TV-Tipp für den 16. Februar: Mississippi Burning – Die Wurzeln des Hasses

Februar 15, 2020

Tele 5, 20.15

Mississippi Burning – Die Wurzeln des Hasses (Mississippi Burning, USA 1988)

Regie: Alan Parker

Drehbuch: Chris Gerolmo

Südstaaten, 1964: Mitten im Hochsommer verschwinden im ländlichen Jessup County drei Bürgerrechtler spurlos. Ein älterer und ein jüngerer FBI-Agent sollen den Fall aufklären und wenn sie nur auf eine Mauer des Schweigens stoßen würden, wären sie froh.

Packender, auf einem wahren Fall basierender Polizei-Thriller. Zum Filmstart sah der Fischer Film Almanach das anders (wobei damals die Filmkritik auch anders war): „Parker lässt zu, dass ‚Mississippi Burning‘ sich zu einem konventionellen Reißer entwickelt, zu einem Polizeifilm, der mit den fragwürdigen Methoden seiner Protagonisten sympathisiert. Doch damit wird er seinem Thema nicht mehr gerecht. Ein Film der verschenkten Möglichkeiten.“ Dabei wird der erste Teil des Films wegen seiner dokumentarischen Qualitäten gelobt.

„Parkers von gewalttätigen Eruptionen durchsetzter FBI-Thriller ist wegen seiner (historisch unhaltbaren) Glorifizierung des FBI und wegen seiner Tendenz, die Rolle der Bürgerrechtler und der Schwarzen zu verfälschen (sie sind mehr oder weniger Randfiguren des Dramas), heftig kritisiert worden.“ (Wolfgang Schweiger: Der Polizeifilm, 1989)

Der Film feierte seine Premiere auf der Berlinale. Der immer überzeugende Gene Hackman erhielt den Silbernen Bären als bester Hauptdarsteller. Und bei den US-Kritikern kam der Film besser an als bei den deutschen Kritikern.

mit Gene Hackman, Willem Dafoe, Frances McDormand, Brad Dourif, R. Lee Ermey, Michael Rooker, Pruitt Taylor Vince, Tobin Bell (damals noch ein kleiner Nebendarsteller in seinem ersten namentlich genanntem Spielfilmauftritt)

Wiederholung: Mittwoch, 19. Februar, 01.36 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Mississippi Burning“

Wikipedia über „Mississippi Burning“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 15. Februar: Ich, Daniel Blake

Februar 15, 2020

3sat, 20.15

Ich, Daniel Blake (I, Daniel Blake, Großbritannien/Frankreich/Belgien 2016)

Regie: Ken Loach

Drehbuch: Paul Laverty

TV-Premiere – und ein dickes, ehrlich gemeintes Lob für den Ausstrahlungstermin!

Gutes, packendes, konventionell erzähltes und gefilmtes Sozialdrama über den titelgebenden Schreiner Daniel Blake, der nach einem Schlaganfall in die Fänge der Sozialbürokratie gerät.

In Cannes erhielt „Ich, Daniel Blake“ die Goldene Palme.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Dave Johns, Hayley Squires, Dylan McKiernan, Briana Shann, Kate Rutter, Sharon Percy, Kema Sikazwe

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Ich, Daniel Blake“

Metacritic über „Ich, Daniel Blake“

Rotten Tomateos über „Ich, Daniel Blake“

Wikipedia über „Ich, Daniel Blake“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Ken Loachs „Jimmy’s Hall“ (Jimmy’s Hall, Großbritannien/Irland/Frankreich 2014)

Meine Besprechung von Ken Loachs „Ich, Daniel Blake“ (I, Daniel Blake, Großbritannien/Frankreich/Belgien 2016)

Meine Besprechung von Ken Loachs „Sorry, we missed you“ (Sorry we missed you, Großbritannien/Frankreich/Belgien 2019)


Neu im Kino/Filmkritik: „La Gomera“, pfeifende Gangster, viel Geld und viele Fragezeichen

Februar 14, 2020

Beginnen wir mit der offiziellen Synopse:

Der Polizist Cristi (Vlad Ivanov) lässt sich mit der Mafia ein und fliegt auf. Nun folgen ihm verdeckte Ermittler auf Schritt und Tritt und hören seine Wohnung ab. Daher gibt sich die schöne Gilda (Catrinel Marlon) als seine Geliebte aus und drängt ihn zu einer Reise nach La Gomera. Cristi soll die geheime Pfeifsprache der Inselbewohner lernen, damit er trotz Überwachung mit der Gaunerbande kommunizieren kann. Pfeifend versuchen sie den Matratzenfabrikanten Zsolt (Sabin Tambrea) aus dem Gefängnis zu befreien, denn der ist der einzige, der weiß, wo die 30 Millionen des letzten Coups versteckt sind. Doch alle Beteiligten spielen ein doppeltes Spiel und bald geraten die Ereignisse außer Kontrolle.

Das klingt nach einem zünftigem Kriminalfilm und er beginnt auch schön atmosphärisch mit der Ankunft des korrupten Polizisten auf der Kanareninsel. Musikalisch knackig, aber auch etwas einfallslos mit Iggy Pops „The Passenger“ unterlegt.

Danach springt die Geschichte in zahllosen Kapiteln zwischen La Gomera und Bukarest, zwischen der Gegenwart und verschiedenen Zeitpunkten in der Vergangenheit hin und her, ohne dass eine nachvollziehbare Geschichte erkennbar wird. Die kann man sich erst nach dem Abspann mühsam zusammenpuzzeln. Bis zum Ende hinterlassen die willkürlich angeordneten Kapitel vor allem Fragezeichen. Die Motive, Interessen und Konflikte der einzelnen Figuren und in welcher Beziehung sie zueinander stehen, bleiben im Dunkeln.

Einzelne witzige Szenen, wie Polizist Cristi beim Lernen der Pfeifsprache, und die Anspielungen auf, vor allem, den Film Noir, mal in der Figurenzeichnung, mal bei den Konflikten und Handlungsmustern (was beim Sehen immerhin etwas interpretatorische Gewissheit verschafft), mal durch ein konspiratives Treffen in einem Kino, in dem der Westernklassiker „Der schwarze Falke“ läuft, erfreuen selbstverständlich das Herz des Cineasten. Aber sie ändern nichts daran, dass schnell der Eindruck entsteht, in „La Gomera“ werde durch eine fragmentierte Erzählweise von einer inhaltlichen Leere und nicht schlüssigen Figurenzeichnungen abgelenkt.

La Gomera (La Gomera, Rumänien/Frankreich/Deutschland 2019)

Regie: Corneliu Porumboiu

Drehbuch: Corneliu Porumboiu

mit Vlad Ivanov, Catrinel Marlon, Rodica Lazar, Sabin Tambrea, Antonio Buíl, Agustí Villaronga, George Pistereanu

Länge: 97 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Facebook-Seite zum Film

Filmportal über „La Gomera“

Moviepilot über „La Gomera“

Metacritic über „La Gomera“

Rotten Tomatoes über „Lo Gomera“

Wikipedia über „La Gomera“


TV-Tipp für den 14. Februar: Der Moment der Wahrheit

Februar 13, 2020

One, 22.40

Der Moment der Wahrheit (Truth, USA 2015)

Regie: James Vanderbilt

Drehbuch: James Vanderbilt

LV: Mary Mapes: Truth and Duty: The Press, The President and The Privilege of Power, 2005

Im Sommer 2004 erfährt „60 Minutes II“-Produzenten Mary Mapes (Cate Blanchett), dass US-Präsident George Bush bei den Angaben zu seiner Militärzeit log. Sie und ihr Reporterteam recherchieren für eine TV-Reportage, die von Dan Rather (Robert Redford) präsentiert wird. Danach bricht, mitten im Wahlkampf, ein wahrer Shitstorm über sie herein.

Ein auf wahren Ereignissen basierendes, oft zu einseitig auf Mapes‘ Seite stehendes Journalistendrama. Letztendlich ist Vanderbilts von guten Absichten und guten Schauspielern getragenes Regiedebüt nur solala.

Gegen das wenige Monate vorher in den Kinos angelaufene, mit dem Oscar als bester Film des Jahres ausgezeichnete Drama „Spotlight“ sieht „Der Moment der Wahrheit“ reichlich blass aus.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Cate Blanchett, Robert Redford, Topher Grace, Dennis Quaid, Elisabeth Moss, Bruce Greenwood, Stacy Keach, John Benjamin Hickey, Dermot Mulroney

Hinweise

Moviepilot über „Der Moment der Wahrheit“

Metacritic über „Der Moment der Wahrheit“

Rotten Tomatoes über „Der Moment der Wahrheit“

Wikipedia über „Der Moment der Wahrheit“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von James Vanderbilts „Der Moment der Wahrheit“ (Truth, USA 2015)


Neu im Kino/Filmkritik: „Bombshell – Das Ende des Schweigens“ über sexuelle Belästigung

Februar 13, 2020

Eine Vorkämpferin für den Feminismus oder die Gleichberechtigung von Frauen war keine von ihnen. Schließlich arbeiteten sie an einem Ort, der täglich dagegen kämpfte. Und es immer noch tut.

Sie arbeiteten bei Fox News, einem US-TV-Sender, der sich Nachrichtensender nennt, damals mit dem Slogan „fair and balanced“ warb, es nicht war und seit der Wahl von Donald J. Trump zum US-Präsidenten endgültig dessen Haussender und Echokammer ist. Dabei kam schon 2011 eine empirische Studie zu dem Ergebnis, dass Zuschauer von Fox News über das tatsächliche politische Tagesgeschehen am wenigsten wüssten. Zuschauer anderer Sender und sogar US-Amerikaner, die keine Nachrichten sehen, waren besser informiert.

Am 6. Juli 2016 klagte Gretchen Carlson, das hübsche Gesicht der Fox-Morningshow „Fox & Friends“, gegen Roger Ailes, den Gründer und Chef des Senders, wegen sexueller Belästigung. Ihre ehemaligen langjährigen Kollegen erklärten öffentlich auf Fox News, dass das die Vorwürfe einer irregeleiteten Frau seien und die Arbeitsatmosphäre bei Fox News fantastisch sei. Das war eine Lüge. Denn Carlson hatte vor ihrer Klage eifrig Beweise gesammelt und auch andere Frauen berichteten von Belästigungen durch Ailes und andere Männer bei Fox News.

Der Skandal wurde so groß, dass Fox News hohe Entschädigungssummen zahlen musste und Fox-News-Eigentümer Robert Murdoch (und, als treibende Kräfte bei Ailes‘ Entlassung, seine beiden Söhne) Ailes am 21. Juli 2016 entließ.

Davor, bereits im August 2015, hatte Megyn Kelly, die ‚First Lady von Fox News‘ und Gastgeberin der „The Kelly File“, Ärger mit ihrem Chef Roger Ailes. Sie hatte in einer Wahlkampfdebatte den damaligen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump auf seine sexistischen Äußerungen angesprochen. Ailes-Freund und Fox-Quotenbringer Trump beleidigte sie danach öffentlich und Ailes sagte ihr, sie solle dazu schweigen.

In seinem Spielfilm „Bombshell – Das Ende des Schweigens“ konzentrieren Regisseur Jay Roach („Trumbo“) und sein Drehbuchautor Charles Randolph („The Big Short“) sich bei ihrem Sittengemälde von Fox News auf Megyn Kelly (Charlize Theron), Gretchen Carlson (Nicole Kidman) und Kayla Pospisil (Margot Robbie). Diese drei Frauenschicksale zeigen verschiedene Facetten des Falls auf; – wobei die Geschichte von Pospisil die schwächste des Films ist. Im Gegensatz zu den realen Fox-News-Moderatorinnen Kelly und Carlson ist sie eine fiktive Figur, die als junge, aufstiegswillige und karrierebewusste Reporterin nichts zum Fortgang der historischen Ereignisse beiträgt.

Stilistisch und erzählerisch orientieren Roach und Randolph an den Werken von Aaron Sorkin („The Social Network“, „Steve Jobs“, „Molly’s Game“) und an Adam McKays „The Big Short“ und „Vice“. Ihr Film ist allerdings bei weitem nicht so dicht wie diese Filme, in denen man jede Sekunde hellwach sein muss, um nicht in der Flut von wichtigen und noch wichtigeren Informationen zu versinken. Da ist der Fall von Fox News und Roger Ailes deutlich einfacher gelagert.

Im Mittelpunkt von „Bombshell“ steht auch nicht das akkurate nacherzählen der verschiedenen Winkelzüge, sondern die intensive Beschreibung eines toxischen Umfelds, in dem sexuelle Belästigung von den Vorgesetzten geduldet und gefördert wird, während die Untergebenen und die Frauen das tolerieren und oft willig mitmachen. Das beginnt schon beim Einstellungsgespräch, wenn Ailes unverhohlen Gefälligkeiten einfordert und die künftigen Fox-News-Moderatorinnen nach ihrem Aussehen – blond, schlank, vollbusig, mit langen Beinen, die im Fernsehen ausführlich präsentiert werden – auswählt. Daneben ist die Firmenkultur von Paranoia, Hass und einer kultischen Gefolgschaft geprägt. Es ist ein Freund-Feind-Denken, das aus einer gefeierten Moderatorin innerhalb weniger Minuten eine Aussätzige macht, die von ihren früheren Kollegen mit Schmutz beworfen wird.

Zum Weitersehen: Am Montag, den 24. Februar, zeigt ZDFinfo um 21.45 Uhr Alexis Blooms spielfilmlange Doku „Sex, Trump & Fox News – Aufstieg und Fall des Roger Ailes“ (Divide and Conquer: The Story of Roger Ailes, 2018). Bloom zeichnet in einer gelungenen Mischung aus aktuellen Interviews und Archivmaterial das Leben des Fox-News-Gründers Roger Ailes nach. Seine Karriere als Politikberater begann er für Richard Nixon. Zuletzt unterstützte er mit seinem Sender die Wahlkampagne von Donald Trump. Er machte ihn zum Präsidenten.

Bombshell – Das Ende des Schweigens (Bombshell, USA/Kanada 2019)

Regie: Jay Roach

Drehbuch: Charles Randolph

mit Charlize Theron, Nicole Kidman, Margot Robbie, John Lithgow, Kate McKinnon, Allison Janney, Connie Britton, Mark Duplass, Nazanin Boniadi, Malcolm McDowell

Länge: 110 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Bombshell“

Metacritic über „Bombshell“

Rotten Tomatoes über „Bombshell“

Wikipedia über „Bombshell“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Jay Roachs „Trumbo“ (Trumbo, USA 2015)

Ein Q&A mit Charlize Theron, Nicole Kidman, John Lithgow und Jay Roach (mit arg unruhiger Kamera)

DP/30 unterhält sich mt Drehbuchautor Charles Randolph über den Film

DP/30 unterhält sich mit Regisseur Jay Roach über den Film

Script to Screen unterhält sich mit Jay Roach über den Film

Megyn Kelly spricht mit einigen ehemaligen Fox-News-Kolleginnen über den Film und die damaligen Ereignisse


TV-Tipp für den 13. Februar: Moonlight

Februar 13, 2020

3sat, 22.25

Moonlight (Moonlight, USA 2016)

Regie: Barry Jenkins

Drehbuch: Barry Jenkins

LV: Tarell Alvin McCraney: In Moonlight Black Boys look Blue (Theaterstück)

TV-Premiere des überraschenden Gewinners des Oscars für den besten Film des Jahres: ein in jeder Beziehung beeindruckendes Drama über das Erwachsenwerden. In drei in sich abgeschlossenen Kapiteln erzählt Barry Jenkins die Geschichte von Chiron, einem schwarzen, in ärmlichsten Verhältnissen in Miami lebendem Jungen, und seiner Beziehung zu seiner drogensüchtigen Mutter, einem Drogendealer, der zu seinem Ersatzvater wird, und einem Schulkameraden, der mehr als ein Freund ist. Chiron wird gespielt von Alex Hibbert (in „Little“), Ashton Sanders (in „Chiron“) und Trevante Rhodes (in „Black“).

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Alex Hibbert, Ashton Sanders, Trevante Rhodes, Naomie Harris, Mahershala Ali, Janelle Monáe, Jaden Piner, Jharrel Jerome, André Holland

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Moonlight“

Metacritic über „Moonlight“

Rotten Tomatoes über „Moonlight“

Wikipedia über „Moonlight“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Barry Jenkins‘ „Moonlight“ (Moonlight, USA 2016) und der DVD

Meine Besprechung von Barry Jenkins‘ „Beale Street“ (If Beale Street could talk, USA 2018) und der DVD


Neu im Kino/Filmkritik: Willem Dafoe, Abel Ferrara, „Tommaso und der Tanz der Geister“

Februar 13, 2020

Einige Jahre war Abel Ferrara mit seinen gewalttätigen Neo-Noirs im Einklang mit dem Publikum. Sie reflektierten das damalige New York als eine gewalttätige, von Kriminalität, Sex und Trieben beherrschten Sündenpfuhl. Seine Filme, wie „The Driller Killer“ (1979, mit Ferrara in der Hauptrolle als psychopathischer Killer), „Die Frau mit der 45er Magnum“ (Ms. 45; Angel of Vengeance, 1981), „Krieg in Chinatown“/“China Girl“ (China Girl, 1987), „King of New York“ (1989) und „Bad Lieutenant“ (1992), hatten immer wieder Probleme mit der Zensur. Mit seinen Geldgebern hatte er ebenfalls immer wieder Probleme.

Diese Neo-Noirs und seine darauf folgenden Filme, wie „Snake Eyes“ (Dangerous Game, 1993; mit Madonna), „The Addiction“ (1994), „Das Begräbnis“ (The Funeral, 1996) und „The Blackout“ (1997), waren auch immer radikal persönliche Filme, die sich wenig um eingefahrene Publikumserwartungen kümmerten. Schließlich hätte Ferrara nach dem Erfolg von „King of New York“ und „Bad Lieutenant“ locker als zweiter Martin Scorsese weiter Gangsterfilme inszenieren können. Ferrara, der sich inzwischen als Buddhist bezeichnet, wurde erzkatholisch erzogen und die katholischen Kategorien von Schuld und Sühne sind ein wichtiger Pfeiler in seinem Werk. In den Neo-Noirs hatte er auch die ideale Form gefunden, um breitenwirksam von Schuld und Sühne zu erzählen.

Seit seiner William-Gibson-Verfilmung „New Rose Hotel“ (1998) versank er allerdings weitgehend in der Obskurität. Seine Filme, wie „Go Go Tales“ (2007), „Welcome to New York“ (2014) und „Pasolini“ (2014), wurden kaum noch vertrieben. In Deutschland erschienen sie oft irgendwann auf DVD und wurden einmal im Fernsehen gezeigt.

Mit seinem neuesten Film „Tommaso und der Tanz der Geister“ kehrt er jetzt, nach über zwanzig Jahren, wieder in die deutschen Kinos zurück. Mit einem weiteren radikal persönlichem Werk, das thematisch an seine früheren Filme anknüpft und, vom Ende betrachtet, ein Noir ist.

Tommaso (Willem Dafoe) ist ein amerikanischer Künstler, der mit seiner deutlich jüngeren ukrainisch-russisch-stämmigen Frau, und ihrer dreijährigen Tochter in Rom lebt.

Abel Ferrara nimmt sich viel Zeit, Tommasos Alltag zu schildern. Er beobachtet ihn mit seiner Frau und Tochter in ihrer Wohnung, auf dem Spielplatz und den Straßen Roms, beim Italienisch lernen, beim Einkaufen in seinem Viertel, bei seinen Yoga-Übungen, bei von ihm gegebenen Schauspielkursen, beim Entwickeln eines neuen Filmprojekts und bei den Treffen einer Selbsthilfegruppe ehemaliger Süchtiger, die sich Geschichten aus ihrem Leben als Süchtige erzählen. In diesen Szenen verfolgt Ferrara wie ein Voyeur mit unruhiger Handkamera Dafoe. Er lässt ihm alle Zeit der Welt, sich vor der Kamera zu präsentieren, ohne dass in diesen improvisierten und oft zu langen Alltagsbeobachtungen eine Geschichte vorangetrieben wird.

Willem Dafoe, der wieder mit Abel Ferrara zusammenarbeitet und inzwischen, wie Ferrara, in Rom lebt, spielt diesen Amerikaner in Rom als einen freundlichen Mann. So entspannt, so bürgerlich normal und so oft lachend sah man Dafoe noch nie in einem Film. Er ist ein freundlicher, aufgeschlossener Künstler. Nach turbulenten Jahren ist er in Rom zur Ruhe gekommen. Offensichtlich genießt er sein ruhiges, drogenfreies Leben als Ehemann einer deutlich jüngeren Frau und eines gemeinsamen Kindes. Als er seine Frau mit einem anderen Mann sieht, ändert sich das.

Diese Eifersuchtsgeschichte beginnt allerdings erst sehr spät im Film und sie wirkt mit ihrem Ende auch wie ein Fremdkörper in einem Film, der aufgrund der zahlreichen, gewollten autobiographischen Bezüge mühelos als ein Selbstporträt von Ferrara (mehr) und Dafoe (weniger) gelesen werden kann. Dazu trägt auch bei, dass Ferraras Ehefrau Cristina Chiriac Tommasos Frau spielt und ihre Tochter Anna Tommasos Tochter spielt.

Tommaso und der Tanz der Geister (Tommaso, Italien/Großbritannien/USA 2019)

Regie: Abel Ferrara

Drehbuch: Abel Ferrara

mit Willem Dafoe, Anna Ferrara, Cristina Chiriac

Länge: 117 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Tommaso und der Tanz der Geister“

Metacritic über „Tommaso und der Tanz der Geister“

Rotten Tomatoes über „Tommaso und der Tanz der Geister“

Wikipedia über „Tommaso und der Tanz der Geister“

Meine Besprechung von Abel Ferraras “King of New York” (King of  New York, USA 1989)

Abel Ferrara in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 12. Februar: Die Nile Hilton Affäre

Februar 11, 2020

Arte, 20.15

Die Nile Hilton Affäre (The Nile Hilton Incident, Schweden/Deutschland/Dänemark 2017)

Regie: Tarik Saleh

Drehbuch: Tarik Saleh

Kairo, 2011, kurz vor dem Beginn des Arabischen Frühlings: Kommissar Noredin Mostafa (Fares Fares) untersucht den Mord an einer Sängerin in einer Luxussuite des Nile Hilton Hotels. Seine Ermittlungen führen ihn zu einem erfolgreichen Unternehmer und Freund der Präsidentenfamilie.

TV-Premiere. Sehr atmosphärischer, an guten französischen Kriminalfilmen orientierter Noir.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung dieser Filmperle.

mit Fares Fares, Mari Malek, Yaser Maher, Ahmed Seleem, Slimane Dazi, Hania Amar, Hichem Yacoubi, Mohamed Yousry, Ger Duany

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Die Nile Hilton Affäre“

Metacritic über „Die Nile Hilton Affäre“

Rotten Tomatoes über „Die Nile Hilton Affäre“

Wikipedia über „Die Nile Hilton Affäre

Meine Besprechung von Tarik Salehs „Die Nile Hilton Affäre“ (The Nile Hilton Incident, Schweden/Deutschland/Dänemark 2017)


Cover der Woche

Februar 11, 2020


TV-Tipp für den 11. Februar: Out of Inferno

Februar 10, 2020

Tele 5, 22.05

Out of Inferno (Táo Chūshēng Tiān, China/Hongkong 2013)

Regie: Danny Pang, Oxide Pang

Drehbuch: Tang Nicholl, Danny Pang, Oxide Chun Pang, Szeto Kam-Yuen, Tang Nicholl, Wu Meng Zhang

In einem Hochhaus in der südchinesischen Millionenstadt Guangzhou, bricht an einem heißen Tag ein Feuer aus – und dann passiert das, was in Katastrophenfilmen immer passiert: Katastrophe reiht sich an Katastrophe, Menschen sterben, Menschen werden gerettet und die Stuntmänner müssen Überstunden schieben.

Trotzdem gefällt das Drama der Pang-Brüder („Bangkok Dangerous“) mit etlichen spektakulären Szenen, Explosionen und viel Feuer als flott erzählter, entsprechend kurzweiliger und eher unpathetischer Katastrophenfilm in der Tradition von „Flammendes Inferno“ mit weniger Stars (jedenfalls für uns Westler) und mit hundert Minuten deutlich kürzer als das Hollywood-Dreistundenepos.

mit Louis Koo, Sean Lau, Chen Si Cheng, Crystal Lee, Marc Ma, Jin Qiao Qiao, Crystal Lee, Zang Jin Sheng

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Out of Inferno“

Wikipedia über „Out of Inferno“

Meine Besprechung von Danny und Oxide Pangs „Out of Inferno“ (Táo Chūshēng Tiān, China/Hongkong 2013)


„Spuren – Die Opfer des NSU“ mit der Regisseurin Aysun Bademsoy diskutieren

Februar 10, 2020

Als nächsten Film unserer „One World Berlin – Menschenrechte aktuell“ zeigen wir, zwei Tage nach dem Kinostart, am Samstag, den 15. Februar, um 18.00 Uhr, im Lichtblick-Kino (Kastanienallee 77, Prenzlauer Berg/Berlin) den beeindruckenden Dokumentarfilm „Spuren – Die Opfer des NSU“. Regisseurin Aysun Bademsoy wird danach Fragen beantworten und weil ich den Abend moderiere, beschränke ich mich hier auf die Ankündigung:

 Zwischen September 2000 und April 2007 wurden zehn Menschen von der rechtsextremen Terrorgruppe NSU ermordet. Die Ermittlungen wurden zunächst ausschließlich im Umfeld der nichtdeutschen Opfer mit Verdacht auf organisierte Kriminalität geführt. Die Familien der Ermordeten wurden so erneut zu Opfern, diesmal von vorurteilsvoller Stigmatisierung.

Spuren – das sind nicht nur Hinweise am Tatort, sondern auch die Verletzungen und Narben bei den Angehörigen der Opfer und in der gesamten Gesellschaft.

Regisseurin Aysun Bademsoy begibt sich auf die Suche nach diesen Spuren und stellt sich dabei die Frage, welcher Prozess diese Verletzungen überhaupt heilen könnte. Ein vielschichtiger Dokumentarfilm, der das Scheitern von Ermittlern und Justiz beleuchtet – und den Angehörigen der Opfer endlich eine Stimme gibt.

Fünf von fünf möglichen Sternen (epd Film)


One World Berlin – Menschenrechte aktuell – eine monatliche Filmreihe mit Dokumentarfilmen über Bürger- und Menschenrechte wird organisiert von der Humanistischen Union, Deutschlands ältester Bürgerrechts-Organisation (mitbegründet von Fritz Bauer), One World Berlin Human Rights Film Festival, das sich seit 2004 durch Menschenrechts-Filmarbeit engagiert, und dem Lichtblick-Kino. Filmemacher*innen und Expert*innen diskutieren mit dem Publikum über Fragen, die Menschen in der Stadt bewegen, lokal und global: Recht auf Wohnraum, gegen Überwachung und Datenspeicherung, für Menschsein und Menschenrechte in der digitalen Welt.

»One World Berlin – Menschenrechte aktuell« versteht sich auch als Plattform für Berliner Bürger- und Menschenrechtsinitiativen, die zu den in den Filmen verhandelten Fragen arbeiten.

Ort & Kinokarten

Lichtblick-Kino (Kastanienallee 77, Prenzlauer Berg)

Kartenvorverkauf im Lichtblick-Kino oder bei Kinoheld

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Spuren – Die Opfer des NSU“

Moviepilot über „Spuren – Die Opfer des NSU“


TV-Tipp für den 10. Februar: Nocturama

Februar 10, 2020

Arte, 22.15

Nocturama (Nocturama, Frankreich/Deutschland/Belgien 2016)

Regie: Bertrand Bonello

Drehbuch: Bertrand Bonello

Eine Gruppe jugendlicher Attentäter aus unterschiedlichen sozialen Milieus platzieren in Paris an wichtigen Orten Bomben. Später treffen sie sich an einem Ort, an dem sie niemand suchen wird: einem leerstehendem Nobelkaufhaus.

TV-Premiere. Philosophischer, auf Erklärungen verzichtender Thriller von Bertrand Bonello („Der Pornograph“, „Saint Laurent“).

Porträt einer Jugend zwischen Aufbegehren und Melancholie mit dem Genrekino verknüpft“ (Lexikon des internationalen Films)

mit Finnegan Oldfield, Vincent Rottiers, Hamza Meziani, Manal Issa, Martin Petit-Guyot, Jamil McCraven, Rabah Nait Oufella, Laure Valentinelli

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Nocturama“

Wikipedia über „Nocturama“ (deutsch, englisch, französisch)


TV-Tipp für den 9. Februar: Oscar 2020 (+ Nachtrag: die Gewinner)

Februar 9, 2020

Pro 7, 23.00

Oscar 2020

Nachdem „Wonder Woman“ die Welt gerettet hat, beginnt Pro 7 mit seiner Berichterstattung über die diesjährige Oscar-Preisverleihung. Ab 23.00 Uhr gibt es „Die größten Hollwood-Momente 2020“. Ab Mitternacht wird vom roten Teppich berichtet. Ab 2.00 Uhr sind wir dann endlich im Dolby Theatre, wo in den nächsten Stunden die Preisverleihung stattfindet.

Hier (noch einmal, teilweise aktualisiert) die Liste der Nominierten, mit einigen Anmerkungen und meinen Tipps, wer die Preise gewinnen sollte und, manchmal, wer sie wahrscheinlich gewinnt. Denn warum sollte ich nicht zweimal falsch liegen? Filme die ich nicht gesehen habe, sind mit „(NG)“ gekennzeichnet und kein Teil meiner Oscar-Prognose.

Selbstverständlich werden die Gewinner nachgetragen.

(Nachtrag nach der Verleihung: die TATSÄCHLICHEN GEWINNER; mit der großen Überraschung, dass „Parasite“ doch bester Film des Jahres wurde)

Also dann:

Motion Picture

Ford v Ferrari (Fox), Peter Chernin, Jenno Topping und James Mangold, Producers

The Irishman (Netflix), Martin Scorsese, Robert De Niro, Jane Rosenthal und Emma Tillinger Koskoff, Producers (Sorry, obwohl ich ein Scorsese-Fan bin, ist da nicht sein bester Film und er ist aktuell hoffnungslos überbewertet)

Jojo Rabbit (Fox Searchlight), Carthew Neal und Taika Waititi, Producers (erstaunlich)

Joker (Warner Bros.), Todd Phillips, Bradley Cooper und Emma Tillinger Koskoff, Producers (überbewertet)

Little Women (Sony), Amy Pascal, Producer (unterbewertet. Das Drama hätte öfter nominiert werden müssen.)

Marriage Story (Netflix), Noah Baumbach und David Heyman, Producers (NG)

1917 (Universal), Sam Mendes, Pippa Harris, Jayne-Ann Tenggren und Callum McDougall, Producers (GEWINNER, er ist das typische Oscar-Futter und technisch überragend)

Once Upon a Time in Hollywood (Sony), David Heyman, Shannon McIntosh und Quentin Tarantino, Producers

TATSÄCHLICHER GEWINNER Parasite (Neon), Kwak Sin Ae und Bong Joon Ho, Producers (ein fantastischer Film, dem ich den Auslandsoscar gebe. Gegen „1917“ hat er wohl keine Chance.)

Actress

Cynthia Erivo (Harriet) (NG)

Scarlett Johansson (Marriage Story) (NG)

Saoirse Ronan (Little Women)

Charlize Theron (Bombshell; – sehenswerter Film, läuft am Donnerstag an)

TATSÄCHLICHER GEWINNER Renée Zellweger (Judy) (GEWINNER)

Actor

Antonio Banderas (Pain and Glory) (GEWINNER)

Leonardo DiCaprio (Once Upon a Time in Hollywood)

Adam Driver (Marriage Story) (NG)

TATSÄCHLICHER GEWINNER Joaquin Phoenix (Joker)

Jonathan Pryce (The Two Popes) (NG)

Actress in a Supporting Role

Kathy Bates (Richard Jewell) (NG)

TATSÄCHLICHER GEWINNER Laura Dern (Marriage Story) (NG)

Scarlett Johansson (Jojo Rabbit)

Florence Pugh (Little Women) (GEWINNER, weil „Little Women“ ein wunderschöner Film ist, der bei den Nominierungen sträflich vernachlässigt wurde)

Margot Robbie (Bombshell)

Actor in a Supporting Role

TATSÄCHLICHER GEWINNER Brad Pitt (Once Upon a Time in Hollywood) (GEWINNER)

Al Pacino (The Irishman)

Joe Pesci (The Irishman)

Tom Hanks (A Beautiful Day in the Neighborhood) (NG)

Anthony Hopkins (The Two Popes) (NG)

Director (Männer, Männer, Männer)

TATSÄCHLICHER GEWINNER Bong Joon Ho, Parasite (sollte der Gewinner sein)

Sam Mendes, 1917 (GEWINNER, weil er schon den Oscar als „bester Film“ gewonnen hat)

Todd Phillips, Joker

Martin Scorsese, The Irishman

Quentin Tarantino, Once Upon a Time in Hollywood

Adapted Screenplay

The Irishman, Steven Zaillian

TATSÄCHLICHER GEWINNER Jojo Rabbit, Taika Waititi

Joker, Todd Phillips & Scott Silver

Little Women, Greta Gerwig (GEWINNER, obwohl Greta Gerwig als beste Regisseurin hätte nominiert werden müssen)

The Two Popes, Anthony McCarten (NG)

Original Screenplay

1917, Sam Mendes & Krysty Wilson-Cairns

Knives Out, Rian Johnson

Marriage Story, Noah Baumbach (NG)

Once Upon a Time in Hollywood, Quentin Tarantino

TATSÄCHLICHER GEWINNER Parasite, Bong Joon Ho & Jin Won Han (GEWINNER, obwohl auch die anderen Bücher verdammt gut sind)

International Feature

Corpus Christi (Poland) (NG)

Honeyland (North Macedonia) (Land des Honigs) (NG)

Les Misérables (France) (Die Wütenden – Les misérables – fantastischer Film, unbedingt ansehen)

Pain and Glory (Spain) (Leid und Herrlichkeit – ebenfalls sehr sehenswert)

TATSÄCHLICHER GEWINNER Parasite (South Korea) (GEWINNER)

Documentary Feature

TATSÄCHLICHER GEWINNER American Factory (Netflix), Steven Bognar, Julia Reichert und Jeff Reichert (NG – angesichts der Preise, die er bis jetzt bekommen hat, könnte er der GEWINNER sein)

The Cave (National Geographic), Feras Fayyad, Kirstine Barfod und Sigrid Dyekjaer (NG)

The Edge of Democracy (Netflix), Petra Costa, Joanna Natasegara, Shane Boris und Tiago Pavan (NG)

For Sama (PBS), Waad al-Kateab und Edward Watts (Sehenswert, startet am 5. März)

Honeyland (Neon), Ljubo Stefanov, Tamara Kotevska und Atanas Georgiev (NG)

Animated Feature Film

How to Train Your Dragon: The Hidden World (Dreamworks), Dean DeBlois, Bradford Lewis und Bonnie Arnold (NG)

I Lost My Body (Netflix), Jérémy Clapin und Marc du Pontavice (NG)

Klaus (Netflix), Sergio Pablos, Jinko Gotoh und Marisa Román (NG)

Missing Link (United Artists Releasing), Chris Butler, Arianne Sutner und Travis Knight (NG)

TATSÄCHLICHER GEWINNER Toy Story 4 (Pixar), Josh Cooley, Mark Nielsen und Jonas Rivera (NG)

Production Design

The Irishman, Production Design: Bob Shaw; Set Decoration: Regina Graves

Jojo Rabbit, Production Design: Ra Vincent; Set Decoration: Nora Sopková

1917, Production Design: Dennis Gassner; Set Decoration: Lee Sandales

TATSÄCHLICHER GEWINNER Once Upon a Time in Hollywood, Production Design: Barbara Ling; Set Decoration: Nancy Haigh (GEWINNER)

Parasite, Production Design: Lee Ha Jun; Set Decoration: Cho Won Woo

Film Editing

TATSÄCHLICHER GEWINNER Ford v Ferrari, Andrew Buckland & Michael McCusker

The Irishman, Thelma Schoonmaker

Jojo Rabbit, Tom Eagles

Joker, Jeff Groth

Parasite, Jinmo Yang (GEWINNER, oder „Ford v Ferrari“)

Cinematography

TATSÄCHLICHER GEWINNER 1917, Roger Deakins (GEWINNER)

The Irishman, Rodrigo Prieto

Joker, Lawrence Sher

The Lighthouse, Jarin Blaschke

Once Upon a Time in Hollywood, Robert Richardson

Visual Effects

Avengers: Endgame, Dan DeLeeuw, Russell Earl, Matt Aitken und Dan Sudick

The Irishman, Pablo Helman, Leandro Estebecorena, Nelson Sepulveda-Fauser und Stephane Grabli

The Lion King, Robert Legato, Adam Valdez, Andrew R. Jones und Elliot Newman (normalerweise die Kategorie, in der Blockbuster wie „Avengers“ und „Star Wars“ einen Preis erhalten, aber da der „Lion King“ ebenfalls ein Blockbuster ist und der gesamte Film ein Spezialeffekt ist, ist er der GEWINNER)

TATSÄCHLICHER GEWINNER 1917, Guillaume Rocheron, Greg Butler und Dominic Tuohy

Star Wars: The Rise of Skywalker, Roger Guyett, Neal Scanlan, Patrick Tubach und Dominic Tuohy

Costume Design

The Irishman, Sandy Powell und Christopher Peterson

Jojo Rabbit, Mayes C. Rubeo

Joker, Mark Bridges

TATSÄCHLICHER GEWINNER Little Women, Jacqueline Durran (GEWINNER; obwohl es in diesem Fall ein Trostpreis ist)

Once Upon a Time in Hollywood, Arianne Phillips

Sound Mixing (kaum zu unterscheiden vom Sound Editing und immer eine Frage, wie gut die Kinoanlage ist)

Ad Astra, Gary Rydstrom, Tom Johnson und Mark Ulanobr (GEWINNER; ebenfalls ein bei den Nominierungen etwas übersehener Film)

Ford v Ferrari, Paul Massey, David Giammarco and Steven A. Morrow

Joker, Tom Ozanich, Dean Zupancic and Tod Maitland

TATSÄCHLICHER GEWINNER 1917, Mark Taylor and Stuart Wilson

Once Upon a Time in Hollywood, Michael Minkler, Christian P. Minkler and Mark Ulano

Sound Editing

TATSÄCHLICHER GEWINNER Ford v Ferrari, Donald Sylvester (GEWINNER)

Joker, Alan Robert Murray

1917, Oliver Tarney and Rachael Tate

Once Upon a Time in Hollywood, Wylie Stateman

Star Wars: The Rise of Skywalker, Matthew Wood and David Acord

Original Song

„I Can’t Let You Throw Yourself Away,“ Toy Story 4, Musik und Text von Randy Newman (NG)

TATSÄCHLICHER GEWINNER „(I’m Gonna) Love Me Again,“ Rocketman, Musik von Elton John; Text von Bernie Taupin (der Film hätte ein, zwei weitere Nominierungen verdient)

„I’m Standing With You,“ Breakthrough, Musik und Text von by Diane Warren (ein schlechter Film)

„Into the Unknown,“ Frozen II, Musik und Text von Kristen Anderson-Lopez und Robert Lopez (NG)

„Stand Up,“ Harriet, Musik und Text von Joshuah Brian Campbell und Cynthia Erivo (NG)

Original Score

TATSÄCHLICHER GEWINNER Joker, Hildur Gudnadóttir

Little Women, Alexandre Desplat

Marriage Story, Randy Newman (NG)

1917, Thomas Newman

Star Wars: The Rise of Skywalker, John Williams

Makeup and Hairstyling

TATSÄCHLICHER GEWINNER Bombshell, Kazu Hiro, Anne Morgan und Vivian Baker

Joker, Nicki Ledermann and Kay Georgiou

Judy, Jeremy Woodhead

Maleficent: Mistress of Evil, Paul Gooch, Arjen Tuiten and David White

1917, Naomi Donne, Tristan Versluis and Rebecca Cole

Live-Action Short Film

Brotherhood (NG)

Nefta Football Club (NG)

TATSÄCHLICHER GEWINNER The Neighbors‘ Window (NG)

Saria (NG)

A Sister (NG)

Animated Short Film

Dcera (Daughter), Daria Kashcheeva (NG)

TATSÄCHLICHER GEWINNER Hair Love, Matthew A. Cherry und Karen Rupert Toliver (NG)

Kitbull, Rosana Sullivan und Kathryn Hendrickson (NG)

Memorabl, Bruno Collet und Jean-François Le Corree (NG)

Sister, Siqi Song (NG)

Documentary Short Subject

In the Absence, Yi Seung-Jun und Gary Byung-Seok Kam (NG)

TATSÄCHLICHER GEWINNER Learning to Skateboard in a Warzone (If You’re a Girl), Carol Dysinger und Elena Andreicheva (NG)

Life Overtakes Me, John Haptas und Kristine Samuelson (NG)

St. Louis Superman, Smriti Mundhra und Sami Khan (NG)

Walk Run Cha-Cha, Laura Nix und Colette Sandstedt (NG)

Honorary Award

David Lynch

Lina Wertmüller

Wes Studi

Jean Hersholt Humanitarian Award

Geena Davis


TV-Tipp für den 8. Februar: The Place beyond the Pines

Februar 7, 2020

Servus TV, 20.15

The Place beyond the Pines (The Place beyond the Pines, USA 2012)

Regie: Derek Cianfrance

Drehbuch: Derek Cianfrance, Ben Coccio, Darius Marder

Musik: Mike Patton

Es beginnt mit dem Motorradstuntfahrer Luke, der Banken ausraubt, um seine Familie zu unterstützen. Eines Tages begegnet er einem jungen Polizisten.

„Blue Valentine“-Regisseur Derek Cianfrance erzählt hier keine durchgehende Geschichte. Sein Film ist eine Zusammenstellung von drei stilistisch sehr unterschiedlichen Kurzfilmen, die zwei Familiengeschichten eher lose und die Frage, wie sehr sich bestimmte Eigenschaften von den Vätern auf ihre Söhne vererben, ziemlich konsequent, aber auch etwas eindimensional in fast schon gewollt miteinander verknüpften Geschichten thematisiert.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Ryan Gosling, Bradley Cooper, Eva Mendes, Mahershalalhashbaz Ali, Ben Mendelsohn, Dane DeHaan, Emory Cohen, Ray Liotta, Rose Byrne, Bruce Greenwood, Harris Yulin

Wiederholung: Sonntag, 9. Februar, 00.20 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Metacritic über „The Place beyond the Pines“

Rotten Tomatoes über „The Place beyond the Pines“

Wikipedia über „The Place beyond the Pines“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Derek Cianfrances „The Place beyond Pines“ (The Place beyond the Pines, USA 2012)

Meine Besprechung von Derek Cianfrances „The Light between Oceans“ (The Light between Oceans, USA 2016)


TV-Tipp für den 7. Februar: Welcome to New York

Februar 7, 2020

Tele 5, 20.20

Welcome to New York (Welcome to New York, USA/Frankreich 2014)

Regie: Abel Ferrara

Drehbuch: Abel Ferrara, Christ Zois

Das sind jetzt kleine Abel-Ferrara-Festspiele an verschiedenen Orten: heute „Welcome to New York“ im Fernsehen, ab Donnerstag sein neuer Film „Tommaso und der Tanz der Geister“ im Kino und Ende Februar sein allerneuester Film „Siberia“ auf der Berlinale und ab dem 19. März im Kino.

„Welcome to New York“ hat heute nach seiner Videopremiere seine TV-Premiere. Ferrara interpretiert in dem Drama den Fall des französischen Ökonomen, Politikers und damaligen IWF-Direktors Dominique Strauss-Kahn, der 2011 in den USA inhaftiert wurde, weil er verdächtigt wurde, ein Zimmermädchen sexuell genötigt zu haben.

Ein radikales Drama, das mit bedrängender Unmittelbarkeit verschiedene Zustände eines exzessiven Lebens auslotet und die authentische Strauss-Kahn-Affäre zum allegorischen Drama über die politische Klasse verdichtet.“ (Lexikon des internationalen Films)

mit Gérard Depardieu, Jacqueline Bisset, Marie Mouté, Paul Calderon, Paul Hipp, Pamela Afesi

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Welcome to New York“

Wikipedia über „Welcome to New York“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Abel Ferraras “King of New York” (King of  New York, USA 1989)

Abel Ferrara in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: Horrorweihnachten in „The Lodge“

Februar 7, 2020

Angesichts der Umstände ist die Idee des Journalisten Richard Hall (Richard Armitage), mit seinen Kindern und seiner Freundin die Weihnachtsferien in einer Hütte zu verbringen, ziemlich verwegen. Seine beiden Kinder Mia (Lia McHugh) und Aidan (Jaeden Lieberher aka Jaeden Martell) sind noch vom Tod ihrer Mutter traumatisiert. Die neue Freundin ihres Vaters kennen sie noch nicht. Aber sie lehnen Grace (Riley Keough) ab. Auch und vor allem, weil sie gehört haben, dass sie als Kind den Kollektivsuizid der Sekte, in der sie damals lebte, als einzige überlebte. Grace ist davon immer noch traumatisiert und nimmt viele Medikamente, um durch den Tag zu kommen.

Kurz nachdem sie das einsam gelegene, in tiefverschneiter Landschaft an einem vereisten See liegende, ziemlich geräumige Haus erreichen, muss Richard zurück in die Redaktion. Er fährt los. Zurück bleiben drei traumatisierte Menschen, die alle Probleme mit der Realität haben. Entsprechend unklar ist dann auch, wer welche Visionen hat und in welchem Kopf wir uns gerade befinden.

Das österreichische Regie-Duo Veronika Franz und Severin Fiala erzählt in seinem ersten internationalen Film die Geschichte extrem langsam und fast ereignislos. Damit bleibt genug Zeit, sich über verschiedene Implausibilitäten und widersprüchlichen Erklärungen in „The Lodge“ zu wundern. Es wirkt, als ob Franz und Fiala nicht wussten, welche Geschichte sie erzählen wollen und deshalb munter Perspektiven und Bedrohungen, echte und vermutete, wechseln. Am Ende ist „The Lodge“ unterkühlter Arthaus-Horror der unentschlossenen Art mit einigen gelungenen Bildkompositionen und einem düsteren Ende.

Bekannt wurden Franz und Fiala vor fünf Jahren mit ihrem Horrorfilmdebüt „Ich Seh Ich Seh“. In dem Film erkennen zwei Zwillingsbrüder die von einer Schönheits-OP bandagiert zurückgekehrte Frau nicht mehr als ihre Mutter. Der Film öffnete ihnen die Türen für ihren nächsten Film „The Lodge“, der von den Hammer Studios produziert wurde. Die Besetzung ist international. Gedreht wurde in Kanada.

The Lodge (The Lodge, USA/Großbritannien 2019)

Regie: Severin Fiala, Veronika Franz

Drehbuch: Sergio Casci, Severin Fiala, Veronika Franz

mit Richard Armitage, Riley Keough, Alicia Silverstone, Jaeden Lieberher, Lia McHugh, Katelyn Wells

Länge: 113 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „The Lodge“

Metacritic über „The Lodge“

Rotten Tomatoes über „The Lodge“

Wikipedia über „The Lodge“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: Teilzeit-Großeltern suchen „Enkel für Anfänger“

Februar 6, 2020

Die Rente ist sicher. Der ruhige Ruhestand ebenso. Vor allem ohne eigene Kinder und Enkelkinder. Aber gegen diesen langweiligen Lebensabend und das damit verbundene Gefühl keine Aufgabe mehr zu haben und überflüssig zu sein, hilft das Angebot, ehrenamtlich für Kinder von anderen Leuten einige Stunden die Großmutter oder, seltener, der Großvater zu sein.

Karin (Maren Kroymann) ist so eine ältere Dame. Sie würde gerne noch etwas unternehmen, aber ihr Mann Harald (Günther Maria Halmer) ist mit seinem Ruhestand vollkommen zufrieden. Immerhin kann er sich jetzt ohne Unterbrechung seinen Modell-Loks widmen. Er ist auch ein Grantler, der Kinder nur als Gefahr für seinen akkurat gemähten Rasen sieht.

Karens Schwägerin Philippa (Barbara Sukowa) ist das genaue Gegenteil. Sie lebt in einer Kommune in einem Wohnwagen und hält die Ideale der Flower-Power-Bewegung hoch. Außerdem ist sie immer wieder die Leih-Oma für Kinder, denen sie jede Freiheit gewährt. Zu Haralds Entsetzen und zur Freude der Kinder, die über Haralds Rasen toben dürfen. Eines Tages schlägt sie Karin vor, es doch einmal als Leih-Oma zu versuchen.

Auf dem Weg zum Oma-Vermittlungsdienst trifft sie Gerhard (Heiner Lauterbach), einen alten Freund, den sie seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen hat. Gerhard ist ein penibler Internist im Ruhestand, Misanthrop und trauernder Witwer.

Sie schleppt ihn mit und kurz darauf müssen Karin, Philippa und Gerhard sich, mehr oder weniger freiwillig, um einige Kinder kümmern, die gegensätzlicher kaum sein könnten. Der eine ist ein hyperaktives, unkonzentriertes Katastrophengebiet, das natürlich niemals Karins Haus betreten sollte. Die andere ist eine zwischen geschiedenen Eltern und Schulen hin und her geschobene Teenagerin, die ihren Welthass an allen auslässt. Der andere ist der verschüchterte, von Klassenkameraden gehänselte Sohn einer alleinerziehenden Russin. Die vierte im Bund, ist ein süßes, dauerbeaufsichtigtes Mädchen, das von ihren Helikoptereltern vor jeder möglichen und unmöglichen Gefahr geschützt wird. Es sind Gefahren, die in Philippas freigeistiger Welt nicht vorkommen. Mit ihr wird schon einmal die Kunst des Einkaufens ohne Bezahlen geübt und Eis gegessen.

Die beiden Leihomas und der Leihopa müssen sich schnell auch um Eltern der Kinder, die ihre eigenen Probleme haben, kümmern.

Das ist, dank der gut aufgelegten Schauspieler, durchweg unterhaltsam, ohne jemals auch nur ansatzweise in die möglichen Tiefen des Themas vorzustoßen. Stattdessen begnügt die Komödie sich mit einem Reigen vorhersehbarer Verwicklungen, die entsprechend vorhersehbar aufgelöst werden. Einige Verwicklungen erfolgen auch recht sprunghaft. Und einige wichtige Informationen über die Figuren und ihre Beziehung werden erst spät präsentiert. Karin, Harald, Philippa und Gerhard sind vier Menschen, die so unterschiedlich sind, dass es unklar ist, woher sie sich kennen könnten und warum sie damals und heute Zeit miteinander verbringen sollten.

Enkel für Anfänger“ ist ein typischer Degeto-Feelgood-Film, der sein Zielpublikum, die Generation 60+, fest im Blick hat.

Enkel für Anfänger (Deutschland 2020)

Regie: Wolfgang Groos

Drehbuch: Robert Löhr

mit Maren Kroymann, Heiner Lauterbach, Barbara Sukowa, Dominic Raacke, Günther Maria Halmer, Palina Rojinski, Lavinia Wilson, Paula Kalenberg

Länge: 104 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Enkel für Anfänger“

Moviepilot über „Enkel für Anfänger“

Wikipedia über „Enkel für Anfänger“

Meine Besprechung von Wolfgang Groos‘ „Kalte Füße“ (Deutschland 2018)


Neu im Kino/Filmkritik: Über „21 Bridges“ kannst du nicht gehen in dieser Nacht

Februar 6, 2020

Als einige Streifenpolizisten an die Tür des Mosto’s klopfen, sind Michael (Stephen James) und Ray (Taylor Kitsch) gerade dabei, die im Keller versteckten Drogen zu klauen. Die Polizisten wollen mit dem Restaurantbesitzer über eine Feier reden. Als dieser nicht öffnet, betreten sie das Lokal durch den Hintereingang und stolpern in den sich im Gang befindenden Raub.

Schnell entwickelt sich im Lokal und auf der Straße davor ein Schusswechsel, bei dem acht Polizisten sterben. Die beiden Räuber Ray und Michael können unverletzt und mit einigen Taschen Kokain entkommen. Auf ihrer Flucht fragen sie sich, warum ihr Tippgeber ihnen die falsche Menge an Drogen – dreißig statt dreihundert Kilo – angab und wie sie aus Manhattan flüchten können. Denn alle ehrlichen und unehrlichen Gesetzeshüter von New York und alle Möchtegerngesetzeshüter werden sie jagen.

Angeführt wird die Jagd von Andre Davis (Chadwick Boseman), einem Polizisten mit lockerer Pistole. Er hat im Dienst schon mehrere Polizistenmörder erschossen. Als erstes befiehlt er, alle 21 von der Insel führenden Brücken zu sperren, alle Züge anzuhalten und die U-Bahn auf einen Kreisverkehr zu schicken, bis die beiden Polizistenmörder gefunden sind. Er macht Manhattan für eine Nacht zu dem Sperrgebiet, zu dem General William Devereaux (Bruce Willis) sie in „Ausnahmezustand“ (The Siege, 1998) für eine Terroristenjagd für mehrere Tage machte; – und schon damals verhinderte ein schwarzer Superman, gespielt von Denzel Washington, das Schlimmste.

In „21 Bridges“ ist ‚Black Panther‘ Chadwick Boseman der schwarze Superman. Bei all den Kämpfen mit Pistolen und Fäusten und Verfolgungsjagden zu Fuß und im Auto, selbstverständlich immer ohne schusssichere Weste, wird er nie verletzt und gerät auch nie außer Atem. Und sein Hemd sitzt am Ende der Nacht noch genauso akkurat wie am Anfang der Nacht. Er steht damit in der Tradition von „Shaft“, der, gespielt von Richard Roundtree, in den frühen Siebzigern, zur Musik von Isaac Hayes als cooler Action- und Frauenheld in New York aufräumte.

Diese Coolness geht Brian Kirks kompetent gemachtem, letztendlich mediokren Thriller „21 Bridges“ vollkommen ab. Sein Film ist ein jederzeit vorhersehbares Abarbeiten der bekannten Plot-Points. So ziemlich jede Wendung (Oh, korrupte Cops) und überraschende Enthüllung (Ach, er ist korrupt) ist absolut vorhersehbar und wird auch etwas lustlos präsentiert. So als habe man nicht die große Kinoleinwand, sondern den Slot für den „TV-Film der Woche“ im Blick gehabt. Mit einem höheren Budget, kompetenter gemacht und einer besseren Besetzung, als man es von einem TV-Film erwarten kann; – wobei die Streamingdienste diese Grenzen im Moment sehr verschieben.

So ist nichts wirklich schlecht in diesem Thriller. Aber nichts überzeugt in dieser Verfolgungsjagd durch Manhattan wirklich. Chadwick Boseman kämpft sich hier wenig charismatisch durch eine austauschbare Rolle in einem ebenso austauschbarem Film.

21 Bridges (21 Bridges, USA 2019)

Regie: Brian Kirk

Drehbuch: Adam Mervis, Matthew Michael Carnahan

mit Chadwick Boseman, Sienna Miller, J. K. Simmons, Stephan James, Taylor Kitsch, Keith David, Alexander Siddig, Louis Cancelmi, Victoria Cartagena

Länge: 101 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „21 Bridges“

Metacritic über „21 Bridges“

Rotten Tomatoes über „21 Bridges“

Wikipedia über „21 Bridges“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Buch- und Filmkritik: „Intrige“ gegen Dreyfus, aufgearbeitet von Roman Polanski und Robert Harris

Februar 6, 2020

Auch wer nichts über den Fall Dreyfus weiß, weiß, dass es sich um den wahrscheinlich größten Justizskandal in der Geschichte Frankreichs handelt. 1894 wird der junge jüdische Offizier Alfred Dreyfus als Spion verurteilt. Der Landesverräter soll sein restliches Leben am anderen Ende der Welt auf der Teufelsinsel verbringen. Einige Jahre später, nachdem Émile Zola seinen legendären Brief „J’accuse“ (Ich klage an) in der Zeitung „L’Aurore“ veröffentlichte und es zahlreiche weitere Aufrufe, Proteste und Gerichtsverhandlungen gegeben hatte, wird Dreyfus freigesprochen. Die Beweise gegen ihn waren fabriziert worden, weil er ein Jude war.

Die Geschichte von diesem in Frankreich immer noch bekanntem Skandal erzählen jetzt Roman Polanski und Robert Harris in „Intrige“. Die Idee, die Geschichte noch einmal zu erzählen, äußerte Polanski gegenüber Harris Anfang 2012 in Paris bei einem Mittagessen. Davor hatte Polanski mit dem Bestsellerautor, nach seinem gleichnamigem Roman, das Drehbuch für den Polit-Thriller „Der Ghostwriter“ geschrieben. Nach diesem Mittagessen begann Harris mit den Recherchen. 2013 veröffentlichte er seinen Roman „Intrige“, in dem er aus der Sicht von Oberstleutnant Marie-Georges Picquart die Geschichte des Dreyfus-Skandals nacherzählt. Picquart ist der Mann, der nach der Verurteilung und öffentlichen Degradierung von Dreyfus zum Chef der Statistik-Abteilung (vulgo dem Geheimdienst) befördert wird und bei seiner Arbeit auf Merkwürdigkeiten im Fall Dreyfus stößt. Die Beweise die gegen Dreyfus in nicht öffentlichen Verhandlungen präsentiert wurden, sind dünn. Teilweise sind es auch keine Beweise für seine Schuld und teilweise sind sie fabriziert. Picquart zweifelt immer mehr an der Schuld von Dreyfus. Dazu trägt auch bei, dass er Hinweise auf einen weiteren deutschen Spion stößt, der wahrscheinlich die Taten, die Dreyfus vorgeworfen werden, verübte. Nur: kann er das beweisen und werden seine Vorgesetzten und die Regierung auf ihn hören?

Der mit über sechshundert Seiten etwas zu umfangreich gewordene Roman erzählt die Geschichte nah, sehr nah, an den tatsächlichen Ereignissen entlang.

Schon während des Mittagessens planten Polanski und Harris eine Verfilmung. Der jetzt nach einem Drehbuch von Harris und Polanski entstandene Film folgt dem Roman und, mit einigen Straffungen und einer Konzentration auf Picquart, den historisch verbürgten Ereignissen.

Polanski erzählt Picquarts Geschichte arg gediegen. Sehr ruhig breitet er den sich für Picquart in seiner ganzen Dimension erst langsam erschließenden Skandal aus. Dabei dauert es einige Zeit, bis Picquart sich in seiner neuen Arbeit eingelebt hat und auf die ersten Spuren stößt, die ihn veranlassen, den eigentlich schon abgeschlossenen Fall Dreyfus wieder aufzurollen.

Am Ende wirkt Polanskis Polit-Thriller wie ein bebilderter Wikipedia-Artikel. Die Fakten stimmen. Die Empörung über die Verurteilung von Dreyfus und die anschließende Vertuschung durch die Regierung stellt sich dagegen im Film nicht so sehr ein wie im Roman, wo der damals allgegenwärtige Judenhass auf jeder Seite spürbar ist. Es ist ein Hass, der den gesamten Staatsapparat beherrscht. Für die Militärs, Geheimdienstler und Politiker ist Dreyfus aufgrund seiner Herkunft der ideale Täter. Er ist so ideal, dass sie später skrupellos den wahren Spion beschützen.

Damit ist „Intrige“ nicht nur eine historische Lehrstunde, sondern ein zeitlos aktueller Aufruf zur Zivilcourage und eine Anklage gegen den wieder zu alltäglich werdenden Antisemitismus.

Intrige (J’accuse, Frankreich/Italien 2019)

Regie: Roman Polanski

Drehbuch: Robert Harris, Roman Polanski

LV: Robert Harris: An Officer and a Spy, 2013 (Intrige)

mit Jean Dujardin, Louis Garrel, Emmanuelle Seigner, Grégory Gadebois, Hervé Pierre, Wladimir Yordanoff, Didier Sandre, Melvil Poupaud, Eric Ruf, Mathieu Amalric, Laurent Stocker, Vincent Perez, Michel Vuillermoz

Länge: 132 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Die Vorlage

Robert Harris: Intrige

(übersetzt von Wolfgang Mülller)

Heyne, 2020 (Filmcover)

624 Seiten

10,99 Euro

Deutsche Erstausgabe

Heyne, 2013

Originalausgabe

An Officer and a Spy

Hutchinson, London, 2013

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Intrige“

AlloCiné über „Intrige“

Metacritic über „Intrige“

Rotten Tomatoes über „Intrige“

Wikipedia über „Intrige“ (deutsch, englisch, französisch)

Homepage von Robert Harris

Perlentaucher über „Intrige“

Meine Besprechung von Roman Polanskis „Der Ghostwriter“ (The Ghost Writer, Frankreich/Deutschland/Großbritannien 2010)

Meine Besprechung von Roman Polanskis “Venus im Pelz” (La Vénus á la Forrure, Frankreich/Polen 2013)

Meine Besprechung von Roman Polanskis „Nach einer wahren Geschichte“ (D’après une histoire vraie, Frankreich 2017)


Neu im Kino/Filmkritik: „Birds of Prey: The Emancipation of Harley Quinn“

Februar 6, 2020

Der Originaltitel des neuen Films aus dem DC Extended Universe ist mit „Birds of Prey (And the Fantabulous Emancipation of One Harley Quinn)“ etwas länger als der ähnlich umständliche deutsche Titel „Birds of Prey: The Emancipation of Harley Quinn“. An der Kinokasse wird wahrscheinlich immer nach dem „Harley Quinn“-Film gefragt werden und so wurde er in erster Linie beworben.

Die „Birds of Prey“ sind im DC-Comicuniversum eine seit 1996 aus wechselnden Frauen bestehende Superheldentruppe. Sie kämpfen gegen das Böse. Das tun sie auch in diesem Film; – wobei sie im Film erst am Ende als Gruppe zusammen kommen. Nur so können sie lebendig aus einer brenzligen Situation herauskommen. Diese aus der Not geborene Ad-hoc-Kampfgemeinschaft nennt sich noch nicht Birds of Prey. Im Film haben die „Birds of Prey“-Mitglieder ‚Huntress‘ Helena Bertinelli (Mary Elizabeth Winstead), die Tochter eines Mafiapaten, die ihre Familie rächen will, ‚Black Canary‘ Dina Lance (Jurnee Smollett-Bell), eine Sängerin mit Superkräften, die sie nicht anwenden will, ‚Cass‘ Cassandra Cain (Ella Jay Basco), eine Taschendiebin, und Renee Montoya (Rosie Perez), ein gesetzestreuer Hardboiled-Detective des Gotham City Police Department, nur Nebenrollen.

Im Mittelpunkt steht Harley Quinn. Sie ist die ziemliche durchgeknallte Freundin des ebenso durchgeknallten Superverbrechers Der Joker und damit eindeutig ein Bösewicht. Außerdem ist Harley Quinn die Erzählerin des Films. Sie wird, wie schon in „Suicide Squad“, von Margot Robbie gespielt. Damals kam sie beim Publikum gut an. Und weil Warner Bros. Pictures mit seinen Superheldenfilmen inzwischen den Weg des erfolgreichen Marvel Cinematic Universe (MCU) einschlägt, gibt es seit „Wonder Woman“ Einzelfilme, in denen einzelne Superhelden im Mittelpunkt stehen. Bei „Aquaman“ und „Shazam!“ funktionierte das gut. Die meisten Kritiken waren positiv, die Fans begeistert und die Buchhalter zählten erfreut die Einnahmen. Auch bei Todd Phillips‘ „Joker“, der nicht zum DC Extended Universe gehört, stimmte das Einspielergebnis. Inzwischen könnte das düstere Drama den Oscar als bester Film des Jahres erhalten. Warum also nicht sein Glück mit einem durchgeknallten, sexy Bösewicht versuchen?

Die Regie wurde Cathy Yan anvertraut. Nach ihren auf Sundance gelaufenen, in Deutschland nur auf einem Festival gezeigten Spielfilmdebüt „Dead Pigs“ ist „Birds of Prey“ ihr zweiter Spielfilm. Das Drehbuch ist von Christina Hodson. Sie schrieb zuletzt das Buch für den rundum erfreulichen und sehr kindgerechten ‚Transformers‘-Film „Bumblebee“. Rundum erfreulich und kindgerecht ist „Birds of Prey“ nicht. Die Story springt ziemlich konfus zwischen den verschiedenen Figuren, ihren von Quinn erzählten Hintergrundgeschichten, Gegenwart und Vergangenheit hin und her.

Harley Quinn wurde von ihrem Freund, dem Joker, verlassen. Jetzt muss sie in Gotham, das wie das vermüllte New York der siebziger und achtziger Jahre aussieht, allein über die Runden kommen. Gegenüber dem egomanischen Gangsterboss Roman Sionis (Ewan McGregor im Gary-Oldman-Neunziger-Jahre-“Leon, der Profi“-Modus) erklärt sie sich bereit, eine junge Taschendiebin, die ihm zufällig einen wertvollen Edelstein mit besonderen Eigenschaften geklaut hat, zu finden und zu ihm zu bringen. Nachdem Harley Quinn Cass geschnappt hat, bekommt sie allerdings leichte Gewissensbisse. Sie findet Cass beim Abhängen in ihrer Bude ganz sympathisch und wer will nicht eine Freundin haben? Deshalb will sie Cass vor Sionis und seinen Schergen beschützen.

Cathy Yan erzählt diese Geschichte als ein monotones Dauerfeuerwerk, in dem Gewalt und Sexismus (jede Frau, die ihren Bauchnabel zeigt, eignet sich für die nächste Playboy-Fotostrecke), soundtechnisch unterlegt mit einer Mischung aus einfallslosen HipHop-Rhythmen, den größten Hits der vergangenen Jahrzehnte (in seligem Gedenken an Quentin Tarantino und die Guardians of the Galaxy) und knackenden Knochen, in Zeitlupe zelebriert werden. Am liebsten zerbricht Quinn mit einem Baseball-Schläger Knochen. Die anderen Bösewichter stehen ihr nicht nach. Sie zerbrechen ebenfalls munter Knochen, schießen herum und ziehen Menschen mit einem Messer die Haut vom Gesicht. Der Endkampf ist eine riesige Schlägerei, die wie die artistische, todernste, zynisch Gewalt zelebrierende Variante einer Klopperei aus einem Bud-Spencer-Film wirkt. Damit das alles goutierbar bleibt, fließt kein Blut, etwaige Schmerzensschreie gehen im Soundtrack unter und die Folgen von Schlägen mit einem Baseballschläger auf einen Kopf werden nie gezeigt. Gewalt ohne Folgen eben. Erzählt von einer keine zwei Sekunden vorausplanenden Psychopathin, die Menschen verstümmeln für witzig hält.

Birds of Prey: The Emancipation of Harley Quinn (Birds of Prey (And the Fantabulous Emancipation of One Harley Quinn, USA 2020)

Regie: Cathy Yan

Drehbuch: Christina Hodson

mit Margot Robbie, Mary Elizabeth Winstead, Ewan McGregor, Jurnee Smollett-Bell, Rosie Perez, Ella Jay Basco, Bojana Novakovic, Chris Messina, Greice Santo

Länge: 109 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Birds of Prey: The Emancipation of Harley Quinn“

Metacritic über „Birds of Prey: The Emancipation of Harley Quinn“

Rotten Tomatoes über „Birds of Prey: The Emancipation of Harley Quinn“

Wikipedia über „Birds of Prey: The Emancipation of Harley Quinn“ (deutsch, englisch)