Harry Rosenmerck züchtet in Nazareth Schweine – und wer auch nur eine Ahnung vom Verhältnis des Judentums zu diesen Tieren hat oder Sylvain Estibals gelungene Komödie „Das Schwein von Gaza“ (Le Cochon de Gaza, Frankreich/Deutschland/Belgien 2011) gesehen hat, weiß, dass das eine Provokation ist. Deshalb bemüht sich Rabbi Moshe Cattan um ein Gespräch mit dem erst seit Kurzem in Israel lebendem Rosenmerck.
Für Amanda Sthers, die hier, nach ihrem Drehbuch, ihren Roman „Schweine züchten in Nazareth“ verfilmte, ist Rosenmercks Schweinezucht nicht der Auftakt für einen Film, der sich primär mit Religion und dem heutigen Israel beschäftigt, sondern der Beginn eines Porträts der jüdischen Familie Rosenmerck, die über die halbe Welt verstreut lebt. Harry Rosenmerck ist ein pensionierter New Yorker Kardiologe. Seine Ex-Frau lebt noch in New York und ist an einem Hirntumor erkrankt. Sein Sohn ist ein homosexueller Bühnenautor, der mit seinem Partner gerne ein Kind adoptieren würde. Seine Tochter ist eine ziellose, zwischen Brüssel und New York pendelnde, Langzeitstudentin. Sprechen tun sie kaum miteinander. Und so ist „Die Wurzeln des Glücks eine Familienaufstellung von Familienmitgliedern, die sich nichts zu sagen haben. Sie sind, weil jeder sein eigenes Leben lebt, größtenteils desinteressiert aneinander. Über sie und ihre Beweggründe erfahren wir fast nichts und, gerade die Hauptgeschichte, wird an den falschen Stellen elliptisch erzählt. So werden, um nur das aus dem Trailer bekannte Beispiel zu nennen, aus Rosenmerck und Rabbi Cattan zwischen zwei Bildern aus Feinden beste Freunde.
Letztendlich ist „Die Wurzeln des Glücks“ ein langweiliges und nichtssagendes Porträt einer jüdischen Familie, die keinerlei finanzielle Sorgen hat.
Die Wurzeln des Glücks (Holy Lands, Frankreich/Belgien 2018)
Regie: Amanda Sthers
Drehbuch: Amanda Sthers
LV: Amanda Sthers: Les terres saintes, 2000 (Schweine züchten in Nazareth)
mit James Caan, Tom Hollander, Rosanna Arquette, Jonathan Rhys Meyers, Efrat Dor, Patrick Bruel, Thierry Harcourt
’71 – Hinter feindlichen Linien(’71, Großbritannien 2014)
Regie: Yann Demange
Drehbuch: Gregory Burke
Der junge englische Soldat Gary Hook muss 1971 noch nicht einmal sein Land verlassen, um mitten in einem Krieg zu landen. Damals herrschte in Nordirland Bürgerkrieg. Bei einem Routineeinsatz in Belfast wird Gary von seiner Einheit getrennt und er muss sich, zwischen allen Fronten, in einer Nacht zu seiner Einheit durchschlagen. Dabei weiß er nicht, wem er vertrauen kann.
Ein hochspannender, wortkarger Thriller, der bei der Berlinale gut ankam und dann doch nur eine DVD-Veröffentlichung erlebte.
Regie: Byron Howard, Rich Moore, Jared Bush (Ko-Regisseur)
Drehbuch: Jared Bush, Phil Johnston, Dan Fogelman (zusätzliches Material) (Nach einer Geschichte von Byron Howard, Jared Bush, Rich Moore, Phil Johnston, Jennifer Lee, Josie Trinidad und Jim Reardon)
Als Jung-Polizistin und Karnickel Judy Hopps mit dem verbrecherischen Fuchs Nick Wilde (Hey, er ist ein Fuchs!) den spurlos verschwundenen Mr. Otterton sucht, entdecken sie ein riesiges, Zoomania bedrohendes Komplott.
Äußerst gelungener Disney-Film mit sympathischer Botschaft und unzähligen Anspielungen, die jüngere Zuschauer übersehen werden. Aber die sollten um diese Uhrzeit auch im Bett sein.
Lionel Macomb (Steve Coogan) ist ein erfolgreicher Radiomoderator, der in seiner täglichen Sendung konservative und reaktionäre Ansichten verbreitet, gegen Politiker und Ausländer hetzt und die Nation weiter spaltet. Auch in seinem Privatleben versucht er ein möglichst großes Arschloch zu sein, das für nichts und niemand Verantwortung übernimmt.
Eines Tages steht eine junge Frau in seiner Wohnung. Sie ist seine sechzehnjährige Nichte Tess (Taylor Russell), die er nicht kennt und die sich, wegen einer familiären Notsituation, bei ihm einquartiert. Außerdem ist sie eine Afroamerikanerin, die kurz vor der Aufnahme in eine Elite-Universität steht.
Am liebsten würde Macomb Tess sofort rauswerfen. Aber Tess ist gewitzt, Macombs Vertraute Valerie Gannon (Neve ‚Scream‘ Campbell) hilft ihr und man muss wirklich kein Genie sein, um zu wissen, wie „Hot Air“ endet.
Der Weg dorthin ist zwar nicht sonderlich überraschend, aber Frank Coraci, der Regisseur mehrerer Adam-Sandler-Filme, erzählt die Geschichte flott und die Schauspieler sind sympathisch engagiert dabei. Vor allem Steve Coogan, der zuletzt Stan Laurel in „Stan & Ollie“ war, darf als blasierter Zyniker und Menschenhasser nach Herzenslust jeden, den er trifft, kunstvoll und wortgewaltig beleidigen. Er ist einer der Menschen, die man in einem Film mühelos, aus tiefstem Herzen hassen kann. Die zahlreichen Szenen von Macombs Radiosendungen erinnern an Oliver Stones grandioses, fast unbekanntes und analytisch schärferes Drama „Talk Radio“ (1988). In dem Einpersonenstück spielte Eric Bogosian einen Radiomoderator, der seine Zuhörer provoziert.
Taylor Russell (TV-Serie „Lost in Space“) ist ein sympathischer Wildfang und in jeder Beziehung das Gegenteil von Macomb. Die Filmgeschichte kann als „Annie“ im Talkradio-Milieu und ohne Songs beschrieben werden.
Hot Air(Hot Air, USA 2018)
Regie: Frank Coraci
Drehbuch: Will Reichel
mit Steve Coogan, Neve Campbell, Taylor Russell, Skylar Astin, Judith Light, Tina Benko
Toni Erdmann (Deutschland/Österreich/Rumänien 2016)
Regie: Maren Ade
Drehbuch: Maren Ade
Winfried, ein Alt-68er, will die sich auf dem Tiefpunkt befindende Beziehung zu seiner Tochter verbessern. Diese berät in Bukarest eine Firma bei geplanten Massenentlassungen. Er besucht sie und, als sie die väterliche Nervensäge loswerden will, wird er zu Toni Erdmann, der schlechten Parodie eines Unternehmensberaters.
Feelbad-Movie mit unzähligen Fremdschäm-Momenten, das zu einem Kassenhit wurde. „Toni Erdmann“ ist kein Film, den man unbedingt zweimal sehen will, aber unbedingt einmal sehen sollte.
Über ein Hollywood-Remake wird immer noch gesprochen.
Am Ende von „Es“ versprachen sich die sieben Jugendlichen feierlich, wenn das Grauen in 27 Jahren wieder auftaucht, zurückzukehren und es endgültig zu besiegen.
Kurz davor hatten sie den Horrorclown Pennywise getötet. Er war in den vergangenen Jahrzehnten alle 27 Jahre aus der Kanalisation in die Kleinstadt Derry zurückgekehrt und holte sich einige Kinder der Stadt. Die Erwachsenen verdrängten die verschwundenen Kinder aus ihrem Bewusstsein. Nur die Teenager Bill Denbrough (Jaeden Lieberher), Ben Hanscom (Jeremy Ray Taylor), Beverly Marsh (Sophia Lillis), Richie Tozier (Finn Wolfhard), Stanley Uris (Wyatt Oleff), Mike Hanlon (Chosen Jacobs) und Eddie Kaspbrak (Jack Dylan Grazer), die sich „Club der Verlierer“ nennen, sahen und bekämpften ihn.
Stephen King erzählte in seinem Roman „Es“ (It, 1986), der in der aktuellen deutschen Ausgabe 1536 Seiten umfasst, diese Geschichte. Der Roman spielt 1957/58 und 1984/85.
Andy Muschietti verfilmte in „Es“ einen Teil des Romans. Nämlich den Teil, der im Roman 1957/58 spielt. Er verlegte die Geschichte ins Jahr 1989 und erzählt die Geschichte einer Gruppe Jugendlicher, die gegen ein Monster kämpft und es besiegt. Der Film, eine Coming-of-Age-Geschichte und die Horrorversion von „Stand by me“, war überaus gelungen und erfolgreich an der Kinokasse.
In „Es – Kapitel 2“ erzählen er und Drehbuchautor Gary Dauberman (der auch einer der Autoren von „Es“ ist), mit einigen eher kurzen Rückblenden, den zweiten Teil des Romans.
27 Jahre nach den Ereignissen von „Es“ kehrt Pennywise zurück. Mike Hanlon (Isaiah Mustafa), der als Bibliothekar in Derry blieb, telefoniert den über die USA verstreuten Club der Verlierer – Bill Denbrough (James McAvoy), Beverly Marsh (Jessica Chastain), Richie Tozier (Bill Hader), Ben Hanscom (Jay Ryan), Eddie Kaspbrak (James Ransome) und Stanley Uris (Andy Bean) – zusammen. Sie sind jetzt in verschiedenen Berufen erfolgreich, aber keiner von ihnen hat Kinder und als sie den Anruf erhalten, hat jeder von ihnen eine Panikattacke. Auch wenn sie die damaligen Ereignisse verdrängt haben und seit Ewigkeiten nicht mehr in ihrer Heimatstadt waren, wissen sie in ihrem Unterbewusstsein, dass damals schreckliche Dinge geschahen. Bei Stanley führt die Panikattacke zum Suizid.
Trotz ihrer Angst vor dem damals erlebten und verdrängten Grauen kehren die verbliebenen Mitglieder des Clubs der Verlierer nach Derry zurück. Zuerst nur zu einem gemeinsamen Abendessen, bei dem sie Erinnerungen austauschen. Das Essen endet mit schrecklichen Visionen. Hanlon kann sie trotzdem überzeugen, ihr damals gehaltenes Versprechen zu halten. Sie nehmen wieder den Kampf gegen den mörderischen Clown Pennywise (Bill Skarsgård) auf.
In dem gut dreistündigem Film gibt es die erwartbaren Schockmomente für den Horrorfan. Aber sie sind eher kurz und mehr Pflicht als Kür. Im Mittelpunkt steht nämlich das Psychogramm von einigen Menschen, die alle einen psychischen Knacks haben und ständig mit ihren größten Ängsten konfrontiert werden. Nach dem gemeinsamen Abendessen trennen sich ihre Wege. Denn sie können Pennywise nur besiegen, wenn sie ihre Ängste kennen lernen. Dieser Mittelteil, in dem sie mit ihren Ängsten und Traumata konfrontiert werden, ist die Ouvertüre für das Finale, in dem sie weiter mit ihren Ängsten konfrontiert werden und gleichzeitig versuchen Pennywise zu besiegen. Die sechs Jugendfreunde sind in einem konstanten, sich steigerndem Schockzustand. Jede Minute des Films zeigt sie nicht als strahlende Sieger, die ein Monster besiegten und ein Dorf retteten, sondern als gebrochene und zutiefst traumatisierte Menschen. Pennywise hat sie damals nicht getötet, aber seelisch gebrochen.
Wenn sie dann im Finale von „Es Kapitel 2“ Pennywise besiegen, verlassen sie nicht als stolze Gewinner das bereits aus „Es“ in Teilen bekannte unterirdische Schlachtfeld, sondern als gebrochene Gestalten, die tief in ihrem Innern fürchten, dass das Grauen wieder zurückkehren wird.
Dieser erzählerische Ansatz ist als düstere, bis auf einen Running Gag konsequent humorfreie künstlerische Vision beeindruckend. „Es Kapitel 2“ ist eine Charakterstudie, bei der die typischen Horrorfilmmomente eher störend sind. Weil die Macher davon ausgehen, dass man „Es“ gesehen hat, werden die Ereignisse aus „Es“ nur kurz angesprochen und zu Pennywises Geschichte fast nichts gesagt. Von der jugendlichen Aufbruchstimmung und der damit verbundenen Hoffnung auf eine glückliche Zukunft ist in „Es Kapitel 2“ nichts mehr vorhanden.
Es Kapitel 2 (It Chapter 2, USA 2019)
Regie: Andy Muschietti
Drehbuch: Gary Dauberman
LV: Stephen King: It, 1986 (Es)
mit Jessica Chastain, James McAvoy, Bill Hader, Isaiah Mustafa, Jay Ryan, James Ransone, Andy Bean, Bill Skarsgård, Jaeden Martell, Wyatt Oleff, Jack Dylan Grazer, Finn Wolfhard, Sophia Lillis, Chosen Jacobs, Jeremy Ray Taylor, Teach Grant, Nicholas Hamilton, Xavier Dolan, Stephen King, Peter Bogdanovich
Länge: 170 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
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Die Vorlage (mit neuem Cover)
Es von Stephen King
Stephen King: Es
(übersetzt von Alexandra von Reinhardt und Joachim Körber, bearbeitet und teilweise neu übersetzt von Anja Heppelmann)
Heyne, 2017 (Movie Tie-In)
1536 Seiten
14,99 Euro
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Erstausgabe der ungekürzten Übersetzung: 2011
Ältere Ausgaben enthalten eine gekürzte Übersetzung.
1983: Helmut Schmidt beginnt gerade seine Karriere als Mitherausgeber der „Zeit“, Helmut Kohl beschwört die geistig-moralische Wende und in den Reihenhaussiedlungen der Provinz werden langsam, sehr langsam, also wirklich sehr langsam die Gedanken der Hippies von freier Liebe, Drogen und Frieden aufgenommen. „Petting statt Pershing“ war ein damals bekannter Slogan – und ist jetzt der Titel der neuen Komödie von Petra Lüschow. In den vergangenen Jahren schrieb sie die Drehbücher für „Nachbeben“ „Tannöd“, „Tatort: Schmutziger Donnerstag“ und den von ihr inszenierten Kurzfilm „Der kleine Nazi“. „Petting statt Pershing“ ist ihr Spielfilmdebüt, das auch auf eigenen Erinnerungen basiert und irgendwo in der westdeutschen Provinz, eher in Nord- als Süddeutschland (und nach den Autokennzeichen in Hessen im Landkreis Groß-Gerau), spielt.
Im Mittelpunkt steht die siebzehnjährige Ursula Mayer, die intelligent, aber noch Jungfrau ist. Das möchte sie unbedingt ändern. Die Erfahrungen mit Gleichaltrigen sind allerdings desaströs. Als neues Objekt der Begierde bietet sich der neue Lehrer Siegfried Grimm an. Er ist als linksalternativer, verständnisvoller und kluger Lehrer das Gegenteil der alten Lehrer, die noch den Krieg erlebten und Kadavergehorsam für eine Tugend halten. Außerdem soll der auf einem Bauernhof in einer Kommune lebende Lehrer bei der Wahl seiner Sexpartnerinnen sehr offen zu sein. Er soll noch nie „Nein“ gesagt haben.
Während Ursula sich an Grimm heranpirscht, springt dieser mit seinen Mitbewohnerinnen, Ursulas Mutter und Ursulas Sportlehrerin ins Bett oder ins Gebüsch. Auch Ursulas Vater, der biedere Dorfdoktor, ist einem Seitensprung nicht abgeneigt. Und Ursulas Großvater, ein Weltkrieg-II-Veteran, steckt immer noch in der Vergangenheit fest. Der neue Feind ist der Öko-Bauernhof.
Das sind eigentlich genug Konflikte für eine Provinzkomödie, die einen Blick auf einen filmisch bislang wenig aufgearbeiteten Teil der bundesdeutschen Geschichte wirft. Trotzdem will der Film nicht begeistern. Er ist eine Komödie ohne Witz. Vieles wird bei dem mild verklärenden Blick in die eigene Vergangenheit zwar angesprochen, aber nicht weiter vertieft oder zugespitzt zu einer Vision über die damalige Zeit und das Erwachsenwerden in den Achtzigern. Dafür wäre eine Haltung zur Vergangenheit und auch zur Geschichte nötig.
In „Petting statt Pershing“ wird allerdings alles gezeigt, ohne dass jemals jemand verurteilt oder in einem Gag herabgesetzt wird. Bei der augenfällig übergewichtigen Ursula ist es schön, dass es keine Witze über Dicke gibt und sie auch keine Frustessen-Szene hat. Eher schon wird ihre Intelligenz bezweifelt. Lehrer Grimm ist vor allem ein netter Hallodri. Gegenüber keiner seiner Sexpartnerinnen hat er irgendwelche weitergehenden Ansprüche. Für ihn ist die Ideologie der freien Liebe die Entschuldigung, Sex zu haben, ohne sich emotional engagieren zu müssen und ohne dafür bezahlen zu müssen. Mit ihm und den anderen im Film auftauchenden Männern hätte Lüschow über männliche Besitzansprüche, wie sie Macht über Frauen ausüben und wie Frauen sich dagegen wehren erzählen können. Das tut sie höchst halbherzig, während die frühen achtziger Jahre vor allem eine beliebig austauschbare Kulisse für einige Liebesgeschichten sind, die nie das Niveau von echten Liebeswirren erreichen.
Wie es besser geht zeigen, um nur einige neuere europäische Filme zu nennen, „Die wilde Zeit“, „Die göttliche Ordnung“ und „La belle saison – Eine Sommerliebe“, die alle in den siebziger Jahren spielen und Geschichten von einem Aufbruch erzählen. Das wäre auch in „Petting statt Pershing“ möglich gewesen.
Stattdessen gibt es unwitzigen Provinzklamauk über fremdgehende Männer und Frauen, etwas Coming of Age, ein, zwei Witze über die damals noch lebenden Nazis, mehr oder weniger passendes, oft beliebig wirkendes Zeitkolorit (so lief „Donnerlippchen“ zwischen 1986 und 1988 im TV) und viele verpasste Chancen.
Petting statt Pershing (Deutschland 2018)
Regie: Petra Lüschow
Drehbuch: Petra Lüschow
mit Anna Hornstein, Florian Stetter, Christina Große, Thorsten Merten, Hermann Beyer, Britta Hammelstein, Leon Ulrich, Barbara Phillip
Länge: 97 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
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frühere Titel waren „Es ist aus, Helmut“ und „Ursula Mayer gegen den Rest der Welt“
Das Versprechen – Erste Liebe lebenslänglich (The Promise, Deutschland 2016)
Regie: Marcus Vetter, Karin Steinberger
Drehbuch: Marcus Vetter, Karin Steinberger
Informative, spannende und sehr akribische Doku über den deutschen Diplomatensohn Jens Söring, der seit 1990 in den USA im Gefängnis sitzt. Er soll am 30. März 1985 die Eltern von seiner Freundin und ersten großen Liebe Elizabeth Haysom in ihrem Haus in Lynchburg, Virginia bestialisch ermordet haben. Er behauptet, unschuldig zu sein und die neueren Beweise unterstützen seine Version.
mit Jens Söring, Gail Marshall, Tom Elliott, William Sweeney, Ricky Gardner, Gail Ball, Chuck Reid, Rich Zorn, Dave Watson, Tony Buchanan, Carlos Santos, Steven Rosenfield
Am 23. Juli 2016 spielte Steve Coleman mit seiner Band „5 Elements“ auf der Heineken Jazzaldia in Donostia, Spanien.
Die Band: Steve Coleman (alto sax), Jonathan Finlayson (trumpet), Miles Okazaki (guitar), Anthony Tidd (electric bass), Sean Rickman (drums); Gastmusiker: Ravi Coltrane (tenor sax)
Stunden der Entscheidung – Angela Merkel und die Flüchtlinge (Deutschland 2019)
Regie: Christian Twente
Drehbuch: Sandra Stöckmann, Marc Brost
Am 4. September 2015 machen sich Flüchtlinge von Budapest, Ungarn, zu Fuß auf den Weg nach Deutschland. Weil der ungarische Präsident Viktor Orbán weiterhin auf eine Eskalation gegenüber den Flüchtlingen setzt, muss Angela Merkel sich innerhalb weniger Stunden entscheiden, wie sie mit den in Richtung Deutschland marschierenden Flüchtlingen umgehen wird.
Das Dokudrama erzählt chronologisch die Ereignisse dieses Tages, indem es unveröffentlichte Archivaufnahmen mit Interviews von Zeitzeugen und wenig überzeugenden nachinszenierten Szenen mixt. Statt dieser nachgestellten Szenen hätten die Macher besser die Zeit für die vertiefende Analyse und Einordnung des „March of Hope“ in die allgemeine Flüchtlingspolitik des Jahres 2015 und der rechtlichen Rahmenbedingungen benutzen sollen.
In „Stunden der Entscheidung“ wird der Prozess dargestellt, wie Angela Merkel an dem Tag zu dem Entschluss kam, die Flüchtlinge aufzunehmen. Die Regierung und ihre Berater sind da nur Stichwortgeber.
Für die Doku unterhielten die Macher sich mit Mohamed Amjahid (Journalist, Reporter der „ZEIT“ im Sommer 2015 live vor Ort), Sigmar Gabriel (Bundeswirtschaftsminister und Vizekanzler 2013–2018), Martin Kaul (Journalist, 2015 Reporter der „taz“, live vor Ort), Gerald Knaus (Vorsitzender der „Europäischen Stabilitätsinitiative“), Thomas de Maizière (Bundesminister des Innern, 2013–2018), Reinhold Mitterlehner (Vizekanzler der Republik Österreich, 2014 – 2017), Gerhard Schindler (Präsident des Bundesnachrichtendienstes, 2012–2016), Manfred Schreiner (Leiter Landesleitzentrale Burgenland, Major), Peter Tauber (Generalsekretär der CDU, 2013–2018) und Mohammad Zatareih (Flüchtling aus Syrien, Initiator des „March of Hope“).
mit (Schauspieler) Heike Reichenwallner, Aram Arami, Emre Aksizoglu, Stefan Mehren, Tilla Kratochwil, Gerhard Meseke, Manfred Callsen,
(Interviewpartner) Mohamed Amjahid, Sigmar Gabriel, Martin Kaul, Gerald Knaus, Thomas de Maizière, Reinhold Mitterlehner, Gerhard Schindler, Manfred Schreiner, Peter Tauber, Mohammad Zatareih
Drehbuch: Michael Mansfeld, Karl-Wilhelm Vivier (d. i. Heinz Pauck), Bernhard Wicki
LV: Manfred Gregor: Die Brücke, 1958
In den letzten Kriegstagen erhalten sieben Oberschüler ihre Einberufung. Sie sollen eine militärisch unwichtige Brücke in ihrer Heimat verteidigen.
Klassiker und brutaler Antikriegsfilm
„Heldentum ist nur etwas wert, wenn es für die richtige Sache geschieht. Und für mich, aus meinem persönlichen Schicksal heraus, war die Verteidigung der Brücke nicht erst 1959, sondern auch schon während des Krieges die falsche Sache.
Ich habe in den Jahren sei der ‚Brücke‘ Tausende von Briefen von jungen Männern bekommen, die mir schrieben, dass sie auch aufgrund meines Films den Kriegsdienst verweigert haben. Das zählt zu den wenigen Dingen in meinem Leben, auf die ich wirklich stolz bin.“ (Bernhard Wicki in Robert Fischer: Bernhard Wicki – Regisseur und Schauspieler, 1994)
mit Folker Bohnet, Fritz Wepper, Michael Hinz, Frank Glaubrecht, Karl Michael Balzer, Volker Lechtenbrink, Günther Hoffmann, Cordula Trantow, Wolfgang Stumpf, Günter Pfitzmann, Heinz Spitzner, Siegfried Schürenberg, Loriot (Was für eine Besetzung!)
Die F.A.S. und Deutschlandfunk Kultur empfehlen in ihrer September-Krimibestenliste für die länger werdenden Nächte unter der Leselampe etwas kultivierten Mord und Totschlag:
1. Garry Disher – Kaltes Licht (Plazierung im Vormonat: 1)
Aus dem Englischen von Peter Torberg. Unionsverlag, 314 Seiten, 22 Euro.
2. Tawni O’Dell – Wenn Engel brennen (Plazierung im Vormonat: 8)
Aus dem Englischen von Daisy Dunkel.Ariadne im Argument-Verlag, 350 Seiten, 21 Euro.
3. Denise Mina – Klare Sache (Plazierung im Vormonat: /)
Aus dem Englischen von Zoë Beck. Ariadne im Argument-Verlag, 352 Seiten, 21 Euro.
4. Max Annas – Morduntersuchungskommission (Plazierung im Vormonat: 3)
Rowohlt, 346 Seiten, 20 Euro.
5. Dror Mishani – Drei (Plazierung im Vormonat: /)
Aus dem Hebräischen von Markus Lemke. Diogenes, 336 Seiten, 24 Euro.
6. Selim Özdogan – Der die Träume hört (Plazierung im Vormonat: /)
Bei der diesjährigen „Oscar“-Preisverleihung erhielt Regine King den Oscar als beste Nebendarstellerin. Ansonsten wurde Barry Jenkins‘ berührendes Drama mit insgesamt nur drei Nominierungen sträflich ignoriert. Nicht einmal eine Nominierung als bester Film war drin. Und diese Nominierung, – eigentlich auch den Preis -, hätte „If Beale Street could talk“ (bei uns zu „Beale Street“ gekürzt) auch verdient.
Jenkins erzählt die in den frühen siebziger Jahren in Harlem spielende Geschichte von Tish Rivers. Die Neunzehnjährige ist verliebt in Fonny Hunt, den sie schon seit einer Ewigkeit kennt. Vor kurzem verlobten sie sich und demnächst wollen sie auch heiraten.
Eines Tages wird er verhaftet. Er soll eine Puerto-Ricanerin vergewaltigt haben. Er beteuert seine Unschuld. Trotzdem wandert er, ohne Prozess, ins Gefängnis. Nur Tish, ihre Familie und Fonnys Familie glauben an seine Unschuld. Während sie versuchen, ihn aus der Haft zu befreien, erfährt Tish, dass sie von Fonny schwanger ist.
Für ihre in ärmlichen Verhältnissen lebende Familie ist das nur ein weiteres Problem.
Das ist einer der schönen und lebenswahren Momente in Jenkins‘ James-Baldwin-Verfilmung. Konflikte werden im Kreis der Familie gelöst. Tishs Familie hält, auch wenn sie sich mal lautstark zankt, zusammen. Sie ist, auch wenn das jetzt konservativ und pathetisch klingt, eine Wertegemeinschaft. Die Gegner sind ein weißer Polizist und das von ihm verkörperte System, das Schwarze konsequent benachteiligt.
Barry Jenkins schrieb das Drehbuch für „Beale Street“ vor sechs Jahren während eines längeren Europa-Aufenthalts. Im Sommer 2013 schrieb er in Brüssel „Moonlight“ und danach in Berlin „Beale Street“, der als Gegenentwurf zu „Moonlight“ gesehen werden kann. Immerhin erzählt der eine Film von einer nicht funktionierenden, der andere von einer funktionierenden Familie. Um nur einen Punkt zu nennen. Die Verhandlungen mit Baldwins Nachlassverwaltern dauerten dann einige Zeit, bis alle Fragen für die erste US-amerikanische Kinoverfilmung geklärt waren. Währenddessen drehte er „Moonlight“. Der Film war sein Durchbruch. Er erhielt den Drehbuchoscar und der Film erhielt, in einer denkwürdigen Zeremonie, den Oscar als bester Film des Jahres. Neben vielen anderen Preisen.
Entsprechend hoch waren die Erwartungen an seinen nächsten Film. Er erfüllt sie mit einer zu Herzen gehenden Liebesgeschichte, die leicht ein Nicholas-Sparks-Kitschfeuerwerk hätte werden können.
Baldwins Roman „Beale Street Blues“ wurde bereits einmal verfilmt. Von Robert Guédiguian als 1998 als „À la place du coeur“ (Die Farbe des Herzens). Diese erste Verfilmung verlegte die Geschichte nach Marseille und auch wenn Beale Street überall sein kann, ist sie in New York, genauer in Harlem.
Jenkins erzählt, wie in „Moonlight“, eine universelle Geschichte, die gerade wegen ihrem genauen Blick auf seine Charaktere, ihr Umfeld und ihren Alltag ganz genau an einem bestimmten Ort und einer bestimmten Zeit verortet ist. Niemand wird Tishs Wohnung für das Zimmer einer heute in Harlem lebenden jungen Frau halten. Gerade dadurch kann Jenkins eine allgemeingültige Geschichte erzählen.
Sie ist auch heute, angesichts der Black-Live-Matters-Proteste, genauso relevant wie damals, als Baldwin die Geschichte von Tish und Fonny erzählte. Nicht nur in den USA, sondern weltweit.
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Beim wiederholten Ansehen fällt wieder auf, wie elegant Barry Jenkins zwischen Gegenwart und Vergangenheit hin und her schneidet, wie langsam er die Geschichte erzählt, wie kunstvoll jedes Bild komponiert ist und wie traurig die Musik ist. Damit wird schon in den ersten Minuten jede Hoffnung auf ein konventionelles Hollywood-Happy-End zerstört. Jenkins sehenswerte Baldwin-Verfilmung ist allerdings auch keine frenetische Anklage gegen das US-Justizsystem (obwohl die Geschichte von Fonny und Tish genug Gründe dafür liefert), sondern eine todtraurig-melancholische Liebesgeschichte über zwei junge Menschen, von denen der eine verurteilt werden soll, weil er ein Afroamerikaner ist.
Nicholas Britell war für seine Filmmusik für einen Oscar nominiert. Er komponierte auch die ebenfalls Oscar-nominierte Musik für „Moonlight“.
James Laxton war auch bei „Moonlight“ Kameramann.
Das Bonusmaterial befindet sich mit dem noch nicht einmal fünfminütigem, belanglosen Minifeaturette „Behind the Scenes“ noch unter der Wahrnehmungsschwelle.
Beale Street (If Beale Street could talk, USA 2018)
Regie: Barry Jenkins
Drehbuch: Barry Jenkins
LV: James Baldwin: If Beale Street could talk, 1974 (Beale Street Blues)
mit KiKi Layne, Stephan James, Regina King, Colman Domingo, Teyonah Parris, Michael Beach, Aunjanue Ellis, Ebony Obsidian, Dominique Thorne, Diego Luna, Finn Wittrock, Ed Skrein, Brian Tyree Henry, Dave Franco, Pedro Pascal
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DVD
DCM/Universum Film
Bild: 2.00:1
Ton: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: Behind the Scenes, Wendecover
Länge: 114 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
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Die lesenswerte Vorlage und ein klassisches Essay von James Baldwin
James Baldwin: Beale Street Blues
(neu übersetzt von Miriam Mandelkow, mit einem Nachwort von Daniel Schreiber)
dtv, 2019
224 Seiten
12,90 Euro
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Oritinalausgabe
If Beale Street could talk
Dial Press, New York, 1974
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James Baldwin: Nach der Flut das Feuer – The Fire next Time
(neu übersetzt von Miriam Mandelkow, mit einem Vorwort von Jana Pareigis und einer Nachbemerkung von Miriam Mandelkow zur Übersetzung)
10 Cloverfield Lane (10 Cloverfield Lane, USA 2016)
Regie: Dan Trachtenberg
Drehbuch: Josh Campbell, Matthew Stuecken, Damien Chazelle
Nach einem Autounfall mitten im Nirgendwo erwacht Michelle in einem Bunker und der gewohnt grandios von John Goodman gespielt durchgeknallte (?) Hausherr erklärt ihr, dass die Erde von Außerirdischen überfallen wurde. Sie müsse daher bei ihm bleiben.
Paradise Hills ist eine im Mittelmeer liegende Wohlfühloase, in die reiche Eltern ihre renitenten Töchter schicken. Dort soll ihnen innerhalb von zwei Monaten bei der Entwicklung ihrer Persönlichkeit hin zur perfekten Frau geholfen werden. Der Erfolg sei garantiert. Das erzählt jedenfalls die Herzogin, wie sich die Leiterin der Anstalt nennt, ihrem jüngsten Gast Uma.
Uma wurde, wie die anderen Gäste, betäubt und ohne ihr Wissen auf die Insel gebracht. Bei Uma wurde der Aufenthalt von ihren Eltern und ihrem künftigen Mann, den sie nicht heiraten will, veranlasst. Er ist ein reicher Schnösel mit konservativen Familienvorstellungen.
Genreaficionado werden jetzt „The Stepford Wives“ brüllen und sich fragen, wie hier die Anpassung von Frauen an das konservative Idealbild von Frau und Familie erzählt wird.
Zunächst gestaltet sich der Aufenthalt von Uma, bis auf kleine Irritationen, harmlos. Sie und ihre neuen Freundinnen, die ebenfalls ohne ihr Wissen und gegen ihren Willen auf die Insel gebracht wurden, genießen die Ruhe und die wenigen festen Termine. In den wunderschönen mediterranen Gemächern dürfen sie lustwandeln. Sie dürfen nur die Insel nicht verlassen. Sie müssen weiße Kleider tragen, die sich gut für das nächste Cosplay eignen. Ihnen werden Kurse angeboten und sie müssen der Herzogin Dinge über ihr Leben erzählen, während sie in ein Gerät blicken. Das ist mehr ein Aufenthalt in einem Nobelhotel als ein Umerziehungslager, in dem nach einem festen Stundenplan das Leben der Frauen auf den Kopf gestellt wird.
Optisch erinnert das in seiner Ereignislosigkeit an einen Softporno aus den siebziger Jahren, in denen schöne Frauen endlos durch historische Gänge wandelten. Nur dass in „Paradise Hills“ alles besser aussieht und die Sexszenen fehlen.
Dass hinter dieser harmlosen Kulisse nichts harmlos ist, ist klar. Auch wenn lange unklar ist, wie die Kurse, Gespräche und eine eigentümliche Psychofolter auf einem Holzpferd das Wesen der Frauen verändern können.
Alice Waddington erzählt in ihrem Debütspielfilm „Paradise Hills“ Umas Geschichte mit spürbarer Lust am Erkunden der Architektur des Ortes – gedreht wurde in Katalonien und auf den Kanarischen Inseln -, und der kunstvoll eklektisch aus verschiedenen Jahrhunderten zusammengestellten Kostüme. Sie beobachtet die jungen Frauen beim entspannten Lustwandeln auf der Insel, zwischen den Blumen und in dem Anwesen, ohne dass die Geschichte in der ersten Stunde erkennbar auf ein Ende zusteuert.
Erst im letzten Drittel, wenn Uma im Keller des Anwesens das Geheimnis von Paradise Hills entdeckt, wird es spannend und auch sehr frustrierend. Letztendlich werden mehrere Erklärungen präsentiert, die sich widersprechen. In diesen Minuten wird auch deutlich, dass Waddingtons Talent nicht im Inszenieren von Actionszenen liegt.
So ist „Paradise Hills“ ein optisch überzeugender, eklektischer, sehr sanfter Horrorfilm mit einem enttäuschendem Finale.
Paradise Hills (Paradise Hills, USA/Spanien 2019)
Regie: Alice Waddington
Drehbuch: Brian DeLeeuw, Nacho Vigalondo (nach einer Geschichte von Alice Waddington)
mit Eiza González, Awkwafina, Milla Jovovich, Emma Roberts, Jeremy Irvine, Danielle Macdonald, Liliana Cabal, Arnaud Valois, Hunter Tremayne
„Tonight with Katherine Newbury“ läuft seit gut dreißig Jahren als Late-Night-Talkshow im US-Fernsehen. Zuletzt mit sinkenden Quoten und Katherine Newbury (Emma Thompson) wird mit dem Vorwurf konfrontiert, eine Frauenhasserin zu sein. Schließlich feuerte sie in den vergangenen Jahren jede Frau, die sie jemals einstellte, kurz darauf wieder. Ihr Writers‘ Room ist eine frauenfreie Zone.
Um diesen Vorwurf zu entkräften, lässt sie Molly Patel (Mindy Kaling) einstellen. Molly hat im Comedygeschäft keinerlei Berufserfahrung, aber sie ist eine Frau und sie gehört einer Minderheit ein. Damit kann gut geworben werden. Und nach einigen Monaten wird sie, wie ihre Vorgängerinnen, entlassen.
Molly, die Newbury bewundert, stolpert an ihrem ersten Arbeitstag ungeschickt in die Besprechung von Newburys Autorenteam, das ein seit Jahren eingespieltes Team alter weißer Männer ist, die ohne große Ambitionen vor sich hin arbeiten. Molly beginnt, ausgehend von ihren Ambitionen und ihrer bisherigen Berufserfahrung als Qualitätskontrolleurin in einer Chemiefabrik, gleich mit einer Fehleranalyse und sie liefert Vorschläge zur Behebung der Fehler. Außerdem schreibt sie Witze, wie sie bisher in Newburys Show noch nicht zu hören waren. Der Weg vom Schreiben des Witzes bis zur Präsentation in der Show ist allerdings weit.
Zur gleichen Zeit eröffnet die neue Programmchefin Newbury, dass ihre Show demnächst eingestellt wird. Ein vulgärer Komödiant soll den Sendeplatz übernehmen.
Newbury, die in den letzten Jahren ihre Show auf Autopilot herunterspulte, nimmt den Kampf auf.
„Late Night – Die Show ihres Lebens“ ist eine sehr unterhaltsame Komödie, die einen liebevollen Blick hinter die Kulissen der seit Ewigkeiten und immer noch männlich dominierten Late-Night-Shows wirft. Wenn Frauen in den vergangenen Jahrzehnten in den USA eine Late-Night-Show moderierten, taten sie das nur kurz.
Mitte September könnte sich das mit „A Little Late with Lilly Singh“ ändern. Diese neue Late-Night-Show wird nicht nur von einer Frau moderiert, sondern sogar von einer bekennend bisexuellen Frau. Damit ist Singh die erste Person aus der LGBT-Community, die eine Late-Night-Show moderiert. Sie ist auch nach einer fast zwanzigjährigen Pause die erste Moderatorin, deren Vorfahren nicht aus Europa kommen. Die Eltern der Kanadierin stammen aus Indien. Soviel zur Diversität in einem in den USA erfolgreichen Showsegment, das in Deutschland abgehen von der „Harald Schmidt Show“ fast unbekannt ist. .
Diese mangelnde Diversität erfuhr auch Hauptdarstellerin und Drehbuchautorin Mindy Kaling. Sie war die erste Frau im Autorenteam der Sitcom „The Office – Das Büro“. Danach erfand sie die Serie „The Mindy Project“.
„Late Night“-Regisseurin Nisha Ganatra, die wie Kaling indische Vorfahren hat, inszenierte in den vergangenen Jahren vor allem Episoden für Serien wie „Transparent“, „Better Things“, „Brooklyn Nine-Nine“ und „The last Man on Earth“. Mindy Kaling lernte sie kennen, als sie eine Episode von „The Mindy Project“ inszenierte.
Die von Kaling erfundene Geschichte bewegt sich auf den vertrauten Pfaden. Die Pointen sitzen. Die Schauspieler sind spielfreudig. Und man sieht gerne über die Schwächen hinweg. Das sind das doch arg konventionelle Drehbuch, einige unplausible Stellen und die widersprüchliche Zeichnung von Katherine Newbury, die einerseits höchste Leistungen fordert, andererseits seit Jahren auf Autopilot ihre Sendung macht und keinen Kontakt zu ihren Autoren hat. Gerade das ist, wenn Menschen über Jahre auf engstem Raum zusammenarbeiten, nicht besonders glaubwürdig. Und es ist etwas merkwürdig, dass intelligente Menschen, die von ihrem Chef wie Dreck behandelt werden, sich keinen neuen Job suchen, sondern über Jahre bei ihr weiterarbeiten.
„Late Night“ ist eine Feelgood-Komödie, in der arbeitende Frauen nicht den Mann fürs Leben suchen (Newbury hat ihren schon lange gefunden) und die, trotz der wenigen Frauenrollen, den Bechdel-Test besteht. Es gibt, mit der Programmchefin sogar drei wichtige Frauenrollen. Die Frauen, vor allem Newbury und Molly sprechen miteinander und sie unterhalten sich nicht über einen Mann, sondern vor allem über die Show und damit ihre Arbeit.
Late Night – Die Show ihres Lebens (Late Night, USA 2019)
Regie: Nisha Ganatra
Drehbuch: Mindy Kaling
mit Emma Thompson, Mindy Kaling, John Lithgow, Reid Scott, Hugh Dancy, Denis O’Hare, Max Casella, John Early, Paul Walter Hauser, Ike Barinholtz, Amy Ryan, Bill Maher, Seth Meyers, Jake Tapper
Charles Manson: Der Dämon von Hollywood (Manson: Music from an Unsound Mind, USA 2019)
Regie: Tom O’Dell
Drehbuch: Tom O’Dell
Spielfilmlange Doku über Charles Manson (1934 – 2017), der gerne ein Musiker geworden wäre, ein Sektenführer wurde und Mitglieder seiner ‚Familie‘ zu Verbrechen anstachelte. Ihre bekannteste Tat geschah in der Nacht vom 8. zum 9. August 1969, als sie die hochschwangere Sharon Tate und alle weiteren Menschen, die zur Tatzeit im von Roman Polanski und Tate gemietetem Haus waren, bestialisch ermordeten.