Lachsfischen im Jemen (Salmon Fishing in the Yemen, Großbritannien 2011)
Regie: Lasse Hallström
Drehbuch: Simon Beaufoy
LV: Paul Torday: Salmon Fishing in the Yemen, 2006 (Lachsfischen im Jemen)
Dr. Alfred Jones, Lachsexperte und Angestellter des englischen Fischereiministeriums, hält die Idee des Scheichs, Lachse im Jemen heimisch zu machen, für absolut hirnverbrannt. Aber viel Geld und der eiserne Wille der Politik, eine dringend benötige positive anglo-amerikanische Geschichte zu produzieren, zwingen Jones dazu, sich dem idiotischen Projekt zu widmen. Außerdem ist der Scheich sehr sympathisch und die Projektleiterin äußerst liebenswert.
Am Anfang läuft Emma Watson als Belle singend durch das französische Klischeedorf Villeneuve. Die Dorfbewohner sind ein singender und tanzender Chor und spätestens jetzt ist klar: „Die Schöne und das Biest“ ist ein Musical, das sich vollumfänglich in der Tradition bewegt, in der ganze Dörfer zu Kulissen für Gesangsnummern werden und Lieder die Handlung ersetzen. Entsprechend vernachlässigbar ist diese. Die Figuren gewinnen allein durch ihren Gesang Dimensionen.
Die sattsam bekannte Geschichte lässt sich mühelos in einem Satz zusammenfassen. Durch einen Fluch verwandelt sich der selbstsüchtige Prinz (Dan Stevens) in das titelgebende Biest. Erst wenn sich eine Frau in ihn verliebt, werden er und sein Hofstaat wieder zu Menschen.
Belle begibt sich, um ihren Vater zu befreien, in die Hände des grummeligen Biestes. Im Schloss freundet sie sich mit dem Kerzenleuchter Lumière, der Kaminuhr von Unruh, der Teekanne Madame Pottine, ihrem Sohn Tassilo, einer Teetasse, dem Kleiderschrank Madame de Garderobe, dem Staubwedel Plumette und dem Cembalo Maestro Cadenza an. Sie sind alle verwandelte Schlossbesucher; gesprochen und an wenigen Drehtagen gespielt von Ewan McGregor, Ian McKellen, Emma Thompson, Nathan Mack, Audra McDonald, Gugu Mbatha-Raw und Stanley Tucci. Außerdem ist Belle von der Schlossbibliothek begeistert. Denn sie ist nicht nur jung und schön, sondern auch klug und belesen.
Ihre freiwillige Gefangenschaft ist daher ganz erträglich, wenn dem Schlossherrn aufgrund des Fluchs nicht die Zeit für eine Rückverwandlung davonliefe und der aufgeblasene Dorfschnösel Gaston (Luke Evans) sie befreien und ehelichen möchte.
Sprechende, singende und tanzende Kerzenleuchter, Uhren, Kleiderschränke und Teekannen kennen Disney-Fans bereits aus dem erfolgreichen 1991er Zeichentrickfilm „Die Schöne und das Biest“ (Regie: Dick Purdom, Drehbuch: Linda Woolverton). Er war auch die Vorlage für Bill Condons jetzt im Kino laufende Neuinterpretation. Die Originalsongs von Alan Menken und Howard Ashman aus der 1991er Verfilmung, ergänzt um drei Songs, die Alan Menken jetzt mit Tim Rice schrieb, werden in Condons Film gesungen. Außerdem hat Condon mit 130 Minuten Laufzeit 45 Minuten mehr Zeit als Dick Purdom, der die Geschichte in 85 Minuten erzählen musste. Da kann schon ein Lied mehr geträllert und am Ende länger im Schloss gekämpft werden.
Condons Film sieht natürlich gut aus, hat etwas Humor, ist immer geschmackvoll und spricht, wie man es von Disney gewohnt ist und erwartet, Junge und Ältere an. Zur Identifikation gibt es eine taffe Heldin und ein äußerlich hässliches, in seinem Inneren zutiefst sympathisches, an sich selbst zweifelndes, überhaupt nicht furchterregendes Monster. Oh, und ein, zwei echte Überraschungen, wie – erstmals in einem Disney-Film – einen offen schwulem Charakter. Der sorgte dann auch gleich für einige Kontroversen. In Russland ist der Kinderfilm, nachdem er zunächst überhaupt nicht gezeigt werden sollte, jetzt frei ab sechzehn Jahre. Malaysia überlegt noch, wie sie mit dem Problem umgehen soll.
Aber wer Musicals wie die Pest hasst, wird höchstens erleichtert feststellen, dass in der zweiten Filmhälfte weniger gesungen wird. Jedenfalls fällt es nicht mehr so negativ auf. Außerdem hat Condons „Die Schöne und das Biest“ erstaunlich wenig mit der letzten Verfilmung des Märchens zu tun. Die 2013er Verfilmung von Christophe Gans mit Léa Seydoux und Vincent Cassel gefiel mir allerdings deutlich besser. Wahrscheinlich weil nicht gesungen wurde und alles etwas komplexer als in Disneys Musical-Version ist.
Die Schöne und das Biest (Beauty and the Beast, USA 2016)
Regie: Bill Condon
Drehbuch: Stephen Chbosky, Evan Spiliotopoulos (basierend auf Linda Woolvertons 1991er Drehbuch „Die Schöne und das Biest“)
mit Emma Watson, Dan Stevens, Luke Evans, Kevin Kline, Josh Gad, Ewan McGregor, Stanley Tucci, Gugu Mbatha-Raw, Audra McDonald, Hattie Morahan, Nathan Mack, Ian McKellen, Emma Thompson
„Trainspotting“ war der „Easy Rider“ der neunziger Jahre. Ein Film, der den Nerv der Jugend traf und ihre Kultur porträtierte. Ein sofortiger, aus dem Nichts kommender Kultfilm über einige Jungs aus Edinburgh, die Drogen konsumieren und denen alles egal ist. Außer den Drogen. Schon die ersten Minuten, untermalt von Iggy Pops „Lust for Life“, geben das Tempo und die No-Nonsense-Haltung des Films vor.
Wie bei allen richtigen Kultfilmen ist auch bei „Trainspotting“ eine Fortsetzung unnötig. Auch wenn Irvine Welsh, Autor der Romanvorlage, die in England schon vor dem Film ein Bestseller war, später wieder zu Renton, Sick Boy, Spud und Begbie zurückkehrte. In „Porno“ erzählte er 2002, zehn Jahre nach „Trainspotting“, ihre Geschichte weiter.
Und jetzt haben Danny Boyle und Drehbuchautor John Hodge eine Kinofortsetzung gemacht, die lose auf beiden Büchern basiert und die Geschichte des Kinofilm weiter erzählt.
„T2 is really an adaptation of two books: Porno, Irvines 10 years later sequel but, even more, it’s a direct loop back to Trainspotting. For me, the original book is like a modern Ulysses. It’s unsurpassed I think, and reading it is still like the ‚rush of ocean to the heart‘. The new film is constantly drawn back into its orbit and it’s been a privilige to step back into that world.“ (Danny Boyle)
Am Ende von „Trainspotting“ klaute Renton (Ewan McGregor) von seinen Freunden Spud (Ewen Bremner), ‚Sick Boy‘ Simon (Jonny Lee Miller) und Begbie (Robert Carlyle) das Geld, das sie für den Verkauf von Drogen erhielten.
Jetzt zwanzig Jahre später kehrt er nach Edinburgh zurück. Seine Mutter ist gestorben. Aber das ist für die Filmgeschichte, die wieder, primär, eine Ansammlung von höchst lose zusammenhängenden Episoden und Anekdoten ist. Seine damaligen Freunde sind immer noch in Edinburgh und sie haben sich nicht verändert. Spud hängt immer noch an der Nadel. Sick Boy führt eine extrem schlecht gehende Kneipe. Mit Sexvideos will er von den städtischen Honoratioren genug Geld für sein nächstes großes Projekt erpressen. Er will mit seiner Freundin (mehr platonisch als sexuell) ein Bordell eröffnen. Und Begbie, die menschliche Handgranate, geht immer noch keiner, meist von ihm provozierten, Schlägerei aus dem Weg. Jetzt, also eigentlich seit „Trainspotting“, sitzt er im Gefängnis. Als ein Entlassungsantrag abgelehnt wird, bricht er aus und quartiert sich bei seiner Frau und seinem Sohn ein.
Begbie (mehr) und Sick Boy (weniger) sind immer noch über Rentons Diebstahl verärgert. Sie wollen, dass er dafür bezahlt. Spud, dem Renton damals ein Viertel des Geldes gab, hätte dagegen gerne auf das Geld verzichtet. Als Junkie investierte er das Geld nur in Drogen.
Das ist die sich langsam materialisierende Ausgangslage. Denn Boyle und John Hodge (der auch das Drehbuch für „Trainspotting“ schrieb) führen die einzelnen Charaktere langsam ein. Es dauert einige Zeit, bis Renton wieder in seiner alten Heimat ist, bis er seine alten Freunde, mehr oder weniger freiwillig, getroffen hat und Sick Boy ihm das Geschäft seines Lebens vorschlägt.
Dieses Mal verzichten Boyle und Hodge auch auf eine Erzählerstimme, die den ersten Film strukturierte und ihm von der ersten Minute an eine Haltung gab. Das ist ein Problem von „T2 Trainspotting“. Ein anderes, viel gravierenderes, ist, dass sich Renton, Spud, Sick Boy und Begbie in den vergangenen zwanzig Jahren nicht änderten. Sie sind nur älter geworden.
Ein anderes Problem ist die episodische Struktur, die hier dazu führt, dass fast keine Handlung und Ereignis Folgen hat. So spielt Rentons Herzanfall in der ersten Minute später keine Rolle mehr. Dank einer Operation kann er noch Jahrzehnte leben und, angesichts des von ihm im Film absolvierten Sportpensums, muss er sich auch in keinster Weise einschränken. Später erzählt er Sick Boy, dass er glücklich verheiratet sei. Noch später erzählt er ihm, dass das eine Lüge war. Seine Ehe sei gescheitert und er habe seinen Job verloren. Weil wir weder seine Frau, noch seinen Job, noch sein Leben in Holland kennen lernen, und es auch keinen Einfluss auf die Filmgeschichte hat, ist es egal. Das gleiche gilt auch für seine Freunde. Nur Begbie hat mit einer Frau und einem Sohn so etwas wie ein Leben und ein Ziel: er will mit ihnen zusammen sein und seinen Sohn ebenfalls zu einem Verbrecher erziehen. Der hat allerdings Pläne für ein ehrliches, bürgerliches Leben mit einer ordentlichen beruflichen Ausbildung.
Insgesamt ist „T2 Trainspotting“ ein überflüssiger Film. Das heißt jetzt nicht, dass er schlecht ist. Er hat einige tolle Szenen, die dummerweise meistens „Trainspotting“ mehr oder weniger direkt zitieren. Sowieso ist „T2 Trainspotting“ mit Flashbacks, Zitaten und Querverweise zum ersten Film überreich gesegnet. Aber wir erfahren in „T2 Trainspotting“ nichts über die vier Jungs, was wir nicht schon in „Trainspotting“ über sie wussten. Damit wirkt der Film wie die Wiedervereinigung einer einstmals geliebten Band, die jetzt eine neue CD einspielt, die in ihren besten Momenten alte Ideen wiederholt, in ihren schlechtesten Momenten langweilt.
Ein Bestsellerautor, ein unantastbarer Säulenheiliger und Doyen des Spionageromans ist John le Carré schon seit Jahrzehnten, aber bis vor einigen Jahren war die Zahl der Verfilmungen seiner Agententhriller überschaubar. Bis zur Jahrtausendwende gab es für das Kino eigentlich nur „Der Spion, der aus der Kälte kam“ und „Das Russland-Haus“. In den letzten fünfzehn Jahren, vor allem in den letzten fünf Jahren, gab es dann mehrere le-Carré-Verfilmungen, die alle gelungen waren: „Der Schneider von Panama“, „Der ewige Gärtner“, „Dame, König, As, Spion“, „A most wanted man“, „The Night Gardener“ (für das Fernsehen) und jetzt „Verräter wie wir“, inszeniert von Susanna White („Eine zauberhafte Nanny“,„Parade’s End“), nach einem Drehbuch von Hossein Amini („Drive“, „Die zwei Gesichter des Januars“ [auch Regie]), der sich anstandslos in die Reihe der gelungenen le-Carré-Verfilmungen einreiht.
In Marrakesch lernt Perry (Ewan McGregor), ein harmloser Oxford-Dozent für Poesie, Dima (Stellan Skarsgård), einen russischen Lebemann mit riesigem Hofstaat, kennen. Dima mag den Engländer und seine Frau Gail (Naomie Harris), einer Anwältin, die beide erkennbar aus einer vollkommen anderen Welt stammen. Er spielt mit Perry Tennis, lädt ihn zu einer Party ein und bittet ihn um einen Gefallen. Denn Dima ist auch Geldwäscher für die russische Mafia. Er befürchtet, dass er demnächst im Auftrag des Kopfs der Vory umgebracht werden soll. Der britische Geheimdienst soll ihn und seine Familie beschützen. Deshalb möchte er, dass Perry dem englischem Geheimdienst einen USB-Stick mit Daten über von ihm getätigte Transaktionen, die auch britische Banken und Politiker belasten, übergibt.
Perry ist einverstanden. Es ist ja nur ein kleiner Gefallen für den potentiellen Überläufer und er tut doch offensichtlich ein gutes Werk. Aber es ist auch der erste Schritt, der ihn in die Welt der Geheimdienste führt.
Hossein Amini folgt zwar mit wenigen Abweichungen John le Carrés Geschichte, aber während le Carré die Geschichte bis weit über die Hälfte des Romans mit einer enervierenden Langsamkeit erzählt, hat Amini hier all die Fehler der Vorlage beseitigt. Die uninteressanten Stellen kürzte er ordentlich. Die Plot Points verschieben sich an die richtigen Stellen. Die Spannungskurve steigt stärker. Die wirkliche Geschichte, die ja erst beginnt, als Perry dem MI6-Agenten Hector Meredith (Damian Lewis) den USB-Stick übergibt, entwickelt sich schneller. Perry und seine Frau Gail geraten mit ihren Entscheidungen, die als einzelne Entscheidung ohne große Folgen, vernünftig und harmlos sind (Warum soll man nicht die Einladung zu einer Party annehmen? Warum soll man nicht dem Geheimdienst einen USB-Stick geben und so einer Urlaubsbekanntschaft helfen?), schnell in die von Misstrauen und Verrat geprägte Welt der Geheimdienste und des Großverbrechens, in der ein Menschenleben nicht mehr zählt als ein Bauer in einem Schachspiel. Dabei ist fraglich, ob Perry überhaupt so wichtig wie ein Bauer ist oder ob Dima der Bauer ist.
Kameramann Anthony Dod Mantle („28 Days Later“, „Slumdog Millionär“, „Rush – Alles für den Sieg“) inszeniert diese Welt als eine elegante Welt der Schatten und Spiegelungen, was der Geschichte eine latente Atmosphäre der Ungewissheit verleiht. Auch wenn wir Zuschauer genauer als Perry wissen, in welche Richtung sich die Geschichte bewegen wird.
„Verräter wie wir“ lebt nämlich nicht von der pulstreibenden Spannung eines Action-Thrillers mit überraschenden Wendungen, sondern von der mahlstromartigen Spannung einer sich fatal entwickelnden Geschichte, aus der es für die Protagonisten kein Entkommen gibt.
„Eines der Themen von le Carrés Arbeit ist, dass Großbritannien als Weltmacht zwar beinahe alles verloren hat, aber immer noch die klassischen britischen Werte hat, die aus einer Zeit stammen, als Großbritannien an der Spitze der Welt stand und eine moralische Verpflichtung hatte. Während die Macht langsam verschwand, hat sich die dazugehörige Moral eher in eine Art Kompromiss verwandelt. John le Carré ist sehr interessiert an dem Einfluss, den der Abstieg der britischen Macht auf das moralische System hat. Das ist der Kern unseres Films. Es gibt jene, die es riskieren, die russische Autoritäten zu verärgern, um Dima zur Flucht zu verhelfen, und es gibt jene, die sich dem entgegen stellen und möglicherweise mit den Russen zusammenarbeiten, all das innerhalb des britischen Systems.“ (Hossein Amini)
Verräter wie wir(Our Kind of Traitor, Großbritannien 2016)
Regie: Susanna White
Drehbuch: Hossein Amini
LV: John le Carré: Our Kind of Traitor, 2010 (Verräter wie wir)
mit Ewan McGregor, Stellan Skarsgård, Damian Lewis, Naomie Harris, Jeremy Northam, Khalid Abdallah, Mark Gatiss, Saskia Reeves, Alicia von Rittberg, John le Carré (sein Genehmigungs-Cameo)
Der Ghostwriter (Frankreich/Deutschland/Großbritannien 2010. Regie: Roman Polanski)
Drehbuch: Robert Harris, Roman Polanski
LV: Robert Harris: The Ghost, 2007 (Ghost, Der Ghostwriter)
Ein Autor soll innerhalb weniger Tage die Biographie des ehemaligen britischen Premierministers Adam Lang ghostwriten. Als Lang wegen Kriegsverbrechen im „Krieg gegen den Terror“ angeklagt wird, beginnt der gänzlich unpolitische Autor auf eigene Faust zu recherchieren.
mit Ewan McGregor, Pierce Brosnan, Olivia Williams (die eigentlich viel zu jung für ihre Rolle ist), Kim Cattrall, Tom Wilkinson, James Belushi, Timothy Hutton, Eli Wallach (die letzten drei haben nur Kleinstrollen)
Dass Natalie Portman mit Waffen umgehen kann, wissen wir seit „Leon – Der Profi“. Dass sie auch in einem waschechten Western eine gute Figur macht, sehen wir in „Jane got a Gun“. Portman spielt die titelgebende Jane Hammond, die mit ihrem Mann Bill (Noah Emmerich) in New Mexico in einer einsam gelegenen Holzhütte das karge bäuerliche Landleben fristet. Als ihr Mann schwer verletzt von einer längeren Reise zurückkehrt und ihr sagt, dass John Bishop auf dem Weg ist, weiß sie, dass sie bald um ihr Leben kämpfen muss.
Denn John Bishop (Ewan McGregor) ist der skrupellose Anführer einer Verbrecherbande. Vor Jahren gehörten Jane und ihr Mann zu seiner Bande. Nach einem Streit verließen sie ihn. Seitdem sucht Bishop sie. Denn niemand verlässt Bishops Bande ungefragt und ungestraft.
Den einzigen Mann, den Jane in der Einöde um Hilfe bitten kann, ist Dan Frost (Joel Edgerton), ein früherer Freund von ihr, der nichts mehr mit ihr zu tun haben will.
Dieses „High Noon“-Szenario ist für Westernfans nichts neues und Gavin O’Connor („Das Gesetz der Ehre“, „Warrior“) folgt den bekannten Regeln ohne postmoderne Brechungen. „Jane got a Gun“ ist ein klassischer, geradliniger, in neunzig Minuten erzählter B-Movie-Western mit einem überschaubarem Personal und einer Schießerei am Ende. Weil der Film vor Ort in New Mexico gedreht wurde, gibt es auch leinwandfüllende, das Auge erfreuende Landschaftsaufnahmen.
Das ist durchaus ansehbares, wenn auch, abgesehen von der starken Heldin, wenig überraschendes und erstaunlich traditionelles Genrefutter, das die Zeit mit hohem „Star Wars“-Faktor (wobei Portman und McGregor hier, wie auch in eigentlich all ihren anderen Filmen, eine wesentlich bessere Figur machen) gut die Tage bis zu Quentin Tarantinos Drei-Stunden-Schnee-Western „The Hateful Eight“ überbrückt.
Männer, die auf Ziegen starren (USA 2009, Regie: Grant Heslov)
Drehbuch: Peter Straughan
LV: Jon Ronson: The men who stare at goats, 2004 (Durch die Wand; Männer, die auf Ziegen starren)
Ein Journalist hört von einer Armeeeinheit, die ihre Gegner mit gewaltfreien, teils übersinnlichen Methoden bekämpft. Er macht sich auf die Suche nach ihr.
Die Story von „Männer, die auf Ziegen starren“ klingt erfunden, ist aber wahr und der Film folgt dem Sachbuch erstaunlich genau.
Vor Jahren habe ich Kyril Bonfigliolis Roman „Nimm das Ding da weg!“ gelesen und, auch wenn ich mich nicht mehr an die Geschichte erinnere, hat mir der Roman nicht gefallen. Ich konnte mit dem Humor nichts anfangen und wahrscheinlich fand ich auch den Protagonisten Mortdecai unsympathisch. Dabei gefallen mir eigentlich Gangsterromane und Gaunerkomödien. Mortdecai, ein Dandy, Kunsthändler und Betrüger, passt da eigentlich rein. Auch dass der Schlawiner ein unverbesserlicher Snob ist. Der Roman spielte, unüberlesbar, in den frühen Siebzigern, als die britische Klassengesellschaft noch in voller Blüte war und nichts gegen einen guten Kunstschwindel gesagt werden konnte.
Und, obwohl ich das Buch jetzt nicht noch einmal gelesen habe (auch weil ich keine Ahnung habe, wo es liegt), vermutete ich schon beim klamaukigen Trailer, dass der Film mit dem vor über vierzig Jahren erschienenem Roman nicht allzuviel zu tun hat; was ja grundsätzlich kein Problem ist. Jedenfalls gehöre ich nicht zu der Fraktion, die „Verrat“ brüllt, wenn der Film sich von der Vorlage entfernt.
Dieser Eindruck eines werkfernen Retro-Klamauks bestätigte sich beim Ansehen des Films, der sich erfolgreich bemüht durchgehend altmodisch zu sein. Die fast schon wohltuenden Ignoranz gegenüber der modernen Technik, also Computer, Handys und so Zeug, sagt deutlich, dass der Film zwar in der Gegenwart spielt, aber eigentlich in die Vergangenheit gehört, als Filme wie „Der rosarote Panther“ das Publikum erfreuten.
Charlie Mortdecai ist auch im Film ein mehr als halbseidener, auf großem Fuß lebender Kunsthändler und Schwindler, der mehr als einmal von seiner rechten Hand, dem dummen, aber Mortdecai treu ergebenen Schläger Jock Strapp, aus gefährlichen Situationen gerettet wird. Seine Frau Johanna ist ihm treu ergeben, aber mit seinem neuen Schnurrbart kann sie nichts anfangen. Sie findet ihn zum übergeben; – und das ist, angesichts neuer Komödien, wie „A Million Ways to Die in the West“ und „Kill the Boss 2“, ein positiver Aspekt: der Humor bleibt immer oberhalb der Gürtellinie und er hinterlässt nie den Eindruck des spontan Vor-sich-hin-Improvisierens. Die Gags scheinen wirklich alle so im Drehbuch zu stehen. Dummerweise sind die Gags fast nie visuell und gerade Johnny Depp als Charlie Mortdecai gefällt sich in seinem typischen „Pirates of the Carribean“/“Lone Ranger“-Chargieren, das nicht zu der Rolle passt. Jedenfalls wenn man in Mortdecai mehr als das plumbe Abziehbild eines Klischees sehen möchte. Außerdem nervt es.
Die anderen Schauspieler – Gwyneth Paltrow als verliebte Ehefrau ist Iron Mans Pepper Potts in einer anderen Umgebung, Paul Bettany als Jock und Ewan McGregor als Geheimagent bemühen sich um Coolness – nerven weniger, aber gegen das klamaukige Drehbuch, das vor allem verbale Gags aneinanderreiht, kommen sie nicht an.
Die Geschichte selbst ist da nur die Entschuldigung für die eher altmodischen Witzeleien, die heute oft auch jeglicher gesellschaftlichen Relevanz entbehren. Vor vierzig, fünfzig Jahren war das vielleicht anders. Aber auch Mortdecai ist mit seinen Ansichten ungefähr 1970 stehen geblieben.
Er soll, im Auftrag von MI5-Agent Alistair Martland, ein verschwundenes Goya-Gemälde suchen. Dieses wertvolle Gemälde will auch Emil Strago. Der Terrorist (geformt nach dem Bild von ikonischen Sechziger-Jahre-Revolutionären mit südländischem Charme und Womanizer-Bart) würde das Geld wahrscheinlich für unzählige Terror-Anschläge verwenden. Ein russischer Oligarch und ein amerikanischer Milliardär wollen ebenfalls das Bild. Deshalb wird Mortdecai nach Moskau entführt und muss auch einen Trip „in die Kolonien“ (Mortdecai) unternehmen.
„Mortdecai – Der Teilzeitgauner“ ist ein hoffnungslos altmodischer und verstaubter Klamauk, der sich eher an den bei mir nicht besonders beliebten „Der rosarote Panther“-Filmen als an, sagen wir mal „Ihr Auftritt, Al Mundy!“ (It takes a Thief) oder „Über den Dächern von Nizza“ (To catch a Thief) orientiert und als Kopie einer Kopie noch nicht einmal im Schatten dieser ungleich besseren und heute immer noch ungleich frischeren Filme steht. Selbstverständlich werden neuere, stilbewusste Gaunerkomödien, wie „Ocean’s Eleven“ oder „Hustle“, ignoriert.
Big Fish – Der Zauber, der ein Leben zur Legende macht (USA 2003, Regie: Tim Burton)
Drehbuch: John August
Literaturvorlage: Daniel Wallace: Big Fish – A Novel of Mythic Proportions, 1998 (Big Fish)
Vertreter Edward Bloom ist ein begnadeter Geschichtenerzähler. Sein Sohn Will, der hinter den Geschichten nie den wahren Edward Bloom sah, brach deshalb vor Jahren entnervt den Kontakt zu ihm ab. Jetzt sitzt er an Edwards Sterbebett und versucht zum letzten Mal die Beziehung zu seinem Vater zu kitten. Aber dieser erzählt nur wieder einmal die altbekannten Geschichten aus seinem Leben und erfindet einige neue dazu.
Das Buch, eine lockere Sammlung von Episoden, ist bestenfalls solala. Aber der Film, der sich in vielen Teilen von dem Buch entfernt, die Episoden aus dem Buch und zahlreiche neue zu einer Biographie zusammenfügt und dabei das Thema des Buches deutlicher herausarbeitet, ist eine zwischen trister Realität und farbenfreudiger Fantasie wechselnde Liebeserklärung an das Erzählen von Geschichten, die am Ende doch nicht so erfunden sind, wie der Sohn immer annahm.
Mit Ewan McGregor, Albert Finney, Billy Crudup, Jessica Lange, Helena Bonham Carter, Loudon Wainwright III, Steve Buscemi, Danny DeVito, Daniel Wallace (Econ Professor)
BR, 23.10 Perfect Sense (Deutschland/Großbritannien/Schweden/Dänemark/Irland 2011, Regie: David Mackenzie)
Drehbuch: Kim Fupz Aakeson
Während eine weltweite Seuche die Menschen ihrer Sinneswahrnehmungen beraubt, lernen sich in Glasgow ein Gourmet-Koch und eine Epidemiologin kennen, die versuchen, mit der Krankheit und ihren Gefühlen füreinander umzugehen.
Vor dem zwiespältig aufgenommenen „Perfect Sense“ inszeniert David Mackenzie „Young Adam“ und „Hallam Foe“.
„Die souveräne Inszenierung und die beiden Hauptdarsteller halten die stilvoll überkonstruierte Parabel im Lot.“ (Lexikon des internationalen Films)
mit Ewan McGregor, Eva Green, Ewen Bremner, Connie Nielsen, Stephen Dillane, Denis Lawson Hinweise Rotten Tomatoes über „Perfect Sense“
Wikipedia über „Perfect Sense“ (deutsch, englisch)
Lachsfischen im Jemen (Salmon Fishing in the Yemen, Großbritannien 2011)
Regie: Lasse Hallström
Drehbuch: Simon Beaufoy
LV: Paul Torday: Salmon Fishing in the Yemen, 2006 (Lachsfischen im Jemen)
Dr. Alfred Jones, Lachsexperte und Angestellter des englischen Fischereiministeriums, hält die Idee des Scheichs, Lachse im Jemen heimisch zu machen, für absolut hirnverbrannt. Aber viel Geld und der eiserne Wille der Politik, eine dringend benötige positive anglo-amerikanische Geschichte zu produzieren, zwingen Jones dazu, sich dem idiotischen Projekt zu widmen. Außerdem ist der Scheich sehr sympathisch und die Projektleiterin äußerst liebenswert.
Kommenden Donnerstag läuft Lasse Hallströms neuer Film „Madame Mallory und der Duft von Curry“ mit der großartigen Helen Mirren an. Wieder ein herrliches Feelgood-Movie.
mit Ewan McGregor, Emily Blunt, Kristin Scott Thomas, Amr Waked, Catherine Steadman, Tom Mison, Rachael Stirling, Tom Beard
Schon die ersten Bilder erfreuen den gestandenen Western-Fan. Denn „A Million Ways to die in the West“ beginnt – auf einer groooßen Leinwand – wie ein richtig guter, alter Cinemascope-Western: das baumlosen Monument Valley erstreckt sich vom linken bis zum rechten Bildrand, die Buchstaben sind in dieser altertümlichen Western-Schrifttype und das riesige Orchester spielt eine dieser Western-Melodien, die wir aus den John-Ford-Western kennen. Da müsste gleich John Wayne oder James Stewart durch das Bild reiten.
Aber dann kommt es doch etwas weniger klassisch. Denn Seth MacFarlane („Family Guy“, „Ted“) erzählt eine Westerkomödie, in der ein netter, belesener, kluger Schafzüchter im Mittelpunkt steht. Dass der von ihm gespielte Albert Stark auch ein Feigling ist, wird bereits in den ersten Minuten deutlich, wenn er, anstatt sich mit dem besten Schützen der Gegend auf offener Straße zu duellieren, versucht, sich aus der Situation herauszureden und sich am Ende quasi freikauft, indem er Charlie Blanche Geld für den durch seine Schafe entstandenen Schaden anbietet. Das hätte John Wayne niemals gemacht. Destry oder Ransom Stoddard, der Mann, der Liberty Valance nicht erschoss (beide gespielt von James Stewart) dagegen schon. Aber das waren auch Männer des zwanzigsten Jahrhunderts.
Kurz darauf wird Albert von seiner Freundin Louise (Amanda Seyfried) verlassen. Sie will erst einmal mit sich selbst ins Reine kommen. Denn: „Heutzutage werden die Menschen fünfundreißig und älter, da kann man sich mit dem Heiraten doch Zeit lassen.“.
Zu Tode betrügt hängt Albert mit seinem Freund Edward Phelps (Giovanni Ribisi), der mit dem Freudenmädchen Ruth (Sarah Silverman) befreundet ist, ab, als er während einer der regelmäßigen Kneipenschlägereien Anna (Charlize Theron) kennen lernt. Sie ist neu in dem Nest Old Stump. Gemeinsam verbringen sie einige schöne Tage, in denen sie Albert auch das Schießen beibringt. Denn sie ist eine begnadete Schützin und Albert hat Louises neuen Freund, den extrem schnöseligen Foy (Neil Patrick Harris), Bartträger und Inhaber der Moustacherie, zu einem Duell herausgefordert.
Außerdem ist der im ganzen Westen gefürchtete Bandit Clinch Leatherwood (Liam Neeson) auf dem Weg nach Old Stump. Zu seiner Frau Anna.
„A Million Ways to die in the West“ ist, wie schon die ersten Bilder zeigen, eine Westernkomödie von einem Regisseur, der den Western liebt, verstanden hat und die komödiantischen Aspekte des Westerns und des Lebens im Wilden Westen betont. Ein großer Teil des Humors entsteht auch durch das vollkommen unangepasste Verhalten der Charaktere.
So ist Albert Stark eigentlich ein witziger, gebildeter junger Mann, der einer Schlägerei ausweicht, weil sie dummes Macho-Gehabe ist. Heute wäre er der allseits beliebte Protagonist in einem Film. Damals, im gesetzlosen Wilden Westen und im Western, war er ein überlebensunfähiger Feigling, der bestenfalls als Sidekick, als Comic Relief, vorkommt, um den Helden in einem noch besseren Licht erstrahlen zu lassen.
Sein bester Freund Edward ist in eine Prostituierte verliebt, die zwar ihren Beruf hingebungsvoll ausübt, aber mit Edward, schließlich ist sie gläubig, erst nach ihrer Hochzeit Sex haben will. Auch Edward trennt fein säuberlich zwischen ihrer unschuldig reinen Beziehung und ihrer Arbeit.
Etliche Dialoge und Beobachtungen spielen schön mit unserem heutigem Wissen und dem damaligen Wissen. So unterhalten sie sich entspannt über die Unmöglichkeit, auf einem Photo zu lächeln (wegen der damals unglaublich langen Belichtungszeit), die frühe Sterblichkeit und die Heilkunst, die im Wilden Westen auf einem wahrhaft archaischem Niveau war. Da half auch keine Heiltinktur aus Alkohol, Kokain, Morphium, Quecksilber mit Kalk und rotem Flanell.
Das macht Laune, auch wenn es nur wenige echte Lacher, die meist mit einem plötzlichen Todesfall zusammenhängen, gibt. Insgesamt regt „A Million Ways to die in the West“, weil immer ein witziger Tonfall herrscht und die Charaktere entspannt abhängen, eher zum Schmunzeln an.
Schade ist allerdings, dass der Humor zu oft in Richtung Zote geht. Zu oft drehen sich die Witze um Sex und Fäkalien.
Mit gut zwei Stunden ist „A Million Ways to die in the West“ für eine Komödie etwas lang geraten. Immer wieder plätschert der Film, der einen strafferen Schnitt vertragen hätte, einfach so vor sich hin. Die Szenen sind oft etwas zu lang geraten, so als hätten die Macher entweder zu viel improvisiert oder als ob sie wirklich jeden Witz, der ihnen einfiel, unbedingt unterbringen wollten. Egal, ob er irgendwie die Handlung voran bringt oder nicht.
Dennoch dürfen Western-Fans sich freuen. Insgesamt ist „A Million Ways to die in the West“ eine ordentliche Western-Komödie, die sich gelungen am klassischen Western orientiert, und dann läuft der Film auch noch im Kino.
Seth MacFarlane hat auch den Roman zum Film geschrieben, der sich im Großen und Ganzen nicht vom Film unterscheidet. Aber gerade in den Details – immerhin hat hier der Drehbuchautor, Regisseur und Hauptdarsteller den Roman geschrieben – unterscheidet sich der Roman beträchtlich vom Film. Szenen und Szenenteile fehlen, der Humor ist weniger fäkal-pubertär und das erste Duell ist im Roman anders als im Film.
Beim Lesen fällt auch auf, dass die Landschaftsbilder, das Deadpan-Acting und die Musik fehlen. Insofern ist der Roman eine nette und schnelle Lektüre, die aber nicht den Film ersetzen sollte.
A Million Ways to die in the West (A Million Ways to die in the West, USA 2014)
Regie: Seth MacFarlane
Drehbuch: Seth MacFarlane, Alec Sulkin, Wellesley Wild
mit Seth MacFarlane, Charlize Theron, Amanda Seyfried, Liam Neeson, Giovanni Ribisi, Neil Patrick Harris, Sarah Silverman, Christopher Hagen, Wes Studi, Matt Clark, Rex Linn, Christopher Lloyd, Ewan McGregor
Länge: 116 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
–
Der Roman zum Film
mit Gina Carano, Michael Fassbender, Ewan McGregor, Bill Paxton, Channing Tatum, Antonio Banderas, Michael Douglas, Michael Angarano, Mathieu Kassovitz, Anthony Wong
Wiederholung: Mittwoch, 14. Mai, 00.35 Uhr (Taggenau!)
Die Brüder Terry und Ian haben Geldprobleme. Da bietet ihnen Onkel Howard einen Weg aus der finanziellen Misere an: sie müssen einen seiner Geschäftspartner umbringen. Das ist leichter geplant, als getan.
Nach „Match Point“ und „Scoop“ drehte Woody Allen mit „Cassandras Traum“ seinen dritten Film in England und wieder ist es eine Kriminalgeschichte, die dem Krimi-Fan gefällt.
Mit Ewan McGregor, Colin Farrell, Tom Wilkinson, Sally Hawkins, Hayley Atwell
Die Brüder Terry und Ian haben Geldprobleme. Da bietet ihnen Onkel Howard einen Weg aus der finanziellen Misere an: sie müssen einen seiner Geschäftspartner umbringen. Das ist leichter geplant, als getan.
Nach „Match Point“ und „Scoop“ drehte Woody Allen mit „Cassandras Traum“ seinen dritten Film in England und wieder ist es eine Kriminalgeschichte, die dem Krimi-Fan gefällt.
Mit Ewan McGregor, Colin Farrell, Tom Wilkinson, Sally Hawkins, Hayley Atwell
Männer, die auf Ziegen starren (USA 2009, R.: Grant Heslov)
Drehbuch: Peter Straughan
LV: Jon Ronson: The men who stare at goats, 2004 (Durch die Wand; Männer, die auf Ziegen starren)
Ein Journalist hört von einer Armeeeinheit, die ihre Gegner mit gewaltfreien, teils übersinnlichen Methoden bekämpft. Er macht sich auf die Suche nach ihr.
Die Story von „Männer, die auf Ziegen starren“ klingt erfunden, ist aber wahr und der Film folgt dem Sachbuch erstaunlich genau.
Big Fish – Der Zauber, der ein Leben zur Legende macht (USA 2003, R.: Tim Burton)
Drehbuch: John August
Literaturvorlage: Daniel Wallace: Big Fish – A Novel of Mythic Proportions, 1998 (Big Fish)
Vertreter Edward Bloom ist ein begnadeter Geschichtenerzähler. Sein Sohn Will, der hinter den Geschichten nie den wahren Edward Bloom sah, brach deshalb vor Jahren entnervt den Kontakt zu ihm ab. Jetzt sitzt er an Edwards Sterbebett und versucht zum letzten Mal die Beziehung zu seinem Vater zu kitten. Aber dieser erzählt nur wieder einmal die altbekannten Geschichten aus seinem Leben und erfindet einige neue dazu.
Das Buch, eine lockere Sammlung von Episoden, ist bestenfalls solala. Aber der Film, der sich in vielen Teilen von dem Buch entfernt, die Episoden aus dem Buch und zahlreiche neue zu einer Biographie zusammenfügt und dabei das Thema des Buches deutlicher herausarbeitet, ist eine zwischen trister Realität und farbenfreudiger Fantasie wechselnde Liebeserklärung an das Erzählen von Geschichten, die am Ende doch nicht so erfunden sind, wie der Sohn immer annahm.
Mit Ewan McGregor, Albert Finney, Billy Crudup, Jessica Lange, Helena Bonham Carter, Loudon Wainwright III, Steve Buscemi, Danny DeVito, Daniel Wallace (Econ Professor)
Wiederholung: Mittwoch, 8. Mai, 00.10 Uhr (Taggenau!)
Es ist ein Kreuz mit diesen Filmen, die „auf einer wahren Geschichte“ basieren. Oft werden die wahren Ereignisse genommen und so lange verändert, bis die Ähnlichkeiten zwischen Fakt und Fiktion nur noch zufällig sind. Es geht aber auch, wie der spanische Spielfilm „The Impossible“ zeigt, anders. Drehbuchautor Sergio G. Sanchez und Regisseur Juan Antonio Bayona nahmen ein wahres Schicksal, nämlich die Geschichte der spanischen Familie Belon und erzählten dann eine so universelle Geschichte über eine Familie, die nach dem Tsunami 2004 in Thailand, getrennt wurde und sich wieder fand, dass es vollkommen egal ist, wie genau sich die Filmemacher an die Fakten gehalten haben. Wie der Familie Belon dürfte es damals vielen Familien, die ihren Weihnachtsurlaub im Paradies verbringen wollten, ergangen sein. Vielleicht deshalb haben die Macher der Familie keinen Nachnamen verpasst und die Nationalität der Familie geändert.
Henry (Ewan Mc Gregor), Maria (Naomi Watts – jaja, besonders spanisch sehen sie nicht aus, aber Antonio Banderas, Javier Bardem und Penélope Cruz waren gerade anderweitig beschäftigt) und ihre drei Söhne Lucas (Tom Holland), Simon (Oaklee Pendergast) und Thomas (Samuel Joslin) fliegen nach Thailand. Die englische, in Japan lebende Familie will ihren Weihnachtsurlaub in einem noblen Ferienressort verbringen, als die Flutwelle des Tsunamis alle Urlaubspläne zunichte macht.
Maria und Lucas werden in das Landesinnere gespült. Sie verletzt sich am Bein und hilfsbereite Einheimische bringen sie in ein Lazarett. Dort wartet die Ärztin auf die Operation, die zu einer Amputation ihres Beines führen könnte, während Lucas versucht, sich nützlich zu machen.
Währenddessen sucht Henry mit Simon und Thomas seine Frau und seinen dritten Sohn. Zusammen mit anderen Urlaubern, die ebenfalls ihre Angehörigen suchen, machen sie sich auf den Weg.
Diese Familienzusammenführung wird von Juan Antonio Bayona in zwei großen Blöcken erzählt, die die Trennung der Familie betont. Denn solange wir das Schicksal von Maria und Lucas bis kurz vor der Vereinigung mit ihrem Mann und den beiden anderen Söhnen verfolgen (Okay, das kommt jetzt nicht wirklich überraschend), wissen wir nicht, was mit Henry, Simon und Thomas passiert ist.
Bei dem Melodrama spielt Byjona, dessen erster Spielfilm der erfolgreiche, mit Preisen und Lob überhäufte Horrorfilm „Das Waisenhaus“ war, immer wieder, allerdings eher störend, mit Horrorelementen und dem beliebten, aber hier vollkommen überflüssigen und unpassenden „Die Natur schlägt zurück“-Topos, das auch immer nach einer noch so banalen Erklärung verlangt.
Davon abgesehen liefert er eindrucksvolle Bilder von dem Tsunami, der alles unter sich begrabenden Flutwelle, den anschließenden Zerstörungen, dem Überlebenswillen und der Hilfsbereitschaft der Menschen. Dass dabei die Einheimischen nur als Staffage vorkommen ist der gewählten Geschichte, die den Überlebenswillen, familiäre Bindungen und den Humanismus huldigt, geschuldet.
The Impossible (Lo imposible, USA/Spanien 2012)
Regie: Juan Antonio Bayona
Drehbuch: Sergio G. Sanchez (basierend auf der Geschichte von Maria Belon)
mit Naomi Watts, Ewan McGregor, Tom Holland, Samuel Joslin, Oaklee Pendeergast, Sönke Möhring, Geraldine Chaplin