Neu im Kino/Filmkritik: Über Magnus von Horns „Das Mädchen mit der Nadel“

Januar 12, 2025

Uh, das ist jetzt für eine Besprechung, die nicht zu viel verrät und die auch nicht vollkommen in die Irre führt, ein schwieriger Film. Der Trailer verrät kaum etwas, die Synopse und der Hinweis auf den wahren Fall Overby führen eher in die Irre. Ja, es geht auch um Dagmar Overby. Die in Kopenhagen lebende Frau tötete zwischen 1916 und 1920 nach eigenen Angaben sechzehn uneheliche Babys und Kleinkindern. Es wird angenommen, dass sie mindestens 25 Kinder ermordete. Ihr Leben und ihre Taten könnten die Grundlage für ein spannendes Drama sein.
Aber diese Geschichte erzählt Magnus von Horn in seinem Film nicht. „Das Mädchen mit der Nadel“ ist nur lose vom Fall Overby inspiriert.
Im Zentrum der nach dem Ersten Weltkrieg spielenden Geschichte steht Karoline. Sie ist eine junge Frau, deren Mann in den Krieg zog und der seitdem spurlos verschwunden ist. Weil die Regierung sich weigert, seinen Tod anzuerkennen, ist Karoline keine Kriegswitwe, sondern nur eine in bitterster Armut lebende Frau, die in einer Fabrik als Näherin schuften muss. Dort lernt sie den Sohn des Frabrikbesitzers kennen. Sie verlieben sich, aber die Verhältnisse sind nicht so, dass seine Eltern Dagmar akzeptieren.
Als sie von ihm geschwängert wird, überlegt sie verzweifelt, was sie tun kann. Da bietet ihr eine fremde, vertrauenswürdig auftretende Frau an, ihr Baby an eine Familie zu vermitteln. Dagmar sagt, sie habe das schon öfter getan.
Die Geschichte bewegt sich zwischen Kitsch, Märchen und Kolportage. Aber dank der an expressionistische Stummfilme und die Filme von Aki Kaurismäki erinnernden Inszenierung auf hohem Niveau. Außerdem handelt es sich um ein düsteres Märchen.
In der zweiten Hälfte, wenn Karoline Dagmar begegnet, verliert der Film dann seinen klaren erzählerischen Fokus auf Karolines Beziehung zu ihrem Geliebten und ihrem Mann. Plötzlich steht die Beziehung zwischen den beiden Frauen im Mittelpunkt. Dass Dagmar eine Mörderin ist, ist in dem Moment noch unklar. Erst am Ende wird das Ausmaß von Dagmars Taten enthüllt.
Wahrscheinlich hätte mir der Film besser gefallen, wenn ich nicht, den Brotkrumen der Werbung folgend, ein Arthaus-Drama über eine Serienmörderin, sondern ein sozialkritisches Drama mit Kaurismäki-Touch (aber ohne seinen lakonischen Humor) über eine junge, vom Schicksal gebeutelte Frau erwartet hätte.
Seine Premiere hatte der SW-Film „Das Mädchen mit der Nadel“ 2024 in Cannes im Wettbewerb. Im Moment steht der Film auf der Oscar-Shortlist für den besten internationalen Film.

 

Das Mädchen mit der Nadel (Pigen med nålen, Dänemark/Polen 2024)

Regie: Magnus von Horn

Drehbuch: Magnus von Horn, Line Langebek Knudsen

mit Vic Carmen Sonne, Trine Dyrholm, Besir Zeciri, Tessa Hoder, Ava Knox Martin, Joachim Fjelstrup, Ari Alexander

Länge: 123 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Internationaler Titel: The Girl with the Needle

Ab dem 24. Januar auf Mubi.

Hinweise

Homepage zum Film

Moviepilot über „Das Mädchen mit der Nadel“

Metacritic über „Das Mädchen mit der Nadel“

Rotten Tomatoes über „Das Mädchen mit der Nadel“

Wikipedia über „Das Mädchen mit der Nadel“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 12. Januar: Basic Instinct

Januar 11, 2025

Arte, 22.00

Basic Instinct (Basic Instinct, USA 1992)

Regie: Paul Verhoeven

Drehbuch: Joe Eszterhas

San Francisco: Detective Nick Curran (Michael Douglas) soll den Mord an einem ehemaligen Rockmusiker aufklären. Die Hauptverdächtige ist Catherine Tramell (Sharon Stone), Bestsellerautorin von blutigen Sensationsthrillern. Während seiner Ermittlungen verliebt Curran sich in sie.

Der Plot ist 08/15-Noir-Ware. Aber wie Paul Verhoeven das inszeniert und wie er dabei im Rahmen eines Mainstream-Thrillers auf die Skandal- und Sensationslust des notorisch prüden US-amerikanischen Publikums spekuliert, ist große Kunst.

Damals war der Erotikthriller vor allem in den USA ein heftig umstrittener Kinohit und der Beginn einer Welle zahlreicher, bis auf wenige Ausnahmen, schlechterer Erotikthriller.

Heute ist „Basic Instinct“ ein Klassiker.

Anschließend, um 00.05 Uhr zeigt Arte die brandneue, 55-minütige Doku „Sharon Stone – Überlebensinstinkt im Showbiz“.

Mit Michael Douglas, Sharon Stone, George Dzundza, Denis Arndt, Jeanne Tripplehorn

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Basic Instinct“

Wikipedia über „Basic Instinct“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Paul Verhoevens „Flesh + Blood“ (Flesh + Blood, USA 1985)

Meine Besprechung von Paul Verhoevens Philippe-Djian-Verfilmung „Elle“ (Elle, Frankreich/Deutschland/Belgien 2016) und der DVD

Meine Besprechung von Paul Verhoevens „Benedetta“ (Benedetta, Frankreich 2021) und der DVD


Die Krimibestenliste Januar 2025

Januar 11, 2025

Die Weihnachtsbücher sind schon ausgelesen (oder bereits für den Sommerurlaub verstaut)? Neuer Lesestoff wird dringend gesucht? Nun, die monatliche Krimibestenliste, präsentiert von Deutschlandfunk Kultur, hat da zehn Vorschläge:

1 (–) Sebastian Barry: Jenseits aller Zeit

Aus dem Englischen von Hans-Christian Oeser

Steidl, 278 Seiten, 28 Euro

2 (3) Una Mannion: Sag mir, was ich bin

Aus dem Englischen von Tanja Handels

Steidl, 375 Seiten, 28 Euro

3 (2) Katniss Hsiao: Das Parfüm des Todes

Aus dem Chinesischen von Karin Betz

Suhrkamp, 484 Seiten, 20 Euro

4 (1) Pascal Garnier: Zu nah am Abgrund

Aus dem Französischen von Felix Mayer

Septime, 144 Seiten, 20 Euro

5 (4) Gaea Schoeters: Trophäe

Aus dem Niederländischen von Lisa Mensing

Zsolnay, 255 Seiten, 24 Euro

6 (–) Doug Johnstone: Einbalsamiert

Aus dem Englischen von Jürgen Bürger

Polar, 397 Seiten, 26 Euro

7 (5) Tim O’Brien: America Fantastica

Aus dem Englischen von Gregor Hens

HarperCollins, 527 Seiten, 24 Euro

8 (–) Rob Hart: Assassins Anonymous

Aus dem Englischen von Barbara Röhl

Lübbe, 333 Seiten, 12,90 Euro

9 (–) Femi Kayode: Gaslight

Aus dem Englischen von Andreas Jäger

btb, 448 Seiten, 16 Euro

10 (–) Jessica Knoll: Bright Young Women:

Aus dem Englischen von Jasmin Humburg

Eichborn, 461 Seiten, 18 Euro

In ( ) ist die Platzierung vom Vormonat.


TV-Tipp für den 11. Januar: The Social Network

Januar 10, 2025

ZDFneo, 20.15

The Social Network (The Social Network, USA 2010)

Regie: David Fincher

Drehbuch: Aaron Sorkin

LV: Ben Mezrich: The Accidental Billionaires, 2009 (Milliardär per Zufall: Die Gründung von Facebook – Eine Geschichte über Sex, Geld, Freundschaft und Betrug)

Fincher und Sorkin (The West Wing, The Newsroom), der für sein Drehbuch einen Oscar erhielt, erzählen die Geschichte von Facebook und Mark Zuckerberg.

Rasantes dialoglastiges Drama, bei dem jeder Satz trifft und einige junge Schauspieler ihr Können zeigen können.

Mit Jesse Eisenberg, Andrew Garfield, Justin Timberlake, Rooney Mara, John Getz, Armie Hammer

Hinweise

Das Drehbuch von Aaron Sorkin

Rotten Tomatoes über „The Social Network“

Wikipedia über „The Social Network“ (deutsch, englisch)

Chasing the Frog vergleicht die Fiktion mit den Fakten

Meine Besprechung von David Finchers “Verblendung” (The Girl with the Dragon Tattoo, USA 2011)

Meine Besprechung von David Finchers „Gone Girl – Das perfekte Opfer“ (Gone Girl, USA 2014)

David Fincher in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Ben Mezrichs „21“ (Bringing down the House, 2002)


Neu im Kino/Filmkritik: „Putin“, gesehen durch die Augen von Patryk Vega

Januar 10, 2025

Dass Patryk Vegas „Putin“ kein gewöhnliches Biopic über den russischen Präsidenten wird, wird auch den Menschen, die Vegas vorherige Filme nicht kennen, bereits in den ersten Minuten klar. 2026, also in der nahen Zukunft, informiert ein General den im Krankenhaus liegenden Wladimir Putin über den aktuellen Zustand der Welt. Währenddessen wechselt eine Krankenschwester Putins Windel, verabreicht ihm eine Spritze und gemeinsam heben sie ihn vom Boden ins Bett. Machtloser und in einem entwürdigenderem Zustand sah man selten einen politischen Führer, einen Diktator, dessen Image auf einem Bild hyperpotenter, strotzender Männlichkeit beruht.

Danach springt Vega zurück in Putins Kindheit und es geht in den folgenden knapp zwei Stunden halbwegs chronologisch durch Putins Leben. Dabei interssiert Vega sich nicht für eine realisisch-naturalistisch, sklavisch an den Fakten entlang erzählten Geschichte. Wer das will, ist mit dem Wikipedia-Artikel oder einer TV-Reportage besser bedient.

Vega geht es um die Demontage von Putin, der sich als starken Führer sieht und inszeniert. Vega zeigt ihn – und dieses Porträt wirkt in Osteuropa sicher provozierender als hier im Westen – als einen kleinen Wicht, der von allen geschlagen und herumgestoßen wird. Er leidet an Minderwertigkeitskomplexen und ist impotent. Während die anderen nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion Orgien feiern, steht er daneben. Alle außer ihm haben Sex. Und er wird immer von zwei nur für ihn sichtbaren Dämonen aus seiner Kindheit begleitet. Es sind ein Halbstarker, der ihn damals, als er als Kind in Moskau ankam, verprügelte, und eine hypersexualisierte, Uniform tragende Dämonin. Sie flüstern ihm ein, was er tun soll.

Inszeniert hat Vega seinen neuen Film als eine mit Farbfiltern zugeschüttete Dystopie und nur halb überzeugende CGI-Leistungsschau. Für ein C-Picture sind die Spezialeffekte okay, für einen Hollywood-Blockbuster erbärmlich schlecht. Vegas computerbearbeitete Bilder sind meilenweit von der Qualität der in „Better Man – Die Robbie Williams Story“, den „Planet der Affen“-Filmen, Disneys aktuellen fotorealistischen Neuverfilmungen von Disney-Klassikern und auch den beiden „Avatar“-Spielfilmen gezeigten Bildern entfernt. Interessant ist seine Idee, Putin nicht von einem ihm ähnlich sehendem Schauspieler spielen zu lassen, sondern Putins Gesicht mit der Hilfe von KI-Programmen auf das Gesicht eines Schauspielers zu kopieren. In einigen Momenten sieht das beängstigend echt aus. Aber meistens sieht es in jeder Beziehung unnatürlich und amateurhaft aus. Vor allem wenn Putin spricht. Deshalb redet er wenig und ist selten im Bild.

Die teils Putins Biographie folgende, teils frei erfundene Story bekommt Vega dabei nie vollständig in den Griff. Von dem Film existieren inzwischen mehrere unterschiedlich lange Fassungen. Ich konnte eine zweieinhalbstündige und die jetzige, etwa eine halbe Stunde kürzere und deutlich gelungenere Kinofassung sehen. Gelungener ist allerdings noch lange nicht gut. Beide Fassungen sind schlecht. Beide Male zerfasert die Geschichte. Beide Male gibt es keine weitergehende Analyse von Putins Leben. Es gibt nur das Bild eines kleinen Mannes, der gerne ein großer Führer wäre, es aber nicht ist. Das ist für einen Spielfilm, der zwischen missglückter Satire, Küchenpsychologie, verklemmten Orgien, Gewaltausbrüchen und Bildern von Kriegsgebieten ziellos schwankt, zu wenig.

Die knapp zweistündige Kinofassung erzählt vor allem am Anfang zügig und satirisch zugespitzt Putins Geschichte. Später wird es sprunghafter und kryptischer. Gegen Ende, wenn er der Präsident von Russland ist, ist die Satire nur noch eine wild fantasierte, episodische, höchstens für Putin-Kenner verstehbare Abfolge von Maßnahmen gegen Terroranschläge, von ihm in Auftrag gegebenen Anschlägen, Ermordungen von Feinden, über die wir gerade ihren Namen erfahren, und Kriegen an austauschbaren Orten mit vollkommen rätselhaften Kriegszielen. Durchgängig springt Vega wild in der Chronologie hin und her.

Die in Tschernobyl unter aussätzigen Verbrechern spielenden Szenen haben zwar nichts mit Putins Biographie zu tun, aber sie sind immerhin visuell überzeugend.

Bei Vega ist der Diktator nicht nackt, sondern er hat gerade sein Geschäft in seine Windel gemacht. Das ist nicht subtil, sondern rmaximal demütigend für den Porträtierten und Vega nimmt sich viel Zeit, diese Botschaft so laut herauszubrüllen, dass auch wirklich jeder im Kinosaal die Botschaft versteht.

Für uns ist die misslungene Satire „Putin“ ein verzichtbarer, sich im Uwe-Boll-Terrotorium bewegendes Werk, dessen Provokationspotential bei uns gegen Null tendiert.

Putin (Putin, Polen 2024)

Regie: Patryk Vega

Drehbuch: Patryk Vega

mit Slawomir Sobala,Tomasz Dedek, Justyna Karlowska, Thomas Kretschman, Maksymilian Zielinski

Länge: 109 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Putin“

Rotten Tomatoes über „Putin“

Wikipedia über „Putin“

Meine Besprechung von Patryk Vegas „Bad Boy“ (Bad Boy, Polen 2020)

Meine Besprechung von Patryk Vegas „Small World (Small World, Polen 2021)

Meine Besprechung von Patryk Vegas „Pitbull – Exodus“ (Pitbull, Polen 2021) 

Meine Besprechung von Patryk Vegas „Love, Sex and Pandemic“ (Milosc, seks & pandemia, Polen 2022)

Meine Besprechung von Patryk Vegas „Niewidzialna Wojna – The invisible war“ (Niewidzialna Wojna, Polen 2022)


TV-Tipp für den 10. Januar: Supermarkt

Januar 9, 2025

BR, 00.25

Supermarkt (Deutschland 1974)

Regie: Roland Klick

Drehbuch: Roland Klick, Georg Althammer (Mitarbeit), Jane Sperr (Mitarbeit)

Der 18-jährige Willi driftet durch Hamburg. Um die Hure Monika zu retten, will er den Geldtransporter eines Supermarkts zu überfallen.

Ein deutscher Gangsterfilm, der damals von der Kritik gelobt und vom Publikum ignoriert wurde. Heute ein Kultfilm und Klassiker des deutschen Film.

„Fest steht dass Klick hier unbewusst einige wichtige Komponenten des Neuen Deutschen Films vorweggenommen hat: Jugendkriminalität, die Großstadt als Dschungel und die Entstehung von Gewalt im thematischen Bereich, glaubhafter Realismus und geradliniges Erzählkino im formalen.“ (Robert Fischer/Joe Hembus: Der Neue Deutsche Film 1960 – 1980, 1981)

Als ich den Film das erste Mal sah, war ich begeistert, denn „Supermarkt“ war originäres Kino, das bis auf die Drehorte nichts mit anderen deutschen Filmen gemein hatte.

Der Titelsong „Celebration“ wird von Marius Müller-Westernhagen als Marius West gesungen; die Musik ist von Udo Lindenberg. Und Jost Vacano (Das Boot, Robocop, Total Recall) war der Kameramann.

mit Charly Wierczejewski, Eva Mattes, Michael Degen, Walter Kohut, Witta Pohl, Alfred Edel

Hinweise

Homepage von Roland Klick

Wikipedia über Roland Klick und „Supermarkt“

Filmzentrale: Andreas Thomas über „Supermarkt“


Neu im Kino/Filmkritik: „September 5“, 1972: Geiselnahme bei den Olympischen Spielen in München – und das Fernsehen ist live dabei

Januar 9, 2025

Es ist höchstens eine Fußnote der damaligen Ereignisse, aber für die Mediengeschichte ist es ein markanter Punkt. 1972 wurden die Olympischen Spiele auch im Fernsehen übertragen. Live und weltweit. Es sollten friedliche Spiele werden, die, keine dreißig Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, ein positives Bild von Deutschland zeigen sollten. Diese Imagepflege scheiterte als acht Mitglieder der palästinensischen Terrororganisation „Schwarzer September“ im Olympischen Dorf elf israelische Sportler und ihre Betreuer als Geisel nahmen. Zwei von ihnen wurden von den Terroristen in den ersten Minuten erschossen. Die geplante Befreiung der Geisel auf dem Militärflugplatz Fürstenfeldbruck war ein Desaster. Alle neun verbleibenden Geisel, fünf der acht Geiselnehmer und ein Polizist sterben in dem Feuergefecht.

Die Unfähigkeit der Polizei, die Geiselnahme friedlich und ohne Tode zu beenden, führte zur Gründung der GSG 9.

Während der 21 Stunden dauernden Geiselnahme waren auch die Sportjournalisten von ABC Sports vor Ort. Sie berichten live über die Spiele.

In seinem dritten Spielfilm „September 5“ schildert Tim Fehlbaum, wie die ABC-Journalisten auf die Geiselnahme reagieren. Ihr Kontrollraum ist gegenüber vom Olympischen Dorf. Wenn sie die Tür öffnen, haben sie einem perfekten Blick auf den Ort der Geiselnahme. Sie sind zwar keine Politik-Journalisten und deshalb nicht zuständig, aber sie sind vor Ort. Sie betrachten die Geiselnahme als ihre Story und sie können mit ihren Kameras live berichten. Weltweit. Ihnen gelingt auch das bekannte Bild von den einen Terroristen auf dem Balkon. Durch ihre Live-Aufnahmen verhindern sie – was ihnen erst später bewusst wird – einen Befreiungsversuch der Polizei. Denn auch im Zimmer der Geisel läuft ihre Live-Übertragung der Geiselnahme. Im Film ist das der Moment, in dem den Journalisten wirklich bewusst wird, dass sie eine bis dahin nicht gekannte Verantwortung für ihre Bilder und ihre Worte haben.

Tim Fehlbaum, der bereits mit seinen beiden Science-Fiction-Filmen „Hell“ und „Tides“ begeisterte, widmet sich dieses Mal einem wahren Ereignis. Das inszeniert er sehr dicht, nah an den Fakten, detailversessen in der Ausstattung, präzise im Zeigen der damaligen Schwierigkeiten beim Erstellen der Fernsehbilder (so müssen, zum Beispiel, Filmrollen durch Polizeisperren geschmuggelt werden) und bis auf wenige Aufnahmen ausschließlich im von außen hermetisch abgeschottetem, fensterlosen ABC-Kontrollraum. Weil Fehlbaum auch auf Uhrzeiteinblendungen verzichtet und nur einmal gegessen wird, verschwimmt auch jedes Zeitgefühl.

Über die Geiselnahme erfahren wir nur, was die Journalisten in dem Moment auch erfahren oder auf einem ihrer Bildschirme sehen. „September 5“ ist daher kein Film über die Motive der Terroristen und die Strategie der Polizei, die Geiselnahme zu beenden. Das alles wissen die ABC-Journalisten nicht. Sie verstehen sich als Beobachter der Ereignisse, über die sie möglichst nah und mit exclusiven Bildern berichten wollen.

Das ist auch der Kern journalistischer Ethik. Keine Seite ergreifen, sondern die Fakten berichten. Diese hehre Idee kollidiert in „September 5“ schnell mit der Realität.

Denn schnell müssen sie sich fragen, was sie alles zeigen wollen und wie sehr sie damit die Ereignisse beeinflussen wollen. Das waren damals insofern neue Fragen, weil bis dahin Live-Berichte von Brennpunkten nicht möglich waren. Zwischen dem Ereignis und der Verbreitung des Berichts über das Ereignis verging je nach Medium – Radio, Fernsehen, Zeitung – weniger oder mehr Zeit, in der auch darüber entschieden werden konnte, welche Bilder gezeigt werden.

Die Fragen, mit denen die Männer in „September 5“ konfrontiert werden, sind heute immer noch aktuell. Und weil es immer mehr Bilder gibt, stellt sich die Frage öfter. Während früher nur entschieden werden konnte, ob Bilder vom Tatort gezeigt werden, gibt es heute auch Bilder von der Tat. Teils aufgenommen von Überwachungskameras, teils von Opfern und Zeugen und manchmal auch vom Täter, der seine Tat aufnimmt und live streamt.

Fehlbaum behandelt diese Fragen im Rahmen einer wahren Geschichte und anhand der Arbeit der handelnden Journalisten, die alle eine möglichst gute Story erzählen wollen. Durch die Konzentration auf einen Aspekt der damaligen Geiselnahme gibt „September 5“ einen guten Einblick in die Arbeit von Journalisten, dem Druck, dem sie damals ausgesetzt waren und dem Jagdfieber, das sie gepackt hatte. Die Fragen sind seitdem die gleichen geblieben. Nur die Technik hat sich geändert und der Zeitdruck ist gestiegen.

Der Journalistenthriller „September 5“ ist sehenswert, spannend und mit neunzig Minuten angenehm kurz.

September 5 (Deutschland/USA 2024)

Regie: Tim Fehlbaum

Drehbuch: Moritz Binder, Tim Fehlbaum, Alex David (Co-Autor)

mit Peter Sarsgaard, John Magaro, Ben Chaplin, Leonie Benesch, Zinedine Soualem, Georgina Rich

Länge: 91 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „September 5“

Moviepilot über „September 5“

Metacritic über „September 5“

Rotten Tomatoes über „September 5“

Wikipedia über „September 5“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Tim Fehlbaums „Hell“ (Deutschland/Schweiz 2011)

Meine Besprechung von Tim Fehlbaums „Tides“ (Deutschland 2021)


TV-Tipp für den 9. Januar: Warten auf Bojangles

Januar 8, 2025

RBB, 20.15

Warten auf Bojangles (En attendant Bojangles, Frankreich 2021)

Regie: Régis Roinsard

Drehbuch: Romain Compingt, Régis Roinsard

LV: Olivier Bourdeaut: En attendant Bojangles, 2016 (Warten auf Bojangles)

1958 begegnen sich an der Riviera auf einer High-Society-Party der charmante Hochstapler Georges und die lebenslustige Camille. Es ist Liebe auf den ersten Blick. Sie heiraten, bekommen ein Kind und Georges muss feststellen, dass Camilly psychisch ernsthaft krank ist.

Nachdem die TV-Premiere in der Nacht deutlich nach 2 Uhr, läuft der Film heute nach der Tagesschau. Und das ist gut so.

In der ersten Hälfte eine poppige Feelgood-Komödie, in der zweiten ein zunehmend düsteres Drama mit zwei zunehmend problematischen Hauptfiguren. Ein gut gespielter, gut inszenierter, aber auch sehr zwiespältiger Film.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Virginie Efira, Romain Duris, Gregory Gadebois, Solan Machado-Graner

Wiederholung: Freitag, 10. Januar, 22.00 Uhr

Hinweise

Moviepilot über „Warten auf Bojangles“

AlloCiné über „Warten auf Bojangles“

Rotten Tomatoes über „Warten auf Bojangles“

Wikipedia über „Warten auf Bojangles“ 

Meine Besprechung von Régis Roinsards „Warten auf Bojangles“ (En attendant Bojangles, Frankreich 2021)


TV-Tipp für den 8. Januar: In den besten Händen

Januar 7, 2025

Arte, 20.15

In den besten Händen (La Fracture, Frankreich 2021)

Regie: Catherine Corsini

Drehbuch: Catherine Corsini

Paris, Dezember 2018: Draußen protestieren die Gelbwesten. Drinnen herrscht in der Notaufnahme eines Krankenhaues das (künstlerisch enorm verdichtete) normale Chaos mit überfordertem Personal und hysterischen Patienten, die wir im Lauf der Nacht besser kennen lernen.

Hochenergetisch, mit viel Schwarzem Humor, durchaus plakativ und mit pseudokumentarischer Handkamera erzählter Einblick in das französische Gesundheitswesen. Dabei wird die Notaufnahme zu einem Mikrokosmos der französischen Gesellschaft, ihrer Probleme und Verwerfungen. Sehenswert!

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Marina Foïs, Valeria Bruni Tedeschi, Pio Marmaï, Aissatou Diallo Sagna, Caroline Estremo, Jean-Louis Coulloc’h, Camille Sansterre, Marin Laurens, Ferdinand Perez

Hinweise

AlloCiné über „In den besten Händen“

Moviepilot über „In den besten Händen“

Metacritic über „In den besten Händen“

Rotten Tomatoes über „In den besten Händen“

Wikipedia über „In den besten Händen“ (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von Catherine Orsinis „La belle saison – Eine Sommerliebe“ (La belle saison, Frankreich/Belgien 2015) und der Blu-ray

Meine Besprechung von Catherine Corsinis „In den besten Händen“ (La Fracture, Frankreich 2021)

Meine Besprechung von Catherine Corsinis „Rückkehr nach Korsika“ (Le retour, Frankreich 2023)


Cover der Woche: Víctor Santos: Fahrenheit 451

Januar 7, 2025

Fahrenheit 451 ist die Temperatur, bei der das Papier von Büchern von alleine anfängt zu brennen.

Fahrenheit 451“ ist der Titel von Ray Bradburys 1953 erschienenem Science-Fiction-Klassiker über eine Welt, in der Feuerwehrleute Bücher in Brand setzen. Eines Tages beginnt einer von ihnen, Guy Montag, an seiner Arbeit zu zweifeln. Er beginnt die Bücher, die er verbrennen sollte, zu lesen, während seine Frau gelangweilt vor dem Fernseher sitzt und weiter verblödet. Durch seine Taten wird Montag zum Staatsfeind.

Fahrenheit 451“ ist auch der Titel von Víctor Santos‘ überaus gelungener Comic-Adaption von Bradburys vor allem in den USA täglich aktueller werden Dystopie über eine Gesellschaft ohne kulturelles Gedächtnis.

Oh, und „Fahrenheit 451“ ist auch der Titel von François Truffauts durchwachsener, aber dennoch sehenswerter Verfilmung des Romans.

Víctor Santos: Fahrenheit 451

(nach dem Roman von Ray Bradbury)

(übersetzt von Silvano Loureiro Pinto)

Cross Cult, 2024

160 Seiten

22 Euro

Originalausgabe

Fahrenheit 451

Editorial Planeta, 2023

Hinweise

Homepage von Víctor Santos

Wikipedia über „Fahrenheit 451“ (Roman [deutsch, englisch], Film [deutsch, englisch]) und Víctor Santos

Meine Besprechung von Ray Bradburys „S is for Space“ (S is for Space, 1966)


TV-Tipp für den 7. Januar: Highlander – Es kann nur einen geben

Januar 6, 2025

HR, 22.40

Highlander – Es kann nur einen geben (Highlander, USA 1986)

Regie: Russell Mulcahy

Drehbuch: Gregory Widen, Peter Bellwood, Larry Ferguson (nach einer Geschichte von Gregory Widen)

Connor MacLeod ist unsterblich. Nur wenn ihm oder einem anderen Unsterblichen mit einem Schwerthieb der Kopf abgeschlagen wird, stirbt er. Das weiß MacLeod seit 1536. Im heutigen New York trifft er wieder auf seinen Erzfeind Kurgan.

Stilbildender Kultfilm mit der bombastischen Musik von Queen

mit Christopher Lambert, Roxanne Hart, Clancy Brown, Sean Connery

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Highlander“

Wikipedia über „Highlander“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Russell Mulcahys „Shadow und der Fluch des Khan“ (The Shadow, USA 1994)


Wieder im Kino: Der Thriller „Sieben“ im Rahmen der „Best of Cinema“-Reihe

Januar 6, 2025

Mit einem Noir-Thrillerklassiker, den viele nur aus dem Puschenkino kennen, startet die monatliche „Best of Cinema“-Reihe in das neue Jahr. Am Dienstag, den 7. Januar, wird, „Sieben“, David Finchers zweiter Spielfilm, wieder im Kino gezeigt.

Die Story dürfte bekannt sein: In einer verregneten Großstadt jagen ein junger und ein alter Polizist einen Serienmörder, der sich bei seinen Taten anscheinend von den sieben Todsünden inspirieren lässt.

Sieben“ ist einer der prägenden Thriller der neunziger Jahre. Er begeisterte damals gleichzeitig Genre-Fans und das große Kinopublikum. Und das heute wohl bekannte Ende ist immer noch ein absolut schockierendes Killer-Ende.

Nach „Alien 3“ hätte in Hollywood niemand auf eine glorreiche Filmkarriere von David Fincher gewettet. Aber dann inszenierte er als seinen zweiten Film „Sieben“, einen Noir-Thrillerklassiker. Danach kamen „The Game“ (1997), „Fight Club“ (1999), „Panic Room“ (2002), „Zodiac“ (2007), „Der seltsame Fall des Benjamin Button“ (2008), „The Social Network“ (2010), „Verblendung“ (2011) und „Gone Girl“ (2014). Seitdem arbeitet Fincher exklusiv für Netflix. Finanziell dürfte das einträglich sein, aber so einen richtigen, allgemein bekannten, diskutierten und sich tief im öffentlichen Bewusstsein festgesetzten Klassiker hat er seitdem nicht mehr gedreht.

Sieben (Se7ven, USA 1995)

Regie: David Fincher

Drehbuch: Andrew Kevin Walker

mit Brad Pitt, Morgan Freeman, Gwyneth Paltrow, Kevin Spacey, John C. McGinley, Richard Roundtree, R. Lee Emery

Die nächsten „Best of Cinema“-Filme

4. Februar: Cliffhanger

4. März: Fargo – Blutiger Schnee

1. April: Die purpurnen Flüsse

6. Mai: Red Heat

3. Juni: Lola rennt

Hinweise

Metacritic über „Sieben“

Rotten Tomatoes über „Sieben“

Wikipedia über „Sieben“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von David Finchers “Verblendung” (The Girl with the Dragon Tattoo, USA 2011)

Meine Besprechung von David Finchers „Gone Girl – Das perfekte Opfer“ (Gone Girl, USA 2014)

David Fincher in der Kriminalakte


Golden Globes 2025: die Gewinner

Januar 6, 2025

Während hier in Berlin der Schnee vom 8-Stunden-Winter wegtaute, wurden in Hollywood die Golden Globes verliehen. Die glücklichen Gewinner sind:

BEST MOTION PICTURE – DRAMA

GEWINNER: THE BRUTALIST (A24) (Besprechung zum Filmstart)

A COMPLETE UNKNOWN (Searchlight Pictures) (noch nicht gesehen)

CONCLAVE (Focus Features)

DUNE: PART TWO (Warner Bros. Pictures)

NICKEL BOYS (Orion Pictures / Amazon MGM Studios) (die Colson-Whitehead-Verfilmung habe ich noch nicht gesehen; deutscher Kinostart unklar)

SEPTEMBER 5 (Paramount Pictures) (Besprechung zum Filmstart)

(Das war beim Posten der Nominierungsliste auch mein Tipp. Damals schrieb ich: „„The Brutalist“ erschlägt einen zuerst mit seiner epischen Länge und dann mit seinem Anspruch, die große amerikanische Erzählung zu sein.“)

BEST MOTION PICTURE – MUSICAL OR COMEDY

ANORA (NEON)

CHALLENGERS (Amazon MGM Studios)

GEWINNER: EMILIA PÉREZ (Netflix)

A REAL PAIN (Searchlight Pictures) (Besprechung zum Filmstart)

THE SUBSTANCE (MUBI)

WICKED (Universal Pictures)

(Und schon beim nächsten Film lag ich daneben. Damals meinte ich: „„Anora“, „Challengers“, „Emilia Pérez“ und „The Substance“ sind starke Filme, die alle den Preis verdient hätten. Wenn ich mich für einen Film entscheiden muss, dann ist es „The Substance“.“)

BEST MOTION PICTURE – ANIMATED

GEWINNER: FLOW (Sideshow / Janus Films)

INSIDE OUT 2 (Walt Disney Studios Motion Pictures)

MEMOIR OF A SNAIL (IFC Films)

MOANA 2 (Walt Disney Studios Motion Pictures)

WALLACE & GROMIT: VENGEANCE MOST FOWL (Netflix)

THE WILD ROBOT (Universal Pictures)

CINEMATIC AND BOX OFFICE ACHIEVEMENT

ALIEN: ROMULUS (Walt Disney Studios Motion Pictures)

BEETLEJUICE BEETLEJUICE (Warner Bros. Pictures)

DEADPOOL & WOLVERINE (Walt Disney Studios Motion Pictures)

GLADIATOR II (Paramount Pictures)

INSIDE OUT 2 (Walt Disney Studios Motion Pictures)

TWISTERS (Universal Pictures)

GEWINNER: WICKED (Universal Pictures)

THE WILD ROBOT (Universal Pictures)

(letztes Jahr eingeführte seltsame Kategorie, in der wohl der künstlerisch wertvollste Blockbuster geadelt werden soll…)

BEST MOTION PICTURE – NON-ENGLISH LANGUAGE

ALL WE IMAGINE AS LIGHT (Sideshow / Janus Films) – USA / FRANCE / INDIA

GEWINNER: EMILIA PÉREZ (Netflix) – FRANCE

THE GIRL WITH THE NEEDLE (MUBI) – POLAND / SWEDEN / DENMARK (Besprechung zum Filmstart)

I’M STILL HERE (Sony Pictures Classics) – BRAZIL

THE SEED OF THE SACRED FIG (Die Saat des heiligen Feigenbaums) (NEON) – USA / GERMANY (unser Oscar-Kandidat)

VERMIGLIO (Sideshow / Janus Films) – ITALY

(Wie vermutet.)

BEST PERFORMANCE BY A FEMALE ACTOR IN A MOTION PICTURE – DRAMA

PAMELA ANDERSON (THE LAST SHOWGIRL)

ANGELINA JOLIE (MARIA) (Besprechung zum Filmstart)

NICOLE KIDMAN (BABYGIRL) (Besprechung zum Filmstart)

TILDA SWINTON (THE ROOM NEXT DOOR)

GEWINNER: FERNANDA TORRES (I’M STILL HERE)

KATE WINSLET (LEE)

BEST PERFORMANCE BY A MALE ACTOR IN A MOTION PICTURE – DRAMA

GEWINNER: ADRIEN BRODY (THE BRUTALIST)

TIMOTHÉE CHALAMET (A COMPLETE UNKNOWN)

DANIEL CRAIG (QUEER)

COLMAN DOMINGO (SING SING)

RALPH FIENNES (CONCLAVE)

SEBASTIAN STAN (THE APPRENTICE)

BEST PERFORMANCE BY A FEMALE ACTOR IN A MOTION PICTURE – MUSICAL OR COMEDY

AMY ADAMS (NIGHTBITCH)

CYNTHIA ERIVO (WICKED)

KARLA SOFÍA GASCÓN (EMILIA PÉREZ)

MIKEY MADISON (ANORA)

GEWINNER: DEMI MOORE (THE SUBSTANCE)

ZENDAYA (CHALLENGERS)

BEST PERFORMANCE BY A MALE ACTOR IN A MOTION PICTURE – MUSICAL OR COMEDY

JESSE EISENBERG (A REAL PAIN)

HUGH GRANT (HERETIC)

GABRIEL LABELLE (SATURDAY NIGHT)

JESSE PLEMONS (KINDS OF KINDNESS)

GLEN POWELL (HIT MAN)

GEWINNER: SEBASTIAN STAN (A DIFFERENT MAN)

BEST PERFORMANCE BY A FEMALE ACTOR IN A SUPPORTING ROLE IN ANY MOTION PICTURE

SELENA GOMEZ (EMILIA PÉREZ)

ARIANA GRANDE (WICKED)

FELICITY JONES (THE BRUTALIST)

MARGARET QUALLEY (THE SUBSTANCE)

ISABELLA ROSSELLINI (CONCLAVE)

GEWINNER: ZOE SALDAÑA (EMILIA PÉREZ)

BEST PERFORMANCE BY A MALE ACTOR IN A SUPPORTING ROLE IN ANY MOTION PICTURE

YURA BORISOV (ANORA)

GEWINNER: KIERAN CULKIN (A REAL PAIN)

EDWARD NORTON (A COMPLETE UNKNOWN)

GUY PEARCE (THE BRUTALIST)

JEREMY STRONG (THE APPRENTICE)

DENZEL WASHINGTON (GLADIATOR II)

BEST DIRECTOR – MOTION PICTURE

JACQUES AUDIARD (EMILIA PÉREZ)

SEAN BAKER (ANORA)

EDWARD BERGER (CONCLAVE)

GEWINNER: BRADY CORBET (THE BRUTALIST)

CORALIE FARGEAT (THE SUBSTANCE)

PAYAL KAPADIA (ALL WE IMAGINE AS LIGHT)

BEST SCREENPLAY – MOTION PICTURE

JACQUES AUDIARD (EMILIA PÉREZ)

SEAN BAKER (ANORA)

BRADY CORBET, MONA FASTVOLD (THE BRUTALIST)

JESSE EISENBERG (A REAL PAIN)

CORALIE FARGEAT (THE SUBSTANCE)

GEWINNER: PETER STRAUGHAN (CONCLAVE)

BEST ORIGINAL SCORE – MOTION PICTURE

VOLKER BERTELMANN (CONCLAVE)

DANIEL BLUMBERG (THE BRUTALIST)

KRIS BOWERS (THE WILD ROBOT)

CLÉMENT DUCOL, CAMILLE (EMILIA PÉREZ)

GEWINNER: TRENT REZNOR, ATTICUS ROSS (CHALLENGERS)

HANS ZIMMER (DUNE: PART TWO)

BEST ORIGINAL SONG – MOTION PICTURE

“BEAUTIFUL THAT WAY” –– THE LAST SHOWGIRL

Music & Lyrics by: Andrew Wyatt, Miley Cyrus, Lykke Li

“COMPRESS / REPRESS” –– CHALLENGERS

Music & Lyrics by: Trent Reznor, Atticus Ross, Luca Guadagnino

GEWINNER: “EL MAL” –– EMILIA PÉREZ

Music & Lyrics by: Clément Ducol, Camille, Jacques Audiard

“FORBIDDEN ROAD” –– BETTER MAN

Music & Lyrics by: Robbie Williams, Freddy Wexler, Sacha Skarbek

“KISS THE SKY” –– THE WILD ROBOT

Music & Lyrics by: Delacey, Jordan K. Johnson, Stefan Johnson, Maren Morris, Michael

Pollack, Ali Tamposi

“MI CAMINO” –– EMILIA PÉREZ

Music & Lyrics by: Clément Ducol, Camille

BEST TELEVISION SERIES – DRAMA

THE DAY OF THE JACKAL (PEACOCK)

THE DIPLOMAT (NETFLIX)

MR. & MRS. SMITH (PRIME VIDEO)

GEWINNER: SHŌGUN (FX/HULU)

SLOW HORSES (APPLE TV+)

SQUID GAME (NETFLIX)

BEST TELEVISION SERIES – MUSICAL OR COMEDY

ABBOTT ELEMENTARY (ABC)

THE BEAR (FX/HULU)

THE GENTLEMEN (NETFLIX)

GEWINNER: HACKS (HBO | MAX)

NOBODY WANTS THIS (NETFLIX)

ONLY MURDERS IN THE BUILDING (HULU)

BEST TELEVISION LIMITED SERIES, ANTHOLOGY SERIES OR MOTION PICTURE MADE FOR TELEVISION

GEWINNER: BABY REINDEER (NETFLIX)

DISCLAIMER (APPLE TV+)

MONSTERS: THE LYLE AND ERIK MENENDEZ STORY (NETFLIX)

THE PENGUIN (HBO | MAX)

RIPLEY (NETFLIX)

TRUE DETECTIVE: NIGHT COUNTRY (HBO | MAX)

BEST PERFORMANCE BY A FEMALE ACTOR IN A TELEVISION SERIES – DRAMA

KATHY BATES (MATLOCK)

EMMA D’ARCY (HOUSE OF THE DRAGON)

MAYA ERSKINE (MR. & MRS. SMITH)

KEIRA KNIGHTLEY (BLACK DOVES)

KERI RUSSELL (THE DIPLOMAT)

GEWINNER: ANNA SAWAI (SHŌGUN)

BEST PERFORMANCE BY A MALE ACTOR IN A TELEVISION SERIES – DRAMA

DONALD GLOVER (MR. & MRS. SMITH)

JAKE GYLLENHAAL (PRESUMED INNOCENT)

GARY OLDMAN (SLOW HORSES)

EDDIE REDMAYNE (THE DAY OF THE JACKAL)

GEWINNER: HIROYUKI SANADA (SHŌGUN)

BILLY BOB THORNTON (LANDMAN)

BEST PERFORMANCE BY A FEMALE ACTOR IN A TELEVISION SERIES – MUSICAL OR COMEDY

KRISTEN BELL (NOBODY WANTS THIS)

QUINTA BRUNSON (ABBOTT ELEMENTARY)

AYO EDEBIRI (THE BEAR)

SELENA GOMEZ (ONLY MURDERS IN THE BUILDING)

KATHRYN HAHN (AGATHA ALL ALONG)

GEWINNER: JEAN SMART (HACKS)

BEST PERFORMANCE BY A MALE ACTOR IN A TELEVISION SERIES – MUSICAL OR COMEDY

ADAM BRODY (NOBODY WANTS THIS)

TED DANSON (A MAN ON THE INSIDE)

STEVE MARTIN (ONLY MURDERS IN THE BUILDING)

JASON SEGEL (SHRINKING)

MARTIN SHORT (ONLY MURDERS IN THE BUILDING)

GEWINNER: JEREMY ALLEN WHITE (THE BEAR)

BEST PERFORMANCE BY A FEMALE ACTOR IN A LIMITED SERIES, ANTHOLOGY SERIES, OR A MOTION PICTURE MADE FOR TELEVISION

CATE BLANCHETT (DISCLAIMER)

GEWINNER: JODIE FOSTER (TRUE DETECTIVE: NIGHT COUNTRY)

CRISTIN MILIOTI (THE PENGUIN)

SOFÍA VERGARA (GRISELDA)

NAOMI WATTS (FEUD: CAPOTE VS. THE SWANS)

KATE WINSLET (THE REGIME)

BEST PERFORMANCE BY A MALE ACTOR IN A LIMITED SERIES, ANTHOLOGY SERIES, OR A MOTION PICTURE MADE FOR TELEVISION

GEWINNER: COLIN FARRELL (THE PENGUIN)

RICHARD GADD (BABY REINDEER)

KEVIN KLINE (DISCLAIMER)

COOPER KOCH (MONSTERS: THE LYLE AND ERIK MENENDEZ STORY)

EWAN MCGREGOR (A GENTLEMAN IN MOSCOW)

ANDREW SCOTT (RIPLEY)

BEST PERFORMANCE BY A FEMALE ACTOR IN A SUPPORTING ROLE ON TELEVISION

LIZA COLÓN-ZAYAS (THE BEAR)

HANNAH EINBINDER (HACKS)

DAKOTA FANNING (RIPLEY)

GEWINNER: JESSICA GUNNING (BABY REINDEER)

ALLISON JANNEY (THE DIPLOMAT)

KALI REIS (TRUE DETECTIVE: NIGHT COUNTRY)

BEST PERFORMANCE BY A MALE ACTOR IN A SUPPORTING ROLE ON TELEVISION

GEWINNER: TADANOBU ASANO (SHŌGUN)

JAVIER BARDEM (MONSTERS: THE LYLE AND ERIK MENENDEZ STORY)

HARRISON FORD (SHRINKING)

JACK LOWDEN (SLOW HORSES)

DIEGO LUNA (LA MÁQUINA)

EBON MOSS-BACHRACH (THE BEAR)

BEST PERFORMANCE IN STAND-UP COMEDY ON TELEVISION

JAMIE FOXX (JAMIE FOXX: WHAT HAD HAPPENED WAS)

NIKKI GLASER (NIKKI GLASER: SOMEDAY YOU’LL DIE)

SETH MEYERS (SETH MEYERS: DAD MAN WALKING)

ADAM SANDLER (ADAM SANDLER: LOVE YOU)

GEWINNER: ALI WONG (ALI WONG: SINGLE LADY)

RAMY YOUSSEF (RAMY YOUSSEF: MORE FEELINGS)


TV-Tipp für den 6. Januar: There will be Blood

Januar 5, 2025

Arte, 20.15

There will be Blood (There will be Blood, USA 2007)

Regie: Paul Thomas Anderson

Drehbuch: Paul Thomas Anderson

LV: Upton Sinclair: Oil!, 1927 (Öl!)

Porträt von Daniel Plainview (Daniel Day-Lewis), einem kapitalistisch-egoistischem, Menschen verachtenden und rein instrumentell behandelnden Ölsucher, der zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts in Kalifornien ein Vermögen macht. Sein Gegenspieler ist der ebenso ehrgeizige evangelikale Prediger Eli Sunday (Paul Dano). Mit großen Showveranstaltungen sammelt er Gläubige um sich. Und mit Plainview kooperiert er, um seine Gemeinde (und damit sich selbst) zu mästen.

Bildgewaltiges Drama, das in jeder Sekunde auf maximale Überwältigung zielt. Und vom Wesen der amerikanischen Kultur erzählt.

Anschließend, um 22.40 Uhr, zeigt Arte die 55-minütige Doku „Daniel Day-Lewis – Der Weg zum weltbesten Schauspieler“ (Frankreich 2020).

Mit Daniel Day-Lewis, Paul Dano, Kevin J. O’Connor, Ciarán Hinds, Dillon Freasier, Elizabeth Barrett

Hinweise

Rotten Tomatoes über „There will be Blood“

Wikipedia über „There will be Blood“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Paul Thomas Andersons „Inherent Vice – Natürliche Mängel“ (Inherent Vice, USA 2015)

Meine Besprechung von Paul Thomas Andersons „Der seidene Faden“ (Phantom Thread, Großbritannien 2017)

Meine Besprechung von Paul Thomas Andersons „Licorice Pizza“ (Licorice Pizza, USA 2021)


TV-Tipp für den 5. Januar: Out of Sight

Januar 4, 2025

Arte, 20.15

Out of sight (Out of Sight, USA 1998)

Regie: Steven Soderbergh

Drehbuch: Scott Frank

LV: Elmore Leonard: Out of sight, 1996 (Zuckerschnute, Out of sight)

Auf der Flucht verbringt Jack Foley im Kofferraum einige Zeit mit Debputy U. S. Marshal Karen Sisco. Zwischen ihnen funkt es gewaltig. Als Jack in Detroit seinen letzten Coup plant, erscheint auch Karen auf der Bildfläche.

Hochgelobte und uneingeschränkt empfehlenswerte Elmore-Leonard-Verfilmung mit George Clooney, Jennifer Lopez, Ving Rhames, Don Cheadle, Dennis Farina, Luis Guzman

Von Elmore Leonards Homepage: “Out of Sight, like Get Shorty, was a totally happy film experience for Elmore. The Get Shorty production team and writer: Danny DeVitos Jersey Films and screenwriter Scott Frank, once again collaborated on an Elmore Leonard project. Jersey signed Steven Soderbergh to direct and he cast George Clooney and Jennifer Lopez in the lead roles. (…) Clooney and Lopez added considerable sizzle to Out of Sight. Steve Zahn is hilarious as a stoner car thief; Ving Rhames, Don Cheadle and Isaiah Washington are all deadly and cool. Albert Brooks was a pleasant surprise. He makes the most out of the Ripley character. It was Scott Frank who took Ripley, off-stage in the book, and made him a key character. After Scott finished his screenplay, Elmore disagreed with the Ripley move and the ´happy´ movie ending, but admitted he was right after seeing the finished film. Out of Sight has a great look thanks to Steven Soderberghís masterful direction and Scott Frank’s savvy script. The film was a critical success but a box office so-so because of an unfortunate summer release date.”

Wiederholung: Montag, 6. Januar, 14.00 Uhr

Hinweise

Moviepilot über “Out of Sight”

Rotten Tomatoes über “Out of Sight”

Wikipedia über “Out of Sight” (deutsch, englisch)

zu Elmore Leonard

Homepage von Elmore Leonard

Meine Besprechung von Elmore Leoanrds “Raylan” (Raylan, 2012)

Meine Besprechung von Elmore Leonards “Raylan” (2012)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Dschibuti“ (Djibouti, 2010)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Djibouti“ (2010)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Road Dogs“ (Road Dogs, 2009)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Up in Honey’s Room“ (2007)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Gangsterbraut“ (The hot Kid, 2005)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Callgirls“ (Mr. Paradise, 2004)

Mein Porträt „Man nennt ihn Dutch – Elmore Leonard zum Achtzigsten“ erschien im „Krimijahrbuch 2006“

Meine Besprechung der Elmore-Leonard-Verfilmung „Sie nannten ihn Stick“ (Stick, USA 1983)

Meine Besprechung der Elmore-Leonard-Verfilmung „Killshot“ (Killshot, USA 2008)

Meine Besprechung von Frank Göhre/Alf Mayers „King of Cool – Die Elmore-Leonard-Story“ (2019)

Meine Meldung von Elmore Leonards Tod

Elmore Leonard in der Kriminalakte

zu Steven Soderbergh

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Girlfriend Experience – Aus dem Leben eines Luxus-Callgirls” (The Girlfriend Experience, USA 2009)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Contagion“ (Contagion, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Haywire” (Haywire, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Magic Mike” (Magic Mike, USA 2012)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Side Effects – Tödliche Nebenwirkungen“ (Side Effects, USA 2013)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Liberace – Zu viel des Guten ist wundervoll (Behind the Candelabra, USA 2013)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Logan Lucky“ (Logan Lucky, USA 2017) und der DVD

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Unsane: Ausgeliefert“ (Unsane, USA 2018)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „No sudden move“ (No sudden move, USA 2021)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Magic Mike: The Last Dance“ (Magic Mike’s Last Dance, USA 2023)

Steven Soderbergh in der Kriminalakte

zu Scott Frank

Meine Besprechung von Scott Franks Lawrence-Block-Verfilmung „Ruhet in Frieden – A Walk among the Tombstones“ (A Walk among the Tombstones, USA 2014)


TV-Tipp für den 4. Januar: Local Hero

Januar 3, 2025

One, 23.10

Local Hero (Local Hero, Großbritannien 1983)

Regie: Bill Forsyth

Drehbuch: Bill Forsyth

Ölmagnat Happer (Burt Lancaster!) schickt den Jungmanager MacIntyre wegen seines schottischen Namens nach Schottland. Dort soll er die Bewohner eines kleinen Dorfes von einer Ölraffinierie in Sichtweite überzeugen. Dummerweise stellt sich ein am Strand lebender Einsiedler quer.

Wunderschönes, damals auch an der Kinokasse sehr erfolgreiches Märchen. Denn es ist „eine nuancenreiche Komödie voller origineller Figuren, deren Schwächen nie verletzend geschildert werden, und voller wehmütiger Sehnsucht nach einem anderen Leben“ (Fischer Film Almanach 1984)

Chris Menges war der Kameramann und Mark Knopfler („Dire Straits“) schrieb die Musik.

mit Burt Lancaster, Peter Riegert, Fulton Mackay, Denis Lawson, Peter Capaldi, Norman Chancer

Wiederholung: Montag, 6. Januar, 00.50 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Local Hero“

Wikipedia über „Local Hero“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 3. Januar: Benedetta

Januar 2, 2025

3sat, 22.25

Benedetta (Benedetta, Frankreich 2021)

Regie: Paul Verhoeven

Drehbuch: David Birke, Paul Verhoeven

LV: Judith C. Brown: Immodest Acts: The Life of a Lesbian Nun in Renaissance Italy, 1986 (Schändliche Leidenschaften: Das Leben einer lesbischen Nonne in in Italien zur Zeit der Renaissance)

Im 17. Jahrhundert lebt die tiefgläubige Benedetta Carlini (Virginie Efira) in einem Theatiner-Kloster in Pescia. Als auf ihrem Körper die Wundmale Christi auftauchen, wird sie zu einem Spielball innerhalb katholischen Kirche. Oder spielt sie mit der Kirche?

TV-Premiere. Grandiose, auf einem wahren Fall beruhende, äußerst intelligente Nunsploitation von Provokateur Paul Verhoeven.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Virginie Efira, Charlotte Rampling, Daphné Patikia, Lambert Wilson, Olivier Rabourdin, Louise Chevillotte, Hervé Pierre, Clotilde Courau, David Clavel, Guilaine Londez

Wiederholung: Sonntag, 5. Januar, 00.45 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

AlloCiné über „Benedetta“

Moviepilot über „Benedetta“

Metacritic über „Benedetta“

Rotten Tomatoes über „Benedetta“

Wikipedia über „Benedetta“ (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von Paul Verhoevens „Flesh + Blood“ (Flesh + Blood, USA 1985)

Meine Besprechung von Paul Verhoevens Philippe-Djian-Verfilmung „Elle“ (Elle, Frankreich/Deutschland/Belgien 2016) und der DVD

Meine Besprechung von Paul Verhoevens „Benedetta“ (Benedetta, Frankreich 2021) und der DVD


Neu im Kino/Filmkritik: „Better Man – Die Robbie Williams Story“, erzählt in seinen Worten

Januar 2, 2025

Der Film beginnt mit Robbie Williams, der ankündigt, er werde jetzt seine Geschichte erzählen. Das sagt er so unverblümt, dass der Ton für ein zumindest interessantes Biopic gesetzt ist. Immerhin bietet seine Karriere vom Mitglied in der erfolgreichen Boyband „Take That“ zu Solo-Weltstar, garniert mit einigen Drogenexzessen und publikumswirksamen Ausfällen, genug Stoff für ein zünftiges Musiker-Biopic.

Dann sehen wir Robbie Williams 1982 in seinem Geburtsort Stoke-on-Trent als neunjährigen Jungen, als er auf einem matschigen Bolzplatz als letzter für eine Fussballmannschaft ausgewählt wird – und wir sehen die eine geniale Entscheidung, die Musikvideo- und „Greatest Showman“-Regisseur Michael Gracey und die anderen Macher des Films trafen, die „Better Man – Die Robbie Williams Story“ sofort von allen anderen Musiker-Biopics unterscheidet und die gleichzeitig fast alle Biopic-Probleme löst. Es ist eine Idee, die so einfach, wie genial ist und die innerhalb des Films erstaunlich weit trägt. Robbie Williams sieht wie ein AFFE aus. Mit dieser Entscheidung entfiel für die Macher das Problem, Robbie-Williams-Lookalikes zu finden, die ihn als neunjährigen Jungen, Teenager (mit 15 wurde der Schulabbrecher Mitglied von „Take That“), jungen Mann und Anfang Dreißigjährigen (das Biopic endet kurz nach seinen legendären Knebworth-Konzerten von 2003) spielen und die ihm immer nur mehr oder weniger ähneln. Fans werden außerdem sofort die falschen Bewegungen und den falschen Gesang der Schauspieler bemerken, die den porträtierten Star spielen. Ein Affe verkörpert ihn während des gesamten Films. Der Film-CGI-Affe entstand aus der Stimme von Robbie Williams, Williams selbst in einem Motion-Capture-Anzug, und mehreren Schauspielern, die ihn spielen. Der jüngere Williams wird von Asmara Feik und Carter J. Murphy, der Ältere wird von Jonno Davies gespielt. Anschließend verschmolz Wētā FX die einzelnen Teile zu einem sehr überzeugend wirkendem Affen.

Auch das nächste Problem war damit gelöst. „Take That“ war eine aus fünf weißen Jungs bestehende Boygroup. Auf der Bühne sahen sie alle gleich aus. Tanzszenen sind Wimmelbilder, in denen viele gutaussehende junge Männer sich synchron bewegen und singen. Da dauert es immer einige Sekunden, bis man die einzelnen Sänger erkennt. Aber den einen Affen im Bild erkennt man sofort.

Auf der erzählerischen Ebene löste der Affe das Problem, wie man Robbie Williams‘ Selbstwahrnehmung zeigt. Er fühlt sich als Outsider. Das ist leicht gesagt. Aber wie zeigt man es? Wenn man ihn als den einzigen Affen in der Gruppe zeigt, löst sich das Problem in Luft auf. Seine Familie akzeptiert ihn, wie er ist. Seine Schulkameraden wollen mit dem seltsamen Jungen nichts zu tun haben. Er will unbedingt dazugehören, aber er tut es nicht. Und natürlich können die Macher jederzeit in Williams‘ Kopf springen und fantastische Szenen zeigen. Es sind Szenen, die in jedem anderen Film lächerlich wären. In „Better Man“ fügen sie sich nahtlos in die Erzählung ein.

Der Film selbst folgt dann, ziemlich konventionell, dem Leben von Robbie Williams von seiner Kindheit über „Take That“ und erfolgreichen Soloplatten bis zu seinem großen, von ihm ersehnten, für ihn subjektiv desaströs verlaufendem Auftritt in Knebworth vor hunderttausenden jubelnder Fans. Und weil Williams ein sich nicht schonender Erzähler ist, ist „Better Man“ ein auch für Menschen, die nichts von „Take That“ und Robbie Williams halten, sehenswerter Film.

Mit den heutigen Kinostarts „Better Man“, „Queer“ (der heute seinen bundesweiten Start hat) und „Nosferatu“ (den ich für hoffnungslos überbewertet halte) beginnt das Kinojahr vielversprechend. Einige werden diese Woche schon ihre ersten Einträge für die Jahresbestenliste tätigen.

Better Man – Die Robbie Williams Story (Better Man, Australien/USA 2024)

Regie: Michael Gracey

Drehbuch: Simon Gleeson, Oliver Cole, Michael Gracey

mit Robbie Williams, Jonno Davies, Steve Pemberton, Damon Herriman, Raechelle Banno, Alison Steadman, Kate Mulvany, Frazer Hadfield, Tom Budge, Anthony Hayes, Jake Simmance, Asmara Feik, Carter J. Murphy

Länge: 131 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Better Man – Die Robbie Williams Story“

Metacritic über „Better Man – Die Robbie Williams Story“

Rotten Tomatoes über „Better Man – Die Robbie Williams Story“

Wikipedia über „Better Man – Die Robbie Williams Story“ (deutsch, englisch) und Robbie Williams (deutsch, englisch)

AllMusic über Robbie Williams


Neu im Kino/Filmkritik: Über Robert Eggers‘ Dracula-Film „Nosferatu – Der Untote“

Januar 2, 2025

Für Robert Eggers war „Nosferatu“ ein lange gehegtes Herzensprojekt. Schon als Kind war er von Murnaus „Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens“ fasziniert. An der Highschool schrieb er eine Bühnenadaption, die auch aufgeführt wurde. Nach seinem Regiedebüt schrieb er ein Drehbuch für eine damals geplante Verfilmung. Die Pläne für eine Verfilmung zerschlugen sich in den folgenden Jahren immer wieder. Eine Zeit lang dachte Eggers auch, dass er niemals seine Nosferatu-Version verfilmen könnte. 2023 konnte er sie dann doch verfilmen.

Cineasten kennen und lieben Eggers für „The Witch“ (2016), „Der Leuchttum“ (2019) und „The Northman“ (2022), den ich optisch überzeugend, storytechnisch mehr als enttäuschend fand.

Jetzt läuft seine Version der bekannten Dracula-Geschichte im Kino und nachdem Bram Stokers Roman seit den ersten Tagen des Kinos unzählige Male verfilmt wurde, stellen sich natürlich sofort zwei Fragen: Wie überzeugend ist die Neuinterpretation? Und wie gut kann sie gegen die bekannten Versionen der Geschichte bestehen? Das wären unter anderem Tod Brownings „Dracula“ (1930 mit Bela Lugosi als Dracula), Terence Fishers „Dracula“ (1958 mit Christopher Lee als Dracula) und Francis Ford Coppolas „Bram Stoker’s Dracula“ (1992 mit Gary Oldman als Dracula).

Es gibt auch Friedrich Wilhelm Murnaus „Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens“ (1922, mit Max Schreck als, nun Dracula, der hier Orlok bzw. Nosferatu heißt) und Werner Herzogs eigenständiges Remake „Nosferatu – Phantom der Nacht“ (1979, mit Klaus Kinski als Blutsauger). „Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens“ bediente sich der „Dracula“-Geschichte, hatte aber die Rechte an Bram Stokers Roman nicht erworben. Das führte kurz nach dem Filmstart zu einer letztendlich erfolgreichen Klage von Bram Stokers Witwe.

Und dann gibt es noch zahlreiche mehr oder weniger freie, mehr oder weniger gelungene Erzählungen der Dracula-Geschichte. Genannt seien hier Dario Argentos misslungener „Dracula“ (2012) und der sehr gelungene BBC-Dreiteiler „Dracula“ von 2020. Die „Sherlock“-Macher Steven Moffat und Mark Gattis interpretierten die Geschichte für die Gegenwart und verlegten sie teilweise auch in die Gegenwart. Jonny Campbell, Damon Thomas und Paul McGuigan übernahmen die Regie. Claes Bang verkörperte den überaus charismatischen und verführerischen Grafen mit spürbarer Lust am Verführen, Beißen und Aussagen seiner Opfer.

Eine Sonderstellung hat E. Elias Merhiges „Shadow of the Vampire“ (2000), das als „Making of“ gleichzeitig eine Hommage und liebevolle Satire über Murnaus „Nosferatu“ ist. Mit Willem Dafoe als Max Schreck.

Nun präsentiert Robert Eggers seine Version der bekannten Geschichte. Er bezieht sich in seinem Dracula-Film explizit auf Murnaus Stummfilm, der „vor allem ein expressionistischer Gegenentwurf zum ‚Dracula‘ aus der Zeit nach der schwarzen Romantik“ (Georg Seeßlen, epd film 1/2025) ist. Die Geschichte darf nach all den Verfilmungen und dem heute immer noch populärem Roman als bekannt vorausgesetzt werden.

1838 wird der in der Ostsee-Hafenstadt Wisborg lebende junge, glücklich verheiratete Immobilienmakler Thomas Hutter (Nicholas Hoult) beauftragt, nach Transsylvanien zu reisen. Dort soll er Graf Orlok (Bill Skarsgård) treffen und den Vertrag für den Kauf eines Herrenhauses in Wisborg abschließen.

Der ziemlich seltsame Graf Orlok unterzeichnet den Vertrag und kurz darauf erkundet der Vampir nach Sonnenuntergang sein neues Jagdrevier Wisborg. Besonders interessiert er sich für Hutters Frau Ellen (Lily-Rose Depp).

Eggers inszeniert seine top besetzte Dracula-Variante sehr Stummfilm-Stilbewusst. Die von seinem Stamm-Kameramann Jarin Blaschke gemachten Bilder und das gewählte Bildformat erfreuen das Auge des Cineasten, der während des gesamten Films viele Anspielungen entdecken kann. Es gibt also genug Material für einige Universitätsseminare.

Aber hinter den Bildern ist nichts. In Vampirgeschichten geht es immer um Sex, Begehren und der Austausch von Körperflüssigkeiten, der bevorzugt durch einen Biss in den Hals erfolgt. Davon ist bei Eggers nichts zu spüren. Zugegeben: er zeigt viel nackte Haut. Aber Nacktheit hat – auch wenn wir uns Eggers‘ Nosferatu ansehen – nicht unbedingt etwas mit Erotik und Begehren zu tun.

Eigentlich sagt schon ein Bild am Filmanfang alles über den Film und sein größtes Problem. Eggers zeigt in einer Totalen eine junge Frau, die Mitten in der Nacht in einem Garten in einem Nachthemd auf der Wiese liegt und sich selbst befriedigt. Das kann auch über den Film gesagt werden: künstlerische, von sich und seiner Bedeutung bedingungslos überzeugte Selbstbefriedigung, die genau das vermissen lässt, was Dracula/Nosferatu ausmacht.

Nosferatu – Der Untote“ ist prüdes lustfeindliches Ausstattungskino und so aufregend wie der längliche Besuch in einem Museum, in dem der Führer einem noch ein Schmuckstück der historischen Sammlung zeigen will.

Nosferatu – Der Untote (Nosferatu, USA 2024)

Regie: Robert Eggers

Drehbuch: Robert Eggers

LV (neben Murnaus „Nosferatu“): Bram Stoker: Dracula, 1897 (Dracula)

mit Bill Skarsgård, Nicholas Hoult, Lily-Rose Depp, Willem Dafoe, Aaron Taylor-Johnson, Emma Corrin, Simon McBurney, Ralph Ineson

Länge: 133 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Nosferatu – Der Untote“

Metacritic über „Nosferatu – Der Untote“

Rotten Tomatoes über „Nosferatu – Der Untote“

Wikipedia über „Nosferatu – Der Untote“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Robert Eggers‘ „The Witch“ (The Witch: A New-England Folktale, Kanada/USA 2015)

Meine Besprechung von Robert Eggers‘ „Der Leuchtturm“ (The Lighthouse, USA 2019)

Meine Besprechung von Robert Eggers‘ „The Northman“ (The Northman, USA 2022)

zu Graf Dracula und seinen Umtrieben

Meine Besprechung von Dario Argentos „Dario Argentos Dracula“ (Dracula 3D, Italien 2012)

Meine Besprechung von Gary Shores „Dracula Untold“ (Dracula Untold, USA 2014)

Meine Besprechung von Jonny Campbell/Damon Thomas/Paul McGuigans „Dracula“ (Dracula, Großbritannien 2020 – TV-Serie nach einem Buch von Mark Gatiss und Steven Moffat)

Meine Besprechung von Chris McKays „Renfield“ (Renfield, USA 2023)

Meine Besprechung von André Øvredals „Die letzte Fahrt der Demeter“ (The last Voyage of the Demeter, USA/Deutschland 2023) (Horrorfilm über die Seereise von Graf Dracula)

Meine Besprechung von Roy Thomas/Mike Mignolas „Bram Stoker’s Dracula“ (Bram Stoker’s Dracula 1-4, 1993) (der Comic-Version von Francis Ford Coppolas Film)


TV-Tipp für den 2. Januar: Sneakers – Die Lautlosen

Januar 1, 2025

Kabel 1, 22.05

Sneakers – Die Lautlosen (Sneakers, USA 1992)

Regie: Phil Alden Robinson

Drehbuch: Phil Alden Robinson, Walter F. Parkes, Lawrence Lasker

Martin Bishop und sein Team brechen im Auftrag von Firmen in Computersysteme ein. Als sie einen halbseidenen Regierungsauftrag erhalten, geraten sie in Teufels Küche.

Sozusagen die unglamouröse Variante von „Ocean’s Eleven“. Was den Film nicht weniger unterhaltsam macht.

mit Robert Redford, Sidney Poitier, Dan Aykroyd, Ben Kingsley, Mary McDonnell, River Phoenix, David Strathairn, Timothy Busfield, James Earl Jones

Wiederholung: Donnerstag, 9. Januar, 03.00 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Sneakers – Die Lautlosen“

Wikipedia über „Sneakers – Die Lautlosen“ (deutsch, englisch)