Morgen wird Gerhard Polt 75. Für den Bayerischen Rundfunk ist das der Anlass für einen Gerhard-Polt-Themenabend. Beginnend mit
BR, 20.15
Herr Ober! (Deutschland 1992, Regie: Gerhard Polt, Fred Unger)
Drehbuch: Gerhard Polt
Gerhard Polt spielt Ernst Held, einen verkannten bayerischen Heimatdichter, der von seiner Frau, einer wohlhabenden Hotelbesitzerin, nach einem platonischem Seitensprung achtkantig rausgeworfen wird. Held beginnt sich als Kellner eher erfolglos durchzuschlagen, bis sein Werk im Fernsehen abgefeiert wird.
Gerhard Polts letzter Film „…und Äktschn!“ ist ein veritables Desaster ist, das sein Frühwerk noch heller strahlen lässt. Auch wenn sein Regiedebüt „Herr Ober!“ nicht so gut wie „Kehraus“ und „Man spricht deutsch“ ist.
„Diese bierernste Nostalgie dominiert die bisweilen etwas einfallslos aneinandergereihten Elemente zeitgenössischer Gesellschaftssatire, bleibt dabei jedoch merkwürdig gegenstandslos. So ist Polts Regiedebüt weniger Komödie als vielmehr ein Heimatfilm ohne Heimat, dessen Ästhetik trotz aller Hiebe aufs Fernsehen von ebendiesem geprägt ist.“ (Fischer Film Almanach 1993)
„Bedächtig-behäbig inszenierte Komödie um einen liebenswert-aufrechten Toren, mit satirischen Spitzen gegen das Fernsehen und die Kultur-Schickeria.“ (Zoom)
Die Musik ist von den Biermösl Blosn.
mit Gerhard Polt, Christiane Hörbiger, Ulrike Kriener, Robert Meyer, Natalia Lapina, Eisi Gulp
Geschichten sind das Gefährlichste von der Welt. Geschichten jagen, beißen und verfolgen dich.
Geschichten sind wichtig. Sie können wichtiger sein als alles andere. Wenn sie die Wahrheit in sich tragen.
(Das Monster bzw. Patrick Ness)
Der dreizehnjährige Conor O’Malley hat schon mehr Probleme als nötig. Seine von ihm über alles geliebte Mutter Lizzie ist todkrank. Krebs. Sein Vater lebt am anderen Ende der Welt in den USA. Seine Großmutter hasst er. Sie ist ihm viel zu streng. In der Schule ist er der Outsider. Er hat einen immer wiederkehrenden Albtraum.
Und dann wird er neuerdings noch jede Nacht um sieben Minuten nach Mitternacht von einem Monster geweckt.
Bei ihrer ersten Begegnung sagt Conor ihm, dass er keine Angst vor ihm habe. Außerdem ist er alt genug, um zu wissen, dass es keine Monster gibt.
Das Monster, das aussieht wie die vor dem O’Malley-Haus auf dem Hügel stehende Eibe und behauptet von Conor gerufen worden zu sein, nimmt die Herausforderung an. Er wird dem störrischen Conor Angst einjagen. Es will dem Jungen drei Geschichten erzählen und dann soll ihm Conor eine Geschichte erzählen, die die Wahrheit über Conor O’Malley und seine Ängste verrät.
Mit dieser Begegnung beginnt einer der schönsten, vielschichtigsten und überraschendsten „Monsterfilme“ der letzten Zeit.
Schon die erste Geschichte, die das Monster erzählt, widerspricht Conors Erwartungen. Es ist kein Märchen mit einer eindeutigen, von Anfang an offensichtlichen Moral. Es ist eine Geschichte, die Conors Ansicht von Gut und Böse fundamental widerspricht, weil der gute Prinz seine Geliebte ermordet und das Monster die böse Königin rettet.
Conor ist ziemlich verärgert über das Ende dieser Geschichte. Das sagt er dem Monster auch unverblümt.
Aber das Monster hat noch zwei weitere Geschichten, die den respektlosen Conor das Fürchten lehren sollen. Außerdem spiegeln die von ihm erzählten Geschichten Conors aktuelle Situation. Sie sollen ihn zum Nachdenken, zum Überprüfen seiner Ansichten und Meinungen, anregen.
J. A. Bayonas düsterer Fantasy-Film „Sieben Minuten nach Mitternacht“ basiert auf Patrick Ness‘ Jugendbuch, das mit mehreren Preisen, wie dem Deutschen Jugendliteraturpreis, ausgezeichnet und in fast vierzig Sprachen übersetzt wurde. Für den Film schrieb er das Drehbuch und visuell wurde sich, vor allem bei dem Monster, an den SW-Buchillustrationen von Jim Kay orientiert.
Schon in dem Roman wird die Idee, dass fiktionale Geschichten immer mehr oder weniger verfremdete Metaphern für reale Probleme des Erzählers sind, offen angesprochen; wobei Ness diesen Gedanken lässig auf die Metaebene hebt. Ohne dass dadurch die Geschichte zu einer verkopften und unverständlichen Abhandlung gerät. Außerdem unterläuft er immer wieder die Erwartungen des Publikums. Das beginnt schon mit dem Monster, das lieber Geschichten erzählt als handgreiflich Angst und Schrecken zu verbreiten.
Die Geschichten des Monsters und Conors Lebensumstände – die sich rapide verschlechternde Gesundheit seiner Mutter, der aus den USA nur zu einem kurzen Besuch kommende Vater, die verhasste Großmutter, die ihn aufnehmen will – werden von Ness und Bayona zu einer dichten Entwicklungsgeschichte miteinander verflochten, die sie konsequent aus Conors Perspektive erzählen. Bayona gestaltet sie mit etlichen Tricks und animierten Sequenzen visuell so reichhaltig, dass die Romanvorlage wie das Drehbuch zum Film wirkt.
Bayona inszenierte vorher „Das Waisenhaus“ und „The Impossible“. Sein nächster Film ist die Fortsetzung von „Jurassic World“. Sie soll im Juni 2018 in den Kinos starten.
Sieben Minuten nach Mitternacht (A Monster calls, USA/Spanien 2016)
Regie: J. A. Bayona (bzw. Juan Antonio Bayona)
Drehbuch: Patrick Ness
LV: Patrick Ness: A Monster calls, 2011 (Sieben Minuten nach Mitternacht)
mit Lewis MacDougall, Felicity Jones, Sigourney Weaver, Toby Kebbell, Ben Moor, James Melville, Oliver Steer, Geraldine Chaplin, Liam Neeson (als das Monster, was einerseits eine Hauptrolle, aber andererseits eine Trickfigur ist)
Länge: 109 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
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Die Vorlage (zum Filmstart in einer Filmausgabe mit Filmfotos)
Patrick Ness: Sieben Minuten nach Mitternacht
(nach einer Idee von Siobhan Dowd, mit Illustrationen von Jim Kay)
Howard Hughes (1905 – 1976) ist eine Legende. Vor dreizehn Jahren inszenierte Martin Scorsese das Biopic „The Aviator“ über ihn und die Kenntnis des Films, wenn man nicht ein halbes Dutzend Howard-Hughes-Biographien gelesen hat, hilft beim Verständnis von „Regeln spielen keine Rolle“. Dem neuen Film von Warren Beatty, der vor einem halben Jahrhundert mit „Bonnie & Clyde“ so viel Geld verdiente, dass er sich seitdem seine Rollen und Projekte aussuchen kann.
Das sind Projekte wie seine Spielfilme „Reds“ (1981), ein Biopic über den sozialistischen US-Journalisten John Reed und die Oktoberrevolution von 1917 (und damals in den USA der Film gegen den konservativen Zeitgeist), die Comicverfilmung „Dick Tracy“ (1990), die damals verrissen wurde und floppte und inzwischen wesentlich milder beurteilt wird, und die knallige Polit-Satire „Bulworth“ (1998), die man sich unbedingt ansehen sollte. Wenn sie mal im Fernsehen läuft. Oder den Polit-Thriller-Klassiker „Zeuge einer Verschwörung“ (1974) oder das Gangster-Biopic „Bugsy“ (1991) über Bugsy Siegel. Dazwischen spielte er in einigen Komödien und Satiren mit. Oft, auch auf dem Höhepunkt seines Ruhms, zog er sich immer wieder für längere Zeit zurück und festigte seinen Ruf als Frauenschwarm. Zuletzt spielte er 2001 in dem Totalflop „Stadt, Land, Kuss“ (Town & Country) mit. Danach erzog der heute Achtzigjährige seine Kinder.
Jetzt kehrt er als Produzent, Drehbuchautor, Regisseur und, uhm, Hauptdarsteller (oder wichtigster Nebendarsteller) zurück ins Kino. Er spielt Howard Hughes, der 1958 schon ein sehr zurückgezogen lebender, unglaublich reicher Exzentriker war, der damals immer noch seinen nächsten Film plante. Immerhin hatte er mit „Hell’s Angels“, „Scarface“ und „Geächtet“ (The Outlaw, auch Regie) einige legendäre Hits gelandet.
Jetzt beschäftigt er eine Hundertschaft von Fahrern, die ebenso viele junge Schauspielerinnen, die alle exclusiv bei ihm unter Vertrag stehen. Sie wollen in einem Hughes-Film ihre Filmkarriere starten. Er lässt sie zu endlosen Screentest in sein Studio fahren.
Einer der Fahrer ist Frank Forbes (Alden Ehrenreich), ein Methodist, der seine Schulfreundin heiraten will und der in Hughes‘ Imperium nach Höherem strebt. Den Job als Chauffeur sieht er nur als den Einstieg. Er fährt Marla Mabrey (Lily Collins), eine jungfräuliche Baptistin, zu den Screentests. Sie wird begleitet von ihrer ebenfalls gläubigen, sittenstrengen Mutter. Gemeinsam leben sie in einem Hughes gehörendem Haus in den Hollywood Hills. Die Screentest verlaufen, weil Hughes sich für keine Schauspielerin und kein Filmprojekt entscheiden kann, auch bei Mabrey ergebnislos. Mabreys Mutter wird schon unruhig, weil ihre Tochter als eines von Hughes‘ Mädchen ihre Zeit und ihre potentielle Filmkarriere vertrödelt.
Während der zahlreichen Autofahrten lernen sich Forbes und Mabrey besser kennen. Sie verlieben sich auch ineinander. Dummerweise besagt eine von Howard Hughes zahlreichen Regeln, dass es keine Intimitäten zwischen seinen Angestellten geben darf.
In dem Moment ist die Saat für eine Romantic Comedy gelegt. Allerdings ist „Regeln spielen keine Rolle“ keine Romantic Comedy, sondern die Antithese dazu. Die zwischen 1958 und 1964 spielende, vor sich hin plätschernde Liebesgeschichte bleibt immer nebensächlich und konfliktfrei. Sie hat keine dramatische Fallhöhe. Warren Beatty erzählt eher eine Anti-Liebesgeschichte.
Denn er interessiert sich viel mehr für den erratischen, launenhaften und furchteinflößenden Tycoon, der jeden seiner Spleens ungehemmt ausleben kann. Hughes ist auch ein viel interessanterer Charakter als Forbes und Mabrey. „Regeln spielen keine Rolle“ ist allerdings auch kein Biopic, sonder die Antithese dazu. Denn Beatty zeigt nur einige Schlaglichter und Anekdoten aus dem Leben von Hughes, ohne sie in eine größeren Zusammenhang, der für ein Biopic nötig wäre, zu stellen. Die Szenen aus dem Leben von Hughes sind ohne auch nur ein minimales Wissen über das Leben von Hughes ziemlich unverständlich. Entsprechend kryptisch, nichtssagend (wenn man die Anspielungen nicht versteht) und oft vollkommen unklar zwischen Legende, Fantasie und Realität oszillierend ist das Porträt von Howard Hughes.
Beide Handlungsstränge entwickeln sich vor dem Hintergrund des Puritanismus, den damaligen gesellschaftlichen Veränderungen und dem Ende des Hollywood-Studiosystems, das Warren Beatty als junger Mann in Hollywood selbst miterlebte. Insofern ist der Film auch autobiographisch.
Am Ende ist „Regeln spielen keine Rolle“ ein betont altmodisch inszenierter Film, der besser darüber beschrieben wird, was er nicht ist und was er hätte sein können, als das was er auf den ersten Blick ist. Er ist kein Biopic. Er ist keine Romantic Comedy. Er ist kein Drama. Er umschifft die Konflikte, stolpert zwischen den Genres und Stilen hin und her, ohne jemals seine Melodie oder Geschichte zu finden. Er ist eine Sammlung oft schöner und gelungener Szenen und Momente, die sich nie zu seinem einheitlichen Ganzen zusammenfügen und dem die Leichtigkeit von, beispielsweise, Woody Allens „Café Society“ fehlt.
Regeln spielen keine Rolle (Rules don’t apply, USA 2016)
Regie: Warren Beatty
Drehbuch: Warren Beatty (nach einer Geschichte von Warren Beatty und Bo Goldman)
mit Lily Collins, Alden Ehrenreich, Warren Beatty, Alec Baldwin, Annette Bening, Haley Bennett, Candice Bergen, Matthew Broderick, Dabney Coleman, Steve Coogan, Taissa Farmiga, Ed Harris, Megan Hilty, Oliver Platt, Martin Sheen
Sin City (USA 2005, Regie: Frank Miller, Robert Rodriguez, Quentin Tarantino [special guest director])
Drehbuch: Frank Miller
LV: Frank Miller: Sin City (verfilmte Geschichten: The Hard Goodbye [1991], The Big Fat Kill [1994], That Yellow Bastard [1996], The Customer is Always Right[1994])
Kongeniale Verfilmung einiger Geschichten aus der düsteren „Sin City“-Welt.
Die Fortsetzung „Sin City: A Dame to kill for“, neun Jahre später, war dann eine ziemlich reizlose Angelegenheit. RTL II zeigt sie, als TV-Premiere, am kommenden Freitag, den 12. Mai, um 23.30 Uhr.
Mit Jessica Alba, Powers Boothe, Jude Ciccolella, Rosario Dawson, Benicio Del Toro. Josh Hartnett, Rutger Hauer, Jamie King, Michael Madsen, Frank Miller, Brittany Murphy, Clive Owen, Mickey Rourke, Nick Stahl, Bruce Willis, Elijah Wood
Wiederholung: Montag, 8. Mai, 03.05 Uhr (Taggenau!)
Viele Blumhouse-Filme sind Mist. Billig produzierte Found-Footage-Horrorfilme, die finanziell einträglich sind. Aber dann gibt es – und deshalb lohnt sich immer ein Blick auf eine Blumhouse-Produktion – diese Perlen, in denen das geringe Budget die Chance für Experimente ist. In diesem Fall auch für eine ätzende Gesellschaftskritik, die keine Rücksicht auf irgendwelche Befindlichkeiten und kommerziellen Erwägungen machen muss. Bei den „The Purge“-Filmen gelang das. Und jetzt bei „Get out“, dem Debütfilm von Jordan Peele. In den USA ist er vor allem als Komiker bekannt.
Chris Washington (Daniel Kaluuya), ein aufstrebender New Yorker Fotograf, fährt mit seiner neuen Freundin Rose Armitage (Allison Williams), einer Krankenschwester, für ein Wochenende zu ihren Eltern. Sie leben im Wald in einem einsam gelegenem, noblen Familiensitz im Norden des Staates New York.
Auf dem Weg zu ihren Eltern betont Rose, eine Weiße, die Liberalität ihrer Eltern. Er ist ein Schwarzer – und schon von der ersten Minute an zeichnet der Afroamerikaner Jordan Peele ein düsteres Bild der Vereinigten Staaten von Amerika als eine zutiefst gespaltene Gesellschaft zwischen mehr oder weniger offen unterdrückten Schwarzen und Weißen, die sich als Herrenmenschen sehen und auch so agieren. Andere Ethnien gibt es in „Get Out“ nicht; was natürlich zur bedrückenden Atmosphäre und der klaren Zeichnung des Konflikts beiträgt.
Auf dem abgelegenem Wohnsitz der Armitages wird Chris freundlich von Roses Eltern empfangen. Aber sie sind eine Spur zu freundlich. Ihre beiden Hausangestellten, natürlich Schwarze, verhalten sich auch seltsam. So als stünden sie immer etwas neben sich und als ob sie noch – mental – in der Zeit vor dem Bürgerkrieg lebten.
Und mehr soll nicht verraten werden. Außer dass Chris besser spätestens nach dem ersten Gespräch mit dem ach so liberalen, pensionierten Chirurgen Dean Armitage (Bradley Whitford) und seiner ebenso liberalen Frau Missy (Catherine Keener), einer Psychiaterin, abgereist wäre. Denn ihre Liberalität, Weltgewandtheit und Freundlichkeit ist keine gewöhnliche Bigotterie, sondern die Fassade für etwas viel schlimmeres.
Peele verpackt seine ätzende Analyse der gegenwärtigen USA und ihrer Rassenverhältnisse in einen packenden Horrorthriller voller überraschender Wendungen und zunächst verborgener Bedeutungsebenen und Interpretationsmöglichkeiten. Dabei bleibt er immer erkennbar nah an der Wirklichkeit und er behandelt sein Thema Rassismus äußerst facettenreich.
In den USA wird „Get out“ seit seiner Premiere auf dem Sundance Film Festival von der Kritik nahezu einhellig abgefeiert und an der Kinokasse ist er ebenfalls ein Hit.
Daher: Reingehen in „Get out“.
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Und jetzt der Trailer, der – jedenfalls wenn man den Film kennt – viel von dem Film verrät. Daher: ansehen auf eigene Gefahr:
Get out (Get out, USA 2017)
Regie: Jordan Peele
Drehbuch: Jordan Peele
mit Daniel Kaluuya, Allison Williams, Catherine Keener, Bradley Whitford, Caleb Landry Jones, Marcus Henderson, Betty Gabriel, Lakeith Stanfield, Stephen Root, Lil Rel Howery
In einer Mississippi-Kleinstadt sterben innerhalb weniger Stunden neun Menschen. Sie waren von einem Dämon besessen, der immer von der Person, die seinen Wirtskörper tötet, Besitz ergreift.
Der professionelle Dämonenjäger Jebediah Woodley (Dolph Lundgren), immer absolut unmodisch im Großwildjäger-Outfit gekleidet, macht sich auf den Weg in das Kaff. Denn er kennt den Dämon von früher.
Dort trifft er auf die junge FBI-Agentin Evelyn Pierce (Kristina Kiebe), die anscheinend ebenfalls eine Verbindung zur Geisterwelt hat. Gemeinsam jagen sie den Dämon, während um sie herum die Menschen sterben. In geschlossenen Räumen mit vielen Menschen und Waffen – benutzt werden Hieb- und Stichwaffen, Schusswaffen und auch mal eine Axt – entfaltet das Treiben des Dämons eine ungeahnte Dynamik.
„The Demon Hunter“, im Original „Don’t Kill It“, ist der neue Film von „Big Ass Spider“-Regisseur Mike Mendez und es ist ein wirklich blutiger, haarsträubender Funsplatter, der Genrefans genau das liefert, was sie erhoffen: viel Blut, zusammengehalten von einer zweckdienlichen Geschichte, die mehr bekannt als innovativ ist, und einer gehörigen Portion Selbstironie, die einen problemlos über die Mängel und das begrenzte Budget hinwegsehen lässt.
Als Bonus gibt es das zwanzigminütige, untertitelte Publikumsgespräch vom 2016er Fantasy-Filmfest in Berlin mit Mike Mendez und Kristina Kiebe.
The Demon Hunter (Don’t Kill It, USA 2016)
Regie: Mike Mendez
Drehbuch: Dan Berk, Robert Olsen
mit Dolph Lundgren, Kristina Kiebe, Billy Slaughter, James Chalke
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DVD
Koch Media
Bild: 2,35:1 (16:9)
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: Q & A mit Mike Mendez und Kristina Kiebe, Trailer (deutsch, englisch)
Der Schakal(Großbritannien/Frankreich 1973, Regie: Fred Zinnemann)
Drehbuch: Kenneth Ross
LV: Frederick Forsyth: The Day of the Jackal, 1971 (Der Schakal)
Der Schakal (Edward Fox) plant einen Anschlag auf Charles de Gaulle. Ein braver Polizist verfolgt ihn.
Auch wenn der Film inzwischen als Klassiker gelabelt wird, ist er eine ziemlich langweilige Angelegenheit – obwohl das vermurkste Remake von 1997 mit Bruce Willis noch langweiliger ist.
Frederick Forsyths weltweit erfolgreiches Debüt wurde mit dem Edgar als bester Roman des Jahres ausgezeichnet und ermöglichte ihm den Berufswechsel vom Journalisten zum Schriftsteller.
Mit Edward Fox, Terence Alexander, Michel Auclair, Alan Badel, Tony Britton, Denis Carey, Adrien Cayla-Legrand, Cyril Cusack
Wiederholung: Samstag, 6. Mai, 00.25 Uhr (Taggenau!)
Drehbuch: Sebastian Schipper, Olivia Neergaard-Holm, Eike Frederik Schulz
Eine Nacht in Berlin: vier Jungs treffen eine Spanierin. Sie zeigen ihr ihren Kiez, reden mit ihr, nehmen sie zu einem Banküberüberfall mit, der schiefgeht und müssen flüchten.
Inzwischen dürfte der große Clou von Schippers Film bekannt sein: er drehte die Liebes- und Gangstergeschichte ohne einen einzigen Schnitt.
Dafür hat Kameramann Sturla Brandth Grøvlen, der mit der schweren Kamera die Protagonisten an all die Orte begleiten musste, ein Extra-Lob verdient.
Hitlers Madonna und die Retter der Raubkunst (Deutschland/Österreich 2014, Regie: Petra Dorrmann)
Drehbuch: Petra Dorrmann
Gut einstündige Doku über die wahren Hintergründe der Rettung der von Hitler geraubten und in der Salzmine in Altaussee versteckten Kunstwerke. In George Clooneys „Monuments Men“ wird ja die Hollywood-Version der Rettung erzählt und das ZDF zeigt sie einige Stunden später, um 01.50 Uhr (VPS 00.20 Uhr).
Demonstrieren? Konzerte ansehen? Beides miteinander verbinden? Immerhin stehen die Konzerte zwei Wochen in der Mediathek.
Das Programm hat zwar mit den Rolling Stones (ihr Havanna-Konzert, um 22.20 Uhr) und U2 (ihr Paris-Konzert um 00.05 Uhr, beide Male müsste die ungekürzte Fassung gezeigt werden) einige mir sofort auffallende Doppelungen zum Silvesterprogramm, aber gute Musik bleibt gute Musik. Bei den ganzen Bap-Konzerten (um 18.30 Uhr wird das Heimathafen-Konzert gezeigt) habe ich inzwischen den Überblick verloren.
Für Bluesfans beginnt es um 06.40 Uhr furios mit B. B. King (in Montreux 1993) und, um 07.10 Uhr, Eric Clapton (in San Diego 2007). Weiter geht’s um 08.10 Uhr mit einigen Ausschnitten aus dem „George Fest – A Night to celebrate the Musik of George Harrison“. Dann kann man ab 08.55 Uhr mit den Dire Straits etwas entspannen und sich langsam mit einer bunten, für jeden ist etwas dabei Mischung aus Ed Sheeran (um 12.05 Uhr), Coldplay (um 14.05 Uhr) und Peter Maffay (um 17.15 Uhr) auf den Bruce-Springsteen-Doppelschlag vorbereiten. Um 19.30 Uhr gibt es Ausschnitte aus seiner 1980er „The River“-Tour; um 20.15 Uhr Highlights aus dem „A MusiCares Tribute“. Danach rockt „Queen“ um 21.10 Uhr Montreal (Wurde das Konzert nicht auch an Silvester gezeigt?) und nach Mitternacht gibt es um 03.45 Uhr Mötley Crüe (Dito?) und um 04.50 Uhr Def Leppard.
Insgesamt ist, mal wieder, für jeden Musikgeschmack etwas dabei
Ein versoffener Sheriff, ein behinderter Gunfighter und ein junger Messerwerfer legen sich mit der Bande eines skrupellosen Viehbarons an. Ihre Chancen den Kampf zu überlegen tendieren gegen Null.
Als Howard Hawks „Rio Bravo“ drehte, hatten sie beim Dreh viele gute Ideen, die allerdings nicht in diesen Film passten. Mit Leigh Brackett schrieb er dann, mit diesen Ideen, „El Dorado“; einen weiteren Western-Klassiker. Der dieses Mal sogar sehr witzig ist.
„‘El Dorado’ ist ein Film gegen ‘Rio Bravo’, wie ‘Rio Bravo’ ein Film gegen ‘High Noon’ war. (…) [‚El Dorado‘ ist] die radikale Entglorifizierung des Westernhelden.“ (Enno Patalas, Filmkritik 10/1967)
mit John Wayne, Robert Mitchum, James Caan, Charlene Holt, Michele Carey, Arthur Hunnicutt, R. G. Armstrong, Edward Asner
Wiederholung: Montag, 1. Mai, 02.35 Uhr (Taggenau!)
Äußerst unterhaltsame Satire über die gefälschten Hitlertagebücher, die der „stern“ 1983 begeistert aufkaufte und deren Echtheit das Magazin ewig betonte.
Dietl benutzt die Affäre „als Material für eine frivole Farce über die Anfälligkeit der Deutschen, Fakten zu verdrängen und neue Geschichtswahrheiten zu klittern; viele möchten heute noch Adolf Hitler entlastet sehen.“ (Fischer Film Almanach 1993)
Ich befürchte, der über zwanzig Jahre Kassenknüller über eine noch länger zurückliegende Affäre ist heute kein Jota veraltet.
mit Götz George, Uwe Ochsenknecht, Christiane Hörbiger, Rolf Hoppe, Dagmar Manzel, Veronica Ferres, Rosemarie Fendel, Karl Schönböck, Harald Juhnke, Ulrich Mühe, Martin Benrath, Georg Marischka, Hark Bohm, Wolfgang Menge
Tarzan – Dem Affenmenschen auf der Spur(Frankreich 2016)
Regie: Robert de Young, Eric Ellena
Drehbuch: Robert de Young, Eric Ellena
Fünfzigminütige Doku über Tarzan, der als Romanfigur von Edgar Rice Burroughs seinen ersten Auftritt hatte und seitdem, in verschiedenen Medien, mehrmals dem Zeitgeist angepasst wurde.
Vor drei Jahren waren die Guardians of the Galaxy eine willkommene Abwechslung im Einerlei von Dystopien und Superheldenfilmen, die von Einzelfilmen immer mehr zu zeitintensiven Universen werden. Jedenfalls wenn man alle Spielfilme (okay, kein Problem), etwaige verlängerte Schnittfassungen und alle mehr oder weniger dazu gehörende TV-Serien und Comics genießen will. Da brachte „Guardians of the Galaxy“ mit ihrer kindlichen Neugierde auf fremde Welten, den ungewöhnlichen Figuren und dem spielerischen Umgang mit ihnen wieder den Zauber und die Naivität alter Science-Fiction-Filme ins Kino. Das war ein Mix, der auch in einem „Krieg der Sterne“-Film gut aufgehoben wäre. Wenn die selbsternannten Guardians of the Galaxy nicht eine Rasselbande latent unzurechnungsfähiger Outsider mit Hang zum Verbrechertum wären; – ach, eigentlich war „Guardians of the Galaxy“ der Han-Solo-Film, den wir nie sehen werden.
Das gefiel. Vor allem wie diese Gruppe höchst unterschiedlicher Charaktere in einem mehrere Welten ziemlich demolierendem Abenteuer zusammenfand und zu einer Patchwork-Familie wurde.
Der Film war auch an der Kinokasse enorm erfolgreich. Denn die Guardians of the Galaxy sind eine eher obskure Gruppe im Marvel-Universum, die bis dahin nur die Hardcore-Fans kannten.
Jetzt sind Star-Lord Peter Quill (Chris Pratt), Gamora (Zoe Saldana), Drax (Dave Bautista), Waschbär Rocket (im Original Bradley Cooper) und, als Ersatz für Groot, Baby Groot (im Original Vin Diesel) zurück. Weil Rocket bei der endgültigen Vertragsabwicklung bei ihren Auftraggebern einige Batterien klaut, sind sie quer durch den Weltraum auf der Flucht. Nach einer Bruchlandung auf einem Planeten treffen sie Peter Quills biologischen Vater, der sie zu seinem Planeten mitnimmt.
Er nennt sich Ego (was schon misstrauisch machen sollte), benimmt sich wie ein von seiner eigenen Lehre erleuchteter Guru und er sieht zwar aus wie Kurt Russell, aber in Wirklichkeit ist er ein Planet. Quill und seine Freunde stehen gerade auf ihm. Wenn ihr jetzt schon verwirrt seid, werdet ihr am Schlusskampf verzweifeln, der, ähem, gegen Ego, auf und in dem Planeten Ego stattfindet und der, nun, eine Kombination aus frei flottierendem Luft- und Raumkampf und Wirtshausschlägerei in einer sich ständig verändernden Wirtschaft ist. Das ergibt, wenn man die Kampfchoreographie wirklich nachverfolgen will, wahrscheinlich absolut keinen Sinn, ist aber schön bunt mit all seinen CGI-Explosionen und Katastrophen.
Davor plätschert die Geschichte, nach dem furiosen ersten Akt, auf Egos Planeten vor sich hin. In diesen Minuten ist „Guardians of the Galaxy Vol. 2“, um noch einmal auf „Krieg der Sterne“ zurückzukommen, der Han-Solo-Film, vor dem wir uns fürchten. Quill verschwindet fast aus der Geschichte. Der von der Erde verschleppte Erdenjunge und Weltraumpirat wird zu einem seinen verloren geglaubten Vater abgöttisch bewundernden Sohn. Außerdem ist er, immerhin ist er der Anführer der Guardians, während des gesamten Films erstaunlich passiv. Dafür dürfen wir Drax bei seinen Liebeständeleien mit Mantis (Pom Klementieff), Egos telepathisch begabter Dienerin und Assistentin, beobachten. Gleichzeitig behandelt Gamora die Beziehungsprobleme mit ihrer Schwester Nebula (Karen Gillan), die sie umbringen will.
Und, immerhin geht es in dem Film um echte und falsche Familien, Quills Adoptivvater Yondu (Michael Rooker) hat auch eine wichtige Rolle in dem ganzen Beziehungsgeflecht, das sich doch eher auf dem Niveau einer Teenie-Soap bewegt. Auch wenn die Geschichte auf fremden Planeten spielt.
Am Ende ist „Guardians of the Galaxy Vol. 2“ ein buntes, zu lang geratenes, leicht zerfasertes Science-Fiction-Abenteuer, das sich zu sehr auf vernachlässigbare Beziehungsgeschichten konzentriert. Es gibt wieder eine ordentliche Portion Humor. Auch wenn Baby Groot noch lange nicht die Statur von Groot hat und Rocket etwas sanfter erscheint. Es gibt epische Raumschlachten und Kämpfe. Es gibt neue Planeten und Rassen; wenn auch nicht so viele, wie in „Guardians of the Galaxy“.
Immer noch sind die Guardians-Filme – und das ist gut so – nicht verknüpft mit dem Marvel-Kosmos. D. h. es gibt keine Gastauftritte von irgendwelchen Avengers und es wird auch keine Avengers-Handlung weitererzählt. Dafür hat Stan Lee zwei Auftritte.
Und, erstmals im Marvel Cinematic Universe, gibt es mit Ego eine Bösewicht, der länger als der Abspann im Gedächtnis bleibt. Das liegt allerdings weniger an ihm als Charakter (seine Motivation ist doch eher rätselhaft), sondern an Kurt Russell. Er verleiht ihm als größenwahnsinniger Vater – ich meine, welcher Vater nennt sich schon Ego? – eine imposante Statur und er genießt sichtbar seine Rolle als abgespacter Guru und Planetenerschaffer, der sich jetzt endlich um seinen Sohn kümmern will. Außerdem wird der Bösewicht dieses Mal nicht von einem CGI-Effekt, sondern von einem Menschen, der immer mühelos als Mensch erkennbar bleibt, gespielt.
Schon vor dem Kinostart wurde bekannt, dass James Gunn auch den dritten „Guardians of the Galaxy“-Film schreiben und inszenieren wird. Natürlich wieder mit vielen gut abgehangenen Rock- und Popsongs, die, so der Plan, ab 2020 die Kinos beschallen werden.
Guardians of the Galaxy Vol. 2 (Guardians of the Galaxy Vol. 2, USA 2017)
Regie: James Gunn
Drehbuch: James Gunn
mit Chris Pratt, Zoe Saldana, Dave Bautista, Vin Diesel (Stimme, im Original), Bradley Cooper (Stimme, im Original), Kurt Russell, Michael Rooker, Karen Gillan, Pom Klementieff, Elizabeth Debicki, Chis Sullivan, Sean Gunn, Tommy Flanagan, Laura Haddock, Sylvester Stallone (mehr Cameo als Rolle), Rob Zombie, Gregg Henry, Stan Lee
Wer sich auf intellektuellem Niveau dem ganzen Marvel Cinematic Universe nähern will, sollte einen Blick in dieses (von mir noch nicht gelesene und daher blind empfohlene) Buch werfen, in dem Peter Vignold die expandierenden Serienuniversen mit dem Konzept der multilinearen Hyperserie analytisch fassen will.
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Peter Vignold: Das Marvel Cinematic Universe – Anatomie einer Hyperserie
Wenige Stunden nach dem siebzigsten Geburtstag von Iggy Pop – und niemand hätte in den vergangenen Jahrzehnten gedacht, dass er jemals dieses für seinen früheren Lebenswandel biblische Alter auch nur erreichen könnte, während man in den vergangenen Jahren dachte, dass er schon seit Jahrzehnten ein Alter jenseits von Raum und Zeit hat – läuft in unseren Kinos eine Dokumentation an, die der Regisseur der Doku „eine Liebeserklärung an die womöglich größte Rock-n-Roll-Band aller Zeiten“ nennt.
Damit meint Jim Jarmusch die „Stooges“ oder „Iggy and the Stooges“ oder, inoffiziell, „Iggy Pop and the Stooges“. Sie waren eine Punkband, als es noch keinen Punk gab und sie sind mehr Punk als jede andere Punkband jemals Punk war und ist. Auch wenn die Stooges es in den vergangenen Jahren, nach einer verdammt langen Pause, deutlich ruhiger angehen lassen, sind sie immer noch eine stilprägende Band und wichtige Inspiration für zahllose Kellerbands, die mangelndes Können durch Enthusiasmus kompensieren.
Der Kern des „Stooges“-Kults sind dabei die drei LPs „The Stooges“ (1969, mit „1969“, „I wanna be your Dog“ und „No Fun“), „Fun House“ (1970, mit „TV Eye“ und „Fun House“) und, aufgenommen in London, „Raw Power“ (1973, mit „Search and Destroy“ und „Raw Power“) und die Geschichten, die man über ihre erinnerungswürdigen Auftritte in den USA hörte. Sie waren, und das sieht man schön in Jim Jarmuschs Doku „Gimme Danger“, die Antithese zu einem normalen Rockkonzert und jeder Auftritt hatte eine große Chance, lange vor den obligatorischen Zugaben beendet zu sein. Die Musik war brachial minimalistisch. Die von Iggy Pop geschriebenen Texte ebenso. Die Show anders als alles, was man bis dahin, zwischen Elvis Presley, Bob Dylan und Flower-Power-Musik, sehen konnte.
Damals waren die Platten nicht so wahnsinnig erfolgreich, aber seitdem wurden sie unzählige Male wieder veröffentlicht und ihr Einfluss auf unzählige Bands und Musiker ist unbestritten.
In seiner Musikdokumentation „Gimme Danger“ zeichnet Stooges-Fan Jim Jarmusch chronologisch die Geschichte von Iggy und den Stooges nach. Mit vielen Originalaufnahmen, Animationen und den üblichen sprechenden Köpfen ist das filmisch konventionell, wenig kritisch, aber höchst informativ und unterhaltsam. Iggy Pop erzählt ausführlich, leicht selbstironisch und sehr entspannt über seine Kindheit und Jugend, die Anfänge der Band, Tourneen und, nachdem der kommerzielle Erfolg auf jeder Ebene ausblieb und der Drogenkonsum zu hoch wurde, der Auflösung der Stooges im Februar 1974.
Iggy Pops nicht minder wechselhafte Solokarriere nach dem Ende der Stooges ignoriert Jim Jarmusch in „Gimme Danger“, weil er eine Doku über die Stooges und nicht über Iggy Pop drehte.
Produzent Danny Fields erzählt von seiner ersten Begegnung mit den Stooges bei einem Konzert und wie er ihnen ihren ersten Plattenvertrag verschaffte. Kathy Asheton, die Schwester der Stooges-Gründungsmitglieder Ron und Scott Asheton, erzählt, was die Familie über die Tourneen und den Lebensstil der Band hielt.
2003 kam es zu einer Bühnen-Reunion der Stooges. Sie spielten immer noch laut, aber nicht mehr so selbstzerstörerisch wie in ihren jungen Jahren. Sie traten, weil schon damals nicht mehr alle Mitglieder der Ur-Besetzung lebten, in einer leicht anderen Besetzung auf. Aber der Kern, – Sänger Iggy Pop, Bassist Ron Asheton, Schlagzeuger Scott Asheton und „Raw Power“-Gitarrist James Williamson (der nach den Stooges in Silicon Valley arbeitete) -, waren dabei. Ur-Bassist Dave Alexander ist bereits 1975 gestorben; was in „Gimme Danger“ ausführlich erwähnt wird.
Nach der erfolgreichen Bühnen-Reunion veröffentlichten sie zwei Studio-CDs und bestritten zahlreiche Live-Auftritte, die im Film ausführlicher als nötig gezeigt werden.
„Gimme Danger“ ist eine sehr informative Musik-Dokumentation über die Stooges, die dazu anregt, mal wieder die alten Stooges-Platten herauszukramen.
Gimme Danger(Gimme Danger, USA 2016)
Regie: Jim Jarmusch
Drehbuch: Jim Jarmusch
mit Jimmy Osterberg (alias Iggy Pop), Ron Asheton, Scott Asheton, James Williamson, Steve Mackay, Mike Watt, Danny Fields, Kathy Asheton
Während seines Usedom-Urlaubs entdeckt Kommissar Hans Sperling eine brennende Hütte. Und weil ein Kommissar niemals wirklich Urlaub hat, beginnt er sich umzuhören.
Von 1996 bis 2007 ermittelte Kommissar Sperling (Dieter Pfaff) in achtzehn Fällen. Normalerweise in Berlin. Immer abseits der gängigen TV-Krimiklischees, spannend und auf erzählerisch hohem Niveau.
ZDFneo zeigt an den kommenden Donnerstagen weitere „Sperling“-Krimis.
Mit Dieter Pfaff, Renate Krößner, Michael Kind, Julia Palmer-Stoll, Michaela Schaffrath
Ein Prophet (Un Prophète, Frankreich/Italien 2009)
Regie: Jacques Audiard
Drehbuch: Jacques Audiard, Thomas Bidegain
Ein Bildungsroman der anderen Art: der 19-jährige Malik kommt in den Knast und lernt dort alles, was er für das Leben braucht. Dummerweise macht ihn nichts davon zu einem wertvollen Mitglied der Gesellschaft.
In Cannes erhielt „Ein Prophet“ den Großen Preis der Jury, bei den Cesars und den Étoiles d’Or (dem Preis der französischen Filmjournalisten) räumte er ab, er war den Oscar und Golden Globe als bester ausländischer Film nominiert, die Kritiker feiern den Film ab, Knackis (von denen etliche bei der Produktion beteiligt waren) loben die Authentizität des Films, es wurde über den Zustand und die Lebensbedingungen in den Knästen diskutiert und über 1,5 Millionen Franzosen lösten ein Kinoticket. In Deutschland war er nicht so erfolgreich und heute ist die TV-Premiere des Knastdramas.
mit Tahra Rahim, Nils Arestrup, Adel Bencherif, Reda Kateb
Out of Inferno (Táo Chūshēng Tiān, China/Hongkong 2013)
Regie: Danny Pang, Oxide Pang
Drehbuch: Tang Nicholl, Danny Pang, Oxide Chun Pang, Szeto Kam-Yuen, Tang Nicholl, Wu Meng Zhang
In einem Hochhaus in der südchinesischen Millionenstadt Guangzhou, bricht an einem heißen Tag ein Feuer aus – und dann passiert das, was in Katastrophenfilmen immer passiert: Katastrophe reiht sich an Katastrophe, Menschen sterben, Menschen werden gerettet und die Stuntmänner müssen Überstunden schieben.
Trotzdem gefällt das Drama der Pang-Brüder („Bangkok Dangerous“) mit etlichen spektakulären Szenen, Explosionen und viel Feuer als flott erzählter, entsprechend kurzweiliger und eher unpathetischer Katastrophenfilm in der Tradition von „Flammendes Inferno“ mit weniger Stars (jedenfalls für uns Westler) und mit hundert Minuten deutlich kürzer als das Hollywood-Dreistundenepos.
mit Louis Koo, Sean Lau, Chen Si Cheng, Crystal Lee, Marc Ma, Jin Qiao Qiao, Crystal Lee, Zang Jin Sheng
Arte, wieder einmal, im Dienst der Filmkunst. Dieses Mal mit zwei extrem selten gezeigten Filmen
Arte, 20.15
Die zwei Leben der Veronika (Frankreich/Polen Deutschland 1991, Regie: Krzysztof Kieslowski)
Drehbuch: Krzysztof Kieslowski, Krzysztof Piesiewicz
Veronika lebt in Krakau. Véronique in Paris. Und sie könnten Zwillinge sein. Aber sie kennen sich nicht. Sie sind auch nicht miteinander verwandt. Aber trotzdem beeinflussen sie sich gegenseitig.
Kieslowskis Interpretation des Doppelgängermotivs.
„Kieslowski weiß das Geheimnisvolle der Geschichte durch ein großartiges Zusammenwirken von durchstilisierter Kameraarbeit und Musik auf den Zuschauer zu übertragen.“ (Fischer Film Almanach 1992)
mit Irène Jacob, Halina Gryglaszewska, Kalina Jedrusik, Alexsandr Bardini, Wladyslaw Kowalski, Louis Ducreux, Jerzy Gudejko, Sandrine Dumas, Philippe Volter
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Arte, 21.50
Ein kurzer Film über das Töten (Polen 1988, Regie: Krzysztof Kieslowski)
Drehbuch: Krzysztof Kieslowski, Krzysztof Piesiewicz
Ein junger Herumtreiber tötet einen unsympathischen Taxifahrer. Ein junger Rechtsanwalt versucht bei der Gerichtsverhandlung die Todesstrafe zu verhindern.
„Ein kurzer Film über das Töten“ gehört zu einer Reihe von zehn Filmen, die in der kurzen Fassung im Fernsehen, in längeren Fassungen im Kino liefen, in denen Kieslowski und sein Co-Autor Piesiewicz sich mit den 10 Geboten beschäftigten und sie in die Gegenwart übertrugen.
Mit „Ein kurzer Film über das Töten“ und „Ein kurzer Film über die Liebe“ wurde Kieslowski im Westen bekannt.
„Ein bis zur Unerträglichkeit direkter, nüchterner und desillusionierender Film und gerade deshalb Schulbeispiel eines effizienten Plädoyers gegen die Unmenschlichkeit, mag sie vom einzelnen oder von der Staatsgewalt ausgehen. (…) Kieslowskis Film ist ein leidenschaftlicher Appell für Leben und Menschenwürde.“ (Fischer Film Almanach 1990)
mit Miroslaw Baka, Krzysztof Globisz, Jan Tesarz, Krystyna Janda, Olgierd Lukaszewicz, Zbigniew Zapasiewicz
Nach einer Fehlgeburt zieht die Ärztin Dr. Tora Hamilton mit ihrem Mann Duncan Guthrie aus New York ans andere Ende der Welt und vom stressigen Großstadtleben in die menschenleere Einsamkeit und Ruhe der Shetlandinseln. Denn Duncan kommt von dort. Aus einer vermögenden, seit Ewigkeiten dort lebenden Familie. Und die Landschaft ist, wie die vielen Landschaftsaufnahmen in der Sharon-Bolton-Verfilmung „Sacrifice – Todesopfer“ beweisen, wirklich schön. Auch wenn der Film, wie der Abspann verrät, „Filmed on Location in Co. Wicklow and Co. Dublin, Ireland“.
Oh, well. Auch eine schöne Insel.
Tora beginnt im Krankenhaus zu arbeiten. Mit Duncans Familie versteht sie sich. Alles ist perfekt. Bis sie auf ihrem Grundstück im Torfboden eine Frauenleiche findet, die erst seit wenigen Jahren dort liegen kann und kurz vor ihrem Tod ein Kind bekam.
Und wie es sich für einen Krimi gehört, beginnt sie neugierig herumzuschnüffeln. Sie fragt sich, wer die kürzlich Ermordete ist. Sie will wissen, was die runenartigen Symbole bedeuten, die sie überall, auch bei der Leiche, entdeckt. Und was das alles mit den vielen in den vergangenen Jahren verschwundenen Frauen und adoptierten Kindern, via einer modernen Adoptionsklinik auf einer der Inseln, zu tun hat.
Im wirklichen Leben hätte das alles nichts miteinander zu tun. Aber in einem Kriminalfilm sind das selbstverständlich alles Teile eines riesigen Puzzle, das Regisseur Peter A. Dowling todernst präsentiert. So ist „Sacrifice – Todesopfer“ ein absurdes B-Picture, das sich seiner Absurdität nie bewusst ist. Zum Beispiel die unglaublich hohe Zahl verschwundener Frauen, die in der Kleinstadt (und das sind die Shetlandinseln) in einer menschenleeren Landschaft (die jedes Bild betont) niemandem auffallen oder kümmern. Denn dass das uralte Ritual, worauf die Runen aus der Wikinger-Zeit hindeuten, in der Gegenwart ungefähr bei jeder sich im gebärfähigen Alter befinden Shetland-Frau durchgeführt wird ohne dass die Frauen sich dagegen wehren, ist ziemlicher Quatsch. Immerhin adoptieren die mehr oder weniger allein stehenden Männer der Insel eifrig Kinder.
Ein weiteres großes Problem der Thriller-Verfilmung Krimis ist die fehlende Chemie zwischen Radha Mitchell, die Tora spielt, und Rupert Graves, der ihren Mann Duncan spielt. Nie glaubt man, dass sie verheiratet sind. Nie glaubt man, dass sie jemals ineinander verliebt waren. Deshalb ist es auch vollkommen rätselhaft, warum sie mit ihm in seine alte Heimat zieht.
Weil die Liebe zwischen ihnen nur eine Drehbuchbehauptung ist, funktioniert das Finale emotional nicht. Anstatt mit ihnen mitzufiebern, verfolgt man gelangweilt einen Schnelldurchlauf durch die bekannten Horrorfilm- und Thrillerklischees von Flucht, Verfolgung und Kloppereien, garniert mit hanebüchenen Erklärungen.
„Sacrifice – Todesopfer“ ist ein in jeder Beziehung konventioneller und vernachlässigbarer Thriller, garniert mit vielen Bildern aus dem Tourismusprospekt. Als habe man über eine Pilcher/Lindström-Film etwas Krimisauce gegossen.
Regisseur Peter A. Dowling schrieb das Drehbuch zu Robert-Schwentkes-Flugzeugparanoiathriller „Flight Plan“ (mit Jodie Foster) und er inszenierte den Horrorfilm „Stag Night“.
Sacrifice – Todesopfer (Sacrifice, Irland 2016)
Regie: Peter A. Dowling
Drehbuch: Peter A. Dowling
LV: Sharon Bolton: Sacrifice, 2008 (Todesopfer)
mit Radha Mitchell, Rupert Graves, Ian McElhinney, Hilary Rose, David Robb, Joanne Crawford, Rachel Oliva