TV-Tipp für den 26. April: Gnade

April 26, 2018

3sat, 22.25

Gnade (Deutschland/Norwegen 2012)

Regie: Matthias Glasner

Drehbuch: Kim Fupz Aakeson

Hammerfest: Um ihre Ehe zu retten ist ein deutsches Ehepaar mit ihrem Sohn in den Norden gezogen. Eines Nachts überfährt sie auf dem Heimweg von ihrer Arbeit ein ein Mädchen. Wie gehen sie mit dieser Schuld um?

Sperriges Drama mit Jürgen Vogel, der am 29. April seinen fünfzigsten Geburtstag feiert.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Jürgen Vogel, Birgit Minichmayr,Henry Stange, Anne Dahl Torp, Maria Bock, Stig Henrik Hoff, Iren Reppen

Hinweise

Film-Zeit über „Gnade“

Wikipedia über „Gnade“

Berlinale: Pressekonferenz zu „Gnade“

Meine Besprechung von Matthias Glasner „Gnade“ (Deutschland/Norwegen 2012)

Meine Besprechung von Matthias Glasners „Blochin – Die Lebenden und die Toten: Staffel 1“ (Deutschland 2015)


DVD-Kritik: „Hands of Stone – Fäuste aus Stein“ hat der Boxer Roberto Durán in dem Biopic

April 25, 2018

Seine Premiere hatte „Hands of Stone – Fäuste aus Stein“ 2016 beim Cannes- Filmfestival. Nach dem Film mit Edgar Ramirez als Boxer und Robert De Niro als seinem Trainer gab es eine fünfzehnminütige Standing Ovation, was weniger an der Qualität des Films und mehr an den Festivalgepflogenheiten liegt. 2016 lief der von Jonathan Jakubowicz geschriebene und inszenierte Film auch schon in den USA. Die deutsche Veröffentlichung gibt es erst jetzt. Auf DVD und Blu-ray.

In seinem zweiten Spielfilm (nach dem 2005er „Secuestro Express“) erzählt Jakubowicz die wahre Geschichte von Roberto Durán, seiner Beziehung zu seinem Trainer Ray Arcel, den er 1972 kennen lernte, zu seinem Gegner Sugar Ray Leonard (Usher Raymond IV) und einige seiner wichtigen Kämpfe. Der Boxerfilm zeigt seinen Kampf gegen Ken Buchanan am 26. Juni 1972 im Madison Square Garden (New York), seine beiden Kämpfe gegen Sugar Ray Leonard am 20. Juni 1980 im Olympiastadion Montreal und am 25. November 1980 im Louisiana Superdome (New Orleans) und seinen Kampf gegen Davey Moore am 16. Juni 1983 im Madison Square Garden. Durán gewann drei der vier Weltmeisterkämpfe.

Duráns Profikarriere dauerte von 1968 bis 2001. In 103 von 119 Kämpfen siegte er. Er gewann fünf Weltmeistertitel in vier Gewichtsklassen. 2007 wurde er in die International Boxing Hall of Fame aufgenommen. Und, so erfahren wir im Bonusmaterial, für Panama ist der 1951 in Panama-Stadt geborene Boxer ein Nationalheiligtum.

Das ist viel Stoff. Vor allem, weil Jakubowicz es nicht bei Duráns Biographie belässt. Er erzählt auch über seinen Trainer Arcel, den Einfluss der Mafia auf Arcels Leben und das Boxgeschäft und den Wandlungen des Boxgeschäfts zwischen den fünfziger und achtziger Jahren. Also von den Hinterhöfen in das Hauptprogramm des Fernsehen. Zwischen all diesen Erzählsträngen verheddert Jakubowicz sich. Einige Erzählstränge lässt er einfach fallen. Andere tragen nichts zum Hauptplot bei. Manchmal trifft beides zu. Und man kann trefflich darüber streiten, was jetzt der Hauptplot des Films, also der zentrale Konflikt und die zentrale Beziehung, ist.

So wirkt „Hands of Stone“ wie ein Best-of des Boxerfilms, der, obwohl er in den siebziger und frühen achtziger Jahren spielt, erstaunlich wenig Zeitkolorit hat.

Die Boxkämpfe, der natürliche Höhepunkt jedes Boxfilms, schneidet Jakubowicz so hektisch und auch zwischen verschiedenen Handlungsorten, dass man schnell den Überblick verlieren kann. Da war Antoine Fuqua mit seinem fast zeitgleich entstandenem „Southpaw“ weiter.

Am Ende ist „Hands of Stone“ nur ein durchschnittliches, arg zerfasertes Boxer-Biopic, das vieles anspricht, aber nie erklärt, warum wir uns für Roberto Durán interessieren sollten und was seine besonderen Leistungen waren. Abgesehen von den gewonnenen fünf Weltmeistertitel in vier Gewichtsklassen.

Als Bonusmaterial gibt es acht geschnittene Szenen und „Interviews“. Dahinter verbirgt sich ein dreiundzwanzigminütiges sehr informatives Making of, in dem vor allem auf die Bedeutung von Roberto Durán für seine Heimat Panama, seine Beziehung zu Sugar Ray Leonard und das Boxtraining der beiden Hauptdarsteller eingegangen wird.

Hands of Stone – Fäuste aus Stein (Hands of Stone, USA 2016)

Regie: Jonathan Jakubowicz

Drehbuch: Jonathan Jakubowicz

mit Édgar Ramírez, Robert De Niro, Usher Raymond IV, Oscar Jaenada, Jurnee Smollett-Bell, Ellen Barkin, Rubén Blades, Pedro Pérez, Ana de Armas, John Turturro

DVD

Ascot Elite

Bild: 2.40:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch, teilw. Zwangsuntertitelung in Englisch (das wurde großzügig ins Deutsche synchronisiert)

Bonusmaterial: Interviews, Deleted Scenes, Deutscher Trailer, Wendecover

Länge: 107 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Hands of Stone“

Metacritic über „Hands of Stone“

Rotten Tomatoes über „Hands of Stone“

Wikipedia über „Hands of Stone“

History vs. Hollywood über „Hands of Stone“


TV-Tipp für den 25. April: Der Staat gegen Fritz Bauer

April 25, 2018

Arte, 20.15

Der Staat gegen Fritz Bauer (Deutschland 2015)

Regie: Lars Kraume

Drehbuch: Lars Kraume, Olivier Guez

Generalstaatsanwalt Fritz Bauer möchte im Nachkriegsdeutschland den Nazi-Kriegsverbrecher Adolf Eichmann vor Gericht bringen.

Spannende Geschichtsstunde

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Burghart Klaußner, Ronald Zehrfeld, Sebastian Blomberg, Jörg Schüttauf, Lilith Stangenberg, Götz Schubert, Michael Schenk

Hinweise
Homepage zum Film
Filmportal über „Der Staat gegen Fritz Bauer“
Film-Zeit über „Der Staat gegen Fritz Bauer“
Moviepilot über „Der Staat gegen Fritz Bauer“
Wikipedia über „Der Staat gegen Fritz Bauer“

Meine Besprechung von Lars Kraumes „Der Staat gegen Fritz Bauer“ (Deutschland 2015), mein Interview mit Lars Kraume zum Film und die DVD-Besprechung

Meine Besprechung von Lars Kraumes „Familienfest“ (Deutschland 2015)

Meine Besprechung von Lars Kraumes „Das schweigende Klassenzimmer“ (Deutschland 2018)


Cover der Woche

April 24, 2018


TV-Tipp für den 24. April: Reservoir Dogs – Wilde Hunde

April 24, 2018

Um 22.20 Uhr gibt es eine kurze Einführung von Oskar Roehler (sein nächster Film „HERRliche Zeiten“ startet am 3. Mai; die Besprechung gibt es zum Kinostart), danach

Tele 5, 22.25

Reservoir Dogs (Reservoir Dogs, USA 1992)

Regie: Quentin Tarantino

Drehbuch: Quentin Tarantino

Buch zum Film (Drehbuch): Quentin Tarantino: Reservoir Dogs – Das Buch zum Film/Zweisprachige Ausgabe (rororo 1997)

Einige Gangster überfallen einen Juwelier. Der Überfall geht schief. Sie flüchten in eine Garage. Mr. Orange (sie kennen sich nur unter Farb-Pseudonymen) liegt schwerverletzt auf dem Boden und kämpft um sein Leben. Die anderen Gangster versuchen währenddessen die 100.000-Dollar-Frage „Wer hat uns verraten?“ zu klären.

Der Einfluss von Quentin Tarantinos Kinodebüt auf das Kino der Neunziger Jahre kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Ich sage nur nicht-chronologisches Erzählen (Bis dahin galt die eiserne Regel: Keine Rückblenden!), lustvoll zelebrierte Gewalt, coole Dialoge und oft ebenso coole Monologe.

Mit Harvey Keitel, Tim Roth, Michael Madsen, Chris Penn, Steve Buscemi, Lawrence Tierney, Edward Bunker, Quentin Tarantino

Wiederholung: Donnerstag, 26. August, 23.55 Uhr

Hinweise

Metacritic über „Reservoir Dogs“

Rotten Tomatoes über „Reservoir Dogs“

Wikipedia über „Reservoir Dogs“

Wikipedia über „Reservoir Dogs“ (deutsch, englisch)

Drehbuch „Reservoir Dogs“ von Quentin Tarantino

The Quentin Tarantino Archives (Fanseite)

Everthing Tarantino (dito)

Q-Tarantino.de (noch eine Fanseite)

Meine Besprechung von Georg Seeßlens „Quentin Tarantino gegen die Nazis – Alles über ‘Inglourious Basterds’“ (Kleine Schriften zum Film: 1, 2009)

Meine Besprechung von Quentin Tarantinos „Django Unchained“ (Django Unchained, USA 2012)

Kriminalakte über Quentin Tarantino und „Django Unchained“ (Bilder,Pressekonferenz und Comic)

Meine Bespechung von Quentin Tarantinos „The Hateful 8“ (The Hateful Eight, USA 2015)

 Quentin Tarantino in der Kriminalakte


DVD-Kritik: Antonio Banderas ist „Gun Shy“

April 23, 2018

Turk Henry ist ein stinkreicher, im selbstgewählten Ruhestand lebender Hair-Metal-Rocker, der geistig immer noch zwischen Sandkasten und Pubertät steckt. Da schleift ihn seine Freundin Sheila aus dem selbstgewählten Exil nach Santiago de Chile.

Dort baut er am Pool sofort sein Lager auf und trinkt ein Bier nach dem nächsten. Für mehr interessiert er sich nicht. Sie macht sich als Teil einer kleinen Gruppe auf zum Llama-Watching und wird prompt gekidnappt. Die anderen Geisel werden erschossen oder freigelassen. Aber Juan Carlos behält das frühere Model. Immerhin ist Sheila die Freundin des Sängers und Bassisten der von ihnen bewunderten Metal-Band.

Ihre Lösegeldforderung von einer Million Dollar ist aus Turks Sicht lächerlich gering und er möchte das Geld auch sofort bezahlen.

Aber der Botschaftsmitarbeiter Ben Harding glaubt, dass die Entführer Terroristen sind und mit Terroristen wird nicht verhandelt.

Und schon beginnt ein Versteckspiel zwischen dem lethargischen Musiker, der notgedrungen etwas tun muss, und dem vor Energie strotzenden Harding, der jede Verhandlung möglichst unauffällig verhindern will. Währenddessen menschelt Sheila mit den eigentlich grundsympathischen Entführern, die etwas Piratencharme versprühen.

Früher wäre „Gun Shy“ wahrscheinlich im Bahnhofskino gelaufen. In den wenigen Kritiken wäre der Film als Abschreibungsprojekt bezeichnet worden. Das kann über „Gun Shy“ nicht behauptet werden. Immerhin wurde der Film mit einer Crowdfunding-Kampagne finanziert. Für ein originäre Abschreibungsprojekt wäre das ein etwas mühevoller Weg zur Steuererleichterung. An der Qualität des Endprodukts ändert das nicht. .

Trotzdem kann so ein schlechter Film, wenn man ihn sich mit den richtigen Erwartungen ansieht, auch gefallen. Das liegt in diesem Fall vor allem an Antonio Banderas, der den Hair-Metal-Rocker Turk Henry mit spürbarer Lust am Klischee und dessen Debilität spielt. Turk ist ein Über-Rockmusiker, der deshalb besonders dumm, kindisch, verwöhnt und lebensuntüchtig ist. Früher, während seiner aktiven Krachmacherzeit, war er in jeder Beziehung vergnügungssüchtig. Sogar die Jungs von Spinal Tap sind gegenüber Turk nobelpreisverdächtige Intelligenzbestien.

Auch die anderen Schauspieler bemühen sich nie um ein auch nur ansatzweise naturalistisches Spiel. Entweder sind sie einfach so da oder sie übertreiben so lange, bis ihr Charakter eine Comedy-Figur ist. In ihren lichtesten Momenten sind sie alle grenzdebil, meistens allerdings erheblich dümmer.

Sie sind Klischeefiguren in einer an Handlung sparsamen Geschichte, die an wenigen Orten mit einem überschaubarem Budget gedreht wurde.

Regisseur Simon West („Con Air“, „The Expendables 2“, „The Mechanic“) bringt die Geschichte immerhin angenehm unernst und flott über die knapp neunzig Minuten. So macht „Gun Shy“ als anspruchsloser Klamauk durchaus Spaß. Und wenn man den Film mit einigen Freunden und Getränken sieht, entfaltet er wahrscheinlich einige SchleFaZ-Momente.

P. S.: Das Cover hat, wie man es von Bahnhofskinofilmen kennt, mit dem Film nichts zu tun. Jedenfalls erinnere ich mich nicht an brennende Boote, durch die Luft fliegende Geldscheine, Hubschrauber, einen Gitarrenkoffer (Turk befördert das Geld bevorzugt in stabilen Reisekoffer) und Turk mit einer Pistole. An Turk in Hair-Metal-Klamotten und Bierdose schon.

Gun Shy (Gun Shy, Großbritannien 2017)

Regie: Simon West

Drehbuch: Toby Davies, Mark Haskell Smith

LV: Mark Haskell Smith: Salty, 2007

mit Antonio Banderas, Olga Kurylenko, Ben Cura, Mark Valley, Aisling Loftus, Martin Dingle Wall, Emiliano Jofre

DVD

Ascot Elite

Bild: 2.39:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Deutscher und Originaltrailer, Wendecover

Länge: 88 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Gun Shy“

Metacritic über „Gun Shy“

Rotten Tomatoes über „Gun Shy“

Wikipedia über „Gun Shy“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Simon Wests „The Mechanic“ (The Mechanic, USA 2011)

Meine Besprechung von Simon Wests „The Expendables 2“ (The Expendables 2, USA 2012)

Meine Besprechung von Simon Wests „Wild Card“ (Wild Card, USA 2015)

Homepage von Mark Haskell Smith


TV-Tipp für den 23. April: Black out – Anatomie einer Leidenschaft

April 23, 2018

Arte, 22.15

Black Out – Anatomie einer Leidenschaft (Bad Timing, Großbritannien 1979)

Regie: Nicolas Roeg

Drehbuch: Yale Udoff

Ein Psychoanalytiker verliebt sich in eine Frau, die ihr Leben frei und unabhängig genießen möchte. Er möchte dagegen, dass sie das tut, was er möchte.

TV-Premiere von Roegs zwischen den Zeitebenen und Perspektiven wechselnde Geschichte einer obsessiven Liebe ist eine Entdeckung. Der britische Verleih The Rank Organisation nannte den Film „einen kranken Film von kranken Menschen für kranke Menschen“ und verzichtete auf eine Kinoauswertung in England. In den USA gab es ein X-Rating. In Deutschland ein FSK-18. Nach der Premiere auf der Berlinale war die Kinoauswertung kurz und kontrovers. Die DVD-Veröffentlichung sorgte in Cineastenkreisen für eine Rehabilitierung des fast vollständig aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwundenen Films.

Black Out – Anatomie einer Leidenschaft“ ist „verwirrend komplex erzählt und formal größtenteils hervorragend gestaltet, wenn auch streckenweise schockierend in den Ausdrucksmitteln. Ein ungewöhnlicher Beitrag zur Problematik der geschlechtlichen Partnerschaft.“ (Lexikon des internationalen Films)

Roeg inszenierte auch von „Walkabout“, „Wenn die Gondeln Trauer tragen“ und „Der Mann, der vom Himmel fiel“.

mit Art Garfunkel, Theressa Russell, Harvey Keitel, Denholm Elliott, Dana Gillespie Daniel Massey

alternative Schreibweise: Blackout – Anatomie einer Leidenschaft

Hinweise

Arte über „Black Out“

Rotten Tomatoes über „Black Out“

Wikipedia über „Black Out“ (deutsch, englisch)

Noir of the Week über „Black Out“

Meine Besprechung von Nicolas Roegs „Der Mann, der vom Himmel fiel“ (The Man who fell to Earth, Großbritannien 1976)


TV-Tipp für den 22. April (+ Buchtipp): Der Marsianer – Rettet Mark Watney

April 22, 2018

Pro7, 20.15

Der Marsianer – Rettet Mark Watney (The Martian, USA 2015)

Regie: Ridley Scott

Drehbuch: Drew Goddard

LV: Andy Weir: The Martian, 2011/2014 (Der Marsianer)

Wegen eines Sturms wird die erste bemannte Marsmission hastig abgebrochen und, durch eine Verkettung unglücklicher Umstände, Crewmitglied Mark Watney auf dem Mars zurückgelassen. Weil auch jede Funkverbindung unterbrochen ist, beginnt Watney sich auf dem Mars einzurichten. Bis Hilfe kommt…

Hochspannendes und realistisches SF-Abenteuer, mit einer ordentlichen Portion Humor. „Der Marsianer“ war ein Erfolg bei der Kritik und dem Publikum. Er ist einer von Scotts besten Filmen.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Matt Damon, Jessica Chastain, Kristen Wig, Jeff Daniels, Michael Pena, Kate Mara, Sean Bean, Sebastian Stan, Aksel Hennie, Chiwetel Ejiofor, Donald Glover, Benedict Wong, Mackenzie Davis

Wiederholung: Montag, 23. April, 01.45 Uhr (Taggenau!)

Die Vorlage

Andy Weir: Der Marsianer – Rettet Mark Watney
(übersetzt von Jürgen Langowski)
Heyne, 2015
512 Seiten
9,99 Euro

Deutsche Erstausgabe
Heyne, 2014

Originalausgabe
The Martian
2011 (online)
(gedruckt 2014 bei Crown und Del Rey)

Bonushinweis

Der zweite Roman von Andy Weir ist erschienen. In „Artemis“ es um einen Mord auf dem Mond. Und der Täter ist einer der zweitausend Bewohner der Mondstadt Artemis. Der Ermordete hat vorher Jazz Bashara beauftragt, eine Aluminiumfirma zu sabotieren. Aber Jazz wird bei ihrem Sabotageakt erwischt und muss jetzt herausfinden, wer der Mörder ist.

Klingt nach einer ganz anderen Art von Spannung als Weir Hard-SF-Debüt „Der Marsianer“. Und das ist schon einmal sehr erfreulich.

Die Verfilmungsrechte sind bereits verkauft.

Andy Weir: Artemis

(übersetzt von Jürgen Langowski)

Heyne, 2018

432 Seiten

15 Euro

Originalausgabe

Artemis

Crown Publishing Group, 2017

Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Englische Homepage zum Film
Film-Zeit über „Der Marsianer“
Moviepilot über „Der Marsianer“
Metacritic über „Der Marsianer“
Rotten Tomatoes über „Der Marsianer“
Wikipedia über „Der Marsianer“ (deutsch, englisch)
Homepage von Andy Weir

Meine Besprechung von Ridley Scotts “Prometheus” (Prometheus, USA 2012)

Meine Besprechung von Ridley Scotts “Exodus – Götter und Könige (Exodus – Gods and Kings, USA 2014)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Alien: Covenant“ (Alien: Covenant, USA 2017)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Alles Geld der Welt“ (All the Money in the World, USA 2017)

Ridley Scott in der Kriminalakte

 


TV-Tipp für den 21. April: I, Robot

April 21, 2018

Weil die TV-Premiere von Andrés Muschiettis Geisterhorrorfilm „Mama“ erst nach der Sportschau um 01.00 Uhr (also später) im ZDF ist

Pro7, 20.15

I, Robot (I, Robot, USA 2004)

Regie: Alex Proyas

Drehbuch: Jeff Vintar, Akiva Goldsman

LV: Isaac Asimov: I, Robot, 1950 (Ich, der Robot, Kurzgeschichtensammlung)

2035: Roboter nehmen uns viele Aufgaben ab. Als der Chefkonstrukteur der Firma US Robotics in den Tod stürzt, glaubt Polizist und Roboterhasser Del Spooner, dass der Konstrukteur von einem Roboter umgebracht wurde. Niemand glaubt ihm.

Unterhaltsamer SF-Actionthriller, der von Asimov vor allem die drei Robotergesetze übernommen hat. Denn Proyas interessiert sich vor allem für Design und Entertainment.

mit Will Smith, Bridget Moynahan, Alan Tudyk, James Cromwell, Bruce Greenwood, Chi McBride, Shia LaBeouf

Wiederholung:  Sonntag, 22. April, 13.40 Uhr

Hinweise

Film-Zeit über “I, Robot”

Rotten Tomatoes über “I, Robot”

Wikipedia über „I, Robot“ (deutsch, englisch)

Homepage von Isaac Asimov


Neu im Kino/Filmkritik: „Lady Bird“, eine Jugend in der Provinz

April 20, 2018

Anybody who talks about California hedonism has never spent a Christmas in Sacramento.

Joan Didion

Greta Gerwig ist nicht Lady Bird. Sie inszenierte den Film nur nach ihrem Drehbuch und, um jetzt gleich die offensichtliche Frage zu beantworten, obwohl der Film 2002 in Sacramento spielt, ist er nicht autobiographisch. Jedenfalls nicht im strengen Sinn. „Lady Bird“ erzählt eine erfundene Geschichte über eine junge Frau, die, wie Gerwig, in Sacramento lebt, auf eine katholische Mädchenschule geht und nach New York will.

Lady Bird ist Christine McPherson, gespielt von Saoirse Ronan und, nun, sie ist Lady Bird. Ein Teenager im letzten Highschooljahr. Ausgesetzt all den Gefühlsstürmen und Unsicherheiten, die man in diesem Alter hat. Vor allem wenn man aus einer armen Familie kommt und sich als Outcast fühlt. Ihre Mutter verdient als Krankenschwester das Geld für die Familie. Sie will ihrer Tochter die Flausen austreiben und eine realistische Perspektive auf ihr künftiges Leben vermitteln. Sie haben einfach nicht das Geld, um ihrer Tochter das teure Studium in New York zu bezahlen. Ihr gebildeter, arbeitsloser Vater sieht das wesentlich entspannter und verständnisvoller. Und ihr Bruder ist gar nicht ihr Bruder, sondern adoptiert und konkurriert mit ihrem Vater um die gleichen IT-Stellen.

An der Schule kämpft sie sich durch, hängt mit ihrer Freundin ab, wäre gerne bei dem coolen Jungs und Mädchen und natürlich geht es um den ersten Sex.

So gesagt unterscheidet sich „Lady Bird“ nicht von unzähligen anderen Highschool-Komödien. Sie erzählen Episoden aus dem Leben Jugendlicher in einer bestimmten Periode ihres Lebens. Meistens sind die Filme Ensemblefilme. Das ermöglicht es dem Regisseur, viele verschiedene Geschichten, Episoden und auch Perspektiven über das Erwachsenwerden einzubringen. Meistens ist es auch ein rein männlicher Blick, genau gesagt: der Blick des weißen Mannes.

Fast immer enden diese Filme mit einem von Außen bestimmten Ereignis, wie der Abschlussfeier oder dem Tag nach der letzten Nacht in dem geliebt/gehassten, vertrauten Geburtsort, der dann „Dazed and Confused“ in eine fremde Welt verlassen wird. Und, auch wenn wir die US-amerikanischen Schulen nur aus den Filmen kennen, sind die Filme immer wie ein Blättern in einem Bildband oder dem Karton mit den Jugendfotos, die Erinnerungen wecken.

Greta Gerwig erzählt ihren Film dagegen aus der weiblichen Perspektive und das eröffnet dem Genre neue Perspektiven. Sie hat einen sehr wahrhaftigen und authentischen Blick auf ihre Charaktere, die fast durchgängig Frauen sind. Auch die Lehrer sind, immerhin besucht Lady Bird eine katholische Mädchenschule, weiblich. Und wann hat man zuletzt eine Nonne als Lehrerin und als durchaus positive Respektsperson in einem Film gesehen? Die Männer, vor allem die jungen Männer, müssen sich da als Objekt der Begierde mit Nebenrollen begnügen.

Keine Nebenrolle haben dagegen, – auch hier unterscheidet „Lady Bird“ sich von anderen Highschool-Komödien -, die Eltern von Lady Bird. Vor allem ihre Beziehung zu ihrer Mutter, mit der sie eine wahre Hassliebe verbindet, nimmt viel Leinwandzeit in Anspruch.

So werden die Episoden aus Lady Birds chaotischem (Gefühls)Leben mehr als in anderen Highschool-Komödien zu einer Geschichte. Gerwig zeichnet eine Entwicklung nach, die erst in New York endet. Jedenfalls in diesem Film. Wer will kann nämlich in „Frances Ha“ (wo Gerwig Co-Autorin war und die Hauptrolle spielte), ohne große Anstrengungen, eine Art Weiterzählung von „Lady Bird“ sehen.

Am Ende von „Lady Bird“ erscheint Sacramento gar nicht so schlimm, wie Joan Didion, eine andere bekannte gebürtige Sacramentoerin (Ist das ein Wort?), behauptet. Jedenfalls nicht schlimmer als irgendein x-beliebiges Provinzkaff.

Lady Bird (Lady Bird, USA 2017)

Regie: Greta Gerwig

Drehbuch: Greta Gerwig

mit Saoirse Ronan, Laurie Metcalf, Tracy Letts, Lucas Hedges, Timothée Chalamet, Beanie Feldstein, Stephen McKinley Henderson, Lois Smith, Odeya Rush, Jordan Rodrigues, Marielle Scott

Länge: 95 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

Hinweise

Deutsche Facebook-Seite zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Lady Bird“

Metacritic über „Lady Bird“

Rotten Tomatoes über „Lady Bird“

Wikipedia über „Lady Bird“ (deutsch, englisch)

History vs. Hollywood über „Lady Bird“ (oder Wie autobiographisch ist Greta Gerwigs fantastisches Regiedebüt?)

Realizing Lady Bird (Achtung: enthält Spoiler und nervige Musik)


TV-Tipp für den 20. April: Jade

April 20, 2018

3sat, 22.25

Jade (Jade, USA 1995)

Regie: William Friedkin

Drehbuch: Joe Eszterhas

Staatsanwalt Corelli soll den Mord an einem Kunstsammler aufklären. Der verdiente sein Geld, zusammen mit dem verschwundenen Callgirl Jade, als Erpresser. Eine heiße Spur führt Corelli zu seiner jetzt mit einem Studienkollegen verheirateten College-Liebe. Einer Psychologin.

Jade“ ist im Endeffekt ein schlechtes Remake von „Basic Instinct“, das auch „French Connection“-Regisseur William Friedkin nicht retten kann.

enttäuschender Abklatsch früherer Erfolge, mit viel Aufwand allerdings auf Hochglanzformat gebracht.“ (Fischer Film Almanach 1997)

Eszterhas und Caruso waren für jeweils einen Razzie nominiert.

Joe Eszterhas war damals der höchstbezahlte Drehbuchautor. „Flashdance“, „Das Messer“, „Verraten“, „Music Box, „Basic Instinct“ (sein bekanntester Film), „Sliver“ und „Showgirls“ sind seine bekanntesten Werke. Seit über zwanzig Jahren wurde, abgesehen von „Children of Glory“ (wo er sich den Drehbuchcredit mit drei anderen Autoren teilt), keines seiner Drehbücher mehr verfilmt.

David Caruso war damals mit „NYPD Blue“ zum Star geworden und verließ die Polizeiserie (die nach seinem Ausstieg noch viele, viele Jahre sehr erfolgreich im US-TV lief) zugunsten einer Kinokarriere. „Jade“ sollte der Beginn sein. Der Thriller war kein Erfolg. Die Kinokarriere ebenfalls nicht. 2002 kehrte er ins Fernsehen zurück. Zehn Jahre spielte er in „CSI: Miami“ Horatio Caine. Seit dem Ende der Serie 2012 ist er im Ruhestand.

mit David Caruso, Linda Forentino, Chazz Palminteri, Michael Biehn, Richard Crenna

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Jade“

Wikipedia über „Jade“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: Denzel Washington ist „Roman J. Israel, Esq. – Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit“

April 19, 2018

Roman J. Israel hat sich in Los Angeles sein Reich geschaffen. Er ist ein brillanter Anwalt und Bürgerrechtler, der in seiner bis zur Zimmerdecke mit juristischen Texten vollgestopften Gelehrtenkammer Schriftsätze formuliert, die sein Kanzleipartner William Henry Jackson vor Gericht verteidigt. In der Szene ist er bekannt. In der Öffentlichkeit ist er ein Sonderling. Allein in einem 1-Zimmer-Apartment mit Erinnerungen an die Helden der Bürgerrechtsbewegung und vielen Schallplatten aus den siebziger Jahren (Herrje, ich will diese Wohnung haben!) in einer schlechten Gegend lebend, nicht an Äußerlichkeiten interessiert, kontaktscheu, introvertiert, mit einem enzyklopädischen Gedächtnis und einem untrüglichen Gerechtigkeitssinn. Er lebt noch in den sechziger und siebziger Jahren, als Männer selbstverständlich aufstanden, um einer Frau ihren Platz anzubieten.

Als Jackson nach einem Schlaganfall in ein Koma fällt, wird die Kanzlei aufgelöst. Einerseits, weil sie sowieso schon seit Jahren defizitär war, andererseits weil Israel keine Erfahrung als Verteidiger in Prozessen hat und er aufgrund seiner Persönlichkeit auch der denkbar schlechteste Anwalt für ein öffentliches Verfahren ist. George Pierce, ein Student von Jackson und Leiter einer großen, modernen, profitorientierten Anwaltskanzlei, übernimmt Jacksons restliche Mandanten und, nach kurzem Zögern, auch Israel. Einige Pro-Bono-Fälle sind gut für das Image, denkt er sich, und Israel scheint dafür der geeignete Mann zu sein.

Dummerweise hat Israel Probleme, sich anzupassen. Er kann und will die Regeln in Pierces Firma nicht befolgen. Er lernt Maya Alston kennen. Sie ist eine junge, engagierte Verfechterin von Gleichberechtigungsklagen, die eine Zweigstelle einer landesweit organisierten Freiwilligenorganisation für Bürgerrechtsklagen ist.

Roman J. Israel, Esq. – Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit“, der neue Film von „Nightcrawler“-Regisseur Dan Gilroy, ist vor allem ein Denzel-Washington-Solo. Washington spielt Roman J. Israel überzeugend als menschenscheuen, nicht auf seine Umwelt achtenden Sonderling. Für seine Darstellung wurde er unter anderem, als bester Hauptdarsteller, für den Oscar, den Golden Globe, den Screen Actors Guild Award (chancenlos gegen „Churchill“ Gary Oldman) und den Black Reel Award (chancenlos gegen „Get out“ Daniel Kaluuya) nominiert.

Auch die anderen Schauspieler, wie Colin Farell als George Pierce und Carmen Ejogo als Maya Alston, sind gut.

Aber das Drehbuch mäandert ziellos vor sich hin. Die einzelnen Szenen sind zwar gelungen, aber eine richtige Geschichte ist nicht erkennbar. Haupt- und Nebengeschichten werden niemals sinnvoll und sich verstärkend angeordnet. Die Anklage gegen ein überfordertes Justizsystem, das sich nicht für den einzelnen Menschen, sondern für reibungslose Verfahren interessiert, ist erkennbar, aber sie steht nicht im Mittelpunkt.

Der Noir-Krimiplot, in dem Israel das Gesetz in die eigenen Hände nimmt und, obwohl er es nicht dürfte, eine versprochene Belohnung kassiert, ist ebenfalls eher nebensächlich.

Seine Wandlung von einem Außenseiter zu einem sich wenigstens äußerlich in Pierces Firma anpassend und seinen unverdienten Reichtum genießenden Mann kommt zu plötzlich und ist auch nicht aus dem Charakter heraus motiviert.

Alles das könnte mit einem starken Ende geheilt werden. Aber anstatt die Geschichte von Roman J. Israel, Esq. mit einem Ende enden zu lassen, das der vorherigen Geschichte eine eindeutige ihre Botschaft verleiht, präsentiert Gilroy mehrere, sich mehr oder weniger im Weg stehende Enden, die teilweise sogar die vorherige Geschichte konterkarieren.

Gilroys menschelnde Charakterstudie „Roman J. Israel, Esq.“ erreicht niemals die Kraft von seinem hochkonzentrierten und auch zynischem Spielfilmdebüt „Nightcrawler“.

Aber als Denzel-Washington-Solo überzeugt das Drama restlos.

Roman J. Israel, Esq. – Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit (Roman J. Israel, Esq., USA 2017)

Regie: Dan Gilroy

Drehbuch: Dan Gilroy

mit Denzel Washington, Colin Farrell, Carmen Ejogo, Lynda Gravátt, Amanda Warren, Hugo Armstrong, Sam Gilroy, Esperanza Spalding

Länge: 123 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Deutscher Facebook-Hashtag zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Roman J. Israel, Esq.“

Metacritic über „Roman J. Israel, Esq.“

Rotten Tomatoes über „Roman J. Israel, Esq.“

Wikipedia über „Roman J. Israel, Esq.“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Dan Gilroys „Real Steel“ (Real Steel, USA 2011, Regie: Shawn Levy)

Meine Besprechung von Dan Gilroys „Das Bourne-Vermächtnis“ (The Bourne Legacy, USA 2012, Regie: Tony Gilroy)

Meine Besprechung vom Dan Gilroys „Nightcrawler – Jede Nacht hat ihren Preis“ (Nightcrawler, USA 2014)

Heute online gegangen: Der Trailer zu Denzel Washingtons nächstem Film


Neu im Kino/Filmkritik: Drei „Ghost Stories“ in einem very british Horrorfilm

April 19, 2018

Professor Philip Goodman ist ein Skeptiker. Geister und übersinnliche Begegnungen gibt es in seiner Welt nicht. Wer das behauptet, irrt sich oder will gutgläubigen Menschen das Geld aus der Tasche ziehen. Goodmans Lebensaufgabe ist das Enttarnen von Scharlatanen. Am liebsten vor laufender Kamera in seiner TV-Sendung „Psychic Cheats“.

Da erreicht ihn eine Nachricht von Charles Cameron, dem seit Ewigkeiten verschwundenem Idol von Goodman. Cameron haust inzwischen in der Einöde in einem schmuddeligen Wohnwagen und steckt in einer ausgewachsenen Sinnkrise. Er bittet Goodman, sich drei Fälle paranormaler Begegnungen anzusehen, für die er keine rationalen Erklärung gefunden hat. Für ihn sind sie der Beweis, dass es übernatürliche Kräfte gibt.

Nach diesem Anfang folgen wir in Andy Nyman und Jeremy Dysons Horrorfilm „Ghost Stories“ Goodman bei der Überprüfung der Fälle. Er unterhält sich mit den Menschen, die diese übernatürliche Erfahrungen hatten und Rückblenden illustrieren die Ereignisse. So begegnet, in der ersten und längsten Episode des Films, ein Nachtwächter in einem früheren Irrenhaus Geistern. In der zweiten Episode bleibt, nach einem Unfall, das Auto eines Zwanzigjährigen im Wald liegen und es geschehen unheimliche Dinge. In der dritten und kürzesten Episode wird ein arroganter Geschäftsmann der während der Schwangerschaft seiner Frau von einem Poltergeist genervt.

In dieser Episode darf Martin Freeman als Geschäftsmann laut und herrisch gegen sein Filmimage anspielen. Freemans Freude daran ist unüberseh- und -hörbar.

Der Film von Nyman und Dyson basiert auf ihrem Theaterstück, das im Februar 2010 im Liverpool Playhouse seine Premiere hatte. Danach wurde es in London am Lyric Hammersmith und zwei West-End-Bühnen gespielt. In weiteren Großstädten, wie Toronto, Shanghai, Lima, Sydney und Moskau, wurde es aufgeführt. Über eine halbe Million Besucher sahen es und mit der Kinoversion werden weitere Zuschauer hinzukommen. Die Bühnenherkunft merkt man im Film noch an den langen Dialogpassagen. In einem originären Filmdrehbuch würde man schneller die Schauplätze wechseln. Die ausführlichen Rückblenden, in denen die Geisterbegegnungen aus der Sicht der Erzähler gezeigt werden, tragen außerdem dazu bei, die ursprüngliche Bühnensituation weiter aufzubrechen.

Die Theaterherkunft, die daher wahrscheinlich nur dem wissenden Auge auffällt, ist dann auch kein Problem des stilsicher sehr britisch inszenierten Horrorfilms,. Es sind die Fälle, die Goodman sich ansehen soll.

Diese Fälle übernatürlicher Begegnungen sind so läppisch, dass sie die Zweifel von Cameron an seinem Lebenswerk nicht begründen können. Denn jedem Kinozuschauer werden schnell zwei, drei rationale Erklärungen einfallen. Als eigenständige, atmosphärische Grusel-Kurzfilme auf dem Niveau einer durchschnittlichen bis schlechten „The Twilight Zone“-Episode, funktionieren sie allerdings ziemlich gut.

Am Ende gibt es eine Schlusspointe, die die vorherigen Ereignisse in einem anderen Licht erscheinen lässt, ohne die Qualität und Schlüssigkeit anderer Filme mit einem Schlusstwist zu erreichen.

So ist „Ghost Stories“, gut gespielt, gut inszeniert, nicht mehr als ein kleiner Grusler für Zwischendurch.

Ghost Stories (Ghost Stories, Großbritannien 2017)

Regie: Andy Nyman, Jeremy Dyson

Drehbuch: Andy Nyman, Jeremy Dyson (basierend auf ihrem Theaterstück)

mit Andy Nyman, Martin Freeman, Paul Whitehouse, Alex Lawther

Länge: 98 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Ghost Stories“

Metacritic über „Ghost Stories“

Rotten Tomatoes über „Ghost Stories“

Wikipedia über „Ghost Stories


TV-Tipp für den 19. April: Emil und die Detektive

April 19, 2018

MDR, 00.00

Emil und die Detektive (Deutschland 1931)

Regie: Gerhard Lamprecht

Drehbuch: Billie Wilder (aka Billy Wilder)

LV: Erich Kästner: Emil und die Detektive, 1928

Nachdem Herr Grundeis dem für die Ferien aus der Provinz nach Berlin kommenden Buben Emil Tischbein das Feriengeld geklaut hat, macht Emil sich im Großstadtdschungel mit einer Bande Kinder auf die Jagd nach dem Bösewicht.

Ewig nicht mehr gezeigter Filmklassiker des deutschen Films und des Kinderfilms.

Mit Fritz Rasp, Käthe Haack, Rolf Wenkhaus, Rudolf Biebrach, Olga Engl, Inge Landgut

Hinweise

Filmportal über „Emil und die Detektive“

Rotten Tomatoes über „Emil und die Detektive“

Wikipedia über „Emil und die Detektive“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Erich Kästners „Die verschwundene Miniatur“ (1935/2009)


TV-Tipp für den 18. April: Aliens – Die Rückkehr

April 18, 2018

Kabel 1, 22.50

Aliens – Die Rückkehr (Aliens, USA 1986)

Regie: James Cameron

Drehbuch: James Cameron (nach Charakteren von Dan O’Bannon und Ronald Shusett)

Ripley soll einige Marines auf einen Alien-verseuchten Planeten begleiten und beim Kampf gegen die ihr bekannten Aliens helfen.

Inzwischen ein SF-Klassiker, der als Kriegsfilm die harten Soldaten fröhlich als Kanonenfutter verheizt.

„‚Aliens‘ (und das leistet eine Fortsetzung selten) entwickelt den Spukhaus-im-Weltraum-Plot von ‚Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt‘ (Alien, 1979) weiter, indem er sämtliche monströsen Highlights des Vorgängers aufgreift und in den Kontext eines anderen, in den Weltraum verlagerten Genres stellt. (…) Cameron (…) kocht hier sein eigenes Süppchen mit hartgesottenen Heldinnen, Biomechanoiden, politischer Paranoia und atemloser Spannung, wobei er die Prämisse des ersten Filmes beibehält.“ (Phil Hardy, Hrsg.: Die Science Fiction Filmenzyklopädie, 1998)

Zum Kinostart urteilte der Fischer Film Almanach anders: „Mit ‚Alien‘ von Ridley Scott (…), mit der phantastischen Welt und den Kreaturen von H. R. Giger hat dieser Film nichts mehr gemein. (…) Fortsetzung folgt – hoffentlich nicht.“ und über Ripley wurde gesagt „eine zu allem entschlossene Amazone, eine Art Über-Mutter im Rambo-Look“

Auch „Zoom“ war ungnädig: „War der erste ‚Alien‘-Film (…) noch durchaus raffiniert, so wird in der Fortsetzung ganz auf drastische Schockeffekte und die üblichen Technik-Spielereien gesetzt.“

Tja, damals regierte Ronald Reagan die USA, im Kino sorgten Rambo, „Missing in Action“ Chuck Norris und Konsorten im Kampf gegen „Die rote Flut“ für volle Kassen und die Filmkritik beurteilte Filme auch vor dem politischen Klima der USA, der Rambo-Ideologie.

mit Sigourney Weaver, Carrie Henn, Michael Biehn, Paul Reiser, Lance Henricksen, Bill Paxton, William Hope

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Aliens“ (98 % Frischegrad)

Wikipedia über „Aliens“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von James Camerons „Terminator 2 – Tag der Abrechnung“ (Terminator 2: Judgment Day, USA 1991)


Cover der Woche

April 17, 2018


TV-Tipp für den 17. April: Frühjahr 48

April 17, 2018

Arte, 21.55

Frühjahr 48 (Deutschland 2018)

Regie: Matthias Haentjes

Drehbuch: Matthias Haentjes

Spielfilmlange Doku über über Europa vor siebzig Jahren und wie die damaligen Entscheidungen die nächsten Jahrzehnte beeinflussten.

Hinweis

Arte über die Doku


TV-Tipp für den 16. April: Point Blank

April 16, 2018

Arte, 22.20

Point Blank (Point Blank, USA 1967)

Regie: John Boorman

Drehbuch: Alexander Jacobs, David Newhouse, Rafe Newhouse

LV: Richard Stark: The hunter, 1962 (später wurde das Buch wegen der Verfilmungen unter den Titeln „Point Blank“ und „Payback“; in Deutschland unter „Jetzt sind wir quitt“ und „Payback“ verlegt)

Walker ist stinkig. Zuerst versuchen seine Frau und sein Kumpel ihn umzubringen. Dann hauen beide gemeinsame mit der Beute ab. Kaum kann der Profiverbrecher sich wieder bewegen, begibt er sich auf einen Rachefeldzug.

Endlich ist Boormans Gangsterfilmklassiker wieder im Puschenkino. „Point Blank“ ist immer noch eine der besten Westlake/Stark-Verfilmungen.

Point Blank“ war der erste Film, der auf Alcatraz gedreht wurde. Hauptbedingung für die Drehgenehmigung war, dass der Film keine Glorifizierung von Verbrechen enthalten dürfe.

Ähem,….

Mit Lee Marvin, Angie Dickinson, Keenan Wynn, John Vernon

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Point Blank“

TCM über „Point Blank“

Wikipedia über „Point Blank“ (deutsch, englisch)

Noir of the Week über „Point Blank“

Thrilling Detective über Parker

Meine Besprechung von Darwyn Cookes „Parker“ (Richard Stark’s Parker – The Hunter, 2009; – yep, der tolle Comic zum Buch)

Homepage von Donald E. Westlake

Kriminalakte: Nachruf auf Donald E. Westlake

Kriminalakte: Covergalerie Donald E. Westlake

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Roman „Get Real“

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Roman „What’s so funny?“

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Roman „Watch your back!“

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Kurzroman „Die Geldmacher“ (Walking around money; erschienen in „Die hohe Kunst des Mordens“ [Transgressions])

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes „Mafiatod“ (361, 1962)

Meine Vorstellung von Westlakes als Richard Stark geschriebener Parker-Serie (mit „Nobody runs forever“)

Meine Besprechung von Richard Starks Parker-Romans „Ask the Parrot“

Meine Doppelbesprechung von Richard Starks Parker-Romanen „Fragen Sie den Papagei“ (Ask the Parrot) und „Dirty Money“

Meine Besprechung des Films “The Stepfather”, nach einem Drehbuch von Donald E. Westlake

Meine Besprechung von Lax/Donald Westlakes „Hot Rock“ (Pierre qui roule, 2008, Comic)

Meine Besprechung von Taylor Hackfords Richard-Stark-Verfilmung „Parker“ (Parker, USA 2013)


TV-Tipp für den 15. April: The Getaway

April 15, 2018

Arte, 21.50

The Getaway (The Getaway, USA 1972)

Regie: Sam Peckinpah

Drehbuch: Walter Hill

LV: Jim Thompson: Getaway, 1958 (Getaway)

Auf Wunsch des korrupten Politikers Jack Benyon wird Doc McCoy vorzeitig aus der Haft entlassen. Er soll eine Bank ausrauben. Der Überfall gelingt, aber danach geht alles schief.

Die gelungene und kommerziell sehr erfolgreiche Verfilmung des Krimis, mit Steve McQueen und Ali MacGraw – obwohl das letzte Drittel des Buches fehlt. Und das ist noch nicht alles, wie der französische Regisseur Alain Corneau meint: „Im Gegensatz zu Hammett und Chandler sind die Amerikaner nicht dazu in der Lage, Thompson zu verfilmen. Nehmen wir zum Beispiel Getaway. Die Figuren werden für die Verfilmung um 180 Grad gedreht, das Buch um mindestens ein Drittel gekürzt. Die Personen und das Thema des Romans wurden an die Seite gedrängt. Doc McCoy ist im Buch ein viel düsterer Charakter als Steve McQueen, und die philosophischen Dimensionen gingen völlig verloren.“ – Trotzdem ist „Getaway“ ein kalter, düsterer und amoralischer Film.

Mit Steve McQueen, Ali MacGraw, Ben Johnson, Al Lettieri, Slim Pickens, Bo Hopkins

Wiederholung: Freitag, 27. April, 00.0 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Meine Besprechung von Sam Peckinpahs „Gefährten des Todes“ (The deadly Companions, USA 1961)

Meine Besprechung von Sam Peckinpahs „Steiner – Das eiserne Kreuz“ (Cross of Iron, D/GB 1977)

Meine Besprechung von Mike Siegels Dokumentation „Sam Peckinpah: Passion & Poetry“ (D 2005)

Wikipedia über Sam Peckinpah (deutsch, englisch)

Georg Seeßlen über Sam Peckinpah (der Nachruf erschien zuerst in epd Film 2/1985)

The Guardian: Rick Moody über Sam Peckinpah (9. Januar 2009)

Senses of Cinema: Gabrielle Murray über Sam Peckinpah

Mordlust über Jim Thompson

Crimetime über Jim Thompson

Wikipedia über Jim Thompson (Englisch)

Kirjasto über Jim Thompson

Popsubculture über Jim Thompson

Meine Besprechung von Jim Thompsons „Jetzt und auf Erden“ (Now and on Earth, 1942)

Meine Besprechung von Michael Winterbottoms Jim-Thompson-Verfilmung „The Killer inside me“ (The Killer inside me, USA 2010)

Senses of Cinema über „The Getaway“

Drehbuch „Getaway“ von Walter Hill (Final Revised Shooting Draft – 23. Februar 1972)

Meine Besprechung von Walter Hills “Straßen in Flammen” (Streets on Fire, USA 1984)

Meine Besprechung von Walter Hills „Shootout – Keine Gnade“ (Bullet to the the Head, USA 2013)


TV-Tipp für den 14. April: Southpaw

April 14, 2018

Pro7, 20.15

Southpaw (Southpaw, USA 2015)

Regie: Antoine Fuqua

Drehbuch: Kurt Sutter

Billy Hope ist ein erfolgreicher Boxer. Bis eine persönliche Katastrophe sein bisheriges Leben auf den Kopf stellt und er auch an ganz anderen Fronten kämpfen muss.

Überzeugender Boxerfilm, der innerhalb der bekannten Genrekonventionen interessante Akzente setzt.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Jake Gyllenhaal, Rachel McAdams, Forest Whitaker, Naomie Harris, Curtis `50 Cent`Jackson, Oona Laurence, Miguel Gomez, Skylan Brooks, Beau Knapp, Victor Ortiz

Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Englische Homepage zum Film
Film-Zeit über „Southpaw“
Moviepilot über „Southpaw“
Metacritic über „Southpaw“
Rotten Tomatoes über „Southpaw“
Wikipedia über „Southpaw“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas “Training Day” (Training Day, USA 2001)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas “Gesetz der Straße – Brooklyn’s Finest” (Brooklyn’s Finest, USA 2009)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas “Olympus has fallen – Die Welt in Gefahr” (Olympus has fallen, USA 2013)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas “The Equalizer” (The Equalizer, USA 2014)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas “Southpaw” (Southpaw, USA 2015)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas „Die glorreichen Sieben“ (The Magnificent Seven, USA 2016)