Unbreakable“ und „Split“ waren zwei vollkommen eigenständige, an der Kasse erfolgreiche Filme. „Unbreakable“ erzählte eine Geschichte über einen Normalbürger (Bruce Willis), der zum Superhelden wird und das bevor es die ganze Aufregung über Superheldengeschichten gab. Damit war M. Night Shyamalans Film vor seiner Zeit. „Split“ ist letztendlich ein Thriller über einen wahnsinnigen Entführer (James McAvoy). Denn in dem Körpers des Entführers wohnen zwei Dutzend verschiedenen Persönlichkeiten. Am Ende zeigt er dann seine Superkräfte, indem er an Wänden entlangläuft. Das war während des gesamten Films nicht vorbereitet worden und gefiel mir damals überhaupt nicht. Am Ende gibt es dann noch einen Kurzauftritt von Bruce Willis und damit die Gewissheit, dass beide Filme in der gleichen Welt spielen. Das hätte aber auch ein kurzer Gag sein können, weil halt beide Filme in Philadelphia spielen.
War es nicht. Es war der Hinweis, dass beide Filme ‚Origin-Geschichten‘ sind und sie jetzt in „Glass“ zusammengeführt und zu Ende erzählt werden. So erzählt M. Night Shyamalan es jedenfalls heute. Es gibt auch fast zwanzig Jahre alte Statements von ihm, in denen er ebenfalls sagt, dass „Unbreakable“ der erste von mehreren Filmen sein soll. Es gibt auch Statements, in denen er das Gegenteil sagt. Ein Grund für seine wechselnden Statements war, dass „Unbreakable“ im Kino unter den Erwartungen blieb, aber im Heimkino dann gut lief. „Split“ war dann so erfolgreich, dass er jetzt „Glass“ drehen konnte.
„Glass“ zerfällt dabei in zwei, letztendlich statische Teile. Die erste Hälfte spielt in einer gut gesicherten, geschlossenen Anstalt (aka Arkham Asylum?). Dort sitzen, gegen ihren Willen, David Dunn (Bruce Willis), Kevin Wendell Crumbs (James McAvoy) und Elijah Price, aka Mr. Glass (Samuel L. Jackson). Dr. Ellie Staple (Sarah Paulson) ist als Leiterin der Anstalt überzeugt, dass diese drei Männer zwar glauben, dass sie Superkräfte haben, aber alles natürlich erklärt werden kann. Sie möchte sie von Irrglauben heilen. Diese Hälfte ist vor allem ein Showcase für James McAvoy, der bruchlos zwischen den verschiedenen in Crumbs lebenden Charakteren wechselt. Es ist „Split“ ohne eine Geschichte.
Die zweite Hälfte spielt dann vor der Anstalt und sie ist vor allem eine endlose Klopperei.
Natürlich erzählt M. Night Shyamalan auch etwas mehr und am Ende gibt es einige Überraschungen, die dann teils nicht so wahnsinnig überraschend sind, teils wirken, als solle vor allem eine neue Serie vorbereitet werden. Weil allerdings keiner dieser Twists vorbereitet wurde, überzeugt auch keiner dieser Twists.
Dabei thematisiert Shyamalan all die bekannten Topoi und Klischees aus Superheldengeschichten und bürstet sie immer wieder gegen den Strich. Als intellektuelle Beschäftigung mit einem Genre hat das, wenn man sich in dem Genre auskennt, durchaus seine reizvollen Momente. Sogar die Struktur hat er aus den Comics übernommen, in denen eine Geschichte in zwei Heften erzählt wird und jedes Heft eigenständig gelesen werden kann. Aber als Film fehlt „Glass“ eine stringente Geschichte. Und es wird niemals deutlich, warum „Glass“ das Finale einer Trilogie sein soll. „Glass“ wirkt niemals wie der aus den vorherigen Filmen notwendige Abschluss einer Geschichte, sondern immer wie ein kühl kalkuliertes und lustlos ausgeführtes Kommerzprodukt.
Fortsetzung folgt…
Glass (Glass, USA 2019)
Regie: M. Night Shyamalan
Drehbuch: M. Night Shyamalan
mit James McAvoy, Samuel L. Jackson, Bruce Willis, Anya Taylor-Joy, Spencer Treat Clark, Charlayne Woodard, Sarah Paulson, Luke Kirby, M. Night Shyamalan
Collider über das Ende (Ähem, ja, vor allem bei Wikipedia und Collider: Vorsicht Spoiler! – und auch der jetzt wohl mehr oder weniger offizielle Name der Trilogie ist, wenn man „Glass“ nicht gesehen und ein gutes Gedächtnis hat, ein Spoiler.)
Zielfahnder – Flucht in die Karpaten (Deutschland 2016, Regie: Dominik Graf)
Drehbuch: Rolf Basedow
Die beiden LKA-Zielfahnder Hanna Landauer und Sven Schröder verfolgen den flüchtigen Gewaltverbrecher Liviu Caramitru bis nach Rumänien.
Mit gut zwei Stunden Laufzeit sprengt Dominik Graf dieses Mal locker das übliche Neunzig-Minuten-TV-Korsett. Mit seinem hohen Erzähltempo verlangt er den aufmerksamen Zuschauer, der sich aus ein, zwei Andeutungen eine ganze Geschichte zusammenreimen muss. Und mit dem ungewöhnlichen Schauplatz zeigt er uns eine fremde Welt, in der die Gesetze des „Tatort“ nicht mehr gelten.
Hochspannender, grandioser Thriller
mit Ulrike C. Tscharre, Ronald Zehrfeld, Arved Birnbaum, Axel Moustache, Dragos Bucur, Radu Binzaru, Anna Schäfer
In den USA kam Michael Moores neuer Film „Fahrenheit 11/9“ am 21. September 2018 in die Kinos. Bei uns wenige Monate später. Normalerweise ist das kein Problem. In diesem Fall fährt es dazu, dass aus einer politischen Intervention ein historisches Dokument wurde, das zu einem großen Teil so prickelnd wie die Tageszeitung von Gestern ist. Denn mit „Fahrenheit 11/9“ wollte Michael Moore, der immer Dokumentarfilmer und Aktivist ist, die Wahl zum Senat und Repräsentantenhaus im November beeinflussen. Die Wahlergebnisse – denn es fanden noch viele weitere Wahlen und Abstimmungen statt – waren dann ein großer Erfolg für die Demokraten und somit die Trump-kritischen Kräfte. Diese Wahlen waren auch der Punkt, an dem die US-Amerikaner zum ersten Mal in einem großen Maßstab etwas tun konnten, um aus dem Schlamassel herauszukommen, in den sie mit der Wahl von Donald Trump zum Präsidenten der USA hineingerieten. Wobei, und das wird Michael Moore nicht müde in seinen vielen Interviews und öffentlichen Auftritten zu betonen, Trump nur das I-Tüpfelchen (okay, eher einige Nummern größer und auch unappetitlicher) und das unübersehbarste Symptom einer langen Entwicklung in den USA ist. Daher fragt Michael Moore sich in seinem neuesten Film auch, wie es zur Wahl von Donald Trump kommen konnte. Diese Suche nach den Ursachen verknüpft er mit zahlreichen Beispielen des Widerstands gegen Trump und seine Politik. Moore präsentiert vor allem Beispiele aus der Zeit nach der Wahl von Trump zum Präsidenten. Es sind Beispiele, die zeigen, dass sich Aktivismus lohnt. Es ist auch ein unverhohlener Aufruf, im November bestimmte Menschen zu wählen. Insofern ist „Fahrenheit 11/9“ ein zweistündiges Wahlvideo.
Dafür beschäftigt er sich mit der Flint-Wasserkrise (die bereits 2014 begann und inzwischen wohl überstanden ist), der Frauenmarsch, streikenden Lehrern, Schülern, die nach dem Schulmassaker an der Stoneman Douglas High School in Parkland, Florida, am 14. Februar 2018 zu Aktivisten gegen die Waffenlobby wurden und er begleitet eine junge Politikerin, die kandidiert, obwohl sie kaum Aussicht auf einen Wahlsieg hat.
Erstaunlich bei der Menge an den Film angesprochenen Ereignissen und Entwicklungen ist, wie viel innerhalb weniger Monate passierte und schon im Trubel der immer neuen Chaosmeldungen aus dem Weißen Haus untergegangen sind. Dabei wurde das letzte halbe Jahr und die Außenpolitik nicht berücksichtigt.
Da ist der Rückblick auf das Gespräch zwischen Michael Moore und Donald Trump in einer TV-Sendung fast schon amüsanter Rückblick in eine unschuldigere Zeit. Bitterböse ist dagegen Moores Zusammenschnitt von Donald Trump und Adolf Hitler in Bild und Ton. Es ist auch einer der vielen eindeutigen Wahlaufrufe in „Fahrenheit 11/9“.
Neben der parteiischen Haltung von Michael Moore, ist das konsequente Verzichten auf das Einblendung von Namen und Funktionen der Gesprächspartner (und teilweise Daten und Ortsnamen) ein großes Problem des Films. Denn wer in den vergangenen beiden Jahren nicht emsig die US-Nachrichten verfolgte, kann vieles nicht einordnen und wenn man von den Interviewten weder den Namen noch seine Funktion kennt, ist auch vollkommen unklar, ob es sich um eine irgendwie substantielle Meinung oder nur die Aussagen des Mannes von Nebenan handelt. Also ob es um eine Kandidatin geht, die wirklich eine reale Aussicht hat, gewählt zu werden, oder um den legendären Taxifahrer, der dem Journalisten gerade die Welt erklärt. Das gilt, zum Beispiel, für den Ex-Soldaten, den Moore in einem Lokal trifft und der ihm etwas von einem landesweiten Widerstand erzählt. Und was man von den politischen Ansichten eines Taxifahrers halten kann, kann man leicht mit einer Taxifahrt erfahren.
Ein anderes großes Problem des Films ist, dass Moore kein großer Theoretiker ist. Eine wirkliche Argumentation und Analyse ist im Wust der einzelnen Beispiele kaum erkennbar. Er unterscheidet dann nicht mehr zwischen Republikanern und Demokraten. Es geht dann unterschiedslos gegen das gesamte Establishment, das sich nicht um den kleinen Mann kümmert. Da werden Meinungen und Vorurteile gegen die Elite in Washington bestätigt. Der Zuschauer wird nicht zum Nachdenken aufgefordert und es gibt auch keine, die eigene Weltsicht in Frage stellende Erkenntnisse.
Der Titel „Fahrenheit 11/9“ ist selbstverständlich eine Anspielung auf seinen erfolgreichen Film „Fahrenheit 9/11“ (über den Anschlag auf das World Trade Center und die Folgen). Wer sich mit Michael Moore so richtig amüsieren will, sollte sich seinen vorherigen Film „Where to invade next?“ (USA 2015) ansehen. Dafür besuchte er viele europäische Länder und suchten nach Ideen, die die USA übernehmen könnte. Er fand glückliche Arbeiter, mit bezahltem Urlaub und Weihnachtsgeld, Arbeitgeber, die ihren Arbeitern das freiwillig geben, Schüler, die leckeres Essen bekommen und Studierende, die sich für ihr Studium nicht haushoch verschulden müssen. Während Michael Moore ungläubig lauschte, kam ich aus dem Lachen nicht mehr heraus. Denn eigentlich alles, was Moore entdeckte und für gut befand, ist für uns Europäer als Teil des Sozialstaats selbstverständlich. Dieser Film ist heute noch so aktuell wie damals. Das kann über „Fahrenheit 11/9“ so nicht gesagt werden.
Fahrenheit 11/9 (Fahrenheit 11/9, USA 2018)
Regie: Michael Moore
Drehbuch: Michael Moore
mit Michael Moore, Donald Trump, Barack Obama, Katie Perry
Beverly Hills Cop – Ich lös’ den Fall auf jeden Fall (Beverly Hills Cop, USA 1984)
Regie: Martin Brest
Drehbuch: Daniel Petrie jr. (nach einer Geschichte von Danilo Bach und Daniel Petrie jr.)
Als ein alter Freund von Detroit-Cop Axel Foley ermordet wird, nimmt er Urlaub und beginnt im noblen Beverly Hills den Mörder zu jagen. Dort fällt er nicht nur wegen seiner Hautfarbe, seinen Klamotten, seinem Mundwerk, sondern auch wegen seinen Methoden (die jede geschriebene und ungeschriebene Dienstvorschrift ignorieren) auf.
Die Action-Comedy war damals ein Kassenschlager und zog zwei schwächere Fortsetzungen nach sich. Ein vierter Film ist seit Ewigkeiten im Gespräch. Aus einer geplanten TV-Serie wurde nichts.
„Meisterwerk des Kommerzes“ (Fischer Film Almanach 1986)
„pures Entertainment“ (Wolfgang Schweiger: Der Polizeifilm)
Tja, das Team Simpson/Bruckheimer wusste schon damals, wie sie an unser Geld kommen. Ihr nächster Film war „Top Gun“.
Das Drehbuch war für einen Oscar und den Edgar-Allan-Poe-Preis nominiert.
mit Eddie Murphy, Judge Reinhold, John Ashton, Lisa Eilbacher, Steven Berkoff, James Russo, Jonathan Banks, Stephen Elliott
Drehbuch: Josef Hader, Wolfgang Murnberger, Wolf Haas
LV: Wolf Haas: Das ewige Leben, 2003
Jetzt ist schon wieder was passiert und der Brenner muss wieder ermitteln. Dieses Mal in seinem Geburtsort.
TV-Premiere: Der vierte Brenner-Film zeigt den Privatdetektiv ganz unten. Aber Aufgeben tut er nicht und wir bekommen einen weiteren höchst vergnüglichen Film.
mit Josef Hader, Tobias Moretti, Nora von Waldstätten, Roland Düringer, Margarethe Tiesel, Christopher Schärf, Sasa Barbul, Johannes Silberschneider, Wolf Haas (Cameo)
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Die selbstverständlich lesenswerte Vorlage
Wolf Haas: Das ewige Leben dtv, 2015 208 Seiten
8,95 Euro
– Erstausgabe
Hoffmann und Campe Verlag, 2003
– Hinweise
Die Unsichtbaren – Wir wollen leben (Deutschland 2017)
Regie: Claus Räfle
Drehbuch: Claus Räfle, Alejandra López
Sehenswertes dokumentarisches Drama, mit nachgespielten Szenen und Interviews. Gezeigt wird das Leben und Überleben einiger Juden in Berlin, nachdem die Stadt am 10. Juni 1943 von Propagandaminister Joseph Goebbels für „judenfrei“ erklärt wurde.
mit Max Mauff, Alice Dwyer, Ruby O. Fee, Aaron Altaras, Victoria Schulz, Florian Lukas, Andreas Schmidt, Laila Maria Witt, Sergej Moya, Lucas Reiber, Robert Hunger-Bühler, Maren Eggert, Naomi Krauss, Hanni Levy, Ruth Gumpel, Cioma Schönhaus, Eugen Friede
2019 (also ungefähr jetzt [in einer anderen Galaxis?]): Vampire beherrschen die Welt. Weil es aber nicht mehr genug Menschenblut gibt, forscht Vampir Edward Dalton für Bromley an einem Blutersatz. Als er auf einige Menschen, die im Untergrund leben, trifft, muss er sich zwischen den Menschen und den Vampiren entscheiden.
„Daybreakers“ ist ein feiner Film, der trotz Ethan Hawke, Willem Dafoe und Sam Neill und der guten Einspielergebnissen in anderen Ländern bei uns keinen Kinostart erhielt. Das führt zu der traurigen Erkenntnis, dass Vampirfilme damals nur als Biss-Filme genug kommerzielles Appeal für eine Kinoauswertung haben. Eine in sich glaubwürdige Dystopie, die detailreich eine Welt zeichnet, in der durchaus kultivierte Blutsauger die Macht übernommen haben, gehört nicht dazu.
mit Ethan Hawke, Willem Dafoe, Sam Neill, Claudia Karvan, Michael Dorman, Isabel Lucas
Weil Nicole Kidman gerade so oft, mit sehr unsterschiedlichen Filmen im Kino zu sehen ist. „Aquaman“ läuft noch (und hat schon über eine Milliarde eingespielt), „Der verlorene Sohn“ (Boy Erased, mit Lucas Hedges und Russel Crowe, wahre Geschichte über einen Baptistenprediger, der seinen homosexuellen Sohn heilen will, Kinostart am 21. Februar), „Mein Bester & ich“ (The Upside, mit Bryan Cranston und Kevin Hart, US-Remake von „Ziemlich beste Freunde“, Kinostart am 21. Februar) und „Destroyer“ (ein insgesamt sehenswerter Noir-Polizeikrimi von „Aeon Flux“-Regisseurin Karyn Kasuma mit Kidman als extrem taffer, von Dämonen aus ihrer Vergangenheit gejagter Polizistin, Kinostart am 14. März).
Arte, 20.15
To Die For (To Die For, USA 1995)
Regie: Gus Van Sant
Drehbuch: Buck Henry
LV: Joyce Maynard: To die for, 1992 (To die for)
TV-Wetterfee Suzanne Stone Maretto lässt für ihre Karriere Männer über die Klinge springen, bis sie an die Mafia gerät.
Bitterböse Mediensatire. Heute war wahrscheinlich noch aktueller und realistischer als damals.
mit Nicole Kidman, Matt Dillon, Joaquin Phoenix, Casey Affleck, Dan Hedaya, Kurtwood Smith, Buck Henry (als Mr. H. Finlaysson), Joyce Maynard (als Suzannes Anwältin), David Cronenberg, George Segal (jeweils Gastauftritte)
Unbreakable – Unzerbrechlich (Unbreakable, USA 2000)
Regie: M. Night Shyamalan
Drehbuch: M. Night Shyamalan
Nach einem Zugunglückfragt David Dunn sich, warum er als einziger die Katastrophe überlebte und warum er sie unverletzt überlebte. Der an der Glasknochenkrankheit leidende Comic-Nerd Elijah Price hat eine interessante Erklärung.
Damals, im Kino und lange vor dem Marvel Cinematic Universe, empfand ich M. Night Shyamalans ersten Film nach seinem Welterfolg „The sixth Sense“ (ebenfalls mit Bruce Willis) als einen durchaus interessanten, aber zähen Film mit absehbarer Pointe über Comic-Superhelden, die es auch in unserer Welt geben soll.
„‚Unbreakable‘ ist so ein Superheldenfilm ohne Superhelden geworden, eher die melancholische Etüde über die unerträgliche Schwere des Seins eines Mr. Normal.“ (Hans-Joachim Neumann, Zitty 1/2001)
mit Bruce Willis, Samuel L. Jackson, Robin Wright Penn, Spencer Treat Clark, Charlayne Woodard, Eamonn Walker
Am Donnerstag, den 17. Januar, läuft bei uns M. Night Shyamalans neuer Film „Glass“ an. Er schließt damit die mit „Unbreakable“ und „Split“ begonnene Trilogie ab. Meine Besprechung gibt es zum Kinostart. Hier ein Trailer:
LV: Walter Kirn: Up in the Air, 2001 (Mr. Bingham sammelt Meilen)
Ryan Bingham reist durch die USA und entlässt, im Auftrag verschiedener Firmen, deren Angestellte. Bindungen hat der Single keine. Sein Ziel als Vielflieger ist es die magische Zehn-Millionen-Frequent-Flyer-Meilen-Grenze zu durchbrechen. Dafür sammelt er wie besessen Bonusmeilen. Als er eine jüngere Kollegin ausbilden soll und er eine andere Vielfliegerin kennen lernt, gerät sein sorgloes Leben aus dem Takt.
Jason Reitmans feinfühliges, perfekt komponiertes und austariertes Porträt eines Arschlochs ist auch ein Gesellschaftskommentar. Außerdem übernahm George Clooney die Hauptrolle.
mit George Clooney, Vera Farmiga, Anna Kendrick, Jason Bateman, Amy Morton, Melanie Lynskey, J. K. Simmons, Sam Elliott, Danny McBride, Zach Galifianakis