TV-Tipp für den 4. August: American Gangster

August 3, 2018

ZDF, 23.00

American Gangster (American Gangster, USA 2007)

Regie: Ridley Scott

Drehbuch: Steven Zaillian

LV: Mark Jacobson: The Return of Superfly (Reportage, New York Magazine, August 2000)

Biopic über den Aufstieg und Fall des Drogenbarons Frank Lucas in Harlem in den frühen Siebzigern.

Das Zeitkolorit ist toll, weniger toll ist, dass Denzel Washington als Drogenhändler Frank Lucas und Russell Crowe als den ihn jagenden Detective Richie Roberts erst am Ende eine gemeinsame Szene haben. Davor bekommen wir zwei Filme präsentiert: einen tollen Gangsterfilm (so als Best-of-Gangsterfilm), einen weniger tollen Polizeifilm und insgesamt einen doch ziemlich durchschnittlichen Film, der sich nie entscheiden kann welche Geschichte er erzählen soll und er deshalb in deutlich über zwei Stunden (Hey, früher gab’s für die Spielzeit auch zwei Filme) beide Geschichten erzählt. Das kommt dabei heraus, wenn man zwei Stars hat, die auf ihrer Filmzeit bestehen. Vielleicht hätte Ridley Scott Val Kilmer für die Rolle des Polizisten anfragen sollen.

mit Denzel Washington, Russell Crowe, Cuba Gooding jr., Josh Brolin, RZA, John Ortiz, Ted Levine, Chiwetel Eliofor, Armand Assante, Carla Gugino

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „American Gangster“

Rotten Tomatoes über „American Gangster“

Wikipedia über „American Gangster“ (deutsch, englisch)

Drehbuch „American Gangster“ von Steven Zaillian

Meine Besprechung von Ridley Scotts “Prometheus” (Prometheus, USA 2012)

Meine Besprechung von Ridley Scotts “Exodus – Götter und Könige (Exodus – Gods and Kings, USA 2014)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Der Marsianer – Rettet Mark Watney“ (The Martian, USA 2015)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Alien: Covenant“ (Alien: Covenant, USA 2017)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Alles Geld der Welt“ (All the Money in the World, USA 2017)

Ridley Scott in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: „Grenzenlos“ – Ein Film von Wim Wenders

August 3, 2018

Wenige Wochen nach seinem nicht unproblematischem, aber insgesamt von der Kritik abgefeiertem Papst-Porträt „Papst Franziskus – Ein Mann seines Wortes“ kehrt Wim Wenders mit „Grenzenlos“ wieder zum Spielfilm zurück. Seine Premiere hatte der Film bereits am 10. September 2017 beim Toronto International Film Festival und die Kritiker waren nicht entzückt.

Wenn man sich den Film anseht, versteht man schnell warum. Die sich sehr langsam herausschälende Geschichte besteht aus drei Erzählsträngen und zwei Zeitebenen. In einem Nobelhotel in der Normandie begegnen sich Danielle Finders (Alicia Vikander) und James More (James McAvoy). Sie ist eine Biomathematikerin, die an einem Tiefsee-Tauchprojekt mitarbeitet. Er behauptet, ein Entwicklungshelfer zu sein. In Wirklichkeit ist er ein Geheimagent. Sie verlieben sich ineinander und wissen schnell, dass sie die Liebe ihres Lebens gefunden haben.

Nach dem Hotelaufenthalt trennen sich ihre Wege. Sie fährt Richtung Norden, um an dem Forschungsprojekt teilzunehmen, das ihre Theorie über den Ursprung des Lebens beweisen soll. Dabei muss sie in der Grönlandsee in ungeahnte Tiefen tauchen. Er fliegt Richtung Süden. In Somalia soll er ein Islamistenlager, in dem Selbstmordattentäter ausgebildet werden, finden. Am Filmanfang vegetiert er allerdings in einem Gefängnis vor sich hin und kämpft um jeden Tropfen Wasser.

Sie erreicht ihn nicht und fragt sich, ob er sie noch liebt. Sie kämpft dabei um nicht beantwortete Nachrichten und einen fehlenden Smartphone-Empfang. Auf den Gedanken, dass er gerade keine Zeit oder Möglichkeit hat, ihr zu antworten, kommt sie nicht.

Diese Geschichte erzählt Wenders, wie gesagt, indem er zwischen Gegenwart und Vergangenheit, zwischen Danielles und James‘ Geschichte hin- und herspringt, ohne dass daraus irgendeine produktive Reibung entsteht. Es wirkt immer wie eine verkopfte Konstruktion, die langweiliger Edelkitsch ohne tiefere Einsichten und Emotionen ist. Das wird auch nicht von den beiden Hauptdarstellern gerettet. Beide spielen unter ihrem Niveau.

Alicia Vikander, die für „The Danish Girl“ einen Oscar erhielt und zuletzt „Tomb Raider“ war, blickt durchgehend erschreckend emotionslos in die Kamera. Da überzeugt nichts. Sogar ein Fotomodell aus einem Werbekatalog hat mehr Tiefe.

James McAvoy („Drecksau“, „Split“ und Charles Xavier in mehreren „X-Men“-Filmen) blickt ähnlich emotionslos in die Kamera. Aber er spielt einen Geheimagenten, der berufsbedingt keine Emotionen zeigen darf. Dank seiner schieren Präsenz, gibt er erfolgreich seine Bewerbungsmappe für den übernächsten James-Bond-Film (wenn Daniel Craig nur noch einmal 007 spielt) ab.

Grenzenlos“ ist vielleicht nicht der schlechtester Film von Wim Wenders. Aber es ist in jedem Fall einer seiner misslungensten Filme und meilenweit weg von der Qualität seiner besten Filme, wie „Im Lauf der Zeit“, „Paris, Texas“ und „Der Himmel über Berlin“.

Am Ende bleibt nur ein verwegener Gedanke: Was hätte Werner Herzog aus dieser Geschichte für einen Film gemacht? Vielleicht keinen besseren (was schwer vorstellbar ist), aber in jedem Fall einen unterhaltsameren.

Grenzenlos (Submergence, USA 2017)

Regie: Wim Wenders

Drehbuch: Erin Dignam

LV: J. M. Ledgard: Submergence, 2013

mit James McAvoy, Alicia Vikander, Alexander Siddig, Celyn Jones, Reda Kateb, Hakeemshady Mohamed

Länge: 113 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Grenzenlos“

Metacritic über „Grenzenlos“

Rotten Tomatoes über „Grenzenlos“

Wikipedia über „Grenzenlos“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Wim Wenders’ “Hammett” (Hammett, USA 1982)

Meine Besprechung von Wim Wenders/Juliano Ribeiro Salgados “Das Salz der Erde” (The Salt of the Earth, Frankreich/Deutschland 2013)

Meine Besprechung von Wim Wenders‘ „Every thing will be fine“ (Deutschland/Kanada/Norwegen/Schweden 2015)

Meine Besprechung von Wim Wenders‘ „Die schönen Tage von Aranjuez“ (Les beaux jours d‘ Aranjuez, Deutschland/Frankreich 2016)

Meine Besprechung von Wim Wenders‘ „Papst Franziskus – Ein Mann seines Wortes“ (Pope Francis: A Man of his Word, Deutschland 2018)

Wim Wenders in der Kriminalakte

Homepage von Wim Wenders

 


TV-Tipp für den 3. August: Krieg in London – The Crime

August 2, 2018

3sat, 23.50

Krieg in London – The Crime (The Sweeney, Großbritannien 2012)

Regie: Nick Love

Drehbuch: Nick Love, John Hodge

Jack Regan (Ray Winstone) ist der Anführer einer kleinen Spezialeinheit der Londoner Polizei, die Verbrecher mit archaischen Methoden jagt und Bürgerrechte wahrscheinlich noch nicht einmal buchstabieren kann. Aber jetzt laufen interne Ermittlungen gegen sie und eine Verbrecherbande, angeführt von einem vermögendem Safeknacker, plant einige Überfälle.

In England hieß der Film, weil er auf einer dort kultigen, hier fast unbekannten TV-Serie basiert, „The Sweeney“. Bei uns hieß Nick Loves brachialer Polizeithriller dann „The Crime“, weil das so ein richtig deutscher Titel ist, der alles und nichts sagt. Im Fernsehen heißt er jetzt „Krieg in London – The Crime“, was genausoviel über den Film verrät, der ein herrlich altmodischer Actionthriller und ein Abgesang an „die gute alte Zeit der Verbrechensbekämpfung“ ist, als der Unterschied zwischen Verbrechern und Polizisten die Dienstmarke war.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Ray Winstone, Ben Drew, Hayley Atwell, Steven Mackintosh, Paul Anderson, Alan Ford, Damian Lewis

Hinweise

Deutsche Facebook-Seite zum Film

Film-Zeit über „The Crime“

Metacritic über „The Crime“

Rotten Tomatoes über „The Crime“

Wikipedia über „The Crime“

Meine Besprechung von Nick Loves „The Crime“ (The Sweeney, Großbritannien 2012)


Neu im Kino/Filmkritik: Keanu Reeves und Winona Ryder haben eine „Destination Wedding“

August 2, 2018

Nachdem Keanu Reeves zuletzt als John Wick hemmungslos böse Buben tötete, dachte nicht nur ich bei dem Titel seines neuen Films „Destination Wedding“ an den weltbekannten Berliner Stadtteil: den roten Wedding.

Mit diesem Wedding hat „Destination Wedding“ nichts zu tun. Sondern mit dem Wedding, das wir aus Filmen wie „Wedding Planer“, „My big fat greek Wedding“ oder „Mike and Dave need Wedding Dates“ kennen. Es geht um eine Hochzeit zu er Frank (Keanu Reeves) und Lindsay (Winona Ryder) eingeladen sind. Sie lernen sich auf dem Weg zu einer Hochzeit in einem Weingut im kalifornischen Paso Robles kennen. Der Bräutigam ist der Halbbruder von Frank und der Ex-Verlobte von Lindsay. Beide fliegen nur aus Pflichtgefühl zu den an einem Wochenende stattfindenden Heiratsfeierlichkeiten. Schon auf dem Flughafen, wenn er sich unauffällig vordrängeln will, zicken sie sich an. Während des Fluges in einem kleinen Flugzeug pflegen sie diese gegenseitige Abneigung weiter und in der Ferienanlage haben sie, perfekt für den weiteren Verlauf der Geschichte, nebeneinander liegende Zimmer.

Bei den Feierlichkeiten sind sie auch oft zusammen. Mal notgedrungen, weil sie an den selben Tisch gesetzt wurden. Mal freiwillig, weil sie die anderen Gäste nicht kennen und nichts mit ihnen zu tun haben wollen. Schließlich haben sie ja schon einige Gemeinsamkeiten entdeckt.

Victor Levin ist vor allem als Autor und Produzent von TV-Serien wie „Mad Men“ und Verrückt nach dir“(Mad about you) bekannt. In seinen zweiten Spielfilm „Destination Wedding“ bringt er Keanu Reeves und Winona Ryder zum vierten Mal vor der Kamera zusammen. Ihr erster gemeinsamer Film war „Bram Stokers Dracula“ (1992). Danach folgten „A Scanner Darkly – Der dunkle Schirm“ (2006) und „Pippa Lee“ (2009).

Levin inszenierte seine beiden Darsteller fast ausschließlich in langen Szenen in Totalen und Halbtotalen, in denen sie sich kaum bewegen. Damit ist der Film einerseits, wie ein abgefilmtes Theaterstück, vollkommen unfilmisch und andererseits ein Film für das Kino. Denn auf dem kleinen Bildschirm sieht man die beiden Schauspieler fast nicht. Andere Schauspieler sind fast nicht zu sehen und, wenn doch, haben sie keinen Dialog. Dieser Kniff betont die Distanz zwischen unserem Notpaar Lindsay und Frank und den anderen Hochzeitsgästen. Sie haben sich nichts zu sagen. Und das gilt sogar für die in den USA allgegenwärtigen Höflichkeitsfloskeln, die in diesem Fall nicht ausgetauscht werden.

Dafür reden Lindsay und Frank pausenlos miteinander, manchmal um sich Gemeinheiten zu sagen, manchmal um über die anderen Gäste und die furchtbaren Abläufe eines streng durchchoreographierten Hochzeitswochenendes zu lästern. Sie sind das fünfte Rad am Wagen. Sie wissen das und haben es für diese Veranstaltung akzeptiert.

Das Deadpan-Spiel von Reeves und Ryder trägt zur entspannten Atmosphäre des Films bei. Es ist ein Wochenende, an dem fast nichts passiert und man sich elendig langweilt. Wenn man nicht einen Sparringpartner zum gemeinsamen Ablästern findet.

Der sehr sympathische kleine Film „Destination Wedding“ ist die Slacker-Version einer Romantic-Comedy, die sich kaum bemüht, die Standards einzuhalten. Jedenfalls nicht mehr, als Frank und Lindsay ihrer Rolle als enthusiastische Hochzeitsgäste gerecht werden.

Destination Wedding (Destination Wedding, USA 2018

Regie: Victor Levin

Drehbuch: Victor Levin

mit Keanu Reeves, Winona Ryder

Länge: 86 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Destination Wedding“

Metacritic über „Destination Wedding“

Rotten Tomatoes über „Destination Wedding“

Wikipedia über „Destination Wedding“ (deutsch, englisch)

Weil es ja nicht nur auf die Dialoge, sondern auch auf die Präsentation ankommt: der Originaltrailer


Neu im Kino/Filmkritik: „Mission: Impossible – Fallout“ überzeugt

August 2, 2018

Einerseits: Wow!

Andererseits: Angesichts des überschwänglichen Kritikerlobs in Richtung „bester Actionfilm des Jahres“ und des 97-prozentigen Frischegrades bei „Rotten Tomatoes“ muss ich jetzt die Erwartungen dämpfen. „Mission: Impossible – Fallout“ ist kein das Genre verändernder Film und auch kein künftiger Klassiker. Aber es ist eine zweieinhalbstündige Actionsause, in der sich, fast ohne Verschnaufpausen, eine spektakuläre Actionszene an die nächste spektakuläre Actionszene anschließt. Diese Actionszenen sind in der alten James-Bond-Tradition zwar unglaublich und unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich. Das unterscheidet sie von den Actionszenen in den unzähligen Superheldenfilmen, die nur mit viel Computerhilfe entstehen können und die deshalb letztendlich auch nicht so beeindruckend wie handgemachte Actionszenen sind. Die beiden „John Wick“-Filme und „Atomic Blonde“ zeigten in den letzten Jahren den Hunger der Actionfans nach solchen Old-School-Actionszenen.

Ein zweiter sehr wichtiger Unterschied zur Action in Superheldenfilmen ist, dass Tom Cruise die Stunts selbst macht. Soweit wie möglich. Er kann sich da, wie ein Kind im Wunderland, austoben. Er darf all die Dinge machen, die ein normaler Mensch nicht machen darf, wie durch Paris zu rasen, über Dächer laufen, an Hubschraubern hängen, Hubschrauber durch Berge fliegen und aus Flugzeugen zu springen. Für diese HALO-Sprung aus über 8000 Meter Höhe wurde ein besonderer Helm entworfen, damit man sieht, dass er und nicht irgendein Stuntman durch die Luft fliegt. Manchmal geht auch etwas schief, wie bei dem Sprung in London, bei dem Cruise sich den Knöchel brach. Die ungeschnittene Szene ist inzwischen online. Geplant war, dass er läuft, zum gegenüberliegenden Haus springt, gegen die Hauswand prallt (Autsch!), sich hochzieht und weiterläuft.

Regisseur Christopher McQuarrie sagt zu den Stunts: „Tom ist immer bereit, bei allem mitzumachen, was wir uns einfallen lassen. Man muss nur immer zusätzlich noch einen Weg finden, die Kameras so zu platzieren, dass man sieht, dass es tatsächlich der Star des Films ist, der diese Stunts absolviert.“

Und die Action ist kein Selbstzweck. Sie ist ein Teil der Handlung. Sie treibt die Geschichte voran, die in ihren großen Linien nicht so wahnsinnig aufregend ist. Hunt muss gestohlenes Plutonium finden, bevor es in die Hände von einer Terrorgruppe fällt. Die brauchen es für drei Atombomben, die einen großen Teil der Menschheit vernichten sollen. Das ist ein typischer „Mission: Impossible“/“James Bond“-Plot, bei dem meistens auch schnell die Bösewichter und ihre Helfer bekannt sind. In diesem Fall steckt der aus dem vorherigen „Mission: Impossible“-Film „Rogue Nation“ bekannte Solomon Lane (Sean Harris) dahinter.

Aber in den Details wird dieser Plot sehr interessant ausgemalt. Gleichzeitig gibt es einige Verbindungen zu den früheren „Mission: Impossible“-Filmen, die das Herz des fanatischen Fans erfreuen, ohne dass das Verständnis des aktuellen Films darunter leidet. So ist die Waffenhändlerin Alana, genannt „Die weiße Witwe“ (Vanessa Kirby), die Tochter der Waffenhändlerin Max (Vanessa Redgrave) aus dem ersten „Mission: Impossible“-Film. Hunts Frau Julia (Michelle Monaghan) ist wieder dabei. Ihr Auftritt ist zwar kurz, aber wichtig für diese Geschichte. Ebenso sind Luther Stickell (Ving Rhames, von Anfang an dabei), Benji Dunn (Simon Pegg), ihr Chef Alan Hunley (Alec Baldwin) und die MI6-Agentin Ilsa Faust (Rebecca Ferguson) wieder dabei. Ihre Rolle in dem Spiel ist allerdings zunächst unklar.

Es gibt auf der Seite der Guten auch zwei wichtige Neuzugänge: Erika Sloane (Angela Bassett, hoffnungslos unterfordert) ist die neue CIA-Chefin, die ein natürliches Misstrauen gegen Hunts unkontrollierbare Einheit hat. August Walker (Henry Cavill) ist der von ihr beauftragte schlagkräftige CIA-Aufpasser für Hunt und seine globetrottende Rasselbande.

Hunt lehnt die brachialen und oft letalen Methoden des CIA-Killers ab und würde den aktuellen Auftrag auch lieber ohne den Aufpasser absolvieren. Walker ist dabei von der ersten Minute an so over the top inszeniert und, wenn er Hunts Arbeit bewusst oder unbewusst sabotiert, so intrigant, dass unklar ist, ob er wirklich in Hunts Team spielt. In jedem Fall steht Hunt immer wieder wie ein von der Situation hoffnungslos überforderter Trottel da. Die Dynamik zwischen den beiden gegensätzlichen Charakteren, die notgedrungen zusammenarbeiten müssen (wobei Walker auch ordentlich gegen Hunt arbeitet) verleiht den Actionszenen eine zusätzliche Dynamik, weil sie mit Problemen anders umgehen. Und dann kommt noch Faust und Lane dazu, die ebenfalls einen anderen Umgang mit Problemen haben.

McQuarrie, der, im Gegensatz zur „Mission: Impossible“-Tradition, einen zweiten „Mission: Impossible“-Film inszenieren durfte, setzt eine andere Tradition fort, die vorher durch die Regisseure Brian De Palma, John Woo, J. J. Abrams und Brad Bird garantiert wurde. Nämlich dass sich jeder „Mission: Impossible“-Film stilistisch von dem anderen unterscheidet.

Während McQuarries erster „Mission: Impossible“-Film „Rouge Nation“ sich stilistisch bei den Bond-Filmen und den britischen Agentenfilmen bediente, geht es jetzt hemmungslos in Richtung Breitwand-Actionepos. Mit 150 Minuten ist es der längste „Mission: Impossible“-Film. Es ist auch der erste in 3D. Leider. Denn die 3D-Effekte sehen gruselig aus, nerven oft und stören die Komposition der Actionszenen so sehr, dass ich unbedingt die 2D-Fassung empfehle. Oder die IMAX-Fassung.

Wie gesagt: „Mission: Impossible – Fallout“ ist eine feine und, trotz der Laufzeit, enorm kurzweilige und effiziente Actionsause, die bei den aktuellen Temperaturen in einem gut gekühlten Kinosaal einen zusätzlichen Reiz entfaltet.

Der sich schon jetzt abzeichnende Kassenerfolg und die Möglichkeiten, die das Ende von „Fallout“ für weitere „Mission: Impossible“-Filme eröffnet, sprechen für einen weiteren „Mission: Impossible“-Film. In den USA hat der sechste Film der Serie mit über sechzig Millionen Dollar das beste Einspielergebnis der „Mission: Impossible“-Filme am Startwochenende. Und das bisherige weltweite Einspielergebnis übertrifft schon jetzt sein Budget von gut 180 Millionen Dollar..

Mission: Impossible – Fallout (Mission: Impossible – Fallout, USA 2018)

Regie: Christopher McQuarrie

Drehbuch: Christopher McQuarrie (basierend auf der TV-Serie von Bruce Geller)

mit Tom Cruise, Henry Cavill, Ving Rhames, Simon Pegg, Rebecca Ferguson, Sean Harris, Angela Bassett, Vanessa Kirby, Wes Bentley, Frederick Schmidt, Michelle Monaghan, Alec Baldwin

Länge: 148 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Facebook-Seite zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Mission: Impossible – Fallout“

Metacritic über „Mission: Impossible – Fallout“

Rotten Tomatoes über „Mission: Impossible – Fallout“

Wikipedia über „Mission: Impossible – Fallout“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Brad Birds „Mission: Impossible – Phantom Protokoll“ (Mission: Impossible – Phantom Protocoll, USA 2011)

Meine Besprechung von Christopher McQuarries „Mission: Impossible – Rogue Nation“ (Mission Impossible: Rogue Nation, USA 2015)

Meine Besprechung von Christopher McQuarries „Jack Reacher“ (Jack Reacher, USA 2012)


TV-Tipp für den 2. August: Like Father, like Son

August 2, 2018

WDR, 23.25

Like Father, like Son (Soshite chichi ni naru, Japan 2013)

Regie: Hirokazu Kore-eda

Drehbuch: Hirokazu Kore-eda

Was wäre, wenn dein Kind bei der Geburt vertauscht worden wäre? Und was würdest du tun? Das muss sich der statusbewusste Architekt Ryota Nonomiya fragen, als er erfährt, dass genau das vor sechs Jahren geschehen ist.

Hirokazu Kore-eda erhielt für „Like Father, like Son“ in Cannes den Preis der Jury und das ist verständlich. Ruhig und aus Ryotas Perspektive erzählt er von diesem Dilemma. Dabei bleiben die Sympathien für den egoistischen Ryota, der das Kind vor allem als Statussymbol braucht, überschaubar. Aber die angesprochenen Fragen sind universell und Hirokazu Kore-eda behandelt sie auch angemessen komplex in einer scheinbar einfachen Geschichte über zwei gegensätzliche Familien und ihre Kinder in einer Gesellschaft, in der – wenn so ein Fehler entdeckt wird – die Kinder einfach wieder ausgetauscht werden. Adoptionen sind dagegen selten.

Ein sehenswerter Film.

mit Masaharu Fukuyama, Machiko Ono, Keita Ninomiya, Lily Franky, Yoko Maki, Shogen Hwang

Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Like Father, like Son“
Moviepilot über „Like Father, like Son“
Metacritic über „Like Father, like Son“
Rotten Tomatoes über „Like Father, like Son“
Wikipedia über „Like Father, like Son“

Meine Besprechung von Hirokazu Kore-edas „Like Father, like Son“ (Soshite chichi ni naru, Japan 2013)

Meine Besprechung von Hirokazu Kore-edas „Unsere kleine Schwester“ (Umimachi Diary, Japan 2015)


TV-Tipp für den 1. August: Sie tötet in Ekstase

Juli 31, 2018

Arte, 23.00

Sie tötete in Ekstase (She killed in Ecstasy/Mrs. Hyde, Deutschland/Spanien 1971)

Regie: Frank Hollmann (Pseudonym von Jess Franco)

Drehbuch: Frank Hollmann

Nach dem Suizid ihres Mannes, eines Embryonenforschers, beginnt die Witwe die Männer zu töten, die ihren Mann in den Tod trieben.

Mit der heutigen TV-Premiere ist Arte wieder im Dienst der Filmkunst, Abteilung Trash, und wir dürfen einen der Filme genießen, die unsere Eltern damals ’niemals‘ (mit Indianerehrenwort) gesehen haben.

Jess Franco inszenierte „Sie tötete in Ekstase“ kurz nach seinem Kultfilm „Vampyros Lesbos“ und, auch wenn es kein guter Film ist, ist er viel besser als seine späteren Werke.

Geschmacklose Mischung aus Sex- und Gruselfilmelementen.“ (Lexikon des internationalen Films)

Mit Susann Korda (Pseudonym von Soledad Miranda) , Fred Williams (Pseudonym von Erwin C. Dietrich), Paul Müller, Horst Tappert (vor „Derrick“, aber schon als Kommissar)

Hinweise

Arte über „Sie tötete in Ekstase“

Rotten Tomatoes über „Sie tötete in Ekstase“

Wikipedia über „Sie tötete in Ekstase“ (deutsch, englisch) und über Jess Franco (deutsch, englisch)

Kriminalakte: Mein Nachruf auf Jess Franco

Meine Besprechung von Jess Francos „Jack the Ripper – Der Dirnenmörder von London“ (Jack, the Ripper, Deutschland/Schweiz 1976)

Meine Besprechung von Jess Francos „Downtown – Die nackten Puppen der Unterwelt“ (Schweiz 1975)

Meine Besprechung von Jess Francos „Voodoo Passion – Ruf der blonden Göttin“ (Schweiz 1977)

Meine Besprechung von Jess Francos „Frauen für Zellenblock 9“ (Schweiz 1977)

Meine Besprechung von Jess Francos „Ilsa – The Mad Butcher“ (Schweiz/Deutschland/USA 1977)

Meine Besprechung von Jess Francos „Die teuflischen Schwestern – Sexy Sisters“ (Schweiz 1977)

Meine Besprechung von Jess Francos „Wicked Women – Das Haus der mannstollen Frauen“ (Schweiz 1977)

 


Cover der Woche

Juli 31, 2018


TV-Tipp für den 31. Juli: Picknick mit Bären

Juli 30, 2018

ARD, 22.45

Picknick mit Bären (A Walk in the Woods, USA 2015)

Regie: Ken Kwapis

Drehbuch: Rick Kerb, Bill Holderman

LV: Bill Bryson: A Walk in the Woods: Rediscovering America on the Appalachian Trail, 1998 (Picknick mit Bären)

Reiseschriftsteller Bill Bryson (Robert Redford) macht sich mit seinem Kumpel Stephen Katz (Nick Nolte) auf den Weg. Gemeinsam wollen sie den legendären 3524 Kilometer langen Appalachian Trail abwandern.

Entspannte Komödie, die den alten Herren Redford und Nolte beim Austausch von Lebensweisheiten eine große Naturbühne bietet.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Robert Redford, Nick Nolte, Emma Thompson, Mary Steenburgen, Nick Offerman, Kristen Schaal, R. Keith Harris

Wiederholungen

ARD: Mittwoch, 1. August, 02.20 Uhr (Taggenau!)

One: Sonntag, 5. August, 12.45 Uhr

Hinweise
Film-Zeit über „Picknick mit Bären“
Moviepilot über „Picknick mit Bären“
Metacritic über „Picknick mit Bären“
Rotten Tomatoes über „Picknick mit Bären“
Wikipedia über „Picknick mit Bären“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Ken Kwapis‘ „Picknick mit Bären“ (A Walk in the Woods, USA 2015)


Alter Scheiß & Verfilmte Bücher: Alistair MacLeans „Geheimkommando Zenica“ ist „Der wilde Haufen von Navarone“

Juli 30, 2018

Über Jahrzehnte war Alistair MacLean (1922 – 1987) einer der Top-Spannungsautoren. Unzählige Neuauflagen, Regalmeter in Büchereien und Antiquariaten sprachen eine deutliche Sprache über die vielen schlaflosen Nächte, die er seinen Lesern bescherte. In England sind seine Bücher noch heute erhältlich. In Deutschland sind aktuell nur seine Kriegsromane „Die Kanonen von Navarone“ und „Geheimkommando Zenica“ regulär erhältlich. Bei seinen anderen Thrillern, alles Einzelwerke, hilft der Gang in das nächste Antiquariat.

Seine letzten Werke waren dann nicht mehr so toll. Oder ich war, nachdem ich fast alle seine Romane gelesen hatte, aus ihm herausgewachsen. Auch die posthum veröffentlichten, von anderen Autoren vollendeten oder in seinem Namen geschriebenen Romane las ich nicht mehr.

Im wesentlichen fallen seine Thriller in zwei Kategorien. Da gibt es die Kriegsromane, mit denen seine Karriere begann, und die Agententhriller. In denen gerät meistens ein Normalbürger, der in Wirklichkeit ein Agent ist (oder einen ähnlich abenteuerlustig-gefährlichen Beruf hat), in ein labyrinthisches Komplott. Immer gibt es eine unüberschaubere Menge Lug und Trug, Verrat und Doppelspiele, bei denen man schnell den Überblick verliert. Falls man ihn überhaupt je hatte. Spannend war es immer. Jedenfalls für die jugendliche Leseratte, die nicht mit länglichen Beschreibungen und Gefühlsduseleien gelangweilt werden wollte.

Aber heute?

Die Wiederveröffentlichung von „Geheimkommando Zenica“ bietet die Möglichkeit, wieder in die Lesejugend zurückzureisen. Der Roman ist einer dieser Weltkrieg-II-Romane, in denen tapfere Briten gegen böse Deutsche kämpfen und einen unmöglichen Auftrag erfolgreich ausführen.

Nachdem Captain Keith Mallory und seine tapferen Männer im November 1943 die Kanonen von Navarone zerstört haben (lest das gleichnamige Buch oder seht euch die Verfilmung von 1961 an), werden sie sofort in das nächste Abenteuer geschickt. In Bosnien-Herzegowina sind siebentausend jugoslawische Widerstandskämpfer, die den Zenica-Käfig blockieren, von Nazis eingeschlossen. Es ist ein unwegsames Gebirgsgelände, das von Bergen, einem Staudamm und dem Neretva-Fluss begrenzt wird. Der Nachschub für die Deutschen erfolgt über die Neretva-Brücke.

Mallory und fünf weitere Männer sollen die Leiter von vier spurlos verschwundenen britischen Militärmissionen finden (nicht so wichtig), herausfinden, warum die britischen Nachschublieferungen nicht bei den Partisanen ankommen (nicht so wichtig) und, das ist letztendlich ihr einziger Auftrag, die von den Nazis wie ihr Augapfel bewachte Neretva-Brücke zerstören.

Dieses unmögliche Auftrag ist der Beginn eines sich innerhalb weniger Stunden abspielenden Abenteuers, bei dem man so schnell den Überblick zwischen all den Verrätern, Doppelagenten und Lügen verliert, dass man am Besten schon nach dem ersten Viertel nicht mehr versucht, herauszufinden, ob Mallorys großer Plan logisch aufgeht oder nur ein gigantisches Produkt von unendlichem Glück, heroischster Tapferkeit und allen Wahrscheinlichkeitem trotzendem britischem Heldentum ist. Am Besten folgt man einfach, schnell die Seiten umblätternd, der atemberaubenden und atemberaubende Haken schlagenden Geschichte. Alle ppar Seiten gibt es Überraschungen, die die vorherigen Gewissheiten von ‚Gut‘ und ‚Böse‘ auf den Kopf stellen. Denn jeder kann ein Verräter sein. Außer den ‚Navarone‘-Helden Captain Mallory, Corporal Miller und Colonel Andrea von der griechischen Armee. Ständig müssen Captain Mallory und seine tapferen Begleiter improvisieren, um ihr Ziel zu erreichen.

Dafür müssen sie Nazis im Dutzend umbringen, während die Briten kaum einen Kratzer abbekommen und der Kettenraucher Andrea unbesiegbar ist. Das ist natürlich Unfug, aber unterhaltsamer Unfug für einen warmen Sommertag.

Ein Jahr vor „Geheimkommando Zenica“ schrieb MacLean das Drehbuch und den Roman „Agenten sterben einsam“ (Where Eagles dare [den habe ich sogar im Original gelesen]) über die Befreiung eines US-Generals durch ein Sonderkommando aus deutscher Kriegsgefangenschaft.

Geheimkommando Zenica“, das 1968 erschien, bewegt sich in einem ähnlichen Fahrwasser und könnte als Fortsetzung von „Agenten sterben einsam“ durchgehen, wenn es nicht direkte Fortsetzung von „Die Kanonen von Navarone“ wäre.

Die erste Idee für diese Geschichte hatte MacLean bereits in den frühen Sechzigern, unmittelbar nachdem die Verfilmung seines Romans „Die Kanonen von Navarone“ zu einem Kassenhit wurde. Produzent Carl Foreman fragte MacLean, ob er einen Roman schreiben könne, der dann verfilmt würde. MacLean schrieb ein Treatment. Die Pläne für die Verfilmung zogen sich allerdings hin und der Bestseller-Autor verarbeitete die Idee zu einem Roman, der 1968 erschien.

Knapp zehn Jahre später wurde der Roman von James-Bond-Regisseur Guy Hamilton mit Starbesetzung verfilmt. Für die Verfilmung wurde viel, sehr viel geändert. Aber am Ende geht es immer noch um die Sprengung eines Staudamms, dessen Wassermassen eine kriegswichtige Brücke zerstören soll. Das okaye Kriegsabenteuer war kein Kassenhit, kann aber ab und zu im Fernsehen angesehen werden.

Alistair MacLean: Geheimkommando Zenica

(übersetzt von Georgette Beecher-Kindler)

HarperCollins, 2018

304 Seiten

9,99 Euro

Deutsche Erstausgabe

Lichtenberg Verlag, 1969

Viele Taschenbuchausgaben im Heyne-Verlag.

Originalausgabe

Force 10 from Navarone

HarperCollins, 1968

Verfilmung

Der wilde Haufen von Navarone/Force 10 Die Spezialeinheit (Force Ten from Navarone, Großbritannien 1977)

Regie: Guy Hamilton

Drehbuch: Robin Chapman, Carl Foreman

mit Robert Shaw, Edward Fox, Harrison Ford, Barbara Bach, Franco Nero, Carl Weathers, Richard Kiel, Alan Badel

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Der wilde Haufen von Navarone“

Wikipedia über Alistair MacLean (deutsch, englisch), Geheimkommando Zenica“ und „Der wilde Haufen von Navarone“ (deutsch, englisch)

Krimi-Couch über Alistair MacLean

Deutsche Alistair-MacLean-Fanpage

Englische Alistair-MacLean-Fanpage


TV-Tipp für den 30. Juli: Mission: Impossible

Juli 30, 2018

Kabel 1, 20.15

Mission: Impossible (Mission: Impossible, USA 1996)

Regie: Brian de Palma

Drehbuch: David Koepp, Robert Towne (basierend auf der TV-Serie von Bruce Geller)

Wenige Tage vor dem Kinostart von „Mission: Impossible – Fallout“ am Donnerstag (dann gibt’s die Jubelarie) können wir uns noch einmal den ersten Einsatz von Tom Cruise als Ethan Hunt ansehen. Damals bildetete der Thriller den fulminanten Start von Tom Cruises Karriere als Produzent. Damals wurde auch darüber gemeckert, dass aus dem MI-Team der TV-Serie eine Tom-Cruise-Soloshow mit viel Action wurde.

Nach einer unglücklich verlaufenenen Aktion in Prag, bei der das MI-Team in eine tödliche Falle gelockt wurde, soll Hunt als Verräter gehenkt werden. Hunt beginnt die Verräter in den eigenen Reihen zu suchen.

Cruise bietet knapp zwei Stunden spannende Unterhaltung.“ (Fischer Film Almanach 1997)

Anschließend, um 22.35 Uhr, zeigt Kabel 1 „Mission: Impossible 2“ (USA 2000)

mit Tom Cruise, Emmanuelle Béart, Jon Voight, Henry Czerny, Jean Reno, Emilio Estevez, Ving Rhames, Kristin Scott-Thomas, Vanessa Redgrave

Wiederholung: Mittwoch, 1. August, 22.50 Uhr (davor, um 20.15 Uhr, „Mission: Impossible 3“, danach, um 01.00 Uhr „Mission: Impossible 2“)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Mission: Impossible“

Wikipedia über „Mission: Impossible“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Brad Birds „Mission: Impossible – Phantom Protokoll“ (Mission: Impossible – Phantom Protocoll, USA 2011)

Meine Besprechung von Christopher McQuarries „Mission: Impossible – Rouge Nation“ (Mission Impossible: Rouge Nation, USA 2015)


TV-Tipp für den 29. Juli: Spotlight

Juli 28, 2018

Pro7, 20.15

Spotlight (Spotlight, USA 2015)

Regie: Tom McCarthy

Drehbuch: Tom McCarthy, Josh Singer

Hochspannender Thriller über die Recherchen des „Boston Globe“ über den jahrzehntelangen Missbrauch von Kindern durch katholische Priester und die ebenso lange Vertuschung durch die Erzdiözese.

2003 erhielt das „Spotlight“-Team den Pulitzer-Preis für seine Arbeit.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Mark Ruffalo, Michael Keaton, Rachel McAdams, Liev Schreiber, John Slattery, Brian D’Arcy James, Stanley Tucci, Jamey Sheridan, Billy Crudup, Elena Wohl, Gene Amoroso, Neal Huff, Paul Guilfoyle, Len Cariou

Hinweise
Englische Homepage zum Film
Moviepilot über „Spotlight“
Metacritic über „Spotlight“
Rotten Tomatoes über „Spotlight“
Wikipedia über „Spotlight“ (deutsch, englisch) und sexuellen Missbrauch in der römisch-katholischen Kirche
History vs. Hollywood über „Spotlight“
Bishop Accountability (äußerst umfassende Seite, die Fälle sexuellen Missbrauchs durch Geistliche behandelt)

Meine Besprechung von Tom McCarthys „Win Win“ (Win Win, USA 2011)

Meine Besprechung von Tom McCarthys „Spotlight“ (Spotlight, USA 2015)


TV-Tipp für den 28. Juli: Die drei Tage des Condor

Juli 27, 2018

ZDFneo, 22.00

Die drei Tage des Condor (Three Day of the Condor, USA 1975)

Regie: Sydney Pollack

Drehbuch: Lorenzo Semple jr., David Rayfield

LV: James Grady: Six days of the Condor, 1974 (Die 6 Tage des Condor)

Joe Turner ist ein Büromensch und Angestellter der CIA. Als er nach einem Einkauf in das Büro zurückkommt sind seine Kollegen tot und er wird gejagt. Von den eigenen Leuten, wie Turner schnell herausfindet. Turner kämpft um sein Leben.

Der spannende Thriller entstand unmittelbar nach der Watergate-Affäre und fing – wie einige andere fast zeitgleich entstandene Filme – die damalige Atmosphäre von Mißtrauen und Paranoia gut ein.

Das Drehbuch erhielt den Edgar-Allan-Poe-Preis.

Mit Robert Redford, Faye Dunaway, Cliff Robertson, Max von Sydow, John Houseman

Hinweise


Rotten Tomatoes über „Die drei Tage des Condor“

Wikipedia über „Die drei Tage des Condor“ (deutsch, englisch)

New York Times: Vincent Canby über „Three days of the Condor“ (25. September 1975)

Jump Cut: Patrick McGilligan redet mit Sydney Pollack (1976)

Lorenzo Semple jr./David Rayfield: Three days of the Condor (Drehbuch, Fassung vom 3. Februar 1975)

Homepage von James Grady

Fast aktueller Bonushinweis

Der Condor ist zurück in „Die letzten Tage des Condor“ und, nachdem er in seinem Wohnzimmer einen ermordeten Geheimagenten entdeckt, ist er wieder auf der Flucht.

Grady - Die letzten Tage des Condor

James Grady: Die letzten Tage des Condor

(übersetzt von Zoe Beck)

Suhrkamp, 2016

368 Seiten

14,99 Euro

Originalausgabe

Last Days of the Condor

Forge Books, 2015


Neu im Kino/Filmkritik: „Ant-Man and The Wasp“ und noch einige andere Persönlichkeiten hängen lässig im Marvel-Kosmos ab

Juli 27, 2018

Als Ex-Einbrecher Scott Lang (Paul Rudd) gemütlich in seiner Badewanne vor sich hin träumt, hat er plötzlich eine Vision. Janet van Dyne (Michelle Pfeiffer) spielt mit ihrer Tochter Hope Verstecken. Schockiert von der lebensechten Vision – immerhin ist Janet van Dyne seit Ewigkeiten in der Quanten-Ebene verschollen – ruft er Dr. Hank Pym (Michael Douglas) auf einer geheimen Telefonnummer an.

Pym ist mit seiner Tochter Hope van Dyne (Evangeline Lilly), die ihre Mutter seit ihrer Kindheit nicht mehr gesehen hat, untergetaucht. Er ist ein genialer Quantenphysiker, der das Pym-Partikel entdeckte. Damit kann er seine Größe verändern und er hat, wie es sich für einen Superhelden gehört, Superkräfte. Er war der erste Ant-Man. Zusammen mit seiner Frau Janet van Dyne, der originalen Wasp, kämpften sie als Ameise und Wespe gegen Bösewichter. Bei der Sabotage einer in Richtung USA fliegenden Nuklearrakete verhinderte sie die Katastrophe, indem sie in die subatomare Welt der Quanten-Ebene ging, aus der es keinen Weg zurück zur normalen Größe gibt. Seitdem sucht Pym nach einem Weg, seine Frau wieder zurückzuholen.

Scott hat nach seiner Aktion in Deutschland mit den Avengers (siehe „The First Avenger: Civil War“), die ein Verstoß gegen seine Bewährungsauflagen war, einen zweijährigen Hausarrest aufgebrummt bekommen. Der läuft in einigen Tagen an. Wenn er sich gut benimmt. In seinem Haus.

Und genau das ist nach seinem Anruf fast unmöglich. Pym und Hope glauben, dass Scott eine besondere Verbindung zu Janet van Dyne hat, die sie zu ihr führen kann. Damit das auf der technischen Seite gelingt, müssen sie von dem Schwarzmarkthändler Sonny Burch (Walton Goggins) nur noch ein wichtiges Teil kaufen. Bei dem Kauf geht einiges schief und Ava, aka Ghost (Hannah John-Kamen) kann nach einem Kampf mit dem Teil entkommen. Notgedrungen muss Pym seinen früheren Arbeitskollegen Bill Foster (Laurence Fishburne) um Hilfe bitten.

Immerhin funktioniert der Größenwechsel inzwischen (normalerweise) so gut, dass Pym, Hope (aka The Wasp) und Scott (aka Ant-Man) sich, ihre Fahrzeuge und Pyms in einem unscheinbaren Haus untergebrachte hochmoderne Labor in Sekundenbruchteilen vergrößern und verkleinern können. Verkleinert hat der mehrstöckige Büroblock die Größe eines handelsüblichen Koffers. Diesen Größenwechsel machen sie im Film so oft und so lässig, dass man sich schnell fragt, warum sich nicht irgendjemand in San Franciso über die plötzlich auftauchenden und verschwinden Fahrzeuge und Häuser wundert.

Die Filmgeschichte selbst ist eine Entschuldigung, um zwei Stunden mit den vielen aus dem ersten „Ant-Man“-Film bekannten und einigen neuen, durchgehend netten Charakteren abzuhängen. Schon in den vorherigen Marvel-Filmen waren die Bösewichter oft der uninteressanteste Teil des Films. Man wusste kaum etwas über sie, erfuhr wenig über ihre Pläne und erinnerte sich nach dem Abspann kaum noch an sie. In „Ant-Man and The Wasp“ gibt es keine Bösewichter mehr. ‚Ghost‘ Ava ist eine getriebene Seele, die schon bei ihrem ersten Auftritt erkennbar eine gequälte, nach Erlösung suchende Frau ist. Sonny Burch ist zwar ein skrupelloser Schwarzmarkthändler, aber als Nebenfigur so überzeichnet, dass er als netter Kerl erscheint. Und Foster ist ein väterlicher Freund für Ava, der auch seinem Erzfeind Pym hilft. Eigentlich ist der Kontrollfanatiker Pym sogar die Hauptfigur des Films. Er will seine Frau retten. Für ihn geht es wirklich um etwas. Seine Tochter und Scott helfen ihm dabei. Und ihnen helfen Scotts Verbrecherkumpels, die inzwischen die Sicherheitsfirma „X-Con Security“ gegründet haben.

Wie schon der erste „Ant Man“-Film ist „Ant-Man and The Wasp“ im Marvel-Universum ein kleines Abenteuer. Einerseits weil Ameisen und Wespen normalerweise sehr kleine Tiere sind (die im Film auch riesig werden können). Andererseits weil die Zerstörungsorgie hier doch ziemlich klein ausfällt. Auch wenn etliche Autos geschrottet werden.

Es gibt, wie schon im ersten „Ant-Man“-Film, eine Menge Humor. Die Tricks sind gewohnt gut und die Chemie zwischen den Schauspielern stimmt.

Obwohl Peyton Reeds zweiter „Ant-Man“-Film zum Marvel Cinematic Universe gehört, ist er ein vollständig eigenständiger Film, den man versteht, ohne irgendeinen der anderen MCU-Filme gesehen haben zu müssen. Es gibt auch keine auffälligen und erklärungsbedürftigen Verbindungen zum MCU.

Der nächste MCU-Film „Captain Marvel“ ist für März 2019 angekündigt.

Am 3. Oktober 2018 läuft „Venom“ (mit Tom Hardy) an. Der Marvel-Film gehört nicht zum MCU. An der Qualität und dem Kassenerfolg dürfte das nichts ändern.

Ant-Man and The Wasp (Ant-Man and The Wasp, USA 2018)

Regie: Peyton Reed

Drehbuch: Chris McKenna, Erik Sommers, Paul Rudd, Andrew Barrer, Gabriel Ferrari

LV: Charakter von Stan Lee, Larry Lieber und Jack Kirby

mit Paul Rudd, Evangeline Lilly, Michael Douglas, Michelle Pfeiffer, Michael Peña, Randall Park, Laurence Fishburne, Judy Greer, Tip ‚T. I.‘ Harris, Hannah John-Kamen, David Dastmalchian, Bobby Cannavale, Abby Ryder Fortson, Stan Lee

Länge: 118 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Marvel-Facebook-Seite 

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Moviepilot über „Ant-Man and The Wasp“

Metacritic über „Ant-Man and The Wasp“

Rotten Tomatoes über „Ant-Man and The Wasp“

Wikipedia über „Ant-Man and The Wasp“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Peyton Reeds „Ant-Man“ (Ant-Man, USA 2015)


Neu im Kino/Filmkritik: „Papillon“ will raus aus dem Knast

Juli 27, 2018

Beginnen wir mit den Fußstapfen, in die „Nordvest – Der Nordwesten“-Regisseur Michael Noer mit seiner Verfilmung von Henri Charrières autobiographischem Romanbestseller „Papillon“ hineintritt: die erste Verfilmung des Romans. Das damalige Drehbuch wird in den Credits, neben dem Roman, explizit als eine Quelle genannt.

In der 1973er Verfilmung spielen die Kinostars Steve McQueen und Dustin Hoffman die Hauptrollen. McQueen als Charrière, Hoffman als ihm helfender und freundschaftlich verbundener Fälscher Louis Dega. Das Drehbuch ist von Dalton Trumbo („Spartacus“) und Lorenzo Semple Jr. („Zeuge einer Verschwörung“). Regisseur ist Franklin J. Schaffner („Planet der Affen“). Allein schon diese Namen verraten, dass „Papillon“ ein Hollywood-A-Produkt ist. Inzwischen ist der Gefängnisfilm ein immer wieder gern gesehener und immer noch packender Klassiker. Schaffner erzählt eine ebenso einfache, wie universelle und zeitlos gültige Geschichte: ein unschuldig verurteilter Mann versucht aus einem Gefängnis auszubrechen. Der Mann ist der Pariser Tresorknacker Henri ‚Papillon‘ Charrière (1906 – 1973). Ihm wird 1931 der Mord an einem Zuhälter angehängt. Er wird zu lebenslanger Haft in der Strafkolonie St. Laurent in Französisch-Guayana verurteilt. Von dort ist eine Flucht unmöglich. Aber Papillon versucht es trotzdem. Immer wieder, während die Strafen immer härter werden.

In seinem Remake erzählt Michael Noer diese Geschichte mit Charlie Hunnam als Steve-McQueen-Ersatz und Rami Malek als Dustin-Hoffman-Ersatz noch einmal, ohne dass klar wird, warum. Denn in dem Buch „Papillon“ und in Schaffners Verfilmung geht es nur um ein Thema: den Drang nach Freiheit und welche Qualen jemand auf sich nimmt, um einem repressiven System zu entfliehen. Diese Geschichte spielt in einer traumhaften Landschaft. In dem Remake wird ein real existierendes, unmenschliches, nur an Bestrafung und Erniedrigung interessiertes mittelalterliches System schön ausgeleuchtet museal ausgestell, aber niemals wirklich erfahrbar gemacht; – wobei, zugegeben, die Erinnerung an Charrières Buch und Schaffners Verfilmung, die ich beide als Jugendlicher genossen hatte, diese Werke etwas verklären können. Außerdem lässt man sich als Jugendlicher leichter beeindrucken. In „Banco“, auf dem Noers Film aus mir vollkommen rätselhaften Gründen ebenfalls basieren soll, erzählt Charrière dann, was er nach seinem erfolgreichen Gefängnisausbruch erlebte. Diese Sammlung von Abenteuern ist erheblich schwächer als „Papillon“ und auch deutlich unbekannter.

Es sind große Fußstapfen, in die Noer hineintritt mit seiner nicht wirklich dringenden Neuverfilmung, die einfach noch einmal die bekannte Ausbruchsgeschichte erzählt. Trotzdem hätte er in seiner Neuverfilmung nur von dem unbändigen Drang nach Freiheit erzählen müssen. Viele Regiseure taten das bereits erfolgreich in unzähligen Knast- und Ausbruchsfilmen, wie „Das Loch“, „Gesprengte Ketten“, „Flucht von Alcatraz“, „Midnight Express“ und „Die Verurteilten“. Bei Noer plätschert die Geschichte die er, im Gegensatz zum 150-minütigem Original in unter zwei Stunden erzählt, vor sich hin. Gefühlt dauert der Film dann doppelt so lang.

Ein weiterer großer Unterschied zwischen den beiden Filmen ist der Anfang. Schaffners Film beginnt mit der Deportation der Verurteilten in die Kolonie. Noer erzählt noch die Vorgeschichte. Wir erfahren also einiges über Charrières Leben in Paris als vergnügungssüchtiger Verbrecher und von seiner Verurteilung. Das ist nicht sonderlich interessant und nicht wichtig für die Filmgeschichte. Es verwässert sogar die Anklage gegen das damalige inhumane französische Strafsystem.

Für Charlie Hunnam, der mit der TV-Serie „Sons of Anarchy“ bekannt wurde, ist „Papillon“ ein weiterer glückloser Versuch, seine TV-Karriere zu einer erfolgreichen Kinokarriere auszubauen. Seine bisherigen Kinofilme, wie „King Arthur“, „Die versunkene Stadt Z“, „Crimson Peak“ und „Pacific Firm“, überzeugten alle an der Kinokasse nicht sonderlich. In keinem der Filme hinterließ er einen nachhaltigen Eindruck.

P. S.: Gesehen wurde die knapp zweistündige deutsche Fassung. Die Originalfassung ist eine viertel Stunde länger und könnte bei uns später auf DVD veröffentlicht werden.

Papillon (Papillon, USA 2017)

Regie: Michael Noer

Drehbuch: Aaron Guzikowski

LV: Henri Charrière: Papillon, 1969 (Papillon), Banco, 1973 (Banco)

mit Charlie Hunnam, Rami Malek, Roland Møller, Joel Basman, Yorick Van Wageningen, Tommy Flanagan, Eve Hewson

Länge: 117 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

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Metacritic über „Papillon“

Rotten Tomatoes über „Papillon“

Wikipedia über „Papillon“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 27. Juli: Stanley-Kubrick-Abend: Dr. Seltsam/Die Rechnung ging nicht auf

Juli 27, 2018

3sat, 22.25

Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte, die Bombe zu lieben (Dr. Strangelove or: How I learned to stop worrying and love the Bomb, GB 1964)

Reige: Stanley Kubrick

Drehbuch: Stanley Kubrick, Peter George, Terry Southern

LV: Peter George: Red Alert. 1958 (Die Welt der letzten Tage)

Buch zum Film: Peter Bryant (Pseudonym von Peter George): Dr. Strangelove Or: How I learned to stop worrying and love the bomb, 1963

Air-Force-Kommandant Jack D. Ripper glaubt, dass die Russen für seine Impotenz verantwortlich sind. Also gibt er den Befehl aus, das Reich des Bösen anzugreifen. Seine Vorgesetzten versuchen einen dritten Weltkrieg zu verhindern. Doch das ist nicht so einfach.

Tiefschwarze Satire auf den Rüstungswahnsinn und das Denken der Militärs, Technokraten und Politiker, die beängstigend nahe an der Wirklichkeit ist und auch nach dem Ende des Kalten Krieges immer noch aktuell ist. Eine Alptraum-Komödie

Mit Peter Sellers, George C. Scott, Sterling Hayden, Keenan Wynn, Slim Pickens, Peter Bull, James Earl Jones, Tracy Reed

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Dr. Seltsam“

Wikipedia über „Dr. Seltsam“ (deutsch, englisch)

3sat, 23.55

Die Rechnung ging nicht auf (The Killing, USA 1956)

Regie: Stanley Kubrick

Drehbuch: Jim Thompson, Stanley Kubrick

LV: Lionel White: Clean Break, 1955 (später „The killing“, deutsch “Der Millionencoup“)

Ex-Sträfling Johnny Clay will mit einigen Amateurenwährend eines Pferderennens die Wettgelder klauen. Der minutiös geplante Coup läuft nach Plan ab. Dann geht alles schief.

Grandioses, düsteres Caper-Movie und der endgültige Durchbruch für Stanley Kubrick. Im Gegensatz zu anderen Caper-Movies wird die Handlung im Buch und im Film nicht chronologisch, sondern mit zahlreichen Vor- und Rücksprüngen erzählt. Und der Überfall wird, zusammengehalten von einer atemberaubenden Montage, aus verschiedenen Perspektiven erzählt. Mit seinen Diskontinuitäten und Dekonstruktionen ist „Die Rechnung ging nicht auf“ ein Vorläufer des postmodernen Kinos.

Einer von Kubricks Schülern ist Quentin Tarantino, der diesen Film in „Reservoir Dogs“ ausführlich würdigt. Im Drehbuch ist sogar eine – im Film nicht gezeigte – Widmung an Lionel White enthalten.

Mit Sterling Hayden, Coleen Gray, Vince Edward, Jay C. Flippen, Elisha Cook jr.

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Die Rechnung ging nicht auf“

Wikipedia über „Die Rechnung ging nicht auf“ (deutsch, englisch)

Mordlust über Lionel White

Noir of the Week über „The Killing“ (mit Filmausschnitten) 

Turner Classic Movies über “The Killing”


Neu im Kino/Filmkritik: Jodie Foster leitet das „Hotel Artemis“

Juli 26, 2018

Los Angeles, 2028: die Stadt versinkt im Chaos. Mitten drin im Kampf zwischen Polizei, Verbrechern und randalierenden Bürgern steht das ‚Hotel Artemis‘, ein heruntergekommenes Hotel. Eine Ruine, die anscheinend schon lange ihren Betrieb eingestellt hat, wenn nicht das Logo hell über die Stadt strahlen würde und wenn nicht eine Etage äußerst zahlungswillige Kunden beherbergen würden. Denn das ‚Hotel Artemis‘ ist ein Krankenhaus, das seine Mitglieder, die nach fehlgeschlagenen Verbrechen nicht in eine normales Krankenhaus gehen können, wieder zusammenflickt. Das wird von der ‚Schwester‘ (Jodie Foster), ihrem Gehilfen ‚Everest‘ (Dave Bautista) und modernster Technik erledigt. Die unglaublich alt aussehende, alkoholsüchtige, immer noch den vor 22 Jahren geschehenen Tod ihres Sohnes betrauernde Ärztin, die wie ein gehlahmer Geist Musik hörend durch die Etage huscht, führt ein strenges Regiment und stellt keine Fragen. Obwohl sie zu einigen Stammkunden eine fast schon freundschaftliche Beziehung hat.

An diesem Abend ist das ‚Hotel Artemis‘ voll belegt mit ihren mehr oder weniger schwer verletzten Kunden. Um die Anonymität zu wahren, trgen sie alle Tarnnamen, die auch die Namen der Zimmer sind, in denen sie logieren. Auch wenn die ‚Schwester‘ ihre wahren Namen kennt.

An diesem abend sind die Gäste ‚Waikiki‘ (Sterling K. Brown), sein nach einem gemeinsamen Banküberfall schwer verletzter Bruder ‚Honolulu‘ (Brian Tyree Henry), der äußerst redselige Waffenhändler ‚Acapulco‘ (Charlie Day, nervig) und die Auftragskillerin ‚Nice‘ (Sofia Boutella). Sie soll einen der Hotelgäste umbringen. Dabei gilt auch im ‚Hotel Artemis‘ die aus den „John Wick“-Filmen bekannte Hotelregel, nach der innerhalb des Gebäudes keine Verbrechen verübt werden dürfen.

Eine andere Regel besagt, dass nur Verbrecher behandelt werden, die bereits im voraus eine beträchtliche Mitgliedschaftsgebühr bezahlen. Trotzdem hilft die ‚Schwester‘ einer jungen Polizistin, die schwer verletzt an der Hintertür um Hilfe bittet. Sie kennt Morgan Daniels (Jenny Slate) von früher, als die Polizistin noch ein Kind war und die ‚Schwester‘ noch nicht als Eremitin im ‚Hotel Artemis‘ lebte.

Und dann will noch der schwerverletzte Wolfking (Jeff Goldblum) in das von ihm gegründete und finanzierte ‚Hotel Artemis‘. Er ist als Gangsterkönig der unumstrittene Herrscher der Stadt. Ihm schlägt man nur dann einen Wunsch ab, wenn man an akuter Todessehnsucht leitet.

Hotel Artemis“ ist das zwiespältige Spielfilmdebüt von Drew Pearce, dem Co-Autor von „Iron Man 3“. Der Cast ist hochkarätig und spielfreudig. Die Idee, eines Hospitals für Verbrecher erinnert natürlich sofort an die aus „John Wick“ bekannten Hotels für Killer und die nahe Zukunft, in der Pearces Film spielt, ist eine „Die Klapperschlange“-Dystopie, in der die Polizei noch nicht die Stadt verlassen hat. Das ist ein Hintergrund, vor dem man gut eine hundsgemeine, amoralische Geschichte entwickeln kann. Die Bilder und der Stil sind aus den einschlägigen Noirs und Science-Fiction-Noirs geborgt. Da man sie immer wieder gerne sieht, ist das kein Problem.

Ein Problem ist allerdings das Drehbuch. Eine richtige Geschichte will sich nicht entwickeln. Es gibt Situationen und viele nicht so wahnsinnig interessante Gespräche. Aber eine Geschichte will daraus nicht entstehen. „Hotel Artemis“ ist eine nur in einem Haus spielende Situationsbeschreibung, die sich am Ende in einer durchaus ordentlichen Portion Gewalt entlädt. Nicht weil das unbedingt nötig wäre, sondern weil es ein Mittel ist, einen Film zum Ende zu bringen.

Hotel Artemis (Hotel Artemis, USA 2018)

Regie: Drew Pearce

Drehtuch: Drew Pearce

mit Jodie Foster, Sterling K. Brown, Dave Bautista, Sofia Boutella, Jeff Goldblum, Brian Tyreee Henry, Jenny Slate, Zachary Quinto, Charlie Day, Kennth Choi

Länge: 95 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

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Moviepilot über „Hotel Artemis“

Metacritic über „Hotel Artemis“

Rotten Tomatoes über „Hotel Artemis“

Wikipedia über „Hotel Artemis“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: „Catch me!“ – Große Jungs speilen Fangen

Juli 26, 2018

Mit dem Hinweis, der folgende Film basiere auf einer wahren Geschichte, beginnt „Catch me!“ (deutscher Titel). Das stimmt allerdings nur bedingt. Außer der Grundidee ist in „Tag“ (Originaltitel) alles erfunden.

Russell Adams schrieb im Januar 2013 für das Wall Street Journal einen kurzen Artikel über zehn Freunde, die seit ihrer Kindheit fangen spielen und so, auch Jahrzehnte nach dem Ende ihrer Kindheit und gemeinsamen Schulzeit, immer wieder zusammenkommen, um ein Kinderspiel zu spielen. Dabei ist es für sie kein normales ‚Fangen‘ mehr. Es gibt einige selbst auferstellte Regeln (so wird nicht zurückgeschlagen) und es wird nur während eines Monats im Jahr gespielt. Inzwischen leben die Schulkameraden über die USA verstreut. Manchmal müssen sie ihre Aktionen langfristig vorbereiten. Immerhin wissen die anderen Spielteilnehmer, dass sie innerhalb eines Monats ‚erwischt‘ werden können. Dafür organisieren sie Ablenkungsmanöver, verkleiden sich und verstecken sich manchmal für mehrere Tage im Gebüsch, Das ist dann gleichzeitig kindisch, rührend und auch bescheuert. Immerhin bleiben sie über das Spiel miteinander in Kontakt.

Dieses Spiel und die Hintergrundgeschichte ist allerdings nur die Idee für einen Film. Was fehlt, ist eine Geschichte.

Die Drehbuchautoren Rob McKittrick und Mark Steilen und Regisseur Jeff Tomsic überlegten sich für ihren Film folgende Geschchte: Jerry Pierce (Jeremy Renner) will nach dreißig Jahren aus dem Spiel aussteigen. Weil er bislang noch nie ‚erwischt‘ wurde, würde er damit ungeschlagen ausscheiden. Hogan ‚Hoagie‘ Malloy (Ed Helms) will das nicht akzeptieren. Zusammen mit Bob Callahan (Jon Hamm), Randy ‚Chilli‘ Cilliano (Jake Johnson) und Kevin Sable (Hannibal Buress) will er Jerry erwischen. Und weil Jerry demnächst in ihrer alten Heimatstadt Spokane, Washington, heiratet, ist das die Gelegenheit. Sie wissen, wann er wo ist und dass er die Hochzeit und die begleitenden Veranstaltungen nicht verlassen kann.

Selbstverständlich erwartet Jerry genau das von seinen alten Spielkameraden.

Die an Lachern arme Komödie erzählt nun, wie die vier Jungs immer wieder versuchen, Jerry zu erwischen und wie er ihnen immer wieder entkommen kann, weil er ihnen hoffnungslos überlegen ist. Dabei ist Jerry nicht nur gut in dem Spiel, sondern er ist so gut, dass er sogar Hawkeye jederzeit mühelos besiegen würde. Das langweilt in seiner endlosen Wiederholung von Versuch und garantiertem Schweitern schnell.

Garniert wird das Spiel durch einige Momente, in denen uns erklärt wird, dass sie dank des Spiels immer noch zusammen sind, dass das Spiel das Beste in ihnen hervorbringt und dass sie dank des Spiels nicht erwachsen werden. Denn erst wenn sie aufhörten zu spielen, seien sie alt.

Am Ende ist „Catch me!“ eine weitere belanglose US-Komödie, die einen eher pubertären Humor, etwas Action und einige Platitüden über Freundschaft hat. Halt genau das, was der Trailer verspricht.

Catch me! (Tag, USA 2018)

Regie: Jeff Tomsic

Drehbuch: Rob McKittrick, Mark Steilen (nach einer Vorlage von Mark Steilen)

LV: Russell Adams: It takes planning, caution to avoid being ‚It‘ (Wall Street Journal, 28. Janur 2013)

mit Ed Helms, Jeremy Renner, Jon Hamm, Jake Johnson, Annabelle Wallis, Hannibal Buress, Isla Fisher, Rashida Jones, Leslie Bibb, Cheryl Deakins

Länge: 101 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Catch me!“

Metacritic über „Catch me!“

Rotten Tomatoes über „Catch me!“

Wikipedia über „Catch me!“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 26. Juli: Der Knochenjäger

Juli 25, 2018

Vox, 22.05

Der Knochenjäger (The Bone Collector, USA 1999)

Regie: Philip Noyce

Drehbuch: Jerome Iacone

LV: Jeffery Deaver: The bone collector, 1997 (Die Assistentin, Der Knochenjäger)

Der fast vollständig gelähmte Superdetektiv Lincoln Rhyme sucht mit seinem Assistenten, der Streifenpolizistin Amelia Donaghy, einen Serienkiller.

Nach all den grandiosen Serienkiller-Filmen der neunziger Jahre ist der Whodunit „Der Knochenjäger“ ziemlich langweilige Kost.

Mit Denzel Washington, Angelina Jolie, Ed O´Neill, Michael Rooker, Queen Latifah, Luis Guzman

Wiederholung: Freitag, 27. Juli, 02.25 Uhr (Taggenau!)

Jeffery-Deaver-Kaufhinweis

So als Urlaubslektüre: Blanvalet hat Jeffery Deavers achten Lincoln-Rhyme-Thriller die Tage wieder veröffentlicht.

Dieses Mal muss Rhyme seinen Cousin von einem Mordverdacht befreien. Alles weitere in meiner ausführlichen Besprechung.

Jeffery Deaver: Der Täuscher

(übersetzt von Thomas Haufschild)

Blanvalet, 2018

544 Seiten

9,99 Euro

Originalausgabe

The Broken Window

Simon & Schuster, 2008

Deutsche Erstausgabe

Blanvalet, 2009

Denzel-Washington-Vorschautipp

Am 16. August läuft bei uns Denzel Washingtons neuer Film „The Equalizer 2“ an. Wieder inszeniert von Antoine Fuqua. Wieder muss der von Washington gespielte Robert McCall für Gerechtigkeit sorgen. Und wieder gibt es meine Besprechung zum Filmstart.

Hier der Trailer:

Hinweise

Rotten Tomatoes über “Der Knochenjäger”

Wikipedia über “Der Knochenjäger” (deutsch, englisch)

Homepage von Jeffery Deaver

Meine Besprechung von Jeffery Deavers Kurzroman „Auf ewig“ (Forever, 2005)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers Kurzgeschichtensammlung “Gezinkt” (More twisted, 2006)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers „Die Menschenleserin“ (The sleeping doll, 2007)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers „Lautloses Duell“ (The blue nowhere, 2001)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers “Der Täuscher” (The broken window, 2008)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers “Carte Blanche Ein James-Bond-Roman” (Carte Blanche, 2011)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers „Die Angebetete“ (XO, 2012)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers „Todeszimmer“ (The Kill Room, 2013)

Jeffery Deaver in der Kriminalakte


„Paper Girls 4“ – erste Antworten im Jahr 2000

Juli 25, 2018

 

An Halloween 1988 wollen die vier zwölfjährigen Mädchen Erin, MacKenzie, Tiffany und KJ in der ruhigen Vorstadt Stony Stream, Ohio, vor Sonnenaufgang nur die Tageszeitungen austragen. Aber dann geschehen seltsame Dinge, sie entdecken in einem Keller ein Ding, das wie ein Raumschiff aus einem Fünfziger-Jahre-Science-Fiction-Film aussieht und seitdem werden sie durch die Zeit geschleudert.

In dem vierten „Paper Girls“-Sammelband landen sie am 31. Dezember 1999 in Stony Stream und, zwischen all den Kämpfen und Riesenrobotern (die nicht jeder sehen kann) werden auch erstmals Antworten gegeben, die uns helfen, zu verstehen, was vor sich geht. Also welche Gruppen sich mit welchen Absichten bekämpfen und was die Folgen der Zeitsprünge der Paper Girls in die Vergangenheit und Zukunft sein könnten. Denn selbstverständlich hätten die Mädels niemals Zeitreisende werden sollen und sie hätten auch nicht die riesigen Kampfroboter, die ganze Städte zerstören (keine Panik, sie werden schnell wieder aufgebaut), sehen sollen.

Autor Brian K. Vaughan, Zeichner Cliff Chiang und Kolorist Matt Wilson haben mit „Paper Girls“ eine mit mehreren Eisner und Harvey Awards augezeichnete Comicserie erschaffen, die immer noch prächtig unterhält, wenn Erin, MacKenzie, Tiffany und KJ durch die Zeit stolpern und versuchen, ohne voneinander getrennt zu werden, zu überleben. Gleichzeitig wollen sie verstehen, was geschieht. Manchmal treffen sie auch ihr älteres Ich. Dieses Mal begegnen sie der Comiczeichnerin C. Spachefski (die ältere Dame auf dem Cover), die in Stony Stream lebt und über den Krieg der Zeitalter Bescheid weiß.

Immer wieder werden ihre Erlebnisse mit popkulturellen Anspielungen garniert. Im aktuellen Sammelband wird selbstverständlich die Jahrtausendpanik angesprochen. Damals hatten Windows-Besitzer Angst, am 1. Januar 2000 ihre Computer verschrotten zu müssen.

Brian K. Vaughan/Cliff Chiang/Matt Wilson: Paper Girls 4

(übersetzt von Sarah Weissbeck)

Cross Cult, 2018

144 Seiten

22 Euro

Originalausgabe

Paper Girls 4

Image Comics, 2018

enthält

Paper Girls # 16 – 20

Hinweise

Homepage von Cliff Chiang

Wikipedia über „Paper Girls“, Brian K. Vaughan (deutsch, englisch) und Cliff Chiang

Meine Besprechung von Brian Azzarellos “Wonder Woman: Blut (Band 1)” (Wonder Woman #1 – 6, 2011/2012)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Goran Sudžuka/Cliff Chiangs „Wonder Woman: Königin der Amazonen (Band 6)“ (Wonder Woman # 30 – 35, 2014)

Meine Besprechung von Brian K. Vaughan/Cliff Chiangs „Paper Girls 1“ (Paper Girls, Volume 1, 2016)

Meine Besprechung von Brian K. Vaughan/Cliff Chiangs „Paper Girls 2“ (Paper Girls, Volume 2, 2017)