TV-Tipp für den 8. Juli: Teorema – Geometrie der Liebe

Juli 7, 2019

Arte, 22.15

Teorema – Geometrie der Liebe (Teorema, Italien 1968)

Regie: Pier Paolo Pasolini

Drehbuch: Pier Paolo Pasolini (nach seinem Roman)

Ein junger Schönling verdreht den Frauen und Männer einer Mailänder Industriellenfamilie den Kopf. Als er wieder aus ihrem Leben verschwindet, hat das Folgen.

Pasolinis Abrechnung mit der Moral der Bourgeoisie war damals ein Skandalfilm, der in Italien zeitweise verboten war.

„ein enigmatisches, hermetisches Werk von kristalliner Struktur und Klarheit.“ (Wolfram Schütte, in Peter W. Jansen/Wolfram Schütte: Pier Paolo Pasolini, 1977/1985)

mit Terence Stamp, Massimo Girotti, Silvana Mangano, Anne Wiazemsky, Laura Betti, Andrès José Soublette Cruz

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Teorema“

Wikipedia über „Teorema“ (deutsch, englisch)


Die Krimibestenliste Juli 2019

Juli 7, 2019

Mitten in der Hochsommerpause präsentieren die F.A.S. und Deutschlandfunk Kultur ihre monatliche Krimibestenliste mit Vorschlägen für lange Nachmittage auf der Couch:

1. Johannes Groschupf – Berlin Prepper (Plazierung im Vormonat: 1)

Suhrkamp, 236 Seiten, 14,95 Euro.

2. Friedrich Ani – All die unbewohnten Zimmer (Plazierung im Vormonat: /)

Suhrkamp, 495 Seiten, 22 Euro.

3. Liza Cody – Ballade einer vergessenen Toten (Plazierung im Vormonat: 2)

Aus dem Englischen von Martin Grundmann. Ariadne im Argument-Verlag, 416 Seiten, 22 Euro.

4. Kate Atkinson – Deckname Flamingo (Plazierung im Vormonat: 3)

Aus dem Englischen von Anette Grube. Droemer 336 Seiten, 19,99 Euro.

5. Mike Nicol – Sleeper (Plazierung im Vormonat: /)

Aus dem Englischen von Mechthild Barth. btb, 512 Seiten, 10 Euro.

6. Alan Carter – Marlborough Man (Plazierung im Vormonat: /)

Aus dem Englischen von Karen Witthuhn. Suhrkamp, 383 Seiten, 14,95 Euro.

7. Georges Simenon – Maigret im Haus der Unruhe (Plazierung im Vormonat: /)

Aus dem Französischen von Thomas Bodmer. Kampa, 220 Seiten, 16,90 Euro.

8. Ivy Pochoda – Wonder Valley (Plazierung im Vormonat: 5)

Aus dem Englischen von Sabine Roth und Rudolf Hermstein, Ars Vivendi, 400 Seiten, 18 Euro.

9. Harry Bingham – Fiona – Wo die Toten leben (Plazierung im Vormonat: 7)

Aus dem Englischen von Kristof Kurz und Andrea O’Brien. Rowohlt, 526 Seiten, 10 Euro.

10. Jim Nisbet – Welt ohne Skrupel (Plazierung im Vormonat: /)

Aus dem Englischen von Ango Laina und Angelika Müller. Pulp Master, 233 Seiten, 14,80 Euro.

–

Bei dem Simenon handelt es sich um die erste Übersetzung des Maigret-Romans. Sonst hätte er nach den Krimibestenliste-Regeln nicht gewählt werden können.

Anis „All die unbewohnbaren Zimmer“ ist einer seiner längsten Romane. Er ist ein Zusammentreffen von seinen Ermittlern Tabor Süden, Jakob Franck, Polonius Fischer und Fariza Nasri (die ebenfalls zu Fischer ‚zwölf Apostel‘-Kommissariat gehört). Mal lesen, wie das endet.

Aktuell lese ich John Steeles fantastischen Nordirland-Kriminalroman „Ravenhill“ (polar). Adrian McKintys ebenfalls in Nordirland spielender Thriller „Cold Water“ (Suhrkamp) liegt auf meinem Zu-lesen-Stapel.

Da liegen auch, frisch eingetroffen, George Pelecanos‘ „Prisoners“ (Ars Vivendi), Estelle Surbranches „Nimm mich mit ins Paradies“ (polar), Harlan Cobens „Suche mich nicht“ (Goldmann) und Lee Childs Jack-Reacher-Roman „Keine Kompromisse“ (Blanvalet).

Das dürften genug Ausreden für die Biergarten-Absage sein.


TV-Tipp für den 7. Juli: War Dogs

Juli 7, 2019

Pro7, 20.15

War Dogs (War Dogs, USA 2016)

Regie: Todd Phillips

Drehbuch: Stephen Chin, Todd Phillips, Jason Smilovic

LV: Guy Lawson: Arms and the Dudes (Artikel Rolling Stone, 2011)

Die Schulfreunde Efraim (Jonah Hill) und David (Miles Teller) verdienen ihr Geld mit kleinen, öffentlich ausgeschriebenen Beschaffungsaufträge des Militärs. Als sie für ihren bislang größten Auftrag die Konkurrenz unwissentlich um fünfzig Millionen Dollar unterbieten, ändert sich ihr Leben.

Immer wieder gelungen satirisch zugespitztes Drama über Freundschaft und den amerikanischen Traum.

Todd Phillips drehte vorher die „Hangover“-Filme. Aktuell ist er mit dem DC-Einzelfilm „Joker“ beschäftigt. Der Trailer sieht vielversprechend aus.

Mehr über „War Dogs“ in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Miles Teller, Jonah Hill, Ana de Armas, Bradley Cooper, Kevin Pollak

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „War Dogs“

Metacritic über „War Dogs“

Rotten Tomatoes über „War Dogs“

Wikipedia über „War Dogs“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Todd Phillips „War Dogs“ (War Dogs, USA 2016)


Neu im Kino/Filmkritik: Die überwältigende Doku „Apollo 11“ über die erste Mondlandung

Juli 6, 2019

Vor fünfzig Jahren war die Landung der Apollo 11 auf dem Mond das Ereignis, das die Welt zusammenbrachte. Weltweit wurde es auf TV-Bildschirmen verfolgt. In einer aus heutiger Sicht abenteuerlich schlechten Bildqualität. Dabei wurden schon damals brillante Bilder gemacht. Einige dieser Bilder wurden anschließend in für die damals verfügbaren Medien in bearbeiteter Form veröffentlicht. Zu einem großen Teil verschwanden sie ungesehen in den Archiven der NASA und der National Archives and Records Administration (NARA). Der aufregendste Fund sind dabei 70-mm-Aufnahmen, die Todd Douglas Miller („Dinosaur 13“) für seinen Dokumentarfilm „Apollo 11“ sichten konnte.

In dem Film konzentriert er sich auf die Mission von den Startvorbereitungen über den Hinflug, die Mondlandung am 20. Juli 1969 (selbstverständlich mit den berühmten Schritten von Neil Armstrong), dem Rückflug und der Landung im Pazifik. Es gibt auch Aufnahmen von den vielen Schaulustigen, die damals den Start der Apollo 11 in Cape Canaveral in Florida beobachten wollten. Es soll sich um eine Million Schaulustige gehandelt haben.

Bei den Bildern erstaunt die Qualität. Das gilt nicht nur für die 70-mm-Aufnahmen, sondern auch für die 16 und 35-mm-Aufnahmen, die alle für den Film bearbeitet wurden. Weil alte TV-Aufnahmen und auf YouTube hochgeladene Mitschnitte von TV-Sendungen eine oft gotterbärmliche Qualität haben, muss das ja gesagt werden. Der Detailreichtum und die Farben sind überwältigend. Schon die ersten Minuten, wenn die Rakete langsam von den riesigen Raupenfahrzeugen, die von einigen Männern begleitet werden, zur Abschussrampe gefahren wird und die Sonne aufgeht, glaubt man, direkt dabei zu sein. Später fällt auf, wie viele weiße Männer in den verschiedenen Kontrollräumen herumsitzen und Bildschirme beobachten, ohne erkennbar irgendetwas zu tun.

Neben den Bildern wertete Todd Douglas Miller über elftausend Stunden Audiomitschnitte aus, die er für den Film zu einer durchgehenden, präzise zu den Bildern passenden Tonspur bearbeitete. Außer den damals gesprochenen Worten gibt es in „Apollo 11“ keine weiteren Dialoge.

Diese Konzentration auf die wenigen Tage zwischen dem Start am 16. Juli 1969 und der Rückkehr zur Erde am 24. Juli 1969 (und der anschließenden Quarantäne) und die damals aufgenommenen Bilder und Töne führt dazu, dass man wenig über die jahrelangen Vorbereitungen und nichts über die politischen Hintergründe erfährt. Dafür erlebt man die damaligen Ereignisse, als ob man dabei wäre.

So ist „Apollo 11“ die Chronik der ersten Landung auf dem Mond. Optisch überwältigend, stringent erzählt und, auch wenn man das Ende kennt, spannend bis zur letzten Minute.

Angekündigt ist der Film als einmaliges Kinoereignis, das nur am Sonntag, den 7. Juli, im Kino läuft. Ich bin allerdings überzeugt, dass er danach weiter gezeigt wird. In jedem Fall sollte der Dokumentarfilm auf der größtmöglichen Leinwand angesehen werden.

P. S.: Ab Dienstag, den 16. Juli, zeigt Arte, jeweils um 20.15 Uhr die dreiteilige, insgesamt gut sechsstündige Dokumentation „Die Eroberung des Mondes“ (Chasing the Moon, USA 2019)..

Apollo 11 (Apollo 11, USA 2019)

Regie: Todd Douglas Miller

Drehbuch: Todd Douglas Miller

mit Neil Armstrong, Buzz Aldrin, Michael Collins

Länge: 97 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

 

Hinweise

Homepage zum Film

Moviepilot über „Apollo 11“

Metacritic über „Apollo 11“

Rotten Tomatoes über „Apollo 11“

Wikipedia über „Apollo 11“ und die Mission (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 6. Juli: Sightseers

Juli 5, 2019

Tele 5, 22.20

Sightseers (Sightseers, Großbritannien 2012)

Regie: Ben Wheatley

Drehbuch: Alice Lowe, Steve Oram

Tina und ihr Freund Chris machen sich auf dem Weg zu einem Trip zu den Sehenswürdigkeiten von Yorkshire – und Chris bringt alle um, die ihnen die Urlaubsfreude verderben könnten.

Sehr britische, sehr schwarze Komödie

mit Alice Lowe, Steve Oram, Eileen Davis, Monica Dolan, Jonathan Aris, Kenneth Hadley, Stephanie Jacob, Richard Glover

Wiederholung: Sonntag, 7. Juli, 03.35 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Moviepilot über „Sightseers“

Metacritic über „Sightseers“

Rotten Tomaotes über „Sightseers“

Wikipedia über „Sightseers“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Ben Wheatleys „Sightseers“ (Sightseers, Großbritannien 2012)

Meine Besprechung von Ben Wheatleys „High-Rise“ (High-Rise, Großbritannien 2015) und der DVD

Meine Besprechung von Ben Wheatleys „Free Fire“ (Free Fire, Großbritannien/Frankreich 2016)


Neu im Kino/Filmkritik: „Tel Aviv on Fire“ oder Wie eine Soap Opera das wahre Leben beeinflusst

Juli 5, 2019

Der kleine Grenzverkehr sorgt immer wieder für Erheiterung. Beim Zuschauer. Für den Betroffenen von entwürdigenden Kontrollen, bohrenden Fragen und der penetranten Neugier von Zöllnern, die berufsbedingt Dinge tun dürfen, die man sich noch nicht einmal von seiner Frau gefallen lässt, sieht das anders aus. Entsprechend unwohl fühlt sich der junge Palästinenser Salam als am Grenzübergang vom Westjordanland nach Israel seine Habseligkeiten durchsucht. Dabei entdecken die israelischen Grenzsoldaten ein noch nicht verfilmtes Drehbuch der in Ramallah produzierten Soap Opera „Tel Aviv on Fire“. Salam behauptet gegenüber Assi, dem Leiter der Kontrollstation, einer der Autoren der in Israel und Palästina unglaublich beliebten Soap Opera zu sein.

In der 1967, wenige Tage vor dem legendären Sechstagekrieg, spielenden Soap geht es um die glamouröse palästinensische Spionin Rachel, die den israelischen General Yehuda Edelman verführen soll. Dafür eröffnet sie gegenüber dem Hauptquartier des Militärs ein französisches Edelrestaurant. Edelman gehört schnell zu den Stammgästen und er erwidert die Avancen Rachels, die sich als aus Frankreich kommende jüdische Immigrantin ausgibt. Alle Zuschauer fragen sich, ob sie ihre Mission erfolgreich beenden kann oder ob sie sich in den General verliebt und ob sie ihren Geliebten, den palästinensischen Widerstandskämpfer Marwan, verlässt.

In Wirklichkeit ist Salam der Neffe des Produzenten. Der Slacker ist seit einigen Stunden als Produktionsassistent eingestellt. Weil er während der Dreharbeiten spontan die von dem Autor aufgeschriebenen Sätze korrigierte, soll er jetzt die Dialoge zwischen Rachel und Edelman so umformulieren, wie sie von Israelis gesagt würden.

Der israelische Kommandeur Assi kritisiert allerdings ganz andere Dinge als die hölzernen Dialoge an der Liebesgeschichte. Ihm gefällt die Darstellung des israelischen Generals nicht. Nach seiner Ansicht verhält sich der Held nicht heldenhaft genug. Deshalb schlägt er Salam einige Änderungen vor, die Salam notgedrungen akzeptiert. Denn sonst könnte er die Grenze nicht jeden Tag zweimal passieren.

Während Assi in den folgenden Tagen immer stärker auf das Drehbuch Einfluss nimmt, versucht Salam die Änderungen im Studio zu verkaufen. Außerdem begegnet er wieder seiner Jugendliebe, die er immer noch liebt. Sie will allerdings nichts von ihm wissen.

Sameh Zoabis Komödie „Tel Aviv on Fire“ bietet einen Einblick in das komplizierte Verhältnis zwischen Israel und Palästina. Dabei wird eine auf beiden Seiten der Grenze gesehene Soap zum Katalysator und Mittel der Völkerverständigung. Auch wenn die Produzenten der Soap das ursprünglich anders planten. Schließlich sind sie palästinensische Patrioten. Zoabi jongliert in seiner Komödie gelungen und kurzweilig zwischen den Ereignissen am Set, den Dreharbeiten, den Hahnenkämpfen während des Drehs und Salams unbeholfenen Versuchen als Drehbuchautor, der Beziehung zwischen Salam und Assi, Salams Werben um seine Ex und den ausführlich gezeigten Ereignissen in der Soap Opera, die auch ein überspitzter Kommentar zum Verhältnis zwischen Palästina und Israel ist. Das ist witzig, intellektuell vergnüglich und am Ende, angesichts der realen Situation im Nahen Osten, vielleicht etwas zu harmlos-harmonieselig. Wobei gemeinsames Lachen mit- und übereinander ein nicht zu unterschätzender Beitrag zur Völkerverständigung ist.

Tel Aviv on Fire (Tel Aviv on Fire, Luxemburg/Frankreich/Israel/Belgien 2018)

Regie: Sameh Zoabi

Drehbuch: Dan Kleinman, Sameh Zoabi

mit Kais Nashif, Lubna Azabal, Yaniv Biton, Nadim Sawalha, Maisa Abd Elhadi, Salim Daw, Yousef Sweid

Länge: 101 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

–

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Tel Aviv on Fire“

Rotten Tomatoes über „Tel Aviv on Fire“

Wikipedia über „Tel Aviv on Firre“ 


Neu im Kino/Buch- und Filmkritik: Red Joan und das „Geheimnis eines Lebens“

Juli 5, 2019

„Geheimnis eines Lebens“ ist lose inspiriert von dem Fall Melita Norwood. Sie wurde 1999 als Spionin enttarnt. Zu dem Zeitpunkt war die Spion-Oma bereits 87 Jahre alt. Sie studierte kurz und ohne Abschluss Latein und Logik am University College of Southampton. Sie war Mitglied der britischen Kommunistischen Partei. Für verschiedene sowjetische Geheimdienste war sie von 1937 bis 1972, ihrer Pensionierung bei der British Non-Ferrous Metals Research Association, als Spionin tätig. Sie verriet Geheimnisse über die britische Atomforschung. Der KGB hielt sie für wertvoller als den bekannten Cambridge-Five-Spionagering. Aufgrund ihres Alters wurde die 1912 geborene Spionin nicht verurteilt.

Dieser Fall inspirierte Jennie Rooney zu ihrem 2013 erschienenen Roman „Geheimnis eines Lebens“ (Red Joan), der mit den wahren Ereignissen so gut wie nichts zu tun hat. Das ist eigentlich kein Problem. Schließlich handelt es sich um einen Roman und kein Sachbuch. Ein Romanautor kann, ausgehend von einer x-beliebigen Zeitungsmeldung, seiner Fantasie freien Lauf lassen. Man sollte in diesem Fall von dem Roman und dem Film, trotz der Hinweise auf den wahren Fall, keine Aufklärung über die wahren Ereignisse erwarten. Man hätte bei der Werbung vielleicht auch auf die prominenten, etikettenschwindlerischen Hinweise auf den wahren Fall verzichten können.

In dem Roman und der dem Roman weitgehend folgenden Verfilmung von Trevor Nunn wird Joan Stanley 2000 (im Roman 2005) verhaftet. Der Geheimdienst MI5 beschuldigt die Frau, vor langer Zeit Staatsgeheimnisse verraten zu haben. Joan Stanley, die einen großen Teil ihres Lebens in Australien lebte und nach dem Tod ihres Ehemannes nach England zurückkehrte, soll eine Spionin sein.

Während sie verhört wird, erinnert sie sich an ihre Vergangenheit, als sie 1938 in Cambridge Physik studiert, den Vamp Sonya kennenlernt und sich in Leo Galisch, Sonyas Cousin, verliebt. Er ist ein überzeugter Kommunist. Sie besuchen Parteiveranstaltungen. Joan schließt ihr Studium erfolgreich ab und erhält während des II. Weltkriegs eine Stelle in einem geheimen Forschungsprojekt. Sie verliebt sich in Max Davis, den unglücklich verheirateten Leiter des Atombombenprojekts. Er erwidert ihre Liebe.

Jetzt arbeitet Joan an einem Ort, von dem aus sie die Sowjetunion mit wichtigen Informationen versorgen könnte. Leo bittet sie auch darum.

Ob und, wenn ja, welche Informationen sie an die Sowjetunion weitergibt und warum sie das tut (oder auch nicht), wird erst am Ende von „Geheimnis eines Lebens“ verraten. Damit konzentrieren sich der Roman und die Verfilmung offensichtlich auf die Frage, ob Joan Landesverrat begangen hat. Und was sie tut, um ihre Unschuld zu beweisen oder einer Enttarnung zu entgehen; – sofern sie überhaupt daran ein Interesse hat und nicht einfach den Vorwurf, eine Spionin zu sein, als Gelegenheit benutzt, um reinen Tisch zu machen.

Für diesen Thrillerplot interessieren die Macher sich nicht. Denn Joans Erinnerungen werden in Rückblenden strikt chronologisch erzählt, es handelt sich dabei immer um die Wahrheit und es ist unklar, ob sie den MI5-Beamten und ihrem Sohn, der später bei den Verhören dabei ist, das oder etwas anderes erzählt.

Daneben gelingt es ihnen auch, alle weiteren Tiefen und interessanten Aspekte der Geschichte von Joan Stanley zugunsten einer im Akademikermilieu spielenden Liebesgeschichte zu umgehen. Vor allem das erste Drittel des Romans, wenn die Liebesbeziehung zwischen Joan und Leo an der Universität im Mittelpunkt steht, liest sich wie ein Loreroman, in dem das schüchterne Landei sich in den feschen, charismatischen Russen verliebt. Danach, wenn sie die Stelle in dem streng geheimen Forschungsprojekt erhält, wird es nicht besser.

Aus einem drögen Roman wurde eine biedere Literaturverfilmung, die den Roman mit all seinen Schwächen illustriert ohne eigene Akzente zu setzen.

Geheimnis eines Lebens (Red Joan, USA 2018)

Regie: Trevor Nunn

Drehbuch: Lindsay Shapero

LV: Jennie Rooney: Red Joan, 2013 (Geheimnis eines Lebens)

mit Judi Dench, Sophie Cookson, Stephen Campbell Moore, Tom Hughes, Tereza Srbova, Ben Miles, Freddie Gaminara

Länge: 102 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

–

Die Vorlage

Jennie Rooney: Geheimnis eines Lebens

(übersetzt von Stefanie Retterbush)

Goldmann, 2019

560 Seiten

10 Euro

–

Originalausgabe

Red Joan

Chatto & Windus, London, 2013

–

Hinweise

Moviepilot über „Geheimnis eines Lebens“

Metacritic über „Geheimnis eines Lebens“

Rotten Tomatoes über „Geheimnis eines Lebens“

Wikipedia über „Geheimnis eines Lebens“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 5. Juli: Bound – Gefesselt

Juli 5, 2019

Tele 5, 22.05

Bound – Gefesselt (Bound, USA 1996)

Regie: Larry Wachowski, Andy Wachowski

Drehbuch: Larry Wachowski, Andy Wachowski

Violet ist die Geliebte des Mafiakillers Caesar. Corky ist frisch aus dem Knast entlassen, arbeitet als Handwerkerin und hat immer noch exzellent funktionierende kriminelle Reflexe. Dennoch (oder gerade deswegen) funkt es gewaltig zwischen Corky und Violet. Sie beschließen Caesar, der auf zwei Millionen Dollar aufpassen soll, zu bestehlen.

Das Debüt der Wachowski-Brüder ist ein toller Noir voller Spannung, Erotik und Witz. Mit einigen überraschenden Wendungen.

Danach drehten die Wachowskis „Matrix“ und der Rest ist Geschichte. Wenn auch keine ungebrochene Erfolgsgeschichte. Immerhin war „Cloud Atlas“ interessant.

mit Jennifer Tilly, Gina Gershon, Joe Pantoliano, John P. Ryan, Christopher Meloni, Richard C. Sarafian

Wiederholung: 6. Juli, 03.10 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Bound – Gefesselt“

Wikipedia über „Bound – Gefesselt“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Lana & Andy Wachowski/Tom Tykwers „Cloud Atlas“ (Cloud Atlas, USA/Deutschland 2012)

Meine Besprechung von Lana & Andy Wachowskis „Jupiter Ascending“ (Jupiter Ascending, USA 2015)


Neu im Kino/Filmkritik: „Annabelle comes home“ und sieht sich im Haus der Warrens um

Juli 4, 2019

Als wir die Puppe Annabelle zum ersten Mal in einem Film sahen, saß sie auf einem Holzstuhl in einer Glasvitrine im Keller des anonymen Vorstadthaus des Dämonologenehepaares Ed und Lorraine Warren. James Wans gelungener Geisterhorrorfilm „The Conjuring“ (USA 2013) war der Auftakt zu einer Reihe von kommerziell erfolgreichen Horrorfilmen, die alle in der Welt der beiden Dämonologen spielen, die es wirklich gab. Einige Filme basieren auf wahren Fällen des Ehepaares (soweit man hier überhaupt von ‚wahren Fällen‘ sprechen kann). Andere sind frei erfunden. Wie jetzt der dritte eigenständige Annabelle-Film „Annabelle comes home“, der zeitlich zwischen dem Anfang und Ende von „The Conjuring“ spielt.

In den frühen siebziger Jahren müssen Ed (Patrick Wilson) und Lorraine Warren (Vera Farmiga) für eine Nacht weg. Mary Ellen (Madison Iseman) soll als Babysitter auf ihre zehnjährige Tochter Judy (Mckenna Grace) aufpassen. Judy ist, wie ihre Mutter, seherisch begabt und, immerhin lebt sie in einem Haus, in dem Geister und Dämonen ständige Hausgäste sind, ist sie für ihr Alter schon sehr erfahren im Umgang mit diesen Wesen. Sie hat auch fast immer ein Holzkreuz in Reichweite.

Schon am Nachmittag kommt Mary Ellens Freundin Daniela (Katie Sarife) vorbei. Sie trauert noch immer um ihren bei einem Autounfall verstorbenen Vater und sie fühlt sich für seinen Tod verantwortlich. Neugierig ist sie auch. Dabei belässt sie es nicht beim Blättern in den Akten der Warrens, sondern sie schließt auch die Tür zu dem Kellerraum auf, in dem die Warrens von Dämonen besessene Gegenstände lagern. Dazu gehört auch Annabelle, die in einem Glasvitrine eingeschlossen ist, auf der steht, dass man die Tür unter keinen Umständen öffnen solle. Für Daniela ist das selbstverständlich die Anweisung die Tür zu öffnen. Und weil sie vorher alle möglichen Gegenstände in dem Keller berührt hat, hat Annabelle viele Helfer, die ihr in der Nacht in dem Vorstadthaus helfen, die drei Mädchen und Bob (Michael Cimino), den später hinzukommenden, Gitarre spielenden Verehrer von Mary Ellen, zu terrorisieren.

Für Horrorfilmfans ist das ein Best-of aller möglichen Geister. Sogar ein Werwolf ist dabei. Spätestens in dem Moment werden Erinnerungen an die beiden auf den Kinderbüchern von R. L. Stine basierenden „Gänsehaut“-Filme wach. In den beiden Filmen müssen Jugendliche gegen eine Armada höchst unterschiedlicher Geister und Monster kämpfen. Die Filme sind, wobei der erste Film besser als der zweite ist, Horrorkomödien, die sich an ein jüngeres Publikum richten. Sie sollen eine Gänsehaut verursachen. „Annabelle comes home“ ist dagegen ein erstaunlich langsam erzählter Horrorfilm, der mehr an Atmosphäre und Suspense als an Jumpscares interessiert ist. Es ist allerdings auch ein Film, in dem die titelgebende Annabelle kaum auftritt und auch die anderen Geister eher kurze Auftritte haben, die mehr die Funktion eines Zitats erfüllen. Meist stehen sie irgendwo im Bildhintergrund herum und verschwinden dann wieder geräuschlos. Einen nachhaltigen Eindruck hinterlässt in Gary Daubermans Regiedebüt kein Geist.

Dauberman schrieb bereits die Bücher für die vorherigen „Annabelle“-Filme, „The Nun“ (ebenfalls aus dem Conjuring-Universum) und die Blockbuster-Stephen-King-Verfilmung „It“. Der zweite Teil, angekündigt für 5. September, ist ebenfalls von ihm geschrieben.

„Annabelle comes home“ ist ein gemütlicher Gang durch bekannte Geisterhorrortopoi, bei dem sich aufgrund der vielen Geister, die letztendlich austauschbar bleiben, und dem schwachen Finale, keine wirkliche Begeisterung aufkommen will. Mehr als eine leichte Gänsehaut will bei Annabelles neuestem Auftritt nicht aufkommen.

Annabelle comes home (Annabelle comes home, USA 2019)

Regie: Gary Dauberman

Drehbuch: Gary Dauberman (nach einer Geschichte von James Wan und Gary Dauberman)

mit Vera Farmiga, Patrick Wilson, Mckenna Grace, Madison Iseman, Katie Sarife, Michael Cimino, Samara Lee, Steve Coulter

Länge: 106 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

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Auch bekannt als „Annabelle 3“ (mehr oder weniger der Arbeitstitel und mehr oder weniger der inoffizielle Titel)

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Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Annabelle comes home“

Metacritic über „Annabelle comes home“

Rotten Tomatoes über „Annabelle comes home“

Wikipedia über „Annabelle comes home“ (deutsch, englisch)

Das „Conjuring“-Universum in der Kriminalakte

Meine Besprechung von James Wans „The Conjuring“ (The Conjuring, USA 2013)

Meine Besprechung von James Wans „The Conjuring 2″ (The Conjuring 2, USA 2016)

Meine Besprechung von John R. Leonettis „Annabelle“ (Annabelle, USA 2014)

Meine Besprechung von David F. Sandbergs „Annabelle 2″ (Annabelle: Creation, USA 2017)

Meine Besprechung von Corin Hardys „The Nun“ (The Nun, USA 2018)

Meine Besprechung von Michael Chaves‘ „Lloronas Fluch“ (The Curse of La Llorona, USA 2019)


Neu im Kino/Filmkritik: „Spider-Man: Far From Home“ in good old Europe

Juli 4, 2019

„Spider-Man: Far From Home“ ist der erste Marvel-Film nach dem unglaublich erfolgreichen „Avengers: Endgame“, der lange als Abschluss der Phase Drei des Marvel Cinematic Universe angekündigt war. Inzwischen weiß man, dass aus Sicht der Macher „Spider-Man: Far From Home“ der richtige und endgültige Abschluss der Phase Drei des MCU ist. Diese Idee, mit dem MCU mehrere Filme miteinander zu verbinden, war auch eine grandiose Idee, um das Publikum über mehrere Filme ins Kino zu locken. Schließlich traten Hauptfiguren in einem Film in anderen Filmen kurz auf und es gab immer Kleinigkeiten, die in einem der nächsten Filme wichtig wurden. In „Endgame“ wurden dann die verschiedenen, wie Brotkrumen über die Filme gestreuten Informationen so zusammengefügt, dass das Bild eines großen Plans entstand. „Spider-Man: Far From Home“, der nach „Endgame“ spielt, ist jetzt ein Epilog, der vor allem ein Einzelfilm ist.

‚Spider-Man‘ Peter Parker (Tom Holland) sieht sich immer noch als der freundliche Superheld aus und für die Nachbarschaft. Er will nicht die Welt, sondern das Dorf retten. Außerdem ist er immer noch der sechzehnjährige Schüler (Wird der denn nie älter?), der immer noch in die schnippische MJ (Zendaya) verliebt ist und keine Ahnung hat, wie er ihr seine Liebe gestehen soll. Aber während der Klassenfahrt könnte sich eine Gelegenheit ergeben. Zusammen mit seinem Freund Ned Leeds (Jacob Batalon) entwirft er schon kitschig-romantischste Pläne für dieses große Ereignis.

Die Klassenfahrt ist eine Europa-Rundreise, die in Venedig beginnt. Dort gerät er in einen Kampf zwischen einem Wassermonster und Quentin Beck, aka Mysterio (Jake Gyllenhaal) (Nein! Nicht schnell auf Wikipedia nachsehen, wer Mysterio in den Marvel-Comics ist.). Mysterio ist auf den ersten Blick eine Mischung aus Iron Man und Dr. Strange, die beide, wie Nick Fury ihm sagt, aus verschiedenen Gründen im Moment verhindert sind. Also muss Peter Parker gegen die Bösewichter kämpfen.

Und weil wir in der Pressevorführung gebeten wurden, nichts über den Inhalt des Films zu verraten, bin ich jetzt am Ende des Teils meiner Besprechung angelangt, die irgendetwas über den Inhalt verrät, das man nicht schon aus den Trailern kennt.

Sagen kann ich, dass Tom Holland wieder als freundlicher, meist von den Herausforderungen etwas überforderter Spider-Man überzeugt. Auch die anderen Schauspieler überzeugen. Viele sind aus dem vorherigen, ebenfalls von Jon Watts inszeniertem MCU-Spider-Man-Film „Homecoming“ und den anderen MCU-Filmen bekannt. Die Effekte sind, wenn ganze Innenstädte und Wahrzeichen zerstört werden, gewohnt gut und bombastisch. Der touristische Europatrip erfreut mit vielen, meist gut abgehangenen Klischees über die alte Welt und verliert dabei mehr als einmal den Kampf von Spider-Man gegen den Bösewicht aus dem Blick. Der Bösewicht ist gewohnt schwach. Sein Motiv ist kaum nachvollziehbar. Sein genialer und teuflisch böser Plan ebenso. Damit gibt es auch keinen zentralen Konflikt, auf den sich die gesamte Filmgeschichte konzentrieren könnte. Aber das kennt man aus den vorherigen Marvel-Filmen, die diesen Mangel mit Humor überspielen.

„Far From Home“ gefällt vor allem als unterhaltsamer Einzelfilm, der bis auf ein, zwei Momente auch ohne das Wissen aus den anderen MCU-Filmen gesehen werden kann. Entsprechend schlecht funktioniert „Far From Home“ als Abschluss der dritten MCU-Phase. Am Anfang werden zwar die in „Endgame“ verstorbenen Avengers erwähnt und Peter Parkers erinnert sich an sein Idol Tony Stark, aber auf die Geschichte von „Far from home“ hat das keinen nennenswerten Einfluss. Um was es in der nächsten MCU-Phase gehen könnte, ist auch nach „Far From Home“ immer noch unklar. Daran ändert auch Peter Parkers bereits aus dem Trailer bekannte sofortige Akzeptanz des Multiversums nichts. Aber vielleicht hat er den vor Weihnachten gestarteten Spider-Man-Animationsfilm „Spider-Man: A new Universe“ (Spider-Man: Into the Spider-Verse, USA 2018) gesehen und wusste daher, dass es viele verschiedene Welten mit verschiedenen Spider-Man-Inkarnationen, Superhelden und Bösewichtern gibt.

Spider-Man: Far From Home (Spider-Man: Far From Home, USA 2019)

Regie: Jon Watts

Drehbuch: Chris McKenna, Erik Sommers (nach dem Charakter von Steve Ditko und Stan Lee)

mit Tom Holland, Jon Favreau, Jake Gyllenhaal, Samuel L. Jackson, Cobie Smulders, Jacob Batalon, Zendaya, Angourie Rice, Zach Barack, Numan Acar, Marisa Tomei, J. K. Simmons

Länge: 130 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

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Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Spider-Man: Far From Home“

Metacritic über „Spider-Man: Far From Home“

Rotten Tomatoes über „Spider-Man: Far From Home“

Wikipedia über „Spider-Man: Far From Home“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Jon Watts‘ „Spider-Man: Homecoming“ (Spider-Man: Homecoming, USA 2017)


TV-Tipp für den 4. Juli: Teufel in Blau

Juli 4, 2019

3sat, 22.30

Der Teufel in Blau (Devil in a blue dress, USA 1995)

Regie: Carl Franklin

Drehbuch: Carl Franklin

LV: Walter Mosley: Devil in a blue dress, 1990 (Teufel in Blau)

Los Angeles, 1948: Amateurdetektiv Easy Rawlins soll Daphne finden. Aber Daphne hat es faustdick hinter den Ohren.

Franklins gelungene Verfilmung von Mosley Debütroman. „Teufel in Blau“ ist ein Film Noir, der seine Vorbilder aus der Schwarzen Serie immer deutlich zitiert und damit immer zum gut gemachten, aber auch langweiligem Ausstattungskino tendiert.

Während Mosley in den USA regelmäßig neue Romane (auch mit Easy Rawlins) veröffentlich, sind die deutschen Verlage wieder ausgestiegen.

Mit Denzel Washington, Tom Sizemore, Jennifer Beals, Don Cheadle

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Teufel in Blau“

Wikipedia über „Teufel in Blau“ (deutsch, englisch)

Thrilling Detective über Easy Rawlins

Homepage von Walter Mosley

Meine Besprechung von Walter Mosleys Kurzroman „Archibald Lawless: Freier Anarchist“ in Ed McBains „Die hohe Kunst des Mordens“ (Transgressions, 2005)


TV-Tipp für den 3. Juli: Mr. Holmes

Juli 2, 2019

Arte, 20.15

Mr. Holmes (Mr. Holmes, Großbritannien 2015)

Regie: Bill Condon

Drehbuch: Jeffrey Hatcher

LV: Mitch Cullin: A slight trick of the mind, 2005 (Neuausgabe als „Mr. Holmes“)

TV-Premiere: Sherlock Holmes, inzwischen ein alter Tattergreis, löst seinen letzten Fall.

Überzeugendes, auf mehreren Ebenen spielendes Schauspielerkino, das daran krankt, dass der Protagonist Sherlock Holmes sein soll und dass der Fall ziemlich durchschaubar ist. So durchschaubar, dass der echte Sherlock Holmes ihn innerhalb einer Mikrosekunde gelöst hätte.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Ian McKellen, Laura Linney, Milo Parker, Hiroyuki Sanada, Hattie Morahan, Patrick Kennedy, Nicholas Rowe

Wiederholung: Freitag, 5. Juli, 13.40 Uhr

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Mr. Holmes“

Metacritic über „Mr. Holmes“

Rotten Tomatoes über „Mr. Holmes“

Wikipedia über „Mr. Holmes“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Bill Condons „Inside Wikileaks – Die fünfte Gewalt“ (Inside Wikileaks, USA 2013)

Meine Besprechung von Bill Condons „Mr. Holmes“ (Mr. Holmes, Großbritannien 2015)

Meine Besprechung von Bill Condons „Die Schöne und das Biest“ (Beauty and the Beast, USA 2016)

Homepage von Sir Arthur Conan Doyle (Erben)

Krimi-Couch über Sir Arthur Conan Doyle

Kirjasto über Sir Arthur Conan Doyle

Wikipedia über Sir Arthur Conan Doyle (deutsch, englisch)

Sherlockian.net (Einstiegsseite mit vielen Links)

Facebook-Seite der deutschen Sherlock-Holmes-Gesellschaft

Thrilling Detective über Sherlock Holmes

Meine Besprechung von Arthur Conan Doyles “Sherlock Holmes Geschichten”, “Sherlock Holmes Kriminalgeschichten” und “The Adventures of Sherlock Holmes” (und hier eine Auflistung der in diesen Werken enthaltenen Geschichten)

Meine Besprechung von Arthur Conan Doyles „Sherlock Holmes – Seine Abschiedsvorstellung“ (His last Bow, 1917)

Meine Besprechung von Anthony Horowitz‘ „Das Geheimnis des weißen Bandes“ (The House of Silk, 2011)

Meine Besprechung von Anthony Horowitz‘ „Der Fall Moriarty“ (Moriarty, 2014)

Meine Besprechung von Mattias Boströms „Von Mr. Holmes zu Sherlock“ (Fran Holmes till Sherlock, 2013)

Meine Besprechung von Ian Edginton (Autor)/Davide Fabbris (Zeichner): Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Zombies! (Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Zombies, 2010)

Meine Besprechung von Ian Edginton (Autor)/Horacio Domingues/Davide Fabbris (Zeichner) „Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Dracula“ (Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Jekyll/Hyde; Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Dracula, 2010/2011)

Meine Besprechung von „Sherlock: Ein Fall von Pink“ (A Study in Pink, GB 2010)

Meine Besprechung von „Sherlock: Eine Legende kehrt zurück – Staffel 1“ (Sherlock, GB 2010)

Meine Besprechung von “Sherlock: Eine Legende kehrt zurück -Staffel 2″ (Sherlock, GB 2012)

Meine Besprechung von „Sherlock – Staffel 3“ (Sherlock, GB 2014)

Meine Besprechung von „Sherlock: Die Braut des Grauens“ (Sherlock: The Abominable Bride, Großbritannien 2016)

Mein Hinweis auf „“Sherlock: Eine Legende kehrt zurück – Staffel 4“ (Sherlock, GB 2017)

Meine Besprechung von “Sherlock: Ein Skandal in Belgravia” (A Scandal in Belgravia, GB 2012)

Meine Besprechung von Guy Ritchies „Sherlock Holmes: Spiel im Schatten“ (Sherlock Holmes: A Game of Shadows, USA 2011)

Sherlock Holmes in der Kriminalakte


Cover der Woche

Juli 2, 2019


TV-Tipp für den 2. Juli: Die beste aller Welten

Juli 1, 2019

ARD, 22.45

Die beste aller Welten (Österreich/Deutschland 2017)

Regie: Adrian Goiginger

Drehbuch: Adrian Goiginger

Starkes autobiographisches Drama über einen Jungen und seine drogensüchtige Mutter, die ihn in einer Sozialsiedlung am Stadtrand von Salzburg groß zieht. Sie sind arm. Aber sind sie auch glücklich?

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Verena Altenberger, Jeremy Miliker, Lukas Miko, Michael Pink, Reinhold G. Moritz, Philipp Stix, Georg Veitl

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Die beste aller Welten“

Moviepilot über „Die beste aller Welten“

Rotten Tomatoes über „Die beste aller Welten“

Wikipedia über „Die beste aller Welten“

Berlinale über „Die beste aller Welten“

Meine Besprechung von Adrian Goigingers „Die beste aller Welten“ (Österreich/Deutschland 2017)


Wie „Die Zauberlehrlinge“ einen Rechtsbruch herbeifantasierten

Juli 1, 2019

Der Untertitel „Der Streit um die Flüchtlingspolitik und der Mythos vom Rechtsbruch“ beschreibt ziemlich genau den Inhalt von Stephan Detjen und Maximilian Steinbeis‘ lesenswertem Sachbuch „Die Zauberlehrlinge“. Detjen, Chefkorrespondent des Deutschlandfunk, und Steinbeis, Gründer und Chefredakteur des „verfassungsblog.de“, zeichnen detailliert die Geschichte vom behaupteten Rechtsbruch und der „Herrschaft des Unrechts“ nach. Danach habe Angela Merkels Beschluss die Grenzen für Flüchtlinge zu öffnen zu einer „Herrschaft des Unrechts“ geführt. Diese zuerst von Horst Seehofer als Appetitanreger für das jährliche CSU-Aschermittwochsdrama ins Gespräch gebrachte Behauptung entwickelte schnell ein Eigenleben. Besonders die AfD, ihr Umfeld und konservative Staatsrechtler rezipierten sie eifrig, während die Bundesregierung eisern schwieg. Dabei – und das zeichnet „Die Zauberlehrlinge“ detailliert nach – hätten hier einige klärende Worte die falsche Behauptung schnell widerlegen können.

Denn, so Detjen und Seinbeis: „Die Flüchtlinge waren nicht aufgrund irgendeiner besonderen Anordnung nicht nach Österreich zurückgeschickt worden, sondern weil dies in den Augen der Verantwortlichen das europarechtlich korrekte Vorgehen war. Nicht das deutsche Asylgesetz mit seinem § 8 war die Norm, die in dieser Konstellation zur Anwendung kam, sondern die Dublin-III-Verordnung, die im Konfliktfall als vorrangiges Europarecht das nationale Recht verdrängt.“

Letztendlich beruht, wie die beiden Autoren ausführlich und nachvollziehbar begründen, das Gerede vom Rechtsbruch auf einer konsequenten Missachtung von europäischem und internationalem Recht. Außerdem wird in diesen Kreisen das deutsche Volk als eine Blutsgemeinschaft gesehen. In fast allen anderen Ländern besteht dagegen das Staatsvolk aus den auf dem Staatsgebiet geborenen Menschen.

Interessant sind in „Die Zauberlehrlinge“ vor allem die Teile, in denen sie die Ereignisse im Sommer 2015 und den folgenden Monaten chronologisch nachzeichnen und sie einen Einblick in die Gemeinschaft der deutschen Rechtsgelehrten geben. Vor allem die Staatsrechtler, vor allem wenn sie schon etwas älter sind, sind eine konservative bis sehr konservative Gemeinschaft, die eine Lesart des Verfassungsrechts hat, das sich deutlich von anderen Ländern unterscheidet. Oder anders formuliert: sie nehmen am internationalen Diskurs nicht teil.

Detjen und Steinbeis zeichnen den damaligen Diskurs nach, der dazu führte, dass nationalpopulistische Meinungen hoffähig wurden.

Auch wenn Detjen und Steinbeis einen Teil der Schuld bei den Medien sehen, die entsprechend der Aufmerksamkeitsökonomie berichteten und die schon lange keine auch nur halbwegs tiefschürenden juristischen Analysen und Diskurse initiieren und moderieren, liegt die größte Schuld bei der Regierung. Die CDU erklärte und verteidigte ihre Politik nicht, sondern schwieg und erging sich anschließend in nebulösen Erklärungen. Die CSU spielte, mal wieder, Opposition in der Regierung. So verfestigte sie den Eindruck, dass es einen Rechtsbruch und eine „Herrschaft des Unrechts“ gegeben habe.

Die hat es allerdings nie gegeben.

Detjen und Steinbeis erklären das sehr schlüssig in ihrem Sachbuch, das auch einen gelungenen Einblick in die Kaste der Staatsrechtler liefert.

Stephan Detjen/Maximilian Steinbeis: Die Zauberlehrlinge – Der Streit um die Flüchtlingspolitik und der Mythos vom Rechtsbruch

Klett-Cotta, 2019

272 Seiten

18 Euro

–

Hinweise

Verfassungsblog

Perlentaucher über „Die Zauberlehrlinge“ (aktuell noch keine Rezensionsnotiz)

Verfassungsblog: Prof. Dr. Daniel Thym: Der Rechtsbruch-Mythos und wie man ihn widerlegt (juristisch argumentiert)


TV-Tipp für den 1. Juli: Time of the Gypsies

Juli 1, 2019

Arte, 21.45

Time of the Gypsies (Dom za vešanje, Jugoslawien 1989)

Regie: Emir Kusturica

Drehbuch: Emir Kusturica, Gordan Mihic

Waisenjunge Perhan wächst in einem jugoslawischen Roma-Dorf auf. Als er Azra heiraten will, lehnt ihre Mutter die Heirat mit dem unehelichen Perhan ab. Also bricht er mit dem Bandenchef Ahmed nach Mailand auf, um dort zu Geld zu kommen.

„Unvergessliche Bilder, gezeichnet von stürmischer Dynamik und zarter Intimität, voll traumhafter Magie und unverblümtem Realismus, prägen diese barocke Zigeunerballade. Kusturica entwickelt einen persönlichen Stil, der allenfalls Vergleiche mit den literarischen Meistern des lateinamerikanischen magischen Realismus zulässt.“ (Fischer Film Almanach 1992)

Für das hochgelobte, seit Ewigkeiten nicht mehr gezeigte Drama erhielt Emir Kusturica in Cannes den Preis für die beste Regie. Danach drehte er „Arizona Dream“, „Underground“ und „Schwarze Katze, weißer Kater“.

Mit Davor Dujmović, Bora Todorović, Ljubica Adzović, Husnija Hasimović, Sinolička Trpkova, Zabit Memedov, Elvira Sali

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Time of the Gypsies“

Wikipedia über „Time of the Gypsies“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Emir Kusturicas „On the Milky Road“ (Na mliječnom putu/On the Milky Road, Serbien/Großbritannien/USA 2016)


TV-Tipp für den 30. Juni: James Bond: Stirb an einem anderen Tag

Juni 29, 2019

RTL, 22.00

James Bond: Stirb an einem anderen Tag (Die another day, USA/Großbritannien 2002)

Regie: Lee Tamahori

Drehbuch: Neal Purvis, Robert Wade

LV: Charakter von Ian Fleming

Buch zum Film: Raymond Benson: Die Another Day, 2002

Nachdem James Bond kurzzeitig von M gefeuert wird, darf er wieder die Welt retten. Aktuelle Schauplätze sind Nordkorea, Hongkong, Kuba, London und Island.

Vierter und letzter Bond-Film mit Pierce Brosnan, der sich nicht sonderlich von den vorherigen unterscheidet: kurzweiliges Popcornkino für die ganze Familie.

Mit Pierce Brosnan, Halle Berry, Rick Yune, Judi Dench, John Cleese, Toby Stephens, Michael Madsen, Rosamund Pike, Michael G. Wilson, Madonna

Hinweise

Rotten Tomatoes über “James Bond: Stirb an einem anderen Tag”

Wikipedia über “James Bond: Stirb an einem anderen Tag” (deutsch, englisch)

Homepage von Ian Fleming

Meine Besprechung von Ian Flemings ersten drei James-Bond-Romanen “Casino Royale”, “Leben und sterben lassen” und “Moonraker”

Meine Besprechung von John Gardners “James Bond – Kernschmelze” (James Bond – Licence Renewed, 1981; alter deutscher Titel “Countdown für die Ewigkeit”)

Meine Besprechung von John Gardners „James Bond – Der Mann von Barbarossa“ (James Bond – The Man from Barbarossa, 1991)

Meine Besprechung von Sebastian Faulks’ James-Bond-Roman „Der Tod ist nur der Anfang“ (Devil may care, 2008)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers James-Bond-Roman “Carte Blanche” (Carte Blanche, 2011)

Meine Besprechung von William Boyds James-Bond-Roman “Solo” (Solo, 2013)

Meine Besprechung von Anthony Horowitz’ “James Bond: Trigger Mortis – Der Finger Gottes” (James Bond: Trigger Mortis, 2015)

Meine Besprechung der TV-Miniserie „Fleming – Der Mann, der Bond wurde“ (Fleming, Großbritannien 2014)

Meine Besprechung von Sam Mendes’ James-Bond-Films „Skyfall“ (Skyfall, GB/USA 2012)

Meine Besprechung von Sam Mendes’ James-Bond-Film “Spectre” (Spectre, USA/GB 2015)

James Bond in der Kriminalakte

Ian Fleming in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Lee Tamahoris „Mahana – Eine Maori-Saga“ (Mahana, Neuseeland/Australien 2016)


TV-Tipp für den 29. Juni: Erin Brockovich

Juni 28, 2019

Vox, 20.15

Erin Brockovich – Eine wahre Geschichte (Erin Brockovich, USA 1999)

Regie: Steven Soderbergh

Drehbuch: Susannah Grant

Erin Brockovich ist eine wandelnde Katastrophe: keine Ausbildung, drei Kinder, alleinerziehend, quasi pleite, nicht auf den Mund gefallen und mit Kleidungsvorstellungen, die nicht eine Anwaltskanzlei passen. Dennoch hilft sie in der Kanzlei von Ed Masry aus und stößt zufällig auf einen Umweltskandal, in den sie sich verbeißt. Der Fall wird zu einem der größten Schadenersatzprozesse der USA.

Auf einem wahren Fall beruhende, märchenhafte David-gegen-Goliath-Geschichte, die Soderbergh locker-leicht inszenierte. Er landete damit einen Kassen- und Kritikererfolg.

„Soderbergh (…) gibt einem jedenfalls den Glauben an Hollywood wieder. Als ich das Kino verließ, dachte ich: It’s a wonderful life!“ (Hans Schifferle, Schnitt 2/2000)

Julia Roberts erhielt einen Oscar als beste Hauptdarstellerin. Außerdem war der Film in den Kategorien „Bester Film“, „Beste Regie“, „Bestes Drehbuch“ und „Bester Nebendarsteller“ (Albert Finney) nominiert.

Außerdem war Susannah Grants Drehbuch für den Edgar Allan Poe Award und den Preis der Writers Guild of America nominiert.

mit Julia Roberts, Albert Finney, Aaron Eckhart, Marg Helgenberger, Cherry Jones, Peter Coyote, Erin Brockovich (Cameo als Kellnerin)

Wiederholung: Sonntag, 30. Juni, 14.30 Uhr

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Erin Brockovich“

Wikipedia über „Erin Brockovich“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Girlfriend Experience – Aus dem Leben eines Luxus-Callgirls” (The Girlfriend Experience, USA 2009)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Contagion“ (Contagion, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Haywire” (Haywire, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Magic Mike” (Magic Mike, USA 2012)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Side Effects – Tödliche Nebenwirkungen“ (Side Effects, USA 2013)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Liberace – Zu viel des Guten ist wundervoll (Behind the Candelabra, USA 2013)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Logan Lucky“ (Logan Lucky, USA 2017) und der DVD

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Unsane: Ausgeliefert“ (Unsane, USA 2018)

Steven Soderbergh in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 28. Juni: Taxi Driver

Juni 28, 2019

3sat, 22.25

Taxi Driver (Taxi Driver, USA 1976)

Regie: Martin Scorsese

Drehbuch: Paul Schrader

Taxifahrer Travis Bickle nimmt das Gesetz in die eigene Hand.

Das bekannteste Werk des Teams Scorsese/Schrader, einer von De Niros bekanntesten Filmen und die letzte Arbeit von Hitchcock-Komponist Bernard Herrmann. „Taxi Driver“ ist die eindrucksvolle Studie eines soziopathischen Einzelgängers und eine Liebeserklärung an New York. Ein unumstrittener Klassiker

mit Robert De Niro, Jodie Foster, Cybill Shepherd, Peter Boyle, Harvey Keitel, Leonard Harris, Albert Brooks, Martin Scorsese (Mann im Taxi am Filmende)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Taxi Driver“

Wikipedia über „Taxi Driver“ (deutsch, englisch)

Martin-Scorses-Fanseite

Meine Besprechung von Martin Scorseses “Hugo Cabret” (Hugo, USA 2011)

Meine Besprechung von Martin Scorseses „The Wolf of Wall Street“ (The Wolf of Wall Street, USA 2013) und ein Infodump dazu

Meine Besprechung von Martin Scorseses „Silence“ (Silence, USA 2016)

Martin Scorsese in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: „Ein Becken voller Männer“ und eine Meisterschaft im Synchronschwimmen

Juni 27, 2019

Habe ich den Film nicht schon einmal gesehen? Und ist es nicht, wieder einmal, „Ganz oder gar nicht“ unter Synchronschwimmern?

Irgendwie schon. „Ein Becken voller Männer“ erzählt die Geschichte von Bertrand (Mathieu Amalric), der an einer ausgewachsenen Midlife Crisis leidet. Er ist seit Ewigkeiten arbeitslos, schluckt Antidepressiva und hängt meistens deprimiert und antriebslos in der Wohnung herum. Niemand will etwas von ihm und niemand möchte ihm einen Job geben. Immerhin liebt ihn seine Frau.

Eines Tages entdeckt er einen Zettel, mit dem eine Synchronschwimmer-Gruppe nach neuen Mitgliedern sucht. Irgendetwas spricht ihn an und er wird Mitglied der städtischen Synchronschwimmer-Mannschaft. Sie besteht aus mittelalten Männern, die sich zwar redlich, aber glücklos bemühen, so etwas wie eine stimmige Performance zu kreieren. Trotzdem entschließen sie sich, an einer Meisterschaft teilzunehmen.

Davor müssen sie, was sie bis jetzt nicht taten, zielstrebig trainieren. Denn bis zu der Schnapsidee mit der Teilnahme an der Weltmeisterschaft waren die Treffen zum Synchronschwimmen für sie eine angenehm ambitionslose Ersatzfamilie, in der sie sich vorbehaltlos akzeptierten und über bestimmte Dinge nicht gesprochen wurde. Denn sie sind alle an ihren hochfliegenden Träumen gescheitert. So sieht der eine sich immer noch als erfolgreichen Unternehmer, während er ständig Ärger mit der Bank hat. Der andere träumt immer noch von einer Karriere als Rockmusiker, während er in einer Kantine arbeitet und in einem Wohnwagen lebt.

Diese Synchronschwimmermannschaft wird unter anderem von Mathieu Amalric, Guilaume Canet, Benoit Poelvoorde und Jean-Hugues Anglade gespielt. Und allein diese hochkarätige Besetzung ist einen Blick wert.

Die ordentlich flott erzählte Geschichte nimmt sich viel Zeit für ihre Charaktere. Sie bewegt sich dabei, mehr dramatisch und melancholisch als witzig, in den etablierten Bahnen zum Finale. Bei dem erstaunt dann vor allem die Leistung der Provinz-Synchronschwimmer-Mannschaft, die wir bis dahin ins Herz geschlossen haben und die sich bis dahin kaum über Wasser halten konnte. In diesem Moment wachsen sie, angesichts der ihnen haushoch überlegenen Konkurrenz, über sich hinaus.

Der Feelgood-Ensemblefilm „Ein Becken voller Männer“ ist das Solo-Regiedebüt von Gilles Lellouche. Er war Co-Regisseur und Autor von „Die wunderbare Welt des Gustave Klopp“ und „Männer und die Frauen“. Außerdem ist er Schauspieler. In den Krimis „Der Unbestechliche – Mörderisches Marseille“ und „Point Blank – Aus kurzer Distanz“ (der Film erhält gerade ein US-Remake) übernahm er Hauptrollen.

Angesichts der derzeitigen Temperaturen ist „Ein Becken voller Männer“ besonders empfehlenswert. Immerhin entführen diese schwimmenden Männer einen über zwei Stunden in einen dunklen, angenehm kühlen Saal.

Ein Becken voller Männer (Le grand bain, Frankreich 2018)

Regie: Gilles Lellouche

Drehbuch: Gilles Lellouche, Ahmed Mamidi, Julien Lamroschini

mit Mathieu Amalric, Guilaume Canet, Benoit Poelvoorde, Jean-Hugues Anglade, Virginia Efira, Leila Bekhti, Marina Fois, Philippe Katerine, Félix Moati, Alban Ivanov

Länge: 122 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

–

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Ein Becken voller Männer“

AlloCiné über „Ein Becken voller Männer“

Rotten Tomatoes über „Ein Becken voller Männer“

Wikipedia über „Ein Becken voller Männer“ (französisch, englisch)