Neu im Kino/Filmkritik: „Erbarmen“ – ein weiterer skandinavischer Thriller

Januar 23, 2014

Nach einem missglückten Einsatz wird Carl Mørck befördert und gleichzeitig abgeschoben. Er soll das neue Sonderdezernat Q leiten, das alte, nicht aufgeklärte Fälle noch einmal untersucht. Das Dezernat ist irgendwo im Keller des Kopenhagener Polizeigebäudes und erst nach Protesten erhält er einen Assistenten, der sich vor allem um die Aktenablage kümmern soll. Aber Assad ist nicht auf den Kopf gefallen. Der Flüchtling erweist sich schnell als unersetzliche Hilfe für Mørck.

Gemeinsam nehmen sie sich den Fall Merete Lyngaard noch einmal vor. Die Politikerin verschwand vor einigen Jahren spurlos von einer Fähre. Die ermittelnden Beamten schlossen den Fall als mutmaßlichen Suizid ab.

Aber Mørck und Assad entdecken schnell Ungereimtheiten und Lücken in den Ermittlungen. Sie gehen von einem Mord aus.

In dem Moment wissen wir allerdings, dass Merete seit Jahren in einer Druckkammer gefangen gehalten wird. Ihr Entführer, der nicht mit ihr redet, will, dass sie ihm sagt, warum er sie einsperrte.

„Erbarmen“ ist die Verfilmung von Jussi Adler-Olsens erstem Sonderdezernat-Q-Roman. Für die Verfilmung wurden die Ermittlungen von Mørck und Assad in eine stringente Form gebracht und auch einige Szenen wurden verändert. So gelingt es im Film Assad die Schutzmauer von Meretes geistig behindertem Bruder Uffe zu durchbrechen, indem er geduldig eine Beziehung zu ihm aufbaut. Im Roman versucht das Mørck mit der Sensibilität einer Dampfwalze. Es gibt allerdings immer noch mehrere Szenen zwischen Mørck und seinem Sohn, die nur deshalb im Film sind, weil sie in einer längeren TV-Fassung (wenn es sie gibt) oder den nächsten Adler-Olsen-Verfilmungen wichtiger werden. Immerhin ist der zweite Sonderdezernat-Q-Roman schon verfilmt und Adler-Olsen will insgesamt zehn Sonderdezernat-Q-Romane schreiben.

Allerdings hat der Film, wie schon der Roman, mit einem vollkommen unglaubwürdigem Bösewicht zu kämpfen, was den Film, der von Mikkel Nørgaard in bester Skandinavischer-Thriller-Tradition inszeniert wurde, von einem spannenden Polizeithriller zu einer hanebüchenen Kriminalgeschichte werden lässt.

Erbarmen - Plakat - 4

Erbarmen (Kvinden i buret, Dänemark/Deutschland/Schweden 2013)

Regie: Mikkel Nørgaard

Drehbuch: Nikolaj Arcel

LV: Jussi Adler-Olsen: Kvinden i buret, 2008 (Erbarmen)

mit Nikolaj Lie Kaas, Fares Fares, Sonja Richter, Mikkel Boe Følkstar, Søren Pilmark, Troels Lyby

Länge: 97 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

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Die Vorlage

Adler-Olsen - Erbarmen - Movie-Tie-In

Jussi Adler-Olsen: Erbarmen

(übersetzt von Hannes Thiess)

dtv premium 2009

420 Seiten

14,90 Euro (dtv premium)

9,95 Euro (Taschenbuch)

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Zum Filmstart erschien ein Movie-Tie-In.

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Originalausgabe

Kvinden i buret

Politikens Forlagshus A/S, Kopenhagen, 2008

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Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Erbarmen“

Moviepilot über „Erbarmen“

Rotten Tomatoes über „Erbarmen“

Dänische Homepage von Jussi Adler-Olsen

Deutsche Homepage von Jussi Adler-Olsen

Krimi-Couch über Jussi Adler-Olsen

Wikipedia über Jussi Adler-Olsen

Meine Besprechung von Jussi Adler-Olsens „Erbarmen“ (Kvinden i buret, 2008)


Neu im Kino/Filmkritik: Jason Statham sorgt an der „Homefront“ für Ordnung

Januar 23, 2014

 

Schon der Blick auf die Besetzung verrät, dass „Homefront“ nicht das übliche hirnlose Jason-Statham-Actionfeuerwerk ist. Denn neben Jason Statham spielen James Franco, Winona Ryder und Kate Bosworth mit. Gary Fleder ist der Regisseur. Er inszenierte vorher die durchaus sehenswerten Thriller „Das Leben nach dem Tod in Denver“, die James-Patterson-Verfilmung „Denn zum Küssen sind sie da“ und die John-Grisham-Verfilmung „Das Urteil“.

Auch „Homefront“ ist sicher kein künftiger Klassiker, aber ein sehenswerter, angenehm altmodischer Action-Film in dem die Charaktere, ihre oft durchaus vollkommen vernünftige Absichten, ihre Beziehungen und die daraus entstehende, letztendlich tödliche Dynamik im Mittelpunkt stehen. Die Geschichte beginnt mit einer alltäglichen Schulhofrauferei. Die neue Klassenkameradin Maddy (Izabela Vidovic) lässt sich die Sticheleien von einem Mitschüler nicht gefallen und, nachdem sie ihn mehrmals warnte, schickt sie ihn mit einem geübten Selbstverteidigungsgriff auf den Boden. Eigentlich hat sie alles richtig gemacht. Dummerweise ist der Junge der Sohn von Cassie Bodine Klum (Kate Bosworth), der drogensüchtigen Schwester von Gator Bodine (James Franco), einem lokalen Chrystal-Meth-Hersteller, der auch die Polizei bezahlt. Cassie möchte, dass Gator etwas gegen die Brokers, die sie und ihre Familie gedemütigt haben, unternimmt.

Maddys Vater Phil Broker (Jason Statham) will dagegen in der Louisiana-Kleinstadt Rayville nur seine Ruhe haben und als einfacher Schreiner Geld verdienen. Seit kurzem ist er Witwer und er war Undercover-Agent der Polizei. Zuletzt gegen die Rockerbande „The Outlaws“, deren Festnahme zu einer für etliche Rocker tödlichen Schießerei wurde.

Als Gator von Brokers Vergangenheit erfährt, informiert er die Biker, die sich an Broker rächen wollen. Gator hofft mit ihnen ins Geschäft zu kommen und vom lokalen Meth-Hersteller zu einem überregionalem Lieferanten aufzusteigen. Aber er setzt jetzt endgültig eine tödliche Dynamik in Gang.

„Homefront“ ist, wie Dwayne Johnsons „Snitch – Ein riskanter Deal“, ein sich an den Actionfilmen der siebziger Jahre orientierender Thriller, der seine Geschichte langsam, aus heutiger Sicht sogar sehr langsam und auch, wie bei einem Western, vorhersehbar zum großen Showdown hin erzählt. Im Mittelpunkt stehen dabei die Charaktere, ihre Motive und wie sie und die daraus erwachsenden Taten sich verhängnisvoll, konsequent und in ihrer Alltäglichkeit erschreckend nachvollziehbar zum tödlichen Showdown hin entwickeln. Hätte Maddy sich nicht gewehrt, wäre Cassie Bodine Klum nicht so hasserfüllt und obergluckenhaft, hätte Gator Bodine nicht so große Pläne, könnten sie alle noch friedliche miteinander Leben. Broker nimmt dabei, wie in einem klassischen Western, die Rolle des Außenseiters ein, der nur seine Ruhe haben will, sich aber wehrt, wenn er oder seine Tochter bedroht werden und so letztendlich auch seinen Teil zur tödlichen Dynamik beiträgt. „Homefront“ ist auch eine Studie in Dummheit und Starrköpfigkeit.

Sylvester Stallone, der das Drehbuch ursprünglich für sich schrieb und auch daran dachte, ein John-Rambo-Abenteuer daraus zu machen, knüpft gelungen an sein Frühwerk, zwischen „Rocky“ und „Rambo“, an.

Gary Fleder inszenierte seinen ruhigen Thriller solide mit einem Blick für die Landschaft und die Struktur der Dorfgemeinschaft, aber auch etwas hektisch geschnittenen Action-Sequenzen.

So ist „Homefront“ ein guter Action-Thriller, der sich an Siebziger-Jahre-Thrillern orientiert, ohne ihnen etwas wirklich neues hinzuzufügen, und traditionsbewusste Genrejunkies gut unterhält. Jason-Statham-Fans, die ihn vor allem als „Transporter“ oder „Crank“-JoJo-Männchen sehen wollen, dürften dagegen wieder einmal enttäuscht sein: zu Ernst, zu viel Set-Up, zu wenig Action und die ist dann auch noch von der realistisch handgemachten Sorte.

Homefront - Plakat

Homefront (Homefront, USA 2013)

Regie: Gary Fleder

Drehbuch: Sylvester Stallone

LV: Chuck Logan: Homefront, 2005

mit Jason Statham, James Franco, Winona Ryder, Kate Bosworth, Frank Grillo, Izabela Vidovic, Rachelle Lefevre, Clancy Brown

Länge: 100 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

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Hinweise

Amerikanische Facebook-Seite zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Homefront“

Moviepilot über „Homefront“

Metacritic über „Homefront“

Rotten Tomatoes über „Homefront“

Wikipedia über „Homefront“ 

Homepage von Chuck Logan

Blu-ray: Interview mit Chuck Logan (24. November 2013)

 

 


Neu im Kino/Filmkritik: „Hannas Reise“ nach Israel

Januar 23, 2014

 

Das lief nicht gut. Zuerst erzählt Hanna bei einem Vorstellungsgespräch etwas von einem Praktikum mit Behinderten in Israel, was ihre zukünftigen Arbeitgeber wegen ihres sozialen Engagements beeindruckt, und dann will ihre Mutter, die Chefin von „Aktion Friedensdienste“ ist, ihr nicht einfach eine Bestätigung ausstellen, sondern verschafft ihr den Praktikumsplatz.

Stinkig bis zum Anschlag fliegt Hanna nach Israel. Bis jetzt hatte die BWL-Studentin nur ihre Karriere und ihre Kleider im Kopf. In Tel Aviv soll sie sich um Behinderte kümmern und mit Holocaust-Überlebenden reden. Übernachten kann sie in einer WG, die von „Aktion Friedensdienste“ bezahlt wird, in der zwei weitere Praktikanten leben und die wie eine typische, abbruchreife Studentenbude aussieht. Via Skype klagt sie ihrem Freund, der ebenfalls seine Banker-Karriere fest im Blick hat, ihr Leid.

Aber dann beginnt sie sich – notgedrungen – zu arrangieren und die Reise folgt, erwartungsgemäß, den Pfaden des Entwicklungsromans.

In „Hannas Reise“ erzählt Julia von Heinz feinfühlig und ohne allzu hoch erhobenen Zeigefinger die Geschichte einer Studentin, die zum ersten Mal über ihr Leben und ihre Ziele nachdenken muss. Gleichzeitig wirft sie einen Blick in die israelische Gesellschaft, die seit Jahrzehnten in einem ständigen Kriegszustand lebt und wie das das Leben der Jüngeren beeinflusst. So wollte Itay, der nette Leiter der Behindertengruppe, eigentlich mit einem Freund nach Berlin ziehen. Aber wegen seiner Familie blieb der Ex-Soldat in Tel Aviv. Dieser Blick in das Irrenhaus Jerusalem gewinnt in „Hannas Reise“ allerdings niemals die schwarzhumorige Verzweiflung von „45 Minuten bis Ramallah“. Außerdem spricht „Hannas Reise“ den Holocaust-Praktikumstourismus an. Denn Hannas WG-Genossen, die auf den ersten Blick wie linksorientierte, sozial engagierte Studenten wirken, haben das Praktikum auch nur als den Lebenslauf schönende Station angenommen.

Und Hanna, die bei Gesprächen mit Holocaust-Überlebenden auch einiges über ihre Familiengeschichte erfährt, fragt sich, wie sehr die Vergangenheit doch etwas mit ihr zu tun hat. Mit ihrer Mutter, mit der sie sich nicht besonders gut versteht, hat sie nie darüber gesprochen.

„Hannas Reise“ hat etwas von einem wohl abgewogenem Kommissionsfilm: gut gemacht, ausgewogen und brav den Konventionen folgend. Vieles ist gelungen, nichts ist wirklich misslungen, aber nichts begeistert wirklich und nichts bringt einen wirklich zum Nachdenken. Ein Film, der wahrscheinlich Fünfzigjährigen besser als Zwanzigjährigen gefällt.

Hannas Reise - Plakat

Hannas Reise (Deutschland/Israel 2013)

Regie: Julia von Heinz

Drehbuch: John Quester, Julia von Heinz (frei nach Motiven von Theresa Bäuerleins Roman „Das war der gute Teil des Tages“)

mit Karoline Schuch, Doron Amit, Max Mauff, Lore Richter, Trystan Pütter, Lia König, Suzanne von Borsody

Länge: 100 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

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Hinweise

Homepage zum Film

Film-Zeit über „Hannas Reise“

Moviepilot über „Hannas Reise“

 

 


Neu im Kino/Filmkritik: Sechs Profiler werfen einen „Blick in den Abgrund“

Januar 23, 2014

Profiler – das sind doch diese Typen, die für die Polizei aus dem Nichts supergenaue Profile von Serienmördern erstellen, sich in unterirdischen Verliesen mit Typen wie Hannibal Lector treffen und dann im Alleingang die Mörder zur Strecke bringen.

Nun, ganz so nervenzerrend wie in „Das Schweigen der Lämmer“ ist die Arbeit von Profilern in der schnöden Realität dann doch nicht. Obwohl es, wie Barbara Eder in ihrer sehenswerten Dokumentation „Blick in den Abgrund“ zeigt, auch kein Job für Jeden ist. So wurde Gérard Labuschagne mit 29 Jahren der Leiter der Investigative Psychology Section der südafrikanischen Polizei, weil seine Vorgängerin die Arbeit nicht mehr ertrug. In den vergangenen elf Jahren ermittelte er in über 110 Serienmorden und über 200 Serienvergewaltigungen.

Neben ihm porträtiert Eder die finnische forensische Psychologin Helinä Häkkänen-Nyholm, die zur Entspannung mit ihrem Freund angeln geht und sich dabei doch ständig mit der Arbeit beschäftigt. In Deutschland begleitet sie Kriminalhauptkommissar Stephan Harbort, der bei uns auch als Buchautor bekannt ist, der in Berlin einen Tathergang rekonstruiert, indem er den Tatort besucht. Er unterhält sich auch mit einem Serientäter. In den USA unterhielt sie sich mit der forensischen Psychiaterin Helen Morrison, die inzwischen auch als Buchautorin bekannt ist, und den beiden ehemaligen FBI-Agenten Roger L. Depue und Robert R. Hazelwood, die Thomas Harris bei seinem Roman „Das Schweigen der Lämmer“ berieten. Inzwischen haben sie die Academy Group, einen Zusammenschluss ehemaliger Profiler, gegründet und erstellen weiterhin Profile von Serientätern.

Eder porträtiert in ihrer gut gemachten und informativen Doku, die von ihrer Struktur und den Bildern genausogut im TV laufen könnte, die Profiler bei der Arbeit und im Privatleben und weil sie die Porträts ineinander verschränkt, entsteht das Bild einer globalen Beschäftigung mit dem Thema Serienmord und wie die einzelnen Profiler sich ihrem Täterprofil, das keine exakte Wissenschaft ist, nähern.

Einen viel zu großen Raum nimmt dabei Helen Morrison ein, die ihre Theorie von dem Serienmörder-Gen, beziehungsweise Anomalien, die nur im Gehirn von Serienmördern vorkommen, ausführlich vorstellen darf. Sie möchte es finden und isolieren.

Immerhin verwerfen die anderen Profiler, wenn sie darauf angesprochen werden, diese abstruse Theorie. Dafür seien die Unterschiede zwischen den Serienmördern zu groß und die meiste Zeit sei auch ein Serienmörder ein ganz normaler Nachbar.

Blick in den Abgrund - Plakat

Blick in den Abgrund (Österreich/Deutschland 2013)

Regie: Barbara Eder

Drehbuch: Barbara Eder

mit Roger L. Depue, Helinä Häkkänen-Nyholm, Stephan Harbort, Robert R. Hazelwood, Gérard N. Labuschagne, Helen Morrison

Länge: 88 Minuten (Original mit deutschen Untertiteln)

FSK: ab 16 Jahre

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Hinweise

Homepage zum Film

Film-Zeit über „Blick in den Abgrund“

Moviepilot über „Blick in den Abgrund“

Stephan Harbort in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 23. Januar: Easy Money

Januar 23, 2014

Arte, 21.45

Easy Money (Schweden/Dänemark/Deutschland 2009, R.: Daniel Espinosa)

Drehbuch: Maria Karlsson

LV: Jens Lapidus: Snabba Cash – Hatet Drivet Jakten, 2006 (Spur der Angst)

Einige Männer wollen mit Drogendeals das große Geld verdienen. Dummerweise durchkreuzen sich ihre Pläne und aus dem „Easy Money“ wird ein blutiger Bandenkrieg in Stockholms Unterwelt.

„Souverän und spannend inszenierter düsterer Thriller. (…) überzeugt (…) als moderne ‚Film Noir‘-Variante über den Preis des Geldes.“ (Lexikon des internationalen Films)

Der Roman war ein Bestseller, der Film ein Erfolg, ein US-Remake ist geplant und Daniel Espinosa drehte seinen nächsten Film „Safe House“ (mit Denzel Washington und Ryan Reynolds) mit Hollywood-Geld in Südafrika. Derzeit ist er in der Postproduktion seiner Tom-Rob-Smith-Verfilmung „Child 44“ (nach einem Drehbuch von Richard Price). Auch Hauptdarsteller Joel Kinnamann verschlug es nach Hollywood. Er ist der neue „Robocop“.

mit Joel Kinnamann, Matias Padin Varela, Dragomir Mrsic, Mahmut Suvakci, Jones Danko, Lisa Henni, Fares Fares

Hinweise

Film-Zeit über „Easy Money“

Moviepilot über „Easy Money“

Metacritic über „Easy Money“

Rotten Tomatoes über „Easy Money“

Wikipedia über „Easy Money“ (deutsch, englisch)

Homepage von Jens Lapidus

Krimi-Couch über Jens Lapidus

Meine Besprechung von Daniel Espinosas „Sebastian Bergman – Spuren des Todes 1“

Meine Besprechung von Daniel Espinosas „Safe House“ (Safe House, USA 2012)


TV-Tipp für den 22. Januar: Heist – Der letzte Coup

Januar 22, 2014

Kabel 1, 22.40

Heist – Der letzte Coup (USA 2001, R.: David Mamet)

Drehbuch: David Mamet

Nachdem Meisterdieb Joe Moore bei einem Diebstahl von einer Überwachungskamera gefilmt wird, will er aussteigen. Aber sein Hehler Mickey Bergman erpresst ihn zu einem letzten großen Coup. Ab diesem Moment kämpfen sie gegeneinander.

Dank der guten Schauspieler und des wendungsreichen Drehbuchs von Regisseur David Mamet ist dieser Film vom letzten großen, perfekt ausgeführten Coup und den sich gegenseitig betrügenden Gaunern ein einziges Vergnügen. Denn „Heist – Der letzte Coup“ ist gutes Genrekino, präsentiert von einem Meister, der hier tief in seiner Trickkiste wühlt.

Mit Gene Hackman, Danny DeVito, Delroy Lindo, Sam Rockwell, Rebecca Pidgeon

Wiederholung: Donnerstag, 23. Januar, 03.10 Uhr (Taggenau!)

Hinweise:

Drehbuch von David Mamet

Moviepilot über „Heist“

Metacritic über „Heist“

Rotten Tomatoes über „Heist“

Wikipedia über „Heist“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von David Mamets „Bambi vs. Gorilla – Über Wesen, Zweck und Praxis des Filmbusiness“ (Bambi vs. Gorilla – On the Nature, Purpose, and Practice of the Movie Business, 2007)

David Mamet in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 21. Januar: The Blacklist: Raymond Reddingtons schwarze Liste/Der Freelancer

Januar 21, 2014

 

RTL, 20.15

The Blacklist: Raymond Reddingtons schwarze Liste/Der Freelancer (USA 2013)

Regie: Joe Carnahan, Jace Alexander

Drehbuch/Erfinder: Jon Bokenkamp

Serienhit aus den USA, der schon jetzt eine zweite Staffel erhalten hat, dort auch bei der Kritik gut ankam und die ohne James Spader ein Fall für die Mülltonne wäre. Er spielt Raymond ‚Red‘ Reddington, einen seit Ewigkeiten vom FBI weltweit gesuchten Topverbrecher und Ex-FBI-Agent, der sich im Serienauftakt freiwillig stellt (Warum?) und dem FBI anbietet, ihm bei der Jagd nach Verbrechern zu helfen (Warum?). Er hat dafür eine ziemlich lange Blacklist von besonders gefährlichen Verbrechern, deren Existenz teilweise sogar FBI, CIA und alle anderen Geheimdienste nicht kennen. Er wird allerdings nur, in schönster „Das Schweigen der Lämmer“-Tradition, mit Elizabeth Keen (Megan Boone), einer blutjungen Profilerin, reden. Und er hat noch einige andere Forderungen, die allerdings ein Ablenkungsmanöver sein können. Denn selbstverständlich ist vollkommen unklar, wie ehrlich der notorische Lügner Reddington ist und welche Agenda er verfolgt.

Die ersten beiden Folgen sind, abgesehen von James Spader (Grandios!), enttäuschend. Die anderen Schauspieler sind Stichwortgeber, die mit banalen Dialogen zu kämpfen haben. Der Serienauftakt ist eine einzige hektische, nicht nacherzählbare Hatz, die zweite Episode ist dann etwas ruhiger, aber beide Episoden sind unglaublich unlogisch und kaum nachvollziehbar. Auch weil es außer den Behauptungen von Reddington über die Bösewichter keinerlei Beweise gibt und es vollkommen unklar ist, wie sehr die Ereignisse von ihm manipuliert werden. So behauptet er in „Der Freelancer“, das ein vollkommen unbekannter Attentäter seine Anschläge als Unfälle kaschiert (zum Beispiel eine Zugentgleisung mit hunderten Toten – und, oh Wunder, bei solchen Katastrophen sterben auch immer wieder wichtige Personen, die von Reddington behaupteten Ziele des Freelancers). Jetzt soll er einen Anschlag auf eine Menschenrechtsaktivistin planen, der während eines Wohltätigkeitsdinners stattfinden soll; selbstverständlich getarnt als Unfall und nach dem MO des Täters mit vielen unschuldigen Opfern. Der Täter soll auch während des Dinners dabei sein – und am Ende kommt heraus, dass Reddington das alles geplant hat, um die Aktivistin, die in Wirklichkeit ein ganz böser Gangster ist (was niemand wusste), umzubringen. Der titelgebende Freelancer spielt am Ende keine Rolle mehr; wobei sogar unklar ist, ob es ihn überhaupt gibt. Es könnte auch sein, dass Reddington ihn einfach erfunden hat, nachdem er am Anfang der Episode einen Zug entgleisen ließ.

Ich werde mir noch ein, zwei Folgen ansehen, aber bis jetzt überwiegt eindeutig das Negative. Denn ohne Spader hätte ich es nicht bis zur zweiten Folge geschafft.

Mit James Spader (Raymond ‚Red‘ Reddington), Megan Boone (Elizabeth Keen), Ryan Eggold (Tom Keen), Diego Klattenhoff (Donald Ressler), Harry Lennix (Harold Cooper), Parminder Nagra (Agent Meera Malik), Hisham Tawfiq (Dembe), Deborah S. Craig (Luli)

Wiederholung: Mittwoch, 22. Januar, 01.40 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

NBC über „The Blacklist“

Metacritic über „The Blacklist“

Rotten Tomatoes über „The Blacklist“

Wikipedia über „The Blacklist“ (deutsch, englisch)

 

 


TV-Tipp für den 20. Januar: Kein Platz zum Leben – No Place on Earth

Januar 20, 2014

 

ARD, 22.45

Kein Platz zum Leben (GB/D/USA 2012, R.: Janet Tobias)

Drehbuch: Paul Laikin, Janet Tobias

Die ergreifende Doku „No Place on Earth“ (Original- und Kinotitel) von Janet Tobias beschäftigt sich mit dem Schicksal der Familien Stermer und Dodyk, die im Oktober 1942 in der Ukraine vor der Gestapo in die riesige Verteba-Höhle flüchteten und dort und in der Priestergrotte 511 Tage unter Tage verbrachten. Diese Geschichte des längsten bekannten Aufenthalts von Menschen unter der Erde wird in einer gelungenen Mischung aus nachgestellten Szenen und Interviews mit den heute noch Lebenden erzählt.

Die Writers Guild of America nominierte das Drehbuch in der Kategorie „Bestes Drehbuch für einen Dokumentarfilm“.

Wiederholung: Dienstag, 21. Januar, 04.10 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „No Place on Earth“

Moviepilot über „No Place on Earth“

Metacritic über „No Place on Earth“

Rotten Tomatoes über „No Place on Earth“

Wikipedia über „No Place on Earth“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 19. Januar: Mein großer Freund Shane

Januar 19, 2014

Arte, 20.15

Mein großer Freund Shane (USA 1953, R.: George Stevens)

Drehbuch: A. B. Guthrie jr., Jack Sher

LV: Jack Schaefer: Shane, 1949 (Mein großer Freund Shane)

Revolverheld Shane hilft einigen Siedlern gegen einen Viehzüchter.

Ein Westernklassiker für Erwachsene mit einem mythologischen Helden. Sowohl Roman als auch Film eroberten Publikum und Kritik im Sturm.

Mit Alan Ladd, Jean Arthur, Van Heflin, Brandon De Wilde, Jack Palance, Ben Johnson, Elisha Cook jr.

Wiederholung: Donnerstag, 23. Januar, 23.40 Uhr

Hinweise

Wikipedia über „Mein großer Freund Shane“ (deutsch, englisch)

Turner Classic Movies über “Shane”

Rotten Tomatoes über „Shane“

Filmsite: Tim Dirks über “Shane”

Western-Autor Richard S. Wheeler über „Shane“ von Jack Schaefer


TV-Tipp für den 18. Januar: Der Pate III

Januar 18, 2014

 

ZDFneo, 22.15

Der Pate III (USA 1990, R.: Francis Ford Coppola)

Drehbuch: Mario Puzo, Francis Ford Coppola

1979: Michael Corleone kriegt Ärger mit der katholischen Kirche.

Im Vergleich zu den ersten beiden Paten-Filmen ist der dritte eine langatmige Enttäuschung.

Mit Al Pacino, Diane Keaton, Talia Shire, Andy Garcia, Joe Mantegna, Sofia Coppola, Bridget Fonda, Eli Wallach, George Hamilton, Helmut Berger, John Savage

Hinweise

Wikipedia über „Der Pate“ (deutsch, englisch)

Homepage von Mario Puzo

Wikipedia über Mario Puzo (deutsch, englisch)

Krimi-Couch über Mario Puzo

Kirjasto über Mario Puzo

Kaliber.38 über Mario Puzo

Time: Mario-Puzo-Titelgeschichte (28. August 1978 – mit einem schönen Titelbild)

Meine Besprechung von Norbert Grob/Bern Kiefer/Ivo Ritzer (Herausgeber) “Mythos ‘Der Pate’ – Francis Ford Coppolas Godfather-Trilogie und der Gangsterfilm (Deep Focus 10)” (2011)

Meine Besprechung von Mario Puzos „Sechs Gräber bis München“ (Six Graves to Munich, 1967)

Meine Besprechung von Francis Ford Coppolas “Apocalypse Now” (Apocalypse Now, USA 1979 – die “Full Disclosure”-Blu-ray)

Meine Besprechung von Francis Ford Coppolas „Twixt – Virginias Geheimnis“ (Twixt, USA 2011)

Francis Ford Coppola in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: „Nebraska“ – Alexander Payne reist mit Bruce Dern durch Amerika

Januar 17, 2014

 

Ein alter Mann geht eine Straßen entlang. Er hat offensichtlich ein Ziel, auch wenn er von einem freundlichen Polizisten aufgehalten wird und seine Familie genervt ist, weil der Mann 900 Meilen nach Lincoln, Nebraska, gehen will. Denn von dort erhielt er einen Brief, dass er im Lotto eine Million gewonnen habe und der alte Sturkopf, ein Trinker mit nachlassendem Gedächtnis, hat jetzt endlich ein Ziel. Er will seinen Gewinn abholen. Dass Woody Grant nichts gewonnen hat, will er nicht wahrhaben. Irgendwann entschließt sich sein Sohn David, der von seiner Freundin verlassen wurde und in einem Job als Hifi-Anlagenverkäufer feststeckt, seinen Vater dorthin zu fahren. Es könnte die letzte gemeinsame Zeit mit ihm sein. Jedenfalls solange er noch – halbwegs – geistig gesund und nicht pflegebedürftig ist.

Wie es sich für ein richtiges Road-Movie gehört, ist auch in „Nebraska“ der Weg das Ziel und es geht auch nicht um den Lottogewinn, sondern um Beziehungen, Träume und Enttäuschungen. Denn während der Reise besuchen sie auch Woodys Familie in seinem Geburtsort Hawthorne. Dort erfährt David vieles über seinen Vater und seine Mutter und ihre alten Freunde, die, wie bei Alexander Payne üblich, zu einem großen Teil mit Laien besetzt sind und so der in stilvollen Schwarzweiß gedrehten poetisch-wahrhaftigen Geschichte eine zusätzliche Erdung verschaffen. Denn die einsilbigen Gespräche in Woodys Familie, die er lange nicht mehr gesehen hat, und das anschließende gemeinsame Genießen des TV-Programms sind gleichzeitig genau beobachtet und wahr, weil Familientreffen genau so sind, urkomisch, weil sie die Situation zuspitzen und eine Gruppe normal aussehender, hauptsächlich älterer Männer, die sich auf eine zu kleine Couch quetschen und gebannt auf den Bildschirm und damit in den Kinosaal starren, einfach absurd ist, bitter, weil es die ganze Traurigkeit des Lebens normaler Menschen in einer Szene zusammenfasst, und lebensbejahend, weil sie alle durchaus zufrieden sind. Sie müssen nicht endlos miteinander reden, weil sie sich auch schweigend verstehen. Auch die Dialoge sind oft herrlich lakonisch und lebensweise – und wenn alles nichts mehr hilft, feuert Woodys Frau Kate eine spitze Bemerkung ab. Sie wird von June Squibb, die Payne-Fans als Frau von Jack Nicholson in „About Schmidt“ kennen, gespielt.

Im Zentrum von „Nebraska“ steht allerdings Bruce Dern, der hier seiner langen Karriere von exzellenten Charakterstudien eine weitere hinzufügt und dafür jetzt eine Oscar-Nominierung als bester Hauptdarsteller erhielt. Allein schon sein Spiel rechtfertigt den Besuch des warmherzigen Films über Familien und den amerikanischen Mythos, mit der wundervollen Musik von „Tin Hat Trio“-Mitglied Mark Orton.

Außerdem wurde „Nebraska“ als bester Film, Alexander Payne als bester Regisseur, June Squibb als beste Nebendarstellerin, Bob Nelson für sein Drehbuch, Phedon Papamichael als bester Kameramann für den Oscar nominiert. Alle Nominierungen sind verdient, aber die Konkurrenz ist – immerhin kenne ich die meisten nominierten Filme – stark; auch wenn einige Filme, wie „All is lost“ (nur Ton), „Inside Llewyn Davis“ (nur Bild und Ton), „Rush“ und „Saving Mr. Banks“ (nur eine Musik-Nominierung) seltsamerweise nicht oder nur in Nebenkategorien dabei sind.

Nebraska - Plakat

Nebraska (Nebraska, USA 2013)

Regie: Alexander Payne

Drehbuch: Bob Nelson

mit Bruce Dern, Will Forte, June Squibb, Stacy Keach, Bob Odenkirk, Tim Driscoll, Davin Ratray, Angela McEwan

Länge: 115 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

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Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Nebraska“

Moviepilot über „Nebraska“

Metacritic über „Nebraska“

Rotten Tomatoes über „Nebraska“

Wikipedia über „Nebraska“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Alexander Paynes „The Descendants – Familie und andere Angelegenheiten“ (The Descendants, USA 2011, mit George Clooney)

Alexander Payne in der Kriminalakte

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und einige Interviews mit Alexander Payne, Bruce Dern, Will Forte und June Squibb

 

 


Neu im Kino/Filmkritik: „Nicht mein Tag“ ist nicht mein Film

Januar 17, 2014

 

Vor fünfzehn Jahre drehte Peter Thorwarth „Bang Boom Bang – Ein todsicheres Ding“. Vor acht Jahren drehte er „Goldene Zeiten“, den Abschluss seiner Unna-Trilogie und seinen bislang letzten Spielfilm.

Mit „Nicht mein Tag“ kehrt er zurück und ist, mit leicht veränderten Vorzeichen, wieder in der Welt von „Bang Boom Bang“, der kultigen Ruhrpott-Kleingangsterkomödie, gelandet. Nappo Navroki (Moritz Bleibtreu) war einige Jahre im Bau. Das liefert sofort die Vorlage für einen „im Bau“/“auf dem Bau“-Witz, der das Niveau des Films gleich ziemlich tief legt. Mit einem Bankkredit will er sein neues Auto, einen Ford Mustang Fastback GT, Baujahr 1968, finanzieren. Sein Bankberater Till Reiners (Axel Stein) gibt ihm, wegen fehlender Sicherheiten, das Geld nicht. Ach ja: Reiners Name wird öfters mit Til Schweiger verwechselt. Das ist, bis der andere Til kurz auftaucht, der Running Gag des Films.

Nappo der unbedingt den Ford Mustang will, um dann mit seiner Freundin nach Cherbourg zu fahren (den Gag könnt ihr euch denken), raubt kurzentschlossen und gänzlich improvisiert die Bank aus und nimmt, weil alles schief geht, Till als Geisel.

Jetzt könnte ein flottes Road-Movie beginnen, in dem Geisel und Geiselnehmer sich näher kommen, während sie von der Polizei verfolgt werden. Nappo und Till kommen sich zwar näher, entdecken Gemeinsamkeiten (wie die Liebe zur Rockband Donar [gespielt von „Cowboys on Dope“]), aber die Verfolger spielen keine Rolle. Auch Tills Frau steckt gerade, wegen Beziehungsstress, in einem Mega-Nachrichtenloch und bekommt, weil der Drehbuchautor es so will, absolut nichts von der Geiselnahme mit. Damit hat die Geiselnahme dann auch ungefähr die Spannung eines Landausflugs. Immerhin verbringen Nappo und Till in einer Gartenlaube einen bierseligen Abend mit Klampfenmusik und Lagerfeuer.

Nach dem ersten Drittel lässt Nappo seine Geisel frei – und damit ist die Filmgeschichte eigentlich zu Ende. Der Konflikt ist gelöst und beide könnten wieder getrennte Wege gehen.

Nur weil Nappo von einem Verbrecherkumpel das Angebot für ein illegales Geschäft in Amsterdam erhält, bei dem auch ein „Zivilist“ zwecks Studium der Papiere benötigt wird (weil der Drehbuchautor es so will), und Till, als er in sein Reihenhaus zurückkehrt einen fremden Mann im Ehebett entdeckt und glaubt, dass seine Frau gerade duscht (es ist ihre Freundin, die den Irrtum allerdings nicht aufklärt; ebenfalls weil der Drehbuchautor es so will), dann Nappo nach Amsterdam begleitet, geht der Film in einer sich endlos hinziehenden Abfolge von Episoden und Episödchen weiter, in der beste Witz im Trailer verraten wird: „Das ist wie Osten. Nur im Westen.“ Ansonsten sind die Witze und der Humor aus dem letzten Jahrhundert.

Axel Stein, der bislang als Schauspieler noch nicht wirklich auffiel, überzeugt als biederer und begriffsstutziger Bankbeamter. Jedenfalls am Anfang. Nachdem er sich freiwillig mit Nappo auf den Amsterdam-Ausflug begibt, gibt es dann das Standardprogramm von Alkohol, Drogen, Ausfällen, Action, Chaos und entsprechenden Witzen. Moritz Bleibtreu, der zuletzt in „Inside Wikileaks“ und „Vijay und ich – Meine Frau geht fremd mit mir“ schauspielerisch überzeugte, liefert hier nur das Klischees eines Proll-Gangsters mit überschüssiger Macker-Allüre und arg beschränktem Verstand, das schon zu „Bang Boom Bang“-Zeiten anachronistisch war und seine wahre Heimat in deutschen Kriminalfilmen aus den Siebzigern und Achtzigern hat, die manchmal im Spätprogramm laufen.

Nicht mein Tag - Plakat

Nicht mein Tag (Deutschland 2014)

Regie: Peter Thorwarth

Drehbuch: Stefan Holtz

LV: Ralf Husmann: Nicht mein Tag, 2008

mit Axel Stein, Moritz Bleibtreu, Jasmin Gerat, Anna Maria Mühe, Nele Kiper, Ben Ruedinger, Kasem Hoxha, Ralf Richter

Länge: 115 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

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Hinweise

Homepage zum Film

Film-Zeit über „Nicht mein Tag“

Moviepilot über „Nicht mein Tag“

Wikipedia über „Nicht mein Tag“

 

 


TV-Tipp für den 17. Januar: Outrage

Januar 17, 2014

 

3sat, 23.05

Outrage (Japan 2010, R.: Takeshi Kitano)

Drehbuch: Takeshi Kitano

Takeshi Kitano hatte mal wieder Lust auf einen richtig blutigen Yakuza-Film und den lieferte er dann mit „Outrage“ auch ab.

Im Gegensatz zu seinen früheren Filmen, wie „Hana-Bi“, „Kikujiros Sommer“, „Brother“, „Dolls“ und „Zatoichi – Der blinde Samurai“, lief „Outrage“ nicht in unseren Kinos.

mit Takeshi Kitano, Kippei Shiina, Ryo Kase, Tomokazu Miura

Hinweise

Film-Zeit über „Outrage“

Moviepilot über „Outrage“

Metacritic über „Outrage“

Rotten Tomatoes über „Outrage“

Wikipedia über „Outrage“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: Martin Scorsese und „The Wolf of Wall Street“

Januar 16, 2014

Was soll nach einem Kinderfilm, einer Liebeserklärung an das Kino, kommen? Martin Scorsese entschied sich für eine Rückkehr zu seinen Wurzeln: nach über zehn Jahren spielt die Geschichte, die er erzählt, wieder in New York, ein Charakter steht im Mittelpunkt und es wird ein Milieu porträtiert, das die meisten Menschen wahrscheinlich nur aus der Zeitung kennen. Dieses Mal ist es der titelgebende „The Wolf of Wall Street“, wie sich Jordan Belfort gänzlich unbescheiden selbst nennt und wie er folgerichtig seine Autobiographie betitelte, und das Milieu der Börsenspekulanten, die Millionen verdienen und die bürgerliche Moralvorstellungen ungefähr so sehr beachten, wie Mafiosi, die sich aber auch gegenseitig umbringen.

„The Wolf of Wall Street“ schließt auch stilistisch und erzählerisch an „GoodFellas“ und „Casino“, zwei frühere Scorsese-Klassiker, an. Nur das dieses Mal die Gangster keine Mörder, sondern Weiße-Kragen-Kriminelle sind.

Jordan Belfort kommt 1987 an die Wall Street und wird kurz darauf beim Börsencrash entlassen. Er eröffnet, abseits der Wall Street, Stratton Oakmont, eine Firma, die mit den Pennystocks ein Vermögen macht und mit immer mehr Angestellten in immer größere Büros expandiert. Belfort faszinierte bei den Pennystocks, Aktien von prinzipiell wertlosen Unternehmen, die nicht an der regulären Börse gehandelt werden und oft nur ein Betrug sind, dass er eine wesentlich höhere Provision als bei sonstigen Verkäufen erhält.

Belfort und seine engsten Freunde, eine erschreckend hohe Zahl von Schulabbrechern und Kleingangstern und in jedem Fall von Menschen, die keinerlei ökonomisches Wissen haben, aber gut das von Belfort geschriebene Verkaufsskript vorlesen können, verdienen mit ihrer aggressiven Verkaufsstrategie schnell unglaublich viel Geld und geben es ebenso schnell, maßlos und hemmungslos für Frauen, Drogen und ihre pubertären Träume aus.

Gleichzeitig sind sie Betrüger und Steuerhinterzieher im großen Stil, die – wie Gangster – Tonnen von Geld über die Grenze schmuggeln.

„The Wolf of Wall Street“ zeichnet, nach einem Drehbuch von „The Sopranos“- und „Boardwalk Empire“-Autor Terence Winter, in einem atemlosem, dreistündigen Strudel von Voice-Over, Ansprachen, grellen Bildern und absurden Geschichten das Leben der Yuppies, die glauben über dem Gesetz zu stehen, nach – und wir finden sie durchaus sympathisch. Fast wie große Jungs, die ihren Spaß haben und nicht fassen können, dass sie Geld wie Heu verdienen.

Das liegt auch daran, dass die Gegenseite von dem humorlosen FBI-Agenten Patrick Denham verkörpert wird, der Belfort anscheinend nur verfolgt, weil er ihm sein Geld nicht gönnt; weil die Opfer von Belforts Spekulationen, die kleinen Menschen, die ihr mühsam Erspartes in wertlosen Aktien anlegen, nie vorkommen und weil, auch wenn Belfort am Ende vor Gericht steht, die Verhandlung auf einen kurzen Gag zusammengestrichen wird. Da fragt man sich dann doch, was Belfort, außer etwas Steuerhinterziehung, so schlimmes getan hat. Aber das fragte man sich auch bei Tony Soprano.

Beim Drehbuch merkt man, dass Terence Winter vom Fernsehen kommt. Denn es gibt viele, für Kino-Verhältnisse, unglaublich lange Szenen, in denen wenige Schauspieler in einem Raum sitzen und reden – und wir fasziniert zuhören, weil die Schauspieler und die von Winter geschriebenen Dialoge, Monologe und das fast pausenlose Voice-Over grandios sind. Wenn Wall-Street-Broker Mark Hanna dem jungen Jordan Belfort, der an seinen Lippen hängt, erzählt, wie die Wall Street funktioniert, dann darf Matthew McConaughey in wenigen Minuten einen vollkommen wahnsinnigen Menschen porträtiert, dem Andere ihr Geld anvertrauen. Oder wenn Leonardo DiCaprio als Jordan Belfort eine seiner zahlreichen Ansprachen vor seinen Angestellten hält oder er einen massiven Quaaludes-Drogenrausch hat. Oder wenn er in der Schweiz sein Schwarzgeld anlegen will und an einen von Jean Dujardin hübsch skrupellosen, aber sehr charmanten Banker gerät.

Langweilig ist Martin Scorseses Film nie. Trotzdem ist „The Wolf of Wall Street“ mit drei Stunden, je nach Sichtweise, entweder zu lang geraten, weil man wirklich nicht die fünfte Belfort-Ansprache braucht, weil die Geschichte eher ein unfokussierter, eklektischer Reigen von grellen und absurden Episoden ist, oder zu kurz, weil es trotzdem nie langweilig wirkt und man gerne noch etwas mehr über Belfort und sein maßloses Leben in einem ebenso maßlosem Film erfahren hätte.

P. S.: Mehr, viel mehr Infos über den Film und die Hintergründe gibt es hier.

The Wolf of Wall Street - Plakat

The Wolf of Wall Street (The Wolf of Wall Street, USA 2013)

Regie: Martin Scorsese

Drehbuch: Terence Winter

LV: Jordan Belfort: The Wolf of Wall Street, 2007 (Der Wolf der Wall Street)

mit Leonardo DiCaprio, Jonah Hill, Margot Robbie, Matthew McConaughey, Kyle Chandler, Rob Reiner, Jon Favreau, Jean Dujardin, Jon Bernthal

Länge: 179 Minuten

FSK: 1b 16 Jahre

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Die Vorlage

Belfort - Der Wolf der Wall-Street - Movie-Tie-In - 4

Jordan Belfort: Der Wolf der Wall Street – Die Geschichte einer Wall-Street-Ikone

(übersetzt von Egbert Neumüller)

Goldmann Taschenbuch, 2014

640 Seiten

9,99 Euro

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Die Originalausgabe erschien 2007.

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Die deutsche Erstausgabe 2008 im Verlag Börsenmedien AG.

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Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „The Wolf of Wall Street“

Moviepilot über „The Wolf of Wall Street“

Metacritic über „The Wolf of Wall Street“

Rotten Tomatoes über „The Wolf of Wall Street“

Wikipedia über „The Wolf of Wall Street“ (deutsch, englisch)

Hollywood vs. Reality über „The Wolf of Wall Street“

Kriminalakte: Tonnen weitergehender Informationen über den Film

Wikipedia über Martin Scorsese (deutsch, englisch)

Martin-Scorsese-Fanseite

Meine Besprechung von Martin Scorseses “Hugo Cabret” (Hugo, USA 2011)

Martin Scorsese in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: Steve McQueens dritter Streich: „12 Years a Slave“

Januar 16, 2014

 

Aktueller Stand: fast hundert gewonnene Filmpreise, unter anderem den Golden Globe als bester Film des Jahres, 142 Nominierungen und es dürften bis zur Oscar-Nacht noch einige Preise hinzukommen. Dieser beeindruckende Preisregen, der auch mit der Inflation von Filmpreisen in den vergangenen Jahren zusammenhängt, sagt vor allem eines: „12 Years a Slave“ ist ein guter Film; was niemand, der Steve McQueens beiden vorherigen Filme „Hunger“ und „Shame“ gesehen hat, bezweifelt. Es ist auch sein zugänglichster Film, der am nächsten an den bekannten Hollywood-Erzählkonventionen ist.

McQueen erzählt nach einem Drehbuch von John Ridley („U-Turn“, „Three Kings“, mehrere Romane, vor allem in Richtung Noir) die wahre Geschichte von Solomon Northup, der 1841 gesellschaftlich anerkannt und glücklich verheiratet mit zwei Kindern in Saratoga, New York, lebt. Als er einen gut bezahlten Job als Geiger in Washington, DC, annimmt, beginnt seine Leidensgeschichte. Denn er wird betäubt, gefangen genommen und in die Südstaaten nach Louisiana verschifft. Jetzt ist er ein Sklave, dem niemand glaubt, dass er in New York ein freier Mann war.

In den kommenden zwölf Jahren arbeitet er auf verschiedenen Plantagen unter Besitzern, die ihn verschieden schlecht behandeln, ihm aber immer seiner Würde berauben, ihn nicht als Menschen, sondern als Sache, über die sie nach Belieben verfügen können, betrachten.

John Ridley sagt dazu: „Wenn man heute über die Sklaverei spricht, geht man landläufig davon aus, dass Schwarze in den Baumwollfeldern unter besseren oder unter schlechteren Bedingungen schufteten. Fertig! Aber das ganze System war viel komplexer. Es zielte auf eine totale Entmenschlichung ab. Den Weißen gegenüber wurde behauptet, dass Schwarze dazu geboren waren, Sklaven zu sein. Sie wurden als minderwertige Rasse dargestellt, der von Geburt an überhaupt keine Rechte zustanden. Davon wollten Steve und ich erzählen – und gleichzeitig zeigen, welches Unrecht Solomon zugefügt wurde.“

Auf den Plantagen kann McQueen, der „12 Years a Slave“ strikt chronologisch und aus der Perspektive von Northup erzählt, eine kleine Starparade abfeiern. Denn die Sklavenhalter werden von Benedict Cumberbatch und Michael Fassbender gespielt. Paul Dano spielt einen gemeinen Vorarbeiter und Brad Pitt einen aus Kanada kommenden Zimmermann.

Getragen wird der Film allerdings von Chiwetel Ejiofor, für den die Rolle der Durchbruch sein könnte. Denn als Solomon Northup ist er von der ersten bis zur letzten Minute das Zentrum der Geschichte.

Im Gegensatz zu „Django Unchained“ oder „Lincoln“, die sich zuletzt mit der Sklaverei beschäftigten, ist Steve McQueens Film kein poppiger Rache-Western mit Hang zum plakativen Spaghetti-Western-Humor oder ein wortlastig-gediegenes Hinterzimmer- und Parlamentskammerspiel, sondern die nüchtern erzählte Geschichte eines Mannes, der vom freien Mann zum Sklaven wird und der sich nur durch eine glückliche Begegnung aus seinem Martyrium befreien kann. Dabei zeigt McQueen, der schon in „Hunger“ und „Shame“ kompromisslos seine künstlerische Vision verfolgte und auch dort nie vor unangenehmen Bildern zurückschreckte, die er aber, ohne das Leiden seiner Protagonisten kunstgewerblich zu ästhetisieren, wie wunderschöne Visionen des Leidens inszenierte und die deshalb durchaus in einer Ausstellung einen adäquaten Platz finden könnten. In beiden Filmen verlangte er dabei seinem Hauptdarsteller Michael Fassbender auch körperlich einiges ab. In seinem neuen Film, der das System Sklaverei nüchtern analysiert, nimmt Hauptdarsteller Chiwetel Ejiofor diesen Platz ein. Besonders unangenehm sind dabei die Auspeitschungen, die, teils in paradiesischer Landschaft, in langen, ungeschnittenen Szenen als Marter gezeigt werden. Oder als Northup, mit einem Strick um seinen Hals, eine Ewigkeit auf seinen Zehen tänzeln muss, bis darüber entschieden ist, ob er gehängt wird oder nicht. Im Hintergrund geht dabei das normale Plantagenleben weiter.

12 Years a Slave - Plakat - 4

12 Years a Slave (12 Years a Slave, USA 2013)

Regie: Steve McQueen

Drehbuch: John Ridley

LV: Solomon Northup: Twelve Years a Slave, 1853

mit Chiwetel Ejiofor, Michael Fassbender, Lupita Nyong’o, Benedict Cumberbatch, Brad Pitt, Paul Dano, Paul Giamatti, Sarah Paulson, Alfre Woodard

Länge: 135 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

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Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film (dito)

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „12 Years a Slave“

Moviepilot über „12 Years a Slave“

Metacritic über „12 Years a Slave“

Rotten Tomatoes über „12 Years a Slave“

Wikipedia über „12 Years a Slave“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Steve McQueens „Shame“ (Shame, Großbritannien 2011)

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Und noch einige O-Töne:

Die TIFF-Pressekonferenz

Q&A beim New York Filmfestival

DP/30 spricht mit Steve McQueen und Kameramann Sean Bobbitt


Neu im Kino/Filmkritik: Herr Ruzowitzky und „Das radikal Böse“

Januar 16, 2014

 

Wie werden aus ganz normalen jungen Männern Massenmörder? Diese Frage will Stefan Ruzowitzky in seinem neuen Film „Das radikal Böse“ beantworten und selbstverständlich spielt der Titel auf Hannah Arendts Überlegungen zum radikal Bösen, die von der Vernichtung der Juden im zweiten Weltkrieg ausgingen, an.

Deshalb beschäftigt er sich den Exekutionen von deutschen Einsatzgruppen in Osteuropa. Die Soldaten erschossen damals systematisch alle Juden, die sie antrafen. Insgesamt ungefähr zwei Millionen Menschen. Tagsüber. In der Öffentlichkeit, teils vor Zuschauern. Die Täter waren ganz normale junge und weniger junge Männer, die nicht zu ihren Taten gezwungen wurden und keine negativen Folgen zu befürchten hatten. Trotzdem folgten fast alle freiwillig dem Befehl und freuten sich über eine zusätzliche Ration Alkohol.

Ruzowitzky verknüpft in „Das radikal Böse“ Spielszenen mit Statisten und Laien bei alltäglichen Verrichtungen, in denen bekannte deutsche Schauspieler, wie Devid Striesow und Benno Fürmann, Briefe von Soldaten vorlesen mit Interviews mit Wissenschaftlern und, kurz visualisierten, Nachstellungen von bahnbrechenden Experimenten, wie das Konformitätsexperiment von Solomon Asch, das Stanford-Experiment und das Milgram-Experiment. Diese Experimente werden allerdings sehr knapp zusammengefasst, fasst wie ein Infokasten bei einer Reportage. Dabei hätte man schon gerne mehr über die Experimente und inwiefern die Erkenntnisse sich in späteren Experimenten bestätigten, erfahren.

Wesentlich interessanter sind die langen Interviews mit Fachleuten. Es sind der Historiker Christopher Browning, der „Ganz normale Männer“ und „Die Entfesselung der ‚Endlösung‘. Nationalsozialistische Judenpolitik 1939 – 1942“ schrieb, Sozialpsychologe Roy Baumeister, der „Evil – Inside Human Violence and Cruelty“ schrieb, Benjamin Ferencz, der als junger Mann Chefankläger in Nürnberg war, Psychiater Robert Jay Lifton, der Begründer der Psychohistory, Priester Patrick Desbois, der mit „Yahad – In Unum“ die Massenexekutionen der Nazis in Osteuropa erforscht, und Militärpsychologe Dave Grossman, der „Über das Töten“ schrieb und sehr anschaulich erklärt, wie das Militär junge Männer dazu bringt, Befehlen zu gehorchen.

Bei den Gesprächspartnern – was wahrscheinlich mit der Spekulation auf internationale Verkäufe erklärt werden kann – fällt allerdings auf, dass sie alle aus dem angloamerikanischen Raum kommen und englisch sprechen. Sowieso können ihre Erkenntnisse und auch die Aussagen über den Gruppendruck innerhalb der deutschen Armee locker auf andere Armeen im Auslandseinsatz übertragen werden.

„Das radikal Böse“ liefert nur einen ersten, oberflächlichen Einblick in das Thema, aber gerade dadurch lädt er auch zu Diskussionen ein.

Das radikal Böse - Plakat

Das radikal Böse (Deutschland 2013)

Regie: Stefan Ruzowitzky

Drehbuch: Stefan Ruzowitzky

mit den Experten Christopher Browning, Roy Baumeister, Benjamin Ferencz, Robert Jay Lifton, Patrick Desbois, Dave Grossman

mit den Stimmen von Volker Bruch, Alexander Fehling, Benno Fürmann, Hanno Koffler, Lenn Kudrjawizki, Andreas Schmidt, Simon Schwarz, Devid Striesow, Arnd Schwering-Sohnrey, Sebastian Urzendowsky, Nicolette Krebitz

Länge: 95 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

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Hinweise

Homepage zum Film

Film-Zeit über „Das radikal Böse“

Moviepilot über „Das radikal Böse“

Wikipedia über „Das radikal Böse“

Meine Besprechung von Stefan Ruzowitzkys „Cold Blood – Kein Ausweg, keine Gnade“ (Deadfall, USA/Frankreich 2012)

 

 


Neu im Kino/Filmkritik: Das zünftige Dschungelabenteuer „Fünf Freunde 3“ – für Kinder

Januar 16, 2014

 

Wahrscheinlich hat jede Generation ihre „Fünf Freunde“. Denn Enid Blyton schrieb die Geschichten mit den fünf Freunden Julian (bzw. Julius), Richard ‚Dick‘, Georgina (bzw., weil sie lieber ein Junge wäre, George), Anne und dem Hund Timmy in den Vierzigern und Fünfzigern; die erste deutsche Übersetzung erschien 1952 und seitdem wurden die Bücher von Kindern verschlungen. Auch ich las die Romane und mir gefiel die englische „Fünf Freunde“-TV-Serie von 1978/1979.

Die Hörspiele ließ ich links liegen. Ebenso die Post-Enid-Blyton-Fünf-Freunde-Bücher und die TV-Serie aus den Neunzigern.

2012 kam dann „Fünf Freunde“ in die Kinos und weil der Film erfolgreich war, gibt es jetzt schon den dritten „Fünf Freunde“-Spielfilm, mit der aus den vorherigen Filmen bekannten Besetzung vor und hinter der Kamera.

Dieses Mal fliegen George (Valeria Eisenbart), Julian (Quirin Oettl), Dick (Justus Schlingensiepen), Anne (Neele Marie Nickel) und Timmy nach Thailand, wo Onkel Quentin (Michael Fitz) schnell im Labor eines alten Studienkollegen und aus der Geschichte verschwindet.

Die fünf Freunde wollen einen gemütlichen Urlaub verbringen. Aber schon am ersten Tag entdecken sie in der Black Shark Bay in einem alten Wrack die Leiche eines Piraten und einen Kompass, der sie zu dem berühmten Schatz von One-Arm-Ted führt. Der Schatz ist irgendwo im gefährlichen Dschungelgebiet des Noteka versteckt. Mit dem einheimischen Mädchen Joe (Davina Weber) machen sie sich auf den Weg. Joe braucht den Schatz um ihr Dorf vor den Baggern des aasigen Hotelbesitzers Mr. Haynes (Sky du Mont) zu retten.

Verfolgt werden die abenteuerlustigen Kinder bei ihrer Schatzsuche von Cassi (Nora von Waldstätten) und Nick (Michael Kessler), zwei Kleingangster mit großen Plänen und beschränktem Intellekt. Vor allem Nick gehört zur doofen Sorte. Aber auch die anderen Bösewichter, Cassi und Mr. Haynes, sind nicht unbedingt Geistesgrößen, was immerhin zu einigen vergnüglichen Szenen führt, wenn sie sehr übertrieben Böse sind oder, dank eines Schlangengiftes, gelähmt sind. Auch Nicks sprechender Kakadu Hugo ist immer für einen Witz oder sarkastischen Kommentar gut.

Natürlich ist die vor exotischer Kulisse spielende Abenteuergeschichte vorhersehbar, aber sie wird kurzweilig präsentiert, die Spannungsmomente sind gut gesetzt, es gibt eine ordentliche Portion Action und die Schauspieler sind rundum sympathisch.

Außerdem ist der dritte „Fünf Freunde“-Film angenehm altmodisch erzählt. Es wird auf überflüssige Modernismen, wie Wackelkamera, Sekundenschnitte, übermäßigen CGI-Einsatz und krachend laute Musik, verzichtet. Computer sind zwar, wenn sie die Geschichte des Piraten recherchieren, vorhanden, könnten aber genausogut aus der Filmgeschichte gestrichen werden; was ich bevorzugt hätte. Denn eine Piratengeschichte erfährt man doch lieber aus einem alten Buch als über eine Wikipedia-ähnliche Homepage. Die Schauspieler hatten ihren Spaß und Tiere gibt es auch.

„Fünf Freunde 3“ ist ein flott erzählter Kinderfilm, der kindgerecht spannend unterhält. Nur bei dem Titel, der eine nackte Produktbezeichnung ist, hätten die Macher sich mehr Mühe geben können. Zum Beispiel „Fünf Freunde und der Piratenschatz“ hätte besser geklungen.

Fünf Freunde 3 - Plakat

Fünf Freunde 3 (Deutschland 2013)

Regie: Mike Marzuk

Drehbuch: Peer Klehmet, Sebastian Wehlings

LV: Charaktere von Enid Blyton

mit Valeria Eisenbart, Quirin Oettl, Justus Schlingensiepen, Neele Marie Nickel, Davina Weber, Nora von Waldstätten, Michael Kessler, Michael Fitz, Sky du Mont

Länge: 95 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

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Hinweise

Homepage zum Film

Film-Zeit über „Fünf Freunde 3“

Moviepilot über „Fünf Freunde 3“

Wikipedia über die Fünf Freunde und Enid Blyton (deutsch, englisch)

Homepage von Enid Blyton

 

 


TV-Tipp für den 16. Januar: Small Town Murder Songs

Januar 16, 2014

 

WDR, 23.15

Small Town Murder Songs (Kanada 2010, R.: Ed Gass-Donnelly)

Drehbuch: Ed Gass-Donnelly

In der kanadischen Provinz wird eine nackte Frauenleiche entdeckt. Dorfpolizist Walter, der mit persönlichen Problemen zu kämpfen hat, hat schnell einen Verdächtigen.

Die Macher nennen „Small Town Murder Songs“, vollkommen zutreffend ein „gothic tale of crime and redemption“, das von „No Country for Old Men“ und „In Cold Blood“ (Kaltblütig) beeinflusst ist.

mit Peter Stormare, Aaron Poole, Martha Plimpton, Jill Hennessy, Stephen Eric McIntire, Ari Cohen, Jackie Burroughs

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Small Town Murder Songs“

Rotten Tomatoes über „Small Town Murder Songs“

Wikipedia über „Small Town Murder Songs”

Scope.tv: Interview mit Ed Gass-Donnelly

Meine Besprechung von Ed Gass-Donnellys „Small Town Murder Songs“ (Small Town Murder Songs, Kanada 2010) (mit vielen Gass-Donnelly-O-Tönen)


TV-Tipp für den 15. Januar: Außer Atem

Januar 15, 2014

Arte, 20.15

Außer Atem (F 1960, R.: Jean-Luc Godard)

Drehbuch: Jean-Luc Godard (nach einem Szenario von François Truffaut)

Buch zum Film: Claude Francolin: A bout de souffle, 1960 (Außer Atem)

Kleinganove Michel erschießt einen Polizisten und flieht nach Paris zur us-amerikanischen Studentin Patricia.

Ein Klassiker der Nouvelle Vague und ein zeitloser Kultfilm.

Alles weitere in meiner ausführlichen Besprechung des Films.

mit Jean-Paul Belmondo, Jean Seberg, Daniel Boulanger, Jean-Pierre Melville, Henri-Jacques Huet, Van Dode, Jean-Luc Godard, Roger Hanin

Hinweise

Arte zum Film (mit einem Interview mit Jean-Luc Godard)

Filmzentrale mit mehreren Besprechungen über „Außer Atem“: Behrens, Kreimeier, Richter

Senses of Cinema über Jean-Luc Godard

Die Zeit (Katja Nicodemus) redet mit Jean-Luc Godard: „Kino heißt streiten“

Meine Besprechung von Jean-Luc Godards „Außer Atem“ (A bout de souffle, Frankreich 1960)

Jean-Luc Godard in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 14. Januar: Die geheimen Deals der Rohstoffhändler

Januar 14, 2014

Arte, 20.15

Die geheimen Deals der Rohstoffhändler (Frankreich 2014, R.: Jean Crépu, Jean-Pierre Boris)

Drehbuch: Jean Crépu, Jean-Pierre Boris

Warum sind Lebensmittel und Rohstoffe so teuer? Warum müssen Menschen hungern? Radio-France-Chefredakteur Jean-Pierre Boris (u. a. „(Un)Fair Trade: Das profitable Geschäft mit unserem schlechten Gewissen“) und Dokumentarfilmer Jean Crépu (u. a. „Krieg um Reis“) versuchen diese Fragen zu beantworten – und stoßen auf die von der Politik nicht kontrollierten Geschäfte von Investmentbankern, die mit allem spekulieren.

Wiederholung: Freitag, 24. Januar, 08.55 Uhr

Hinweis

Arte über die Doku