TV-Tipp für den 21. Oktober: Die Ferien des Monsieur Hulot

Dezember 21, 2015

Arte, 20.15

Die Ferien des Monsieur Hulot ( Frankreich 1953, Regie: Jacques Tati)

Drehbuch: Jacques Tati, Henri Marquet

Tatis bekanntester Film: Der linkische Monsieur Hulot möchte nur einen ruhigen Urlaub in der Bretagne verbringen. Doch alles was er anfasst, verwandelt sich schnell in ein veritables Chaos.

„Eine zärtlich-erfreuliche Typen-Komödie, die sich gegen jede filmische Einordnung nicht nur im französischen Kino sperrt.“ (Lexikon des internationalen Films)

Auftakt zu einer sehr umfassenden Tati-Werkschau mit Begleitprogramm. Heute Abend geht es, nach den Ferien des Monsieur Hulot, um 21.40 Uhr mit der Doku „Jacques Tati – Meister des Lichts“ (Frankreich 2014) und um 22.40 Uhr mit Jacques Tatis „Trafic“ (Frankreich/Italien 1971) weiter.

Mit Jacques Tati, Nathalie Pascaud, Louis Perrault, André Dubois

Wiederholungen

Donnerstag, 24. Dezember, 13.40 Uhr

Freitag, 1. Januar, 23.10 Uhr

Hinweise

Arte über Jacques Tati

Rotten Tomatoes über „Die Ferien des Monsieur Hulot“ (derzeitiger Frischegrad: 100 Prozent)

Wikipedia über „Die Ferien des Monsieur Hulot“ (deutsch, englisch, französisch) und Jacques Tati


TV-Tipp für den 20. Dezember: Misery

Dezember 20, 2015

RBB, 23.00

Misery (USA 1990, Regie: Rob Reiner)

Drehbuch: William Goldman

LV: Stephen King: Misery, 1987 (Sie)

Des Schriftstellers Alptraum (hilflos ans Bett gefesselt in den Händen eines fanatischen Fans), des Zuschauers Vergnügen. Eine der besten Verfilmungen des Grandmasters der Mystery Writers of America.

Kathy Bates erhielt für ihre furchterregende Darstellung der helfenden Krankenschwester den Oscar, den Chicago Film Critics Association Awards und den Golden Globe als beste Schauspielerin.

Mit James Caan, Kathy Bates, Richard Farnsworth, Lauren Bacall, Frances Sternhagen

Hinweise

Rotten Tomatoes über “Misery”

Homepage von Stephen King

Mein Porträt zu Stephen Kings Geburtstag

Meine Besprechung von Stephen Kings/Richard Bachmans „Qual“ (Blaze, 2007)

Meine Besprechung von Stephen Kings „Nachgelassene Dinge“ (The things they left behind) in Ed McBains „Die hohe Kunst des Mordens“ (Transgressions, 2005)

Meine Besprechung von Stephen Kings „Colorado Kid“ (The Colorado Kid, 2005)

Meine Besprechung von Joe Hill/Stephen King/Richard Mathesons „Road Rage“ (Road Rage, 2012)

Meine Besprechung der auf Stephen Kings Novelle “The Colorado Kid” basierenden TV-Serie “Haven”

Meine Besprechung von Kimberly Peirces Stephen-King-Verfilmung “Carrie” (Carrie, USA 2013)

Stephen King in der Kriminalakte, in seinem Trailer-Park und auf Europa-Tour

Meine Besprechung von Rob Reiners „Das grenzt an Liebe“ (And so it goes, USA 2014)


TV-Tipp für den 19. Dezember: Tatort: Schicki-Micki

Dezember 18, 2015

HR, 22.45

Tatort: Schicki-Micki (Deutschland 1985, Regie: Hans-Reinhard Müller)

Drehbuch: Herbert Riehl-Heyse, Ernst Fischer

Ein Journalist wird erschlagen und Kommissar Lenz muss, sich sichtlich unwohl fühlend, in der Münchner Schickeria ermitteln.

Etwa zeitgleich mit „Kir Royal“ entstand auch dieses satirische Sittengemälde der Münchner Gesellschaft. Kein Wunder, schließlich schrieb der 2003 verstorbene Herbert Riehl-Heyse von der Süddeutschen Zeitung mit am Drehbuch.

Mit Helmut Fischer, Henner Quest, Rolf Castell, Willy Harlander, Hannelore Elsner, Erich Hallhuber, Felix von Manteuffel, Hans-Reinhard Müller

Hinweis

Tatort-Fundus über Kommissar Lenz


TV-Tipp für den 18. Dezember: Unheimliche Begegnung der dritten Art

Dezember 17, 2015

https://www.youtube.com/watch?v=v8cmFm2CCHI

3sat, 22.35
Unheimliche Begegnung der dritten Art (USA 1977, Regie: Steven Spielberg)
Drehbuch: Steven Spielberg
Unglaublich: Anscheinend sind Außerirdische auf der Erde gelandet und sie sind überhaupt nicht böse. Jedenfalls interpretiert Normalbürger Roy Neary die Zeichen so und er macht sich auf die Suche nach ihnen.
Inzwischen ein Science-Fiction-Klassiker.
3sat zeigt heute die 1998er-Schnittfassung.
mit Richard Dreyfuss, Francois Truffaut, Teri Garr, Melinda Dillon, Bob Balaban, Lance Henriksen

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Unheimliche Begegnung der dritten Art“

Wikipedia über „Unheimliche Begegnung der dritten Art“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs “Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels” (Indiana Jones and the kingdom of the skull, USA 2008)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs “Gefährten” (War Horse, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs “Lincoln” (Lincoln, USA 2012)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „Bridge of Spies – Der Unterhändler“ (Bridge of Spies, USA 2015)

Steven Spielberg in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritiken: Keine Sternenkrieger, aber viele Frauen: „Carol“, „Madame Bovary“, „Unsere kleine Schwester“ und „Hilfe, ich hab meine Lehrerin geschrumpft“

Dezember 17, 2015

Während der neue „Star Wars“-Film „Das Erwachen der Macht“ diese und die nächsten Wochen die Kinocharts anführen wird (allein schon aufgrund der astronomischen Vorverkaufszahlen sind die Kinos bis Mitte Januar voll), werden alle anderen Filme unter ferner liefen laufen. Dabei haben sie durchaus einen Blick verdient und sie richten sich an ein Nicht-“Star Wars“-Publikum.
Für alle, die zu alt, zu gebildet und zu bildungsbürgerlich für „Star Wars“ sind, laufen diese Woche sogar mehrere Filme an: die Patricia-Highsmith-Verfilmung „Carol“ mit Cate Blanchett und Rooney Mara, die Gustave-Flaubert-Verfilmung „Madame Bovary“ mit Mia Wasikowska und die Akimi-Yoshida-Verfilmung „Unsere kleine Schwester“, inszeniert von Hirokazu Kore-eda, der zuletzt das hochgelobte Drama „Like Father, like Son“ inszenierte.

„Carol“ basiert zwar auf einem Roman von Patricia Highsmith, aber es ist kein Kriminalfilm. 1952 veröffentlichte sie als Claire Morgan „The Price of Salt“. Der Roman, der später auch als „Carol“ erschien, verkaufte sich gut, war unter Lesben eine beliebte Lektüre und wird heute unter „Klassiker“ gelabelt. Erst 1984 enthüllte Highsmith ihr Pseudonym. Denn es war eine lesbische Liebesgeschichte, die, damals schockierend, nicht mit einer Läuterung der beiden ineinander verliebten Frauen endete.
Therese (Rooney Mara) ist im New York der frühen fünfziger Jahre eine schüchterne Verkäuferin. Da lernt sie die wohlhabende, verheiratete Carol (Cate Blanchett) kennen und sie muss langsam erkennen, dass sie für die lesbische Carol mehr als freundschaftliche Gefühle empfindet. Aber damals war das kein gesellschaftlich toleriertes Verhalten.
Todd Haynes inszenierte das sehenswerte Drama nach einem Drehbuch von Phyllis Nagy (die 1998 eine Theaterversion des ersten Ripley-Romans „The talented Mr. Ripley“ schrieb) optisch elegant und zurückhaltend als sei es ein Film aus den Fünfzigern. Ein Douglas-Sirk-Film in braun und beige.
Es ist ein Blick in eine Zeit, als man über ein so ungeheuerliches Verhalten den Mantel des Schweigens legte, Homosexuelle ihre Gefühle verschwiegen und Carol, deren Ehe gerade eine sehr schwierige Phase durchmacht, nicht wirklich an eine Scheidung denkt. Einerseits wegen der gesellschaftlichen Folgen, andererseits wegen ihrer Tochter.
Haynes zeigt allerdings auch, dass diese Zeit und die damaligen Konventionen für uns heute unglaublich fern sind.

Das gilt auf für die Leiden von Madame Bovary, dieser von Gustave Flaubert erfundenen Frau, die er in seinem gleichnamigen Roman, der inzwischen ein Klassiker ist, verewigte und der mehrmals verfilmt wurde, unter anderem von Jean Renoir, Vincente Minnelli und Claude Chabrol. Nun hat Sophie Barthes mit Mia Wasikowskas ihre Interpretation von „Madame Bovary“ abgeliefert, die weniger auf die Dialoge (es wird erstaunlich wenig gesprochen) und mehr auf die Schauspieler und ihr Spiel vertraut.
Die junge Emma heiratet den Landarzt Charles Bovary. Von ihm erhofft sie sich die große Liebe und, über eine kleinen Umweg durch das Dorf, in dem er praktiziert, den Weg nach Paris und damit in das richtige, das glamouröse Leben. Weil Charles Bovary in dieser Hinsicht keine Ambitionen hat, beginnt sie sein Geld für Luxusgüter auszugeben und sie stürzt sich kopflos in Affären mit anderen Männern.
Für eine Literaturverfilmung geht Barthes in ihrem zweiten Spielfilm (nach dem 2009er „Cold Souls“) erstaunlich frei mit der Vorlage um. Aber natürlich folgt sie der bekannten Geschichte und sie rekonstruiert die damaligen Konventionen und gesellschaftlichen Zwänge, die heute schon lange nicht mehr gelten, minutiös. Obwohl die Sehnsüchte, Gefühle und Eigenschaften der porträtierten Figuren zeitlos sind, wirkt ihre „Madame Bovary“-Version musealer als es nötig wäre.
So bleibt am Ende des langsam erzählten Films, das Gefühl, einen zwar gut gespielten, aber niemals berührenden Film gesehen zu haben.

In seinem neuesten Film „Unsere kleine Schwester“ erzählt Hirokazu Kore-eda (zuletzt das sehenswerte Drama „Like Father, like Son“) einen zwar schönen Film, für den man allerdings in der richtigen Stimmung sein muss.
Die drei Schwester Sachi, Yoshino und Chika Koda, die in einem Haus in Kamakura, einer Küstenstadt in der Nähe von Tokio leben, lernen auf der Beerdigung ihres Vaters, den sie seit fünfzehn Jahren nicht mehr gesehen haben, die dreizehnjährige Suzu Asano kennen. Sie ist ihre kleine Schwester, von der sie bis dahin nichts wussten. Spontan bieten sie ihr an, dass sie bei ihnen wohnen könne. Suzu nimmt das Angebot an und zieht zu ihnen.
Und während der normale Zuschauer jetzt beginnt, sich abertausende möglicher Konflikte, hochputschende Emotionen und Enthüllungen lange vergessener Familiengeheimnisse vorstellt, geht Hirokazu Kore-eda, wie die Manga-Vorlage der bei uns eher unbekanntan Akimi Yoshida (vor Jahren erschienen mal einige ihrer Werke auf Deutsch), einen ganz anderen Weg. Konsequent undramatisch erzählt er vom Leben der vier Schwestern und des Dorfes. Das ist immer feinfühlig beobachtet, psychologisch stimmig und vermittelt das Gefühl des wahren Lebens, das normalerweise vollkommen undramatisch ist.
Insofern verbringt man gerne zwei Stunden mit Sachi, Yoshini, Chika und Suzu in ihrer friedlichen Frauen-WG. Man darf halt nur keine Spannung oder ein Drama erwarten.

Für alle, die zu jung für „Star Wars“ sind, – obwohl man nie zu jung für „Star Wars“ sein kann -, läuft „Hilfe, ich hab meine Lehrerin geschrumpft“ an. Ein Kinderfilm, der nicht so respektlos ist, wie man nach dem Trailer vermuten könnte.
Der elfjährige Felix Vorndran (Oskar Keymer) erhält, nachdem er von mehreren Schulen flog, eine letzte Chance auf der Otto-Leonhard-Schule. Dummerweise ist die Direktorin, Frau Doktor Schmitt-Gössewein (Anja Kling), eine ziemliche Schreckschraube, die ihre Schüler mit Regeln, Pedanterie und schlechten Noten quält. Und dann gibt es noch Marios Gang, die von ihm gleich am ersten Tag eine Mutprobe verlangt. Er soll in der Nacht im seit Ewigkeiten abgesperrten alten Lehrerzimmer, in dem es spuken soll, einbrechen. Felix wird im Lehrerzimmer von Frau Doktor Schmitt-Gössewein (die Dame besteht auf jeder Silbe) erwischt. Weil er sich seine ältliche Lehrerin nicht nackt vorstellen will, stellt er sie sich ganz klein vor – und, schwups!, ist sie klein.
Und Felix hat jetzt mindestens ein sehr großes Problem. Denn Marios Vater, der aasige Schulrat Henning (Justos von Dohnányi), will die Schule schließen, was für Felix fatale Folgen hätte und nirgendwo ist Frau Doktor Schmitt-Gössewein, die die Schulschließung verhindern könnte.
Dass der Geist von Schulgründer Otto Leonhard (Otto Waalkes), der alles tun würde, um Gefährdungen von seiner Schule abzuwenden, auch an dem Spuk beteiligt ist, wissen Felix und seine neue Freundin Ella (Lina Hüesker) in diesem Moment noch nicht.
„Hilfe, ich hab meine Lehrerin geschrumpft“ ist ein Kinderfilm, der sich nur an sein Zielpublikum richtet. Nämlich Kinder bis zwölf Jahre. Die werden ihr Vergnügen an den Witzen, den überzeichneten Charakteren und dem Auftritt von Otto Waalkes, der letztendlich Otto spielt, haben.
Für alle anderen ist diese Literaturverfilmung dann doch etwas zu kindisch geraten.

Carol - Plakat

Carol (Carol, USA/Großbritannien/Frankreich 2015)
Regie: Todd Haynes
Drehbuch: Phyllis Nagy
LV: Patricia Highsmith: The Price of Salt, 1952 (Erstveröffentlichung unter dem Pseudonym Claire Morgan; Wiederveröffentlichung unter ihrem Namen als „Carol“, deutsche Titel „Salz und sein Preis“ und „Carol oder Salz und sein Preis“)
mit Cate Blanchett, Rooney Mara, Sarah Paulson, Carrie Brownstein, Kyle Chandler, Jake Lacy, Cory Michael Smith
Länge: 119 Minuten
FSK: ab 6 Jahre

Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Carol“
Moviepilot über „Carol“
Metacritic über „Carol“
Rotten Tomatoes über „Carol“
Wikipedia über „Carol“ und über Patricia Highsmith (deutsch, englisch)

Times: The 50 Greatest Crime Writers No 1: Patricia Highsmith

Kaliber .38 über Patricia Highsmith (Bibliographie)

Krimi-Couch über Patricia Highsmith

Kirjasto über Patricia Highsmith

Wired for Books: Don Swain redet mit Patricia Highsmith (1987)

Gerald Peary redet mit Patricia Highsmith (Sight and Sound – Frühling 1988 )

Meine Besprechung der Patricia-Highsmith-Verfilmung “Die zwei Gesichter des Januars” (The two Faces of January, Großbritannien/USA/Frankreich 2014)

Kriminalakte über Patricia Highsmith

Madame Bovary - Plakat
Madame Bovary (Madame Bovary, USA/Deutschland/Belgien 2014)
Regie: Sophie Barthes
Drehbuch: Felipe Marino, Sophie Barthes
LV: Gustave Flaubert: Madame Flaubert, 1857 (Madame Bovary – Sitten der Provinz)
mit Mia Wasikowska, Rhys Ifans, Ezra Miller, Logan Marshall-Green, Henry Lloyd-Hughes, Laura Carmichael, Oliver Gourmet, Paul Giamatti
Länge: 119 Minuten
FSK: ab 6 Jahre

Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Englische Homepage zum Film
Film-Zeit über „Madame Bovary“
Moviepilot über „Madame Bovary“
Metacritic über „Madame Bovary“
Rotten Tomatoes über „Madame Bovary“
Wikipedia über „Madame Bovary“ und Gustave Flaubert

Unsere kleine Schwester - Plakat
Unsere kleine Schwester (Umimachi Diary, Japan 2015)
Regie: Hirokazu Kore-eda
Drehbuch: Hirokazu Kore-eda
LV: Akimi Yoshida: Unimachi Diary (Manga, erscheint seit April 2007 monatlich in „Monthly Flowers“)
mit Haruka Ayase, Masami Nagasawa, Kaho, Suzu Hirose, Ryo Kase, Takafumi Ikeda, Kentaro Sakaguchi, Ohshiro Maeda
Länge: 127 Minuten
FSK: ab 0 Jahre

Hinweise
Homepage zum Film
Film-Zeit über „Unsere kleine Schwester“
Moviepilot über „Unsere kleine Schwester“
Metacritic über „Unsere kleine Schwester“
Rotten Tomatoes über „Unsere kleine Schwester“
Wikipedia über „Unsere kleine Schwester“
Meine Besprechung von Hirokazu Kore-edas „Like Father, like Son“ (Soshite chichi ni naru, Japan 2013)

Hilfe ich hab meine Lehrerin geschrumpft - Plakat
Hilfe, ich hab meine Lehrerin geschrumpft (Deutschland/Österreich 2015)
Regie: Sven Unterwaldt
Drehbuch: Gerrit Hermans
LV: Sabine Ludwig: Hilfe, ich hab meine Lehrerin geschrumpft, 2006
mit Oskar Keymer, Lina Hüesker, Georg Sulzer, Anja Kling, Axel Stein, Justus von Dohnányi, Johannes Zeiler, Michael Ostrowski, Otto Waalkes
Länge: 101 Minuten
FSK: ab 0 Jahre

Hinweise
Homepage zum Film
Filmportal über „Hilfe, ich hab meine Lehrerin geschrumpft“
Film-Zeit über „Hilfe, ich hab meine Lehrerin geschrumpft“
Moviepilot über „Hilfe, ich hab meine Lehrerin geschrumpft“
Homepage von Sabine Ludwig


Neu im Kino/Filmkritik: „Star Wars: Das Erwachen der Macht“ erzählt die Geschichte weiter

Dezember 17, 2015

https://www.youtube.com/watch?v=VC18mrZJYao
Zehn Jahre Warten sind vorbei. Wobei nach „Die Rache der Sith“ (dem Abschluss der Vorgeschichte zur originalen „Krieg der Sterne“-Trilogie) eigentlich kein Filmfan und auch kein Science-Fiction-Filmfan wirklich auf einen weiteren „Star Wars“-Film wartete. Denn „Die dunkle Bedrohung“ (1999), „Angriff der Klonkrieger“ (2002) und „Die Rache der Sith“ (2005) waren, obwohl oder weil von „Star Wars“-Erfinder George Lucas inszeniert, auf erzählerischer Ebene einfach zu schlecht, um zu überzeugen. Die Dialoge waren gruselig. Die in anderen Filmen guten Schauspieler agierten hölzern. Dafür waren die Tricks gut. Seitdem konnten die zahlreichen „Star Wars“-Fans sich am ganzen Merchandising, an Bücher, Comics, TV-Serien und den Filmen in verschiedenen DVD/Blu-ray-Ausgaben austoben.
Vor drei Jahren verkaufte George Lucas Lucasfilm und damit „Star Wars“ an Disney. Was ja keine schlechte Entscheidung ist. Die Disney-Filme sind ja durchgehend gelungen und „Star Wars“ ist alles andere als ein düsteres, hochphilosophisches Science-Fiction-Drama. Es ist eine Space-Opera, in der Grautöne auf der Leinwand nur als Farbton existieren.
Schnell wurden Pläne für weitere „Star Wars“-Filme verkündet. In den kommenden Jahren soll es etliche Filme aus dem „Star Wars“-Kosmos geben und die „Krieg der Sterne“-Filmsaga soll, immerhin hat George Lucas schon immer behauptet, dass er ein ganz großes Epos aus neun Spielfilmen plane, in seinem Geist fortgeführt werden. J. J. Abrams, der „Star Trek“ wiederbelebte und mit „Super 8“ seine „E. T.“-Version drehte, wurde zum Regisseur mit klarer Mission ernannt: „Star Wars“ für ein neues Publikum erschließen und die alten Fans befriedigen. Es gab, was in Hollywood nicht ungewöhnlich ist, viele Ideen und Drehbuchversionen, die sich radikal unterscheiden. Am Ende war Lawrence Kasdan, der unter anderem die Drehbücher für „Das Imperium schlägt zurück“ und „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ schrieb, wieder an Bord. Ebenso die Stars der originalen Trilogie: Harrison Ford, Carrie Fisher, Mark Hamill undsoweiter, auch wenn sie dank ihrer Masken von anderen Menschen gespielt werden könnten. Es gab Bilder und Trailer, die zeigten, dass die Menschen einer weit, weit entfernten Galaxis ihren Schrott ebenfalls in der Landschaft liegen lassen. Die Fans waren entzückt. Der Hype wurde, mal wieder, kräftig angeheizt und jetzt ist das beworbene Produkt, der siebte „Krieg der Sterne“-Film „Star Wars: Das Erwachen der Macht“ (manchmal auch „Star Wars VII“), der Beginn der dritten und (vielleicht) finalen Trilogie, in den Kinos. Natürlich in 3D (was nicht unbedingt nötig wäre, aber gut aussieht) und auch in einer IMAX-Version.
Um die Geschichte wurde ein großes Geheimnis gemacht, was auch daran liegt, dass sie zwar gut unterhält, aber im Wesentlichen nur eine kleine Episode aus dem Kampf zwischen den Guten (den Rebellen, die sich jetzt Resistance nennen) und den Bösen (die jetzt nicht mehr Imperium, sondern Erste Ordnung [First Order] heißen) erzählt.
Kampfpilot Poe Dameron (Oscar Isaac) soll einen Hinweis beschaffen, der die Rebellen zu dem seit Ewigkeiten spurlos verschwundenen Luke Skywalker (Mark Hamill) führen soll. Diese Mission wird durch das Auftauchen von Darth-Vader-Nachfolger Kylo Ren (Adam Driver) verhindert. Poe versteckt den Hinweis, der sich einer Art USB-Stick befindet, in seinem Roboter. Der kugelförmige BB-8-Droid kann entkommen. Poe wird von den Stormtroopern gefangen genommen. Weil Stromtrooper Finn (John Boyega) bei dem Einsatz, der ältere Zuschauer an Bilder aus dem Vietnam-Krieg erinnert, sein Gewissen entdeckt, flüchtet er mit Poe aus dem Erste-Ordnung-Raumschiff. Sie werden von anderen Raumschiffen verfolgt und legen auf dem nächstbesten Planeten eine Bruchlandung hin.
Inzwischen hat die taffe Rey (Daisy Ridler), die als Schrottsammlerin auf Jakku lebt, BB-8 gefunden. Kurz darauf treffen Rey und Finn aufeinander und, während eines Luftangriffs der Ersten Ordnung, können sie in dem gerade in der Wüste herumstehendem Millenium Falke flüchten und von Jakku flüchten.
Rey, Finn und BB-8 verstecken sich in einem größeren Raumschiff. Dort – Zufälle gibt es – treffen sie auf Han Solo (Harrison Ford) und seinen haarigen Gefährten Chewbacca (Peter Mayhew). Gemeinsam und nach einer weiteren Action-Szene (ja, es gibt viel Action, wenn die Macht erwacht) machen sie sich auf den Weg zu den von Leia Organa (Carrie Fisher) geführten Rebellen. Denn Poes Mission muss beendet werden.
Natürlich ist dieser Weg gefährlich, weshalb es weiterhin viele Kämpfe und wenige Dialoge gibt. Am Ende, auch das ist keine große Überraschung, gibt es wieder eine große Schlacht, in der Lichtschwerter gekreuzt werden und ein Todesstern der Bösewichter zerstört wird. Mein Eindruck war (ich habe den 1977er „Krieg der Sterne“ schon sehr lange nicht mehr gesehen), dass J. J. Abrams sich deutlich von der Schlussschlacht um den damaligen, viel kleineren Todesstern inspirieren ließ.
Sowieso stellt sich Abrams mit seinem Film hundertprozentig, bewusst und freudig in der Tradition der vorherigen „Krieg der Sterne“-Filme. Deshalb ist seine Revitalisierungsmission vor allem ein zurück zu den Ursprüngen, also zu der in „Krieg der Sterne“ (1977), „Das Imperium schlägt zurück“ (1980) und „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ (1983) etablierten Welt, den Charakteren, dem Humor und auch dem Zeitgeist. Abrams erzählt in „Das Erwachen der Macht“, das dreißig Jahre nach „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ spielt, die Geschichte von Han Solo, Leia Organa, Luke Skywalker und ihren Freunden bruchlos weiter. Dabei sind sie, obwohl Harrison Ford eine überraschend große Rolle hat, nur Nebenfiguren, deren Auftritte oft kaum über größere Cameos hinauskommen. Im Mittelpunkt steht, immerhin ist der Film ein Blockbuster, der sich an ein junges Publikum richtet, Rey (Daisy Ridley), die als taffes Mädchen schnell den Respekt von Han Solo erwirbt. Auch ihr in sie verliebter Begleiter Finn (John Boyega) hat eine größere Rolle.
Die Geschichte, die die Autoren Lawrence Kaskan, J. J. Abrams und Michael Arndt erfanden, ist dann, zwischen all den Reminiszenzen an die originale Trilogie, ähnlich der Geschichte in „Planet der Affen: Revolution“ (2014), eigentlich eine auf Spielfilmlänge gestreckte TV-Serienepisode; naja, von der Länge her ist „Das Erwachen der Macht“ eine Doppel- und eine Einzelfolge. Diese Geschichte bewegt sich, dank des reichlich vorhandenen Humors und der Auftritte der altbekannten Charaktere (die mal mehr, mal weniger pompös inszeniert sind und das Herz des Fans streicheln), zügig von einer gut inszenierten Action-Szene zur nächsten. Die Special-Effects überzeugen. Die Schauspieler ebenso und entsprechend glaubwürdig sind die Charaktere. Die Dialoge sind, nachdem sie in den zwischen 1999 und 2005 entstandenen Filmen gruselig waren, wieder schmerzfrei anhörbar. Die Dialogwitze sind gut und auf den philosphischen Überbau, der uns in früheren Filmen von den Jedis arg verschwurbelt erklärt wurde, wird nicht weiter eingegangen. Inzwischen weiß jeder, was die „Macht“ ist. Sie ist, auch für die Charaktere, ein Teil ihres Lebens und wenn sie sie haben, sind sie nicht erstaunt darüber.
Es gibt viele neue Wesen und die Stormtrooper, diese maskierten Soldaten in ihrer weißen Plastikmontur, werden menschlicher; was auch für einige Lacher sorgt. Dafür hat Kylo Ren die merkwürdige Angewohnheit, während seiner Wutanfälle nicht seine Soldaten und Offiziere zu töten, sondern mit dem Lichtschwert die Einrichtung zu zerstören.
Insgesamt gefällt „Das Erwachen der Macht“ als poppiges Science-Fiction-Abenteuer und als würdige, aber auch nicht besonders eigenständige Fortsetzung von, nun, „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“. Es ist sozusagen „Die Rückkehr der Jedi-Ritter – Dreißig Jahre später“.
P. S.: Ob, wie ich hier vermutete, Rey und Kylo Ren Geschwister sind, wird in „Das Erwachen der Macht“ nicht endgültig geklärt. Das muss dann wohl Luke Skywalker im nächsten „Star Wars“-Film machen, der am 26. Mai 2017 in Deutschland starten soll.

Star Wars - Das Erwachen der Macht - Plakat

Star Wars: Das Erwachen der Macht (Star Wars: The Force awakens, USA 2015)
Regie: J.J. Abrams
Drehbuch: Lawrence Kasdan, J.J. Abrams, Michael Arndt
LV: Charaktere von George Lucas
mit Daisy Ridley, Adam Driver, John Boyega, Oscar Isaac, Andy Serkis, Domhnall Gleeson, Max von Sydow, Carrie Fisher, Harrison Ford, Mark Hamill, Kenny Baker, Anthony Daniels, Peter Mayhew, Gwendoline Christie, Lupita Nyong’o
Länge: 135 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Facebook-Seite zum Film

YouTube-Kanal zum Film

Film-Zeit über “Star Wars: Das Erwachen der Macht”

Moviepilot über “Star Wars: Das Erwachen der Macht”

Metacritic über “Star Wars: Das Erwachen der Macht”

Rotten Tomatoes über “Star Wars: Das Erwachen der Macht”

Wikipedia über “Star Wars: Das Erwachen der Macht” (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von J. J. Abrams’ “Super 8” (Super 8, USA 2011)

Meine Besprechung von J. J. Abrams‘ „Star Trek into Darkness“ (Star Trek into Darkness, USA 2013)


TV-Tipp für den 17. Dezember: Sieben

Dezember 17, 2015

Vox, 22.10
Sieben (USA 1995, Regie: David Fincher)
Drehbuch: Andrew Kevin Walker
In einer verregneten Großstadt jagen ein junger und ein alter Polizist einen Serienmörder, der sich bei seinen Taten anscheinend von den sieben Todsünden inspirieren lässt.
Einer der in jeder Beziehung prägenden Thriller der neunziger Jahre, der gleichzeitig Genre-Fans und das große Kinopublikum begeisterte – und ein absolutes Killer-Ende hat.
Mit seinem zweiten Spielfilm, nach dem Desaster „Alien 3“, setzte David Fincher seine Filmkarriere auf die richtigen Spuren. Danach kamen „The Game“, „Fight Club“, „Panic Room“, „Zodiac“, „Der seltsame Fall des Benjamin Button“, „The Social Network“, „Verblendung“ und „Gone Girl“. Da ist kein echter Flop dabei.
mit Brad Pitt, Morgan Freeman, Gwyneth Paltrow, Kevin Spacey, John C. McGinley, Richard Roundtree, R. Lee Emery

Wiederholung: Freitag, 18. Dezember, 01.10 Uhr (Taggenau!)

Hinweise
Metacritic über „Sieben“
Rotten Tomatoes über „Sieben“
Wikipedia über „Sieben“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von David Finchers “Verblendung” (The Girl with the Dragon Tattoo, USA 2011)

Meine Besprechung von David Finchers „Gone Girl – Das perfekte Opfer“ (Gone Girl, USA 2014)

David Fincher in der Kriminalakte


„Silhouette“ – Doctor Who auf Mörderjagd im viktorianischen London

Dezember 16, 2015

Richards - Doctor Who - Silhouette - 2

Wer sein mühsam zusammengekratztes Geld nicht für „Krieg der Sterne“-Devotionalien ausgeben will, kann es einige Nummern kleiner im „Doctor Who“-Fanshop ausgeben. Denn in den vergangenen Jahren wurde aus der BBC-Serie, die vor über fünfzig Jahren als Programmfüller im Nachmittagsprogramm startete, ein weltweites Phänomen, bei dem alles, was gefeiert werden kann (wie neue und alte Doktoren und alle erdenklichen Jubiläen), gefeiert wird und die BBC auch eifrig Produkte zur Serie produziert.
Neben den DVDs, Figuren, Kaffeetassen und Kalendern gibt es auch unzählige Bücher, die teilweise Informationen über die Serie vermitteln, und oft, für alle Altersgruppen, neue Geschichten mit dem titelgebendem Doktor erzählen. Bei uns, wo die Serie zwar auf DVD veröffentlicht wird, aber nicht im TV läuft (keine Ahnung warum), veröffentlicht Cross Cult seit einigen Jahren „Doctor Who“-Romane. Allerdings nicht alle, die in Großbritannien erschienen sind, sondern nur eine kleine Auswahl. So schrieb Justin Richards seit 1994 schon über sechzig „Doctor Who“-Romane, aber „Silhouette“ mit dem zwölften Doktor (das ist der aktuelle und er wird von Peter Capaldi gespielt) ist sein erster auf Deutsch veröffentlichter „Doctor Who“-Roman.
Der Doktor ist ein vom Planeten Gallifrey stammender Timelord, der im gesamten All zu verschiedenen Zeiten (dank Zeitreisen kein Problem) Abenteuer erlebt, immer neugierig ist und in einer inzwischen arg altertümlichen Polizei-Notrufzelle (also jedenfalls sieht sein Raumschiff TARDIS für uns so aus) durch Raum und Zeit reist. Da bemerkt er im viktorianischen England eine postnukleare und daher unerklärliche Energiespitze. Zusammen mit seiner menschlichen Begleiterin Clara (der Doktor hat immer eine menschliche Begleitung) macht er sich auf den Weg nach London.
Dort wurde Marlowe Hapworth ermordet. In seinem verschlossenen Arbeitszimmer. Er hatte nach einem Besuch des Frostjahrmarkts, auf dem er etwas Beunruhigendes gesehen hatte, gerade begonnen, einen Brief an Madame Vastra, die große Detektivin, zu schreiben. Zur gleichen Zeit ist der Straßenkämpfer Rick Bellamy das jüngste Opfer einer Reihe unerklärlicher Todesfälle, in denen die Opfer auf den nächtlichen Straßen Londons ausgesagt wurden.
Zusammen mit Madame Vastra, einer Detektivin, ihrer Dienstmagd Jenny Flint und Strax, ein geklonter Sontaraner-Krieger mit handfester Problemlösungskompetenz und Freund von Bellamy, wollen der Doktor und Clara herausfinden, was im winterlichen London geschieht. Dabei scheinen die Attraktionen des Kuriositätenkabinetts, wie die Puppenspielerin Silhouette, das auf dem Frostjahrmarkt ist, mörderische Papiervögel und der mysteriöse Industrielle Orestes Milton (ein weiterer Außerirdischer) etwas mit den Morden zu tun haben.
Auch wenn die „Doctor Who“-Geschichte „Silhouette“ wie ein klassischer Rätselkrimi beginnt, interessiert Justin Richards sich nicht sonderlich für den klassischen Rätselplot. Schnell verrät er die Täter und auch wie der Mord in dem geschlossenen Zimmer geschah. Denn er will – und das gelingt ihm auch – eine flott zu lesende Abenteuergeschichte erzählen, die eine satte Portion Humor, einige schöne Anspielungen (auch wenn Sherlock Holmes nicht auftaucht), erinnerungswürdige Charaktere und reichlich Action hat. Bis zur weltbedrohenden Schlussschlacht, die, immerhin hat der Doktor einen Plan, auf dem sich teilweise auf die Themse erstreckendem Frostjahrmarkt anders als erwartet endet.
Um das, bei einer englischen Tasse Tee zu genießen, muss man noch nicht einmal ein Fan der TV-Serie sein.
Als Bonusmaterial der deutschen Ausgabe gibt es ein von Susanne Döpke geführtes Interview mit Peter Capaldi (Doctor Who) und Jenna Coleman (seine Begleiterin Clara).

Justin Richards: Doctor Who: Silhouette
(übersetzt von Susanne Döpke)
Cross Cult, 2015
256 Seiten
12,80 Euro

Originalausgabe
Doctor Who: Silhouette
BBC Books/Penguin Random, 2014

Hinweise

Homepage von Justin Richards

Wikipedia über Justin Richards

BBC über „Doctor Who“ (englisch)

„Doctor Who“-Homebase (via BBC)

Wikipedia über „Doctor Who“ (deutsch, englisch)

BBC-YouTube-“Doctor Who“-Kanal (zum Abtauchen in den Strudel jenseits von Raum und Zeit)

Meine Besprechung von Stephen Baxters „Doctor Who: Rad aus Eis“ (Dcotor Who: The Wheel of Ice, 2012)

Meine Besprechung des Sammelbandes „Doctor Who: 11 Autoren – 11 Geschichten“ (Doctor Who – 11 Doctors 11 Stories, 2013)

Meine Besprechung von Terry McDonoughs Spielfilm über die Anfänge von „Doctor Who“ „Ein Abenteuer in Raum und Zeit“ (An Adventure in Space and Time, Großbritannien 2013)


TV-Tipp für den 16. Dezember: Jesse Stone: Dünnes Eis

Dezember 16, 2015

3sat, 22.25
Jesse Stone: Dünnes Eis (USA 2009, Regie: Robert Harmon)
Drehbuch: Ronni Kern (nach einer Geschichte von Ronni Kern, Michael Brandman und Tom Selleck)
LV: Charakter von Robert B. Parker
Jesse Stone rollt einen alten Fall von Kindesentführung wieder auf.
Der fünfte Jesse-Stone-Film basiert auf keinem Roman von Robert B. Parker. Aber sonst gibt es nicht viel Neues aus Paradise, der kleinen Seestadt, in der der mehr oder weniger trockene Alkoholiker und Polizeichef Jesse Stone für Ruhe und Ordnung sorgen soll, zu melden.
Am Donnerstag zeigt 3sat um 22.25 Uhr (Wiederholung um 02.25 Uhr) den Jesse-Stone-Krimi „Ohne Reue“.
mit Tom Selleck, Kathy Baker, Kohl Sudduth, Leslie Hope (als Sidney Greenstreet!), Stephen McHattie, William Sadler, William Devane
Wiederholung: Donnerstag, 17. Dezember, 01.55 Uhr

Hinweise

Homepage von Robert B. Parker

Mein Porträt der Spenser-Serie und von Robert B. Parker

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Die blonde Witwe“ (Widow’s walk, 2002)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers “Alte Wunden” (Back Story, 2003)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Der stille Schüler“ (School Days, 2005)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Der gute Terrorist“ (Now & Then, 2007)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers “Hundert Dollar Baby” (Hundred Dollar Baby, 2006)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Trügerisches Bild“ (Painted Ladies, 2010)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers “Bitteres Ende” (The Professional, 2009)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Wildnis“ (Wilderness, 1979)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Appaloosa“ (2005)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Appaloosa“ (Appaloosa, 2005) (Übersetzung)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers “Das dunkle Paradies” (Night Passage, 1997)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Miese Geschäfte“ (Bad Business, 2004)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Resolution“ (Resolution, 2008)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Mord im Showbiz“ (High Profile, 2007)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Der Killer kehrt zurück“ (Stranger in Paradise, 2008)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Brimstone“ (Brimstone, 2009)

Mein Nachruf auf Robert B. Parker

Robert B. Parker in der Kriminalakte


Cover der Woche

Dezember 15, 2015

Glut - Das Imperium schlägt zurück


TV-Tipp für den 15. Dezember: Jack Taylor: Der Ex-Bulle

Dezember 15, 2015

https://www.youtube.com/watch?v=cO5motnUdLk

ZDFneo, 23.15

Jack Taylor: Der Ex-Bulle (Irland 2010, Regie: Stewart Orme)

Drehbuch: Tom Collins, Anne McCabe, Ralph Christians

LV: Ken Bruen: The Guards, 2001 (Jack Taylor fliegt raus)

Galway, Irland: Nachdem Jack Taylor wegen eines gezielten Fausthiebs aus der Polizei fliegt, beginnt er als Detektiv zu arbeiten. Obwohl es in Irland keine Privatdetektive gibt. Jetzt soll er Anne Hendersons verschwundene Tochter suchen – und er wühlt dabei, wenn er nicht gerade trinkt oder zusammengeschlagen wird – ziemlich viel Schmutz auf.

Jack Taylor ist der bekannteste Charakter von Noir-Autor Ken Bruen. Die grandiosen Bücher bestechen vor allem durch Ken Bruens lyrische Sprache, die sich kaum übersetzen lässt. Die Plots sind dagegen eher krude und nebensächlich. Immerhin ist Taylor der erfolgloseste Privatdetektiv, den es gibt und er löst seine Fälle eher zufällig und trotz seiner Ermittlungen.

„The Guards“ war für den Edgar- und Macavity-Preis nominiert und erhielt den Shamus-Preis als bester Roman.

Der erste Jack-Taylor-Film bietet zwar etliche Jack-Taylor-Weisheiten, die bekannten Privatdetektiv-Klischees (die im Buch nicht so sehr auffallen) und ist insgesamt eher fahrig inszeniert. Also eine durchaus zwiespältige Angelegenheit, die nicht die Qualität der Vorlage erreicht, aber mit Iain Glen einen überzeugend kaputten Jack Taylor hat.

Mit Iain Glen, Nora-Jane Noone, Ralph Brown, Tara Breathnach, Frank O’Sullivan

Hinweise

Homepage zur TV-Serie

ZDF über Jack Taylor (und, unschöner, hier)

Wikipedia über die Jack-Taylor-Filme

Thrilling Detective über Jack Taylor

Deutschsprachige Ken-Bruen-Seite (Atrium-Verlag)

Homepage von Ken Bruen

Meine Besprechung von Ken Bruens Jack-Taylor-Privatdetektivromanen

Meine Besprechung von Ken Bruens „Jack Taylor fliegt raus“ (The Guards, 2001)

Meine Besprechung von Ken Bruens “Jack Taylor liegt falsch” (The Killing of the Tinkers, 2002)

Meine Besprechung von Ken Bruens „Sanctuary“ (2008)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Flop“ (Bust, 2006)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Crack“ (Slide, 2007)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Attica“ (The MAX, 2008)

Mein Porträt von Ken Bruen und Jason Starr in „Alligatorpapiere [Print] – Magazin für Kriminalliteratur – No. 2/2010“

Meine Besprechung von Ken Bruen/Reed Farrel Colemans “Tower” (Tower, 2009)

Meine Besprechung von Ken Bruens „Kaliber“ (Calibre, 2006)

Meine Besprechung von William Monahans Ken-Bruen-Verfilmung “London Boulevard” (London Boulevard, USA/GB 2010)

Meine Besprechung der TV-Serie “Jack Taylor” (Irland 2010/2011/2013 – basierend auf den Romanen von Ken Bruen)

Ken Bruen in der Kriminalakte


„Imperium in Trümmern“ in „Journey to ‚Star Wars: Das Erwachen der Macht’“

Dezember 14, 2015

Rucka - Star Wars - Imperium in Trümmern

Am Donnerstag startet der „am meisten erwartete Film des Jahres“, des Jahrzehnts, des Jahrhunderts oder vielleicht sogar des Jahrtausends. Jedenfalls haben die Fans schon lange feuchte Höschen. Immerhin sind die Stars der ersten Trilogie, der einzig wahren Trilogie, also „Krieg der Sterne“, „Das Imperium schlägt zurück“ und „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ dabei. Die ersten Bilder sahen gut aus und auch der Trailer versprach „Keine Panik. Es wird wieder wie früher.“. Oder wie Han Solo im Trailer sagt: „Chewie, wir sind zu Hause!“ Die Vorverkaufszahlen sind astronomisch. Hier in Berlin dürfte bis Mitte Januar nur schwer ein Platz in einer Vorführung zu bekommen sein. Das Merchandising läuft auf vorweihnachtlichen Hochtouren. In den Buchgeschäften stapeln sich die „Star Wars“-Bücher. Die Filmromane wurden mit einem neuen Cover wieder aufgelegt, es gibt mehr oder weniger gehaltvolle Sachbücher, Zeitschriften, die sich nur „Star Wars“ widmen und viele, viele, sehr viele neue Geschichten. Als Roman, auch mal als Jugendroman (Blanvalet und Panini liefern), und als Comic (Panini liefert).
Zum Beispiel schrieb Greg Rucka (u. a. „Gotham Central“, „Whiteout“) den Comic „Star Wars: Imperium in Trümmern“, das unmittelbar an den Film „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ anknüpft und uns, während der Zerstörung des Todessterns und des Imperiums, die furchtlose Kampfilotin Lieutenant Shara Bey vorstellt. Sie ist dann auch bei den nächsten Abenteuern von Han Solo, Prinzessin Leia Organa und Luke Skywalker dabei.
Denn die Bösen haben den Befehl zur Zerstörung der gesamten Galaxis gegeben. An den Rändern der Galaxis kommt dieser zuerst zum Tragen.
Han Solo greift mit einigen Soldaten und Ewoks einen Schlupfwinkel der Bösewichter auf der anderen Seite des Mondes an. Shara Bey ist als Freiwillige dabei.
Leia Organa soll sie auf diplomatischer Mission nach Naboo begleiten. Als ein Schiff der imperialen Streitkräfte einen den Planeten zerstörenden Sturm auslöst, wird aus der diplomatischen Mission ein Kampfeinsatz.
Und Luke Skywalker nimmt sie auf eine gefährliche Mission mit. Er will aus einer imperialen Basis etwas sehr Mächtiges stehlen.
„Imperium in Trümmern“ ist mehr ein kleiner Nachschlag zu „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ als ein Prolog für den neuen „Star Wars“-Film „Das Erwachen der Macht“, der ungefähr dreißig Jahre nach dem vorherigen „Star Wars“-Film spielt und, auch wenn man noch nichts genaues über die Geschichte weiß, vermute ich ohne den Film zu kennen, dass Han Solo, seine geliebte Prinzessin Leia Organa und ihr Bruder Luke Skywalker nur eine Nebenrolle spielen, während die Jungspunde die Hauptarbeit leisten müssen. Rey könnte die Tochter von Shara Bey sein und als Luke Skywalkers Tochter die Jedi-Tradition hochhalten, indem sie gegen die Bösewichter kämpfen muss (und, ja, der Bösewicht Kylo Ren ist ein anderer Spross aus der Familie Organa/Skywalker und die beiden sind Geschwister) in einer Geschichte, die sich letztendlich nicht so wahnsinnig von den beiden vorherigen „Star Wars“-Trilogien unterscheidet. Bis halt darauf, dass jetzt Geschwister gegeneinander kämpfen müssen.
Kehren wir noch einmal kurz zu Greg Rucka, der ja auch ein Romanautor ist, zurück. Einige seiner Romane wurden auch ins Deutsche übersetzt und sind nur noch antiquarisch erhältlich. Jedenfalls schrieb er jetzt auch einige „Star Wars“-Romane.
Die Tage erscheint sein Han-Solo-Roman „Im Auftrag der Rebellion“, der vor „Das Imperium schlägt zurück“ spielt. Das könnte, auch wenn er für ein jugendliches Publikum geschrieben ist (Leseempfehlung: 10 – 14 Jahre) ein spannendes Weltraumabenteuer werden.
Für den 27. Januar ist Greg Ruckas zweiter „Star Wars“-Roman „Vor dem Erwachen“ angekündigt und der Jugendroman für sehr junge Jugendliche erzählt die offizielle Vorgeschichte zum Film „Das Erwachen der Macht“, indem er uns mit „spannenden Episoden Einblicke in das Leben der neuen Hauptfiguren Finn, Rey und Poe gewährt…in den Tagen, Wochen und Monaten VOR dem Erwachen der Macht“ (Ankündigungstext).
https://www.youtube.com/watch?v=6bdic96EhFY
Greg Rucka (Autor)/Marco Checchetto/Angel Unzueta/Emilio Laiso (Zeichner): Star Wars: Imperium in Trümmern (Journey to Star Wars: Das Erwachen der Macht)
(übersetzt von Michael Nagula)
Panini, 2015
100 Seiten
12,99 Euro
(angekündigt für den 16. 12., aber ich habe es schon gelesen, werde morgen, so die Macht will, den Film sehen und muss dann gucken, wie ich den Film mit möglichst wenigen Spoilern bespreche)

Originalausgabe
Star Wars: Shatterd Empire # 1 – 4
Disney/Lucasfilm 2015

Hinweise

Homepage von Greg Rucka

Meine Besprechung von Greg Rucka/Steve Liebers „Whiteout“ (Whiteout, 1998/1999)

Meine Besprechung von Greg Rucka/Steve Liebers „Whiteout: Melt“ (Whiteout: Melt, 1999/2000)

Meine Besprechung von Greg Ruckas “Die Welt ohne Superman” (The Sleepers, 2009)

Meine Besprechung von Greg Ruckas “Batman: Hinter der Maske” (Cutter, März – Mai 2010/Beneath the Mask,  Juni – Juli 2010/Good King Wencesias, Februar 2009)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Greg Ruckas „Gotham Central: In Erfüllung der Pflicht (Band 1)“ (Gotham Central # 1 – 5, 2003)

Greg Rucka in der Kriminalakte

und nun zum Krieg der Sterne

https://www.youtube.com/watch?v=VC18mrZJYao

Homepage zum Film

Facebook-Seite zum Film

YouTube-Kanal zum Film

Film-Zeit über „Star Wars: Das Erwachen der Macht“

Moviepilot über „Star Wars: Das Erwachen der Macht“

Metacritic über „Star Wars: Das Erwachen der Macht“

Rotten Tomatoes über „Star Wars: Das Erwachen der Macht“

Wikipedia über „Star Wars: Das Erwachen der Macht“ (deutsch, englisch)

Fantastic Fiction: die „Star Wars“-Bücher


TV-Tipp für den 14. Dezember: Cinema Perverso

Dezember 14, 2015

NDR, 23.45
Cinema Perverso (Deutschland 2015, Regie: Oliver Schwehm)
Drehbuch: Oliver Schwehm
Kurzweilige, wenn auch nicht sonderlich tiefgründige einstündige Doku über die Bahnhofskinos, die heute nur noch (falls überhaupt) als Abspielstätte für schlechte Filme irgendwo zwischen Horror, Gewalt und Sex bekannt sind. Einige Filme haben immerhin einen gewissen Kultstatus und, ja, „Cinema Perverso“ macht Lust darauf, sich einige dieser Trash-Perlen wieder (?) anzusehen.
Dabei war das mit den Bahnhofskinos (bzw. den Bahnhofslichtspielen oder, abgekürzt, Bali) als erweiterter Warteraum für Reisende mal anders gedacht und in diesen Momenten wird die Doku zu einer kleinen Geschichte der BRD.
Anschließend laufen die Italo-Western „Eine Bahre für den Sheriff“ (um 00.45 Uhr), „Fünf Klumpen Gold“ (um 02.05 Uhr) und „Töte Amigo“ (um 03.25 Uhr).
Mit Jörg Buttgereit, Uwe Boll, Ben Becker, Mechthild Großmann, Wolfgang Niedecken, Christian Anders, René Weller
Hinweise
Arte über „Cinema Perverso“ (dort bis 29. Januar 2016 in der Mediathek)
Lunabeach TV über „Cinema Perverso“ (dort gibt es Infos zur DVD, den Trailer und Bilder)


TV-Tipp für den 13. Dezember: Moon

Dezember 13, 2015

ARD, 00.05
Moon – Die dunkle Seite des Mondes (Moon, Großbritannien 2009)
Regie: Duncan Jones
Drehbuch: Nathan Parker (nach einer Idee von Duncan Jones)
Sam baut für einen Konzern auf dem Mond Helium ab. Sein einziger Gefährte ist der Roboter Gerty (im Original: Kevin Spacey). Nach einem Unfall trifft er in der Mondstation auf seinen Doppelgänger.
Sam Rockwell in einer Doppelrolle. Das ist schon mehr als die halbe Miete. Aber Duncan Jones hat in seinem Langfilmdebüt auch eine überzeugende Geschichte und, trotz des überschaubaren Budgets, überzeugende Tricks. All das macht „Moon“ zu einem der besten Science-Fiction-Filme der vergangenen Jahre.
Aus unerfindlichen Gründen versteckt das Erste den mit dem Hugo-Award ausgezeichneten Film bei seiner TV-Premiere im Nachtprogramm.
mit Sam Rockwell, Kevin Spacey, Dominique McElligott, Kaya Scodelario, Benedict Wong, Matt Berry, Malcolm Stewart

Wiederholungen

Montag, 14. Dezember, Eins Festival, 20.15 Uhr und 23.30 Uhr

Samstag, 19. Dezember, Eins Festival, 23.35 Uhr

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Film-Zeit über „Moon“

Rotten Tomatoes über „Moon“

Wikipedia über „Moon“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Duncan Jones‘ “Moon” (Moon, Großbritannien 2009) und ein Interview mit Duncan Jones über den Film

Meine Besprechung von Duncan Jones‘ „Source Code“ (Source Code, USA 2011)

Bonushinweis
Am 26. Mai 2016 startet Duncan Jones‘ neuer Film „Warcraft: The Beginning“, eine Spieleverfilmung, in unseren Kinos. Der arg beliebige Trailer sieht ziemlich enttäuschend aus.

https://www.youtube.com/watch?v=qqXp9luh4NU


Sebastian Fitzek erstellt „Das Joshua-Profil“, Max Rhode besucht „Die Blutschule“ und das hat etwas miteinander zu tun

Dezember 12, 2015

Dass Sebastian Fitzek produktiv ist, wissen wir. Seit seinem Debüt „Die Therapie“ veröffentlichte er jedes Jahr mindestens einen Roman, der sofort zum Bestseller wird.
Dass er einfallsreich ist, wissen wir von seinen Lesungen und Buchpräsentationen, die immer ein Event sind (ich war bei mehreren). Oder er probiert, vor der Veröffentlichung, einmal ein Alternate-Reality-Game aus und ist von der überaus positiven Reaktion überrascht. Auch sein neuer Thriller „Das Joshua-Profil“ hat eine besondere Beigabe.
In „Das Joshua-Profil“ erhält Max Rhode, dessen erster Roman „Die Blutschule“ ein kleiner Bestseller war, einen seltsamen Anruf aus dem Krankenhaus. Er fährt hin und trifft auf einen aufgrund seiner Verbrennungen im Sterben liegenden Unbekannten, der ihm sagt, dass er von Joshua auserwählt sei und sich unter keinen Umständen strafbar machen dürfe.
Zwei Monate später besucht die Frau vom Jugendamt Rhode. Sie will Rhode und seiner Frau Kim ihre von ihm über alles geliebte Pflegetochter Jola wegnehmen, weil Jolas leiblichen Eltern, ein Junkiepärchen, sie wieder haben wollen und deren Antrag nach mehreren vergeblichen Versuchen jetzt bewilligt wurde. Außerdem habe Rhode die letzten Wochen auf keinen ihrer Anrufe und Anschreiben reagiert. Rhode flüchtet mit Jola, wird kurz darauf in einen Unfall verwickelt und wacht im Krankenhaus in einem waschechten Fitzek-Alptraum auf. Denn die Polizei und seine Frau glauben, dass er Jola entführt hat. Da hört er eine Stimme in seinem Kopf (es ist ein Ohrstöpsel), die ihm befiehlt, eine Handgranate aus dem Nachttisch zu holen und aus dem Krankenhaus zu flüchten. Sonst werde Jola sterben. Rhode tut es und fügt seinen bisherigen Straftaten noch eine weitere hinzu.
Es wird nicht die letzte sein. Denn wie man es von Sebastian Fitzek kennt, folgt auch „Das Joshua-Profil“ der Methode, dass die Geschichte für den Protagonisten immer die unglaublichste Wendung nimmt. Und als Leser folgt man ihm, während man durch die Seiten rast, gerne, weil es am Ende eine durchaus plausible Erklärung für den ganzen Wahnsinn gibt. Auch in „Das Joshua-Profil“ gibt es eine rationale Erklärung. Wobei Fitzek sich hier auch mit Predictive Policing beschäftigt. Diese computerbasierten Vorhersage künftiger Verbrechensorte, die bislang noch nicht unabhängig untersucht wurde, ist derzeit bei Sicherheitsfirmen und der Polizei, die diese Computerprogramme schon an einigen Orten ausprobiert, das nächste große Ding und damit ein potentiell großes Geschäft. Denn die Verkäufer versprechen Wunderdinge.
Allerdings beschäftigt Fitzek sich im Rahmen einer Thriller-Geschichte nur sehr oberflächlich mit diesem Thema. Seine Geschichte soll vor allem Pageturner-Qualitäten haben. Die hat sie auch unbestreitbar, auch wenn dieses Mal die Schlußpointe schon früh absehbar ist.

Der erste Roman von Max Rhode hieß „Die Blutschule“ und wer mehr lesen möchte als nur die wenigen Ausschnitte und Andeutungen über den Roman, die in „Das Joshua-Profil“ abgedruckt sind, kann sogar den ganzen Roman, der jetzt ebenfalls bei Lübbe erschien, lesen. Damit ist „Die Blutschule“, der natürlich von Sebastian Fitzek unter einem Pseudonym geschrieben wurde, das mit der Veröffentlichung von „Das Joshua-Profil“ enttarnt wurde, in erster Linie ein kleiner Spaß für Fitzek. Für seine Fans ist es als Buch zum Buch eine nette Ergänzung. So wie es auch in Comic- und Romanform verschiedene Vorgeschichten zu erfolgreichen Filmen gibt und die oft etwas überflüssig sind, weil sie im schlechtesten Fall nur Informationen liefern, die zum Verständnis der eigentlichen Geschichte überflüssig sind. Es gibt Ausnahmen, wie Greg Keyes‘ „Planet der Affen – Revolution: Feuersturm“, der eine eigenständige Geschichte erzählt, die zwischen den beiden neuen „Planet der Affen“-Filmen spielt. Oder die Romane von Richard Castle.
Auch Max Rhode/Sebastian Fitzek erzählt in „Die Blutschule“ eine eigenständige Geschichte, die nichts mit „Das Joshua-Profil“ zu tun hat. Obwohl die Bemerkungen von Rhodes Bruder in „Das Joshua-Profil“ über den Wahrheitsgehalt von „Die Blutschule“ und wie Rhode in dem Roman wahre Ereignisse, die er jahrelang verdrängte, in seinem Roman verarbeitete, spaßig sind.
In „Die Blutschule“ kehrt die Familie Zambrowski im Sommer 1993 von Berlin nach Wendisch Rietz am Storkower See zurück in das halb verfallene elterliche Haus des liebevollen Vaters Vitus. Dessen Baufirma ging vor einem halben Jahr pleite. Der dreizehnjährige Simon, der jetzt in der Psychiatrie in Sicherungsverwahrung sitzende Erzähler der Geschichte, und sein ein Jahr älterer Bruder Mark beginnen durch die Gegend zu streunen. Sie begegnen Stotter-Peter, einem stadtbekanntem Kinderschänder, der sich als eigentlich netter Kerl entpuppt, und den Dorfjugendlichen, die sich als nicht so nett entpuppen. Vor allem Sandy ist ein wahres Luder. Und sie hören die Geschichte vom Storkower Seelenspiegel. Wer in ihn hineinblickt, wird unsterblich und er verändert sich. Aus einem guten Menschen wird ein Biest. Und umgekehrt. Der durch den Spiegel Verfluchte kann nur durch einen Suizid sein leben beenden. Und Simon hat Visionen, die aus einem unappetitlichen Horrorfilm stammen könnten.
Als Sandy einen tödlichen Unfall hat, kann Simons Vater sie wieder beleben. Während Vitus das tut, sieht Simon in einer weiteren Vision, wie ein Schwarm Spinnen aus Sandys Körper in den seines Vaters hinübergeht.
Kurz darauf fordert Vitus seine beiden Söhne auf, mit ihm einen Ausflug auf eine einsame Insel zu unternehmen. In der Blutschule will er ihnen das beibringen, was sie nicht in der Schule lernen, wozu auch das Töten von Menschen gehört.
Die beiden Kinder haben keine Ahnung, wie sie vor ihrem durchgeknallten Vater flüchten können.
Bislang gab es in den Thrillern von Sebastian Fitzek keine übernatürlichen Elemente. Für den Horrorroman „Die Blutschule“ sind sie mit seiner alptraumhaften Stimmung und der Geschichte des Seelenspiegels konstitutiv, weshalb der Roman dann auch eher an die Werke von Stephen King erinnert. Spontan fällt einem Kings „Friedhof der Kuscheltiere“ ein. In dem Horrorroman können auf einem einsam im Wald gelegenem Friedhof tote Tiere wieder zum Leben erweckt werden. Sie kehrten verändert zurück.
In der zweiten Hälfte der „Blutschule“, wenn Simon und Mark mit ihrem Vater auf der Insel sind, bewegt sich die Geschichte in Richtung Torture Porn, weshalb diese Hälfte dann auch eher spekulativ als spannend ist und nie stellt sich das typische Fitzek-Lesegefühl ein. – Was auch daran liegen kann, dass „Die Blutschule“ von Max Rhode geschrieben wurde und, wie wir aus „Das Joshua-Profil“ wissen, waren die Romane, die Rhode nach seinem Debüt schrieb, keine Bestseller.

Fitzek - Das Joshua-Profil - 2Rhode - Die Blutschule - 2

Sebastian Fitzek: Das Joshua-Profil
Lübbe Hardcover, 2015
432 Seiten
19,99 Euro

Max Rhode: Die Blutschule
Lübbe, 2015
256 Seiten
12,99 Euro

Hinweise

Homepage von Sebastian Fitzek

Sebastian Fitzek in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks „Der Seelenbrecher“ (2008)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks „Das Kind“ (2008)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks „Splitter“ (2009)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks “Der Augensammler” (2010)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks “Der Augenjäger” (2011)

Meine Besprechung der Sebastian-Fitzek-Verfilmung “Das Kind” (D 2012)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzek/Michael Tsokos‘ „Abgeschnitten“ (2012)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks „Der Nachtwandler“ (2013)


TV-Tipp für den 12. Dezember: Tatort: Rot – rot – tot

Dezember 12, 2015

https://www.youtube.com/watch?v=NFrBV3zMnmU

SWR/SR, 21.50
Tatort: Rot – rot – tot (Deutschland 1978, Regie: Theo Mezger)
Drehbuch: Karl Heinz Willschrei
Kommissar Lutz sucht einen Serientäter, der im Stuttgarter Villenviertel Rothaarige erdrosselt. Als Julia Pfandler erdrosselt wird, glaubt Lutz, dass ihr Ehemann Dr. Konrad Pfandler (Curd Jürgens), ein hochintelligenter Versicherungsmathematiker, seine ihn betrügende Frau tötete und auch die anderen Morde begangen hat, um so von seiner Tat abzulenken.
Curd Jürgens, der am 13. Dezember seinen hundertsten Geburtstag hätte und noch heute als Bösewicht aus dem James-Bond-Film „Der Spion, der mich liebte“ bekannt ist, spielt hier ebenfalls einen Bösewicht mit guten Manieren.
„Rot – rot – tot“ ist ein spannender „Tatort“, der sich, wie damals üblich, auf den Fall, den Täter (der oft bekannt war) und das Motiv konzentriert, während das Privatleben des Kommissars privat bleibt. Dafür gibt es ein schönes Psychoduell zwischen Kommissar und Täter.
„Ehemann tötet Ehefrau aus Eifersucht – das ist die simple Quintessenz der Geschichte, und gerade auf der Grundlage dieser Banalität entfaltet sich die dramaturgische Raffinesse, die diesen ‚Tatort‘, ebenfalls kein Whodunit, (…) sehenswert macht.“ (Hans Krah: Sex & Crime, in Eike Wenzel, Herausgeber: Ermittlungen in Sachen ‚Tatort‘, 2000)
Ach ja, wenn heute mal wieder von „Tatort“-Zuschauerrekorden gesprochen wird. Bei der Erstausstrahlung sahen 26,57 Millionen Zuschauer „Rot – rot – tot“.
mit Werner Schumacher, Frank Strecker, Curd Jürgens, Renate Schroeter, Christian Berkel (dürfte sein Filmdebüt gewesen sein)
Hinweise
Tatort-Fundus über Kommissar Lutz
Wikipedia über „Tatort: Rot – rot – tot“


TV-Tipp für den 11. Dezember: The Big Lebowski

Dezember 11, 2015

3sat, 22.35

The Big Lebowski (USA 1998, Regie: Joel Coen)

Drehbuch: Ethan Coen, Joel Coen

Ein echter Kultfilm.

Die Geschichte ist, wie bei Raymond Chandler, der als Inspiration diente, kaum nacherzählbar, labyrinthisch, voller grandioser Szenen und Sätze und wahrscheinlich bar jeder Logik. Im wesentlichen geht es darum, dass der Dude mit seinem ihm bis dahin unbekannten, stinkreichen, herrischen, querschnittgelähmten Namensvetter verwechselt wird und er in eine undurchsichtige Entführungsgeschichte hineingezogen wird.

mit Jeff Bridges, John Goodman, Julianne Moore, Steve Buscemi, David Huddleston, Philip Seymour Hoffman, Tara Reid, Philip Moon, Mark Pellegrino, Peter Stormare, Flea, John Turturro, Sam Elliott, Ben Gazzara

Hinweise

Homepage des Lebowski Fest

Drehbuch „The Big Lebowski“ von Joel & Ethan Coen

Wikipedia über „The Big Lebowski“ (deutsch, englisch)

„You know, for kids!“  – The Movies of the Coen Brothers (eine sehr umfangreiche Seite über die Coen-Brüder)

Meine Besprechung von Bill Green/Ben Peskoe/Will Russell/Scott Shuffitts „Ich bin ein Lebowski, du bist ein Lebowski – Die ganze Welt des Big Lebowski“ (I’m a Lebowski, you’re a Lebowski, 2007)

Meine Besprechung von Michael Hoffmans “Gambit – Der Masterplan” (Gambit, USA 2012 – nach einem Drehbuch von Joel und Ethan Coen)

Meine Besprechung des Coen-Films “Inside Llewyn Davis” (Inside Llewyn Davis, USA/Frankreich  2013)

Die Coen-Brüder in der Kriminalakte

Der neue Film der Coen-Brüder eröffnet im Februar die Berlinale. Hier der äußerst vergnügliche Trailer


Neu im Kino/Filmkritik: „Mistress America“ ist nicht „Frances Ha“

Dezember 10, 2015

Als „Frances Ha“ war Greta Gerwig angenehm schusselig, verpeilt, planlos und gerade deshalb absolut liebenswert. In „Mistress America“ spielt Greta Gerwig, wieder unter der Regie von Noah Baumbach und wieder nach einem gemeinsam geschriebenem Drehbuch, wieder (jedenfalls auf den ersten Blick) die titelgebende Person. Sie ist die dreißigjährige Brooke, eine hyperaktive Manhattan-Bewohnerin, die immer gleichzeitig mehrere Projekte verfolgt und scheinbar Gott und die Welt kennt. Sie lebt, nein, sie ist der amerikanische Traum vom glamourösen Großstadtleben.
So wirkt sie bei ihrer ersten Begegnung auf die Jungstudentin Tracy (Lola Kirke), die in der fremden Großstadt verzweifelt Freunde sucht, sie unter ihren Studienkollegen nicht findet (jedenfalls nicht so, wie sie es sich vorstellt) und die in Manhattan ihre Abende einsam im Studierendenwohnheim verbringt. Das Leben in der pulsierenden Großstadt hat sich die 18-jährige Literaturstudentin und künftige Schriftstellerin definitiv anders vorgestellt. Mehr so, wie sie es aus aus Büchern und Filmen kennt.
Eher widerwillig lässt sie sich auf ein Treffen mit der über zehn Jahre älteren Brooke ein, weil ihre Eltern demnächst heiraten wollen. Bei ihrer ersten Begegnung erscheint ihr Brooke wie ein Wesen aus einer anderen Welt. Brooke begrüßt sie überschwänglich und nimmt sie sofort mit in das echte Nachtleben von Manhattan. Für Tracy wird Brooke und ihr Leben zur kaum verhüllten Inspiration für ihre Kurzgeschichte „Mistress America“. Brooke verkörpert für sie den amerikanischen Traum und das Leben in der Großstadt. Aber sie wirft in ihrer Geschichte auch einen wenig schmeichelhaften Blick hinter Brookes glänzende Fassade.
Als Brookes großes Restaurant-Projekt implodiert, macht Brooke sich in der zweiten Hälfte von „Mistress America“ mit Tracy und einigen ihrer Studienfreunde auf den Weg nach Greenwich, Connecticut, zu ihrer alten Liebe, dem vermögenden Dylan. Inzwischen ist er mit einer Ex-Freundin von Brooke verheirat. Brooke hasst Mamie Claire, weil sie ihr ihre große Idee und ihren Freund stahl. Mamie Claire sieht das natürlich anders.
In dem mondänem Vorstadthaus ist mit den vielen Personen und zahlreichen Konflikten dann das Fundament für eine ordentliche Screwball-Comedy mit heftig schlagenden Türen (die in diesem Haus dummerweise, falls überhaupt, Schiebetüren sind) gelegt.
Leicht, für mein Empfinden schon zu skizzenhaft, fügen Baumbach und Gerwig in ihrem neuesten Einblick in das New Yorker Künstlermilieu (das wir natürlich aus Woody Allens Filmen bestens kennen) die einzelnen Teile ihres Porträts zu einer Abfolge von vergnüglichen Szenen zusammen, wechseln immer wieder, eher willkürlich, die Stimmung und Erzählhaltung, bis am Ende viele gelungene Teile übrig bleiben, die als Teile überzeugender als das dann zu wahllos zusammengefügte Gesamtwerk sind. So passen die in bester Screwball-Tradition zugespitzten Szenen in Greenwich mit ihren teilweise sehr theaterhaften Elementen und Kommentierungen zu Tracys Kurzgeschichte nicht zu den eher realistisch inszenierten Szenen aus Leben der New Yorker Bohème. Und dann kommt noch, als nebensächlicher Subplot, die anstehende Hochzeit der Eltern von Tracy und Brooke dazu.
Das hat immer wieder seine gut beobachteten Momente, die Figuren sind angenehm komplex und fehlerbehaftet, aber insgesamt ist „Mistress America“ zu unkonzentriert, um wirklich zu begeistern. In seinem neuesten Film lässt Baumbach die erzählerische Stringenz von „Frances Ha“ und „Gefühlt Mitte Zwanzig“ vermissen. Der Film wirkt eher wie ein Nebenwerk. Wie eine CD mit Raritäten und B-Sides. Das ist nicht unbedingt schlecht, aber auch nicht der große Wurf.

Mistress America - Plakat

Mistress America (Mistress America, USA 2015)
Regie: Noah Baumbach
Drehbuch: Noah Baumbach, Greta Gerwig
mit Greta Gerwig, Lola Kirke, Matthew Shear, Jasmine Cephas-Jones, Heather Lind, Michael Chernus, Cindy Cheung, Kathryn Erbe, Dean Wareham
Länge: 85 Minuten
FSK: ab 6 Jahre

Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Mistress America“
Moviepilot über „Mistress America“
Metacritic über „Mistress America“
Rotten Tomatoes über „Mistress America“
Wikipedia über „Mistress America“

Meine Besprechung von Noah Baumbachs „Frances Ha“ (Frances Ha, USA 2012)

Meine Besprechung von Noah Baumbachs „Gefühlt Mitte Zwanzig“ (While we’re young, USA 2014)

Nachdem bei meinen Besprechungen von „Frances Ha“ und „Gefühlt Mitte Zwanzig“ vor allem Baumbach über seine Filme sprach, lasse ich Greta Gerwig über „Mistress America“ sprechen:


Neu im Kino/Filmkritik: „Knock Knock“, wer klopft denn da an meine Tür?

Dezember 10, 2015

https://www.youtube.com/watch?v=0ZQrDzdvebY

Als Regisseur machte Eli Roth sich die letzten Jahre, eigentlich seit seinem 2007er Horrorfilm „Hostel 2“ (Hostel: Part 2) rar. Sein schon vor zwei Jahren auf Festivals gezeigter Kannibalenhorrorfilm „The Green Inferno“ soll bei uns im März 2016 auf DVD erscheinen. Es ist eine Hommage/Quasi-Remake von Ruggero Deodatos „Nackt und zerfleischt“ (Ultimo Mondo Cannibale/Cannibal Holocaust, Italien 1980), der in etlichen Ländern verboten ist, an der Kinokasse gut lief und inzwischen als Kultfilm gilt.
Auch Eli Roths neuester Film „Knock Knock“, wieder nach einem Drehbuch von ihm, Nicolás López und Guillermo Amoedo, mit denen er bereits „The Green Inferno“ schrieb, ist ein Remake. Allerdings ist Peter Traynors „Tödliche Spiele“ (Death Game, USA 1977) viel unbekannter (und dabei ist es unerheblich ob man den Film wirklich gesehen oder nur von ihm gehört hat) und es ist ein Thriller mit einem Star in der Hauptrolle.
Keanu Reeves spielt den glücklich verheirateten Architekten Evan Webber. Während seine Frau, eine erfolgreiche Künstlerin, mit ihren beiden Kindern über das Wochenende wegfährt, will er in aller Ruhe ein Projekt abschließen. Am Abend – Knock Knock – klopft es an seine Haustür und zwei junge, spärlich bekleidete, durchnässte Schönheiten stehen davor. Sie haben sich auf dem Weg zu einer Party gründlich verlaufen. Evan bittet sie hinein – sein erster Fehler – und er hilft ihnen mit Handtüchern und einem Anruf bei einem Taxiunternehmen aus.
Als das Taxi ankommt, springen Genesis (Lorenza Izzo) und Bel (Ana De Armas) unter die Dusche und sie verführen den Biedermann, der plötzlich williger als ein brünstiger Hengst ist, zu heißem Sex unter der Dusche. Das ist sein zweiter Fehler, der in den heutigen USA und bei ihrer allgegenwärtigen Hatz gegen Pädophile (und seine beiden Gäste sehen nicht sonderlich erwachsen aus) vollkommen unverständlich ist. Während wir uns noch fragen, warum er als treuer Ehemann nicht einfach vor die Tür zum Taxifahrer ging, quartieren sich die beiden Mädchen bei ihm ein, verwüsten seine Wohnung, fesseln den hoffnungslos überforderten Hausherrn und beginnen ein perfides Wahrheit-oder-Lüge-Spiel mit ihm, bei dem seine gesamte bürgerliche Existenz auf dem Spiel steht.
Das ist jetzt nicht der Auftakt für einen spannenden Psycho-Thriller, sondern für einen zunehmend absurden Film. Evan und die beiden Folterinnen, bei denen man nie genau weiß, ob sie jetzt die Wahrheit oder eine weiter Lüge erzählen und wie geistig zurechnungsfähig sie sind, verhalten sich durchgehend dumm und unvernünftig. Bei Evan wird das schon schnell offensichtlich. Denn er muss – obwohl er doch als intelligenter Mann eingeführt wird – während des gesamten Films eine Dummheit nach der nächsten begehen. Sogar wenn es ihm gelingt, zu flüchten, wird er schnell, aufgrund eigenen Verschuldens, von den beiden eher dumpfbackigen Perlen geschnappt. Wenn Genesis und Bel am Ende ihren großen, teuflischen Plan enthüllen, dann weiß man endgültig, dass eine Geschichte die vor knapp vierzig Jahren funktionierten konnte, heute, auch ohne Handy-Aufnahmen, unter keinen Umständen mehr funktioniert.
Und damit fällt das gesamte Moralstück über Untreue und Bestrafung schneller als ein Kartenhaus in sich zusammen. Immerhin bemüht Eli Roth sich hier durchgehend erfolgreich, seinen Torture-Porn-Ruf nicht gerecht zu werden. Und Keanu Reeves, der nach „John Wick“ ja wieder beliebt ist, hat „Knock Knock“ wohl primär als Zeitvertrieb vor seinen nächsten Filmen, wie Nicolas Winding Refns „The Neon Demon“, gesehen.

Knock Knock - Plakat

Knock Knock (Knock Knock, USA/Chile 2015)
Regie: Eli Roth
Drehbuch: Eli Roth, Nicolás López, Guillermo Amoedo (nach dem Drehbuch „Death Game“ von Anthony Overman und Michael Ronald Ross; ihrer einzigen Filmarbeit)
mit Keanu Reeves, Lorenza Izzo, Ana De Armas, Aaron Burns, Ignacia Allamand, Aaron Burns, Colleen Camp
Länge: 100 Minuten
FSK: ab 16 Jahre

Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Knock Knock“
Moviepilot über „Knock Knock“
Metacritic über „Knock Knock“
Rotten Tomatoes über „Knock Knock“
Wikipedia über „Knock Knock“


TV-Tipp für den 10. Dezember: Last Man Standing

Dezember 10, 2015

https://www.youtube.com/watch?v=w9SbLAmM9ok

Kabel 1, 22.30

Last Man Standing (USA 1996, Regie: Walter Hill)

Drehbuch: Walter Hill (nach dem Drehbuch „Yojimbo“ von Ryuzo Kikushima und Akira Kurosawa)

USA, 1931: In dem texanischen Grenzkaff Jericho kämpfen zwei Schnapsbrennerbanden um die Vorherrschaft. Da taucht ein wortkarger Fremder, der sich gut mit Schusswaffen auskennt, auf. Beide Banden hätten ihn gerne als Handlanger und er lässt sich von beiden bezahlen.

Walter Hills Version von Akira Kurosawas „Yojimbo“ (und damit auch von Sergio Leones „Yojimbo“-Remake „Für eine Handvoll Dollar“). Und Kurosawa ließ sich für seinen Samurai-Film von Dashiell Hammetts „Red Harvest“ (Bluternte, Rote Ernte) inspirieren.

mit Bruce Willis, Bruce Dern, William Sanderson, Christopher Walken, David Patrick Kelly, Karina Lombard, Ned Eisenberg

Wiederholung: Samstag, 12. Dezember, 02.50 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über “Last Man Standing” 

Wikipedia über „Last Man Standing“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Walter Hills “Shoutout – Keine Gnade” (Bullet to the Head, USA 2013)

Walter Hill in der Kriminalakte