TV-Tipp für den 17. September: Agentenpoker

September 16, 2019

Servus TV, 22.10

Agentenpoker (Hopscotch, USA 1980)

Regie: Ronald Neame

Drehbuch: Brian Garfield, Bryan Forbes

LV: Brian Garfield: Hopscotch, 1975

Ein geschasster CIA-Agent will seine Memoiren veröffentlichen. Sie stoßen vor allem in Agentenkreisen auf großes Interesse.

Nette Agentenkomödie, die in Deutschland nur eine Videopremiere erlebte.

„Witzige und größtenteils schwungvolle Agenten-Komödie.“ (Lexikon des internationalen Films)

Der Film war für einen Edgar nominiert, das Drehbuch für den Preis der Writers Guild of America , der Roman erhielt den Edgar als bester Krimi des Jahres und auch Brian Garfield ist mit dieser Verfilmung sehr zufrieden.

mit Walter Matthau, Glenda Jackson, Sam Waterston, Herbert Lom, Ned Beatty, David Matthau, George Baker

Auch bekannt als „Bluff Poker – Ein Schlitzohr packt aus“ (Videotitel)

Alternative Schreibweise „Agenten-Poker“

Wiederholung: Mittwoch, 18. September, 01.40 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Agentenpoker“ 

Wikipedia über „Agentenpoker“ (deutsch, englisch)

Themroc über „Agenten-Poker“

DVD Savant über „Hopscotch“

New York Times: Vincent Canby über „Hopscotch“ (26. September 1980)

Homepage von Brian Garfield

Meine Besprechung von “The Stepfather” (nach einer Geschichte von Brian Garfield)

Mein Nachruf auf Brian Garfield

–


Neu im Kino/Filmkritik: „Wer 4 sind“ über die HipHop-Band „Die Fantastischen Vier“

September 16, 2019

Muss man „Die Fantastischen Vier“ noch vorstellen? Seit dreißig Jahren machen die vier Jungs aus Stuttgart gemeinsam Musik. Mit „Die da!?!“ hatten sie 1992 ihren Durchbruch. Nach diesem kindischen Partyhit entwickelten die Hip-Hopper sich schnell weiter. Sie sind schon seit Ewigkeiten ein fester Bestandteil der deutschen Musikszene. Außerdem besteht die Band, abgesehen von den Tourmusikern, immer noch aus den vier Gründungsmitgliedern.

In „Wer 4 sind“ dokumentiert Thomas Schwendemann die Arbeit von der Michi Beck, Thomas D, And.Ypsilon und Smudo an ihrer neuen Hip-Hop-CD „Captain Fantastic“ von den ersten improvisierten Gedankensammlungen für die neue CD bis zur Präsentation der CD vor Publikum.

Dazwischen gibt es Szenen aus dem Leben von Smudo, Thomas D, And.Ypsilon und Michi Beck, die alle sehr sympathisch und bodenständig rüberkommen, und einen kurzen Rückblick zu ihren Anfängen in Stuttgart.

Die unkritische und oberflächliche Doku ist eigentlich die perfekte Beigabe zur CD. Sie ist hundertfünfzigprozentiger Fanservice, der sich auch nur an die Fans richtet. Ein zufälliger Besucher erfährt nichts essentielles über die Band, ihre Geschichte und ihre Position im deutschen Hip-Hop. Ihre Musik wird immer nur so kurz angespielt, dass jemand, der die Band nicht kennt, nach dem Abspann ahnt, dass sie Hip-Hop spielen könnten. Aber ob ihm die Musik gefallen könnte, weiß er nicht.

Fans der Band werden das selbstverständlich ganz anders sehen.

Wer 4 sind (Deutschland 2019)

Regie: Thomas Schwendemann

Drehbuch: Thomas Schwendemann

mit Michi Beck, Thomas D, And.Ypsilon, Smudo, Clueso, Samy Deluxe, Afrob, Curse, Damion Davis, DJ Thomilla

Länge: 106 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

alternative Schreibweise: „Wer Vier sind“

–

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Wer 4 sind“

Moviepilot über „Wer 4 sind“

Wikipedia über „Die fantastischen Vier“

Homepage der Band


DVD-Kritik: Robert Redford, „Ein Gauner & Gentleman“ macht jetzt Hausbesuche

September 16, 2019

Zum Kinostart von David Lowerys wunderschönem „Ein Gauner & Gentleman“ schrieb ich ziemlich begeistert:

Vor dem Kinostart sagte Robert Redford, dass „Ein Gauner & Gentleman“ sein letzter Film sein werde. Danach wolle der 82-jährige in den wohlverdienten Ruhestand gehen. Inzwischen ist er sich anscheinend nicht mehr so sicher, ob David Lowerys warmherzige Gaunerkomödie „Ein Gauner & Gentleman“ wirklich sein letzter Film sein soll.

David Lowery, der Redford bereits in seinem Kinderfilm „Elliot, der Drache“ inszenierte, erzählt die Geschichte von Forrest Tucker, einem notorischen Bankräuber, der inzwischen ein alter, aber immer noch junggebliebener Gentleman ist. Er ist ein Berufsverbrecher, der immer wieder in Haft saß, ausbrach und jetzt weiter Banken überfällt. Sein jüngster Überfall, dieses Mal in Dallas, lief wieder einmal so höflich und gesittet ab, dass wir unwillkürlich an „Out of Sight“ Jack Foley (George Clooney) denken müssen. Wobei es historisch korrekt wahrscheinlich umgekehrt war. Denn Tucker, den es wirklich gab, begann seine Verbrecher- und Ausbrecherkarriere 1936 als Fünfzehnjähriger und Lowerys Film spielt 1981. Der von Elmore Leonard erfundene Foley betrat erst später zuerst die literarische und dann die filmische Bühne.

Forrest Tucker war ein vollendeter Gentleman, der seine Verbrechen ohne Gewalt verübte. Den Revolver, den er dabei hatte, zeigte er niemals. Aber diese Angewohnheit erklärt den Originaltitel des Films, der auf der gleichnamigen „The New Yorker“-Reportage von David Grann basiert. Trotzdem ist der deutsche Titel „Ein Gauner & Gentleman“ viel zutreffender.

Als Gentleman hält Tucker auf seiner Flucht vor der Polizei selbstverständlich an, um einer Frau, die Probleme mit ihrem Auto hat, zu helfen. Auch wenn er keine Ahnung von Autos hat. Er unterhält sich mit Jewel (Sissy Spacek). Er fährt sie nach Hause und das ist der Beginn einer wundervollen, erwachsenen Beziehung, in der sich zwei Menschen redend näherkommen.

Diese Liebesgeschichte könnte sein Abschied vom Verbrecherleben sein, wenn er nicht ein Berufsverbrecher wäre, der einfach gerne das tut, was er tut. Also raubt er weiter Banken aus mit seinen Verbrecherkumpels, der „Over-the-Hill-Gang“. Sie besteht aus Teddy (Danny Glover) und Waller (Tom Waits). Der Musiker, dessen letzte CD 2011 erschien, und Ab-und-zu-Schauspieler wurde dafür aus seinem filmischen Ruhestand gezerrt.

Verfolgt werden sie über Landesgrenzen hinweg von Detective John Hunt. Casey Affleck liefert eine weitere feine, minimalistische Charakterstudie. Dieses Mal ist er unter dem Porno-Schnauzbart Tom-Selleck-Schnauzbart (Hunt ist ja ein ehrlicher Polizist) kaum erkennbar. In Lowerys vorherigem Film „A Ghost Story“ war er als stummer Geist mit einem Bettlaken über dem Kopf noch weniger erkennbar.

Diese Erzählstränge verknüpft David Lowery zu einer wunderschön entspannten Schnurre, einer Verbrecherballade, die einem auch am Lagerfeuer erzählt werden könnte. Denn früher, in diesem Fall 1981, ging alles langsamer. Nachrichten verbreiteten sich über Tage und Wochen von der einen Küste des Landes zur anderen. Falls überhaupt. Computer waren keine Alltagsgegenstände, sondern schrankgroße Geräte, die in Science-Fiction-Filmen riesige Hallen füllten. Ein Ermittler musste damals, nachdem er auf die abstruse Idee gekommen war, dass verschiedene Überfälle in verschiedenen Bundesstaaten miteinander zusammenhängen könnten, mühsam die Informationen über die Überfälle zusammentragen, immer wieder Ländergrenzen überschreiten, mit unterschiedlichen Gesetzgebungen kämpfen und in Archiven wühlen. Denn schon auf den ersten Blick klingt die Idee, dass ein Haufen alter Männer professionell Banken überfällt, ziemlich fantastisch.

Währenddessen hat Forrest Tucker viel Zeit, um mit seinen Kollegen weitere Überfälle zu planen und, vor allem, mit Jewel den Sonnenuntergang zu genießen.

Und wir können Robert Redford und Sissy Spacek dabei beobachten.

Es gibt wirklich schlechtere Möglichkeiten, seine Zeit zu verbringen.

Wenn Robert Redford jetzt wirklich keinen weiteren Film mehr dreht, ist „Ein Gauner & Gentleman“ eine rundum gelungene, angenehm nostalgische Abschiedsvorstellung, die noch einmal, mühelos und ohne erkennbare Anstrengung, die Karriere von Robert Reedford Revue passieren lässt.

Aber wie beginnt noch einmal Davd Granns Artikel über den sympathischen Bankräuber? „Forrest Tucker had a long career robbing banks, and he wasn’t willing to retire.“

.

„Ein Gauner & Gentleman“ ist jetzt doch nicht Robert Redfords letzter Film geworden. Danach spielte er, zugegeben nur in einer kleinen Rolle, in „Avengers: Endgame“ mit. Das ändert aber nichts daran, dass David Lowerys Film vor allem eine wunderschöne, nostalgische, tiefenentspannte Abschiedsvorstellung ist, die noch einmal die gute alte Zeit feiert und die auch im heimischen Kino ausnehmend gut gefällt.

Das Bonusmaterial der DVD fällt dagegen mit einer halben Stunde Promo-Interviews mit Casey Affleck, Danny Glover, Robert Redford und Sissy Spacek eher enttäuschend aus. Die meiste Zeit ergehen sich die Interviewten in Lobhuddeleien. Robert Redford, der den Anstoß für den Film gab und auch einer der Produzenten ist, geht etwas ausführlicher auf die Hintergründe ein.

Ein Gauner & Gentleman (The old man & the gun, USA 2018)

Regie: David Lowery

Drehbuch: David Lowery

LV: David Grann: The Old Man and the Gun (Reportage, The New Yorker, 27. Januar 2003)

mit Robert Redford, Sissy Spacek, Casey Affleck, Danny Glover, Tom Waits, Tika Sumpter, Keith Carradine, Isiah Whitlock Jr., John David Washington

–

DVD

DCM

Bild: 2,40:1

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch, Deutsch für Hörgeschädigte

Bonusmaterial: Audiodeskription, Interviews mit Cast & Crew, Wendecover

Länge: 90 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

–

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Ein Gauner & Gentleman“

Metacritic über „Ein Gauner & Gentleman“

Rotten Tomatoes über „Ein Gauner & Gentleman“

Wikipedia über „Ein Gauner & Gentleman“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von David Lowerys „Elliot, der Drache“ (Pete’s Dragon, USA 2016)

Meine Besprechung von David Lowerys „A Ghost Story“ (A Ghost Story, USA 2017)

Meine Besprechung von David Lowerys „Ein Gauner & Gentleman“ (The old man & the gun, USA 2018) (mit Q&A-Clips)


TV-Tipp für den 16. September: Die City-Cobra

September 16, 2019

Wenige Tage vor „Rambo: Last Blood“ können wir ein anderes Sylvester-Stallone-Massaker begutachten

Kabel 1, 22.05

Die City-Cobra (Cobra, USA 1986)

Regie: George Pan Cosmatos

Drehbuch: Sylvester Stallone

LV: Paula Gosling: A Running Duck; Fair Game, 1978 (Töten ist ein einsames Geschäft)

Ein Cop soll ein Model vor einem Mörder schützen.

In jeder Hinsicht brutales Cop-Movie mit Sylvester Stallone, Sonnenbrille und vielen Waffen.

Wolfgang Schweiger hält in „Der Polizeifilm“ die „City-Cobra“ für den wahrscheinlich miesesten Cop-Film aller Zeiten. Weil der Film FSK-18 ist, müsste heute Abend eine gekürzte Fassung gezeigt werden. Es könnte sein, dass eine um knapp zwei Minuten gekürzte Fassung gezeigt wird.

Paula Gosling schreibt lesenswerte Bücher. Wenn ihr einen ihrer Romane in einem Antiquariat entdeckt, könnt ihr ruhig zugreifen. Ihr hier erstmals verfilmtes Debüt „A running Duck“ wurde mit dem John Creasey Memorial Award als bestes Debüt ausgezeichnet. Die zweite Verfilmung „Fair Game“ (USA 1995) ist auch nicht viel besser.

Mit Sylvester Stallone, Brigitte Nielsen, Reni Santoni, Andrew Robinson, John Herzfeld, Val Avery, David Rasche

Wiederholung: Dienstag, 17. September, 01.50 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Die City-Cobra“

Wikipedia über „Die City-Cobra“ (deutsch, englisch)


Kerstin Ehmer stellt ihren neuen Krimi „Die schwarze Fee“ vor

September 15, 2019

Berlin in den Goldenen Zwanzigern. Der eine Krieg war gerade vorbei, von dem nächsten wusste man noch nichts. Zwischen diesen Kriegen war – jedenfalls wird uns das heute gesagt – die deutsche Hauptstadt eine der aufregendsten Städte Europas. Für Schriftsteller ist das ein dankbarer Hintergrund, vor dem Kerstin Ehmer auch ihren zweiten Krimi mit Kommissar Ariel Spiro, „Die schwarze Fee“ spielen lässt.

Russische Emigranten, darunter Schriftsteller, Gelehrte, Politiker und Anarchisten, haben nach der Revolution in Berlin Zuflucht gefunden vor dem Zugriff der sowjetischen Geheimpolizei. Zwei Giftmorde führen Kommissar Ariel Spiro in das russische Milieu. Und dann ist da noch Nike, seine große Liebe, die ihn um Hilfe bei der Suche nach ihrem neuen Freund Anton bittet. Unversehens geraten beide in einen Strudel aus Politik und Gewalt.

„Die schwarze Fee“ ist die Fortsetzung ihres erfolgreichen Krimidebüts „Der weiße Affe“. Mit bildgewaltiger Sprache und atmosphärischen Szenen zeigt Kerstin Ehmer auch in diesem Krimi, dass das Berlin der Zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts nicht immer so golden gewesen ist, wie es scheint. Sagt der Verlag und es fällt mir schwer zu widersprechen.

Kerstin Ehmer betreibt seit sechzehn Jahren mit ihrem Mann die legendäre Victoria Bar. Mit Beate Hindermann schrieb sie den Longseller »Die Schule der Trunkenheit« über das gepflegte Genießen.

Am Montag den 16. September, ist um 19.00 Uhr in der Victoria Bar (Potsdamer Straße 102, 10785 Berlin), bei freiem Eintritt die Buchpremiere. Mit einem extra für diesen Abend kreiertem Cocktail.

–

Kerstin Ehmer: Die schwarze Fee

Pendragon, 2019

400 Seiten

18 Euro

–

Hinweise

Pendragon über „Die schwarze Fee“

Homepage der Victoria Bar


TV-Tipp für den 15. September: Der Siebente ist dran

September 14, 2019

Tele 5, 20.15

Der Siebente ist dran (Seven Men from Now, USA 1956)

Regie: Budd Boetticher

Drehbuch: Burt Kennedy

Ex-Sheriff Ben Stride (Randolph Scott) will die sieben Männer, die seine Frau töteten, ermorden.

Erster von insgesamt sieben Western von Budd Boetticher und Randolph Scott, die allesamt unter Western-Fans und Cineasten ein hohes Ansehen genießen. Weil „Der Siebente ist dran“ schon seit Ewigkeiten nicht mehr im TV lief, ist er inzwischen fast unbekannt. Trotz des legendären Lob des legendären Kritikers André Bazin in der Cahiers du Cinema: „Meine Bewunderung für Budd Boetticher veranlasst mich nicht zu der Annahme, Budd Boetticher sei der größte Western-Regisseur – obwohl ich diese Möglichkeit nicht ausschließen will -, sondern schlicht zu der Feststellung, dass dieser Film wohl der beste Western ist, den ich seit dem Krieg gesehen habe.“

„Boettichers Film ist von der gleichen Bedeutung, wie ein paar Jahre früher Becketts ‚Warten auf Godot‘ es war im Nachkriegseuropa.“ (Fritz Göttler, in Bernd Kiefer/Norbert Grob, Hrsg.: Filmgenres Western)

Boetticher drehte mit Scott Western für Erwachsene, die nur auf den ersten Blick simple Rachegeschichten sind.

mir Randolph Scott, Gail Russell, Lee Marvin, Walter Reed, John Larch

Wiederholung: Montag, 16. September, 04.15 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Der Siebente ist dran“

TCM über „Der Siebente ist dran“

Wikipedia über „Der Siebente ist dran“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Budd Boettichers „Flucht vor dem Tode“ (The Cimarron Kid, USA 1952)


Neu im Kino/Filmkritik: Über Michael Kliers „Idioten der Familie“

September 14, 2019

Weil Heli (Jördis Triebel), die jahrelang auf ihre jüngere Schwester aufpasste, als Malerin noch einmal künstlerisch durchstarten will, soll Ginnie (Lilith Stangenberg) in ein Heim. Bis jetzt lebte die geistig schwer behinderte sechsundzwanzigjährige Ginnie im Haus der verstorbenen Eltern.

Wenige Tage vor diesem für Ginnie entscheidenden Ortswechsel sind ihre Brüder Frederik (Kai Scheve), Tommie (Hanno Koffler) und Bruno (Florian Stetter) noch einmal für ein Wochenende in ihr Elternhaus gekommen.

In diesem Moment beginnt Michael Kliers neuer Film „Idioten der Familie“. Nur langsam erschließt sich der von mir eingangs geschilderte Grund für diese Familienzusammenkunft, in der die Geschwister noch einmal darüber sprechen, ob sie bezüglich Ginnie die richtige Entscheidung getroffen haben. Dabei wird der Wechsel in die Behinderten-Wohngruppe so dramatisiert, als ob sie ihre Schwester danach nicht mehr sehen können. Das ist natürlich Unfug. Sowieso ist Ginnies Umzug nur der austauschbare Grund für das Geschwistertreffen. Ginnie irrlichtert durch den Film, während ihre Geschwister allesamt um sich selbst kreisen und ihre Lebenslügen pflegen. Die Egozentriker entfachen jetzt einen Sturm im Wasserglas. Nach dem Wochenende werden vor allem die Brüder schnell wieder in ihr Leben ohne ihre behinderte Schwester zurückkehren und sie in den nächsten Wochen, Monaten und Jahren wahrscheinlich genauso oft besuchen, wie sie es in den vergangenen Wochen, Monaten und Jahren getan haben.

Das fast ausschließlich in dem Haus und Garten spielende Drama wirkt mehr wie eine improvisierte Probe an einem Wochenende im Haus eines Freundes als wie ein richtiger Film. Denn aus den einzelnen Szenen ergibt sich keine richtige Geschichte, sondern nur eine Abfolge verschieden befremdlicher Episoden, in denen die Geschwister sich lieben und hassen, auf die Nerven gehen, versöhnen und auch sexuell belästigen. Schon lange vor dem Abspann sinkt jegliche Sympathie und Interesse an den verkorksen Figuren und ihrem bildungsbürgerlich zelebriertem Selbstmitleid auf Null.

Erschwerend kommt die Zeichnung von Ginnie hinzu, die nur als „Wir spielen eine Behinderte“-Schauspielübung ihre Berechtigung hat.

Michael Klier inszenierte „Überall ist es besser, wo wir nicht sind“, „Ostkreuz“, „Heidi M.“ (sein heute wohl bekanntester Film) und „Farland“. Außerdem ist er einer der Drehbuchautoren von Dominik Grafs „Der Rote Kakadu“.

Idioten der Familie (Deutschland 2018)

Regie: Michael Klier

Drehbuch: Michael Klier, Karin Aström

mit Lilith Stangenberg, Jördies Triebel, Hanno Koffler, Florian Stetter, Kai Scheve

Länge: 102 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

–

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Idioten der Familie“

Moviepilot über „Idioten der Familie“

 


TV-Tipp für den 14. September: Untraceable

September 13, 2019

ZDFneo, 22.00

Untraceable (Untraceable, USA 2008)

Regie: Gregory Hoblit

Drehbuch: Robert Fyvolent, Mark R. Brinker, Allison Burnett

Es gibt es zwei Gründe für den Film: Gregory Hoblit und Diane Lane. Und es gibt, für Genrefans, einen sehr guten Grund gegen den Film: das Drehbuch. Denn es erzählt, sauber entwickelt (oder sollte ich sagen „vorhersehbar nach Schema F“?), eine typische logikfreie Serienkillergeschichte für ein Mainstreampublikum, das sich niemals einen der derzeit modischen Torture-Porn-Streifen ansehen würde und die stereotype Medienkritik des Geschichte gedankenlos bejaht.

Die Geschichte: FBI-Agentin Jennifer Marsh stößt bei ihren Ermittlungen im Internet auf eine neue Seite, auf der zuerst eine Katze und später Menschen, vor laufender Kamera qualvoll sterben. Der Clou: je mehr Menschen die Seite anklicken, umso schneller wird das Opfer hingerichtet. Marsh versucht dem Mörder auf die Schliche zu kommen. Aber die Seite ist ‚untraceable’.

Bei dem Drehbuch haben mir der schnelle Anfang, bei dem die Heldin auf wenigen Seiten vorgestellt wird; das gelungene Präsentieren von Informationen, die später wichtig werden und das ausgewogene Verhältnis von Berufsleben und etwas Privatleben mit ihrer sechsjährigen Tochter, gefallen. Überhaupt nicht gefallen hat mir dagegen die Story. Denn sie bewegt sich letztendlich spannungsfrei und ohne falsche Fährten von einem Mord zum Nächsten. Irgendwann hat die Heldin eine Idee und wir kennen sofort den richtigen Mörder und das, wie ich finde ziemlich alberne, Motiv. Sie macht einige dumme Fehler (Bei einem Fehler dachte ich nur ‚Nein, das darf nicht wahr sein’.). Ebenfalls zum festen Genreinventar gehört das Ende mit dem tödlichen Kampf zwischen der Polizistin und dem Mörder.

Insgesamt ist „Untraceable“ ein 08/15-Serienkillerfilm, für den man sich wirklich keine Kinokarte kaufen muss, sich aber im TV ansehen kann.

Mit Diane Lane, Colin Hanks, Billy Burke

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Rotten Tomatoes über „Untraceable“

Wikipedia über „Untraceable“ (deutsch, englisch)

Drehbuch „Untraceable“ von Robert Fyvolent, Mark R. Brinker und Allison Burnett

Interview mit Allison Burnett

Homepage von Allison Burnett


Neu im Kino/Filmkritik: „Das Wunder im Meer von Sargasso“ und ein toter Schlagerfuzzi

September 13, 2019

Nach einer Verhaftung in Athen will die Polizistin Elisabeth ein Protokoll nicht unterschreiben. Anschließend wird sie nach Messolonghi versetzt, was das griechische Äquivalent zu „am Arsch der Welt“ ist. Zehn Jahre später ist sie immer noch in Messolonghi die Leiterin der Polizeistation. Verbrechen gibt es dort kaum. Ihr Alkoholkonsum ist kriminell hoch und sie bemüht sich, alle ihre Untergebenen möglichst vor der Mittagspause zu beleidigen. Sie ist ein Chef, den man wie ein Gewitter erträgt.

Während Regisseur Syllas Tzoumerkas („Homeland“, „A Blast“) Elisabeth in ihrem Leben als alleinerziehende Mutter und Hardboiled-Polizistin verfolgt, führt er mit Rita eine zweite Hauptperson ein, die ebenfalls in dieser für ihre Aalzucht bekannten Kleinstadt an der Westküste Griechenlands lebt. Rita arbeitet in der örtlichen Fischfabrik, möchte ebenfalls Messolonghi verlassen und wird immer wieder von ihrem Bruder Manolis schikaniert, geschlagen und gefoltert. Manolis ist ein in der Region beliebter Schlagersänger und Drogenhändler.

Eines Morgens wird Manolis, nach einer seiner exzessiven Partys, erhängt am Strand gefunden.

In dem Moment ist der Film ungefähr zur Hälfte um. Anschließend handelt Tzoumerkas die aus unzähligen Rätselkrimis allseits bekannten Ermittlungsschritte ab. Trotzdem ist die Frage, wer der Mörder von Manolis ist, reichlich nebensächlich. Auch weil Elisabeth, wenn sie sich bei ihren Ermittlungen durch die dunklen Geheimnisse der Stadt wühlt, wenig Interesse an irgendeiner Art von Gerechtigkeit hat. Sie tut es nur, weil irgendwo tief in ihrem Innern noch ein Rest Pflichtgefühl ist und sie irgendetwas zwischen Komasaufen und schlechtem Sex tun muss.

Tzoumerkas konzentriert sich in seinem Noir auf zwei Frauen, die unbedingt möglichst schnell aus Messolonghi weg wollen. Für sie ist diese Gegend eine Vorhölle, die den Kampf gegen den Verfall schon lange aufgegeben hat. Alles ist heruntergekommen. Die Hitze lähmt die Menschen. Eine positive Identifikationsfigur gibt es nicht.

Dafür gibt es oft quälend lange, ungeschnittene Szenen, Bilder aus Träumen und aus Messolonghi, die perfekt für ein Anti-Tourismusprospekt gemacht sind, biblische Motive und Allegorien. Vor allem die Geschichte der Aale, die von Messolonghi durch den Atlantik zum Sargassosee schwimmen und dort laichen, ist eine überdeutliche Handlungsanweisung für Elisabeth und Rita.

Als Feelbad-Movie und Charakterstudie ist der intensiv gespielte Arthaus-Noir „Das Wunder im Meer von Sargasso“ durchaus interessant.

Das Wunder im Meer von Sargasso (To Thávma tis Thálassas ton Sargassón, Griechenland/Deutschland/Niederlande/Schweden 2019)

Regie: Syllas Tzoumerkas

Drehbuch: Youla Boudali, Syllas Tzoumerkas

mit Angeliki Papoulia, Youla Boudali, Christos Passalis, Argyris Xafis, Thanasis Dovris, Laertis Malkotsis, Maria Filini

Länge: 120 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

–

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Filmportal über „Das Wunder im Meer von Sargasso“

Moviepilot über „Das Wunder im Meer von Sargasso“

Rotten Tomatoes über „Das Wunder im Meer von Sargasso“

Wikipedia über „Das Wunder im Meer von Sargasso“

Berlinale über „Das Wunder im Meer von Sargasso“


„Hit-Girl in Rom“ und „Frauenpower“ bei „Kick-Ass“

September 13, 2019

Vor elf Jahren veröffentlichten Mark Millar und John Romita Jr. den ersten „Kick-Ass“-Comic. Weitere folgten. Ebenso zwei kultige Verfilmungen, in denen Chloë Grace Moretz „Hit-Girl“ Mindy McCready verkörperte.

Inzwischen hat Hit-Girl eine eigene Comicserie, in denen verschiedene Autoren und Zeichner den Teenager um die Welt begleiten. Weil Hit-Girl eine Killermaschine ist, die unter Freizeitvergnügen versteht, mit einigen coolen Sprüchen und ohne mit der Wimper zu zucken, ganze Hundertschaften böser Jungs umzubringen, hinterlässt sie an jedem Ort, den sie besucht, einige Dutzend Leichen. Nach Kolumbien und Kanada ist jetzt Rom an der Reihe.

Das Abenteuer beginnt in Toronto. Dort begegnet sie Paola, die am Flughafen aus einem Frachtcontainer einen Gegenstand stehlen will. Anstatt Paola zu überwältigen, landet Mindy im Frachtcontainer eines Flugzeugs, das sie nach Rom fliegt.

Dort trifft sie sofort nach der Landung wieder auf Paola und sie kann während eines Kampfs Paolas Diebesgut, einen juwelenbesetzten Schädel, gegen ein Plüschtier austauschen.

Donna Giustina, eine alte Dame, Nonne und skrupelloser Kopf eines Verbrechersyndikats („Ich töte zum Vergnügen!“), die den Schädel unbedingt will, schickt ihre Vasallen und die Diebin Paola los. Sie sollen den Schädel von dem maskierten Mädchen mit dem Samuraischwert wieder besorgen.

„Hit-Girl in Rom“ ist ein blutiger von Rafael Scavone geschriebener und Rafael Albuquerque gezeichneter Spaß, mit einigen überraschenden Wendungen und vielen, immer wieder gegen den Strich gebürsteten Italien-Klischees.

Für Ende Oktober ist mit „Hit-Girl in Hollywood“ die nächste Geschichte mit Mindy McCready angekündigt. Geschrieben von Kevin Smith.

–

Während die neuen „Hit-Girl“-Geschichten lose an die vorherigen „Kick-Ass“-Geschichten anknüpfen, geht „Kick-Ass“ einen anderen Weg. Mark Millar und John Romita Jr. starteten mit „Kick-Ass: Frauenpower“ die Serie komplett neu. Im Mittelpunkt steht mit Patience ein ganz neuer Charakter, der in einer anderen Stadt gegen das Organisierte Verbrechen kämpft. Im ersten „Kick-Ass: Frauenpower“-Sammelband begann Patience ihren Kampf gegen die örtliche Drogenmafia.

Am Ende hatte die alleinerziehende Mutter, schlecht verdienende Kellnerin und kampferprobte Afghanistan-Veteranin die Kontrolle über mehrere Gangs in Albuquerque, New Mexiko, übernommen.

Nach dem ersten Sammelband erzählen Steve Niles („30 Days of Night“) und Marcelo Frusin („Loveless“) die Geschichte gelungen weiter.

Bei ihrem Kampf gegen die verschiedenen Verbrecherbanden legte Patience sich auch mit den Kartellen an, die die maskierte Frau und ihre Helfer töten wollen. Skrupel kennen sie nicht. Und Patience steht auch vor der Frage, was sie tun soll, wenn Maurice aus dem Koma erwacht. Denn der Verbrecher ist ein mehrfacher Vater und mit ihrer Schwester Edwina verheiratet. Dass der Vater ihrer Kinder ein Verbrecher ist, weiß Edwina nicht.

„Kick-Ass: Frauenpower“ ist ernster als die alten „Kick-Ass“-Geschichten, die Superheldengeschichten gegen den Strich bürsteten. „Frauenpower“ ist näher an der Realität und erwachsener. Immerhin ist die Protagonistin kein pubertierender Hänfling, sondern eine alleinerziehende Mutter, die sich mit den Problemen herumschlagen muss, mit denen sich eine alleinerziehende Mutter herumschlagen muss. Da ist kein Platz für Superheldengedöns.

Damit ist auch der zweite „Kick-Ass: Frauenpower“-Sammelband ein Comic für die „Kick-Ass“-Fans und die Fans von Hardboiled-Krimis. Und, wie „Hit-Girl in Rom“, eine angenehm gradlinige Geschichte. Kein Epos, wie Mark Millars jüngste Werke, sondern ein Punkrocksong. Laut Verlag „empfohlen ab 16 Jahre“.

–

Rafael Scavone/Rafael Albuquerque: Hit-Girl in Rom

(übersetzt von Bernd Kronsbein)

Panini, 2019

100 Seiten

12,99 Euro

–

Originalausgabe

Hit-Girl (2018) # 9 – 12

Millarworld/Image, Oktober 2018 – Januar 2019

–

Steve Niles/Marcelo Frusin: Kick-Ass – Frauenpower

(übersetzt von Bernd Kronsbein)

Panini, 2019

156 Seiten

20 Euro

–

Originalausgabe

Kick-Ass (2018) # 7 – 12

Millarworld/Image, September 2018 – Februar 2019

–

Hinweise

Homepage von Mark Millar

Meine Besprechung von Mark Millar/J. G. Jones‘ „Wanted (Mark Millar Collection 1)“ (Wanted # 1 – 6, Dezember 2003 – Februar 2005)

Meine Besprechung von Mark Millar/Steve McNivens „Nemesis“ (Nemesis, 2010/2011)

Meine Besprechung von Mark Millar/Grant Morrisons “Vampirella: Heiliger Krieg (Master Series 1)”

Meine Besprechung von Mark Millar/Steve McNivens „Wolverine: Old Man Logan“ (Old Man Logan, 2008/2009)

Meine Besprechung von Mark Millar/John Romita, Jr. „Kick-Ass 2 (Band 1)“ (Kick-Ass 2 – Issue 1 – 4, Dezember 2010 – November 2011)

Meine Besprechung von Mark Millar/John Romita, Jr. „Kick-Ass 2 (Band 2)“ (Kick-Ass 2 – Issue 5 – 7, Januar – Mai 2012)

Meine Besprechung von Mark Millar/John Romita, Jr. „Hit-Girl – Kick-Ass 2: Die Vorgeschichte“ (Hit-Girl, Issue 1 – 5, August 2012 – April 2013)

Meine Besprechung von Mark Millar/Leinil Yus „Superior – Band 2“ (Superior, Issue 5 – 7, Dezember 2011 – März 2012)

Meine Besprechung von Mark Millar/Dave Gibbons‘ „Secret Service“ (Secret Service # 1- 6, Juni 2012 – April 2013)

Meine Besprechung von Mark Millar/John Romita jr. „Kick-Ass 3 – Band 1“ (Kick-Ass 3, # 1 – 5, Juli 2013 – Januar 2014)

Meine Besprechung von Mark Millar/John Romita jr. „Kick-Ass 3 – Band 2“ (Kick-Ass 3 – # 6 – 7, April – August 2014)

Meine Besprechung von Mark Millar/Leinil Yu/Nacho Vigalondos (Co-Autor/Drehbuch) „Super Croocks – Band 1: Der Coup“ (Super Crooks # 1 – 4, 2012)

Meine Besprechung von Jeff Wadlows Mark-Millar-Verfilmung „Kick-Ass 2“ (Kick-Ass 2, USA 2013)

Meine Besprechung von Matthew Vaughns Mark-Millar-Verfilmung „Kingsman: The Secret Service“ (Kingsman: The Secret Service, USA/Großbritannien 2015)

Meine Besprechung von Mark Millar/Dave Johnson/Kilian Plunketts „Genosse Superman (Mark Millar Collection 4)“ (Superman: Red Son # 1 – 3, 2003)

Meine Besprechung von Mark Millar/Rafael Albuquerque/Dave McCaigs „Huck – Held wider Willen“ (Huck # 1 – 6, November 2015 – April 2016)

Meine Besprechung von Mark Millar/Stuart Immonens „Empress“ (Empress # 1 – 7, Juni 2016 – Januar 2017)

Meine Besprechung von Mark Millar/Greg Capullos „Reborn“ (Reborn # 1 – 6, Oktober 2016 – Juni 2017)

Meine Besprechung von Mark Millar/Olivier Coipels „The Magic Order“ (The Magic Order # 1 – 6, 2018/2019)

Mein Besprechung von Mark Millar/Wilfredo Torres‘ „Jupiter’s Circle“ (Jupiter’s Circle # 1 – 6, 2015; Jupiter’s Circle 2 # 1 – 6, 2015/2016)

Meine Besprechung von Mark Millar/Ricardo Lopez Ortiz‘ „Hit-Girl in Kolumbien“ (Hit-Girl (2018) # 1 – 4, 2018)

Meine Besprechung von Mark Millar/John Romita Jr. „Kick-Ass: Frauenpower“ (Kick-Ass (2018) # 1 – 6, 2018)

Meine Besprechung von Jeff Lemire/Eduardo Rissos „Hit-Girl in Kanada“(Hit-Girl (2018) # 5 – 8, 2018)

Homepage von Steve Niles

Meine Besprechung von Steve Niles/Ben Templesmiths „30 Days of Night – Die Barrow-Trilogie“ (30 Days of Night, 2002; 30 Days of Night: Dark Days, 2004; 30 Days of Night: Return to Barrow, 2004)

 


TV-Tipp für den 13. September: The Birt of a Nation – Aufstand zur Freiheit

September 12, 2019

Pro7, 23.30

The Birth of a Nation – Aufstand zur Freiheit (The Birth of a Nation, USA 2016)

Regie: Nate Parker

Drehbuch: Nate Parker (nach einer Geschichte Nate Parker und Jean McGianni Celestin)

Nachdem Quentin Tarantino „Django Unchained“ hat, präsentiert Pro 7 zu fast mitternächtlicher Stunde die TV-Premiere eines Historiendramas, das die Geschichte der USA nicht aus der Geschichte des weißen Mannes, sondern aus der Sicht der Sklaven erzählt. Im Mittelpunkt steht Nat Turner, der 1831 in Virginia einen Sklavenaufstand initiierte.

Nate Parkers von der US-Kritik auch und gerade wegen seiner politischen Botschaft abgefeiertes Drama ist trotz gewisser Schwächen sehenswert.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Nate Parker, Armie Hammer, Mark Boone jr., Colman Domingo, Aunjanue Ellis, Dwight Henry, Aja Naomi King, Esther Scott, Roger Guenveur Smith, Gabrielle Union, Penelope Ann Miller, Jackie Earle Haley

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „The Birth of a Nation“

Metacritic über „The Birth of a Nation“

Rotten Tomatoes über „The Birth of a Nation“

Wikipedia über „The Birth of a Nation“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Nate Parkers „The Birth of a Nation – Aufstand zur Freiheit“ (The Birth of a Nation, USA 2016)


Neu im Kino/Filmkritik: „Ein leichtes Mädchen“, Easy Living und viel nackte Frauenhaut am Mittelmeer

September 12, 2019

Nach der Schule fragt die sechzehnjährige Naima sich, was sie in den Sommerferien und danach tun soll. Ihre Mutter arbeitet in einem der zahlreichen Luxushotels in Cannes als Zimmermädchen. Weil sie wenig Geld haben und schon im Urlaubsparadies wohnen, wird Naima den Sommer am Mittelmeer verbringen.

Als ihre Cousine Sofia, die mit 22 Jahren schon viel älter und erfahrener ist, auftaucht, beginnen sie gemeinsam das Leben am Strand und auf der Touristenpromenade, tagsüber und nach Sonnenuntergang, zu erkunden.

Sofia ist dabei auf den ersten und zweiten Blick das auf Luxus, Äußerlichkeiten und Sex fixierte blonde Dummchen. Naima, die noch ein Teenager ist und zu Sofias ständiger Begleiterin wird, bewundert Sofias souveränes Auftreten. Und die Minderjährige erhält erstmals einen Einblick in die ihr bislang verschlossene Welt der reichen Müßiggänger, wie Andres, einem brasilianischen Multimillionär und Besitzer der „Winning Streak“, und seinem Begleiter Philippe. Dabei ist unklar, wie sehr Philippe mit Andres befreundet, seine rechte Hand und Mädchen für alles ist.

Sofia wird schnell zu Andres‘ Geliebten, die sich von ihm großzügig aushalten lässt. Und Naima könnte Philippes Geliebte werden.

Rebecca Zlotowski sieht ihren neuen Film „Ein leichtes Mädchen“ als Märchen über Macht, in das sie viele Anspielungen auf ältere französischer und italienischer Filme unterbrachte. Die wichtigste Inspiration war Eric Rohmers „Die Sammlerin“. Im Mittelpunkt des während der sexuellen Befreiung spielenden Films steht eine Frau mit täglich wechselnden Liebhabern. Zlotowski fragte sich bei ihrem Film, wie Rohmers Film wohl heute aussähe. In ihrem ‚persönlichen Mini-Pantheon‘ (Zlotowski) werden auch Valerio Zurlinis „Das Mädchen mit dem leichten Gepäck“, René Clements „Nur die Sonne war Zeuge“, Jacques Roziers „Adieu Philippine“ und Jacques Roziers „Blue Jeans“ zitiert. Für Cineasten sind das einige wohlbekannte Filme, die zeigen, in welche Richtung sich Zlotowski mit ihrem Film bewegen wollte.

Die Besetzung ist ein weiterer Hinweis. Naimas ältere Cousine Sofia wird gespielt von Zahia Dehar. In Deutschland ist sie vielleicht als Muse von Karl Lagerfeld bekannt. In Frankreich wurde sie bereits als Sechzehnjährige durch einen Prostitutionsskandal bekannt. Heute ist sie eine Designerin und, auch wenn Zlotowski betont, dass Dehar intelligenter sei, als man es auf den ersten Blick vermuten könnte, ist ihr Image über ihr sorgfältig gepflegtes und optimiertes Aussehen geprägt. Es entspricht genau dem Bild eines gutaussehenden Dummchens, das nur am äußeren Schein interessiert ist.

Und damit kommen wir zum Film, der den schönen Schein zelebriert in einer Welt, in der Frauen sich von Männern aushalten und benutzen lassen. Zlotowski inszenierte das wie ein Softporno aus den siebziger Jahren, der den schönen Schein und die glitzernde Oberfläche, feiert. Schöne Menschen bewegen sich ohne finanzielle Sorgen in einer schönen Gegend. Vor allem die jungen Frauen sind sehr leicht bis überhaupt nicht bekleidet. Die Kamera verliebt sich in ihre Körper und Busenfetischten erhalten reichlich Anschauungsmaterial. Die Männer behalten normalerweise Hemd und Hose an. Die Handlung ist ein luftiges Nichts, das dazu dient, Naima und Sofia bei ihren Streifzügen zu begleiten.

Erstaunlich bei diesem männlichen, um nicht zu sagen Altherrenblick auf weibliche Rundungen unter mediterraner Sonne ist, dass „Ein leichtes Mädchen“ von einer Frau inszeniert wurde.

Ein leichtes Mädchen (Une fille facile, Frankreich 2019)

Regie: Rebecca Zlotowski

Drehbuch: Rebecca Zlotowski, Teddy Lussi-Modeste (Mitarbeit)

mit Mina Farid, Zahia Dehar, Lakdhar Dridi, Nuno Lopes, Benoît Magimel, Clotilde Courau

Länge: 92 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

–

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Ein leichtes Mädchen“

AlloCiné über „Ein leichtes Mädchen“

Metacritic über „Ein leichtes Mädchen“

Rotten Tomatoes über „Ein leichtes Mädchen“

Wikipedia über „Ein leichtes Mädchen“ (englisch, französisch)


TV-Tipp für den 12. September: Borg/McEnroe

September 12, 2019

Servus TV, 22.05

Borg/McEnroe (Borg/McEnroe, Dänemark/Finnland/Schweden 2017)

Regie: Janus Metz

Drehbuch: Ronnie Sandahl

Biopic über die Tennissuperstars Björn Borg und John McEnroe und ihr Duell in Wimbledon 1980.

TV-Premiere. Auch für Nicht-Tennisfans sehenswertes Sportlerbiopic mit viel Retro-Feeling.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Sverrir Gudnason, Shia LaBeouf, Stellan Skarsgård, Tuva Novotny, Ian Blackman, Robert Emms, Scott Arthur

Wiederholung: Freitag, 13. September, 02.30 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Borg/McEnroe“

Metacritic über „Borg/McEnroe“

Rotten Tomatoes über „Borg/McEnroe“

Wikipedia über „Borg/McEnroe“ (deutsch, englisch) und das Wimbledon-Tennisspiel (deutsch, englisch – Achtung, der Artikel spoilt das Ende des Films!)

Meine Besprechung von Janus Metz‘ „Borg/McEnroe“ (Borg/McEnroe, Dänemark/Finnland/Schweden 2017)


Mark Millars neue Werke „Jupiter’s Circle“ und „The Magic Order“

September 11, 2019

Im August 2017 kaufte Netflix Mark Millars Comiclabel Millarworld. Seitdem darf Netflix die meisten bei Millarworld bereits veröffentlichten Geschichten verfilmen und auch anderweitig weiterverwenden. Bis auf „Kick-Ass“ und „Kingsman“. Außerdem präsentiert Millar seine künftigen Ideen zuerst Netflix. Einige dieser Ideen darf er zuerst als Comic veröffentlichen.

„The Magic Order“ ist das erste Werk, das er unter dem neuen Vertrag veröffentlichte und die Absicht, die Geschichte als Vorlage für eine TV-Serie zu nehmen, ist ihm überdeutlich anzusehen. Auch wenn Millar bei den Werken, über die er die kreative Kontrolle hat, schon immer, und ziemlich oft erfolgreich, auf eine Verfilmung spekulierte.

Im Mittelpunkt von „The Magic Order“ steht die Familie Moonstone. Sie sind Zauberer, die mit ihren magischen Kräften unsere Welt vor Monstern und sonstigem Unheil beschützen. Wie jede Familie hat sie Ärger mit ihren Kindern, die nicht das Familienerbe übernehmen wollen. Eine Tochter ist drogensüchtig. Ein Sohn hat die Zauberei zugunsten eines bürgerlichen Lebens aufgegeben. Trotzdem sind die Moonstones die Vorsitzenden des Magischen Ordens.

Aber jetzt hat Madame Albany, die die Macht über den Orden übernehmen will, einen Zaubererkiller entfesselt, der auch die besten Magier tötet.

Doch bevor dieser Kampf wirklich beginnt, vergeht viel Zeit, in der Millar die Moonstone-Großfamilie und die anderen Zauberer und ihre fantastische, neben und in der uns bekannten Welt existierenden Welt, vorstellt.

Das liest sich, dank Millars Humor und Ideenreichtum beim Ausmalen der Welt des magischen Ordens, vergnüglich, aber auch immer wie die Pilotfolge einer TV-Serie, in der uns erst einmal alle Charaktere vorgestellt werden. Diese Serie soll es auch geben und James Wan soll die Pilotfolge inszenieren.

Im Januar 2019 kündigte Millar bereits eine Comicfortsetzung von „The Magic Order“ an.

–

„Jupiter’s Circle“ erschien bereits 2015/2016. Panini veröffentliche jetzt die gesamte Vorgeschichte zu „Jupiter’s Legacy“ in einem eigenständig zu lesendem Band. Bereits 2016 wurde mit der Entwicklung einer Verfilmung der Saga begonnen. 2018 sagte Netflix, es habe eine Verfilmung von „Jupiter’s Legacy“ in Auftrag gegeben.

In „Jupiter’s Circle“ erzählen Millar und die Zeichner Wilfedo Torres, Davide Gianfelice (bei einigen Heften) und Chris Sprouse (ein Heft), wie die Superhelden Utopian (Sheldon Sampson), Lady Liberty (seine Frau Grace), Brainwave (sein Bruder Sampson), Skyfox (George Hutchence), Blue-Bolt (Richard Conrad) und Flare (Familienvater Fitz), die 1932 auf einer Insel erstaunliche Kräfte erhielten, als Union of Justice für eine bessere Welt kämpften. Ihre wahre Identität kennt die Öffentlichkeit, wie es sich für Superhelden gehört, nicht.

Millars epische Neuerzählung der US-Nachkriegsgeschichte beginnt 1959 und erstreckt sich über die nächsten Jahre. Die Superhelden stehen dabei auch vor der Frage, wofür sie ihre Kräfte einsetzen und wie sehr sie dabei mit der US-Regierung zusammenarbeiten. Immerhin sind die USA die Guten.

FBI-Chef J. Edgar Hoover will allerdings ihre Identität wissen und schreckt dabei auch vor Erpressung nicht zurück.

Und die Alternativkultur stellt das Selbstbild der USA in Frage.

Damit stehen die Mitglieder der Union of Justice, individuell und als Kollektiv, vor der Frage, für welche Weltanschauung sie ihre Kräfte einsetzen. Diese Frage, die zuletzt auch in den „Avengers“-Filmen behandelt wurde, behandelt Millar vor dem Hintergrund der sechziger Jahre, als in Superheldencomics darüber noch nicht gesprochen wurde.

Wie „The Magic Order“ ist „Jupiter’s Circle“ nicht schlecht, aber die gut dreihundert Seiten umfassende Geschichte kann nie verleugnen, dass sie mit ihren vielen Charakteren und damit verbundenen Plots und Subplots primär eine Ideensammlung für eine künftige Serien ist. Millar konzentriert sich in beiden Büchern mehr auf einzelne Episoden, die Beziehung der Familienmitglieder und ihres nahen Umfelds zueinander und das Ornamentale. Da ist dann eine einzelne Episode wichtiger als das große ganze und gerade bei „Jupiter’s Circle“ wird von Episode zu Episode gesprungen, ohne dass ersichtlich wird, was der zentrale Konflikt ist und auf welches Finale das alles zusteuert. Das hat dann schon fast James Ellroysche Dimensionen, der in seinen umfangreichen Romanen die Geschichte der USA neu erzählt. Ohne Superhelden, aber mit vielen Verschwörungen und einer Melange aus erfundenen und realen Charakteren.

–

Mark Millar/Olivier Coipel: The Magic Order

(übersetzt von Bernd Kronsbein)

Panini, 2019

180 Seiten

17 Euro

–

Originalausgabe

The Magic Order # 1 – 6

Millarworld/Image, 2018/2019

–

Mark Millar/Wilfredo Torres: Jupiter’s Circle

(übersetzt von Bernd Kronsbein)

Panini, 2019

300 Seiten

29 Euro

–

Originalausgabe

Jupiter’s Circle # 1 – 6

Millarworld/Image, 2015

Jupiter’s Circle 2 # 1 – 6

Millarworld/Image, 2015/2016

–

Hinweise

Homepage von Mark Millar

Meine Besprechung von Mark Millar/J. G. Jones‘ „Wanted (Mark Millar Collection 1)“ (Wanted # 1 – 6, Dezember 2003 – Februar 2005)

Meine Besprechung von Mark Millar/Steve McNivens „Nemesis“ (Nemesis, 2010/2011)

Meine Besprechung von Mark Millar/Grant Morrisons “Vampirella: Heiliger Krieg (Master Series 1)”

Meine Besprechung von Mark Millar/Steve McNivens „Wolverine: Old Man Logan“ (Old Man Logan, 2008/2009)

Meine Besprechung von Mark Millar/John Romita, Jr. „Kick-Ass 2 (Band 1)“ (Kick-Ass 2 – Issue 1 – 4, Dezember 2010 – November 2011)

Meine Besprechung von Mark Millar/John Romita, Jr. „Kick-Ass 2 (Band 2)“ (Kick-Ass 2 – Issue 5 – 7, Januar – Mai 2012)

Meine Besprechung von Mark Millar/John Romita, Jr. „Hit-Girl – Kick-Ass 2: Die Vorgeschichte“ (Hit-Girl, Issue 1 – 5, August 2012 – April 2013)

Meine Besprechung von Mark Millar/Leinil Yus „Superior – Band 2“ (Superior, Issue 5 – 7, Dezember 2011 – März 2012)

Meine Besprechung von Mark Millar/Dave Gibbons‘ „Secret Service“ (Secret Service # 1- 6, Juni 2012 – April 2013)

Meine Besprechung von Mark Millar/John Romita jr. „Kick-Ass 3 – Band 1“ (Kick-Ass 3, # 1 – 5, Juli 2013 – Januar 2014)

Meine Besprechung von Mark Millar/John Romita jr. „Kick-Ass 3 – Band 2“ (Kick-Ass 3 – # 6 – 7, April – August 2014)

Meine Besprechung von Mark Millar/Leinil Yu/Nacho Vigalondos (Co-Autor/Drehbuch) „Super Croocks – Band 1: Der Coup“ (Super Crooks # 1 – 4, 2012)

Meine Besprechung von Jeff Wadlows Mark-Millar-Verfilmung „Kick-Ass 2“ (Kick-Ass 2, USA 2013)

Meine Besprechung von Matthew Vaughns Mark-Millar-Verfilmung „Kingsman: The Secret Service“ (Kingsman: The Secret Service, USA/Großbritannien 2015)

Meine Besprechung von Mark Millar/Dave Johnson/Kilian Plunketts „Genosse Superman (Mark Millar Collection 4)“ (Superman: Red Son # 1 – 3, 2003)

Meine Besprechung von Mark Millar/Rafael Albuquerque/Dave McCaigs „Huck – Held wider Willen“ (Huck # 1 – 6, November 2015 – April 2016)

Meine Besprechung von Mark Millar/Stuart Immonens „Empress“ (Empress # 1 – 7, Juni 2016 – Januar 2017)

Meine Besprechung von Mark Millar/Greg Capullos „Reborn“ (Reborn # 1 – 6, Oktober 2016 – Juni 2017)

Meine Besprechung von Mark Millar/Ricardo Lopez Ortiz‘ „Hit-Girl in Kolumbien“ (Hit-Girl (2018) # 1 – 4, 2018)

Meine Besprechung von Mark Millar/John Romita Jr. „Kick-Ass: Frauenpower“ (Kick-Ass (2018) # 1 – 6, 2018)


TV-Tipp für den 11. September: Eine fantastische Frau

September 10, 2019

Arte, 20.15

Eine fantastische Frau – Una Mujer Fantastica (Una Mujer Fantastica, Chile//USA/Deutschland/Spanien 2017)

Regie: Sebastián Lelio

Drehbuch: Sebastián Lelio, Gonzalo Maza

Marina ist in Orlando verliebt. Als er stirbt, muss die die Transsexuelle um einen würdevollen Abschied von ihrer großen Liebe kämpfen. Genau das will Orlandos Familie verhindern.

TV-Premiere. Fantastisches Drama, das auf der Berlinale mehrere Preise und, einige Monate später, den Oscar als bester ausländischer Film erhielt.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung (mit mehreren Interviews).

Anschließend, um 21.55 Uhr, zeigt Arte die einstündige Doku „Trans is Beautiful!“ (Frankreich 2016).

mit Daniela Vega, Francisco Reyes, Luis Gnecco, Aline Küppenheim, Nicolás Saavedra, Amparo Noguera, Trinidad González, Néstor Cantillana, Alejandro Goic, Antonia Zegers

Hinweise

Homepage zum Film

Moviepilot über „Eine fantastische Frau“

Metacritic über „Eine fantastische Frau“

Rotten Tomatoes über „Eine fantastische Frau“

Wikipedia über „Eine fantastische Frau“ (deutsch, englisch)

Berlinale über „Eine fantastische Frau“

Meine Besprechung von Sebastián Lelios „Gloria“ (Gloria, Spanien/Chile 2012)

Meine Besprechung von Sebastiàn Lelio „Eine fantastische Frau – Una Mujer Fantastica“ (Una Mujer Fantastica, Chile//USA/Deutschland/Spanien 2017)

Meine Besprechung von Sebastián Lelios „Gloria – Das Leben wartet nicht“ (Gloria Bell, USA 2019)


Cover der Woche

September 10, 2019


Wem gehört „Der Schatz der Black Swan“?

September 10, 2019

Als Kind hat man begeistert Geschichten von gefährlichen Schatzsuchen gelesen. Die Schätze lagen in Höhlen oder auf dem Meeresgrund. Und natürlich starben bei diesen Schatzsuchen einige der Schatzsucher.

Wer eine solche Geschichte erwartet, wenn er den von Guillermo Corral und Paco Roca erzählten Comic „Der Schatz der Black Swan“ aufschlägt, kann das Buch gleich wieder zuklappen. Schon auf den ersten Seiten entdeckt die Besatzung der „Explorer“ 2007 in der Straße von Gibraltar den Schatz und bringt ihn wohlbehalten nach Florida. Kurz darauf präsentiert die Bergungsfirma Ithaca ihn stolz der Weltöffentlichkeit.

In dem Moment ist die Geschichte vorbei. Wenn nicht die spanische Regierung annähme, dass die Silber- und Goldmünzen, deren Wert sich auf 500 Millionen Dollar beläuft, nicht in internationalen, sondern in spanischen Gewässern gefunden wurden. Damit wäre Spanien der Eigentümer der Münzen. Um sie von der Bergungsfirma zu bekommen, müssen sie nachweisen, wo der Schatz im Meer lag und von welchem vor Jahrhunderten gesunkenem Schiff er stammt.

Álex Ventura, ein junger Beamter im Ministerkabinett des Kulturministeriums, und Elsa, die Leiterin und einzige Beschäftigte des Amt zum Schutz des Unterwassererbes, sollen die nötigen Beweise beschaffen.

Diese Suche in alten Unterlagen und die juristischen und politischen Winkelzüge zwischen Spanien, den USA und der halbseidenen, gut vernetzten, vermögenden und skrupellosen Firma, die den Schatz der Black Swan gefunden hat, entfaltet schnell beträchtliche Pageturner-Qualitäten.

Guillermo Corral, der Autor der Geschichte, war Diplomat, Generaldirektor für Kulturpolitik und -wirtschaft und Kulturattaché der spanischen Botschaften in Washington, D. C., und Havanna. Die Geschichte vom Schatz der Black Swan beruht auf persönlichen Erfahrungen Corrals und wahren Begebenheiten, dem „Black Swan Project“. Wie nah jetzt der Comic an der Realität ist, kann ich nicht sagen, aber Corrals Fachwissen bei der Darstellung der Arbeit einer Verwaltung und den Abwägungen vor Entscheidungen ist spürbar. Und das Ende erinnert in seiner bürokratischen Absurdität an „Jäger des verlorenen Schatzes“.

Paco Roca (u. a. „Kopf in den Wolken“) setzte die Geschichte in oft monochromen und wie ausgewaschen aussehenden Bildern um, die auf jedes überflüssige Detail verzichten.

–

Guillermo Corral/Paco Roca: Der Schatz der Black Swan

(übersetzt von André Höchemer)

Reprodukt, 2019

216 Seiten

24 Euro

–

Originalausgabe

El Tesoro del Cisne Negro

Astiberri Ediciones, Bilbao, 2018

–

Hinweise

Reprodukt über „Der Schatz der Black Swan“

Perlentaucher über „Der Schatz der Black Swan“


TV-Tipp für den 10. September: Verleugnung

September 9, 2019

ARD, 22.45

Verleugnung (Denial, USA/Großbritannien 2016)

Regie: Mick Jackson

Drehbuch: David Hare

LV: Deborah E. Lipstadt: History on Trial: My Day in Court with a Holocaust Denier, 2005

Damit hat die Historikerin Deborah E. Lipstadt nicht gerechnet, als sie in ihrem neuesten Buch den Holocaust-Leugner David Irving scharf angreift. 1996 reicht Irving beim höchsten englischen Zivilgericht eine Verleumdungsklage gegen sie ein. Jetzt muss sie vor Gericht beweisen, dass es den Holocaust wirklich gab.

Eine sehr gute, sehr ehrenwerte und in jeder Sekunde honorige, aber auch etwas bieder geratene Geschichtsstunde.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung der heutigen TV-Premiere, die einen besseren Sendeplatz verdient hat.

mit Rachel Weisz, Timothy Spall, Tom Wilkinson, Andrew Scott, Jack Lowden, Caren Pistorius, Alex Jennings, Harriet Walter

Wiederholung: Mittwoch, 11. September, 02.20 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Verleugnung“

Metacritic über „Verleugnung“

Rotten Tomatoes über „Verleugnung“

Wikipedia über „Verleugnung“ (deutsch, englisch)

Wer gerade Zeit hat: die Dokumentation des Prozesses

Meine Besprechung von Mick Jackson „Verleugnung“ (Denial, USA/Großbritannien 2016)


„Knock down the House“ – am Mittwoch in Berlin, mit anschließender Diskussion

September 9, 2019

Weil ich einer der beiden Moderatoren bin, ist das jetzt Eigenwerbung – und Werbung für eine gute Doku (bei Rotten Tomatoes hat sie einen Frischegrad von 100. %) und eine hoffentlich spannende Diskussion nach dem Film:

Am Mittwoch, den 11. September, präsentieren die Humanistische Union – Landesverband Berlin-Brandenburg und American Voices Abroad (AVA), im Rahmen der monatlichen Veranstaltungsreihe „One World Berlin: Menschenrechte aktuell“ um 19.00 Uhr im Aquarium am Südblock (Skalitzer Straße 6, Berlin-Kreuzberg, U-Bahnhof Kottbusser Tor) den Dokumentarfilm „Knock Down the House“ (USA 2019, Regie: Rachel Lears). Die Doku wird im Original mit deutschen Untertiteln gezeigt. Der Eintritt ist frei.

Es ist nicht außergewöhnlich, dass bei den US-Kongresswahlen zur Halbzeit des amtierenden Präsidenten die Oppositionspartei die Oberhand bekommt, zur Kontrolle des Regierungschefs. Aber 2018, im Jahre 2 AT (After Trump), schien es beim Wahlkampf vieler demokratischer Kandidat*innen um mehr zu gehen als sonst – die humanitäre Katastrophe an der US-mexikanische Grenze zu beenden, strengere Waffenkontrolle durchzusetzen, das Gesundheitssystem gerechter zu gestalten, Abtreibungsrecht zu schützen und überhaupt dem menschenverachtenden Klima in der Politik Hoffnung und Aufbruchsstimmung entgegenzusetzen. Für diesen frischen Wind sorgen einige junge Politikerinnen, oft „of color“ oder mit Migrationshintergrund, alle „regular people“ ohne Anbindung an die Politeliten oder Big Business. Alexandria Ocasio-Cortez, Amy Vilela, Cori Bush und Paula Jean Swearengin vertreten ein anderes Amerika als Trump: vielfältig, solidarisch und zukunftsorientiert. Der Film begleitet die Graswurzel-Wahlkämpfe der vier Kandidatinnen, denen zunächst wenig Chancen auf Erfolg prognostiziert wurden. Im Laufe der Vorwahlen stellt sich jedoch heraus, dass die Botschaften der Progressiven immer mehr Gehör finden…

Anschließend Diskussion. Für US-Bürger*innen besteht die Möglichkeit, sich über die Anmeldung zur Briefwahl zu informieren.

************************************************

When tragedy struck her family in the midst of the financial crisis, Bronx-born Alexandria Ocasio-Cortez had to work double shifts in a restaurant to save her home from foreclosure. After losing a loved one to a preventable medical condition, Amy Vilela didn’t know what to do with the anger she felt about America’s broken health care system. Cori Bush was drawn into the streets when the police shooting of an unarmed black man brought protests and tanks into her neighborhood. Paula Jean Swearengin was fed up with watching her friends and family suffer and die from the environmental effects of the coal industry.

At a moment of historic volatility in American politics, these four women decide to fight back, setting themselves on a journey that will change their lives and their country forever. Without political experience or corporate money, they build a movement of insurgent candidates challenging powerful incumbents in Congress. Their efforts result in a legendary upset.

Followed by a panel discussion. Voter registration assistance for U.S. citizens available throughout the event.

In Kooperation mit/in cooperation with: Humanistische Union, American Voices Abroad Berlin (AVA-Berlin)

–

Zusagen gerne via Facebook.

–

Ein Gespräch mit Rachel Lears über ihren Film

 


TV-Tipp für den 9. September: Eine neue Freundin

September 8, 2019

Arte, 20.15

Eine neue Freundin (Une nouvelle amie, Frankreich 2014)

Regie: Francois Ozon

Drehbuch: Francois Ozon

LV: Ruth Rendell: The new girlfriend (in „The new girlfriend and other Stories“, 1985) (Die neue Freundin, Kurzgeschichte)

Nach dem Tod ihrer besten Freundin verspricht Claire sich um den Witwer David zu kümmern. Diese Freundschaft entwickelt sich anders als erwartet.

Lange überfällige TV-Premiere eines weiteren sehr gelungenen Films von Francois Ozon.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

Anschließend, um 22.00 Uhr, zeigt Arte mit „Die Zeit die bleibt“ (Le temps qui reste, Frankreich 2005) einen weiteren Ozon-Film.

Und am 26. September läuft in unseren Kinos sein neuester Film „Gelobt sei Gott“ an. Ein sehr sehenswerter, auf Tatsachen basierender Film über den Umgang der katholischen Kirche mit Geistlichen, die Kinder missbrauchen.

mit Romain Duris, Anaïs Demoustier, Raphaël Personnaz, Isild Le Besco, Aurore Clément, Jean-Claude Bolle-Reddat, Bruno Pérard, Claudine Chatel

Hinweise
Moviepilot über „Eine neue Freundin“
AlloCiné über „Eine neue Freundin“
Rotten Tomatoes über „Eine neue Freundin“
Wikipedia über „Eine neue Freundin“ (deutsch, englisch, französisch)

Homepage von Francois Ozon

Meine Besprechung von Francois Ozons “In ihrem Haus” (Dans la Maison, Frankreich 2012)

Meine Besprechung von Francois Ozons ”Jung & Schön” (Jeune & jolie, Frankreich 2013)

Meine Besprechung von Francois Ozons „Eine neue Freundin“ (Une nouvelle amie, Frankreich 2014)

Meine Besprechung von François Ozons „Frantz“ (Frantz, Deutschland/Frankreich 2016)

Meine Besprechung von François Ozons „Der andere Liebhaber“ (L’Amant Double, Frankreich/Belgien 2017)