Neu im Kino/Filmkritik: Gut, dass wir „The Party“ aus sicherer Distanz beobachten können

Juli 30, 2017

Der Film beginnt mit einer leicht derangiert aussehenden Kristin Scott Thomas, die als Janet eine Pistole, auf ihren Gegenüber, auf die Kamera, in das Publikum richtet.

Dann springt Sally Potter in ihrem neuesten Film „The Party“ über eine Stunde zurück zum Beginn der titelgebenden Party. Janet hat ihre engsten Freunde eingeladen. Ihre Ernennung zur Gesundheitsministerin im Schattenkabinett soll gefeiert werden. Schattenministerin klingt pompös, ist aber letztendlich vergleichbar mit einem Sprecheramt bei einer Bundestagspartei, nur dass die Briten hier noch expliziter sagen, dass diese Person der künftige Minister sein soll. Weil es in England normalerweise keine Koalitionsregierungen gibt, kann das auch einfacher gesagt werden.

Jedenfalls kommen Janets Freunde zu der kleinen Feier und sie sind ein kleiner Querschnitt durch das gebildete linksliberale Milieu. Nur Tom (Cillian Murphy, derzeit als Flieger, der nicht zurück nach Dünkirchen will, in „Dunkirk“ im Kino) als auf äußere Werte bedachter Banker passt nicht so richtig in die Feiergemeinschaft. Der archetypische Kapitalist ist auch nur deshalb zur Feier eingeladen, weil seine Freundin eine Mitarbeiterin von Janet ist, die sie sehr schätzt und die etwas später kommen wird.

Tom ist dann auch, wegen verschiedener Probleme, die halbe Zeit auf der Toilette um Drogen zu konsumieren oder mit der Pistole, die er benutzten will, herumzuspielen.

Währenddessen, beginnend mit einem Geständnis von Janets Mann Bill (Timothy Spall), einem Literaturprofessor, der seine wissenschaftliche Karriere zugunsten der Karriere seiner Frau zurückstellte, plättert, je mehr unangenehme Wahrheiten ausgesprochen werden, bei allen die bürgerliche Fassade schnell ab. Eingeübte Sarkasmen entfalten eine neue Qualität und beruhigende Worte helfen nicht weiter.

Sally Potters tiefschwarze SW-Komödie „The Party“ ist großartiges Schauspielerkino mit großartigen Schauspielern – Kristin Scott Thomas, Timothy Spall, Patrica Clarkson, Bruno Ganz, Cherry Jones, Emily Mortimer und Cillian Murphy -, das auf begrenztem Raum – alles ereignet sich im Haus und Garten der Gastgeberin – in Echtzeit spielt und wunderschön scharfzüngige Dialoge hat.

Das ist ein großer Spaß; wie – um ein aktuelles Beispiel zu nennen – Roman Polanskis Yasmina-Reza-Verfilmung „Der Gott des Gemetzels“. Nur dass bei Sally Potter alte Freunde und ihre Partner (mal lesbisch, mal nicht) sich treffen und die Konflikte zwischen ihnen nichts mit einem ordinären Klassenkampf, sondern mehr mit einer, zugegeben perversen, Screwball-Comedy zu tun haben.

The Party (The Party, Großbritannien 2017)

Regie: Sally Potter

Drehbuch: Sally Potter

mit Patricia Clarkson, Bruno Ganz, Cherry Jones, Emily Mortimer, Cillian Murphy, Kristin Scott Thomas, Timothy Spall

Länge: 71 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „The Party“

Metacritic über „The Party“

Rotten Tomatoes über „The Party“

Wikipedia über „The Party“ (deutsch, englisch)

Berlinale über „The Party“

Homepage von Sally Potter

SP-ARK – The Sally Potter Archive

Wer ist Sally Potter? (2009)


TV-Tipp für den 30. Juli: Indiana Jones und der letzte Kreuzzug

Juli 29, 2017

Sat.1, 20.15

Indiana Jones und der letzte Kreuzzug (USA 1989, Regie: Steven Spielberg)

Drehbuch: Jeffrey Boam, George Lucas, Menno Meyjes

Dritter Auftritt von Indiana Jones. Dieses Mal sucht der Archäologe mit der Peitsche den Heiligen Gral, tut alles, damit er nicht den Nazis in die Hände fällt (das ist der leichte Teil) und er begegnet seinem Vater.

Und weil dieser von ‘James Bond’ Sean Connery gespielt wird, der wenig von seinem Sohn hält, ist für Spaß gesorgt. Und es gibt, selbstverständlich, Action satt.

mit Harrison Ford, Sean Connery, River Phoenix, Denholm Elliott, John Rhys-Davies, Julian Glover, Michael Byrne

Wiederholung: Montag, 31. Juli, 01.15 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Metacritic über „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“

Rotten Tomatoes über „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“

Wikipedia über „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung des vierten Indiana-Jones-Films “Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels” (Indiana Jones and the Kingdom of the Skull, USA 2008) und des darauf basierenden, wesentlich gelungeneren „Roman zum Film“ von James Rollins

Meine Besprechung von Steven Spielbergs “Gefährten” (War Horse, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs “Lincoln” (Lincoln, USA 2012)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „Bridge of Spies – Der Unterhändler“ (Bridge of Spies, USA 2015)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „BFG – Big Friendly Giant (The BFG, USA 2016)

Steven Spielberg in der Kriminalakte

Bonushinweis

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Schon einige Tage erhältlich: Georg Seeßlens „Steven Spielberg und seine Filme“. In der brandaktuellen Neuauflage seines Buches beschäftigt Seßlen sich, gewohnt wortgewaltig, gewohnt kundig, auf gut dreihundert, mit einigen Fotos illustrierten, engbedruckten Seiten mit allen von Steven Spielberg inszenierten Filmen von den Anfängen beim Fernsehen bis hin zum „Big Friendly Giant“. Er ordnet sie ein, stellt Querverbindungen her und lädt zum wiederholten Sehen der Filme ein.

Georg Seeßlen Steven Spielberg und seine Filme

(2., überarbeitete und aktualisierte Auflage)

Schüren Verlag, 2016

304 Seiten

29,90 Euro

Hinweise

Meine Besprechung von Georg Seeßlens „Quentin Tarantino gegen die Nazis – Alles über ‘Inglourious Basterds’“ (Kleine Schriften zum Film: 1, 2009)

Meine Besprechung von Georg Seeßlens „George A. Romero und seine Filme“(2010)

Meine Besprechung von Georg Seeßlens „Filmwissen: Detektive (Grundlagen des populären Films)“ (2010)

Meine Besprechung von Georg Seeßlens „Filmwissen: Western (Grundlagen des populären Films)“ (2010)

Meine Besprechung von Georg Seeßlens „Filmwissen: Abenteuer (Grundlagen des populären Films)“ (2011)

Meine Besprechung von Georg Seeßlens „Filmwissen: Thriller (Grundlagen des populären Films“ (2013)


TV-Tipp für den 29. Juli: Exit Marrakech

Juli 28, 2017

Herzlichen Glückwunsch zum 60. Geburtstag, Ulrich Tukur!

One, 22.00

Exit Marrakech (Deutschland 2013)

Regie: Charlotte Link

Drehbuch: Charlotte Link

Der Siebzehnjärige Ben muss die Schulferien bei seinem Vater in Marokko verbringen. Der Theaterregisseur probt gerade in Marrakech ein Stück und er interessiert sich kaum für seinen Sohn aus erster Ehe.

Trotz gelungener Szenen letztendlich eine Enttäuschung.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

Das Lexikon des internationalen Films sieht es ähnlich: „farbenprächtige Landschaftsbilder, aber auch viele Klischees als Hintergrund eines routinierten Familiendramas“

mit Samuel Schneider, Ulrich Tukur, Hafsia Herzi, Marie-Lou Sellem, Josef Bierbichler, Clara-Marie Pazzini

Hinweise

Homepage zum Film

Film-Zeit über „Exit Marrakech“

Moviepilot über „Exit Marrakech“

Wikipedia über „Exit Marrakech“

Meine Besprechung von Charlotte Links „Exit Marrakech“ (Deutschland 2013)


TV-Tipp für den 28. Juli: R. I. F. – Ich werde dich finden!

Juli 28, 2017

3sat, 01.05

R. I. F. – Ich werde dich finden! (Frankreich 2011, Regie: Franck Mancuso)

Drehbuch: Franck Mancuso, Herve Albertazzi

Während ihrer Fahrt in den Urlaub verschwindet die Frau des Polizisten Stéphane Monnerau spurlos. Er sucht sie – und gerät auch in Verdacht, sie ermordet zu haben.

Spannender, düsterer Thriller aus Frankreich

mit Yvan Attal, Pascal Elbé, Armelle Deutsch, Valentina Cervi, Eric Ruf

Hinweise

Allocine.fr über den Film

Meine Besprechung von Franck Mancusos „Counter Investigation – Kein Mord bleibt ungesühnt“ (Hey, es ist eine Lawrence-Block-Verfilmung!)

Meine Besprechung Franck Mancusos „R. I. F. – Ich werde dich finden!“ (R. I. F. [Recherche dans l’Intérêt des Familles], Frankreich 2011)


Neu im Kino/Filmkritik: „Baby Driver“ erledigt seine Arbeit mit Musik

Juli 28, 2017

Baby ist kein gewöhnlicher Fluchtwagenfahrer. Selbstverständlich kennt er die Straßen aus dem Effeff. Er beherrscht sein Auto mit traumwandlerischer Sicherheit. Und es gelingt ihm, der Polizei zu entkommen. Eine solche Flucht verlangt dabei oft ein gehöriges Maß an Improvisation.

Improvisationen gibt es allerdings nicht bei Baby. Denn er plant die Fluchtrouten präzise nach einem Soundtrack, der zehntelsekundengenau eingehalten wird.

Das ist natürlich unglaublich cool. Wenn Baby singend durch die Straßen von Atlanta brettert, die Polizei abhängt und dabei millimetergenau zwischen zwei Fahrzeugen durchfährt, summt man (man will ja den Sitznachbarn nicht stören) den Song mit.

Das ist natürlich auch vollkommen unrealistisch. Denn so genau kann niemand eine Flucht planen.

Aber um Realismus geht es Edgar Wright in seinem neuen Film „Baby Driver“ nicht. Es ist ein Gangstermusical. Es dürfte sogar das erste Gangstermusical sein. Denn Baby hört nicht nur ständig Musik, hauptsächlich Rock’n’Roll in all seinen Schattierungen, sondern er bewegt sich auch singend und tanzend durch die Stadt und seine Wohnung. Wright suchte für den Film eine Liste aus gut dreißig Songs aus den vergangenen Jahrzehnten zusammen, die Baby als Soundtrack für sein Leben hat. Es sind „Bellbottoms“ (Jon Spencer Blues Explosion), „Egyptian Reggae“ (Jonathan Richmann & The Modern Lovers), „Unsquare Dance“ (Dave Brubeck, yep, Jazz), „Debora“ (T. Rex), „Debra“ (Beck), „Brighton Rock“ (Queen) und „Baby Driver“ (Simon & Garfunkel).

Die Filmgeschichte bewegt sich in vertrauten Gewässern: Baby wird von Doc (Kevin Spacey), einem lokalen Gangsterboss, erpresst, als Fluchtwagenfahrer zu arbeiten, bis er seine Schulden abbezahlt hat. Dies könnte ihm jetzt, mit seinem letzten Job, gelingen. Der Milchbubi, der seine Eltern bei einem Autounfall verlor, soll für Buddy (Jon Hamm), dessen Freundin Darling (Eiza Gonzalez) und Bats (Jamie Foxx) der Fluchtwagenfahrer sein. Dummerweise ist Bats ein ziemlich durchgeknallter, schießwütiger und entsprechend unzuverlässiger Typ. Wobei Buddy auch nur ungern an seine Wall-Street-Karriere erinnert wird.

Gleichzeitig verliebt Baby sich in die Diner-Kellnerin Deborah (Lily James). Mit ihr möchte er ein ehrliches Leben beginnen, aber – selbstverständlich – hat Doc andere Pläne mit ihm.

Baby Driver“ ist ein großer Spaß, in dem Edgar Wright nach „Shaun of the Dead“, „Hot Fuzz“ und „The World’s End“ wieder seine Vorbilder zu einer vollkommen neuen Geschichte verarbeitet. Das macht Spaß. Die Musik passt. Der Humor ebenso; auch wenn „Baby Driver“, im Gegensatz zu seinen drei vorherigen Filmen, keine ausgewiesene Komödie ist. In dem Gangstermusical gibt es zwar viel zu Lachen, aber keine Szene ist von vornherein und nur auf die Lacher hin geschrieben. Dafür ist jede Szene mit einem Musikstück im Ohr geschrieben worden und wird im Takt des Songs gespielt.

Eigentlich kann man dem Film nur vorwerfen, dass er etwas zu sehr von sich überzeugt ist, etwas zu sehr seine eigene Cleverness ausstellt und dabei zu sehr auf den Applaus der Hipster spekuliert.

Darauf ein Cornetto.

Baby Driver (Baby Driver, USA 2017)

Regie: Edgar Wright

Drehbuch: Edgar Wright

mit Ansel Elgort, Kevin Spacey, Lily James, Jon Hamm, Jamie Foxx, Eiza González, Jon Bernthal, Micah Howard, Morse Diggs, CJ Jones, Sky Ferreira, Lance Palmer, Flea, Lanny Joon, Big Boi, Killer Mike, Paul Williams, Jon Spencer, Walter Hill

Länge: 113 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Baby Driver“

Metacritic über „Baby Driver“

Rotten Tomatoes über „Baby Driver“

Wikipedia über „Baby Driver“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Edgar Wrights „The World’s End“ (The World’s End, Großbritannien 2013)

Ein Gespräch mit Robert Rodriguez, Edgar Wright, Ansel Elgort, Jon Hamm und Eiza González über den Film

Ein Gespräch mit Edgar Wright und Kevin Spacey über den Film

 


Neu im Kino/Filmkritik: Über Christopher Nolans Kriegsfilm „Dunkirk“

Juli 28, 2017

Es gibt viele Gründe, die für Christopher Nolans neuen Film „Dunkirk“ sprechen. Und einen gewichtigen Grund dagegen. Dazu später mehr.

In „Dunkirk“ erzählt Nolan, nach seinem Drehbuch, die legendäre Rettung der 1940 in Dünkirchen von den Deutschen einkesselten englischen und französischen Soldaten. Ende Mai kämpften die Soldaten in dem Küstenort um ihr Überleben, während sie sich auf ihren sicheren Tod vorbereiteten. Sie konnten, wie ein Blick in die Geschichtsbücher verrät, gerettet werden. Das gelang durch zahlreiche Freiwillige, die in ihren Booten von England nach Frankreich fuhren und die Soldaten aus Dünkirchen herausholten, während die Deutschen abwarteten.

Im Rahmen der „Operation Dynamo“ wurden zwischen dem 26. Mai und dem 4. Juni 1940 230.000 britische und 110.000 französische Soldaten aus Dünkirchen evakuiert. Diese bis dahin größte Rettungsaktion der Weltgeschichte ist in Großbritannien ein Nationalmythos. Die Rettung der Soldaten, fast der gesamten Berufsarmee, war die Grundlage für den Kampfgeist Großbritanniens in den nächsten Kriegsjahren.

Nolan erzählt diese auf der Insel sattsam bekannte Geschichte in schlanken hundert Minuten (mit dem Abspann dauert der Film 107 Minuten) parallel auf drei Zeitebenen, die am Ende ineinander verschmelzen. Die Geschehnisse am Strand dauern eine Woche, auf der Nordsee einen Tag und in der Luft eine Stunde. Am Strand harren die Soldaten aus, während alle Versuche, zu flüchten, misslingen. Sie blicken dem sicheren Tod ins Auge. Auf der Nordsee fährt ein Bootsbesitzer mit seinem Sohn und einem Freund seines Sohnes in Richtung Dünkirchen, um dort so viele Soldaten wie möglich zu retten. Er ist – auch wenn Nolan erst am Ende die zahlreichen anderen Boote zeigt, die ebenfalls über den Ärmelkanal fuhren – ein Teil der „Operation Dynamo“, in der alle verfügbaren Wasserfahrzeuge eingesetzt wurden, um die eingekesselten Soldaten aus der tödlichen Falle zu retten. Und in der Luft versuchen zwei RAF-Piloten den Luftraum frei von Angriffen deutscher Piloten zu halten.

Nolan verknüpft die drei Erzählstränge, die ausschließlich die englische Seite der Ereignisse schildern, miteinander, ohne dass man jemals den Überblick verliert. Allerdings bleiben alle Charaktere austauschbar. Sie sind auf ihre reine Funktionalität und ihre Taten reduziert.

Der Sound ist ein ständiges wummerndes Dröhnen, das die wenigen Dialoge (in der Originalfassung) meistens übertönt. Die Dialoge sind, bis auf einige Informationen zum Gefechtsverlauf und der Rettungsaktion, auch vollkommen unwichtig. „Dunkirk“ ist fast ein Stummfilm. Und wie Nolan die Geschichten miteinander verknüpft, ist brillant. Es entsteht eine einzige große Symphonie aus drei Geschichten, Sound und Bildern, teils, wie in seinen vorherigen Filmen, mit IMAX-Kameras aufgenommen, die den Zuschauer von der ersten bis zur letzten Minute in das Geschehen hineinwerfen.

In seiner abstrakten Form ist die Geschichte von „Dunkirk“ vielfältig interpretierbar. Wobei derzeit eine Interpretation mit dem Brexit so naheliegend ist, dass ich sie hier jetzt nicht ausführen will. In seiner konkreten Form erzählt Nolan einfach nur drei Geschichten, die einen Eindruck von den damaligen Ereignissen liefern, ohne auf die Hintergründe einzugehen.

Aber Nolan erzählt seine Geschichte nicht im luftleeren Raum. Die Auswahl seiner Plots (auf der Mole, auf See, in der Luft), die gewählte Perspektive (die englische), die Folgen der Ereignisse (der Untergang wird abgewehrt, der Kampfgeist erwacht und die deutsche Armee wird besiegt) ergeben dann eine ultrapatriotische, erschreckend eindimensionale Geschichte fernab aller moralischen Ambivalenzen oder irgendwelcher erzählerischer Brechungen.

Dunkirk“ ist nämlich ein ganz gewöhnlicher, konservativer Kriegsfilm, in dem die Stahlgewitter des Krieges die Schule sind, die aus Jünglingen echte Männer macht.

So betrachtet ist Nolans Film als Heldenverehrung in drei Geschichten eine widerliche Kriegsverherrlichung.

Dunkirk (Dunkirk, USA/Frankreich/Großbritannien 2017)

Regie: Christopher Nolan

Drehbuch: Christopher Nolan

mit Fionn Whitehead, Tom Glynn-Carney, Jack Lowden, Harry Styles, Aneurin Barnard, James D’Arcy, Barry Keoghan, Kenneth Branagh, Cillian Murphy, Mark Rylance, Tom Hardy

Länge: 107 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Dunkirk“

Metacritic über „Dunkirk“

Rotten Tomatoes über „Dunkirk“

Wikipedia über „Dunkirk“ (deutsch, englisch)

Englische Christopher-Nolan-Fanseite

Meine Besprechung von Christopher Nolans „Interstellar“ (Interstellar, USA/Großbritannien 2014)

Das Teaserplakat

Die Weltpremiere des Films in London

Peter Travers unterhält sich mit Christopher Nolan über seinen Film


Neu im Kino/Filmkritik: „Wish upon“ – wenn Wünsche in Erfüllung gehen

Juli 28, 2017

Als die siebzehnjährige Clare Shannon von ihrem Vater eine alte Spieluhr, die er im Abfall fand, geschenkt bekommt, nimmt das Verhängnis seinen Lauf. Denn die Spieluhr erfüllt Wünsche (gut), verlangt aber auch einen Preis (schlecht). Als erstes wünscht Clare sich, im Spaß, dass die von ihr gehasste Schönheitskönigin, die sie ständig mobbt, verrotten solle. Der Wunsch geht in Erfüllung. Clare ist begeistert. Dass gleichzeitig ihr Hund stirbt, könnte ein Zufall sein. Also wünscht Clare sich munter weiter die üblichen Teenager-Dinge: absolute Beliebtheit in der Schule, den Schul-Schönling als Freund, Geld, undsoweiter. Dass bei jeder Wunscherfüllung jemand, den sie mag, stirbt, stört sie nicht. Es sind halt alles unglaublich seltsame Unfälle, die unwahrscheinlich sind, aber halt „Final Destination“-mäßig passieren können.

Wish upon“ ist ein vorhersehbarer, unlogischer Horrorfilm, in dem dumme Menschen dumme Dinge tun. Vor allem die Protagonistin Clare ist eine dumme Trine, die nicht einmal darüber nachdenkt, was der Zusammenhang zwischen der Box, ihren Wünschen und den Toten sein könnte. Auch als sie nach ihrem fünften Wunsch erfährt, dass die Box für ihre Wunscherfüllung einen Preis verlangt und dass die Box nach ihrem siebten Wunsch ihre Seele verlangt, wünscht sie locker-flockig weiter. Spätestens ab diesem Moment wünscht man ihr einen möglichst schnellen Tod.

Ihre Freundinnen sind auch nicht intelligenter. So ruft ihre Freundin Meredith, als sie in einem abstürzendem Fahrstuhl ist, Clare auf dem Handy an, anstatt den Notrufknopf zu drücken. Wenige Sekunden später ist sie, nachdem kurz die Fahrstuhltüren aufgehen, tot.

Als Satire auf die US-Gesellschaft und dumme, egoistische, nur an äußeren Werten interessierten Teenagern wäre „Wish upon“ vielleicht noch erträglich, aber John R. Leonetti („Annabelle“) inszeniert das alles todernst und ohne ein Gefühl für Grusel-Atmosphäre oder jugendliche Lebenswelten. „Wish upon“ wirkt wie ein liebloses Abschreibungsprojekt, für das einfach Schnipsel aus verschiedenen Filmen zusammengefügt wurden.

Wish upon (Wish upon, USA 2017)

Regie: John R. Leonetti

Drehbuch: Barbara Marshall

mit Joey King, Ki Hong Lee, Sydney Park, Shannon Purser, Elisabeth Rohm, Ryan Phillippe, Sherilyn Fenn, Mitchell Slaggert, Alice Lee, Kevin Hanchard

Länge: 91 Minuten

FSK: ab 16 Jahre (weil doch etwas zu hart für eine FSK-12)

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Wish upon“

Metacritic über „Wish upon“

Rotten Tomatoes über „Wish upon“

Wikipedia über „Wish upon

Meine Besprechung von John R. Leonettis „Annabelle“ (Annabelle, USA 2014)


TV-Tipp für den 27. Juli: Red Heat

Juli 27, 2017

Kabel 1, 20.15

Red Heat (USA 1988, Regie: Walter Hill)

Drehbuch: Harry Kleiner, Walter Hill, Troy Kennedy Martin

Taffer, wortkarger russischer Polizist (Arnold Schwarzenegger) soll in Chicago einen skrupellosen russischen Gangster verhaften. Ein sprücheklopfender, fauler US-Polizist (James Belushi) soll auf den russischen Kollegen aufpassen.

Buddy-Action mit vielen Kloppereien, Blechschäden und flotten Sprüchen. Und „der erste im Zeichen von Glasnost und Perestrojka entstandene Polizeifilm“ (Wolfgang Schweiger: Der Polizeifilm, 1989)

Die Nachtwiederholung müsste ungekürzt sein.

Mit Arnold Schwarzenegger, James Belushi, Peter Boyle, Ed O’Ross, Larry Fishburne, Gina Gershon

Wiederholung: Freitag, 28. Juli, 00.30 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Red Heat“

Wikipedia über „Red Heat“ (deutsch, englisch) und  Walter Hill (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Walter Hills “Straßen in Flammen” (Streets on Fire, USA 1984)

Meine Besprechung von Walter Hills “Shoutout – Keine Gnade” (Bullet to the Head, USA 2013)

Walter Hill in der Kriminalakte


DVD-Kritik: Über Paul Verhoevens Meisterwerk „Elle“

Juli 26, 2017

Zum Kinostart im Februar schrieb ich sehr begeistert über „Elle“:

Im Moment ist Paul Verhoeven Präsident der Berlinale-Jury und gleichzeitig läuft sein neuer Film „Elle“ endlich in unseren Kinos an. Seine grandiose Philippe-Djian-Verfilmung wurde bereits 2016 bei den Filmfestspielen von Cannes gezeigt. Seitdem gab es Preise, wie Golden Globes als bester fremdsprachiger Film und für Isabelle Huppert als beste Darstellerin, eine Oscar-Nominierung für Huppert, elf César-Nominierungen und Nominierungen für den Europäischen Filmpreis in den Kategorien „Bester Film“, „Beste Regie“ und „Beste Darstellerin“, die auf die Qualitäten von Verhoevens neuem Film hinweisen.

Isabelle Huppert spielt Michèle Leblanc, die Chefin einer Videogame-Firma.

Als sie in ihrer Wohnung vergewaltigt wird, kriegt sie keine Panikattacke oder ruft um Hilfe. Stattdessen räumt sie äußerlich ungerührt die Scherben weg. Sie geht zum Arzt und lässt sich auf mögliche Krankheiten und Infektionen testen. Sie kauft sich Pfefferspray. Bei einem Abendessen in einem noblen Restaurant mit ihrem Ex-Mann Richard, einem erfolglosem Schriftsteller, ihrer Geschäftspartnerin und Freundin Anna und deren Mann Robert (mit dem Michèle ein Verhältnis hat), sagt sie ihnen beiläufig, dass sie vergewaltigt wurde. Weiter will sie nicht darüber reden.

Sie ist ein Biest, das sich schon früh einen Panzer zulegte,und ihren Mitmenschen in einer Mischung aus schnippischer Kaltschnäuzigkeit, gnadenloser Ehrlichkeit und offensichtlicher Ungerührtheit über ihre Gefühle begegnet, Sie ist in keinster Weise liebenswert, aber dank Isabelle Hupperts Spiel schließt man sie dann doch ins Herz. Soweit das möglich ist, bei einer Person, die sich nie als Opfer sieht, immer die Kontrolle behält und keine Emotionen zeigt.

Die anderen Menschen und Paul Verhoevens eiskalt-illusionsfreier Blick auf die conditio humana zeichnet ein reichlich misanthropisches Bilder der Menschheit. Kein Mann ist auch nur im Ansatz eine Zierde seines Geschlechts. Es sind Jammerlappen. Robert ist einfach nur ein ständig notgeiler Trottel. Christian Berkel hatte erkennbar seinen Spaß an diesem tumben Mannsbild. Die Frauen sind kaum besser. Michèles Mutter lässt sich ständig liften und hält sich jüngere Liebhaber. Ihre Nachbarin ist eine überzeugte Katholikin, die auf einem Tischgebet besteht und am Ende einen harmlos klingenden Satz sagt, der, weil wir den Hintergrund und die wahre Dimension des Satzes kennen, schlimmer kaum sein könnte. Ob er aus ehrlicher Erkenntnis oder vollkommener Verlogenheit gesagt wurde, bleibt dagegen dem Zuschauer überlassen. Ihre Freundin Anna erscheint da schon fast wie eine moralische Lichtgestalt.

Es sind, wenn auch mit mehr oder weniger großen Abweichungen von der Norm, ganz normale Menschen, die immer ihr Geheimnis bewahren. Das liegt auch an David Birkes Drehbuch, in dem jeder Satz ein Treffer ist, und Paul Verhoevens präziser Regie. Sie haben aus Philippe Djians Roman „Oh…“ vieles übernommen, ihn aber an den entscheidenden Stellen verbessert und Motive und Beziehungen klarer herausgearbeitet. Dem mit dem Prix Interallié ausgezeichneten Roman fehlt die klare Struktur, der ironische Ton und die satirische Schärfe des Films. So ist Michèle im Roman eine Filmproduzentin, die oft zu Hause Drehbücher liest. Im Film ist sie eine Videogame-Produzentin, die vor allem junge Männer angestellt hat, die gerade ein neues, sehr sexistisches und gewaltverherrlichendes Spiel programmieren. Michèles reale Vergewaltigung wird im Spiel mehr als einmal in verschiedenen Facetten reflektiert. Im Roman wird das Verbrechen von ihrem Vater nur angedeutet. Im Film erfahren wir die ganze Wahrheit. Der Katholizismus von ihrer Nachbarin spielt im Film eine größere Rolle. Sowieso wurden etliche Szenen dazu erfunden, die gleichzeitig Konflikte stärker zuspitzen als im Roman, die Charaktere in einem kälteren Licht erscheinen lassen und der gesamten Geschichte eine faszinierende Zwiespältigkeit verleihen. Denn Verhoeven und sein grandioses Ensemble lassen den Charakteren immer einen Hauch ihres Geheimnisses und fast jeder Satz und jede Handlung kann auf mindestens zwei Arten interpretiert werden.

Auch weil Michèle, nachdem sie die Identität ihres Vergewaltigers enthüllte, mit ihm eine Beziehung eingeht.

Elle“ gehört zu den Filmen, die beim zweiten Ansehen besser als beim ersten Ansehen sind. Wie gut wird der Erotik-Thriller dann beim dritten Ansehen sein?

 

Verdammt gut.

Die DVD ist dagegen eine Enttäuschung. Neben der Hörfilmfassung (keine Selbstverständlichkeit!), gibt es kein weiteres Bonusmaterial und das Bild ist, jedenfalls auf dem Screener, den ich bekommen habe, erstaunlich blass und unscharf. Aber da kann auch die Erinnerung an das Kinobild trügen.

Elle (Elle, Frankreich/Deutschland/Belgien 2016)

Regie: Paul Verhoeven

Drehbuch: David Birke

LV: Philippe Djian: Oh…, 2012 (Oh…)

mit Isabelle Huppert, Laurent Lafitte, Anne Consigny, Christian Berkel, Charles Berling, Virginie Efira, Judith Magre, Jonas Bloquet, Alice Isaaz, Vamila Pons

DVD

MFA

Bild: 2.40:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Französisch (Dolby Digital 5.1), Deutsche Hörfilmfassung für Blinde und Sehbehinderte

Untertitel: Deutsch, Deutsch für Hörgeschädigte

Bonusmaterial: Trailer

Länge: 125 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Blu-ray identisch

Die Vorlage

djian-oh

Philippe Djian: Oh…

(übersetzt von Oliver Ilan Schulz)

Diogenes, 2017

240 Seiten

12 Euro

Deutsche Erstausgabe

Diogenes, 2014

Originalausgabe

Oh…

Éditions Gallimard, 2012

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Französische Homepage zum Film

Filmportal über „Elle“

Moviepilot über „Elle“

Metacritic über „Elle“

Rotten Tomatoes über „Elle“

Wikipedia über „Elle“ (deutsch, englisch, französisch)

Perlentaucher über Philippe Djian

Wikipedia über Philippe Djian (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von Philippe Djians „Die Rastlosen“ (Incidences, 2010 – und der Verfilmung „Liebe ist das perfekte Verbrechen“)

Meine Besprechung von Paul Verhoevens „Flesh + Blood“ (Flesh + Blood, USA 1985)

Meine Besprechung von Paul Verhoevens Philippe-Djian-Verfilmung „Elle“ (Elle, Frankreich/Deutschland/Belgien 2016)

Und jetzt einige Interviews, die nach der Premiere von „Elle“ entstanden:

Die Cannes-Pressekonferenz

Das Cannes-Interview mit Paul Verhoeven, Isabelle Huppert und Laurent Lafitte

Paul Verhoeven und Isabelle Huppert beim NYFF

Ebenfalls beim NYFF: Paul Verhoeven im HBO Directors Dialogue

BFI Screen Talk mit Paul Verhoeven beim London Film Festival

Isabelle Huppert beim TIFF

DP/30 unterhält sich mit „Elle“ Isabelle Huppert


TV-Tipp für den 26. Juli: Meine Brüder und Schwestern in Nordkorea (aka „Meine Brüder und Schwestern im Norden“)

Juli 25, 2017

ARD, 22.45

Meine Brüder und Schwestern in Nordkorea (Deutschland/Nordkorea 2016, Regie: Cho Sung-Hyung)

Drehbuch: Cho Sung-Hyung

Regisseurin Cho Sung-Hyung (Full Metal Village) porträtiert geduldig ihre Brüder und Schwestern im Norden und zeigt das Leben in einer Diktatur. Um in Nordkorea drehen zu können, natürlich mit staatlicher Genehmigung und Aufsicht, musste sie ihre Südkoreanische Staatsbürgerschaft aufgeben.

Ein sehenswerter Blick in ein vom Rest der Welt hermetisch abgeschottetes Land.

auch bekannt als „Meine Brüder und Schwestern im Norden“ (Kinotitel)

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Meine Brüder und Schwestern im Norden“

Wikipedia über „Meine Brüder und Schwestern im Norden“


TV-Tipp für den 25. Juli: Mörderland

Juli 24, 2017

Tele 5, 22.35

Mörderland – La Isla Mínima (La Isla Mínima, Spanien 2014)

Regie: Alberto Rodriguez

Drehbuch: Rafael Cobos, Alberto Rodriguez

Spanien, 1980: zwei Polizisten aus Madrid (Juan gehört noch zur alten Garde, Pedro nicht) sollen in einem Dorf im Marschland am Fluss Guadalquivir zwei spurlos verschwundene, minderjährige Schwestern suchen.

Toller, atmosphärischer Thriller, der im Kino leider unterging und viel besser als „True Detective“ ist.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Javier Gutiérrez, Raúl Arévalo, María Varod, Perico Cervantes

Wiederholung: Mittwoch, 26. Juli, 23.55 Uhr

Hinweise

Movieland über „Mörderland“

Rotten Tomatoes über „Mörderland“

Wikipedia über „Mörderland“ (deutsch, englisch, spanisch)

Meine Besprechung von Alberto Rodriguez‘ „Mörderland – La Isla Mínima (La Isla Mínima, Spanien 2014)


TV-Tipp für den 24. Juli: Der Richter – Sein wichtigster Fall

Juli 24, 2017

ARD, 20.15

Der Richter – Recht oder Ehre (The Judge, USA 2014)

Regie: David Dobkin

Drehbuch: Nick Schenk, Bill Dubuque

Staranwalt Hank Palmer fliegt zur Beerdigung seiner Mutter, nach Jahren, zurück ins ländliche Indiana. Der Rückflug verzögert sich, weil sein Vater, ein Richter, verdächtigt wird, einen Mann überfahren zu haben. Hank soll ihn, gegen seinen Willen, verteidigen. Und dann gibt es noch einige weitere Probleme.

TV-Premiere von „Der Richter – Recht oder Ehre“, der im TV „Der Richter – Sein wichtigster Fall“ heißt. Warum auch immer.

Sehenswertes, dank etlicher Subplots etwas lang geratenes, weitgehend vorhersehbares, gut gespieltes Drama, das in der aktuellen Superheldenfilmographie von Robert Downey Jr. eine rare Ausnahme ist.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Robert Downey Jr., Robert Duvall, Vera Farmiga, Vincent D’Onofrio, Jeremy Strong, Dax Shepard, Billy Bob Thornton, Leighton Meester, Emma Tremblay, Ken Howard, David Krumholtz, Balthazar Getty

Wiederholung: Dienstag, 25. Juli, 02.00 Uhr (Taggenau!)

Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Der Richter“
Moviepilot über „Der Richter“
Metacritic über „Der Richter“
Rotten Tomatoes über „Der Richter“
Wikipedia über „Der Richter“

Meine Besprechung von David Dobkins „Der Richter – Recht oder Ehre“ (The Judge, USA 2014)


TV-Tipp für den 23. Juli: Don Mariano weiß von nichts

Juli 22, 2017

MDR, 00.20

Don Mariano weiß von nichts (Italien/Frankreich 1967, Regie: Damiano Damiani)

Drehbuch: Ugo Pirro, Damiano Damiani

LV: Leonardo Sciascia: Il giorno della civetta, 1961 (Der Tag der Eule)

In Sizilien wird ein Bauunternehmer ermordet. Hauptmann Bellodi will den Fall aufklären und legt sich mit den Mächtigen der Insel an.

„Der Tag der Eule“ ist der erste der sizilianischen Romane von Sciascia, in denen er gegen die Mafia und deren Verflechtungen mit der Politik anschrieb. Seine Bücher waren die Vorlage für einige der besten italienischen Polit-Thriller.

Damianis Verfilmung ist einer der frühen, stilbildenden Polit-Thriller in der Tradition von Costa-Gavras, Petri und Rosi. Damiani begründete unter anderem mit diesem Film seinen Ruhm.

„Sciascias extrem knappem Erzählstil entspricht in den Filmen eine vergleichsweise hastige Montage, die ein wenig von jener unerbittlichen Zwangsläufigkeit an sich hat, die sich in rasch und ohne Schnörkel inszenierten Szenenwechsel präsentiert. Sicher, die zynisch-spitzfindigen Dialoge Sciascias sind, verkürzt, doch die Filme gewinnen (…) gegenüber den Romanen an Anschaulichkeit.“ (Wolfgang Schweiger: Der Polizeifilm)

Mit Franco Nero, Claudia Cardinale, Lee J. Cobb, Serge Reggiani

Auch bekannt als „Der Tag der Eule“

Hinweise

Wikipedia über Leonardo Sciascia (deutsch, englisch, italienisch)

Krimi-Couch über Leonardo Sciascia

Italienwelten über Leonardo Sciascia

Amici di Leonardo Sciascia

Mein Nachruf auf Damiano Damiani (23. Juli 1922 – 7. März 2013)


TV-Tipp für den 22. Juli: Daheim sterben die Leut‘

Juli 21, 2017

BR, 22.00

Daheim sterben die Leut‘ (Deutschland 1985, Regie: Klaus Gietinger, Leo Hiemer)

Drehbuch: Klaus Gietinger, Leo Hiemer

Allgäu: Der Landrat will den Allgeier-Hof an die Wasserleitung anschließen. Bauer Allgeier ist dagegen. Er wehrt sich und der Konflikt eskaliert, mit mehr oder weniger viel göttlicher Hilfe.

Die damals (und heute immer noch?) kultige, mit Laiendarstellern gedrehte Heimatkomödie wurde zuletzt vor 17 Jahren im TV gezeigt.

eine kritische Liebeserklärung an ihre Heimat, deren Bewohner und ihre Sprache, voll treffsicherer Bosheiten und satirischer Seitenhiebe, die aber die Solidarität nie vergessen lassen (…) im Ganzen bietet der Film Bauerntheater, bei dem das Volk einmal nicht ‚tümlich-dümmlich‘ ist. (…) Gietinger und Hiemer haben dem Volk aufs Maul geschaut und Salz in offene Wunden gestreut.“ (Fischer Film Almanach 1986)

Im Allgäu wurde der Film auch zu einem Politikum, weil, u. a., eine katholische Funktionärin und der Lindauer CSU-Landrat sich betroffen fühlten.

Darauf ein Wunderwasser. In einem Gasthaus. Denn „Daheim sterben die Leut’“.

Mit Walter Nuber, Norbert Hauber, Heribert Weber, Josef Lau, Anni Raps

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Daheim sterben die Leut“

Wikipedia über „Daheim sterben die Leut“


TV-Tipp für den 21. Juli: Ich und Kaminski

Juli 20, 2017

Arte, 20.15

Ich und Kaminski (Deutschland/Belgien 2015)

Regie: Wolfgang Becker

Drehbuch: Wolfgang Becker, Thomas Wendrich

LV: Daniel Kehlmann: Ich und Kaminski, 2003

Journalist Sebastian Zöllner ist ein ausgemachtes, von sich selbst überzeugtes Arschloch, das sich mit einer Biographie über den legendären, blinden Maler Manuel Kaminski finanziell sanieren will. Dummerweise ist der 85-jährige Künstler auch kein Kind von Traurigkeit.

Enorm kurzweiliger, verspielter, einfallsreicher und in jeder Beziehung schöner Film von „Good Bye, Lenin!“-Regisseur Wolfgang Becker über unsympathische Menschen.

Mehr in meiner Besprechung.

mit Daniel Brühl, Jesper Christensen, Amira Casar, Denis Lavant, Jördis Triebel, Geraldine Chaplin, Jan Decleir, Joacques Herlin, Josef Hader, Peter Kurth, Milan Peschel, Patrick Bauchau

Wiederholung: Sonntag, 30. Juli, 01.55 Uhr (Taggenau!)

Hinweise
Homepage zum Film
Filmportal über „Ich und Kaminski“
Film-Zeit über „Ich und Kaminski“
Moviepilot über „Ich und Kaminski“
Rotten Tomatoes über „Ich und Kaminski“ (derzeit noch keine Kritiken)
Wikipedia über „Ich und Kaminski“ (Roman) und Daniel Kehlmann
Perlentaucher über „Ich und Kaminski“
Homepage von Daniel Kehlmann

Meine Besprechung von Daniel Kehlmann/Detlev Bucks „Die Vermessung der Welt – Das Buch zum Film“ (2012)

Meine Besprechung von Wolfgang Beckers Daniel-Kehlmann-Verfilmung „Ich und Kaminski“ (Deutschland/Belgien 2015)


Neu im Kino/Buch- und Filmkritik: Über Luc Bessons „Valerian – Die Stadt der tausend Planeten“ und die Vorlage

Juli 20, 2017

Nach der Pressevorführung fragte ich mich: „Wer soll sich den Film ansehen?“

Dabei ist Luc Bessons neuer Film „Valerian – Die Stadt der tausend Planeten“ nicht unbedingt schlecht. Er ist in jeder Sekunde und in jeder Perspektive vergnüglicher als ein „Transformers“-Film und die sind ja alle Blockbuster.

Valerian – Die Stadt der tausend Planeten“ hat allerdings das „John Carter zwischen zwei Welten“-Problem. Zu jedem Bild und jeder Szene fallen einem schnell viele andere und oft auch bessere Filme ein. Bei „John Carter“ ist es „Flash Gordon“ und „Krieg der Sterne“, obwohl diese Filme sich bei Edgar Rice Burroughs‘ John-Carter-Geschichten bedienten. Bei „Valerian – Die Stadt der tausend Planeten“ ist es vor allem Bessons „Das fünfte Element“.

In dem Science-Fiction-Film hat Luc Besson vor zwanzig Jahren die „Valerian & Laureline“-Comics von Zeichner Jean-Claude Mézière und Autor Pierre Christin eigentlich schon verfilmt.

Mèzières war damals einer der Designer des Films. Jean ‚Moebius‘ Giraud, ein weiterer legendärer französischer Comiczeichner, war ebenfalls in das Filmdesign involviert. Letztendlich bestimmten sie den Look des Films.

In seinem neuesten Film kehrt Luc Besson jetzt, in einer fast schon aseptischen Version, in genau diese surreale Anything-goes-Welt zurück.

Valerian (Dane DeHaan), ein notorischer Schwerenöter, und Laureline (Cara Delevigne), seine ehrgeizig-strebsame Kollegin, sind im Jahr 2740 Regierungsagenten. Auf dem Wüstenplaneten Kirian, einem riesigen Einkaufsparadies (wenn man seine Spezialbrille aufsetzt), sollen sie einen illegalen Handel unterbinden und dabei den letzten lebenden Transmutator vom Planeten Mül beschaffen.

Nach dieser, in mehreren Dimensionen, etwas aus dem Ruder gelaufenen Aktion sollen sie auf der intergalaktischen Raumstation Alpha Commander Arun Filitt (Clive Owen) beschützen. Die Raumstation ist die titelgebende Stadt der tausend Planeten: ein Zusammenschluss von Welten im Weltraum, an der über Jahrhunderte immer mehr Welten andockten, bis sie zu einem unüberschaubarem Labyrinth unzähliger Welten und Geschöpfe wurde. In ihrem Comic sagen Mézière und Christin über die Stadt „dieser Name steht für tausend verschiedene Formen von tausend verschiedenen Welten, eine künstliche Konstruktion mit unzähligen Raumschiffhäfen, ein Organismus, in dem sich die unglaubliche Vielfalt des Universums konzentriert.“

Die Station ist eine Art Disney-World im Weltraum, das einem den Besuch vieler Kulturen bei minimaler Reisezeit ermöglicht.

Im Zentrum von Alpha gibt es in der Red Zone ein die Stadt bedrohendes, sich stetig vergrößerndes Problem unbekannten Ausmaßes. Alle Soldaten, die dorthin geschickt wurden verschwanden.

Und dann wird Commander Filitt entführt.

Valerian und Laureline versuchen den Commander zu retten und hinter das Geheimnis der Red Zone zu kommen.

Luc Besson schickt die beiden Agenten auf eine ebenso abenteuerliche, wie abstruse Reise durch die gesamte Raumstation, die fröhlich auf Logik und Sinn pfeift. Wie schon in „Das fünfte Element“ zählt nur der Moment und die vielen verschiedenen außerirdischen Rassen mit ihren teils außergewöhnlichen und verblüffenden Fähigkeiten.

Das sieht natürlich gut aus. Aber nie so gut, wie man es inzwischen aus US-amerikanischen Filmen, vor allem natürlich den „Guardians of the Galaxy“-Filmen, kennt. Angesichts des Budgets von 200 Millionen Euro sehen die Effekte sogar immer wieder erstaunlich schlecht aus. Gleichzeitig vermisst man, wenn Valerian und Laureline sich mit Außerirdischen unterhalten oder kämpfen, schmerzlich die Vergangenheit, als Außerirdische nicht am Computer entworfen wurden. In „Das fünfte Element“ oder, um eine weitere Inspiration für Bessons neuen Film zu nennen, „Barbarella“ gab es dafür Kostüme und Masken. „Barbarella“ ist ein französisch-italienischer Science-Fiction-Film. Roger Vadim inszenierte 1967 die Jean-Claude-Forest-Comicverfilmung mit seiner damaligen Frau Jane Fonda als Barbarella inszenierte. Damals agierten Schauspieler mit anderen Schauspielern. In „Valerian – Die Stadt der tausend Planeten“ agieren Schauspieler mit Pixeln.

Ein anderes Problem des Films ist, dass er auf einem gut fünfzig Jahre altem Comic basiert und der Geist der späten sechziger und siebziger Jahre immer zu spüren ist. Nur ist das, was damals revolutionär war, heute altbacken. Major Valerian muss zu sehr überkommene Macho-Attitüden pflegen. Sergeant Laureline zu sehr die hilfsbedürftige Damsel-in-Distress sein, die über einen Heiratsantrag ihres Vorgesetzten nachdenken muss.

Dane DeHaan und Cara Delevingne wirken in diesen Momenten nie wie ein sich kabbelndes Liebespaar, sondern bestenfalls wie Teenager, die unerschrockene Agenten und ein Liebespaar mimen sollen und dabei kopflos durch die einzelnen Szenen stolpern. Beiden gelingt es nie, ihren, zugegeben, eindimensionalen Charakteren eine größere Tiefe zu verleihen.

Für Besson, der als Zehnjähriger die „Valerian & Laureline“-Comics verschlang, war „Valerian – Die Stadt der tausend Planeten“ seit Jahrzehnten ein Wunschprojekt, das er erst jetzt verwirklichen konnte, weil, so Besson, erst jetzt die Tricktechnik die Comicbilder auf der Leinwand kreieren kann. Dummerweise ist heute die Zeit für genau dieses Projekt um. Weil Besson die „Valerian & Laureline“-Comics mit „Das fünfte Element“ de facto schon verfilmte. Weil die Welt des Comics heute zur Vergangenheit gehört und er sie nicht für die Gegenwart aktualisieren wollte. Weil die von Mèzières und Moebius in ihren Comics entworfenen surrealen Welten heute popkulturelles Allgemeingut sind. Weil ihre Bilder auch in den „Krieg der Sterne“-Filme verarbeitet wurden; allerdings deutlich ernster. Von Valerian und Laureline ist es nur ein kleiner Schritt zu Luke Skywalker und Prinzessin Leia und Commander Filitts Leibwächter scheinen direkt einem „Krieg der Sterne“-Film entsprungen zu sein.

Weil, und das ist der wichtigste Grund, Marvel mit seinen beiden „Guardians of the Galaxy“-Filmen die besseren Science-Fiction-Abenteuer drehte. In denen gibt es auch sexuelle Beziehungen zwischen Menschen und Außerirdischen und die Sache mit der Heirat ist sekundär. Wahrscheinlich weil es im Guardians-Kosmos kein Standesamt gibt.

Valerian – Die Stadt der tausend Planeten (Valerian and the City of a thousand Planets, Frankreich 2017)

Regie: Luc Besson

Drehbuch: Luc Besson

mit Dane DeHaan, Cara Delevigne, Clive Owen, Rihanna, Herbie Hancock, Ethan Hawke, Kris Wu, Sam Spruell, Rutger Hauer, Xavier Giannoli, Louis Leterrier, Eric Rochant, Benoît Jacquot, Olivier Megaton, Mathieu Kassovitz (yep, einige Regiekollegen), John Goodman (nur Stimme, im Original)

Länge: 138 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

alternativer Titel/Schreibweise: „Valerian und die Stadt der tausend Planeten“

Die Vorlage

Zum Kinostart veröffentlichte der Carlsen Verlag eine Filmausgabe von „Valerian & Laureline“, die die beiden Comics „Im Reich der tausend Planeten“ (Band 2) und „Botschafter der Schatten“ (Band 6) enthält. In „Im Reich der tausend Planeten“ sollen die beiden Agenten des Raum-Zeit-Service den Planeten Syrtis und die dortige, von der Erde nicht beeinflusste Zivilisation erkunden. Dummerweise werden sie schnell entdeckt und ein haarsträubendes Abenteuer beginnt.

Botschafter der Schatten“ spielt in Central City (im Film Alpha). Sie müssen den Botschafter, der den Vorsitz des Rates von Central City übernehmen soll und ein Imperialist vom alten Schlag ist, bewachen. Noch bevor er sein Amt antreten kann, wird er entführt. Valerian und Laureline suchen ihn – und wir entdecken etliche Wesen, die auch in Bessons Film mitspielen.

Diese beiden unterhaltsamen Comics sind die Vorlage für Luc Bessons Film. Allerdings hat Besson nur einige Bilder, Motive, Handlungsbruchstücke und viele Figuren übernommen, die er nach Belieben veränderte oder in einen neuen Kontext stellte. Man erkennt zwar die Verbindung zwischen der Vorlage und dem Film, aber die Filmgeschichte ist vollkommen anders.

In Frankreich erschienen seit 1967 23 Alben mit den beiden Agenten des „Raum-Zeit-Service“. Die deutschen Ausgaben sind bei Carlsen erhältlich, wo aus Laureline aus unbekannten Gründen Veronique wurde.

Jean-Claude Mézière/Pierre Christin: Valerian & Laureline – Filmausgabe

(übersetzt von Marianne Knolle und Brigitte Westermeier)

Carlsen Comic, 2017

96 Seiten

9,99 Euro

enthält

Im Reich der tausend Planeten

L’Empire des Mille Planètes

Dargaud, 1971

Botschafter der Schatten

L’Ambassadeur des Ombres

Dargaud, 1975

Hinweise

Deutsche Facebook-Seite zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Französische Homepage zum Film

Moviepilot über „Valerian – Die Stadt der tausend Planeten“

Metacritic über „Valerian – Die Stadt der tausend Planeten“

Rotten Tomatoes über „Valerian – Die Stadt der tausend Planeten“

Wikipedia über „Valerian – Die Stadt der tausend Planeten“ (deutsch, englisch, französisch) und die „Valerian & Laureline“-Comics (deutsch, englisch, französisch)

Carlsen über „Valerian & Laureline“ (bzw., in Deutschland „Valerian & Veronique“)

Meine Besprechung von Luc Bessons „The Lady – Ein geteiltes Herz“ (The Lady, Frankreich/Großbritannien 2011)

Meine Besprechung von Luc Bessons „Lucy“ (Lucy, Frankreich 2014)

Luc Besson in der Kriminalakte

DP/30 hat sich mit Luc Besson über den Film unterhalten. Hier schon einmal ein Ausschnitt aus dem Gespräch

Bis dahin könnt ihr euch das Gespräch von DP/30 mit Luc Besson über seinen Film „Lucy“ ansehen

Nachtrag 22. Juli: jetzt ist das vollständige DP/30-Gespräch mit Luc Besson online


TV-Tipp für den 20. Juli: Das finstere Tal

Juli 20, 2017

3sat, 22.25
Das finstere Tal (Österreich/Deutschland 2013)
Regie: Andreas Prochaska
Drehbuch: Martin Ambrosch, Andreas Prochaska
LV: Thomas Willmann: Das finstere Tal, 2010
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts reitet ein einsamer Fremder in ein abgelegenes Alpental, das von dem Patriarchen Brenner und seinen Söhnen beherrscht wird. Der Fremde will, so sagt er, über den Winter bleiben und fotografieren. Schon bald sterben die Leute.
Äußerst gelungener Alpenwestern. Während der Roman mehr in Richtung Ludwig Ganghofer geht, geht der Film mehr in Richtung Sergio Leone.
mit Sam Riley, Tobias Moretti, Paula Beer, Clemens Schick, Erwin Steinhauer, Hans-Michael Rehberg, Carmen Gratl, Helmuth A. Häusler, Martin Leutgeb, Florian Brückner

Die lesenswerte Vorlage

Willmann - Das finstere Tal - 2

Thomas Willmann: Das finstere Tal
Ullstein, 2014
320 Seiten
9,99 Euro

Erstausgabe
Liebeskind, 2010

Hinweise

Homepage zum Film

Perlentaucher über „Das finstere Tal“

Film-Zeit über „Das finstere Tal“

Moviepilot über „Das finstere Tal“

Wikipedia über „Das finstere Tal“

Meine Besprechung von Andreas Proschaskas „Das finstere Tal“ (Österreich/Deutschland 2013)


TV-Tipp für den 19. Juli: Her – A Spike Jonze Love Story

Juli 19, 2017

Arte, 20.15

Her (Her, USA 2013)

Regie: Spike Jonze

Drehbuch: Spike Jonze

Seitdem der professionelle Briefeschreiber Theodore (Joaquin Phoenix) von seiner Freundin verlassen wurde, verbringt er seine Abend alleine vor dem Computer. Als er auf seinem Computer seinen persönlichen, virtuellen Begleiter installiert, verliebt er sich sofort in ihre Stimme (Scarlett Johansson im Original) und beginnt eine Beziehung mit ihr.

Abgedrehte, hochgelobte Romanze, die ich damals für etwas überbewertet hielt. „Her“ erhielt etliche Preise, u. a. den Drehbuchoscar. „Her“ war auch als bester Film des Jahres nominiert.

mit Joaquin Phoenix, Amy Adams, Rooney Mara, Olivia Wilde, Scarlett Johansson (im Original), Kristen Wiig (im Original)

Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Her“
Moviepilot über „Her“
Metacritic über „Her“
Rotten Tomatoes über „Her“
Wikipedia über „Her“ (deutsch, englisch)
Drehbuch „Her“ von Spike Jonze

Meine Besprechung von Spike Jonzes „Her“ (Her, USA 2013)


TV-Tipp für den 18. Juli: Geisterfahrer

Juli 18, 2017

3sat, 20.15

Geisterfahrer (Deutschland 2012, Regie: Lars Becker)

Drehbuch: Lars Becker

Zwei Rettungssanitäter rasen in Hamburg von einem Notfall zum nächsten. Bis ihnen ein angeschossener Generalstaatsanwalt vor seinem Tod einen Schlüssel gibt, der sie auf die Abschussliste von Waffenhändlern und korrupten Beamten setzt.

Ein Film von Lars Becker („Nachtschicht“) ist immer ein Lichtblick und die Garantie für neunzig spannend-unterhaltsame Minuten, gewürzt mit einer ordentlichen Portion Humor.

„Aberwitziger, teilweise komödiantischer (Fernseh-)Multikulti-Krimi als wüste, im guten Sinn ungeschliffene Geschichte um Waffenhandel, Mafiamorde und Bestechung hoher Staatsbeamter.“ (Lexikon des internationalen Films)

mit Tobias Moretti, Fahri Yardim, Uwe Ochsenknecht, Julia Dietze, Sophie von Kessel, Misel Maticevic, Fritz Karl, Martin Brambach, Armin Rohde

Wiederholung: Mittwoch, 19. Juli, 01.10 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Lexikon der deutschen Krimi-Autoren über Lars Becker

Lars Becker in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 17. Juli: Tatort: Feuerzauber

Juli 17, 2017

RBB, 22.15

Tatort: Feuerzauber (Deutschland 1977)

Regie: Fritz Umgelter

Drehbuch: Joachim Nottke, Karlheinz Knuth

Dritter und letzter Einsatz von Kommissar Schmidt (Martin Hirthe). Dieses Mal muss er herausfinden, wer für den Brand auf der Werft des erfolgreichen Rennbootfahrers Kastrup verantwortlich ist. Bei dem Feuer starb einer von Kastrups Angestellten.

Ein schon lange, sehr lange nicht mehr gezeigter „Tatort“, der im Rahmen der kleinen Reihe von restaurierten Berlin-Tatorten läuft.

mit Martin Hirthe, Heinz Weiss, Günter Pfitzmann, Bettina Schön, Ilse Biberti, Peter Seum, Harry Wüstenhagen, Anita Kupsch

Hinweise

RBB über seine „Tatorte“

Tatort-Fundus über Kommissar Schmidt

Wikipedia über „Tatort: Feuerzauber“