This is England – Ende einer Kindheit (GB 2006, R.: Shane Meadows)
Drehbuch: Shane Meadows
England während der Thatcher-Jahre: der zwölfjährige Skinhead Shaun findet in einem Exknacki einen Vaterersatz. Als dieser die Skins zu einer Nazigruppe machen will, folgt Shaun ihm blind.
Rabiates, autobiographisch gefärbtes, hochgelobtes Jugenddrama, das den British Independent Film Award und den BAFTA-Award als bester britischer Film erhielt und bei uns seine Premiere auf DVD erlebte.
„Der bewegende Film zeichnet das Porträt einer verlorenen Generation und zugleich die Studie einer in emotionaler Kälte erstarrten Gesellschaft.“ (Lexikon des internationalen Films)
mit Stephen Graham, Thomas Turgose, Jo Hartley, Andrew Shim, Vicky McClure
Obwohl, eigentlich schon. Irgendwie. Nur halt nicht in der Disney-Version.
Weihnachtsmänner gibt es auch nicht. Jedenfalls nicht als Gabenbringer.
Weihnachtsbäume gibt es. Hergestellt aus Abfall, der, geschrettert und gegossen, als geschmacklose Weihnachtsbaum-Travestie das Förderband verlässt. Manchmal auch blutig rot.
Aber das ist ein Nebenprodukt. Ein unbeabsichtiger Produktionsfehler, der entstand, nachdem die vier Fußballtoto-Gewinner die Leiche eines toten Wettkumpels elegant verschwinden lassen wollen, ihn in die Produktionsanlage stecken und zu einer Reihe Weihnachtsbäume verarbeiten lassen, die blutrot gefärbt sind.
In dem Moment sitzt Oscar bereits gewaltig in der Bredouille. Dabei ist er ein grundgütiger, friedfertiger Mann, der schwer „nein“ sagen kann. Er ist der nicht vorbestrafte Leiter einer irgendwo im nirgendwo gelegenen Weihnachtsbaummanufaktur, die nur vorbestrafte Männer einstellt. Drei dieser geistigen Nieten überzeugen ihn, sich beim Fußballtoto zu beteiligen. Der Gewinn soll durch vier geteilt werden. Den Wetteinsatz darf Oscar alleine bezahlen.
Den vorweihnachtlichen Abend verbringen die Vier dann, biertrinkend und feiernd in Oscars Mietwohnung. Als die Tore richtig fallen, sind sie plötzlich unglaublich reich – und schon besiegt die Geldgier die Restvernunft, tödliche Unglücksfälle häufen sich und der Vermieter, ein Ex-Polizist, stellt neugierige Fragen.
„Jackpot“, nach einer Geschichte von Krimiautor Jo Nesbø, ist eine in Rückblenden erzählte schwarzhumorige Groteske. Denn nach der Schießerei im Striplokal wird Oscar von einem psychopathischen Polizisten, der von seiner Schuld überzeugt ist, vernommen. Zunehmend verzweifelt versucht Oscar zu erklären, wie es zu einer leichengesättigten Schießerei kam und weshalb er, obwohl sich in den vergangenen Stunden um ihn herum die Leichen stapelten, vollkommen unschuldig ist. Er nur durch widrige Umstände und den sanften Zwang der drei Ex-Sträflinge in diese absurde Geschichte, in der mit letaler Präzision auf Pech Pech und manchmal „dumm gelaufen“ folgt, geriet. Das folgt konsequent der Logik eines Alptraums, bei dem einem selten das Lachen im Hals steckenbleibt.
„Jackpot“ ist der Film, der „Pain & Gain“ gerne gewesen wäre.
Jackpot – Vier Nieten landen einen Treffer (Arme Riddere, Norwegen 2011)
Regie: Magnus Martens
Drehbuch: Magnus Martens (nach einer Geschichte von Jo Nesbø)
mit Kyrre Hellum, Mads Ousdal, Henrik Mestad, Arthur Berning, Lena Kristin Ellingsen, Fridtjov Såheim
Und jetzt einige Worte zur Vorlage: In „Höllentage auf See“ erzählt Captain Richard Phillips seine Version der Entführung. Wir erfahren auch viel über ihn, – seine wilden Jugendjahre, wie er seine spätere Frau Andrea kennenlernte, die Ausbildung bei der Massachussetts Maritime Academy und seine Jahre auf See -, und wie Andrea sich während der Entführung fühlte. Das lässt sich, obwohl nicht besonders elegant geschrieben, flott runterlesen, hat aber – wie eigentlich alle Erlebnisberichte – den Nachteil, dass halt nur die Version des Ich-Erzählers erzählt wird, während ein Reporter auch andere Sichtweisen und Beurteilungen heranziehen würde. Wir erfahren daher fast nichts über die Hintergründe der Piraterie, die Entführer, die US-amerikanische Rettungsaktion und was sich nach der Rettung von Richard Phillips veränderte.
Insofern vermittelt der Film ein reichhaltigeres und detaillierteres Bild der Entführung.
Captain Phillips (Captain Phillips, USA 2013)
Regie: Paul Greengrass
Drehbuch: Billy Ray
Vorlage: Captain Richard Phillips/Stephan Talty: A Captain’s Duty: Somali Pirates, Navy SEALS, and Dangerous Days at Sea, 2010 (Höllentage auf See – In den Händen von somalischen Piraten – gerettet von Navy Seals)
mit Tom Hanks, Catherine Keener, Barkhad Abdi, Barkhad Abdirahman, Faysal Ahmed, Mahat M. Ali, Michael Chernus, David Warshofsky, Corey Johnson, Max Martini
Länge: 134 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
–
Die Vorlage
Captain Richard Phillips (mit Stephan Talty): Höllentage auf See – In den Händen von somalischen Piraten – gerettet von Navy Seals
Heyne, 2013
336 Seiten
14,99 Euro
–
Originalausgabe
A Captain’s Duty – Somali Pirates, Navy SEALs, and Dangerous Days at Sea
Die beiden Kinder überzeugten mich von dem Film. Denn sie sind rechte Biester und Plagegeister, die in einer Woche ungefähr alles machen, was Kinder sonst innerhalb eines Jahres machen – und man sie dennoch liebt.
In seinem neuesten Film „Eltern“ erzählt Robert Thalheim nach „Am Ende kommen Touristen“ und „Westwind“ eine Woche im Leben einer normalen, gut situierten, linksliberalen Großstadtfamilie mit berufstätigen Eltern und zwei kleinen Kindern. Es ist eine turbulente Woche. Konrad (Charly Hübner), der jahrelang allseits beliebte und geliebte Traumdaddy für die zehnjährige Käthe (Paraschiva Dragus) und die fünfjährige Emma (Emilia Pieske), will wieder als Regisseur arbeiten. Er soll am Theater die Nibelungen inszenieren.
Seine Frau Christine (Christiane Paul), eine Anästhesistin am Krankenhaus, soll sich währenddessen mehr um die Kinder kümmern. Aber der Schichtdienst, Patienten, die ihre besondere Zuneigung wollen und aasige Chefs, die ihr mit der Aussicht auf die Oberarzt-Stelle hemmungslos die Arbeitszeit ausweiten, verhindert das. Und, so gut Christine auch mit ihren Patienten umgehen kann, mit ihren beiden Mädchen gelingt ihr das nicht.
Zu ihrer Entlastung haben sie ein Au-Pair-Mädchen aus Argentinien eingeladen. Dummerweise ist Isabel (Clara Lago) schwanger, hat ihren Eltern nichts davon gesagt und möchte am liebsten abtreiben, was Konrad für keine grandiose Idee hält.
Außerdem ist die Regiearbeit am Theater mit renitenten Schauspielern und sexy Kolleginnen aufreibender, als er dachte.
Das klingt jetzt nach genug Konfliktstoff für ein halbes Dutzend Filme, aber „Eltern“ ist eine absolut vorhersehbare Familienkomödie, eine RomCom mit Kindern, in der sich alle Konflikte schnell in Wohlgefallen auflösen. Halt wie in einem Fünfziger-Jahre-Film. Nur dieses Mal mit vertauschten Geschlechterrollen, hundsgemeinen Kindern und einem dokumentarischem Gestus, der gerade, weil Thalheim oft etwas zu spät die Szene beendet, immer wieder gnadenlos die Verunsicherung der Eltern dokumentiert, die von der neuen Situation überfordert sind.
„Eltern“ ist ein Film für Eltern, die sicher viel von ihrem Leben und ihrem Verhältnis zu ihren Kindern in dem Film entdecken.
Eltern (Deutschland 2013)
Regie: Robert Thalheim
Drehbuch: Jane Ainscough, Robert Thalheim
mit Charly Hübner, Christiane Paul, Paraschiva Dragus, Emilia Pieske, Clara Lago, Maren Eggert, Alex Brendemühl, Thilo Nest
Die Ostdeutsche Yella will aus ihrem tristen Leben fliehen. In Hannover lernt sie einen Finanzmanager kennen und wird seine Geliebte und Partnerin.
Wie gewohnt bei Christian Petzold: toller, angenehm undeutscher Film.
„Mit viel Gespür für Rhythmus und innere Beziehungen, präzisen Darstellern und einer suggestiven Raumdramaturgie inszeniert Christian Petzold den dritten Teil seiner ‘Gespenster’-Trilogie als Mischung aus kühl-moralischem Blick auf Mechanismen des Geldmarktes und surrealem Märchen.“ (Lexikon des internationalen Films)
mit Nina Hoss, Devid Striesow, Hinnerk Schönemann, Burghart Klaußner, Barbara Auer, Christian Redl
Hudsucker – Der große Sprung (USA 1993, R.: Joel Coen)
Drehbuch: Joel Coen, Ethan Coen, Sam Raimi
Als Konzernchef Waring Hudsucker sein Leben mit einem Fenstersprung beendet, sieht Vizepräsident Mussburger seine Chance. Er macht, in der Hoffnung auf sinkende Aktienkurse, den Trottel Norville Barnes zum neuen Chef. Doch dann hat Norville eine absolut blöde Idee: er erfindet den Hula-Hoop-Reifen, der – wider Erwarten – zum Verkaufsschlager wird.
Überhaupt nicht begeistert, etwas hart, aber nicht unzutreffend urteilte damals der „Fischer Film Almanach 1995“ über die stilisierte, weitgehend unwitzige Screwball-Comedy: „Kunstgewerbe…Der Protz der Inszenierung erschlägt, die Schauspieler chargieren entsetzlich, die Zitate machen keinen Story-Sinn…Der Film ist clever kalkuliert, aber kalt wie ein Fischauge und leer wie Barton Finks erste Drehbuchseite.“
Danach drehten die Coen-Brüder die Klassiker „Fargo“ und „The Big Lebowski“ – und trafen damit besser die Publikumserwartungen als mit ihrem in einer Kunstwelt spielendem Anti-Capra-Film.
mit Paul Newman, Tim Robbins, Jennifer Jason Leigh, Charles Durning, Jim True, Bruce Campbell
Shoah (Frankreich 1974 – 1985, R.: Claude Lanzmann)
Drehbuch: Claude Lanzmann
Neun Jahre reiste Claude Lanzmann durch Europa und unterhielt sich mit Zeitzeugen des Holocaust, Täter und Opfer, über ihre Erlebnisse.
Sehr selten gezeigter Dokumentarfilm, der als Zweiteiler 1986 auf der Berlinale seine Premiere hatte. Arte zeigt heute beide Teile, was bedeutet: Videorecorder einschalten. Denn der erste Teil dauert 274 Minuten, der zweite 292 Minuten. Insgesamt fast zehn Stunden, in denen Menschen reden. Ohne Archivaufnahmen. Ohne Spielszenen.
„Der Film hat Maßstäbe gesetzt, an denen sich die überraschend vielen Filme messen lassen müssen, die sich mit Zeitgeschichte auseinandersetzen. ‚Shoah‘ zeigt das, was gewesen ist, als das, was ist. Die Geschichte ist nicht von gestern, sie ist mitten in uns.“ (Peter W. Jansen: Rückblick 86, in Fischer Film Almanach 1987)
Ein Blick auf die „Rotten Tomatoes“-Bewertung (100 % Frischegrad) zeigt, dass sich an der damaligen Bewertung der Dokumentation bis heute nichts änderte.
Fargo – Blutiger Schnee (USA 1996, R.: Joel & Ethan Coen)
Drehbuch: Joel & Ethan Coen
Minnesota, im Winter: Autoverkäufer Jerry Lundegaard will an die Kohle von seinem Schwiegervater gelangen. Er lässt seine Frau von zwei strohdumm-gewalttätigen Verbrechern kidnappen. Selbstverständlich geht alles, was schief gehen kann, schief und die hochschwangere Polizeichefin Marge Gunderson darf Leichen einsammeln.
„Oh, jeez“, was für ein herrlich doppelbödiger, schwarzhumoriger Kriminalfilm. „Fargo“ gehört unbestritten zu den besten Werken der Coen-Brüder.
Mit Frances McDormand, William H. Macy, Steve Buscemi, Peter Stormare, Bruce Campbell (ungenannt)
Blood Simple – Director’s Cut (USA 1984/2000, R.: Joel Coen)
Drehbuch: Ethan Coen, Joel Coen
Texas: Privatdetektiv Visser findet heraus, dass Abby ihren Mann, den Barbesitzer Marty, mit einem seiner Angestellten betrügt. Marty beauftragt Visser, seine Frau und den Nebenbuhler umzubringen. Der Plan geht – selbstverständlich – gründlich schief.
Ein feiner Noir, der keine Rücksicht auf seine Charaktere nimmt.
Das Kinodebüt der Brüder Coen. Heute im vier Minuten kürzeren „Director’s Cut“. In jeder Fassung ist schon der typische Coen-Humor vorhanden.
Das Drehbuch war für einen Edgar nominiert.
mit John Gertz, Frances McDormand, Dan Hedaya, M. Emmet Walsh, Samm-Art Williams
auch bekannt als „Blood Simple – Eine mörderische Nacht“ (Kinotitel 1985), „Blood Simple – Blut für Blut“ (Videotitel)
Music Box – Die ganze Wahrheit (USA 1989, R.: Constantin Costa-Gavras)
Drehbuch: Joe Eszterhas
Die renommierte Chicagoer Anwältin Ann Talbot verteidigt ihren Vater Mike Laszlo. Er soll nach Ungarn ausgeliefert werden, weil er im Zweiten Weltkrieg zahlreiche, grauenvolle Kriegsverbrechen begangen soll. Sie glaubt ihrem Vater und beginnt vor Gericht für ihn zu kämpfen.
Spannendes Gerichtsdrama, das moralische Fragen stellt und zum Nachdenken bewegt.
Polit-Filmer Costa-Gavras („Z“) erhielt auf der Berlinale, zu recht, einen Goldenen Bären für den Film.
Eszterhas schrieb auch die Drehbücher für „Flashdance“, „Das Messer“, „Basic Instinct“, „Sliver“ und „Showgirls“.
mit Jessica Lange, Armin Mueller-Stahl, Frederic Forrest, Donald Muffat, Lukas Haas, Michael Rooker
Vor einigen Wochen war „Die Akte Odessa“ eine Mitternachtsvorstellung. Heute nicht.
BR, 22.05
Die Akte Odessa (GB/D 1974, R.: Ronald Neame)
Drehbuch: Kenneth Ross, George Markstein
LV: Frederick Forsyth: The O. D. E. S. S. A. File, 1972 (Die Akte Odessa)
Ein Reporter will einem Nazi-Geheimbund auf die Spur kommen.
Durchaus spannender Polit-Thriller, der niemals die Regeln des Genres sprengt, einen Hang zur Kolportage hat und aus heutiger Sicht mit viel Lokalkolorit aufwarten kann (Deutschland vor gut vierzig Jahren).
Mit Jon Voight, Maximilian Schell, Maria Schell, Klaus Löwitsch, Towje Kleiner
Unseren jährlichen Woody Allen gib uns heute. Nach der Ansichtskarte „To Rome with Love“ geht es heuer nach San Francisco, aber außer dem sonnigen Wetter ist nichts sonnig in seinem neuen Film „Blue Jasmine“. Denn es geht wieder, mit einer Protagonistin, in Richtung Ingmar Bergman; also düster, existenzialistisch, introvertiert, aber dank des dieses Mal ebenfalls vorhandenen Woody-Allen-Humors, nicht so bleiern wie in seinen ersten Bergman-Verehrungen „Innenleben“ (Interiors) und „September“.
Im Mittelpunkt von „Blue Jasmine“ steht die fast ohne Unterbrechung redende traurige Jasmine (Cate Blanchett), die nach San Francisco zu ihrer Schwester (also nicht biologisch, sie wurden beide adoptiert und von der gleichen Mutter groß gezogen) in deren kleine Wohnung zieht. Denn in New York war Jasmine an das mondäne Leben der Upper Class gewöhnt, bis die Polizei die Geschäfte ihres Mannes Hal (Alec Baldwin) überprüfte und ihn als Betrüger (Remember Bernard Madoff?) entlarvte. Jasmine verlor dabei ebenfalls alles und weil sie es für unerträglich hält, wenn ihre früheren Freundinnen sie jetzt als Verkäuferin sehen müssen, zog sie zu Ginger (Sally Hawkins). Die Schwester nimmt sie auf, auch wenn sie und ihr Ex-Mann Augie (Andrew Dice Clay) von Jasmines Mann um ihr gesamtes Vermögen betrogen wurden. Sie versucht Jasmine zu helfen, stellt sie ihren Freunden vor, die Jasmine alle für unerträglich primitiv hält, und verschafft ihr eine Arbeit, die Jasmine, die noch nicht einmal einen Studienabschluss hat, für vollkommen unter ihrer Würde hält. Die lebensuntüchtige Jasmine kann und will ihre Situation einfach nicht wahrhaben. Sie lebt in ihrer eigenen Welt, in der der schöne Schein und damit verbundene Selbsttäuschung alles sind.
Außerdem ist sie seelisch labil, führt Selbstgespräche und erinnert sich immer wieder an ihr besseres Leben, das von Woody Allen bruchlos in die in San Francisco spielende Geschichte hineingeschnitten wird. Das Stilmittel illustriert anfangs schön Jasmines Geisteszustand, aber mit der Zeit – auch weil die Erinnerungen scheinbar beliebig kommen – nervt es. Denn wir müssen nicht zehnmal auf die gleiche Weise demonstriert bekommen, dass Jasmine ein Realitätsproblem hat.
Gleichzeitig wirkt Jasmines Abstieg wie ein Eins-zu-Eins-Remake von Amos Kolleks „Sue – Eine Frau in New York“, ergänzt um Allenismen und, als Spiegelbild zu Jasmines Selbstverleugnung, die Geschichte der sehr bodenständigen Schwester Ginger, ihres bodenständigen Freundes, seiner bodenständigen Freunde und ihres bodenständigen Ex-Mannes, der bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit erwähnt, dass Hal ein Betrüger sei, der sie um ihr Geld brachte; was man allerdings schon nach dem zweiten Mal begriffen hat. Und einer Abrechnung mit dem Finanzkapitalismus, der von Hal, einem Betrüger und Schlawiner, dessen Vermögen auf Lug, Trug und Blendwerk aufgebaut ist, verkörpert wird.
Und so ist „Blue Jasmine“ dann doch ein etwas zwiespältiges Vergnügen, trotz der gewohnt grandiosen Schauspieler und der gut gespielten Szenen, die mal mehr auf die Mike-Leigh-Schule, mal mehr in Richtung Ingmar Bergman, auch etwas in Richtung High-Society-Satire schielen und alle im Woody-Allen-Kosmos grundiert sind.
Blue Jasmine (Blue Jasmine, USA 2013)
Regie: Woody Allen
Drehbuch: Woody Allen
mit Cate Blanchett, Sally Hawkins, Alec Baldwin, Peter Sarsgaard, Louis C. K., Bobby Cannavale, Michael Stuhlbarg, Andrew Dice Clay, Max Casella, Alden Ehrenreich, Tammy Blanchard
„Das ist ein geschlossenes System, in dem man sich immer weiter von der Wirklichkeit entfernt. Deswegen mache ich mir auch keine Gedanken darüber, ob das, was ich in meinem Job mache, die Deals, die ich abschließe oder die Aktionen, die ich mache…ob die irgendwelche Auswirkungen auf die Welt da draußen haben“, sagt Rainer Voss rückblickend auf seine Arbeit als Investmentbanker in Marc Bauders sehenswerter Dokumentation „Master of the Universe“, die einen Einblick in das geschlossene System der Banken liefert. Denn so sehr die Banken nach außen Transparenz und Offenheit propagieren, so verschlossen sind sie auch. So wurden die zahlreichen Interviewanfragen von Bauder nicht beantwortet. Es gab keine Drehgenehmigungen. Noch nicht einmal an Wochenenden und für die öffentlich zugänglichen Gebäudeteile. Die Glasfassaden der Hochhäuser in der Bankenstadt Frankfurt am Main verbergen, dass dort inzwischen dreißig Prozent der Fläche leerstehen.
Aber dieser Leerstand führte dazu, dass Bauder in einem leerstehendem Bankgebäude, mit Blick auf die anderen Bank-Hochhäuser, drehen konnte.
Die Verweigerung von Interviews führte dazu, dass Bauder sich ausschließlich auf Rainer Voss konzentrierte und die Dokumentation so eine erzählerische Dichte erhält, die er sonst nicht gehabt hätte. Dass der Film dafür von ihm und seiner Perspektive abhängig ist, ist daher verschmerzbar. So will Voss nicht über seine Ehe und seinen Sohn sprechen – und diese Gesprächsverweigerung verrät dann doch wiederum sehr viel. Er will auch keine Namen nennen.
Gesprächiger wird er, wenn er von seiner früheren Arbeit erzählt. In den achtziger Jahren gehörte er zu den ersten Investmentbankern Deutschlands, was vor allem an einer Mischung aus jugendlicher Neugierde und Computerbegeisterung lag. Denn damals nahm er, mit einigen gleichgesinnten Bankangestellten einfach ein Arbeitsangebot wahr, probierte nächtelang an den damals noch neuen Computern verschiedene Finanzierungsmodelle aus und hörte sich die Botschaften der US-Banker, die von ihnen wie Heilige verehrt wurden, an, ehe er das neu erworbene Wissen an deutschen Firmenbesitzern ausprobierte.
Er erzählt von dem Korpsgeist in der Bank, dass man sich für höhere Aufgaben qualifiziert, indem man einige Nächte durcharbeitet (an die Qualität der Arbeit und die Schutzpflichten des Arbeitgebers wird dabei anscheinend nicht gedacht), dem Leistungsdruck, dem Nicht-Fragen und dem Nicht-In-Frage-Stellen von Aufgaben, egal wie unsinnig und dumm sie sind, vom Leben in einer Parallelwelt, die mit dem normalen Leben nichts mehr zu tun hat, und dass die Ehefrau als allzeit bereites Anhängsel des Mannes immer der Bank zur Verfügung zu stehen habe. Und dass die Mitarbeiter nach einigen Jahren, finanziell anscheinend gut versorgt, in den Ruhestand verabschiedet werden.
Er besteht, wenn er seine Arbeit, verschiedene Finanzmarktprodukte und die Logik der Finanzwelt sehr anschaulich erklärt, auch immer darauf, dass sie nichts ungesetzliches tun. Er sieht auch die für die meisten Kunden unsinnigen Anlagemöglichkeiten nicht als moralisch verwerflich an. Immerhin gibt es ja den einen Kunden, für den die Anlage passt.
Das ist alles faszinierend anzuhören und liefert einen fundierten Einblick in einen Wirtschaftszweig, der einmal dafür gedacht war, Firmen das nötige Kapital für ihre Arbeit zu besorgen – und weil Bauder nur in einer verlassenen Bank drehte, sind die ästhetisch ansprechenden Bilder von leeren Büros auch ein süffisanter Kommentar zur glänzenden Fassade der Bankenwelt, die wie eine Sekte von ihren Jüngern bedingungslose Gefolgschaft fordert.
Master of the Universe (Deutschland/Österreich 2013)
Das erste Problem von „Kopfüber“ ist die Werbung, die sich darauf konzentriert, den zehnjährigen Protagonisten als ADHS-Kranken hinzustellen und damit den Kinderfilm als einen Film über ADHS verkauft. Aber über die Krankheit erfahren wir fast nichts und das, was wir erfahren, scheint auch noch – so wurde mir nach dem Film gesagt – falsch zu sein. Außerdem wird ADHS in der ersten Stunde des Films überhaupt nicht angesprochen.
Das zweite Problem von „Kopfüber“ ist, dass die Macher einfach zu viel in den Film hineinpackten, dass vieles nur angerissen wird, vieles deshalb vollkommen unlogisch wird und der Film deshalb die wirklich spannende Geschichte, die irgendwo in ihm versteckt ist, nicht findet.
Dabei ist „Kopfüber“ als Porträt eines schwierigen Jugendlichen, der von einer alleinerziehenden Kindergärtnerin liebevoll erzogen wird, mit seiner ebenfalls einsamen Freundin durch die Gegend streift und gerne Fahrräder repariert, gar nicht so schlecht. Der zehnjährige Sascha (Marcel Hoffmann) hat auch zwei Geschwister, die, etwas arg didaktisch, diametral entgegengesetzte Rollenvorbilder sind: einen Bruder, der die Schule geschmissen hat und sich mit bestenfalls halblegalen Geschäften durchschlägt, und eine Schwester, die nur die Schule und einen erfolgreichen Abschluss im Kopf hat. Weil er immer wieder bei Diebstählen und dem Schuleschwänzen erwischt wird, hat er eine dicke Mappe beim Jugendamt. Seine letzte Chance ist ein vom Jugendamt bestimmter Erziehungshelfer.
Für den Film spricht, dass die Kinderdarsteller ernst genommen werden, die Dialoge natürlich wirken und auch die Beziehungen glaubwürdig gezeichnet sind. Vor allem die von Sascha, der einerseits hochbegabt ist, andererseits eine Leseschwäche hat und sich nicht länger konzentrieren kann, zu seinem Erziehungshelfer, der als vom Jugendamt bestimmter Vaterersatz versucht, Sascha auf die richtige Bahn zu bringen. Diese Geschichte steht eigentlich im Mittelpunkt von „Kopfüber“, aber die Macher wollten dann doch etwas anderes erzählen.
Deshalb müssen wir damit zurechtkommen, dass Saschas Mutter sich anscheinend nie mit ihren Kolleginnen im Kindergarten über ihren Sohn unterhalten hat, dass sie noch nie etwas von der Modekrankheit ADHS gehört hat, dass sie am Zeugnistag, nachdem Sascha wider Erwarten die Versetzung geschafft hat, lieber den Abend mit ihrem Freund verbringt als mit ihrem Sohn zu feiern, dass im Film ADHS im Schweinsgalopp diagnostiziert wird, dass Sascha dann allein mitten in der Nacht Tabletten zu genau festgelegten Uhrzeiten nehmen muss (was ihm, der vorher keine fünf Minuten bei einer Sache bleiben konnte, mühelos gelingt), dass die Medikamente so stark sind, dass er zum Zombie wird und dass am Ende eine vollkommen verquere Botschaft steht.
In diesen Momenten fragte ich mich, warum Regisseur und Drehbuchautor Bernd Sahling und seine Co-Autorin Anja Tuckermnn ihren Film mit so mit Unwahrscheinlichkeiten überfrachteten, anstatt sich einfach auf die Geschichte von Sascha zu seinem Erziehungshelfer zu konzentrieren. Vor allem weil für mich Sascha niemals ein Fall für eine medizinische Behandlung, sondern einfach nur ein lebenslustiger, etwas aufsässiger Junge war, dem ein Vorbild fehlte.
Kopfüber (Deutschland 2012)
Regie: Bernd Sahling
Drehbuch: Bernd Sahling, Anja Tuckermann
mit Marcel Hoffmann, Frieda-Anna Lehmann, Inka Friedrich, Claudius von Stolzmann, Benjamin Seidel, Jolina Simpson
Full Metal Jacket (Großbritannien 1987, R.: Stanley Kubrick)
Drehbuch: Stanley Kubrick, Michael Herr, Gustav Hasford
LV: Gustav Hasford: The Short-Timers, 1981 (Höllenfeuer)
Grandioser (Anti-)Kriegsfilm von Stanley Kubrick, der im ersten Drittel des Films die gnadenlose Ausbildung der Soldaten, ihre Entpersönlichung und Zurichtung nach den Wünschen des Militärs, und in den restlichen zwei Dritteln den chaotischen Kampf in Vietnam, in dem die Ausbildung keinen Pfifferling mehr wert ist, dokumentiert.
Kein angenehmer Film und auch kein Film mit irgendwelchen Identifikationsfiguren oder einem moralischen Standpunkt, aber ein wichtiger und sehenswerter Film.
„Full Metal Jacket ist ein nihilistischer Thriller und insofern der letzte Kriegsfilm, ein Schlussstrich unter das Genre, weil in ihm das Ende des Individuums weniger eine Aussage ist als eine Haltung.“ (Stefan Reinicke: Es ist besser zu leben, als tot zu sein: Full Metal Jacket [1987], in Andreas Kilb/Rainer Rother: Stanley Kubrick)
mit Matthew Modine, Adam Baldwin, Vincent D’Onofrio, R. Lee Ermey, Dorian Harewood
Die Legion der Verdammten (Frankreich/Italien 1982, R.: Robert Hossein)
Drehbuch: Alain Decaux, Robert Hossein
LV: Victor Hugo: Les Misérables, 1982 (Die Elenden)
Der Galeerensträfling Jean Valjean will ehrlich leben.
Sehr gelungene Romanverfilmung, die sich auf die Handlung von Victor Hugos Epos konzentrierte. Dummerweise sind gerade die Abschweifungen der eigentlich interessante Punkt des epischen Romans. Denn die Geschichte des geläuterten Sträflings und des ihn hartnäckig verfolgenden Polizisten in den Wirren der französischen Politik im frühen 19. Jahrhundert ist reinste Kolportage.
Im Kino lief eine dreistündige Fassung, heute wird eine 200-minütige Fassung präsentiert und für das französische Fernsehen entstand sogar eine gut vierstündige Fassung, die wahrscheinlich mit dieser Fassung ziemlich identisch ist.
Ach ja: Lest den Roman!
mit Lino Ventura, Michel Bouquet, Evelyne Bouix, Christiane Jean, Jean Carmet, Francoise Seigner
Wir erinnern uns: in „Before Sunrise“ trifft der US-Amerikaner Jesse (Ethan Hawke) in Wien die Französin Celine (Julie Delpy). Sie verbringen eine wundervolle Nacht miteinander, indem sie durch die Stadt schlendern und miteinander reden. Der Film wurde ein Indie-Hit.
Neun Jahre später treffen sie sich „Before Sunset“ in Paris. Jesse hat ein Buch über diese Nacht geschrieben und stellt es in Paris vor. Sie kommt zur Lesung und weil er bis zu seinem Abflug noch etwas Zeit hat, schlendern sie durch Paris und reden miteinander über die vergangenen Jahre, ihr Leben und die Zukunft. Am Ende verpasst Jesse sein Flugzeug in die USA.
Wieder neun Jahre später sind Jesse und Celine mit ihren Kindern in Griechenland und „Before Midnight“ reden sie mit ihren künstlerisch interessierten Gastgebern, schlendern über die Insel, reden über die vergangenen Jahre, wie sehr ihre Wünsche sich erfüllten und tragen einen veritablen Ehekrach aus, denn Jesse will zurück in die USA zu seinem Sohn, den er nur in den Ferien sieht, und Celine will in Paris einen Job annehmen.
Im Duktus unterscheidet sich „Before Midnight“ kaum von den beiden vorherigen Filmen. Es ist wie ein Besuch bei guten alten Bekannten, bei denen sich über die Jahre wenig ändert. Richard Linklater inszeniert wieder, indem er Ethan Hawke und Julie Delphy, die auch beim Drehbuch mitarbeiteten, fast ungeschnitten in scheinbar improvisierten Endlosdialogen miteinander reden, streiten und sich versöhnen lässt.
Das erinnert inzwischen als filmisches Langzeitprojekt an die Antoine-Doinel-Filme von Francois Truffaut. Aber während Jean-Pierre Leaud untrennbar mit dem Charakter verschmolz, sind Hawke und Delphy auch für andere Rollen bekannt und, im Gegensatz zu dem Träumer Doinel, der zunehmend von seiner Vergangenheit eingekreist war, sind Jesse und Celine zwei überaus normale Menschen, die, trotz aller Erinnerungen, im Hier und Jetzt leben. Sie als politische Aktivistin mehr als er, der Schriftsteller.
„Before Midngiht“ ist die Bestandsaufnahme von zwei Mittvierzigern – und damit auch ein Porträt dieser Generation. Die Zeit der Jugend und der Träume ist vorbei. Sie beginnen eine erste Bilanz über ihr Leben zu ziehen und, nach den hoffnungsvollen ersten beiden Filmen, wird es jetzt etwas melancholischer. Die Mühen des Alltags und Erziehungsfragen bestimmen im Moment das Leben von Jesse und Celine.
Deshalb muss es in einigen Jahren, vielleicht wenn die Kinder erwachsen sind, einen weiteren Film mit den beiden Liebenden geben. Der heißt dann vielleicht „Before High Noon“ – und wir freuen uns schon jetzt auf diese Begegnung.
Before Midnight (Before Midnight, USA 2013)
Regie: Richard Linklater
Drehbuch: Richard Linklater, Julie Delpy, Ethan Hawke
mit Ethan Hawke, Julie Delpy, Seamus Davey-Fitzpatrick, Jennifer Prior, Charlotte Prior, Walter Lasally, Xenia Kalogeropoulou, Athina Rachel Tsangari, Panos Koronis, Ariane Labed, Yannis Papadopoulos
–
DVD
Prokino Home Entertainment/EuroVideo
Bild: 1,85:1 (16:9 anamorph)
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel (angekündigt): Deutsch, Englisch
Bonusmaterial (angekündigt): Audiokommentar mit Ethan Hawke, Julie Delpy und Richard Linklater, Wiedersehen mit Celine und Jesse (Behind the Scenes), Deutscher und Original-Kinotrailer
O Brother, where art thou? – Eine Mississippi-Odyssee (USA 2000, R.: Joel Coen, Ethan Coen)
Drehbuch: Joel Coen, Ethan Coen (basierend auf „Die Odyssee“ von Homer)
USA, während der Depression: drei Häftlinge flüchten durch die Südstaaten und während sie einige Abenteuer erleben, hören wir gute Musik. T-Bone Burnett war für den Soundtrack verantwortlich.
Spaßige Nummernrevue
mit George Clooney, John Turturro, Tim Blake Nelson, Charles Durning, John Goodman, Holly Hunter
Konditor Mauritz wird ermordet. Seine thailändische Katalog-Frau Sita schweigt und die Kommissare Batic und Leitmayr haben einen neuen Fall.
Dieser Tatort ist unbestritten einer der besten Batic/Leitmayr-Tatorte. Und sie hatten in den Neunzigern wirklich eine Reihe wirklich guter Fälle gehabt!
Mit Udo Wachtveitl, Miro Nemec, Michael Fitz, Barbara-Magdalena Ahrens,Ulrich Noethen, Petra Kleinert, Anna Villadolid
Bevor in einem Monat das neue Meisterwerk der Coen-Brüder
in unseren Kinos anläuft, zeigt Arte einige ältere Werke der Brüder. Für alle, die die Filme noch einmal (wobei man den „Big Lebowski“ nicht oft genug sehen kann) oder erstmals sehen wollen:
Arte, 20.15
The Big Lebowski (USA 1998, R.: Joel Coen)
Drehbuch: Ethan Coen, Joel Coen
Ein echter Kultfilm.
Die Geschichte ist, wie bei Raymond Chandler, der als Inspiration diente, kaum nacherzählbar, labyrinthisch, voller grandioser Szenen und Sätze und wahrscheinlich bar jeder Logik. Im wesentlichen geht es darum, dass der Dude mit seinem ihm bis dahin unbekannten, stinkreichen, herrischen, querschnittgelähmten Namensvetter verwechselt wird und er in eine undurchsichtige Entführungsgeschichte hineingezogen wird.
mit Jeff Bridges, John Goodman, Julianne Moore, Steve Buscemi, David Huddleston, Philip Seymour Hoffman, Tara Reid, Philip Moon, Mark Pellegrino, Peter Stormare, Flea, John Turturro, Sam Elliott, Ben Gazzara
Nachtschicht: Ich habe Angst (D 2008, R.: Lars Becker)
Drehbuch: Lars Becker
Auch in ihrer fünften Nacht gibt es für den Hamburger Kriminaldauerdienst viel zu tun. Bei einer Razzia entwischt ihnen der Kopf der Fälscherbande. Eine Lehrerin meldet sich anonym beim KDD und zeigt eine Kindesmisshandlung an. Ein Mann wird erstochen.
Zufälle über Zufälle – aber von Lars Becker schlüssig, pointiert und gewohnt unterhaltsam als Porträt einer Nacht zusammengefügt.
Mit Armin Rohde, Minh-Khai Phan-Thi, Ken Duken, Barbara Auer, Pierre Semmler, Ulrike Krumbiegel, Matthias Brandt