TV-Tipp für den 9. März: Der eiskalte Engel

März 9, 2020

Arte, 20.15

Der eiskalte Engel (Le Samourai, Frankreich/Italien 1967)

Regie: Jean-Pierre Melville

Drehbuch: Jean-Pierre Melville

LV: Joan McLoad: The Ronin

Die letzten Tage des Profikillers Jef Costello. Er wird von der Polizei und seinen Auftraggebern gejagt.

Kühles Meisterwerk über Einsamkeit und Rituale. Und selbstverständlich: Kino in Reinkultur mit einem grandiosen Alain Delon.

„Melvilles Requiem für einen Killer ist die ästhetisch vollendetste Realisierung seines Schaffens, ein Film dessen rigorose Stilisierung fast etwas Abstraktes hat, der von Bildern und Tönen lebt, in denen das Dargestellte auch immer zugleich das Gemeinte ist, der Bedeutungsträger die Bedeutung, das Signifikat der Signifikant, ein Kino in Reinkultur, das seine Vorbilder überwunden hat und in der Perfektion seiner Inszenierung nur noch auf sich selbst verweist.“ (Hans Gerhold in Melville, Hanser Film 27)

Mit Alain Delon, Nathalie Delon, Francois Périer, Cathy Rosier

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Der eiskalte Engel“

Wikipedia über „Der eiskalte Engel“ (deutsch, englisch, französisch) und über Jean-Pierre Melville (deutschenglischfranzösisch)

Senses of Cinema (Adrian Danks) über Jean-Pierre Melville (September 2002)

Guardian: Peter Lennon über Jean-Pierre Melville (27. Juni 2003)

Jean-Pierre Melville in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 8. März: Teheran Tabu

März 8, 2020

Arte, 22.00

Teheran Tabu (Deutschland/Österreich 2017)

Regie: Ali Soozandeh

Drehbuch: Ali Soozandeh

TV-Premiere: beeindruckendes Sittengemälde des heutigen Teheran. Ali Soozandeh zeigt anhand von drei Frauenschicksalen, wie sie ihr eigenes Leben in einem Gottesstaat leben wollen.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Elmira Rafizadeh, Zar Amir Ebrahimi, Arash Marandi, Bilal Yasar

Wiederholung: Donnerstag, 12. März, 00.10 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Teheran Tabu“

Moviepilot über „Teheran Tabu“

Metacritic über „Teheran Tabu“

Rotten Tomatoes über „Teheran Tabu“

Wikipedia über „Teheran Tabu“ (deutsch, englisch)

Arte über „Teheran Tabu“ (wenn ich es richtig sehe, ist der Film eine Woche in der Mediathek)

Meine Besprechung von Ali Soozandehs „Teheran Tabu“ (Deutschland/Österreich 2017)


Neu im Kino/Filmkritik: „La Vérité – Leben und lügen lassen“ in einer Künstlerfamilie

März 7, 2020

Die inzwischen in den USA lebende Lumir (Juliette Binoche), ihr Mann Hank (Ethan Hawke), ein mäßig erfolgreicher TV-Schauspieler, und ihre gemeinsame Tochter Charlotte (Clémentine Grenier) besuchen ihre in Paris lebende Mutter Fabienne (Catherine Deneuve). Sie sehen sich selten. Daher wird die Wiedersehensfreude durch ein Gefühl der Fremdheit beeinflusst.

In seinem ersten nicht-japanischen Film zeichnet Hirokazu Kore-eda dieses erste Zusammentreffen der Familienmitglieder gewohnt feinfühlig und, sicher auch durch die beiden Hauptdarstellerinnen Catherine Deneuve und Juliette Binoche, mit viel französischem Flair.

Neben der Fremdheit, die entsteht, wenn man sich lange nicht gesehen hat, ist hier auch die Beziehung zwischen Mutter und Tochter gestört. Fabienne Dangeville ist eine Schauspielerin, eine Diva und ein Star des französischen Kinos. In ihrem herrschaftlichem Anwesen ist sie von sie bewundernden und klaglos ihre Schrullen ertragenden Angestellten umgeben. Wobei ihre größte Schrulle ihr Gedächtnis und ihr nicht immer mit den Fakten übereinstimmender Blick auf die Realität ist. Beides pflegt die Diva liebevoll und setzt es bedenkenlos zu ihrem Vorteil ein. Zuletzt zeigte sich das in ihren Memoiren, die unter dem Titel „La Vérité – Die Wahrheit“ veröffentlicht wurden. In ihnen beschreibt sie sich als liebende und aufopferungsvolle Mutter.

Lumir, die inzwischen in den USA als Drehbuchautorin arbeitet, sieht das anders. Fabienne war keine gute Mutter, sondern eine Rabenmutter gewesen. Sie möchte, dass Fabienne das endlich einsieht.

In Hirokazu Kore-edas „La Vérité – Leben und lügen lassen“ ist die Besetzung mit Catherine Deneuve, Juliette Binoche und Ethan Hawke schon die halbe Miete. Mit ihnen erkundet er, wie in seinen vorherigen Filmen „Like Father, like Son“ (Soshite chichi ni naru, Japan 2013), „Unsere kleine Schwester“ (Umimachi Diary, Japan 2015) und „Shoplifters – Familienbande“ (Manbiki Kazoku, Japan 2018), was eine Familie ausmacht und in welchen Beziehungen Familienmitglieder, die nicht unbedingt blutsverwandt sein müssen. zueinander stehen. In „La Vérité“ entwirft Kore-eda ein sich auf mehreren Ebenen abspielendes Vexierspiel zwischen Wahrheit, Flunkerei, Selbstbetrug und Lüge, das auch zu einem Film im Film wird. Denn Fabienne hat eine Rollen in einem Science-Fiction-Film übernommen, der mühelos als autobiographische Spiegelung ihres Verhältnisses zu ihrer Tochter gesehen werden kann.

Kore-edas Familienaufstellung im finanziell gut saturiertem Künstlermilieu ist gewohnt subtil, sehr kunstvoll und, in diesem Fall, sehr französisch.

La Vérité – Leben und lügen lassen (La Vérité, Frankreich 2019)

Regie: Hirokazu Kore-eda

Drehbuch: Hirokazu Kore-eda

mit Catherine Deneuve, Juliette Binoche, Ethan Hawke, Clémentine Grenier, Manon Clavel, Alain Libolt, Christian Crahay, Roger von Hool, Ludivine Sagnier

Länge: 108 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „La Vérité“

Metacritic über „La Vérité“

Rotten Tomatoes über „La Vérité“

Wikipedia über „La Vérité“ (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von Hirokazu Kore-edas „Like Father, like Son“ (Soshite chichi ni naru, Japan 2013)

Meine Besprechung von Hirokazu Kore-edas „Unsere kleine Schwester“ (Umimachi Diary, Japan 2015)

Meine Besprechung von Hirokazu Kore-edas „Shoplifters – Familienbande“ (Manbiki Kazoku, Japan 2018)


Neu im Kino/Filmkritik: „Bad Boy“: Hooligans, Fußball und Verbrechen in Polen

März 7, 2020

Pawel und Piotr sind Brüder, die schon lange getrennte Wege gehen. Pawel ist fanatischer Fan des Fußballclubs Unia und Hooligan. Die Hooliganbande, bei der er Mitglied ist, ist knietief in kriminelle Aktivitäten verstrickt. Piotr ist Polizist. Jetzt soll er Beweise gegen diese Hooligangruppe sammeln. Dafür soll er in einem Undercover-Einsatz die Beziehung zu seinem Bruder auffrischen.

Fans von Gangsterfilmen kennen die Geschichte vom Undercover-Cop, der in sein altes Milieu zurückkehrt um einen Verbrecherboss zu überführen. Auch die zweite Geschichte, die Patryk Vega erzählt, ist für Fans von Gangsterfilmen eine vertraute Geschichte. Es geht um den mit Gewalt und Leichen gepflasterten Aufstieg von Pawel. Zuerst in der Hooliganbande vom Fußsoldaten zum Anführer. Später, mit der Hilfe der Anwältin Ola, die ebenfalls undercover arbeitet und ihm als Piotrs Freundin vorgestellt wird, steigt er weiter auf. Als Drogenhändler und als Vorsitzender seines Fußballvereins.

Vega erzählt beide Geschichten mit viel Gewalt und interessanten Wendungen, die bis zum Ende immer wieder überraschen. Inwiefern er in dieser von wahren Ereignissen inspirierten Geschichte die wahren Verhältnisse in Polen, der dortigen Hooliganszene und der Verflechtung von Hooligans, Verbrechern und Kapital überzeichnet, ist mir unklar. In jedem Fall sind polnische Hooligans als sehr gewaltbereit und sehr rechts bekannt. Verbindungen zum Organisierten Verbrechen liegen nahe. Aber ob es ihnen auch gelingt, als Hooliganbande durch das geschickte Ausnutzen von Vereinsregeln einen ganzen Verein zu übernehmen, weiß ich nicht.

Dass Pawel und seine ständig gewaltbereiten Hooligenfreunde nicht zu Identifikationsfiguren taugen, ist klar. Aber auch alle anderen Figuren in Vegas Gangsterfilm „Bad Boy“ sind denkbar unsympathisch und befreit von mitmenschlichen Gefühlen. Für sie zählt nur Gewalt und das skrupellos durchgesetzte Recht des Stärkeren. Einzig Piotrs Vorgesetzter Adam ist in dieser Welt halbwegs sympathisch. Immerhin sorgt er sich um Piotr und er will, die Regeln befolgend, etwas gegen das Organisierte Verbrechen unternehmen. Allerdings stiftet er Piotr an, seinen Bruder Pawel auszuspionieren und so Beweise für eine Gefängnisstrafe zu sammeln. Dadurch initiiert er alle weiteren Ereignisse.

Bad Boy“ zeichnet ein sehr düsteres Bild der polnischen Gesellschaft. Und auch im Rahmen der Genrekonventionen fällt „Bad Boy“ sehr düster aus.

Patryk Vega inszenierte vorher „Pitbull“, „Women of Mafia“ und, anscheinend ist das sein einziger in Deutschland öffentlich präsentierter Film, „Hans Kloss – Spion zwischen den Fronten“. Sein nächster Film „Small World“ befindet sich gerade in der Postproduktion. Es geht um die Entführung von Kindern, die zu Sexsklaven werden, und einem Polizisten, der dagegen kämpft.Ein deutscher Kinostart ist nicht ausgeschlossen.

Bad Boy (Bad Boy, Polen 2020)

Regie: Patryk Vega

Drehbuch: Olaf Olszewski, Patryk Vega

mit Antoni Królikowski, Maciej Stuhr, Andrzej Grabowski, Piotr Stramowski, Małgorzata Kożuchowska, Katarzyna Zawadzka, Zbigniew Zamachowski, Kamil Grosicki

Länge: 110 Minuten

FSK: ab 18 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Bad Boy“

Wikipedia über Patryk Vega


TV-Tipp für den 7. März: Ender’s Game

März 6, 2020

Sat.1, 20.15

Ender’s Game – Das große Spiel (Ender’s Game, USA 2013)

Regie: Gavin Hood

Drehbuch: Gavin Hood

LV: Orson Scott Card: Ender’s Game, 1985 (Enders Spiel)

Der junge Ender Wiggin soll zum Anführer im Kampf gegen die außerirdischen Formics ausgebildet werden. Dabei ist Ender noch ein Kind.

Durchaus gelungene Mainstream-Verfilmung eines Science-Fiction-Klassikers, die nicht die Komplexität der Vorlage erreicht.

Mehr in meiner Besprechung des Films und der Vorlage.

mit Asa Butterfield, Harrison Ford, Ben Kingsley, Abigail Breslin, Hailee Steinfeld, Moises Arias, Viola Davis, Nonso Anozie, Aramis Knight, Jessica Harthcock

Wiederholung: Sonntag, 8. März, 15.20 Uhr

Hinweise

Moviepilot über „Ender’s Game – Das große Spiel“

Metacritic über „Ender’s Game – Das große Spiel“

Rotten Tomatoes über „Ender’s Game – Das große Spiel“

Wikipedia über „Ender’s Game – Das große Spiel“ (deutsch, englisch)

Homepage von Orson Scott Card

Phantastik-Couch über Orson Scott Card

Wikipedia über Orson Scott Card (deutsch, englisch)

Epilog: Interview mit Orson Scott Card (2004)

Meine Besprechung von Orson Scott Card (Projektleitung)/Christopher Yost (Skript)/Pasqual Ferrys (Zeichnungen) „Ender’s Game – Das große Spiel (Band 1)“ (Ender’s Game: Battle School 1 – 5, 2009)

Meine Besprechung von Orson Scott Card (Projektleitung)/Christopher Yost (Skript)/Pasqual Ferry (Zeichnungen) „Ender’s Game – Das große Spiel (Band 2)“ (Ender’s Game: Command School 1 – 5, 2010)

Meine Besprechung von Orson Scott Cards „Enders Spiel“ (Ender’s Game, 1985, 1991 erschien eine vom Autor leicht überarbeitete Ausgabe) und Orson Scott Cards „Enders Schatten“ (Ender’s Shadow, 1999)

Meine Besprechung von Gavin Hoods „Ender’s Game – Das große Spiel“ (Ender’s Game, USA 2013)

Meine Besprechung von Gavin Hoods „Official Secrets“ (Official Secrets, Großbritannien/USA 2019)

Die Vorlage

Man kann die Romane unabhängig voneinander lesen und man muss „Enders Schatten“ nicht lesen, um „Enders Spiel“ zu verstehen, aber „Enders Schatten“ ist eine wirklich lesenswerter anderer Blick auf die Ausbildung von Ender Wiggins. Und daher empfehle ich beide Romane; in chronologischer Reihenfolge.

Card - Enders Spiel - 2Card - Enders Schatten - 2

Orson Scott Card: Enders Spiel

(übersetzt von Karl-Ulrich Burgdorf)

Heyne, 2012

464 Seiten

8,99 Euro

Originalausgabe

Ender’s Game

Tor, 1985

(1991 erschien eine vom Autor leicht überarbeitete Ausgabe)

Frühere deutsche Ausgaben als „Das große Spiel“ und, als Doppelband mit dem zweiten Ender-Roman, als „Ender“.

Orson Scott Card: Enders Schatten

(übersetzt von Regina Winter)

Heyne, 2013

592 Seiten

8,99 Euro

Originalausgabe

Ender’s Shadow

Tor, 1999


Neu im Kino/Filmkritik: „Onward: Keine halben Sachen“ ist eine halbe Sache

März 6, 2020

In dem neuen Pixar-Film „Onward: Keine halben Sachen“ vermissen die Brüder Ian und Barley Lightfoot ihren schon vor Jahren verstorbenen Vater. Vor allem Ian würde seinen Vater, der kurz vor seiner Geburt starb, gerne kennen lernen. In der Schule ist der schüchterne und penible Teenager ein Außenseiter, der keine Freunde hat. Zu seinem 16. Geburtstag schenkt ihm seine Mutter den Zauberstab seines Vaters. Denn in dieser Welt existiert Magie. Auch wenn sie in den vergangenen Jahrzehnten immer mehr in Vergessenheit geriet. Heute unterscheidet sich die Welt von „Onward“ kaum von unserer Welt. Ians drei Jahre älterer Elfen-Bruder Barley, ein erklärter Magie-Nerd und herzensguter Hallodri, der zu viel Energie für ein Slacker-Dasein hat, ist begeistert. Denn mit dem Zauberstab und dem Zauberspruch, der in einem Brief ihres Vaters steht, kann ihr Vater einmal für 24 Stunden zurück geholt werden. Ian ist skeptisch. Aber die beiden Brüder probieren den Zauberspruch aus. Dummerweise gelingt ihre Zauberei nur halb. Und zwar so halb, dass von ihrem Vater nur die untere Hälfte zurückkam. Es sind zwei Beine und ein Po, aber kein Gesicht, keine Augen, keine Ohren und keine Stimme.

Um doch mit ihm reden zu können, müssen sie einen Phönix-Stein finden, mit dem sie den Zauber vollenden können.

Gemeinsam machen sie sich auf den Weg – und die Geschichte nimmt ziemlich genau den Verlauf, den man erwartet. Ian ist bei dieser Reise der Bruder, der Zaubern kann und zunehmend an Selbstvertrauen gewinnt. Der vor Selbstbewusstsein strotzende Barley weiß dagegen alles über Zauberei. Allerdings kann er nicht zaubern. Auf ihrer Suche nach dem Stein erleben die beiden Brüder viele Abenteuer und kommen sich näher. Verfolgt werden sie dabei von ihrer Mutter, der Mantikor, einer furchtlosen Kriegerin, die eine Mischung aus Fledermaus, Skorpion und Löwe ist, und Officer Colt Bronco, einem Mischwesen aus Mensch und Pferd. Denn die beiden Brüder wissen nichts von einem sie bedrohendem Fluch.

Schlecht ist „Onward: Keine halben Sachen“ nicht. Aber für einen Pixar-Film ist Dan Scanlons Animationsfilm ziemlich enttäuschend. Die besten Pixar-Filme sind gleichzeitig für Kinder und Erwachsene ein emotionales und intellektuelles Vergnügen. Sie entführen in fremde Welten. Schwere und komplizierte Themen werden so angesprochen, dass Kinder sie verstehen können, ohne dass irgendetwas von der Komplexität der Themen genommen wird. Gleichzeitig streuen die Macher Anspielungen und Gags ein, die nur Erwachsene verstehen. Denn die Pixar-Macher wollen nicht mit dem Vorwurf konfrontiert werden, ihr Publikum zu unterschätzen und zu unterfordern.

Genau das kann über „Onward: Keine halben Sachen“ nicht gesagt werden. Der Film fordert auch ein junges Publikum nie heraus. Dafür ist die Geschichte als eine reine Abfolge von Prüfungen und Abenteuern, bei denen die beiden Brüder sich näherkommen, zu vorhersehbar. Die Welt in der sie spielt, wurde zwar extra für den Film erfunden, aber sie setzt sich aus allseits bekannten Fantasy-Bausteinen zusammen. Und die Frage, wie ein Kind mit dem Tod und der damit verbundenen Abwesenheit eines geliebten Elternteils umgeht, ist in „Onward“ letztendlich nebensächlich gegenüber einer Abenteuergeschichte, in der die Witze und die Abenteuer immer auf ein junges Publikum zielen. Immerhin gewinnt Ian Selbstvertrauen und auch Barley wird reifer.

Das ändert aber nichts daran, dass in diesem Pixar-Film eindeutig zu viel ‚Disney‘ steckt.

Onward: Keine halben Sachen (Onward, USA 2020)

Regie: Dan Scanlon

Drehbuch: Dan Scanlon, Jason Headley, Keith Bunin

mit (im Original den Stimmen von) Tom Holland, Chris Pratt, Julia Louis-Dreyfus, Octavia Spencer, Mel Rodriguez, Kyle Bornheimer, Tracey Ullman

Länge: 102 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Onward“

Metacritic über „Onward“

Rotten Tomatoes über „Onward“

Wikipedia über „Onward“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: Philosophieren und Kämpfen in „Ip Man 4: The Finale“

März 6, 2020

1964 ist der 1893 geborene Ip Man (bzw. Yip Man) wahrlich kein Jungspund mehr. In den vergangenen Jahrzehnten lehrte er die südchinesische Kampfkunst Wing Chun. Einer seiner Schüler ist Bruce Lee, der inzwischen in den USA lebt und eine erfolgreiche Kampfschule betreibt. Er unterrichtet auch nicht chinesische Schüler und trägt zur Popularisierung chinesischer Kampfkünste und des damit verbundenen Denkens im Westen bei.

Als, und hier verlassen wir das Feld der unbestreitbaren Fakten und betreten die Filmgeschichte, Ip Man von seinem Arzt erfährt, dass er unheilbar an Krebs erkrankt ist, und sich die Probleme mit seinem renitenten Ziehsohn Ching häufen, beschließt Ip Man in die USA zu reisen. In San Francisco will er, weil die amerikanischen Schulen gut sein sollen, für Ching einen Schulplatz finden. Außerdem will er seinen Schüler Bruce Lee besuchen. Der hat inzwischen seine Schulausbildung in den USA abgeschlossen und ein Trainingscenter eröffnet, in dem auch US-Amerikaner Wing Chun trainieren können. Die chinesische Exilgemeinde, vor allem Wan Zong Hua, der mächtige Vorsitzenden der Chinese Benevolent Association (die für den Schulbesuch in den USA die notwendigen Empfehlungsschreiben ausstellt), lehnt die von Bruce Lee getätigte Öffnung der chinesischen Kampfkunst für Nicht-Chinesen ab. Wan möchte, dass Kung Fu weiterhin nur von Chinesen ausgeübt wird und Ip Man soll mit Bruce Lee darüber reden. Ip Man hat dagegen nichts gegen eine weitere Verbreitung ihrer Kampfkunst.

Das ist nicht der einzige Konflikt, in den Ip Man hineingerät. US-Marine-Sergeant Hartmann, ein Schüler von Bruce Lee, möchte, dass Wing Chun in das Trainingsprogramm der Soldaten aufgenommen wird. Seine Vorgesetzten Barton Geddes und Colin Frater sind dagegen. Sie bevorzugen das martialische Karate.

Und so muss Ip Man, der schon optisch wie ein Mönch aussieht, zwischen den Fronten vermitteln.

Für „Ip Man 4: The Finale“ haben sich die Macher der vorherigen, sehr erfolgreichen „Ip Man“-Filme, die in den vergangenen Jahren sehr dazu beitrugen, das Denken, Wirken und Leben von Ip Man weltweit bekannt zu machen, wieder zusammengetan. Donnie Yen übernahm wieder die Hauptrolle. Wilson Yip wieder die Regie. Edmond Wong schrieb wieder das Drehbuch. Die Kampfchoreographie übernahm wieder Yuen Woo-Ping. Er war auch zuständig für die Action-Choreographie in Wong Kar-Wais Ip-Man-Film „The Grandmaster“ und in den „Matrix“- und „Kill Bill“-Filmen. Die Kämpfe überzeugen als realistische Kämpfe, die meisten auf dem begrenzten Raum eines Wettkampfplatzes ausgetragen werden.

Die Geschichte selbst behandelt ständig die Frage, welche Kultur überlegen ist (Die chinesische oder die amerikanische? Kung Fu oder Karate?) und wie man sich als Einwanderer verhalten soll. Assimilation, Integration oder in selbstgewählter Isolation verharren? Diese Fragen, Themen und Konflikte werden im Drehbuch und Film sehr deutlich herausgearbeitet. Ebenso deutlich wird die zeitlose Aktualität dieser Fragen herausgearbeitet. Immer wieder sind die im Film geäußerten Ansichten, je nachdem wer sie äußert, erschreckend oder auch erfreulich aktuell.

Ip Man 4: The Finale“ ist vor allem deshalb das Finale der Serie, weil die Macher jetzt aufhören wollen. An der Kinokasse ist ihr prächtig ausgestatteter Martial-Arts-Film schon jetzt erfolgreichste Film der Serie. Er ist auch ein würdevolles Ende der Serie.

Der echte Ip Man starb am 2. Dezember 1972 in Hongkong.

Ip Man 4: The Finale (葉問4:完結篇, Hongkong/China 2019)

Regie: Wilson Yip

Buch: Hiroshi Fukazawa, Edmond Wong

mit Donnie Yen, Scott Adkins, Chris Collins, Wu Yue, Danny Chan, Yanness Wu, Kent Cheng

Länge: 105 Minuten

FSK: ab 16 Jahre (hätte auch eine FSK 12 geben können)

Hinweise

Moviepilot über „Ip Man 4: The Finale“

Metacritic über „Ip Man 4: The Finale“

Rotten Tomatoes über „Ip Man 4: The Finale“

Wikipedia über „Ip Man 4: The Finale“ 


TV-Tipp für den 6. März: No Country for Old Men

März 5, 2020

Pro7, 23.25

No Country for Old Men (No Country for Old Men, USA 2007)

Regie: Ethan Coen, Joel Coen

Drehbuch: Ethan Coen, Joel Coen

LV: Cormac McCarthy: No Country for Old Men, 2005 (Kein Land für alte Männer)

Lewellyn Moss findet in der texanischen Wüste die Überreste eines gescheiterten Drogendeals: Leichen, Heroin und zwei Millionen Dollar. Er schnappt sich die Kohle und steht auf der Abschussliste eines gnadenlosen Killers.

Feine McCarthy-Verfilmung der Coen-Brüder, die, neben vielen anderen Preisen, auch den Oscar als bester Film des Jahres gewann und für den Edgar nominiert war (aber das war auch mit dem Gewinner “Michael Clayton”, “Tödliche Versprechen”, “Zodiac – Die Spur des Verbrechers” und “Die Regeln der Gewalt” ein starkes Jahr für Krimifreunde).

Mit Tommy Lee Jones, Javier Bardem, Josh Brolin, Woody Harrelson, Kelly Macdonald

Wiederholung: Sonntag, 8. März, 03.00 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Metacritic über “No Country for Old Men”

Rotten Tomatoes über “No Country for Old Men”

Wikipedia über “No Contry for Old Men” (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Bill Green/Ben Peskoe/Will Russell/Scott Shuffitts „Ich bin ein Lebowski, du bist ein Lebowski – Die ganze Welt des Big Lebowski“ (I’m a Lebowski, you’re a Lebowski, 2007)

Meine Besprechung des Coen-Films „Blood Simple – Director’s Cut“ (Blood Simple, USA 1984/2000)

Meine Besprechung von Michael Hoffmans “Gambit – Der Masterplan” (Gambit, USA 2012 – nach einem Drehbuch von Joel und Ethan Coen)

Meine Besprechung des Coen-Films “Inside Llewyn Davis” (Inside Llewyn Davis, USA/Frankreich  2013)

Meine Besprechung des Coen-Films „Hail, Caesar!“ (Hail, Caesar!, USA/Großbritannien 2016)

Die Coen-Brüder in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: Ein „Bloodshot“ für Vin Diesel

März 5, 2020

Im Presseheft steht, in „Bloodshot“ spiele Vin Diesel erstmals einen Superhelden. Das ist höchstens halb richtig. Einerseits weil Ray Garrison ein mittels Nanotechnologie optimierter Soldat ist und das klingt dann doch sehr nach Technikanwendung, andererseits weil der von ihm gespielte Hyper-James-Bond-Verschnitt xXx Xander Cage und der Einzelkämpfer Riddick, der in der Nacht sehen kann, schon ziemliche unkaputtbare Superhelden waren. Auch Kaulder in „The Last Witch Hunter“ (keine Lücke im Filmwissen, die geschlossen werden muss) war ziemlich superheldisch. Und Dom Toretto wird in den „Fast & Furious“-Filmen zunehmend zu einem unbesiegbarem Autofahrer. An der Kinokasse ist nur die „Fast & Furious“-Serie durchgehend erfolgreich.

Genau wie alle diese Filme soll „Bloodshot“ der Beginn eines neuen Franchise für Vin Diesel sein. Die Vorlage für den Actionthriller ist eine 1992 von Kevin VanHook, Don Perlin und Bob Layton begonnene Comicreihe über einen mittels Nanotechnologie zum unbesiegbaren Superhelden mutierten Soldaten, der herausfinden will, wer er wirklich ist. Denn sein Gedächtnis und damit auch seine Erinnerungen wurden und werden manipuliert.

Im Film wird erzählt, wie der Soldat Garrison von Martin Axe (Toby Kebbell) getötet wird. Davor ermordete der Psychopath Axe bereits Garrisons über alles geliebte Frau.

Kurz darauf erwacht Garrison in den oberen Stockwerken eines Wolkenkratzers in einem leicht futuristischem Labor der für das Militär forschenden Firma Rising Spirit Technologies (RST). RST-Chef Dr. Emil Harting (Guy Pearce) erklärt ihm, er sei jetzt mittels Nanotechnologie optimiert und praktisch unbesiegbar. Jedenfalls wenn es um Schuss- und Stichwunden geht. Mit Betäubungsmitteln kann er allerdings schnell außer Gefecht gesetzt werden. Oder man schaltet einfach, wie bei einem Computer, sein Gehirn ab. Dieses Feature verrät Harting Garrison selbstverständlich nicht.

Als Garrison näheres über die Umstände seines Todes erfährt, ist er nur von einem Gedanken besessen: er will sich an Axe rächen.

Das klingt doch nach einer guten Prämisse für ein ordentliches zweistündiges Actionspektakel. Dummerweise tötet Garrison Axe bereits nach einigen Minuten und wir erfahren, dass Harting das Gedächtnis von Garrison manipuliert. Ab jetzt ist die Story ein einziger Kladderadatsch von chaotisch motivierten Figuren, erzählerischen Lücken, Unlogik (zum Beispiel: Warum tut der Bösewicht das, was er tut, bei Garrison so und nicht anders? oder Warum helfen Garrison irgendwann bestimmte Figuren?) und billig inszenierter Action im schlecht kopierten wackeligen Jason-Bourne-Stil.

Schon lange vor dem Abspann sieht „Bloodshot“ wie ein weiteres geplantes Franchise aus, das dead on arrival ist.

Dabei hätte die Figur Bloodshot und die Idee, dass jemand das Gedächtnis des Protagonisten für seine Zwecke manipuliert, durchaus das Potential für einen zum Nachdenken anregenden Blockbuster. Man denke nur an Christopher Nolans „Inception“. Regiedebütant David S. F. Wilson kommt noch nicht einmal in die Nähe von Nolans Film.

Bloodshot (Bloodshot, USA 2020)

Regie: David S. F. Wilson

Drehbuch: Jeff Wadlow, Eric Heisserer (nach einer Geschichte von Jeff Wadlow)

LV: Comicfigur von Kevin VanHook, Don Perlin und Bob Layton

mit Vin Diesel, Eiza González, Sam Heughan, Toby Kebbell, Guy Pearce, Jóhannes Haukur Jóhannesson

Länge: 110 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Facebook-Seite zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Bloodshot“

Metacritic über „Bloodshot“

Rotten Tomatoes über „Bloodshot“

Wikipedia über „Bloodshot“ 


Neu im Kino/Buch- und Filmkritik: „Die Känguru-Chroniken“ transformieren ins Kino

März 5, 2020

Die erste Begegnung läuft im Film genauso undramatisch wie im Buch ab: ein Känguru klingelt und fragt Marc-Uwe Kling, ob er Eier für einen Eierkuchen habe. Kling, eigentlich Marc-Uwe, gibt sie ihm. Ohne sich über das sprechende Känguru zu wundern. Kurz darauf klingelt das Känguru wieder und fragt nach dem Salz. Marc-Uwe gibt es ihm. Nachdem das Känguru sich alle Zutaten für den Eierkuchen zusammengeschnorrt hat, fällt ihm auf, dass es keinen Herd hat.

Das ist der Beginn einer wundervollen Freundschaft. Im Buch war diese Begegnung schon vor über zehn Jahren. Den ersten Auftritt hatte das Känguru 2008 in dem wöchentlichen Podcast „Neues vom Känguru“ beim RBB-Radiosender „Fritz“. Seitdem schrieb Kling unzählige weitere Känguru-Geschichten, die er in bis heute vier Büchern veröffentlichte. Die Bücher wurden Bestseller. Die Hörbücher ebenso. Da war eine Verfilmung nur eine Frage der Zeit. Wobei die Känguru-Bücher sich gegen eine Verfilmung sperren. Sie bestehen aus kurzen, meist drei- bis vierseitigen Geschichten, die wenig bis überhaupt nicht miteinander verbundenen sind. Einige Figuren tauchen öfter auftauchen, ohne dass sie nennenswert an Tiefe gewinnen. Die Wirtin der Eckkneipe ist die Wirtin der Eckkneipe. Der tumbe Nazi der tumbe Nazi.

Für den Film musste daher eine Geschichte erfunden werden. Und die geht so: Kleinkünstler Marc-Uwe und das Känguru, das, philosophisch gebildet, Besitz ablehnt und sich daher schamlos am Eigentum anderer Menschen vergreift und durchschnorrt, leben gemütlich in Marc-Uwes Kreuzberger Altbauwohnung vor sich hin. Als der großkotzige Großinvestor Jörg Dwigs, gleichzeitig Vorsitzender der „Nationalkonservative Partei für Sicherheit und Verantwortung“ den Kiez durchsanieren und die Baugrube neben Marc-Uwes Haus mit einem edlen Schicki-Micki-Hochhaus zubauen will, ist Widerstand angesagt.

Neben diesem Hauptplot gibt es zahlreiche Episoden, die mehr oder weniger direkt auf bereits bekannten Känguru-Geschichten basieren. Dabei bediente Marc-Uwe Kling, der das Drehbuch schrieb, sich bei allen Känguru-Büchern. So hat Dwigs seinen ersten Auftritt erst im zweiten Känguru-Buch „Das Känguru-Manifest“.

Damit ist schon einmal klar, dass der Humor des Films dem der Vorlagen ähnelt. Diese sind klassische Lesebühnentexte, zu denen alle beifällig nicken können und sich niemand jemals überfordert fühlt. Es sind humorig-harmlose Schnurren. Niemand wird verletzt. Es wird auf konsensfähige Gegner eingeschlagen. Im Buch Nazis und Kapitalisten. Im Film eine AfD-ähnliche Partei und Kapitalisten. Es gibt Beobachtungen aus dem Großstadtleben, die ebenso konsensfähig sind. Eine satirische Zuspitzung oder auch eine Demaskierung des eigenen Milieus erfolgt nicht. Dafür sind die Geschichten durchgehend zu nett und zu oberflächlich. Marc-Uwe Kling will kein Max Goldt, Georg Schramm oder Wiglaf Droste sein.

Auch der Film überfordert niemals. Episodisch wird sich von einer Situation zur nächsten gehangelt. Der Kampf gegen das Bauprojekt bleibt eine erzählerische Krücke mit einem Ende, das sich in dem Moment vielleicht gut anfühlt, aber das Problem nicht löst. Es noch nicht einmal versucht. Dabei spricht der Kampf gegen Mietwucher, Großinvestoren und Gentrifizierung reale Berliner Probleme an, die auch die Probleme von allen Metropolen sind. In Berlin führte das zu einer Volksinitiative, die eine Enteignung von großen Wohnungsgesellschaften, wie Deutsche Wohnen, fordert, und einem Mietendeckel.

Die Anspielungen und Zitate auf und aus anderen Filmen – Ich sage nur, ergänzend zu den schon im Trailer gezeigten Anspielungen, Bud Spencer, „Pulp Fiction“ (die goldene Uhr), „The Big Lebowski“ (der Teppich) – sind überdeutlich und peinlich schlecht zitiert. Der Rest spielt sich in der Kreuzberger Wohlfühlzone der saturierten Kapitalismuskritik und des Verkloppens bierbäuchiger und sehr dummer Nazis ab.

Von Regisseur Dani Levy hätte ich mehr als diesen rundum harmlos-gefälligen Klamauk erwartet.

Fans der Känguru-Geschichten werden sich allerdings genau darüber freuen.

Die Känguru-Chroniken (Deutschland 2020)

Regie: Dani Levy

Drehbuch: Marc-Uwe Kling

LV: Marc-Uwe Kling: Die Känguru-Chroniken, 2009 (naja, eigentlich eher „lose inspiriert“)

mit Dimitrij Schaad, Rosalie Thomass, Adnan Maral, Tim Seyfi,Carmen-Maja Antoni, Bettina Lamprecht, Henry Hübchen, Oscar Strohecker, Volker Zack, Paulus Manker

Länge: 92 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

Lesehinweis

 

Wer tiefer in die Welt von Marc-Uwe Kling und seinem Mitbewohner einsteigen will, kann zwischen zwei neuen Ausgaben ihrer Abenteuer wählen. Für den schmalen Geldbeutel erschien der erste Band der Känguru-Geschichten im Filmcover. Der Rest entspricht den früheren Ausgaben.

Als Ostergeschenk eignet sich der Sammelband „Die Känguru-Tetralogie“, der alle bislang erschienenen Känguru-Bücher in einem schicken Schuber enthält. Die Bücher haben einen festen Einband. Ansonsten unterscheiden sie sich nicht von früheren Ausgaben.

Marc-Uwe Kling: Die Känguru-Chroniken

Ullstein, 2020 (mit Filmcover)

272 Seiten

10,99 Euro

Marc-Uwe Kling: Die Känguru-Tetralogie (Die Känguru-Werke)

Ullstein, 2020

1184 Seiten

36 Euro

enthält

Die Känguru-Chroniken, 2009

Das Känguru-Manifest, 2011

Die Känguru-Offenbarung, 2014

Die Känguru-Apokryphen, 2018

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Die Känguru-Chroniken“

Moviepilot über „Die Känguru-Chroniken“

Wikipedia über „Die Känguru-Chroniken“

Homepage von Marc-Uwe Kling

Meine Besprechung von Dani Levys „Die Welt der Wunderlichs“ (Deutschland/Schweiz 2016)


TV-Tipp für den 5. März: James Bond 007 jagt Dr. No

März 5, 2020

Bereits um 20.15 Uhr zeigt Vox den Daniel-Craig-Bond „Ein Quantum Trost“, aber „Dr. No“ ist der viel bessere Bond

Vox, 22.25

JAMES BOND: 007 jagt Dr. No (Dr. No, Großbritannien 1962)

Regie: Terence Young

Drehbuch: Richard Maibaum, Johanna Harwood, Berkely Mather

LV: Ian Fleming: Dr. No, 1958 (007 James Bond jagt Dr. No)

Auf Jamaica soll James Bond herausfinden, wer zwei Mitarbeiter des Secret Service umbrachte. Er stößt schnell auf Dr. No.

Der allererste Bond, mit Sean Connery, Ursula „Bikini“ Andress, Joseph Wiseman – damals noch nah am Buch und ziemlich hart. „Dr. No“ ist nicht nur aus nostalgischen Gründen sehenswert.

Hinweise

Rottn Tomatoes über „James Bond: 007 jagt Dr. No“

Wikipedia über „James Bond: 007 jagt Dr. No“ (deutsch, englisch)

Homepage von Ian Fleming

Meine Besprechung von Ian Flemings ersten drei James-Bond-Romane “Casino Royale”, “Leben und sterben lassen” und “Moonraker”

Meine Besprechung von John Gardners “James Bond – Kernschmelze” (James Bond – Licence Renewed, 1981; alter deutscher Titel “Countdown für die Ewigkeit”)

Meine Besprechung von John Gardners „James Bond – Der Mann von Barbarossa“ (James Bond – The Man from Barbarossa, 1991)

Meine Besprechung von Sebastian Faulks’ James-Bond-Roman „Der Tod ist nur der Anfang“ (Devil may care, 2008)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers James-Bond-Roman “Carte Blanche” (Carte Blanche, 2011)

Meine Besprechung von William Boyds James-Bond-Roman “Solo” (Solo, 2013)

Meine Besprechung von Anthony Horowitz’ “James Bond: Trigger Mortis – Der Finger Gottes” (James Bond: Trigger Mortis, 2015)

Meine Besprechung von Anthony Horowitz‘ „James Bond – Ewig und ein Tag“ (James Bond – Forever and a day, 2018)

Meine Besprechung der TV-Miniserie „Fleming – Der Mann, der Bond wurde“ (Fleming, Großbritannien 2014)

Meine Besprechung von Sam Mendes’ James-Bond-Films „Skyfall“ (Skyfall, GB/USA 2012)

Meine Besprechung von Sam Mendes’ James-Bond-Film “Spectre” (Spectre, USA/GB 2015)

James Bond in der Kriminalakte

Ian Fleming in der Kriminalakte


Kurzmeldung: „James Bond: Keine Zeit zu Sterben“ hat einen neuen Starttermin: ab dem 12. November 2020 in deutschen Kinos

März 5, 2020

https://www.youtube.com/watch?v=QNt-fhLgq6c

Der 25. James-Bond-Film „Keine Zeit zu Sterben“ (No Time to Die) wird nicht, wie geplant, Anfang April, sondern erst im November, wahrscheinlich Mitte November, in unseren Kinos anlaufen. Damit ist der Bond-Film der erste Blockbuster, der wegen des Coronavirus seinen Starttermin verschiebt.

Nachtrag (einige Stunden später): der deutsche Kinostart ist am 12. November.

Der Titelsong

Ein brandneues Interview mit Daniel Craig über den neuen Bond-Film (soweit er schon über den Inhalt reden darf)


TV-Tipp für den 4. März: Eine Sommerliebe

März 3, 2020

Arte, 20.15

La belle saison – Eine Sommerliebe (La belle saison, Frankreich/Belgien 2015)

Regie: Catherine Corsini

Drehbuch: Catherine Corsini, Laurette Polmanss

1971 trifft die 23-jährige Delphine in Paris die Aktivistin Carole. Sie verlieben sich ineinander. Aber dann muss Delphine zurück auf den Hof ihrer Eltern. Carole folgt ihr in eine für sie vollkommen fremde Welt.

Wunderschöne, politisch grundierte Sommerromanze, die auch viel über die frühen Siebziger Jahre in Frankreich erzählt

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Cécile de France, Izïa Higelin, Noémi Lvovsky, Kévin Azais, Laetitia Dosch, Benjamin Bellecour

Wiederholung: Montag, 9. März, 01.05 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Moviepilot über „La belle saison“

Rotten Tomatoes über „La belle saison“

Wikipedia über „La belle saison“ (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von Catherine Orsinis „La belle saison – Eine Sommerliebe“ (La belle saison, Frankreich/Belgien 2015) und der Blu-ray


Cover der Woche

März 3, 2020


TV-Tipp für den 3. März: Dead Man Walking – Sein letzter Gang

März 2, 2020

Nitro, 00.35

Dead Man Walking – Sein letzter Gang (Dead Man Walking, USA 1995)

Regie: Tim Robbins

Drehbuch: Tim Robbins

LV: Sister Helen Prejean: Dead Man Walking, 1993 (Dead Man Walking – Sein letzter Gang)

Die Nonne Helen Prejean lernt den Verbrecher Matthew Poncelet, der in der Todeszelle sitzt, kennen. Eine Freundschaft entwickelt sich, die mit seinem Tod endet.

Starkes, auf Tatsachen basierendes Drama über die Todesstrafe und das US-amerikanische Justizsystem. Susan Sarandan erhielt für ihre Darstellung einen Oscar.

„Der Regie und den Hauptdarstellern ist es gelungen, einen aufwühlenden Film über die Todesstrafe zu machen, ohne in ein Rührstück zu verfallen (…) ein in jeder Hinsicht anspruchs- und gehaltvolles Werk.“ (Fischer Film Almanach 1997)

mit Susan Sarandon, Sean Penn, Robert Prosky, Ramond J. Barry, R. Lee Ermey

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Dead Man Walking“

Wikipedia über „Dead Man Walking“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino (mit begleitender Drei-Städte-Kinotour)/Filmkritik: „Für Sama“, meine im Bürgerkrieg in Aleppo geborene Tochter

März 2, 2020

Den Oscar als bester Dokumentarfilm erhielt „Für Sama“ nicht. Der ging an den publikumsfreundlicheren Film „American Factory“, Während in „American Factory“ erzählt wird, wie ein chinesischer Milliardär in Ohio eine Fabrik eröffnet und amerikanische und chinesische Arbeitskultur aufeinanderprallen, erzählt Waad al-Kateab was vor und nach der Geburt ihrer Tochter geschah. Sama kam am 1. Januar 2016 in Aleppo zur Welt – und Aleppo war damals ungefähr der letzte Ort, an dem man ein Kind groß ziehen mochte.

Die inzwischen mit ihren beiden Töchtern und ihrem Mann in London lebende, bei Channel 4 arbeitende Waad al-Kateab dokumentiert in ihrem mit zahlreichen Preisen ausgezeichnetem und mit Kritikerlob überhäuftem Film „Für Sama“ ihr damaliges Leben in einer belagerten Stadt. Technisch ist das nicht unbedingt High-End und nicht immer hundertprozentig professionell aufgenommen. Aber das erwartet auch niemand ernsthaft.

Dafür haben die über fünf Jahre entstandenen Bilder vom täglichen Überlebenskampf in einer belagerten Stadt, die ständig bombardiert wird, während die Überlebenden versuchen, ihren Alltag zu organisieren, eine unmittelbare Kraft und auch Schrecken. Es ist ein Leben im Ausnahmezustand, mit dem sie sich arrangieren und versuchen, ein normales Leben zu führen. Dazu gehört, dass Kinder in Bombenkratern planschen, sich am Schnee erfreuen und in einem ausgebrannten Wrack eines Busses ‚Bus fahren‘ spielen. Die Erwachsenen versuchen, Hochzeiten zu feiern und Wohnungen so einzurichten, dass sie zugleich wohnlich sind und einen Schutz gegen Bomben bieten.

Ihren Mann Hamza lernt Waad während ihres Studiums kennen. Sie kommt 2009 aus der Provinz nach Aleppo, um dort Marketing zu studieren. Als 2011 der Bürgerkrieg beginnt, wird die 21-jährige schnell zu einem Teil der studentischen Protestbewegung. Wie viele andere Syrer dokumentiert sie ihren Alltag, ihre Aktionen und die Reaktionen der Regierung darauf. Zuerst mit ihrer Handykamera. Später mit einer richtigen Kamera und dann auch für Channel 4 News als Bürgerjournalistin. Ihre Aufnahmen sind Botschaften an die Nachwelt und an die restliche Welt. Hamza ist angehender Arzt und Teil der Widerstandsbewegung gegen den syrischen Diktator Baschar al-Assad.

Von Juli 2012 bis Dezember 2016 wurde Aleppo über vier Jahre von der syrischen und später auch russischen Armee bombardiert. In dieser Zeit heiratet Waad Hamza und sie wird schwanger. Während der Bombardierungen baut Hamza mit anderen Protestlern ein Krankenhaus auf, das schnell das einzige Krankenhaus in Aleppo ist. Unter in jeder Beziehung grauenerregenden Bedingungen helfen er und zahlreiche weitere Helfer Verletzten. Waad zeigt das immer wieder in schmerzhaft langen Sequenzen, wenn das Blut der Verletzten sich wie in einem Splatter-Film über die Gänge verteilt oder Hamza minutenlang versucht, einem Baby ein erstes Lebenszeichen zu entlocken. Mitten in diesem Kriegsgebiet versuchen Waad und Hamza, soweit das unter diesen Bedingungen überhaupt möglich ist, Sama eine normale Kindheit zu geben. Bis auch sie es nicht mehr in Aleppo aushalten.

Waad al-Kateabs aus hunderten Stunden Aufnahmen entstandener Film besticht durch seine ungefilterten Bilder, in denen immer die Menschen im Mittelpunkt stehen. Sie zeigt die Auswirkungen der Taten von Soldaten auf Zivilisten. „Für Sama“ ist ein beeindruckender, wichtiger und deprimierend zeitloser Film entstanden, dessen Bilder einen noch lange verfolgen.

Für Sama (For Sama, Großbritannien 2019)

Regie: Waad al-Kateab, Edward Watts

Drehbuch: Waad al-Kateab

mit Waad al-Kateab, Hamza al-Khateab, Sama al-Khateab

Länge: 104 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Zum Kinostart stellt Waad al-Kateab ihren Film vor:

in Hamburg am Dienstag, den 3. März, um 20.00 Uhr im Abaton,

in Berlin am Mittwoch, den 4. März, um 20.00 Uhr im Delphi Filmpalast und

in München am Donnerstag, den 5. März, um 20.00 Uhr in den City Kinos.

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Für Sama“

Metacritic über „Für Sama“

Rotten Tomatoes über „Für Sama“

Wikipedia über „Für Sama“ (deutsch, englisch

Frontline Club: Q&A mit Waad al-Kateab, Ben de Pear und Nevine Mabro (beide Executive Producer) über den Film

Q&A beim Sheffield Doc/Fest mit Edward Watts und der Familie al-Kateab

Channel 4: Waad und Hamza al-Kateab sprechen über den Film und ihre Erlebnisse


Die Krimibestenliste März 2020

März 2, 2020

Folgende Kriminalromane sind nach Ansicht der von der Frankfurter Allgemeine und Deutschlandfunk Kultur präsentieren Krimibestenliste im Moment besonders lesenswert:

1. Jan Costin Wagner – Sommer bei Nacht (Platzierung im Vormonat: /)

Galiani, 314 Seiten, 20 Euro.

2. Attica Locke – Heaven, My Home (Platzierung im Vormonat: 2)

Aus dem Englischen von Susanna Mende.Polar, 322 Seiten, 22 Euro.

3. David Longo – Die jungen Bestien (Platzierung im Vormonat: /)

Aus dem Italienischen von Barbara Kleiner. Rowohlt, 412 Seiten, 22 Euro.

4. Nicci French – Was sie nicht wusste (Platzierung im Vormonat: 3)

Aus dem Englischen von Birgit Moosmüller. C. Bertelsmann, 446 Seiten, 16 Euro.

5. Liz Moore – Long Bright River (Platzierung im Vormonat: 10)

Aus dem Englischen von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann. C.H. Beck, 414 Seiten, 24 Euro.

6. Frank Göhre – Verdammte Liebe Amsterdam (Platzierung im Vormonat: /)

Culturbooks, 158 Seiten, 15 Euro.

7. Xavier-Marie Bonnot – Der erste Mensch (Platzierung im Vormonat: /)

Aus dem Französischen von Gerhard Meier. Unionsverlag, 348 Seiten, 19 Euro.

8. Robert E. Dunn – Dead Man’s Badge (Platzierung im Vormonat: 6)

Aus dem Englischen von Philipp Seedorf. Luzifer, 356 Seiten, 14,95 Euro.

9. Sarah Schulman – Trüb (Platzierung im Vormonat: 1)

Aus dem Englischen von Else Laudan. Ariadne im Argument-Verlag, 270 Seiten, 20 Euro.

10. Richard Lorenz – Hinter den Gesichtern (Platzierung im Vormonat: /)

Luzifer, 294 Seiten, 13,95 Euro.

Frank Göhre wird demnächst abgefeiert. Versprochen. Und der neue Roman von Horst Eckert. „Im Namen der Lüge“ erscheint am 9. März 2020 bei Heyne und es soll der Auftakt einer neuen Serie sein. Hauptfigur Melia Khalid, deutsche Verfassungsschützerin mit somalischen Wurzeln, ist einem den Staat bedrohendem Komplott auf der Spur und ihre Vorgesetzten haben kein Interesse an der Wahrheit. Das dürfte gewohnt spannend werden und, wieder einmal, nicht in der Krimibestenliste empfohlen werden.

Zuletzt war ich, verfilmungsbedingt, mit Hermann Hesse und dem Känguru beschäftigt.


TV-Tipp für den 2. März: What happened to Monday?

März 1, 2020

ZDF, 22.15

What happened to Monday? (What happened to Monday?, Großbritannien 2017)

Regie: Tommy Wirkola

Drehbuch: Max Botkin, Kerry Williamson

Um den drohenden globalen Kollaps abzuwenden, verfolgt die Regierung eine radikale, kompromisslos durchgesetzte Ein-Kind-Politik. Als Terrence Settman zufällig Vater von Siebenlingen wird, fasst er einen genialen Plan. Er erzieht sein Töchter und an jedem Wochentag darf eine andere Karen Settman die Wohnung verlassen. Das geht solange gut, bis eines Tages ‚Montag‘ verschwindet und damit das Leben ihrer Schwestern gefährdet.

TV-Premiere. Kein großartiger, aber ein großartig unterhaltsamer Science-Fiction-Thriller, erzählt mit mehr als einem Augenzwinkern und einer Noomi Rapace, die Montag, Dienstag, Mittwoch und die anderen Schwestern grandios spielt.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Noomi Rapace, Glenn Close, Willem Dafoe, Marwan Kenzari, Chrstian Rubeck, Pal Sverre Hagen, Clara Read

Wiederholung: Mittwoch, 4. März, 01.10 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „What happened to Monday?“

Metacritic über „What happened to Monday?“

Rotten Tomatoes über „What happened to Monday?“

Wikipedia über „What happened to Monday?“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Tommy Wirkolas „Hänsel und Gretel: Hexenjäger“ (Hansel and Gretel: Witch Hunters, USA/Deutschland 2012)

Meine Besprechung von Tommy Wirkolas „What happened to Monday?“ (What happened to Monday?, Großbritannien 2017)