Die im Zweiten Weltkrieg in die USA geflohene Jüdin Maria Altmann hätte gerne wieder das titelgebende Klimt-Gemälde von ihre Tante Adele. Dummerweise ist das Jugendstilgemälde inzwischen zu einer Ikone der österreichischen Identität geworden und Österreich denkt gar nicht daran, Altmann das Gemälde zurückzugeben.
Gutes, gefällig inszeniertes, auf einem wahren Fall basierendes britisches Schauspielerkino mit entsprechend pointierten Dialogen und einem noblen Anliegen.
mit Helen Mirren, Ryan Reynolds, Daniel Brühl, Max Irons, Elizabeth McGovern, Katie Holmes, Tatiana Maslany, Antje Traue, Justus von Dohnányi, Tom Schilling, Charles Dance, Jonathan Pryce, Frances Fisher, Moritz Bleibtreu
Lethal Weapon – Zwei stahlharte Profis (USA 1987, Regie: Richard Donner)
Drehbuch: Shane Black
Erster Auftritt der Cops Martin Riggs (Mel Gibson), suizidgefährder und vollkommen durchgeknallter Single, und Roger Murtaugh (Danny Glover), besonnener, den Ruhestand herbeisehnender, glücklich verheirateter Familienvater. Sie untersuchen den Tod eines Callgirls, stoßen auf einen von Vietnam-Veteranen organisierten Drogenring und hinterlassen zu unserer Freude, gepfeffert mit flotten Sprüchen, ein Meer der Verwüstung.
Der Actionthriller war ein Kassenknüller und beeinflusste das Actionkino der späten achtziger und neunziger Jahre. In vier Fortsetzungen wurden die Sprüche und die Action noch weiter gesteigert.
„‚Zwei stahlharte Profis‘ ist ein hochgezüchtetes Action-Spektakel, das sich weniger um die stimmige Entwicklung von Charakteren oder Story bemüht, sondern effektvolle Szenen aneinanderreiht, in denen die Stuntmen ihre Waghalsigkeit beweisen können.“ (Meinolf Zurhorst: Lexikon des Kriminalfilms – Völlig überarbeitete Neuausgabe, 1993)
mit Mel Gibson, Danny Glover, Gary Busey, Mitchell Ryan, Tom Atkins
Kiss Kiss Bang Bang (USA 2005, Regie: Shane Black)
Drehbuch: Shane Black
LV: Brett Halliday: Bodies are where you find them, 1941
Zuerst stolpert Einbrecher Harry Lockhart auf seiner Flucht vor der Polizei in einen Vorsprechtermin und erhält prompt eine Filmrolle. Als er über eine Hollywood-Party stolpert, trifft er seine Jugendliebe Harmony Faith Lane und, als er zwecks Rollenstudium, mit einem knallharten PI Gay Perry (schwul) durch die Straßen Hollywoods schlendert, stolpern sie alle in einen undurchsichtigen Komplott, der direkt aus einem Film der Schwarzen Serie stammen könnte.
Köstliche Liebeserklärung an die Pulps, der natürlich nur lose auf dem Mike-Shayne-Roman basiert, aber dafür ausführlich Chandler zitiert (Zwischentitel, Voice-Over,…).
“first significant neo-noir of the twenty-first century” (Alexander Ballinger/Danny Graydon: The Rough Guide to Film Noir, 2007)
mit Robert Downey Jr., Val Kilmer, Michelle Monaghan, Corbin Bernsen, Rockmond Dunbar
In „The First Avenger: Civil War“ hatte Tom Holland bereits seinen ersten Auftritt als Spider-Man und das erspart uns jetzt, in seinem ersten Solofilm im Marvel Cinematic Universe, innerhalb weniger Jahre die dritte Wiederholung seiner Origin Story. In „Spider-Man: Homecoming“ ist Peter Parker bereits vertraut mit seinen Kräften und er möchte sie für die gute Sache einsetzen. Dummerweise meldet sich sein Mentor Tony Stark (aka Iron Man) nicht. Und Starks rechte Hand, Happy Hogan, ist damit beschäftigt, die zahllosen unerbetenen Anrufe des Teenagers abzuwehren.
Also beginnt Peter auf eigene Faust Bösewichter zu jagen. Meistens sehr kleine Bösewichter. Oft nervt er auch einfach nur die Nachbarschaft, während er lernt, mit seinen Kräften und dem ihm von Tony Stark geschenkten, mit zahlreichen Special Features ausgestattetem Spider-Man-Anzug umzugehen und sich tödlich langweilt. Denn eigentlich will er nur ein weiteres Abenteuer mit den Avengers erleben. Immerhin ist Captain America regelmäßig bei ihm in der Schule. Als Videoaufzeichnung mit erbaulichen Sprüchen, die die Schüler gelangweilt über sich ergehen lassen.
Bei einem seiner nächtlichen Streifzüge stolpert er in einen Waffendeal. „The Vulture“ Adrian Toomes verkauft hochgefährliche Waffen an Kleingangster. Toomes tut das schon seit Jahren, aber in einem so kleinen Maßstab, dass er bis jetzt von den Avengers ignoriert wurde. Und das würde Toomes, der über keinerlei Superkräfte verfügt, gerne auch weiterhin so halten.
Mit dem von Michael Keaton gespielten „Vulture“ Adrian Toomes gibt es im Marvel-Universum endlich einmal einen Bösewicht, der einem länger als bis zum Abspann im Gedächtnis bleibt und der auch ein sehr nachvollziehbares Motiv für seine Taten hat: er ist ein Unternehmer, der sich um seine Angestellten kümmert. Mit seiner kleinen Firma hatte er nach der Schlacht von New York (dem Finale des ersten „The Avengers“-Films) einen lukrativen Räumungsauftrag von Alien-Schrott und -Waffen erhalten. Als das von Tony Stark initiierte U.S. Department of Damage Control (D.O.D.C.) ihn fristlos rauswirft, beschließt er sich zu wehren. Das funktioniert auch bis zu dieser Nacht, in der Peter Parker über ihn stolpert und ihn besiegen möchte.
Dieser Kampf zwischen Spider-Man und The Vulture steht allerdings nicht im Mittelpunkt des Films.
„Spider-Man: Homecoming“ ist in erster Linie eine Highschool-Komödie. Es geht um Freundschaften, die erste Liebe und Geheimnisse vor den Eltern. Im Superheldenmilieu läuft die Pubertät allerdings etwas anders ab als unter normalen Jugendlichen. Und Jon Watts erzählt das, sehr entspannt, mit viel Feingefühl für die Sorgen und Nöte eines Teenagers. Das ist vergnüglich, kurzweilig, witzig und durchgehend für ein jugendliches Publikum inszeniert. Er lässt sich, weil er die Geschichte nicht unerbittlich vorantreiben will, auch immer wieder mehr Zeit als nötig. Teilweise bis zum Stillstand. Am Ende dauert der Film über 130 Minuten. Watts behandelt Parkers Konflikte in der Schule allerdings durchgehend etwas oberflächlich. Er spitzt sie nie so zu, wie er könnte.
Es ist auch ein Film, der durchgehend wie die jugendfreie Version von „Kick-Ass“ (allerdings ohne Hit-Girl) oder, dank der unzähligen selbstironischen Bemerkungen von Peter Parker, „Deadpool“ in der jugendfreien Version wirkt. Einige Bilder wurden sogar direkt aus „Deadpool“ geklaut.
In den USA hat sich der Film, wenig verwunderlich, an die Spitzen der Kinocharts gesetzt und Marvel-Studios-Chef Kevin Feige schon weitere Filme mit Spider-Man angekündigt. Derzeit plant er eine sich über fünf Filme erstreckende Entwicklung für Peter Parker. „Homecoming“ ist der zweite Teil dieser Geschichte.
Spider-Man: Homecoming (Spider-Man: Homecoming, USA 2017)
Regie: Jon Watts
Drehbuch: Jonathan Goldstein, John Francis Daley, Jon Watts, Christopher Ford, Chris McKenna, Erik Sommers (nach einer Geschichte von Jonathan Goldstein und John Francis Daley)
LV: Charakter von Stan Lee und Steve Ditko
mit Tom Holland, Michael Keaton, Robert Downey Jr., Marisa Tomei, Jon Favreau, Gwyneth Paltrow, Zendaya, Donald Glover, Jacob Batalon, Laura Harrier, Tony Revolori, Bokeem Woodbine, Tyne Daly, Abraham Attah, Kenneth Choi, Chris Evans, Stan Lee
Mit „Das Marvel Cinematic Universe – Anatomie einer Hyperserie“ legt Peter Vignold die überarbeitete Fassung seiner Magisterarbeit an der Ruhr-Universität Bochum vor. In der Arbeit beschäftigt er sich mit der Frage, wie die einzelnen Filme und TV-Serien des Marvel Cinematic Universe miteinander verbunden sind und was diese Filme von anderen Serien, wie „Matrix“, „Harry Potter“ und „X-Men“ unterscheidet. Denn die Marvel-Filme sind bei Kritikern beliebt, Fans vertiefen sich in die Filme, um auch wirklich jede Verbindung zwischen den Filmen und zu den Comics aufzuspüren und sie sind weltweit erfolgreich. Damit hat Marvel, seitdem es nicht mehr die Rechte an seinen Comicfiguren für die Verfilmungen verkauft, sondern die Filme selbst produziert, die Regeln für Hollywood-Blockbuster geändert. Inzwischen möchte jedes Studio sein eigenes Cinematic Universe von miteinander zusammenhängenden Filmen und Figuren schaffen, in dem, wie eine eierlegende Wollmilchsau, jeder Film zum Erfolg der anderen beiträgt. Bislang mit bescheidenem Erfolg.
Vignold zeichnet nach, wie Marvel sein filmisches Universum gestaltet. In der ersten Phase („Iron Man“, „The Incredible Hulk“, „Iron Man 2“, „Thor“, „Captain America“, „The Avengers“) gelang das vor allem über wiederkehrende Nebencharaktere und die Post-Credits-Szenen, in denen es mehr oder weniger kryptische Hinweise auf kommende Filme gibt. In der zweiten Phase („Iron Man 3“, „Thor: The dark World“, „Captain America: The Winter Soldier“, „Guardians of the Galaxy“, „Avengers: Age of Ultron“, „Ant-Man“) verflechten sich die Filme immer mehr miteinander, es werden neue Charaktere eingeführt und die „Avengers“ wird zur dominierenden Binnenserie, der sich die anderen Serien unterordnen. Die TV-Serien liefern ergänzende, aber zum Verständnis der Kinofilme nicht notwendige Informationen. Das gilt vor allem für die ABC-Serien „Agents of S.H.I.E.L.D.“ und „Agent Carter“. Die Netflix-Serien „Daredevil“, „Jessica Jones“ und „Luke Cage“ reproduzieren, mit minimalen Hinweisen auf die Kinofilme, dagegen die im Kino etablierte Erfolgsformel beim Verknüpfen verschiedener Serien in einem anderen Medium.
Mit dem Ende der zweiten Phase des Marvel Cinematic Universe endet Vignolds doch sehr akademisch geschriebene Studie.
Im Kino sind wir mit „Captain America: Civil War“, „Doctor Strange“, „Guardians of the Galaxy, Vol. 2“ (immer noch abgekoppelt vom Avengers-Kosmos) und „Spider-Man: Homecoming“ (der zwar ohne die Kenntnis der Avengers-Filme verstehbar ist, aber davon ausgeht, dass man die Avengers-Filme kennt) in der dritten Phase, die 2019 mit einem „Avengers“-Film enden soll.
Und danach geht es in die vierte Phase.
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Peter Vignold: Das Marvel Cinematic Universe – Anatomie einer Hyperserie
Air Force One (USA 1997, Regie: Wolfgang Petersen)
Drehbuch: Andrew W. Marlowe
Buch zum Film: Max Allan Collins: Air Force One, 1997 (Air Force One)
Russische Terroristen entführen die Air Force One. Der US-amerikanische Präsident James Marshall wirft sie – Wer könnte bei dem Namen daran zweifeln? – aus seinem Flugzeug. Davor erkundet er den Gepäckraum der Air Force One und versucht mit dem Weißen Haus zu telefonieren.
Gut besetztes Popcorn-Kino von unserem Mann in Hollywood. Jedenfalls damals. Denn inzwischen ist er anscheinend im Ruhestand.
Andrew W. Marlowe erfand später die TV-Serie „Castle“.
Mit Harrison Ford, Glenn Close, Gary Oldman, Wendy Crewson, Paul Guilfoyle, Xander Berkeley, William H. Macy, Dean Stockwell, Jürgen Prochnow, Bill Smitrovich, Philip Baker Hall, Werner Sonne (als deutscher Journalist)
Wer „Berlin Falling“ im Kino sehen will, muss sich beeilen. Denn der Thriller läuft nur am 13., 14. und 15. Juli im Kino und danach; – nun Sky Deutschland ist einer der Produzenten des Thrillers über ein in Berlin geplantes Attentat.
Frank (Ken Duken) ist ein im Berliner Umland lebender Ex-Afghanistan-Soldat, Alkoholiker und geschieden. Kurz: er ist das Paradebeispiel für eine verkrachte Existenz.
Jetzt, kurz vor Weihnachten, fährt er nach Berlin, um seine Tochter und seine Ex-Frau am Hauptbahnhof zu treffen. Seine Tochter soll einige Tage bei ihm verbringen.
Auf dem Weg dorthin nimmt er an einer Raststätte den Anhalter Andreas (Tom Wlaschiha) mit. Und weil „Berlin Falling“ ein Thriller ist, ist Andreas kein harmloser Anhalter. In seinem Rucksack hat er eine Bombe und Frank wurde, wie er später erfährt, bewusst ausgewählt. Er soll bei einem Attentat der Sündenbock sein.
„Berlin Falling“ ist ein optisch ansprechender, effizient erzählter Genrefilm, der souverän all die Fettnäpfe vermeidet, in die deutsche Thriller zwischen Pseudo-Coolness und Thesenhaftigkeit gerne tappen.
Zwischen all den vertrauten Elementen und überraschenden, wenn auch nicht immer plausiblen Wendungen und Zufällen (Was wäre, wenn Frank nicht an dieser Tankstelle angehalten hätte?) entwickelt Ken Duken in seinem Spielfilmdebüt (nach einem Kurzfilm und einigen Musikvideos) einen Thriller, der sich auf das Duell zwischen zwei Personen konzentriert. Auf engstem Raum kämpfen Frank und Andreas gegeneinander. Mal mit Worten, mal mit Fäusten.
Fast der gesamte Film spielt in Franks Auto und in einem Kellerraum. Diese Beschränkung auf wenige Orte ist budgetschonend, aber auch etwas theaterhaft. Vor allem wenn Andreas gegen Filmende seinen Plan erklärt, legt der Bösewicht in schönster Info-Dump-Manier in wenigen Minuten alle Hintergründe des Anschlags offen. In dem Moment fällt auch auf, dass einige Punkte im Zusammenhang mit den Anschlag nie so vertieft werden, wie es möglich wäre. Vor allem weil Frank und Andreas während der Autofahrt genug Zeit haben, um über ihre Ansichten zu diskutieren.
Aber das sind kleinere Schwächen in einem Film, der eine normale Kinoauswertung verdient hätte. Und nicht nur drei Tage in ausgewählten Kinos.
Berlin Falling (Deutschland 2017)
Regie: Ken Duken
Drehbuch: Christoph Mille (nach einer Idee von Ken Duken und Norbert Kneißl)
mit Ken Duken, Tom Wlaschiha, Marisa Leonie Bach, Greta Nedelmann, Amelie Plaas-Link, Tim Wilde, Kida Khodr Ramadan
Das passiert selten: in den USA erscheint ein Bericht über das Einspiel eines deutschen Films in Deutschland. Aber „Berlin Falling“ hat an seinem ersten Spieltag einen Platz in den Top 10 erreicht und damit die Tür für eine weitere Kinoauswertung geöffnet. Der Hollywood Reporter schreibt unter anderem:
„Berlin Falling, a low-budget indie thriller about a terrorist attack in Germany, has opened in the top 10 on the German box-office charts on its first day of release.
The debut feature from actor turned director Ken Duken grossed $24,000 across 136 theaters on Thursday, enough to squeeze into the top 10, just behind Marc Webb’s Gifted, starring Chris Evans and Lindsay Duncan.“
Die im Zweiten Weltkrieg in die USA geflohene Jüdin Maria Altmann hätte gerne wieder das titelgebende Klimt-Gemälde von ihre Tante Adele. Dummerweise ist das Jugendstilgemälde inzwischen zu einer Ikone der österreichischen Identität geworden und Österreich denkt gar nicht daran, Altmann das Gemälde zurückzugeben.
TV-Premiere. Gutes, gefällig inszeniertes, auf einem wahren Fall basierendes britisches Schauspielerkino mit entsprechend pointierten Dialogen und einem noblen Anliegen.
mit Helen Mirren, Ryan Reynolds, Daniel Brühl, Max Irons, Elizabeth McGovern, Katie Holmes, Tatiana Maslany, Antje Traue, Justus von Dohnányi, Tom Schilling, Charles Dance, Jonathan Pryce, Frances Fisher, Moritz Bleibtreu
Madame Mallory und der Duft von Curry (The Hundred-Foot Journey, USA 2014)
Regie: Lasse Hallström
Drehbuch: Steven Knight
LV: Richard C. Morais: The Hundred-Foot Journey, 2010 (Madame Mallory und der kleine indische Küchenchef; Madame Mallory und der Geschmack von Curry)
Madame Mallory betreibt in der südfranzösischen Provinz ein Edelrestaurant. Da eröffnen gegenüber von ihrem Sternerestaurant eine indische Familie ein Restaurant mit indischer Küche – und die Probleme beginnen.
3sat, 20.15 M – Eine Stadt sucht einen Mörder (Deutschland 1931, Regie: Fritz Lang)
Drehbuch: Thea von Harbou, Fritz Lang
Polizei und Verbrecher suchen einen Kindermörder.
Ein Filmklassiker, der keine Patina angesetzt hat und jeder Film- und Krimifan unbedingt gesehen haben muss. Mustergültig setzt Lang in seinem ersten Tonfilm Bild und Ton ein. Angeregt wurde „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ durch Zeitungsartikel über mehrere brutale Morde, unter anderem über den Fall Kürten.
3sat zeigt heute den ganzen Tag Krimis: viel Agatha Christie (u. a. um 16.35 Uhr und 01.25 Uhr den „Mord im Orient-Express“), um 13.00 Uhr „Wachtmeister Studer“ (die Verfilmung von 1939), um 18.40 Uhr „Es geschah am hellichten Tag“ (die bekannte Rühmann/Fröbe-Verfilmung), um 22.00 Uhr „Broken City – Stadt der Verbrechen“ und um 23.40 Uhr „22 Kugeln – Die Rache des Profis“.
Mit Peter Lorre, Gustaf Gründgens, Otto Wernicke, Paul Kemp, Theo Lingen Hinweise
The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben (The Imitation Game, USA/Großbritannien 2014)
Regie: Morten Tyldum
Drehbuch: Graham Moore
LV: Andrew Hodges: Alan Turing: The Enigma, 1983 (Alan Turing – Enigma)
Hübsch verschachteltes Biopic, getarnt als gediegenes Thrillerdrama, über den genialen Mathematiker Alan Turing, der den Enigma-Code der Nazis entschlüsselte,
Elizabeth Sloane ist ein Star in der Lobbyisten-Branche in Washington, D. C.. Skrupel kennt sie nicht. Wenn sie einen Auftrag übernimmt, ist der Wunsch des Auftraggebers bereits Gesetz. Deshalb freut sich die Waffenlobby über ihr Engagement gegen den von ihr abgelehnten Heaton-Harris-Bill. Das ist ein parteiübergreifender Gesetzesentwurf zur stärkeren Kontrolle des Verkaufs von Schusswaffen; – okay, im heutigen Washington ist ein solcher Gesetzesvorschlag sehr fiktiv.
Mitten während der Verhandlungen zu dem Gesetz wechselt Sloane aus für ihre Kollegen und auch für uns Zuschauer nicht nachvollziehbaren Gründen die Seiten. Sie geht mit fast ihrem gesamten Team zu einer deutlich kleineren, moralisch integeren Lobby-Firma. Ab diesem Moment kämpft sie gegen ihre früheren Arbeitgeber und Kunden.
Irgendetwas muss bei ihrem Kampf für das Gesetz allerdings schief gegangen sein. Denn am Filmanfang muss sich Elizabeth Sloane in einer öffentlichen Anhörung eines Senatsuntersuchungsausschusses verteidigen. Sie soll gegen die Verhaltensregeln für Lobbyisten verstoßen haben. Dafür könnte sie mit einem Berufsverbot bestraft werden.
Während der deutsche Titel „Die Erfindung der Wahrheit“ vieldeutig ist, gibt der Originaltitel des von „Best Exotic Marigold Hotel“-Regisseur John Madden inszenierten Films schon eine eindeutige Richtung an. „Miss Sloane“ ist er und damit ist klar, dass Elizabeth Sloane, glänzend gespielt von Jessica Chastain, im Mittelpunkt des Dramas steht, das auch einen Blick hinter die Kulissen des Lobby-Geschäfts in Washington wirft.
Die mit dem Porträt von Miss Sloane verbundene Geschichte funktioniert allerdings nur bedingt. Das beginnt mit ihrem plötzlichen Jobwechsel, der so unvermittelt kommt – Rodolfo Schmidt, der Chef der Konkurrenzfirma spricht sie nachts auf offener Straße an und gibt ihr einen Zettel, dessen Inhalt wir erst am Filmende erfahren und der sie dazu bringt, die Firma zu wechseln –, dass man bei dem Wechsel des Arbeitgebers nie glaubt, dass sie wegen ihres Gewissens die Seiten wechselte. Aber einen besseren Grund findet man nicht. So bleibt dieser Wechsel bis zum Schluss eine nicht in ihrem Charakter begründete Drehbuchidee. Auch das Komplott, das zu ihrer Ladung vor den Ausschuss führte, und Miss Sloanes genialer Plan, um ihr Ziel (oder ihre Ziele) zu erreichen, enttäuschen. Von einer Meisterstrategin wäre da mehr zu erwarten gewesen.
Unklar bleibt auch, warum das Gesetz unbedingt jetzt beschlossen werden muss; – wobei Elizabeth Sloane zuerst auf den Seiten der Verhinderer, der Status-Quo-Bewahrer, kämpft. Sie haben inen guten Grund, um gegen die jetzige Verabschiedung des Gesetzes zu kämpfen. Die Befürworter des Gesetzes, die eine stärkere Waffenkontrolle wollen, könnten mit etwas zeitlichem Abstand oder über andere Wege einfach wieder versuchen, ihr Anliegen durchzusetzen. Sie haben keine Eile. Sie müssen einfach nur einige weitere Menschen von ihrem Anliegen überzeugen. Trotzdem inszeniert Madden, nach einem Drehbuch des Debütanten Jonathan Perera, einen Kampf zwischen zwei Lobbyfirmen, in dem es um jede Stimme geht. Und für jede Lobbyfirma steht ihre Existenz auf dem Spiel. Das ist nicht besonders glaubwürdig, weil eine Lobbyfirma, wie eine Werbefirma, sich normalerweise nicht sonderlich mit ihrem Produkt identifiziert. Der zentrale Konflikt wird dann einerseits furchtbar aufgeblasen als ein weltbewegendes Gesetz, während er bei genauerer und distanzierter Betrachtung eher bedeutungslos ist. Das liegt auch daran, dass der Inhalt des Gesetzes nur oberflächlich angesprochen wird. In „Die Erfindung der Wahrheit“ geht es nicht um die Frage, ob man für oder gegen Waffenkontrolle ist. Es geht um die Arbeit und die Winkelzüge von Lobbyfirmen, die teils in der Öffentlichkeit, teils in Hinterzimmern, stattfinden.
Dieser Kampf zwischen zwei Lobbyfirmen über die Verabschiedung eines Gesetzes ist nur der Vorwand für ein verschachteltes Porträt einer sehr ambitionierten Frau in einer Männerwelt, die einen fordernden Job hat, für den sie lebt. Ein Privatleben hat sie, im Gegensatz zu ihren männlichen Kollegen, nicht. Außer man nennt den Sex im Hotelzimmer mit einem Callboy Privatleben; – aber dann könnte man auch die Pinkelpause Privatleben nennen. Und eine Erklärung für ihren Arbeitseifer gibt es auch nicht. Jesscia Chastain verleiht dieser eiskalten, zu Empathie und Mitarbeiterführung gänzlich ungeeigneten Karrierefrau, die leicht zu einer Parodie hätte werden können, dennoch eine emotionale Tiefe.
Als Porträt von „Miss Sloane“ (Originaltitel) funktioniert „Die Erfindung der Wahrheit“ gut. Als Polit-Thriller lässt einen der kühle, in den entscheidenden Momenten zu naive und zu plakative Film dann doch etwas unbefriedigt zurück. Trotz überraschender Enthüllungen und langfristig angelegter Fallen und Finten.
Die Erfindung der Wahrheit (Miss Sloane, Frankreich/USA 2016)
Regie: John Madden
Drehbuch: Jonathan Perera
mit Jessica Chastain, Mark Strong, John Lithgow, Alison Pill, Gugu Mbatha-Raw, Michael Stuhlbarg, Sam Waterston, Jake Lacey
DP/30 unterhält sich in Los Angeles im November 2016 (wenige Tage vor der US-Präsidentenwahl) mit John Madden und Jessica Chastain über den Film
Ein Publikumsgespräch mit den Schauspielern Jessica Chastain und John Lithgow, Regisseur John Madden und Autor Jonny Perera, moderiert von Jenelle Riley (Variety) (SAG-AFTRA Foudation, 5. November 2016; Ton ist am Anfang nicht so toll)
Neues vom Hexer (Deutschland 1965, Regie: Alfred Vohrer)
Drehbuch: Herbert Reinecker
LV.: Edgar Wallace: Again the ringer, The ringer returns, 1929 (Neues vom Hexer)
Der Hexer ist stinkig: irgendein Nachahmer benutzt bei den Morden am Curtain-Clan seine Visitenkarte. Das schreit nach Vergeltung. Und so wird aus einem Verbrecher ein Verbrecherjäger.
„Neues vom Hexer“ ist die ziemlich lahme Fortsetzung von „Der Hexer“. Herbert Reinecker ließ bei seinem Drehbuch die Romanvorlage (eigentlich eine Story-Sammlung) links liegen.
Mit Heinz Drache, Barbara Rütting, René Deltgen, Eddi Arent, Brigitte Horney, Margot Trooger, Klaus Kinski, Siegfried Schürenberg
Beruflich läuft es für Edward und Ib gut. Auch weil sie als Handwerker am liebsten schwarz arbeiten.
Privat läuft es bei ihnen nicht so gut. Ihre Ehefrauen Ingrid und Gritt flirten lieber mit dem Tanzlehrer als ihren ehelichen Pflichten nachzukommen.
Etwas muss sich ändern, denken sich die beiden frustrierten Männer, die nicht gerade übermäßig intelligent sind. Eine Scheidung ist für sie keine Option. Denn dann müssten sie ihr schwer verdientes Schwarzgeld mit ihren Frauen teilen und das wäre dann doch zu teuer. Aber ein Profikiller könnte das Problem lösen. Betrunken organisiert Edward einen aus dem Osten kommenden Killer. Igor heißt er und er ist trinkfreudig, wie man es von einem Russen erwartet.
Schon bevor er zur Tat schreiten kann, plagt die beiden Auftraggeber das schlechte Gewissen. Immerhin haben sie ja nichts gegen ihre Frauen und den Tod haben sie auch nicht verdient. Daher würden sie den Doppelmord-Auftrag gerne abbrechen. Bevor es dazu kommt, erzählt Igor Ingrid und Gritt unwissentlich, dass er sie umbringen soll.
Nach einer Schrecksekunde beauftragen sie Miss Nippleworthy, ihre beiden Männer umzubringen. Miss Nippleworthy kommt, wie man bei ihrem Namen ahnt, aus England ins dänische Nibe. Sie sieht wie eine Schwester von Miss Marple aus und am liebsten bringt sie Menschen mit einer Portion Gift um.
Ole Bornedal erzählt seine schwarze Komödie „Small Town Killers“ im gemächlichen Rhythmus des ländlichen Lebens. Man kennt sich schon seit Ewigkeiten. Man hat sich in seinem Leben eingerichtet, bis dann eine ungute Mischung aus Langeweile, sexueller Frustration, Tagträumereien und einer Schnapsidee ein tödliches Karussell in Gang setzt. Denn die beiden Killer wollen ihren Auftrag ausführen. Dass sie dafür vielleicht noch ein, zwei Leute, die sie bei ihrer Arbeit behindern, umbringen müssen, stört sie nicht. Die Auftraggeber schon. Sie beginnen auch über ihr Leben nachzudenken.
So entsteht in neunzig Minuten ein kleines Sittengemälde, das nie mehr als eine kleine Skizze sein will. Und genau in diesem bescheidenem Anspruch gefällt die Kleinstadtfarce mit ihren absehbaren Entwicklungen.
Small Town Killers (Dræberne fra Nibe, Dänemark 2016)
Regie: Ole Bornedal
Drehbuch: Ole Bornedal
mit Nicolas Bro, Ulrich Thomsen, Mia Lyhne, Lene Maria Christensen, Marcin Dorocinski, Gwen Taylor, Søren Malling, Birthe Neumann, Ole Thestrup
„Okja“, der neue Film von „Snowpiercer“-Regisseur Bong Joon Ho, lief dieses Jahr in Cannes im Wettbewerb und er wurde – Filmfestivals haben in ihrer Gruppendynamik etwas von Musikfestivals – mit Buhrufen begrüßt. Jury-Präsident Pedro Almodóvar sagte zum Festivalauftakt, dass er sich nicht vorstellen könne, eine Film auszuzeichnen, der nicht auf der großen Leinwand laufe. Es gab eine Diskussion über die Regeln für eine Teilnahme am Cannes Filmfestival.
Wir erfuhren, dass in Frankreich Filme, erst 36 Monate (3 Jahre!) nach dem Kinostart als VoD ausgewertet werden dürfen.
Für das Cannes-Filmfestival wurden die Regeln geändert. Ab nächstem Jahr müssen Filme, die im Wettbewerb gezeigt werden, einen Kinostart in Frankreich haben.
Der Grund für diese Aufregung war, dass „Okja“ von Netflix produziert wurde und der Streamingdienst zum ersten Mal am Festival teilnahm. Und wie alle Netflix-Produktionen wird auch „Okja“ nicht im Kino, sondern nur auf Netflix gezeigt. Leider. Denn „Okja“ ist ein guter Film.
Okja ist ein elefantengroßes Schwein, das in den abgelegenen Bergen von Südkorea aufwächst. Es gehört zu einer Gruppe von gentechnisch modifizierten Schweinen, die vor zehn Jahren von Lucy Mirando (Tilda Swinton) an verschiedene Orte auf dem Globus verteilt wurden. So soll herausgefunden werden, was in jeder Beziehung die optimalen Bedingungen für die Aufzucht eines Schweins mit sind. Es ist ein Projekt der Mirando Coprporation, das den Menschen mit einer sentimentalen Geschichte gentechnisch verändertes Fleisch schmackhaft machen soll. Nach zehn Jahren soll das schönste Schwein prämiert und der staunenden Öffentlichkeit präsentiert werden.
Jetzt ist es soweit und Mija (An Seo Hyun) erfährt, dass ihr bester Freund Okja sie verlassen muss – und als Schnitzel enden wird. Um sie zu retten verfolgt sie sie um die halbe Welt bis nach New York.
In dem Moment ist die Freundschaft zwischen Mija und Okja fest etabliert. Gerade am Anfang, wenn die zwei durch den Wald toben, erinnern die Bilder in ihrer Verspieltheit und Warmherzigkeit an, um ein aktuelles Beispiel zu nennen, Walt Disneys „Elliot, der Drache“ (ein sehr loses Remake des Trickfilms „Elliot, das Schmunzelmonster“); einem anderen Film über die Freundschaft zwischen einem Kind und einem sehr großem Tier, das es eigentlich nicht geben dürfte. Man könnte auch jeden anderen Film über die unzertrennliche Freundschaft zwischen einem Kind und einem Tier nennen.
Bong Joon Ho erzählt Mija und Okjas Geschichte als einen kindgerechten Abenteuerfilm für die ganze Familie, der mit eindeutigen Bildern von der Massentierhaltung endet. Spätestens in dem Moment beginnt man über seine Ernährung nachzudenken.
Die Fronten zwischen Gut und Böse sind eindeutig verteilt, aber Bong Joon Ho und sein Co-Drehbuchautor Jon Ronson (der auch die Vorlagen für „Männer, die auf Ziegen starren“ und „Frank“ schrieb) verurteilen und dämonisieren niemand, während sie die Massentierhaltung und genetische Experimente (Okja ist nur deshalb so groß, damit sie besonders viel Fleisch liefern kann) eindeutig ablehnen.
Während des Films gibt es zahlreiche satirische Spitzen gegen das Fernsehen, Unterkategorie Tierdokus, internationale Konzerne, die Fleischindustrie und radikale Tierschützer. Die lustvoll übertrieben spielenden Schauspielern wie Jake Gyllenhaal (als TV-Tierdokumoderator), Paul Dano (als Anführer der friedlichen „Animal Liberation Front“ [ALF]) und Tilda Swinton (als Firmenchefin, die ihrer Firma ein neues Image verpassen will) genießen erkennbar ihre Rollen. Swinton spielte schon in „Snowpiercer“ einen hemmungslos überzeichneten Charakter. In „Okja“ ist sie eine Firmenchefin, die gleichzeitig schutzbedürftig, visionär, eiskalt, berechnend und auch etwas dumm,aber sehr von ihren Plänen überzeugt ist. Und Paul Dano als Sprecher der friedlich-radikalen, nicht vor Straftaten zurückschreckende Tierschützer ist ein wirklich netter Kerl. Wenn auch etwas realitätsfern; – was aber für fast alle Erwachsenen in dem Film gilt.
Nach „Snowpiercer“ ist Bong Joon Ho mit „Okja“ eine weitere zum Nachdenken anregende, treffsichere und pointierte Satire und Gesellschaftskritik gelungen. Dieses Mal auch und vor allem für ein jüngeres Publikum. „Snowpiercer“ hat ja nicht umsonst eine FSK-16-Freigabe erhalten.
P. S.: In den USA läuft der Film in einigen Kinos. Vielleicht gelingt es einigen deutschen Kinos, den Film zu zeigen. Denn „Okja“ ist ein Film für die große Leinwand. Zur Not auch in einem Open-Air-Kino.
Okja (Okja, USA/Südkorea 2017)
Regie: Bong Joon Ho
Drehbuch: Bong Joon Ho, Jon Ronson (nach einer Geschichte von Bong Joon Ho)
mit Tilda Swinton, Paul Dano, An Seo Hyun, Byun Heebong, Steven Yeun, Lily Collins, Yoon Je Moon, Shirley Henderson, Daniel Henshall, Devon Bostick, Woo Shik Choi, Giancarlo Esposito, Jake Gyllenhaal
Der Hexer (Deutschland 1964, Regie: Alfred Vohrer)
Drehbuch: Herbert Reinecker
LV: Edgar Wallace: The gaunt stranger, The ringer, Police Work, 1925 (Der Hexer)
Scotland Yard jagt den Meisterverbrecher Milton, genannt “Der Hexer”. Dieser jagt den Mörder seiner Schwester.
“Der Hexer” ist einer der bekanntesten Film der Serie und „eines der amüsantesten kriminalistischen Kammerspiele des deutschen Nachkriegsfilms“ (Florian Pauer: Die Edgar Wallace-Filme).
Mit Joachim Fuchsberger, Heinz Drache, Sophie Hardy, Siegfried Lowitz, Margot Trooger, Eddi Arent, René Deltgen, Siegfried Schürenberg
Der Zinker (Deutschland 1963, Regie: Alfred Vohrer)
Drehbuch: H. G. Petersson
LV: Edgar Wallace: The Squeaker, The Squeaker: The sign of the leopard, 1927 (Der Zinker)
Scotland Yard jagt den Zinker. Eine Raubtierhandlung spielt dabei eine wichtige Rolle.
H. G. Petersen verarbeitete in seinem ersten Drehbuch neben dem Wallace-Buch auch ein Treatment von Trygve Larsen, einem Pseudonym von Egon Eis, der bereits bei der ersten deutschen Verfilmung von „Der Zinker“ 1931 am Drehbuch mitarbeitete. Vohrer machte aus dem Drehbuch einen handwerklich passablen Krimi.
„Wie bei den meisten anderen Wallace-Filmen der Rialto setzte der Regisseur auch hier auf ein Reservoir bekannter Schauspieler, legte zahlreiche irreführende Fährten und baute falsche Verdächtige auf, einzig, um die Geschichte zu verschleiern.“ (Meinolf Zurhorst: Lexikon des Kriminalfilms)
Die Musik ist von Peter Thomas.
Beginn einer kleinen 3sat-Reihe von Edgar-Wallace-Filmen, die morgen um 22.25 Uhr mit „Der Hexer“ und übermorgen um 22.35 Uhr mit „Neues vom Hexer“ fortgesetzt wird und die man sich endlich, mal wieder, ohne Werbepausen ansehen kann.
Mit Heinz Drache, Barbara Rütting, Günter Pfitzmann, Eddi Arent, Klaus Kinski, Siegfried Schürenberg
Während des Karibikurlaubs will Kevin Riley seinem Sohn etwas Besonderes bieten. Der Arzt leiht sich von einem Einheimischen ein Boot aus und fährt mit ihm und seiner Frau auf eine der zahlreichen einsamen und unbewohnten Inseln. Als sie wieder zum Hotel zurückkehren wollen, streikt der Motor. Und sie haben kein Wasser und kein Handy dabei.
Als letzte Hoffnung auf eine Rettung lassen sie sich im Boot von der Strömung wegtreiben. Sie haben Glück und werden, fast tot, von zwei Fischern gefunden. Der eine Fischer sieht die Chance, schnell an viel Geld zu gelangen. Er will von Riley für seine und die Rettung seiner Familie eine Million Dollar haben. Um das Geld von Riley zu bekommen, versteckt er Rileys Frau und Sohn auf einer Insel.
Nachdem der Erpresser einen Teil des Geldes hat (Riley ist halt kein Millionär), entschließt er sich, den unliebsamen Zeugen zu töten.
Riley kann aus der Kabine des auf offener See sinkenden Bootes entkommen. Er wird gerettet und erzählt der Polizei alles. Weil ihm die Suchaktion der Polizei zu lange dauert, beginnt er auf eigene Faust den Erpresser und seinen Freund zu suchen.
„Erpressung“ ist ein kleiner, äußerst unterhaltsamer Thriller. Große Überraschungen gibt es in dieser Geschichte zwar nicht, aber sie ist gut entwickelt, schlüssig erzählt und der Protagonist wird in der zweiten Filmhälfte nicht zum waffenschwingenden und mordenden Supermann. Riley bleibt immer ein ganz normaler Familienvater ohne besondere Fähigkeiten, für den alles, streng nach Thriller-Lehrbuch, immer schlimmer wird. Denn obwohl er nichts wirklich falsch macht, wird es durch seine Handlungen immer unwahrscheinlicher, dass er seine Frau und seinen Sohn retten kann.
Phil Volken, der auch das Drehbuch schrieb, drehte den Film auf Puerto Rico und er bemüht sich, möglichst viel von der Landschaft und den Menschen einzufangen. Auch abseits des Luxushotels und der paradiesischen Strände.
Als Bonusmaterial gibt es eine Bildergalerie und ein siebenminütiges, informatives „Making of“.
Erpressung – Wie viel ist deine Familie wert? (Extortion, USA 2017)
Regie: Phil Volken
Drehbuch: Phil Volken
mit Eion Bailey, Barhad Abdi, Danny Glover, Bethany Joy Lenz, Tim Griffin, Mauricio Alemañy
–
DVD
Ascot Elite
Bild: 2,39:1 (16:9)
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: Making of, Bildergalerie, Trailer, Wendecove
3sat, 23.55 (VPS 23.54) Rächer der Unterwelt (USA 1946, Regie: Robert Siodmak)
Drehbuch: Anthony Veiller
LV: Ernest Hemingway: The Killers, 1927 (Kurzgeschichte)
Ex-Boxer Pete, genannt „Der Schwede“ (bzw. Swede) wartet tatenlos in einem schäbigen Zimmer auf zwei Auftragskiller, die ihn umbringen sollen. Nach seinem Tod fragt sich ein Versicherungsdetektiv, warum sich jemand einfach so erschießen lässt. Er beginnt zu recherchieren.
„Eine Figur des Film noir, die noch resignierter ist als sonst bereits üblich: Swede weiß, dass die Vergangenheit ihn einholen wird, wenn nicht heute, dann morgen – wozu also davonlaufen? Der Versicherungsagent Riordan, der (in ausgefuchsten Rückblenden) der Vergangenheit Swedes nachforscht, erhält auch keine befriedigende Antwort, und seine Jagd auf die Killer scheint absurd und purer Selbstzweck.“ (Paul Werner: Film noir, 1985, mehrere erweiterte Neuauflagen)
„Noch heute ist dieser Film (…) der radikalste Anschlag auf den Mythos des Hollywood Helden.“ (Norbert Grob, Die Zeit, 6. Juli 1990)
John Huston, der die erste Drehbuchversion schrieb, übernahm von Ernest Hemingway nur die Grundidee und am Ende entstand ein Noir-Klassiker, der auch einen Edgar erhielt und für vier Oscars nominiert war.
1964 ging Don Siegel mit der Kurzgeschichte ähnlich rabiat um und er erzählte eine ganz andere Geschichte.
mit Edmond O’Brien, Ava Gardner, Albert Dekker, Sam Levene, Burt Lancaster, William Conrad
auch bekannt als „Die Killer“
– Hinweise
Wikipedia über „The Killers“ (deutsch, englisch)
Josh Baker (Eric Roberts) arbeitet in New York als Comiczeichner bei Marvel und sein Chef ist Stan Lee, der von Stan Lee gespielt wird. Es war sein erster Auftritt in einem Spielfilm.
Josh zeichnet die Panels für den Comic „Dr. Strong“ (hm, strange) – und alles das hat herzlich wenig mit der Filmgeschichte zu tun.
Als wir Josh das erste Mal begegnen, verfolgt er in Manhattan auf der 5th Avenue (beim Trump Tower) mitten durch das mittägliche Gewühl eine Frau. Er flirtet mit ihr. Sie will nichts von ihm wissen. Da bricht sie auf dem Bürgersteig zusammen, wird von einem Krankenwagen abgeholt und in ein Krankenhaus gebracht. Nur in welches? Der über beide Ohren verliebte Josh beginnt die Krankenhäuser abzuklappern. Aber er findet sie nicht.
Und die Polizei hält ihn nicht für besonders glaubwürdig. Immerhin sucht er eine Frau, deren Namen er nicht kennt und die von einem Krankenwagen entführt würde. Vielleicht für verbotene Experimente. Denn sie hat Diabetes.
Mit „Ambulance“ hat Larry Cohen einen schnörkellosen B-Thriller inszeniert, der gelungen mit den Ängsten der Großstädter spielt. Denn was könnte normaler als ein Krankenwagen sein? Was könnte schlimmer sein, als der Verdacht, dass die Ambulanz einen nicht in das nächste Krankenhaus, sondern an einen ganz anderen Ort bringt?
Die aus dieser Frage entstehende, allumfassende Paranoia ist auch heute noch gut nachvollziehbar. Die teils mit versteckter Kamera gedrehten Straßenaufnahmen bieten eine Blick in die Vergangenheit. Es ist das New York der späten achtziger Jahre. Und die Frisuren und Kleider, vor allem von Hauptdarsteller Eric Roberts, haben aus heutiger Sicht ein ganz eigenes Schockpotential.
Dazwischen gibt es etwas polizeiliche Ermittlungen von James Earl Jones als der fluchende Bulle der schon alles gesehen hat, und Megan Gallagher als junge Polizistin, die die abstruse Geschichte von Eric Roberts glaubt. Und Veteran Red Buttons als pensionierter Zeitungsreporter der alten Sorte ist für den Humor zuständig. Vor allem die erste Begegnung zwischen Roberts und Buttons im Krankenhaus ist eine komödiantische Szene, die die Haupthandlung nicht weiterbringt, durchgehend improvisiert wirkt und einfach Spaß macht. Wie der gesamte Film, der schon damals in weiten Teilen, vor allem wenn der Krankenwagen mit eingeschalteter Sirene durch das nächtliche Manhattan fährt und Angst und Schrecken bei den Wissenden verbreitet oder wenn der Bösewicht am Krankenbett seine Forschungen in schönster Mad-Scientist-Manier erklärt oder, im Finale, eine Discothek zu einem Schlachtfeld zwischen den Guten und Bösen umfunktioniert wird, angenehm altmodisch inszeniert war.
„Ambulance“ ist ein spannender B-Thriller.
Der 1941 geborene Larry Cohen ist seit Jahrzehnten als Drehbuchautor und Regisseur eine feste Größe im Genrekino. Vor allem von Thrillern, Kriminal- und Horrorfilmen. In seinen B-Pictures benutzt er das geringe Budget für teils ätzende Gesellschaftskritik und er spielt mit kollektiven Ängsten, ohne jemals im Verdacht zu stehen, Kino für das elitäre Bildungsbürgertum zu machen. Er macht keine Arthouse-Fime, sondern Genrefilme. Es sind Filme von einem Genreliebhaber für Genreliebhaber und immer intelligent genug für einige weitergehende Gedanken. Auch wenn nicht jeder Film gelungen ist.
Zu seinen Werken zählen, als Regisseur, „Black Caesar“ (die afroamerikanische Version des Gangsterfilms „Little Caesar“), „Hell up in Harlem“ und „It’s alive“ (ein Horrorfilm mit mehreren Fortsetzungen), und, nur als Drehbuchautor, „I, the Jury“ („Ich, der Richter“, eine Mike-Hammer-Verfilmung), „Maniac Cop“ (und die Fortsetzungen), „Guilty as Sin“ („Jenseits der Unschuld“, verfilmt von Sidney Lumet), „Phone Booth“ (Nicht auflegen!“, ein Mann in einer Telefonzelle) und „Cellular“ („Final Call – Wenn er auflegt, muss sie sterben“).
Die jetzt von Koch Media veröffentlichte DVD-Ausgabe des Films ist ein Mediabook, das den Film auf DVD und Blu-ray enthält, ergänzt um eine Bildergalerie, den deutschen und den Originaltrailer und, als Herzstück, einen brandaktuellen Audiokommentar und ein ebenso aktuelles, siebzigminütiges Interview mit Larry Cohen.
Ambulance (The Ambulance, USA 1989)
Regie: Larry Cohen
Drehbuch: Larry Cohen
mit Eric Roberts, James Earl Jones, Megan Gallagher, Red Buttons, Janine Turner, Jim Dixon, Stan Lee
–
DVD/Blu-ray
Koch Media
Bild: 1.85:1 (16:9)
Ton: Deutsch, Englisch (DVD: Dolby Digital 2.0) (Blu-ray: PCM 2.0)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: Audiokommentar von Larry Cohen, Cohen on Cohen (Interview mit Larry Cohen), Bildergalerie, Deutscher und Originaltrailer