1952 wurde die Irin Philomena Lee als Jugendliche ungewollt schwanger. Sie ging zur Besserung in ein Kloster. Ihr Kind wurde, ohne sie zu fragen, von den barmherzigen Schwestern fortgegeben. Jetzt, fünfzig Jahre später, möchte sie ihren Sohn wiedersehen. Aber die katholische Kirche mauert. Nur der Journalist Martin Sixsmith hilft ihr.
Feines, auf einer wahren Geschichte basierendes Drama.
Polizeiruf 110: Bis Mitternacht (Deutschland 2021)
Regie: Dominik Graf
Drehbuch: Tobias Kniebe
Kommissarin Bessie Eyckhoff glaubt, dass Jonas Borutta der Isarauenmörder und Messerstecher vom Olympiadorf ist. Neunzig Minuten bevor sie ihn mangels Beweisen entlassen muss, zieht sie ihren Kollegen Josef Murnauer hinzu. Auch er hatte Borutta vor einigen Jahren als Mörder verdächtigt.
Ein „Polizeiruf 110“ von Dominik Graf. Muss ich noch mehr sagen? Oder zitiere ich einfach das Lexikon des Internationalen Films: „Hochkonzentrierter (Fenseh-)Krimi mit ausgezeichneten schauspielerischen Leistungen und versiertem Gespür für Spannungssteigerung.“
mit Verena Altenberger, Michael Roll, Thomas Schubert, Daniel Christensen, Robert Sigl, Thomas Wittmann
Endstation Schafott (Deux Hommes dans la ville, Frankreich/Italien 1973)
Regie: José Giovanni
Drehbuch: José Giovanni
Starkes Krimidrama über einen Ex-Sträfling, der ein ehrliches Leben führen will, von einem Sozialhelfer unterstützt und einem Polizisten verfolgt wird.
Uh, das ist jetzt für eine Besprechung, die nicht zu viel verrät und die auch nicht vollkommen in die Irre führt, ein schwieriger Film. Der Trailer verrät kaum etwas, die Synopse und der Hinweis auf den wahren Fall Overby führen eher in die Irre. Ja, es geht auch um Dagmar Overby. Die in Kopenhagen lebende Frau tötete zwischen 1916 und 1920 nach eigenen Angaben sechzehn uneheliche Babys und Kleinkindern. Es wird angenommen, dass sie mindestens 25 Kinder ermordete. Ihr Leben und ihre Taten könnten die Grundlage für ein spannendes Drama sein.
Aber diese Geschichte erzählt Magnus von Horn in seinem Film nicht. „Das Mädchen mit der Nadel“ ist nur lose vom Fall Overby inspiriert.
Im Zentrum der nach dem Ersten Weltkrieg spielenden Geschichte steht Karoline. Sie ist eine junge Frau, deren Mann in den Krieg zog und der seitdem spurlos verschwunden ist. Weil die Regierung sich weigert, seinen Tod anzuerkennen, ist Karoline keine Kriegswitwe, sondern nur eine in bitterster Armut lebende Frau, die in einer Fabrik als Näherin schuften muss. Dort lernt sie den Sohn des Frabrikbesitzers kennen. Sie verlieben sich, aber die Verhältnisse sind nicht so, dass seine Eltern Dagmar akzeptieren.
Als sie von ihm geschwängert wird, überlegt sie verzweifelt, was sie tun kann. Da bietet ihr eine fremde, vertrauenswürdig auftretende Frau an, ihr Baby an eine Familie zu vermitteln. Dagmar sagt, sie habe das schon öfter getan.
Die Geschichte bewegt sich zwischen Kitsch, Märchen und Kolportage. Aber dank der an expressionistische Stummfilme und die Filme von Aki Kaurismäki erinnernden Inszenierung auf hohem Niveau. Außerdem handelt es sich um ein düsteres Märchen.
In der zweiten Hälfte, wenn Karoline Dagmar begegnet, verliert der Film dann seinen klaren erzählerischen Fokus auf Karolines Beziehung zu ihrem Geliebten und ihrem Mann. Plötzlich steht die Beziehung zwischen den beiden Frauen im Mittelpunkt. Dass Dagmar eine Mörderin ist, ist in dem Moment noch unklar. Erst am Ende wird das Ausmaß von Dagmars Taten enthüllt.
Wahrscheinlich hätte mir der Film besser gefallen, wenn ich nicht, den Brotkrumen der Werbung folgend, ein Arthaus-Drama über eine Serienmörderin, sondern ein sozialkritisches Drama mit Kaurismäki-Touch (aber ohne seinen lakonischen Humor) über eine junge, vom Schicksal gebeutelte Frau erwartet hätte.
Seine Premiere hatte der SW-Film „Das Mädchen mit der Nadel“ 2024 in Cannes im Wettbewerb. Im Moment steht der Film auf der Oscar-Shortlist für den besten internationalen Film.
Das Mädchen mit der Nadel (Pigen med nålen, Dänemark/Polen 2024)
Regie: Magnus von Horn
Drehbuch: Magnus von Horn, Line Langebek Knudsen
mit Vic Carmen Sonne, Trine Dyrholm, Besir Zeciri, Tessa Hoder, Ava Knox Martin, Joachim Fjelstrup, Ari Alexander
San Francisco: Detective Nick Curran (Michael Douglas) soll den Mord an einem ehemaligen Rockmusiker aufklären. Die Hauptverdächtige ist Catherine Tramell (Sharon Stone), Bestsellerautorin von blutigen Sensationsthrillern. Während seiner Ermittlungen verliebt Curran sich in sie.
Der Plot ist 08/15-Noir-Ware. Aber wie Paul Verhoeven das inszeniert und wie er dabei im Rahmen eines Mainstream-Thrillers auf die Skandal- und Sensationslust des notorisch prüden US-amerikanischen Publikums spekuliert, ist große Kunst.
Damals war der Erotikthriller vor allem in den USA ein heftig umstrittener Kinohit und der Beginn einer Welle zahlreicher, bis auf wenige Ausnahmen, schlechterer Erotikthriller.
Heute ist „Basic Instinct“ ein Klassiker.
Anschließend, um 00.05 Uhr zeigt Arte die brandneue, 55-minütige Doku „Sharon Stone – Überlebensinstinkt im Showbiz“.
Mit Michael Douglas, Sharon Stone, George Dzundza, Denis Arndt, Jeanne Tripplehorn
LV: Ben Mezrich: The Accidental Billionaires, 2009 (Milliardär per Zufall: Die Gründung von Facebook – Eine Geschichte über Sex, Geld, Freundschaft und Betrug)
Fincher und Sorkin (The West Wing, The Newsroom), der für sein Drehbuch einen Oscar erhielt, erzählen die Geschichte von Facebook und Mark Zuckerberg.
Rasantes dialoglastiges Drama, bei dem jeder Satz trifft und einige junge Schauspieler ihr Können zeigen können.
Mit Jesse Eisenberg, Andrew Garfield, Justin Timberlake, Rooney Mara, John Getz, Armie Hammer
Dass Patryk Vegas „Putin“ kein gewöhnliches Biopic über den russischen Präsidenten wird, wird auch den Menschen, die Vegas vorherige Filme nicht kennen, bereits in den ersten Minuten klar. 2026, also in der nahen Zukunft, informiert ein General den im Krankenhaus liegenden Wladimir Putin über den aktuellen Zustand der Welt. Währenddessen wechselt eine Krankenschwester Putins Windel, verabreicht ihm eine Spritze und gemeinsam heben sie ihn vom Boden ins Bett. Machtloser und in einem entwürdigenderem Zustand sah man selten einen politischen Führer, einen Diktator, dessen Image auf einem Bild hyperpotenter, strotzender Männlichkeit beruht.
Danach springt Vega zurück in Putins Kindheit und es geht in den folgenden knapp zwei Stunden halbwegs chronologisch durch Putins Leben. Dabei interssiert Vega sich nicht für eine realisisch-naturalistisch, sklavisch an den Fakten entlang erzählten Geschichte. Wer das will, ist mit dem Wikipedia-Artikel oder einer TV-Reportage besser bedient.
Vega geht es um die Demontage von Putin, der sich als starken Führer sieht und inszeniert. Vega zeigt ihn – und dieses Porträt wirkt in Osteuropa sicher provozierender als hier im Westen – als einen kleinen Wicht, der von allen geschlagen und herumgestoßen wird. Er leidet an Minderwertigkeitskomplexen und ist impotent. Während die anderen nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion Orgien feiern, steht er daneben. Alle außer ihm haben Sex. Und er wird immer von zwei nur für ihn sichtbaren Dämonen aus seiner Kindheit begleitet. Es sind ein Halbstarker, der ihn damals, als er als Kind in Moskau ankam, verprügelte, und eine hypersexualisierte, Uniform tragende Dämonin. Sie flüstern ihm ein, was er tun soll.
Inszeniert hat Vega seinen neuen Film als eine mit Farbfiltern zugeschüttete Dystopie und nur halb überzeugende CGI-Leistungsschau. Für ein C-Picture sind die Spezialeffekte okay, für einen Hollywood-Blockbuster erbärmlich schlecht. Vegas computerbearbeitete Bilder sind meilenweit von der Qualität der in „Better Man – Die Robbie Williams Story“, den „Planet der Affen“-Filmen, Disneys aktuellen fotorealistischen Neuverfilmungen von Disney-Klassikern und auch den beiden „Avatar“-Spielfilmen gezeigten Bildern entfernt. Interessant ist seine Idee, Putin nicht von einem ihm ähnlich sehendem Schauspieler spielen zu lassen, sondern Putins Gesicht mit der Hilfe von KI-Programmen auf das Gesicht eines Schauspielers zu kopieren. In einigen Momenten sieht das beängstigend echt aus. Aber meistens sieht es in jeder Beziehung unnatürlich und amateurhaft aus. Vor allem wenn Putin spricht. Deshalb redet er wenig und ist selten im Bild.
Die teils Putins Biographie folgende, teils frei erfundene Story bekommt Vega dabei nie vollständig in den Griff. Von dem Film existieren inzwischen mehrere unterschiedlich lange Fassungen. Ich konnte eine zweieinhalbstündige und die jetzige, etwa eine halbe Stunde kürzere und deutlich gelungenere Kinofassung sehen. Gelungener ist allerdings noch lange nicht gut. Beide Fassungen sind schlecht. Beide Male zerfasert die Geschichte. Beide Male gibt es keine weitergehende Analyse von Putins Leben. Es gibt nur das Bild eines kleinen Mannes, der gerne ein großer Führer wäre, es aber nicht ist. Das ist für einen Spielfilm, der zwischen missglückter Satire, Küchenpsychologie, verklemmten Orgien, Gewaltausbrüchen und Bildern von Kriegsgebieten ziellos schwankt, zu wenig.
Die knapp zweistündige Kinofassung erzählt vor allem am Anfang zügig und satirisch zugespitzt Putins Geschichte. Später wird es sprunghafter und kryptischer. Gegen Ende, wenn er der Präsident von Russland ist, ist die Satire nur noch eine wild fantasierte, episodische, höchstens für Putin-Kenner verstehbare Abfolge von Maßnahmen gegen Terroranschläge, von ihm in Auftrag gegebenen Anschlägen, Ermordungen von Feinden, über die wir gerade ihren Namen erfahren, und Kriegen an austauschbaren Orten mit vollkommen rätselhaften Kriegszielen. Durchgängig springt Vega wild in der Chronologie hin und her.
Die in Tschernobyl unter aussätzigen Verbrechern spielenden Szenen haben zwar nichts mit Putins Biographie zu tun, aber sie sind immerhin visuell überzeugend.
Bei Vega ist der Diktator nicht nackt, sondern er hat gerade sein Geschäft in seine Windel gemacht. Das ist nicht subtil, sondern rmaximal demütigend für den Porträtierten und Vega nimmt sich viel Zeit, diese Botschaft so laut herauszubrüllen, dass auch wirklich jeder im Kinosaal die Botschaft versteht.
Für uns ist die misslungene Satire „Putin“ ein verzichtbarer, sich im Uwe-Boll-Terrotorium bewegendes Werk, dessen Provokationspotential bei uns gegen Null tendiert.
Putin(Putin, Polen 2024)
Regie: Patryk Vega
Drehbuch: Patryk Vega
mit Slawomir Sobala,Tomasz Dedek, Justyna Karlowska, Thomas Kretschman, Maksymilian Zielinski
Drehbuch: Roland Klick, Georg Althammer (Mitarbeit), Jane Sperr (Mitarbeit)
Der 18-jährige Willi driftet durch Hamburg. Um die Hure Monika zu retten, will er den Geldtransporter eines Supermarkts zu überfallen.
Ein deutscher Gangsterfilm, der damals von der Kritik gelobt und vom Publikum ignoriert wurde. Heute ein Kultfilm und Klassiker des deutschen Film.
„Fest steht dass Klick hier unbewusst einige wichtige Komponenten des Neuen Deutschen Films vorweggenommen hat: Jugendkriminalität, die Großstadt als Dschungel und die Entstehung von Gewalt im thematischen Bereich, glaubhafter Realismus und geradliniges Erzählkino im formalen.“ (Robert Fischer/Joe Hembus: Der Neue Deutsche Film 1960 – 1980, 1981)
Als ich den Film das erste Mal sah, war ich begeistert, denn „Supermarkt“ war originäres Kino, das bis auf die Drehorte nichts mit anderen deutschen Filmen gemein hatte.
Der Titelsong „Celebration“ wird von Marius Müller-Westernhagen als Marius West gesungen; die Musik ist von Udo Lindenberg. Und Jost Vacano (Das Boot, Robocop, Total Recall) war der Kameramann.
mit Charly Wierczejewski, Eva Mattes, Michael Degen, Walter Kohut, Witta Pohl, Alfred Edel
Es ist höchstens eine Fußnote der damaligen Ereignisse, aber für die Mediengeschichte ist es ein markanter Punkt. 1972 wurden die Olympischen Spiele auch im Fernsehen übertragen. Live und weltweit. Es sollten friedliche Spiele werden, die, keine dreißig Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, ein positives Bild von Deutschland zeigen sollten. Diese Imagepflege scheiterte als acht Mitglieder der palästinensischen Terrororganisation „Schwarzer September“ im Olympischen Dorf elf israelische Sportler und ihre Betreuer als Geisel nahmen. Zwei von ihnen wurden von den Terroristen in den ersten Minuten erschossen. Die geplante Befreiung der Geisel auf dem Militärflugplatz Fürstenfeldbruck war ein Desaster. Alle neun verbleibenden Geisel, fünf der acht Geiselnehmer und ein Polizist sterben in dem Feuergefecht.
Die Unfähigkeit der Polizei, die Geiselnahme friedlich und ohne Tode zu beenden, führte zur Gründung der GSG 9.
Während der 21 Stunden dauernden Geiselnahme waren auch die Sportjournalisten von ABC Sports vor Ort. Sie berichten live über die Spiele.
In seinem dritten Spielfilm „September 5“ schildert Tim Fehlbaum, wie die ABC-Journalisten auf die Geiselnahme reagieren. Ihr Kontrollraum ist gegenüber vom Olympischen Dorf. Wenn sie die Tür öffnen, haben sie einem perfekten Blick auf den Ort der Geiselnahme. Sie sind zwar keine Politik-Journalisten und deshalb nicht zuständig, aber sie sind vor Ort. Sie betrachten die Geiselnahme als ihre Story und sie können mit ihren Kameras live berichten. Weltweit. Ihnen gelingt auch das bekannte Bild von den einen Terroristen auf dem Balkon. Durch ihre Live-Aufnahmen verhindern sie – was ihnen erst später bewusst wird – einen Befreiungsversuch der Polizei. Denn auch im Zimmer der Geisel läuft ihre Live-Übertragung der Geiselnahme. Im Film ist das der Moment, in dem den Journalisten wirklich bewusst wird, dass sie eine bis dahin nicht gekannte Verantwortung für ihre Bilder und ihre Worte haben.
Tim Fehlbaum, der bereits mit seinen beiden Science-Fiction-Filmen „Hell“ und „Tides“ begeisterte, widmet sich dieses Mal einem wahren Ereignis. Das inszeniert er sehr dicht, nah an den Fakten, detailversessen in der Ausstattung, präzise im Zeigen der damaligen Schwierigkeiten beim Erstellen der Fernsehbilder (so müssen, zum Beispiel, Filmrollen durch Polizeisperren geschmuggelt werden) und bis auf wenige Aufnahmen ausschließlich im von außen hermetisch abgeschottetem, fensterlosen ABC-Kontrollraum. Weil Fehlbaum auch auf Uhrzeiteinblendungen verzichtet und nur einmal gegessen wird, verschwimmt auch jedes Zeitgefühl.
Über die Geiselnahme erfahren wir nur, was die Journalisten in dem Moment auch erfahren oder auf einem ihrer Bildschirme sehen. „September 5“ ist daher kein Film über die Motive der Terroristen und die Strategie der Polizei, die Geiselnahme zu beenden. Das alles wissen die ABC-Journalisten nicht. Sie verstehen sich als Beobachter der Ereignisse, über die sie möglichst nah und mit exclusiven Bildern berichten wollen.
Das ist auch der Kern journalistischer Ethik. Keine Seite ergreifen, sondern die Fakten berichten. Diese hehre Idee kollidiert in „September 5“ schnell mit der Realität.
Denn schnell müssen sie sich fragen, was sie alles zeigen wollen und wie sehr sie damit die Ereignisse beeinflussen wollen. Das waren damals insofern neue Fragen, weil bis dahin Live-Berichte von Brennpunkten nicht möglich waren. Zwischen dem Ereignis und der Verbreitung des Berichts über das Ereignis verging je nach Medium – Radio, Fernsehen, Zeitung – weniger oder mehr Zeit, in der auch darüber entschieden werden konnte, welche Bilder gezeigt werden.
Die Fragen, mit denen die Männer in „September 5“ konfrontiert werden, sind heute immer noch aktuell. Und weil es immer mehr Bilder gibt, stellt sich die Frage öfter. Während früher nur entschieden werden konnte, ob Bilder vom Tatort gezeigt werden, gibt es heute auch Bilder von der Tat. Teils aufgenommen von Überwachungskameras, teils von Opfern und Zeugen und manchmal auch vom Täter, der seine Tat aufnimmt und live streamt.
Fehlbaum behandelt diese Fragen im Rahmen einer wahren Geschichte und anhand der Arbeit der handelnden Journalisten, die alle eine möglichst gute Story erzählen wollen. Durch die Konzentration auf einen Aspekt der damaligen Geiselnahme gibt „September 5“ einen guten Einblick in die Arbeit von Journalisten, dem Druck, dem sie damals ausgesetzt waren und dem Jagdfieber, das sie gepackt hatte. Die Fragen sind seitdem die gleichen geblieben. Nur die Technik hat sich geändert und der Zeitdruck ist gestiegen.
Der Journalistenthriller „September 5“ ist sehenswert, spannend und mit neunzig Minuten angenehm kurz.
September 5 (Deutschland/USA 2024)
Regie: Tim Fehlbaum
Drehbuch: Moritz Binder, Tim Fehlbaum, Alex David (Co-Autor)
mit Peter Sarsgaard, John Magaro, Ben Chaplin, Leonie Benesch, Zinedine Soualem, Georgina Rich
Warten auf Bojangles(En attendant Bojangles, Frankreich 2021)
Regie: Régis Roinsard
Drehbuch: Romain Compingt, Régis Roinsard
LV: Olivier Bourdeaut: En attendant Bojangles, 2016 (Warten auf Bojangles)
1958 begegnen sich an der Riviera auf einer High-Society-Party der charmante Hochstapler Georges und die lebenslustige Camille. Es ist Liebe auf den ersten Blick. Sie heiraten, bekommen ein Kind und Georges muss feststellen, dass Camilly psychisch ernsthaft krank ist.
Nachdem die TV-Premiere in der Nacht deutlich nach 2 Uhr, läuft der Film heute nach der Tagesschau. Und das ist gut so.
In der ersten Hälfte eine poppige Feelgood-Komödie, in der zweiten ein zunehmend düsteres Drama mit zwei zunehmend problematischen Hauptfiguren. Ein gut gespielter, gut inszenierter, aber auch sehr zwiespältiger Film.
In den besten Händen (La Fracture, Frankreich 2021)
Regie: Catherine Corsini
Drehbuch: Catherine Corsini
Paris, Dezember 2018: Draußen protestieren die Gelbwesten. Drinnen herrscht in der Notaufnahme eines Krankenhaues das (künstlerisch enorm verdichtete) normale Chaos mit überfordertem Personal und hysterischen Patienten, die wir im Lauf der Nacht besser kennen lernen.
Hochenergetisch, mit viel Schwarzem Humor, durchaus plakativ und mit pseudokumentarischer Handkamera erzählter Einblick in das französische Gesundheitswesen. Dabei wird die Notaufnahme zu einem Mikrokosmos der französischen Gesellschaft, ihrer Probleme und Verwerfungen. Sehenswert!
Highlander – Es kann nur einen geben (Highlander, USA 1986)
Regie: Russell Mulcahy
Drehbuch: Gregory Widen, Peter Bellwood, Larry Ferguson (nach einer Geschichte von Gregory Widen)
Connor MacLeod ist unsterblich. Nur wenn ihm oder einem anderen Unsterblichen mit einem Schwerthieb der Kopf abgeschlagen wird, stirbt er. Das weiß MacLeod seit 1536. Im heutigen New York trifft er wieder auf seinen Erzfeind Kurgan.
Stilbildender Kultfilm mit der bombastischen Musik von Queen
mit Christopher Lambert, Roxanne Hart, Clancy Brown, Sean Connery
Mit einem Noir-Thrillerklassiker, den viele nur aus dem Puschenkino kennen, startet die monatliche „Best of Cinema“-Reihe in das neue Jahr. Am Dienstag, den 7. Januar, wird, „Sieben“, David Finchers zweiter Spielfilm, wieder im Kino gezeigt.
Die Story dürfte bekannt sein: In einer verregneten Großstadt jagen ein junger und ein alter Polizist einen Serienmörder, der sich bei seinen Taten anscheinend von den sieben Todsünden inspirieren lässt.
„Sieben“ ist einer der prägenden Thriller der neunziger Jahre. Er begeisterte damals gleichzeitig Genre-Fans und das große Kinopublikum. Und das heute wohl bekannte Ende ist immer noch ein absolut schockierendes Killer-Ende.
Nach „Alien 3“ hätte in Hollywood niemand auf eine glorreiche Filmkarriere von David Fincher gewettet. Aber dann inszenierte er als seinen zweiten Film „Sieben“, einen Noir-Thrillerklassiker. Danach kamen „The Game“ (1997), „Fight Club“ (1999), „Panic Room“ (2002), „Zodiac“ (2007), „Der seltsame Fall des Benjamin Button“ (2008), „The Social Network“ (2010), „Verblendung“ (2011) und „Gone Girl“ (2014). Seitdem arbeitet Fincher exklusiv für Netflix. Finanziell dürfte das einträglich sein, aber so einen richtigen, allgemein bekannten, diskutierten und sich tief im öffentlichen Bewusstsein festgesetzten Klassiker hat er seitdem nicht mehr gedreht.
Sieben (Se7ven, USA 1995)
Regie: David Fincher
Drehbuch: Andrew Kevin Walker
mit Brad Pitt, Morgan Freeman, Gwyneth Paltrow, Kevin Spacey, John C. McGinley, Richard Roundtree, R. Lee Emery
There will be Blood (There will be Blood, USA 2007)
Regie: Paul Thomas Anderson
Drehbuch: Paul Thomas Anderson
LV: Upton Sinclair: Oil!, 1927 (Öl!)
Porträt von Daniel Plainview (Daniel Day-Lewis), einem kapitalistisch-egoistischem, Menschen verachtenden und rein instrumentell behandelnden Ölsucher, der zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts in Kalifornien ein Vermögen macht. Sein Gegenspieler ist der ebenso ehrgeizige evangelikale Prediger Eli Sunday (Paul Dano). Mit großen Showveranstaltungen sammelt er Gläubige um sich. Und mit Plainview kooperiert er, um seine Gemeinde (und damit sich selbst) zu mästen.
Bildgewaltiges Drama, das in jeder Sekunde auf maximale Überwältigung zielt. Und vom Wesen der amerikanischen Kultur erzählt.
Anschließend, um 22.40 Uhr, zeigt Arte die 55-minütige Doku „Daniel Day-Lewis – Der Weg zum weltbesten Schauspieler“ (Frankreich 2020).
Mit Daniel Day-Lewis, Paul Dano, Kevin J. O’Connor, Ciarán Hinds, Dillon Freasier, Elizabeth Barrett
LV: Elmore Leonard: Out of sight, 1996 (Zuckerschnute, Out of sight)
Auf der Flucht verbringt Jack Foley im Kofferraum einige Zeit mit Debputy U. S. Marshal Karen Sisco. Zwischen ihnen funkt es gewaltig. Als Jack in Detroit seinen letzten Coup plant, erscheint auch Karen auf der Bildfläche.
Hochgelobte und uneingeschränkt empfehlenswerte Elmore-Leonard-Verfilmung mit George Clooney, Jennifer Lopez, Ving Rhames, Don Cheadle, Dennis Farina, Luis Guzman
Von Elmore Leonards Homepage: “Out of Sight, like Get Shorty, was a totally happy film experience for Elmore. The Get Shorty production team and writer: Danny DeVitos Jersey Films and screenwriter Scott Frank, once again collaborated on an Elmore Leonard project. Jersey signed Steven Soderbergh to direct and he cast George Clooney and Jennifer Lopez in the lead roles. (…) Clooney and Lopez added considerable sizzle to Out of Sight. Steve Zahn is hilarious as a stoner car thief; Ving Rhames, Don Cheadle and Isaiah Washington are all deadly and cool. Albert Brooks was a pleasant surprise. He makes the most out of the Ripley character. It was Scott Frank who took Ripley, off-stage in the book, and made him a key character. After Scott finished his screenplay, Elmore disagreed with the Ripley move and the ´happy´ movie ending, but admitted he was right after seeing the finished film. Out of Sight has a great look thanks to Steven Soderberghís masterful direction and Scott Frank’s savvy script. The film was a critical success but a box office so-so because of an unfortunate summer release date.”
Ölmagnat Happer (Burt Lancaster!) schickt den Jungmanager MacIntyre wegen seines schottischen Namens nach Schottland. Dort soll er die Bewohner eines kleinen Dorfes von einer Ölraffinierie in Sichtweite überzeugen. Dummerweise stellt sich ein am Strand lebender Einsiedler quer.
Wunderschönes, damals auch an der Kinokasse sehr erfolgreiches Märchen. Denn es ist „eine nuancenreiche Komödie voller origineller Figuren, deren Schwächen nie verletzend geschildert werden, und voller wehmütiger Sehnsucht nach einem anderen Leben“ (Fischer Film Almanach 1984)
Chris Menges war der Kameramann und Mark Knopfler („Dire Straits“) schrieb die Musik.
mit Burt Lancaster, Peter Riegert, Fulton Mackay, Denis Lawson, Peter Capaldi, Norman Chancer
LV: Judith C. Brown: Immodest Acts: The Life of a Lesbian Nun in Renaissance Italy, 1986 (Schändliche Leidenschaften: Das Leben einer lesbischen Nonne in in Italien zur Zeit der Renaissance)
Im 17. Jahrhundert lebt die tiefgläubige Benedetta Carlini (Virginie Efira) in einem Theatiner-Kloster in Pescia. Als auf ihrem Körper die Wundmale Christi auftauchen, wird sie zu einem Spielball innerhalb katholischen Kirche. Oder spielt sie mit der Kirche?
TV-Premiere. Grandiose, auf einem wahren Fall beruhende, äußerst intelligente Nunsploitation von Provokateur Paul Verhoeven.
Der Film beginnt mit Robbie Williams, der ankündigt, er werde jetzt seine Geschichte erzählen. Das sagt er so unverblümt, dass der Ton für ein zumindest interessantes Biopic gesetzt ist. Immerhin bietet seine Karriere vom Mitglied in der erfolgreichen Boyband „Take That“ zu Solo-Weltstar, garniert mit einigen Drogenexzessen und publikumswirksamen Ausfällen, genug Stoff für ein zünftiges Musiker-Biopic.
Dann sehen wir Robbie Williams 1982 in seinem Geburtsort Stoke-on-Trent als neunjährigen Jungen, als er auf einem matschigen Bolzplatz als letzter für eine Fussballmannschaft ausgewählt wird – und wir sehen die eine geniale Entscheidung, die Musikvideo- und „Greatest Showman“-Regisseur Michael Gracey und die anderen Macher des Films trafen, die „Better Man – Die Robbie Williams Story“ sofort von allen anderen Musiker-Biopics unterscheidet und die gleichzeitig fast alle Biopic-Probleme löst. Es ist eine Idee, die so einfach, wie genial ist und die innerhalb des Films erstaunlich weit trägt. Robbie Williams sieht wie ein AFFE aus. Mit dieser Entscheidung entfiel für die Macher das Problem, Robbie-Williams-Lookalikes zu finden, die ihn als neunjährigen Jungen, Teenager (mit 15 wurde der Schulabbrecher Mitglied von „Take That“), jungen Mann und Anfang Dreißigjährigen (das Biopic endet kurz nach seinen legendären Knebworth-Konzerten von 2003) spielen und die ihm immer nur mehr oder weniger ähneln. Fans werden außerdem sofort die falschen Bewegungen und den falschen Gesang der Schauspieler bemerken, die den porträtierten Star spielen. Ein Affe verkörpert ihn während des gesamten Films. Der Film-CGI-Affe entstand aus der Stimme von Robbie Williams, Williams selbst in einem Motion-Capture-Anzug, und mehreren Schauspielern, die ihn spielen. Der jüngere Williams wird von Asmara Feik und Carter J. Murphy, der Ältere wird von Jonno Davies gespielt. Anschließend verschmolz Wētā FX die einzelnen Teile zu einem sehr überzeugend wirkendem Affen.
Auch das nächste Problem war damit gelöst. „Take That“ war eine aus fünf weißen Jungs bestehende Boygroup. Auf der Bühne sahen sie alle gleich aus. Tanzszenen sind Wimmelbilder, in denen viele gutaussehende junge Männer sich synchron bewegen und singen. Da dauert es immer einige Sekunden, bis man die einzelnen Sänger erkennt. Aber den einen Affen im Bild erkennt man sofort.
Auf der erzählerischen Ebene löste der Affe das Problem, wie man Robbie Williams‘ Selbstwahrnehmung zeigt. Er fühlt sich als Outsider. Das ist leicht gesagt. Aber wie zeigt man es? Wenn man ihn als den einzigen Affen in der Gruppe zeigt, löst sich das Problem in Luft auf. Seine Familie akzeptiert ihn, wie er ist. Seine Schulkameraden wollen mit dem seltsamen Jungen nichts zu tun haben. Er will unbedingt dazugehören, aber er tut es nicht. Und natürlich können die Macher jederzeit in Williams‘ Kopf springen und fantastische Szenen zeigen. Es sind Szenen, die in jedem anderen Film lächerlich wären. In „Better Man“ fügen sie sich nahtlos in die Erzählung ein.
Der Film selbst folgt dann, ziemlich konventionell, dem Leben von Robbie Williams von seiner Kindheit über „Take That“ und erfolgreichen Soloplatten bis zu seinem großen, von ihm ersehnten, für ihn subjektiv desaströs verlaufendem Auftritt in Knebworth vor hunderttausenden jubelnder Fans. Und weil Williams ein sich nicht schonender Erzähler ist, ist „Better Man“ ein auch für Menschen, die nichts von „Take That“ und Robbie Williams halten, sehenswerter Film.
Mit den heutigen Kinostarts „Better Man“, „Queer“ (der heute seinen bundesweiten Start hat) und „Nosferatu“ (den ich für hoffnungslos überbewertet halte) beginnt das Kinojahr vielversprechend. Einige werden diese Woche schon ihre ersten Einträge für die Jahresbestenliste tätigen.
Better Man – Die Robbie Williams Story (Better Man, Australien/USA 2024)
Regie: Michael Gracey
Drehbuch: Simon Gleeson, Oliver Cole, Michael Gracey
mit Robbie Williams, Jonno Davies, Steve Pemberton, Damon Herriman, Raechelle Banno, Alison Steadman, Kate Mulvany, Frazer Hadfield, Tom Budge, Anthony Hayes, Jake Simmance, Asmara Feik, Carter J. Murphy
Für Robert Eggers war „Nosferatu“ ein lange gehegtes Herzensprojekt. Schon als Kind war er von Murnaus „Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens“ fasziniert. An der Highschool schrieb er eine Bühnenadaption, die auch aufgeführt wurde. Nach seinem Regiedebüt schrieb er ein Drehbuch für eine damals geplante Verfilmung. Die Pläne für eine Verfilmung zerschlugen sich in den folgenden Jahren immer wieder. Eine Zeit lang dachte Eggers auch, dass er niemals seine Nosferatu-Version verfilmen könnte. 2023 konnte er sie dann doch verfilmen.
Cineasten kennen und lieben Eggers für „The Witch“ (2016), „Der Leuchttum“ (2019) und „The Northman“ (2022), den ich optisch überzeugend, storytechnisch mehr als enttäuschend fand.
Jetzt läuft seine Version der bekannten Dracula-Geschichte im Kino und nachdem Bram Stokers Roman seit den ersten Tagen des Kinos unzählige Male verfilmt wurde, stellen sich natürlich sofort zwei Fragen: Wie überzeugend ist die Neuinterpretation? Und wie gut kann sie gegen die bekannten Versionen der Geschichte bestehen? Das wären unter anderem Tod Brownings „Dracula“ (1930 mit Bela Lugosi als Dracula), Terence Fishers „Dracula“ (1958 mit Christopher Lee als Dracula) und Francis Ford Coppolas „Bram Stoker’s Dracula“ (1992 mit Gary Oldman als Dracula).
Es gibt auch Friedrich Wilhelm Murnaus „Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens“ (1922, mit Max Schreck als, nun Dracula, der hier Orlok bzw. Nosferatu heißt) und Werner Herzogs eigenständiges Remake „Nosferatu – Phantom der Nacht“ (1979, mit Klaus Kinski als Blutsauger). „Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens“ bediente sich der „Dracula“-Geschichte, hatte aber die Rechte an Bram Stokers Roman nicht erworben. Das führte kurz nach dem Filmstart zu einer letztendlich erfolgreichen Klage von Bram Stokers Witwe.
Und dann gibt es noch zahlreiche mehr oder weniger freie, mehr oder weniger gelungene Erzählungen der Dracula-Geschichte. Genannt seien hier Dario Argentos misslungener „Dracula“ (2012) und der sehr gelungene BBC-Dreiteiler „Dracula“ von 2020. Die „Sherlock“-Macher Steven Moffat und Mark Gattis interpretierten die Geschichte für die Gegenwart und verlegten sie teilweise auch in die Gegenwart. Jonny Campbell, Damon Thomas und Paul McGuigan übernahmen die Regie. Claes Bang verkörperte den überaus charismatischen und verführerischen Grafen mit spürbarer Lust am Verführen, Beißen und Aussagen seiner Opfer.
Eine Sonderstellung hat E. Elias Merhiges „Shadow of the Vampire“ (2000), das als „Making of“ gleichzeitig eine Hommage und liebevolle Satire über Murnaus „Nosferatu“ ist. Mit Willem Dafoe als Max Schreck.
Nun präsentiert Robert Eggers seine Version der bekannten Geschichte. Er bezieht sich in seinem Dracula-Film explizit auf Murnaus Stummfilm, der „vor allem ein expressionistischer Gegenentwurf zum ‚Dracula‘ aus der Zeit nach der schwarzen Romantik“ (Georg Seeßlen, epd film 1/2025) ist. Die Geschichte darf nach all den Verfilmungen und dem heute immer noch populärem Roman als bekannt vorausgesetzt werden.
1838 wird der in der Ostsee-Hafenstadt Wisborg lebende junge, glücklich verheiratete Immobilienmakler Thomas Hutter (Nicholas Hoult) beauftragt, nach Transsylvanien zu reisen. Dort soll er Graf Orlok (Bill Skarsgård) treffen und den Vertrag für den Kauf eines Herrenhauses in Wisborg abschließen.
Der ziemlich seltsame Graf Orlok unterzeichnet den Vertrag und kurz darauf erkundet der Vampir nach Sonnenuntergang sein neues Jagdrevier Wisborg. Besonders interessiert er sich für Hutters Frau Ellen (Lily-Rose Depp).
Eggers inszeniert seine top besetzte Dracula-Variante sehr Stummfilm-Stilbewusst. Die von seinem Stamm-Kameramann Jarin Blaschke gemachten Bilder und das gewählte Bildformat erfreuen das Auge des Cineasten, der während des gesamten Films viele Anspielungen entdecken kann. Es gibt also genug Material für einige Universitätsseminare.
Aber hinter den Bildern ist nichts. In Vampirgeschichten geht es immer um Sex, Begehren und der Austausch von Körperflüssigkeiten, der bevorzugt durch einen Biss in den Hals erfolgt. Davon ist bei Eggers nichts zu spüren. Zugegeben: er zeigt viel nackte Haut. Aber Nacktheit hat – auch wenn wir uns Eggers‘ Nosferatu ansehen – nicht unbedingt etwas mit Erotik und Begehren zu tun.
Eigentlich sagt schon ein Bild am Filmanfang alles über den Film und sein größtes Problem. Eggers zeigt in einer Totalen eine junge Frau, die Mitten in der Nacht in einem Garten in einem Nachthemd auf der Wiese liegt und sich selbst befriedigt. Das kann auch über den Film gesagt werden: künstlerische, von sich und seiner Bedeutung bedingungslos überzeugte Selbstbefriedigung, die genau das vermissen lässt, was Dracula/Nosferatu ausmacht.
„Nosferatu – Der Untote“ ist prüdes lustfeindliches Ausstattungskino und so aufregend wie der längliche Besuch in einem Museum, in dem der Führer einem noch ein Schmuckstück der historischen Sammlung zeigen will.
Drehbuch: Phil Alden Robinson, Walter F. Parkes, Lawrence Lasker
Martin Bishop und sein Team brechen im Auftrag von Firmen in Computersysteme ein. Als sie einen halbseidenen Regierungsauftrag erhalten, geraten sie in Teufels Küche.
Sozusagen die unglamouröse Variante von „Ocean’s Eleven“. Was den Film nicht weniger unterhaltsam macht.
mit Robert Redford, Sidney Poitier, Dan Aykroyd, Ben Kingsley, Mary McDonnell, River Phoenix, David Strathairn, Timothy Busfield, James Earl Jones