Der Abteilungsleiter einer Pharma-Firma wird ermordet. Sein kleiner Sohn hat die Tat beobachtet. Aber bevor er reden kann, wird er entführt. Und die Kommissare Schimanski, Thanner und Hänschen stolpern bei ihren Ermittlungen über eine Verbrecherbande, die illegal Medikamente nach Afrika verschiebt.
Ein alter Schimanski-Tatort. Ein brisantes Thema.
mit Götz George, Eberhard Feik, Chiem van Houweninge, Gerhard Olschewski, Nikolai Bury, Heidemarie Wenzel, Christoph Bantzer, Rolf Becker
Zehn Jahre nach den Ereignissen von „Blade Runner 2019“ erzählen Autor Mike Johnson und Zeichner Andrés Guinaldo eine weitere Geschichte aus dem Leben der Replikantenjägerin Ash. Die Kopfgeldjägerin ist eine der ersten und besten Blade Runner.
2029 soll Ash in Los Angeles einen untergetauchten Replikanten finden, der auf einer städtischen Baustelle arbeitet. Bevor er sich in den Tod stürzt, sagt der Replikant noch „Yotun erlöst“.
Diesen Yotun hat Ash vor zwölf Jahren schon einmal getroffen. Danach verschwand der Replikant und jetzt sollte er, angesichts der Lebenserwartung eines Replikanten, schon lange tot sein. Aber er wurde zum Anführer einer Replikanten-Sekte. Er schafft neue Replikanten und er hat einen die Stadt bedrohenden Plan.
„Alte Bekannte“ enthält die ersten vier Hefte der neuen „Blade Runner 2029“-Geschichte. In den USA erschien jetzt das zwölfte Heft dieser Geschichte, die damit anscheinend noch nicht zu Ende erzählt ist. Entsprechend schwierig ist es über „Blade Runner 2029 – Alte Bekannte“ zu sprechen. Schließlich ist das nur der vielversprechende, mit einem Cliffhanger endende Auftakt einer Geschichte, die von Mike Johnson gut erfunden und von Andrés Guinaldo sehr atmosphärisch im Stil des bekannten „Blade Runner“-Spielfilms gezeichnet ist.
Zum Schluss noch eine aktuelle Meldung aus dem „Blade Runner“-Universum: Vor wenigen Tagen wurde die Planung einer zehnteiligen Amazon-Prime-Video-Serie bestätigt. „Blade Runner 2099“ soll fünfzig Jahre nach „Blade Runner 2049“ spielen – und viel mehr ist nicht bekannt. Auch nicht, wann die Serie veröffentlicht wird und wie sehr Ridley Scott involviert sein wird. Also ob er nur als Produzent oder auch als Regisseur von einer oder oder mehrerer Episoden dabei ist.
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Mike Johnson/Andrés Guinaldo: Blade Runner 2029 – Alte Bekannte (Band 1)
Margarethe von Trotta – Zeit der Frauen (Italien/USA/Deutschland 2021)
Regie: Cuini Amelio Ortiz, Peter Altmann
Drehbuch: Cuini Amelio Ortiz, Peter Altmann
Zum heutigen achzigsten Geburtstag von Margarethe von Trotta zeigt Arte um 20.15 Uhr ihren Film „Rosenstraße“ und diese brandneue spielfilmlange Doku über Margarethe von Trotta mit ihr und einiger Menschen, mit denen sie beruflich verbunden ist, unter anderem Volker Schlöndorff, Barbara Sukowa, Angela Winkler und Katja Riemann. Ortiz und Altmann gehen einmal chronologisch durch ihr Werk, konzentrieren sich auf ihre wichtigsten Kinofilme (ihre TV-Arbeiten werden fast vollständig ignoriert) und bieten so eine gute Einführung in ihr Leben und Werk. Interessant sind auch die historischen Aufnahmen aus Talk- und Nachrichtensendungen.
Störend ist, wie bei vielen anderen neueren Dokumentarfilmen, der Verzicht auf ein Voice-Over. Das ist eine gute Möglichkeit, auf die nicht verzichtet werden sollte, um wichtige Informationen zu liefern, die die Interviewten nicht sagen und einige Statements können so auch eingeordnet und in einen größren Zusammenhang gestellt werden. So ist auch „Margarethe von Trotta – Zeit der Frauen“ eine Abfolge von Statements von Zeitzeugen. Oft sind die Angaben zum Inhalt der besprochenen Filme ziemlich kryptisch.
Trotzdem: eine sehenswerte Doku.
Der WDR wiederholt am Mittwoch, den 23. Februar, um 23.00 Uhr die Doku und zeigt anschließend, um 00.30 Uhr, „Hannah Arendt“. Das absolut sehenswerte Biopic wird ja öfter gezeigt.
Margarethe von Trotta: Gegenwärtig sein – Gespräche mit Thilo Wydra
Kampa Verlag, 2022
352 Seiten
24 Euro
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zum Sehen
Studiocanal hat jetzt eine Box mit ihren frühen Filmen veröffentlicht. Teils erstmals auf DVD und Blu-ray, restaurierrt und mit Bonusmaterial. Es sind „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ (zusammen mit Volker Schlöndorff), „Das zweite Erwachen der Christa Klages“, „Schwestern oder die Balance des Glücks“, „Die bleierne Zeit“, „Heller Wahn“ und „Rosa Luxemburg“. Es sind, wenn wir „Hannah Arendt“ ignorieren, ihre bekanntesten und wichtigsten Filme. Trotzdem sollte es auch eine Box mit ihren späteren Filmen geben.
Und vielleicht gibt es irgendwann eine Box mit ihren TV-Arbeiten, die dann dazu einlädt, ihre Fernsehfilme noch einmal zu sehen.
Die Nacht der Generale (The Night of the Generals, Großbritannien/Frankreich 1967)
Regie: Anatole Litvak
Drehbuch: Joseph Kessel, Paul Dehn
LV: Hans Hellmut Kirst: Die Nacht der Generale, 1962
LV (ein Subplot aus): James Hadley Chase: The wary Transgressor, 1952 ( Der scharlachrote Mund)
Es beginnt 1942 in Warschau: Major Grau von der deutschen Abwehr soll einen sadistischen Prostituiertenmord aufklären. Seine drei Hauptverdächtigen sind Generäle der Wehrmacht.
Es endet 1965. Denn der Mörder hat wieder eine Prostituierte ermordet.
Starbesetztes und bei der Besetzung extrem selten, eigentlich fast nie gezeigtes und erstaunlich unbekanntes Thrillerdrama, das schon seit Ewigkeiten auf meiner Zu-sehen-Liste steht. Wahrscheinlich sagen die Unbekanntheit und die nicht vorhandenen lautstarken Fürsprecher für den Thriller mehr über seine Qualität aus als die durchwachsenen Kritiken. Aber, Hey!, bei der Besetzung kann ich wenigstens ein Trinkspiel machen.
Die Musik ist von Maurice Jarre. Kameramann war Henri Decaë.
mit Peter O’Toole, Omar Sharif, Tom Courtenay, Donald Pleasence, Joanna Pettet, Philippe Noiret, Charles Gray, Coral Browne, Christopher Plummer, Juliette Greco, Yves Brainville, Sacha Pitoeff, Charles Millot, Gordon Jackson
Sehenswertes Biopic über „Beach Boys“-Mastermind Brian Wilson, das sich auf zwei wichtige Abschnitte in Wilsons Leben konzentriert: die Arbeit an der legendären, die Popmusik verändernden LP „Pet Sounds“ und sein Leben in den 80er Jahren als Patient des gemeingefährlichen Dr. Eugene Landy, der nichts von Wilsons neuer Bekanntschaft hält.
„Love & Mercy“ ist nicht am chronologischen Abhandeln einer Musikerbiographie, sondern am Porträtieren eines schwierigen Charakters an zwei entscheiden Punkten seines Lebens interessiert.
Während der Feier zu ihrem sechzigsten Geburtstag erfährt Gudrun, dass der Bürgermeister das Kinderheim, in dem sie aufwuchs, an einen Investor verkaufen will. Sie will das verhindern.
Bis dahin haben wir Gudrun als eine sehr bestimmende Person kennen gelernt. Die seit fast dreißig Jahren mit Werner verheiratete Lehrerin sagt immer allen, was sie zu tun haben und sie läßt nur ihre eigene Meinung gelten. Das bekommt auch ihre Tochter zu spüren. Lara lebt in Berlin und kommt für die Geburtstagsfeier zurück in das in der ostdeutschen Provinz liegende Dorf. Sie soll eine Geburtstagsrede halten. Aber noch bevor sie sie ihrer Mutter vor der Feier vortragen kann, beginnt Gudrun, ganz die resolute Macherin, die sie ihr ganzes Leben war, schnell die Rede aufzuschreiben, die ihre Tochter halten soll und wie sie auf die einzelnen Sätze reagieren wird. So eine Mutter ist Gudrun.
Im folgenden erzählt die Schauspielerin Katharina Marie Schubert in ihrem Spielfilmdebüt von Gudruns Versuchen, den Verkauf zu verhindern. Sie sind nicht strategisch durchdacht, sondern kindisch emotional. Währenddessen entdeckt Lara in der elterlichen Wohnung in einem Koffer ein ihrer Mutter gewidmetes Frauenporträt. Sie fragt sich, ob dieser Peter ihr leiblicher Vater ist. Neugierig geworden besucht sie in Berlin eine alte Bekannte ihrer Mutter, die sie bislang nicht kannte, und den ihr ebenfalls unbekannten Zeichner des Porträts ihrer Mutter.
Und wir fragen uns, warum Gudrun so heftig auf den geplanten Verkauf des Kinderheims reagiert. Sie verfolgt stur ein Ziel und ist dabei unfähig und unwillig, Kompromisse einzugehen oder über Alternativen nachzudenken. Aber warum sie den Verkauf der Ruine verhindern will, wird nie wirklich nachvollziehbar erklärt. Am Ende des Films kennen wir den Grund für ihr Verhalten nicht genauer als am Anfang, als Gudrun äußerst emotional auf die Nachricht von dem geplanten Verkauf reagiert. In dem Moment können wir uns denken können, dass das Kinderheim für sie wichtig war. Aber wir wissen nicht warum. Selbstverständlich, und das erklärt ihr Verhalten zu einem großen Teil, geht es in „Das Mädchen mit den goldenen Händen“ nicht nur um Gudruns Geschichte, sondern auch um die Frage, wie wir mit der Vergangenheit als Individuum und Gesellschaft umgehen. Insofern steht das Kinderheim auch für die gesamte Geschichte der DDR und alle Figuren müssen sich im Film mit ihrer DDR-Vergangenheit auseinandersetzen.
Hier füllt Corinna Harfouch, die Gudrun spielt, mit ihrer schauspielerischen Wucht Lücken des Drehbuchs aus. Wir spüren ihre Schmerzen, Bedürfnisse und Leiden. Wir erkennen ihre Unfähigkeit, im Umgang mit ihr nahe stehenden Menschen Emotionen zuzulassen. Auch wenn wir den Grund dafür mehr ahnen als wissen. Auch die anderen Schauspieler – Peter René Lüdecke als ihr Mann, Birte Schnöink als ihre Tochter und Jörg Schüttauf als Bürgermeister – verleihen in wenigen Momenten ihren Figuren eine Tiefe, die die jahrelange Vertrautheit, die verdrängten Konflikte, Zuneigungen und Ablehnungen glaubhaft machen. Sie alle kennen sich seit ihrer Kindheit und erlebten teilweise drei verschiedene politische Systeme. Denn Schuberts Geschichte spielt wenige Monate vor der Jahrtausendwende.
Das ist alles sehr gelungen in oft langen Szenen inszeniert. Aber das Drehbuch schwächelt mit der Zeit. So nimmt Laras Leben in Berlin und ihr Stochern in der Vergangenheit ihrer Mutter einen zu großen Raum ein. Gudruns Motiv bleibt, wie gesagt, rätselhaft. Und das Ende ist eines der unschönen Deus-ex-machina-Enden.
Das Mädchen mit den goldenen Händen (Deutschland 2021)
Regie: Katharina Marie Schubert
Drehbuch: Katharina Marie Schubert
mit Corinna Harfouch, Birte Schnöink, Peter René Lüdicke, Jörg Schüttauf, Gabriela Maria Schmeide, Imogen Kogge, Stephan Bissmeier, Ulrike Krumbiegel
Seit ihrem Schlaganfall vor fünf Jahren lebt June Wilton (Noni Hazlehurst) in einem noblen Pflegeheim. Körperlich hat sie sich gut erholt. Aber sie erinnert sich an nichts. Zufällig kehrt ihr Gedächtnis zurück. Ihr Arzt warnt sie, dass dieser Zustand nur kurze Zeit anhalten wird. Jede Aufregung könnte sie wieder in ihren dementen Zustand zurückversetzen.
June denkt nicht daran, sich an die Anweisung des Arztes zu halten. Sofort und ohne Erlaubnis verlässt sie das Heim. Sie will ihre Kinder besuchen. Und da weiter machen, wo sie vor fünf Jahren aufhörte.
Seitdem hat sich allerdings einiges verändert. Das Haus ist verkauft. Ihre Tochter Ginny (Claudia Karvan) steckt in finanziellen Schwierigkeiten. Ihr Sohn Devon (Stephen Curry hat das Studium aufgegeben. Er leitet jetzt auch nicht, wie von June geplant, ein Architekturbüro. Stattdessen ist er jetzt, ohne erkennbare Ambitionen, in einem Copyshop angestellt. Und die von ihr aufgebaute Tapetenwerkstatt „Wilton Handcraftetd Wallpaper“ wird von einem Manager geleitet, der nicht auf liebevolle Handarbeit, sondern auf billige Massenproduktion setzt. Die früheren Angestellten haben gekündigt. Keine dieser Veränderungen gefällt June und sie tut jetzt genau das, was sie schon vorher als Geschäftsfrau und Mutter getan hat. Sie beginnt die Dinge nach ihrem eigenen Gusto zu ändern, während Ginny und Devon eher an einigen glücklichen, erinnerungsgesättigten Stunden mit ihrer Mutter interessiert sind.
In seinem Spielfilmdebüt „Noch einmal, June“ erzählt JJ Winlove nach seinem Drehbuch diese Familiengeschichte, in der sich June, Ginny und Devon wieder aneinander annähern. Das geschieht natürlich über einige Umwege und June hat auch ein Geheimnis, das ihre Kinder erst langsam enthüllen. Es hat, soviel kann gesagt werden, etwas mit einer handgefertigten Kommode zu tun, die von ihren Kindern verkauft wurde und die June unbedingt wieder haben will.
„Noch einmal, June“ ist eine grundsympathische, warmherzige Feelgood-Komödie, die genau das liefert, was sie verspricht. Nämlich herzerwärmende Unterhaltung, die einen sanft darauf anspricht, über das eigene Leben, Ziele und die Beziehung zu den Eltern nachzudenken.
Noch einmal, June(June again, Australien 2020)
Regie: JJ Winlove
Drehbuch: JJ Winlove
mit Noni Hazlehurst, Claudia Karvan, Stephen Curry, Nash Edgerton
Erstens: ich kenne das gleichnamige Computerspiel nicht.
Zweitens: ich will es auch nicht kennen lernen.
Aber das kein Problem, weil der Abenteuerfilm die Vorgeschichte, also wie sich Nathan Drake und Victor ‚Sully‘ Sullivan kennen lernen, erzählt und außerdem muss der Film als Film überzeugen. Deshalb geht es in den folgenden Zeilen um den Abenteuerfilm „Uncharted“ und wie sehr es ihm gelingt, zwei Stunden zu unterhalten.
Bis heute wurden von den sechs „Uncharted“-Computerspielen über 44 Millionen Exemplare verkauft und natürlich eignet sich eine sich über mehrere Kontinente erstreckende Schatzsuche gut für einen entsprechenden Film. Die ersten Pläne für eine Verfilmung des Computerspiels sind von 2008. Im Lauf der Jahre waren verschiedene Regisseure und Schauspieler im Gespräch. So sollte Mark Wahlberg ursprünglich – und damit vor Jahren – Nathan Drake spielen. Jetzt spielt er den väterlichen Freund von Drake. Drake wird jetzt von Tom Holland gespielt, der hier einfach noch einmal ‚Spider-Man‘ Peter Parker spielt.
Die Story der in der Gegenwart spielenden Geschichte ist einfach. Victor ‚Sully‘ Sullivan (Mark Wahlberg) ist ein halbseidener Schatzsucher. Um den riesigen, seit Ewigkeiten verschwundenen Goldschaftz von Ferdinand Magellan zu finden, benötigt er die Hilfe von Nathan Drake (Tom Holland). Dieser arbeitet in New York als Barkeeper und Taschendieb, vermisst immer noch seinen vor Ewigkeiten spurlos verschwundenen Bruder (den Sully kennt) und er interessiert sich wahnsinnig für Geschichte, Legenden und verschollene Schätze. Ihr Konkurrent bei der Schatzsuche ist Santiago Moncada (Antonio Banderas). Er glaubt, dass seiner Familie das Gold rechtmäßig gehört. Schließlich raubte Magellan es in ihrem Auftrag zusammen. Und schon entspinnt sich eine Verfolgungsjagd um die halbe Welt. Von New York geht es über Barcelona in die Philippinen.
Jedenfalls im Film. Denn gedreht wurde in Spanien, vor allem Barcelona, ein wenig in Berlin (die Filmauktion wurde in der Deutsche Telekom Hauptstadtrepräsentanz gedreht) und im Studio Babelsberg. Das fehlende Lokalkolorit wird dann durch Actionszenen und CGI-Schauwerte ausgeglichen, über die wirklich nicht nachgedacht werden sollte. Da werden uralte Segelschiffe an Hubschraubern durch die Luft befördert, während unsere Helden sich auf dem Schiffsdeck kloppen. Da findet in der Luft ein epischer Kampf auf und unter mehreren Frachtboxen statt, die an einem fliegendem Flugzeug hängen, und Nathan Drake springt, wie Spider-Man, von einer Box zur nächsten in Richtung Flugzeug. Das ist nicht ‚möglich, aber unwahrscheinlich‘, sondern schlichtweg unmöglich.
Das unterscheidet „Uncharted“ dann auch von den Abenteuerfilmen, die ihn inspirierten. Das sind vor allem die Indiana-Jones-Filme. Aber auch die drei Dan-Brown-Verfilmungen mit Tom Hanks als Professor Robert Langdon, vor allem die flotte dritte Verfilmung „Inferno“, und, auch wenn es keine Abenteuerfilme sind, die James-Bond-Filme mit ihren exotischen Drehorten und ausufernden Actionszenen sind zu nennen.
Gegenüber all diesen Filmen wirkt „Uncharted“ dann doch sehr bieder, künstlich und auch langweilig. Denn die Witze und Frotzeleien zwischen den Figuren zünden nicht richtig. Die Actionszenen sind mit zu viel CGI aufgepimpt. Die Musik klingt immer wie ein provisorisch eingefügter, nur eine Rhythmus vorgebender Temp Track.
Die Geschichte verlässt sich viel zu oft auf unmögliche Zufälle. So soll eine fünfhundert Jahre alte Schatzkarte heute immer noch akkurat zum Ziel führen. So sollen vor fünfhundert Jahren im Untergrund von Barcelona erbaute, bislang nicht entdeckte Gänge und Fallen heute noch genauso schmeidig wie am ersten Tag funktionieren. Das Versteck des Goldes sieht dann zwar prächtig aus, aber mehr auch nicht.
Außerdem sind alle Hauptfiguren schnöde Grabräuber, die an dem Gold nur wegen des Goldes und der damit verbundenen persönlichen Bereicherung interessiert sind. Alles andere ist ihnen egal. Für über hundert Jahren war das eine ausreichende Motivation. Schon Indiana Jones interessierte sich aus anderen Gründen für die alten Legenden und Gegenstände. Heute wird über die Rückgabe der kolonialen Raubkunst diskutiert.
Uncharted(Uncharted, USA 2022)
Regie: Ruben Fleischer
Drehbuch: Rafe Lee Judkins, Art Marcum, Matt Holloway (nach einer Geschichte von Rafe Lee Judkins, Jon Hanley Rosenberg und Mark D. Walker)
mit Tom Holland, Mark Wahlberg, Antonio Banderas, Sophia Ali, Tati Gabrielle, Steven Waddington, Pingi Moli, Tiernan Jones, Rudy Pankow
Barry Egan ist Unternehmer. Allerdings läuft sein Verkauf von Kitschartikeln eher schlecht. Seine sieben Schwestern erdrücken ihn mit ihrer Fürsorge. Ein Telefonsex-Anbieter versucht ihn zu erpressen. Und er selbst findet die Welt immer wieder etwas ver-rückt. Da wird in der Einfahrt zu seinem Garagengeschäft ein alte Harmonium abgestellt und er trifft die überaus nette Lena.
„Punch-Drunk Love“ ist ein wundervoll derangierter Film. Wie die Hauptfigur, die am amerikanischen Traum, der Realität, seiner Familie (sieben Schwestern!) und sich selbst verzweifelt ohne zu scheitern. Denn Anderson erzählt gleichzeitig eine romantische Liebesgeschichte mit psychedelischen Einschüben.
mit Adam Sandler, Emily Watson, Philip Seymour Hoffman, Luis Gusmán, Mary Lynn Rajskub, Robert Smigel
Werfen wir schnell einen weitgehend spoilerfreien Blick auf zwei Serien von Rick Remender. Die eine spielt im Weltraum und ist abgeschlossen. Die andere in einer Schulklasse. In den USA steuert sie langsam auf ihr Ende zu und sie inspirierte eine kurzlebige TV-Serie. Das ist nachvollziehbar. Denn die Prämisse von „Deadly Class“ liest sich wie ein archetypischer Pitch für eine erfolgreiche Streaming-Serie. „Deadly Class“ spielt in den achtziger Jahren. Marcus Lopez, die Hauptfigur, wird in das King’s Dominion aufgenommen. Das ist ein nobles Internat, in das er überhaupt nicht hinein passt. Seine Mitschüler sind die Kinder von Verbrecherbossen, Killern, Terroristen und Agenten. Neben den normalen Teenagerproblemen (die erste Liebe, der erste Rausch) und dem normalen Unterricht, werden sie auch umfassend als Profikiller ausgebildet. Sie sollen, ohne Spuren zu hinterlassen, Menschen auf tausend Arten töten können. Diese Fähigkeit wenden sie auch außerhalb des Unterrichts an.
Nach einem furiosen Start und einer idiotischen Versetzungsprüfung, in der sie sich gegenseitig umbringen müssen, plätschert die von Autor Rick Remender, Zeichner Wes Craig und Colorist Jordan Boyd erzählte Geschichte zunehmend vor sich hin. Es gibt zwar immer wieder Kämpfe und Morde, aber die normalen libidösen Teenagerprobleme nehmen zunehmend Zeit in Anspruch. Wie sie die Geschichte voranbringen könnten, ist dagegen nicht erkennbar. Denn ein Finale, das lediglich die Versetzungsprüfung wiederholt, wäre doch etwas enttäuschend.
Mit dem 52. Heft soll „Deadly Class“ enden. Bei uns sind, gesammelt in neun Bänden, die ersten vierundvierzig Hefte übersetzt. Der zehnte Band ist für Mai angekündigt.
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„Fear Agent“ heißt eine von Rick Remender geschriebene, von Tony Moore (Hauptzeichner), Jerome Opeña und Mike Hawthorne gezeichnete Weltraumserie, die ursprünglich zwischen 2005 und 2011 erschien und 2018 in einer „Final Edition“ wieder veröffentlicht wurde. Diese Ausgabe wurde für die deutsche Veröffentlichung genommen.
„Fear Agent“ kann als Mix aus brutaler Science-Fiction-Abenteuergeschichte und schwarzhumoriger Klamotte beschrieben werden kann. Heath Huston ist der letzte Fear Agent. Die Fear Agents waren eine aus Texas stammende Gruppe von Kämpfern, die vor einigen Jahren gegen Aliens kämpften.
Jetzt treibt Heath mit seinem Raumschiff durch das All, trinkt zu viel, erinnert sich an seine große Liebe und erlebt abstruse Abenteuer, die eben genau deswegen so witzig und gelungen sind. Es handelt sich sozusagen um die Deadpool-Ausgabe der „Guardians of the Galaxy“.
Im zweiten und dritten Sammelband der Serie gibt es jeweils zwei Geschichten, die weitgehend unabhängig voneinander gelesen werden können und bei denen unklar ist, ob es den Machern eher um spaßige Weltraumabenteuer oder um eine zusammenhängende Geschichte geht, die mit einigen langen Abschweifungen Themen von Schuld und Sühne behandelt.
Denn in „Der Abschied“ (in Fear Agent, Band 2) erinnert Heath sich an die Zeit, als mehrere Alienrassen die Erde zu ihrem Kampfplatz auswählen. Heath war damals ein glücklich mit Charlotte verheirateter Redneck-Trucker. Er schließt sich mit anderen Texanern zusammen, um gegen die Aliens zu kämpfen. Dabei tötet er eine gesamte Alienrasse.
In den darauf folgenden drei Geschichten – „Alle gegen einen“, „Ich gegen mich“ und „Aus dem Schritt“ – erlebt Heath, unter anderem auf einem Western-Planeten, wilde Abenteuer mit anderen Menschen, Aliens, Tieren und Robotern.
Mitte April erscheint der vierte „Fear Agent“-Sammelband. Er enthält Geschichten von Chris Burnham, Rafael Albuquerque, Kieron Dwyer, Francesco Francavilla, Ivan Brandon und Eric Nguyen erzählte Geschichten aus dem „Fear Agent“-Kosmos.
Abschied von der Nacht(L’adieu à la nuit, Frankreich/Deutschland 2019)
Regie: André Téchiné
Drehbuch: Léa Mysius, André Téchiné
Als die in den Pyrenäen lebende Pferdezüchterin Muriel (Catherine Deneuve) erfährt, dass ihr Enkel Alex mit seine radikalen Freundin in den Dschihad ziehen will, versucht sie das zu verhindern.
TV-Premiere. Drama, das 2019 auf der Berlinale uraufgeführt wurde, aber nie regulär im Kino lief. Der Film ist die achte Zusammenarbeit von Téchiné und Deneuve.
Bei einer Einbruchsserie wird ein Polizist getötet. Thanner verdächtigt den bereits straffällig gewordenen Jugendlichen Tommy Schaaf. Sein Kollege Schimanski hält Tommy für unschuldig. Schließlich ist Tommy der Spielführer in der von ihm trainierten Footballmanschaft.
Ein weiterer alter Schimanski-“Tatort“ mit Katja Riemann in einer ihrer ersten Rollen als titelgebende schweigsame Katja, die auch Tommys Schwester ist.
mit Götz George, Eberhard Feik, Chiem van Houweninge, Gerhard Olschewski, Katja Riemann, Ulrich Pleitgen
Heutet startet das „Japanese Film Festival“. Bis zum 27. Februar können 15 japanische Filme online kostenlos angesehen. Es sind auch brandneue Filme dabei. Sechs Filme haben auch deutsche Untertitel. Einen Überblick über die Fime gibt es hier und hier ist die Festivalseite.
Viel Filmwissen gibt es auf dieser neuen Homepage.Sie soll vor allem „jungen Nutzer:innen einen interaktiven und spielerischen Einstieg in die Filmgeschichte und Filmsprache, gepaart mit jeder Menge kurioser Fakten zu Film und Kino“ ermöglichen. Sieht auf den ersten Blick gut und umfangreich aus.
Für die Qualität des Kooperationsprojekts bürgen die verantwortlichen Institutionen schon mit ihrem Namen. Es sind die Deutsche Filmakademie, DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum Frankfurt, das Filmmuseum Düsseldorf, CineGraph – Hamburgisches Centrum für Filmforschung, das Haus des Dokumentarfilms Stuttgart, die Stiftung Deutsche Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen Berlin und das Filmmuseum Potsdam.
Ich küsse nicht(J’embrasse pas, Frankreich/Italien 1991)
Regie: André Téchiné
Drehbuch: Jacques Nolot, Michel Grisolia, André Téchiné, Isabelle Coudrier-Kleist (Mitarbeit)
Landei Pierre flieht aus der Enge Pyrenäen nach Paris. Dort will er Karriere als Schauspieler machen. Aber er gerät ins Homosexuellen- und Strichermilieu.
Bei uns lief 1992 eine um ungefähr zehn Minuten gekürzte Fassung in den Kinos. Arte zeigt heute die Originalfassung dieser beeindruckenden Milieustudie.
„Eine Reise in die Nacht, wo sie am finstersten und schmutzigsten ist. (…) Téchiné (…) weiß seine Inszenierung durch jene Poesie zu adeln, mit der ein Baudelaire, ein Rimbaud die Abgründe der Seele erleuchten, mit der ein Balzac seine Neuankömmlinge das Sozialgefüge der großen Stadt durchstreifen läßt.“ (Fischer Film Almanach 1993)
mit Manuel Blanc, Philippe Noiret. Emmanuelle Béart, Hélène Vincent, Ivan Desny, Christophe Bernard, Roschdy Zem, Raphaëline Goupilleau, Michèle Moretti
Drehbuch: Michael Spierig, Peter Spierig (aka The Spierig Brothers)
LV: Robert A. Heinlein: All you Zombies -, 1960 (Kurzgeschichte, Entführung in die Zukunft)
Ein Zeitreise-Agent soll in der Vergangenheit einen Anschlag verhindern. Auf seiner Mission trifft er als Barkeeper auf einen Mann, der früher eine Frau war und bei einem Raumfahrprojekt mitmachen sollte. Verwirrt?
Gut. Denn die Spierig-Brüder erzählen in „Predestination“ mit einem überschaubarem Budget, guten Ideen und einem straffem Drehbuch eine wundervoll verzwickte Zeitreise-Geschichte. Außerdem ist Ethan Hawke als Zeitreise-Agent und Barkeeper dabei.
Seit Monaten hat Magdalena nichts mehr von ihrem Sohn Jesús gehört. Der Teenager verabschiedete sich vor einigen Monaten. Mit seinem besten Freund wollte er von Zentral-Mexiko im Bus 670 nach Nord-Mexiko und dann in die USA fahren. Jetzt wurde die Leiche seines Freundes gefunden. Von Jesús fehlt jede Spur. Die Polizei glaubt, dass er ebenfalls tot ist.
Trotzdem macht sich Magdalena auf den Weg nach Nord-Mexiko. Auf der Suche nach ihrem Sohn erlebt sie eine Odyssee durch das gefährliche Grenzgebiet, in dem Drogen- und Menschenschmuggler sich mit der Polizei einen erbarmungslosen Kampf liefern.
„Was geschah mit Bus 670?“ ist der Debütfilm von Fernanda Valadez. Seit seiner Premiere beim Sundance Film Festival 2020 lief er erfolgreich auf etlichen Festivals, erhielt Preise und viel Kritikerlob.
Valadez musste den Film mit der Hälfte des ursprünglich geplanten Budgets realisieren. Ausstattung, Personal und Drehorte wurden reduziert. Die Inszenierung veränderte sich. Aus Valadez‘ Sicht wurde die filmische Sprache interessanter. Sie konzentriert sich im Film auf Magdalena, glaubhaft gespielt von Mercedes Hernández. Die einzige weitere wichtige Person ist der junge Miguel (David Illescas), den sie auf ihrer Suche trifft und mit dem sie mehr Zeit verbringt. Weitere Figuren tauchen nur in wenigen Szenen auf. Bei Gesprächen mit Beamten über ihren Sohn bleibt die Kamera unbeirrt auf Magdalenas Gesicht gerichtet. Diese Polizisten sind nur zu hören, aber nie zu sehen.
Sie beobachtet in langen Szenen, wie Magdalena und Miguel durch das Grenzgebiet irren. Es sieht wie eine menschenleere Kriegszone aus. Es wird wenig gesprochen. Valadez erklärt nichts. Sie lässt ihre Bilder sprechen.
Das führt dann dazu, dass ihr extrem langsam und spröde erzähltes Arthouse-Drama sich vor allem an Menschen richtet, die schon davon überzeugt sind, dass die Situation an der mexikanisch-amerikanischen Grenze nicht hinnehmbar ist.
Was geschah mit Bus 670? (Sin señas particulares, Mexiko/Spanien 2020)
Regie: Fernanda Valadez
Drehbuch: Astrid Rondero, Fernanda Valadez
mit Mercedes Hernández, David Illescas, Juan Jesús Varela, Ana Laura Rodríguez, Armando García
Ein italienischer Bauarbeiter wird tot auf dem Gelände der Bundesbahn gefunden. Alles sieht nach einem Unfall aus, bis Kommissar Veigl und seine Jungs Ungereimtheiten feststellen.
Als Krimi und als Milieustudie gelungener Tatort mit Münchner Charme.
Zum 100. Geburtstag von Veigl-Darsteller Gustl Bayrhammer gibt es im BR einen Veigl-Abend. Um 22.00 Uhr gibt es „Das Mädchen am Klavier“ (Deutschland 1977) und um 23.30 Uhr das „Ende der Vorstellung“ (Deutschland 1979).
Mit Gustl Bayrhammer, Helmut Fischer, Willy Harlander, Hans Baur, Renzo Martini, Piero Gerlini, Veronik Fitz, Jörg Hube