Neu im Kino/Filmkritik: „BlacKkKlansman“ – Spike Lees furiose Rückkehr ins Kino

August 24, 2018

Es klingt wie ein Witz: Ein Afroamerikaner wird Mitglied beim Ku-Klux-Klan.

Aber das passierte wirklich und Spike Lee verfilmte jetzt diese Geschichte. Wobei man wohl besser sagt „inspiriert von einer wahren Geschichte“ als „basierend auf einer wahren Geschichte“.

In den Siebzigern bewirbt sich Ron Stallworth (John David Washington) beim Colorado Springs Police Department. Er wird der erste afroamerikanische Polizist des Reviers. Wobei man damals nicht afroamerikanisch, sondern schwarz sagte. Oder gleich noch diskriminierendere Worte benutze und den neuen Kollegen, der zuerst einmal in das Archiv verbannt wird, seine Abneigung deutlich spüren lässt. Aber Stallworth bewegt sich schon ab dem ersten Tag mit seinem Afro (damals modisch der letzte Schrei) so selbstsicher durch das Revier, dass klar ist, dass er die Botschaft von „I’m Black and I’m Proud“ verinnerlicht hat und seinen Shaft kennt.

Eines Tages sieht er in der Tageszeitung eine Anzeige des Ku-Klux-Klans. Es werden Mitglieder für eine örtliche KKK-Gruppe gesucht. Stallworth ruft an und am Diensttelefon verkörpert er so gut den weißen Rassisten, dass sein Gesprächspartner begeistert über das zukünftige Mitglied ist. Etwas später ist auch KKK-Anführer David Duke (Topher Grace) begeistert. Am Telefon überzeugt Stallworth die Rassisten mühelos. Er kann, und das ist einer der zahlreichen witzigen Dialoge, in den Rassenstereotype aufgespießt werden, ’schwarz‘ und ‚weiß‘ klingen (Keine Ahnung, ob der Witz in der deutschen Synchronisation noch funktioniert). Für eine persönliche Begegnung, die sich irgendwann nicht vermeiden lässt, muss dann ein weißer Kollege einspringen. Das soll Flip Zimmerman (Adam Driver), ein Jude, tun.

Damit sind wir beim grandiosen zweiten Witz des Films: ein Schwarzer und ein Jude infiltrieren den Ku-Klux-Klan und fügen ihm eine empfindliche Schlappe zu.

Bis es dahin kommt, zeigt Spike Lee sich in seinem neuen Film „BlacKkKlansman“ in Hochform und es ist ein typischer Spike-Lee-Joint: etwas zu lang, etwas chaotisch zwischen Stilen und Stimmungen wechselnd, eklektisch in jeder Beziehung, voller Humor, gespickt mit mal mehr, mal weniger subtilen Anspielungen und satirischer Zuspitzungen und immer unterhaltsam. Wie man, um jetzt nicht all seine Klassiker zu erwähnen, es beispielsweise aus seiner grandiosen Mediensatire „It’s Showtime“ (Bamboozled, 2000) kennt. Das ist, obwohl „BlacKkKlansman“ auch ein Thriller ist, nicht der Spike Lee, der mit „Inside Man“ (2006) und „Oldboy“ (2013, seinem letzten bei uns im Kino gelaufenem Film) straffe Thriller erzählte. In „BlacKkKlansman“, erleben wir den Filmemacher wieder mit seiner bekannten politischen Agenda und, auch ohne die letzten Filmminuten, in denen er Bilder der rechtsextremen „Unite the Right“-Demonstration, die 2017 in Charlottesville stattfand, zeigt, sind die Bezüge zur Gegenwart für jeden im Kinosaal glasklar. Vor allem, wenn man hört, woher die bekannten Trump-Sprüche kommen.

BlacKkKlansman“ ist eine wütende Anklage gegen Rassisten und ihre Weltsicht. Spike Lee macht sich über sie lustig, aber er dämonisiert sie nicht. Er reißt ihnen nur die Maske vom Gesicht und lässt immer wieder, auch wenn sie es nicht ahnen, deren schlimmsten Alpträume wahr werden. Denn „BlacKkKlansman“ zeigt, was das schlimmste ist, was White-Supremacy-Anhänger sich ausdenken können.

Seine Premiere hatte die Komödie in Cannes. Dort erhielt sie den Großen Preis der Jury. In den USA lief der Film am 10. August, dem ersten Jahrestag der Charlottesville-Demonstration, an.

Fun Fact: Hauptdarsteller John David Washington ist der Sohn von Denzel Washington. Sein Leinwanddebüt, ein Cameo, hatte er als Kind 1992 in Spike Lees „Malcolm X“.

BlacKkKlansman (BlacKkKlansman, USA 2018)

Regie: Spike Lee

Drehbuch: Charlie Wachtel, David Rabinowitz, Kevin Willmott, Spike Lee

LV: Ron Stallworth: Black Klansman, 2014

mit John David Washington, Adam Driver, Topher Grace, Laura Harrier, Ryan Eggold, Jasper Pääkkönen, Corey Hawkins, Paul Walter Hauser, Alec Baldwin, Harry Belafonte

Länge: 136 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Facebook-Seite zum Film

Moviepilot über „BlacKkKlansman“

Metacritic über „BlacKkKlansman“

Rotten Tomatoes über „BlacKkKlansman“

Wikipedia über „BlacKkKlansman“ (deutsch, englisch)

History vs. Hollywood über „BlacKkKlansman“ (Im Zweifel für die Geschichte!)

Meine Besprechung von Spike Lees „Buffalo Solders ’44 – Das Wunder von St. Anna“ (Miracle at St. Anna, USA/Italien 2008)

Meine Besprechung von Spike Lees “Oldboy” (Oldboy, USA 2013)


TV-Tipp für den 24. August: Side Effects – Tödliche Nebenwirkungen

August 24, 2018

ZDFneo, 23.30

Side Effects – Tödliche Nebenwirkungen (Side Effects, USA 2013)

Regie: Steven Soderbergh

Drehbuch: Scott Z. Burns

Psychiater Jonathan Banks will Emily Taylor helfen, indem er ihr nach einem missglückten Suizidversuch ein neues, noch nicht erprobtes Medikament verschreibt. Das hat tödliche Nebenwirkungen Emilys Ehemann und der ehrbare Psychiater muss um seine Existenz kämpfen.

Lässig-verschachtelter Neo-Noir mit einem hübsch zynischem Ende, den Soderbergh damals als seinen letzten Spielfilm ankündigte. Was schon damals nicht glaubwürdig war. Inzwischen ist er nach einem TV-Film (der bei uns im Kino lief) und einer TV-Serie wieder im Kino angekommen.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Jude Law, Rooney Mara, Catherine Zeta-Jones, Channing Tatum, Vinessa Shaw

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Side Effects“

Metacritic über „Side Effects“

Rotten Tomatoes über „Side Effects“

Wikipedia über „Side Effects“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Girlfriend Experience – Aus dem Leben eines Luxus-Callgirls” (The Girlfriend Experience, USA 2009)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Contagion“ (Contagion, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Haywire” (Haywire, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Magic Mike” (Magic Mike, USA 2012)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Side Effects – Tödliche Nebenwirkungen“ (Side Effects, USA 2013)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Liberace – Zu viel des Guten ist wundervoll (Behind the Candelabra, USA 2013)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Logan Lucky“ (Logan Lucky, USA 2017)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Unsane: Ausgeliefert“ (Unsane, USA 2018)

Steven Soderbergh in der Kriminalakte


Neu im Kino/Buch- und Filmkritik: „Gundermann“, ein Sängerknabe aus dem Osten

August 24, 2018

Gundermann“ ist der neue Film von Andreas Dresen und die meisten Kritiken sind, so mein Überblick, überaus positiv. Ich fand den Film, und das kann ich schon jetzt sagen, ärgerlich.

Bevor wir uns mit dem Biopic beschäftigen, muss ich einiges über Gerhard ‚Gundi‘ Gundermann erzählen. Im Osten war er bekannt wie ein bunter Hund. Im Westen nicht. Nicht vor der Wende, was natürlich auch daran lag, dass DDR-Musiker vor einer Westtour eine Ausreisegenehmigung brauchten und diese nicht so einfach bewilligt wurde. Nach der Wende war die große Zeit der Liedermacher vorbei. Grunge und Techno wurden gehört. Aus der ehemaligen DDR, den fünf neuen Ländern, kam in den Neunzigern musikalisch Mittelalter-Metal und „Rammstein“. Sogar Gundermanns Tod am 21. Juni 1998 wurde im Westen ignoriert. Jedenfalls ist mir kein Nachruf bekannt. Auch in den einschlägigen Musikzeitschriften wurde lieber über Grunge, Techno und die Hamburger Schule geschrieben und gesprochen, während die Kneipenboxen zur „Wonderwall“ wurden.

 

Gundermanns Leben in einigen Daten

 

Gerhard Gundermann wurde am 21. Februar 1955 in Weimar geboren. 1967 ziehen seine Eltern mit ihm nach Hoyerswerda. Nach seinem Abitur 1973 studiert er in Löbau an der Offiziershochschule der Landstreitkräfte. Weil er ein Loblied auf einen Vorgesetzten nicht singen will, wird er exmatrikuliert. Danach beginnt er als Hilfsarbeiter im Tagebau Spreetal und wird schließlich Baggerfahrer im Braunkohletagbau. Die Lausitz ist seine Heimat. Über sie, seine Arbeitskollegen und ihr Leben schreibt er Lieder.

Er wird Mitglied im „Singeklub Hoyerswerda“, der damals durch seinen mehrstimmigen Gesang begeistert. Bei ihren Auftritten zeigen sie, dass sie das Musizieren ernster als andere Chöre nehmen. Aus dem Singeklub entsteht die „Brigade Feuerstein“, für die Gundermann die Lieder schreibt, in denen er sein Leben und den Alltag reflektiert. Ohne Mitgesangserlaubnis (Öhm, das gab es im Westen nicht.). Die „Brigade Feuerstein“ präsentiert eine Mischung aus Gesang und Kleinkunst. Sie treten auch mit Musicals auf. Die Gruppe hat in der DDR zahlreiche Auftritte.

Während dieser Zeit, von 1976 bis 1984, ist Gundermann als „Grigori“ Inoffizieller Mitarbeiter (IM) der Stasi. Die Stasi beendet die Zusammenarbeit, weil Gundermann ‚prinzipiell eigenwillig‘ ist. Ebenfalls 1984 wird er, nach mehreren Verwarnungen aus der SED ausgeschlossen. Als Idealist hatte er an die Partei geglaubt und gehofft, durch das Hinweisen auf Probleme die gesellschaftlichen Ziele zu erreichen.

1983 heiratet er, nach jahrelangem Werben, seine Jugendliebe Conny. Sie war damals bereits verheiratet. Sie hat zwei Kinder von ihrem ersten Mann, der ebenfalls mit Gundermann musizierte und später in dessen alte Wohnung zieht.

Musikalisch geht es in diesen Jahren für Gundermann weiter aufwärts. 1989 schreibt er Songs für „Silly“. Er tourt. Er erhält Preise. Er tritt auf und er bleibt weiterhin Baggerfahrer. Er wolle den Kontakt zur arbeitenden Klasse nicht verlieren und seine Unabhängigkeit von der Musikindustrie bewahren.

In der Wendezeit mischt der überzeugte Kommunist sich aktiv politisch ein. Er kandidiert auch für das Aktionsbündnis Vereinigte Linke. Erfolglos.

Nach der Wende tritt er mit der Band „Die Seilschaft“ auf. Im Westen bleibt er unbekannt. Zu seiner IM-Tätigkeit bekennt er sich 1995 während eines Konzerts. Seine Fans verübeln ihm das nicht weiter.

Zwischen seinen Auftritten, seiner Arbeit als Baggerfahrer (die er finanziell nicht mehr hätte ausüben müssen) und seinem Familienleben mit mehreren Kindern, hat er kaum Schlaf. Am 21. Juni 1998 stirbt er im sächsischen Spreetal an einem Gehirnschlag. Er wurde nur 43 Jahre alt.

 

Dresens Film über den Liedermacher

 

Das ist ein Leben, aus dem man ein Biopic machen kann. Man muss nur den Aspekt herausfiltern, der im Mittelpunkt des Films stehen soll. In „Gundermann“ ist es für Regisseur Andreas Dresen und seine langjährige Drehbuchautorin Laila Stieler Gundermanns Stasi-Verstrickung und der Film ist letztendlich eine ärgerliche Stasi-Weißwaschung, die einen immer wieder stutzen lässt und ihren Höhepunkt am Filmende erreicht. Dazu später mehr.

Dresen erzählt seinen Film auf zwei Zeitebenen. Einmal ab Mitte der siebziger Jahre, wenn Gundermann seine Stelle als Baggerfahrer im Braunkohletagebau antritt; einmal ab den frühen neunziger Jahren, wenn er zum ersten Mal mit seiner Stasi-Vergangenheit konfrontiert wird. Dieser Erzählstrang endet mit Gundermanns IM-Bekenntnis auf offener Bühne. Und, ja, seine Fans hatten anscheinend kein Problem damit.

Ein Problem bei dieser Erzählweise ist in diesem Fall, dass Gundermanns Aussehen sich innerhalb der zwanzig Jahre, die im Film erzählt werden, kaum verändert. So ist immer wieder im ersten Moment unklar, wann die Szenen genau spielen. Bei den zahlreichen Konzertausschnitten ist das Problem noch offensichtlicher. Auch weil die Musiker, wie fast alle anderen Charaktere, Staffage bleiben.

Die Musik, neu eingespielt von Hauptdarsteller Alexander Scheer (der im Film wirklich wie Gundermann aussieht) und Mitgliedern von Gisbert zu Knyphausens Band, klingt ‚ostig‘.

Für ein Publikum, das Gerhard Gundermann nicht kennt, wird im Film auch nicht deutlich, wie wichtig und groß er für sein Publikum und die DDR-Musik- und -Kleinkunstszene war. Nur bei einem DDR-Auftritt sehen wir sein Publikum und es ist überschaubar: er klampft in einer matschigen Grube vor seinen Kollegen und sie sind gerührt, wie treffend er sie beschreibt. Bei diesem und auch seinen anderen Auftritten ist unklar, ob es sich um eine lokale Berühmtheit so in Richtung „unser Kollege, der Gitarre spielt“ oder um mehr handelt. Auch weil Gundermann niemals seinen Beruf als Baggerfahrer aufgibt, scheint sich seine Situation nicht zu ändern. Es ist keine Entwicklung von einem Feierabendmusiker zu einem Profimusiker, der mit seiner Arbeit Geld verdient, erkennbar.

Immerhin wird in dem Film deutlich, wie wichtig für Gundermann diese Arbeit ist. Und es gibt verklärende Bilder von der Braunkohlegrube, in der die Kumpels Tag und Nacht schuften, um die Wirtschaft am Laufen zu halten.

Dazwischen wird immer wieder, schon ab dem Filmanfang, Gundermanns Spitzeltätigkeit angesprochen. In dieser Szene spricht ein früherer Freund ihn auf seine Spitzeltätigkeit an. Gundermann behauptet, er könne sich nicht daran erinnern und beginnt, als er allein im Zimmer ist, sofort in der Akte zu blättern. Diese Einführung von Gundermann setzt das Thema des Films und sie macht ihn im gleichen Moment sehr unsympathisch. Denn er ist ein Mensch, der seine Vergangenheit leugnet, verdrängt, herumschnüffelt und nur auf seinen Vorteil bedacht ist. Dass er in der nächsten Szene einen Igel vor dem Tod rettet und liebevoll pflegt, ändert nichts an dem ersten Eindruck.

Im Film kann Gundermann sich ziemlich lange nicht an seine IM-Tätigkeit erinnern. Wir sollen glauben, dass er sich nicht an seine wenige Jahre zurückliegenden zahlreichen Gespräche mit seinem Führungsoffizier und an die Aufträge, die er von ihm bekommen hat, erinnert. Das wirkt nicht besonders glaubwürdig. Vor allem, weil in den frühen Neunzigern in Deutschland ausführlich darüber gesprochen wurde. Und wenn er später beginnt, mit den von ihm bespitzelten Menschen darüber zu reden, entwickeln diese Gespräche sich in ihrer fast immergleichen Dramaturgie zu einem schlechten Running Gag: Gunderman sagt, er habe gespitzelt. Der Gesprächspartner nimmt den Vertrauensbruch achselzuckend hin. Einmal lädt er ihn zum gemeinsamen Schnaps trinken ein, weil er ja auch Gundermann bespitzelt habe. Über den Verrat scheint dagegen niemand irgendwie schockiert zu sein.

Das Filmende steigert den Running Gag zu einem grotesken Höhepunkt: Gundermann tritt mit seiner Band auf. Er bekennt sich zu seiner IM-Vergangenheit. Die Band rockt los und alle, auch die von ihm früher bespitzelten Menschen, jubeln begeistert. Das ist eine klassische Überwältigungsstrategie, die dem Publikum – äußerst plump – eine bestimmte Meinung und Reaktion aufzwingt. Es kann dem vorher gesagten nur noch bedingungslos zugestimmt. Dem Konzert- (es ist eine wahre Szene) und Kinopublikum bleibt nur eine Möglichkeit: den Spitzel für eine coole Socke zu halten und ihm mit dem ersten Rockriff jubilierend die Absolution erteilen.

Dresen zwingt das Publikum emotional, einem Spitzel seine Tätigkeit zu vergeben. Und er lässt durch seine Montage keinen Zweifel daran, dass er das für die einzig richtige Reaktion hält. Schließlich hätte Dresen Gundermanns Stasi-Outing auch anders inszenieren können.

Angesichts der Diskussionen, die es in den Neunzigern über IM-Tätigkeiten und andere Verstrickungen mit der SED gab, angesichts der Diskussionen, die es in Berlin vor der ersten rot-roten Koalition gab (in Gesprächen traf ich damals viele Ostler, die eine Beteiligung der jetzigen Linkspartei vehement ablehnten) und angesichts des sehr schnell zu seiner Entlassung als Staatssekretär führenden Aufschreis, als 2016/2017 Andrej Holms Tätigkeit als Hauptamtlicher Mitarbeiter beim Ministerium für Staatssicherheit (MfS) von Ende September 1989 bis Ende Januar 1990 herauskam, ist Dresens Umgang mit Gundermanns IM-Vergangenheit umso ärgerlicher. Dieses Ende ist in dem Film kein Ausrutscher, sondern es wird schon von der ersten Minute an vorbereitet. Dabei, um es noch einmal klar zu sagen, ist das Problem des Biopics nicht, dass ich für einen Spitzel Sympathie empfinden soll, sondern mit welchen erzählerischen Methoden ich sein Handeln gutheißen soll.

Gundermann (Deutschland 2018)

Regie: Andreas Dresen

Drehbuch: Laila Stieler

mit Alexander Scheer, Anna Unterberger, Axel Prahl, Thorsten Merten, Eva Weißenborn, Benjamin Kramme, Kathrin Angerer, Milan Peschel, Bjarne Mädel, Peter Sodann, Alexander Schubert, Horst Rehberg

Länge: 127 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

Das Buch zum Film

Zum Film erschien das von Andreas Leusink herausgegebene Begleitbuch „Gundermann“. Es enthält ausführliche Interviews mit Conny Gundermann (seiner Frau), Hauptdarsteller Alexander Scheer, Drehbuchautorin Laila Stieler, Regisseur Andreas Dresen und den Musikern Tina Powileit, Mario Ferraro (beide „Die Seilschaft“), Sebastian Deufel (Gisbert-zu-Knyphausen-Band) und dem Film-Music-Supervisor Jens Quandt. Gundermann-Musiker Lutz Kerschowski erinnert sich an seine 1977 beginnende sieben Jahre währende Zusammenarbeit mit Gundermann. Ingo ‚Hugo‘ Dietrich erinnert sich an seine Zeit mit Gundermann bei der „Brigade Feuerstein“. Beide Texte geben einen interessanten und persönlichen Einblick in die DDR-Musikszene. Es gibt Texte über Gundermanns Eltern (und seine schwierige Beziehung zu seinem Vater), sein Verhältnis zur SED und über seine Spitzeltätigkeit (mit Originaldokumenten) und viele Bilder. Teils historische, teils aus dem Film. Das Buch ist, wie schon Andreas Leusink in seinem Vorwort schreibt eine Ergänzung zu den vorhandenen Büchern über Gundermann.

Damit ist es vor allem eine gelungene Ergänzung und Vertiefung des Films.

Andreas Leusink (Herausgeber): Gundermann – Von jedem Tag will ich was haben, was ich nicht vergesse…

Ch. Links Verlag, 2018

184 Seiten

20 Euro

Die Buchpräsentation

Am Mittwoch, den 5. September, gibt es im Pfefferberg-Theater (Schönhauser Allee 176, 10119 Berlin) um 20.00 Uhr eine Buchpräsentation. Knut Elstermann (rbb/radio eins) unterhält sich mit Herausgeber Andreas Leusink, Regisseur Andreas Dresen und Drehbuchautorin Laila Stieler über Gundermann, den Film und das Buch.

Die Veranstaltung ist eine Kooperation des Ch. Links Verlags, literatur live berlin, der Thalia Buchhandlung und dem Pfefferberg Theater, präsentiert von radio eins und tip. Tickets kosten im Vorverkauf 12 Euro (plus Gebühren) und an der Abendkasse 13,50 Euro.

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Gundermann“

Moviepilot über „Gundermann“

Wikipedia über „Gundermann“ und Gerhard Gundermann

Meine Besprechung von Andreas Dresens „Als wir träumten“ (Deutschland/Frankreich 2015)

Meine Besprechung von Andreas Dresens James-Krüss-Verfilmung „Timm Thaler oder Das verkaufte Lachen“ (Deutschland 2017)


TV-Tipp für den 23. August: Get the Gringo

August 23, 2018

Vox, 22.30

Get the Gringo (Get the Gringo, USA 2012)

Regie: Adrian Grunberg

Drehbuch: Mel Gibson, Stacy Perskie, Adrian Grunberg

Ein namenloser Fluchtwagenfahrer wird kurz hinter der Grenze von der mexikanischen Polizei verhaftet und in einen von einem Gangsterboss regierten Knast gesteckt. Jetzt will er überleben, ausbrechen und seine Kohle wieder haben.

Das B-Picture „Get the Gringo“ ist eine unterhaltsame Hardboiled-Krimikomödie mit etwas Action und einem lakonischen Voice-Over des Fahrers, der auch über die Auslassungen und Unwahrscheinlichkeiten der Geschichte hinwegerzählt.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Mel Gibson, Kevin Hernandez, Daniel Giménez Cacho, Jesús Ochoa, Dolores Heredia, Peter Gerety, Roberto Sosa Martinez, Peter Stormare, Mario Zaragoza, Gerardo Taracena

Wiederholung: Freitag, 24. August, 02.15 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Moviepilot über „Get the Gringo“

Metacritic über „Get the Gringo“

Rotten Tomatoes über „Get the Gringo“

Wikipedia über „Get the Gringo“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Adrian Grunbergs „Get the Gringo“ (Get the Gringo, USA 2012)


TV-Tipp für den 22. August: El Clan

August 22, 2018

Arte, 22.15

El Clan (El Clan, Argentinien/Spanien 2015)

Regie: Pablo Trapero

Drehbuch: Pablo Trapero, Esteban Student (Mitautor), Julián Loyala (Mitautor)

Argentinien in den frühen achtziger Jahren, kurz nach dem Ende der Militärdiktatur: Patriarch Puccio und seine Familie sichern sich ihren Lebensstandard, indem sie Mitglieder reicher Familien. Als sein Sohn aussteigen will, hängt der Haussegen schief.

Unglaublich, aber wahr: „El Clan“ basiert auf einem wahren Fall. Pablo Trapero inszenierte das auch gut, aber seine assoziative Erzählweise raubt dem Film viel, fast alles von seinem Potential.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Guillermo Francella, Peter Lanzani, Lili Popovich, Giselle Motta, Gastón Cocchiarale, Franco Masini, Antonia Bengoechea, Stefania Koessl

Wiederholung: Montag, 27. August, 02.20 Uhr (Taggenau!)

Hinweise
Homepage zum Film
Moviepilot über „El Clan“
Metacritic über „El Clan“
Rotten Tomatoes über „El Clan“
Wikipedia über „El Clan“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Pablo Traperos „El Clan“ (El Clan, Argentinien/Spanien 2015)


Cover der Woche

August 21, 2018


„James Bond 25“ ohne Regisseur

August 21, 2018

Vor einigen Monaten schrieb ich, dass „Trainspotting“ Danny Boyle den neuen James-Bond-Film mit Daniel Craig als 007 inszenieren wird. Außer dem Arbeitstitel „Bond 25“ und den Namen der Drehbuchautoren war wenig bekannt. Und dass die Dreharbeiten im Dezember beginnen sollen.

Nun, jetzt gab es die berüchtigten „künstlerischen Differenzen“ und Danny Boyle wird den neuen Bond-Film nicht inszenieren.

Ich sage mal: besser vor dem Start der Dreharbeiten und Bitte mit einem ordentlichen Drehbuch.


TV-Tipp für den 21. August: Carol

August 21, 2018

ARD, 22.45

Carol (Carol, USA/Großbritannien/Frankreich 2015)

Regie: Todd Haynes

Drehbuch: Phyllis Nagy

LV: Patricia Highsmith: The Price of Salt, 1952 (Erstveröffentlichung unter dem Pseudonym Claire Morgan; Wiederveröffentlichung unter ihrem Namen als „Carol“, deutsche Titel „Salz und sein Preis“ und „Carol oder Salz und sein Preis“)

New York, 1950: zwei Frauen verlieben sich ineinander – und verstoßen damit gegen die gesellschaftlichen Konventionen.

Gelungene, sehr stilbewusste und sensible Patricia-Highsmith-Verfilmung, die kein Kriminalfilm (was man bei Highsmith ja erwartet), sondern eine tragische Liebesgeschichte ist.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Cate Blanchett, Rooney Mara, Sarah Paulson, Carrie Brownstein, Kyle Chandler, Jake Lacy, Cory Michael Smith

Wiederholungen

Mittwoch, 22. August: ARD, 02.30 Uhr (Taggenau!)

Montag, 27. August: One, 20.15 Uhr

Freitag, 31. August: One, 22.25 Uhr

Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Carol“
Moviepilot über „Carol“
Metacritic über „Carol“
Rotten Tomatoes über „Carol“
Wikipedia über „Carol“ und über Patricia Highsmith (deutsch, englisch)

Times: The 50 Greatest Crime Writers No 1: Patricia Highsmith

Kaliber .38 über Patricia Highsmith (Bibliographie)

Krimi-Couch über Patricia Highsmith

Kirjasto über Patricia Highsmith

Wired for Books: Don Swain redet mit Patricia Highsmith (1987)

Gerald Peary redet mit Patricia Highsmith (Sight and Sound – Frühling 1988 )

Meine Besprechung der Patricia-Highsmith-Verfilmung “Die zwei Gesichter des Januars” (The two Faces of January, Großbritannien/USA/Frankreich 2014)

Meine Besprechung von Todd Haynes‘ Patricia-Highsmith-Verfilmung „Carol“ (Carol, USA/Großbritannien/Frankreich 2015)

Kriminalakte über Patricia Highsmith

 


Bald neu im Kino/Filmkritik:„Embryo – A Journey of Music and Peace“ – Filmpremiere und Konzert am 5. September, danach im Kino

August 20, 2018

https://vimeo.com/ondemand/embryofree4everythink

Einige alte Säcke werden sich bei „Embryo“ an ihre Jugend erinnern. Für mich war die Band in meiner Jugend ein Haufen alter Krautrock-Säcke. So ist das halt, wenn das eigene musikalische Gedächtnis gerade bis zur letzten Saison reicht und man sich erst durch die Stars der nächsten Saison hört. Man will ja nicht hören, was alle hören. Viele dieser Stars sind inzwischen vergessen oder wiederholen in einer Endlosschleife ihre alten Hits vor einem Publikum, das nur die alten Hits hören will. Möglichst ohne irgendeine Variation.

Embryo“ ist da anders. Heute, fast fünfzig Jahre nach ihrer Gründung, spielen die Musiker von „Embryo“ immer noch auf jeder verfügbaren Bühne. Gründer Christian Burchard ist zwar am 18. Januar 2018 verstorben (was im Film, in dem er sehr präsent ist, nicht erwähnt wird), aber die Band spielt weiter. Seit zwei Jahren wird das Kollektiv von Burchards Tochter Marja geleitet. Soweit man bei einem Ensemble, das von Kollektivimprovisationen und mehr oder weniger spontanen Begegnungen mit Musikern aus unterschiedlichen Kulturkreisen und musikalischen Traditionen lebt, davon reden kann.

In dem Dokumentarfilm „Embryo – A Journey of Music and Peace“ zeichnet Michael Wehmeyer, selbst Musiker, langjähriges Mitglied von „Embryo“ und Gründungsmitglied von „Dissidenten“ (zunächst „Embryo’s Dissidenten“) die Geschichte von „Embryo“ nach. Mit vielen historischen Aufnahmen und Statements von „Embryo“-Musikern, die man im Off hört. Und das ist, wie in Asif Kapadias „Amy“ (über Amy Winehouse), ein Problem. Denn wir erfahren hier nie die Namen der Sprechenden und erst durch ihre Statements, welche Verbindung sie zu „Embryo“ haben. Sehr präsent in der Doku ist „Embryo“-Gründer Burchard, der auch von seinen Anfängen in Jazzbands erzählt und wie sich „Embryo“ nach seiner Gründung immer mehr zu einem Impro-Kollektiv entwickelte.

Außerdem wird die Geschichte ausschließlich aus der Binnenperspektive erzählt. Andere Musiker, Journalisten, Wissenschaftler oder Zeitzeugen kommen, soweit erkennbar, nicht zu Wort. Es gibt deshalb keine objektivierende Einordnung der Musik und der Bedeutung der Band für den Krautrock, den Jazzrock und die Worldmusic. Denn „Embryo“ gehörte zu den ersten Bands, die mit Musikern aus anderen Kulturkreisen zusammenspielten und die deren Musik produktiv aufnahmen. Das geschah in langen, improvisierten Konzerten. Die ersten Begegnungen erfolgten auf ihren Tourneen durch Afrika und Asien, vor allem Indien. Sie fuhren mit ihrem Tourbus durch die Länder und planten zwischen den offiziellen Konzerten lange Pausen für spontane Begegnungen ein. Damals war das revolutionär.

Wehmeyer konzentriert sich in „Embryo – A Journey of Music and Peace“ vor allem die Anfangsjahre von „Embryo“ und ihre Haltung, die von Neugierde und Offenheit geprägt ist. Es geht ihnen nicht um den nächsten großen Hit oder das stupide recyclen alter Erfolge, sondern um neue Entdeckungen.

Das und der große Schatz historischer Aufnahmen (Hey, in den Siebzigern gab es in Deutschland eine Hippie-Szene, die sich optisch nicht von der US-Szene unterschied.) machen „Embryo – A Journey of Music and Peace“ sehenswert.

Embryo – A Journey of Music and Peace (Deutschland 2018)

Regie: Michael Wehmeyer

Drehbuch: Michael Wehmeyer

mit Christian Burchard, Roman Bunka, Michael Wehmeyer, Uve Müllrich; Mal Waldron, Fela Anikulapo Kuti, Trilok Gurtu, Marja Burchard

Länge: 98 Minuten

FSK: –

Die Filmpremiere und ein Liveauftritt mit Second Generation Embryo ist am Mittwoch, den 5. September, um 18.30 Uhr im „silent green Kulturquartier“ (Gerichtstraße 35, 13347 Berlin).

Eintritt: 11 Euro (Vorverkauf), 12 Euro (Abendkasse)

Ab dem 6. September läuft das Bandportrait dann im Kino.

Hinweise

Homepage zum Film

Homepage von Embryo

Wikipedia über Embryo (deutsch, englisch)

AllMusic über Embryo

Jörg van Hooven (München.tv) unterhält sich mit Christian und Marja Burchard (online seit 20. Juni 2017; also ziemlich aktuell)

Ein aktuelles Konzert der Band (15. April 2018, Seidlvilla, München)


Hammett vernimmt in einer öffentlichen Anhörung Max Annas zu seinem Verbrechen „Finsterwalde“

August 20, 2018

Mit zwei in Südafrika spielenden Romanen wurde Max Annas unter Krimifans zu einem Namen, den man sich merken muss. Sein dritter Roman spielte dann in Berlin und sein vor einigen Tagen erschienener vierter Roman spielt in Berlin und Brandenburg. In einer nahen Zukunft, in der Afrodeutsche in Lager eingesperrt sind. Es ist ein Deutschland, das der feuchte Traum der AfD ist. In dem geräumten Dorf Finsterwalde sind Tausende Afrodeutsche kaserniert. Eine von ihnen, die zweifache Mutter Marie, bricht aus dem streng bewachten Dorf aus und geht nach Berlin. Dort sollen noch drei schwarze Kinder leben und ohne ihre Hilfe sterben sie.

In seinem vorherigen Roman „Illegal“, der ungefähr jetzt als Taschenbuch erscheint, steht der seit Jahren illegal in Berlin lebende Kodjo im Mittelpunkt. Eines Tages beobachtet er einen Mord. Er versteckt sich, aber die Mörder haben ihn gesehen und verfolgen ihn. Und die Polizei sucht einen jungen schwarzen Mann, den sie für den Mörder hält.

Das ist Hardboiled-Literatur, die nichts mit den heimeligen deutschen Regiokrimis zu tun hat.

Am Donnerstag, den 23. August, stellt er auf Einladung der Krimibuchhandlung Hammett, um 20.00 Uhr im DTK-Wasserturm (Kopischstraße 7, 10965 Berlin) seinen neuen Thriller „Finsterwalde“ vor.

Karten können bei Hammett reserviert werden.

Max Annas: Finsterwalde

Rowohlt, 2018

400 Seiten

22 Euro

Max Annas: Illegal

Rowohlt, 2017

240 Seiten

19,95 Euro (Hardcover)

10 Euro (Taschenbuch, erscheint am 21. August)

Hinweise

Rowohlt über Max Annas

Krimi-Couch über Max Annas

Perlentaucher über Max Annas

Wikipedia über Max Annas

Meine Besprechung von Max Annas „Die Farm“ (2014)

Meine Besprechung von Max Annas‘ „Die Mauer“ (2016)

 


TV-Tipp für den 20. August: Wir sind alle Astronauten

August 20, 2018

Arte, 21.55

Wir sind alle Astronauten (Asphalte, Frankreich 2015)

Regie: Samuel Benchetrit

Drehbuch: Samuel Benchetrit, Gábor Rassov

Tragikomödie über die Bewohner eines typischen Banlieue-Mietshauses in Frankreich. Zum Beispiel eine Schauspielerin, die in den Achtzigern berühmt war. Oder ein Mieter, der den Fahrstuhl nicht benutzten darf, weil er im ersten Stock wohnt. Auch nicht, als er nach einem Unfall im Rollstuhl sitzt. Oder eine Algerierin, die einen Astronauten bewirtet, der darauf wartet, von der NASA abgeholt zu werden.

Alltägliche, unglaubliche und wahre Geschichten

mit Isabelle Huppert, Gustave Kervern, Valeria Bruni Tedeschi, Tassadit Mandi, Jules Benchetrit

Hinweise

AlloCiné über „Wir sind alle Astronauten“

Rotten Tomatoes über „Wir sind alle Astronauten“

Wikipedia über „Wir sind alle Astronauten“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 19. August: Out of Sight

August 18, 2018

Arte, 20.15

Out of sight (Out of Sight, USA 1998)

Regie: Steven Soderbergh

Drehbuch: Scott Frank

LV: Elmore Leonard: Out of sight, 1996 (Zuckerschnute, Out of sight)

Auf der Flucht verbringt Jack Foley im Kofferraum einige Zeit mit Debputy U. S. Marshal Karen Sisco. Zwischen ihnen funkt es gewaltig. Als Jack in Detroit seinen letzten Coup plant, erscheint auch Karen auf der Bildfläche.

Hochgelobte und uneingeschränkt empfehlenswerte Leonard-Verfilmung mit George Clooney, Jennifer Lopez, Ving Rhames, Don Cheadle, Dennis Farina, Luis Guzman

Von Elmore Leonards Homepage: “Out of Sight, like Get Shorty, was a totally happy film experience for Elmore. The Get Shorty production team and writer: Danny DeVitos Jersey Films and screenwriter Scott Frank, once again collaborated on an Elmore Leonard project. Jersey signed Steven Soderbergh to direct and he cast George Clooney and Jennifer Lopez in the lead roles. (…) Clooney and Lopez added considerable sizzle to Out of Sight. Steve Zahn is hilarious as a stoner car thief; Ving Rhames, Don Cheadle and Isaiah Washington are all deadly and cool. Albert Brooks was a pleasant surprise. He makes the most out of the Ripley character. It was Scott Frank who took Ripley, off-stage in the book, and made him a key character. After Scott finished his screenplay, Elmore disagreed with the Ripley move and the ´happy´ movie ending, but admitted he was right after seeing the finished film. Out of Sight has a great look thanks to Steven Soderberghís masterful direction and Scott Frank’s savvy script. The film was a critical success but a box office so-so because of an unfortunate summer release date.”

Wiederholung: Mittwoch, 22. August, 13.50 Uhr

Hinweise

Moviepilot über “Out of Sight”

Rotten Tomatoes über “Out of Sight”

Wikipedia über “Out of Sight” (deutsch, englisch)

Homepage von Elmore Leonard

Meine Besprechung von Elmore Leoanrds “Raylan” (Raylan, 2012)

Meine Besprechung von Elmore Leonards “Raylan” (2012)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Dschibuti“ (Djibouti, 2010)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Djibouti“ (2010)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Road Dogs“ (Road Dogs, 2009)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Up in Honey’s Room“ (2007)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Gangsterbraut“ (The hot Kid, 2005)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Callgirls“ (Mr. Paradise, 2004)

Mein Porträt „Man nennt ihn Dutch – Elmore Leonard zum Achtzigsten“ erschien im „Krimijahrbuch 2006“

Meine Besprechung der Elmore-Leonard-Verfilmung „Sie nannten ihn Stick“ (Stick, USA 1983)

Meine Besprechung der Elmore-Leonard-Verfilmung „Killshot“ (Killshot, USA 2008)

Meine Meldung von Elmore Leonards Tod

Elmore Leonard in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Girlfriend Experience – Aus dem Leben eines Luxus-Callgirls” (The Girlfriend Experience, USA 2009)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Contagion“ (Contagion, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Haywire” (Haywire, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Magic Mike” (Magic Mike, USA 2012)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Side Effects – Tödliche Nebenwirkungen“ (Side Effects, USA 2013)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Liberace – Zu viel des Guten ist wundervoll (Behind the Candelabra, USA 2013)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Logan Lucky“ (Logan Lucky, USA 2017) und der DVD

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Unsane: Ausgeliefert“ (Unsane, USA 2018)

Steven Soderbergh in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Scott Franks Lawrence-Block-Verfilmung „Ruhet in Frieden – A Walk among the Tombstones“ (A Walk among the Tombstones, USA 2014)


Neu im Kino/Filmkritik: „Finsteres Glück“ ist auch ein Glück

August 18, 2018

Am Tag war eine Sonnenfinsternis. Einige Stunden später wird die Psychologin Eliane Hess mitten in der Nacht ins Krankenhaus gerufen. Die Traumatherapeutin hat einen Notfall-Patienten. Der achtjährige Yves ist nach einem Autounfall, den er als einziger überlebte, ein Waise. Eliane soll herausfinden, ob es wirklich ein Unfall war, Yves bei der Verarbeitung seines Verlustes helfen und eine Empfehlung geben, ob Yves‘ Tante oder seine Großmutter das Sorgerecht erhalten soll. Vor allem zu seiner Tante will Yves nicht.

Eliane, eine alleinerziehende Mutter zweier Töchter (eine in der Pubertät, eine älter), kümmert sich mehr um Yves, als es aus beruflicher Sicht nötig und geboten wäre. Sie nimmt ihn, natürlich nur zur Beobachtung, bei sich auf und sie würde sich gerne weiter um ihn kümmern.

Spätestens in dem Moment verlässt Stefan Haupts sensible und genau beobachtete Romanverfilmung „Finsteres Glück“ die Pfade einer Fallstudie. Es geht zwar immer noch um die Behandlung von Yves‘ Trauma und wie er eine neue Familie findet. Aber immer mehr steht Elianes Seelenleben und ihre Sehnsucht nach einer perfekten Familie im Mittelpunkt. Daran ist sie bis jetzt gescheitert und wie es ihr jetzt gelingt folgt dann den vertrauten Kitschpfaden, in denen ein Kind als Katalysator fungiert und am Ende alles gut wird. Weil Haupt das angenehm zurückhaltend erzählt, muss man sein Taschentuch nicht zücken.

P. S.: Der Film läuft im Original (ein gut verständliches Schweizerdeutsch) mit deutschen Untertiteln.

Finsteres Glück (Schweiz 2016)

Regie: Stefan Haupt

Drehbuch: Stefan Haupt

LV: Lukas Hartmann: Finsteres Glück, 2010

mit Eleni Haupt, Noé Ricklin, Elisa Plüss, Chiara Carla Bär, Martin Hug, Alice Fltoron, Suly Röthlisberger

Länge: 119 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Moviepilot über „Finsteres Glück“

 


Neu im Kino/Filmkritik: „In the Middle of the River“ im Nirgendwo

August 18, 2018

Der von Schmerzmitteln abhängige, 26-jährige Irak-Veteran Gabriel kehrt nach dem Tod seiner Schwester zurück zu seiner im ländlichen New Mexico lebenden Familie. Er glaubt, ohne ersichtliche Beweise, dass sein Großvater für Naomis Tod verantwortlich ist und er will sie rächen.

Aber bis es soweit ist, entfaltet Damian John Harper in seinem zweiten Spielfilm ein bedrückendes Porträt des White Trash und der dort lebenden Native Americans. Sie leben ärmlich, haben keine Perspektive und wiederholen immer wieder die Fehler ihrer Eltern. Drogen, Gewalt und mangelnde Bildung spielen eine große Rolle. Verbrechen ebenso. Es ist ein Purgatorium, in das sie hineingeboren werden und in dem sie letztendlich bleiben wollen.

Wie bei seinem ersten Spielfilm „Los Angeles“ ist auch „In the Middle of the River“ ein weitgehend statisches Porträt eines Zustandes. Harper verfolgt seine Laiendarsteller mit einer keinen Abstand wahrenden Handkamera. Er beobachtet sie genau. Aber er treibt die Story nicht voran. In „Los Angeles“ brach sein Protagonist erst am Filmende aus dem mexikanischen Dorf nach Los Angeles auf. In „In the Middle of the River“ gibt es die im Pressematerial angegebene Konfrontation, zwischen Gabriel und seinem Großvater erst ganz am Ende. In dem Moment fehlt dann allerdings die Zeit, um den „tiefführenden Gesprächen“ (Presseheft) zwischen Gabriel und seinem Großvater über ihre traumatischen Kriegserfahrungen in Vietnam und dem Irak eine größere Tiefe zu verleihen. Auch weil sie vorher nicht entsprechend thematisiert wurden.

Denn bis dahin ist „In the Middle of the River“ eine Milieustudie, in der – und das unterscheidet Harpers Film von Debra Graniks „Winter’s Bone“ – alles von einer deprimierenden Hoffnungslosigkeit ist und der Protagonist aufgrund seiner psychischen und physischen Probleme kaum in der Lage ist, sein Ziel zu verfolgen.

In the Middle of the River (In the Middle of the River, Deutschland/USA 2018)

Regie: Damian John Harper

Drehbuch: Damian John Harper

mit Eric Hunter, Max Thayer, Nikki Love, Matt Metzler, Ava Del Cielo, Johnny Visotcky

Länge: 114 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „In the Middle of the River“

Moviepilot über „In the Middle of the River“

Homepage von Damian John Harper

Meine Besprechung von Damian John Harpers „Los Ángeles“ (Deutschland 2014)

Damian John Harper spricht auf Deutsch über seinen Film (er lebt auch in Deutschland, studierte Regie an der Hochschule für Film und Fernsehen München und das ZDF/Das kleine Fernsehspiel produzierte seine beiden Spielfilme mit)


Neu im Kino/Filmkritik: „So was von da“ in dieser Silvesterfeier

August 18, 2018

Für Oskar soll es eine unvergessliche Nacht werden. Immerhin ist diese Silvesternacht auch die letzte Nacht von seinem Club. Es soll in dem eh schon abbruchreifen Szene-Club, der sich anscheinend nie um irgendwelche Vorschriften kümmerte, eine Party gefeiert werden, die St. Pauli und Hamburg nie vergessen.

Love Steaks“-Regisseur Jakob Lass verfilmte Tino Hanekamps autobiographischen Roman „So was von da“ als „improvisierte Romanverfilmung“. Das heißt: es gab ein rudimentäres Drehbuch, die Schauspieler durften und mussten auf dieser Grundlage improvisieren und nachher, im Schnitt, wird dann alles mit Voice-Over und Musik zwischen Punk und Techno zusammengefügt. So entstand ein alkohol- und drogengeschwängerter Fiebertraum, der wie ein wilder Zusammenschnitt der Höhepunkte einer Nacht wirkt. Wie ein roter Faden ziehen sich dabei Oskars Probleme mit seinem Kredithai Kiez-Kalle, der jetzt sein Geld will, durch den Film. Er trifft wieder seine große Schulhofliebe. Er streitet und verbrüdert sich mit seinen Geschäftspartnern und Freuden; meistens sind sie beides gleichzeitig und selten kommen sie über kraft- und lustvoll ausgefüllte Klischees (Kiez-Kalle!) hinweg. Es gibt live und aus der Konserve einen ununterbrochenen Musikteppich. Der todkranke ‚falsche Elvis‘ (Bela B Felsenheimer) steht stumpf auf der Gitarre improvisierend auf der Bühne und will sie nicht mehr verlassen. Seine extrem zickigen Ehefrau, die gleichzeitig die amtierende, rechtsauslegende Innensenatorin (Corinna Harfouch) ist, besucht auf der Suche nach ihrem Mann den Club, den sie lieber gestern als heute schließen würde. Und dann steckt sie im Fahrstuhl fest. Ihr Sohn tritt mit seiner erfolgreiche Punkband im Club auf. Und wir sehen – Zum Glück gibt es kein Geruchskino! – Hamburgs schmutzigste Toilette.

In all dem hochenergetischen Chaos fehlt dann nur der normale Partyleerlauf. Wenn man stundenlang drogenumnebelt dumpf vor sich hin starrt oder sich tödlich langweilt, weil gerade nichts aufregendes passiert. Bei Lass stellt sich dagegen ein anderer Leerlauf ein: denn bei aller Hektik, passiert letztendlich nichts weltbewegendes in dieser Silvesternacht. Es ist dieser atemlose Stillstand, der aber in neunzig Filmminuten nicht langweilt, weil ja ständig etwas passiert und Oskar alle Hände voll zu tun hat, die alle Regeln ignorierende Party zu überleben.

So was von da“ ist herrlich pulsierendes Jugendkino, das nichts mit der Bräsigkeit der meisten deutschen Filme gemein hat.

So was von da (Deutschland 2018)

Regie: Jakob Lass

Drehbuch: Jakob Lass, Hannah Schopf

LV: Tino Hanekamp: So was von da, 2011

mit Niklas Bruhn, Martina Schöne-Radunski, David Schütter, Mathias Bloech, Tinka Fürst, Bela B Felsenheimer, Corinna Harfouch, Kalle Schwensen, Swiss

Länge: 91 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „So was von da“

Moviepilot über „So was von da“

Wikipedia über „So was von da“


TV-Tipp für den 18. August: The Big Lebowski

August 18, 2018

ZDFneo, 20.15

The Big Lebowski (The Big Lebowski, USA 1998)

Regie: Joel Coen

Drehbuch: Ethan Coen, Joel Coen

Ein echter Kultfilm.

Die Geschichte ist, wie bei Raymond Chandler, der als Inspiration diente, kaum nacherzählbar, labyrinthisch, voller grandioser Szenen und Sätze und wahrscheinlich bar jeder Logik. Im wesentlichen geht es darum, dass der Dude mit seinem ihm bis dahin unbekannten, stinkreichen, herrischen, querschnittgelähmten Namensvetter verwechselt wird und er in eine undurchsichtige Entführungsgeschichte hineingezogen wird.

mit Jeff Bridges, John Goodman, Julianne Moore, Steve Buscemi, David Huddleston, Philip Seymour Hoffman, Tara Reid, Philip Moon, Mark Pellegrino, Peter Stormare, Flea, John Turturro, Sam Elliott, Ben Gazzara

Hinweise

Homepage des Lebowski Fest

Drehbuch „The Big Lebowski“ von Joel & Ethan Coen

Rotten Tomatoes über „The Big Lebowski“

Wikipedia über „The Big Lebowski“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Bill Green/Ben Peskoe/Will Russell/Scott Shuffitts „Ich bin ein Lebowski, du bist ein Lebowski – Die ganze Welt des Big Lebowski“ (I’m a Lebowski, you’re a Lebowski, 2007)

Meine Besprechung des Coen-Films „Blood Simple – Director’s Cut“ (Blood Simple, USA 1984/2000)

Meine Besprechung von Michael Hoffmans “Gambit – Der Masterplan” (Gambit, USA 2012 – nach einem Drehbuch von Joel und Ethan Coen)

Meine Besprechung des Coen-Films “Inside Llewyn Davis” (Inside Llewyn Davis, USA/Frankreich  2013)

Meine Besprechung des Coen-Films „Hail, Caesar!“ (Hail, Caesar!, USA/Großbritannien 2016)

Die Coen-Brüder in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: „Christopher Robin“ ist erwachsen, sein Kumpel Winnie Puuh nicht

August 18, 2018

Nach dem Zweiten Weltkrieg ist Christoper Robin erwachsen. Er ist verheiratet, hat eine neunjährige Tochter und arbeitet in London als Effizienzmanager bei Winslow Luggage. Seiner Tochter liest er abends keine Kindergeschichten, sondern Schulbücher vor. Auf der Arbeit plant er immer weitere Kostenoptimierungen. So auch an diesem Wochenende. Anstatt mit seiner Familie auf’s Land zu fahren, sitzt er allein im Büro und studiert Zahlen, die letztendlich Entlassungen in der defizitären Kofferfabrik rechtfertigen sollen.

Da taucht Winnie Puuh auf und entführt ihn in den Hundertmorgenwald, das Paradies seiner Kindheit. Damals erlebte Robin mit dem Bär Winnie Puuh und seinen Freunden I-Aah, Ferkel und Tigger Abenteuer, in denen sie nicht an den nächsten Tag dachten und nicht älter werden wollten. Bis er dann aufs Internat ging und sie vergaß.

Marc Forsters Disney-Film „Christopher Robin“ verwendet die von A. A. Milne vor knapp hundert Jahren erfundenen Charaktere und erzählt ihre Geschichte weiter. Milnes Bücher sind Klassiker der Kinderbuchliteratur. Disney sicherte sich in den Sechzigern die Rechte an den Figuren und benutzte Milnes Charaktere in zahlreichen Filmen für weitere fiktive Geschichten, in denen die bekannt-beliebten Charaktere weitere Abenteuer erleben. Dieses Mal und zum ersten Mal als Realfilmabenteuer; – wobei Robins tierische Plüschtierfreunde selbstverständlich animiert sind. Auch insgesamt wurde viel mit CGI gearbeitet. Das spräche für einen Kinderfilm, in dem Stofftiere ein wildes Abenteuer erleben. Aber dafür ist die Stimmung des Films zu melancholisch und auch zu düster. Außerdem richten sich das Thema und die damit verknüpfte offensichtliche Aussage vor allem an Erwachsene. Sie sollen wieder zu der Unbeschwertheit und Sorglosigkeit ihrer Kindheit zurückkehren. Deshalb, man ahnt es schon bei dem Titel, ist nicht Winnie Puuh, sondern Christopher Robin der Protagonist des Films. Er muss etwas lernen und Winnie Puuh will ihm dabei helfen. Also besucht der ‚Bär von sehr geringem Verstand‘ ihn in London und zerrt ihn von der Arbeit weg.

Aber für Erwachsene ist dann alles in „Christopher Robin“ zu plakativ. Sie erfassen die Botschaft spätestens bei Winnie Puuhs erstem Auftritt in London. Sie können sich in dem Moment die gesamte Geschichte mühelos ausmalen, während sie versuchen Logikprobleme (Wie viele Bäume führen in den Hundertmorgenwald? Und wie ist dieser Wald mit der realen Welt verbunden?) zu ignorieren und nicht an „Alice im Wunderland“ zu denken. Robin springt an dem Wochenende, an dem er eigentlich Zahlen studieren sollte, zwischen der realen Welt und dem Hundertmorgenwald, der Welt seiner Kindheit, die mal ein Fantasiegebilde ist (wofür eindeutig der Baumzugang spricht), mal eine ganz normal-reale Welt ist hin und her und Winnie Puuh und seine Freunde betreten ebenso mühelos die Welt des Nachkriegsengland. Dort können sie von den Menschen gesehen werden und sie können sich miteinander unterhalten. Wenn Menschen mit Stofftieren reden würden.

Marc Forsters Film ist ein netter, naiver, niemals wirklich packender Abenteuerfilm, der seine witzigen Momente hat (vor allem wenn Winnie Puuh mal wieder hungrig ist) und der eine begrüßenswerte Botschaft hat. Nur für welches Publikum?

Die wahre Geschichte von A. A. Milne, seiner Beziehung zu seinem Sohn Christoper Robin und wie er ‚Pu der Bär‘ erfand, wurde vor einigen Monaten in „Goodbye Christopher Robin“ erzählt.

P. S.: Am Montag, den 20. August, zeigt das ZDF um 22.15 Uhr Marc Forsters nicht guten James-Bond-Film „Ein Quantum Trost“.

Christopher Robin (Christopher Robin, USA 2018)

Regie: Marc Forster

Drehbuch: Alex Ross Perry, Tom McCarthy, Allison Schroeder (nach einer Geschichte von Greg Brooker und Mark Steven Johnson, basierend auf den Charakteren von A. A. Milne und dem Illustrator E. H. Shepard)

mit Ewan McGregor, Hayley Atwell, Bronte Carmichael, Mark Gatiss

Länge: 104 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Christopher Robin“

Metacritic über „Christopher Robin“

Rotten Tomatoes über „Christopher Robin“

Wikipedia über „Christopher Robin“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Marc Forsters „World War Z“ (World War Z, USA 2013)


Neu im Kino/Filmkritik: Über Gus Van Sants John-Callahan-Biopic „Don’t worry, weglaufen geht nicht“

August 17, 2018

John Callahan trinkt sich in den frühen Siebzigern in Long Beach, Kalifornien, durch den Tag. Als er mit einer Zufallsbekanntschaft von einer wilden Party zu einer noch wilderen Party will, verändert sich sein Leben für immer. Und das ist jetzt nicht Hollywood-Pathos, sondern bittere Realität: Auf dem Weg zur nächsten Party baut der betrunkene Fahrer einen Unfall, den dieser fast unverletzt überlebt. Callahan, der noch betrunkenere Beifahrer, überlebt schwer verletzt. Ärzte können sein Leben retten, aber er ist fast vollständig gelähmt. Er muss bis an sein Lebensende im Rollstuhl sitzen. Auch seine Arme kann er kaum bewegen.

Callahan zieht zurück in seine Geburtsstadt Portland, Oregon. Er trinkt weiter und beginnt zu Malen. Es sind primitive, sarkastisch-schwarzhumorige und immer wieder politisch inkorrekten Cartoons, die zuerst in der örtlichen Tageszeitung abgedruckt werden. Später in den gesamten USA und weltweit.

Am 24. Juli 2010 stirbt der am 5. Februar 1951 geborene John Callahan. Aber diesen Teil, seine letzten Lebensjahre als erfolgreicher Cartoonist, erzählt Gus Van Sant in seinem neuen Film „Don’t worry, weglaufen geht nicht“ nicht. Er baut seinen konventionell erzählten Feelgood-Film nach dem Zwölf-Schritte-Programm der Anonymen Alkoholiker auf. Er erzählt Callahans Weg vom Trinker zur Enthaltsamkeit und Selbsterkenntnis. Mit dem AA-Programm hat Van Sant eine sehr einfache und dramaturgisch sehr tragfähige Struktur. Er kann in der Zeit hin und her springen, ohne den Fluss der Erzählung zu unterbrechen und so auch etwas widerständiges Indie-Feeling in einen sehr konventionellen Film bringen. Das AA-Programm gibt auch eine klare dramaturgische Richtung vor: von rauschenden Drogennächte über die verschiedenen Versuche, abstinent zu Leben und anschließend sein Leben immer mehr in Ordnung zu bringen. Dazu gehören auch Callahans Umgang mit seiner Behinderung und sein beginnender Erfolg als Cartoonist. In seinen Zeichnungen setzt er sich auch ohne falsche Scheu, mit ätzendem Humor und Selbstironie mit seiner letztendlich selbst verschuldeten, beschissenen Situation auseinander. Auch ohne das Bild zu kennen, sagt der Filmtitel ‚Keine Panik, er wird zu Fuß nicht weit kommen‘ einiges über Callahans Haltung zu sich und seinem Leben aus. Callahans spiritueller Helfer auf dem Weg zur Selbsterkenntnis ist dabei Donnie. Ein vermögender AAler, der eine kleine Schar von Jüngern um sich gescharrt hat und in seiner Nobelvilla nicht arm wie Jesus lebt, aber sich so benimmt und aussieht.

Mit den Musikerinnen Kim Gordon („Sonic Youth“) und Beth Ditto („Gossip“) und Udo Kier ist Donnies AA-Gruppe prominent besetzt. Callahans Sozialarbeiterin Suzanne wird ebenfalls von einer Indie-Musikerin gespielt: „Sleater-Kinney“-Gitarristin Carrie Brownstein.

Und Donnie, gespielt von Jonah Hill, ist auch kein Unbekannter. Auch wenn er unter seinem Vollbart kaum erkennbar ist. Joaquin Phoenix spielt, gewohnt überzeugend, John Callahan.

In Gus Van Sants Filmographie, die munter zwischen Arthaus, Experimenten und Mainstream-Hollywood-Erzählkino hin und her springt, gehört „Don’t worry, weglaufen geht nicht“ eindeutig in die letzte Kategorie. Den Ursprung hatte das Projekt vor mehr als zwanzig Jahren. Robin Williams, mit dem Van Sant bei „Good Will Hunting“ zusammen gearbeitet hatte, hatte sich die Rechte an John Callahans Biographie gesichert und er wollte Callahan spielen. Seitdem traf Van Sant sich öfter mit Callahan und arbeitete mit verschiedenen Autoren an verschiedenen Drehbuchversion. Letztendlich baute er das Buchkapitel, in dem Callahan erzählt, wie er seine Alkoholsucht überwand, zum Film aus.

Don’t worry, weglaufen geht nicht (Don’t worry, he won’t get far on foot, USA 2018

Regie: Gus Van Sant

Drehbuch: Gus Van Sant (nach einer Geschichte von John Callahan und Gus Van Sant & Jack Gibson & William Andrew Eatman)

LV: John Callahan: Don’t worry, he won’t get far on foot, 1989 (Don’t worry, weglaufen geht nicht)

mit Joaquin Phoenix, Jonah Hill, Rooney Mara, Jack Black, Mark Webber, Udo Kier, Carrie Brownstein, Beth Ditto, Kim Gordon

Länge: 115 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Don’t worry, weglaufen geht nicht“

Metacritic über „Don’t worry, weglaufen geht nicht“

Rotten Tomatoes über „Don’t worry, weglaufen geht nicht“

Wikipedia über „Don’t worry, weglaufen geht nicht“ (deutsch, englisch)

Berlinale über „Don’t worry, weglaufen geht nicht“

Meine Besprechung von Gus Van Sants „The Sea of Trees – Liebe wird dich nach Hause führen“ (The Sea of Trees, USA 2015)

Don’t worry, das Filmgespräch ist zwar leise aufgenommen, aber die drei Drehbuchautoren sind gut verständlich

Eine Doku über John Callahan


TV-Tipp für den 17. August: Midnight Special

August 17, 2018

Pro7, 22.55

Midnight Special (Midnight Special, USA 2015)

Regie: Jeff Nichols

Drehbuch: Jeff Nichols

In Texas sind zwei Männer mit einem Jungen, der eine Schutzbrille trägt, auf dem Weg zu einem geheimnisvollen Treffpunkt. Wenn sie nicht vorher von ihren Häschern geschnappt werden.

Ein Film mit einer geheimnisvollen Atmosphäre, texanischen Sonnenauf- und Untergängen, guten Schauspielern und einer „Twilight Zone“-würdigen Prämisse. Trotzdem war ich letztendlich enttäuscht.

Warum verrate ich in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Michael Shannon, Joel Edgerton, Kirsten Dunst, Adam Driver, Jaeden Lieberher, Sam Shepard, Sean Bridgers, Paul Sparks, Bill Camp

Wiederholung: Samstag, 18. August, 03.35 Uhr (Taggenau!)

Hinweise
Englische Homepage zum Film
Moviepilot über „Midnight Special“
Metacritic über „Midnight Special“
Rotten Tomatoes über „Midnight Special“
Wikipedia über „Midnight Special“
Berlinale über „Midnight Special“

Meine Besprechung von Jeff Nichols‘ „Midnight Special“ (Midnight Special, USA 2015)

Meine Besprechung von Jeff Nichols‘ „Loving“ (Loving, USA/Großbritannien 2016)


Neu im Kino/Filmkritik: Kreative Titel, neuer Versuch: „The Equalizer 2“

August 17, 2018

Die Idee mit der Zeitungsannonce, in der er Hilfesuchenden Hilfe anbietet, hat Robert McCall wohl schnell aufgegeben. Er bekommt auch so in Boston genug zu tun. Zum Beispiel wenn er als Lyft-Fahrer eine Kundin mitnimmt, die von einigen reichen Schnöseln schlecht behandelt wurde, und er anschließend den Jungs eine Lektion erteilt. Oder wenn in dem Mietshaus, in dem er wohnt, eine Wand mit Graffitis beschmiert wird und er einem anderen Mieter, einem künstlerisch begabtem Jungen, der am Scheideweg zwischen Verbrecher und Künstler steht, bei der Entscheidungsfindung hilft. Oder wenn er einem Holocaust-Überlebenden der immer noch nach seiner wahrscheinlich schon lange verstorbener Schwester sucht, hilft, indem er eine alte Freundin um einen Gefallen bittet. Er versucht ein guter Mensch zu sein und nicht aufzufallen. Für seine früheren Kollegen ist er tot.

Als ungefähr in der Filmmitte seine beim Geheimdienst arbeitende Freundin Susan Plummer (Melissa Leo) ermordet wird, will McCall herausfinden, wer dafür verantwortlich ist. Weil ihr Tod mit der Ermordung zweier Geheimagenten in Brüssel zusammenhängt, ist klar, wohin die Spur führt: in McCalls alte Welt. Denn er war, was Kenner des ersten „The Equalizer“-Films und der legendären TV-Serie „The Equalizer“ wissen, vorher ein Geheimagent. Während dieser Arbeit verübte er Verbrechen, die sein Gewissen immer noch belasten. Nach dem Ende seiner Agentenkarriere zog er sich deshalb zurück und versucht jetzt Menschen zu helfen. So will er, als sei Gott ein penibler Buchhalter, seine Schuld abzutragen. Der deutsche TV-Serientitel „Der Equalizer – Der Schutzengel von New York“ (gedreht in den Achtzigern, als Manhattan wahrlich einen Schutzengel benötigte) brachte das gut auf den Punkt. Im ersten „The Equalizer“-Film übernahm Denzel Washington die Rolle des Schutzengels und Antoine Fuqua inszenierte den ruhigen Thriller, in dem McCall eine Teenager-Prostituierte vor der Russenmafia rettet.

Vier Jahre später spielt Washington wieder McCall und Fuqua inszeniert wieder den Film. Für beide ist es in ihrer Karriere die erste Fortsetzung und in Interviews schloss Fuqua einen dritten Film nicht aus. Richard Wenk schrieb wieder das Drehbuch. Damit ist an wichtigen Positionen für eine hohe Kontinuität gesorgt und die Ankündigung, dass wir dieses Mal mehr über McCalls Vergangenheit erfahren, macht neugierig.

Aber viel Neues erfahren wir dann doch nicht und gerade die Suche nach Plummers Mörder wird von Fuqua als wenig überraschendes Tätersuchspiel in der altbekannten Rätselkrimitradition erzählt. Schon damals war das Motiv denkbar uninteressant. In „The Equalizer 2“ ist es nicht anders. Denn als Motiv für die Morde gibt es letztendlich nur ein „Es war ein Auftrag“. Dabei sparte die TV-Serie nicht mit politischen Anspielungen und politischen Geschichten, in denen östliche und westliche Geheimdienste involviert waren. In seinen früheren Filmen sprach Fuqua immer wieder politische Themen an. Hier verzichtet er im Hauptplot vollkommen darauf. Dafür darf McCall in den ausführlich geschilderten Nebenplots als Schutzengel und gute Seele des Viertels agieren, der die Welt zu einem besseren Ort machen will. Mit Worten und, wenn diese nicht helfen, Taten.

Das Ende ist dann durchaus spektakulär. In einem wegen eines Hurrikans menschenleerem Küstendorf treffen McCall und Plummers Mörder aufeinander und McCall schaltet sie der Reihe nach aus; – wobei sie ihm mehr oder weniger unfreiwillig helfen oder in seine Fallen tappen. Dabei sind sie ihm ebenbürtige Killer. In diesen Minuten demonstriert Fuqua, wieder einmal und wie zuletzt in „Die glorreichen Sieben“, sein Faible für Action.

The Equalizer 2“ ist ein ruhiger Thriller, der sich viel Zeit (eigentlich schon zu viel Zeit) für die vorhersehbaren Nebengeschichten nimmt, dabei den Hauptplot sträflich vernachlässigt und immer wieder zu pathetisch wird. Denn McCall ist der Gute Mensch des Arbeiterviertels.

The Equalizer 2 (The Equalizer 2, USA 2018)

Regie: Antoine Fuqua

Drehbuch: Richard Wenk (basierend auf der von Michael Sloan und Richard Lindheim erfundenen TV-Serie)

mit Denzel Washington, Pedro Pascal, Ashton Sanders, Orson Bean, Bill Pullman, Melissa Leo, Jonathan Scarfe, Sakina Jaffrey, Kazy Tauginas, Garrett A. Golden

Länge: 121 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Facebook-Seite zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „The Equalizer 2“

Metacritic über „The Equalizer 2“

Rotten Tomatoes über „The Equalizer 2“

Wikipedia über „The Equalizer 2“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas “Training Day” (Training Day, USA 2001)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas “Gesetz der Straße – Brooklyn’s Finest” (Brooklyn’s Finest, USA 2009)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas “Olympus has fallen – Die Welt in Gefahr” (Olympus has fallen, USA 2013)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas “The Equalizer” (The Equalizer, USA 2014)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas “Southpaw” (Southpaw, USA 2015)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas „Die glorreichen Sieben“ (The Magnificent Seven, USA 2016)

Meine Besprechung von „The Equalizer – Der Schutzengel von New York: Staffel 1“ (The Equalizer, USA 1985/1986)