TV-Tip für den 13. Mai: Police – Der Bulle von Paris

Mai 12, 2021

Servus TV, 22.30

Police – Der Bulle von Paris (Police, Frankreich 1985)

Regie: Maurice Pialat

Drehbuch: Catherine Breillat, Sylvie Danton, Jacques Fieschi, Maurice Pialat

In dem Pariser Stadtteil Belleville jagt Polizeiinspektor Mangin eine Bande tunesischer Drogenhändler. Auf seiner Jagd verliebt er sich in Noria, die Geliebte von einem Bandenmitglied. Und das ist keine gute Idee.

Hochgelobter düsterer Polizeifilm, der mir vor Ewigkeiten gut gefiel, gerade weil er sich mehr auf die Gefühle und Beziehungen der Hauptfiguren zueinander und die Gegend, in der die Geschichte spielt, konzentriert.

„Ein Polizeifilm, der Regeln, Orte und Personen des Genres respektiert, ohne ihren vielfältigen Klischees zu verfallen.“ (Fischer Film Almanach 1989)

mit Gérard Depardieu, Sophie Marceau, Richard Anconina, Sandrine Bonnaire, Pascale Rocard

Wiederholung: Freitag, 14. Mai, 02.15 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

AlloCiné über „Police – Der Bulle von Paris“

Rotten Tomatoes über „Police – Der Bulle von Paris“

Wikipedia über „Police – Der Bulle von Paris“ (deutsch, englisch, französisch)


DVD-Kritik: Schrott mit Bruce Willis: „Cosmic Sin“ und „Hard Kill“

Mai 12, 2021

Seien wir ehrlich: diese Filme sind eine Beleidigung für die Zuschauer. Sie sind auch eine aktive Schändung des Frühwerks von Bruce Willis. Genau, der Bruce Willis, der mit der TV-Serie „Das Modell und der Schnüffler“ bekannt wurde (in den USA mehr als bei uns) und mit „Stirb langsam“ 1988 seinen Durchbruch hatte. Danach war er ein Box-Office-Garant. Seine Filme waren eine kluge Mischung aus Blockbuster-Filmen, guten Actionfilmen (oder Blockbuster mit kleinem Budget), Komödien und kleinen Rollen in Arthaus-Filmen. Nicht jeder dieser Filme ist ein Meisterwerk, aber es ist eine insgesamt überzeugende Mischung. Vor ungefähr zwanzig Jahren gab es einen Bruch. Seitdem spielt er, bis auf wenige, sehr wenige Ausnahmen, erkennbar lustlos in Schrottfilmen mit, deren Existenzberechtigung sich in dem Scheck für Bruce Willis erschöpft. Einen Grund, sich irgendeinen dieser Filme anzusehen, gibt es nicht.

Mit „Cosmic Sin“ und „Hard Kill“, einem Science-Fiction-Actionfilm und einem Actionfilm, erreicht diese Werkphase einen neuen Tiefpunkt. Beide Filme wurden schnell gedreht. Angesichts des Endprodukts stellt sich die Frage, warum sie mehr als einen Tag gebraucht haben. Ein Drehbuch hatten sie offensichtlich nicht. Die Dialoge sind ein Best-of der peinlichsten und abgenutztesten Actionfilm-Phrasen. Fragen nach interner Logik stellen sich nicht. Das ist, als ob man versuchen würde, mit einer Spinne über Quantenphysik reden möchte; – wobei das Gespräch sinnvoll wäre.

„Cosmic Sin“ spielt 2524. Es ist eine Zukunft, die eigentlich wie die Gegenwart aussieht (Ja, es wird banaler Middle-of-the-Road-Schmockrock gehört und die Kneipe sieht wie die Spelunke an der Ecke aus. Das ist auch nachvollziehbar. Schließlich gehen wir am liebsten in Lokale, die aussehen, als habe es seit dem Mittelalter keine Umdekorierung gegeben, wir hören am liebsten unverstärkte mittelalterliche Lautenmusik und, nun, es geht doch nichts über die Computertechnik von 1529.). Wenige Minuten nach dem Erstkontakt mit einer außerirdischen Spezies werden James Ford (Bruce Willis), ein degradierter Soldat, und eine Gruppe Soldaten und Wissenschaftler losgeschickt auf den 13368 Lichtjahre entfernten Planeten Ellora. Das geht in der Zukunft schneller als eine heutige Pinkelpause. Hat irgendetwas mit Quantentechnik zu tun. Aber wahrscheinlich hat das Budget nicht für den Bau eines Raumschiffs gereicht.

Keine Stunde nach dem Erstkontakt landen sie auf dem Planeten. Bei der Landung werden sie versprengt und einige sterben (Frag nicht!). Wenige Sekunden später wird fröhlich herumgeballert und die Außerirdischen, die sehr menschlich aussehen, weil sie sich menschlicher Körper bemächtigen (eine sehr budgetschonende Lösung), sind natürlich sehr böse.

Ach, was soll ich sagen: Wenn dieses niedrigst budgetierte Werk eine TV-Serie wäre, wäre es eine extrem kurzlebige Serie, für die der Sender und alle Beteiligten sich schon vor der Ausstrahlung in Grund und Boden schämen würden. Falls sie das in jeder Beziehung schlechte Werk nicht schon vor der Ausstrahlung ins Archiv verbannt hätten.

Außerdem ist „Cosmic Sin“ humorloser reaktionärer Müll, der Geschlechterklischees und Harte-Männer-Klischees reproduziert, die schon vor Jahrzehnten ihr Verfallsdatum deutlich überschritten hatten.

„Hard Kill“ ist kein Jota besser. Dieses Mal geht es um eine KI-Software, die in die Hände eines Terroristen fällt, der nur „Der Prediger“ heißt. Um das Programm zu starten, benötigt er ein Passwort, das nur Firmeninhaber Donovan Chalmers (Bruce Willis) kennt. Aus nicht nachvollziehbaren Gründen, außer dass gerade eine Fabrikruine als Drehort zur Verfügung stand, begibt sich Chalmers mit einem seiner Angestellten und einer vierköpfigen Eliteeinheit ehemaliger Soldaten, die schon einmal gegen den Prediger kämpften, in das leer stehende Gebäude. Dort wartet der Bösewicht schon auf sie.

Ab diesem Moment wird fröhlich herumgeballert, gesichtslose Bösewichter sterben und die Schauspieler gehen mit ernster Miene durch die Gänge der verlassenen Fabrik.

Dieses Set-up erinnert natürlich an viele andere Filme, die alle besser sind und hier nicht genannt werden, weil so der Eindruck entstehen könnte, der ambitionslos heruntergekurbelte Schund „Hard Kill“ könnte auf irgendeiner Ebene sinnvoll mit ihnen verglichen werden.

„Hard Kill“ und „Cosmic Sin“ sind jenseits aller Rettungsversuche. Sie sind einfach nur schlecht. Es gibt wirklich keinen Grund, sie sich anzusehen.

Nach diesen drei Stunden mit Bruce Willis, der in beiden Filmen zusammen nur wenige Minuten im Bild ist, bleibt immerhin die Erkenntnis, dass er seine Karriere als Schauspieler an den Nagel gehängt hat. Da wird nichts sehenswertes mehr kommen.

Cosmic Sin – Invasion im All (Cosmic Sin, USA 2021)

Regie: Edward Drake

Drehbuch: Edward Drake, Corey Large

mit Frank Grillo, Bruce Willis, Brandon Thomas Lee, Corey Large, CJ Perry, Perry Reeves, Lochlyn Munro, Costas Mandylor

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DVD

Dolphin Medien GmbH

Bild: 2,40:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch (DD 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Trailer, Behind-the-Scenes-Bildergalerie, Wendecover

Länge: 85 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

–

Hinweise

Moviepilot über „Cosmic Sin“

Metacritic über „Cosmic Sin“

Rotten Tomatoes über „Cosmic Sin“

Wikipedia über „Cosmic Sin“ (deutsch, englisch)

–

„Cosmic Sin“ ist auch digital und auf Blu-ray verfügbar.

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Hard Kill (Hard Kill, USA 2020)

Regie: Matt Eskandari

Drehbuch: Joe Russo, Chris LaMont (nach einer Geschichte von Clayton Haugen und Nikolai From)

mit Bruce Willis, Jesse Metcalfe, Lala Kent, Texas Battle

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DVD

EuroVideo

Bild: 2,40:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch (DD 5.1)

Untertitel: –

Bonusmaterial: Trailer, Making-of

Länge: 95 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

–

„Hard Kill“ ist digital ab dem 13. Mai, als DVD und Blu-ray ab dem 20. Mai verfügbar.

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Hinweise

Moviepilot über „Hard Kill“

Metacritic über „Hard Kill“

Rotten Tomatoes über „Hard Kill“

Wikipedia über „Hard Kill“ 


TV-Tipp für den 12. Mai: Der unverhoffte Charme des Geldes

Mai 11, 2021

Arte, 20.15

Der unverhoffte Charme des Geldes (La chute de l’empire américain, Kanada 2018)

Regie: Denys Arcand

Drehbuch: Denys Arcand

In Montreal stolpert Paketfahrer Pierre-Paul Daoust, hochintelligenter, studierter Philosoph, leidenschaftlicher Kaptitalismusgegner und überaus gesetztestreuer Bürger, in einen schief gehenden Überfall. Bevor die Polizei auftaucht, versteckt er die Beute in seinem Laster. Danach steht er vor der Frage, was er mit den Säcken voller Geld machen soll. Eine Escort-Dame, ein vorbestrafter Finanzjongleur und ein Offshore-Banker wollen ihm helfen das Geld zu waschen. Gleichzeitig suchen die Polizei und einige Mafiosi die Beute.

TV-Premiere. Muntere, äußerst philosophische Krimikomödie, die gleichzeitig eine Lehrstunde in der Kunst des Geldwachens ist und eine sehr interessante Antwort auf die Frage gibt, was ein armer, ehrlicher Mann macht, wenn er plötzlich reich ist.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung des humanistischen Verbrecherfilms.

mit Alexandre Landry, Maripier Morin, Rémy Girard, Pierre Curzi, Vincent Leclerc, Louis Morissette, Maxim Roy

Hinweise

Arte über „Der unverhoffte Charme des Geldes“ (online bis zum 10. Juni 2021)

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Der unverhoffte Charme des Geldes“

Metacritic über „Der unverhoffte Charme des Geldes“

Rotten Tomatoes über „Der unverhoffte Charme des Geldes“

Wikipedia über „Der unverhoffte Charme des Geldes“

Meine Besprechung von Denys Arcands „Der unverhoffte Charme des Geldes“ (La chute de l’empire américain, Kanada 2018)


Spider-Man Noir reist von New York über „Berlin bis Babylon“

Mai 11, 2021

Gut, in dem Spielfilm „Spider-Man: Far from Home“ besuchte der Schüler Peter Parker mit seinen Mitschülern Europa und gerät dort in einige Abenteuer, die das Einschreiten von Spider-Man erfordern. Aber normalerweise verlässt Parker seine Heimatstadt nicht. Dort kämpft er gegen Bösewichter. Und das ist in New York ein Full-Time-Job.

Als er in „Berlin bis Babylon“ bei den Ermittlungen in einem Mordfall die Museumskuratorin Dr. Huma Bergmann, – jung, gutaussehend und intelligent – , kennen lernt und die Spur nach Europa führt, zögert er. Er mag die Nazis zwar nicht, aber die bedrohen nicht seine Nachbarschaft, sondern treiben im fernen Europa ihr Unwesen.

Spätestens jetzt ist ein erklärender Einschub nötig. Denn die von Margaret Stohl geschriebene und von Juan Ferreyra formidabel gezeichnete Spider-Man-Geschichte „Berlin bis Babylon“ gehört zur hier auch schon abgefeierten Noir-Reihe von Marvel. In ihr erzählen verschiedene Autoren und Zeichner neue, eigenständige Geschichten mit den bekannten Marvel-Helden. Eine Anknüpfung an die Schwarze Serie, also die Phase Hollywoods, in der Noir-Krimis gedreht wurden, und an die alten Pulps ist explizit erwünscht. Und so spielt „Berlin bis Babylon“ 1939, wenige Tage vor Kriegsausbruch. Peter Parker ist Privatdektiv; so ein richtiger Hardboiled-Dick, der seinen Sam Spade und Philip Marlowe studiert hat. Und die Geschichte wird, bis auf wenige Farbtupfer, in Schwarz-Weiß erzählt. Denn damals beherrschten SW-Filme den Markt.

Nach kurzem Zögern und etwas Zureden – schließlich müssen für den Kampf gegen die Nazis alle Kräfte mobilisiert werden (ich denke da an den Humphrey-Bogart-Film „Agenten der Nacht“ [All through the Night, 1941]) – fliegt Parker mit Huma zunächst nach London. Von da aus geht es weiter nach Berlin zu einem Kurzbesuch auf der Museumsinsel und dann nach Babylon. Auf dem Gebiet der Ausgrabungsstätte Uruk soll seit Jahrhunderten ein Kristall versteckt sein, der in den falschen Händen das Ende von Allem bedeuten würde. Selbstverständlich wollen die Nazis den Stein haben.

„Berlin bis Babylon“ orientiert sich kaum am klassischen Noir, sondern mehr an pulpigen Abenteuergeschichten und Serials, in denen der Held durch haarsträubende Abenteuer stolpert und Erholungspausen nur beim Umblättern einer Seite entstehen. In den achtziger Jahren erlebten diese Geschichten mit den „Indiana Jones“-Filmen eine Renaissance. Und ein Indiana-Jones-Abenteuer könnte Peter Parkers Abenteuer auch sein. Auf seiner Suche begegnet Parker auch alten Bekannten, wie den jetzt für die Nazis kämpfenden Electro.

Trotzdem ist dieses „Spider-Man Noir“-Abenteuer perfekt für Neueinsteiger und Pulp-Fans. Da ich mehr ein Pulp- als ein Spider-Man-Fan bin, hoffe ich jetzt natürlich auf das nächste Abenteuer von PI Peter Parker. Gerne wieder gegen böse Nazis.

–

Margaret Stohl/Juan Ferreyra: Spider-Man Noir: Berlin bis Babylon

(übersetzt von Michael Strittmatter)

Panini, 2021

124 Seiten

15 Euro

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Originalausgabe

Spider-Man Noir (2020) # 1 – 5

Marvel, 2020

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Hinweise

Wikipedia über Margaret Stohl

Marvel über Spider-Man Noir


Cover der Woche

Mai 11, 2021


TV-Tipp für den 11. Mai: Utopia in Babelsberg – Science Fiction aus der DDR

Mai 10, 2021

RBB, 21.15

Utopia in Babelsberg – Science Fiction aus der DDR (Deutschland 2021)

Regie: Knut Elstermann

Drehbuch: Knut Elstermann

Brandneue 45-minütige, von der Machart konventionelle, kurzweilige und informative Doku über die im Westen ziemlich unbekannten Science-Fiction-Filme der Defa. Es waren wenige. Die Story war oft mau; vor allem weil es in der sozialistischen Utopie keine Konflikte mehr gab und eigentlich alle Probleme gelöst waren und in dieser Utopie Menschen aller Völker und Länder friedlich zusammen arbeiteten. Aber die Tricks überzeugten. Und die Sets sehen auch heute noch gut aus. Schon während der Doku hatte ich Lust, mir diese vergessenen SF-Filme anzusehen. Allein schon wegen der Tricks. Und, zugegeben, dem herrlichen Retro-Gefühl.

In der Doku werden „Der schweigende Stern“ (1960) (läuft am Sonntag, den 16. Mai, um 14.45 Uhr im RBB), „Signale – Ein Weltraumabenteuer“ (1970), „Eolomea – Unheimliche Zeichen aus dem All“ (1972) und „Im Staub der Sterne“ (1976) genauer betrachtet.

Kurz erwähnt werden die Kinderfilme „Unternehmen Proxima Centauri“ (1962, ein Puppenfilm), „Alfons Zitterbacke“ und „Die Sensation des Jahrhunderts“ (1960, ein Trickfilm).

Die Doku ist Teil einer Reihe zum 75. Geburtstag der Defa. Unter dem Titel „DEFA 75“ zeigt der RBB bis zum 17. Mai 2021 über zwanzig Spielfilme, Dokumentationen und Kinder- und Märchenfilmen der Defa. Ab dem 16. Mai präsentieren der MDR und der RBB in der ARD-Mediathek mit über fünfzig Defa-Produktionen einen großen Themenschwerpunkt zu 75 Jahren Defa. Hoffentlich sind auch einige der in „Utopia in Babelsberg“ ausführlich vorgestellten SF-Filme dabei.

Hinweis

Homepage der Defa-Stiftung

RBB über „Utopia in Babelsberg“ und die Defa-Filmreihe

Wikipedia über die Defa (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 10. Mai: Die 317. Sektion

Mai 9, 2021

Arte, 20.15

Die 317. Sektion (La 317e Section, Frankreich 1965)

Regie: Pierre Schoendoerffer

Drehbuch: Pierre Schoendoerffer

LV: Pierre Schoendoerffer: La 317e Section, 1963

Der ehemalige Kriegsberichterstatter Pierre Schoendoerffer erzählt nüchtern eine von ihm selbst erlebte Episode aus dem Indochina-Krieg: Im Mai 1954 soll sich eine Einheit französischer Soldaten von einem Außenposten in Nord-Laos zurückziehen

Extrem selten gezeigter und daher fast unbekannter Kriegsfilm, der seine deutsche Premiere 1968 im ZDF hatte.

„Eindrucksvoll als ehrlicher Kriegsfilm, der sich dem Pathos des Heldentums wie der Verzweiflung verweigert.“ (Lexikon des internationalen Films)

mit Jacques Perrin, Bruno Cremer, Pierre Fabre, Manuel Zarbu

Wiederholung: Freitag, 14. Mai, 13.45 Uhr

Hinweise

AlloCiné über „Die 317. Sektion“

Rotten Tomatoes über „Die 317. Sektion“

Wikipedia über „Die 317. Sektion“ (englisch, französisch)


TV-Tipp für den 9. Mai: Sophie Scholl – Die letzten Tage

Mai 8, 2021

ARD, 23.50

Sophie Scholl – Die letzten Tage (Deutschland 2005)

Regie: Marc Rothemund

Drehbuch: Fred Breinersdorfer

Das sei Schulfernsehen, sagte Breinersdorfer, als Rothemund ihm vorschlug die letzten Tage der Geschwister Scholl zu verfilmen. Dann vertiefte er sich in die Protokolle der Verhöre und schrieb das Drehbuch zu einem von Kritikern, Kollegen und Publikum hochgelobten Film. Deutlich über eine Million Zuschauer sahen „Sophie Scholl – Die letzten Tage“ in den deutschen Kinos.

Breinersdorfer schrieb anschließend die Drehbücher zu den ebenso sehenswerten, nah an den Fakten entlang erzählten Dramen „Elser“ und „Das Tagebuch der Anne Frank“ über Widerstand und Zivilcourage während der Nazi-Diktatur.

Mit Julia Jentsch, Alexander Held, Fabian Hinrichs, Jörg Hube

Hinweise

Filmportal über „Sophie Scholl – Die letzten Tage“

Rotten Tomatoes über „Sophie Scholl – Die letzten Tage“

Wikipedia über „Sophie Scholl – Die letzten Tage“ (deutsch, englisch), Sophie Scholl und die Weiße Rose

Bundeszentrale für politische Bildung über Sophie Scholl und die Weiße Rose und den Film „Sophie Scholl – Die letzten Tage“ (Filmheft, undsoweiter)

Homepage von Fred Breinersdorfer

Meine Besprechung von Fred und Léonie Breinersdorfers „Das Hurenspiel – Ein Fall für Abel“ (2006)

Meine Besprechung von Oliver Hirschbiegels „Elser“ (Deutschland 2015)  (mit Interviews mit Oliver Hirschbiegel über den Film) (und der DVD)

Meine Besprechung von Hans Steinbichlers „Das Tagebuch der Anne Frank“ (Deutschland 2016)


TV-Tipp für den 8. Mai: Elser

Mai 7, 2021

One, 21.45

Elser (Deutschland 2015)

Regie: Oliver Hirschbiegel

Drehbuch: Fred Breinersdorfer, Léonie-Claire Breinersdorfer

Packendes Drama über Georg Elser, der am 8. November 1939 im Münchner Bürgerbräukeller einen Bombenanschlag auf Adolf Hitler verübte.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

Wenn die Anfangszeiten im TV-Programm stimmen, wird eine rabiat auf 90 Minuten gekürzte Fassung des 114-minütigen Films gezeigt. Keine Ahnung warum. Denn die Kinofassung ist perfekt.

mit Christian Friedel, Katharina Schüttler, Burghart Klaußner, Johann von Bülow, Felix Eitner, David Zimmerschmied, Rüdiger Klink, Cornelia Köndgen, Martin Maria Abram, Udo Schenk

Hinweise

Film-Zeit über „Elser“

Moviepilot über „Elser“

Rotten Tomatoes über „Elser“

Wikipedia über „Elser“ und Georg Elser

Meine Besprechung von Oliver Hirschbiegels „Five Minutes of Heaven“ (Five Minutes of Heaven, GB 2009)

Meine Besprechung von Oliver Hirschbiegels „Diana“ (Diana, USA/GB 2013)

Meine Besprechung von Oliver Hirschbiegels „Elser“ (Deutschland 2015)  (mit Interviews mit Oliver Hirschbiegel über den Film) (und der DVD)

Meine Besprechung von Oliver Hirschbiegels „Der gleiche Himmel“ (Deutschland 2017)


Die Krimibestenliste Mai 2021

Mai 7, 2021

Auch wenn das Wetter eher April (von der Regen-Sonnenschein-Sturm-Hagel-Graupelschauer-Blauer-Himmel-Wechselgeschwindigkeit) oder Februar (eiskalt, wirklich wirklich eiskalt) ist, folgt die Krimibestenliste von Deutschlandfunk Kultur streng dem Kalender. Da steht: Mai.Für den Fast-schon-Sommermonat empfehlen die Damen und Herren Krimikritiker:innen folgende Lektüre:

1 (-) David Peace: „Tokio, neue Stadt“

Aus dem Englischen von Peter Torberg

Liebeskind, München 2021

432 Seiten, 24 Euro

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2 (8) Simone Buchholz: „River Clyde“

Suhrkamp, Berlin 2021

230 Seiten, 15,95 Euro

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3 (-) Colin Niel: „Nur die Tiere“

Aus dem Französischen von Anne Thomas

Lenos, Basel 2021

286 Seiten, 22 Euro

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4 (3) Matthias Wittekindt: „Vor Gericht“

Kampa, Zürich 2021

318 Seiten, 19,90 Euro

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5 (2) S. A. Cosby: „Blacktop Wasteland“

Aus dem Englischen von Jürgen Bürger

Ars Vivendi, Cadolzburg 2021

320 Seiten, 22 Euro

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6 (-) Louisa Luna: „Tote ohne Namen“

Aus dem Englischen von Andrea O‘Brien

Suhrkamp, Berlin 2021

444 Seiten, 15,95 Euro

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7 (1) Merle Kröger: „Die Experten“

Suhrkamp, Berlin 2021

688 Seiten, 20 Euro

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8 (10) James McBride: „Der heilige King Kong“

Aus dem Amerikanischen von Werner Löcher-Lawrence

btb, München 2021

448 Seiten, 22 Euro

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9 (6) Patrícia Melo: „Gestapelte Frauen“

Aus dem Portugiesischen von Barbara Mesquita

Unionsverlag, Zürich 2021

252 Seiten, 22 Euro

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10 (-) „Kate Atkinson: Weiter Himmel“

Aus dem Englischen von Anette Gruber

Dumont, Köln 2021

476 Seiten, 24 Euro


TV-Tipp für den 7. Mai: Die Brücke

Mai 6, 2021

3sat, 20.15

Die Brücke (Deutschland 1959)

Regie: Bernhard Wicki

Drehbuch: Michael Mansfeld, Karl-Wilhelm Vivier (d. i. Heinz Pauck), Bernhard Wicki

LV: Manfred Gregor: Die Brücke, 1958

In den letzten Kriegstagen erhalten sieben Oberschüler ihre Einberufung. Sie sollen eine militärisch unwichtige Brücke in ihrer Heimat verteidigen.

Klassiker und brutaler Antikriegsfilm

„Heldentum ist nur etwas wert, wenn es für die richtige Sache geschieht. Und für mich, aus meinem persönlichen Schicksal heraus, war die Verteidigung der Brücke nicht erst 1959, sondern auch schon während des Krieges die falsche Sache.

Ich habe in den Jahren sei der ‚Brücke‘ Tausende von Briefen von jungen Männern bekommen, die mir schrieben, dass sie auch aufgrund meines Films den Kriegsdienst verweigert haben. Das zählt zu den wenigen Dingen in meinem Leben, auf die ich wirklich stolz bin.“ (Bernhard Wicki in Robert Fischer: Bernhard Wicki – Regisseur und Schauspieler, 1994)

mit Folker Bohnet, Fritz Wepper, Michael Hinz, Frank Glaubrecht, Karl Michael Balzer, Volker Lechtenbrink, Günther Hoffmann, Cordula Trantow, Wolfgang Stumpf, Günter Pfitzmann, Heinz Spitzner, Siegfried Schürenberg, Loriot (Was für eine Besetzung!)

Hinweise

Filmportal über „Die Brücke“

Rotten Tomatoes über „Die Brücke“

Wikipedia über „Die Brücke“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 6. Mai: The Rider

Mai 5, 2021

Vor „Nomadland“ war

RBB, 23.40

The Rider (The Rider (USA 2017)

Regie: Chloé Zhao

Drehbuch: Chloé Zhao

Quasi-dokumentarischer Spielfilm über den jungen Rodeoreiter Brady Blackburn (Brady Jandreau), der nach einem Unfall nicht mehr Rodeo reiten darf und seinen Versuchen, sich damit zu arrangieren.

Chloé Zhao, die vor wenigen Tagen für ihren neuen Film „Nomadland“ unter anderem den Oscar als bester Spiefilm und für die beste Regie erhielt (der deutsche Kinostart ist noch unklar), erzählt in ihrem vorherigen Film mit Laiendarstellern, die sich letztendlich selbst spielen, vom deprimierend trostlosen Leben im US-amerikanischen Hinterland. Da ist, bis auf die leinwandfüllenden Sonnenuntergänge, alles deprimierend trostlos. Vom Mythos des Rodeoreiters, den Sam Peckinpah schon in „Junior Bonner“ entmystifizierte und dem Brady und seine Freunde wie einer Religion anhängen, bleibt nichts mehr übrig.

Dank der Schauspieler, den leinwandfüllenden Bildern, Zhaos geduldigem Einlassen auf die Laiendarsteller und ihr Leben und ihrem sie, ihr Leben und ihre Ansichten nie verurteilendem Blick ist der Neo-Western „The Rider“ ein aufbauender, zutiefst humanistischer Film.

mit Brady Jandreau, Lilly Jandreau, Tim Jandreau, Lane Scott, Cat Clifford, Terri Dawn Pourier

Wiederholung: Arte, Mittwoch, 19. Mai, 22.45 Uhr

Hinweise

Rotten Tomatoes über „The Rider“

Wikipedia über „The Rider“ (deutsch, englisch)


Ausgezeichnete Bücher: Der Glauser-Gewinner 2021: Tommie Goerz: Meier

Mai 5, 2021

Das also ist nach Ansicht des Syndikats der beste deutschsprachige Kriminalroman des Jahres: ein schlankes hundertsechzigseitiges Buch. Geschrieben von Tommie Goerz, der bereits mehrere Romane mit Kommissar Friedo Behütuns schrieb. „Meier“ heißt das Werk und so heißt auch der Protagonist des waschechten Gangsterkrimis.

Nach zehn Jahren wird Meier wegen guter Führung vorzeitig aus der Haft entlassen. Er war für einen Mord verurteilt worden, den er nicht begangen hat. Familie, Freunde und Verwandte hat er nicht mehr. Geld auch nicht.

Jetzt will er seine Ruhe haben. Deshalb mietet er ein heruntergekommenes, an einer Bahntrasse liegendes Haus. Alle paar Minuten donnert ein Zug vorbei. Hier hofft er, keinen Kontakt zu seinen Nachbarn zu haben. Das ist ein Irrtum. Die stehen, auf dem zugemüllten Nachbargrundstück und der Straße, beobachten den Neuankömmling und drängen sich ihm auf mit Gefälligkeiten und den Bitten um Gefälligkeiten, wie der Hilfe beim Abholen eines Schrankes aus einem Nachbardorf.

Gleichzeitig überbringt Meier einem tschetschnischen Gangsterboss eine enorm wichtige Zahlenkombination, die ihm im Gefängnis ein Mithäftling anvertraut hat. Und er klaut. Wie das geht, ohne erwischt zu werden, hat er im Knast gelernt. Außerdem hat er die Strafe für diese Taten schon abgesessen.

Und er will sich an den Polizisten rächen, die ihn damals zum Mörder machten.

Als erstes fällt die lakonisch-knappe Sprache auf. Auf den ersten Blick erinnert sie mit ihren kurzen Sätzen und vielen Absätzen an Don Winslow. Aber der schreibt handlungsbetonter und schwarzhumoriger. „Meier“ ist dagegen eher die Studie eines Mannes, der nach einer zehnjährigen Haftstrafe vor dem Nichts steht und aus der Einsamkeit wieder zurück ins Leben findet. Das geschieht vor allem über Beschreibungen, Beobachtungen, Gedanken und zufällige Begegnungen, wie ein Gespräch mit einem Nachbarn, das Treffen mit einer Frau, deren Ente nicht mehr anspringt, oder seine Tage in einer Landkommune, die Probleme mit einem wegen einer benachbarten Kiesgrube absackendem Schuppen hat. Beide Male kann Meier helfen. Erst langsam wird Meiers intelligenter Racheplan offensichtlich und er hat, soviel kann verraten werden, eine gute Chance, umgesetzt zu werden. Im Gegensatz zu anderen unter Krimifans beliebten Verbrechern, wie Parker, Wyatt und Crissa Stone, muss er sich nicht mit unzuverlässigen Kollegen, Konkurrenten und Störenfrieden, wie korrupten Polizisten, herumschlagen. – Obwohl, die gibt es auch in „Meier“.

Daraus macht Goerz einen literarisch gesättigten, in jeder Beziehung schlanken Gangsterkrimi, der gelungen bekannte Genretopoi in die bundesdeutsche Wirklichkeit überträgt. Auch wenn „Meier“ am Ende vor allem eine Rachegeschichte ist. In jedem Fall ist „Meier“ ein Glauser-Preisträger, den man gelesen haben sollte.

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Tommie Goerz: Meier

ars vivendi, 2020

160 Seiten

18 Euro

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Hinweise

Homepage von Tommie Goerz

Wikipedia über Tommie Goerz


TV-Tipp für den 5. Mai: Die schönen Tage

Mai 4, 2021

Arte, 20.15

Die schönen Tage (Les beaux Jours, Frankreich 2013)

Regie: Marion Vernoux

Drehbuch: Marion Vernoux, Fanny Chesnel

LV: Fanny Chesnel: Une jeune fille aux chevaux blancs, 2010

Zu ihrer Pensionierung erhält die immer noch mitten im Leben stehende, verheiratete Zahnärztin Caroline von ihren Töchtern einen Gutschein für den titelgebenden Seniorenclub „Die schönen Tage“. Als sie dorthin geht, lernt sie den zwanzig Jahre jüngeren, überaus charmanten Computerlehrer Julien kennen.

TV-Premiere; keine Ahnung, warum das bei diesem Film, der auch bei uns vor acht Jahren im Kino lief, so lange dauerte.

„Die schönen Tage“ ist ein feinfühlig erzähltes Melodrama, das im positiven Sinn an die Filme von Claude Lelouch, Claude Sautet und Francois Truffaut erinnert, die sich auch immer wieder mit den Fallstricken der Liebe beschäftigten.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Fanny Ardant, Laurent Lafitte, Patrick Chesnais, Jean-Francois Stévenin, Fanny Cottencot, Chatherine Lachens

Wiederholung: Freitag, 7. Mai, 13.45 Uhr

Hinweise

Moviepilot über „Die schöne Tage“

Metacritic über „Die schöne Tage“

Rotten Tomatoes über „Die schöne Tage“

AlloCine über „Die schöne Tage“

Wikipedia über „Die schöne Tage“ (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von Marion Vernoux‘ „Die schönen Tage“ (Les beaux Jours, Frankreich 2013)


Cover der Woche

Mai 4, 2021

weil heute Star Wars Day ist: May the Fourth Force be with you!


TV-Tipp für den 4. Mai: Es war Nacht in Rom

Mai 3, 2021

HR, 23.55

Es war Nacht in Rom (Era notte a Roma, Frankreich/Italien 1960)

Regie: Roberto Rossellini

Drehbuch: Sergio Amidei, Diego Fabbri, Brunello Rondi, Roberto Rossellini, Mario Del Papa (Englische Dialoge) (nach einer Geschichte von Sergio Amidei)

Während des Zweiten Weltkriegs in Rom: Esperia, taffe Schwarmarkthändlerin und verlobte Teilzeit-Widerstandskämpferin, nimmt drei alliierte, sich auf der Flucht befindende Soldaten, bei sich auf. Sie versteckt sie auf dem Speicher. Zunächst nur für eine Nacht.

Ein humanistischer Kriegsfilm, der immer wie eine Komödie wirkt, die nicht auf Lacher, sondern auf ein Gefühl von wärmender Heimeligkeit setzt. Da sind die mordenden Deutschen plötzlich gar nicht mehr so schlimm, es wird laut Weihnachten gefeiert und Esperia darf ausgiebig die wutschnaubende italienische Mamma mit dem Herz aus Gold geben.

Die bekanntesten Filme des Neorealisten Roberto Rossellini sind „Rom, offene Stadt“, „Deutschland im Jahre Null“ und „Stromboli“.

mit Leo Genn, Giovanna Ralli, Sergej Bondartchoux, Hannes Messemer, Peter Baldwin, Renato Salvatori, Paolo Stoppa

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Es war Nacht in Rom“

Wikipedia über „Es war Nacht in Rom“ (deutsch, englisch)


Über Abigail Deans Romandebüt „Girl A“

Mai 3, 2021

„Ein moderner Klassiker.“ (Jeffery Deaver), „Der wichtigste Thriller seit ‚Gone Girl‘.“ (Elle) undsoweiterundsofort wird auf dem Buchcover gelobhudelt und, auch wenn diese Lobhuddeleien nicht unbedingt etwas mit der Realität zu tun haben, setzten sie dennoch eine Stimmung und schaffen eine Erwartung: nämlich, dass „Girl A“, der Debütroman von Abigail Dean, spannend ist, er mehr Noir als herkömmlicher Frauenthriller ist, und wir es, wie in „Gone Girl“, wahrscheinlich mit einer unzuverlässigen Erzählerin zu tun haben.

Ein schneller Blick auf verschiedene Leserkritiken („spannend“, „Spannend!“) und auf englischsprachige Buchbesprechungen bestätigen den Eindruck: ein spannendes, wichtiges, verstörendes Buch, das, auch dank einer begleitenden Werbekampagne, in England schnell zum Bestseller wurde. Die Filmrechte sind bereits verkauft. Eine TV-Serie ist geplant.

Die Story klingt auch vielversprechend: Alexandra ‚Lex‘ Gracie wurde von ihrer im Gefängnis verstorbenen Mutter als Erbverwalterin eingesetzt. Die Erbschaft besteht aus etwas Krimskrams, 20.000 Pfund und dem Elternhaus. Das einsam an der Moor Woods Road in Hollowfield gelegene Haus kennt die Öffentlichkeit als Horrorhaus. Dort wurden Lex und ihre sechs Geschwister von ihren Eltern gefangen gehalten. Sie durften das Haus nicht verlassen. Sie hungerten. Sie wurden von ihnen gefesselt und geschlagen. Ihr Vater war auf einem christlich-fundamentalistischem Trip. Sie konnten entkommen, kamen zu verschiedenen Pflegeeltern und in psychologische Betreuung. Sie gingen mit den Erlebnissen verschieden um. Einige sprachen in der Öffentlichkeit über ihre Erlebnisse und schrieben darüber. Sowieso berichteten die Zeitungen ausführlich über die Ereignisse in dem Horrorhaus.

Durch ihre Aufgabe als Erbverwalterin ist Lex gezwungen, sich (wieder) ihrer Vergangenheit und ihrer Identität als Girl A, dem Mädchen, das aus dem Haus entkommen und ihre Geschwister retten konnte, stellen.

Getriggert von dieser Prämisse, dem Klappentext und der Werbung erwarte ich jetzt natürlich einen Thriller, in dem munter gemordet wird und einige gut gehütete Familiengeheimnisse enthüllt werden. Durch den „Gone Girl“-Hinweis könnte die Ich-Erzählerin Lex Gracie eine unzuverlässige Erzählerin sein (in einem gewissen Rahmen ist sie das auch) und sie könnte kein unschuldiges Opfers, sondern eine Täterin, vielleicht sogar die treibende Kraft hinter all den Ereignissen, gewesen sein. Oder, was natürlich auch eine Möglichkeit wäre, alles spielt sich im Kopf einer komplett wahnsinnigen Erzählerin ab.

Das ist „Girl A“ nicht. Es ist, entgegen der Werbung, kein Thriller, sondern eine sich langsam entwickelnde Charakterstudie, die eher willkürlich zwischen Gegenwart und Vergangenheit hin und her springt. Die vor sich hin mäandernde Geschichte ist niemals spannend. Es gibt keine Geheimnisse. Es gibt, was noch schlimmer ist, keine Konflikte. Lex geht zu ihren Geschwistern, redet mit ihnen über den Plan, ihr altes Elternhaus zu einer Begegnungsstätte zu machen und sie stimmen sofort zu. Lex‘ Erinnerungen bergen keine neuen Erkenntnisse. Sie beschreiben nur, wie ihr Vater zunehmend einem religiösem Wahn verfällt. Dabei bleibt er, wie alle anderen Figuren des Romans, eine Chiffre ohne eine erkennbare Persönlichkeit.

Und so plätschert „Girl A“ über vierhundert Seiten vor sich hin. Gegen Ende gibt es eine aus dem Hut gezauberte ‚Überraschung‘, die in keinster Weise überzeugt.

Abigail Deans Debüt ist ein Buch für Menschen, die ein umständlich geschriebenes, zu lang geratenes Not-Coming-of-Age-Buch lesen wollen.

Ich würde dagegen viel lieber das nächste „Gone Girl“ lesen.

Abigail Dean: Girl A

(übersetzt von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann)

HarperCollins, 2021

416 Seiten

22 Euro

–

Originalausgabe

Girl A

Harper Collins Publishers, London, 2021

–

Hinweise

Bookmarks über „Girl A“

Homepage von Abigail Dean

Wikipedia über Abigail Dean und „Girl A“


TV-Tipp für den 3. Mai: Begegnung

Mai 2, 2021

Arte, 20.15

Begegnung (Brief Encounter, Großbritannien 1945)

Regie: David Lean

Drehbuch: Noël Coward, David Lean, Anthony Havelock-Allan, Ronald Neame (nach Noël Cowards Einakter „Still Life“, 1936)

Laura ist eine Hausfrau. Alec Arzt. Beide sind glücklich verheiratet. Aber nicht miteinander. Als die beiden Londoner sich durch Zufall an einer kleinen Bahnstation kennen lernen, spüren sie eine Verbindung. Sie treffen sich immer wieder. Zunächst nur, um sich miteinander zu unterhalten.

Anscheinend wird David Leans hochgelobtes Frühwerk heute zum ersten Mal im Fernsehen gezeigt. Falls nicht, wurde das sehenswerte und zu Herzen gehende Drama seit Ewigkeiten nicht mehr im TV gezeigt. „Begegnung“ ist ein intimes Drama über zwei Liebende, die nicht miteinander leben können.

Das Kammerspiel ist „dank der seltenen Harmonie zwischen Regie, Besetzung und Sujet, eine der schönsten Leinwandromanzen überhaupt, ein Klassiker des britischen Kinos“ (TV Spielfilm: Das große Filmlexikon)

Lean drehte später die Epen „Die Brücke am Kwai“, „Lawrence von Arabien“ und „Doktor Schiwago“.

mit Celia Johnson, Trevor Howard, Cyril Raymond, Stanley Holloway, Joyce Carey

Wiederholung: Mittwoch, 5. Mai, 13.50 Uhr

Hinweise

Arte über „Begegnung“ (bis zum 1. 6. in der Mediathek)

Rotten Tomatoes über „Begegnung“

Wikipedia über „Begegnung“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 2. Mai: Tod auf dem Nil

Mai 1, 2021

Immer noch als Vorbereitung für Kenneth Branaghs irgendwann demnächst startendes, ebenfalls starbesetztes Remake. Und als Mittel gegen Fernweh

Arte, 20.15

Tod auf dem Nil (Death on the Nile, Großbritannien 1978)

Regie: John Guillermin

Drehbuch: Anthony Shaffer

LV: Agatha Christie: Death on the Nile, 1937 (Der Tod auf dem Nil)

Auf einem Nildampfer wird die Millionenerbin Linnet Ridgeway ermordet. Ihr Mörder ist noch auf dem Schiff. Hercule Poirot wird mit der Hilfe seiner kleinen grauen Zellen den Fall lösen.

„Tod auf dem Nil“ erhielt einen Oscar für die besten Kostüme und läutete eine kleine Renaissance von Christie-Verfilmungen ein. Der Film ist eine weitgehend spannungsfreie, nostalgische, stargarnierte Angelegenheit.

Danach, um 22.30 Uhr, zeigt Arte die, wenn ich sie nicht verwechsele, sehenswerte einstündige Doku „Agatha Christie – The Queen of Crime“.

Mit Peter Ustinov, Jane Birkin, Bette Davis, Mia Farrow, Lois Chiles, David Niven, Jon Finch, Angela Lansbury, Olivia Hussey, Maggie Smith, Simon MacCorkindale, George Kennedy, Jack Warden, Sam Wanamaker, Celia Imrie

Wiederholung: Dienstag, 4. Mai, 13.50 Uhr

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Tod auf dem Nil“

Wikipedia über „Tod auf dem Nil“ (deutsch, englisch)

Thrilling Detective über Hercule Poirot

Homepage von Agatha Christie

Krimi-Couch über Agatha Christie

Meine Besprechung von Agatha Christies „Mord im Orientexpress“ (Murder on the Orient Express, 1934)

Meine Besprechung von Michael Winners Agatha-Christie-Verfilmung „Rendezvous mit einer Leiche“ (Appointment with Death, USA 1988)

Meine Besprechung von Kenneth Branaghs Agatha-Christie-Verfilmung „Mord im Orientexpress“ (Murder on the Orient Express, USA 2017)

Meine Besprechung von Gilles Paquet-Brenner Agatha-Christie-Verfilmung „Das krumme Haus“ (Crooked House, USA 2017) (und Buchbesprechung)


TV-Tipp für den 1. Mai: Der Gott des Gemetzels

April 30, 2021

One, 20.15

Der Gott des Gemetzels (Carnage, Frankreich/Deutschland/Polen/Spanien 2011)

Regie: Roman Polanski

Drehbuch: Roman Polanski, Yasmina Reza (nach ihrem Theaterstück)

Der Sohn von Nancy und Alan Cowan hat dem Sohn von Penelope und Michael Longstreet zwei Zähne ausgeschlagen. Die kultivierten Eltern treffen sich, um, ganz zivilisiert, eine Versöhnung zwischen ihnen und ihren elfjährigen Kindern auszuhandeln. Der gute Wille ist vorhanden, aber nachdem Kaffee und Kuchen gereicht werden, eskaliert der Streit. Immer wieder unterbrochen vom ständigen Klingeln des Telefons.

Großartiges Schauspielerkino (wobei Kate Winslet für meinen Geschmack etwas blass bleibt), das vier Menschen in ein New-Yorker-Apartment einsperrt. Wunderschön pointiert, schwarzhumorig und bissig geschrieben und von Roman Polanski in einer weiterer seiner Theaterverfilmungen auf den Punkt inszeniert. Atempausen gibt es nach dem Film.

„‚Der Gott des Gemetzels‘ ist ein böser, vergnüglicher, kaum subtiler und durch und durch bürgerlicher Spaß.“ (Birgit Glombitza, epd Film 11/2011)

mit Jodie Foster, Kate Winslet, Christoph Waltz, John C. Reilly

Wiederholung: Dienstag, 4. Mai, 00.15 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Der Gott des Gemetzels“

Wikipedia über „Der Gott des Gemetzels“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Roman Polanskis “The Ghostwriter” (The Ghost Writer, Frankreich/Deutschland/Großbritannien 2010)

Meine Besprechung von Roman Polanskis “Venus im Pelz” (La Vénus á la Forrure, Frankreich/Polen 2013)

Meine Besprechung von Roman Polanskis „Nach einer wahren Geschichte“ (D’après une histoire vraie, Frankreich 2017)

Meine Besprechung von Roman Polanskis „Intrige“ (J’accuse, Frankreich/Italien 2019)