Cover der Woche und Lachtipp: Elizabeth Pich: Fungirl

Februar 4, 2025

Fungirl ist – – – ein in einer Wohngemeinschaft vor sich hin lümmelnder und mit sich spielender weiblicher Slacker. Nur noch verpeilter als die männlichen Vorbilder, wenn sie fröhlich von einer Katastrophe zum nächsten Fettnapf springt und in einem Beerdigungsinstitut anfängt. Tote können sich ja nicht mehr wehren…

Ein großer, absolut respektloser und tabuloser Cartoon-Spaß für die sinnesfreudigen Freunde des guten schlechten Geschmacks.

Dafür gab es eine Nominierung für den Max und Moritz-Preis 2024.

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Elizabeth Pich: Fungirl

(aus dem Englischen von Christoph Schuler)

Edition Moderne, 2024

256 Seiten

26 Euro

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Hinweise

Edition Moderne über „Fungirl“

Homepage von Elizabeth Pich

Wikipedia über Elizabeth Pich


Über Georges Simenons „Der Passagier der Polarlys“ und die Comicversion von José-Louis Bocquet und Christian Cailleaux

Februar 3, 2025

Die Polarlys ist ein Dampfer der von Hamburg nach Hammerfest fährt und dabei primär Waren an Orte in Norwegen befördert, die über Land nur schwer oder, mangels Straßen, nicht erreichbar sind. Das Schiff nimmt bei jeder Fahrt auch immer einige Passagiere mit. Dieses Mal sind es fünf Menschen. Einer von ihnen, Polizeirat von Sternberg, wird kurz nach der Abfahrt in seiner Kabine ermordet. Er verfolgte die Polarlys von Hamburg nach Cuxhaven, um noch an Bord zu gelangen. An Bord versteckt er sich in seiner Kabine.

Als Kapitän Petersen die Leiche sieht, weiß er, dass der Täter noch an Bord ist.

„Der Passagier der Polarlys“ ist einer der frühesten Romane von Georges Simenon (1903 – 1988). Er schrieb ihn 1930. Veröffentlicht wurde er 1932. Die deutsche Erstausgabe war 1935 unter dem Titel „Flucht nach dem Nordkap“. Im Werk von Simenon bedeutet dieser Roman, zusammen mit den zeitgleich geschriebenen Romanen, wozu auch mehrere Maigrets gehören, den Wandel vom unter 27 Pseudonymen in atemberaubendem Tempo schreibendem Groschenromanautor zum ernsthaften Autor, der eine ähnliche Schreibgeschwindigkeit vorlegte.

Insgesamt veröffentlichte Simenon ab 1931, als sein erster Roman unter seinem Namen erschien, 75 Romane mit Kommissar Maigret, 117 Non-Maigrets und zahlreiche weitere Erzählungen und Reportagen. Im deutschsprachigen Raum werden sie regelmäßig, teils in neuen Übersetzungen, veröffentlicht. Aktuell erscheinen sie, als Kooperation der Verlage ‚Hoffmann und Campe‘ und ‚Kampa‘, im Rahmen der ersten deutschsprachigen Gesamtausgabe von Simenons erzählerischem Werk; – wozu dann auch eigentlich die fast bis vollständig unbekannten Kurzgeschichten gehören.

Szenarist José-Louis Bocquet und Zeichner Christian Cailleaux nahmen sich jetzt diesen frühen Roman von Simenon für ihre überzeugende, werkgetreue Comic-Adaption vor. Sie veränderten vor allem den Ort, an dem dem Leser ein großer Teil des Motivs enthüllt wird. Im Roman geschieht dies in einer Rückblende. Kapitän Petersen entdeckt bei dem ermordeten von Sternberg eine Pariser Tageszeitung. Er vermutet, dass der Zeitungsbericht über den Tod einer jungen Frau, die in einem Künstleratelier in Montparnasse an einer Überdosis Drogen starb, der Grund für von Sternbergs Tod ist und dass der Mörder der Frau an Bord ist. Der Comic beginnt mit der Schilderung des Todes der jungen Frau.

Im 192-seitigem Roman und im 80-seitigem Comic entwickelt der Plot sich flott vom Beladen des Schiffes in Hamburg, über die Entdeckung der Leiche und die verschiedenen anderen Ereignisse an Bord, die hier nicht verraten werden sollen, bis hin zur Auflösung. Formal folgt er rudimentär den Rätselkrimi-Konventionen mit falschen Fährten und Verdächtigen. Er verlässt sich allerdings nicht auf einen Ermittler und dessen detektivischen Spürsinn. Der ab Stavanger als Beobachter an Bord anwesende Inspektor Jennings ist bestenfalls eine Nebenfigur. Kapitän Petersen ist zwar aktiver, aber mehr ein Beobachter als ein tatkräftig Spuren verfolgender und Befragungen durchführender Ermittler. Simenon verlässt sich in der Geschichte auf Zufälle, überraschende Wendungen und grundlose Geständnisse.

Die Stärke der Geschichte liegt nicht im Rätselplot und der Auflösung, sondern in der intensiven Schilderung des Lebens an Bord und den farbig gezeichneten Passagieren.

Der Comic hat ein sehr informatives Nachwort von José-Louis Bocquet über den Roman, seine Entstehung und seine Stellung im Werk von Georges Simenon.

Georges Simenon: Der Passagier der Polarlys

(übersetzt von Stefanie Weiss, mit einem Nachwort von Hansjörg Schertenleib)

Hoffmann und Campe, 2019

192 Seiten

21,90 Euro

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Taschenbuchausgabe

Atlantik, 2024

13 Euro

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Neuauflage der Diogenes-Übersetzung von 1986

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Frühere deutsche Auflagen, teilweise in anderen Übersetzungen, unter

Flucht nach dem Nordkap

Der Passagier der Polarlys

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Originalausgabe

Le passager du Polarlys

Fayard, Paris 1932

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José-Louis Bocquet/Christian Cailleaux: Simenon – Der Passagier der Polarlys

(übersetzt von Christoph Haas)

Carlsen, 2025

80 Seiten

22 Euro

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Originalausgabe

Simenon – Le Passager du Polarlys

Hors Collection Dargaud, 2023

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Hinweise

Carlsen über „Der Passagier der Polarlys“

Hoffman und Campe über Georges Simenon

Homepage von Christian Cailleaux

Wikipedia über Georges Simenon (deutsch, englisch, französisch), den Roman, José-Louis Bocquet und Christian Cailleaux

Deutsche Georges-Simenon-Fanseite

Meine Besprechung von Bertrand Taverniers Georges-Simenon-Verfilmung „Der Uhrmacher von St. Paul“ (L’horloger de Saint-Paul, Frankreich 1974)

Meine Besprechung von Mathieu Amalrics Georges-Simenon-Verfilmung „Das blaue Zimmer“ (La chambre bleue, Frankreich 2014)

Meine Besprechung von Patrice Lecontes Georges-Simenon-Verfilmung „Maigret“ (Maigret, Frankreich/Belgien 2022)

Meine Besprechung von José-Louis Bocquets „Papas Musik“ (La musique de papa, 2007)


„William“, KI-Roboter mit mörderischen Absichten

Januar 29, 2025

Künstliche Intelligenz. Bis vor kurzem war das noch ein Thema für Science-Fiction-Geschichten, aber seitdem ChatGPT am 30. November 2022 veröffentlicht wurde, ist es ein Mainstream-Thema, das, wie Marc-Uwe Kling in seinem Kriminalroman „Views“ zeigt, altbekannten Geschichten einen ganz neuen und, in diesem Fall, äußerst beunruhigenden Dreh geben kann. Bei Mason Coile ist es in seinem Roman „William“ über weite Strecken eine aus der Zeit gefallene Wiederholung altbekannter Topoi.

Henry und Lily leben gemeinsam in einem großen viktorianischem Haus. Seitdem sie ihre Firma verkaufte, haben sie keine Geldsorgen mehr. Sie finanziert auch Henrys Hobbyprojekt. Ihr Mann Henry ist ein begabter Ingenieur. Er hat panische Angst, das Haus zu verlassen. Im Umgang mit anderen Menschen, wozu auch Lily gehört, empfindet er sich als schwierig. Er ist halt etwas nerdig. Sein neuestes Projekt ist William, ein selbst lernender autonomer Roboter.

Als sie von Lilys Freunden besucht werden, beschließt Henry spontan, ihnen William zu zeigen. Die erste Begegnung mit William läuft aus dem Ruder. Lily und ihre Freunde Davis und Paige verlassen panisch das Haus. Kurz darauf kehren sie um, um auch Henry aus dem Haus zu holen. Als sie wieder drin sind, verschließt Willliam alle Ausgänge. Ein tödliches Katz-und-Maus-Spiel beginnt.

Ab diesem Moment passieren in dem kurzen Roman Dinge, Menschen rennen Treppen rauf und runter, betreten und verlassen, manchmal, Zimmer – und der Leser langweilt sich. Daran ändert auch die Schlußpointe nichts.

Henry, Lily, Davis und Paige sind kaum mehr als austauschbare Namen ohne besondere Eigenschaften. Spielfiguren eben. Über William, den Bösewicht der Geschichte, erfahren wir ebenfalls nichts. Er tut, was er tut, weil der Autor es sich so ausgedacht hat.

Es wird sich nicht weiter um im Rahmen der Geschichte offensichtliche Fragen, Problemen und Gefahren der Anwendung von KI-Programmen gekümmert. Es wird auch nicht weiter auf die Frage eingegangen, was ein Mensch und was eine Machine ist. Also ob eine selbst lernende, sich wie ein Mensch verhaltende KI ein eigenständiges Wesen ist. Das thematisiert beispielsweise Alex Garland in seinem Spielfilm „Ex Machina“ ( USA/Großbritannien 2014).

Bei Coile ist der Roboter einfach nur ein mordgieriger Roboter, der sich plötzlich entschließt, die Kontrolle über die Hauselektronik zu übernehmen. Das erstaunt die eingeschlossenen Menschen, weil William ja nur ein autonomer Roboter ohne Beine und ohne eine Schnittstelle zu einem anderen Computer, geschweige denn zum Internet, ist. Diese Konstruktion des Roboters verleiht der in der Gegenwart oder nahen Zukunft spielenden Horrorgeschichte eine seltsam aus der Zeit gefallene Aura. Vor hundert Jahren wäre ein Roboter wie William eine furchterregende Vorstellung und Warnung vor dem Machbarkeitswahn seines Erschaffers gewesen. Heute ist so ein William ein Kinderspielzeug mit Fehlprogrammierung.

Coile erzählt die primär aus Henrys Perspektive erzählte Geschichte im Präsens und wieder einmal zeigt sich, wie schwierig es ist, in dieser Zeitform gut und flüssig zu erzählen.

„Willliam“ ist der erste Roman von Mason Coile und der letzte, der zu seinen Lebzeiten erschien. Im September 2025 soll in Nordamerika „Exiles“, sein zweiter und letzter Coile-Roman erscheinen.

Mason Coile ist ein Pseudonym des kanadischen Thrillerautors Andrew Pyper. Er wählte es, um Bücher zu veröffentlichen, die sich von seinen normalen Kriminalromanen unterscheiden. Sie sollen kürzer und schwarzhumoriger sein und mehr in Richtung Horror, mit einer Prise Science-Fiction, tendieren. Unter seinem Namen veröffentlichte er elf Romane, die teilweise auch ins Deutsche übersetzt wurden, u. a. „Die Stunde des Sandmanns“.

Pyper erhielt den Arthur Ellis Award for Best First Novel und den ITW Award for Best Hardcover Novel und war für den Shirley Jackson Award for Best Novel, den Shamus Award for Best First PI Novel und den John Creasey (New Blood) Dagger nominiert.

Pyper starb am 3. Januar 2025 in seinem Haus in Toronto an Komplikationen von einem Gallengangskarzinom, einer seltenen Krebsform. Er wurde 56 Jahre alt.

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Mason Coile: William

(übersetzt von Thomas Salter)

Heyne, 2024

304 Seiten

20 Euro

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Originalausgabe

William

Putnam, 2024

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Hinweise

Homepage von Andrew Pyper

Wikipedia über Andrew Pyper


Neu im Kino/Buch- und Filmkritik: „Die drei ??? und der Karpatenhund“ in Rocky Beach, Kalifornien

Januar 23, 2025

Nach ihrem Abenteuer in Transsilvanien sind ‚Die drei ???“ Justus Jonas (Julius Weckauf), Peter Shaw (Nevio Wendt) und Bob Andrews (Levi Brandl) wieder zurück in ihrer Heimat Rocky Beach, der in Kalifornien in der Nähe von Los Angeles liegenden Kleinstadt. Dort betreiben die drei ungefähr fünfzehnjährigen Schulfreunde auf einem Schrottplatz in einem ausrangiertem Campinganhänger eine Detektei. Sie übernehmen jeden Fall. Aber die meisten Fälle, wie verschwundene Einhörner und verlegte Brillen, langweilen sie. Das ändert sich, als Fenton Prentice (Ulrich Tukur) sie um Hilfe bittet. Prentice ist Kunsthändler. In seiner Galerie will er demnächst die Werke seines kürzlich verstorbenen Freundes Edward ausstellen. Sein letztes Werk ist der Karpatenhund, ein von einer alten Sage inspirierter Hund aus Kristall.

Seit Edwards Tod wird Prentice nachts in seiner Wohnung von einem schrecklichen Hundejaulen verfolgt. Prentice fragt sich, ob der Fluch des Karpatenhundes ihn heimsucht, in den Wahnsinn und Tod treiben will.

Prentice wohnt im Mulholland View, einem leicht heruntergekommenem Apartmentkomplex, das den Charme alten Hollywoods mit etwas Noir- Atmosphäre und leichtem David-Lynch-Feeling verströmt. Die anderen Mieter sind die neugierige und zänkische Verwalterin des Hauses, Edwards unverkäufliche Dinge zusammenbastelnder Bruder, eine als Kellnerin arbeitende Schauspielerin, eine am Strand mit Akrobatikshows Geld verdienende Schlangenfrau, ein tagsüber am Pool meditierender und in den Tag hineinlebender Supermarktverkäufer und ein viel beschäftigter Börsenmakler.

Weil die drei jugendlichen Detektive nicht an eine übernatürliche Erklärungen glauben, muss einer dieser Mieter für das Heulen des Karpatenhundes verantwortlich sein.

Noch bevor sie mit ihren Ermittlungen richtig beginnen können, wird aus Edwards Atelier der wertvolle Karpatenhund geklaut. Der Dieb kann mit seiner Beute im Mulholland-View-Wohnkomplex entkommen. Jetzt wollen Justus, Peter und Bob auch den Diebstahl aufklären.

Nach dem Europaausflug spielt das zweite Kinoabenteuer mit den aktuellen ‚drei ???‘ – Julius Weckauf, Nevio Wendt und Levi Brandl – in der Gegend, in der sie normalerweise ermitteln. Und dieses Mal benehmen sie sich auch wie drei gute Freunde, die gemeinsam Abenteuer erleben wollen und sich in ihren Fähigkeiten als Detektive vorzüglich ergänzen. Halt genauso wie die Fans der ‚drei ???‘ Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews ihre niemals älter werdenden jugendlichen Ermittler seit 1964, als sie in den USA das erste „Die drei ???“-Buch erschien, kennen und vor allem in Deutschland lieben. Während in den USA die Buchserie mit den nicht alternden Teenager-Detektiven schon vor Jahrzehnten eingestellt wurde, erscheinen in Deutschland, geschrieben von deutschsprachigen Autoren, weitere Romane und auch Hörspiele. Es sind Krimis für Kinder. Und auch Tim Dünschedes „Die drei ??? und der Karpatenhund“ ist ein Krimi für ungefähr zehnjährige Kinder.

Alles in diesem Krimi ist kindgerecht und für Kinder, die sich einen spannenden Krimi ohne elterliche Begleitung ansehen wollen. Die Eltern, wenn sie denn unbedingt mit ins Kino kommen wollen, können ein wenig in Erinnerungen an lang zurückliegende Leseabende mit den drei jungen Detektiven schwelgen und den Film mit der für den Film stark veränderten Roman- und Hörspielvorlage vergleichen. Sie werden auch einige der offensichtlichen Anspielungen auf klassische Hollywood-Kriminal- und Horrorfilme erkennen. Trotzdem ist das kein Film für sie. Es ist auch kein Film für pubertierende Teenager. Justus, Peter und Bob sind zwar in der Pubertät und in desem Film alt genug, um nach US-amerikanischem Recht mit sechzehn Jahren Auto zu fahren (keine Panik, nur kurz am Filmende nach dem Abschluss des Falles), aber sie haben keine Pubertätsprobleme und sie interessieren sich auch überhaupt nicht für Mädchen.

„Die drei ??? und der Karpatenhund“ ist ein Film für Kinder, der nicht kindisch ist. Dünschede und Drehbuchautorin Anil Kizilbuga, die auch das Buch für „Die drei ??? – Erbe des Drachen“ schrieb, präsentieren einen ordentlich entwickelter Rätselkrimi mit mehreren Verdächtigen, falschen Spuren, kindgerechter Action und Spannung.

Der dritte Fall mit dem aktuellen Ermittlerteam wurde zusammen mit „Die drei ??? und der Karpatenhund“ gedreht. „Die drei ??? – Toteninsel“ soll in einem Jahr in die Kinos kommen.

Zum Filmstart veröffentlichte der Kosmos-Verlag, wo die „Die drei ???“-Jugendkrimis seit 1968 erscheinen, den von André Marx geschriebenen Roman zum Film. Es ist eine flüssig geschriebene Romanfassung des Films; mit vielen Bildern aus dem Film.

Die drei ??? und der Karpatenhund (Deutschland 2025)

Regie: Tim Dünschede

Drehbuch: Anil Kizilbuga

LV: M. V. Carey: The Mystery of the Invisible Dog, 1975 (Die drei ??? und der Karpatenhund)

Roman zum Film: André Marx: Die drei ??? und der Karpatenhund, 2024

mit Julius Weckauf, Nevio Wendt, Levi Brandl, Ulrich Tukur, Sunnyi Melles, Florian Lukas, Jördis Triebel, Filip Schnack, Philipp Christopher, Bernd Hölscher, Christoph Bach, Siri-Anna Faal, Johannes Nussbaum, Tamara Lopez

Länge: 107 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

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Das Buch zum Kinofilm

André Marx: Die drei ??? und der Karpatenhund

Kosmos, 2024

192 Seiten

13 Euro

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Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Die drei ??? und der Karpatenhund“

Moviepilot über „Die drei ??? und der Karpatenhund“

Kosmos über „Die drei ???“

Wikipedia über „Die drei ???“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Tim Dünschedes „Limbo“ (Deutschland 2019)

Meine Besprechung von Tim Dünschedes „Die drei ??? – Erbe des Drachen“ (Deutschland 2023)


Vorgelesen, mit Erklärungen: Volker Kaminski liest aus seiner Endzeitnovelle „Die letzte Prüfung“

Januar 21, 2025

In der Zukunft ist die nördliche Halbkugel vereist. Der gelobte Ort heißt Tripolis, aber der Weg zu diesem Paradies ist gefährlich und die Stadt darf erst nach der Absolvierung mehrerer Prüfungen betreten werden Der jüngste Prüfling des erfahrenen Prüfers Ted ist Falt, ein immer wieder gegen die Regeln verstoßender junger Mann mit großen Ambitionen.

Volker Kaminski schrieb diese gelungene Mischung aus Dystopie und Abenteuergeschichte vor über dreißig Jahren. Die Endzeitnovelle erschien 1994 im Verlag Klaus Wagenbach als „Die letzte Prüfung“. Für die 2024 bei PalmArtPress erschienene Neuausgabe überarbeitete Kaminski den ursprünglichen Text seines ersten Romans leicht.

Volker Kaminski lebt in Berlin. Er studierte Germanistik und Philosophie in Freiburg und Berlin. Er schreibt Kolumnen, Kurzgeschichten und Romane, u. a. zuletzt „Herzhand“, „RUA 17“ und „Die letzte Prüfung“. Er erhielt unter anderem ein Alfred Döblin-Stipendium und ein Stipendium der Kunststiftung Baden-Württemberg.

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Die Lesung wurde am 17. Januar 2025 im „Morgenstern – Antiquariat und Café“ (Berlin/Steglitz) aufgenommen.

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Aufnahme: Axel Bussmer

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Volker Kaminski: Die letzte Prüfung

PalmArtPress, 2024

116 Seiten

20 Euro

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Hinweise

Homepage von Volker Kaminski

PalmArtPress über „Die letzte Prüfung“

Wikipedia über Volker Kaminski

Homepage von Morgenstern – Antiquariat und Café

Meine Besprechung von Volker Kaminskis Science-Fiction-Romanen „RUA 17“ (2023) und „Die letzte Prüfung“ (2024)


Cover der Woche: Víctor Santos: Fahrenheit 451

Januar 7, 2025

Fahrenheit 451 ist die Temperatur, bei der das Papier von Büchern von alleine anfängt zu brennen.

„Fahrenheit 451“ ist der Titel von Ray Bradburys 1953 erschienenem Science-Fiction-Klassiker über eine Welt, in der Feuerwehrleute Bücher in Brand setzen. Eines Tages beginnt einer von ihnen, Guy Montag, an seiner Arbeit zu zweifeln. Er beginnt die Bücher, die er verbrennen sollte, zu lesen, während seine Frau gelangweilt vor dem Fernseher sitzt und weiter verblödet. Durch seine Taten wird Montag zum Staatsfeind.

„Fahrenheit 451“ ist auch der Titel von Víctor Santos‘ überaus gelungener Comic-Adaption von Bradburys vor allem in den USA täglich aktueller werden Dystopie über eine Gesellschaft ohne kulturelles Gedächtnis.

Oh, und „Fahrenheit 451“ ist auch der Titel von François Truffauts durchwachsener, aber dennoch sehenswerter Verfilmung des Romans.

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Víctor Santos: Fahrenheit 451

(nach dem Roman von Ray Bradbury)

(übersetzt von Silvano Loureiro Pinto)

Cross Cult, 2024

160 Seiten

22 Euro

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Originalausgabe

Fahrenheit 451

Editorial Planeta, 2023

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Hinweise

Homepage von Víctor Santos

Wikipedia über „Fahrenheit 451“ (Roman [deutsch, englisch], Film [deutsch, englisch]) und Víctor Santos

Meine Besprechung von Ray Bradburys „S is for Space“ (S is for Space, 1966)


TV-Tipp für den 25. Dezember: Dune

Dezember 24, 2024

Pro 7, 20.15

Dune (Dune, USA 2021)

Regie: Denis Villeneuve

Drehbuch: Denis Villeneuve, Jon Spaihts, Eric Roth

LV: Frank Herbert: Dune, 1965 (Dune – Der Wüstenplanet)

TV-Premiere. Erfurchtsvolle Bebilderung der ersten Hälfte von Frank Herberts „Der Wüstenplanet“. Den Fans, dem Publikum und den Kritikern gefiel das Werk.

Die Verfilmung der zweiten Buchhälfte lief dieses Jahr, ebenfalls erfolgreich, im Kino. Und irgendwann demnächst – ein Startdatum gibt es noch nicht, aber das Drehbuch soll schon fertig sein – verfilmt Villeneuve „Dune Messiah“.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Timothée Chalamet, Rebecca Ferguson, Oscar Isaac, Jason Momoa, Stellan Skarsgård, Stephen McKinley Henderson, Josh Brolin, Javier Bardem, Sharon Duncan-Brewster, Chang Chen, Dave Bautista, David Dastmalchian, Zendaya, Charlotte Rampling, Babs Olusanmokun, Benjamin Clementine

Wiederholungen:

Pro 7, Donnerstag, 26. Dezember, 14.40 Uhr

Kabel 1, Mittwoch, 8. Januar, 20.15 Uhr

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Die Vorlage

Frank Herbert: Dune – Der Wüstenplanet

(übersetzt von Jakob Schmidt)

Heyne, 2020 (die Filmausgabe)

800 Seiten

12,99 Euro

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Zum Filmstart erschien der Roman mit einem neuen Cover.

Vor dem Filmstart erschien der Roman bereits in mehreren Übersetzungen.

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Originalausgabe

Dune

Chilton Books, 1965

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Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Dune“

Metacritic über „Dune“

Rotten Tomatoes über „Dune“

Wikipedia über „Dune“ (2021) (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Denis Villeneuves „Enemy“ (Enemy, Kanada/Spanien 2013)

Meine Besprechung von Denis Villeneuves „Sicario“ (Sicario, USA 2015) und der DVD und des Soundtracks

Meine Besprechung von Denis Villeneuves „Arrival“ (Arrival, USA 2016)

Meine Besprechung von Denis Villeneuves Frank-Herbert-Verfilmung „Dune“ (Dune, USA 2021)

Meine Besprechung von Denis Villeneuves Frank-Herbert-Verfilmung „Dune: Part Two“ (Dune: Part Two, USA 2024)

Meine Besprechung von Frank Herberts „Dune – Der Wüstenplanet“ (Dune, 1965)

Meine Besprechung von Tanya Lapointe/Stefanie Broos‘ „Hinter den Kulissen von Dune: Part Two (Vorwort von Denis Villeneuve, Einführung von Brian Herbert und Kevin J. Anderson)“ (The Art and Soul of Dune: Part Two, 2024)


Die besten und enttäuschendsten Filme und Bücher 2024

Dezember 21, 2024

Es ist wieder an der Zeit für die jährlichen Bestenlisten. Oft erstelle ich keine, weil ich mit dem Konzept einer Bestenliste meine Probleme habe. Trotzdem habe ich es dieses Jahr wieder gemacht und ihr glaubt nicht, wie lange ich Bücher und Filme hin und herschob und mich ärgerte, dass ich einige Bücher nicht gelesen habe, die sonst mit Sicherheit auf der Liste stünden, während ich Bücher las, die niemals auch nur eine Chance auf einen Platz auf der Bestenliste hatten. Naja, vorbei ist vorbei und ich muss mit den Büchern und Filmen arbeiten, die ich kenne.

 

Die zwanzig besten Spielfilme des Jahres, die 2024 in Deutschland im Kino anliefen (ab Platz vier in keiner bestimmten Reihenfolge)

  1. The Substance (The Substance, Großbritannien/USA 2024, Regie: Coralie Fargeat)
  2. The Zone of Interest (The Zone of Interest, Großbritannien/Polen/USA 2023, Regie: Jonathan Glazer)
  3. Poor Things (Poor Things, USA 2023, Regie: Yorgos Lanthimos)
  4. Anora (Anora, USA 2024, Regie: Sean Baker)
  5. Challengers – Rivalen (Challengers, USA 2024, Regie: Luca Guadagnino)
  6. The Holdovers (The Holdovers, USA 2023, Regie: Alexander Payne)
  7. In Liebe, eure Hilde (Deutschland 2024, Regie: Andreas Dresen)
  8. Die Ermittlung (Deutschland 2024, Regie: RP Kahl) (die überzeugende Bebilderung eines vierstündigen Theaterstücks von 1965, das heute immer noch wichtig ist)
  9. Cranko (Deutschland 2024, Regie: Joachim A. Lang)
  10. Rickerl – Musik is höchstens a Hobby (Österreich/Deutschland 2023, Regie: Adrian Goiginger)
  11. Green Border (Zielona granica, Polen/Tschechien/Frankreich/Belgien 2023, Regie: Agnieszka Holland)
  12. Verbrannte Erde (Deutschland 2024, Regie: Thomas Arslan) (Ich liebe einfach Parkers Erben)
  13. A Killer Romance (Hit Man, USA 2023, Regie: Richard Linklater)
  14. Blink Twice (Blink Twice, USA 2024, Regie: Zoë Kravitz)
  15. Emilia Pérez (Emilia Pérez, Frankreich 2024, Regie: Jacques Audiard)
  16. MaXXXine (MaXXXine, USA 2024, Regie: Ti West)
  17. Immaculate (Immaculate, USA/Italien 2024, Regie: Michael Mohan) (Nonnenhorror mit Sydney Sweeney; sie überzeugt auch in „Reality“)
  18. Late Night with the Devil (Late Night with the Devil, Australien/USA/Vereinigte Arabische Emirate 2023, Regie: Cameron Cairnes, Colin Cairnes)
  19. Robot Dreams (Robot Dreams, Spanien/Frankreich 2023, Regie: Pablo Berger)
  20. Problemista (Problemista, USA 2023, Regie: Julio Torres)

     

Insgesamt war es kein schlechtes Kinojahr. Das zeigt auch ein Blick auf die mindestens zehn Film, die es nicht auf diese Liste schafften, die ursprünglich eine Liste mit den zehn besten Filmen des Jahres sein sollte.

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Die (mehr oder weniger) zehn größten filmischen Enttäuschungen des Jahres

 

– Alle Filme mit einer „2“ im Titel (wie „Gladiator II“, „Vaiana 2“, „Smile 2“, „Joker: Folie à Deux“, „Beetlejuice Beetlejuice“, „Alles steht Kopf 2“, „Nightwatch: Demons are forever“,…) (es sind nicht unbedingt objektiv schlechte Filme, aber sie wiederholen einfach noch einmal die in sich abgeschlossene und gute Geschichte des tollen Originals. Nur schlechter.)

 

– Eigentlich alle Superheldenfilme (wie „Deadpool & Wolverine“, „Madame Web“ [noch ein Film mit Madame Sweeney], „Kraven the Hunter“,…) (vor einigen Jahren freute ich mich auf neue Superheldenfilme. Inzwischen ist es anders. Nicht weil ich älter wurde [Ja, auch.], sondern weil die Filme oft ein überragend lieblos und ambitionslos zusammengestellter Kladderadatsch sind. Dabei ist jedes Mal genug Geld und Talent für einen mindestens passablen Film vorhanden.)

 

außerdem (in keiner besonderen Reihenfolge):

  1. The Crow (The Crow, Großbritannien/Frankreich/USA/Deutschland 2024, Regie: Rupert Sanders) (ein freies Remake, das die Welt nicht braucht; oder, anders gesagt: man muss das Original nicht kennen, um zu wissen, dass diese Neuinterpretatiion ein schlechter Film ist)
  2. Argylle (Argylle, USA 2024, Regie: Matthew Vaughn) (keine Bond-Parodie, sondern ein Desaster, das auch Sam Rockwell nicht retten kann)
  3. The Apprentice – The Trump Story (The Apprentice, USA 2024, Regie: Alli Abbasi) (nichts was über einen schlechten SNL-Sketch hinausgeht und deutlich weniger informativ als eine gute Zeitungsreportage. )
  4. Civil War (Civil War, USA 2024, Regie: Alex Garland) (technisch gut gemacht, aber mehr verpasste Chancen als ein Schweizer Käse Löcher hat)
  5. Kinds of Kindness (Kinds of Kindness, USA 2024, Regie: Yorgos Lanthimos) (auch nach zweimaligem Sehen: nur Leftovers aus dem vorherigen Film)
  6. Buñuel – Filmemacher des Surrealismus (Buñuel, un cineasta surrealista, Spanien 2021, Regie: Javier Espada) (Für wen wurde der Film gemacht?)
  7. Godzilla x Kong: The New Empire (Godzilla x Kong: The New Empire, USA 2024, Regie: Adam Wingard) (Wo ist Roland Emmerich, wenn wir ihn brauchen?)
  8. Back to Black (Back to Black, Großbritannien 2024, Regie: Sam Taylor-Johnson) (nach diesem Amy-Winehouse-Biopic erscheint Reinaldo Marcus Greens „Bob Marley: One Love“ [Bob Marley: One Love, USA 2024] in einem deutlich positiveren Licht)
  9. The Fall Guy (The Fall Guy, USA 2024, Regie: David Leitch) (Konfuser Langweiler. Ähnlickeiten mit der TV-Serie sind zufällig.)

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Solitär

Megalopolis (Megalopolis, USA 2024, Regie: Francis Ford Coppola) (was für ein Werk! Gleichzeitig sehenswert und gescheitert, aber nicht sehenswert gescheitert. Nachdem Coppola in den letzten Jahren seine früheren Filme in mehr oder weniger überarbeiteter Form wieder in die Kinos brachte, verwirklicht er hier, ohne auf irgendjemand und irgendetwas Rücksicht zu nehmen, sein über Jahrzehnte verfolgtes Traumprojekt um. Wenn nur das Ergebnis mehr als ein Bilderbogen mit den Nebenfiguren eines in Gotham spielenden Batman-Films ohne Batman wäre.)

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Ehrenwerte Nennung

Caligula – The Ultimate Cut (Caligula – The Ultimate Cut, USA 2023, Regie: Tinto Brass, Rekonstruktion: Thomas Negovan) (aus dem Material kann man wahrscheinlich keinen guten Film machen, aber dieser Cut dürfte die beste Fassung des Skandalfilms sein. Außerdem durfte ich diesen dreistündigen kruden Mix aus Größenwahnsinn, Sex und Gewalt auf einer verdammt großen Leinwand sehen. Ja, solche Filme werden heute nicht mehr gemacht.)

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Die zehn besten Bücher des Jahres, die erstmals dieses (oder letztes) Jahr in Deutschland erschienen; wieder in keiner besonderen Reihenfolge:

  1. Horst Eckert: Nacht der Verräter (2024)
  2. Jürgen Heimbach: Waldeck (2024)
  3. Marc-Uwe Kling: Views (2024) (Krimis kann er auch)
  4. Joe R. Lansdale: More better Deals – Tödliche Geschäfte (More better Deals, 2020)
  5. Don Winslow: City in Ruins (City of Ruins, 2024) (Abschuss einer grandiosen Trilogie, die chronologisch gelesen werden sollte, und, so Don Winslow, sein letzter Roman)
  6. Anthony Ryan: Ein Fluss so rot und schwarz (als A. J. Ryan: Red River Seven, 2023)
  7. Anthony J. Quinn: Frau ohne Ausweg (Border Angels, 2013) (und danach geht es mit seinen weiteren an der irisch/nordirischen Grenze spielenden Polizeiromanen mit Detective Celcius Daly weiter; zwei sind bereits übersetzt)
  8. Ken Bruen: Scharfe Munition (Ammunition, 2007) (und nach der Saga um Detective Sergeant Brant geht es weiter mit einem der vielen nicht übersetzten Krimis mit Galway-Privatdetektiv Jack Taylor)
  9. Ross Thomas: Die Narren sind auf unserer Seite (The Fools in Town are on our side, 1970; erste vollständige Übersetzung; die Übersetzung von 1972 ist radikal gekürzt; für den Einstieg in die Welt von Ross Thomas empfehle ich allerdings einen seiner kürzeren Romane)
  10. Mark Salisbury: Being Bond: Daniel Craig – Ein Rückblick (Being Bond: A Daniel Craig Retrospective, 2024)

 

außerdem

Martin Amis: Intererssengebiet (The Zone of Interest, 2014) (wegen der sehr freien Verfilmung „The Zone of Interest“ habe ich den Roman gelesen und, nun, er gehört zu Amis‘ besten Werken)

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Wenn ich mir jetzt meine Listen selbstkritisch ansehe, gebe ich ein Versprechen: Nächstes Jahr wird vor allem die Bücherliste weiblicher.

 

Und was waren eure Lieblinge?

 


Volker Kaminski besucht für „Die letzte Prüfung“ die „RUA 17“

Dezember 17, 2024

Utopische Literatur aus Deutschland? Es gibt sie und es gab sie schon immer. Im Filmbereich wären „Metropolis“, „Frau im Mond“ und die „Dr. Mabuse“-Filme zu nennen. Später gab es Rainer Werner Fassbinders „Welt am Draht“, ungefähr alle Filme von Rainer Erler, zu denen er auch manchmal Bücher veröffentlichte, das in Deutschland entstandene Frühwerk von Roland Emmerich, wie „Das Arche-Noah-Prinzip“, und Tim Fehlbaums „Hell“ und „Tides“. Um nur einige sehenswerte Filme zu nennen.

Seit 1961 gibt es die Heftromane und Romane mit „Perry Rhodan“.

Und es gibt Romanautoren wie Kurd Laßwitz (nach dem Deutschlands wichtigster Science-Fiction-Preis benannt ist), Hans Dominik (dessen Bücher über Jahrzehnte in fast jedem Bücherhaushalt zu finden waren und in der Stadtbücherei gerne ausgeliehen wurden), Wolfgang Jeschke (dessen Tätigkeit als langjähriger Herausgeber des Heyne-Science-Fiction-Programms nicht überschätzt werden kann), Carl Amery und jüngere Autoren wie Andreas Eschbach und Dietmar Dath. Sie alle zeigen, dass es Science-Fiction aus Deutschland gibt.

Auch Frank Schätzings „Der Schwarm“ und Marc-Uwe Klings beiden „QualityLand“-Romane sind eindeutig Science-Fiction-Romane, die als Bestseller nicht unbedingt als Science-Fiction-Roman rezipiert wurden.

Mit seinem ersten Buch, der Novelle „Die letzte Prüfung“, die erstmals 1994 erschien, und dem Roman „RUA 17“ reiht Volker Kaminski sich in diese ehrwürdige Reihe ein. Beim Lesen von „RUA 17“ fragte ich mich, warum der Roman nicht bei einem großen Verlag, wie Heyne oder Bastei-Lübbe, sondern bei einem kleinen Verlag, nämlich dem Independent-Verlag PalmArtPress, erschien. Für die Qualität des Romans ist es egal. Für den Verkauf eher nicht.

„RUA 17“ beginnt wie eine klassische Dystopie. In der Zukunft helfen humanoide Roboter, Assistenten genannt, Menschen. In dem Altstadtviertel RUA 17 helfen sie älteren Menschen bei ihren alltäglichen Tätigkeiten, pflegen sie und überwachen sie. Dort leben die Menschen in Wohngemeinschaften. Immer wieder nehmen die Assistenten Mitglieder der Gemeinschaft mit. Einige verschwinden nicht ganz freiwillig. Wenig später bringen sie andere ältere Menschen in die Wohngemeinschaften. Die Erinnerung an die Verschwundenen verblasst so schnell, dass Meister, ein Bewohner von Haus 1021 und ehemaliger Lateinlehrer, neugierig wird. Er fragt sich, warum seine Mitbewohner verschwinden und was mit ihnen geschieht. Bäumer, so sein richtiger Name, notiert sich, was ihm wichtig erscheint.

Außerdem unterrichtet er jede Woche einige Stunden die in der noblen Westrandsiedlung wohnde Schülerin Daria. Ihr Vater Mikael Grandin ist Mathematiker und Theoretiker der Künstlichen Intelligenz. Sie hat keine Lust am Schulunterricht. Meister wurde von Grandin engagiert, um das zu ändern. Gemeinsam beginnen Meister und die sich im Teenageralter befindende Computerexpertin Daria nach der Wahrheit zu suchen.

Und wie in jeder ordentlichen Dystopie mögen die Mächtigen es nicht, wenn Menschen beginnen, gegen die Regeln des Systems zu verstoßen und an ihm zu zweifeln.

In „RUA 17“ spricht Kaminski, wenn Meister und Daria beginnen, die Dystopie zu erkunden, auch aktuelle Probleme, wie den Umgang mit alten Menschen, und Möglichkeiten und Grenzen von Künstlicher Intelligenz und computergenerierten Fantasiewelten an. Genau deswegen könnte sich die ganze Geschichte auch in Meisters Kopf abpielen. Dann wäre „RUA 17“ keine „Brave New World“-Dystopie, sondern der Blick in den Kopf eines zunehmend dementen Mannes. Oder in die „Matrix“, wo Maschinen sich um das Wohlbefinden der Menschen kümmern.

In jedem Fall ist „RUA 17“ eine spannende Lektüre, die sich schnell zu einer ziemlich komplexen, aber immer nachvollziehbar erzählten Geschichte über Menschen und die Gefahren und auch Chancen von Künstlicher Intelligenz entwickelt. Kaminskis Dystopie könnte, weil sie nicht auf einen Konflikt und ein klares Ende fixiert ist, die Vorlage für eine sich über mehrere Staffeln erstreckende TV/Streamingserie oder ein Computerspiel sein. In dem Spiel könnten die Spieler dann über einen langen Zeitraum die Welt erkunden.

Die ungefähr hundertseitige ‚Endzeitnovelle‘ „Die letzte Prüfung“ erschien 1994 im Verlag Klaus Wagenbach und wurde für die aktuelle Ausgabe von Volker Kaminski etwas überarbeitet. Die Geschichte spielt in einer zeitlich nicht genau verorteten zukünftigen Welt, in der die Erde seit Jahrzehnten bis zum afrikanischen Kontinent vereist ist. Tripolis ist die mythische utopische Stadt, die das Ziel einer gefährlichen Reise und damit verbundenen Prüfungen ist. Teds neuer Prüfling ist Falt. Und dieser Prüfling ist für den alten Prüfer eine wirkliche Herausforderung.

Im Gegensatz zu „RUA 17“ ist in „Die letzte Prüfung“ die Welt in der die Geschichte spielt, nur sparsam gezeichnet. Sie beschränkt sich auf das von Ted und Falt benutzte Fahrzeug und die unwirtliche Welt, die sie durchfahren. Die Geschichte selbst ist eine spannende Science-Fiction-Abenteuergeschichte mit einem etwas abruptem Ende. „Die letzte Prüfung“ ist die ideale Lektüre für einen halblangen Abend.

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Volker Kaminski: RUA 17

PalmArtPress, 2023

336 Seiten

25 Euro

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Volker Kaminski: Die letzte Prüfung

PalmArtPress, 2024

116 Seiten

20 Euro

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Erstausgabe

Verlag Klaus Wagenbach, 1994

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Hinweise

Homepage von Volker Kaminski

PalmArtPress über Volker Kaminski

Wikipedia über Volker Kaminski


Joe R. Lansdale bietet „More better Deals – Tödliche Geschäfte“ an

November 27, 2024

Ed Edwards soll einen kürzlich verkauften Cadillac zurückholen. Der Käufer Frank Craig ist mit den Raten in Verzug. Als Ed den Auftrag ausführen will, trifft er auf Franks jüngere, überaus gutaussehende und mit dem Zustand ihrer Ehe sehr unzufriedene Ehefrau. Mit ihrem Mann führt sie ein Autokino und einen daneben liegenden Tierfriedhof. Ihr Mann ist meistens als Lexikonverkäufer unterwegs; was anscheinend nur eine Umschreibung für „längere Sauftouren und rumhuren mit anderen Frauen“ ist.

Ed ist Korea-Kriegsveteran, als Verkäufer von gebrauchten, meistens schrottreifen Autos bei Smiling Dave angestellt und, obwohl er noch lange keine dreißig Jahre alt ist, unzufrieden mit seinem Leben. Er denkt sich, dass ein Leben mit Nancy als Besitzer des Autokinos und Tierfriedhofs eine gute Sache sei. Doch das ist eine Tagträumerei, bis Nancy ihm vorschlägt, ihren gewalttätigen und trunksüchtigen Mann umzubringen und außerdem die Versicherungspolice einzustreichen. Ed ist nach einer kurzen Bedenkpause einverstanden. Ihr Plan ist, jedenfalls auf dem Papier, todsicher.

Nicht nur Noir-Fans dürften den Grundplot von Joe R. Lansdales auf Deutsch neuem Roman „More better Deals – Tödliche Geschäfte“ kennen. Denn selbstverständlich gibt es nach Franks Tod für das Liebespaar weitere Probleme, die zu weiteren Morden, Sex und Lügen führen. Genauso selbstverständlich ist nichts dagegen zu sagen, wenn eine vertraute Geschichte noch einmal, mit kleinen Variationen, gut erzählt wird. Und genau das tut Joe R. Lansdale. Er erzählt die Geschichte mit Ed als Ich-Erzähler zügig, schnörkellos und mit dem für ihn typischen trockenem Humor auf wenigen Seiten und mit kleinen, überraschenden Variationen. So ist Ed, Kind einer Beziehung zwischen einer Weißen und einem Schwarzen, ein hellhäutiger Schwarzer, der in seiner Geburtsurkunde seine Rassenzugehörigkeit in Weiß änderte. Das war damals – die Geschichte spielt in Texas in den frühen sechziger Jahren – die einzige Möglichkeit, bessere Jobs zu bekommen und in der Gesellschaft aufzusteigen. Er hat eine trunksüchtige Mutter und eine jüngere neunzehnjährige Schwester, die intelligent genug für ein College ist. Als Schwarze hat sie allerdings keine Chance, angenommen zu werden.

Lesenswert; – wie alle Geschichten von Joe R. Lansdale.

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Joe R. Lansdale: More better Deals – Tödliche Geschäfte

(übersetzt von Wulf Bergner)

Festa, 2024

336 Seiten

22,99 Euro

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Originalausgabe

More better Deals

Mulholland Books, 2020

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Hinweise

Homepage von Joe R. Lansdale

Stuttgarter Zeitung: Thomas Klingenmaier hat Joe R. Lansdale getroffen (25. März 2013)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales „Rumble Tumble“ (Rumble Tumble, 1998 )

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales “Der Gott der Klinge” (The God of the Razor, 2007)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales “Der Teufelskeiler” (The Boar, 1998)

Meine Besprechung  von Joe R. Lansdales „Akt der Liebe“ (Act of Love, 1981)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales „Die Wälder am Fluss“ (The Bottoms, 2000)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales “Kahlschlag” (Sunset and Sawdust, 2004)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales “Gauklersommer” (Leather Maiden, 2008)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales “Ein feiner dunkler Riss” (A fine dark Line, 2003)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales „Dunkle Gewässer“ (Edge of Dark Water, 2012)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales „Straße der Toten“ (Deadman’s Road, 2010)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales „Machos und Moneten“ (Captains Outrageous, 2001)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales „Wilder Winter“ (Savage Season, 1990)

Mein Interview mit Joe R. Lansdale zu „Das Dickicht“ (The Thicket, 2013)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales „Mucho Mojo“ (ursprünglich „Texas Blues“) (Mucho Mojo, 1994)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales „Bissige Biester! (Rusty Puppy, 2017)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales „Hap & Leonard – Die Storys“ (Hap and Leonard, 2016)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales „Moon Lake“ (Moon Lake, 2021)


Alex Beer erhält „Krimifuchs 2024“ für ihre Felix-Blom-Krimireihe

November 23, 2024

Alex Beer erhält im Rahmen der 31. Reinickendorfer Kriminacht den Reinickendorfer Krimipreis „Krimifuchs“ für ihre Felix-Blom-Krimireihe, die aktuell aus „Der Häftling aus Moabit“ und „Der Schatten von Berlin“ besteht. Die Hauptpersonen der 1878 und 1879 spielenden unterhaltsamen Kriminalromane sind Felix Blom, ein ehemaliger Einbrecher, und Mathilde Voss, eine ehemalige Prostituierte. Jetzt arbeiten sie gemeinsam als Privatdetektive. In ihrem ersten Fall suchen sie einen Mörder, der seine Taten mit einer an das Opfer geschickten Karte ankündigt: „Binnen dreißig Stunden musst Du eine Leiche sein.“ Auch Blom erhält so eine Karte.

In ihrem zweiten Fall sollen sie herausfinden, warum ein Grabräuber den sich auf dem St.-Hedwig-Friedhof in der Krypta befindenden Sarg des Archäologie-Professors Eduard Rohland öffnete. Zur gleichen Zeit sucht Kommissar Heinrich Schlesinger, frisch aus dem sonnigen Afrika ins kalte Berlin gekommen, den Mörder eines bestialisch ermordeten Kleinganoven. Und wir Leser wissen von Anfang an, dass beide Fälle miteinander zusammenhängen und Verbrecherkönig Arthur Lugowski ebenfalls in die Sache verwickelt ist.

Die Preisverleiher begründen ihre Wahl so: „Der Preis würdigt die gelungene Verbindung von exzellenter historischer Recherche, vielschichtigen Charakteren und einem fesselnden, unterhaltsamen Plot. Mit ihrem unkonventionellen Ermittlerduo – dem charmanten Ex-Kriminellen Felix Blom und der selbstbewussten Mathilde Voss, einer ehemaligen Prostituierten – schafft Alex Beer eine spannende und zugleich humorvolle Dynamik. Ihre detaillierte und authentische Darstellung des Berlins der 1870er-Jahre macht die Krimireihe zu einer perfekten Mischung aus Spannung, Zeitgeschichte und literarischem Anspruch.“

Zu den früheren „Krimifuchs“-Preisträgern gehören Johannes Groschupf, Zoë Beck, Elisabeth Herrmann, Rainer Wittkamp, Sascha Arango, Oliver Bottini, Fred Breinersdorfer, Thea Dorn, Felix Huby, Pieke Biermann und Horst Bosetzky.

Die Preisverleihung ist am Samstag, den 23. November, um 19.00 Uhr im Ernst-Reuter Saal (Eichenborndamm 215, 13437 Berlin) während der 31. Reinickendorfer Kriminacht. Literaturkritiker Elmar Krekeler hält die Laudatio. Bezirksbürgermeisterin Emine Demirbüken-Wegner (CDU) überreicht den Preis. Alex Beer wird aus den beiden Felix-Blom-Büchern und ihrem neuesten August-Emmerich-Roman „Die weiße Stunde“ lesen. Ihre Kollegen Jakob Nolte, Marc Raabe und Andreas Winkelmann und das „Premier Swingtett“ stehen ebenfalls auf der Bühne.

Alex Beer: Felix Blom: Der Schatten von Berlin

Limes, 2023

336 Seiten

18 Euro

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Alex Beer: Felix Blom: Der Häftling aus Moabit

Blanvalet, 2024

384 Seiten

13 Euro

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Erstausgabe

Limes, 2022

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Hinweise

Homepage von Alex Beer

Penguin Random House (ihr Verlag) über Alex Beer

Wikipedia über Alex Beer


Autsch! Hannelore Cayre schlägt „Finger ab“

November 18, 2024

„Finger ab“, der neue Roman der grandiosen französischen Noir-Autorin Hannelore Cayre, beginnt wie ein typischer schwarzhumoriger Cayre-Roman. Während dem Ausheben einer Grube für einen nicht genehmigten Swimmingpool entdecken die drei polnischen Arbeiter ein Skelett. Die Auftraggeberin würde die Arbeiter am liebsten weiterbuddeln lassen, aber der Vorarbeiter lehnt ab. Erst müsse ein Priester kommen. Dieser wirft einen Blick auf die beiden Skelette und ruft die befreundete Paläontologin Adrienne Célarier an. Diese erforscht penibel den Fundort und sabotiert alle Bauplanungen der Landbesitzerin. Denn auf ihrem Grundstück in Savignac-de-Miremont in der Dordogne wurde eine exzellent erhaltene Höhle mit Wandmalereien, Gegenständen und Knochen entdeckt, die Auskunft über die Ursprünge der Menschheit vor 35000 Jahren, also während dem Aurignacien, geben kann.

Der restliche Roman springt dann zwischen einer Pressekonferenz von Adrienne Célarier über die wissenschaftliche Sensation und der Vergangenheit hin und her. In dem Moment wird „Finger ab“ zu einer Abenteuergeschichte, in der Oli in ihrem Sippe eine Außenseiterin ist. Sie jagt und erfindet dabei Wurftechniken, die Tiere über eine größere Distanz töten können. Sie widerspricht Ältester Onkel. Er ist der älteste Mann der Sippe und deshalb ihr Führer. Wenn Oli und die anderen Frauen ihre Pflichten vernachlässigen oder sich unbotmäßig verhalten, hackt er ihnen immer wieder einen Finger ab.

Als Oli zufällig entdeckt, wie Kinder gezeugt werden, gerät das Leben zwischen Männern und Frauen aus dem Lot.

Olis Geschichte ist eine in der heutigen Sprache geschriebene feministische Neuinterpretation unserer Frühgeschichte. Als Abenteuergeschichte funktioniert dieser Bildungsroman ausgezeichnet. Es gibt auch einige Menschen, die einen gewaltsamen Tod erleiden. Aber dadurch wird „Finger ab“ nicht zu einem Kriminalroman. Und den typischen Cayre-Humor gibt es auch nur auf den allerersten Seiten.

Insofern ist „Finger ab“ vor allem etwas für die Cayre-Komplettisten und die Fans von historisch grundierten Abenteuergeschichten. In ihrem Nachwort geht sie ausführlich auf die von ihr verwendeten Quellen ein.

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Hannelore Cayre: Finger ab

(übersetzt von Iris Konopik)

Ariadne/Argument Verlag, 2024

204 Seiten

15 Euro

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Originalausgabe

Les doigts coupés

Éditions Métailié, 2024

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Hinweise

Wikipedia über Hannerlore Cayre

Meine Besprechung von Hannelore Cayres „Der Lumpenadvokat“ (Commis d’office, 2004)

Meine Besprechung von Hannelore Cayres „Das Meisterstück“ (Toiles de maitre, 2005)

Meine Besprechung von Hannelore Cayres „Die Alte“ (La daronne, 2017)

Meine Besprechung von Hannelore Cayres „Reichtum verpflichtet“ (Richesse oblige, 2020)

Meine Besprechung von Jean-Paul Salomés Hannelore-Cayre-Verfilmung „Eine Frau mit berauschenden Talenten“ (La daronne, Frankreich 2020) und der DVD


Gerald Kersh hat ein „Hirn und Zehn Finger“

November 11, 2024

Die Originalausgabe erschien bereits vor über achtzig Jahren. Trotzdem liest sich die Geschichte brennend aktuell. Gerald Kersh erzählt in der Novelle „Hirn und zehn Finger“ von einer kleinen Truppe jugoslawischer Kämpfer während des Zweiten Weltkriegs. Mitten in der Nacht überfallen sie ein Lager der italienischen Besatzer. Sie bringen einige Italiener um, einige von ihnen sterben und sie können mit ihrer Beute das Lager verlassen. Mit dem geklauten Dynamit und den Zundschnüren wollen sie später Anschläge gegen die Italiener und die Nazis verüben. Jetzt müssen sie nur schnell entkommen.

Aber der Regen hat die Bistrica zu einem reißenden Strom anschwellen gelassen, der die Brücke, die sie auf ihrer Flucht benutzen wollten, wegriss. Sie haben höchstens eine Stunde, um eine Behelfsbrücke zu errichten und ihr Leben ihren mordgierigen Verfolgern zu retten.

Kersh lässt die knapp 110-seitige Geschichte nacheinander von verschiedenen Erzählern erzählen. Nämlich dem sechzehnjährigen Andrej, dem ‚Narr‘ Klemen, der in höchster Not das Kommando übernimmt und Anweisungen zum Bau der Notbrücke gibt, den Deutschen- und Italienerhasser Stefek und Jeriza, einer jungen Frau, die mit ihrem Vater den Partisanen vom anderen Flussufer aus helfen will. Jeder dieser Ich-Erzähler hat eine unverwechselbare Stimme und eine eigene Perspektive auf die Ereignisse. Durch den Kunstgriff mit den verschiedenen Erzählerstimmen gelingt Kersh auf wenigen Seiten ein vielschichtes Bild der Ereignisse in dieser Nacht und er verleiht den einzelnen Figuren mit wenigen Worten eine große Tiefe.

Die Geschichte spielt 1943 und sie ist ein Heldenlied auf die Tapferkeit der Widerstandskämpfer. Sie haben keine Chance, aber sie kämpfen weiter. Und weil die Parallelen zum Ukraine-Krieg, wo Ukrainer tapfer ihr Land gegen einen übermächtigen Gegner verteidigen, offensichtlich sind, liest sich „Hirn und zehn Finger“ wie eine gerade erst geschriebene spannende Geschichte über eine kleine Episode aus einem Krieg. Man müsste nur einige Worte austauschen und schon würde Kershs Geschichte in der heutigen Ukraine spielen.

Noir-Autor Gerald Kersh lebte von 1911 bis 1968. Er war während des Zweiten Weltkriegs ein Bestsellerautor. Später geriet er in Vergessenheit und wurde vor einigen Jahren wiederentdeckt.

Sein bekanntester Roman ist „Nachts in der Stadt“ (Night And The City, 1938). Der Noir wurde zweimal verfilmt. Einmal 1950 von Jules Dassin als „Die Ratte von Soho“ mit Richard Widmark in der Hauptrolle. Der Film gilt als Klassiker. Einmal 1992 von Irwin Winkler als „Night and the City“ mit Robert De Niro in der Hauptrolle.

„Hirn und zehn Finger“ ist der vierte bei pulp master erschienene Noir von Gerald Kersh. Davor erschienen dort seine ebenfalls lesenswerten Romane „Die Toten schauen zu“, „Ouvertüre um Nitternacht“ und „Nachts in der Stadt“.

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Gerald Kersh: Hirn und zehn Finger

(übersetzt von Angelka Müller, mit einem Nachwort von Angelika Müller und Frank Nowatzki)

pulp master, 2024

128 Seiten

12 Euro

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Originalausgabe

Brian and Ten Fingers

William Heinemann LTD, 1943

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Hinweise

Krimi-Couch über Gerald Kersh

pulp master über Gerald Kersh

Perlentaucher über Gerald Kersh

Wikipedia über Gerald Kersh (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Gerald Kershs „Ouvertüre um Mitternacht” (Prelude to a Certain Midnight, 1947)

Meine Besprechung von Gerald Kershs „Die Toten schauen zu“ (The Dead look on, 1943)


„Scharfe Munition“ von Ken Bruen für Inspektor Brant

Oktober 22, 2024

Ehrliche Polizisten gibt es vielleicht im Fernsehen. Bei Ken Bruen gibt es in seinem siebten und letzten Brant-Roman, der jetzt auf Deutsch erschien, nur ehrlich korrupte und verbrecherische Polizisten, die Dienstvorschriften höchstens als lässliche Empfehlungen behandeln.

Inspektor Brant ist ein in seinem Revier Südost-London von Kollegen und Verbrechern gleichermaßen gefürchteter Cop. Bislang überlebte er jeden Versuch, ihn aus dem Polizeidienst zu entfernen. Das könnte sich jetzt ändern. Auf den ersten Seiten von „Scharfe Munition“ wird er im King’s Arms angeschossen und schwer verwundet. Während er im Krankenhaus behandelt wird, jagen seine Kollegen den Täter.

Gleichzeitig müssen sich Brants Kollegen, wie wir es aus den Polizeiromanen des von Brant abgöttisch verehrten von Ed McBain kennen, mit zahlreichen anderen Fällen herumschlagen. Aber im Gegensatz zu McBains ehrlichen Cops aus dem 87. Polizeirevier einer erfundenen US-amerikanischen Großstadt (die verdächtig an New York City erinnert), die Verbrechen aufklären wollen, sind Bruens Cops eher das Gegenteil.

So wird Police Constable McDonald, nachdem er eine Jugendliche verprügelte, von einem davon begeisterten Rentner zur Mitarbeit in einer Bürgerwehr erpresst. Schon deren erster Einsatz gegen das lokale Verbrechen läuft spektakulär aus dem Ruder. Am Ende ist ein Mitglied der Bürgerwehr, ein 75-jähriger Rentner, tot.

Sergeant Falls jagt eine Bande Happy Slappers. Das sind Jugendliche, die andere Menschen schlagen, ihre Attacken auf ihrem Handy aufnehmen und die Bilder verschicken. Weil Falls nicht vorankommt, bedient sie sich der bewährten Methode Brant: „Besorg dir ein Handy mit Kamera, dann schnapp dir den erstbesten Idioten, der dir über den Weg läuft. Verhafte ihn.“ Dummerweise wählt sie den falschen Mann als Schläger aus.

Und, als ob das alles nicht schon genug Stoff für einen knapp zweihundertseitigen Noir wäre, wurde die mehrfache Mörderin Angie aus der Haft entlassen. Im Gefängnis hatte sie sich zur Rechtsexpertin weitergebildet und Fehler in ihrem Strafverfahren entdeckt. Jetzt will sie sich an ihrer Anwältin rächen.

Shamus-, Macavity- und Barry-Gewinner Ken Bruen erzählt das alles gewohnt knapp und äußerst schwarzhumorig.

Mit „Scharfe Munition“ liegen Ken Bruens sieben Noirs mit Inspektor Brant (von denen der erste 2011 von Elliott Lester mit Jason Statham in der Hauptrolle verfilmt wurde) auf Deutsch vor und sie können, wie ich es getan habe und allen empfehlen würde, chronologisch gelesen werden. So entfalten die Verstrickungen der einzelnen Polizisten ihre volle Wucht.

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Ken Bruen: Scharfe Munition

(übersetzt von Karen Witthuhn, mit einem Nachwort von Anthony J. Quinn)

Polar Verlag, 2024

208 Seiten

17 Euro

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Originalausgabe

Ammunition

St. Martin’s Minotaur, 2007

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Hinweise

Wikipedia über Ken Bruen (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Ken Bruens „Aliens Bändigung“ (Taming the Alien, 1999)

Meine Besprechung von Ken Bruens „McDead“ (The McDead, 2000)

Mein Besprechung von Ken Bruens „Brant“ (Blitz – or… Brant hits the Blues, 2002)

Meine Besprechung von Ken Bruens „Füchsin“ (Vixen, 2003)

Meine Besprechung von Ken Bruens „Kaliber“ (Calibre, 2006)

Meine Besprechung von Ken Bruens „Jack Taylor fliegt raus“ (The Guards, 2001)

Meine Besprechung von Ken Bruens “Jack Taylor liegt falsch” (The Killing of the Tinkers, 2002)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Flop“ (Bust, 2006)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Crack“ (Slide, 2007)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Attica“ (The MAX, 2008)

Meine Besprechung von Ken Bruens „Sanctuary“ (2008)

Meine Besprechung von Ken Bruens „Once were Cops“ (2008)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Reed Farrel Colemans “Tower” (Tower, 2009)

Mein Porträt von Ken Bruen und Jason Starr in „Alligatorpapiere [Print] – Magazin für Kriminalliteratur – No. 2/2010“

Meine Besprechung von William Monahans Ken-Bruen-Verfilmung “London Boulevard” (London Boulevard, USA/GB 2010)

Meine Besprechung der TV-Serie “Jack Taylor” (Irland 2010/2011/2013 – basierend auf den Romanen von Ken Bruen)

Ken Bruen in der Kriminalakte

 


Cover der Woche

Oktober 22, 2024

Umwerfend komisch.

Bislang leider noch (?) nicht übersetzt.

 


Horst Eckert erzählt von der „Nacht der Verräter“

September 25, 2024

Liegt es am neuen Verlag, an den Auswirkungen von Corona mit viel freier Zeit zum Schreiben oder dass die Kinder aus dem Haus sind (Hat er welche?) und seine Frau ihn in sein Schreibzimmer schickt, damit sie ihre Ruhe hat? Keine Ahnung, aber seitdem Horst Eckert zu Heyne gegangen ist, veröffentlicht er jedes Jahr einen neuen Polizeithriller. Dieses Jahr heißt das Werk „Nacht der Verräter“ und es ist endlich wieder ein Einzelroman.

Im Gegensatz zu seinen Serienromanen, zuletzt den vier bei Heyne erschienenen Melia-Adan-Vincent-Veih-Romanen, kann Horst Eckert in seinen Einzelromanen mit seinen Figuren skrupelloser umgehen. In seinem nächsten Roman müssen sie nicht wieder mitspielen. Das eröffnet erzählerische Freiräume, die ein Autor bei einer Serienfigur nicht hat. Eine Serienfigur muss am Ende des Romans in einem Zustand sein, der es ihr ermöglicht, weitere Abenteuer zu erleben. Eine Serienfigur kann nur eine begrenzte Menge Leid ertragen, ehe es absurd unglaubwürdig wird. Bei einem Einzelroman muss Eckert sich darüber keine Gedanken machen. Alles ist möglich.

Gleichzeitig schuf Eckert von Anfang an eine Kontinuität zwischen seinen düsteren Polizeiromanen, indem er aus vorherigen Romanen bekannte Figuren als Nebenfiguren immer wieder auftreten ließ. Sie wurden älter und arbeiteten in verschiedenen Positionen in und außerhalb der Düsseldorfer Polizei. In „Nacht der Verräter“ verzichtet Eckert fast vollständig auf solche Kurzauftritte. Das ist für Eckert-Gesamtleser etwas enttäuschend, weil das vertraute Gefühl, bekannte Figuren wieder zu treffen, fehlt, aber angesichts der Geschichte mehr als verschmerzbar.

Im Mittelpunkt von „Nacht der Verräter“ steht Max Bauer. Bei einem Routineeinsatz wurde er schwer verletzt. Seine Kollegin starb. Seitdem arbeitet er im Stab des Polizeipräsidenten am Schreibtisch.

Während eines Urlaubs vor einem Jahr lernte Max seine jetzige Frau Julia und ihre jetzt fast dreijährige Tochter Emilia kennen und lieben. Über Julias Vergangenheit weiß er nichts, aber er weiß, dass er sie liebt und sie ihn. Das Gleiche gilt für Emilia. Sie ist seine Tochter.

Als Julia nach einer Familienfeier spurlos verschwindet, beginnt er sie zu suchen. Aber er hat keine Ahnung, wo er mit seiner Suche beginnen soll.

Zur gleichen Zeit wird Frodo, begnadeter Gitarrist und Aushilfsverkäufer im „Music Point“, ermordet. Amateurgitarrist Max ist oft in dem Geschäft seines Onkels Albert. Vor kurzem hat er für ihn auch zwei Gitarreverstärker in den Niederlande abgeholt.

In dem Musikgeschäft hängen auch seine Brüder ab. Sie sind, wie er, Polizisten und möglicherweise in illegale Geschäfte verwickelt. Das vermuten jedenfalls die internen Ermittler, die Max eines dieser vergifteten Angebote unterbreiten, das er nicht ablehnen kann: entweder er bespitzelt seine Brüder und seinen Onkel oder er wird wegen des Transports von Drogen angeklagt. Denn er beförderte, ohne es zu wissen, vor kurzem keine Gitarrenverstärker, sondern Drogen.

Max versucht also gleichzeitig Julia zu finden (und er erfährt bei dieser Suche einige unschöne Dinge über sie), die Wünsche der internen Ermittler zu befriedigen und seine Familie und Freunde vor einer Bestrafung zu retten. Beides ist zur gleichen Zeit nicht möglich.

Nachdem Eckerts vorherigen Polizeikrimis schon seit Jahren locker auch und teilweise vor allem Polit-Thriller waren, ist „Nacht der Verräter“ wieder ein waschechter Polizeikrimi mit korrupten Polizisten, die in kriminelle Geschäfte verwickelt sind und die in einen Krieg mit Drogenbanden geraten.

Eckert erzählt das gewohnt faktengesättigt und nah an der Wirklichkeit und den aktuellen Schlagzeilen. So muss Max Bauer sich mit der polizeilichen Begleitung von Demonstrationen zum aktuellen Israel-Palästina Konflikt herumschlagen. Die aus den Niederlande kommende Mocro-Mafia ist in die Drogengschäfte von Max Familie verwickelt.

Die Geschichte, die Eckert erzählt, ist ebenfalls gewohnt dicht geplottet. Auch wenn Menschen, die ihren Harlan Coben gelesen haben, schon kurz nach Julias Verschwinden einige gar nicht so falsche Vermutungen über Julias Vergangenheit anstellen werden. Das Ende und der Weg dorthin gestalten sich dann allerdings überraschend und ziemlich verwickelt. Schließlich jongliert Max Bauer, während er sich fragt, wem seine Loyalität gehören soll, gleichzeitig mit mehreren Bedrohungen für sich und seine Familie.

„Nacht der Verräter“ ist eine spannende Lektüre für ein verlängertes Wochenende. Oder eine schlaflose Nacht.

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Horst Eckert: Nacht der Verräter

Heyne, 2024

400 Seiten

17 Euro

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Hinweise

Homepage von Horst Eckert

Wikipedia über Horst Eckert

Meine Besprechung von Horst Eckerts „Königsallee“ (2007)

Meine Besprechung von Horst Eckerts “Sprengkraft” (2009)

Kriminalakte: Interview mit Horst Eckert über „Sprengkraft“

Meine Besprechung von Horst Eckerts „Niederrhein-Blues und andere Geschichten“ (2010)

Meine Besprechung von Horst Eckerts „Schwarzer Schwan“ (2011)

Meine Besprechung von Horst Eckerts „Schwarzlicht“ (2013)

Meine Besprechung von Horst Eckerts „Schattenboxer“ (2015)

Meine Besprechung von Horst Eckerts „Wolfsspinne“ (2016)

Meine Besprechung von Horst Eckerts „Im Namen der Lüge“ (2020)

Meine Besprechung von Horst Eckerts „Die Stunde der Wut“ (2021)

Meine Besprechung von Horst Eckerts „Das Jahr der Gier“ (2022)

Meine Besprechung von Horst Eckerts „Die Macht der Wölfe“ (2023)


„Cops und Killer“ – die Kriminalreportagen von Michael Connelly, wieder erhältlich

September 9, 2024

2007 erschien im Heyne-Verlag „L. A. Crime Report“, eine Sammlung von Reportagen, die Michael Connelly schrieb, bevor er mit seinen Harry-Bosch-Polizeiromanen weltweit Millionen Leser begeisterte. Sein mit dem Edgar ausgezeichnetes Romandebüt „Schwarzes Echo“ (The Black Echo) erschien 1992.

Jetzt veröffentlichte der Kampa Verlag unter dem Titel „Cops und Killer“ den Sammelband wieder – und ich hole meine alte Besprechung aus den Tiefen des Internets, entstaube sie (Hust!) und poste sie in leicht aktualisierter Form wieder:

Das neueste Buch “Cops und Killer“ von Michael Connelly ist eigentlich ein vollkommen überflüssiges Buch. Connelly-Fans wissen, dass er vor seiner Schriftstellerkarriere Polizeireporter für den „South Florida Sun-Sentinel“ und die „Los Angeles Times“ war. Diese Artikel verstauben, wie hunderttausende weitere Zeitungsartikel, in den Archiven der Zeitungen und Bibliotheken, wenn es nicht einen Grund gäbe, sie wieder auszugraben. Der Grund bei Michael Connelly ist ganz einfach. Er ist heute einer der großen zeitgenössischen Krimiautoren. Mit seinen Einzelwerken und, vor allem, der Harry Bosch-Reihe eroberte er weltweit die Herzen der Krimifans. Bei seinen Romanen fällt immer wieder auf, wie genau sie recherchiert sind und wie präzise die zahlreichen Informationen in der Geschichte präsentiert werden. Das lernte Connelly, wie die im irreführend betitelten „Cops und Killer“ abgedruckten Texte zeigen, als Polizeireporter.

In „Cops und Killer“ sind nämlich etliche Reportagen und Zeitungsartikel abgedruckt, die er zwischen 1984 und 1992 für den „South Florida Sun-Sentinel“ und die „Los Angeles Times“ schrieb. Die Artikel sind unter den Überschriften „Die Cops“, „Die Killer“ und „Die Fälle“ gebündelt. Meistens sind mehrere, miteinander zusammenhängende Artikel über einen Fall zusammengefasst worden. Diese Zeitungsartikel unterscheiden sich dann auch nicht von Zeitungsartikel, die andere Journalisten über teilweise ebenfalls Aufsehen erregende Verbrechen geschrieben haben. Es werden die Fakten, garniert mit einigen Zitaten, präsentiert. Es sind über dreißig bis vierzig Jahre alte Artikel, die damals für den schnellen Gebrauch geschrieben waren und heute – wenn man nicht gerade über diese Zeit recherchiert – vollkommen uninteressant sind.

Neben diesen für den täglichen Gebrauch geschriebenen Artikeln wurden auch einige seiner Reportagen aufgenommen. In ihnen ist am ehesten die Verbindung zwischen dem Polizeireporter, der irgendwann einmal Romane schreiben wollte, und dem heutigen Kriminalromanautor erkennbar. So findet sich in „Der Anruf“ die Stelle, in der Detective George Hurt, während er am Tatort keine Miene verzieht, den Plastiküberzug an seiner Brille mit seinen Zähnen zerbeißt. Für diese Reportage begleitete Michael Connelly eine Woche lang zwei Detectives. Ebenfalls von bleibendem Interesse sind die Reportagen über die Arbeit der Polizei gegen die sich in Florida entspannenden Mafiosi („Das Open Territory“), die Zusammenarbeit der Foreign Prosecution Unit von Los Angeles mit der ausländischen Justiz, um flüchtige Straftäter vor Gericht zu bringen („Grenzüberschreitungen“), die Reportage über eine Gruppe von unfähigen Mietkillern („Wo Gangster um die Ecke knallen“) und die Fallstudien „Böse, bis er stirbt“ über einen mutmaßlichen Mörder und „Ein Leben auf der Überholspur“ über einen Serieneinbrecher.

In den Reportagen und Artikeln, in denen Michael Connelly einzelne Fälle begleitete, fällt immer wieder auf, wie einige Fälle und darin verwickelte Personen in seine Romane eingeflossen sind. Denn, so Raymond-Chandler-Fan Connelly in dem lesenswerten Vorwort: „Meine Erlebnisse mit Cops und Mördern und meine Tage als Polizeireporter waren für mich als Romanautor von unschätzbarem Wert. Den Romanautor gäbe es nicht ohne den Polizeireporter. Ich könnte nicht über meinen fiktiven Detective Harry Bosch schreiben, hätte ich nicht zuerst die realen Detectives erlebt. Ich könnte meine Mörder nicht erfinden, hätte ich vorher nicht mit ein paar richtigen gesprochen.“

Deshalb ist „Cops und Killer“ kein überflüssiges Buch. Michael Connelly-Fans, die an allen von Connelly geschriebenen Texten und vor allem an den ersten Einflüssen für seine Romane interessiert sind, haben es bereits gekauft. Aber auch für True Crime-Fans und für Journalisten ist „Cops und Killer“ ein sehr lohnenswertes Buch. Denn, so Michael Carlson, in seinem ebenfalls lesenwertem Nachwort, Michael Connelly „ist Reporter im besten Sinn des Wortes, jemand, der es versteht, Informationen zu sammeln und die hinter den Fakten versteckte Geschichte zu erkennen, jemand, der es versteht, die Eindrücke der unterschiedlichen Menschen zu sortieren und zu erkennen, wie sie diesen Fakten zugrunde liegen, und vor allem jemand, der es versteht, das alles so zu Papier zu bringen, dass auch seine Leserschaft dazu in der Lage ist.“

Die deutsche Ausgabe wurde um einen kurzen Text von Jochen Stremmel über Connelly ergänzt.

 

Für die aktuelle Ausgabe wurde laut Impressum die Übersetzung überarbeitet. Beim flüchtigen Überprüfen fielen mir nur Kleinigkeiten.

Es gibt zwei weitere kleinere Änderungen. In der Originalausgabe werden die Originaltitel der Reportagen, Erscheinungsdatum und -ort am Ende des Buches gesammelt aufgelistet. In der Neuausgabe werden die Originaltitel nicht mehr genannt. Das Erscheinungsdatum und der -ort stehen bei den Reportagen.

Im Gegensatz zur Originalausgabe wurde auf ein Werkverzeichnis verzichtet. Weil diese Angaben leicht im Internet, u. a. bei Wikipedia, zu finden sind, ist das kein nennenswerter Verlust.

Ein Verlust wäre es allerdings, das Buch nicht zu lesen.

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Michael Connelly: Cops und Killer – Wahre Fälle aus L. A.

(übersetzt von Sepp Leeb)

Kampa, 2024

336 Seiten

18,90 Euro

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Deutsche Erstausgabe

L. A. Crime Report

Heyne, 2007

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Originalausgabe

Crime Beat: Selected Journalism 1984 – 1992

Steven C. Vasic Publications, 2004

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Neuauflage (bei einem größeren Verlag; diese Ausgabe ist populärer)

Crime Beat: A decade of covering cops and killers

Little, Brown and Company, 2006

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Britische Ausgabe unter dem Titel “Crime Beat – True Stories of Cops and Killers” bei Orion, 2006

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Hinweise

Homepage von Michael Connelly

Kampa über Michael Connelly

Wikipedia über Michael Connelly (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Michael Connellys “L. A. Crime Report” (Crime Beat, 2004)

Meine Besprechung von Michael Connellys „The Lincoln Lawyer“ (2005, deutscher Titel: Der Mandant)

Meine Besprechung der Filmausgabe von Michael Connellys „Der Mandant“ (The Lincoln Lawyer, 2005)

Meine Besprechung von Michael Connellys „Vergessene Stimmen“ (The Closers, 2005)

Meine Besprechung von Michael Connellys “Echo Park” (Echo Park, 2006)

Meine Besprechung von Michael Connellys “Kalter Tod” (The Overlook, 2007)

Michael Connelly in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Brad Furmans Michael-Connelly-Verfilmung „Der Mandant“ (The Lincoln Lawyer, USA 2011)

 


Über das Finale von Brian Azzarello und Eduardo Rissos „Moonshine“

September 4, 2024

Als bekannt wurde, dass das „100 Bullets“-Dream-Team Brian Azzarello und Eduardo Risso eine neue Comicserie starten würden, waren die Erwartungen hoch. Autor Azzarello und Zeichner Risso hatten in „100 Bullets“ eine epische Saga erzählt, die mit kleinen Hardboiled-Noir-Geschichten beginnt und zu einer komplexen zwischen Fakt und Fiktion changierenden Alternativerzählung der USA wird.

„Moonshine“ schien da die perfekte Fortsetzung zu sein. Während der Prohibition schickt der New Yorker Mafiaboss Joe Masseria Lou Pirlo in eine entlegene Gegend der Appalachen. Pirlo soll in Spine Ridge, West Virginia, von Hiram Holt dessen selbstgebrannten Schnaps kaufen. Aber Holt will nicht verkaufen. Und in den Wäldern sind neben Schnapsbrennern und Bären auch Werwölfe. Nach einer Begegnung mit einem Werwolf wird Pirlo selbst zu einem Werwolf.

Der Auftakt der Serie ist gelungen. Aber in den späteren Sammelbänden, die in New Orleans und Cleveland spielen, verliert Brian Azzarello vollkommen den erzählerischen Faden.

Der jetzt erschienene fünfte und finale „Moonshine“-Band „Die Quelle“ führt Pirlo wieder zurück nach New York und mitten hinein in einen Krieg zwischen seinem Boss Masseria und Holt, der in New York seinen Anteil an Alkoholgeschäft haben will und dafür über Leichen geht. Zur gleichen Zeit ermittelt Bundesagent Dick Roth in einer Mordserie: ein unbekanntes Wesen tötet nachts bestialisch Menschen. Und die Nachtclubsängerin Tempest will Masseria töten. Das sind genug Konflikte für einen dicken Prohibitions-Gangsterkrimi. Azzarello und Risso handeln sie auf hundertvierzig Seiten ab.

Aber anstatt die verschiedenen neu begonnenen Plots und vielleicht noch einige ältere losen Handlungsfäden konzentriert zu einem überzeugenden Finale zusammenzuschnüren, zerfasert die Story weiter bis zum blutigen Ende.

„Die Quelle“ ist das enttäuschende Ende einer enttäuschenden Serie. Die wunderschön pulpigen Zeichnungen von Eduardo Risso können „Moonshine“ nicht retten. Aber sie machen jede Seite zu einem Vergnügen für das Auge.

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Brian Azzarello/Eduardo Risso: Moonshine: Die Quelle (Band 5)

(übersetzt von Andreas Kasprzak)

Cross Cult, 2024

144 Seiten

22 Euro

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Originalausgabe

Moonshine, Volume #5

Image Comics, 2021

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Hinweise

Wikipedia über Brian Azzarello (deutsch, englisch) und Eduardo Risso (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos “Jonny Double” (Jonny Double, 2002)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Marcello Frusins “Loveless 1 – Blutrache” (Loveless: A Kin’ of Homecoming, 2006)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Marcello Frusins „Loveless 2 – Begraben in Blackwater“ (Loveless: Thicker than Blackwater, 2007)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Danijel Zezeljs „Loveless 3 – Saat der Vergeltung” (Loveless: Blackwater Falls, 2008)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Danijel Zezeljs “Loveless 4 – Stunde der Abrechnung” (Loveless, Vol. 19 – 24, 2008)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos “100 Bullets 3 – Alle guten Dinge” (100 Bullets: Hang up on the Hang Low, 2001)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos „100 Bullets 5 – Du sollst nicht töten“ (100 Bullets Vol. 5: The Counterfifth Detective, 2002)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos „100 Bullets – Dekadent (Band 10)“ (100 Bullets: Decayed, Volume 68 – 75)

Meine Besprechung von Brian Azzarellos/Eduardo Rissos „!00 Bullets: Das Einmaleins der Macht (Band 11)“ (100 Bullets: Once upon a crime, Volume 76 – 83)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos „100 Bullets: Das dreckige Dutzend (Band 12)“ (100 Bullets: Dirty, Volume 84 – 88)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos “100 Bullets: Freitag (Band 13) (100 Bullets: Wilt, Volume 89 – 100)

Meine Besprechung von Brian Azzarello (Autor)/Eduardo Risso (Zeichner): Batman – Kaputte Stadt, 2012 (Broken City: Part 1 – 5, Conclusio (Batman # 620 – 625), Dezember 2003 – Mai 2004)

Meine Besprechung von Brian Azzarellos “Wonder Woman: Blut (Band 1)” (Wonder Woman #1 – 6, 2011/2012)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Lee Bermejos „Before Watchmen: Rorschach“ (Before Watchmen: Rorschach – Damntown (Part One – Four), 2012/2013)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Goran Sudžuka/Cliff Chiangs „Wonder Woman: Königin der Amazonen (Band 6)“ (Wonder Woman # 30 – 35, 2014)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Matteo Casalis „Batman: Europa (Batman: Europa, 2016)

Meine Besprechung von Frank Miller/Brian Azzarello/Andy Kubert/Klaus Janson/Brad Anderson/Alex Sinclairs „Batman – Die Übermenschen“ (Dark Knight III: The Master Race # 1 – 9, 2018 )

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos „Batman: Kaputte Stadt und weitere Abenteuer“ (Batman: Gotham Knights #8, 2000; Batman # 620 – 625, 2003/2004; Flashpoint: Batman – Knight of Vengeance # 1 – 3, 2011; Wednesday Comics # 1 – 12, 2009)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Lee Bermejos „Batman: Damned – Band 1“ (Batman: Damned # 1, 2018)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Lee Bermejos „Batman: Damned – Band 2“ (Batman: Damned # 2, 2018)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Lee Bermejos „Batman: Damned – Band 3“ (Batman: Damned 3, 2019)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos „Moonshine – Band 1“ (Moonshine, Volume 1, 2017)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos „Moonshine: Band 2“ (Moonshine, Volume #2, 2017)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Lee Bermejos „Batman/Deathblow: Nach dem Feuer“ (Batman/Deathblow: After the Fire #1 – 3, 2002)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Maria Llovets „Faithless – Band 1“ (Faithless # 1 – 6, 2020)


TV-Tipp für den 4. September (+ Reeves/Miéville-Buchtipp): John Wick

September 3, 2024

Kabel 1, 23.30

John Wick (John Wick, USA 2014)

Regie: Chad Stahelski, David Leitch (ungenannt)

Drehbuch: Derek Kolstad

Als der missratene Sohn eines Mafiosos den Hund von John Wick tötet, packt der Ex-Killer John Wick seine eingelagerten Waffen wieder aus.

Actionfilm der wegen seines Stils und seiner furiosen Actionszenen begeistert.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Keanu Reeves, Michael Nyqvist, Alfie Allen, Willem Dafoe, Dean Winters, Adrianne Palicki, Omer Barnea, Toby Leonard Moore, Daniel Bernhardt, Bridget Moynahan, John Leguizamo, Ian McShane

Hinweise

Moviepilot über „John Wick“

Metacritic über „John Wick“

Rotten Tomatoes über „John Wick“

Wikipedia über „John Wick“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Chad Stahelskis „John Wick“ (John Wick, USA 2014)

Meine Besprechung von Chad Stahelskis „John Wick: Kapitel 2“ (John Wick: Chapter 2, USA 2017)

Meine Besprechung von Chad Stahelskis „John Wick: Kapitel 3“ (John Wick: Chapter 3 – Parabellum, USA 2019) und der Blu-ray

Meine Besprechung von Chad Stahelskis „John Wick: Kapitel 4“ (John Wick: Chapter 4, USA 2023)

Meine Besprechung von David Leitchs „Atomic Blonde“ (Atomic Blonde, USA 2017)

Meine Besprehung von David Leitchs „Deadpool 2“ (Deadpool 2, USA 2018)

Meine Besprechung von David Leitchs „Fast & Furious: Hobbs & Shaw“ (Fast & Furious presents: Hobbs & Shaw, USA 2019)

Meine Besprechung von David Leitchs „Bullet Train“ (Bullet Train, USA 2022)

Meine Besprechung von David Leitchs „The Fall Guy“ (The Fall Guy, USA 2024)

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Bonushinweis: Ein Lesetipp

Gut, es ist nicht John Wick, aber die von Keanu Reeves erfundene Figur B, halb Mensch, halb Gott, verdammt zu einem Leben voller Gewalt und unsterblich, sieht in den von Keanu Reeves und Matt Kindt geschriebenen und Ron Garney gezeichneten Comics wie Keanu Reeves aus. Die drei „BRZRKR“-Comicbände erschienen bei Cross Cult.

Ein vierter Comicband, der zwei Geschichten aus dem 80.000 Jahre dauernden Leben von B erzählt, ist für Mitte Oktober angekündigt.

Eine andere Geschichte aus dem Leben erzählt der vor wenigen Tagen im neuen Gutkind-Verlag erschienene Roman „Das Buch Anderswo“. Zusammen mit China Miéville erzählt Reeves die Geschichte über B und seiner Suche nach dem Grund für seine Unsterblichkeit als Roman.

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Keanu Reeves, China Miéville: Das Buch Anderswo

(aus dem Englischen von Jakob Schmidt)

Gutkind Verlag, 2024

528 Seiten

24 Euro (gebundene Ausgabe)

19,99 Euro (E-Book)

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Hinweise

Wikipedia über China Miéville (deutsch, englisch)

Blog von China Miéville

Meine Besprechung von China Miévilles „Die Stadt & Die Stadt“ (The City & The City, 2009)

Meine Besprechung von China Miéville: Die letzten Tage von Neu-Paris (The last Days of New Paris, 2016)

Meine Besprechung von Keanu Reeves/Matt Kindt/Ron Garney/Bill Crabtrees „BRZRKR – Band Eins“  (BZRKR Volume One, 2021)


Nach „Alien: Romulus“: ein Blick in die „Alien“-Comics von Phillip Kennedy Johnson und Declan Shalvey

August 28, 2024

Der Kinostart des neuen, ziemlich gelungenen „Allien“-Films „Alien: Romulus“ und die fast zeitgleiche Publikation von „Alien: Descendant“ sind eine willkommene Gelegenheit, einen Blick in die aktuellen „Alien“-Comics zu werfen. Seit 2021 erscheinen sie bei Marvel. Den Auftakt zu der neuen Serie machte Phillip Kennedy Johnson mit drei bestenfalls lose miteinander verbundenen Geschichten. Im April 2023 übergab er in einem fliegendem Wechsel an Declan Shalvey. Er schrieb zwei miteinander verbundene „Alien“-Miniserien, die auch unabhängig voneinander gelesen werden können. Diese fünf Miniserien und zwei One-Shots sind bei Panini auf Deutsch erhältlich.

In der Auftaktgeschichte „Blutlinie“, geschrieben von Phillip Kennedy Johnson, gezeichnet von Salvador Larroca, muss 2200 der pensionierte Weyland-Yutani-Sicherheitschef Gabriel Cruz noch einmal zurück auf die Forschungsstation Epsilon. Die Station wurde überfallen. Die Täter, zu denen sein Sohn Danny gehört, haben jetzt Zugriff auf die gesamten Forschungen des Konzerns über die Xenomorphe. Aber Cruz soll nicht seinen Sohn, sondern den Alpha-Embryo retten.

In „Erweckung“, der zweiten Miniserie von Phillip Kennedy Johnson und Salvador Larroca, hat eine religiöse Gruppe im Jahr 2202 den Mond Euridice bewohnbar gemacht. Jetzt hoffen die Spinners (sorry, so nennen sie sich), dass der Mond – wie United Americas (UA) ihnen versprochen hat – ihr Eigentum wird. Anschließend wollen sie dort ihr religiöses Reich errichten.

Am Tag der geplanten Übergabe taucht ein UA-Schiff auf und stürzt auf den Planeten. Die Besatzung ist tot. Die Fracht – eine Ladung Xenomorphe – nicht. Die Aliens beginnen sofort, die Spinners zu jagen.

Jane, ein geachtetes Mitglied der Sekte, das an einer degenerativen Erkrankung leidet, die ihre Bewegungsfähigkeit zunehmend einschränkt, beginnt mit einigen anderen Gläubigen gegen die ‚Hunde des Verderbens‘ zu kämpfen.

Zusätzlich ist in diesem Band die 2193 spielende Geschichte „Ein Überlebender“ aus „Alien Annual (2022) enthalten. Sie erzählt ein früheres Abenteuer von Gabriel Cruz.

In „Icarus“, der dritten und finalen Geschichte von Phililip Kennedy Johnson, dieses Mal von Julius Ohta gezeichnet, macht 2217 United Systems Army einer Gruppe rebellierender Kampfandroiden ein verlockendes Angebot: wenn sie auf Tobler-9 eine Mission erfolgreich durchführen, werden sie zu freien Bürgern.

Auf Tobler-9 hatte Weyland-Yutani einem Forschungs- und Entwicklungsstützpunkt. Auch dort wurde an Xenomorphen geforscht und ein Universalimpfstoff entdeckt. Inzwischen beherrschen die Xenomorphe den Planeten und kein Mensch würde, im Gegensatz zu den Synths, auf dem Planeten auch nur eine Minute überleben. Aber wie lange können die Synths überleben?

In „Tauwetter“, geschrieben von Declan Shalves, gezeichnet von Andrea Broccardo, geht es auf den eisigen Mond LV-695 und in das Jahr 2195. Die Wissenschaftlerin Batya Zahn will im Auftrag von Talbot Engineering Inc. (kürzlich übernommen von Weyland-Yutani) herausfinden, wie bei Terraforming-Prozessen Wasser gewonnen werden kann. Bei ihr sind ihre Tochter Zasha und Dayton, ein Androide, der die Rolle von Zashas Vater übernommen hat.

Als Zasha bei einem Ausflug in einem Eisblock ein Tier entdeckt, nimmt sie es mit in die Station.

Kurz darauf taucht ein Schiff von Weyland-Yutani auf. Wendell Theen und die von ihm angeführten Elitesoldaten übernehmen die Station. Sie wollen die Forschungsdaten und das von Zasha entdeckte Tier. Und schon beginnt ein gnadenlos geführter Kampf zwischen der Familie Zahn, den Weyland-Yutani-Soldaten und den Aliens. Denn wo ein Xenomorph ist, sind mehrere.

„Descendant“, Shalvey/Broccardos zweite und letzte „Alien“-Miniserie, ist eine Mischung aus Fortsetzung und Einzelgeschichte. 2208, dreizehn Jahre nach den in „Tauwetter“ geschilderten Ereignissen kehrt Zasha, inzwischen eine junge Frau, zurück auf den Mond LV-695. Sie will auf dem Planeten noch etwas erledigen. Die Reise unternahm sie als Mitglieder der Besatzung eines Weyland-Yutani-Bergungsschiffs, das das damals zerstörte firmeneigene Raumschiff und die Fracht bergen soll.

Kurz nach ihrer Landung werden viele Menschen Alien-Futter.

In diesem Sammelband ist auch die „Alien Annual (2023)“-Geschichte „Königsmord“ enthalten. Ohne Worte erzählen Declan Shalvey und Zeichner Danny Earls, wie die Aliens auf dem Mond LV-695 landen und sich gegenseitig angreifen.

Wie die Aliens die Menschen töten ist seit dem ersten „Alien“-Film bekannt. Dan O’Bannon und Ronald Shusett schrieben die Geschichte, Ridley Scott übernahm die Regie und H. R. Giger erschuf die furchteinflößenden Aliens. Weitere Spielfilme, Romane, Comics und Computerspiele, teils mit neuen Aliens, folgten.

Neben den Aliens, die einfach nur Menschen töten, ist der Konzern Weyland-Yutani der zweite, oft sehr im Hintergrund agierende Bösewicht der „Alien“-Welt. Weyland-Yutani schickt Raumschiffbesatzungen an Orte, in denen Xenomorphe sind. Er schickt Soldaten los. Sie sollen die Tiere oder ihre Eier mitnehmen. Alles andere ist egal. Und er forscht eifrig und ohne sich von Mißerfolgen abschrecken zu lassen an den verschiedenen Xenomorphen, die, wenn man sie steuern könnte, eine sehr effiziente Waffe wären.

Im Mittelpunkt der fünf Comic-Geschichten steht immer ein Alien-Angriff und einige Menschen, die sich verteidigen.

Das ist immer spannend, kurzweilig und auch immer wieder überraschend, aber es bleibt auch immer an der Oberfläche. Phillip Kennedy Johnson und Declan Shalvey variieren in verschiedenen Settings die bekannten Eckdaten einer „Alien“-Geschichte.

Das erinnert an das Vorgehen bei den ersten „Alien“-Filmen und bei der von Garth Ennis erfundenen Zombie-Horrorserie „Crossed“. Ennis erlaubte, nachdem er seine „Crossed“-Geschichte erzählt hatte, anderen Autoren in der von ihm erfundenen Welt Zombiegeschichten zu erzählen.

Im Gegensatz zu den sehr unterschiedlichen „Crossed“-Erzählungen wirken die „Alien“-Geschichten etwas austauschbar. Denn so spaßig es ist, verschiedene Alien-Angriffe an verschiedenen Orten zu erleben, so ähnlich und auch redundant ist das immergleiche Gemetzel der Aliens an weitgehend austauschbaren Menschen. Hier wäre, auch wenn die Geschichten dann länger würden, mehr möglich. Es muss ja nicht so verquast werden wie in den letzten beiden „Alien“-Filmen von Ridley Scott.

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Phillip Kennedy Johnson/Salvador Larroca: Alien: Blutlinien (Band 1)

(übersetzt von Alexander Rösch)

Panini Comics, 2022

160 Seiten

20 Euro

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Originalausgabe/enthält

Alien (2021) # 1 – 6

Marvel, Mai – Oktober 2021

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Phillip Kennedy Johnson/Salvador Larroca: Alien: Erweckung (Band 2)

(übersetzt von Alexander Rösch)

Panini Comics, 2022

176 Seiten

22 Euro

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Originalausgabe/enthält

Alien (2021) # 7 – 12

Marvel, September 2021 – Juni 2022

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Alien Annual (2022) 1

September 2022

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Phillip Kennedy Johnson/Julius Ohta: Alien: Icarus (Band 3)

(übersetzt von Alexander Rösch)

Panini Comics, 2023

144 Seiten

19 Euro

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Originalausgabe/enthält

Alien (2022) # 1 – 6

Marvel, November 2022 – April 2023

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Declan Shalvey/Andrea Broccardo: Alien: Tauwetter (Band 1)

(übersetzt von Alexander Rösch)

Panini Comics, 2023

128 Seiten

17 Euro

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Originalausgabe/enthält

Alien (2023) # 1 – 5

Marvel, April 2023 – August 2023

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Declan Shalvey/Andrea Broccardo/Danny Earls: Alien: Descendant (Band 2)

(übersetzt von Alexander Rösch)

Panini, 2024

136 Seiten

17 Euro

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enthält

Alien Annual (2023) 1

Dezember 2023

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Alien (2023 B) # 1 – 4

Marvel, Januar – April 2024

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Hinweise

Wikipedia über das Alien-Franchise (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von J. W. Rinzlers „Alien – Die Entstehungsgeschichte“ (The Making of Alien, 2019)

Meine Besprechung von J. W. Rinzlers „Aliens – Die Entstehungsgeschichte“ (The Making of Aliens, 2020)

Meine Besprechung von Ridley Scotts “Prometheus” (Prometheus, USA 2012)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Alien: Covenant“ (Alien: Covenant, USA 2017)

Meine Besprechung von Alan Dean Fosters „Alien: Covenant“ (Alien: Covenant, 2017) (Filmroman)

Meine Besprechung von Dan O’Bannon/Christiano Seixas/Guilherme Balbis „Alien – Die Urfassung“ (Alien: The Original Screenplay # 1 – 5, 2020)

Meine Besprechung von Fede Alvaraz‘ „Alien: Romulus(Alien: Romulus, USA 2024)