TV-Tipp für den 12. März: Tatort: Der Mann auf dem Hochsitz

März 12, 2014

WDR, 22.15

Tatort: Der Mann auf dem Hochsitz (D 1978, R.: Ulrich Neureuther)

Drehbuch: Richard Hey

LV: Richard Hey: Feuer unter den Füßen, 1984

Wurde ein Jäger auf seinem Hochsitz von einem Italiener angeschossen? Kommissarin Buchmüller ermittelt.

Nicole Heesters gebührt der Verdienst, die erste „Tatort“-Kommissarin (und die erste deutsche TV-Kommissarin) gewesen zu sein. Insofern ist sie das Vorbild für alle weiteren Kommissarinnen.

„Nicole Heesters verleiht ihrer Figur eine Art weltäufige Eleganz, sie erscheint klar, kühl und ohne Falsch. Gefühle kommen bei der Grand Dame des Verbrechns nur wohldosiert zum Tragen. Sie besteht auf einer klaren Trennung zwischen Beruf und Privatleben. (…) Im Subtext von ‚Der Mann auf dem Hochsitz’ geht es um das Scheitern von traditonellen Rollenvorgaben. (…) Das vielschichtige Gesellschaftsporträt von Autor Richard Hey gibt einen gelungenen Rahmen für den ersten Auftritt der Kommissarin ab.“ (Sabine Holtgreve: Supergirls – Die Geschichte der TATORT-Kommissarinnen, in Eike Wenzel, Hrsg.: Ermittlungen in Sachen TATORT, 2000)

Richard Hey verarbeitete später sein Drehbuch zum Roman „Feuer unter den Füßen“, der sich (so meine Erinnerung) zu stark auf die teilweise lange zurückreichenden Beziehungen der einzelnen Charaktere konzentriert, um als Krimi noch zu überzeugen.

Mit Nicole Heesters, Peter Nassauer, Jörg Fallheier, Stephan Orlac, Klaus Höhne (Gastauftritt als Kommissar Konrad)

Hinweise

Tatort-Fundus

Lexikon der deutschen Krimiautoren über Richard Hey

Wikipedia über Richard Hey


TV-Tipp für den 11. März: Fukushima – Nichts ist, wie es war

März 11, 2014

BR, 22.45

Fukushima – Nichts ist, wie es war (Deutschland 2014, R.: Patrick Hörl, Kei Matsumot)

Drehbuch: Patrick Hörl, Kei Matsumoto

Zum dritten Jahrestag der Katastrophe im japanischen Atomkraftwerk Fukushima zeigt der BR diese spielfilmlange Doku und, danach, um 00.20 Uhr „Meine Tante aus Fukushima“ und um 01.35 Uhr „Die Welt danach“.

Zwei Millionen Menschen verloren damals ihre Heimat und auch heute ist in dem Katastrophengebiet noch nicht allzu viel geschehen.

Der BR über die Doku: Drei Jahre nach der sichtbaren Katastrophe bemächtigen sich die wahren Folgen des Desasters der Region und ihrer Menschen. Mehr noch als die kalten Fakten des „Unfalls“ beleuchtet der Film das Trauma, das die Menschen dort erlebt haben und immer noch erleiden. In diesem Film geht es um die emotionalen Folgen eines Unglücks, das mit einer Naturkatastrophe begonnen hat, um sich in die oft unsichtbaren Auswirkungen einer bis heute anhaltenden Nuklearkatastrophe zu steigern.

Hinweise

BR über die Doku (und weiteren Infos zum Themenabend)

Wikipedia über Fukushima


TV-Tipp für den 10. März: Die Konsequenz

März 10, 2014

 

NDR, 23.15

Die Konsequenz (Deutschland 1977, R.: Wolfgang Petersen)

Drehbuch: Alexander Ziegler, Wolfgang Petersen

LV: Alexander Ziegler: Die Konsequenz, 1975

Selten gezeigter Film, der heute einen aufschlussreichen Blick in die Vergangenheit wirft und der damals ein veritabler Skandal war, der den Zuschauern in Bayern vorenthalten wurde, weil der Bayerische Rundfunk sich aus der ARD-Erstausstrahlung am 8. November 1977 ausklinkte. Das hatte der BR damals, als es pro Bundesland nur drei TV-Programme gab, öfter gemacht, um das schöne Bayernland vor Schmuddelkram und falschen Meinungen zu schützen. Wenige Tage nach der TV-Ausstrahlung lief der von Bernd Eichinger produzierte Film im Kino.

Wolfgang Petersen (noch vor „Das Boot“ und seinem Gang nach Hollywood) erzählt die Liebesgeschichte von Martin, der sich im Gefängnis in den sechzehnjährigen Thomas, den Sohn eines Gefängniswärters, verliebt. Als Thomas‘ Eltern davon erfahren, schicken sie ihren Sohn in ein Erziehungsheim. Dort soll ihm das Schwulsein ausgetrieben werden.

„Der Film berührt da am unmittelbarsten, wo er am peinlichsten hätte entgleisen können: in der Beziehung Mann-Mann.“ (Klaus Umbach, Der Spiegel)

„Die Konsequenz“, ein Aufruf zur Toleranz, war einer der wichtigen Filme für die Selbstfindung der deutschen Homosexuellen in einer repressiven Gesellschaft.

mit Jürgen Prochnow, Ernst Hannawald, Walo Lüönd, Edith Volkmann, Alexander Ziegler

Hinweise

Filmportal über „Die Konsequenz“

Wikipedia über „Die Konsequenz“

Queerkino über „Die Konsequenz“

Follow me now: Ulrich Behrens über „Die Konsequenz“


TV-Tipp für den 9. März: Der Dritte im Hinterhalt

März 9, 2014

BR, 23.45

Der Dritte im Hinterhalt (USA 1969, R.: Paul Bogart)

Drehbuch: Stirling Silliphant

LV: Raymond Chandler: The little sister, 1949 (Die kleine Schwester)

Im Auftrag einer mysteriösen Blondine soll Marlowe deren Bruder finden.

Ziemlich langweilige Chandler-Verfilmung, aber ein Privatdetektivkrimi mit „Jim Rockford“ kann nicht ganz schlecht sein.

Mit James Garner, Rita Moreno, Jackie Coogan, Bruce Lee (vor allem Stunts)

Hinweise

Thrilling Detective über Raymond Chandler und Philip Marlowe

Wikipedia über Raymond Chandler (deutsch, englisch)

Raymond Chandler in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 8. März: Killshot – Gnadenlose Jagd

März 8, 2014

RBB, 22.25

Killshot – Gnadenlose Jagd (USA 2008, R.: John Madden)

Drehbuch: Hossein Amini

LV: Elmore Leonard: Killshot, 1989 (Beruf: Killer; Killshot)

Carmen und Wayne Colson beobachten den indianischstämmigen Auftragskiller Armand bei einem Verbrechen. Sie werden in des Zeugenschutzprogramm des FBI gesteckt. Aber Armand sucht sie weiter.

Ein interessanter Torso, der den Ton von Elmore Leonard ziemlich gut trifft und der nach dem Dreh so heftig umgeschnitten wurde, dass unklar ist, ob die Fehler des Films schon in der ersten Fassung vorhanden waren oder erst später hinzu kamen. Jedenfalls würde ich von diesem Film gerne einen Director’s Cut sehen.

mit Mickey Rourke, Diane Lane, Thomas Jane, Joseph Gordon-Levitt, Hal Holbrook, Rosario Dawson

Hinweise

Homepage von Elmore Leonard

Meine Besprechung von Elmore Leoanrds “Raylan” (Raylan, 2012)

Meine Besprechung von Elmore Leonards “Raylan” (2012)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Dschibuti“ (Djibouti, 2010)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Djibouti“ (2010)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Road Dogs“ (Road Dogs, 2009)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Up in Honey’s Room“ (2007)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Gangsterbraut“ (The hot Kid, 2005)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Callgirls“ (Mr. Paradise, 2004)

Mein Porträt „Man nennt ihn Dutch – Elmore Leonard zum Achtzigsten“ erschien im „Krimijahrbuch 2006“

Meine Besprechung der Elmore-Leonard-Verfilmung „Sie nannten ihn Stick“ (Stick, USA 1983)

Meine Besprechung der Elmore-Leonard-Verfilmung „Killshot“ (Killshot, USA 2008)

Meine Meldung von Elmore Leonards Tod

Elmore Leonard in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: „Saving Mr. Banks“ und Mary Poppins vor Walt Disney

März 7, 2014

Mary Poppins kennen wir alle. Jedenfalls das Musical aus dem Hause Walt Disney. Auch die Songs, wie „A Spoonful of Sugar“, „Chim Chim Cheree“, „Feed the Birds“, „Let’s go fly a Kite“ und natürlich „Supercalifragilisticexpialidocious“. Aber den Roman von P. L. Travers, der die Vorlage für „Mary Poppins“ war, dürften nur wenige kennen. Er und auch die anderen „Mary Poppins“-Bücher sind derzeit auf Deutsch nicht erhältlich. Und den Kampf zwischen P. L. Travers und Walt Disney, bevor sie die Verfilmungsrechte verkaufte, kennen wir nicht. Denn Valerie Lawsons Buch „Out of the Sky she came: The Life of P. L. Travers“ und Ian Collies TV-Dokumentation „The Shadow of Mary Poppins“, die sich auch mit der Entstehung des Films damit beschäftigten, sind neueren Datums und wurden nicht in Deutschland veröffentlicht. Sie dienten, neben dem Disney-Archiv, als Quellen für „Saving Mr. Banks“, einer ziemlich wahren Dramedy, die zeigt, wie vor den Dreharbeiten Welten aufeinander prallten. Auf der einen Seite war Walt Disney, ein erfolgreicher Produzent, der seinen Kindern versprach, „Mary Poppins“ zu verfilmen und in seinen Filmen für Kinder alles in Rosarot zeichnete. Zwanzig Jahre lang fragte er Travers immer wieder, ob er „Mary Poppins“ verfilmen dürfe. Die steife Engländerin lehnte standhaft ab, bis sie Anfang der sechziger Jahre Geld benötigte.

1961 fliegt sie für einige Tage nach Hollywood. Disney will ihr zeigen, dass er ihren Charakter ernsthaft und feinfühlig behandeln wird. Er sichert ihr sogar zu, dass sie beim Drehbuch das letzte Wort habe. Travers hasst alles an Hollywood: die fröhliche Mentalität, das mit Disney-Plüschtieren vollgestopfte Hotelzimmer, die ständige Dutzerei („Walt, you gotta call me Walt, ya know.“) und das Wetter, das sie an ihre Jugend 1906 in Australien erinnert. Vor allem an ihre grenzenlose Bewunderung für ihren Vater, einen begnadeten Geschichtenerzähler, Hallodri und Alkoholiker. Ihr so urbritisches Kindermädchen Mary Poppins, das die Banks-Kinder erziehen soll, ist nämlich die verklärte Version ihrer eigenen Kindheit, die sie vom heißen Australien in ihr geliebtes London verlegte. Und weil sie ihre Erinnerungen nicht von Hollywood verunstaltet lassen will, ist ihr typisch britisches Verhalten, gepaart mit Zickigkeit und Rechthaberei, für den Drehbuchautor Don DaGradi und die beiden Komponisten Richard und Robert Sherman eine Tortur, von der – auf ihren Wunsch – Tonbänder existieren. Denn egal was sie tun, es ist falsch. Es wurden die falschen Schauspieler ausgewählt, die Lieder der Sherman-Brüder lehnte sie rundheraus ab, Animationen passten auch nicht zu ihrer Mary Poppins, der Familienvater Mr. Banks sollte in einem positiven Licht erscheinen und sie verbat sich auch die Farbe Rot. Dazwischen korrigierte sie penibel die Grammatik und das Versmaß und selbstverständlich lehnte sie Neologismen ab. Schon bei „responstable“ meinte sie, das sei kein Wort. Das war noch bevor sie „ Supercalifragilisticexpialidocious“ sah. Mit ihrem asozialen Verhalten verstörte sie Walt Disney und seine Angestellten.

Nur ihr Fahrer, ein immer gut gelaunter Familienvater, scheint mit ihr auszukommen. Jedenfalls lässt er sich von ihren schnippischen Bemerkungen nicht die Laune verderben.

John Lee Hancock erzählt, nach einem vorzüglichem Drehbuch von Kelly Marcel und Sue Smith, in „Saving Mr. Banks“ kurzweilig und humorvoll die Geschichte dieses Kampfes zwischen zwei Egos (grandios gespielt von Tom Hanks und Emma Thompson) um widerstreitende künstlerische Visionen. Denn selbstverständlich sind die Charaktere auch ein Teil ihres Erfinders, aber die Leser und Zuschauer eignen sie sich wiederum anders an. So gibt es in dem Film P. L. Travers, die ihre Erfindung beschützen will, Walt Disney, der sie der ganzen Welt geben will und einen anderen Blick auf Mary Poppins hat als P. L. Travers. Und es gibt, als Stellvertreter für ihre Fans, Travers‘ Fahrer, für den die Erlebnisse von Mary Poppins eine ganze besondere Bedeutung haben, die nichts mit der ursprünglichen Intention von Travers zu tun haben. Dabei nimmt Hancock sich, vor allem gegen Ende des Films einige Freiheiten. So war P. L. Travers nicht besonders begeistert von der Verfilmung, an der sie, dank einer prozentualen Beteiligung, prächtig verdiente. Und die Erinnerungen an ihre Kindheit sind auch eher kitschig geraten.

Davon abgesehen ist „Saving Mr. Banks“ prächtiges Schauspielerkino, bei dem viele Interna aus den Disney-Studios, die ihnen von Insidern verraten wurden, verwandt wurden. Auch die Ausstattung entspricht anscheinend genau der Originalausstattung, weil die mitproduzierende Walt Disney Company, Zugang zu ihren Archiven gewährte und auch dafür sorgte, dass ein echter Walt-Disney-Film entstand.

Außerdem sieht man danach, mit einem breiten Lächeln, „Mary Poppins“ mit anderen Augen.

Saving Mr Banks - Plakat

Saving Mr. Banks (Saving Mr. Banks, USA/Großbritannien/Australien 2013)

Regie: John Lee Hancock

Drehbuch: Kelly Marcel, Sue Smith

mit Emma Thompson, Tom Hanks, Colin Farrell, Paul Giamatti, Jason Schwartzman, Bradley Whitford, Ruth Wilson, B. J. Novak, Rachel Griffiths, Kathy Baker

Länge: 126 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

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Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Film-Zeit über „Saving Mr. Banks“

Moviepilot über „Saving Mr. Banks“

Metacritic über „Saving Mr. Banks“

Rotten Tomatoes über „Saving Mr. Banks“

Wikipedia über „Saving Mr. Banks“ (deutsch, englisch)

History vs. Hollywood untersucht „Saving Mr. Banks“

Das Drehbuch „Saving Mr. Banks“ von Kelly Marcel und Sue Smith

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Eine Pressekonferenz mit einem vollen Podium

Academy Conversations zum Film, ebenfalls gut besucht

DP/30 unterhält sich mit Regisseur John Lee Hancock

DP/30 unterhält sich mit Drehbuchautor Kelly Marcel

Die BBC-Doku „The Secret Life of Mary Poppins“


TV-Tipp für den 7. März: Der fremde Sohn

März 7, 2014

ZDFneo, 20.15

Der fremde Sohn (Changeling, USA 2008)

Regie: Clint Eastwood

Drehbuch: J. Michael Straczynski

Los Angeles, 1928: Ein Kind verschwindet. Als die Polizei es unverletzt nach fünf Monaten findet, behauptet die Mutter, dass das nicht ihr Sohn sei. Ist sie, wie die Polizei über die Nervensäge behauptet, verrückt oder versucht die Polizei etwas zu vertuschen?

Nach gut 140 Minuten ist diese Frage beantwortet.

Just another Period-Picture mit Stars, stilechter Ausstattung, Überlänge (oder Blockbuster-Länge) und, natürlich, basierend auf einem wahren Fall. Insgesamt okaye Unterhaltung.

Mit Angelina Jolie, Gattlin Griffith, John Malkovich, Jeffrey Donovan, Amy Ryan, Colm Feore

Wiederholung: Samstag, 8. März, 00.00 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Drehbuch „Changeling“ von J. Michael Straczynski

Film-Zeit über „Der fremde Sohn“

Moviepilot über „Der fremde Sohn“

Metacritic über „Der fremde Sohn“

Rotten Tomatoes über „Der fremde Sohn“

Wikipedia über „Der fremde Sohn“ (deutsch, englisch)

Kriminalakte: Glückwünsche zum achtzigsten Geburtstag von Clint Eastwood

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Hereafter – Das Leben danach“ (Hereafter, USA 2010)

Clint Eastwood in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: Für Doris Dörrie ist „alles inklusive“

März 6, 2014

 

Apple (Nadja Uhl) schickt ihre Mutter Ingrid (Hannelore Elsner) in den spanischen Ort Torremolinos zur Reha. Wobei Reha nicht ganz richtig ist. Denn Ingrids Hotel ist keine mondäne Reha-Klinik, sondern ein All-Inclusive-Hotel, durch das sie sich nach einer Hüft-Operation mit Krücken mehr schlecht als recht bewegt. Den Rest besorgt ihre Laune. Denn, wie schon ihre wallenden Gewänder verraten, ist Ingrid eine Überlebende der Hippie-Ära, die jetzt unter genau den Spießern sitzt, zu denen sie nie gehören wollte. Wie dieser Helmut (Axel Prahl), ein aufdringliches Großmaul, das sich durch das Buffet frisst und mit einer Arschbombe für gute Laune sorgt. Nicht bei ihr. Mit der Transe Tina (Hinnerk Schönemann), die allabendlich dem deutschen Publikum per Playback Schlager serviert, kann sie ebenfalls nichts anfangen. So muss die Vorhölle aussehen.

Dabei war sie schon einmal in Torremolinos: als sie noch jung und schön war, in der deutschen Hippie-Kommune den schönsten Busen hatte, den freien Sex exzessiv praktizierte und ihre Tochter vernachlässigte.

In Doris Dörries neuem Film „alles inklusive“ sind gerade die dokumentarischen Impressionen aus dem All-inclusive-Hotel und die fein aufspielenden Schauspieler, mit einer grandiosen Sexszene zwischen Hannelore Elsner und Axel Prahl (und einer Gitarre als wichtigem Accessoire) äußerst gelungen. Auch die eher impressionistischen Rückblenden in die Vergangenheit, die die Hippie-Kommune als einen alternativen Club Med zeichnen, sind gut. Aber in ihrem episodischen Film verzettelt Dörrie sich schnell zwischen ihren Geschichten und Episoden. Denn sie erzählt auch von Tinas Versuchen, zusammen mit seiner Freundin, mit Betrügereien genug Geld zusammen zu bekommen, um aus Torremolinos zu flüchten. Außerdem ist Tina, also eigentlich Tim, der Sohn von einem ihrer früheren Liebhaber. Tims Vater wohnt, inzwischen ein Rentner, in Torremolinos in einem Seniorenheim – und selbstverständlich begegnen sie sich. Tim, der Ingrid abgrundtief hasst, ist davon natürlich nicht begeistert.

Als ob das noch nicht genug wäre, gibt es noch die Erlebnisse von Ingrids Tochter Apple in München. Im Gegensatz zu ihrer Mutter hat sie ein ausgeprägtes Sicherheitsbedürfnis und ist überfürsorglich. Auch gegenüber ihrem Hund Dr. Sigmund Freud, den sie solange verhätschelte, bis er sich überhaupt nicht mehr bewegte. Sie verliebt sich auch sofort in Freuds Tierarzt Dr. Fellborn (Fabian Hinrichs), den sie bis zum gehtnichtmehr zuquasselt. Dieser Plot hat, bis auf das Ende, wenn Apple nach Spanien zu ihrer Mutter fährt, mit dem Hauptplot absolut nichts zu tun und könnte genausogut gestrichen werden. Was auch besser gewesen wäre. Denn Apples Geschichte ist erkennbar für die billigen, schnellen Lacher gedacht, die in eine dieser typischen deutschen Komödien (ich sage nur Schweighöfer) passen.

Im dritten Akt fliegt Apple dann nach Spanien – und alle Konflikte lösen sich länglich auf. Denn bevor sie alle friedlich bis an ihr Lebensende zusammenleben dürfen, werden ihnen noch einige Steinchen in den Weg geräumt.

„alles inklusive“ ist ein zu lang geratenes, sich verzettelndes, episodisches Werk über Eltern, Kinder, Beziehungen und Sex.

Alles Inklusive - Plakat

alles inklusive (Deutschland 2013)

Regie: Doris Dörrie

Drehbuch: Doris Dörrie

LV: Doris Dörrie: Alles inklusive, 2011

mit Hannelore Elsner, Nadja Uhl, Hinnerk Schönemann, Axel Prahl, Fabian Hinrichs, Peter Striebeck, Maria Happel, Robert Stadlober

Länge: 123 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

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Hinweise

Homepage zum Film

Film-Zeit über „Alles inklusive“

Moviepilot über „Alles inklusive“

Wikipedia über „Alles inklusive“


Neu im Kino/Filmkritik: Besuchen Sie „The Grand Budapest Hotel“!

März 6, 2014

Oft schreibe ich in meinen Besprechungen ja, welcher Schauspieler welche Rolle spielt. Bei Wes Andersons neuem Film „The Grand Budapest Hotel“ mache ich das nicht. Denn ein Teil des Spaßes beim Ansehen der Komödie ist es, Ralph Fiennes, F. Murray Abraham, Mathieu Amalric, Adrien Brody, Willem Dafoe, Jeff Goldblum, Harvey Keitel, Jude Law, Bill Murray, Edward Norton, Saoirse Ronan, Jason Schwartzman, Léa Seydoux, Tilda Swinton, Tom Wilkinson, Owen Wilson, Florian Lukas und Bob Balaban, in ihren teils cameohaften Auftritten, teils gut geschminkt oder mit Bart, zu erkennen. Außerdem steht das ja alles auf dem stylischen Plakat.

Ein weiterer Teil des Spaßes, jedenfalls für Filmfans, ist es, all die Anspielungen, Zitate und Reminiszenzen zu entdecken. In dem sicheren Gefühl, in dieser Sekunde gerade zwei verpasst zu haben. Denn „The Grand Budapest Hotel“ ist ein großartiger Spaß, in dem 1968 im nur noch schwach von seiner früheren Größe zehrendem Grand Budapest Hotel der seltsame Hotelbesitzer Zero Moustafa einem jungen Autor erzählt, wie er der Besitzer des mondänen Hotels wurde.

1932 begann er als Zero (und das war er damals) unter der strengen Fuchtel von Monsieur Gustave H., der als Chefconcierge gerade bei den älteren Damen sehr beliebt war, als Lobbyboy. Nach dem plötzlichen Tod der 84-jährigen Madame Céline Villeneuve Desgoffe und Taxis (kurz Madame D.), fahren sie zur Trauerfeier, haben ein unschönes Erlebnis an der Grenze, erfahren, dass Madame D. Monsieur Gustave ein wertvolles Gemälde vermachte und dass die aasigen Erben ihnen das Bild nicht gönnen. Monsieur Gustave und Zero stehlen es, flüchten zurück in das Grand Budapest Hotel und spätestens hier beginnt eine herrlich verwirrende Geschichte um Lug und Betrug, Mord, falsche Verdächtigungen und, wir ahnen es, Liebe, die so flott und so vergnüglich erzählt wird, dass man kaum zum Nachdenken kommt und auch überhaupt nicht über die Geschichte nachdenken will, denn eine wichtige Inspiration für die Filmgeschichte sind die Screwballkomödien und Serials der frühen dreißiger Jahre, in denen der Held von einer tödlichen Gefahr in die nächste stolpert. Erzählt wird das äußerst geschmackvoll und stilbewusst mit mehr als einem Hauch Billy Wilder und Ernst Lubitsch und einer Danksagung an Stefan Zweig, dessen Memoiren Anderson zu diesem Film inspirierten.

„The Grand Budapest Hotel“ ist ein sehr kurzweiliger, temporeicher Spaß voller Zitate, Witze und Überraschungen. Eine wahre cineastische Wundertüte, die man auch einfach als spritzige Komödie genießen kann.

The Grand Budapest Hotel - Plakat

The Grand Budapest Hotel (The Grand Budapest Hotel, USA/Deutschland 2014)

Regie: Wes Anderson

Drehbuch: Wes Anderson (nach einer Geschichte von Wes Anderson und Hugo Guiness)

mit Ralph Fiennes, Tony Revolori, F. Murray Abraham, Mathieu Amalric, Adrien Brody, Willem Dafoe, Jeff Goldblum, Harvey Keitel, Jude Law, Bill Murray, Edward Norton, Saoirse Ronan, Jason Schwartzman, Léa Seydoux, Tilda Swinton, Tom Wilkinson, Owen Wilson, Florian Lukas, Bob Balaban, Lisa Kreuzer

Länge: 101 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

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Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Homepage der Akademie Zubrowka

Film-Zeit über „The Grand Budapest Hotel“

Moviepilot über „The Grand Budapest Hotel“

Metacritic über „The Grand Budapest Hotel“

Rotten Tomatoes über „The Grand Budapest Hotel“

Wikipedia über „The Grand Budapest Hotel“ (deutsch, englisch)

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Einige Ausschnitte aus der Berlinale-Pressekonferenz (hier in ganzer Länge von gut 53 Minuten)

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Und noch mehr Ausschnitte aus dem Film (für die ganz Ungeduldigen, die auch gerne auf einige Überraschungen verzichten)


Neu im Kino/Filmkritik: Helmut Kohls blühende Landschaften „Mitgift“

März 6, 2014

 

Als Helmut Kohl 1990 von blühenden Landschaften sprach, die es in der DDR wieder geben sollte, dachte der damalige Bundeskanzler wahrscheinlich nicht an das, was Roland Blum in seiner Langzeitdokumentation „Mitgift“ zeigt. Nämlich Landschaften, in denen die Natur prächtig gedeiht und die Menschen in wunderschön restaurierten Innenstädten leben. Kohl und seine Zuhörer verstanden die „blühenden Landschaften“ als eine schiefe Metapher für einen rasanten ökonomischen Anschluss der DDR an die Bundesrepublik, Das war von der Wirklichkeit abgekoppeltes Wunschdenken. Denn damals war die DDR, nach den Statistiken, eine der führenden Industrienationen, die gerade ihre gesamten Absatzmärkte in Osteuropa verlor und deren Produkte gegenüber westlichen Produkten nicht konkurrenzfähig waren. Wer sich einen Golf kaufen konnte, verzichtete dankend auf einen Trabi. Die DDR war ein Unternehmen, das Produkte herstellte, die niemand mehr kaufen wollte. Da war ein Angleich der Ökonomien innerhalb weniger Jahre vollkommen illusionär und die Umweltkosten dieses dafür nötigen Wirtschaftswachstums wären enorm gewesen.

Damals, im Frühjahr 1990, zwischen Mauerfall und Wiedervereinigung, begann Roland Blum die DDR zu erkunden. Denn jetzt konnten Journalisten aus dem Westen sich in der noch existierenden, aber sich in Auflösung befindenden DDR frei bewegen und mit den Menschen reden, die auch, weil sie keine staatlichen Repressionen mehr fürchteten, redeten. Und er filmte die Umweltzerstörung. Damals wurden Gifte und Chemikalien von Firmen einfach ins Wasser geleitet. Abgase verpesteten ganze Gegenden. Die Anwohner hatten sich daran gewohnt, dass das Trinkwasser ungenießbar war.

2000 und 2013 besuchte Blum wieder die Orte, an denen er 1990 die zerstörte Umwelt filmte. Er dokumentierte die Veränderungen und unterhielt sich teilweise wieder mit den gleichen Leuten.

Das ist durchaus interessant. Denn durch den direkten Vergleich fällt auch auf, wie sehr sich die Umwelt in der ehemaligen DDR in den vergangenen Jahrzehnten verbesserte. Wie wirklich blühende Landschaften entstanden.

Aber nachdem man das Erzählprinzip verstanden hat (was nicht besonders lange dauert), langweilt „Mitgift“. Denn Blum sagt eigentlich immer wieder, an verschiedenen Orten, das gleiche: Damals war es schlimm, heute ist es gut. Und implizit auch: Seht her, wie toll die BRD die auch ökologisch marode DDR rettete. Der Kapitalismus ist gut.

Dass die ökologische Situation im Westen wenige Jahre früher nicht viel besser war, wird dagegen nicht erwähnt. Das Ruhrgebiet versank unter einer Wolke Kohlestaub. Die Wälder sahen teilweise wie Müllkippen aus. Den Rest besorgte das Waldsterben. Der Rhein diente als Abwasserkanal. Als 1988 der damalige Umweltminister Klaus Töpfer in den Rhein sprang, um seine Ungefährlichkeit zu demonstrieren, wurde die Aktion als idiotische PR-Aktion verlacht. Das Umweltministerium gibt es erst seit 1986, als Reaktion auf die Reaktorkatastrophe in Tschernobyl. Eine erstarkte Umweltbewegung und deren parlamentarischer Arm, die Grünen, kämpften seit den Siebzigern für eine saubere Umwelt, während die meisten Bundesbürger noch an sichere AKWs und das Recht auf den eigenen PKW glaubten.

Dass ein großer Teil des Umweltwunders in der ehemaligen DDR an einem kompletten Zusammenbruch der Industrie (denn wo nichts produziert wird, kann auch keine Umwelt verschmutzt werden), Arbeitslosigkeit und Flucht der Jüngeren aus ihrer Heimat, und einer großzügigen Förderung durch die Bundesregierung lagen, wird nur in Nebensätzen erwähnt.

Anstatt einer echten Analyse liefert Blum nur monothematische Impressionen des Wandels, die Umweltschützern gefallen können, weil es ihnen gelang, zahlreiche Biosphärenreservate (die für Westdeutschland auch ein einfacher Weg waren, um internationale Umweltziele zu erreichen) und, auf dem Grenzstreifen, das Grüne Band als Naturschutzgebiet festzulegen. Das sieht dann wie ein Sieg der DDR-Umweltbewegung aus. Gestandene CDUlern dürften in diesen Moment begeistert jauchzen, weil ihre Politik letztendlich doch zu blühenden Landschaften führten.

Mitgift - Plakat

Mitgift (Deutschland 2014)

Regie: Roland Blum

Drehbuch: Roland Blum

Länge: 101 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

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Hinweise

Homepage zum Film

Film-Zeit über „Mitgift“

Moviepilot über „Mitgift“

 


TV-Tipp für den 6. März: I, Robot

März 6, 2014

Vox, 20.15

I, Robot (USA 2004, R.: Alex Proyas)

Drehbuch: Jeff Vintar, Akiva Goldsman

LV: Isaac Asimov: I, Robot, 1950 (Ich, der Robot, Kurzgeschichtensammlung)

2035: Roboter nehmen uns viele Aufgaben ab. Als der Chefkonstrukteur der Firma US Robotics in den Tod stürzt, glaubt Polizist und Roboterhasser Del Spooner, dass der Konstrukteur von einem Roboter umgebracht wurde. Niemand glaubt ihm.

Unterhaltsamer SF-Actionthriller, der von Asimov vor allem die drei Robotergesetze übernommen hat. Denn Proyas interessiert sich vor allem für Design und Entertainment.

mit Will Smith, Bridget Moynahan, Alan Tudyk, James Cromwell, Bruce Greenwood, Chi McBride, Shia LaBeouf

Wiederholung:  Freitag, 7. März, 00.30 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über „I, Robot“ (deutsch, englisch)

Film-Zeit über “I, Robot”

Rotten Tomatoes über “I Robot”

Homepage von Isaac Asimov


TV-Tipp für den 5. März: Code 37: Sexsüchtig/Sehen und gesehen werden

März 5, 2014

ZDFneo, 22.30

Code 37: Sexsüchtig/Sehen und gesehen werden (Belgien 2009)

Regie: Jakob Verbruggen

Drehbuch: Hola Guapa

„Code 37“ ist in Belgien der Code der Staatsanwaltschaft für Sexualdelikte, wie sexuelle Gewalt, Vergewaltigung, Inzest, Kinderpornografie, Kindesmissbrauch, Pädophilie, Exhibitionismus, sexuelle Belästigung, sexuelle Diskriminierung und Prostitution.

In der belgischen Krimiserie „Code 37“ verfolgen wir die Fälle einer vierköpfigen Polizeieinheit, die sich in Gent nur mit Sexualdelikten beschäftigt, was für gestandene Krimifans schon einmal eine willkommene Ablenkung von den zahlreichen Mordermittlern ist.

Hannah Maes (gespielt von „Broken Circle“-Hauptdarstellerin Veerle Baetens – was allein schon ein Grund zum Einschalten ist) und ihre rein männlichen Untergebenen sind eine prächtig funktionierendes Team, bei dem die Arbeit und nicht persönliche Befindlichkeiten im Vordergrund stehen. Obwohl Bob De Groof Probleme mit einer Vorgesetzten hat. Dafür haben der ältere Verhörspezialist Charles Ruiters und der junge Computernerd Kevin Desmet keine Probleme mit ihr. Und, auch wenn wir einiges über Maes‘ Privatleben erfahren, stört es jedenfalls in den ersten beiden Folgen nicht die Polizeiarbeit.

In ihrem ersten gemeinsamen Fall „Sexsüchtig“ wollen sie herausfinden, wer eine 35-jährige Frau in einem Hotelzimmer strangulierte. Schnell finden sie heraus, dass die Tote keine Prostituierte, sondern eine sexsüchtige, verheiratete Headhunterin war. Entsprechend viele Affären hatte sie und die Ermittler haben etliche Tatverdächtige.

In „Sehen und gesehen werden“ wird die verprügelte Deborah Linden in ein Krankenhaus eingeliefert. Sie will allerdings keine Anzeige erstatten. Maes und ihr Team ermitteln trotzdem. Dabei bemerken sie, dass Linden Todesangst hat und dass sie von einem Nachbarn beobachtet wurde.

Nach den ersten beiden Fällen lautet mein Fazit: „Code 37“ ist ein ordentlicher Polizeikrimi mit vorhersehbaren Fällen, aber einem sympathischen Team und glaubwürdigen Fällen. Das macht Lust auf mehr.

ZDFneo strahlt in den kommenden Wochen, in Doppelfolgen, die ersten dreizehn Fälle aus. Für weiteren Nachschub ist gesorgt. Denn von 2009 bis 2012 entstanden 39 Folgen und, 2011, ein Kinofilm. .

mit Veerle Baetens (Hannah Maes), Michael Pas (Bob De Groof), Marc Lauwrys (Charles Ruiters), Gilles De Schrijver (Kevin Desmet), Geert Van Rampelberg (Koen Verberk), Carry Goossens (Robert Maes)

Hinweise

ZDF über „Code 37“

Wikipedia über „Code 37“


TV-Tipp für den 4. März: Little Miss Sunshine

März 4, 2014

Super RTL, 20.15

Little Miss Sunshine (USA 2006, R.: Jonathan Dayton, Valerie Faris)

Drehbuch: Michael Arndt

Die siebenjährige Olive Hoover will an einem Schönheitswettbewerb teilnehmen. Also macht sich die Familie (eine sympathische Ansammlung gescheiterter Existenzen) in einem klapprigen VW-Bus auf den Weg quer durch die USA.

„Sehenswert.“ (Lexikon des internationalen Films)

Ein Feelgood-Independent-Movie, das unter anderem zwei Oscars erhielt (Drehbuch und beste Nebenrolle, es war auch als bester Film des Jahres nominiert) und ein Kritiker- und Publikumserfolg war.

Mit Abigail Breslin, Greg Kinnear, Paul Dano, Alan Arkin, Toni Collette, Steve Carell

Hinweise

Film-Zeit über „Little Miss Sunshine“

Metacritic über “Little Miss Sunshine”

Rotten Tomatoes über “Little Miss Sunshine”

Wikipedia über “Little Miss Sunshine” (deutsch, englisch)

Go into the Story: Interview mit Michael Arndt (26. April 2009, aufgenommen wahrscheinlich 2006)

Meine Besprechung von Jonathan Dayton/Valerie Faris’ “Ruby Sparks – Meine fabelhafte Freundin” (Ruby Sparks, USA 2012)


TV-Tipp für den 3. März: Herr Ober!

März 3, 2014

BR, 22.00

Herr Ober! (Deutschland 1992, R.: Gerhard Polt, Fred Unger)

Drehbuch: Gerhard Polt

Gerhard Polt spielt Ernst Held, einen verkannten bayerischen Heimatdichter, der von seiner Frau, einer wohlhabenden Hotelbesitzerin, nach einem platonischem Seitensprung achtkantig rausgeworfen wird. Held beginnt sich als Kellner eher erfolglos durchzuschlagen, bis sein Werk im Fernsehen abgefeiert wird.

Nachdem Gerhard Polts neuer Film „…und Äktschn!“ ein veritables Desaster ist, lohnt sich ein Blick auf sein deutlich besseres Frühwerk. Auch wenn sein Regiedebüt „Herr Ober!“ nicht so gut wie „Kehraus“ und „Man spricht deutsch“ ist.

„Diese bierernste Nostalgie dominiert die bisweilen etwas einfallslos aneinandergereihten Elemente zeitgenössischer Gesellschaftssatire, bleibt dabei jedoch merkwürdig gegenstandslos. So ist Polts Regiedebüt weniger Komödie als vielmehr ein Heimatfilm ohne Heimat, dessen Ästhetik trotz aller Hiebe aufs Fernsehen von ebendiesem geprägt ist.“ (Fischer Film Almanach 1993)

„Bedächtig-behäbig inszenierte Komödie um einen liebenswert-aufrechten Toren, mit satirischen Spitzen gegen das Fernsehen und die Kultur-Schickeria.“ (Zoom)

Die Musik ist von den Biermösl Blosn.

mit Gerhard Polt, Christiane Hörbiger, Ulrike Kriener, Robert Meyer, Natalia Lapina, Eisi Gulp

Hinweise

Wikipedia über „Herr Ober!“

Filmportal über „Herr Ober!“

Meine Besprechung von Frederick Bakers „…und Äktschn!“ (Österreich/Deutschland 2013 – mit Gerhard Polt in der Hauptrolle)


TV-Tipp für den 2. März: The Descendants – Familie und andere Angelegenheiten

März 2, 2014

Pro 7, 20.15

The Descendants – Familie und andere Angelegenheiten (USA 2011, Regie: Alexander Payne)

Drehbuch: Alexander Payne, Nat Faxon, Jim Rash

LV: Kaui Hart Hemmings: The Descendants, 2009 (Mit deinen Augen, Neuveröffentlichung unter „The Descendants“)

Auch im Paradies haben die Menschen alltägliche Probleme. So muss Rechtsanwalt Matt King (George Clooney) sich auf Hawaii mit der weiteren Nutzung des Landes, das seit Generationen im Familienbesitz ist und von ihm verwaltet wird, herumschlagen, seine Frau liegt nach einem Bootsunfall im Koma und er muss sich jetzt um seine beiden Töchter kümmern. Da erfährt er, dass seine Frau einen Liebhaber hatte.

Paynes Film ist eine feine, warmherzige und lebenskluge Komödie über Familien und andere alltägliche Probleme. Sein neuester Film „Nebraska“ läuft gerade im Kino.

mit George Clooney, Shailene Woodley, Beau Bridges, Robert Forster, Judy Greer, Matthew Lillard, Nick Krause, Amara Miller, Mary Birdsong, Rob Huebel, Patricia Hastie

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „The Descendants“

Rotten Tomatoes über „The Descendants“

Wikipedia über „The Descendants“ (deutsch, englisch)

The Wall Street Journal: Interview mit Kaui Hart Hemmings über “The Descendants” (23. November 2011)

Stuttgarter Zeitung: Mein Interview mit Alexander Payne über „The Descendants“

Meine Besprechung von Alexander Paynes „The Descendants – Familie und andere Angelegenheiten“ (The Descendants, USA 2011, mit George Clooney)

Meine Besprechung von Alexander Paynes „Nebraska“ (Nebraska, USA 2013)

Alexander Payne in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Nat Faxon/Jim Rashs „Ganz weit hinten“ (The Way Way Back, USA 2013)


Die Oscar-Nominierungen 2014 – und meine Prognose der Gewinner (UPDATE: und die Gewinner)

März 1, 2014

(Update: 3. März: Oscar-Nacht ist um. Wie habe ich mich geschlagen? Einige Treffer sind dabei. Dass „Gravity“ so viele Oscars erhält, hätte ich nicht gedacht. Dass das von einem Briten inszenierte Sklavendrama bester Film wird, hätte ich auch nicht gedacht. Dass „American Hustle“ bei zehn Nominierungen und soviel Hype so schlecht abschneidet, wundert mich schon etwas. Dass meine Liebe zu „Nebraska“ nicht erwidert wird, enttäuscht mich. )

Dieses Jahr habe ich fast alle für die Oscars nominierten Filme gesehen und eine Vorhersage der Gewinner auf fundierter Basis machen; – wobei mehr Informationen nicht unbedingt zu besseren Entscheidungen führen. Aber das ist eine andere Geschichte.

Und, auch wenn einige grandiose Leistungen vergessen wurden, ist die Auswahl der Nominierten durchgängig verdammt gut und in der Nacht vom Sonntag zum Montag, wenn die Oscars verliehen werden, wissen wir mehr.

Für Nachteulen überträgt Pro7 ab 00.40 Uhr. Die Verleihung beginnt um 01.30 Uhr und endet um 05.50 Uhr.

Also, dann:

Best Motion Picture of the Year

American Hustle (2013)

Captain Phillips (2013)

Dallas Buyers Club (2013)

Gravity (2013)

Her (2013) (Besprechung zum Kinostart)

MEIN TIPP: Nebraska (2013)

Philomena (2013)

GEWINNER: 12 Years a Slave (2013)

The Wolf of Wall Street (2013)

–

Best Performance by an Actor in a Leading Role

Christian Bale für American Hustle (2013)

MEIN TIPP: Bruce Dern für Nebraska (2013)

Leonardo DiCaprio für The Wolf of Wall Street (2013)

Chiwetel Ejiofor für 12 Years a Slave (2013)

GEWINNER: Matthew McConaughey für Dallas Buyers Club (2013)

–

Best Performance by an Actress in a Leading Role

Amy Adams für American Hustle (2013)

GEWINNER/MEIN TIPP: Cate Blanchett für Blue Jasmine (2013)

Sandra Bullock für Gravity (2013)

Judi Dench für Philomena (2013)

Meryl Streep für Im August in Osage County (2013)

–

Best Performance by an Actor in a Supporting Role

Barkhad Abdi für Captain Phillips (2013)

Bradley Cooper für American Hustle (2013)

Jonah Hill für The Wolf of Wall Street (2013)

MEIN TIPP: Michael Fassbender für 12 Years a Slave (2013)

GEWINNER: Jared Leto für Dallas Buyers Club (2013)

–

Best Performance by an Actress in a Supporting Role

Sally Hawkins für Blue Jasmine (2013)

Julia Roberts für Im August in Osage County (2013)

GEWINNER: Lupita Nyong’o für 12 Years a Slave (2013)

Jennifer Lawrence für American Hustle (2013)

MEIN TIPP: June Squibb für Nebraska (2013)

–

Best Achievement in Directing

GEWINNER/MEIN TIPP: Alfonso Cuarón für Gravity (2013)

Steve McQueen für 12 Years a Slave (2013)

David O. Russell für American Hustle (2013)

Martin Scorsese für The Wolf of Wall Street (2013)

Alexander Payne für Nebraska (2013)

–

Best Writing, Screenplay Written Directly for the Screen

American Hustle (2013): Eric Warren Singer, David O. Russell

Blue Jasmine (2013): Woody Allen

GEWINNER: Her (2013): Spike Jonze

MEIN TIPP: Nebraska (2013): Bob Nelson

Dallas Buyers Club (2013): Craig Borten, Melisa Wallack

–

Best Writing, Screenplay Based on Material Previously Produced or Published

Before Midnight (2013): Richard Linklater (Manche Einordnungen verstehe ich nicht. Denn für mich gehört „Before Midnight“ in die „Directly for the Screen“-Kategorie)

Captain Phillips (2013): Billy Ray

GEWINNER/MEIN TIPP: 12 Years a Slave (2013): John Ridley

The Wolf of Wall Street (2013): Terence Winter

Philomena (2013): Steve Coogan, Jeff Pope

–

Best Animated Feature Film of the Year

Die Croods (2013)

Ich – Einfach unverbesserlich 2 (2013)

Ernest & Célestine (2012)

GEWINNER: Die Eiskönigin – Völlig unverfroren (2013)

Kaze tachinu (2013)

Kein Tipp, weil ich keinen der Filme kenne, aber „Die Eiskönigin“ soll sehr gut sein.

–

Best Foreign Language Film of the Year

The Broken Circle (2012): Felix Van Groeningen (Belgien)

L’image manquante (2013): Rithy Panh (Kambodscha)

Die Jagd (Jagten, 2012): Thomas Vinterberg (Dänemark)

GEWINNER/MEIN TIPP: La Grande Bellezza – Die große Schönheit (2013): Paolo Sorrentino (Italien)

Omar (2013): Hany Abu-Assad (Palästina)

–

Best Achievement in Cinematography

GEWINNER/MEIN TIPP: Gravity (2013): Emmanuel Lubezki

Inside Llewyn Davis (2013): Bruno Delbonnel

Nebraska (2013): Phedon Papamichael

Prisoners (2013): Roger Deakins

The Grandmaster (2013): Philippe Le Sourd

–

Ab jetzt wird es schwierig, weil es doch sehr speziell wird.

–

Best Achievement in Editing

MEIN TIPP: 12 Years a Slave (2013): Joe Walker

American Hustle (2013): Alan Baumgarten, Jay Cassidy, Crispin Struthers

GEWINNER: Gravity (2013): Alfonso Cuarón, Mark Sanger

Captain Phillips (2013): Christopher Rouse

Dallas Buyers Club (2013): Martin Pensa, John Mac McMurphy

–

Best Achievement in Production Design

12 Years a Slave (2013): Adam Stockhausen, Alice Baker

MEIN TIPP: American Hustle (2013): Judy Becker, Heather Loeffler

Gravity (2013): Andy Nicholson, Rosie Goodwin, Joanne Woollard

GEWINNER: Der große Gatsby (2013): Catherine Martin, Beverley Dunn

Her (2013): K.K. Barrett, Gene Serdena

–

Best Achievement in Costume Design

MEIN TIPP: American Hustle (2013): Michael Wilkinson

GEWINNER: Der große Gatsby (2013): Catherine Martin

12 Years a Slave (2013): Patricia Norris

The Grandmaster (2013): William Chang

The Invisible Woman (2013): Michael O’Connor

–

Best Achievement in Makeup and Hairstyling

GEWINNER: Dallas Buyers Club (2013): Adruitha Lee, Robin Mathews

MEIN TIPP: Jackass: Bad Grandpa (2013): Steve Prouty

Lone Ranger (2013): Joel Harlow, Gloria Pasqua Casny

–

Best Achievement in Music Written for Motion Pictures, Original Score

(Argh, wie soll ich mich an die Musik eines vor Monaten gesehenen Films erinnern? Und soll ich hier bewerten, wie sehr die Musik den Film unterstützt – was dazu führt, dass sie nicht auffällt – oder wie sehr sie als eigenständige CD funktioniert – was dazu führt, dass sie sehr wahrscheinlich die Filmgeschichte stört?)

Die Bücherdiebin (2013): John Williams (Besprechung zum Kinostart)

GEWINNER: Gravity (2013): Steven Price (War da Musik im Film?)

Her (2013): William Butler, Andy Koyama

MEIN TIPP: Saving Mr. Banks (2013): Thomas Newman (Besprechung zum Kinostart)

Philomena (2013): Alexandre Desplat

–

Best Achievement in Music Written for Motion Pictures, Original Song

Ich – Einfach unverbesserlich 2 (2013): Pharrell Williams („Happy“)

GEWINNER: Die Eiskönigin – Völlig unverfroren (2013): Kristen Anderson-Lopez, Robert Lopez („Let It Go“)

MEIN TIPP (obwohl es wahrscheinlich „Ich“ oder „Die Eiskönigin“ wird): Mandela: Der lange Weg zur Freiheit (2013): Bono, Adam Clayton, The Edge, Larry Mullen Jr., Brian Burton („Ordinary Love“)

Her (2013): Karen O („The Moon Song“)

–

Best Achievement in Sound Mixing

(Hm, was ist jetzt genau für mich als Zuschauer der Unterschied zwischen „Sound Mixing“ und „Sound Editing“ und wie groß ist der Einfluss des Kinos auf meine Wahrnehmung des Sounds?)

GEWINNER: Gravity (2013): Skip Lievsay, Niv Adiri, Christopher Benstead, Chris Munro

MEIN TIPP (weil diese Blockbuster immer einen Oscar in einer Nebenkategorie kriegen): Der Hobbit – Smaugs Einöde (2013): Christopher Boyes, Michael Hedges, Michael Semanick, Tony Johnson

Captain Phillips (2013): Chris Burdon, Mark Taylor, Mike Prestwood Smith, Chris Munro

Inside Llewyn Davis (2013): Skip Lievsay, Greg Orloff, Peter F. Kurland

Lone Survivor (2013): Andy Koyama, Beau Borders, David Brownlow

–

Best Achievement in Sound Editing

MEIN TIPP (weil der Film mehr Nominierungen verdient hätte): All Is Lost (2013): Steve Boeddeker, Richard Hymns

Captain Phillips (2013): Oliver Tarney

GEWINNER: Gravity (2013): Glenn Freemantle

Der Hobbit – Smaugs Einöde (2013): Brent Burge

Lone Survivor (2013): Wylie Stateman

–

Best Achievement in Visual Effects

GEWINNER/MEIN TIPP: Gravity (2013): Timothy Webber, Chris Lawrence, David Shirk, Neil Corbould

Der Hobbit – Smaugs Einöde (2013): Joe Letteri, Eric Saindon, David Clayton, Eric Reynolds

Iron Man 3 (2013): Christopher Townsend, Guy Williams, Erik Nash, Daniel Sudick

Lone Ranger (2013): Tim Alexander, Gary Brozenich, Edson Williams, John Frazier

Star Trek: Into Darkness (2013): Roger Guyett, Pat Tubach, Ben Grossmann, Burt Dalton

–

Best Documentary, Feature

MEIN TIPP: The Act of Killing (2012): Joshua Oppenheimer, Signe Byrge Sørensen

Cutie and the Boxer (2013): Zachary Heinzerling, Lydia Dean Pilcher

Schmutzige Kriege – Dirty Wars (2013): Rick Rowley, Jeremy Scahill

Al midan (2013): Jehane Noujaim, Karim Amer

GEWINNER: 20 Feet from Stardom (2013): Morgan Neville

–

Das war’s. Denn die folgenden Filme kenne ich nicht.

–

Best Documentary, Short Subject

Cavedigger (2013): Jeffrey Karoff

Facing Fear (2013): Jason Cohen

Karama Has No Walls (2012): Sara Ishaq

GEWINNER: The Lady In Number 6 (2013): Malcolm Clarke, Carl Freed

Prison Terminal: The Last Days of Private Jack Hall (2013): Edgar Barens

–

Best Short Film, Animated

Feral (2012): Daniel Sousa, Dan Golden

Get a Horse! (2013): Lauren MacMullan, Dorothy McKim

GEWINNER: Mr Hublot (2013): Laurent Witz, Alexandre Espigares

Tsukumo (2012): Shuhei Morita

Room on the Broom (2012) (TV): Max Lang, Jan Lachauer

–

Best Short Film, Live Action

Aquel no era yo (2012): Esteban Crespo

Avant que de tout perdre (2013): Xavier Legrand

GEWINNER: Helium (2014): Anders Walter

Pitääkö mun kaikki hoitaa? (2012): Selma Vilhunen

The Voorman Problem (2012): Mark Gill


Neu im Kino/Filmkritik: Die introvertierte Komödie „Viva la Libertà“

März 1, 2014

Italien ist – jedenfalls politisch betrachtet – ein Irrenhaus, das damit auch die Vorlage für entsprechende Satiren bietet. Auch „Viva la Libertà“ ist eine Satire auf die italienische Politik.

Enrico Oliveri (Toni Servillo) ist der Vorsitzende der wichtigsten Oppositionspartei. Aber die Umfragen sind mies, alle kritisieren ihn und hoffen doch auf ihn, weil sie keine Alternative haben. Ihm wird das alles zu viel und er verschwindet spurlos. Sein engster Mitarbeiter Andrea Bottini (Valerio Mastandrea) deckt ihn zunächst, aber alle fragen nach Enrico. Da erfährt er von Enricos Bruder Giovanni (wieder Toni Servillo) und als dieser spontan in einem Restaurant einem Polit-Journalisten ein Interview als Enrico gibt und der Journalist glücklich über das Exclusiv-Interview von dannen zieht, hat Bottini eine grandiose Idee. Der Doppelgänger kann doch einige Tage den Parteivorsitzenden spielen. Das Aussehen passt und Giovanni muss halt einfach still sein.

Aber Giovanni, ein exzentrischer Philosoph zwischen Genie und Wahnsinn, der bis vor kurzem in einer geschlossenen Anstalt war und schon seit Ewigkeiten nicht mehr mit seinem Bruder gesprochen hat, denkt nicht daran. Mit einem beseelten Lächeln stellt er sich vor die Mikrofone und becirct die Massen mit halbphilosophischen Sentenzen. Die Öffentlichkeit ist begeistert. Endlich redet ein Politiker Klartext und spricht die Probleme des Landes ohne Scheuklappen an. Für mich waren Giovannis Sätze dagegen nur allgemeines Geplauder, das sich, mit abendländischer Bildung gesättigt, schön anhörte, aber nur mit anderen Worten, teils sogar noch wolkiger, die Sprechblasen der Politiker wiederholte.

Aber neben der Geschichte von Giovanni erzählt Roberto Andò, der die Vorlage und das Drehbuch schrieb und Regie führte, auch die Geschichte von Enrico, der nach Frankreich zu einer alten Geliebten (Valeria Bruni Tedeschi) flüchtete, bei ihr untertaucht, sich mit ihrem neuen Freund, einem Regisseur, über Filme unterhält (denn die Oliveri-Brüder sind auch große Filmfans) und schließlich bei dem Dreh für einen Film mithilft. Hier findet er sein kleines Glück. Jedenfalls für den Moment.

„Viva la Libertà“ ist eine im gemäßigten Tempo erzählte melancholische Komödie der leisen Tönen, in der wenig über die italienische Politik (als Politik-Komödie versagt der Film kläglich), aber viel über die Midlife-Crises eines Mannes erfahren. Denn Enrico fragt sich, ob er in der Vergangenheit die richtigen Entscheidungen getroffen hat oder ob er nicht doch mit Danielle und einer Arbeit im Filmgeschäft glücklicher geworden wäre.

Und Toni Servillo (zuletzt „La Grande Bellezza – Die große Schönheit“) liefert in einer Doppelrolle eine weitere Glanzleistung.

Viva la Liberta - Plakat

Viva la Libertà (Viva la Libertà, Italien 2013)

Regie: Roberto Andò

Drehbuch: Roberto Andò, Angelo Pasquin

LV: Roberto Andò: Il trono vuoto, 2012

mit Toni Servillo, Valerio Mastandrea, Valeria Bruni Tedeschi, Michela Cescon, Anna Bonaiuto, Eric Trung Nguyen

Länge: 96 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

–

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Viva la Libertà“

Moviepilot über „Viva la Libertà“

Rotten Tomatoes über „Viva la Libertà“ (derzeit noch keine Besprechungen)

Wikipedia über „Viva la Libertà“ (englisch, italienisch)


TV-Tipp für den 1. März: Sphere – Die Macht aus dem All

März 1, 2014

RTL II, 22.35

Sphere – Die Macht aus dem All (USA 1998, Regie: Barry Levinson)

Drehbuch: Stephen Hauser, Paul Attanasio, Kurz Wimmer (Adaption)

LV: Michael Crichton: Sphere, 1987 (Sphere – Die Gedanken des Bösen)

Als auf dem Meeresgrund ein Raumschiff entdeckt, wird, soll eine Gruppe Wissenschaftler es erforschen – und wird schnell mit seltsamen Ereignissen konfrontiert.

Science-Fiction-Film, der das Genre nicht neu erfindet und zu lang geraten ist (134 Minuten!), aber mit einer guten Besetzung punktet.

„befriedigendem Film“ (Fischer Film Almanach 1999)

mit Dustin Hoffman, Sharon Stone, Samuel L. Jackson, Peter Coyote, Lief Schreiber, Queen Latifah

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Sphere“

Wikipedia über „Sphere“ (deutsch, englisch)

Mein Nachruf auf Michael Crichton

Meine Besprechung von Barry Levinsons „The Bay – Nach Angst kommt Panik“ (The Bay, USA 2012)


Neu im Kino/Filmkritik: Die Katholikin „Philomena“ sucht ihr Kind

Februar 28, 2014

 

Nachdem Stephen Frears mit seinem vorherigen Film „Lady Vegas“ (Lay the Favorite) so richtig daneben griff, kehrt er mit „Philomena“ wieder zur alten Stärke zurück, indem er, genau beobachtend und vielschichtig, eine einfache Geschichte erzählt, die von den Schauspielern und den pointierten Dialogen getragen wird. Außerdem handelt es sich um eine wahre Geschichte, die Martin Sixsmith zu einem Sachbuch verarbeitete, das die Vorlage für „Philomena“ ist. Dabei war Martin Sixsmith zuerst überhaupt nicht begeistert von der Geschichte. Aber nachdem der große BBC-Polit-Journalist nach einer spitzen Bemerkung als Berater der Tony-Blair-Regierung entlassen wurde, benötigte er das Geld und er nahm die Human-Interest-Geschichte – ein journalistisches Genre, das er für den Bodensatz des Bodensatzes hält – nur widerwillig an. Eigentlich überlegte er nur, wie er den Auftrag möglichst schnell erledigen könnte. Aber das war, bevor er Philomena Lee kennen lernte und er merkte, dass die katholische Kirche jede Hilfe verweigert.

Vor etwas über fünfzig Jahren, 1952, wurde Philomena im streng katholischen Irland als junges, unverheiratetes, katholisches Mädchen schwanger. Eine Sünde, für die sie von ihren Eltern in das Kloster in Roscrea abgeschoben wird. Dort, in der Sean Ross Abtei, muss sie, wie viele andere Sünderinnen in der Wäscherei schuften. Ihre Kinder wurden zur Adoption freigegeben; – eigentlich in die USA verkauft, während die Mütter nicht gefragt wurden, Frondienste leisteten und von den Schwestern wie Sklavinnen gehalten wurden. Nach außen inszenierten die Schwestern sich, wie auch die Kirche, als Wohltäterinnen. 1955 wurde Philomenas Kind verkauft.

Jetzt fragt sie sich, was aus ihrem Sohn wurde. Zusammen mit Martin Sixsmith besucht sie die Sean Ross Abtei, aber die Schwestern sagen ihnen nichts.

Im Dorfpub erfährt Sixsmith von den Verkäufen der Bastarde an reiche US-Amerikaner. Gemeinsam mit Philomena verfolgt er die vielversprechende Spur in die USA – und wer die Geschichte von Philomena Lee aus den Medien kennt, dürfte jetzt keine großen Überraschungen erleben. Jedenfalls nicht bei der Identität von ihrem Sohn.

Dafür schreibt hier das echte Leben eine viel bittere Geschichte. Denn ihr Sohn ist tot und seine letzten Wünsche wurden von der katholischen Kirche ignoriert.

Bis dahin lernen sich der arrogante, weltgewandte Upper-Class-Journalist Sixsmith und die Working-Class-Frau, die immer noch eine gläubige Katholikin ist, begeistert Kitschromane liest und nie ihr Land verlassen hat, besser kennen und, dank des pointierten Drehbuchs von Steve Coogan und Jeff Pope, der gewohnt souveränen Regie von Stephen Frears („Die Queen“, „The Snapper“, „Grifters“, „Gefährliche Liebschaften“, „Mein wunderbarer Waschsalon“) und dem grandiosen Spiel von Steve Coogan und Judi Dench werden die offensichtlichen Fallen der Geschichte souverän umschifft.

„Philomena“ ist eine zu Herzen gehende Geschichte über die Suche nach dem verlorenen Sohn, eine kühle, die Fakten sprechende Anklage gegen die katholische Kirche, die witzige Geschichte eines seltsamen Paares und auch ein Moralstück. Denn wie soll man mit Unrecht umgehen?

Am Ende des Films verlässt man, trotz der düsteren Geschichte, beschwingt das Kino. „Philomena“ ist ein feiner, kleiner Film, der letztes Jahr beim Filmfestival in Venedig seine Premiere feierte, Publikumsliebling war und neun Preise erhielt. Seitdem erhielt das Drama etliche weitere Preise und wurde für vier Oscars, unter anderem als Bester Film, nominiert.

Philomena - Plakat

Philomena (Philomena, Großbritannien 2013)

Regie: Stephen Frears

Drehbuch: Steve Coogan, Jeff Pope

LV: Martin Sixsmith: The Lost Child of Philomena Lee, 2009 (Philomena – Eine Mutter sucht ihren Sohn)

mit Judi Dench, Steve Coogan, Sophie Kennedy Clark, Anna Maxwell Martin, Ruth McCabe, Kate Fleetwood, Peter Hermann, Mare Winningham, Michelle Fairley

Länge: 98 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

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Hinweise

Englische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Philomena“

Moviepilot über „Philomena“

Metacritic über „Philomena“

Rotten Tomatoes über „Philomena“

Wikipedia über „Philomena“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Stephen Frears „Lady Vegas“ (Lay the Favorite, USA/GB 2012)

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Und noch einige Interviews

mit Philomena Lee und ihrer Tochter Jane

mit Stephen Frears (Regie) und Steve Coogan (Produktion, Drehbuch, Hauptrolle)


TV-Tipp für den 28. Februar: Teufel in Blau

Februar 28, 2014

ZDFneo, 22.00

Der Teufel in Blau (USA 1995, R.: Carl Franklin)

Drehbuch: Carl Franklin

LV: Walter Mosley: Devil in a blue dress, 1990 (Teufel in Blau)

Los Angeles, 1948: Amateurdetektiv Easy Rawlins soll Daphne finden. Aber Daphne hat es faustdick hinter den Ohren.

Franklins gelungene Verfilmung von Mosley Debütroman. „Teufel in Blau“ ist ein Film Noir, der seine Vorbilder aus der Schwarzen Serie immer deutlich zitiert und damit immer zum gut gemachten, aber auch langweiligem Ausstattungskino tendiert.

Mit Denzel Washington, Tom Sizemore, Jennifer Beals, Don Cheadle

Wiederholung: Samstag, 1. März, 01.45 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Teufel in Blau“

Wikipedia über „Teufel in Blau“ (deutsch, englisch)

Thrilling Detective über Easy Rawlins

Homepage von Walter Mosley

Meine Besprechung von Walter Mosleys Kurzroman „Archibald Lawless: Freier Anarchist“ in Ed McBains „Die hohe Kunst des Mordens“ (Transgressions, 2005)

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Walter Mosleys neue Kriminalromane erscheinen inzwischen bei Suhrkamp.